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CANABBAIA
Samstag, 29. August 2009
 
Google feiert Michael Jacksons Geburtstag (29.08.1958). Nicht in den USA (Google.com), aber für einen großen Teil der Welt ist er noch gut genug
Und wenn er nicht gestorben wäre (am 25.06.2009), wäre er heute 51 Jahre alt geworden: Michael Jackson, "King of Pop", geboren am 29.08.1958.

Google ehrt ihn deshalb heute mit einem veränderten Firmenlogo (wie zuletzt zur 400jährigen Wiederkehr der Erfindung des Teleskops durch Galilei). Fährt man mit dem Cursor über das Logo, erscheint der Text "Geburtstag von Michael Jackson", und ein Mausklick ruft den Suchbegriff Michael Jackson auf (hier das Wikipedia-Stichwort).

So jedenfalls in Deutschland, aber auch in zahlreichen anderen Ländern der Welt (z. B. China, Großbritannien, Indonesien, Italien, Japan, Kanada, Mexiko, Niederlande, Russland, Spanien, Türkei .....).












Allerdings: auf einer ganzen Reihe von anderen lokalen Google-Suchseiten fehlt das Michael-Jackson-Logo. Zum Beispiel in Polen, Tschechien, Frankreich und auf den frankophonen Seiten für Belgien und die Schweiz, wo es jedoch auf den flämisch- bzw. deutschprachigen Versionen erscheint.
Vor allem aber erscheint es auf der Mutterseite von Google nicht, also NICHT IN DEN USA!






Dort hatten die Vorwürfe der sexuellen Belästigung von Kindern (Knaben) Michael Jacksons Ansehen stark in Mitleidenschaft gezogen.

Aber für den Rest der Welt ist ein in Amerika längst abgetakelter Künstler offenbar noch allemal gut genug.

Was sagt uns das über Google?

Und was sagt mir das über meine Mitbürger? Michaels Fans werden den Vorwürfen keinen Glauben schenken, wonach er ein Kinderschänder gewesen sein soll. Oder es ist ihnen gleichgültig.

Tatsächlich war z. B. im antiken Griechenland die Päderastie (hier der Wikipedia-Eintrag) gesellschaftlich durchaus akzeptiert (zumindest in Kreisen der Intellektuellen; das muss nicht heißen, dass sie es auch in der breiten Bevölkerung war).

Man muss auch der aktuellen Welle der Pädophilen-Verfolgung (Pädophilie ist die geschlechtliche Neigung zu Kindern, Päderastie die sexuelle Neigung speziell zu Jungen) nicht unkritisch gegenüber stehen. Als Beispiel für eine m. E. berechtigte kritische Distanz verweise ich auf den den Bericht "Justizirrtum. Inquisitoren des guten Willens" von Sabine Rückert in DIE ZEIT, 11.01.2007 Nr. 03:
"Wegen eines erfundenen Missbrauchs mussten zwei Männer ins Gefängnis. Die Justizirrtümer enthüllen die Ideologie eines fehlgelaufenen Feminismus. .....
Die wahnhafte Fixierung auf den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen erfasste in den neunziger Jahren die gesamte Gesellschaft, .....
Die Gepflogenheit, überall Kindesmissbrauch zu wittern, ihn mit großer Entschlossenheit aufzudecken und das Aufgedeckte strafrechtlich zu verfolgen, war in den achtziger Jahren in den Vereinigten Staaten zu einer regelrechten Zwangsvorstellung geworden und bald nach Europa herübergeschwappt. .....
Auch in Deutschland wurde der Kreuzzug gegen den Missbrauch geführt. Wer beruflich mit Kindern zu tun hatte, lebte gefährlich. Er stand im permanenten Verdacht, sich an ihnen zu vergreifen
."
Die Frage muss erlaubt sein, aus welchem Grund sich unsere Gesellschaft heftiger über die im Verhältnis eher wenigen Fälle von Kindesmissbrauch echauffiert, während gleichzeitig die Organisierte Kriminalität sich von der Öffentlichkeit weitgehend unbeobachtet ausbreiten kann (vgl. z. B. den Zeit-Artikel "Organisiertes Verbrechen. Die Mafiosi von nebenan" von Petra Reski | © DIE ZEIT, 13.08.2009 Nr. 34:
"Vor zwei Jahren richtete die italienische Mafia in Duisburg ein Blutbad an – eine Art Betriebsunfall. Gewöhnlich agieren die Clans unauffällig, ihre Geschäfte betreiben sie in ganz Deutschland. Und die Polizei ist machtlos."
Ausführlicher dürfte der Bericht "Organisiertes Verbrechen. Italienische Mafia wird in Deutschland heimisch" sein, der aber vollständig nur in der Druckausgabe erschienen ist.)

