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CANABBAIA
Samstag, 26. November 2005
 
GINNHEIMS GIFTIG GEWESENE EIBE oder STEUERVER(SCH)WENDUNG IN FRANKFURT AM MAIN


Ich will es Ihnen nachsehen, und nicht als Zeichen mangelnder Bildung bezeichnen, wenn Sie das Ginnheimer Blättchen nicht kennen. Auch die New York Times oder die Frankfurter Allgemeine Zeitung kennt nicht jeder; und nicht jeder der sie kennt, liest sie (ich z. B. lese die NY Times nicht, und die FAZ nur dann, wenn jemand sie im Zug liegen gelassen hat).

Zumindest Ginnheim, Ortsteil von Frankfurt, können Sie, wenn Sie ihn noch nicht kennen, hier kennen lernen. Ich selbstverständlich lese das "Ginnemer Blättche". Nicht regelmäßig natürlich, aber kürzlich geriet es mir in die Finger: ein Exemplar der Ausgabe Nr. 20, die im November 2005 erschienen ist (und deren Informationsgehalt bis Ostern 2006 ausreichen muss – damit noch Zeit für andere Lektüre bleibt).

Den Bildungswert des Ginnemer Blättche mache ich an einem "Nachruf" fest. Grabrede auf eine Eibe, welcher als Friedhofsbaum den Gräbern ohnehin nahe, in diesem Falle aber auch selbst dahingegangen ist.

Dieser spezielle Eibenbaum war freilich auch ein Grab für Steuergelder. 50 Jahre alt war er, stand am Ginnheimer Kirchplatz und sollte entfernt werden. "Da gab's Proteste seitens der Bürgerschaft. Sogar die Presse nahm sich dankenswerterweise dieser kleinen Ginnheimer Angelegenheit an. Unter diesem Druck beschloss das Grünflächensamt ..., die Eibe am Leben zu lassen" schreibt das Ginnemer Blättche. Und so versetzte man sie, mit einem Kostenaufwand von 6.000,- €, vor die Eschersheimer Emmauskirche. Wo sie dann sanft verschied.

Taxus baccata has taxed the taxpayer, könnte man auch sagen. Und hat bewiesen, dass sie auch für diesen das reine Gift ist. Kein Wunder: ist ja auch ein Nacktsamer! Dem Steuerzahler jedoch kann man offenbar noch immer in die Tasche fassen.


In diesem Falle sollte man vorsichtig sein mit dem Schimpfen auf die Verschwendungssucht der Politiker. Hier kann sich der Bürger (wie auch sonst nicht selten, oder sogar – mehr oder weniger direkt - in den meisten Fällen) gewissermaßen "bei sich selbst" für die Steuerkonfetti (d. h. für die Umwandlung von Steuergeldern in zum Fenster hinaus gestreute Papierschnitzel) bedanken.


Es geht aber auch anders, d. h.: notfalls schaffen es Politiker auch allein.

Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe wurden (großenteils) zusammengelegt. Der Monsterbürokratie der Bundesagentur für Arbeit kann man so etwas natürlich nicht überlassen. Die Kommunen, klein, bürgernah, effizient wie sie sind (d. h. wie die Hartz-IV-Architekten Wolfgang Clement und Roland Koch sie sich vorstellen - oder uns darstellen) wären, nach der von Clement und Koch zusammengekochten Arbeitsplatzologie, natürlich viel besser in der Lage, Arbeitssuchenden in (realiter zwar leider nicht vorhandenen) Jobs zu vermitteln.

Da aber offenbar auf die Erfahrung der BA nicht gänzlich verzichtet werden konnte, hat die Politik diese und die Kommunen (mit einigen Ausnahmen, wo die Kommunen allein die Job Center organisieren durften) als Partner zusammengezwungen.
Zwangsehen sind immer problematisch; jedenfalls ihren Beschäftigten wollte die Stadt Frankfurt am Main solche nicht zumuten. Wer wollte, sollte in die Job-Center wechseln, wer nicht wollte, blieb eben, in welchem Sozialamt sie oder er gerade saß. Arbeit gibt es dort nicht mehr viel, aber Arbeitsplätze. Worauf denn auch viele sitzen geblieben sind.

Nett von der Politik, wenn sie Arbeitsplätze für E-Lok-Heizer vorhält. Allerdings dem mezziogiornalen Klientelismus bereits bedenklich nahe. Keine Unruhe, keine (potentiellen) Wähler vergraulen: so richtig menschlich haben die Frankfurter Stadtmütter und Stadtväter (oder welcher santo in paradiso auch immer dafür verantwortlich ist) hier gehandelt.
Und beinah schon so bürgernah, wie Kommunalpolitik oft auf Sizilien war.

Das kostet; indes:

IST ERST DIE STEUERSCHWEMME LEER,
SCHAFFT MERKELMÜNTE WIEDER "FLÜSSIGKEIT" HER.

Genau 19-prozentige!

Wie ja überhaupt MeMü für "Mehr Münzen" steht.

"Schlagschatz" für das Staatsärar, so zu sagen, denn schließlich erhebt die Politik von uns Steuerzahlern demnächst noch mehr Mehr-Wert, und zwar nach der Strategie des "getrennt marschieren, vereint schlagen": in diesem Falle den Steuerzahler, .

Texstand vom 27.11.2005
Gesamtübersicht der Blog-Einträge auf meiner Webseite http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm

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Mittwoch, 23. November 2005
 
Dave Pollards Reflexionen über das Bloggen
Einfach nur Linkfunde einzustellen, ist mir eigentlich etwas zu wenig für einen Blog-Eintrag.
Hier aber mache ich eine Ausnahme, weil Dave Pollard (auf Englisch) sehr gründlich über Blogger und deren Leser nachgedacht hat, bzw. bedenkenswerte Forderungen aufstellt.

Eine Art "Checkliste" ziert bei ihm jede Seite und war es immerhin einem anderen Blogger (der den "Dung heiliger Kühe" sammelt?) wert, sie als "find of the week" vollständig wiederzugeben und kurz aber begeistert zu kommentieren: http://www.sacredcowdung.com/archives/2005/11/find_of_the_wee_1.html

Und hier (http://blogs.salon.com/0002007/2003/07/30.html#a346) ein längerer Aufsatz von Pollard unter dem Titel "The blogging process". Wirklich anregende Lektüre. (Auch wenn man sich selbst nicht - immer - an die Empfehlungen hält bzw. halten kann.)



Textstand vom 15.04.2007. Auf meiner Webseite
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Dienstag, 22. November 2005
 
WELTDENKE

Bloggen ist eine relativ bequeme Publikationsmöglichkeit; indes kann es mit der Zeit ein wenig unübersichtlich werden. Ich zumindest möchte einen gewissen Überblick über meine Einträge behalten, und diese bei Bedarf auch schnell aufrufen können.

Technisch versiertere Blogger als ich mögen dafür intelligentere Lösungen haben; ich konnte lediglich eine Word-Tabelle erstellen. Zunächst nur für mich, doch sollten auch ggf. interessierte Besucher Zugang haben. Deshalb habe ich sie mittlerweile auf meiner Webseite veröffentlicht, und zwar im "Drusenreich 1" (http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm).

Nur die jeweilige Überschrift und den jeweils individuellen Link zum einzelnen Eintrag aufzunehmen, wäre mir freilich zu wenig gewesen. Nicht immer sagen meine Überschriften etwas über den Inhalt aus. Also eine kurze Inhaltsangabe. Damit aber auch diese wiederum übersichtlich eingeteilt sind, schien die Angabe der Kategorie zweckmäßig, welcher ich die einzelne Eintragung zuordnen zu sollen glaube. "Persönliches" ist eine eindeutige und nahe liegende Rubrik; "Reise" ebenso.

Unter welchen Oberbegriff aber packe ich für mich und für evtl. Leser zweckmäßig meine schweifenden Gedanken über 'Gott und die Welt'?
"Umwelt", "Gesellschaft", "Kultur" - alles Mögliche bietet sich an.
Vorab natürlich "Philosophie", aber zu viele Umstände sprechen gegen die Verwendung dieses Begriffs für meine Einträge. Zu Heidegger, Kant und Co. kann ich mich weder aufschwingen, noch will ich mich mit denen gemein machen. Einerseits.
Und andererseits ist der Begriff "Philosophie" arg verblasst in einer Zeit, da man von "Firmenvertriebsführungsphilosophie" spricht oder jedenfalls sprechen könnte.

Warum nicht, wenn man schon über 'Gott und die Welt' nachdenkt, den Begriff "Welt" in der Beschreibung der entsprechenden Textsorte verwenden? Und "denken" - ganz einfach!

"Weltdenken"? Nein: das ist mir irgendwie zu abgeschlossen, lautlich mit dem Konsonanten am Ende und inhaltlich ebenso. Der Begriff suggeriert System, so zu sagen einen männlichen geistigen Marschtritt.: Welt, wir kommen und be-denken dich!

Also lieber weiblicher, vager, unbestimmter: so wie "die" Philosophie halt. Offenheit, wie sie schon lautlich der Vokal am Wortende andeutet.

Also: WELTDENKE! Der Begriff für die frei schweifende Spekulation. Inhaltlich passt alles da rein: Kosmologie ebenso wie Kulturphilosophie. Und vor allem hat "die Denke" so etwas Freies, Schwebendes. Wissen müssen Wissenschaftler. Ich kann mich damit begnügen, zu fragen, zu hinterfragen, und zweifelhafte Systematisierungen zu kritisieren.

Deshalb denke ich ist "Denke" ein angemessener Begriff zur kategorialen Einordnung derartiger Texte. Und "Welt" erinnert, erfreulicher Nebeneffekt, zugleich an "Weltbild".
Oder an "beltwild" :-).


Textstand vom 15.04.2007. Auf meiner Webseite
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Sonntag, 20. November 2005
 
EINE PHILIPPIKA GEGEN DEN NIEDERGANG DER DEUTSCHEN PHILOSOPHIE ALS DOKUMENT DES NIEDERGANGS DER DEUTSCHEN PHILOSOPHIE


Auf der Suche nach Jared Diamond fand ich Dr. Joachim Jung. Ton, Tusch, Titel: "Die Korruption der Vernunft". Donnerwetter! dachte ich, da stehe ich ja vor einem intellektuellen Geschütz vom Dicke-Berta-Kaliber. So ähnlich wie bei Robert Kurz, der sich kurz mal so Gedanken über "Der ontologische Bruch" macht. Aber immer schön der alphabetischen Reihenfolge nach, oder: "Warte, Robert, noch ein Weilchen, dann kommt Burkhardt auch zu dir!"

Nun ist jedenfalls erst mal Joachim Jung an der Reihe. Der sagt harte (und zweifellos richtige) Worte über die deutsche Universitätsphilosophie. Freilich, wenn man die Geschichte des Denkens betrachtet: der Großen Zahl war immer sehr begrenzt. Man könnte sogar sagen, dass sie per definitionem begrenzt bleiben muss, denn nur wo viel Kleinzeug wimmelt, kann ein Großer groß rauskommen.

Und überhaupt sagte ja schon JWG: "Was du ererbt von deinen Vätern hast, käu's wieder, um es zu besitzen!" Se non è vero, dann hat er es halt etwas anders formuliert. Indes glaube ich durchaus, dass auch die akademische Philosophen als Umwälzpumpen des Denkens eine Funktion und Existenzberechtigung haben – wenn's denn nicht zu viele werden. Und nicht zu teuer für uns als Zahler von Steuer.

Wünschen würde ich mir freilich mit Dr. Jung, dass sich in dem vielfältig durchgekneteten Gedankenteig doch ab und an ein Hefepilz erheben möge. Recht gebe ich ihm, bzw. hätte ich ihm 1998, als er seinen Aufsatz publizierte, auch darin geben müssen, dass die Hefe nur noch im Westen, gelegentlich transrhenanisch (meist links, logisch, da Trans-Rhenanien links-rheinisch liegt), in der Hauptsache aber transatlantisch aufgeht.

