Mittwoch, 13. Mai 2009

Arcandor = Arcan d'or? Vergewaltigt Angela Merkel den Markt oder stellt deutsche Bundesregierung Kaufhausketten unter Denkmalschutz?

 
"Ar|ka|num das; -s,...na ‹aus lat. arcanum "Geheimnis" zu arcanus "geheim"›: 1. a) Geheimnis; b) ..." erfahren wir in einer Internet-Vorschau auf den einschlägigen Lexikon-Artikel im Fremdwörter-Duden (und hier erfreut uns eine "Brachialpoetin" mit 21 Arkanum-Gedichten).
Unter Arkanum (oder Arcanum) verstanden (bzw. verstehen) Alchemisten insbesondere die Kunst, aus Dreck Gold zu machen; in anderen Zusammenhängen steht der Begriff auch für das Geheimnis des ewigen Lebens.

Hattu Schulden? Muttu warten auf Wirtschaftskrise, kommt Kohle von Steuerzahler! Schaufelt Berlin dem Arcandor-Konzern Steuergelder in den Rachen?

 
"Handelskonzern Arcandor darf mit Staatshilfe rechnen" berichten Sven Afhüppe und Christoph Schlautmann im Handelsblatt vom 12.05.09 (meine Hervorhebungen):

"Er hat es angedeutet, nun wird er es auch bald tun: Der neue Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick sagte in einem Interview, bald Staatsbürgschaften zu beantragen. Es gibt offenbar keine andere Möglichkeit, die Finanzprobleme zu lösen. Spätestens ab Juni müssen die Mitarbeiter sonst um die Zahlung ihrer Gehälter fürchten. ...
Der Handelskonzern Arcandor hat gute Chancen, Staatshilfen des Bundes zu bekommen. Wie das Handelsblatt aus Regierungskreisen erfuhr, gibt es nach einer ersten Vorprüfung „positive Signale“ für einen Antrag auf Rettungshilfen aus dem Wirtschaftsfonds Deutschland. „Arcandor erfüllt die wesentlichen Voraussetzungen für einen Antrag auf Staatshilfen“, hieß es in den Kreisen
."
Man darf es wohl zugleich als eine implizite Kritik der Artikelverfasser an der beabsichtigten Staatshilfe deuten, wenn sie die Leser informieren:
"... der MDax-Konzern, der im zurückliegenden Geschäftsjahr 19,9 Mrd. Euro umsetzte und dabei einen Verlust von 746 Mio. Euro anhäufte, bleibt ein Fass ohne Boden. Im Herbst wird eine weitere Kreditlinie über 300 Mio. Euro fällig. Zudem benötige Arcandor, so ließ der jüngst von der Telekom an die Konzernspitze gewechselte Finanzfachmann Eick wissen, weitere 900 Mio. Euro für die Sanierung.
Die hätte eigentlich, wie Eicks Vorgänger Thomas Middelhoff vor einem Jahr versprach, längst abgeschlossen sein sollen. Tatsächlich aber steht der Konzern näher am Abgrund als je zuvor. Seit 2004 steckte Middelhoff nach Handelsblatt-Berechnungen 1,76 Mrd. Euro in die Sanierung der Warenhäuser und Katalogversender, ohne Arcandor profitabler zu machen. 2004 wies der Konzern – bereinigt um Sonderfaktoren – einen Betriebsverlust von 129 Mio. Euro aus, 2007/08 fehlten den Essenern operativ 165 Mio. Euro in der Kasse. Selbst die Nettoverschuldung ist heute mit über zwei Mrd. Euro fast so hoch wie 2004
."

Samstag, 9. Mai 2009

8. Mai: Deutschland hat kapituliert; der Wächtersbacher Wochenmarkt aber gibt nicht auf!

In den letzten Jahrzehnten klaffen zunehmend große Löcher zwischen unserer Vorstellung davon, welche Funktionen ein Stadtzentrum erfüllen sollte, und der Wirklichkeit.
"Leben" soll es da geben, und damit meint man Ladengeschäfte - und natürlich deren Belebung durch zahlreiche Kunden.

Ein wenig suspekt ist mir dieses Festhalten an traditionellen (und einstmals natürlich auch funktionellen) Denkweisen schon; man könnte geradezu von einer Stadtmittenfunktionsideologie sprechen. Denn die Verhältnisse, die sind nun mal nicht so.