Gleichwohl denke ich, dass man Michael Jackson als Künstler anerkennen und respektieren kann, seine menschlichen Defizite (selbst wenn sie in Problem seiner eigenen Kindheit begründet gewesen sein mögen) aber nicht allzu großzügig übersehen sollte. Einen Kult um seine Person zu treiben, wie das Google mit dieser Ehrung tut, halte ich für überzogen und unangebracht. Hier dürfen wir tun, was ich in anderen Zusammenhängen gelegentlich vehement kritisiere: von Amerika lernen, die USA kopieren.


Nachtrag 04.09.2009
Zur Ehre meiner Mitbürger (und umgekehrt zur größeren Schande für die Suchmaschine Google, die einen Hype um etwas gemacht hat, was die Menschen objektiv ohnehin nicht betrifft, was aber offenbar auch subjektiv gar nicht so viele Menschen hier interessiert) trage ich nach, dass bisher noch niemand mit einer Sucheingabe mit dem Stichwort Michael Jackson in diesen Blott gekommen ist.


Nachtrag 15.03.2010
Interessant, wie unterschiedlich man ein Thema anfassen kann. Der Wiener (Wissenschaftler und) Blogger Alexander Schatten schreibt in seinem Blog "(an)sichten" unter dem 09.07.2009 im Eintrag "Michael Jackson und die Macht des Gemeinsamen" über die (sage ich mal unspezifisch:) Jackson-Sache u. a.:
"Der Mensch sehnt sich nach Bestätigung und Geborgenheit. Da wir aber nicht mehr in der Kleingruppe rund ums Feuer sitzen, übernehmen moderne Medien und Kommunikationstechnologien diese Rolle. Wenn Millionen Menschen sich über MJ "informieren" oder entsprechende Tweets loslassen, interessiert sie nicht wirklich MJ sondern das Gemeinschaftserlebnis. .....
Die Inhalte die "Fernsehen", Radio, Magazine oder "Soziale Netzwerke" übermitteln, das ist meine Theorie, dienen häufig nur als Klebstoff für Gemeinschaft, als gemeinsame Wellenlänge. Man kann sie als "Trägerwelle" der Gruppendynamik sehen, als Trägerwelle die alle möglichen persönlichen Beziehungen transportiert. Und es gilt hier dasselbe wie (technisch betrachtet) bei Funk oder Radio: wir sind nicht an der Trägerwille (100MHz) interessiert, sondern an der darüber transportieren Information.
Die eigentlichen Inhalte (Michael Jackson) in diesen Beispielen sind für die Beteiligten reichlich irrelevant. Die Tatsache, dass es gemeinsame Inhalte sind, und dass jeder "Beteiligte" das Gefühl hat an einem großen Ereignis teilzunehmen ist aber bedeutsam. Wir bedienen uns der Inhalte um über etwas zu sprechen, etwas gemeinsam zu haben, etwas zu teilen, was uns nicht wirklich interessiert, dabei aber unsere Gemeinsamkeit darzustellen und uns auch unserer Zusammengehörigkeit zu versichern. Diese Inhalte sind also die Trägerwelle modernen sozialer Interaktion.
"
Da ist wohl was dran. Sogar ich habe einige Minuten vor dem Bildschirm gestanden, damals im Hauptbahnhof in Karlsruhe, als Lady Di beerdigt wurde.
Das aber vielleicht hauptsächlich deshalb, weil der Zuges noch nicht fuhr.