Seit freilich Peter Sloterdijk im Hotel Schloss Elmau (das übrigens ist neulich in Brand aufgegangen: zu viel Schwefel dort gelassen, der Sloterdijk?) den Humanismus transzendierte und die Menschen im Park parkte, müssen wir differenzieren: "Deutsche Philosophie ohne Weltrang - bis auf Sloterdijk!" Mittlerweile freilich flüchtet sich Sloterdijk vor der Verfolgung durch die Tierfreunde (ich weiß nicht, ob der von Joachim Jung hochgelobte Richard David Precht auch dabei war, oder ob er gerade in "Noahs Erbe" "Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen" was niederschrieb – nee, das kann nicht sein, das Buch ist ja schon 1999 erschienen). Und versucht seine "Regeln für den Menschenpark" (hier eine tief schürfende Interpretation - in der Wikipedia!) hinweg zu scherzen. So ist das halt, wenn man (nicht nur:) die Schöpfungskronen auf den Lehrstuhlthronen provoziert, sie sollen die Löffel spitzen (nein, nicht: abgeben), dann werden die fuchsteufelswild, und der Philosoph muss aus seinem Versuchsballon mit politischen Manövern die Luft rauslassen. Philosophie in Deutschland? Unser Schlottderdeich jedenfalls schluckt keinen Schierlingsbecher, will nicht einmal den Kelch der Exklusion aus dem Mainstream-Moraldiskurs leeren.

Dabei wollte doch Peter Sloterdijk nur dem Transhumanismus ein Türchen öffnen. Denke ich jedenfalls. Das aber kann man in D.land nicht bringen. Das dorten indigene Forschervolk gibt lieber vor, dass es die selbst gezogenen Grenzen erforschen wolle, als dass es in der Natur was forscht. Geistiges Aschevolk, schlotternd vor Angst, man könnnte in die "technological singularity" (http://en.wikipedia.org/wiki/Technological_singularity) akzelerieren. Was wäre denn so schlimm daran (vorausgesetzt natürlich, unsere beseelten Golems oder irgendein "grey goo" (http://en.wikipedia.org/wiki/Grey_goo) machen uns nicht alle. Aber selbst das müssten wir, wollten wir wirklich philosophisch denken, akzeptieren. Jedenfalls dann, wenn man Philosophie als abstrakte Liebe zur Erkenntnis, und nicht als ein codiertes Spiel menschlicher Interessen verstehen und betreiben will.


Einschub:
Doch, auch vor Sloterdijks Menschenpark gab es Philosophie und Philosophen in Deutschland, einen zumindest, er einen gewissen internationalen Rang beanspruchen durfte: Niklas Luhmann. Was immer man von seinen Thesen halten mag (vorausgesetzt, man versteht sie überhaupt, was ich für mich keineswegs beanspruchen will; habe bislang allerdings auch erst zwei Aufsätze von ihm gelesen): "Nur" Soziologie sind sie gewiss nicht.
Ein Absatz wie dieser (aus seinem Vortrag "Entscheidungen in der Informationsgesellschaft"):
"Um diesen Fragen Rechnung zu tragen, könnte man Entscheidungen definieren als Einführung von Zeit in die Zeit. Zeit ist ja zunächst als eine Art Hintergrundrauschen des ständigen Kommens und Vergehens gegeben. In diese ursprüngliche Zeit kann ein Beobachter die Unterscheidung von Vorher und Nachher einführen, wenn er Zeitpunkte oder Ereignisse identifiziert, die diesen Unterschied machen (das heißt: ohne die er entfallen würde). Da es endlos viele Möglichkeiten für solche Zäsuren gibt, bleibt Zeit im Sinne einer Vorher/Nachher-Differenz beobachterrelativ. Handlungen sind nur möglich, wenn man sie bestimmt als ein Ereignis, das im Hinblick auf Vorher und Hinterher einen Unterschied macht. Das bereitet noch keine besonderen Schwierigkeiten und führt auch nicht zu einer Rückprojektion dieses Unterschieds in die allgemeine Zeit des Kommens und Vergehens. Diese Einführung von Zeit in die Zeit geschieht erst dadurch, dass man das Vorher als Vergangenheit und das Nachher als Zukunft interpretiert. Genau damit wird, so unsere These, aus der Handlung eine Entscheidung. Wie ist das möglich? Und was sind die Konsequenzen?" [Hervorhebung von mir]

entzieht sich zwar zugegebenermaßen meinem Eindringverständnis. Doch habe ich hinreichendes Vertrauen in mein Abtastverständnis um das Urteil zu fällen, dass die Konzeption einer " Einführung von Zeit in die Zeit" eher der Kategorie Philosophie, und weniger der Soziologie, zuzuordnen ist.


Einschub Ende und zurück zum "Aschevolk":
Diese Diagnose trifft leider auch Joachim Jung, wenn er uns vorführt, was er für Philosophie bzw. wen er für einen kreativen Philosophen hält. Nach der Einleitung "Ich möchte daher drei neue philosophische Modelle vorstellen, die zeigen, dass man Philosophie auch anders betreiben kann, als ständig nur die Autoritäten der Vergangenheit nachzuerzählen" präsentiert er uns:




1) Jared Diamond, über den ich bereits früher berichtet habe ("Der größte Fehler in der Menschheitsgeschichte?" und "KEINE JUNGFRAU ZÄHMT DIESES ZWEIHORN"). Der ist wahrhaftig ein origineller, vielleicht sogar ein genialer, Kopf. Das freilich war Albert Einstein auch: aber ein Philosoph? Wenn Diamond in seinem Buch "Guns, Germs and Steel. The Fates of Human Societies" (Deutsch: "Arm und Reich. Die Schicksale menschlicher Gesellschaften") der Frage nachgeht, warum die Welt der Moderne in Europa entwickelt wurde (oder vielleicht sogar nur hier überhaupt entwickelt werden konnte), dann gleicht, wie es ein gewisser Karsten Pöhl in einer Rezension formuliert, "sein Buch ... einem Flug in großer Höhe, wo die Vogelperspektive alle Details unsichtbar, die großen Konturen aber sichtbar macht." Diese Tatsache rechtfertigt es indes ebenso wenig wie die Originalität von Diamonds Forschungsansatz und Forschungsthesen, den Geographen, oder Anthropologen, oder Zivilisations- oder Umwelthistoriker Jared Diamond in die Rubrik "Philosophen" einzuordnen.

In einer (sehr klugen, distanziert-positiven) Kritik u. d. T. "The World According to Jared Diamond" schreibt der Historiker J.R. McNeill sicherlich zutreffend über das Selbstverständnis von Diamond als Wissenschaftler:
"Another distinction is that Diamond's book argues for the possibility of a genuinely scientific history. Historians are divided as to whether their craft ought to be classified as an art or a social science. Diamond thinks history can be a science in roughly the same way that evolutionary biology or astronomy are sciences. Experiments are impossible in all these fields (as opposed to physics or chemistry), but so-called natural experiments are possible. In these one can compare developments in similar historical cases that are made different by the presence or absence of a potentially key variable. Methodologies developed in paleontology, ecology, and epidemiology, he says, can help historians make their inquiries more scientific. Diamond believes he has done this by comparing the long-term destinies of the continents." [Hervorhebung von mir]

Diamond hat also nichts weniger im Sinn als philosophische Spekulation. Jede Geschichtsschreibung, sofern sie sich nicht auf eine simple Sachverhaltsdarstellung im Stil von "Drei Drei Drei, bei Issos Keilerei" beschränkt, arbeitet mehr oder weniger stark mit mehr oder weniger fundierten Kombinationen und Mutmaßungen. War Edward Gibbon ein Philosoph, weil er versucht hat, die Gründe für den Untergang des Römischen Reiches zu finden? Waren (auf ihren Gebieten) Darwin oder Adam Smith Philosophen? Zwar: wir (und vielleicht noch mehr die Zeitgenossen) sehen bei allen diesen Denkern – beim einen mehr, beim anderen weniger – spekulative Elemente, die man durchaus als "philosophisch" bezeichnen kann. Doch war es allen dreien um wissenschaftliche Erkenntnis zu tun, und der Umstand, dass sie selbst erst Vorarbeiten leisten mussten, auf denen wir heute fachlichere (sicherlich nicht immer: exakte!) Wissenschaften aufbauen konnten, bedeutet nicht, dass sie sich nicht selbst (im Gegensatz z. B. zu Oswald Spengler, den Jung zutreffend als Philosoph einordnet) als Suchende nach wissenschaftlicher Erkenntnis verstanden hätten.

Philosophie fängt überhaupt erst dort an, wo Diamond aufhört. Sicherlich sind in der Vergangenheit manche Völker durch Ressourcenknappheit und manche Städte durch Umweltveränderungen nieder- oder sogar untergegangen. Der entscheidende Unterschied zwischen den historischen Beispielen und unserer Situation, den Jared Diamond anscheinend nicht wahrnimmt oder (vielleicht unterbewusst) ausblendet, ist die Tatsache, dass es bei früheren kleineren und größeren zivilisatorischen Katastrophen in der Regel um erneuerbare Ressourcen ging, bei denen, zumindest theoretisch, eine nachhaltige Nutzung anstelle von Raubbau möglich gewesen wäre. Heute fressen wir die Erde von nicht-erneuerbaren Ressourcen kahl, wie die Rentiere die Insel des Heiligen Matthäus vom (eigentlich nachwachsenden) Gras befreit haben (cf. David R. Klein, "THE INTRODUCTION, INCREASE,AND CRASH OF REINDEER ON ST. MATTHEW ISLAND"). Und wir haben (insoweit durchaus den Rentiere auf der Insel des Heiligen Matthäus vergleichbar) keine andere Wahl.
"Nachhaltigkeit" und "nachhaltiges Wirtschaften" ist mit nicht-erneuerbaren Rohstoffen letztlich nicht möglich. Natürlich könnten wir die Vorräte strecken, indem wir den Verbrauch verringern. Selbst das aber dürfte nur dann möglich sein, wenn die Weltbevölkerung sich drastisch reduziert oder drastisch reduziert wird. Dass ein globaler Populationsrückgang, oder gar Populationskollaps (auf einem der beiden Wege) eintritt (bevor die Ressourcenverknappung ihn ggf. direkt herbeiführt), erscheint derzeit unwahrscheinlich; es kommt kein Komet (und wenn, rafft er uns möglicher Weise alle miteinander hin: Kometen sind so unsensibel …). Nach derzeitigem Stand müssen wir also damit rechnen, dass der Verbrauch von Bodenschätzen weiter steigt; und Erdöl wird nicht die einzige Ressource bleiben, die schon recht bald plötzlich (aber nicht unerwartet) knapp werden wird.
Im übrigen, und von der Demographie gänzlich abgesehen: "Strecken" ist keine "Nachhaltigkeit", auch wenn zahlreiche (fast alle? alle?) Ressourcenstreckungsstrategen den unaufhebbaren Unterschied wohlmeinend verwischen.

Die nichterneuerbaren Ressourcen werden auch nicht dadurch mehr, dass die Wohlhabenden aus ihren "gated communities" ausziehen und unter uns wandeln wie des Menschen Sohn. Gewiss: jetzt wie zu Zeiten der Mayas werden die Oberen Zehntausend die letzten sein, welche die volle Härte der Umweltkrise treffen wird. Aber aufgrund ihres besseren Bildungs- und Informationsstandes werden sie heutzutage zumindest intellektuell sogar früher mit dem Problem konfrontiert sein als der "Mann auf der Straße" (oder, um politisch korrekt auch das weibliche Geschlecht zu berücksichtigen: als "Lieschen Müller"). Und auch real wird die Rohstoffverknappung sie in kurzer Zeit erreichen und sie zu (zunächst zumindest subjektiv, aber sehr bald sicherlich auch objektiv) schmerzhaften Einschränkungen ihres Lebensstil zwingen. Es wird ihnen auch dann immer noch besser gehen als unsereinem, aber im Vergleich zu heute wird das Leben nach "Peak Oil" auch für die Crème de la Crème kein Zuckerschlecken mehr sein.