Freitag, 8. Mai 2009

Jauchzet, frohlocket: der Ölpreis steigt! Endlich dürfen wir auf die Wiederkehr der Inflation hoffen, deren wir nach Meinung mancher bedürfen!

Handelsblatt-Meldung von 08.05.2009:
"Rohstoffe. Ölpreis klettert auf höchstem Stand seit sechs Monaten"

Habt ihr uns nicht immer erzählt, dass die Konsumenten Inflationserwartungen brauchen, um sich dumm und dämlich zu schoppen? Na also, dann freut euch doch: bald kommt sie wieder, die Inflation! Wie (nicht nur) ich schon prognostiziert hatte: wenn wir die Wirtschaft wieder ankurbeln, fahren wir gegen die Wand der Rohstoffverknappung! (Hätten wir sie nicht angekurbelt, wären wir in den Abgrund gestürzt: die Todesarten sind leicht unterschiedlich; das Ergebnis bleibt aber das gleiche).

Und wenn es doch nicht das Rohöl sein sollte, das uns als Erstes ausgeht: dann ist es halt das Titanerz! (Vergleiche Handelsblatt-Bericht "Rohstoffe. Harter Kampf um Titan" vom 08.05.2009 von Markus Fasse und Regine Palm:
"Seltene Erze und Metalle werden knapp. Hersteller von Solaranlagen, Elektroautos oder Halbleiterproduzenten brauchen immer mehr der wertvollen Rohstoffe. Längst ist ein harter Verteilungskampf entbrannt. Die deutsche Industrie reagiert noch zu langsam").

Montag, 4. Mai 2009

Hurra; hurra hurra - die Schundliteratur ist da: "Italien wie es wirklich ist" (Gustav Nicolai, 2. Aufl. 1835)


Google wird mein Lob ebenso gleichgültig sein wie mein Tadel: die interessieren sich lediglich für Lohn der klingenden Art.
Dennoch gebietet es die Fairness, der Firma zu danken. Denn endlich stellt sie der interessierten Welt, und damit auch dem möglicherweise einzig wirklich Interessierten, ein Buch zur Verfügung, dass dieser schon lange lesen wollte: "Italien wie es wirklich ist" (Gustav Nicolai, 2. Aufl. 1835). (Der vollständige Titel ist von geradezu barocker Länge - s. u. bei "Terror im Zitronenhain".)

Viele Italieneisende hatten wohl das Gefühl, ihren Lesern lediglich ihre echten oder echoartigen Kunstempfindungen kommunizieren zu dürfen.
Und auf jene, welche es wagten, Italien mal ganz anders, nämlich konsequent negativ, zu sehen, haben sie so lange eingeprügelt, bis deren Bücher der Vergessenheit anheim fielen. Seine 'Widerleger' (z. B. August Gottlob Eberhard, aber es gab noch mehr Gegen-Schriften) haben es zu Wikipedia-Würden gebracht, unser braver Gustav dagegen nicht!

Sonntag, 3. Mai 2009

Einkaufszentrum My Zeil Frankfurt am Main. Ein Fossil aus der Zeit vor unserer Weltwirtschaftskrise? Oder: Frankfurter Kommentar zur Finanzkrise.

Ein "funkelndes biomorphes Labyrinth" nennt Dieter Bartetzko in seiner dennoch stellenweise recht bissigen Architekturkritik in dem FAZ.net-Artikel "Einkaufszentrum „My Zeil“. Von nun an ging's bergab" vom 26.11.2009 das Gebäude des neuen EKZ auf Frankfurts großer Shopping Meile. [Zur Zeil selbst präsentiert die Wikipedia einen ellenlangen Artikel.]

Am 26.02.2009 wurde My Zeil eröffnet. Fotogen ist das Bauwerk allemal; eigentlich muss man nur 'draufhalten' und hat automatisch ein gutes oder doch zumindest ein brauchbares Bild im Kasten. Entsprechend häufig wurde das Gebäude von innen und außen denn auch geknipst; zahlreiche vorzügliche Aufnahmen finden sich z. B. auf der Photosharing-Webseite flickr, unzählige weitere gibt die Google-Bildsuche preis.