Textstand vom 15.03.2010. Auf meiner Webseite
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Sonntag, 16. August 2009
 
2000 Jahre nachdem Arminius Deutschland von den Römern befreit hat, will uns die Piratenpartei vom Kreuz der Räumer erlösen!
Sie sind ein Kreuz, die Politiker welche im Internet aufräumen wollen.


Gegen deren Pläne zur Internetüberwachung, wie auch gegen andere Übel, kämpft tapfer die Piratenpartei; heute z. B. der Landesverband Rheinland-Pfalz mit einem Wahlkampf-Stand in Mainz in der Emmeransstraße / Ecke Pfandhausstraße.
Mainz? Piraten? Aber klar doch: Hier haben ja schon die Römer gegen germanische Freibeuter gekämpft, vermute ich zumindest. Jedenfalls ist an Römerschiffen so einiges bis heute erhalten geblieben. Mainz ist also ein durchaus passendes Terrain für politische Netsurfer. Zumal schon einmal von Mainz eine Revolution der Kommunikationstechnik ausging.





Wird der tapfere Kämpe (gemeinsam mit seinen Mitkämpfern und Mit-Kämpinnen) den Zensurdrachen (den freilich erst ein rechter Mausklick zu rechter Größe erhebt) zernichten?



















Oder wird für unseren Schorsch (so nenne ich mal den Mann hinter der Fahne) der 27.09.2009 sein "letzter Tag in Freiheit" gewesen sein?*















Der Blogmeister bangt mit allen Freibeutern für die gerechte Sache und drückt, wie bereits in einem früheren Blott, diesen Piraten die Daumen!



* Wichtiger Hinweis: Die beiden auf dem Foto sichtbaren Personen haben an sich mit der Piratenpartei nichts zu tun. Vielmehr gehörten sie zu einer Gruppe, die einen Junggesellenabschied feierte; der 'Knacki' dürfte der Bräutigam sein. Für ihre ("Ihre") freundliche Mitwirkung bei dieser historischen Aufnahme sage ich herzlich Dank!

(Die Frau mit der Leine auf dem T-Shirt der von der Freiheit Abschied Nehmenden passt auch ganz gut zur aktuellen Debatte, gell Ursula?)




Textstand vom 16.08.2009. Auf meiner Webseite
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Samstag, 15. August 2009
 
CDU: Wir haben die Kraft .....
..... Aber liebe Leute: wie soll ich denn mitten in der zweiten Weltwirtschaftskrise eine zusätzliche Kraft einstellen?










..... Doch dauert eure Macht und eure Herrlichkeit hoffentlich nicht bis in alle in Ewigkeit. Amen!










..... Ihr habt Kraft? Dabei seid ihr sogar zu schwach, eure Wahlplakate glatt zu kleben!















Wahlplakate der CDU mit dem Konterfei von Angela Merkel. Gesehen am Samstag, 15.08.09 in Mainz am Kaisertor (also am Ende des Mainzer Flohmarktes, lokal "Krempelmarkt" genannt).




Textstand vom 17
6.08.2009. Auf meiner Webseite
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Donnerstag, 13. August 2009
 
Internetzensur: CDU macht Wahlkampf für Piratenpartei!
"Datenschutz. Regierung erwägt rückverfolgbaren 'Internetausweis' für alle" behauptet Achim Sawall auf ZEIT ONLINE, golem.de vom 11.8.2009:
"Mehr Überwachung für das Chaos im Internet wünscht sich die Union. Unter anderem mit Hilfe eines neuen Ausweises, der jeden identifizierbar macht."
Sawall bezieht sich auf die Meldung "Regeln im Netz. CDU fordert eine Internet-Polizei" der Rheinischen Post (RP) vom ?, zuletzt aktualisiert am 11.08.09.