Möglich bleibt natürlich, dass die negativen Folgen der Umweltverschmutzung (insbesondere die Klimaänderung) uns eher treffen als die Ressourcenverknappung.
Wenn man die Umweltverschmutzung als prinzipiell lösbares Problem betrachtet, könnte man insoweit vielleicht auf der Basis von Diamonds Analogien unsere Welt "retten". Aber das wäre allenfalls eine Aufschub"rettung", dem hinter dem hoffentlich un-umgekippten Golfstrom erhebt gleichwohl die Ressourcenhydra ihr unkaputtbares Haupt.


Einschub:
"Krise" ist in der Zusammensetzung mit "Umwelt" übrigens ein irreführender Begriff, weil er von seinen medizinischen Ursprüngen und seiner üblichen Verwendung her ein lediglich temporäres Problem suggeriert. Wenn wir die Ressourcenwelt aber erst einmal kahl gefressen haben, hat die Menschheit kein temporäres Problem. Allerdings auch kein "Dauerproblem": sie fällt ganz einfach auf eine frühere Stufe zurück. Und dann hängt wieder alles davon ab, wie sie mit den erneuerbaren Rohstoffen umgeht: Holzscheite, Holzschüsseln. Und wenn die Diskussion über die Ressourcenverteilung längst zu Ende ist, können wir die Verteilung als solche immer noch mit Holzkeulen regulieren.


Einschub Ende und zurück zu Diamond und der Frage, wo die (hier: Geschichts-)
Wissenschaft endet und das Reich der Philosophie beginnt, d. h. wo man in unserer Zeit in sinnvoller Weise eine Grenze ziehen kann oder muss.
Soziologische oder wirtschaftliche Lösungsvorschläge, egal, ob sie auf eine Art "Empathie der Kapitalisten" [hahaha, oder englisch: hehehe] setzen (wie anscheinend Diamond), oder auf "Tiefenökologie", oder auf die Kräfte des Marktes, wie die "Resourcists" = "Cornucopians", sind keine Philosophie. Diese fängt dort an, wo das Wissen über und der Glaube an die gewöhnlichen 'Push-Pull-Kausalitäten' enden.

Exemplarisch greife ich hier auf Diamonds Aufsatz "The Worst Mistake in the History of the Human Race" zurück (der übrigens von mehreren Personen und Organisationen ins Netz gestellt wurde, und mit dem ich mich früher schon einmal auseinander gesetzt hatte – s. o.).
Diamond hält es für einen Fehler, dass die Menschen das Stadium der Jäger und Sammler verlassen haben und sesshaft geworden sind, indem sie die Landwirtschaft eingeführt haben. Vorher hätten sie eine durchschnittliche längere Lebensdauer gehabt und länger schlafen können (mehr Freizeit). Insbesondere seien auch die Seuchen erst im Gefolge der Populationsverdichtung und der Tierhaltung zur Geisel der Menschheit geworden, meint Professor Diamond.
Kritik an Diamonds Ansicht, dass es den Menschen nach dem Übergang von der Jäger-und-Sammler-Wirtschaft zur Agrargesellschaft schlechter ging als vorher, habe ich kaum gefunden (eine luzide Ausnahme bildet hier ein Blog-Kommentar-Kommentar von einer gewissen Susanna Viljanen vom 09.09.2005).

Unterstellen wir hier, dass es den Jägern und Sammlern tatsächlich besser ging als den Klein-Agrariern, dann wäre genau dass der Punkt, an welchem Wissenschaft (in diesem Falle: Archäologie bzw., soweit es um den Vergleich mit gegenwärtig noch (halbwegs) intakten Jäger und Sammler Gesellschaften geht, auch Ethnologie oder Anthropologie) endet und Philosophie beginnt. Welche Kraft (Kräfte) haben die Menschen bewogen (gezwungen?), diesen "unheilvollen" Weg zu beschreiten? Offenbar "geht es hier" (um das mal "ins Unreine" zu sagen) doch um etwas anderes als Wohl oder Wehe der Menschen. Es geht um Evolution. Diesen Trend mag man religiös (im Extremfall mit einer kreationistischen Antwort) begründen, oder einfach (als eine Art Natur- oder Meta-Naturgesetz) konstatieren. Jedenfalls hört hier die Wissenschaft auf, und könnte Spekulation – also Philosophie – anfangen. Möglicherweise knüpft der Transhumanismus, oder einige Richtungen davon, hier an. Doch weiß ich über diese Philosophie (manche sprechen dieser Denkrichtung allerdings den Charakter eine Philosophie ab) zu wenig, um darüber Näheres sagen zu können.

Jared Diamond ist meinetwegen ein Genie; ein Philosoph aber ist er nicht. Und wer ihn für einen Philosophen hält, wird kaum der philosophischen Spekulation in Deutschland neues Leben einhauchen können.





2) Als nächsten philosophischen Wurf bietet uns Dr. Jung den Tierfreund Richard David Precht an. Precht hat, zeitgeistkorrekt, ein Buch über das schreckliche Schicksal der Tiere geschrieben. "Noahs Erbe" heißt es und wird (in der Rowohlt Taschenbuchausgabe) derzeit bei Jokers Restseller für 2,95 € verramscht (hier der Link; wird wohl nicht lange Gültigkeit behalten). Immerhin ist es ja schon etwas, dass es das Buch bis zur Ehre der Taschenbücher gebracht hat. Doch konnte ich weitere Informationen im Netz nicht finden, außer, dass der Autor sich mittlerweile mit Themen wie "Lenin in Lüdenscheid" und "Kosmonauten" beschäftigt. Ihm schon wegen derartiger Titel (besonders dem mit der Alliteration) madig zu machen wäre meinerseits nicht nur unfair, sondern auch unklug. Denn auch meine Blogtitel mögen dem Leser gelegentlich etwas kauzig erscheinen.

Wesentlich ist eher, dass es sich bei letzteren Büchern um Romane handelt. Woraus man denn wohl folgern darf, dass, was immer Precht in "Noahs Erbe" über das Leiden von Putern und Pelztieren geschrieben haben mag, sich damit denn auch erschöpft hat und weiterer philosophischer Entwicklung nicht mehr bedürftig oder gar nicht mehr zugänglich ist. So hätte sich denn Precht (falls er sich selbst überhaupt je für einen Philosophen gehalten hat) mit der Nicht-Fortsetzung seiner Tier-Thematik (auf philosophischer Ebene; sein Roman "Kosmonauten" soll eine Szene mit der Befreiung von entrechteten und geknechteten Tieren aus dem Berliner Zoo enthalten) als Philosoph selbst gerichtet.

Bleibt mir lediglich noch zur Kennzeichnung meines persönlichen Standpunktes anzumerken, dass ich die Tierfreundelei als ein kulturelles Verfallssymptom (dies im Sinne Oswald Spenglers gedacht) halte. Tiere in der Verfassung? Pervers!
Was aber nicht heißt, dass ich gegen Erhaltung von "Natur" (als außer-menschlicher Natur verstanden) wäre, und dass ich nicht dezidiert für die Erhaltung von Artenvielfalt eintreten würde. Dies aber gewiss nicht, weil ich Tieren den Status selbständiger Rechtssubjekte zugestehen würde: das haben wir (als Straf-Objekte) im Mittelalter schon gehabt. Und so eine Position wird auch dadurch (auf der abstrakten Ebene) nicht besser, dass man die Tiere nunmehr als Schutz-Subjekte verstehen will. Tiere als "Schutzjuden" der Zivilisation? Nee: lieber (z. B.) das Baurecht und das Nachbarschaftsrecht ändern. "Gib dem Unkraut eine Chance" (und den Schmetterlingsraupen). Humanpopulation verdichten: Mehr Platz für "die Natur". Ginge alles. Will aber keiner. Auch nicht die Bodenversiegelung - mit Asphalt oder Rasen - stoppen (vgl. mein Blog-Eintrag http://beltwild.blogspot.com/2005/05/definitionen-definitions.html). Solche Konkreta gefallen selbst den edlen Tier-Verfassungs-Schutz-Freunde weniger. Für Sonntags-Paragraphen sind auch die deutlich leichter zu begeistern als für alltäglich wirksame Menschheitsausdehnungsbegrenzungsverordnungen. Helft der Natur mit einem "population rollback", nicht mit Tempeln für Heilige Kühe (welch letzteres leider derjenige Weg zu sein scheint, den unsere Zivilisation einzuschlagen droht). But however: ein Streit wie zum Beispiel um die Erlaubnis für Erdölförderung im Naturschutzgebiet von Alaska amüsiert mich lediglich. So etwas ist, wenn die Ölknappheit erst einmal richtig weh tut, keine Frage des "ob", sondern nur noch des "wann"; Parktiere hin oder her.

Aber lassen wir das; hier ging es ja nur um die Frage, ob David Richard Precht ein potentieller germanischer Philosophie-Phönix ist. Das aber scheint weniger der Fall zu sein; zumindest hätte es dann außer Dr. Joachim Jung niemand sonst in der Welt gemerkt.





3) Andrei Linde wird von Joachim Jung schließlich noch als viel versprechender Philosoph eingeführt. Über den wusste ich bislang gar nichts, nicht einmal, dass er existiert (was nicht gegen ihn sprechen muss, sondern durchaus auch gegen mich sprechen könnte).

Mit ein paar Mäuseklicks konnte ich indes ein Zipfelchen von Erkenntnis erbeuten:
"His theory of a chaotic self-reproducing inflationary universe suggests that our universe is one of many inflationary universes that sprout from an eternal cosmic tree" heißt es unter der Überschrift "Universe or Multiverse". Und weiter: "In three papers published last year with his wife, Renata Kallosh, Dr. Linde proposed that the dark energy, the haunting theoretical phenomenon reminiscent of Einstein's "cosmological constant," which is presently stretching spacetime at an ever increasing rate, may eventually become negative. As a result, the universe may begin collapsing in 10 to 100 billion years and end in a "big crunch". Our universe, in their model, is middle-aged, not, as once thought, at the beginning of its life cycle. But according to Dr. Linde's inflationary theory, while our "bubble" may die, the multiverse of bubbles will go on forever. "

Ist alles ganz interessant, aber ob wir in ein Paralleluniversum abdriften können, wenn "Peak Oil" uns pickt, oder die anthropogene Klimaänderung zwickt? Glaube ich eher weniger. Und dass unser Universum in frühestens 10 Billionen Jahren kollabiert, ist gleichfalls relativ uninteressant, weil unsere liebe Sonne schon deutlich eher explodieren wird.

Es wäre arrogant, und vor allem dumm, wollte ich lächerlich machen, was ich, von der mathematischen und physikalischen Begründung her, gar nicht verstehe. Tatsächlich scheint es Leute zu geben, welche aus dem "Multiverse" eine Philosophie machen. Aber seit ich die "Zeitwende" des theoretischen Physikers Fritjof Capra (bisher nur: halb) gelesen habe, stehe ich Physiker-Philosophien doch ein wenig zurückhaltend gegenüber. Mit Obskurantismus kann ich mich auch anderswo versorgen.
Man könnte natürlich Kant als Gegenbeispiel anführen, aber zum einen ist das ist schon lange her, zum anderen hat dieser auch nicht geglaubt, dass man physikalische Gesetze und Erkenntnisse in naiver Parallelisierung in die Dimension der Philosophie transponieren kann.
Was sich außerdem beim derzeitigen Stand der physikalischen Wissenschaft dadurch komplizieren würde, dass man sich zunächst entscheiden müsste, welche Physik man überhaupt analogisieren will: die schlichte Alltagsphysik oder die Quantenphysik? Und wie die unumgängliche Auswahl begründen?


