CANABBAIA
Freitag, 20. Juni 2008
Präludien über das Thema Ressourcenkriege: Doch keine Kriege ums Öl? Oder Europa rüsten für den Ölkrieg? Oder wollt ihr die totale Osteomalazie?
Wenn aus einem Haufen rauer Soldatenkehlen das Gebrüll ertönen würde: "Peak Oil, Peak Oil, Peak Oil" – ob das nicht fast so klänge wie "Sieg Heil …"?
Irgendein Heil von der Verknappung fossiler Energieträger oder einen Endsieg über die Natur können wir allerdings nicht erwarten; dafür aber jede Menge an Unheil. Denn wenn (vielleicht schon bald) Erdöl wirklich zu einer immer schneller verschwindenden Mangelware werden wird, wird uns wahrscheinlich das, was traditionell ein wesentlicher Bestandteil von "Geschichte" war, nämlich gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen politischen Einheiten, wieder einholen.
Dafür haben Trendscouts wie wir ihren eigenen Schlachtruf: "Be prepared" oder "bereit sein ist alles".
Die erste Stufe zum Bereitsein ist das Informiertsein.
In der politischen Monatsschrift "Blätter für deutsche und internationale Politik", Ausgabe 07/2007 findet sich eine interessante und ausführliche Studie mit dem Titel "Der globale Krieg ums Öl". Näheres zum Hintergrund der beiden Verfasser erfahren wir zwar dort nicht, wohl aber in einem Abdruck in der Frankfurter Rundschau:
"Hauke Ritz ist Publizist, Literatur- und Kulturwissenschaftler. Otto Wiesmann ist Börsenhändler mit Schwerpunkt Ölhandel und Experte für Funk- und Printmedien" lesen wir dort. [Hier (offenbar auf der Webseite seines Arbeitgebers "INDEX Handelsgesellschaft mbH") Links zu einer Reihe von Interviews, in denen er mindestens schon seit 2005 einen Förderrückgang voraussagt. In der Zeitung "20cent" finden wir ein Bild von ihm und eine Prognose von 2005, in welcher er für ca. 2010 mit dem Ölfördermaximum rechnet und mit Ölpreisen um 100 € "in drei bis fünf Jahren" - seinerzeit ziemlich kühn, tatsächlich aber nicht einmal kühn genug. (Gern wüsste ich, welche Preise die amerikanischen Börsengurus damals für 2008 prognostiziert haben!) In einem taz-Interview vom 10.04.08 mit der Überschrift "Die Ölparty ist bald vorbei" sagte er:
Frage: "Seit Jahren hört man immer wieder: Jetzt geht das Erdöl zur Neige. Dabei findet man ja immer wieder neue Felder."
Antwort: "Das stimmt zwar, aber nur im Verhältnis eins zu sechs, das heißt: Es werden weltweit pro Jahr über 30 Milliarden Fass verbraucht, aber nur 5 bis 6 Milliarden Fass gefunden. 1990 hatten wir 15 Ölfelder, aus denen mehr als eine Million Fass zu 159 Litern pro Tag gefördert wurden. Heute gibt es noch 3. Die alten Ölfelder erschöpfen sich. Also, wer denkt, dass wir noch einmal billiges Öl kriegen, der glaubt auch an den Klapperstorch." (Hervorhebung von mir) Ein Buch hat er ebenfalls geschrieben; bei Amazon finden sich dazu auch ergänzende Angaben zur Biographie.]
Doch zurück zur Gemeinschaftsarbeit von Ritz und Wiesmann. Die Autoren weisen darauf hin, dass eine Ölverknappung die USA voraussichtlich in noch größere Schwierigkeiten bringen würde als die Europäer. Erfreulicher Weise beschränken sie sich nicht einfach darauf, den Amis ‚Öldurst' und Energieverschwendung vorzuwerfen, sondern benennen die Gründe dafür im Vergleich mit der europäischen Situation im Detail (wobei nicht alle für den in Amerika höheren per capita Energieverbrauch verantwortlichen Faktoren im engeren Sinne menschengemacht bzw. beeinflussbar sind): Größe des Landes, dünnere Besiedelung, klimabedingt stärkere Temperaturdifferenzen zwischen Sommer und Winter, aber auch eine im Vergleich zu Europa viel stärkere Auslagerung der Industrieproduktion nach Ostasien und dem entsprechend hohe Energieaufwendungen für den Gütertransport.
Dieser teilweise schon ‚naturgegebene' höhere Pro-Kopf-Bedarf an Energie wird bei einer Mangelsituation verschärft durch das weitestgehende Fehlen einer schienengebundenen Verkehrs-Infrastruktur.
Das ist aber nur die eine ‚Hälfte' der Gründe, weshalb die USA weit stärker unter einer Rohölverknappung leiden werden als Europa. Die andere ist der lokale Mangel an Erdgas.
Denn die Verfasser unterstellen wohl zutreffend, dass das Erdgas noch am ehesten (eine Zeit lang) das Erdöl substituieren kann (Begriffe wie "Bio", "Sonne" oder "Wind" sucht man in dem Artikel vergeblich: für mich ein Zeichen für den Realitätssinn der Autoren). Das Erdgas geht indes in Nordamerika zur Neige, während im eurasischen Erdboden (Iran, Russland) noch weitaus größere Mengen stecken. Die werden aber eher für die asiatischen und europäischen Länder verfügbar sein als für die USA, denn der Transport erfolgt sehr viel günstiger durch Pipelines über Land als per Schiff nach Nordamerika.
Ritz und Wiesmann gehen davon aus, dass die USA sich ihres Dilemmas bewusst sind und außerdem ein schon in Kürze bevorstehendes Ölfördermaximum erwarten. Deshalb führen sie nach Einschätzung (nicht nur:) dieser beiden Analytiker die Kriege in Afghanistan und im Irak als Ressourcenkriege (bzw. als Vorbereitung für künftige ‚richtige' Ressourcenkriege). Dass es zu solchen kommen wird, halten die Autoren offenbar für sicher: "Es wäre naiv, davon auszugehen, dass die USA im Falle einer Energiekrise von dieser Vormachtstellung [im Nahen Osten und in Zentralasien] keinen Gebrauch machen würden" schreiben sie, und da sie eine Energiekrise (offenbar schon ziemlich zeitnah) erwarten, ergibt sich (auf der Meinungsebene) die logisch zwingende Folgerung, dass die USA einen solchen Krieg (oder deren mehrere) tatsächlich führen werden.
Insbesondere in ihrem letzten Kapitel "Realitätsblindheit allerorten" kritisieren sie die Kurzsichtigkeit des (m. E. zutreffend) unterstellten militärischen ‚Lösungsansatzes' der Amerikaner und spekulieren darüber, wie die von der jeweiligen geschichtlichen Erfahrung geprägten mentalen Unterschiede von Europäern und Amerikanern letztere zu einer Bevorzugung der militärischen Option bewogen haben.
In einem kurzen Schlussabsatz kritisieren sie zwar auch die Europäer:
"Doch ist Europa nicht in der Position, sich über die verfehlte Politik der Vereinigten Staaten zu erheben. Denn während sich im Nahen Osten bereits der nächste Krieg ankündigt, diskutiert man in Europa immer noch über die Realitätstauglichkeit der Peak-Oil-Theorie. Während die USA ihre finanziellen Ressourcen in Kriegen verschwenden, verschwendet Europa seine geistigen Ressourcen und erkennt nicht, dass die am Horizont aufziehende Krise leicht ein neues Zeitalter großer militärischer Konfrontationen einläuten könnte."
Das wirkt allerdings auf mich irgendwie unproportioniert: Die Amis handeln falsch, wir denken (nur) falsch – ein merkwürdiger Ebenenwechsel.
Und rätselhaft: weil Hauke Ritz und Otto Wiesmann verschweigen, was sie Europa angesichts des von ihnen (m. E. wiederum zutreffend) identifizierten Risiko zu tun empfehlen. Denn worin läge der Gewinn, wenn wir unter Anspannung unserer geistigen Ressourcen die Gefahren lediglich erkannt hätten, uns aber nicht vorbeugend um Gegenmaßnahmen wenigstens bemühen würden? Taz-Autor Ritz will doch sicher nicht den Bau von Atombomben empfehlen, um unsere amerikanischen, indischen oder chinesischen Ressourcenrivalen auszurrrrradieren?
Schließlich vermisse ich in diesem Absatz (der insoweit stellvertretend für die europäische Diskussion überhaupt stehen kann) die Bereitschaft, auch auf der Ebene der Taten die implizierte moralische Überlegenheit des eigenen Verhaltens kritisch zu hinterfragen.
Richtig ist, dass die Vereinigten Staaten ihren absoluten Erdölverbrauch geradezu hemmungslos gesteigert haben. Lt. der (aus öffentlichen Datenquellen kompilierten) Esso-Studie "Öldorado 2007" belief sich der Verbrauch dort im Jahr 1990 auf rd. 780 Mio. Tonnen, 2006 waren es bereits rund 940 Mio. t. Also ein Zuwachs von 160 Mio. Tonnen absolut = 21 % Steigerung innerhalb von nur 16 Jahren!
Wir Europäer waren ‚braver': von 716,5 Mio. t auf 769,5 Mio., ein Plus also von 53 Mio. Tonnen = 7,4 %.
Allerdings ist unser relatives Wohlverhalten insofern zu relativieren, als Europa wohl allenfalls einen geringen Bevölkerungszuwachs hatte (es wäre mir jetzt zu mühsam, die Zahlen, wenn sie überhaupt alle im Internet verfügbar sind, aus den verschiedensten Quellen herauszuklauben; falls ein/e Besucher/in diese verfügbar hat, ist eine Eintragung im Kommentar willkommen).
Die Einwohnerzahl der USA ist dagegen in diesem Zeitraum von ca. 250 Mio. auf ca. 300 Mio. angestiegen (vgl. Wikipedia-Stichwort "Demographic history of the United States"); eine Vermehrung um 50 Millionen oder 20%. Das liegt also genau im Rahmen der Steigerung des Ölverbrauchs; allerdings hat man diesen pro Kopf auch nicht mindern können.
