.comment-link {margin-left:.6em;}
CANABBAIA
Mittwoch, 25. Oktober 2006
 
DER SKANDAL: DEUTSCHE AFGHANISTAN-SOLDATEN ALS KANONENFUTTER FÜR DEN AUFLAGEN-KRIEG!
"Auch haben" plärren die Babys, wenn sie bei anderen etwas entdecken, was sie gern hätten.

Die Amis haben Skandale wegen der Folterungen im Bagdader Gefängnis Abu Ghraib ?
"Auch haben", blökt das deutsche Medienvolk. Und wenn es schon kein handfester Folterskandal ist, oder man nicht so recht weiß, ob sich die Sache Murat Kurnaz zu einem großen Skandal hochkochen lässt, werden eben ein paar alte Fotos an die Front geschickt, auf denen deutsche Soldaten mit - nein, nicht Folteropfern: sondern mit einem Totenschädel posieren.

In welchen Posen auch immer das geschehen sein mag: Man muss es wohl der fortgeschrittenen Infantilisierung unserer Mediengesellschaft und dem (scheinbaren) Fehlen wirklicher Probleme (bzw. genauer: der relativ geringen bis fehlenden medialen Präsenz erkennbar drohender existenzieller Probleme wie Klimawandel und besonders Ressourcenerschöpfung) zuschreiben, dass es jetzt der Bild-Zeitung gelungen ist, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen.

Auf Stilleben des 17. Jahrhunderts ist er regelmäßig zu Gast: der Totenschädel als Aufforderung zum "memento mori".
Soldaten in Afghanistan sind derzeit dem Feind Hein deutlich näher als wir. Aber uns, bzw. unsere Interessen, schützen sie dort. Dafür setzen sie ihr Leben auf's Spiel.

Und wir? Die Bild-Zeitung verwurstet our boys als Kanonenfutter für die Auflage.
Die allzeit gesinnungstüchtige Politmeute lässt sich vom Revolverblatt am Nasenring durch die Arena führen, und ein Rattenkönig von Etappenhengsten und Geltungssüchtigen zieht hinterher.

Dieser Affentanz, den die üblichen Verdächtigen uns da wieder mal präsentieren: der ist das wirklich Ekelhafte an der ganzen Sache.


Eine ausführliche Berichterstattung bringt das FAZ.NET vom 25.10.2005 unter dem Titel "Afghanistan-Schutztruppe. Wer sich so verhält, hat in der Bundeswehr keinen Platz" (bzw. jetzt geändert in "Merkel: Nicht zu entschuldigen").
[Recht hat sie ja: ihr Führungsversagen bei der Gesundheitsreform ist wirklich nicht zu entschuldigen. Aber um davon abzulenken, hat man ja vorübergehend mal wieder andere als Prügelknaben gefunden.]

Ein zweiter - mehr kommentierender - Bericht stammt von Michael Hanfeld: "Soldatenfotos. Das Bild des Bürgers in Uniform". Am Schluss raisonniert er (dieses Mal steckt wirklich ein kluger Kopf hinter dem Blatt) überzeugend über "Die Macht der Bilder über die historische Wahrheit".

Der Online-Ausgabe der "Zeit" ist das offenbar zu lasch. Sie überschreibt sensationalistisch mit: "Leichenschändung: 'Jetzt haben wir unser Abu Ghraib'"
Letzteres soll ein Offizier im Verteidigungsministerium gesagt haben. Immerhin gibt der Autor André Spangenberg am Schluss des Artikels aber auch anderen Stimmen Raum:
" 'Peinlich" und 'geschmacklos', so lautet das einhellige Urteil zu den Skandal-Fotos. Allerdings, so fügen Soldaten im Einsatz hinzu, 'kann sich das Blatt [also das Revolverblatt] nicht mehr reinwaschen, wenn es die nächsten Toten bei uns gibt'."
Die meint (zitiert nach dem o. a. FAZ-Artikel von Hanfeld):
"Es sei richtig und wichtig, die Bilder zu bringen, sagt der Chefredakteur Diekmann: 'Sie haben politische Relevanz, und zwar, weil sie im Zusammenhang mit der Diskussion über das Verhalten von deutschen Soldaten im Auslandseinsatz einen Beitrag leisten.' Es sei umso wichtiger, solche Bilder zu zeigen, als sie 'den vorbildlichen, tadellosen Einsatz der vielen tausend Bundeswehrsoldaten im Ausland belasten', sagt Diekmann."
Nicht die Bilder belasten: sondern deren Abdruck in der Bild-Zeitung!
Wenn es also zur Eskalation in Afghanistan kommen sollte: vergessen wir nicht, dass wir diese dann den Heuchlern der Bild-Zeitung zu verdanken hätten!


Der Spiegel Online titelt: "Bundeswehr sorgt sich vor islamistischen Racheakten" und berichtet ebenfalls ausführlich.


Hans Leyendecker vermittelt den Lesern der Süddeutschen Zeitung in seinem Beitrag "Bilder ohne Beweiskraft" Informationen, die man schon kennen sollte, wenn man das Geschehen in einem größeren Rahmen über die deutschen Grenzen hinaus bewerten will:
"Es geht auch weit schlimmer. Das 26-Minuten-Privatvideo, das erstmals im Vorjahr unter dem Titel 'Ramadi Madness' auf amerikanischen Webseiten zu sehen war, dokumentierte einen Einsatz der US-Infanterie-Einheit 'Bravo Company' nahe Bagdad. Ein GI winkt mit dem Arm eines toten irakischen Zivilisten in die Kamera, ein anderer tritt einen gefesselten Gefangenen.
Derartige Fotos von ihren Einsatzorten schicken US-Soldaten häufig an Internetbetreiber in die Heimat, weil sie dann freien Zugang zu Pornoseiten zu bekommen. Jeder Internetnutzer kann Bilder von Kriegseinsätzen in den Kategorien 'Allgemein' oder 'Blutig' betrachten. Wer die Rubrik "name this body part" anklickt, darf raten, welches Körperteil eines Toten abgelichtet worden ist.
Verglichen mit diesen Scheußlichkeiten waren die Fotos, die ein Mann vergangene Woche einem Bild-Reporter überreichte, eher provinziell.
"



Und was war sonst noch wichtig an diesem Donnerstag, 26.10.2006, des Oktobers 2006? Richtig: Moshammers Hündchen Daisy ist gestorben!



P. S.: Stehe ich jetzt selbst mit einem Bein im Knast, oder vor der Entlassung aus dem Arbeitsverhältnis, weil ich ein Foto mit Menschenknochen nicht nur publiziert, sondern auch noch schnodderig kommentiert habe? ("Ordnung muss sein - auch beim Gebein!".)
Und an meine Einträge unter Titeln wie "VOM FRIEDHOF DER UNVERWESLICHEN LEICHEN ZUM MITTAGSMENUE AUS DER SCHÄDELKALOTTE" und "Vom Friedhof der unverweslichen Leichen zum Satanswerk der Säuglingstaufe" mag ich schon gar nicht mehr denken!


Nachtrag vom 01.11.06:
Aufatmen! Die Rechtswissenschaft wenigstens ist noch nicht (gänzlich?) moralisch gleichgeschaltet! Reinhard Merkel, Professor für Strafrecht an der Universität Hamburg, "hat die deutschen Gerichte wegen der Totenschädel-Bilder aus Afghanistan vor überzogenen Strafen gegen die beteiligten Soldaten gewarnt. Es handele sich um Bagatelldelikte 'an der untersten Schwelle dessen, was überhaupt kriminelles Unrecht sein kann'." So zu lesen heute im Handelsblatt u. d. T. "Schädelfotos sind ein Bagatelldelikt".


Sieh da: es gibt auch Journalisten, die ihre Skandalseifenbläserkollegen kritisieren. Jean-Pierre Hintze schreibt in seinem Blog "hanseatische befindlichkeiten" u. d. T. "ein ewiggestriger geist" u. a.:
"Manchmal schämt man sich, den journalistischen Beruf gewählt zu haben - besonders dann, wenn man sich für eine ganze Berufsgruppe rechtfertigen soll und dies nicht kann… Der "Schädelskandal" des deutschen Afghanistan-Kontingentes ist so eine Sache: Da finden einige Jungs der Bundeswehr ein paar Knochen am Wegesrand, irgendwo in Afghanistan und possieren damit auf, teilweise recht unappetitlicher Weise, vor den Kameras für die Daheimgebliebenen.
Anschließend wird ein derartiges Fass aufgemacht, dass andere Geschichten, wie z.b. die dubiose Rolle von KSK-Einheiten im Kurnaz-Fall völlig in Vergessenheit geraten. Und das dann noch unter Überschriften wie "Leichenschändungen durch deutsche Soldaten".
Komisch nur, dass tatsächliche Leichenschändungen dann in Vergessenheit gerieten - wie zum Beispiel damals, während der Irak-Offensive, als einige Bürger von Baghdad johlend und triumphierend die Leichen zweier verunglückter US-Hubschrauberpiloten durch die Gassen zogen um diese dann an einer Brücke aufzuknüpfen und anzuzünden. Das war den deutschen Medien dann kaum eine Überschrift wert.
Und nun der zweite "Skandal": Hamburger Medien wurden jüngst Fotos zugespielt, die angebliche Bundeswehrfahrzeuge der KSK-Truppen zeigt, die mit einem "dem Afrika-Korp der Wehrmacht" ähnelnden Emblem versehen sein sollen. Das Emblem, eine Palme mit einem eisernen Kreuz, erinnere an Rommels-Truppen und sei auf "Initiative von Ewiggestrigen" entstanden. Statt eines Hakenkreuzes also ein Bundeswehrsymbol in einer Palme; schlimm, schlimm. ...
Und am interessantesten bleibt das Phänomen: Die BILD-Zeitung macht ein Fass auf, und alle machen es nach…"


Allerdings lässt Hintze es dabei nicht bewenden, sondern wendet die Thematik nach (oder genauer: gegen) Rechts. Unterton: "Ewiggestrige gibt es genug in der Truppe. (Und das, soll sich der Leser wohl dazu denken, ist doch viel schlimmer als die Spielerei mit den Schädeln.)