Summa summarum: Null Treffer, was philosophische Perspektive angeht. Weder der amerikanische Gesellschafts- oder der (ehemals russische) Naturwissenschaftler noch der deutsche Tierfreund holen Deutschlands Weisheitsliebe aus dem intellektuellen Keller. Che peccato.

Die große Frage der Philosophie kann, denke ich, nur sein, wohin wir gehen. Wie ich am Schluss meiner Webseite "Rentenreich" (http://www.beltwild.de/rentenreich.htm) schrieb: "Noi - dove andiamo?"

Auf diese Frage hat aber vielleicht ein gewisser (im Blogosphärenreich offenbar sehr bekannter) Dave Pollard eine Antwort gegeben (http://blogs.salon.com/0002007/2005/05/16.html):

"We are wrong in the uniquely human conceit that we are in charge of our own destiny and that there is some kind of collective politic and collective intelligence and 'free will' that can be harnessed to move us all in a chosen direction. We are nothing more or less than six billion creatures individually doing what we are driven to do moment by moment. We have been driven to overpopulate and despoil the planet and exhaust its resources by our DNA, and in so doing we are merely following Darwin's law."
und
"Just like the other six billion on the planet and the fifty billion who preceded them, I'm just playing out the role that was written for me in my DNA. I only wish I hadn't been distracted for so many years from realizing what my role is. We don't really do what we can. We do what we must."
(Ich empfehle, sich nicht mit meinem Auszug zu begnügen, sondern seinen ganzen dialogischen Monolog mit dem hübschen Titel "Making Peace with the End of Civilization" zu lesen. Und auch sonst scheint sein Blog höchst lesenswert zu sein.)

Dem ist eigentlich nichts mehr hinzu zu fügen, außer dem Hinweis, dass Erkenntnis eben nichts Gemütliches ist, und auch nicht dazu gedacht, unser Gemüt zu trösten. Für Trostsucher gibt es andere Spezialisten.

(Hier noch, scheinbar etwas zusammenhanglos, ein anderer Blog, der, zumindest von der Thematik, interessant sein könnte: http://anthropik.com/)


Textstand: 09.01.2007
Gesamtübersicht der Blog-Einträge auf meiner Webseite http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm

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Donnerstag, 17. November 2005
 
Rituale


Gestern ist es passiert! Vor mir war noch ein anderer Kunde dran, aber während sie diesen bediente, füllte das Mädchen (eine Tamilin?) bei McDonalds schon mal einen Cappuccino für mich in den Becher.

Seit Jahren schon hole ich dort meinen Feierabend-Cappuccino (der Kaffee ist übrigens auch nicht bei allen McDonalds von gleicher Qualität, in meiner "Stammfiliale" schmeckt er aber meist gut).

Die Bedienungen (in der Regel, aber nicht nur, Bedienerinnen) kennen mich; manchmal antizipieren sie bereits meinen Wunsch: "Kleinen Cappuccino?". Ansonsten bewahrt mich mein Bekanntheitsgrad zumindest vor der obligatorischen Salesman(oder: woman-)ship "Möchten Sie ein Dessert? Muffin?" und ebenso vor der Frage, ob ich einen kleinen Becher (den würde ich eher "normal" nennen, aber die Marketing-Manager verkleinern natürlich lieber, was normal ist) nehme oder einen großen.

Persönliche Worte wechseln wir nie, nicht einmal dann, wenn es leer ist an der Theke. Freundlich aber distanziert ist das Geschäftsprinzip von MacDonalds, und das ist auch gut so. Trotzdem bin ich sicher, dass die Bedienungen kichernd über mich kommunizieren: "Der Alte kommt jeden Abend, kauft immer einen kleinen Cappuccino, nie etwas anderes. Ulkiger Vogel." Oder so ähnlich.



Textstand vom 15.04.2007. Auf meiner Webseite
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Montag, 14. November 2005
 
UNSYSTEMATISCHE FRAGEN UND NOTIZEN ZUR BILDUNG (UND ZUM ZERFALL) VON GESELLSCHAFT(EN) oder KANN MAN SOZIALE DYNAMIK(EN) ABSTRAKT BESCHREIBEN UND VERSTEHEN?

Irgendwo las ich etwas über Luhmann und die Begriffe "Inklusion" und "Exklusion" (konkret: hier); ein Text allerdings, welcher mich, für sich genommen, nicht grad vom intellektuellen Hocker in die Höhe reißt.

Ein anderer wollte, dass ich endlich was lerne aus der Geschichte; dass freilich die Globalisierung des 20. Jahrhunderts im hellenistischen System der alexandrinischen Diadochenstaaten präfiguriert sei, erscheint mir denn doch etwas allzu naiv. Oder ein allzusehr ideologisch präfiguriertes Gedankenschlecht (von "Gedankengut" möchte ich da wirklich nicht sprechen).

Und dann war da noch die Debatte zur Frage "Türkei in EU?" und die kulturelle Identitätsdebatte allgemein.


Wenn man sich wirklich selbstkritisch fragt: was weiß man denn, auf einer abstrakten Ebene, über soziale Gebilde?

Gut, wir wissen, dass schon auf der Ebene von Firmen, sogar innerhalb eines Staates, Zusammenschlüsse scheitern können: weil, wie man zu sagen pflegt, die unterschiedlichen "Firmenkulturen" nicht zu einander passen.

Was man auch weiß (oder wenigstens wissen könnte) ist, dass vor dem Kapital alle Menschen gleich sind.

Die "Zurichtung" des Menschen durch das Kapital, wie man in der linken Szene zu sagen pflegt, hat eine durchaus positive moralische Perspektive. Die Anti-Diskriminierung von Frauen und fremden Rassen wird, glaube ich, auf der politischen Ebene weitaus mehr vom realen Interesse des Realkapitals an der Verwertbarmachung von möglichst viel Humankapital getrieben, als von moralischen Überlegungen.

So kommen Moral und Interesse zusammen, und auf diese Weise kann das Kapital sich sogar seine menschenfreundlichen Gegner dienstbar machen, in temporären Interessenkoalitionen. (Das immerhin kann man aus der – in diesem Fall US-amerikanischen – Geschichte lernen, dass Sklaven nicht einfach deshalb freie Menschen werden, weil so was Ähnliches in irgendeinem Verfassungspapier drin steht.)

Wie in anderer Weise auch die Religion für Kapitalinteressen nicht nur bei der mentalen Zu- oder Abrichtung von Nutzen sein kann (was freilich für die Kapitalinteressen nicht immer ganz risikolos ist, denn manchmal entfaltet die Religiosität auch ganz anders gerichtete Kräfte), sondern auch bei der Humankapitalproduktion.

Insofern sehe ich es auch nicht als einen Zufall an (freilich auch nicht als Ergebnis irgendeiner Verschwörung), dass die katholische Kirche und die christlichen Fundamentalisten in den USA die Geburtenkontrolle bekämpfen.
Je mehr Humankapital vorhanden ist, um so größer wird die Nachfrage nach Realkapital. Und umgekehrt: weniger Humankapital, geringere Nachfrage nach, also sinkender Wert des, Realkapitals.


Aber hier bin ich ein wenig abgekommen von jenen Fragen, die nicht so unmittelbar interessensoziologisch zu beantworten und nicht primär wirtschaftlich orientiert sind.


Ganz unvermittelt stelle ich also in den Raum, was ich mir völlig unsystematisch bis jetzt dazu notiert habe:


Was ist "innen", was ist "außen"?
Ist ein Vergleich sinnvoll: innerer Zusammenhalt entspricht Magnetkraft in der Natur, äußerer Zusammenhalt einem Zaun? (Kein optimaler Vergleich, noch mal prüfen!) Der Zaun als eine Art Gewalt?
Auf jeden Fall deckt sich "innen" und "außen" wohl nicht mit "Gemeinschaft" und "Gesellschaft".

Auf welche Weise ist, was wir als "innen" wahrnehmen, zu einem "innen" geworden, d. h. auf welche Weise wird welcher Ausschnitt aus der Menschheit (auf den verschiedensten Ebenen: von der Ehe zum Verein über die Firma bis hin zum Staat) zu einer Gruppe/Gesellschaft?








(Im übrigen sind wir innerhalb unseres Staates wohl überwiegend mehr oder weniger von außen zusammengefügt: Firma, Bundeswehr. Gewiss: die Firma können wir uns aussuchen – theoretisch. Rein praktisch sind aber den Meisten für ihre Wahlmöglichkeiten recht enge Grenzen gezogen.)
(Mit derartigen Beispielen ist allerdings ein Ebenenwechsel verbunden; fraglich, ob man die staatliche Ebene mit anderen Ebenen so einfach in einen Topf werfen kann.)
Wann und wodurch (und inwieweit / mit welcher "Erfassungstiefe") wird eine äußere zu einem inneren Zusammenwachsen?












Noch mal zu Böhmen: Politische vs. sprachliche Zuordnung (andere signifikante kulturelle Unterschiede gab es doch wohl nicht, jedenfalls gleiche Religion!)





"Theudisk": "zur theoda (Stamm) gehörig": Seit ca. 700, Begriff wohl in Nordfrankreich aufgekommen (Cambrai): Abgrenzung gegen andere Stämme. Immerhin: schon 786 wurde mit dem Begriff "theodisca lingua" die Sprache als einigendes Band der germanischen Stämme des Reiches Karls des Großen hervorgehoben. (dtv-Brockhaus, 1966)

Nach "Meyers Konversationslexikon" von 1889 leitet sich der Begriff aber vom "gotischen Substantiv thluda (althochd. dlota, 'Volk') ab und bedeutet daher ursprünglich s. v. w. volkstümlich, dem Volk angehörig, teils im Gegensatz zu dem, was bei einzelnen Stämmen vorkommt, teils zu dem Fremden, Ausländischen (zunächst Lateinischen und Welschen), so in Bezug auf Sitte, Leute etc., namentlich aber auf die Sprache. Im 10. Jahrhd.., als. die deutschen Herzogtümer und Völker zu einem Reich vereinigt blieben, wurde dann das altdeutsche dlutlsc (latinisiert theodiscus) zum Volksnamen."

Hermann Paul u. a., Deutsches Wörterbuch, 9. Auflage (1992): "zunächst auf sprachliche, später (830) und seltener auf politische Verhältnisse bezogen".

Wieder dtv 1966: "Im 9. Jh. erstarkte dieses an die Muttersprache anknüpfende Gemeinbewusstsein zur Grundlage für ein eigenständiges bewusstes Volksleben der sich seit dem 10. Jh. als diutisk-deutsche begreifenden Stämme der Franken, Sachsen, Baiern, Alemannen, Thüringer, Friesen. (Der Bedeutungswandel von der sprachlichen zur politischen Ebene soll sich in der Gegend von Mainz vollzogen haben; interessant, weil dort ja später der Buchdruck erfunden wurde.) Im letzten Drittel des 9. Jh. meint das Wort diutisk-deutsch geradezu 'die einigen Stämme', und zum Jahre 919 sprechen die Salzburger Annalen vom 'regnum teutonicorum', von 'Königtum der Deutschen' ". Schade, ist etwas zu früh, um zu behaupten, dass die Ungarn uns zu Deutschen gemacht hätten (933 Schlacht an der Unstrut, 955 Schlacht auf dem Lechfeld) – das bleibt im kollektiven Gedächtnis. Die Romzüge aber doch wohl noch mehr.