Die Regierung bestreitet, meldet der Heise Online-Artikel "Kanzleramtschef fordert "Verkehrsregeln im Internet"" vom 10.10.2008.

Dieser Meldung entnehme ich einen Link zu dem Interview der Rheinischen Post "Interview mit Kanzleramt-Chef. Schärfere Regeln fürs Internet", "zuletzt aktualisiert: 10.08.2009":
"Der Chef des Kanzleramts, Thomas de Maizière (CDU), spricht sich für einen unabhängigen Expertenrat in Weltfinanzfragen aus und macht sich Sorgen um Auswüchse im Internet."

Die Berichte über einen Internet-Ausweis halte ich für einigermaßen obskur. Außerdem missfällt mir, wie der ZEIT-Bericht unterschiedliche Sachverhalte (Internetausweis + Internetsperren gehören sicher inhaltlich zusammen, aber "verdeckte Ermittler im Internet" ist ein ganz anderes Feld, über das man separat diskutieren müsste) wahllos in einen Topf wirft.

Dennoch bleibt als Fazit, dass die Christkonservativen die Internetzensur eingeführt haben. Und sie halten die Debatte über weitere Zensurmaßnahmen am Köcheln. So lesen wir z. B. in einem Interview des Hamburger Abendblattes von Jochen Gaugele und Maike Röttger v. 2. August 2009 mit der Familienministerin von der Leyen u. d. T. "Kampf gegen Schmutz im Internet wird verschärft" (Hervorhebungen von mir):
"Nach der Sperrung kinderpornographischer Seiten will Ursula von der Leyen gegen weitere rechtswidrige Inhalte im Internet vorgehen. ...
abendblatt.de: Sie argumentieren, Grundregeln unserer Gesellschaft müssten online wie offline gelten. Warum sperren Sie dann nicht auch Internetseiten, die Nazipropaganda verbreiten oder Gewalt gegen Frauen verherrlichen?
Von der Leyen: Mir geht es jetzt um den Kampf gegen die ungehinderte Verbreitung von Bildern vergewaltigter Kinder. Der Straftatbestand Kinderpornografie ist klar abgrenzbar.20Doch wir werden weiter Diskussionen führen, wie wir Meinungsfreiheit, Demokratie und Menschenwürde im Internet im richtigen Maß erhalten. Sonst droht das großar tige Internet ein rechtsfreier Chaosraum zu werden, in dem man hemmungslos mobben, beleidigen und betrügen kann. Wo die Würde eines anderen verletzt wird, endet die eigene Freiheit. Welche Schritte für den Schutz dieser Grenzen notwendig sind, ist Teil einer unverzichtbaren Debatte, um die die Gesellschaft nicht herumkommt.
"

Warum legen unterschiedliche CDU-Politiker beim Thema Internetkontrolle und Internetzensur immer wieder nach, obwohl sie genau wissen, dass das für viele (man lese nur einmal die Kommentare zu dem o. a. Zeit-Artikel durch, darunter einige mit dem Tenor 'Ich wollte eigentlich CDU wählen, aber jetzt ...') ein rotes Tuch ist?

Ich vermute mal, dass die Freunde der Netzfreiheit bzw. die Feinde der leyenhaften Netzfischer politisch eher zur SPD tendieren (obwohl ihr Anliegen bei denen auch nicht viel besser aufgehoben ist) als zur Piratenpartei. Gelingt es, diese Wähler in die Fänge der Piraten zu treiben, schwächt man die SPD und vermehrt den eigenen Stimmenanteil (denn die Piraten werden die 5%-Hürde sicherlich nicht überspringen).
Steckt etwa diese Art von Kalkül hinter der Netzkontrolldebatte der Christenunion?


P. S.: Auch wenn ich davon ausgehe, dass die Stimme in der Versenkung endet, und auch wenn ich weiß, dass die Piratenpartei sich eher über das, was sie nicht will, definiert als über positive politische Ziele: Ich überlege ernsthaft, meine Wahlstimme diesmal in den Piraten-Papierkorb zu werfen. Damit sie wenigstens als Proteststimme wahrgenommen wird.