Schade, dass viele Journalisten offenbar glauben, den Rest des Volkes missionieren zu müssen. Denn wirklich massive Hinweise auf eine drohende Rechtswendung der deutschen Streitkräfte gibt er nicht; was er bringt, sind aus meiner Sicht genau so aufgeblasene periphere Erscheinungen, wie die Dölmereien mit den Totenschädeln und Totenknochen auch.


Du bist nicht allein ...
... wenn du motzt gegen Heilige-Schein:

Zwei Arten von Reaktionen kann man auf den ersten Blick unterscheiden, wenn man flüchtig die angezeigten Überschriften und Textaussschnitte der Resultate einer Blog-Suche bei Technorati oder Google nach Afghanistan Totenschädel Soldaten usw. überschaut.

Zum einen gibt es die Megaphon-Reaktionen: Berichte der Medien werden - mehr oder weniger mit eigenen Kommentaren angereichert - weiter transportiert.
Man könnte auch von "Wiederkäuer-Blogs" sprechen; allerdings will ich nicht bestreiten, dass z. T. auch eine echte eigene emotionale Betroffenheit hinter solchen Einträgen stehen mag.

Dann gibt es, und das hat mich erstaunt, doch eine ganze Reihe von Stimmen, welche (wie der Verfasser vorliegender Zeilen) das fiese Skandal-Spiel der Medien, und schon gar der Bild-Zeitung, nicht mitspielen mögen. Ein Skandal braucht, um ein solcher zu sein oder zu werden, immer mindestens -2- Spieler: einen, der was macht, und einen anderen, der dieses Tun als Skandal bewertet.
Eine ganze Reihe von Blog-Einträgen wollen das Thema niedriger hängen, so fand ich z. B. ohne systematische Suche folgende Kommentare mit einer solchen Tendenz:

- "Trainbuk": "Von der Betroffenheit"

- "Bloomsday": "Unverhältnismäßige Skandalisierung"

- Sven Plaggemeyer (sehr pointiert): "Affentheater um Totenschädel"

- Ein anscheinend islamischer Blog u. d. T. "Wer will deutsche Soldaten in den Kriegssumpf befördern?"

- Und pikanter Weise die Israel-freundliche "Gegenpartei" im Blog "politically incorrect" ebenfalls: "Im Land der bärtigen Bestien. Kommentar eines PI-Lesers zur Afghanistan-Aufregung".

- Rechtsanwalt Rainer Pohlen ist ebenfalls mutig genug, seine Meinung unter seinem vollen Namen zu äußern: "Von Totenköpfen und zerknirschten Geständnissen"

- Hr. C. aus N. blogt lieber anonym, aber immerhin hält auch er den Medienzirkus für übertrieben: "Alles ruhig in Afghanistan"


Nachtrag vom 02.11.06

- Clemens Wergin, "Meinungsredakteur" des Berliner Tagesspiegel, schreibt auf einer Blog-Seite dieser Zeitung in seinem Beitrag "Hamlet in Afghanistan" u. a.: "Ich halte den Skandal über die Bundeswehr-Bilder aus Afghanistan für eine aufgeblasene Posse." Und zahlreiche Leserkommentare (fast alle) stimmen mit ihm überein.

- Wergin bezieht sich auf einen Beitrag von Sibylle Tönnies, Juristin und Lehrbeauftragte an der Universität Potsdam, u. d. T. "Wer mit dem Schädel spielt
'Störung der Totenruhe'? Die Debatte um die Soldaten ist heuchlerisch
" im Tagesspiegel online vom 27.10.06.
Frau Tönnies stimmt für Vernunft und gegen den derzeitigen geradezu hysterischen Umgang mit den Vorfällen in Afghanistan:
"Weiß man denn, was die jungen Medizinstudenten während ihres Praktikums in der Pathologie für Witze machen? Ich habe schon Erstaunliches darüber gehört, wie es am Leichentisch zugeht – wenn keiner guckt. Angeblich ist da auch das Obszöne nicht ausgeschlossen. Erstaunlich sind solche Berichte allerdings nur, solange nicht berücksichtigt wird, wie schwer das psychische System die körperliche Begegnung mit dem Tod verarbeitet. Die Dummheiten, die anlässlich dieser Begegnung gemacht werden, sind wahrscheinlich ganz gesund. Sie verhindern, dass die Eindrücke nach innen schlagen.
Dasselbe gilt – verschärft – für die Jungens, die mitten aus einem harmlosen Alltag gerissen und mit der Möglichkeit, töten zu müssen oder selbst getötet zu werden, konfrontiert sind. Wenn sie dadurch nicht in seelische Abgründe gerissen werden wollen, müssen sie einen frivolen Humor aktivieren. Die Verwegenen unter ihnen können die Gelegenheit, den Tod einmal kräftig auf die Schippe zu nehmen, nicht gut auslassen. Man sollte sie ungestraft lassen
."

- Der Blogger "norberto*42" hat von den Nachrichten über sogenannte "Totenschändung" ebenfalls die Schnauze voll.

- Gastschreiber "Christian" im Blog "Petaflop" entrüstet sich unter dem hübschen Titel "Deutsches Schädeltrauma" zwar über die Handlungen der Soldaten, findet aber doch auch die öffentliche Reaktion überzogen.

- Tobias Haase ("Schädelfotos aus Afghanistan: Heimatfront und Wehrpflicht") hat ebenfalls den Eindruck gewonnen, dass der angebliche Skandal von vielen Menschen nicht als solcher gesehen wird. Was wiederum ihm missfällt:
"Schlägt jetzt, nach der übertriebenen Empörung und Überraschung über die Leichenfotos aus Afghanistan, das Pendel in die andere Richtung aus? Nämlich in die Richtung, dass alles nicht so schlimm ist, dass es halt Soldaten sind, da sei ein gewisses Maß an Verrohung normal, diese Jungs wollen nur Stress abbauen und überhaupt sollten wir uns hier im kuscheligen Deutschland nicht so haben mit unseren moralischen Maßstäben, wenn halt mal so ein Schabernack publik wird.
Dieses Gefühl habe ich jedenfalls, wenn ich z.B. die Berichte der FAZ zum Thema lese und ganz besonders, wenn ich dann die Leserkommentare lese. Den Tenor der Leserkommentare habe ich oben zusammengefasst
."

- Bei Haase fand ich immerhin den Hinweis auf den FAZ-Artikel "Bundeswehr-Skandal. Bild mit Tod" von Volker Zastrow, der dem Skandal-Hype ebenfalls ausgesprochen kritisch gegenüber steht. Und das war dann für die Leser das Signal, ihren Gedanken, die sie sich vorher vielleicht nicht zu äußern trauten, freien Lauf zu lassen und beinahe einhellig die Skandalisierung der Geschehnisse durch die Medien und die Überreaktion der Politik zu verurteilen.

- Was das "nicht trauen" angeht, gewinnt man eine Ahnung von dem ungeheuren Meinungsdruck der Medien, wenn man in dem oben schon erwähnten Blog des "Herrn C. aus N." den Kommentar eines "Anonymous" zu C's Eintrag "Alles ruhig in Afghanistan" liest:
"Hallo C., bin ganz Deiner Meinung. Allerdings habe ich das nur gedacht und nicht gesagt, denn man weiß ja nicht, wie Leute auf diese Ansicht reagieren."
So werden nicht wenige denken, aber selten werden sie es uns (und vielleicht sogar sich selbst) derart ungeschminkt eingestehen.


Nachtrag vom 03.11.06:

Auch wenn sich meine Einträge langsam zum Fortsetzungsroman entwickeln: Dirk Schümers heutiger FAZ-Artikel "Neapel. Ortstermin in der Konzernzentrale des Verbrechens", (der zwar auch in Bezug auf sein eigentliches Thema außerordentlich interessant ist), enthält eine Passage, die sich ganz ohne Kommentar in einen Zusammenhang zum aktuellen deutschen Totenschädel-Schändungs-Hype bringen lässt:
[Zwischentitel:] "Innige Zwiesprache mit Totenschädeln",
daraus Textauszug:
"Die Neapolitaner pilgern dieweil auch dieses Jahr zu Allerheiligen zu ihren Toten. Den Cimitero delle Fontanelle, den beliebtesten Friedhof voller Schädel und Knochen in Katakomben, mußten die Behörden dieses Jahr schließen, weil viele Besucher sich einzelne Schädel als Maskottchen auserkoren hatten, sie schmückten, innige Zwiesprache über Alltagsprobleme mit ihnen hielten und versuchten, beim Blicke in hohle Augen die Lottozahlen des Wochenendes zu erraten. Es kam zu Beschädigungen und Knochenraub, aber die Zärtlichkeit der Neapolitaner fürs Makabre wird unter der Schließung des Knochenlagers nicht leiden."