Die Presse, insbesondere natürlich die lokalen Zeitungen (Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurter Rundschau, Frankfurter Neue Presse) haben das Ereignis ausführlich kommentiert. Aus meiner absolut oberflächlichen Recherche greife ich eher willkürlich heraus:

"Italianalisi": Ein Italiener über das Bloggen ("Il perchè di questo BLOG")

Durch Zufall (weil ich nämlich wieder einmal mit der Funktion "Nächstes Blog" gespielt habe) stieß ich auf den italienischsprachigen Blog "Italianalisi". Inhaltlich näher angeschaut habe ich ihn nicht; meinen rudimentären Italienischkenntnissen würde es doch etwas schwer fallen, um mir in kurzer Zeit ein Urteil zu bilden.

Anregend finde ich die Begründung, die der Blogger (der, was mir deutlich weniger gefällt, in seinem Profil keinerlei Angaben über sich macht) für seinen Eintritt in die Blogosphäre gibt.
Auch wenn ich nicht in allen Punkten damit übereinstimme erscheint mir der Text (insbesondere der Vergleich mit einem Caféhaus) stimulierend genug, um mich an einer (eher freien, wenn auch kaum glanzvollen) Übersetzung zu versuchen; größtenteils entspricht diese Beschreibung auch meiner Motivation und Einstellung zum Bloggen.

Samstag, 2. Mai 2009

Klammheimlich von Google auf's Kreuz gelegt: Google-Notizbuch-Symbol verschwunden!

Gerade vor einigen Wochen hatte ich begonnen, das Google-Notizbuch zu nutzen. Nun ist plötzlich das Symbol für den Zugriff auf dieses Notizbuch aus meiner Toolbar verschwunden.

Ich also suche und suche; dann wird es mir zu bunt. Gebe - wo? Natürlich wieder in Google! - die Suchbegriffe "google notizbuch verschwunden" ein und gelange - im Google-Forum - zum folgenden Thread:

Anfrage (übrigens schon vom 13.02.2009, als bei mir die Notizbuch-Funktion noch sichtbar war und, nach meiner Erinnerung von Google auch noch beworben wurde) von "Notizbuch Fan":

"Hallo,
mein Notizbuch ist aus der Toolbar verschwunden. Es ist auch bei den Einstellungen im Menü 'Tools' nicht mehr aufgelistet. Ferner ist auch der Eintrag "die Notieren" aus dem Kontextemenü meines Browsers verschwunden
."

Antwort von einem Stefan Münz ("Level 1" - also ein Mitarbeiter von Google?) vom 20.02.09:
"Hallo,
Google hat Anfang dieses Jahres die Weiterentwicklung des Services "Notizbuch" (neben einigen anderen Services) eingestellt. Da folglich keine neuen User und Nutzungen für den Notizbuch-Service mehr gewünscht sind, hat man wohl auch die entsprechenden Toolbar-Einträge entfernt. Die vorhandenen Notebooks bleiben zwar laut Aussagen von Google erhalten, doch ich würde mich nicht darauf verlassen, dort noch im großen Stil Daten zu speichern. Besser, man überlegt sich Alternativen
."

Na toll: da hatte Google die Notizbuch-Funktion bereits eingestellt, und hat mich trotzdem noch dort reingelockt.

Remember, Google: Don't be evil!

Montag, 27. April 2009

Fulda: First vom Fürstabt fotografiert!

Es gibt verzwickerte Zungenbrecher als den obigen Titel; z. B. „Zehn Cottbuser Postkutscher putzen den Cottbuser Postkutschkasten“.

Man kann auch spektakulärere Dachlandschaften finden, z. B. diejenige der Burg Pfalzgrafenstein bei Kaub im Rhein (vgl. meinen Bild-Blott WARUM TOBEN DIE HEIDEN? oder EIN SCHIFF AUS STEIN BEI KAUB IM RHEIN).
[Noch schönere freilich findet man in den Kupfertiefdruck-Bildbänden Verborgene Schönheit“ von Stefan Kruckenhauser (Untertitel: „Bauwerk und Plastik aus Österreich“) und "Prag, ein fotografisches Bilderbuch" von Karel Plicka]
Immerhin bricht man sich aber nicht die Beine, und ist es auch nicht sonderlich anstrengend, wenn man den Turm des Stadtschlosses der Fuldaer Fürstäbte besteigt. (Fürstäbte waren sie zur Erbauungszeit des Schlosses Anfang des 18. Jahrhunderts; in der Jahrhundermitte wurden sie zu Fürstbischöfen befördert, waren also ab dieser Zeit echte Vorläufer des legendären bzw., sagen wir mal: kantigen Bischofs zum Speisen.