"Politically Incorrect" ist nicht gerade mein Lieblingsblog. Aber immerhin: gegen Zensur sind auch die eindeutig allergisch; vgl. den Eintrag "Von der Leyen will Internetzensur ausweiten" vom 03.08.09, ebenfalls eine Reaktion auf das Interview der Ursula von der Leine.


Insgesamt scheint mir aber in der User-Gemeinde des Weltnetzes das rechte Verständnis für die Haltung der CDU in Sachen Internet-Kontrolle noch immer zu fehlen. Bzw. es fehlt eine Formulierung, welche die Kontrollbemühungen der Politchristen auf den Punkt bringt.
Da trete ich mal mit einer solchen Formulierung hervor:
Sittenstrolche sind das, die Ursula von der Leyen und die anderen Zensurchristen!
Und das nicht nur deshalb, weil deren Zensurbestrebungen unsittlich sind.
Sondern weil diese Figuren durch's Internet strolchen, um die Sitten zu heben.
Und daraus entwickeln wir die mathematisch unangreifbare Gleichung:
Strolchen + Sitten = Sittenstrolche!




Textstand vom 13.08.2009. Auf meiner Webseite
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Dienstag, 11. August 2009
 
Politikverfilzung der Organisierten Finanzwirtschaft: Ein Hauch von investigativem Journalismus durchweht das deutsche Miasma
Leo Müller hat für die Financial Times Deutschland keine Geheimnisse aufgedeckt. Er hat (soweit ich das beurteilen kann) lediglich bekannte Fakten zu einem sinnhaften Muster arrangiert.
Heraus kam der Artikel "Investmentbanken. Die deutsche Lehman-Lüge" vom 10.08.2009:
"Der Fall der Lehman-Bank hat Kapital und Vertrauen vernichtet. Sagen deutsche Politiker und Bankchefs. Das ist die Unwahrheit - und sie wissen es. Die Pleite am 15. September 2008 war nicht der Auslöser der Entwicklung. Die Finanzhäuser hierzulande gerieten schon Jahre zuvor in Schieflage."
Müller zeigt, dass zahlreiche deutsche Banken, insbesondere die Landesbanken, schon längere Zeit marode waren. Die Lehmann-Pleite habe lediglich bewirkt, dass sie ihre Miesen nicht mehr verstecken konnten. Vorher hätten sie in einem sozusagen dolosen Zusammenwirken mit Politikern und Aufsichtsbehörden ihre Verluste versteckt.

Die Qualität einer Klageschrift hat Müllers Bericht naturgemäß nicht. Aber als politische Anklage reicht sie allemal aus, um das aktuell regierende Politikkartell zu diskreditieren. Insbesondere Peer Steinbrück kommt nicht gut dabei weg.

Nach der Lektüre des Artikels verstehe ich nun endlich auch, warum Versager wie der Bankenoberaufseher Jochen Sanio nicht geschasst werden: Auch die verantwortlichen Politiker haben Dreck am Stecken; da stützt der eine Kumpan den anderen (wohl auch deswegen, weil jeder zu viel über das Versagen bzw. die Verfilzungen der anderen weiß).

Es spricht nicht für ein gutes Funktionieren unserer Demokratie, dass wir derartige Figuren nicht davonjagen. Die Medien versagen, wir sind träge, seriöse Alternativen gibt es im Politikbetrieb keine.










Textstand vom 11.08.2009. Auf meiner Webseite
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Sonntag, 9. August 2009
 
Fortschrittsfurcht
Es ist kein großer Artikel, und Josef Joffe ist auch nicht mein Lieblings-Kommentator. Eigentlich hat er sich nur an den Newsweek-Bericht "What Lurks Beneath. In key industries of the future" drangehängt; da darf auch ich mich an ihn (und Newsweek) dranhängen:
"Neokonservatismus. German Techno-Angst" titelt Joffe in der ZEIT vom 06.08.2009 und kritisiert die deutsche Technikangst:
"Der Neokonservatismus der Deutschen beschäftigt nicht nur Josef Joffe."