Nachtrag vom 11.03.2007:
Heute fand ich sogar ein Porträt von einem habilitierten Mediziner (und Krimi-Autor) mit Schädel (Dr. med. habil. Martin Kleen).



Textstand vom 11.03.2007. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge.

Labels: , , , ,


Abonnieren
Posts [Atom]

Montag, 23. Oktober 2006
 
Wieder einer weniger in Wächtersbach
... wenn auch (noch?) nicht ganz: ein Stammstummel ist übriggeblieben - vom alten Ahornbaum zwischen Schloss und Marktplatz.




Ein Menetekel?





Aber wieso denn? Der Baum(stamm) ist doch immer noch grün!





Also überhaupt kein Grund, schwarz zu sehen?





Nein, nein, seien sie ganz beruhigt: hier wurde bloß bloße Natur zu einem modernen Kunstwerk weggesägt.

Und wenn das nicht die Wahrheit ist, dann ist es eine ganz traurige Geschichte.



Wenn man das Bild vergrößert, kann man lesen, was auf dem Gedenkstein links unten steht: "Den Opfern".


Im Prinzip kann die Plakette durchaus am Baumstamm bleiben.
Nur bei der Höhe müssten man jetzt ergänzen: "Es war einmal".




















Bild- und Textstand vom 27.10.2006. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge.
Photos: Burkhardt Brinkmann

Labels: , ,


Abonnieren
Posts [Atom]

 
Wohltätige Gewissenserpressung?
"Moment bitte, Sie haben sich mit Schulbüchern eingecremt. Pflegeprodukte kaufen oder Zukunft schenken":

Gegenüber der alle Jahre wiederkehrenden nachweihnachtlichen Neujahrs-Feuerwerks-Miesmache "Brot statt Böller" hat diese Werbung den Vorteil einer saisonunabhängigen Verwendbarkeit.



Die Seele in den Himmel springt, wenn die Münze im Sammelkasten klingt. Mehr oder weniger gilt immer noch dasselbe Prinzip wie beim alten Ablassprediger Johann Tetzel.







Nachtrag vom 12.11.06:
"Entschuldigung, Sie haben da einen Brunnen am Ohr hängen. Schmuck kaufen oder Zukunft schenken":

Diese Abart der oben gezeigten Werbung fand ich heute auf einem Plakat in Aufenau (ein Ortsteil von Wächtersbach).










Das Foto konfrontiere ich kommentarlos mit einem Handelsblatt-Bericht vom 10.11.06:
"Teuerste Auktion aller Zeiten bei Christie's. Kunst-Preise explodieren":
"Beim Auktionshaus Christie’s sind bei der teuersten Auktion aller Zeiten binnen zwei Stunden Bilder für fast 500 Mill. Dollar unter den Hammer gekommen."
Nein, eine Randbemerkung kann ich mir denn doch nicht verkneifen:
Wenn die Elite Kunst kauft, ist das natürlich ganz etwas anderes, als wenn sich der Pöbel mit Halbedelstein-Klunkern behängt.


Kein guter Vergleich? Okay, nehmen Sie meinetwegen den Handelsblatt-Artikel "Synthetische Finanzprodukte. Derivate-Boom mit zahlreichen Facetten" vom 07.11.06:
"... ist die Zahl der an den globalen Terminbörsen gehandelten Kontrakte seit dem Jahr 1975 von 32 Millionen Kontrakten pro Jahr inzwischen auf fast 12 Mrd. Kontrakte gestiegen. Die Branche dürfte in Zukunft weiter um rund 25 Prozent pro Jahr zulegen ..."
Ich fürchte, mit Derivaten wird mehr Kapital in Brunnen versenkt, als wenn wer ein Stück Schmuck oder Modeschmuck zu Weihnachten kauft.

Jedenfalls finde ich die vorweihnachtliche Spendenwerbung der Kindernothilfe e. V. ausgesprochen abstoßend. (Die Kampagne besteht aus 3 verschiedenen Motiven. Der Text des dritten Plakats lautet: "Verzeihung, Ihr Sparschwein hat gerade eine Krankenschwester verschluckt".)


Nachtrag vom 16.11.06:
Erfinder dieser Werbekampagne ist übrigens die Werbeagentur Scholz & Friends in Hamburg.
Was die wohl denken, wenn Sie meine Blog-Einträge über ihre Börsenmassage lesen? Wahrscheinlich: "Diese verdammten Klowände des Internets".


Nachtrag vom 24.11.06:

Wie man sieht (übrigens auf genau der gleichen Plakatwand am Frankfurter Südbahnhof wie das erste Foto) kann man auch auf andere Weise um Spenden für wohltätige Zwecke werben!









Nachtrag vom 15.11.06:
Du bist nicht allein ... wenn du klagst über (diese) Werbung ... :
In seinem Blog "E pluribus unum" äußert ein Daniel Fallenstein u. d. T. "Frikadelle ans Ohr" die gleiche Meinung über die Schulbücher-Gesichtscreme-Kampagne. U. a. schreibt er:
"Du darfst nicht genießen, ohne zu bereuen! Eine nette Philosophie. Allemal, wenn man Leute dazu bringen will, sich für ihr Glück und ihren Wohlstand zu schämen. [.....] Es sei denn, man kauft sich einen Ablassbrief (Patenschaft) der Kindernothilfe… ".


Nachtrag vom 14.01.07:
So, jetzt hat meine Digitalkamera auch die Krankenschwester geschluckt: durch die Zugtür, am Bahnhof Hanau.
Es ist leider keine absolut scharfe Aufnahme, und ziemlich schräg außerdem. Aber für meine Zwecke ist sie scharf genug.


Nachtrag 13.05.2009
Über eine ganz fiese Werbemasche des "World Children’s Fund" berichtete Stefan Winterbauer in seinem Konsumenten-Blog am 27.04.2009: "Bettelbriefe mit Rosenkranz".



















Nachtrag 27.05.11
Zum weiteren Themenumfeld Entwicklungshilfe / Nothilfe / Katastrophenhilfe / Hilfsorganisationen vgl. auch das Buch "Die Mitleidsindustrie: Hinter den Kulissen internationaler Hilfsorganisationen" von Linda Polman. "Der Freitag" hat dazu eine eigene Seite "Buch der Woche: Die Mitleidsindustrie" mit zahlreichen Artikeln und Videos eingerichtet.





Textstand vom 27.05.2011. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge.

Labels: ,


Abonnieren
Posts [Atom]

 
ÖFFENTLICH-RECHTLICHE (G)RUNDVERSORGUNG: VOLL VOM GEBÜHRENZAHLER!
Irgendwo müssen die 7 Mrd. Euro ja angeschlagen werden, welche die Öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten uns Gebührenzahlern für unsere mediale Grundversorgung zwangsentziehen.

Mir bietet das: Grusel auch ohne Dusel!


Nachtrag 20.04.2009
Einen langen Artikel zum Thema Fernsehen von Stephan Lebert und Stefan Willeke bringt DIE ZEIT vom 19.02.2009 u. d. T. "Unser Gott, die Quote" [Schlagworte: Privatsender Sender Öffentlich-rechtlicher Sender Fernsehen]:
"ARD und ZDF sind auf dem besten Weg, sich selbst abzuschaffen – mit einem Programm, das die Privaten kopiert und nichts mehr riskiert."
Besonders folgende "hard facts" sind Wasser auf die Mühlen meiner Kritik an der verlogenen Begründung der immer höheren Gebührenforderungen (meine Hervorhebung):
"Insgesamt acht Milliarden Euro nahmen die ARD-Anstalten und das ZDF im vergangenen Jahr ein, davon rund sieben Milliarden Euro Zwangsgebühren, die das Öffentlich-Rechtliche von der Konjunktur weitgehend unabhängig machen. Die Privatsender erreichten im letzten Jahr ebenfalls acht Milliarden Euro, durch Werbung. 2008 lagen die Marktanteile des Spitzenreiters ARD bei 13,4, der dritten Programme zusammen bei 13,2, des ZDF bei 13,1 Prozent. [Zus. also 39,7 %] Von ihrem Publikum ist den Öffentlich-Rechtlichen nach 25 Jahren Privatfernsehen nicht einmal die Hälfte geblieben, aber noch immer haben die Anstalten ihre Gebühreneinzugszentrale, noch immer all ihre Funkhäuser. 1983, im letzten Jahr des öffentlich-rechtlichen Monopols, hatten die ARD-Sender 18400 Angestellte, heute sind es 23000."
Diese Gebühren-Mast-Schweine haben also auf unsere Kosten mächtig Fett angesetzt - ohne dafür ein wesentlich anderes Programm zu bieten, als die Privaten.
Zeit für ein kleines Schlacht-Fest!


