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CANABBAIA
Montag, 27. April 2009
 
Fulda: First vom Fürstabt fotografiert!
Es gibt verzwickerte Zungenbrecher als den obigen Titel; z. B. „Zehn Cottbuser Postkutscher putzen den Cottbuser Postkutschkasten“.

Man kann auch spektakulärere Dachlandschaften finden, z. B. diejenige der Burg Pfalzgrafenstein bei Kaub im Rhein (vgl. meinen Bild-Blott WARUM TOBEN DIE HEIDEN? oder EIN SCHIFF AUS STEIN BEI KAUB IM RHEIN).
[Noch schönere freilich findet man in den Kupfertiefdruck-Bildbänden Verborgene Schönheit“ von Stefan Kruckenhauser (Untertitel: „Bauwerk und Plastik aus Österreich“) und "Prag, ein fotografisches Bilderbuch" von Karel Plicka]
Immerhin bricht man sich aber nicht die Beine, und ist es auch nicht sonderlich anstrengend, wenn man den Turm des Stadtschlosses der Fuldaer Fürstäbte besteigt. (Fürstäbte waren sie zur Erbauungszeit des Schlosses Anfang des 18. Jahrhunderts; in der Jahrhundermitte wurden sie zu Fürstbischöfen befördert, waren also ab dieser Zeit echte Vorläufer des legendären bzw., sagen wir mal: kantigen Bischofs zum Speisen.


Im China-Restaurant „Orchidee“ im Einkaufszentrum am Löhertor kostet das Mittagsbuffet selbst am Sonntag nur 5,90 Euronen.
Berichtigung 22.08.09: Mittlerweile kostet das Büffet in der Orchidee (seit einiger Zeit schon) 6,80 €. Für diesen Preis erhält man aber jetzt eine sehr viel größere Auswahl an Speisen, so dass der "Mehrwert" der Preiserhöhung mindestens entspricht.

Gut besucht ist dieses Speiselokal immer; an diesem Sonntag (26.04.09) war es, auch wegen einem dort abgehaltenen Kommunikations-Schmaus, sogar richtig voll.
Im Einkaufszentrum am Löhertor sieht dagegen mittlerweile ziemlich desolat aus (wirtschaftlich, nicht optisch). Außer einem Schuhmarkt und einer (noch nicht lange bestehenden) Filiale der Drogeriemarktkette Rossmann haben sich dort nur wenige kleine Läden gehalten.
Der große „Herkules“-Lebensmittelmarkt (Edeka) im Erdgeschoss hat aufgegeben. Schon lange geschlossen waren im Keller ein Gartenmarkt (in dessen Räumlichkeiten nach langem Leerstand jetzt die Rossmann-Filiale) und ein Baumarkt (gefolgt von einem Sportladen und einem Elektromarkt - oder umgekehrt -, die aber beide nicht lange Bestand hatten).
Im 1. Stock mehrere Einrichtungen der Gastronomie und Freizeitbeschäftigungen.
Das China-Restaurant Orchidee liegt an einer überdachten „Plaza“; mehrere andere Speiselokale dort sind zu. Immerhin bringen ein Kino und ein Fitness-Center doch noch etwas Leben ins Gebäude.

Nach dem Essen schlängelten wir uns auf Schleichwegen u. a. durch Gassen mit sehr altem Häuserbestand (Fachwerk, aber meist verputzt); auch dort haben einige Restaurationsbetriebe aufgegeben; dagegen sind die Außentische des höherpreisigen „Breuers Weinhandel u. Restaurant Alte Pfandhausstube“ in der Pfandhausstraße weitestgehend besetzt.

Unser Ziel war eigentlich der Schlosspark (auch Schlossgarten genannt) gewesen. Doch kamen wir in der Altstadt, am Luckenberg, an dem (von einer Amerikanerin betriebenen) Quilt-Laden "Quilts am Luckenberg" vorbei, in welchem ein Plakat auf eine Quilting-Ausstellung im Schloss verwies. Diese besuchte meine Frau, während mich das schöne Wetter im Verein mit meiner Digitalkamera zu einem Besuch des
Schlossturmes verlockten, einst ein Teil der Befestigung der mittelalterlichen Abtsburg. Trotz häufiger Besuche in Fulda, und gelegentlicher im Schloss und Schlosspark, hatten wir, soweit ich mich erinnern kann, diesen Turm (hier ein Blick von unten) noch nie bestiegen [wozu auch - ohne Digikam? ;-) ].




Dachfirste des ausgedehnten Schlosskomplexes sind natürlich nicht das einzige, was ich vom Turm aus geknipst habe.

Sondern auch einzelne Dachfenster. Und ganze Dachlandschaften. Hinter winzigen Dachfenstern wie diesem hatten wohl die Dienstboten ihre Unterkünfte. Selten sieht man solche in Schlössern; eine rühmliche Ausnahme bildet das Schloss der Herzöge (später Könige) von Württemberg in Ludwigsburg bei Stuttgart. Auf der "Homepage" des Schlosses fehlt freilich eine Information dazu; auch der Wikipedia-Eintrag schweigt darüber. Das waren jedenfalls keine Luxusquartiere; nicht für alle war das Hofleben ein Zuckerschlecken!















Das Schloss ist ein ausgedehnter Gebäudekomplex; natürlich darf man nicht denken, das es nur zum Repräsentieren und für Luxusgemächer gedient habe; vielmehr war dort auch die "Staatsregierung" untergebracht.
Ein solcher Bau ist in ökonomischer Hinsicht schon erstaunlich für ein derart kleines Ländchen (nach Gerhard Köbler, Historisches Lexikon der Deutschen Länder, zählte das Fürstentum oder Hochstift Fulda bei seiner Auflösung im Jahre 1802 gerade einmal 90.000 Seelen).
Daneben sind aber im 18. Jahrhundert weitere ausgedehnte Bauten entstanden:

Das hier hübsch fotografierte alte päpstliche Priesterseminar (eine kirchliche Kaderschmiede also) im Stadtzentrum. Das neben dem Karstadt-Kaufhaus gelegene Baukomplex, eine Vierflügelanlage mit großem Innenhof, beherbergt jetzt u. a. das Vonderau-Museum mit Exponaten und Ausstellungen zur Stadtgeschichte, Kunst usw. (Wir haben sie nicht besucht, aber aktuell wird dort eine Ausstellung über die Amerikaner - d. h. die amerikanischen Streitkräfte - in Hessen gezeigt).

Weiterhin leistete sich das Ländlein auch noch Barocke Adelspalais und sogar eine Alte Universität (hier ein Wikipedia-Eintrag dazu)!

Damals vor der Stadt lag die große Anlage des Klosters Frauenberg; erbaut wann? Richtig, Sie haben es erraten: im 18. Jh.! (Deren Homepage ist natürlich von heute.)

(Zur Abwechslung verweise ich hier auch auf einen raren Renaissancebau: die Benediktinerinnen Abtei St. Maria. (Auf deren eigener Webseite werden u. a. Produkte aus dem biologischen Gartenbau beworben.).


Äußerst bescheiden dagegen die damalige Stadtverwaltung von Fulda:Die lustigen Türme des alten Rathauses (das jetzt ein Bekleidungsgeschäft beherbergt) vom Schlossturm aus gesehen (rechts ein Stück der großen Stadtpfarrkirche St. Blasius, ebenfalls im 18. Jahrhundert erbaut) aus dem 16. Jahrhundert

und hier ein Blick aus Richtung der Bahnhofstraße. (Bei Panoramio ein schönes Bild des ganzen Bauwerks.)