Für Deutschland entnehmen wir dem Esso-"Öldorado 2007" Werte von rd. 126 Mio. t in 1990 bzw. 123 Mio. t im Jahre 2006 (hier gehe ich mal jeweils bis zur 3. Stelle, weil die Schwankung so geringfügig ist). Die Minderung um 2% ist nicht eben eindrucksvoll; ganz allgemein werden allerdings für Deutschland und auch Europa bestimmte Effekte durch die Auflösung des Ostblocks eingetreten und zu berücksichtigen sein, deren Auswirkungen ich nicht kenne. Zur Bevölkerungsentwicklung entnehme ich dem Wikipedia-Stichwort "Demographie Deutschlands" die (von mir gerundeten) Zahlen von 79 Mio. Einwohnern für 1990 und 82,5 Mio. im Jahr 2004 (für 2006 gibt es dort keine Angabe; ich erspare mir aber weiter gehende Recherchen in der Annahme, dass es in diesen 2 Jahren keine wesentlichen Entwicklungen in die eine oder andere Richtung gegeben hat). Wir errechnen also für den Pro-Kopf-Verbrauch folgende ungefähren Werte: 1,6 t in 1990 und 1,5 t in 2004; eine Senkung um grob 7%. Interessant wäre sicherlich der Wert zur Zeit der Ölkrise, doch leider fehlt mir für Recherchen die Zeit und der Focus dieses Blotts und überhaupt meines Denkens ist ja ohnehin mehr genereller Natur und lässt sich nicht auf irgendwelche Prozentwerte fixieren. Interessant ist sicherlich ein Vergleich des Pro-Kopf-Jahresverbrauchs mit den USA: der beträgt nämlich gut 3 t pro Person, also das Doppelte vom deutschen Wert. Das zeigt in der Tat eine größere Abhängigkeit vom Öl, die eben u. a. auch durch die von Ritz & Wiesmann aufgezählten geographischen ‚Nachteile' der Vereinigten Staaten bedingt ist.
Im Übrigen haben zweifellos die Europäer in allgemeinen und wir Deutschen im Besonderen vom unbekümmerten Ölverbrauch der Amis profitiert. Amerika war meist die "Konjunkturlokomotive" der Weltwirtschaft; wir Idioten haben uns sogar gefreut wie die Schneekönige, wenn wir denen (und anderen) wieder einmal mehr liefern durften als die uns, also dicke Überschüsse in unseren Handels- und Zahlungsbilanzen hatten. (Ist es nicht herrlich, wenn die anderen die Produkte unserer Arbeit haben und wir deren grüne oder andersfarbige Papierscheine? Immerhin: die deutschen Banken haben die Greenbacks ja fleißig in den US-Immobilienmarkt zurückgeschaufelt. Weswegen wir sie jetzt bekanntlich u. a. mit Steuergeldern –IKB- stützen dürfen.)
Doch wo wäre unsere Volkswirtschaft geblieben, wenn u. a. die Amerikaner uns unsere Spritfresser nicht mehr abgenommen hätten, auf deren Produktion (und Erfindung) wir doch so stolz sind? Mehr als Amerika hängen wir Deutschen vom Auto ab: nicht so sehr zwar für den Güter- und Personentransport, aber dafür baut unsere Volkswirtschaft weit überdurchschnittlich auf der Automobilproduktion auf. Fazit: je genauer man hinsieht, desto bröseliger wird unsere Position als Energiesparengel im Vergleich zu den Amerikanern. (Und leider ebenso unsere nationalökonomische Zukunftsperspektive mit Blick auf das Ölfördermaximum.)
Ich konstatiere das alles nicht als Vorwurf oder im Zorn (wer hätte denn realistische Alternativen aufzeigen können? Ich jedenfalls nicht!), sondern lediglich als Warnung vor Selbstgerechtigkeit.
Ich halte es übrigens auch keineswegs für ausgemacht, dass wir Europäer nicht ebenfalls Kriegsgewinnler der US-Invasion im Irak sind. "Kriegsgewinnler" nicht (oder allenfalls am Rande) im traditionellen Sinne von Rüstungsproduzenten (oder deren Zulieferern), welche direkt an einem Krieg verdienen. Vielmehr bin ich mir gar nicht sicher, ob der Krieg der Vereinigten Staaten gegen den 'Tyrannen' Saddam Hussein überhaupt nur auf eine Machtübernahme im Irak abzielte, oder ob er für die US-Regierung nicht eher einen Vorwand lieferte, um eine massive militärische Präsenz im Mittleren Osten als Drohkulisse für die dortigen Ölförderländer aufzubauen. Und um ein Einsickern von Ressourcenrivalen (als solche kommen aktuell aufgrund ihrer sehr gezielten Rohstoffsicherungspolitik wohl hauptsächlich die Chinesen in Betracht) zu verhindern. Man weiß halt nicht, wie sich die Situation rund um den persischen Golf entwickelt hätten, wenn die amerikanischen Truppen nicht im Irak einmarschiert wären.
Aber auch auf der Bewusstseinsebene wäre es wahrscheinlich falsch zu sagen, dass wir Europäer / Deutschen umweltbewusster sind als die US-Bürger. Zwar mag das zutreffen, wenn man hypothetische Mittelwerte zu Grunde legt.
Andererseits kommen aber (wenn ich die Herkunft von Seiten wie "The Oil Drum" oder "Die Off" richtig einschätze; wer weitere Beispiele weiß, mag sie im Kommentar aufzählen) auch die größten Warner von dort.
Amerika ähnelt insoweit ein wenig dem Italien des Hochmittelalters und der Frührenaissance: große Sünder, aber auch große Heilige. Bereits im Jahre 1957, wo in Europa wohl kaum jemand an Ölfördermaxima gedacht hat, hat sich in Amerika der "Admiral Hyman Rickover" (‚Vater' der US-Atom-U-Boote, also ausgerechnet ein ‚Kommisskopf'!) in einer denkwürdigen Ansprache u. d. T. "Energy Resources and Our Future" vom 14.05.1957 an die "Minnesota State Medical Association" (also auf einem Ärztekongress), Sorgen um die zukünftige Energieversorgung der USA gemacht und unsere aktuellen bzw. in Kürze zu erwartenden Probleme vorausgesehen.
[Vielleicht übersetze ich die Rede mal und stelle sie hier ein; leider komme ich gegenwärtig nicht dazu.] [Erg. 18.05.2011: siehe nunmehr meinen Eintrag "Salut für den Atom-Admiral! Hyman Rickovers visionäre Energie-Rede von 1957 hier auf Deutsch" vom 27.07.2008]
Nachdem uns nun das Autorenduo Hauke Ritz und Otto Wiesmann nicht einmal einen Anhaltspunkt gibt, worauf wir unsere geistigen Ressourcen im Zusammenhang mit möglichen Ölkriegen richten sollen, müssen wir uns anderswo schlau machen.
Da keimt Hoffnung, wenn wir auf den Aufsatz "Erdölkriege – Kriege der Zukunft?" von Matthias Basedau im "Giga Focus" Nr. 6 aus 2007 stoßen (für eine präzisere Datumsangabe im Papier selbst sind die natürlich zu vornehm; aber woher soll unsereiner die Erscheinungsweise dieser Reihe kennen?).
Basedau ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am
"GIGA German Institute of Global and Area Studies / Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg ging nach einem Restrukturierungsprozess im Jahr 2006 aus dem 1964 gegründeten Deutschen Übersee-Institut hervor. Das Institut ist die größte deutsche und eine der größten europäischen Forschungseinrichtungen für Area Studies und Comparative Area Studies. Die Forschung konzentriert sich auf politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen in Afrika, Asien, Lateinamerika sowie Nordafrika, Nah- und Mittelost. Die Regionalforschung beschäftigt sich außerdem mit Entwicklungen in den Nord-Süd- und Süd-Süd-Beziehungen."
Es handelt sich um eine "Stiftung des bürgerlichen Rechts mit Sitz in der Freien und Hansestadt Hamburg". Über die Mittelherkunft erfahren wir:
"Das GIGA wird gemeinsam von der Bundesrepublik Deutschland (Auswärtiges Amt) und dem Land Hamburg (Behörde für Wirtschaft und Arbeit) im Rahmen der Bund-Länder-Finanzierung (BLF) finanziert. Der Haushalt beläuft sich gegenwärtig auf rund 6 Mio. € p.a."
Der Aufsatz hält leider nicht, was das Institutskürzel "giga" verspricht. Eindrucksvoll ist zwar die Auflistung der Konfliktmöglichkeiten: Importländer gegen Förderländer, Produzenten gegeneinander, Einfuhrländer gegeneinander, innere Konflikte der Förderländer usw.: so auf Anhieb wäre ich meinerseits nicht auf alle denkbaren Varianten gekommen. Aber schließlich muss Basedau als Spezialist u. a. für die Analyse von Gewaltkonflikten einen Überblick über die (zeit)geschichtlichen Kriege und Konflikte haben, und braucht lediglich jene Konfliktkonstellationen als mögliche Szenarien in die Zukunft zu projizieren, die sich schon in der Vergangenheit eingestellt haben.
Die eigentlich spannende Frage ist jedoch, wie wir damit umgehen, wenn derartige Konflikte massiv unsere Rohölversorgung gefährden oder gar lahmgelegt haben.
Zunächst einmal ist Basedau für meinen Geschmack allzu zurückhaltend in der Beurteilung der kurzfristigen Eintrittswahrscheinlichkeit einer Rohölverknappung:
"Alarmistische Prognosen müssen mit einem gerüttelt Maß an Skepsis betrachtet werden – zu viele unbekannte Größen sind im Spiel." Aber das ist (s)eine Meinung, mit welcher er sich seinerzeit durchaus noch in (scheinbar) guter Gesellschaft (IEA usw.) befand; mittlerweile mag auch er das anders sehen.
Immerhin fordert er:
"Ölexporteure und -importeure tun dennoch gut daran, sich auf mögliche Herausforderungen vorzubereiten."
Sodann entwickelt er ausführlich die verschiedenen Konfliktszenarien. Interessant ist sein Hinweis auf eine "Theorie vom Ressourcenfluch" (resource curse oder paradox of plenty), wonach nicht das Fehlen Öl, sondern gerade dessen Vorhandensein der Grund des Streites ist. So etwas mag in der Vergangenheit vorgekommen sein und wird wohl auch zukünftig eintreten, nur ändert sich die Situation dann grundlegend, wenn das Rohöl fundamental knapp ist. Dann wird es wohl auch zu Auseinandersetzungen kommen, die Basedau "Raubkriege" (von Verbraucherländern gegen Ölproduzierende Länder) nennt. Die Importländer werden das dann vielleicht als ‚Kampf für Verteilungsgerechtigkeit' deklarieren. In den USA schmiedet man bereits ideologische Waffen für derartige Interventionen. So forderte etwa der Neo-Konservative Norman Podhoretz: "We may willy-nilly find ourselves forced … to topple five or six or seven more tyrannies in the Islamic world (including that other sponsor of terrorism, Yasir Arafat's Palestinian Authority). I can even [imagine] the turmoil of this war leading to some new species of an imperial mission for America, whose purpose would be to oversee the emergence of successor governments in the region more amenable to reform and modernization than the despotisms now in place. … I can also envisage the establishment of some kind of American protectorate over the oil fields of Saudi Arabia, as we more and more come to wonder why 7,000 princes should go on being permitted to exert so much leverage over us and everyone else." (Zitatkopie aus meinem Blott "Washington – Segesta – Athen – Tel Aviv: William Kristol und der peloponnesische Krieg"; Hervorhebung von mir).