Nachtrag 18.11.2009
Nachfolgend Links zu einigen Protest-Webseiten gegen die Rundfunk- und Fernsehgebühren:
- Gebuehrenstop.de (Webseitenbetreiber Jochen Ortwein)
Die Seite informiert sehr vielfältig; Im Kopf ist sie aber leider nicht auf der Höhe der Zeit: dort liest man "Rundfunkgebühren 7,29 Milliarden", aber dann: "Haushalt 2006(!)". Wie andere Anti-Gebühren-Seiten auch, fokussiert auch diese Webseite für meinen Geschmack zu sehr auf die Internet-Rundfunkgebühr.
Um das Gebühren-Geschmeiß wirksam zu attackieren, müsste eine Kampagne mit einer klaren Zielsetzung her, und zwar einerseits hinsichtlich der Gebühren (bzw. Ausgabenlimits für die ÖRes) insgesamt und andererseits für die Struktur.
Das Ziel einer Kampagne gegen den öffentlich-rechtlichen Schundfunk sollte m. E. darauf gerichtet sein, die Gebühren insgesamt zu senken bzw., von der anderen Seite her betrachtet, diesen parasitären verlogenen Selbstbedienungsladen drastisch zu verkleinern.
Trotz meiner harten Invektiven will ich die Öffentlich-Rechtlichen freilich nicht abschaffen.
Zwar hasse ich (ganz unabhängig davon, dass mir die Gebühren zu hoch sind) die Verlogenheit der öffentlich-rechtlichen Interessenverteidiger (und übrigens auch ihrer juristischen Schutzpatrone), welche der öffentlichkeit mit einer dreisten Rabbulistik Rundversorgung als Grundversorgung verkaufen bzw., was die Rechtsprechung (Bundesverfassungsgericht) angeht, aufzwingen.
Andererseits möchte ich Deutschland nicht berlusconisiert (oder, noch schlimmer: verkircht) sehen.
Sinnvoll wäre m. E. ein Bestand an Programmen in folgendem Umfang:
= ca. 6 bundesweite Fernsehsender (Nachrichten, Unterhaltung, Kultur, Edutainment, Sport, evtl. Jugend/Kinder) und jeweils ein landesbezogenes Fernsehprogramm (Mini-Bundesstaaten natürlich bei den Nachbarn einbezogen).
= Evtl. Auslandssender - ??
= ca. 6 bundesweite Rundfunksender (Nachrichten, Unterhaltung, Kultur, Sport, klassische Musik, evtl. Kinder/Jugend).
= 1 Auslandssender (evtl. mit 2 - 3 Programmen) (auch in Deutschland zu empfangen)
= jeweils einen lokalen Rundfunksender (wie oben unter Fernsehen vorgeschlagen)
= Internet-Webseiten ohne Beschränkung. Dafür, dass diese Webseiten nicht allzu sehr zur (unfairen) Konkurrenz privater Medien ausarten, sollte das Kurzhalten bei den Gebühreneinnahmen sorgen.
Die Landesmedienanstalten wären zusammenzulegen (d. h. größtenteils aufzulösen).
Die Gebühren wären zunächst einzufrieren und schrittweise auf 4 - allerhöchstens 5 Mrd. € (in aktueller Kaufkraft) abzusenken.

Doch nun zu weiteren Links:

- FGZ.de (IG Rundfunkgebührenzahler.Deutschland; Motto: "Rundfunkgebühren: Ja — Mehrfachzahlen: Nein.") (seitenbetreiber Norbert Simon)
Hier erscheint mir bereits das Motto unnötig auf die Zahlungsmodalitäten verengt. Das mag zwar ein legitimes Anliegen sein, das Grundübel liegt aber in der krebsartigen Wucherung der Programmangebote und der daraus resultierenden (angeblich) notwendigen Kosten. Es bringt nichts, einem Drachen die Zehennägel zu ziehen: gebührenfressende Monster müssen drastisch amputiert werden! (In alten Zeiten wurden sie getötet; würde man aber unsere Gebühren-Drachen umbringen, hätte man nur den anderen Drachen ein freies Feld geschaffen.)

- Bernd Höcker betreibt die Seite "gez-abschaffen.de". Auch hier stört mich die Fokussierung auf den Modus des Gebühreneinzugs (oder will Höcker unter der Hand den Öffentlich-Rechtlichen die Existenzgrundlage ganz entziehen? Dann hätte er meine Sympathie völlig verscherzt).





Textstand vom 18.11.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge.

Labels: , , , ,


Abonnieren
Posts [Atom]

Donnerstag, 19. Oktober 2006
 
Herbsterinnerungen an Baden-Baden
Nicht vom Winde verweht, sondern von der Speicherkarte verklickt sind die Hälfte der Fotos von unserem Aufenthalt in Baden-Baden (s. Eintrag "Impressionen aus Baden-Baden").

Doch sind uns nicht nur die Erinnerungen geblieben: die andere Hälfte der Aufnahmen ist ja noch da - und einige davon sind hier.





Aus dem Dahliengarten in der Lichtentaler Allee

Dahlias from the Lichtentaler Allee, a park-like alley along the small river "Oos" running through Baden-Baden.


Das Brahmshaus und die Wohnräume des Komponisten Johannes Brahms in Baden-Baden-Lichtenthal

The 19th-century German-Austrian composer Johannes Brahms spent many a summer in two tiny attic rooms in Lichtenthal, at that time a village bordering on Baden-Baden.
Weitere Informationen »

Labels: , , ,


Abonnieren
Posts [Atom]

Sonntag, 15. Oktober 2006
 
VIVA - WER? oder KULTUR-WARENUNTERSCHIEBUNG
Meine Urlaubserinnerungen mehr allgemeiner Art an die Kurstadt an der Oos finden Sie unter "Impressionen aus Baden-Baden" (mit Bildern).
[Nachtrag: Mittlerweile sind auch deutlich bessere Bilder online: unter Herbsterinnerungen an Baden-Baden]

Das Badewesen habe ich in meiner mikroökonomischen Studie "Baden-Badener Thermalsozialismus" untersucht.

Was fehlt? Richtig: ein Bericht zur Kultur - und schon haben wir eine vollständige Baden-Baden-Trilogie.

Weitere Informationen »

Labels: , , ,


Abonnieren
Posts [Atom]

Samstag, 14. Oktober 2006
 
Joy of Communism?
Bill Joy most definitely is not a communist.

But, when you try to grasp the approach of communism towards society on a purely abstract level, it is an effort to subject mankind (being that mankind is the highest -known- form of life, one could also say: subjecting life) to rationality.
Rationality, however, is a strategy that works fine for individuals and even for societies, when they try to achieve tangible goals: produce computers, planes, cars etc.
To a certain (lesser) degree it even works to attain more abstract objectives: education, health etc.

Communism was an effort to consciously construct a society that would make people live happily ever after. This was not exactly the Marxist idea of how communism develops in history (Marx was assuming that the road towards a communist paradise was the inevitable course of things). But of course, on the practical level, communists were trying to construct the desired kind of society.

It didn't work, and a lot of valid reasons can be given as to why it could not possibly work. But the bottom rationale behind all other reasons is simply the fact that it is impossible to superimpose rationality to life as such.
All we can say for sure about life as such is the fact that it has shown, so far, a direction: acceleration has been the name of this game of the pace of evolution.

William Nelson Joy (generally known as Bill Joy) thinks - with good reasons - that this acceleration may become dangerous for the existence of our species.
Therefore, in his famous essay "Why the future doesn't need us" (magazine "Wired", April 2000), he has put forward ideas fostered by a kind of technological pessimism that you would expect to find with some conservative-minded European thinkers rather than with any of those supposedly optimistic and progressive Americans. He is, in short, suggesting that we put limitations on our research in the areas of biotechnology, nanotechnology and robotics. However, much as he himself will probably not see it in that light, this too is a way of trying to direct the future development of mankind on a very high level from the outside - with that very limited amount of rationality that humans, being inside life, can acquire with even superhuman effort.

Imposing limitations (as we are already doing, to my chagrin, for instance here in Germany to genetic engineering) is easy; the problem is that the people in charge of such decisions would have to impose wise limitations.
It is tempting here to make fun of the (lacking) wisdom of politicians, but, quite frankly, I think even they are (and their intelligence is) better than their (its) reputation. On the other hand, even a scientist with an IQ of 200 or higher could not possibly foresee every conceivable outcome of any individual restriction on research (if they could, the game of chess could be reduced to a mathematical operation).

Let us propose the argument on a less abstract level, though. Bill Joy is talking about the nuclear arms race, and how this has endangered the existence of mankind. In other words, he is assuming that it was something bad, that should have been prevented by the insight and ethical commitment of the scientists working on the Manhattan Project.

But have the consequences so far really been more negative than positive? What would have happened if there had not been a mutual nuclear deterrent between the USA and the USSR? Most likely, in my opinion, we would have seen a third World War long ago, and, even without atom bombs, with more destructive effects than even WW II.
However, the consequences of a non-nuclear world would have been much more far-reaching.
Without the competition between the systems of market driven economy and a planned economy mankind might not have reached our present state of knowledge and economic achievement.
On the other hand, without the seemingly "mad" arms race communism might still rule in Russia and many other parts of the world.
None of us can know whether and in which way nuclear arms have played a part - positive and/or negative - in these developments.
What we tend to do, is to take a look at direct effects (real or conceived), and we are not very good at anticipating even those.