Einen Dom, offiziell St. Salvator zu Fulda geheißen und im Volksmund "Hoher Dom zu Fulda" genannt braucht eine solche Stadt selbstverständlich auch; um so mehr, als hier Bonifatius begraben liegt, der "Apostel der Deutschen". Der Webseite Germania Catholica verdanken wir übrigens eine Live-Aufnahme von einer Missionspredigt des Bonifaz.] Dessen Leichnam hätten sich nach seinem gewaltsamen Tod durch Räuberhand im Friesenland gern die Mainzer unter den Nagel gerissen, doch konnten die Fuldenser darauf verweisen, dass er selbst den Wunsch geäußert hatte, seine letzte Ruhe in Fulda zu finden, wohin sie ihn dann auch überführten.
[Es ist in meinen Augen eine kleine klerikale Stichelei, wenn katholische Kirchen in der Diaspora - wie z. B. die 1939 erbaute in Bad Windsheim - "St. Bonifatius" genannt werden: 'Euch müssen wir missionieren'.
Tongue in cheek gesprochen, haben uns übrigens die Angelsachsen damals unter das Joch der Kirche missioniert - und heute unter die Knute des Kapitals].








Die uralte Michaelskirche neben dem Dom, noch aus vorromanischer Zeit stammend, ist (auch wegen der stimmungsvollen Krypta) mein Lieblingsbauwerk in Fulda (dieses Foto allerdings von unten aufgenommen).
Hier ist sie als "High Dynamic Range Image"-, kurz HDR, abgebildet [wieder was dazugelernt ;-)]. (Da die Orangerie in HDR; dort der Ehrenhof und Haupteingang des Schlosses, hier die Gartenseite und, besonders eindrucksvoll in der Vergrößerung durch Mausklick, der Dom.


Nun haben wir aber lange genug auf Schieferdächer geschaut; wir erholen uns bei einem Blick in die Tiefe.

Dort unten locken Blumenrabatten

Besonders schön gestaltet ist die vom Gartensaal im Erdgeschoss des Barockschlosses (prächtig stuckiert, Eintritt frei, nicht versäumen!) zur Orangerie hinführende Achse.








Das ist sie, die Orangerie: ein weiterer prachtvoller Barockbau, heute zum Hotel Maritim gehörig bzw. von diesem bewirtschaftet.






Wir klappen nunmehr den Fächer unserer Fulda-Präsentation zusammen

und verabschieden uns mit einemBlick von unten auf die Schlossdächer.

Etwaigen Schlossbesuchern sei neben einem (kostenpflichtigen) Besuch der fürstäbtlichen Prunkräume sowie dem (kostenfreien) Besteigen des Schlossturmes auf jeden Fall auch der Gartensaal (s. o.) und der Marmorsaal (im 1. Stock zur Gartenseite hin gelegen, Eintritt frei, Blicke auf die oben gezeigten Blumemnrabatten im Schlosspark und auf die Orangerie; in diesem Raum ist auch ein Modell der Stadt Fulda ausgestellt) ans Herz gelegt.

Im Durchgang zu den Prunkräumen kommt man durch einen Saal, von dem man auch den Hochzeitsraum (in alter Zeit wohl die Schlosskapelle) erreicht. In diesem Durchgangssaal (nicht besonders geschmückt, obwohl es eigentlich ein zentraler Raum war, weil dort der Zugang zum Balkon auf den Ehrenhof ist) präsentiert die Stadtverwaltung eine eher unauffällige, aber jedenfalls für mich außerordentlich interessante Ausstellung.

Stadtpläne von Fulda sind dort ausgehängt und mit Erläuterungen kommentiert, beginnend mit einem Plan aus der Zeit um 1730. Damals hatte die Stadt etwa 3.000 Einwohner, heute sind es (freilich nach Eingemeindungen) ca. 65.000.
(Hier ein sehr guter aktueller Stadtplan mit verschiedenen Themenkarten.)


Die beste Online-Information zur Geschichte der Stadt Fulda scheint der Wikipedia-Eintrag zu sein: Dank auch dafür an jene bienenfleißigen Informationssammler, die uns in mühevoller Arbeit eine Fülle von Wissen zugänglich machen!



Unzählige Fulda-Fotos, praktischer Weise gleich der Google-Map zugeordnet, bietet die Webseite "Panoramio".

Schöne Aufnahmen auch bei den Travel-Webshots.

Eine Diaschau mit schönen Aufnahmen präsentiert die Webseite des Fuldaer Holiday Inn.

Fotos von Ralf Brown bei pbase: 1996, 2006

Alte Fulda-Bilder scheinen im Netz rar zu sein; aber natürlich lässt uns die Webseite Germania Catholica auch hier nicht im Stich: eine Postkarte (wohl ein Aquarell) von 1899.

Auch deutschsprachige Blogs aus oder über Fulda kann ich, jedenfalls auf die Schnelle, nicht finden; aber dafür gibt es ja englischsprachige (hier und da zumindest).
Da frage ich mich natürlich, ob deutsche Netzfreaks die Stadt Fulda etwa wegen des fehlenden Kondomangebots meiden? (Mehr über das Verkaufsverbot für Kondome in einer Schlecker-Filiale berichtet der hessische Rundfunk hier, und 157 Kommentare dazu finden sich dort; n24 hat sogar mit einen kleinen Film über die "Drogerie als Touristenmagnet" gedreht..)


Für weitere interessante Linkhinweise danke ich meinen Besuchern im Voraus!


Nachtrag 24.07.09
Eine recht ausführliche Chronologie der Fuldaer Geschichte finden Interessierte auf der Webseite von Joerg Pytlik.





Textstand vom 22.08.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen
Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

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Sonntag, 26. April 2009
 
"Finanzhaie würden FDP wählen": Wahlwerbung der SPD zur Europawahl am 7. Juni 2009
Mit dieser Wahlwerbung der SPD im Europa-Wahlkampf (gesichtet Ende April 2009 in Wächtersbach, auf dem Pendler-Parkplatz am Bahnhof, vor dem REWE-Laden), habe ich doch gewissen Probleme.

Zunächst einmal finde ich diesen Finanzhai sehr sympathisch: "Ich bin dein freundlicher Finanzhai von nebenan", sozusagen. Oder fürchten Sie sich etwa vor solch einem lieb lächelnden Monsterchen? (Für die FDP ist aber natürlich das Risiko groß, dass nur der eingängige Spruch als solcher hängen bleibt und dass diejenigen, denen er in den Sinn kommt, ihn für sich selbst mit weniger lustigen Haifisch-Visualisierungen unterlegen.)
[Auch DIE LINKE in Bremen findet, dass der Hai nett aussieht.]

Sodann ist Negativ-Werbung grundsätzlich problematisch (meint auch Mark Seibert).

Und schließlich wundert es mich einigermaßen, dass die SPD sich so massiv gegen die FDP wendet. Die Zahl der Wähler, die zwischen diesen beiden Parteien wechseln, dürfte, zumindest in der aktuellen politischen Konstellation, recht begrenzt sein.
Eigentlich kann es derzeit doch nur der CDU nützen, wenn man die FDP madig macht?




Allerdings steht dieses Plakat nicht allein, sondern ist Teil einer Motivreihe, in der es auch heißt "Dumpinglöhne würden CDU wählen" und "Heiße Luft würde die Linke wählen".
Ein Auskeilen gegen die CDU und die Linken ist verständlich und macht für die SPD Sinn; das Bild auf dem Wahlplakat gegen Die Linke, das anstelle des Kopfes (bzw. des Haikopfes) einen Fön zeigt, transportiert in meinen Augen die Botschaft optisch am besten und erscheint mir am gelungensten.