Aber über die Identitätenbildung der Völker im frühmittelalterlichen Europa machen sich zum Glück schon kompetentere Personen als ich Gedanken: Unter dem Titel "Wittgensteinprojekt" erforscht das "Institut für Mittelalterforschung" der "Österreichischen Akademie der Wissenschaften" die Bildung (oder die Entstehung oder das Heranreifen) der "Ethnische[n] Identitäten im frühmittelalterlichen Europa"

Die Belgier? Langjährige Spanisch-Habsburgische Regierung, katholisch: aber 2 Sprachen. Weshalb sind die eigentlich von den Niederlanden abgefallen? '1830 kam es zum Aufstand' liest man. Was aber waren die tieferen Gründe, quasi die historische Notwendigkeit für diese Ereignisse, vor allem für den Erfolg des Aufstands? (Auch in den Niederlanden gibt es einen starken katholischen Bevölkerungsanteil. Die Religion kann es also nicht gewesen sein. Historische "Bruchlinie" der spanischen Herrschaft? Erklären solche Vorstellungen etwas, oder reifizieren sie nur vorgefasste Urteile? Was hält das sprachlich getrennte Land zusammen, was hat damals Flamen (insbesondere diese!) und Wallonen bewogen, sich trotz aller Unterschiede gemeinsam gegen die Niederlande zu erheben? (Unterstützung/Vorbereitung von außen: Frankreich?)
Hat die äußere – spanisch-habsburgische – Zusammenfügung zu einem inneren Zusammenwachsen geführt? Andererseits: da war doch vorher schon was: Burgund / Karl der Kühne & Co.?
Oder ist Belgien noch eine (im historischen Sinne) "tektonisch aktive" Zone? Zumindest die Flamen scheinen mit der Zusammenfügung - jedenfalls in ihrer gegenwärtigen konkreten Ausprägung - nicht sonderlich glücklich zu sein. (Vgl. dazu den Handelsblatt-Bericht vom 12.12.05 u. d. T. "Wegen Sezessionswunsch gefeuert"; Untertitel: „Manifest für ein unabhängiges Flandern in Europa“- http://www.handelsblatt.com/pshb?fn=tt&sfn=go&id=1155086).

Schweiz – gut, die haben eine jahrhundertelange politische Zusammengehörigkeit (teilweise aber wohl auch als unterworfene Gebiete: Kanton Bern?), haben sich aber dennoch im religiös gefärbten "Sonderbundskrieg" 1847 untereinander in die Haare gekriegt – und schnell wieder vertragen. (War ja auch nur ein kleines, ziemlich unblutiges Krieglein.)

Andererseits: Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Das könnte man insbesondere auch vom Verhältnis zwischen Preußen und Österreich sagen: 1866 verfeindet, 1871 Österreich neutral, 1914 Waffenbrüder. Oder von Großbritannien und den USA (bzw. den amerikanischen Nordstaaten): 1812 Washington in Brand geschossen, in den 1860er schon wieder gute Freunde. Und dann 1914 ff. und 1939 ff. sowieso; aber da gab es auch eine starke Interessenidentität.

Die Schweiz – um darauf zurück zu kommen - hatte ihre lange gemeinsame Geschichte, äußere Feinde oder doch potentielle äußere Bedrohungen, und ihren Gründungsmythos: Wilhelm Tell.

Hat der eine gleich wichtige Rolle gespielt wie St. Markus für Venedig? Vgl. Reinhard Lebe: "Als Markus nach Venedig kam".

Henne-Ei-Problem: wird der Zusammenhalt durch den Heiligenkult / die historische Legende gefördert, oder verstärkt er sie, oder ist er nur ein Ausdruck des Zusammengehörigkeitsgefühls?


Funktion/Bedeutung der Symbole ganz allgemein?

Gemeinsame Sprache, gemeinsame Interessen: ideal für Zusammenhalt zwischen Staaten. Aber das betrifft Bündnisse zwischen Staaten, hat nichts mehr mit dem zu tun, was ich eigentlich untersuchen wollte: den Binnenzusammenhalt (bzw. ggf. auch den Zerfall – oder die Zerlegung) und überhaupt das Werden und Vergehen von "binnen" und "buten".

Griechen (Antike): Kampf bis auf's Messer, trotzdem Gefühl der Zusammengehörigkeit und Abgrenzung gegenüber Barbaren.

Welche Bedeutung hat Kultur, insbesondere Kulturgefälle, für eine (Nicht-)Integration? Die Elsass-Lothringer sind gute Franzosen geworden, die Slawen in Mittel- und Ostdeutschland gute Deutsche (hier aber Unterschied: germanische Einwanderung nach Osten; im Falle Frankreichs wohl nur bzw. hauptsächlich kulturelle "Überwanderung"). In Böhmen scheint sich die Germanisierung dagegen weitgehend nur auf die deutschen Siedlungsgebiete erstreckt zu haben. Worin lag die Kraft der Tschechen im Vergleich zu den Slawen in Ostdeutschland? Mineralische Ressourcen? Technologischer Gleichstand? "Vitalität" – wie zu definieren? Oder lag es daran, dass in Mittel- und Ostdeutschland die deutschen Siedler überall "einsickerten", die Tschechen dagegen ihr Kerngebiet behielten? Nicht zu unterschätzen vermutlich: Prag (Karl der IV: vom Geist des französischen Zentralismus geprägt).
Religion: Hussitismus als Ausdruck von ex ante bestehenden nationaler Unterschieden, oder nur ex post Verstärkung derselben?

Könnte es erkenntnisfördernd wirken, wenn man den Begriff "Einwanderung" als Oberbegriff untergliedert in "Überwanderung" (Deutsche in Ostdeutschland im Hochmittelalter), "Unterwanderung" (aktuell durch Spanischsprechende in USA mit der evtl. Folge eines "Umkippens" der anglophonen Dominanz?) und "Zuwanderung" – Nebeneinanderleben (Böhmen, Siebenbürgen, Deutsche in geschlossenen Siedlungsgebieten in Russland?)?
Und "kulturelle Überwanderung" – Römer? Frankophonie in Elsass-Lothringen?

Islam(isten): Verschiedene Staaten; (großenteils:) eine Sprache (arabisch); gemeinsame Religion ist aber anscheinend das wesentlichere Abgrenzungskriterium gegenüber dem Rest der Welt (den "Barbaren"?).

Gibt es in der Geschichte "Aschevölker" und "Hotspots" (Nordirland, Baskenland, Balkan)? Und was macht die einen friedlich (oder, von einem so zu sagen "vulkanistischen" Standpunkt gesprochen: was lässt sie erstarren), und was hält die anderen heiß?

Rückwirkung rein äußerer Grenzziehungen auf innere Identität: willkürliche Grenzen der Kolonialmächte in Afrika? Identitätsfindung des Bundesstaates Hessen: Hessentag.

Warum Zersplitterung der spanischsprachigen Länder Südamerikas? Wodurch kam es dort gerade zu den jeweils konkreten Grenzen der einzelnen Länder?

Was macht die Identität einer Gesellschaft aus? Gibt es verschiedene / konkurrierende "Innenen" (der Begriff als substantivierter Plural von "innen" gedacht)? Der Staat als Hülle eines "Innen", dass seinerseits aus weiteren Sub- und Sub-Sub- ...systemen von weiteren "Innenen" besteht?

Bringt es Erkenntnisgewinn (bzw. ist es überhaupt zulässig) den Begriff Identität(en) mit innen / Innenen gleich setzen?

Wenn ja: auf welche Weise wird eine davon (oder ggf. eine ganz andere, von außen aufgezwungene Identität – Stichwort z. B. "cuius regio ejus religio") Identität zur beherrschenden?
Wenn nein: wie ist das Verhältnis von (sozialem) "innen" zu (mentaler) Identität? (Haben wir es auch hier mit einem dynamischen Spannungsverhältnis zu tun?)

Auf welchen Ebenen gibt es "Gesellschaft(en)" oder präziser: "macht es Sinn, von 'Gesellschaft' zu sprechen?".

Zentrales Problem: die Dynamik innerhalb von Gesellschaft(en). Handelt es sich um ein chaotisches System oder lässt sich die Entwicklungsrichtung vorausbestimmen (und gezielt beeinflussen) (Kulturzyklentheorien usw.; "aus der Geschichte lernen")? Kampf bzw. Spannungsverhältnis zwischen historischen und "logischen" (sprachlichen, kulturellen) Grenzen (auf der politischen Ebene).

Kann auch ein geographischer Raum durch frühere Bewohner in der Weise historisch vorgeprägt werden, dass seine Grenzen (mehr oder weniger) für spätere, die keine bewusste Verbindung mehr zu den Vorgängern haben, bedeutsam werden? [Rheingrenze (ungefähr) der Römer? Etrusker / Toskana?]
Wenn ja: über welche Mechanismen kann eine 'Tradition' ohne direkte Weitergabe (= Tradition im eigentlichen Sinne) übermittelt werden (Bauwerke: reicht das aus? Oder gibt es eine irgendwie geartete "unterschwellige" Tradition, z. B. volkstümliche Überlieferung, die lediglich für uns nicht sichtbar wird, weil sie sich nicht auf der Ebene der Hochkultur = Schriftkultur abspielt?

Noch mal auf der politischen Ebene: Stadtstaat (mit "Kolonialreich") vs. Staat im modernen Sinne. Stadtstaaten nicht nur in der Antike, sondern auch noch in Italien: Venedig, Florenz (Mailand wohl weniger: Überformung durch dynastisches Element).

Stadtstaat vom Kern her (mehr oder weniger gewaltsam?) definiert und zusammen gehalten. Moderner Staat eher von den Grenzen her definiert.
Trifft das immer im gleichen Maße zu? Deutschland ohne Berlin – kein Problem. Was aber wäre Frankreich ohne Paris?

Stadtstaat Siena gegen Stadtstaat Florenz: Dieser erbitterte (und zumindest uns doch von vornherein aussichtslos erscheinende) Kampf gegen die Einbeziehung in den Medici-Staat (die Sienesen vom ca. 1560 müssen dass wie eine Eingemeindung empfunden haben). Campanilismo?

Merkwürdige Gebilde/Bildungen "außer der Reihe", außerhalb des sonst Üblichen:









Ostrom – zumindest in der späteren Zeit – wesentlich durch die Hauptstadt geprägt? (Aber: Reichsgebiet deckte sich zunächst großenteils mit der hellenistisch geprägten oder wesentlich hellenistisch beeinflussten Welt!) ("Kraftort" Konstantinopel?)







Nachtrag 02.11.07:
Zum Thema "Identität" ein Hinweis auf folgende derzeit schon recht ergiebige Wikipedia-Einträge:
- "Identität"
- "Kulturelle Identität"
- "Theorie der sozialen Identität"
- "Identitätsbewusstsein" (der Text ist gegenwärtig mit gut -2- Druckseiten noch etwas knapp; z. B. das Kapitel mit der viel versprechenden Überschrift "Entstehung von Identitätsbewusstsein politischer Einheiten" wäre sicherlich ausbaufähig und -würdig.)
Vgl. im übrigen auch die Stichworte in der Kategorie "Soziale Gruppe".