Rather than (in this case) rely on Thoreau (whom Bill Joy repeatedly quotes), I would put my trust in the deep insight of the German poet Johann Wolfgang von Goethe. In his drama "Faust", Goethe makes the devil characterize himself as:
"Part of that force which would / Do evil evermore, and yet creates the good..../ I am the spirit that negates." (Emphasis added.)

The invention of nuclear arms may well have been some such devilish device that in the end (that is, up to now at least) turned out to achieve more good than bad.

Or let's go back in history and let us pretend, just for sake of this particular argument, that the gunpowder has been invented by the monk Berthold Schwarz.
Couldn't he have foreseen, at least to some extent, how much havoc his invention would wreak? How much misery and destruction it would cause, killing countless numbers of soldiers and civilians and destroying their abodes, workshops, factories, transportation systems etc., making the Western civilisation conquer much of the world and nearly extinguish the indigenous population?
What should his ethical choice have been? There is no doubt that all decent and intelligent persons would argue for, push him towards or even force him to destroy his invention and obliterate any information about it.

Luckily, people in the 13th century (or whenever the gunpowder was actually invented) were - not necessarily less ethical, but at any rate - less far sighted, and just let things happen. Wars and all: were it not for the invention of firearms, our civilisation might still persist in the stage of feudalism.
In a very inspiring article "Der Knall der Moderne. Mit Moneten und Kanonen. Innovation durch Feuerwaffen, Expansion durch Krieg: Ein Blick in die Urgeschichte der abstrakten Arbeit" the German (unorthodox) Marxist Robert Kurz reverts the classic Marxist lore of how capitalism is responsible for war and gives some very convincing reasons as to why the wars waged with firearms have led to the development of capitalism and thereby modernity as the present state of technology and economy.

Naturally all of us would rather have seen modernity brought about without the sufferances of countless wars.
But it seems that here we have one of those rare cases where we can actually make a (limited) historical test as to what would (not) happened, if ... .

Jared Diamond informs us, in his talk "HOW TO GET RICH"(P. 5), held in 1999 to the club of "Digerati" (not some obscure folks, but the creme of the crop of today's technological elite), how in Japan (!) in the 17th and following centuries the development of firearms was halted because it threatened the dominance of the Samurai and the whole feudal system.

We might not even be discussing this topic or anything else on any internet today, if Japan had continued to develop the firearms which it first got acquainted with by the Portuguese and by the year 1600 had made into "the best guns of any country in the world" as Jared Diamond says. The Japanese might well have colonised America instead of the Europeans, and history might have taken a completely different course.

So, in the name of Karl Popper, let us not become - even well-meaning - enemies of the open society.

There have been other suggestions to install some form of benevolent dictatorship to replace our type of open society.

Most certainly, this is not what Bill Joy has in mind. But not only technology may be "Pandora's Box". Restrictions applied to academic freedom may very well have the same effect.
Only that we will never know it, because we'll never have seen the other side.


And, finally, there is one more - and hopefully compelling - argument to let science and technology take its course.

Bill Joy, no doubt, is a highly intelligent man with an incomparably wider overview of the present state of science and technology than I have or will ever be able to attain.
Nevertheless, even he completely excludes our pressing environmental problems, of which the foreseeable shortage and eventual depletion on non-renewable resources will probably be the most devastating.

What good will it do to us having stopped the development of seemingly dangerous technologies, if we are doomed to be catapulted back into the early history of primitive tribalism simply by the lack of those resources?

Personally, I am not very optimistic that, say, nanotechnology will help us out of the resource crunch. But our present day technology, or any "saving" or invoking of the buzz-words of "sustainable economy" or "sustainable development" won't help either.

We simply cannot (without terrible consequences for almost every human being) go back.
This is not what Bill Joy suggests or has in mind, but that is the most likely outcome of any halt on research and development on the technological front-lines. Mankind must continue on its path of Faustian risks and achievements, which our Western civilisation has set on tracks.
And, I'm sure, it will. If we Westeners are afraid and unwilling to proceed, the Chinese or the people of India will do it. Mankind will not be any safer for it, but the Western civilisation will be out-competed with its own devices.

This is definitely not the type of development which I personally would like to come about.



P. S.: Bill Joy's article "Why the future doesn't need us" seems to have been widely discussed (and his theses criticised). I have not read any of this discussion and therefore my arguments may well be repeating things that have already been said.
However, I feel that the arguments against any restrictions on the freedom of research and technological development cannot (especially in Europe) be repeated too often.
It should also be noted that no meaningful separation between "freedom of research" and "freedom of technical development" is possible. Quite apart from the necessary economic basis and stimulus, science needs ever more advanced technical instruments, and nobody can tell beforehand whether this or that "dangerous" technology may not one day be the door-opener to completely unforeseen scientific discoveries, which in turn lead to stupendous new technologies, which ... etc.



Textstand vom 12.10.2008. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge.


Other articles in English:

"The (b)rat in the box at the ultimate lever?" (environment)

"False Teachers in and on our Environment?" (environment)
and

"THE ICEBERG READING OF AN ICEBERG LECTURE" a review of the book "Globalization and its Discontents" by Prof. Joseph Stiglitz on my website "Drusenreich - Teil 3".

Labels: , , , ,


Abonnieren
Posts [Atom]

Freitag, 13. Oktober 2006
 
Lauft, Rentiers, lauft was ihr könnt!
Im Netz geht jemand um, der euch auf den Fersen ist!
Und nur, weil ich es gut meine mit Millionären (vgl. meinen Eintrag "Baden-Badener Thermalsozialismus"), habe ich ihn (oder sie) in meine Netzfalle gelockt!

Bei Google hatte er (oder sie) sich schon mal erkundigt, wie man euch in früheren Zeiten verwertet hat:
"verwertung des rentiers in der altsteinzeit"
Na, der (oder die) wird aber nicht schlecht gestaunt haben, als er oder sie plötzlich bei mir im Rentenreich gelandet war - wo es unter anderem auch um Rentiers geht.



Textstand vom 13.10.2006. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge.

Labels:


Abonnieren
Posts [Atom]

 
Baden-Badener Thermalsozialismus
Man sollte meinen, dass der Sozialismus in einer Kleinstadt mit 900 Millionären wenig Chancen hat. Aber auch dort in Baden-Baden treibt er seine Blüten und plünderte in den Caracalla-Thermen meine Börse.

Sozialismus in dieser Form macht Preise nämlich nicht niedrig: im Gegenteil. Der Eintritt kostete für -2- Stunden 12,- € und für 3 Std. 14,- €. Obwohl die das Thermalwasser nicht mal heizen müssen - sondern abkühlen, weil es zu heiß aus der Erde kommt.

Vielleicht gehören wir ja zur VVV (was keine Vereinigung der Verfolgten der Vampire wäre, sondern z. B. der Verein verwöhnter Vogelsberger sein könnte). Am Vogelsberg-Rand, in der kleineren, aber doch recht schönen "Spessart-Therme" Thermasol, kosten 2 Stunden nur 5,50 € (3 Std. 7,50 €). Und dafür bekommt man, im Gegensatz zu dem badischen Badetempel, sogar ein Wellenbad (im Außenbecken) geboten.

Wohl der Hauptgrund für den Preisunterschied dürfte die in der Baden-Badener Caracalla-Therme "kostenlose" Sauna sein.
Und genau das ist in meinen Augen eine sozialistische Sauerei: wenn alle für etwas zahlen müssen, was nur ein kleiner Teil nutzt. Wir nutzen die Sauna nicht, und im übrigen bekommen wir nicht einmal eine Ermäßigung aufgrund unserer Kurkarte.
An einer kalkulatorisch zu geringen Besucherzahl kann es nicht liegen, dass man die Preise hier derart hoch hält: selbst an einem Montag war das Thermalschwimmbad sehr voll.

Da lob ich mir doch Bad Reichenhall, wo man in der Rupertus Therme für 12,- € 4 Stunden bleiben darf (mit Gästekarte kostet es nur 10,50 €) und wo außerdem noch Früh- und Abendangebote zu 8,- bzw. 9,- € locken. Auch dort gibt es kein Wellenbad, aber, wie ich hier beschrieben habe, "viel Blubb für's Geld". Und die müssen ihre (aus Berchtesgaden bezogene) Sole sogar noch aufheizen!

Auch das kürzlich renovierte und erweiterte Thermalbad Aukammtal in Wiesbaden (das wir allerdings schon lange nicht mehr besucht haben) ist billiger (8,50 €, anscheinend ohne Zeitbegrenzung), und sogar die privaten "Taunus-Thermen" in Bad Homburg, bei denen die Sauna-Benutzung ebenfalls eingeschlossen ist, liegen zwar in der gleichen Preisklasse wie die Caracalla-Thermen, bieten aber für Randzeiten Sonderangebote.

Die CASSIOPEIA-Thermen in Badenweiler, die ich leider noch nicht von innen gesehen habe, die aber nach den Bildern auch einen recht großzügigen Eindruck machen, verlangen maximal 10,30 € (ohne Zeitbegrenzung?). und offerieren noch Preisnachlässe für bestimmte Zeiten usw.; Saunabenutzung ist da natürlich extra zu bezahlen.