Ich kritisiere schon seit langem nicht nur die Furcht vor neuen Techniken, sondern überhaupt die fehlende Kreativität in Deutschland.

Unsere öffentlich-rechtswidrigen Rundfunk- und Fernsehanstalten z. B. ziehen uns das Geld aus der Tasche wie nicht gescheit (knapp 8 Mrd. € jedes Jahr) und gaukeln uns vor, dass sie uns das beste Fernsehprogramm der Welt liefern.
In Wirklichkeit wird jedwedes innovative Sendeformat, sei es Entertainment, sei es Edutainment, aus den USA abgekupfert. Dort spielt die Musik, bei uns schwabbeln die intellektuellen Fettbäuche.

Das Thema "Kreativität" ist natürlich nicht identisch mit Furcht vor neuen - und möglicher Weise durchaus gefährlichen - Techniken.
Es scheint mir aber Teil eines Gesamt-Syndroms zu sein.

Freilich: Auch die US-Amerikaner sind nicht gar so technikfreundlich, wie man uns gern vorhält. Die Deutsche Börse war in der Computerisierung sehr viel weiter als ihre insofern zeitweise doch (zweifellos interessenbedingt) recht konservativen US-Pendants. Und neue Atomkraftwerke hat man auch in Amerika über einen langen Zeitraum nicht mehr gebaut (und nicht einmal neue Ölraffinerien, so dass man Sprit zumindest zeitweise aus Europa einführen musste).

Dennoch ist das amerikanische Denken insgesamt wohl zukunftsoffener.

DAS wenigstens dürfen wir auch nach meiner Meinung von den Amis kopieren!

Und im übrigen wird es Zeit, dass die ZEIT, und überhaupt die deutschen Medien (darunter nicht zuletzt auch die besten Fernsehproduktionsparasiten der Welt) Deutschlands Rückstand an Kreativität und Innovationsbereitschaft weitaus schärfer, und weitaus intensiver beleuchtet, als Josef Joffe in seinem kurzen Artikel (wobei ich ihm für den Anstoß durchaus dankbar bin).


Tierfreundschaft artet gelegentlich in Obskurantismus (und damit auch Fortschrittsfeindlichkeit) aus. Vgl. die von Sven Stockrahm in der Zeit Online vom 13.8.09 geschilderten Vorgänge um Gehirnforschung an Affen: "Bremer Makaken. Die Affenversuche müssen weitergehen":
"Die Gesundheitsbehörde bleibt beim Nein gegen die Experimente des Hirnforschers Kreiter. Zu Unrecht: Ein Verbot würde die Forschungsfreiheit einschränken."
Äffische arische Tierliebe ist mir ohnehin suspekt: Rattentempeldevotion als indisches Erbe in unserer Zivilisation?
Aber das Hanseland Bremen braucht ja keinen Fortschritt. Die holen sich die Knete aus dem Länderfinanzausgleich. Und setzen es dann mit maroden Werften und unproduktiven Einkaufszentren in den Sand.
Die sollten sich schämen - die Verantwortlichen in Brämen!