Eines ist immerhin gelungen: Aufmerksamkeit zu erregen: Hier ein Bild-Bericht; dort macht sich Henrik Schober in dem "ZEIT"-Blog "Wahlen nach Zahlen" Gedanken über die Wirksamkeit von Negativ-Wahlwerbung u. d. T. "SPD Wahlkampf Plakativ und konfrontativ".
Tierisch ernst sieht Ludwig Greven auf ZEIT ONLINE vom 27.4.2009 die Sache: "Wahlplakate. SPD setzt auf sinnlose Polemik": "Ein grobes Zerrbild" schmäht der das liebe lustige Monsterchen, und sieht schon künftige Ampelkoalitionen gefährdet. Aber wieso denn: die Koalition mit der CDU ist doch gesichert, wenn die SPD die FDP niederhält! Und vielleicht wollen ja die Roten und die Schwarzen die Große Koalition fortsetzen? Der eine mit ein paar Prozentpunkten mehr, der andere weniger: man hat sich doch so schön aneinander, und an die faktisch kaum störende Opposition, gewöhnt! Solche Errungenschaften werden unsere beiden Großkoalitionäre kaum leichtfertig aufgeben.
Jetzt allerdings ist die Reihe an der CDU, wieder mal Kommunistenfurcht zu schüren. Nur eben gezielt gegen Die Linke, damit ihr nicht ihr halblinker Partner abhanden kommt.




Auch der Blog Fürst, angeblich vom Glauberg (also nicht weit weg von Wächtersbach), in Wirklichkeit lt. Impressum aber aus Bad Vilbel [und ein Tiefstapler, weil in Wahrheit ein König ;-) ] berichtet über die SPD-Europawahl-Kampagne.

Bei "Infopirat" gibt's Fotos von allen 3 Plakaten (ich selbst habe die anderen beiden noch nicht gesehen) und einige Kommentare.

Im Spiegel berichtet Stefan Schultz lang und breit über diese "WAHLKAMPFATTACKE. Forsche SPD-Plakate brüskieren FDP und Linke".

Die FDP meint, ganz im Gegenteil: "Finanzhaie würden SPD wählen" und begründet das nicht ungeschickt mit dem Bailout für die Hypo Real Estate (HRE), für das natürlich der SPD-Finanzminister Peer Steinbrück die Verantwortung trägt.

Kajo Wasserhövel, SPD-Wahlkampfmanager, begründet die Kampagne auf der SPD-Webseite "Wahlkampf09" und im "Vorwärts" so:
"Die Plakate hat unsere Agentur Butter entwickelt und ich bin sehr zufrieden mit diesem ungewöhnlichen Ansatz. Bei der Europawahl 2004 hatten wir eine sehr niedrige Wahlbeteiligung. Diesmal muss es besser werden und die werbliche Linie wird helfen, Aufmerksamkeit zu schaffen."

Lustig sind die Plakate auf jeden Fall. Schaun mer mal, was die anderen bringen.


Nachträge 30.04.09

Die Neue Osnabrücker Zeitung berichtete am 29.04.09 kurz (und eher ortsbezogen) u. d. T. "Liberale ärgern sich über SPD-Plakat".

Gleichfalls eher kurz der Welt-Online-Artikel "Wahlkampf. Gefährden diese SPD-Plakate die politische Kultur?", ebenfalls vom 29.04.09:
"CDU und FDP empören sich über Plakate der SPD zur Europawahl. Darauf heißt es: "Finanzhaie würden FDP wählen", "Dumpinglöhne würden CDU wählen" und "Heiße Luft würde die Linke wählen". Jetzt entbrennt eine Debatte darüber, ob man so mit dem politischen Gegner umgehen darf."
Besondere Aufmerksamkeit verdient dieser Artikel trotz der Kürze zum einen deshalb, weil man 9 Abbildungen von Wahlplakaten (auch der CDU, FDP und Linken) anklicken und anschauen kann; zum anderen hat er eine Fülle von Leserkommentaren ausgelöst, so dass man hier als die Meinung des Volkes über diese Wahlwerbung (oder vielleicht auch über die Finanzkrise und die dafür Verantwortlichen) erspüren kann.

Recht ausführlich berichtet, mit Zitaten insbesondere von Wahl- und Werbefachleuten zu dieser Kampagne, Gerhard Vogt in der NGZ Online vom ? ("zuletzt aktualisiert: 28.04.2009")": "Europawahl. SPD-Plakate sorgen für Streit"; auch dieser Bericht hat zahlreiche Leserkommentatoren angelockt.


Nachtrag 01.05.2009
In der Wirtschaftswoche berichtet Oliver Voß heute unter der Überschrift "Auf Wählerfang im Internet" zwar über den "Online Wahlkampf":
"Die Politik hat den Wahlkampf gestartet. Auch im Internet haben sich die Parteien positioniert und versuchen dem Online-Wahlkampf von Barack Obama nachzueifern. Doch die erfolgreichsten deutschen Plattformen spielen dabei kaum ein Rolle". Als optischer Blickfang der Meldung dient aber das Finanzhai-Plakatmotiv der SPD-Europawahlkampfwerbung.

In der Münsterschen Zeitung (vom 30.04.2009 ) schreibt Denis de Haas "SPD macht Wahlkampf auf Kosten der Gegner":
"MÜNSTER. Auf Plakaten in der Stadt grinst seit einigen Tagen ein Hai Autofahrer und Fußgänger an. Der Raubfisch hat sich schick gemacht, trägt zum weißen Hemd eine violette Krawatte. Über dem Tier steht der Slogan „Finanzhaie würden FDP wählen“."

Nicht alle SPD-Funktionsträger goutieren diese Wahlwerbung ihrer Partei. Die Ahlener Zeitung informierte am 30.04.2009: "Hemker distanziert sich von SPD-Plakaten zur Europa-Wahl":
"Kreis Steinfurt - In einem Brief an den SPD-Parteivorsitzenden Franz Müntefering hat Dr. Reinhold Hemker jetzt darauf hingewiesen, dass „diese Form der massiven Konfrontation mit den politischen Mitbewerbern nicht zu meiner Art des Wahlkampfes (passt), in dem ich durch die positive Darstellung des von uns Erreichten und unserer politischen Zielsetzungen um Vertrauen bei den Wählerinnen und Wähler werbe.“ Er bittet Müntefering darum, dafür zu sorgen, dass in den Städten seines Wahlkreises die Plakate entfernt und durch neue ersetzt werden, die nicht auf Konfrontation angelegt sind."

Nun ja: auf jeden Fall zieht diese Plakataktion - im Gegensatz zur Wahlwerbung der anderen Parteien - zahlreiche Berichte und Kommentare in der Presse, im Internet (darunter natürlich auch meinen eigenen) und vermutlich auch in den sonstigen Medien nach sich. Das kann man durchaus schon an sich als einen Erfolg ansehen. Auf jeden Fall wird es die Werbeagentur Butter. [der Punkt hinter dem Namen gehört offenbar zu diesem; recht spaßig, dass hier eine Pünktchen-Werbeagentur gegen die Pünktchen-Partei F. D. P. agitiert!] so sehen, welche die von ihr konzipierte Plakatkampagne wie folgt kommentiert (unter diesem Link finden sich auch die -3- Motive und lassen sich mit einem Klick vergrößern; da springt einem der Finanzhai gewissermaßen ins Gesicht; was ihn in meinen Augen noch spaßiger macht):
"Wer eine andere Politik will, muss auch anders dafür werben. Und so startet die SPD mit einer außergewöhnlichen Illustrations-Kampagne in den Europawahlkampf 2009. Denn wo andere vor allem auf generische Phrasen und lächelnde Kandidaten setzen, bietet die SPD lieber klare Ansagen und konkrete Politikangebote. Mit dem Ziel, dass sich die Menschen vor allem inhaltlich mit der Politik der Wettbewerber und dem Angebot der SPD auseinander setzen. Darüber hinaus freut sich BUTTER., dass sich die SPD wieder einmal traut, mutig neue Wege zu gehen. Schließlich entspricht das auch voll und ganz dem Credo der Agentur: Mut zum Unterschied."