Ein riesiges Badevergnügen bietet, gleichfalls für weniger Geld (Sauna kostet auch hier extra), die Obermain-Therme in Bad Staffelstein (die sich auch als "ThermenMeer" bezeichnet, was bei 1.600qm Wasserfläche gar nicht mal total übertrieben ist).

Also: Millionäre Baden-Badens, vereinigt euch mit mir zum Kampf gegen sozialistische Preisgestaltung!
Ihr habt, wenn ihr die Saunen in den Caracalla-Thermen meidet, nicht einmal eure Schweißtropfen zu verlieren! (Könnt natürlich auch reingehen: nur möglichst nicht auf meine Kosten!)

Mit diesem revolutionären Aufruf zu einem Zweckbündnis über alle Klassengrenzen hinweg verabschiede ich mich für heute von meinen Lesern und beschließe die neueste Folge meiner in unregelmäßiter Folge erscheinenden Serie "Bäder (bzw. Thermen) der Welt" (vorhergehender Eintrag zu diesem Thema war: "Vor Benutzen Körper putzen – aber bitte nur oberflächlich!"; davor:
"Vor Benutzen – Krallen stutzen!").


Nachtrag 04.04.2010:
Die Reichweite der "Tägs" ist leider eng begrenzt; wer unten den Täg "Thermalbaeder" anklickt, bekommt lediglich die neuesten Einträge zu sehen.
Aus diesem Grunde habe ich meine Thermen-Schilderungen (die allerdings nicht immer sehr detailliert sind, bzw. bei denen die Blotts nicht immer auf die Thermenbesuche fokussieren) in einem eigenen Blott "Thermenwelt: Thermen der Welt (well: meiner Welt, also Thermalbäder in Deutschland)" verlinkt.




Textstand vom 04.04.2010. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge.

Labels: , ,


Abonnieren
Posts [Atom]

Mittwoch, 11. Oktober 2006
 
Impressionen aus Baden-Baden
Bemooste Häupter wohnen in diesem einstigen Weltbad (und auch solche mit viel Moos).


Doch leben hier offenkundig auch Menschen, welche noch voll im Saft stehen - wie dieser Werbeaufkleber am Badezimmerspiegel unserer Ferienwohnung beweist (oder behauptet / suggeriert / vorgibt??).
Weitere Informationen »

Labels: , ,


Abonnieren
Posts [Atom]

Dienstag, 10. Oktober 2006
 
Alpine Fairytale
Gar so schlecht waren meine Englischkenntnisse schon damals nicht, als ich als (Bus-)Reiseleiter mit hauptsächlich US-amerikanischen Reisegruppen im Incoming-Tourismus hauptsächlich in Deutschland, Österreich und die Schweiz herumzigeunerte.
Dass jedoch mein Vokabular keineswegs perfekt, sondern im Gegenteil "far from perfect" war, entdeckte ich zu meinem Leidwesen (und Schaden) auf einer Tour, welche nach den mir vom Reisebüro übergebenen Unterlagen die Bezeichnung "Alpine Fairytale" trug.

Ein schöner Name, wie mir schien, und natürlich wusste ich, dass "fairytales" auf Deutsch "Märchen" heißt, und ebenso, was "fairies" sind: Elfen oder Feen natürlich - was denn sonst?
Jedoch hatten meine Touristen, vorwiegend Lehrer und Lehrerinnen (mit Ehepartnern), die Reise nicht unter der Bezeichnung "Alpine Fairytales" gebucht, sondern als eine Art Studienreise - was mir wiederum unbekannt war.

Der beiderseitige Überraschungseffekt war deshalb ganz enorm, als ich in bester Laune mit einem strahlenden Lächeln den Bus bestieg, zum Mikrofon griff und die Gäste mit "Hello you fairies"  begrüßte.


An dieses Ereignis musste ich bei der Abfassung meines Blog-Eintrages "Die Deutsche Welle - hier nicht sehr helle" denken.
Und erneut wurde ich etwas später daran erinnert, als ich durch Zufall auf einige Webseiten bzw. Blogs stieß, welche kulturelle Unterschiede zwischen Deutschland und anglophonen Ländern (speziell den USA) thematisieren.

Für eventuelle Leser meines Blogs, welche sich eventuell dafür interessieren [was den Bereich des Alltagslebens angeht, bin ich selbst auf die Lektüre solcher Texte als Informationsquelle eher weniger angewiesen, weil ich diesbezüglich fortlaufend gratis et privatissimum von meiner Ehefrau instruiert werde :-)], hier die Links (die ich selbst nicht mühsam recherchiert habe, sondern zu denen ich gewissermaßen durchgereicht wurde) und kurze Beschreibungen (die habe ich mühsam selbst erdacht):


"Stranger in a Strange (Deutsch)land"
ist der Blog einer hier mit einem Deutschen verheirateten Kalifornierin. Aufgrund ihrer japanischen Abstammung ist sie in Deutschland so zu sagen Ausländerin in Potenz: Amerikanerin mit asiatischen Gesichtszügen.
Ihre Kritik kz. b. am deutschen Gesundheitswesen, am fehlenden Hygienebewusstsein deutscher Bäckereiverkäuferinnen usw., ist nachvollziehbar.
Jedoch sind die Blog-Einträge auch humorvoll gemeint.
Insoweit freilich spricht
Der Rezensent manchmal bei sich:
"Witz komm raus, du bist umzingelt!"
Das mag aber auch daran liegen, dass mir die letzten sprachlichen Feinheiten im Englischen/Amerikanischen auch heute noch entgehen.

Ach ja: sie heißt Cheryl Watamura Martinez und ihre beeindruckende (Berufs-)Biographie findet man hier oder auch da [dies ist wohl ihre oder eine ihrer Unternehmenswebseite(n)].
Neben ihrem Beruf und Blog ist sie auch sonst gesellschaftlich aktiv.


"Things My Girlfriend and I Have Argued About" betitelt ein gewisser Mil Millington (der Nachname ist real, der Vorname fingiert) seine Webseite. Mit glanzvoll sprühendem Humor beschreibt er seine eheähnlichen Auseinandersetzungen mit seiner deutschen Freundin und seine Bemühungen, ein wenig Ordnung in die deutsche Sprache zu bringen (Plural von "Bus"? "Busen" natürlich! - Bin ich froh, dass der nicht versucht hat, "birds-busses" ins Deutsche zu übersetzen!)
Die Streitpunkte, über die sich die beiden zusammen raufen (oder heißt es "zusammenraufen"? Die Rechtschreibreform hat mich total verwirrt!) sind allerdings eher die uralten Themen des Geschlechterkampfes als interkulturelle Missverständnisse.

Vieles von seinen Feinheiten entgeht mir (Vokabular, Anspielungen auf Filme, Schauspieler usw.), aber schon das, was ich verstehe, ist ein Genuss. (Wer nunmehr noch mehr über oder von Millington wissen will, kann z. B. das lange Interview "A Study in Scarlet: An Interview with Mil Millington" lesen.)

Wer neugierig ist, wie seine Lebensgefährtin Margret aussieht, wenn sie "insane" ist, fahre auf seiner Webseite mit der Maustaste über ihr Porträtfoto.
[Meine Frau ist nicht "insane", und wenn ich jetzt europäische Vorurteile bedienen wollte ("Mad as he undoubtedly is, I can't imagine even GW Bush ..." schreibt z. B. Mil Millington, oder in einem Vergleich mit seiner Freundin: "... this still makes her policy less ill-considered and asinine than the one that actually advised the invasion of Iraq") und Lacher auf meine Seite ziehen, könnte ich das dem Umstand zuschreiben, dass die Bürger jenseits des Atlantik die Verrücktheit an der Staatsspitze konzentrieren. Das wäre aber schon deshalb zumindest voreilig, weil ich meine Analyse der Ursachen für die Irak-Invasion der USA ("IN THE MACCHIA OF SPECIAL INTERESTS – A WELL OF CLEAR-CUT ANALYSIS?") noch lange nicht abgeschlossen habe.]



Ausgangspunkt meiner kulturvergleichenden Surftrips war der sehr lange und sehr ernsthafte und systematisch angelegte
"(A) subjective comparison of Germany and the United States"
von einem gewissen Axel Boldt. Wer immer sich etwas intensiver mit der Thematik befasst hat, kennt vieles schon. Als zusammenfassende Übersicht ist es aber auch z. B. für mich von Interesse.


"Becoming an American Citizen"
Unter dieser Überschrift überlegt eine in Florida verheiratete Deutsche, ob sie die amerikanische Staatsbürgerschaft beantragen soll oder nicht. Für Deutschland sprechen eigentlich nur Kindheitserinnerung und - zunächst überraschend - das Wetter! Immer nur Sonne ist halt auch keine Wonne.
Der Titel ist missverständlich und deshalb fragen in den Kommentaren auch hauptsächlich Nicht-Amerikaner, wie sie ganz schnell Bürger in diesem scheinbaren Schlaraffenland werden können.
Nachdem der Aufsatz schon aus dem Jahr 2003 datiert, wüsste man gern, wie sie sich mittlerweile entschieden hat, doch erfährt dort nichts.