Meinen Kommentar (Nr. 11) zu dem Zeit-Artikel will ich auch meinen Blog-Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten:
"Heute äffische Tierliebe - Morgen Anbetung der Rattengöttin?
Wenn ich mir die vehemente Tierschützerei anschaue, komme ich zu dem Schluss, dass wir doch verdammt gute Arier sind. Gnadenhöfe mit Kuhschwimmbad ( http://beltwild.blogspot.... ), Tierschützer, die gegen die Wissenschaft auf die Palme klettern: Dekadenzen allerorten! Und Fortschrittsangst: es könnte uns ja etwas passieren (s. Blotttext oben).
Oder im vorliegenden Falle könnten sich unsere makakischen Brüder und Schwestern inkommodiert fühlen). Fortschrittsangst: es könnte uns ja etwas passieren ( http://beltwild.blogspot.... ). Oder im vorliegenden Falle könnte sich unsere makakischen Brüder und Schwestern inkommodiert fühlen.
Ähnlich wie echte Umweltschützer keine Kraftwerke brauchen, weil doch der Strom aus der Steckdose kommt, braucht die fiskalisch lebensunfähige Kleinkommune Bremen weder Wissenschaft noch Fortschritt.
Fehlende Finanzmittel greift man sich [freilich nicht nur:] dort einfach aus dem Länderfinanzausgleich ab. Und wenn das nicht ausreicht, wird der Bund vom Verfassungsgericht zwangsverpflichtet.
Aber wenn die dortige Politik wenigstens an Wirtschaftsförderung wirklich interessiert wäre, könnte sie massenhaft Touristen anlocken.
Müsste nur den Kühen Ausgang geben und den Bremer Rathauskeller zum Rattentempel umfunktionieren.
Die Inder geben uns bestimmt tierisch gern religiöse Entwicklungshilfe.
Obwohl - wir haben offenbar schon selbst genügend fanatische Tierfreunde.
(Ich habe mal live miterlebt, wie eine Kollegin von dieser friedfertigen Menschensorte angegangen wurde, weil sie einen Pelzmantel trug.)
Doch zurück zu Bremen:
Die sollten sich schämen -
Die Obskurantisten in Brämen!
CANABBAIA
http://beltwild.blogspot....
Interessen erhellen - sich Widersprüchen stellen"


Nachträge 22.07.2011
Gerade entdecke ich die Dissertation "Akzeptanzprobleme von Wissenschaft und Technik in der Öffentlichkeit" von Heinz Schultheis aus dem Jahr 2003 (Universität Gießen). Der Verfasser der mit "magna cum laude" bewerteten Dissertation konnte dabei auch auf seine Erfahrungen aus einem langen Berufsleben als Naturwissenschaftler zurückgreifen: bei seiner Prüfung war er 82 Jahre alt!

Naturgemäß hat sich nicht zuletzt das "Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB)" mit der Technikakzeptanz beschäftigt. Beispiel:
Leonhard Hennen, "Technikakzeptanz und Kontroversen über Technik - Ist die (deutsche) Öffentlichkeit 'technikfeindlich'?", TAB-Arbeitsbericht Nr. 024. Berlin 1994 (57 Seiten).

Bei dem Karlsruher Institut für Technologie  existiert ein "Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)". In der von diesem Institut herausgebenen (Online-)Zeitschrift "TECHNIKFOLGENABSCHÄTZUNG – Theorie und Praxis" behandelte die Ausgabe vom Dezember 2005 das Schwerpunktthema "Technikakzeptanz als Gegenstand wissenschaftlicher und politischer Diskussion" (hier der einführende Text von Fritz Gloede und Leonhard Hennen).






Textstand vom 22.07.2011. Auf meiner Webseite
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Sonntag, 2. August 2009
 
..... gib Acht auf den Jahrgang!
Nicht nur beim Wein (sowie bei den goldblonden - aber ebenso bei den wasserstoffperoxidierten, den schwarz oder anders beharten oder gefärbten - Mägdelein) heißt es achtgeben auf den Jahrgang (auch bei Youtube).

Wenn ich in Frankfurt am Main von meiner Arbeitsstelle zur U-Bahn-Haltestelle gehe, komme ich an einigen wildwachsenden Brombeersträuchern vorbei. Bei mehreren diesjährigen Verkostungen der großen schwarzen Früchte musste ich mich zu meinem Leidwesen davon überzeugen, dass diese heuer durchgängig säuerlich sind. Im vorigen Jahr dagegen waren sie süß gewesen, und die leicht erreichbaren schnell verschwunden. Dagegen hängen die Beeren des 2009er Jahrgangs unangefochten am Strauch; niemand pflückt diese Säuerlinge ab.




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