Aber die Handelnden selbst legen ihre Motive kaum jemals so offen dar wie manchmal ihre Einflüsterer. Deshalb spricht Basedau zutreffend über "… die Schwierigkeit, Öl- und Ressourcenkriege überhaupt als solche zu identifizieren", denn "Es bleibt ein grundsätzliches methodisches Problem, die Motive von Akteuren sicher festzustellen." (Wohl wahr: vgl. dazu beispielhaft zu den möglichen Hintergründen der rätselbehafteten US-Invasion 1989 die Darstellungen etwa von Jane Kellett Cramer oder Eytan Gilboa.)
Obwohl der Autor meint "Die skizzierten Überlegungen deuten darauf hin, dass sich Horrorszenarien in naher Zukunft nicht materialisieren werden", will er das "keineswegs als Entwarnung missverstanden" wissen. Denn – und nun zeigt der Analytiker sich staatsmännisch:
"Kluge Politik stützt sich nicht auf das ‚Prinzip Hoffnung', sondern bereitet sich auf Eventualitäten und Risiken vor – auch wenn diese in entfernter Zukunft zu liegen scheinen. Zudem gibt es mit dem Machtzuwachs Öl exportierender Länder, den gegenwärtigen Gewaltkonflikten in Förderländern und den Spannungen an der Schwelle zum Krieg bereits zahlreiche Herausforderungen, auf die reagiert werden sollte." [Hervorhebung von mir]
Doch packt ihn leider dann beim "Wie"
Politisch korrekte mentale Osteomalazie.
Seine Ratschläge beinhalten nämlich ausschließlich Strategien zur Konfliktvermeidung. Seine diesbezüglichen Vorschläge generell zu tadeln wäre töricht, aber:
Zum einen sind das großenteils wohlfeile Empfehlungen, die schon bisher nicht funktioniert haben ("institutionalisierter Multilateralismus" – um den scheren sich bei den Klimakonferenzen die USA und andere Länder einen Dreck) oder deren Wirksamkeit fraglich ist (‚Wirkungsgrad der Energiegewinnung muss durch technologische Innovationen erhöht werden' – ja, wenn das so einfach wäre …). Um eine ‚Senkung der Erdölintensität der Volkswirtschaft' bemüht man sich in Europa und in Deutschland schon seit längerem, aber Energiesparmaßnahmen kommen nur sehr langsam voran, und substituierbar ist Rohöl kaum und schon gar nicht kurzfristig (worunter ich hier auch ein oder zwei Jahrzehnte verstehe), zumal wir ja Atomkraftwerke nicht wollen, Kohlekraftwerke nicht wollen, Kohleverflüssigung nicht wollen und wegen verschiedener Umweltprobleme wahrscheinlich auch gar nicht in größerem Umfang betreiben können usw. An Ratschlägen wie den seinen herrscht kein Mangel; ich könnte einige hinzufügen: UNO stärken, Weltregierung einführen, Benzinpreis auf 5,- € pro Liter erhöhen … .
Gleichzeitig stellt er auch noch hohe moralische Ansprüche mit seiner impliziten Forderung, keine "… Anbiederung an Regierungen … [zu praktizieren], die fragwürdige Praktiken an den Tag legen". Nach westlichen Standards ist die ganze saudi-arabische Politik und Gesellschaftsordnung ein Verstoß gegen Freiheit, Menschenwürde und Menschenrechte – soll also die Welt aufhören, Rohöl von dort zu importieren?
Er weicht der Problematik eines absoluten Ölmangels aus wenn er sagt, dass "… die meisten Industrieländer zumindest vor den Auswirkungen eines Ölpreisanstiegs recht gut geschützt" seien. Wie "geschützt" wir sind, werden wir ganz schnell merken, wenn Flughäfen und Automobilbetriebe Massenentlassungen vornehmen müssen. Die Weltwirtschaftskrise um 1930 wird uns im Verhältnis harmlos erscheinen, denn diese beruhte "nur" auf einer verfehlten Wirtschaftspolitik (die mit einer noch verfehlteren Kriegs-Vorbereitungspolitik korrigiert wurde). Gegen Rohstoffmangel jedoch ist kein Keynes-Kraut gewachsen.
Ganz generell ist bei Basedau eine Tendenz der Problemleugnung und des Schönredens zu konstatieren; aber damit steht er nicht allein in Deutschland und auch nicht allein in der weiten Welt.
Ärgerlich ist es dennoch, aber auch charakteristisch, wenn er uns als ‚Vorbereitung auf Eventualitäten und Risiken' nichts als Konfliktvermeidungsstrategien anbietet und keinerlei Vorkehrungen für Situationen erörtert, wie sie aus möglicher Weise (m. E.: wahrscheinlich) dennoch eintretenden gewaltsamen Konflikten erwachsen können. Friedenspolitik ist gut, aber hilflos z. B. gegen Piraten in Somalia, und die sind lediglich ein winziges Problem gegenüber jenem internationalem Gerangel von "dog eat dog", welches nach allen historischen Erfahrungen bzw. mit einem Minimum an Menschenkenntnis bei einer dauerhaften und ständig wachsenden Rohölverknappung (zu der früher oder später noch Ressourcenerschöpfungen bei verschiedenen Metallen usw. treten werden) zu erwarten steht.
Das Schlimme ist, dass Basedau wahrscheinlich nicht einmal selbst merkt, dass seine Vorschläge in keiner Weise seiner Forderung entsprechen, uns auf Eventualitäten und Risiken vorzubereiten. Die Schere der politischen Korrektheit wirkt bei ihm vermutlich schon gar nicht mehr als bewusste Zensur, sondern ist bereits ins Unterbewusstsein abgesunken und lässt sich deshalb um so schwerer ausschalten. Das wäre nicht der Rede wert (und würde mich nicht so alarmieren), wenn es lediglich ein "Fall Basedau" wäre. Ich fürchte indes, dass wir hier lediglich ein Beispiel für den mentalen Zustand unserer gesamten Gesellschaft mit ihrer wohlstandsgenerierten Schönwettermoral konfrontieren.
Wir werden vieles ändern und hart für unsere Interessen kämpfen müssen (in einem rationalen Rahmen natürlich, also nicht etwa in einem Krieg gegen die USA), und zwar keineswegs nur nach außen. Auch nach innen werden wir bedroht sein, z. B. durch zunehmende Kriminalität, insbesondere durch Diebstähle von knappen Materialien wie z. B. Kupferkabeln usw., womit unsere Infrastruktur gefährdet wäre. Wie werden wir damit umgehen? Je nach Problemintensität könnte der Fall eintreten, dass wir derartige Vorgänge so ahnden müssten, wie man Plünderungen im Zweiten Weltkrieg geahndet hat, nämlich mit der Todesstrafe.
Das wäre eine (zunächst einmal geistige) Vorbereitung auf Eventualitäten und Risiken: dass wir nämlich ohne Tabus möglichst viele Szenarien durchspielen - und uns politisch und technisch dafür wappnen.
Nur als Beispiel verweise ich in diesem Zusammenhang weiterhin auf das iranische Streben nach atomarer Bewaffnung. Hier wäre ohne (explizite, vor allem aber auch ohne implizite) Denkverbote zu diskutieren, welche Gefährdungen (nach meiner Einschätzung weniger solche direkter Art als vielmehr eine Bedrohung unserer Ölversorgung) diese bedeuten könnte und ob wir eine solche hinnehmen wollen oder nicht. Ich habe diese Frage bereits an anderer Stelle erörtert; in jedem Falle macht sich der Westen lächerlich, wenn er zunächst eine große Drohkulisse aufbaut, am Ende aber die Iraner doch ihre Bombe bauen lässt. In der amerikanischen Umgangssprache gibt es eine ebenso drastische wie zutreffende Maxime für das richtige Verhalten in solchen Fällen: "Shit or get off the pot"!
Aber wahrscheinlich steht, wer realpolitische Erörterungen etwa über Präventivkriege anstellt, in unserem Biederbürgerbundesdeutschland schon mit einem Bein im Knast.
Der gegenwärtigen Weltlage mögen unsere moralisch-juristischen Standards angemessen sein. Man sollte aber die Möglichkeit nicht ausklammern, dass wir im Falle weltweiter massiver Energieprobleme gefordert sein könnten, unsere geistigen Hebel gewissermaßen ‚über Nacht' umzuwerfen. Falls uns das dann nicht gelingen sollte, weil unsere Gehirne so träge geworden sind wie unsere Bäuche fett, dann könnten wir rasch mit beiden Beinen im Morast stehen.
Da lob ich mir Leute wie die amerikanischen Neokonservativen: die lügen zwar dem Publikum (auch im eigenen Land) die Hucke voll, haben aber eine klare Zielsetzung im Sinne von "wright or wrong, my country". Und vor allem haben sie eine realistische Weltsicht.
Oder bei uns z. B. Henryk Broder. Dessen Dankesrede anlässlich der Verleihung des Ludwig Börne Preises 2007 in Frankfurt a. M. u. d. T. "Bin ich verrückt, oder sind es die anderen?" hat Feuer und Leidenschaft. Auch wenn Broder vielleicht mehr für Israel glüht als für Deutschland/Europa: insoweit kann er Vorbild sein. (Und die Interessen Israels und Europas müssen ja nicht zwangsläufig generell differieren.)
Ich will aber diesen Blott nicht mit (Spielen mit dem) Feuer beschließen. Es gibt noch eine ganze Reihe anderer Problemfelder, auf die wir uns vorbereiten müssten. Mangel wird tendenziell zu einer Zersplitterung auf der politischen und gesellschaftlichen Ebene führen.
Was wird dann aus Europa? Haben die irischen Wähler mit ihrer Ablehnung des Vertrages von Lissabon uns den Weg gewiesen, Europa den Rücken kehren? Oder sollten wir uns auf ein Kerneuropa konzentrieren und den Ballast an den Rändern abwerfen? Oder mit einem dramatischen Appell (gewissermaßen einem "jetzt erst recht") den Völkern Europas die Einsicht vermitteln, dass und warum wir vor einer historischen Richtungsentscheidung stehen – und dass es sich gemeinsam in einer bösen Welt wohl besser lebt als einsam.