Sonntag, 26. April 2009

"Finanzhaie würden FDP wählen": Wahlwerbung der SPD zur Europawahl am 7. Juni 2009

Mit dieser Wahlwerbung der SPD im Europa-Wahlkampf (gesichtet Ende April 2009 in Wächtersbach, auf dem Pendler-Parkplatz am Bahnhof, vor dem REWE-Laden), habe ich doch gewissen Probleme.

Zunächst einmal finde ich diesen Finanzhai sehr sympathisch: "Ich bin dein freundlicher Finanzhai von nebenan", sozusagen. Oder fürchten Sie sich etwa vor solch einem lieb lächelnden Monsterchen? (Für die FDP ist aber natürlich das Risiko groß, dass nur der eingängige Spruch als solcher hängen bleibt und dass diejenigen, denen er in den Sinn kommt, ihn für sich selbst mit weniger lustigen Haifisch-Visualisierungen unterlegen.)
[Auch DIE LINKE in Bremen findet, dass der Hai nett aussieht.]

Montag, 20. April 2009

Bad Herrenalb im Schwarzwald: La Balconissima!

Nun ja: die Zahl der Sehenswürdigkeiten in Bad Herrenalb ist doch sehr überschaubar.

Zwar liegt dort ein Paradies; aber das ist genauso kaputt wie heutzutage alle ehemaligen Paradiese (oder was wir dafür gehalten haben) auf der Erde.

Freitag, 3. April 2009

Ein Satz von Sätzen für die Vitrine: Der sparsame Verbraucher in der Janus-Ökonomie


Über die Auswirkungen der gegenwärtigen ökonomischen Great Depression in den USA auf die Menschen berichtete USA TODAY am 29.03.2009 u. d. T. " 'Perfect storm' puts all types in financial peril".

Unter der Zwischenüberschrift "What to do before layoffs" gibt die Zeitung Ratschläge für ein kluges Finanzgebaren in der aktuellen Weltwirtschaftskrise. Die sind insofern interessant, als sie zum einen spezielle amerikanische Probleme aufzeigen und zum anderen den Übertragungsmechanismus, welcher die kleinen Feuer bei den Einzelnen zum großen (Deflations-)Feuersturm für die ganze Volkswirtschaft machen kann.

Donnerstag, 2. April 2009

Lidl-Werbung "Luxus für alle": Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte ...

... wenn ich einen solchen Werbespruch lese.


Nicht zum ersten Mal wirbt der Discounter Lidl mit dem Slogan "Luxus für alle".
Doch reißt mir darob jetzt erstmalig der Geduldsfaden.

Auf der Webseite "Werbewahn.net" findet sich hier ein (allerdings relativ unkritischer) Eintrag vom 24.12.2006. Möglicher Weise hat Lidl damals erstmalig mit diesem Motto geworben? Auf der Webseite "Slogans.de" finde ich ihn leider nicht.

Die Schattensegler. Zweifelhafte Aktivitäten der Europäischen Zentralbank (EZB) im Schatten der Fed?


Während die Welt über die Aktivitäten der Fed diskutiert, sie lobt oder kritisiert (vorzugsweise aber beides zugleich: "Ja, aber ..."), findet man hier und da Hinweise darauf, dass auch die EZB nicht unbedingt ein Hort der geldpolitischen Solidität ist.
So lesen wir in dem Dossier "Drohende Staatspleiten. Ende des irischen Ratingglücks" der Financial Times Deutschland (FTD) vom 17.02.09von André Kühnlenz und Mark Schrörs:
"Eine indirekte, wenig beachtete Hilfe der EZB für einzelne Staaten stellen de facto die gelockerten Bestimmungen für Sicherheiten bei Refinanzierungsgeschäften dar. Seit Mitte Oktober 2008 akzeptiert die EZB Bonds - auch Staatsanleihen - bis zu einem Rating von "BBB-" statt zuvor "A-". Solange Banken Staatsanleihen bei der EZB hinterlegen und dafür Liquidität bekommen können, haben sie einen Anreiz, Staaten die Papiere abzunehmen."
Mit anderen Worten: Auch die EZB beleiht mittlerweile jedweden Schrott! Und man darf wohl vermuten, dass das auch zu einer Ausweitung der Geldversorgung führt.