Auf einer anderen Webseite gibt Butter noch etwas mehr Butter bei die (Hai-)Fische:
"Mehr SPD für Europa!
BUTTER. gestaltet Plakatkampagne der Sozialdemokraten.
Am 7. Juni ist Europawahl und die SPD startet mit einer außergewöhnlichen Illustrations-Kampagne in den Wahlkampf. "Finanzhaie würden FDP wählen", "Dumpinglöhne würden CDU wählen" und "Heiße Luft würde DIE LINKE wählen" sind die ersten Motive, die in den nächsten Wochen auf tausenden Großflächen und Plakatständern in ganz Deutschland aufgezogen werden. Immer auch versehen mit einem konkreten Politikangebot der SPD, wie zum Beispiel der klaren Regeln für die Finanzmärkte.
"Wir wollen die Menschen durch eine überraschende Kampagne motivieren, sich mit der Politik der Wettbewerber und dem Angebot der SPD auseinander zu setzen, so BUTTER. Kreativchef Frank Stauss. "Und wir sind sehr glücklich darüber, dass die SPD sich wieder einmal traut, mutig neue Wege geht. Da wirkt die Konkurrenz wie ein Aufguss von 80er-Jahre-Kohl-Kampagnen in Stützstrümpfen." Nach Stand der Dinge kommt die Kampagne bei der SPD hervorragend an. Die ersten Auflagen sind schon weg und viele wollen die Motive auch für zu Hause. "Besonders der Finanzhai ist der Renner", so Stauss - "da scheinen wir einen Nerv getroffen zu haben."
Einen Einblick in die Kampagne aus SPD-Sicht gewährt Wahlkampfmanager und Bundesgeschäftsführer Kajo Wasserhövel unter www.wahlkampf09.de.
Weitere Informationen:
Frank Stauss 030/8471245-20 Berlin, 22.04.2009
Die Verantwortlichen der Kampagne.
Kunde:
SPD Parteivorstand
Kajo Wasserhövel (Bundesgeschäftsführer)
BUTTER.:
Kreation:
Frank Stauss (Geschäftsführer Kreation)
Nicolas Höfer (Art Direktor)
Mathias Richel (Texter)
Beratung:
Oliver Lehnen (Geschäftsführer Beratung)
Florian Krumrey (Berater)
"

Die Butter.-Webseite enthält auch einen Artikel aus der Märzausgabe des "Cicero" ("Das Magazin für politische Kultur") über die Parteienwerbung zur Europawahl und die dafür ausgewählten Agenturen; die Version auf der Cicero-Homepage selbst ist allerdings deutlich besser lesbar: "Wir machen den Wahlkampf" von Martina Fietz:
"In einem halben Jahr sind Bundestagswahlen, die Parteien rüsten sich bereits dafür. Cicero hat die Werbeagenturen besucht, in denen die Kampagnen vorbereitet werden, und stellt die wichtigsten Kreativköpfe vor.
Lesen Sie auch:
Alexander Görlach und Constantin Magnis: Obama ist die Benchmark - Deutschlands Politiker proben den Onlinewahlkampf.
"

In der Süddeutschen Zeitung (bzw. auf deren Webseite) vom 27.04.2009 kommentiert Susanne Höll unter "Die SPD und die Ampel":
"Die SPD ist eine wundersame Partei: Ihre Spitze setzt nach der Wahl auf eine Ampel. Doch die Folgen wären absurd.
In Nordrhein-Westfalen wettert sie bei ihrem Landesparteitag gegen die FDP. Im Europawahlkampf stellt sie die Liberalen auf Plakaten als halsloses Monster dar. Eine Fisch-Mensch-Mutation mit Reißzähnen und Glubschaugen personifiziert die Partei von Guido Westerwelle unter dem Motto "Finanzhaie würden FDP wählen". In Berlin wiederum propagieren der Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier und der Vorsitzende Franz Müntefering eine Ampel-Koalition mit Grünen und Gelben als Ziel für die Bundestagswahl.
"
Auch zu diesem Artikel liefert der Finanz-Haifisch-Mensch die Bildillustration.

Etwas schneller als die anderen war wieder einmal Bild.de. Dort schrieben HANNO KAUTZ und ANDREAS THEWALT bereits am 24.04.2009 (das Artikeldatum findet sich - eine Unsitte - nur ganz klein und erst ganz rechts unten): "Wahlkampf SPD schießt sich auf die FDP ein. Krise bringt Strategien in den Parteizentralen durcheinander - Sozialdemokraten preschen vor":
"Als gestern in den Wahlkampfzentralen der Parteien die neuesten Umfragen einliefen, blieb der sonst übliche Alarm aus. Denn in der Krise sind Stimmungsbilder noch vergänglicher als sonst. Entscheiden wird sich auch diese Bundestagswahl auf den letzten Metern. Die entscheidende Frage: Wer spricht die Krisen-Opfer am besten an, wer bekämpft die Krisen-Angst am besten? Das Problem für die Wahlkämpfer: Diese Krise wirbelt die alte Klientelpolitik durcheinander."
Gemeint ist zwar die kommende Bundestagswahl (27. September 2009), aber der Versuchung, das Haifischplakat als Blickfang zu verwenden, konnten die Redakteure denn doch nicht widerstehen.

In der Leipziger Volkszeitung (LVZ) vom 30.04.09 (der Artikel hier auf der Webseite "Presseportal.de") kommt die gescholtene FDP zu Wort: "FDP-Generalsekretär Niebel greift SPD wegen deren NPD-ähnlichem Plakat gegen die Finanz-Haie an: "Steinmeier sollte sich schämen":"
"Für Empörung bei der FDP sorgt die jüngste SPD-Plakat-Kampagne zur Europawahl, bei der die Sozialdemokraten unter anderem den Slogan verbreiten, "Finanzhaie würden FDP wählen" und das mit einem Hai-Kopf bildlich unterstreichen. Ein vergleichbares Plakat, mit einem abgebildeten Hai und dem Spruch "Finanz-Haie stoppen", gehört zum bekannten Propaganda-Arsenal der rechtsradikalen NPD."

Ein Nicolas Marschall titelt "Finanzhaie und andere Sozis" in seinem Blog Eintrag:
"Dieses Fundstück aus Facebook wollte ich Euch nicht vorenthalten. Es stellt ein aktuelles Wahlplakat der SPD einem NPD-Plakat gegenüber, das erschreckend ähnlich argumentiert. Kommentar des Fotografen: “Im direkten Vergleich wird die intellektuelle Kraft der Sozialisten erst erkennbar"."
Leider postet Marschall keinen Link zum Facebook, zeigt aber Bilder beider Plakate. Die NPD-Wahlwerbung "Finanz-Haie stoppen" arbeitet mit einem 'richtigen' Hai; sonderlich bedrohlich wirkt der auf mich freilich auch nicht; eher etwas verängstigt. So, wie es die Finanzhaie jetzt tatsächlich sind; den HRE-Investor Christopher Flowers vielleicht ausgenommen, der lieber den Steuerzahler enteignen möchte, als seine Aktien der eigentlich bankrotten Hypo Real Estate Bank dem Staat zu überlassen, wofür er sogar noch eine Vergütung erhalten soll. (Im Grunde ist es eine Unverschämtheit unserer Regierung gegenüber den Steuerbürgern, den Eigentümern noch Geld für die Übernahme der Anteile an Pleitefirmen zu zahlen; man hätte die HRE in die Insolvenz schicken sollen!)

Im Forum "Wallstreet Online" hat jemand ebenfalls die SPD-Wahlprovokation gepostet; auch hier gefolgt von einer umfangreichen Diskussion. Eingestellt am 30.04.09 hat es bis jetzt (1.5.09, ca. 17.00 Uhr) schon 55 Folgekommentare ausgelöst.