Was wird in unserem eigenen Land passieren: werden Bundesländer, Städte, Stadt und Land sich gegeneinander abschotten und jeder versuchen, die bei einer dramatischen Energieverknappung möglicherweise rasch rar werdenden Nahrungsmittel für sich zu behalten (wie z. B. im 1. Weltkrieg geschehen)? Wie gehen wir mit Einwanderung um, mit Kindergeld usw. Ist es überhaupt noch sinnvoll, die Geburtenrate zu pushen, um vermeintlich die Rentenkassen aufzufüllen, wenn doch mehr Menschen nur den Ressourcenverbrauch steigern?
Ganz konkret: was machen wir mit unserer Bundeswehr? Integrieren in eine europäische Streitmacht? Mit welchen Waffen rüsten wir sie (Bundeswehr oder Europa-Heer) vorrangig aus: Panzer, Schlachtschiffe und Kanonen? Oder besser Fernbomber, Flugzeugträger und Langstreckentransporter? Brauchen wir Spezialtruppen? Wie viele Fallschirmjäger? Brauchen wir, falls Europa zerfällt, eine eigene (defensive) Atombewaffnung?
Und politisch: wie sollte Deutschland bzw. Europa das Verhältnis zu Russland gestalten? Mit welchen Lockungen ziehen wir dieses Ressourcen-Mekka auf unsere Seite – gegen mögliche Konkurrenz von China, Indien und Japan [gut, dass es die Kurileninseln gibt … -:) ]. Sehr bald schon wird eben nicht mehr genug Suppe für alle da sein (und letztlich nicht einmal dann, wenn man die Ressourcenvorräte "gerecht" auf alle Menschen in der Welt verteilen wollte). Dann wird ein Land oder Block des anderen Futterkonkurrent sein; kluge Sprüche wie Basedaus "Es ist schließlich nicht zuletzt eine Frage des politischen Managements, ob eine globale Ölkrise einer ölabhängigen Weltwirtschaft ….. gewalttätige Auseinandersetzungen im oben skizzierten Sinne hervorruft" kann man bei solchen Entwicklungen getrost einstampfen. Wie gehen wir damit um? Wie lenken wir die zunehmend abnehmenden Suppenreste in unsere Kessel?
Das alles sind freilich Problemdimensionen für Seh-Leute [obwohl sich verschiedene der o. a. Fragen auch in anderen Zusammenhängen stellen und beantwortet werden müssen, aber unter dem Aspekt der Erdölverknappung vielleicht anders als ohne diesen]; brave Alsterpaddler des Geistes würden sich solcher bösen Gedanken recht sehr schämen. Ohnehin erwartet unsere Politik von Mitarbeitern in steuerfinanzierten Denk-Tankern wohl keine missliebigen Prognosen im Stil alttestamentarischer Propheten, sondern gibt sich freudig mit konsensfähigen Leerformeln zufrieden.
In diesem Sinne darf man gewissermaßen zur bestandenen Zugehörigkeitsprüfung beim Dickschiff (nicht nur:) deutscher Denkträgheit gratulieren.
Das alles klingt nicht gut in Ihren Ohren, gelle? Mein Ton ist schrill: fast so schrill wie das vorhersehbare Geheul - nach Peak Oil.
Nachtrag 24.06.08:
Wo die Männer sitzen (und nicht die Ekapisten), wird sofort klar, wenn man die Studie
"Rethinking Global Energy Security: Geostrategic and Economic Risks" von Anthony H. Cordesman vom Think-Tank "The Center for Strategic and International Studies" in Washington liest (revidiert 2006). (Ich entdeckte sie ursprünglich auf der Webseite von Global Oil Watch.) Das Papier hat 56 S., die aber nicht als Buchtext sondern eher nach Art einer Power-Point-Präsentation. Man könnte es also sehr schnell lesen; ich hatte dennoch nur zum Überfliegen Zeit. Die letzten drei Seiten möchte ich hier aber wiedergeben, ad usum delphinum, für Deutschlands politologische Schwimmschüler sozusagen:
" Where Do We Stand? Western Policy Action
_ Investment in energy capacity and infrastructure, foreign and domestic.
• No coherent policy in any respect, either foreign or domestic.
_ Develop national reserves.
• Token increases.
_ Revitalize IEA sharing; create emergency plans.
• Limited progress by IEA, little by member states. IEA-G8 is supply, conservation, environment oriented.
_ Limit growth of dedicated versus market-driven control of export resources.
• Complaints about China, Russia. No clear policy or action.
_ Ensure growth of Coal/clean coal? Nuclear power/fuel?
• Same old talk. Some R&D on options. No commercial scale.
Western Policy Action II
_ Incentives-regulation for renewables, synthetics/advanced fuels, conservation, efficiency, and environment.
• Significant additional spending, regulation, and legislation but may do little more than distort market forces.
• Renewables, "fashion energy," and environmental fads a major problem.
_ Aid in counterterrorism and counterinsurgency
• Major progress at bilateral and multilateral level in 40-60 countries,
• but offset by Iraq War, Iran sanctions issues, Arab-Israel conflict, perceived Western hostility to Islam.
Western Policy Action III
_ Protection of:
• Oil, gas, and product exports from Middle East
• US role in Gulf security and sea lanes vs. Iraq, Iran, Arab-Israel, counterterrorism, immigration tensions
• Russian, Caspian, and Central Asian exports.
• Some pipeline politics. Mostly talk.
• West African and Latin American exports
• Internal threat driven. Little progress.
• Key Pipelines and energy bottlenecks.
• US seapower vs......... local threats, escalating asymmetric weapons and technology."
[Die hier von mir gefetteten Sätze sind im Original in schwarz gedruckt, die unfetten in roten Buchstaben.]
Aber eigentlich wollte ich ja zu einem ganz anderen Text verlinken, nämlich zur "Olduvai Theory" von Richard C. Duncan. 1989 hat Duncan erstmals seine Vorstellung von einem Kollaps der westlichen Zivilisation entwickelt ("Olduvai" ist eine Schlucht –mehr auf dieser Reise-Seite- in der östlichen Serengeti-Ebene im nördlichen Tansania und soll den von Duncan erwarteten Rückfall der Menschheit nach dem Energieverbrauchsmaximum in steinzeitliche Zustände suggerieren. Von oben sieht die Schlucht freundlicher aus als am Boden, obwohl hier früher eine reiche Vegetation gestanden haben muss und deshalb zahlreiche prähistorische Überreste, auch vom Menschen, gefunden wurden. Duncan überprüft seine Hypothesen von Zeit zu Zeit anhand der jeweils aktuellen Zahlen; ich habe gerade das update von 2005 gelesen. [Hier eine Version von 2007, mit einigen weiterführenden Links] Das sind äußerst unschöne, aber vermutlich realistische Aussichten. In der (Internet?-)Zeitschrift "THE SOCIAL CONTRACT" sind eine Reihe von Zuschriften abgedruckt; es scheint sich nur oder fast nur um Zustimmungen zu handeln, allerdings großenteils von den "üblichen Verdächtigen", d. h. denjenigen die ohnehin der Peak Oil Theorie anhängen (Colin Campbell usw.) (Ich meine das nicht als Kritik an diesen Leuten, schließlich glaube ich ja selbst daran, dass wir bald dran glauben müssen. Trotzdem ist es immer erfrischend, wenn in einer Debatte auch Kontra gegeben wird). Die englischsprachige Wikipedia bringt einen ausführlichen Artikel und Links; auf deutsch wird die These z. B. von "Kristall" diskutiert.
Abgesehen von den Zukunftsperspektiven sind aber auch Duncans Informationen darüber interessant, dass schon in der Vergangenheit ähnliche Hypothesen vertreten wurden. U. a. erwähnt er ein Buch des österreichischen (Wiener) Physikers Hans Thirring, das erstmals (zumindest auf Englisch; ob es überhaupt auf Deutsch erschienen ist, konnte ich nicht feststellen; vielleicht wissen meine Leser/innen mehr?) 1956 in London veröffentlicht wurde, dann 1958 in New York und später anscheinend noch mehrfach; zuletzt wohl 1976 (?). Titel: "Energy for Man: From windmills to nuclear power." Daraus zitiert er:
"[As a result of permanent blackouts of electric power] the industries of all civilized countries would stop working, so that, with millions unemployed and with a total cut in the production of goods, unprecedented and incurable misery would occur, killing perhaps three-quarters of the population, and leaving the rest in a deplorable state. (Thirring, 1956, p. 135)" (Ich frage mich, ob Admiral Hyman Rickover das Buch gelesen hat und dadurch zu seiner Rede "Energy Resources and Our Future" 1957 in Minnesota auf dem Ärztekongress angeregt wurde?)
Im übrigen möchte ich noch zwei Definitionen aus Duncans Text zitieren:
Szenarium: " 'Scenario' means an outline for any series of events – real, imagined, or tutorial. " Gut gesagt; mit seiner Definition von "brinkmanship" bin ich allerdings weniger einverstanden: " 'Brinkmanship' means the policy of pursuing a hazardous course to the brink of catastrophe." Mein Unbehagen resultiert nicht aus der Namensaffinität dieses Begriffs, sondern der stark abweichenden Definition im Lexikon, die auch dem Begriff "brink" (Rand) eher entspricht: "The technique of maneuvering a dangerous situation to the limits of tolerance or safety in order to secure the greatest advantage" (The Random House College Dictionary, Revised Edition, 1959).
Nachtrag 12.07.2008:
Das amerikanische Nachrichtenmagazin Newsweek bringt in seiner Ausgabe vom 09.06.2008 eine "COVER STORY: WORLD AFFAIRS" den Report "The Coming Energy Wars.
Oil prices could hit $200 a barrel in the next few months. How the spike changes everything" von Rana Foroohar. Der Titel ist sensationalistisch, denn von Ölkriegen ist erst ziemlich am Schluss die Rede, und das auch weniger im Sinne einer Zukunftsprognose als vielmehr einer aktuellen Bestandsaufnahme.
Interessanter ist wahrscheinlich die daran anknüpfende Leserdebatte mit einer großen Zahl von Kommentaren (in der Druckvorschau meines Browsers 43 Seiten!). Ich konnte aus Zeitgründen nur wenige davon lesen; die Tendenzen sind ja auch bekannt: von 'Verschwörung der Ölgesellschaften' bis zu 'hätten wir doch nur aus der ersten Ölkrise die Konsequenzen gezogen und Sparmaßnahmen ergriffen'. Trotzdem könnte es vielleicht erhellend sein, dieses Meinungsspektrum mehr in Detail zu analysieren und mit einem entsprechenden Spektrum in Deutschland (z. B. zu einem Spiegel-Artikel) zu vergleichen.