Nachtrag 21.12.07
Einige weitere Links zum Thema Entstehung von Etnhien usw.:
Wikipedia deutsch:
"Ethnogenese" (ausführlich, gut);
Wikipedia englisch:
"Ethnic group"; "Ethnogenesis" (recht interessant); "Imagined communities".
Aus dieser und ähnlicher Lektüre gewinne ich den Eindruck, dass die Wissenschaft heute die Völker (die Nationen sowieso) als kontingente Konstrukte ansieht:
- kontingent, weil sie nicht notwendig in der jeweils konkreten Form hätten enstehen müssen, sondern auch in anderer Form hätten entstanden sein können (z. B. hätten in der Zeit der Völkerwanderung andere Völker oder Völkernamen auftreten können, wenn sich die marodierenden Barbaren (Germanen usw.) in anderen Konstellationen (z. B. um andere große Heerführer als die, die damals tatsächlich in Erscheinung getreten sind) geschart hätten.
- Konstrukt, weil von "Gründungsmythen" (und anderen Mythen) die Rede ist, um welche sich dann Völker gebildet haben sollen.
Freilich erscheinen mir derartige Vorstellungen nicht unproblematisch. Bei "Konstrukt" denkt man (auch wenn nicht der Begriff direkt verwendet wird, aber Aussagen gemacht werden, die sich mit diesem Begriff fassen lassen) an etwas Künstliches, an einen (mehr oder weniger genialen) Konstrukteur, der irgend ein Artefakt zusammenbastelt.
Nun war zwar z. B. die "Königinhofer Handschrift" (eine wahrscheinlich von Vaclav Hanka 1817 gefälschte "Sammlung" von Liedern in alttschechischer Sprache) sicherlich ein Konstrukt und wurde zweifellos zum Zwecke einer Stärkung der nationalen Kräfte (in diesem Falle der Tschechen) geschrieben. (Und ebenso kurz darauf vom gleichen Autor die "Grünberger Handschrift"). Sie dürften auch eine wichtige Rolle in der Tschechischen Nationalen Wiedergeburt gespielt haben, und sogar heute noch verteidigen manche ihre Echtheit. Trotzdem war -in diesem Falle in Gestalt der Sprache- schon vorher ein wesentliches (oder vermutlich: das wesentliche) Substrat vorhanden, auf welchem dann derartige "Konstrukte" aufsetzen konnten. Italien gäbe es auch ohne Dante; Deutschland auch ohne Goethe und Luther.
Aber wenn man alle Dichter und Denker wegnähme, welche ihre jeweiligen Sprachen im Laufe langer Zeiträume geformt haben, würden unsere modernen Staaten heute vielleicht nicht, bzw. nicht in dieser Form, existieren.
Mit anderen Worten: Völker und Nationen sind natürlich "Konstrukte" in der Weise, dass es sie ohne intellektuelles Wirken nicht gäbe. Aber sie sind keine "Konstrukte" im Sinne einer Wortbedeutung, die sich irgendwelche großen Geister in einsamer Schreibstube oder versammelt in konspirativen Kammern vorstellt, welche 'beschlossen haben, ein Volk / eine Nation zu machen'.
Letztlich hilft uns also der Begriff "(kontingentes) Konstrukt", oder eine anders formulierte Abstraktion gleichen Inhalts, nicht weiter. Man muss einfach schauen, was im jeweiligen konkreten Falle der Fall war. Das ist für die Völkerwanderungszeit in der Spätantike etwas schwierig, weil die Schriftquellen nicht sehr reichhaltig sind und außerdem meist einseitig die römische Sicht wiedergeben.


Nachtrag 04.03.08:
"IDENTITY IN WORLD HISTORY: A POSTMODERN PERSPECTIVE" By: Wurgaft, Lewis D., History & Theory, 00182656, 1995, Vol. 34, Issue 2. (Der Titel klingt viel versprechend im Zusammenhang mit dem vorliegend behandelten Thema; ich habe den Aufsatz aber noch nicht gelesen.)


Nachtrag 30.04.09
Nicht sehr tief schürfend scheint mir eine "Studie zur deutschen Identität" der Universität Hohenheim zu sein, über die Parvin Sadigh auf ZEIT ONLINE vom 30.4.2009 unter dem Titel "Werkeln am Nationalbewusstsein" berichtet:
"Eine Studie belegt: Wir sind wieder gerne deutsch. Und dabei sehr pragmatisch. Zu unserem Wesen gehört es offenbar, etwas zusammenzubasteln, auch die eigene Identität."







Textstand vom 30.04.2009
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Sonntag, 13. November 2005
 
PISTOLE ODER DEGEN? ICH FORDERE SATISFAKTION!




Jüngst fand ich einen Zeitungsausschnitt welchen ich zu jenen Zeiten ante Picasa (http://picasa.google.com/index.html) eingescannt hatte, als ich noch keine Bilder in den Blog bringen konnte.

Oben habe ich ihn nun, zu Nutz und Frommen der Netznestnutzergemeinschaft, upgeloadet.

Lange schon war ich nicht mehr dort, in meiner Geburtsstadt Bielefeld. Ich habe auch in meiner neuen Heimat (oder sagen wir: meinem aktuellen hessichen Aufenthaltsort) keine Ostwestfälische Botschaft eingerichtet, wie andere das für ihre Heimatregion in der Fremde getan haben (http://www.botschaft-ostfriesland.de/deutsch/main/index.shtml) .

Nevertheless, even when I'm in Hess': Das Herz schlägt noch immer für die Heimat im hohen Norden.

Urlaub hatten wir zwar im Süden gemacht, in Garmisch-Partenkirchen, wo ich denn (wie überhaupt immer im Urlaub) regelmäßig die Lokalzeitung las. "Garmisch-Partenkirchner Tagblatt" heißt die, ist aber lediglich ein lokaler Mantel des Münchner Merkur.

Dort also fand ich die o. a. Meldung. Dass die Bayern nun auch schon in Ostwestfalen Drogenhändler jagen, will ich keineswegs beanstanden. Die mag fangen, wer und wo immer er sie trifft. Dass aber die Münchner Zeitung ihre Meldung mit der rhetorischen Frage abschließt, was die bayerischen Polizisten dazu bewogen habe, "ausgerechnet in Ostwestfalen Urlaub zu machen", das ist denn doch eine ungeheure Provokation! Das ist ja so, als hätten die gefragt, wieso jemand ausgerechnet in Ostfriesland Urlaub macht!

Hätten wir nicht anno Neun unter Führung von Hermann dem Cherusker die Ressourcenexplorationsexpedition eines größeren römischen Teams unter der Leitung von Publius Quinctilius Varus vorzeitig beendet und dadurch den ersten Sargnagel ins Römische Reich getrieben (vgl. z. B. http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Varus01.jpg und http://www.erziehung.uni-giessen.de/studis/Robert/hermsam.html), würden die Münchner vielleicht noch heute von wilden Tieren durchs Kolosseum (http://de.wikipedia.org/wiki/Kolosseum) gehetzt! Oder wären als Galeerensklaven in der römischen Donauflotte tätig (so wie sie später für Venedig sklavten - vgl. die Studie von Hans Schlosser: "Tre secoli di criminali bavaresi sulle galere veneziane (secoli XVI-XVIII)", herausgegen vom Deutschen Studienzentrum in Venedig (http://www.dszv.it/DE/frmit.html).

Und heute trauen sich manche von denen überhaupt nicht mehr nordwärts; zumindest traut sich der Obermünchner nicht nach Berlin. (Dabei könnte der doch ganz einfach in Frankfurts Apfelweinviertel einen Zwischenstopp machen und sich dort triplizieren: http://www.sachsenhausen-live.de/sachsenhausen_d/gastro/zu_den_drei_steubern_3.html).

Trotzdem, irgendwie kann man die Münchner bzw. den Stoiber verstehen. Schließlich haben wir Bielefelder uns schon mal präventiv an denen gerächt, indem wir ihnen den Nationalökonomen Prof. Dr. Hans-Werner Sinn als Praeceptor Germaniae auf den Hals gehetzt haben.

Gleichwohl schreit die oben abgebildete Münchner Depesche nach zusätzlicher Vergeltung!

Also: Gib's ihnen, Arminia! (Vielleicht mal 'nen Arminius als Trainer anheuern?)

Ich jedenfalls verstehe wirklich nicht, wie jemand nicht nach Bielefeld reisen mögen möchte, in jene Stadt am Fuß des Saltus Teutoburgensis, wo auf der Sparrenburg die Amsel singt, und wo im Tierpark Olderdissen der Iltis stinkt!
Und wohin einer Venia Legendi zu folgen sich nicht einmal ein Niklas Luhmann (http://de.wikipedia.org/wiki/Niklas_Luhmann) zu schade war!

Wartet nur ab, wenn ich im nächsten Urlaub wieder nach Bayern fahre ...


Selbst aus Wien kommen schon die Leute, um in Bielefeld zu leben: wenn sie von Los Angeles die Nase voll haben. Wer's mir nicht glaubt, mag's nachlesen im Handelsblatt-Artikel "Herbert Dawid: Ein Wiener in Westfalen" vom 20.12.2006 über den Wirtschaftswissenschaftler H. Dawid, der nun eine Professur an der Universität Bielefeld inne hat.

Und da gibt es immer noch Leute, welche steif und fest behaupten, dass es Bielefeld gar nicht gibt: hier haben sie schon die Wikipedia unterwandert. Da konfrontiert uns ein Autor mit der apodiktischen Negation der Existenz eines realen Substrats zu dem Begriff "Bielefeld" indem er kategorisch insistiert: "Bielefeld gibt es nicht". Dort (kein Wunder: dem Hintergrund nach zu urteilen, ist das ja eindeutig ein Schwarzer - politisch, meine ich: das ist doch hoffentlich politisch korrekt?) und da drüben treiben sich weitere konspirative Elemente herum, die eine "Bielefeld-Verschwörung" aufgedeckt haben wollen.
Ich aber kann bezeugen, dass es Bielefeld wirklich gibt: denn schließlich bin ich da ja gezeugt worden!

Stephan Menzel verdanken wir die Hypothese, dass es sich bei dem Bielefeld um ein Quantenfeld handelt. Diese Annahme trifft in der Tat zu und ist leicht verifizierbar: tatsächlich sieht, wer in Bielefeld auf den Boden schaut, dort Quanten rumlaufen.

Außerordentlich materialreich ist der Thread "Bielefeld existiert nicht!
Aufklärung über die Lüge, es würde eine Stadt namens Bielefeld geben. Die Bielefeld-Verschwörung
"
bei indymedia.

Jetzt aber soll sogar ein akademischer Film die Nicht-Existenz von Bielefeld beweisen (vgl. hier die Meldung der Universität, da den Spiegel-Bericht mit Leserkommentaren und hier die FAZ-Meldung mit noch schlüssigeren Kommentaren.



Nachtrag 14.08.07:
Alles über den Tourismus im schönen Ostwestfalen-Lippe kann man (vermutlich; ich selbst bin noch nicht dazu gekommen) in dem Gutachten der Universität Trier, Fachbereich VI – Geographie/Geowissenschaften, Angewandte Geographie / Fremdenverkehrsgeographie "Wirtschaftliche Bedeutung der Tourismusbranche in Ostwestfalen-Lippe" aus dem Jahr 2002 nachlesen.





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Samstag, 5. November 2005
 
OST MINUS WEST = NULL
Bereits im Mittelalter gab in Europa ein Kulturgefälle von West nach Ost. Heute müssen wir schon die Kaffeehauskultur aus dem Westen über den Atlantik importieren.

Ich jedenfalls habe es nicht bereut, dass ich einige "bucks" bei Starbucks gelassen habe. In Frankfurt, Schillerstraße, war es im Oberstübchen voll, aber die Sitze bequem. Ein Geschnatter zwar, dass die Gallier keine Chance gehabt hätten (Rom zu erobern nämlich, welches bekanntlich die schnatternden Gänse verhinderten). Aber der Kaffee: Hut ab! Da können wir (wie auf so vielen anderen Gebieten) von den Amis ruhig mal was lernen.

Preiswürdig in jeder Hinsicht, mild im Geschmack, vor allem auch groß: "Tall" hieß die mittlere Größe, kostete 1,90 "bucks" und war auch für die kaffeedurstige Kehle ein langhaltendes Labsal. Wenn ich da an gewisse Steh-Kaffee-Läden denke, bei welchen der Fuß der größte Teil der so genannten "Becher" ist, kann ich nur hoffen dass diese Konkurrenz sie an die Wand klatscht.

Allzu euphorisch sollte man freilich auch bei Starbucks seine Moneten nicht hinlegen, sonst bekommt man ein winziges Stück sauren Apfelkuchen, mit etwas Karamellsoße optisch reizvoll verziert, und hat dann 2,50 Bucks weniger in der Tasche. Das waren (Sie erinnern sich?) früher so ungefähr 5,- harte Deutschmarks!