Bei so viel Resonanz werden die SPD und von ihr beauftragte Werbeagentur Butter. vermutlich alles in Butter finden.


Nachtrag 04.05.09:
In einem "Fachblog" namens "Design Tagebuch" bewertet auch der Diplom-Designer Achim Schaffrinna u. d. T. "SPD Wahlplakate zur Europawahl" die Plakate (vom rein werbefachlichen Gesichtspunkt her) positiv:
"Zwischen den anderen Motiven ragt der Illustrationsstil deutlich hervor. Die Kampagne möchte offenbar provozieren und soll der Europawahl Auftrieb verschaffen und die Menschen an die Wahlurnen locken (Wahlbeteiligung 2004: 43%). Gemeinnützig ist der plakative Ansatz dann aber wohl doch nicht. Natürlich möchte sich die SPD gegenüber ihrer Konkurrenz positionieren und – interpretiert man die Motive – distanzieren. Gestalterisch gelingt ihr das jedenfalls. Auch die Provokation ist, wie man liest, auf fruchtbaren Boden gefallen…".
Der Eintrag vom 30.04.09 hat bis jetzt schon 72 Kommentare nach sich gezogen.


Nachtrag 06.05.09
Die NPD-Fraktion im Sächsischen Landtag tönt: SPD plagiiert ganz offen werbliche Linie der sächsischen NPD. Bundes-SPD klaut sächsisches NPD-Kampagnenmotiv."


Nachträge vom 11.05.09:
Auf "Welt Online" vom 3.5.09 geht Ulf Poschardtin die Vollen: "Im braunen Sumpf gefischt":
"Wer Wähler im Wahlkampf mit Tieren vergleicht, verroht die politische Kultur des Landes. Außerdem drohen Plagiatsvorwürfe vonseiten der NPD. So erging es der SPD mit ihrer Kampagne."
Und der Schluss des Artikels:
"Die kulturelle Erosion der SPD geht in ihr viertes Jahrzehnt. Mit Plakatkünstlern wie Klaus Staeck stand die SPD in den frühen 70er-Jahren vorläufig zum letzten Mal ästhetisch in Kontakt mit dem Zeitgeist. Seither bleibt der SPD-Wahlkampf ebenso trivial wie der seiner Konkurrenz. Dass man von der SPD immer noch enttäuscht wird, hat mit ihrer großen Geschichte zu tun. Von ihr stets mehr zu verlangen ist eine Verneigung vor ihrem Erbe, das die Enkel nicht mehr zu pflegen vermögen."

In der Berliner Zeitung vom 11.05.09 schreibt Olivia Schoeller "Wahlkampf mit Hai und Wums":
"Hauptsache Aufmerksamkeit: Bei der Europa-Kampagne probieren die Parteien neue Formen."
Dazu sind 6 Fotos mit Wahlplakaten abgebildet, darunter auch das sonst selten gezeigte der Grünen.
Vor allem aber verstehe ich angesichts des ebenfalls dort gezeigten CDU-Plakats für Joachim Zeller (“Berlins Stimme in Europa”), warum dieses im "Sprengsatz" ("Das Politik-Blog aus Berlin") unter der Überschrift "Europa-Wahl: Haie und weiße Schimmel" so kommentiert wird:
"Wenn ich nachts in Berlin mit dem Hund Gassi gehe, lauert mir ein finsterer, bärtiger Mann auf. Joachim Zeller heißt diese dunkle Gestalt, die mir von einem Plakat droht, “Berlins Stimme in Europa” zu sein, wenn ich CDU wähle. Vielleicht muss man denen in Brüssel tatsächlich ein bißchen Angst einjagen, aber gleich so viel ... ."

Horizont.net, das "Portal für Marketing, Werbung und Medien", greift diese Werbekampagne natürlich ebenfalls auf. Die Kampagnenbewertung, meist wohl Stimmen von Branchenprofis, ist sehr positiv (derzeit 101 Stimmen, 5 Sterne).

Auf dieser Fachseite erfahren wir auch von einer Gegenwerbung der FDP:
"FDP-Plakat zur Europawahl 2009 'Pleitegeier' ":
"Nach der Attacke der SPD mit dem Plakat "Finanzhaie würden FDP wählen" kontern die Freidemokraten mit dem Motiv "Pleitegeier würden SPD wählen". Dieses ist zunächst nur auf der Website FDP.de zu sehen. Später sollen Plakate folgen, die allerdings nur in der Hauptstadt Berlin aufgestellt werden. Agentur: Weigert Pirouz Wolf, Hamburg."
Das FDP-Konter ist mit Anklicken größer zu sehen.
Diesem Plakat gibt die Kreativbewertung aber nur einen Stern (47 Stimmen).


Nachtrag 12.05.09:
Der Blogger Andreas Grieß attestiert in einem Eintrag vom 25.04.09 der SPD-Wahlwerbung unter der Überschrift "Europawahl-Wahlplakate der SPD – Wen Finanzhaie, heiße Luft und Dumpinglöhne wählen würden" immerhin Aufmerksamkeitswert:
"Auf alle Fälle heben sich die Plakate ab und haben in meinen Augen einen gewissen Unterhaltungsfaktor. Bemerkenswert ist, dass es kein Plakat gegen die Grünen gibt."
Am 08.05.09 hat er (Danke!) sogar ein unter Verwendung der Plakatmotive gedrehtes SPD-Wahlvideo bei YouTube entdeckt und dieses in seinen Blott "SPD- Wahlwerbespot zur Europawahl" eingebunden:
"Den Finanzhai, die heiße Luft und die Dumpinglöhne gibt es nun auch in bewegten Bildern! Vor kurzem hat die SPD einen ihrer Wahlwerbespots veröffentlicht.".
Insgesamt hält er den Spot für gut. Auch ich halte ihn für ganz lustig und finde es auf jeden Fall konsequent, diese in der Öffentlichkeit nun schon recht bekannten Motive auch auf anderen Medien als nur Plakaten zu benutzen.


Nachträge 13.05.09:

Ganz spaßig ist die Formulierung mancher Suchanfragen in Sachen 'Haifisch-Plakate'; zum Beispiel (Suche jeweils ohne Anführungszeichen):
- "Die Haifische werden FDP waehlen";
- "Alle Haie würden FDP wählen"


Auch in Waldhessen (wo immer das liegen mag) diskutiert man über die SPD-Plakatkampagne. Der "Kreisanzeiger" schreibt in der Rubrik "Lokales":
"Ärger um Wahlplakate. Heiderich: SPD stärkt Politikverdrossenheit". Auszug:
"Waldhessen. „Armutszeugnis“, „Entgleisung“, „Gefahr für die politische Kultur“ – Der Wahlkampfauftakt der SPD hat bundesweit hohe Wellen geschlagen. Auch in Waldhessen sorgen die Plakate, in denen die SPD den politischen Gegner als Dumpinglohn-Befürworter und Finanzhaie verunglimpft, für Unmut."


Nachträge 29.05.2009

Auf der (mir sonst nicht näher bekannten) Webseite dnews.de schreibt ein STEPHAN KAUFMANN am 14.05.09 über "Die SPD und der Finanzhai":
"Die Sozialdemokratie vergisst gern, dass sie den Spekulanten in der Vergangenheit so manche Barriere aus dem Weg geräumt hat" und erläutert dies in seinem Artikel im Detail. Informativ!

In einem Blog "gruenzeug.de" der Grünen in Baden-Württemberg heißt es (mit einem entsprechend modifizierten SPD-Wahlplakat): "Kröten würden Grüne wählen". Ich freilich würde einen anti-Grünen Wahlslogan anders formulieren: "Wer Grüne wählt wird Kröten schlucken."