Nachtrag 22.08.08:
Nein, es gibt doch nicht nur außenpolitische Stümper in Deutschland. Jedenfalls muss ich einen gewissen Dimitrios Argirakos von meinem Verdikt ausnehmen. Der Name klingt zwar nicht sehr germanisch, aber dafür denkt der Mann vom deutschen Interessenstandpunkt. So jedenfalls in seinem Artikel "Merkels Außenpolitik ist gefährlich", dem ich nur sekundieren kann. Die USA verfolgen ihre Interessen; wir sollten die unseren kultivieren. Anstinken können wir (selbst wenn man mit "Wir" Europa meint) gegen Amerika zwar nicht; das wäre auch (unter dem Aspekt des von mir geforderten und für notwendig gehaltenen "Kulturkreispatriotismus") nicht wünschenswert. Trotzdem haben wir (wir Deutschen und wir Europäer) noch eine ganze Menge Spielraum, den wir selbstbewusst nutzen sollten. Nicht prinzipiell gegen Amerika, sondern einfach prinzipiell für die eigenen Interessen. (Und manchmal vielleicht sogar für das wohlverstandene amerikanische Interesse?) Spielraum nutzen heißt für mich nicht nur gegen die USA zu stehen, sondern dort, wo es nötig ist, auch mit ihnen zusammen zu stehen und ggf. zu kämpfen: Afghanistan z. B. Das Motto unserer Politik solle "gog" sein: "ganz - oder gar nicht!" Halbe Sachen, wie Blauhelmsoldaten oder zahnlose Friedensmissionäre, kosten Geld und schaden in letzter Konsequenz überall unserem Ansehen: bei den "Befriedeten" ebenso wie bei denjenigen, denen wir als unseren Freunden die Drecksarbeit überlassen.
Argirakos ist übrigens Vorstandsvorsitender des Düsseldorfer "Düsseldorfer Instituts für Außen- und Sicherheitspolitik (DIAS)". Ein Think Tank also, aus Nordrhein-Westfalen, von dem ich bislang noch nie etwas gehört hatte. Die betreiben auch einen Informationsdienst "weltpolitik.net", den ich ebenfalls nicht kannte.
Nachtrag 30.10.2008:
An der Universität Basel führt das Historische Seminar ein Forschungsprojekt "Peak Oil" durch, das sich auch mit dem Thema "Krieg um Öl" beschäftigt:
"Das Forschungsprojekt fragt, welche Veränderungen durch das stetig steigende Erdölangebot im 19. und 20. Jahrhundert eingetreten sind, welche Kriege um Erdöl geführt wurden, und wie das zu erwartende stetig fallende Erdölangebot im 21. Jahrhundert die Zeitgeschichte und die Versorgungssicherheit der Schweiz beeinflussen werden". Auf der Eingangswebseite ist zu einigen Unterseiten mit weiteren Informationen verlinkt, davon bietet eine wiederum Links zu diversen Zeitungsartikeln betr. Erdölversorgung, Ringen ums Öl usw.
Textstand vom 18.05.2011. Gesamtübersicht der Blog-Einträge (Blotts) auf meiner Webseite http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm. Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.
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Sonntag, 8. Juni 2008
MONUMENTI E NATURA A FRANCOFORTE SUL MENO oder ZWEI FÜCHSE AUS WÄCHTERSBACH ZU BESUCH BEI IHREM FRANKFURTER ARTGENOSSEN
Schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts begaben sich die Bürger der Weltstädte an schönen Wochenenden zum Zwecke der Rekreation gern in die Vororte.
Wächtersbacher pflegen diesen alten Brauch noch heute, und was man für die damalige Zeit z. B. für die Stadt Leipzig bei Karl Heinrich Krögen ("Freye Bemerkungen über Berlin, Leipzig und Prag" - heutige Schreibweise: Freie Bemerkungen über Berlin, Leipzig und Prag) nachlesen kann, hat der Blogger Cangrande unter dem Suchlabel "Tagesausflüge" erfasst.
Dort erfährt sowohl der als auch die geneigte Leser/in, wie wir vor dem Dom das Paradies plündern, anderer Leute Tagebücher betreten oder den erschröcklichen Gefahren der nahen Sumpfwälder heldenhaft Paroli bieten.
Am gestrigen Samstag war unser Ausflug weniger gefährlich, denn im Wächtersbacher Vorort Frankfurt am Main hat das thätige Wirken eines fleißigen Völkchens die Natur total gezähmt und marginalisiert. (Justament jetzt wurden hier die "Gateway Gardens" eröffnet -wo wir doch eher beginnen sollten, unseren ölbasierten Lebensstil in getaway gardens zu vergessen- und ein "Quartier Alpha" folgt auf dem Fuß.)
Manchmal wird auch, zur Freude des Betrachters, ein wenig Natur von auswärts importiert.
Übrigens war ich selbst, erfolgloser Kurzzeit-Student, damals als Mitglied des Nationaldemokratischen Hochschulbundes (NHB) gewissermaßen der 'Kamerad mit der anderen Feldpostnummer'. (Aber, vorsorglich sei es gesagt, nicht NPD-Mitglied!)
Artig wie ich nun einmal bin möchte ich nicht versäumen, den damaligen Roten meinen verbindlichen Dank für die konstruktive Zusammenarbeit abzustatten.
Als Pressereferent der rechten Frankfurter NHB-Gruppe hatte ich jedenfalls keine Schwierigkeiten, deren Meldungen in der linken Studentenzeitung unterzubringen. Was freilich weniger einem großherzigem Demokratieverständnis des SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund) zuzuschreiben war als dem Umstand, dass ich mich in den Mitteilungen immer sehr positiv über den RCDS (Ring Christlich-Demokratischer Studenten) geäußert habe (diese goutierten meine lobenden Erwähnungen naturgemäß eher weniger). Und nach den ewigen Gesetzen der politischen Mechanik hüpft auch ein rotes Herz, wenn es auf diese Weise der schwarzen Konkurrenz braune Flecken anhängen kann. Man könnte also sagen, dass die Linksradikalen insoweit meine berechenbaren Partner waren. (Nach ähnlichen Regeln der Politphysik haben später die US-Amerikaner in Afghanistan im Kampf der Islamisten gegen den sowjetischen Laizismus ihre eigene Natternzucht eröffnet. Jaja, Barbara, irgend jemand sollte noch ein Kapitel dranhängen an dein Werk über die "Torheit der Regierenden".)
Was Cangrande angeht, ist der ausgestiegen aus jenem universitären System, welchem er nur auf dem Papier angehörte, und hat sich als Rotationshilfsarbeiter in der Frankfurter Societäts-Druckerei auf die Seite des Proletariats gestellt. (Alldieweil die roten Proletarierfreunde uns doch wahrhaftig an der Auslieferung der allerallergrößten - wenn auch nicht gerade der allerdicksten - deutschen Tageszeitung hindern wollten!) Nach seinem kometenhaften Aufstieg zum Rotationsfacharbeiter, stieg er freilich auch aus diesem System aus und als freier Reiseleiter in eine Beschäftigung ein, die letztendlich nachhaltige Veränderungen in seiner Existenzweise auch insoweit nach sich zog, als sie den fliegenden Holländer in den obligaten Hafen bugsierte.
Zurück aber nun von dieser ausschweifenden Abschweifung zum Gebäude des ehemaligen amerikanischen Generalkonsulats. Das steht im Frankfurter Westend, und da stehen auch viele schmucke Gründerheithäuser (vor einigen Jahrzehnten hätte man noch gesagt: eklektizistischer Kitsch),
Dass ein Gebäude "sensibel eingepasst" worden sei in eine historische Umgebung wird öfter behauptet als es in der Realität zutrifft. Aber bei
Wenn Sie jetzt Ihren Kontostand oder Ihre Kreditwürdigkeit durchkalkuliert haben und Ihnen nur noch die Telefonnummer fehlt:
Freilich waren wir nicht der Architektur wegen hergekommen, sondern wegen der Natur. Eigentlich der mediterranen Natur wegen, welche die Biologin Dr. Ulrike Brunken einigen Mitgliedern der Deutsch-Italienische Vereinigung e. V. in Frankfurt am Main im Botanischen Garten der Frankfurter Universität (hier eine Karte) zu erklären sich bereiterklärt hatte. ("BESUCH IM BOTANISCHEN GARTEN. «Ein Nachmittag in der mediterranen Flora in Frankfurt»")
Doch konnte ich es nicht lassen, zu meiner Freude (und Freud hätte es sicherlich auch gefreut) unterwegs einige Bilder von einem
Das wiederum ist ein Beweis gegen die Meinung von Prof. Eckart Voland, dass die Menschheit keinen Fortschritt mache.
Denn während es noch zu Zeiten Giorgio Vasaris ein großes Lob für die Künstler war, die Natur (beinahe) perfekt imitiert zu haben, kann diese heute froh sein, wenn sie der Kunst das Wasser reichen kann.
Wir kamen zu früh zum Mittelmeer, also unternahm ich eine Fotoexkursion zu den Ruderalpflanzen. Diese liegen mir nicht nur deshalb am Herzen, weil sie
Das tröstet mich irgendwo, denn schließlich wird in meinen Augen eine Ruderalzivilisation unsere Zivilisation beschließen. (Zur Begriffserläuterung vgl. in meinem Blott "Magonza, da capo" meine Auseinandersetzung mit den Zukunftsprognosen des Völkerkundlers Prof. Hans Peter Duerr.)
Vorerst freilich genießen wir den heiteren Sommertag und vertrauen uns der Führung
Die hat über die Grewioideae promoviert (mir wäre schon das Wort zu schreiben viel zu schwierig, doch kann man das ja aus der Wikipedia abkopieren), kennt sich aber auch mit der Vegetation des Mittelmeers bestens aus.
An den Füchsen kann man übrigens erkennen, dass Welten zwischen Wächtersbach und Frankfurt liegen. Bei uns sind diese Tiere scheu; hier in den Vororten dagegen lümmeln sie sich ungeniert und unbekümmert um Scharen fotografierender Besucher so zwei oder drei Meter vom Wegesrand entfernt in der Vegetation.
Auf dem Heimweg erhaschen unsere Augen noch eine Vision von Italien, bevor uns die Deutsche Bundesbahn geradewegs in Zustände transportiert, wie sie in Italien wohl längst überwundene tempi passati sind: reihenweise waren nämlich bei unserer Rückfahrt die Züge verspätet; unser Regionalexpress fiel sogar ganz aus.
Textstand vom 20.06.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
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Freitag, 6. Juni 2008
Unsystematische Sammlung von Linkfunden mit überdurchschnittlich substanzhaltigen Artikeln zum Thema Peak Oil (Ölfördermaximum)
Erneut führte mich die Nachverfolgung eines Suchzugriffs auf meinen Blog zu einigen interessanten Artikeln zum Thema Peak Oil.