Dienstag, 31. März 2009

Landgraf, werde Zeisig! Kommentare zum kommenden G-20-Gipfel in London in Handelsblatt und Financial Times Deutschland (FTD)

Lucas Zeise erklärt in seinem Kommentar in der FTD vom 31.03.2009 "Warum sich nichts ändert".
Zu meinem Erstaunen macht er ausgerechnet die Bundesregierung dafür verantwortlich, dass bei der Londoner Tagung der G20 vermutlich in Sachen Bankenregulierung nicht allzuviel herauskommen wird. Hat nicht gerade unsere Regierung öffentlich und lautstark ein mehr an Regulierung verlangt?
Zeise zufolge hat sie jedoch ganz bewusst, geradezu vorsätzlich, "den Ex-Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) Otmar Issing zum Vorsitzenden ihres Beratungsgremiums ... [gemacht]. Sie [Angela Merkel] und Steinbrück wussten, was sie taten: Issing ist bekennender Deregulierer."
Entsprechend negativ beurteilt Zeise die Vorschläge des Beratungsgremiums:

Montag, 30. März 2009

Ein Wort für die Vitrine: Tittytainment


Michael Nystroms Webseite "BullnotBull" verdanke ich den Hinweis auf eine Erläuterung des Begriffs Tittytainment.

Erläutert wird die Bedeutung dieses Wortes auf der (ansonsten leeren) Webseite "tittytainment.com".

Ein Wort, das man sich merken sollte; zumindest will ich es im Gedächtnis behalten.

Samstag, 28. März 2009

„Ceci n’est pas une inflation“ oder: Eine Inflation gibt es nicht!


"Ceci n'est pas une inflation" mögen sich die Fed-Verantwortlichen, zuerst mit Alan Greenspan und dann mit Ben Bernanke an der Spitze, angesichts des Immobilienbooms gedacht haben. Und wenn ich dann noch behaupte "Eine Inflation gibt es nicht", klingt das zunächst sogar wie eine Bestätigung.

Mittwoch, 25. März 2009

Guten Morgen ihr Nachtwächter! Oppositionsparteien fordern endlich Untersuchungsausschuss für HRE-Desaster. (Und warum nicht für Regulierungsdebakel?)

"Hypo Real Estate. Untersuchungsausschuss zu HRE gefordert" konnte man im Handelsblatt vom 24.03.09 lesen:
"Der Niedergang der Bank Hypo Real Estate (HRE) und die massiven Staatshilfen für den Immobilienfinanzierer sollen im Wahljahr von einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss durchleuchtet werden. Die Bundestagsfraktion der FDP beschloss die Einsetzung des Gremiums. Zuvor hatte bereits die Partei Die Linke damit geliebäugelt, die Grünen sind ebenfalls dafür."

Und noch am gleichen Tag hieß es:
"Untersuchungsausschuss. Opposition macht bei HRE-Untersuchung Tempo":
"Die Opposition setzt wegen der Bundestagswahl in Sachen HRE auf schnelle Entscheidungen. Die Opposition macht beim angestrebten Untersuchungsausschuss des Bundestages zur Krise der Immobilienbank Hypo Real Estate Tempo. Das Gremium, das ein mögliches Versagen der Regierung im Zuge des Niedergangs des Instituts und bei den Staatshilfen beleuchtet will, soll nach Angaben von Links- Fraktionschef Gregor Gysi bereits an diesem Freitag eingesetzt werden."

Endlich ehrlich! Klaus F. Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), bricht eine Lanze für die Astrologie!