Das Münchner Abendblatt (12.05.2009) hat einen Politologie-Professor befragt. Der meint: "Wahlplakate für Europa: 'Könnten kreativer sein'."
"Die Parteien blasen zur Schlussoffensive vor der Europawahl. Kaum irgendwo gibt's ein Entkommen vor den aggressiven Plakaten der SPD, dem Bandwurmslogan der CSU, der gelbe[n] Silvana und dem grünen Wums. Die AZ hat den Politikprofessor und Wahlkampf-PR-Experten Gerd Strohmeier (34) um seine Analyse gebeten."
Immerhin: abgebildet ist natürlich auch hier das Haifisch-Plakat der SPD.






Nachtrag 22.06.2011
Wegen der Griechenland-Bailouts hänge ich meinen Blog-Einträgen aktuell ein "populistisches Manifest" an. Älteren Einträgen i. d. R. nicht, aber vorliegend passt es doch gar zu gut, um auf eine solche Ergänzung zu verzichten [und außerdem wird dieser Eintrag noch heute immer wieder von Lesern aufgerufen ;-) ]:
ceterum censeo
POPULISTISCHES MANIFEST:
Ein Gespenst geht um in Deutschland - das Gespenst einer europäischen Transferunion.
Im Herzland des alten Europa haben sich die Finanzinteressen mit sämtlichen Parteien des Bundestages zu einer unheiligen Hatz auf die Geldbörsen des Volkes verbündet:
·       Die Schwarzen Wendehälse (die unserem Bundesadler den Hals zum Pleitegeier wenden werden);
·       Die Roten Schafsnasen (vertrauensvoll-gutgläubig, wie wir Proletarier halt sind),
·       Die Grünen Postmaterialisten (Entmaterialisierer unserer Steuergelder wie unserer Wirtschaftskraft),
·       Die machtbesoffenen Blauen (gelb vor Feigheit und griechisch vor Klientelismus), und selbstverständlich auch
·       Die Blutroten (welch letztere die Steuergroschen unserer Witwen, Waisen und Arbeiter gerne auflagenlos, also in noch größerer Menge, gen Süden senden möchten).
Wo ist die Opposition im Volke, die nicht von unseren Regierenden wie von deren scheinoppositionellen Komplizen als Stammtischschwätzer verschrien worden wäre, wo die Oppositionspartei, welche sich der Verschleuderung der dem Volke abgepressten Tribute an die europäischen Verschwendungsbrüder wie an die unersättlichen Finanzmärkte widersetzt hätte?
Zweierlei geht aus dieser Tatsache hervor:
Das Volk wird von fast keinem einzigen Politiker als Macht anerkannt.
Es ist hohe Zeit, dass wir, das Volk, unsere Anschauungsweise, den Zweck unserer Besteuerung und unsere Tendenzen gegen die fortgesetzte Ausplünderung durch das Finanzkapital bzw. durch die Bewohner anderer Länder und durch seine/deren politische Helfershelfer vor der ganzen Welt offen darlegen und dem Märchen von dem grenzenlosen Langmut der Deutschen den Zorn des Volkes selbst entgegenstellen.



Textstand 22.06.2011. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen
Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

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Montag, 20. April 2009
 
Bad Herrenalb im Schwarzwald: La Balconissima!
Nun ja: die Zahl der Sehenswürdigkeiten in Bad Herrenalb ist doch sehr überschaubar.

Zwar liegt dort
ein Paradies; aber das ist genauso

kaputt wie heutzutage alle ehemaligen Paradiese (oder was wir dafür gehalten haben) auf der Erde.



Doch wir sind zäh und


krallen uns fest in dieses unser Urlaubsziel für eine kurze Erholungsreise "zwischen den Jahren" und über Neujahr 2008/2009.
(Ooops - da habe ich doch ganz beiläufig schon eine gewaltige Sehenswürdigkeit eingeführt: die Wunderkiefer, welche sich auf einem Tor zum Paradies angesiedelt hat. So ist das halt: wat dem einen sin Ruin, ist dem annern sin Gewinn!





Die Fähigkeit der Stadtverwaltung zur optischen Vermarktung dieses Kurortes ist (wie bei vielen anderen Fremdenverkehrsorganisationen auch) eher unterentwickelt; was der Fotograf selbst aus einem solchen eher unspektakulären Ort herausholen kann zeigt der Lokaljournalist Horst Becker auf seiner Homepage.
Und was ich draus gemacht habe, zeige ich hier.

Das in meinen Augen besonders hervorstechende Element der Gebäude in diesem Bad sind die Balkone.
Mag auch die Stadt nicht die "Serenissima" sein: "Balconissima" ist sie allemal. Was die nachfolgenden Fotos beweisen sollen.
Einen Schönheitspreis werden meine Schnappschüsse nicht erringen; bei anderen Witterungsbedingungen (z. B. Schnee), bei Sonnenschein oder zu einer anderen Jahreszeit wären die Aufnahmen vielleicht attraktiver geworden. Immerhin demonstrieren sie aber, dass in Bad Herrenalb beinahe jedes Haus einen, meist sogar mehrere, oft liebevoll gestaltete Balkons hat:















In dieser alten Villa domiziliert ein griechisches Restaurant, das "Dionysos" (mit eigener Homepage). Da es nicht an der Hauptstraße liegt (aber auch nicht weit entfernt!), muss es seine Kunden über Qualität und Preis anzulocken suchen; in der Tat ist dort das Essen vorzüglich und, jedenfalls die Mittagskarte für die Werktage, auch preiswert.


Die Räume sind geschmackvoll dekoriert; das ist freilich nicht ganz ungewöhnlich bei griechischen Restaurants. Einen Ouzo zur Verdauung spendierte das Haus bei unseren beiden Besuchen außerdem; auch das findet man nicht ganz selten "beim Griechen" (preiswerte Mittagsmenüs dagegen deutlich seltener).
An meinem Geburtstag bekam ich der Ouzo sogar zween; den 2. freilich weder vom Haus noch wegen meines Geburtstages, sondern von einem Gast, der Nichttrinker war.

Auch ein anderes Geburtstagsgeschenk, an anderer Stelle und ganz anderer Natur, fiel mir durch Zufall in den Schoß. Just an diesem Tag nämlich besuchten wir die evangelische Gemeindebücherei. In dieser Bibliothek lagen ältere Merianhefte stapelweise zum Mitnehmen. Ich muss gestehen, dass ich das Heft über den Südschwarzwald verschmähte und nur drei Hefte über das Land Salzburg mitnahm: Salzburger Land, Salzkammergut und Pinzgau. (Die Salzburger Alpen sind halt doch ein klein wenig reizvoller als der Schwarzwald ;-); im übrigen könnte ich dort auch gewissermaßen Heimatrechte geltend machen, stamme ich doch mütterlicherseits von Salzburger Exulanten ab.)
[Was sagt uns das über die Kommune, wenn wir feststellen, dass wir auf deren Webseite das Stichwort "Bücherei" vergeblich suchen??? Oder auch über die Kurgäste, die wahrscheinlich nicht nach diesem Stichwort suchen?]

Da wir aber zuvor über Gastronomie sprachen, will ich an dieser Stelle auch noch das Eiscafé La Vita, Inhaberin Barbara Russo, lobend erwähnen. Obwohl die Inhaberin eine Deutsche ist, schmeckt dort der Expresso wie in Italien. Der Sägwasenplatz 1 liegt am Rande des (riesigen) ehemaligen Klosterkomplexes; eigentlich zentral im Ort, aber doch wiederum abseits vom Verkehr und bleibt daher terra incognita für jene, welche sich nicht mehr als 100 m von ihrem Auto entfernen mögen. Die wissen nicht, was sie verpassen; außer dem Kaffee auch auch einen Blick in einige Bildbände von Antoni Gaudí, den großen Jugendstil-Architekten in Barcelona, den Frau Russo ebenso mag wie ich.