Unter dem Titel
"The Good, The Bad, and The Ugly"
geht - typisch amerikanisch! - ein US-Bürger, der (auch) in Berlin studiert hat, die Sache von der positiven Seite an, indem er nicht auflistet, was ihm missfällt, sondern was ihm in dem jeweiligen Land besser gefällt als in dem anderen. (Am Ende, when all counts are made, überwiegen aber auch bei ihm die Pluspunkte für die USA.)


Schließlich vergleicht noch ein gewisser Philipp Lenssen in
"Germans. Recalling Memories"
die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und den USA. Dabei überzeichnet er freilich die negativen Aspekte in Deutschland und die positiven in den USA, und Ersteres noch derart humorlos, dass man leider sagen muss "typisch deutsch".



Ein auffälliger Unterschied (der natürlich wiederum zu Lasten Deutschlands geht) fiel mir in den Restaurants auf (in Deutschland; für die USA, die ich nicht näher kenne, unterstelle ich mal, dass so etwas dort nicht vorkommt): Dass nämlich die Kellner(innen) nicht selten vom Gast eine Bestellung ohne Einsichtnahme in eine Getränkekarte (manchmal sogar ohne Speisekarte) erwarten, ist ein Ärgernis. (Vgl. dazu mein Blog-Eintrag "GiD, GiD, GiD, GiD".)


Sonderlich tief schürfend ist keine der o. a. Seiten; wenn wer weitere einschlägige Web-Werke, oder gar was Besseres kennt, möge er/sie es mir mitteilen oder - einfacher - gleich im Kommentar posten.


Aufschlussreich könnte z. B. ein Vergleich unter dem Aspekt des (typisch deutschen?) Begriffs "Kitsch" sein:
- der Kitschbegriff als Mittel des kulturellen Klassenkampfes in Deutschland?
- Rosa (wenn ich an die amerikanische Grußkartenkultur denke) als Leitfarbe der US-Gesellschaft?
- Einst genossen die Amerikaner manchen hier hergestellten Kitsch mehr als wir selbst (Hummel-Figuren! Und auch die Barbie-Puppe ist ja eine Emigrantin); jetzt entdeckt die ästhetisch geschockte Gattin von beltwild bei Weltbild einen "Kunst"kalender von Thomas Kinkade, "Maler des Lichts" (und momentan im Visier des FBI).
- Was oder wer wäre das funktionale Äquivalent für Kinkade bei uns? Rosina Wachtmeister? (Denn röhrende Hirsche, saufende Mönche und barbusige Zigeunerinnen sind ja schon seit einigen Dezennien nicht mehr "in").


Schluss jetzt: Sie, liebe(r) Leser(in), sollen selbst ja auch noch was zu denken übrig behalten!


Aber schon finde ich wieder was Neues:


Toytown Germany
ist die Webseite für "Germany's English-speaking crowd", und über deren Befindlichkeit in unserem Land informieren in direkter Weise die lebhaften Forenseiten.
[Hört sich alles traurig vertraut an, wenn ich z. B. einige Diskussionsbeiträge zum Thema "German (lack of) politeness" lese! Also benehmt euch gefälligst mal, ihr Mit-Germanen. Aber Leute, die Blogs lesen, sind wahrscheinlich ohnehin zivilisierter. Und die Barbaren lesen leider nicht.]


Nachtrag vom 04.02.07:
Den Blog "Dialog International. German-American Opinion: Politics and Culture" habe ich heute entdeckt, und zwar über den Eintrag "German Press on the Israel Lobby Controversy". (Über die Studie von John J. Mearsheimer und Stephen M. Walt zur habe ich an anderen Stellen, auch in diesem Blog, mehr berichtet und verlinkt: vgl. "Washington – Segesta – Athen – Tel Aviv: William Kristol und der peloponnesische Krieg" und "MORAL'S OWN COUNTRY oder LASSET UNS EINANDER BRÜDERLICHE HÜTER SEIN!".)

Anscheinend wird er von einem gewissen David Vickrey (aus den USA?) betrieben. Die genauen Hintergründe sind mir nicht klar geworden; eine Erläuterung in einem Eintrag "About" wäre wünschenswert.


Nachtrag 21.08.2010
Heutiger Flohmarktfund in Wiesbaden-Biebrich (auf dem Flohmarkt jeden 3. Samstag im Monat am Schloss) war das Buch "Nothing For UnGood: Deutsche Seltsamkeiten aus amerikanischer Perspektive". War im Zug schnell durchgelesen und liegengelassen (hatte auch nur 50 Cent gekostet). Vieles treffend, manches lustig, die Summe trifft in etwa der Amazon-Kundenrezensent T. Oertel wenn er schreibt "überwiegend lustig und in massentauglichem Humor geschrieben".
Dem spaßigen Blog "Nothing For Ungood" des Autors John Madison verdanke ich den Link zur (ernsthaften, deutschsprachigen) Seite "USA Erklärt. Der faktische Hintergrund, freundlich erklärt". Scheint lesenswert; hier die Selbsterklärung der Blogger.



Nachtrag 21.11.10




Der hier ist an allem Schuld. Kein Wunder: wenn man "Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg" heißt. Jetzt schaut er unschuldig und sauber restauriert (d. h. vom Grünspan befreit) von seinem Denkmalsockel in Mainz, aber in Wahrheit hat er die Einkaufstüten, die da

seinen Denkmalsockel verschandeln, sich (jedenfalls teilweise) selbst zuzuschreiben.
In einer Art Torschlusspanik vor unserem bevorstehenden Umzug nach Schwangau habe ich gestern in Mainz noch einige Druckerzeugnisse erworben, welche mir am Alpenrand zur geistigen Nahrung dienen sollen.
Eins davon, bei Oxfam gefunden, habe ich freilich als Schnellimbiss noch auf der Rückfahrt von Mainz nach Wächtersbach aufzufuttern begonnen: "Dear Germany. Eine Amerikanerin in Deutschland".

Die (50) Kundenrezensionen bei Amazon sind extrem verteilt: 15 mit 5 Sternen, aber 18 Leser haben ihr nur einen gegeben; Durchschnitt 3. Bei den Negativ-Kommentaren sieht man deutlich, dass sich Deutsche auf den Schlips getreten fühlen, wenn Frau Kloeppel (übrigens die Ehefrau des RTL-Chefredakteurs Peter Kloeppel, den ich als Nicht-Fernsehzuschauer freilich nicht kenne) Deutschland nicht immer zu seinem Vorteil mit den USA vergleicht. Hallo Freunde, sperrt mal eure Augen auf: Deutschland ist nicht das Paradies! Zwar würde auch ich nicht in den USA leben wollen, aber z. B. die Kundenorientierung und die Orientierung auf den Verbraucher hin sind dort deutlich besser; übrigens auch die Qualität mancher Güter (Gummilitzen z. B., die in Deutschland regelmäßig binnen kurzem ausleiern).

Dass die Amerikaner, zumal solche aus dem Mittelwesten (Carol Kloeppel kommt aus Minnesota und hat übrigens schweizer und deutsche Vorfahren) ziemlich prüde sind, wissen wir natürlich. Besonders drastisch hatte das im Jahr 1999 (aber bei mir noch so in Erinnerung, als wäre es erst vor wenigen Jahren geschehen) der gesamten Welt ein Strafverfahren gegen den 11-jährigen (bei seiner Verhaftung sogar erst 10-jährigen) Raoul Wüthrich vor Augen geführt, der beschuldigt worden war, an seiner 5-jährigen Halbschwester sexuelle Handlungen vorgenommen zu haben und von der US-Justiz wie ein (erwachsener) Schwerkrimineller behandelt worden war. (Am Ende wurde er dann wegen Verfahrensfehlern freigelassen.) (Ausführlich unter "Vorsicht in den USA" bei indymedia - unten  -; vgl. auch die Spiegel-Berichte "moralische Panik" vom 18.10.99 und "Kinder als Opfer des Rechts" vom  25.10.1999.) Allerdings, während uns der Umgang der USA mit vermeintlichen "Sexualdelikten" von Kindern befremdet, sollten wir uns auch eingestehen, dass wir selbst im Umgang mit wirklichen Rechtsbrechern im jugendlichen Alter entschieden zu lasch umgehen. Und dass bei uns auf anderen Gebieten (Lärm!) die Toleranz gegenüber Kindern sehr zu wünschen übrig lässt, dürfen wir uns ruhig eingestehen. Man sollte damit leben können, wenn z. B. hier  im Blog Translationmusings eine offenbar amerikanische Kommentatorin "Margo" zu einer Rezension des Buches von Frau Kloeppel anmerkt:
"I grew up in Germany and all I can say, thank God I’m outta there. The rudeness, the lack of service and the feeling of inconveniencing the sales people and waiters, the idiotic rule of recycling.(I have great respect for their love of their environment, though). The school system, the noise restrictions and the Kleiderschraenke. My sister had a frog in a property she was renting out. Someone complained about frog noise, the police came and they decided, that the frog needs to be quiet between 1pm and 3pm. I hope they all stayed serious during this event. I love noise, especially from children and frogs. I love to live in this country" [also in den USA]. (Und was für den Froschlärm gilt, trifft erst Recht auf Kinderlärm zu - darüber lesen wir oft genug in den Lokalteilen der Zeitungen.)
Aber zurück zu Frau Kloeppel und der amerikanischen Prüderie:
Zum einen macht sie deutlich, dass sie auch selbst schon etwas Abstand davon gewonnen hat und diese nicht mehr ganz unkritisch sieht.
Zum anderen ist ja vielleicht gerade dieser Prüderie ein wesentliches Antriebselement der amerikanischen Energie und Kreativität? Es scheint so zu sein, dass Kreativität zwar bei vielen von Druck unterdrückt wird. Andererseits kann aber gerade das Reiben an Beschränkungen und Beschränktheiten diese fördern. (Aktuell habe ich mich oberflächlich ein wenig mit den Biographien der beiden Schriftstellerinnen Elfriede Jelinek, hier deren Homepage, und Herta Müller beschäftigt. Die sind beide nicht in den glücklichsten Umständen aufgewachsen - bei Frau Müller kam neben der Beschränktheit des persönlichen Umfeldes der bäuerlichen Banat-Deutschen noch die Ceaucescu-Diktatur hinzu - haben es aber immerhin beide bis zum Nobelpreis für Literatur gebracht. Während wir, wie man etwas versteckt auch bei Carol Kloeppel erfährt (wenn sie nämlich die amerikanischen Vorbilder von deutschen Fernsehserien erwähnt) jedenfalls im Unterhaltungsbereich hauptsächlich abkupfern.
Das Leben verläuft halt nicht ganz so linear, wie unsere Naivität sich das träumen lässt.
Bislang habe ich nur die Hälfte des Buches gelesen (und das in jeder Hinsicht: in einem Zug). Es ist keine große Literatur, aber eine nette individuelle Beschreibung ihrer Erlebnisse und ihres Empfindens beim Sprung aus der großen Welt der USA in die kleine Welt Deutschlands. Kein "must read", aber auf jeden Fall ein netter Zeitvertreib! Besser als das eher aufgesetzt-lustige "Nothing for ungood" ist es allemal und hat die mehreren Auflagen, die es erlebt hat, verdient, auch wenn sein Inhalt, wie Nadine Leonhardt anmerkt, nicht wirklich überraschend ist.