In seinem Handelsblatt-Gastbeitrag vom 20.03.2009 "Warum Prognosen die Krise verschärft haben" begründet Professor Klaus F. Zimmermann u. a. den Nutzen von Horoskopen:
"Horoskope können auch zu Verhaltensänderungen der Wirtschaftssubjekte führen, die die Vorhersagen ungültig machen - oder sie bestätigen. In diesem Fall ist es aber nicht mehr so wichtig, ob Voraussagen tatsächlich eintreffen. Es kommt nur darauf an, dass sie von den Akteuren als informativ angesehen werden, und ihre Entscheidungen verbessern. Dann sind mehr Horoskope wünschenswert, auch wenn sie schlussendlich wegen der Anpassungsreaktionen als falsch gemessen werden. ..... Wirtschaftshoroskope sind immer unsicher. Sie werden gemacht, um Orientierung zu bieten und die vorhandenen Informationen zu kondensieren. Die oft kritisierte Voraussagevielfalt ist nützlich, denn sie misst den jeweils vorhandenen Grad an Unsicherheit unter den Astrologen. Wichtig ist nicht, ob eine Vorhersage eintritt, sondern ob sie zu positiven Verhaltensänderungen führt."
Gell, das meine ich doch auch: wenn in der Zeitung steht "Mars und Venus sind zur Ruhe gekommen, gute Voraussetzungen, um das Rauchen aufgeben", dann ist das doch sehr positiv: vielleicht legt die eine oder andere (heutzutage sind es eh' vorwiegend die Frauen, die noch rauchen) daraufhin die Glimmstengel auf ewig beiseite?
Freilich ist Prof. Zimmermann keineswegs unkritisch gegenüber den Ökastrologen:
"Horoskope beeinflussen Stimmungen, Stimmungen prägen Verhalten, Verhalten gestaltet die Wirtschaftsentwicklung. Auch der Stellenwert von Vorhersagen muss deshalb hinterfragt werden dürfen. In Zeiten vermuteter großer Krisen oder bereits einsetzender schwerer Krisen können Horoskope brandgefährlich sein."
Sicher, haben wir ja beim König Krösus von Lydien erlebt: "Wenn Du den Fluß Halys überschreitest, wirst Du ein großes Reich zerstören" hatte das Orakel dem prophezeit. Und wer weiß, was irgendeine Wiener oder Münchener Pythonia dem Adolf vorhergesagt hat? Vielleicht: "Du wirst ein großer Führer werden"? Man sieht, Astrologen wie z. B. der Giovanni Battista Seni, sind wirklich gefährliche Leute.

Dienstag, 24. März 2009

Wasser nur aus Plastikflaschen ist besser als Wasser im Gehirn! Warum Günter Seuferts Zeit-Artikel zum Weltwasserforum Cangrande zum Brodeln bringt


Offener Brief an Günter Seufert, Verfasser des Zeit-Artikels "Weltwasserforum. Wasser nur aus Plastikflaschen" vom 24.03.2009 über das Weltwasserforum in Istanbul.
("Experten haben in Istanbul über die Wasserprobleme der Welt diskutiert. Die Teilnehmer mussten nicht weit schauen, um gravierende Missstände zu entdecken. .....")


Lieber Herr Seufert,

Ihr Bericht fängt mit Plastikflaschen (bzw. der Tendenz nach: gegen Plastikflaschen) an und hört auf mit Staudämmen bzw. genauer: mit der obligaten Staudammkritik von Leuten, die keine Talsperren brauchen, weil das Wasser bekanntlich aus dem Hahn kommt.

Wie schafft man das: synchron über den Mangel an trinkbarem Leitungswasser (hier: in der Türkei) und über den Bau von Staudämmen zu jammern?

Ganz einfach: man macht einige interessante Beobachtungen; die reichen für einen Artikel nicht aus. Weil man auch nicht nachdenken will (das könnte eigene Vorurteile zerstören) schaltet man auf den umweltpolitisch korrekten Autopiloten im Gehirn um und lamentiert, natürlich, über den Bau von Staudämmen. (In Ihrem Artikel geht es um die Türkei, aber sicherlich hätten Sie den gleichen Singsang vom Stapel gelassen, wenn das Weltwasserforum in China, Indien oder Thailand zusammengekommen wäre).

Ich kann nur staunen über jene (für mich: unerträgliche) Leichtigkeit des Seins, welche das Denken so problemlos ausschalten kann.

Gewiss mag es sein, dass diese Staudämme nicht oder nicht in erster Linie der Trinkwasserversorgung dienen sollen. Aber die Zerstörung eines Naturschutzgebietes für einen Staudammbau ist in keiner Weise negativ korreliert mit dem geforderten Menschenrecht auf Wasser.

Ich habe bereits in einem früheren Blott ("terreur-des-sommes") auf die Widersprüche aufmerksam gemacht, in welche sich wohlmeinende Wasserbau-Widersacher verwickeln.
Die wollen ohne Rücksicht auf Verluste alles bekämpfen: den Hunger, die Unwissenheit, die Krankheiten, den Trinkwassermangel, die Verwendung nicht-erneuerbarer Ressourcen für die Energiegewinnung - und die Staudämme.