Unter diesen waren einige ungewöhnlich lange, informationsreiche und ausbalancierte. Zu schade eigentlich, um in meiner ohnehin schon überlangen Favoritenliste zu versauern.
Deshalb habe ich mir vorgenommen, solche "Ausreißer" (im positiven Sinne) aus der üblichen (zwar auch nicht schlechten, aber doch knapperen und häufig auch einseitigeren) Berichterstattung hier zu posten.
Nachtrag 20.07.2008:
Mittlerweile habe ich hier auch eine Reihe allgemeinerer Links zu Portalen und Studien versammelt.
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Die Wirtschaftspresse 'von Keller Stimpel', Berlin, beschreibt sich selbst so:
"Wir verstehen uns als kleines, feines Fachpressebüro mit hohem Qualitätsanspruch. ..... Unsere Stärke ist die Verbindung von präziser Recherche, Texthandwerk und Presseproduktion auf der einen Seite sowie gründlicher Fachkenntnis auf der anderen. Unser Ziel: Besser schreiben als Experten - mehr wissen und vermitteln als andere Journalisten."
Jedenfalls in dem Beitrag "Fossile Energien. Öl vor dem Aus?", auf der Webseite des Pressebüros als Arbeitsprobe (leider ohne Datumsangabe) veröffentlicht, scheint mir dieser Anspruch erfüllt zu sein. (Ursprünglich hatte ich den Artikel in einem Forum gefunden, wo der Moderator "McSaug" ihn, ohne Quellenangabe, am 04.05.08 eingestellt hatte.)
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Der Journalist Derek Brower glaubt nicht daran, dass "Peak Oil" in Kürze bevorsteht. Trotzdem sieht auch er den Ölpreisanstieg positiv: "Die Ölpreise sind noch gar nicht hoch genug. Man sollte sich schon einmal daran gewöhnen". Erschienen ist der Aufsatz im Blog von Robert Amsterdam (so heißt der Blogmeister), wo "Ansichten über Russland, Europa und Internationale Angelegenheiten" veröffentlicht werden. Auch bei "Readers Edition" ist der Artikel (von Ende Mai 2008) zu lesen.
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Guy Wagner, Chefvolkswirt der Banque de Luxembourg, erörtert in einem Artikel vom 29.05.06 mit einem sehr umfassenden Ansatz den aktuellen Ölpreis. U. a. macht er auf einen wenig beachteten, jedoch für die Ölverfügbarkeit für uns äußerst wichtigen Sachverhalt aufmerksam, nämlich den stark steigenden Eigenverbrauch der Ölförderländer:
"Auf der Angebotsseite haben die Öl produzierenden Länder keinen Anreiz, die Produktion zu erhöhen, und zweigen außerdem zunehmend vorher exportierbares Öl für den Binnenverbrauch ab. Man redet viel über das so genannte Ölfördermaximum ('peak oil'), aber der zuletzt genannte Punkt wird selten erwähnt. Angesichts des kräftigen Wirtschaftswachstums behalten Öl produzierende Länder zunehmend Öl für die eigenen Bedürfnisse zurück, so dass es zu einem gewissen Ressourcen-Nationalismus kommt."
Wagner bezweifelt, mit substantieller Begründung, dass die Spekulanten für den Preisanstieg beim Öl Schuld sind:
"Es ist Mode geworden, Finanzinvestoren und Spekulanten für den jüngsten Ölpreisanstieg verantwortlich zu machen. Indem sie große Geldmengen in Ölterminkontrakten anlegen, würden die Investoren den Ölpreis in die Höhe treiben. Auch wenn dieser Gedanke zunächst einleuchtend scheinen mag: er ist nicht zu Ende gedacht. Was das Rohöl (und die meisten Waren und Rohstoffe) angeht, beeinflussen Terminkontraktpreise kaum die Kassapreise, da diese von der Nachfrage nach und dem Angebot an Öl bestimmt werden, das für die tatsächliche Verwendung gehandelt wird. Die auf Waren- und Rohstoffmärkten gehandelten Terminkontrakte sind im wesentlichen Wetten auf die künftige Preisentwicklung. Die eigentlichen Käufer sind aber am Ende die Verbraucher, nicht die Investoren."
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Godwael, nach seiner Selbstbeschreibung "Chemielaborant, Diplom-Chemiker (Uni Hamburg), seit 2007 freischaffender Journalist und Blogger", hat eine 4-teilige Blogfolge zur Erdölthematik publiziert. Nicht nur sind die ausführlichen Texte (die ich aus Zeitmangel nur anlesen bzw. überfliegen konnte) sehr informativ, sondern ebenso die zahlreichen weiterführenden Links. Hier seine Beiträge:
"Peak Oil – Teil 1: Schlechte Nachrichten" (24.05.08);
"Peak Oil - Teil 2: In der Not ..." (27.05.08). Hier macht der Autor auf einen Gesichtspunkt aufmerksam, der in der breiten Debatte praktisch nicht vorkommt, aber dennoch von erheblicher Bedeutung für die Ölversorgung ist: die Qualität der verfügbaren Rohölsorten:
"Der Anteil leichten, süßen Öles an der Gesamtförderung ist seit spätestens 2000 rückläufig, wie man zum Beispiel auch dem Opec-Marktreport für August 2005 entnehmen kann: [folgt Zitat auf Englisch]
Das entspricht über drei Millionen Barrel weniger. Im gleichen Zeitraum produzierte die OPEC absolut etwa eine Million Barrel leichtes Öl zusätzlich, bleibt ein Minus von etwa zwei Millionen Barrel täglich.
Diese Feststellung bedeutet zweierlei. Zum einen sehen wir hier, dass praktisch im Windschatten der Produktionszahlen die Qualität des geförderten Produktes schon seit Jahren abnimmt, ein weiteres Warnzeichen zukünftiger Verknappung. Zum anderen bedeutet das, dass der EROIE unseres Öles immer schlechter wird: Gleichbleibende Produktionsmengen bringen uns netto betrachtet immer weniger Energie, und um die geht es ja letztendlich." [Hervorhebungen von mir]
"Peak Oil – Zwischenspiel: There ain't no such thing as a free lunch" (29.05.08); und
Im abschließenden "Peak Oil - Teil 3: Blick in die Zukunft" (02.06.08) stellt "Godwael" Überlegungen zur kurzfristigen Preisentwicklung an:
"Die zentrale Botschaft der ersten beiden Beiträge war ja, dass die Ölpreise langfristig erheblich steigen werden, weil immer weniger von dem Zeug vorhanden ist, man es mit immer teureren Methoden fördern muss und der Netto-Energiegewinn immer geringer wird. Das heißt aber nicht, dass der Preis von jetzt an immer kontinuierlich steigen wird. Es gibt im Gegenteil eine ganze Reihe von Hinweisen darauf, dass Öl zumindest in nächster Zeit wieder ein bisschen weniger kosten wird."
Über Alternativen erfahren wir ebenfalls vieles, u. a. zur Frage, ob "Die Kohleverflüssigung vor der Renaissance" (14.11.2007) steht und welche Auswirkungen das hätte (auch hier ein für den Laien ganz unerwarteter Aspekt: wesentliche Probleme resultieren aus einem hohen Wasserverbrauch bei der Verflüssigung).
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Steffen Bogs aus Berlin betrieb den Blog "Querschüsse zum Thema Wirtschaft und Finanzmärkte", der jetzt kurz "Querschüsse" genannt wird.
Auch er bringt, schon seit längerem, einen ganzen Strauß materialreicher und vielfältig verlinkter Artikel, u. a.:
"Peak Oil - Finale Ölkrise?" (11.6.07) [Kein aktueller Link auffindbar]
"Das dunkle Zeitalter. Peak Oil kommt mit deutlichen Worten im Mainstream an!" (16.06.07) [Kein aktueller Link auffindbar]
"Peak Kredit, Peak Öl und Peak Mensch" (10.09.07)
"Peak Oil ist Realität" (24.10.08)
"Peak Oil in greifbarer Nähe" (03.05.08)
"Peak Oil im Mainstream angekommen" (21.05.2008) [Kein aktueller Link auffindbar]
"Ölexporte rückläufig - Nachfrage aus Schwellenländer ungebrochen!" (3.6.08)
(Interessant sind häufig auch die Kommentare der Leser; sei es, dass sie ergänzende Informationen und Links einbringen, sei es, dass sie jene Realitätsverweigerung ausformulieren, welche implizit die ganze Gesellschaft beherrscht.)
Nachtrag 22.07.08: Bogs betrieb den o. a. Blog; dass er plötzlich und unerwartet verschwunden war habe ich (bereits vor einiger Zeit) auch daran gemerkt, dass ich hier einige Suchzugriffe von Nutzern hatte, die wohl Näheres über dieses merkwürdige Verschwinden wissen wollten. Leider weiß ich auch nicht mehr als "Blogspot":
"Blog wurde entfernt. Leider wurde das Blog unter wirtschaft-querschuss.blogspot.com entfernt. Diese Adresse ist für neue Blogs nicht verfügbar."
Immerhin erfahre ich jetzt beim Googeln, das Bogs Autor der linken Zeitschrift "jungeWelt" war.
Nachtrag 27.10.08:
Nein - er ist (lt. Profil ab September 2008) wieder da, der Querschuss. Also habe ich mir die Mühe gemacht (weil seine Artikel es wert sind), meine Links zu aktualisieren.
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Weitere Informationen zum Thema Ölkrise auch in meinem Blott "Dieser Ire irrt sich nicht: Das Ölfördermaximum ist kein Märchen aus Tausendundeine Nacht" vom
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Nachfolgend Links zu einigen einschlägigen aktuellen Interviews:
Astrid Schneider hat ein Gespräch mit dem Chefökonom der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, geführt. Dieses wurde u. d. T. »Die Sirenen schrillen« in der Ausgabe April 2008 der Zeitschrift "Internationale Politik" publiziert. Aus dem einführenden Absatz:
"Energiehunger trifft Energieknappheit: Während die Nachfrage nach Öl wächst, sinkt die Förderung – es drohen Lieferklemmen, eskalierende Preise, Inflation. Im Gespräch mit der Energiepolitikerin Astrid Schneider fordert der Chefökonom der IEA, Fatih Birol, die Mitgliedsstaaaten zu einem Politikwechsel auf. Sein Motto: Wir sollten das Öl verlassen, bevor es uns verlässt."