Nachtrag vom 16.11.05:
Herrn Dietmar Fritze, (http://www.frizztext.de/index.html), philosophischer Schriftsteller und Groß-Kunden-, nein: Kunden-Groß-Rezensent (auch nicht gut; besser vielleicht: großer Kunden-Rezensent?) bei Amazon (http://www.amazon.de/exec/obidos/tg/cm/member-reviews/-/A3CFMHPMW9MU2I/1/ref=cm_cr_auth/302-7424731-7454422) verdanke ich den Hinweis auf einen Weltenbummler, der offenbar viele Bucks ausgibt, um Starbucks zu sammeln.
Mehr darüber auf der Webseite von Mr. Winter (http://www.starbuckseverywhere.net/).

Nachtrag vom 27.11.2005:
Vgl. zu diesem Thema auch die Eintragung GiD, GiD, GiD, GiD – 10.05.05, URL http://beltwild.blogspot.com/2005/05/gid-gid-gid-gid.html


Textstand vom 11.11.2007
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FRANKFURT: GLOBAL oder WARMING?
Heute; am 05.November des Jahres 2005, saßen noch eine ganze Reihe von Menschen (in Mänteln zwar) auf den Stühlen von Cafés und Restaurants draußen auf der Straße.

Ist das ein Indiz für die weltweite Klimaänderung, oder eine weltweite Verhaltensanpassung?

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IN FRANKFURT MUSS MAN HEUTZUTAGE WIRKLICH MIT ALLEM RECHNEN ...

... sogar damit, dass man direkt am Hauptbahnhof ein vorzügliches und preiswertes China-Restaurant findet! So geschah es uns an diesem heutigen Samstag mit dem China-Restaurant "New World", im 1. Stock eines Gebäudes gerade am Eingang zur Kaiserstr. ("Hauptbahnhof 8").
Welches denn hier zu Nutz und Frommen frembder Reisender festgehalten sei.








Im übrigen erwies sich die Gegend als ein Paradies für Bella Ragazza. Dies nicht, weil es das Rotlichtviertel von Frankfurt ist. Sondern wegen der unglaublich vielen Asia-Läden, die dort wie Shiitake-Pilze emporgeschossen waren. So lange waren wir also schon nicht mehr im Bahnhofsviertel gewesen - das spricht sicherlich nicht gegen uns. Doch wird es ebenfalls nicht gegen uns sprechen, wenn man uns in Zukunft vielleicht häufiger dort sieht.


Nachtrag 20.06.2010
Preis eines Mittagsmenüs vom Büffet (werktags, also Montag bis Samstag) mit sehr reichhaltigem Angebot derzeit 6,80 €.




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Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen
Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

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BURKKHARDT BLATTNASE


Sonnenschutz im Hochgebirge - ein Urlaubsfoto vom Juni 2005 aus den deutschen Alpen bei Garmisch-Partenkirchen, in der Nähe von Schloss Kranzbach (Hotel; z. Zt. im Umbau) (Foto: http://naturbildarchiv.de/04reilan/cd33/ppages/ppage93.html). Posted by Picasa

Das Copyright und alle Urheberrechte an dieser Aufnahme liegen bei der Photographin Joann Brinkmann.

Die geniale Nasen-Sonnenschutz-Idee selbst freilich habe ich anderen Wanderern abgeschaut.
Hätte diese sie nicht gehabt, würden Sie jetzt hier ein Foto mit dem Titel "Burkhardt Rotnase" sehen. (Aber bitte keine Lautspielereien mit diesem hypothetischen Titel!)

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Donnerstag, 3. November 2005
 
KEINE JUNGFRAU ZÄHMT DIESES ZWEIHORN oder MEIN MYTHENLOGISCHER UMWELT-PESSIMISMUS
Gestern Abend, am Mittwoch, den 02.11.2005, war er da, der Polyhistor Jared Diamond, Physiologe, Biologe und aktuell Geograph (und - gemäßigter - Umwelt-Optimist). Wie in dem verlinkten FAZ-Artikel beschrieben, spricht "Der Amerikaner, der die Welt retten will" [ziemlich reißerischer Titel für das Zentralorgan der bundesdeutschen Bourgeoisie!] ein grammatikalisch fehlerfreies Deutsch; einen bayerischen Akzent konnte ich dabei allerdings nicht ausmachen. Deutsch ist übrigens nur eine von zwölf Sprachen, die er beherrscht.

Im 2. Lichthof des Senckenberg-Museums in Frankfurt a. M. sprach er, derzeit anlässlich der Herausgabe des Erscheinens der deutschen Übersetzung seines Buches "Kollaps. Warum Gesellschaften überlegen oder untergehen" auf einer Lesereise in "diesem schönen Land", dessen Einwohner er "darum beneidet, hier leben zu dürfen", und in das er mit leerem Koffer kam, um Andechser Bier ins semi-aride Kalifornien zu exportieren. (Zum Lob seiner politischen Symmetrie und zur Beruhigung des US-Generalkonsulates, das den Vortrag mit gesponsert hatte, sei aber festgehalten, dass Diamond uns Kyoto-kirre Europäer auch beiläufig daran erinnerte, dass unsere subventionierten Fischfangflotten die schlimmsten Raubfischer im Atlantik sind. Das Reich der Umwelt-Bösen hat halt unzählig viele finstere Fürsten.)

In den USA ist "Collapse. How Societies Choose to Fail or Succeed" (wie der englische Originaltitel lautet) bereits ein Renner und vor allem heiß diskutiert: bei Amazon sind bereits jetzt 179 Kundenrezensionen eingestellt; deutsche Medien-Rezensionen z. B. hier und da. Auf der deutschen Amazon-Seite stehen bislang naturgemäß nur wenige (3) Rezensionen von Kunden, aber die werden sich sicherlich auch sehr schnell vermehren (die Rezensionen und, in dieser Eigenschaft, ebenso die Kunden).

Vielleicht 300 (?) Zuhörer waren gekommen, hatten (moderate) 4,- € Eintritt bezahlt und viele nutzen auch die Gelegenheit, sein Buch gleich an Ort und Stelle zu erstehen (einige mussten tatsächlich stehen), um es im Anschluss an den Vortrag signieren zu lassen. Umzingelt waren wir von Elefantenskeletten; ums Rednerpult tanzten Knochengerüste von Walen. Von links (vom Betrachter aus) stößt ein Narwal, das mythische Einhorn des Mittelalters, gegen das Rednerpult vor.


Ein gewisser Dave Pollard kritisiert in seinem Blog an dem Buch u. a., dass Diamond nichts Neues gegenüber seinen bereits früher geäußerten Thesen zu diesem Thema bringt: "With respect", schreibt er, "Diamond has been saying this for a long time, and it has been well covered. Here's a transcript of a 2002 speech Diamond gave at Princeton, courtesy of the Australian Broadcasting Corporation. I was hoping for some new material, new insights and, most important, new solutions. Although the critics seem content to review the book as something new, faithful Diamond readers who were expecting something as astonishing and provocative as his essay "The Worst Mistake in the History of the Human Race" [http://www.awok.org/Essays/DiamondWorstMistake] will probably be disappointed."

Das mit der fehlenden Novität ist zwar in der Sache richtig, jedoch für meinen Geschmack allzu sehr konsumeristisch gedacht (mich erinnert es an die Journaille, die nicht selten mit dem Gestus gelangweilter Fernsehsofasitzer Politiker dafür abkanzelt, dass sie "nichts Neues bringen"). Neuheit ist schließlich kein Wert an sich; richtige Erkenntnisse und Vorschläge dürfen und müssen nun einmal so lange vorgetragen werden, bis sie durchgedrungen sind; Neuheiten, die nichts anderes als neu sein wollen, oder die gar falsch sind, sind wertlos.
Ich habe auch Verständnis dafür, dass sein Vortrag gegenüber dem o. a. "transcript", der Niederschrift einer Radiosendung und seinem Aufsatz "WHY DO SOME SOCIETIES MAKE DISASTROUS DECISIONS?" inhaltlich nichts Neues bringt – außer dass Diamond seine Einsichten in Frankfurt vorzüglich auf Deutsch formuliert. Kaum jemand im Publikum wird diese Texte gelesen haben, für fast alle Zuhörer werden seine Thesen, jedenfalls die Einzelheiten, mit denen er sie illustriert, neu sein.

Eine sehr viel intelligentere, konstruktive und fein ausbalancierte Kritik kommt von David Brin. Kreative statt dogmatische Lösungen brauchen wir, weder blinden Glauben an die Unendlichkeit des Ressourcenvorrats, noch romantischen Primitivismus, meint Brin sinngemäß. Recht hat er, und so hab' ich das in der Schule vom Deutschlehrer auch immer gelernt: schön ausgewogen schreiben. Nur wird das alles wenig helfen: wenn das Zeug (Erdöl als Erstes, vieles andere nach und nach ebenfalls) einmal weg ist, dann ist es auf ewig futsch, Wissenschaft hin, Ressourcenschonung her.

Blogger Don Boudreaux, Libertärer wohl, glaubt nicht an Ressourcenerschöpfung und beschwert sich, dass "Diamond writes as if Simon’s and Lomborg’s research doesn't exist". Da nimmt er die Ressourcen-Füllhornisten Julian Simon (USA) und Björn Lomborg (Dänemark) als Wissenschaftler ["serious empirical research"] entschieden zu ernst. Allerdings ist das nicht sein letztes kritisches Wort; selbst im Falle dass deren Annahmen "wrong or misleading" seien, hält er "Diamond’s analysis" für "adolescent" und begründet das wie folgt:

"In short, for Diamond, externalities exist principally when kings and sultans are isolated from their subjects; when rulers don't share the current fates of their subjects. If only the sovereign – or his noble liegemen – knows of a problem and has sufficient incentive and good-will to solve it, things stand a good chance of turning out allright.
Is Diamond unaware that well-defined and divisible and exchangeable property rights tend to internalize on each decision-maker the larger value-consequences of his decisions on countless others – and, hence, prompt each decision-maker to act in ways that benefit not only himself today and tomorrow, but others as well? .....
Why the puerile 'oh-my!-unless-our-leaders-know-of-potential-problems-and-act-to-save-us-by-giving-us-specific-instructions-on-how-to-behave,-we’re-doomed!' motif?"

Lassen wir den arroganten Tonfall des "adolescent" beiseite und die Frage nach Nutzen und Schaden von "property rights" einmal offen, bleibt als Kern seiner Kritik (wie auch, freilich in weitaus moderaterer Form, bei David Brin) ein vielleicht tatsächlich allzu großes Vertrauen Diamonds in die – nicht nur Fähigkeiten, sondern insbesondere auch Möglichkeiten - unserer "Leader".

Wohin sollten und könnten diese Führer uns führen? David Brin versteht Diamond, der anscheinend in dem Buch keine konkreten Lösungsvorschläge aufzeigt (was man auch nicht erwarten kann) in der Grundtendenz so:
"Diamond seems to favor pastoral-conservation combined with cultural-conservatism, a mix that Garrett Hardin extolled in The Tragedy of the Commons and John Perlin in A Forest Journey. True, kings and fierce traditions may compel a peasantry to coppice instead of cutting the forest. Diamond lauds the Hopi, Tikopeans, New Guineans and Tokugawa Japan for establishing enduring sustainability. Alas, all of them sacrificed freedom and/or progress."

Tatsächlich können aber auch Führer kaum über den jeweiligen Systemschatten springen, und das ist unser ebenso wie deren Schatten. Einsicht hin, Voraussicht her: wer uns 5,- DM für den Liter Benzin abknöpfen will, den wählen wir halt ab.
Und, wie Brin, möchte auch ich nicht Freiheit und Fortschritt opfern, um zum Primitivismus der Jäger und Sammler zurück zu kehren. Das allerdings hat Diamond mit Sicherheit nicht im Sinn, auch wenn er in seinem Essay The Worst Mistake in the History of the Human Race den Nachweis führen zu können glaubt, dass deren Lebensstandard im Vergleich zur unmittelbar anschließenden Agrargesellschaft besser war (vgl. dazu auch meine Eintragung vom 09.05.05 "Der größte Fehler in der Menschheitsgeschichte?") Aber alle anderen Maßnahmen können die Ressourcen bestenfalls ein paar Jahre oder Jahrzehnte strecken, sie aber nicht wieder in konzentrierter Form verfügbar machen, wie die geologische Entwicklung das für uns getan hat.