Wo z. B. Ägypten heute wäre ohne den Assuan-Staudamm: dieser Frage stellen sich diese Schmetterlings-Schützer nicht. Lieber spinnen sie sich ein in ihre heile-Welt-Kokons, in ihre feuchten Träume von glücklichen Primitiven, die selbstverständlich ein Recht auf moderne Gesundheitsfürsorge haben. Diese mentalen Seidenraupen leben in einer Welt, welche mit Menschen proppevoll gefüllt ist und die sogar (auch dank ihrer mitleidigen Hilfe) ständig voller wird. Das verantwortungsenthobene Volk der Traumtänzer schert sich nicht drum, mag auf keinen Fall wider die Stachel der Widersprüche im eigenen Denken löcken. Lieber reitet man in einer Kavalkade der intellektuellen Verantwortungslosigkeit auf Traumpfaden zu neuen Menschenbeglückungsturnieren.

Macht doch nichts, wenn die Länder keine erneuerbare Energie (aus Wasser) gewinnen oder ihre Felder nicht bewässern können: dann müssen wir denen halt helfen, ihre Völker zu nähren, kleiden, ihnen sauberes Trinkwasser, hygienisch einwandfreie Toiletten und eine State-of-the-Art-Gesundheitsbetreuung zu beschaffen. Schließlich sind "wir" sind ja sooooo reich, da können wir doch massig was abgeben? (Und außerdem ist es sowieso unsere Schuld, wenn die sich so fruchtbar mehren: die wo wir nicht kolonialisiert haben, denen haben wir die Hygiene gebracht.)


Meine herzliche Bitte an alle, deren Bereitschaft zu einem vernetzten (Friedrich Vester) Denken lediglich "di aqua" (Pietro Aretino) ist:

Berauscht euch an dem (freilich um den Preis des Anthropomorphisierens) sprachlich wunderschönen Wassertext von Elfriede Jelinek aus ihrem Roman "Gier":
"Wildes, grandioses Wasser, fällst mit hocherhobenem Köpfchen, auch wenn man Dich bereits gezähmt hat! ....."
Und lasst ab von der Vergiftung unserer diskursiven Umwelt mit romantischer Naturträumerei auf dem intellektuellen Niveau der Gartenlaube!

Nein: auch ich bin nicht glücklich über die Zerstörung von Natur. Nur sehe ich bei denen, die ständig darüber klagen, nicht die mindeste Bereitschaft, dem eigentlichen Problem ins Auge zu schauen: der zügellosen Vermehrung der Menschheit. Ganz im Gegenteil sind diese "guten" Menschen meist die ersten, die ein besseres Leben (d. h. im Ergebnis: mehr Ressourcen- und Umweltverbrauch) für die 3-Welt-Länder fordern usw.
Doch wenn die dortigen Menschen ihre Chancen realisieren wollen (genau so, wie wir das gemacht haben und immer noch machen: einst z. B. indem wir die Lüneburger Heide entwaldet haben, worauf wir heute sogar noch stolz sind!), dann bläst dieses Volk gewaltig die Backen auf!


Ich aber höre besser auf, mich weiterhin über jene Denkentwöhnten zu echauffieren: auf dass nicht der Strom meines heiligen Zorns mich in die Gullys der Verbalinjurien hinabspüle!


Nachtrag 25.03.09
Weiterer Artikel in der ZEIT zum Thema: "Weltwassertag. Der politische Wille fehlt"
v. Marianne Alker und Matthias Krause, Deutsches Institut für Entwicklungspolitik 24.3.2009:
"Grenzübergreifende Maßnahmen zum Schutz unseres Trinkwassers sind immer noch die Ausnahme".


Textstand vom 01.06.2024

Sonntag, 22. März 2009

"Krise ohne historisches Beispiel" + "Das ist eine Entwicklung, die wir nie gesehen haben": 2 Handelsblatt-Interviews v. April 2008 + März 09


Einen interessanten Rückblick auf den Debattenstand (bei denjenigen, welche den Durchblick hatten) vor einem Jahr und die damaligen Prognosen über die zukünftige Krisenentwicklung ermöglicht die Lektüre des Handelsblatt-Interviews vom 08.04.2008 von Torsten Riecke mit Mohamed El-Erian, Co-Chef des Anleihefonds Pimco, u. d. T. "Krise ohne historisches Beispiel".
Ich beschränke mich hier großenteils auf eine Wiedergabe von Auszügen, möchte aber die Leser noch einmal daran erinnern, dass es sich nicht (wie es oft scheinen mag) um einen aktuellen Kommentar zur Welt-Wirtschaftskrise handelt, sondern dass El Erian (wie auch andere) bestimmte Entwicklungen bereits vor einem Jahr prognostiziert hat (Hervorhebungen von mir):

Twingly als teuflische Versuchung: Intellektuelle Jingle Mail von mir zum Handelsblatt?