Dass die International Energy Agency in Paris nunmehr derartige Aussagen macht, ist lobenswert. Allerdings ist es keine große prognostische Leistung, eine Krise zu konstatieren, wenn man schon mitten drin steckt. Deshalb ist es vielmehr ein Skandal, dass uns diese Organisation noch vor kurzem Sand in die Augen gestreut und eine problemlosen Verfügbarkeit von Rohöl für absehbare Zeit propagiert hat. (Unabhhängige Beobachter hatten die Desinformationsstrategie der IEA schon vor Jahren -ohne öffentliche Wirkung- demaskiert; vgl. z. B. den taz-Artikel "Die wunderbare Ölvermehrung" von HAUKE RITZ v. 04.11.2005.)
Hans-Josef Fell, Bundestagsabgeordneter und Sprecher für Energie und Technologie von Bündnis 90/Die Grünen hat sich in einem Gespräch mit dem Fernsehsender n-tv am Montag, 31. März 2008 (Titel: "Ein Wettlauf mit der Zeit") geäußert. Einführungstext:
"Das Fördermaximum ist längst erreicht, sagt Hans-Josef Fell. Der Energieexperte der Grünen ist jedoch skeptisch, ob die Welt den Kopf noch aus dem Sand ziehen wird. Das Problem sei, dass die Themen Klimawandel und Energiesicherheit immer getrennt diskutiert werden. Zwei Szenarien sieht Fell für die Zeit nach dem Peak: erneuerbare Energien - oder Armut." [Nach meiner Einschätzung ist nur ein Szenario von den beiden realistisch, nämlich das zweite. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.] Der Gesprächspartner Hubertus Volmer kam auch auf die Rolle der Grünen in der Debatte über das Ölfördermaximum zu sprechen:
Frage: "Auf der Website abgeordnetenwatch.de gibt es ein Statement von Hans-Christian Ströbele zu Peak Oil. Dort sagt er, er sei "nicht der Meinung, dass die Ölreserven so schnell zu Ende gehen". Offenbar sind auch die Grünen nicht wirklich am Thema dran."
(Ehrliche) Antwort: "Ich will's mal so sagen: Auch bei den Grünen war in den letzten Jahren die Aufmerksamkeit nicht in dem Maße vorhanden, wie ich das für richtig gehalten hätte. Es gilt aber auch, dass die Grünen die Partei sind, die sich dem Thema am intensivsten widmen." [Hervorhebung von mir]
Ebenfalls bei n-tv.de finden wir ein Gespräch (vom 3. April 2008) mit Prof. Wolfgang Blendinger Deutschlands einzigem Professor für Erdölgeologie (an der TU Clausthal, im Harz). Titel: "Ein Tropfen auf den heißen Stein"
Einführungsabsatz:
"Früher oder später werden die Erdölgesellschaften schon eingestehen, dass Peak Oil Realität ist, sagt Wolfgang Blendinger, Deutschlands einziger Professor für Erdölgeologie. Die Prognosen der Konzerne seien nur Augenwischerei. 'Wir sind zu 98 Prozent abhängig von importiertem Öl. Mit ein bisschen Phantasie kann sich jeder die Folgen von Peak Oil selbst ausmalen.' Ohne eine Abkehr vom "Wachstumsdogma" werde diese Krise nicht zu bewältigen sein."
Prof. Blendinger hat auch einen ernüchternden Text über Ölschiefer verfasst. Die "ASPO Deutschland" ("Association for the Study of Peak Oil"), deren Vorsitzender er lt. Wikipedia-Eintrag ist, betreibt das Internet-Portal www.energiekrise.de mit zahlreichen Informationen zum Thema. (Zur besonders rührigen irischen "Mutter" der mittlerweile in mehreren Ländern entstandenen "ASPOS" vgl. meinen Blott "Dieser Ire irrt sich nicht: Das Ölfördermaximum ist kein Märchen aus Tausendundeine Nacht".)
Fritz Vorholz rechnet Blendinger in seinem (gleichfalls vorzüglichen) "Zeit"-Report "Angst vor der zweiten Halbzeit" (vom 20.04.06) zu den "Pessimisten". In meinen Augen ist freilich noch ein Optimist, wer glaubt, dass wir mit einer Abkehr vom Wachstumsdogma den Ressourcenmangel (der sich außerdem auch bei dem Düngemittel Phosphor und bei vielen Metall schon abzeichnet) bewältigen können. (Aber Vorholz meint natürlich Ressourcenpessimismus, was nicht logisch zwingend einen Krisenbewältigungspessimismus nach sich ziehen muss.)
Nachtrag 16.06.2008
Dipl.-Kfm. Jörg Schindler und Dr. Werner Zittel von der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH, Ottobrunn/Deutschland sind die Autoren einer Studie "Zukunft der weltweiten Erdölversorgung". Ursprünglich im Oktober 2007 auf Englisch erschienen ("C R U D E O I L. T H E S U P P L Y O U T L O O K. Report to the Energy Watch Group. October 2007. EWG-Series No 3/2007" "sponsored by Ludwig-Bölkow-Stiftung, Ottobrunn, Germany"), kam im Mai 2008 eine überarbeitete deutsche Fassung heraus ("mit freundlicher
Unterstützung des Club Niederösterreich" - www.clubnoe.at). Mit gut 100 S. zu lang für mich, aber zum Glück geht es auch kürzer.
Die Autoren gehen davon aus, dass das Ölfördermaximum bereits im Jahre 2006 erreicht wurde.
Mehr über die (trotz ihrer englischsprachigen Bezeichnung deutschen) "Energy Watch Group" erfahren wir auf der Seite "Auftrag":
"Energiepolitik braucht objektive Informationen
Energiewirtschaft und Regierungsorganisationen pflegen den Glauben an die unbegrenzte Verfügbarkeit billiger Energie aus konventionellen Quellen. Energiepolitik braucht aber objektive Informationen.
Deshalb wurde auf Initiative des deutschen Parlamentariers Hans-Josef Fell und weiterer Parlamentarier aus anderen Ländern die Energy Watch Group gegründet. Träger ist die Ludwig-Bölkow-Stiftung. In diesem Projekt erarbeiten Wissenschaftler unabhängig von Regierungs- und Unternehmensinteressen Studien über
- die Verknappung der fossilen und atomaren
Energieressourcen,
- Ausbauszenarien für die Regenerativ-Energien
sowie
- daraus abzuleitende Strategien für eine
langfristig sichere Energieversorgung zu
bezahlbaren Preisen.
Die Wissenschaftler erheben und analysieren also nicht nur ökologische, sondern vor allem ökonomische und technologische Zusammenhänge. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sollen über die Fachkreise hinaus in die politisch interessierte Öffentlichkeit transportiert werden."
Es geht also nicht nur um Rohöl, sondern um Energie allgemein; die verschiedenen bislang erstellten Studien kann man hier herunterladen.
Der oben erwähnten Kurzfassung der jüngsten Studie zur geologischen Rohölverfügbarkeit verdanke ich den Hinweis auf eine schwedische Dissertation (in englischer Sprache) vom März 2007 an der Universität Uppsala. Autor ist Frederik Robelius; Titel: "Giant Oil Fields - The Highway to Oil: Giant Oil Fields and their Importance for Future Oil Production".
Hier das "Abstract", also die Zusammenfassung:
"Since the 1950s, oil has been the dominant source of energy in the world. The cheap supply of oil has been the engine for economic growth in the western world. Since future oil demand is expected to increase, the question to what extent future production will be available is important.
The belief in a soon peak production of oil is fueled by increasing oil prices. However, the reliability of the oil price as a single parameter can be questioned, as earlier times of high prices have occurred without having anything to do with a lack of oil. Instead, giant oil fields, the largest oil fields in the world, can be used as a parameter.
A giant oil field contains at least 500 million barrels of recoverable oil. Only 507, or 1 % of the total number of fields, are giants. Their contribution is striking: over 60 % of the 2005 production and about 65 % of the global ultimate recoverable reserve (URR).
However, giant fields are something of the past since a majority of the largest giant fields are over 50 years old and the discovery trend of less giant fields with smaller volumes is clear. A large number of the largest giant fields are found in the countries surrounding the Persian Gulf.
The domination of giant fields in global oil production confirms a concept where they govern future production. A model, based on past annual production and URR, has been developed to forecast future production from giant fields. The results, in combination with forecasts on new field developments, heavy oil and oil sand, are used to predict future oil production.
In all scenarios, peak oil occurs at about the same time as the giant fields peak. The worst-case scenario sees a peak in 2008 and the best-case scenario, following a 1.4 % demand growth, peaks in 2018."
Robelius betont also die überragende Bedeutung der großen Ölfelder (die fast alle schon vor langer Zeit entdeckt wurden und dementsprechend leergepumpt sind) für die Bestimmung des voraussichtlichen Zeitpunkts des Ölfördergipfels und erwartet diesen im Zeitraum von 2008 - 2018.
Eine Kuriosität findet sich im Blog "Our Finite World", nämlich eine Ansprache des "Rear Admiral Hyman Rickover" vom 14.05.1957 (!) an die "Minnesota State Medical Association" u. d. T. "Energy Resources and Our Future".
Über den Inhalt (den ich selbst erst noch lesen muss) sowie über den Redner erfahren wir:
"Rear Admiral Hyman Rickover gave an amazing speech in 1957 that predicted many of the energy-related issues we are now dealing with. Among other things, the speech talks about
• The relationship between fossil fuels and economic growth.
• The relationship between fossil fuels and military power.
• The fact that oil, natural gas, and coal are expected to peak, and the approximate timeframe.
• The responsibility of Rickover’s generation to tell later generations about the fact that fossil fuels will deplete, so that they can start very early making plans for the difficult transition away from fossil fuels.
Rear Admiral Hyman Rickover is known as the father of the nuclear submarine. He was also instrumental in getting the United States started using nuclear power to generate electricity. He was an advisor to Jimmy Carter, who is known for his interest in renewable energy."
Nachtrag 27.01.2011: Eine Übersetzung der Rickover-Rede und weitere Informationen zur Person in meinem Blott "Salut für den Atom-Admiral! Hyman Rickovers visionäre Energie-Rede von 1957 hier auf Deutsch" vom 27.07.2008.
Nachtrag 15.07.08
Wei Gu (Nachrichtenagentur Reuters) berichtete über die massive Subventionierung von Öl in China: "The hidden costs of fuel subsidies". Der Artikel wurde hier am 4.6.2008 in der International Herald Tribune veröffentlicht; die Suche nach evtl. weiteren Links zu diesem Artikel führte mich zu einer umfassenderen Darstellung Fuel Subsidies Around the World", gleichfalls vom 4.6.08, in einem Blog namens "By The Fault" (kann ich mir nichts drunter vorstellen; aber jedenfalls ist der Artikel informativ und wichtig).