Im Zusammenhang mit der Frage, welche mehr oder weniger konkret verdichteten Vorstellungen Professor Diamond persönlich hat, befremdete mich allerdings ein Satz aus seinem Aufsatz "The Ends of the World as We Know Them " in der New York Times vom (symbolisches Datum!) 01.01.2005: "To save ourselves, we don't need new technology: we just need the political will to face up to our problems of population and the environment" heißt es da im vorletzten Absatz. Was sage ich dazu? Vermutlich leider dasselbe, was ihm mit gleichen Worten (wenn auch anderer Zielrichtung) die Blogger von der anderen Feldpostnummer, Libertäre, Objektivisten und wie sich die verbissenen kleinen Verteidiger der großen Eigentumshaie sonst nennen, sagen könnten: "What planet are you living on, man"?

Diamond weiß und sagt ausdrücklich, dass die historischen Ereignisse mit unserer Situation nicht einfach vergleichbar sind. Konkret identifiziert er zwei Haupt-Unterschiede, nämlich
- die unvergleichlich höhere Bevölkerungszahl und Bevölkerungsdichte und
- die Globalisierung, die beide aus seiner Sicht die Probleme vergrößern.
Ich kann das eher für die Population als für die Globalisierung als solche nachvollziehen, aber das ist peripher.

Kernpunkt meiner Kritik an seiner Position überhaupt ist, dass Jared Diamond den zweifellos entscheidenden Unterschied nicht anspricht: die Umweltprobleme früherer Gesellschaften bestanden im wesentlichen in einer Erschöpfung erneuerbarer Ressourcen (insbesondere Holzmangel als Folge von Entwaldung). Das ist ein immerhin in der Theorie lösbares Problem: man muss "nur" den Verbrauch auf das Tempo des Nachwachsens zurück schrauben. Unseren Wald, der auch hier im 18. Jahrhundert arg heruntergekommen war, haben wir 'ressourcenerfolgreich' zum Forst gemacht (auch wenn er dabei ästhetisch und biologisch wohl verarmt sein dürfte).
Und ebenso ist es auch anderen Gesellschaften gelungen, die Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen – in aller Regel wird es sich um Holz handeln - so einzuschränken, dass Verbrauch und Verfügbarkeit sich die Waage hielten oder noch halten.

Unsere ganze Zivilisation, nicht nur die reichen, sondern ebenso die armen Länder, lebt aber von nicht erneuerbaren Rohstoffen (nonrenewable resources). Auch deren Verbrauch könnten wir – theoretisch zumindest, in der Praxis auf weltweiter Ebene wohl kaum – zwar einschränken. Aber selbst wenn das gelingen würde, gibt es hier kein Nachwachsen. "Peak Wood" kann man theoretisch und häufig auch praktisch vermeiden, "Peak Oil" ist schon gedanklich unvermeidlich (falls man nicht irgendwelchen auf Vergangenheitsdaten aufgebauten Phantasien von unbegrenzter Ressourcenverfügbarkeit nachhängt, oder an zukünftige technologische Wunder glaubt).
Meine Frage nach dieser zentralen Problematik wischte Professor Diamond etwas beiseite, indem er dies als einen von vielen Unterschieden zwischen früher und heute ansah. Mit dieser Fehleinschätzung werden wir in der Realität nicht weit kommen.

Einhörner lassen sich bekanntlich besänftigen (wenn auch nur von gewissen Wesen). Unsere heutige Umweltproblematik ist aber leider eines jener seltenen Tiere mit zwei Hörnern: "Verschmutzung" heißt das eine, "Verknappung" das andere. Und dieses Zweihorn lässt sich nicht einmal von einer Jungfrau zähmen.

Übrigens schließe ich aus seiner Reaktion, dass er mit diesem eigentlich nahe liegenden Einwand der absoluten historischen Inkommensurabilität der Umweltsituation von Agrar- und Industriegesellschaften vorher noch nicht konfrontiert worden war, was schon für sich genommen einiges über unsere Chancen aussagt, die Umwelt (zeitweise) "retten" zu können - oder nicht (einmal die Akzeleration – etwa des Ressourcenverbrauchs – stoppen können).

In diesem Zusammenhang muss ich, zumindest auf der abstrakten Ebene, einem gewissen Tylow Cowen Recht geben, der in seinem Blog gegen Jared Diamond zutreffend sagt: "... if you are a pessimist you should be concerned with the uniqueness of the contemporary world, not its similarities to the past." Und weiter: "Whether you are an optimist or pessimist about modernity, the history of Greenland or the Pitcairn Islands should not much revise your priors about our future."
Aber selbstverständlich kann eine Betrachtung der Vergangenheit unser Bewusstsein für das, was in der Gegenwart geschieht, schärfen. Das zumindest wird ein bleibendes Verdienst des Buches von Diamond sein.


Mit Metaphysik habe ich wenig am Hut, aber eine angemessene Verbildlichung unserer Situation (insbesondere in Abgrenzung gegen die Ressourcenphantasten) wäre wohl die Vorstellung, dass wir wie Ratten im Käfig des großen Psychologen sitzen, die soeben dabei sind, die besten, aber auch die letzten, Belohnungen aus dem Fach hinter dem allerletzten Verhaltensforschungshebel herauszuholen: "(B)RATS IN THE BOX AT THE ULTIMATE LEVER" eben.


Da hilft nur noch Singen, und deshalb jetzt Alle:

"Ja immer lustig Blut und leichter Sinn,
Ja futsch ist futsch und hin ist hin ...".


Oder Alternativ:

Hätten wir lieber das Öl vergraben
Das uns're Autos versoffen haben.
Hätten wir so einen Haufen,
Könnten die Autos mehr saufen !

Aber wir haben es nicht vergraben,
Weil es die Autos versoffen haben.
Drum sollen sie ohne Verschnaufen,
Das andere auch noch versaufen!

Öl her ! Öl her ! Oder wir fall'n um, juchhe,
Öl her ! Öl her ! Oder die Welt fällt um!
Bum, Bum.


Anyway: IT WAS FUN WHILE IT LASTED, WASN'T IT?


Hier eine Notiz der Frankfurter Rundschau über den Vortrag vom 02.11.2005 im Frankfurter Senckenberg-Museum. (Dass wir im Hinblick auf die Überbevölkerung schon alle Bremsen gelöst haben, war der Schlussbeitrag eines Diskussionsteilnehmers. Ich hatte allerdings nicht den Eindruck, dass Jared Diamond diese Meinung geteilt hätte.)
Nachtrag bzw. Berichtigung vom 06.04.06: Weg ist er, der Bericht über Jared Diamonds Vortrag. Aber dafür hat die FR jetzt etwas Besseres: eine Buchbesprechung von Frank Ufen u. d. T. "Wege in den Untergang". Diese Rezension beschäftigt sich weniger mit dem (allzu verführerischen, aber nur beschränkt aussagekräftigen) Negativbeispiel der Osterinseln und berichtet statt dessen mehr über das Erfolgsmodell der japanischen Forstwirtschaft im 17. Jh.
Auch Ufen meint:
"Merkwürdig ist nur, dass in fast sämtlichen Fallanalysen, die Diamond präsentiert, die Zerstörung der Wälder und ihre unmittelbaren Folgeschäden im Zentrum stehen."
Und wenn er sagt
"Außerdem ist es fragwürdig anzunehmen, die Gesellschaften der Gegenwart könnten Entscheidendes aus dem ökologisch bedingten Niedergang der Kultur der Maya, Amasazi oder Normannen lernen"
dann hat das, zumal für einen Artikel in der Frankfurter Rundschau zwar auf den ersten Hör einen etwas merkwürdigen Tonfall, aber aus dem Zusammenhang wird deutlich, dass er wohl das Gleiche meint, wie ich, dass es nämlich bei Diamond um erneuerbare Ressourcen geht, heute aber um nicht erneuerbare.
(In einer etwas umgearbeiteten Rezension in "Junge Welt" vom 16.02.06 u. d. T. "Zwei Holzfällerfälle" formuliert er:
"Etwas merkwürdig mutet an, daß in fast sämtlichen seiner Fallanalysen die Zerstörung der Wälder von zentraler Bedeutung ist. Und etwas unklar bleibt leider auch, was die Gesellschaften der Gegenwart Entscheidendes aus dem ökologisch bedingten Niedergang der Kulturen der Maya, Amasazi oder Normannen lernen sollten.")

In der Welt berichtet ein gewisser Sebastian Hammelehle in einem Artikel u. d. T. "Prophet der Umwelt-Apokalypse. Auf dem Plakat steht: 'Kollaps'. Die Buchstaben in Orange könnten alarmierender nicht sein" über den (vermutlich inhaltsgleichen) Vortrag von Jared Diamond im Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum (Völkerkundemuseum). (URL: http://www.wams.de/data/2005/11/06/799700.html) Der Titel hat freilich mit dem Inhalt des Bericht (die ich beide zusammen als ziemlich desorientiert und desorientierend, vulgo: wirr, empfinde) wenig zu tun.

Berichte über Diamonds Vorträge in München (31.10.), Berlin (01.11.), und Zürich (04.11.) konnte ich nicht finden; falls Leser entsprechende Links kennen, bitte in den Kommentaren einstellen!

Über Diamonds Vortrag am 07.11.05 in Wien berichtet der Standard: http://derstandard.at/?url=/?id=2235775


P. S. Eine sehr beachtenswerte 'immanente' Kritik (also unabhängig von der Unterscheidung zwischen erneuerbaren und nicht-erneuerbaren Rohstoffen) hat Victor Davis Hanson verfasst (http://victorhanson.com/articles/hanson042305.html). Hanson ist Historiker und im rechten Spektrum angesiedelt (Senior Fellow der Hoover Institution), was man wissen sollte, was aber als solches noch nicht die Validität seiner Argumente diskreditiert.
(Hier: http://victorhanson.com/articles/hanson092705.html vertritt Hanson übrigens seine interessante Auffassung, dass die politischen Gegensätze zwischen den USA und Europa zumindest vorerst fortbestehen werden.)

Nachtrag vom 31.12.05: vgl. dazu auch meinen Eintrag von heute "EINE NATUR GIBT ES NICHT. EINE UMWELT(PROBLEMATIK) AUCH NICHT".


Für weitere Anmerkungen betr. Jared Diamond vgl. auch meinen Eintrag "EINE PHILIPPIKA GEGEN DEN NIEDERGANG DER DEUTSCHEN PHILOSOPHIE ALS DOKUMENT DES NIEDERGANGS DER DEUTSCHEN PHILOSOPHIE" vom 20.11.05.


Nachtrag vom 18.01.08
Audiatur et altera pars: zwar halte ich nicht viel von den Cornucopians oder Füllhornisten (von Beruf in der Regel Nationalökonomen), welche da glauben, einen recht kurzfristigen, 200- oder 300-jährigen Trend perennieren zu können. Dennoch finde ich es immer stimulierend, eine Gegenmeinung zu lesen. In diesem Sinne empfehle ich auch Ihnen die Lektüre von "HUMAN PROGRESS – AND COLLAPSE? A Review of Jared Diamond’s Collapse: How Societies Choose to Fail or Succeed" von Wolfgang Kasper (hört sich urdeutsch an; der Mann lehrte und lebt aber in Sydney/Australien) ("Wolfgang Kasper is a professor of economics emeritus and a senior fellow
at the Centre for Independent Studies, Sydney. He is the author of many
economics articles and co-author (with Manfred Streit) of Institutional
Economics: Social Order and Public Policy -1998-").



Texstand vom 29.03.2008
Gesamtübersicht der Blog-Einträge auf meiner Webseite http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm

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