Wer sich mit einem deutschen Kaffee zufrieden gibt, und dazu günstig ein großes Stück guten Kuchen genießen möchte, der ist, während der Ladenöffnungszeiten, sogar auf der Hauptstraße (in diesem Abschnitt "Kurpromenade" genannt - nun ja ...) bestens bedient, nämlich in
dem Bäckereicafé Fricke Bäck, ungefähr gegenüber dem Kurhaus gelegen. Voraussetzung ist allerdings, dass man überhaupt einen Sitzplatz bekommt, denn in dem kleinen Raum stehen nur 3 oder 4 Tische. Die Kunstpalme draußen war nicht gerade jahreszeitgemäß; drinnen war aber eine phantasie- und liebevolle Weihnachtsdekoration zu bewundern.

Auch sonst war die ganze Stadt noch weihnachtlich dekoriert,
was natürlich am Abend besonders stimmungsvoll wirkte.











Kehren wir indessen zu den Häusern und Villen des Badeortes Herrenalb zurück:

Hier ist sogar die ganze Rathaus-Rückseite mit einem Flechtwerk von Balkonen überzogen.


In der Mitte dieses langen Gebäudes, das neben dem Rathaus u. a. auch das Fremdenverkehrsbüro beherbergt, verbindet ein
Torbogen die Stadt mit dem ausgedehnten Gelände der ehemaligen Möncherei, äh, ich meine, dem ehemaligen Mönchskloster, hier auf der Webseite der Katholischen Kirchengemeinde St.Bernhard Bad Herrenalb, St. Lukas Dobel und St. Theresia Loffenau erfährt man mehr über die Geschichte dieses ehemaligen Zisterzienserklosters "Alba Dominorum". Aber auch die evangelische Kirche, die heute einen relativ jungen und nicht besonders spektakulären (sowie im Vergleich zur Klosterkirche deutlich kleineren) Kirchenbau nutzt, der 1739 unter Verwendung der Chormauern der alten Klosterkirche errichtet worden war, informiert über die Historie der Zisterzienserabtei.
(Ganz in der Nähe von Bad Herrenalb bestand übrigens auch ein Nonnenkloster: Frauenalb.)


Einen chronologischen Überblick über "unser" Kloster bietet
diese Informationstafel auf dem ehemaligen Klostergelände. Ein großer Teil davon, direkt hinter dem Rathaus, ist nur locker bebaut und macht einen
parkähnlichen Eindruck.



Das dort stehende Heimatmuseum, selbstverständlich gleichfalls
balkongeziert, konnten wir aus Zeitmangel leider nicht besuchen.


Dafür zeige ich hier
noch ein besonders eindrucksvoll mit Balkonen bzw. Veranden ausgestattetes Haus auf dem alten Klostergelände, dessen beide anderen Eckveranden wir

auf diesem Foto von der Hauptstraße (Gernsbacher Str.) her sehen.






Großartige alte Bauten sucht man hier, mit Ausnahme der eingangs erwähnten einstigen Vorhalle ("Paradies") der seinerzeitigen Klosterkirche, vergebens: die Schweden-Truppen haben im 30jährigen Krieg mit den Bauwerken ziemlich gründlich 'aufgeräumt'.
Teile der einst den Klosterkomplex schützend umschließenden Mauer sind allerdings hie und da noch sichtbar und ein sehr altes (durchaus ansehnliches) Gemäuer ist die einstige Klosterscheuer (Scheune), jetzt gleichnamiges Restaurant.
Einige Fotos auf der Homepage des Lokals vermitteln einen Eindruck vom romantischen Ambiente dieser Lokalität. Billig ist das Essen dort natürlich nicht, aber, wie ein Blick auf das Menü zeigt, im Verhältnis zum Gebotenen keineswegs teuer. Wer viel reisen will muss indes wenigstens manchmal knausern und so versagten wir uns einen Besuch; ohnehin war unsere Zeit knapp, denn unser Aufenthalt dauerte nur von Sonntag, 28.12.08, bis Samstag, 03.01.2009, und darin waren auch zwei Tagesausflüge nach Baden-Baden und Karlsruhe enthalten.


Die protestantische Kirche (Außenansichten s. o.; eine künstlerisch anspruchsvolle schwarz-weiß-Aufnahme des Innenraums hat Petra V bei der "Fotocommunity" eingestellt) hatte ich bereits oben als wenig erwähnenswert erwähnt; bemerkenswert ist allerdings das
Grabmal des badischen Markgrafen Bernhard I., von

diesem Dämonen dauerhaft bewacht.










Wir verlassen indes das Klostergelände, um rasch noch einige Balkon-Bilder in den Kasten zu bringen (die Idee zu diesem "Leitmotiv" war mir erst später im Laufe unseres Aufenthalts gekommen). Diese prächtige Villa berherbergt(e?) das italienische Restaurant "Germania da Pietro" und liegt am Sägwasenplatz 10, also gleich bei der oben gepriesenen Eisdiele "La Vita".


Ein Haus in der Nähe birgt im Erdgeschoss das Restaurant "Villa Lina". Dort kann man freilich nicht im üblichen Sinne einkehren; vielmehr kann man diese "Event Location" einschließlich Küche tageweise für private Feste mieten. Wer das nötige Kleingeld hat, kann ja auch einen Starkoch dazu engagieren.




Keine schlechte Idee, wenn man mal so richtig feiern will (und sich das leisten kann); mich allerdings interessiert das Haus wegen der Balkons. Hier zwei Aufnahmen mit Details der verschnörkelten Eisenbrüstungen:








Oh, alte Hotel-Herrlichkeit - wohin bist du entschwunden? Das Gebäude des ehemaligen Mönchs-Posthotels, das mit der Klosterschänke eine Gruppe bildet (fremde Aufnahmen z. B. hier und da), verzichtet natürlich auch nicht auf zahlreiche Balkons.


Die "Klosterschänke" in zentraler Lage, derzeit wohl geschlossen, ist ein häufig fotografiertes Motiv in Bad Herrenalb;


aber wir wollten ja noch einige Balkons besichtigen: Das "Landhaus Hindenburg" (oben schon von vorn gezeigt)


und irgendein bescheideneres Gebäude aus der Belle Epoque mit einem malerischen Giebel.





Wenigstens auf dieser Seite hat dieses 'Gelbe Haus' keinen Balkon, erfreut aber die Augen durch seine Farbigkeit, zumal in trüber Winterzeit.


















Von dem nicht allzu großen, aber mit Baumgruppen freundlich gegliederten Kurpark konnte ich selbst keine guten Fotos machen, weil wir nur abends dort waren; dafür hier ein Bildlink zu der gut gelungenen Herbstaufnahme eines Toni Volz auf der Photosharing-Webseite "Fotocommunity".
(Meine Bemerkung betr. Baumgruppen bezog sich auf den alten Park rund um das Kurhaus; ein neuer Kurpark liegt bei der Therme und ist vielleicht etwas größer, aber (vorerst noch?) ohne attraktiven Baumbewuchs.