Blogs, die sich mehr oder weniger (soweit ich das auf den ersten Blick beurteilen kann) dem Thema "Ölfördermaximum" bw. Ressourcenverknappung widmen, sind z. B.
"Resource Insights" von Kurt Cobb. Kurziographie im Nutzerprofil: "Kurt Cobb is a freelance writer who speaks and writes frequently on energy and the environment. He is a columnist for the Paris-based science news site Scitizen -pronounced like 'citizen'- and his work has also been featured on Energy Bulletin, 321energy, Le Monde Diplomatique, EV World, The Wall Street Journal Online and many other sites. Kurt is a founding member of the Association for the Study of Peak Oil and Gas—USA "; über diesen informativen Artikel im 'Scitizen' kam ich zu seinem Blog. (Einleitungstext: "Energy researcher Charlie Hall's balloon graph challenges the notion that alternative energy sources will provide a smooth transition to a post-fossil fuel society. Scale and energy return remain huge obstacles.") Hier seine Artikelübersicht im Scitizen.
"Peak Energy" sammelt anscheinend einschlägige Nachrichten aus anderen Medien.
Von da kommt man dann auch zu einem "Energy Webring" der sich auch "Peak Oil Webring" nennt.
Nachtrag 20.07.2008
Für die USA hat der "National Petroleum Council" im Juli 2007 einen umfangreichen Bericht u. d. T. "Hardtruths. Facing the Hard Truths About Energy" erstellt. (Untertitel: "A comprehensive view to 2030 of global oil and natural gas." Einführung: "The American people are very concerned about energy—its availability, reliability, cost, and environmental impact. Energy also has become a subject of urgent policy discussions. But energy is a complex subject, touching every part of daily life and the overall economy, involving a wide variety of technologies, and deeply affecting many aspects of our foreign relations. The United States is the largest participant in the global energy system—the largest consumer, the second largest producer of coal and natural gas, and the largest importer and third largest producer of oil. Developing a framework for considering America’s oil and natural gas position now and for the future requires a broad view and a long-term perspective; both are provided in this study."). Ich fand ihn ursprünglich auf der Webseite des republikanischen US-Abgeordneten ("Representative") Roscoe Bartlett, der sich sehr stark in Energiefragen engagiert und auf seiner Webseite auch weitere einschlägige Texte oder Links anbietet.
Darunter ist auich ein Bericht ("Report to Congressional Requesters", also wohl auf Anforderung von Abgeordneten des US-Kongress erstellt) des "United States Government Accountability Office" ("GAO"; vergleichbar unserem Bundesrechnungshof?)mit der Überschrift "CRUDE OIL. Uncertainty about Future Oil Supply Makes It Important to Develop a Strategy for Addressing a Peak and Decline in Oil Production" vom Februar 2007.
Zumindest die Zusammenfassung der Studie ("Results in Brief") sollte überfliegen, wer noch immer nicht an den Ernst der Lage glaubt:
"Most studies estimate that oil production will peak sometime between now and 2040, although many of these projections cover a wide range of time, including two studies for which the range extends into the next century. The timing of the peak depends on multiple, uncertain factors that will influence how quickly the remaining oil is used, including the amount of oil still in the ground, how much of the remaining oil can be ultimately produced, and future oil demand. The amount of oil remaining in the ground is highly uncertain, in part because the Organization of Petroleum Exporting Countries (OPEC) controls most of the estimated world oil reserves, but its estimates of reserves are not verified by independent auditors. In addition, many parts of the world have not yet been fully explored for oil. There is also great uncertainty about the amount of oil that will ultimately be produced, given the technological, cost, and environmental challenges. For example, some of the oil remaining in the ground can be accessed only by using complex and costly technologies that present greater environmental challenges than the technologies used for most of the oil produced to date. Other important sources of uncertainty about future oil production are potentially unfavorable political and investment conditions in countries where oil is located. For example, more than 60 percent of world oil reserves, on the basis of Oil and Gas Journal estimates, are in countries where relatively unstable political conditions could constrain oil exploration and production. Finally, future world demand for oil also is uncertain because it depends on economic growth and government policies throughout the world. For example, continued rapid economic growth in China and India could significantly increase world demand for oil, while environmental concerns, including oil’s contribution to global warming, may spur conservation or adoption of alternative fuels that would reduce future demand for oil.
Results in Brief
In the United States, alternative transportation technologies face challenges that could impede their ability to mitigate the consequences of a peak and decline in oil production, unless sufficient time and effort are brought to bear. For example:
• Ethanol from corn is more costly to produce than gasoline, in part because of the high cost of the corn feedstock. Even if ethanol were to become more cost-competitive with gasoline, it could not become widely available Page 4 GAO-07-283
Peak Oil Production
without costly investments in infrastructure, including pipelines, storage tanks, and filling stations.
• Advanced vehicle technologies that could increase mileage or use different fuels are generally more costly than conventional technologies and have not been widely adopted. For example, hybrid electric vehicles can cost from $2,000 to $3,500 more to purchase than comparable conventional vehicles and currently constitute about 1 percent of new vehicle registrations in the United States.
• Hydrogen fuel cell vehicles are significantly more costly than conventional vehicles to produce. Specifically, the hydrogen fuel cell stack needed to power a vehicle currently costs about $35,000 to produce, in comparison with a conventional gas engine, which costs $2,000 to $3,000.
Given these challenges, development and widespread adoption of alternative transportation technologies will take time and effort. Key alternative technologies currently supply the equivalent of only about 1 percent of U.S. consumption of petroleum products, and DOE projects that even under optimistic scenarios, by 2015 these technologies could displace only the equivalent of 4 percent of projected U.S. annual consumption. Under these circumstances, an imminent peak and sharp decline in oil production could have severe consequences, including a worldwide recession. If the peak comes later, however, these technologies have a greater potential to mitigate the consequences. DOE projects that these technologies could displace up to the equivalent of 34 percent of projected U.S. annual consumption of petroleum products in the 2025 through 2030 time frame, assuming the challenges the technologies face are overcome. The level of effort dedicated to overcoming challenges to alternative technologies will depend in part on the price of oil; without sustained high oil prices, efforts to develop and adopt alternatives may fall by the wayside.
Federal agency efforts that could reduce uncertainty about the timing of peak oil production or mitigate its consequences are spread across multiple agencies and generally are not focused explicitly on peak oil. For example, efforts that could be used to reduce uncertainty about the timing of a peak include USGS activities to estimate oil resources and DOE efforts to monitor current supply and demand conditions in global oil markets and to make future projections. Similarly, DOE, the Department of Transportation (DOT), and the U.S. Department of Agriculture (USDA) all have programs and activities that oversee or promote alternative transportation technologies that could mitigate the consequences of a peak. However, officials of key agencies we spoke with acknowledge that their efforts—with the exception of some studies—are not specifically designed to address peak oil. Federally sponsored studies we reviewed have expressed a growing concern over the potential for a peak and officials from key agencies have identified some options for addressing this issue. For example, DOE and USGS officials told us that developing better information about worldwide demand and supply and improving global estimates for nonconventional oil resources and oil in “frontier” regions that have yet to be fully explored could help prepare for a peak in oil production by reducing uncertainty about its timing. Agency officials also said that, in the event of an imminent peak, they could step up efforts to mitigate the consequences by, for example, further encouraging development and adoption of alternative fuels and advanced vehicle technologies. However, according to DOE, there is no formal strategy for coordinating and prioritizing federal efforts dealing with peak oil issues, either within DOE or between DOE and other key agencies.
While the consequences of a peak would be felt globally, the United States, as the largest consumer of oil and one of the nations most heavily dependent on oil for transportation, may be particularly vulnerable. Therefore, to better prepare the United States for a peak and decline in oil production, we are recommending that the Secretary of Energy take the lead, in coordination with other relevant federal agencies, to establish a peak oil strategy. Such a strategy should include efforts to reduce uncertainty about the timing of a peak in oil production and provide timely advice to Congress about cost-effective measures to mitigate the potential consequences of a peak. In commenting on a draft of the report, the Departments of Energy and the Interior generally agreed with the report and recommendations."
Weiterhin verlinkt Bartlett zu den beiden sog. "Hirsch-Reports":
"PEAKING OF WORLD OIL PRODUCTION: IMPACTS, MITIGATION, & RISK MANAGEMENT" vom Februar 2005 und
"Economic Impacts of U.S. Liquid Fuel. Mitigation Options" vom 08.07.2006.
Nachtrag 28.07.08
Dr. Michael E. Mills, Associate Professor Psychology Department, Loyola Marymount University, Los Angeles, hat ein Unmenge von Informationen und Grafiken zum Thema "Evolutionary psychology and peak oil: A Malthusian inspired "heads up" for humanity" zusammengestellt. Hier seine Einleitung:
"Overview.
I initially developed this webpage for my students, especially those in
my Ecological Psychology course. The goal was to provide a succinct
overview peak oil, and "heads up" about the social and personal challenges
we will need to confront in the near future.
This web page is divided into the following topics, which will be explored
in turn:
Ecological overshoot as a general problem in population biology. The possibility of avoiding a human Mathusian collapse via
a Kurzweillian "techno-fix"
Peak oil as a an example of human ecological overshoot.
Possible economic and social scenarios following peak oil.
Contributions by psychological science, and evolutionary
psychology in particular, that may help to mitigate these problems."
Nachtrag 30.07.2008:
Dipl.-Ing. Dietrich Beitzke hat auf seiner Webseite "Heizungsbetrieb" auf der Unterseite "ab 2005 - die letzte Ölkrise. Womit heizen wir in 20 Jahren?" eine umfangreiche kommentierte Linksammlung von z. T. auch deutschsprachigen Artikeln usw. zusammengestellt; dieses i. d. R. ältere Material ist für einen Rückblick sicher interessant. Hübsch auch das einleitende Zitat:
"Wir alle sollten uns um die Zukunft sorgen, denn wir werden den Rest unseres Lebens dort verbringen." Charles F. Kettering, amerik. Industrieller (1876-1958)
Nachtrag 28.11.2008:
Es gibt, im Stil der berühmten Wette über die Entwicklung der Rohstoffpreise zwischen Paul Ehrlich und Julian Simon (vgl. Wikipedia-Stichwort "Simon-Ehrlich wager"), mittlerweile auch eine Wette (aus dem Jahr 2005) über die Entwicklung des Ölpreises (im Jahr 2010). Die neue Wette heißt "Simmons-Tierney bet" und hat es ebenfalls zu einem Wikipedia-Eintrag gebracht; man kann aber auch hier in der New York Times den Artikel von John Tierney über seine Wette mit dem 'Peakist' Matthew Simmons lesen.
Textstand vom 27.01.2011. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.
Labels: Linksammlungen, Ressourcenverknappung
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