Hier noch ein Auszug aus einer Rezension von LilliBelle auf der Webseite "Büchertreff", der ich mir nur anschließen kann:
"Ich fand das Buch... sehr kurzweilig und leicht zu lesen und insgesamt auch sehr ausgewogen. Bevor ich das Buch bekam, hatte ich in vielen Rezensionen gelesen, die Frau Kloeppel wurde Deutschland schlecht achen und zu dem Schluss kommen, dass in Amerika alles besser sei. Das kann ich überhaupt nicht bestätigen. Sie macht nichts schlecht, sondern sie vergleicht sehr systematisch und anschaulich verschiedene Aspekte der beiden Länder und Nationen und zieht dann ihre eigenen Schlüsse. Bei einem Vergleich liegt es in der Natur der Sache, dass meistens entweder die eine oder die andere Seite besser bei weg kommt. Und das ist in dem vorliegenden Buch mal Deutschland und mal Amerika. Ich finde es vollkommen legitim, wenn man an liebgewonnenen und vertrauten Gewohnheiten erstmal festhält und Neuem gegenüber zumindest skeptisch ist. Und auch dass man bei näherem Hinsehen und objektivem Vergleichen dennoch das eigene Land in diesem Punkt besser findet, halte ich für in Ordnung. In vielen Punkten gibt Frau Kloeppel Deutschland den Vorzug gegenüber Amerika. Was einigen Lesern sauer aufgestoßen sein mag, sind die Punkte, wo sie sogar berechtigte Kritik übt. Über die berühmte Servicewüste Deutschland darf sich jeder Deutsche vollkommen zurecht aufregen und seine Erfahrungen dazu schildern. Wenn das eine eingewanderte Amerikanerin tut, kommt dies vielen wohl als “Schlechtmachen” und “Lästern” vor. In den meisten Punkten ihrer Kritik musste ich Frau Kloeppel recht geben, und vieles, was sie an Deutschland lobt, ist mir noch gar nie so bewusst aufgefallen."

Was die Prüderie "der" Amerikaner angeht, kann man mit guten Gründen auch das genaue Gegenteil behaupten. Denn von dort kommen auch die größten Sauereien. Zwar erinnere ich mich kaum noch an Details (jedenfalls nicht der Sexfilme; in Erinnerung ist mir aber noch ein Film mit Kettensägen-Monstern: sollte es "The Texas Chain Saw Massacre" - hier Werbung für die DVD - gewesen sein??), wohl aber daran, dass ich doch ziemlich geschockt war von jenen Underground-Filmen, die (in einer Art Film-Festival an mehreren Abenden) irgendwann um 1970 in dem damals noch existierenden Amerikanischen Kulturinstitut ("Amerikahaus" - einführender Text mit weiteren Links) in Frankfurt gezeigt wurden.
Eine zutreffende Beschreibung der gesellschaftlichen Positionen ist wohl, dass in den USA die Spannbreite des (nicht immer Erlaubten, wohl aber:) Vorhandenen, Vorkommenden, weitaus größer ist als bei uns. Und gerade das macht eben auch einen Teil jener Faszination aus, welche die amerikanische Kultur (im weitesten Sinne) auf viele von uns ausübt. Amerikanische Kulturschaffende schöpfen sozusagen aus einem weitaus größeren Pool von Möglichkeiten (und Wirklichkeiten) als das in Deutschland der Fall sein kann, und wahrscheinlich gibt es selbst in Europa insgesamt keine vergleichbare Bandbreite an sozialen Möglichkeiten und Realitäten.

Man könnte (etwas, aber nicht völlig, unernst gedacht) den Umgang "der" Amerikaner mit der Dimension des Sexuellen auch anders sehen: als eine ausgefeilte Strategie zur Luststeigerung. Denn Perversionen machen ja nur dann Spaß, wenn sie eben das sind: tabu. Und je größer der Claim des Tabubezirkes, desto größere Lustmengen kann man dort abbauen. Die Amis wissen halt, wie man die größtmögliche Menge an Lustgold schürft (und natürlich auch, wie man eine maximale Goldausbeute aus der Lust gewinnt - aber das hat nichts mit dem vorliegenden Buch zu tun)!

Im Übrigen wussten bereits die alten Kirchenlehrer, dass das Ganze nicht nur aus jenen Teilen besteht, die uns angenehm sind: der Begriff von der "coincidentia oppositorum", dem Zusammenfall der Gegensätze“, bringt das zum Ausdruck. Und was sich Nikolaus von Kues (Cusanus) noch eher statisch vorgestellt haben mag, wurde in Georg Wilhelm Friedrich Hegels Lehren von der Dialektik der historischen Entwicklung ins Dynamische gewendet.
Das alles hat allerdings mit Carola Kloeppel nichts mehr zu tun ;-) .


Nachtrag 23.11.2010
Nun habe ich die Lektüre beendet: es ist ein sympathisches, weil ehrliches und persönliches Werk. Mit übertriebenen Erwartungen auf einen tief schürfenden Kulturvergleich darf man natürlich nicht an das Buch herangehen; es ist eine bewusst subjektiv gehaltene, aber trotz aller kritischen Äußerungen letztlich doch sehr warmherzige Betrachtung unseres Landes. Kein Ruhmesblatt sind jene allzu zahlreichen Amazon-Kundenrezensenten, die über die Autorin herfallen als hätte sie sie persönlich angegriffen, und von manche sie gar umgehend repatriieren wollen, im Stil von "Ami go home, du bist zu blöd".
Diese Typinnen und Typen haben wohl sämtlich keine Spiegel im Hause .....


Nachtrag 02.12.10
Auch die (mutmaßlich deutschsprachige) Bloggerin hinter dem "poetryshelf" bzw. bookshelf (Annette Boehm?) stellt einen Vergleich der Bücher "Dear Germany" von Carol Kloeppel und "Nothing for Ungood" von John Madison an, und der geht auch bei ihr eindeutig gegen das Buch von Madison.


Nachtrag 26.05.2011
"Der Freitag" hat eine 16-teilige Reihe "Alltagsrituale. Wie uns die Anderen sehen" (konzi­piert von Hanna Engelmeier und Marco Formisano) veröffentlicht. Schade, dass es wohl keine Übersichtsseite mit Links zu allen Artikeln gibt. Jedoch enthalten die einzelnen Veröffentlichungen jeweils Links zu weiteren Teilen der Serie, so dass man sich durchklicken kann. Letzte Folge (24.05.11) war  "Ich kann nicht zwei Mütter haben von Colin G. King (über die Unmöglichkeit, als Ausländer ein "native speaker" zu werden). Von diesem Beitrag kann sich, wer mag, zurück hangeln. (Informativ: "Die Fallhöhe für Künstler ist niedriger" vom 26.04.11, wo die Schweizerin Valérie Favre über die Berliner Kunstszene berichtet und über Ihre Gründe, als in Paris schon etablierte Künstlerin dennoch nach Berlin umzuziehen.)




Textstand vom 26.05.2011. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge.

Labels: , , , , , ,


Abonnieren
Posts [Atom]


Powered by Blogger

Paperblog blogoscoop