Keinesfalls vergessen darf ich die Siebentäler Therme [Siebentälertherme, Sieben-Täler-Therme] Hier ein Testreport von 2004 auf der Webseite Ciao (dort eine weitere, sehr detaillierte Beschreibung aus dem Jahr 2007). Interessant, dass im Vergleich zum Jahr 2004 die Wassertemperaturen anscheinend gesenkt wurden: Warmbecken dort 36°, jetzt lt. Angaben auf der Homepage 35°; großes Becken - innen und außen verbunden - jetzt 30° statt damals 32°. Im 30°-Becken muss man sich schon bewegen, wenn man sich (bei kaltem Wetter) dort länger aufhalten will ohne zu frösteln. Nicht nur die Älteren - wie wir - erwärmten sich deshalb zwischendurch gern im kleineren Warmbecken, wo es entsprechend voll war. Noch wärmer (47°) wird einem im "Prießnitz-Dampfbad".
Deutliche Erinnerungen an Details habe ich nicht mehr; und falls ich mir damals Notizen gemacht hatte, sind sie entweder im Papierkorb gelandet oder unter den Papierstapeln mit Notizen und Internet-Ausdrucken vor meinem Bildschirm begraben.
Nachhaltig haften geblieben ist aber das Erlebnis des "Klangbadens". Das allerdings gibt es in zwei Ausführungen; bei unseren beiden Besuchen im Bad haben wir beide erlebt: eine Sparversion, auch ganz nett, wenn man die Vollversion nicht kennt, und eben das 'volle Programm'. Das ist wirklich eindrucksvoll.
Dass man nicht erfährt, wann bzw. nach welchen Kriterien die eine oder andere Version gezeigt wird, hinterlässt allerdings keinen positiven Eindruck. Wenn die Vollversion zu teuer ist, mag man meinetwegen den Preis um 50 Cent oder notfalls auch einen Euro anheben; das Erlebnis ist es allemal wert (nur einen schwachen Abglanz des Erlebnisses vermittelt dieses griesige Bild auf der Webseite von Bad Herrenalb; zur Vergrößerung anklicken!).
Nachtrag 07.05.09: In einem geordneten Haushalt ..... finden sich früher oder später auch die (spärlichen) Notizen über unseren Herrenalb-Urlaub wieder. Zum Thermalbad hatte ich mir notiert:
"Duschen in Kabinen; fehlende Ablage für Seifenschale und Shampooflasche."
Unser erstes Abendbad mit Klangbad am Dienstag, 30.12.08, war nett, aber nicht aufregend.
Wundervoll dagegen das Klangbaden am Freitag, 02.01.09: ein Unterschied wie Tag und Nacht; ein solches Erlebnis hätte durchaus einen etwas höheren Eintrittspreis gerechtfertigt. Eintrittspreis war aber der gleiche wie sonst.


Hinter dem Thermalbad erheben sich übrigens die "Falkenfelsen", ebenfalls sehens- und knipsenswert - wenn man bessere Lichtverhältnisse hat als wir. (Mehrere Fotos hier, eine schöne Aufnahme von der Höhe aus dort; Infos von und für Kletterfreunde(n) mit Landkarten da und dort.)





Wenn man die Zahl der beim Gästeempfang anwesenden Besucher als Maßstab nehmen darf, ist der Zuspruch von Reisegästen zu diesem Bad sehr begrenzt; außer uns waren vielleicht noch 2 oder 3 Kurgäste gekommen.
Entsprechend mechanisch lief denn auch die Begrüßungsveranstaltung ab: Filmchen vorgeführt, das war's.
Es es gibt indes hier eine Reihe von Kliniken, Hotels usw., die doch wohl mehr Übernachtungsgäste beherbergen, als bei dieser Veranstaltung auftauchten. Im übrigen lebt die Gastronomie zum großen Teil wohl auch vom Tagestourismus; insbesondere für die Karlsruher dürfte Bad Herrenalb ein attraktives Ausflugsziel sein, zumal dieser Badeort von dort aus auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln äußerst bequem zu erreichen ist: die 'Eisen-Bahn' fährt als Straßenbahn am Bahnhof vorbei (wir konnten also problemlos umsteigen) und mitten durch Karlsruhe hindurch!
Mehr über die "Albtalbahn" weiß die Wikipedia (in den Wikimedia Commons zahlreiche Fotos) und ebenso dieser "Testbericht" bei Ciao. Die Fahrt eröffnet manchmal noch Blicke in Wiesengründe, Archetypen deutscher Naturwahrnehmung, wie sie einst der berühmte Hans Thoma gemalt hat. (Kein Wunder; schließlich hat der früher in Karlsruhe an der Kunstakademie gelehrt!)



Dennoch: Wenn wir uns von Bad Herrenalb mit einer Träne im Knopfloch trennten, wird das nicht an romantischen Wiesengründen liegen, sondern eher daran, dass es dort eine Villa Wein gibt - gg .


Ebenfalls ein Gebäude aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ist der
Bahnhof in Bad Herrenalb.




Etymologische Aufklärung über die Entstehung des Stadtnamens "Karlsruhe"erhalte ich unterwegs in Busenbach: Kein Wunder, dass Karl nach dem Besuch eines solchen Ortes Ruhe nötig hatte! - gg




Ohne den "Konus" wäre heutzutage kein Reisebericht über den Schwarzwald komplett. Oder das Konus, oder die Konus?
Die Schwarzwald-Tourismus-Info informiert zwar ausführlich über "Konus"; um den bestimmten Artikel drückt sie sich jedoch herum, indem sie von der "Konus-Gästekarte" spricht (an anderer Stelle ist vom "Konus-System" die Rede).
Aber sogar um zu erfahren, wofür der Name "Konus" überhaupt steht, müssen wir die Wikipedia bemühen (deren fleißigen ehrenamtlichen Mitarbeitern dafür gedankt sei, dass sie uns auch zu dieser Frage nicht im Stich lassen): "Kostenlose Nutzung des ÖPNV im Schwarzwald" lautet die Langversion von "Konus".
Man müsste also korrekt wohl von "der" Konus sprechen; den weiblichen Artikel legt auch der Umstand nahe, dass die Gästekarte hier als Fahrkarte dient.

Grammatik beiseite, war (neben der Therme) die Konus für uns jedenfalls ein wesentlicher Anreiz, in Bad Herrenalb zu 'kur(z)lauben', verhieß sie doch kostenlose Busfahrten nach Baden-Baden. Ich will nicht verschweigen, dass diese Stadt das eigentliche Ziel unserer Begierden war. In Baden-Baden sind freilich bezahlbare Ferienwohnungen rar, zumal über den Jahreswechsel. Die Busverbindung von Bad Herrenalb über den (sehr malerischen) Ort Gernsbach (den wir allerdings schon früher von Baden-Baden aus besucht hatten) ist vorzüglich; trotzdem sind wir nur einmal gefahren.
In Richtung Karlsruhe gilt die Konus immerhin bis Ettlingen; die Differenz muss man halt zuzahlen.
[Gut möglich, dass uns die "Konus" auch wieder einmal nach Badenweiler locken wird. Von dort könnten wir nämlich gratis nach Bad Bellingen und Bad Krozingen fahren (um dort die Thermal-Solebäder zu nutzen), sowie nach dem allemal sehenswerten Freiburg im Breisgau.]



Zurück aber nun zu Bad Herrenalb:
Summa summarum war (auch wenn wir zu unserer Ferienwohnung eine steil ansteigende Straße hinaufklettern mussten) unser Kurzurlaub im Nordschwarzwald erholsam und erinnernswert.


[Stichworte: Reisebeschreibung, Reiseerlebnisse, Urlaubsbericht, Urlaubsbeschreibung, Urlaubserlebnisse]


Nachtrag 04.04.2010:
Die Reichweite der "Tägs" ist leider eng begrenzt; wer unten den Täg "Thermalbaeder" anklickt, bekommt lediglich die neuesten Einträge zu sehen.
Aus diesem Grunde habe ich meine Thermen-Schilderungen (die allerdings nicht immer sehr detailliert sind, bzw. bei denen die Blotts nicht immer auf die Thermenbesuche fokussieren) in einem eigenen Blott "Thermenwelt: Thermen der Welt (well: meiner Welt, also Thermalbäder in Deutschland)" verlinkt.




Textstand vom 04.04.2010. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
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Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

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