In einer ganzen Reihe von amerikanischen Bundesstaaten (darunter dem für den Immobilienmarkt sehr wichtigen bzw. für die Immobilienkrise in hohem Maße "verantwortlichen" Kalifornien) besteht die gesetzliche Möglichkeit, eine Immobilienhypothek als "nonrecourse debt" oder rückgriffslose Verbindlichkeit, aufzunehmen. Dem Gläubiger gegenüber haftet dabei lediglich die Immobilie, nicht der Hauskäufer persönlich mit seinem sonstigen Vermögen. Das bietet natürlich einen erheblichen Anreiz, bei einem starken Preisverfall aus dem Haus auszuziehen und es dem Leihgeber zu übergeben.

Freitag, 20. März 2009

Wolfgang Münchau: was ist Wahrheit? oder Die Trompeter von Sick-ingen


Auch ich lese natürlich recht häufig englischsprachige Webseiten, zum allergrößten Teil aus den USA. Die sind meist informativer als die deutschsprachigen, was bei der Finanzmarktkrise ja auch kein Wunder ist: Seismographen im Zentrum des Bebens liefern naturgemäß die besseren Aufzeichnungen.
Manche meiner Landsleute scheinen bei einer solchen Lektüre allerdings die Orientierung zu verlieren.

Freitag, 13. März 2009

Ein Bild lügt mehr als tausend Worte. Irreführende Werbung für die Frühstücks-Angebote von McDonalds

Wer möchte da nicht zugreifen -


wo es ein Frühstück "schon ab 1 €" zu kaufen gibt?


So jedenfalls suggeriert uns die Vorderseite des Faltprospekts mit dem Titel "easy morning" von McDonalds Deutschland dem Verbraucher: mit der Abbildung eines Bechers Kaffee und eines McMuffin Bacon & Egg. Und mit der Unterzeile "Das neue Frühstück bei" McDonalds.













Ein Blick auf die Rückseite






















sowie auf die beiden Innenseiten

zeigt indes: In Wirklichkeit gibt es zwar verschiedene Snacks für einen Euro (und wohl auch den Cappuccino), aber kein Frühstück. Denn das umfasst nach meiner, und zweifellos auch nach der gängigen Vorstellung in der Öffentlichkeit, also bei den anderen Konsumenten oder Kunden oder Verbrauchern, immer mindestens eine Speise und ein Getränk.

Deshalb bezeichne ich diese Werbung als eine Irreführung der Verbraucher und als unlauteren Wettbewerb.












Textstand vom 13.03.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb
des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Mittwoch, 11. März 2009

Dudenhöffer non è di aqua. Wer machte mit welchen Motiven sein Automotive Research Center für die Opel-Studie flüssig?


Leser meines Blotts "Opel: Rettung für lebendige Tote? Steuergroschen für GM? Ist Deutschlands Politik plemplem?" (16.11.08 ff.) haben vom "Autopapst" Professor Dr. Ferdinand Dudenhöffer zur Frage der Opel-Rettung ein breites Meinungsspektrum im Stil von 'Wie es euch gefällt' vernommen:

Ein Name ist derzeit bei der Berichterstattung über die Opel-Krise in aller Medien Munde: Professor FERDINAND DUDENHÖFFER.
Der äußert sich .. sphinxhaft mal so mal so. Einerseits fordert er Rettungsmaßnahmen der Regierung, andererseits bezweifelt er die Überlebenschancen der Firma Opel.
"Opel war jahrelang auf Hilfen angewiesen und steht derzeit fast ohne Liquidität da", erklärt Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer. Die Rettung von Opel berge ein enormes Risiko und sei ohne einen finanzstarken Investor nicht zu machen. Ein solcher Investor habe derzeit aber eine große Auswahl, weil die meisten Autohersteller bemerkenswert geringe Börsenbewertungen aufwiesen. "Wieso sollte sich ein Interessent deshalb ausgerechnet für Opel entscheiden?" wird Dudenhöffer hier zitiert.
Dort freilich verlangt er Staatsknete: