Disclaimer:
Der Verfasser ist ehemaliges (langjähriges) AfD-Mitglied. Auch wenn die Entwicklung der Partei ihn ins Lager der Nichtwähler vertrieben hat, steht er doch seiner einstigen politischen Heimat nicht gleichgültig (und schon gar nicht feindselig) gegenüber.
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Siebzigtausend oder mehr Mitglieder der AfD reißen sich den Allerwertesten auf, um ihre Partei voranzubringen. In aktuellen Wählerumfragen liegt sie bereits nahe 30% Zustimmung und ist damit beinahe schon 50% stärker als die nächstfolgende CDU. Dieser mühsam erkämpfte Erfolgskurs lässt einigen politischen Hohlbirnen in der AfD den Kamm schwellen: Auf dem bevorstehenden Erfurter Bundesparteitag wollen sie ihre Partei für Rechtsextremisten öffnen.
DIE TORE HOCH, DAS GROSSHIRN FEST VERSCHLOSSEN:
BRAUNBRUT MARSCHIERT - JETZT IN DIE AFD?
Die Alternative für Deutschland (AfD) hat eine 13seitige "Unvereinbarkeitsliste für AfD-Mitgliedschaft" (UVL) aufgestellt. Wer Mitglied in einer der dort aufgeführten Organisationen ist oder jemals war, kann in Prinzip kein Parteimitglied werden. (Details und Ausnahmen vgl. Bundessatzung der AfD, § 2 Abs. 4 und 5.)
Aktuell versucht der thüringische Landesvorsitzende Björn Höcke, diese UVL weitestgehend aufzuheben. Hier im Antragsbuch (S. 53 ff.: "SN-4 Sachantrag. Unvereinbarkeitsliste überarbeiten") kann man den von Höcke und anderen gestellten Antrag nachlesen. Einen vergleichbaren, aber weitaus kürzeren Antrag hat auch der Kreisverband Heidenheim an der Brenz gestellt; s. S. 52: "SN-3 Sachantrag. Unvereinbarkeitsliste überarbeiten".
Ganz offensichtlich möchten die Antragsteller mehr Rechtsextremisten als AfD-Mitglieder gewinnen.
Das erscheint unklug, weil sämtliche anderen relevanten Parteien die AfD mit teilweise rechtswidrigen Methoden und im Zustand eines regelrechten furor teutonicus bekämpfen.
Außerdem stellen sich fast alle Medien, an der Spitze der mit Zwangsgebühren üppig gemästete Staatsfunk (Eigenbezeichnung: ÖRR), sowie fast die gesamte organisierte sog. "Zivilgesellschaft" gegen die AfD: Kirchen, Gewerkschaften und sogar Sportvereine kübeln Hasstiraden gegen die Partei und schließen deren Mitglieder so weit wie möglich von der Teilnahme in ihren Vereinen usw. aus. In Manchem erinnern diese Hasskampagnen an die "Gleichschaltung" der Gesellschaft in totalitären Diktaturen. Auch die Meinungsfreiheit wird heute wieder eingeschränkt; in Trippelschritten, und mit teils hinterhältigen Methoden.
Es trifft zu, dass sich einige ultrarechte Problemfiguren in die AfD eingeschmuggelt und manche von denen auch höher- oder hochrangige Funktionen übernommen haben. Doch ist es nach meiner Einschätzung diesen Gestalten NOCH nicht gelungen, die Partei zu dominieren. Der Verfassungsschutz (VS) sieht das anders; aber der ist ja auch weisungsgebunden und vertritt als Teil der Staatsbürokratie die Interessen der machthabenden (Block-)Parteien. Das Verwaltungsgericht Köln hat den VS mit Beschluss vom 26.02.2026 ausgebremst. Der Kernsatz aus der verlinkten Pressemitteilung hat die Fakten richtig erfasst:
"Nach dem Erkenntnisstand des Eilverfahrens liegt zwar eine hinreichende Gewissheit dafür vor, dass innerhalb der Antragstellerin gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtete Bestrebungen entfaltet werden. Die Antragstellerin als Partei wird durch diese Bestrebungen indes nicht in einer Weise geprägt, die dazu führt, dass ihrem Gesamtbild nach eine verfassungsfeindliche Grundtendenz festgestellt werden kann."
Doch lauern die AfD-Hasser in den Konkurrenzparteien geradezu darauf, dass sich diese verfassungsfeindlichen Tendenzen so lange anreichern, bis die Partei "kippt".
Oder sie misstrauen (verständlicher Weise!) diesem Verfassungsschutz, der sogar die AfD selber als "gesichert rechtsextremistische Bestrebung" eingestuft hatte und behandeln wollte. Bei sehr vielen Menschen überwuchert das analogische das logische Denken. So dürfte sich in zahlreichen Köpfen die Schein-Logik festfressen: "Wir sind harmlos - dennoch stuft uns der VS als Extremisten ein. Also sind bestimmt auch viele/alle vom VS als extremistisch bewertete Organisationen in Wahrheit keine solchen."
Jedenfalls sind Gerechtigkeitsempfinden, Mitleid oder Misstrauen gegen den VS gewiss valide Argumente - wenn man die Dinge aus der Froschperspektive betrachtet.
Dagegen sollte einem innerparteilich hochrangigen Politiker wie dem Thüringer AfD-Landesvorsitzenden Björn Höcke der Schutz seiner eigenen Partei wichtiger sein als solche Gefühle. Und wichtiger als seine Affinität zu Rechtsextremisten bzw. seine Anhänglichkeit an die extremistische Ideologie der sog. "Neuen Rechten" um Götz Kubitschek. Denn ein verantwortungsbewusster, die Dinge aus der Vogelschau betrachtender Politiker müsste ja doch abwägen: Soll sich die AfD als politische Reha-Anstalt für angeblich oder tatsächlich geläuterte oder angeblich oder tatsächlich zu Unrecht als rechtsextrem eingestufte Organisationen positionieren (Motto "in dubio pro reo"), oder soll sie das Wohlergehen und die Sicherheit der Partei in den Mittelpunkt stellen, auch wenn es dabei in Einzelfällen zu tatsächlichen oder vermeintlichen Ungerechtigkeiten kommen könnte (Motto "AfD first!")?
Björn Höcke ist nicht die hellste Kerze auf der Torte. Der frühere AfD-Landtagsabgeordnete und Unternehmensberater Karlheinz Frosch, der aus der Partei ausgetreten war, weil Höcke ihn politisch übel gelinkt hatte (Wikipedia) findet ihn "überschätzt" und attestiert dem Landes- und Fraktionsvorsitzenden "null Führungsqualitäten". (Kostenpflichtiger SPIEGEL-BERICHT "Das Phantom von Erfurt" vom August 2024.)
Aber so dumm ist Höcke nun auch wieder nicht, dass ihm die Risiken einer AfD-Schleusenöffnung für den Zustrom bräunlicher Abwässer nicht vollauf bewusst wären. Und mit Sicherheit lässt er sich bei seinem Schleusungsversuch auch nicht von Gerechtigkeits- oder Mitleidsmotiven leiten, sondern verfolgt damit eine eiskalte politische Strategie.
Warum also brennt Björn Höcke darauf, die AfD mit hochtoxischer brauner Brut zu befüllen?
Wie viele andere Ultrarechten inner- und außerhalb der AfD (Eigenbezeichnung: "Aufrechte Patrioten") glaubt sicherlich auch der Bonsai-Bismarck aus Bornhagen daran, dass es zur Rettung Deutschlands einer Einheitsfront aller "aufrechten Patrioten" bedarf. In seiner Rede am 03.10.2022 in Gera hatte er ursprünglich sagen wollen:
"Noch haben wir keine Macht, aber die AfD ist als parlamentarischer Arm der Volksopposition die stärkste Kraft in Thüringen und wir werden 2024 die Machtfrage stellen!"
In der gesprochenen Rede sagte er stattdessen ungefähr an derselben Stelle:
"... wir [dürfen] uns vom Establishment, das versucht, Spaltkeile in uns hineinzutreiben, niemals auseinandertreiben lassen. Wir müssen als Einheit, wir müssen als freiheitsverliebte Volksopposition zusammenstehen ... ."
Jedenfalls fordern beide Versionen seine Hörer zur Einheit auf bzw. verstehen sie als Einheit. Und unter den Zuhörern waren zahlreiche Rechtsextremisten.
[Beide Redeversionen, die geschriebene und die gesprochene, hat die AfD-Hasser-Organisation VVN-BDA in einem Textdokument zusammengefasst. Eine vorzügliche Analyse von Höckes Russland-Schleimerei liefert Helmut Kellershohn, ebenfalls kein Fan der AfD, aber ein sachlich argumentierender und analytisch tief eindringender Forscher, auch zur Person Höckes.]
Bei dem organisatorischen Hintergrund dieser immerhin am Tag der Deutschen Einheit gehaltenen Rede ist bemerkenswert, dass die Veranstaltung
a) nicht von der AfD Thüringen organisiert worden war,b) sondern von parteifremden, weit rechtsaußen stehenden Kreisen. Belltower News ist zwar eine extrem AfD-feindliche Webseite; aber in diesem Bericht dürften zumindest die Namen der Veranstaltungsanmelder zutreffen:"... vom Thüringer Neonazi Christian Klar und Frank Haußner, Sprecher der extrem rechten Vereinigung 'Patrioten Ostthüringen'." Christian Klar hat, auch jenseits seiner politischen Aktivitäten, nicht die allersauberste Weste. Weitere Redner waren der Ultrarechte Martin Kohlmann und der "Querfrontler" Jürgen Elsässer.c) Schließlich fällt auf, dass diese Veranstaltung nicht in Erfurt stattfand, sondern in Gera. Gera liegt weit näher an Sachsen als Erfurt; die Wahl des Veranstaltungsortes hatte also offenkundig den Zweck, auch Rechtsradikale aus diesem Bundesland anzulocken. (Insgesamt sollen 10.000 Besucher gekommen sein.)
Langer Rede kurzer Sinn: Höcke hat in Gera wissentlich und willentlich für eine rechte Einheitsfront unter Einschluss der Rechtsextremen plädiert. Und ebenso zweifellos auch bei vielen anderen Gelegenheiten.
IST ES AUCH WAHNSINN, SO HAT ES DOCH METHODE: WARUM HÖCKE
DIE AFD MIT RECHTSEXTREMEN TROJANERN INFILTRIEREN WILL
Was treibt Höcke dazu, die Grenzen der AfD in ähnlicher Weise für "fremdkulturelle", d. h. mehr oder weniger stark "angebräunte" Gestalten zu öffnen, wie die Landstörzerin Angela Merkel die Grenzen unseres deutschen Landes 2015 sperrangelweit für fremdkulturelle Immiggressoren aufgerissen hat?
Zum Einen steht zu vermuten, dass Höckes rechtsextremistischer Anhang ihm Druck macht: "Wir würden dir ja gerne helfen, aber warum lasst ihr uns nicht in die Partei eintreten?" Oder: "Du schwafelst von 'Einheit', aber wenn es drauf ankommt, lasst ihr uns draußen vor der Tür stehen".
Das ist für Höcke aber ein untergeordneter Aspekt. Tatsächlich steckt ein perfider Masterplan hinter seinem Schleuser-Einsatz für die Rechtsextremisten. Höcke ist selber ein rechtsextremes Fossil. Er hat gemerkt, dass er als solches keine Chance hat, die Partei zu beherrschen. Folglich muss er dafür sorgen, dass die Partei von Rechtsextremisten übernommen werden kann; die werden ihm dann zur Macht verhelfen. Denn dass er mit seinem Aufgabengebiet in Thüringen zufrieden ist, das kann er Einfaltspinseln erzählen, die ihre Hosen mit der Kneifzange anziehen: Höcke wähnt sich als nationaler Heiland, als Erlöser Deutschlands von allem Übel!
In dem o. a. SPIEGEL-Artikel "Das Phantom von Erfurt" berichtet der ex-MdL Karlheinz Frosch, dass Höcke bei mehreren Gelegenheiten erzählt habe, er sei bei einer Wanderung zu Studentenzeiten einem Wahrsager begegnet. Der habe ihm prophezeit, dass er eines Tages Deutschland retten werde. Laut SPIEGEL hat "Auch ein anderer Abgeordneter ... die Begebenheit so gehört".
Auch zahlreiche öffentliche Äußerungen Höckes beweisen, dass er sich für Deutschlands Gottgesandten hält; vgl. dazu unten im Anhang das Stichwort "MESSIAS" mit einer Sammlung seiner einschlägigen Zitate.
Nicht zuletzt dürfte dem Herrn Höcke daran gelegen sein, seinen noch unter Prof. Jörg Meuthen ausgeschlossenen Gesinnungsgenossen Andreas Kalbitz heim ins Partei-Reich zu holen. Denn der war ein begnadeter Strippenzieher, was Höcke nicht ist. Vielleicht sogar auch den Götz Kubitschek; auf alle Fälle aber viele, viele Rechtsextremisten aus Sachsen und Thüringen. Die bekämen dadurch nicht nur Einfluss in der AfD, sondern im Laufe der Zeit teilweise auch eine sichere Existenzgrundlage als Mandatsträger oder als bezahlte Mitarbeiter in der Partei und in Parlamentsfraktionen.
Das Reinschaufeln seiner rechtsextremistischen Gesinnungsgenossen hat für Höcke (und Konsorten) sogar einen DOPPELTEN Nutzen:
- Direkt ersichtlich ist der Gewinn, der sich aus der Steigerung seiner Anhängerzahl in der Partei ergibt. Allerdings vermute ich mal, dass der Zustrom, jedenfalls anfänglich, auf einige Tausend Brownies beschränkt bleiben wird. Freilich darf man vermuten, dass diese aktiver sind als die "Altmitglieder" und untereinander bestens vernetzt.
- Mit hoher Wahrscheinlichkeit ergäbe sich aber auch ein Sekundäreffekt dergestalt, das dieser Extremisten-Zustrom eine ganze Reihe vernünftiger Mitglieder vertreiben würde. Auch das würde die innerparteilichen Mehrheitsrelationen massiv zu Gunsten der Rechtsextremisten und damit zu Höckes Gunsten verschieben. Freilich zugleich auch dem Verfassungsschutz seine Arbeit am AfD-Parteiverbot erleichtern. Aber ist der Kellernazi Höcke solchen rationalen Argumenten überhaupt noch zugänglich? Wahrscheinlich ist er längst in eine Welt feuchter Träume abgedriftet: Über die Erschaffung eines ruhmreichen, großartigen Deutschlands, Hegemon in Europa und im Bündnis mit Russland auf Augenhöhe mit den USA. Wer möchte sich angesichts solcher Fata Morganas schon mit der Gefahr eines AfD-Verbots befassen? Weitsichtige Strategen waren die Rechtsaußen bereits 1914 und 1939 nicht; warum sollte ausgerechnet der Bornhagen-Bismarck die Ausnahme sein?
Unter Ziff. 3 des Antrages heißt es: "Im Lichte unseres Programmes und unserer Grundüberzeugungen dürfen aber nicht lediglich politische Parteien und Organisationen, die als 'extremistisch' im Sinne von Ziffer 2 zu betrachten sind, als unvereinbar gelten. Es müssen sämtliche Gruppen, die unseren Grundüberzeugungen entgegenstehen in der reformierten Unvereinbarkeitsliste erfasst werden. Die Partei Bündnis90/Die Grünen arbeitet seit Jahrzehnten an der Zerstörung der ethnisch-kulturellen, demographischen, sprachlichen und wirtschaftlichen Grundlagen Deutschlands. Solche anti-deutschen Organisationen müssen ebenfalls als unvereinbar mit der Alternative für Deutschland gelten."
Nun ist zwar die Wahrscheinlichkeit gering, dass frühere Parteimitglieder der GRÜNEN der AfD beitreten möchten. Geht man aber davon aus, dass dies lediglich ein Testballon ist und die Unvereinbarkeit später auch auf andere Parteien ausgeweitet wird, dann wollen Höcke und sein Anhang auch insoweit die "Schotten dicht" machen für den Beitritt nichtradikaler Elemente mit parteipolitischer Erfahrung. Ich gehe davon aus, dass genau dies das nächste Ziel der radikalen Schleusergang ist.
Diese Vermutung lässt sich natürlich nicht beweisen. Derzeit ist auch ein anderer Aspekt der o. a. Formulierung weitaus interessanter: Indem unter "sämtliche Gruppen, die unseren Grundüberzeugungen entgegenstehen" keine rechten, sondern nur linke fallen sollen, verrät der Einfaltspinsel Höcke mit diesem Antrag im Umkehrschluss zugleich, dass für ihn Rechtsextremismus mit den "Grundüberzeugungen" der AfD problemlos vereinbar ist.
Jede Wette, dass beim Verfassungsschutz und bei den Blockparteien schon die Champagnerkorken knallen!
Woher ich so genau weiß, dass der Kryonik-Björn (in der 1. Hälfte des vorigen Jahrhunderts eingefroren; beim Auftauen nichts vergessen und seither nichts hinzugelernt😉) die AfD zum Braunen Brüter machen will?
Nun: Was aussieht wie ein Putschversuch, das ist auch ein Putschversuch!
IDENTITÄT DES KELLERNAZIS LANDOLF LADIG
MIT DEM AFD-POLITIKER BJÖRN HÖCKE
Gesicherte Erkenntnis ist jedenfalls, dass Björn Höcke tatsächlich ein Hardcore-Rechtsextremist ist.
Das wird beiläufig sogar in dem viel gescholtenen Interview von Ben Berndt auf dessen YouTube-Kanal "ungeskriptet" sichtbar; man muss nur bis zum Ende durchhalten bzw. indirekte Hinweise richtig verstehen (4:26:57 ff.)
Auf die Frage von Ben Berndt "[Es] gibt Bilder aus irgendeiner Spiegel TV Dokumentation, wo sie schon, ich glaube 2010, in Dresden auf einer Demonstration waren. Das war eine Demonstration, die aus dem Rechtsextremlager organisiert worden ist. Wie genau war das und wie sind Sie hingekommen und warum waren Sie da?"
antwortet Höcke
" ... . Also, rechtsextremes Lager, da sind wir schon wieder bei der Zuschreibung. Ich weiß nicht, wer diese Demonstration organisiert hat, aber es findet jährlich in Dresden ein sogenannter Trauermarsch statt."
Woher will Höcke wissen, dass der "Trauermarsch"* NICHT von Rechtsextremisten organisiert wurde, wenn er doch angeblich gar nicht weiß, wer die Veranstalter überhaupt sind? Seine spontane Verteidigung der ihm unbekannten Organisatoren wird nur dann verständlich, wenn man davon ausgeht, dass er rechtsextreme Organisationen und Personen GENERELL nicht als solche markiert wissen möchte. Auch diese unbedachte Äußerung macht also deutlich, dass Höcke den Rechtsextremismus legalisieren und normalisieren will.
* (die offizielle Bezeichnung der Anmelder lautete übrigens "Gedenkmarsch"; aber in den Medien, sogar der linken taz, findet sich meist der "Trauermarsch")
Nun ist "rechtsextrem" nicht schon per se identisch mit "Kellernazi". Dass Höcke allerdings auch ein solcher ist, ergibt sich aus seiner Identität mit "Landolf Ladig".
Der (zwar weit links stehende) Soziologie Andreas Kemper hat bereits vor einer Reihe von Jahren die Identität von Björn Höcke mit einem unter dem Pseudonym "Landolf Ladig" schreibenden Artikelverfasser aufgedeckt: "Wieviel NPD höckt in der AfD?" ist sein Blogeintrag vom 15.03.2015 überschrieben.
Mit einer "Ladig-Höcke-Synopse", also einer Gegenüberstellung von Stellen aus "Ladig"-Texten mit gleichen oder ähnlichen Passagen aus "Höcke", führt er einen überzeugenden Indizienbeweis für diese Identität. Höcke hatte gedroht, jeden zu verklagen, der diese Identität positiv behauptet. Kemper bleibt sprachlich im Hypothesen-Bereich, aber das Zentrum für politische Schönheit hat das Großmaul Höcke herausgefordert und entlarvt: Es behauptet ohne Einschränkungen die Identität von Björn Höcke mit "Landolf Ladig". Würde Höcke dagegen klagen, müsste er vor Gericht seine Nicht-Identität behaupten. Das wäre ein (versuchter) Prozessbetrug und somit eine Straftat, weil er ja tatsächlich identisch ist. Die möchte der Beamten-Björn nicht riskieren; da würde ihm ja möglicher Weise seine Beamtenpension aberkannt. Weil aber seine Fans nicht an die Identität glauben ("Das kommt von einem Linken, kann also gar nicht stimmen!") bzw. den Rechtsextremisten und den Einfältigen diese Frage ohnehin gleichgültig ist, bleibt seine juristische Untätigkeit für seinen innerparteilichen Ruf folgenlos.
Jedenfalls wurden unter dem Pseudonym "Landolf Ladig" 2011/2012 mindestens DREI Artikel in ZWEI NPD-Postillen verfasst (hier bei Kemper aufgelistet; auch dort unter "mein Werk" nachlesbar):
- "Deutsche Impulse überwinden den Kapitalismus. Krisen, Chancen und Auftrag", ca. dreieinhalb Seiten in "VOLK IN BEWEGUNG" Nr. 5/2011 (nachfolgend: ViB 2011).
- "Ökologie und Postwachstumökonomie*. Die Krise des Liberalismus", knapp vier Seiten in "VOLK IN BEWEGUNG" Nr. 1/2012 (nachfolgend: ViB 2012). (* An anderen Stellen und bei Paech selber "Postwachstumsökonomie" geschrieben.)
- "Was wird aus unserer HEIMAT? Der demografische Wandel ist kein Naturgesetz!" in Eichsfeld Stimme, Jahrgang 4 Ausgabe 8 (vermutlich vom August 2012; nachfolgend: Stimme).
Jenseits der direkten Nazi-Begeisterung arbeitet sich der Autor am Zinssystem ab. Man muss vermuten, dass er diese Ideen aus dem Buch "Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft" des Nazi-Theoretikers Gottfried Feder aufgesogen hat, den freilich die Nazis selber damals rasch kaltgestellt haben.
Schließlich findet sich auch sehr viel Umweltbewegtheit in den o. a. drei Höcke-Ladig-Texten. Die hat nicht zwangsläufig mit Nazi-Neigung zu tun; indes sind auch diese Aufsätze verräterisch, wenn man sie vor der Folie der rechten Kritik am grünen "Ökosozialismus" liest. Und bei Ladig/Höcke sind sie fast immer verknüpft mit der Kritik an einem angeblich wirtschaftliches Wachstum erzwingenden "Zinssystem"; insoweit überschneiden sie sich also mit der Nazi-Phantasmagorie einer vermeintlichen "Zinsknechtschaft".
(Zu Zeiten von Gottfried Feder war die Umwelt noch kein Mega-Thema, bei ihm selber findet sich diese Verknüpfung nicht. Naturschutz auf regionaler Ebene stand aber schon im Fokus, den haben die Nazis auch gefördert. Und bekanntlich hatten sich in den Anfangsjahren der GRÜNEN nicht wenige Ex-Nazis sogar zu denen verirrt und waren dort recht aktiv.)
Im nachfolgenden Anhang präsentiere ich neben Höcke-Themen ("Messias") Auszüge aus den drei o. a. Ladig-Werken (teilweise ergänzt um Höcke-Zitate), aus den Bereichen
- GELDWESEN - WIRTSCHAFT - ZINSEN,
- NAZI-NÄHE,
- NPD-NÄHE und
- UMWELT (Äußerungen zur Umweltpolitik usw.).
Die Nummerierung der Zitate soll lediglich eine eventuelle Bezugnahme erleichtern (Zitierempfehlung: "Messias Nr. 1" usw.) und hat ansonsten keine Bedeutung.
Hervorhebungen (Fettdruck) stammen von mir.
"Disclaimer" (sowas in der Art😁):
Der Verfasser des vorliegenden Blogeintrages hat auch selber schon in einem rechtsextremen Blatt publiziert. Und zwar im "Reichsruf", Parteiblatt der einstigen "Deutschen Reichspartei". Das muss um Ostern 1963 oder 1964 gewesen sein. Diese (wohl zwei) Texte liegen ihm nicht mehr vor, doch ist er sicher, dass er sich auch heute ihres Inhalts nicht schämen muss.
Er erinnert sich immerhin noch daran, dass er damals eine politische Positionsbeschreibung in Sachen "Patriotismus" entwickelt hat, die heute noch für ihn gilt - und auf die er nach wie vor stolz ist. Beschrieben hatte er sich damals als Patriot in drei konzentrischen Kreisen:
- DEUTSCHER Patriot,
- EUROPÄISCHER Patriot sowie (und das schleudert er den Westen-Hassern in der AfD gerne ins Gesicht!):
- KULTURKREISPATRIOT.
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ANHANG: ZITATE VON BJÖRN HÖCKE UND LANDOLF LADIG ZU DEN OBEN GENANNTEN FELDERN
MESSIAS (Höcke)
Nr. 1 (aus Höckes Buch "Nie zweimal in denselben Fluss":)
- "... früh kam der Wunsch auf, an etwas Großem teilzuhaben und ihm zu dienen ..."
- "Ein innerer Kompaß für das rechte Handeln sollte [bei einem guten Politiker, also z. B. bei Björn Höcke] schon vorausgesetzt werden, nach der Kantschen Formel: 'Über meinem Haupt der bestirnte Himmel und in meiner Brust das sittliche Gesetz'."
- Und "Eine gewisse Unbedingtheit, Kühnheit und Wirklichkeitsverachtung gehören dazu, wenn man mehr will, als nur das Vorhandene zu reproduzieren."
- "Ich bin ... überzeugt, daß mein heutiges Bewährungsfeld eine überpersönliche Notwendigkeit hat, auch wenn ich diese nur in Ansätzen fassen kann."
- Die Gegenfiguren zum strahlenden Höcke-Heiland sind die "mediokren Schweinchen-Schlau-Figuren der heutigen Parteiendemokratie".
- Angeblich will er "... selbstkritisch sein. Wir alle sind – und ich will mich davon gar nicht ausnehmen – mehr oder weniger von dem gesamtgesellschaftlichen Niveauverlust an Geist und Bildung betroffen." Er formuliert den "... Imperativ, als noch nicht erreichtes Ziel und als Aufforderung – auch an sich selbst – , wieder eine deutliche Hebung vorzunehmen." Dazu müsse man "den Niveauverlust aber überhaupt erst einmal wahrnehmen!"
- Höckes eigenes Niveau demonstriert seine spinnerte Behauptung, Deutschland habe "die erfolgreichste und stärkste Wirtschaftsordnung der Welt geschaffen". Auf die folgerichtige Frage seines Gesprächspartners: "... von woher fließen uns diese Kräfte zu?", dichtete der große Denker uns Deutschen, d. h. zuallererst sich selbst, "einen besonderen, tieferen Blick auf die Erscheinungen der Welt" an. Das ist eine Flucht aus der Welt der Ratio in die Welt der Gefühle, wo man sich keine kritischen Fragen mehr anhören (oder gar selber stellen) muss, sondern das Wahre, Schöne und Gute intuitiv erfasst.
- Im Textzusammenhang auf den Parteivorsitz gemünzt, stellt sich Höcke bestimmt auch seine eigene Zukunft als Staatsmann so vor: "... es braucht eine starke Persönlichkeit und eine feste Hand an langer Leine, um die zentrifugalen Kräfte zu bändigen und zu einer politischen Stoßkraft zu bündeln."
- An anderer Stelle verordnet er unserem Land einen "Zuchtmeister" (offenbar sein Selbstverständnis, sollte er jemals an die Macht kommen!), "denn nur mit starken Einzelpersönlichkeiten, die sich dem Ganzen verbunden fühlen, werden wir ein so großes Projekt wie den Neubau unseres Gemeinwesens stemmen". Als jene "starke Einzelpersönlichkeit" sieht er ganz zweifellos wiederum sich selber.
Nr. 2 (aus Doppelinterview):
Besonders erhellend zu Höckes messianischem Selbstverständnis ist eine Passage aus "Björn Höcke, Stefan Scheil und die AfD – ein Doppelinterview (Teil 2)" in der SEZESSION vom November 2014, deren hier wesentliche Teile ich nachfolgend auszugsweise, aber sinnvoll zusammenhängend wiederzugeben versuche:
HÖCKE: ... Mein Mandat setzt mich frei zur Politik. ... Als Politiker muß ich jetzt daran gehen “Beträge von hohem Wert in Kleingeld unter die Leute zu bringen” (Bismarck). Das gelingt nur, wenn man als Politiker bereit ist, gekonnt zu vereinfachen und Botschaften ins Land zu senden, die die Menschen auch gefühlsmäßig erreichen.
SEZESSION [der Interviewer war Götz Kubitschek]: Was bleibt dabei ... von deiner Intellektualität übrig? Ein Politiker muß hundertmal dieselbe Wahlkampfrede halten und die Differenzierung der Positionierung unterwerfen.
HÖCKE: ...Vielleicht ist die Zeit für einen neuen Politikertypus gekommen. Für einen, der dadurch das so unerläßliche Charisma entfaltet, daß er auf der Basis der Vernunft und des Verstandes seiner Liebe zum Eigenen und zum Immergültigen gefühlsstark Ausdruck verleihen kann. Das Auftauchen einer solchen Persönlichkeit könnte viel bewegen.
SEZESSION: Das bedeutet: Diese Person ist noch nicht aufgetaucht, und wenn sie auftauchte, dürfte sie keinesfalls dem von Olaf Henkel verkörperten liberalen Flügel der Partei angehören, oder? Wie weltanschaulich ernst ist die Auseinandersetzung innerhalb der Partei?
HÖCKE: Ich bin der festen Überzeugung, daß es diese Person schon gibt. Als noch nicht gesetzte Partei katalysiert die AfD ... nicht nur Inhalte, sondern auch Personen und deren Entwicklung zu politischen Persönlichkeiten. Was man wohl ausschließen kann, ist, daß sie aus dem Milieu der Technokraten oder Besitzstandswahrer kommt. ["Diese Person" gibt es also schon, und zwar INNERHALB DER AFD! Mit "Technokraten" usw. hat Höcke offensichtlich nicht nur die herrschenden Parteien gemeint, sondern auch parteiintern Personen wie Prof. Lucke usw.: DER ist also nicht Deutschlands Erlöser!]SCHEIL: Warum nicht? Wenn ich mir unsere Parteiführung ansehe, dann sind wir personell bereits durchaus gut besetzt. Besonders Bernd Lucke hat in meinen Augen genau die Portion und die Art Charisma, die derzeit in Deutschland gebraucht wird. ... ."HÖCKE: Ich kann mir insgesamt nur schwer vorstellen, daß es für diese Gegenwart eine liberale Vision geben kann.
Auch mit der letzten Bemerkung wollte sich Höcke offenbar von Lucke absetzen (und damit auch von den Ansichten von Stefan Scheil). In seinem Buch wettert Höcke gegen den "westlich dekadenten Liberalismus" - was ihn nicht gerade als lupenreinen Demokraten ausweist. Zumal er dem historischen Faschismus auch noch "ernsthafte[...] Versuche" andichtet, "die liberalistischen Krisen Anfang des 20. Jahrhunderts zu überwinden".
Verrat an den ukrainischen Patrioten ist in Höckes "sittlich-tugendhaftem Leben" inkludiert. Ausbeutung ausländischer Arbeitnehmer bei der Altersrente ebenfalls (vgl. das Rentenpapier seiner Thüringer AfD-Fraktion).
"Das Scheingeld des Geldsozialismus ist der Treibstoff des Kasinokapitalismus, der marktwirtschaftliche Selbstregulierungsprozesse teilweise außer Kraft setzt. Der Wachstums- und Rationalisierungsdruck, der auf der Realwirtschaft lastet, und der auch dazu führt, daß der Mittelstand verschwindet und immer mehr Menschen in Deutschland von ihrer Hände Arbeit nicht mehr leben können, hat seinen Ausgang auch in einem kranken Geldsystem.
Aber nein, der Höcke ist doch nie und nimmer ein Antidemokrat! Sondern er sagte und sprach in seiner Geraer Rede vom 3.10.22: "... den alten, klassisch-liberalen Westen gibt es zu meinem Bedauern nicht mehr" und wiederholte wenig später: "... Neue Westen. Der, wie ich schon sagte, nichts mit dem klassisch liberalen Westen zu tun hat". Kurz: Höcke wendet sich einfach nur gegen "dekadenten Liberalismus" und kämpft für den 'wahren' Liberalismus.
Was genau Höckes wahrer Liberalismus freilich sein soll: Das darf das deutsche Dummvolk erst nach seiner Machtübernahme erfahren. Dann wird Björn Schwefelfrei den Kleinen Leuten schon beibiegen, wie sie ihr "sinnvolles, sittlich-tugendhaftes Leben" gefälligst zu führen haben!
GELDWESEN - WIRTSCHAFT - ZINSEN
Nr. 1 (Höcke; Leserbrief Junge Freiheit)
In ihrem Heft 43/2008 vom 17.10.2008 hatte die Zeitschrift JUNGE FREIHEIT auf S. 2 einen Gastkommentar von Prof. Dr. Hans-Olaf Henkel (der übrigens später zeitweise selber AfD-Mitglied war) zur damaligen weltweiten Bankenkrise veröffentlicht. Überschrift "Kein Dritter Weg"; daraus:
"Wer die deutsche Debatte der vergangenen Wochen verfolgt hat, muß den Eindruck gewinnen, die Bankenkrise sei ein Beweis für das Versagen der Marktwirtschaft. Landauf, landab wollen uns sowohl ganz linke als auch ganz rechte Politiker weismachen, daß nun ein Epochenwandel ansteht und der (National!-)Staat zum beherrschenden Akteur werden muß.
Versagt hat aber nicht der Markt, versagt haben Institutionen und Personen. ... Daß trotzdem wieder neue Formen des Sozialismus propagiert werden, ist absurd. Es gibt kein besseres System als die Marktwirtschaft, wenn wir das Ziel verfolgen, das Streben nach Glück und Wohlstand in produktive Bahnen zu lenken. Der Dritte Weg ist der schnellste Weg in die Dritte Welt."
Das provozierte Höcke, in einer Antwort (veröffentlicht im Heft 45/2008, S. 19 unter "Dritte Wege diskutieren"; aufgedeckt ebenfalls von Andreas Kemper) seine vermeintlich tiefere Einsicht in die Zusammenhänge zu verkünden. Übereinstimmend mit Henkel bekennt er sich dort zunächst ebenfalls zur Marktwirtschaft:
1) "Die gegenwärtige Krise ist definitiv keine des herrschenden Wirtschaftssystems,
also der Marktwirtschaft .....".
Vielmehr identifizierte er das Geldsystem als Ursache des Übels:
2) "..... sondern eine [Krise] des korrespondierenden Geldsystems ....."
Dieses Geldsystem beschreibt er als "zinsbasierter Kapitalismus":
3) "..... des zinsbasierten Kapitalismus".
4) "Enorme Buchgeldschöpfungen, gigantische Kapitalakkumulationen und globale Konzentrationsprozesse führen zwangsläufig zu zyklischen Krisen einer hochgradig vernetzten, monokulturalisierten Weltwirtschaft."
Offenbar hat Höcke etwas gegen Zinsen für Geldverleih. Das lässt vermuten, dass er das Buch "Das Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft des Geldes" des Nazi-Geldtheoretikers Gottfried Feder gelesen hat.
Feder war eigentlich Ingenieur. Seine dilettantische Geldtheorie war den Nazis propagandistisch außerordentlich nützlich, wurde ihnen aber nach der Machtübernahme lästig. Zwar wurde er zunächst Staatssekretär im Finanzministerium, jedoch ziemlich schnell in den einstweiligen Ruhestand versetzt, weil er sogar den Nazis zu deppert war.
Aber so dumm kann keiner sein, dass er nicht noch Dümmere finden würden, die ihm hinterherlaufen. Speziell in Sachen Geldsystem hat Höcke sich auch später in einer Weise geäußert, die auf einen ausgeprägten Dunning-Kruger-Effekt schließen lässt. Zuletzt war aber wohl nicht mehr der Nazi Gottfried Feder, sondern der Libertäre Roland Baader sein Geldsystem-Heiliger. (Mutmaßlich angeregt durch die AfD-Parteivorsitzende Alice Weidel, die, wie freilich unzählige andere Volkswirte auch, in Sachen Geldtheorie nicht wirklich gut informiert ist.)
Gottfried Feder hatte später auch einen Sammelband seiner Reden und Aufsätze herausgebracht, nämlich "Kampf gegen die Hochfinanz". Dort heißt es z. B.
"... das Zinsproblem ist ... eine Frage von grundlegender Bedeutung für den gesamten westlichen Kulturkreis, insofern, als die ihm angehörenden Völker zu wählen haben werden zwischen Untergang im bolschewistischen Chaos oder Versumpfung in der Versklavung der Zinsknechtschaft gegenüber dem Weltwucherkapital der franko-anglo-amerikanischen Hochfinanz" (S. 106). An anderen Stellen spricht er von einer "alljüdischen Hochfinanz" (S. 269), "internationale[r] Hochfinanz" (S. 301). "Die Wirtschaft eines Volkes ist nicht Selbstzweck, sie ist nicht dazu da, um die einzelnen Wirtschaftsführer zu bereichern auf Kosten ihrer Beamten, Angestellten und Arbeiter, noch weniger ist sie dazu da, um als Ausbeutungsobjekt für die internationale Hochfinanz zu dienen." Der letzte Halbsatz enthüllt Feders zentrale These, dass nämlich die deutsche Wirtschaft von der ausländischen, großenteils jüdischen "Hochfinanz" ausgebeutet werde. In seiner "Zinsknechtschaft" erscheint der Begriff "Hochfinanz" lediglich ein einziges Mal. Auf S. 18 werden als Angehörige der amerikanischen Hochfinanz "die Herren Cahn, Löb, Schiff, Speyer, Morgan, Vanderbilt, Astor" identifiziert, also keineswegs nur Juden. Was die "Hochfinanz" grundsätzlich von einer logisch zu postulierenden "Kleinfinanz" unterscheiden soll, verrät Feder nicht; Zinsen verlangen (zwangsläufig) jedenfalls beide; worin sollte die behauptete besondere Schädlichkeit der "Hochfinanz" liegen?
Am Ende läuft es darauf hinaus, dass nur die Ausländer die böse "Hochfinanz" stellen und überhaupt nur Ausländer böse "Kapitalisten" sind.
So auch bei Höcke, der in seinem Buch auf die Frage "Sie sind ein strikter Antikapitalist?" antwortet:
"Wenn man die heute herrschende Ökonomie als Grundlage nimmt, dann schon. Denn ein ungebändigter Kapitalismus fördert nicht nur die Gier, sondern zerstört neben dem sozialen Zusammenhalt langfristig auch die Völker und Nationen. Mit Kapitalismus meine ich also nicht eine sinnvolle Marktwirtschaft, die in einer erneuerten Volkswirtschaft ihren wichtigen Platz haben wird, sondern die einseitige Dominanz und Extremisierung eines Produktionsfaktors – des Kapitals – unter Vereinnahmung der beiden anderen: Arbeit und Boden. Man kann dieses System mit der Formel zusammenfassen: Geld regiert die Welt! Dagegen stellen sich völlig zurecht linke wie rechte Globalisierungs- und Kapitalismuskritiker."
Was eine "sinnvolle Marktwirtschaft" sein soll, sagt Höcke nicht und weiß das auch nicht; Hauptsache, seine Hörer glauben, dass er es wisse. Aber aus vielen seiner sonstigen Äußerungen (als "Landolf Ladig" wie im Buch usw.) ist zu schließen, dass er zu genau dem tendiert, was in der rechten Kritik an den Grünen als "Ökosozialismus" gebrandmarkt wird (und bei ihm dann "Ökofaschismus" wäre).
In einer anderen Passage seines Buches lässt Höcke endlich raus, was ihn WIRKLICH umtreibt:
"Das von [Carl] Schmitt geforderte 'Interventionsverbot raumfremder Mächte' ... müßte ... nach den schlechten Erfahrungen der Vergangenheit um das 'Investitionsverbot raumfremden Kapitals' ... ergänzt werden."
Höckes ganzer "Antikapitalismus" erschöpft sich also in der Dumpfbackenparole "Deutsche Kapitalisten gut, ausländische Kapitalisten böse".
Eine umfassende Untersuchung von Höckes "Denken" i. S. Geldsystem usw. liefert die Bachelor-Arbeit "Die Kapitalismuskritik Björn Höckes in ihrer Beziehung zur völkischen Ideologie. Eine Ideologie- und Frameanalyse" von Tim Kühn vom Oktober 2020. Zwar ist seine aktivistische Antifa-Sprache abstoßend und hat in einer wissenschaftlichen Arbeit nichts zu suchen. Dennoch bleibt der Autor als Beobachter nüchtern ["Diskrepanzen (bei Höckes Volksbegriff) bestehen akzentuell zur NS-Rassenideologie, nicht jedoch zur völkischen Ideologie insgesamt. In Bezug zu dieser muss von einer grundlegenden Übereinstimmung gesprochen werden." So ist das wohl.] und trifft viele korrekte Feststellungen. So z. B. in der Anm. 18 (S. 21): "Sowohl neoliberale, (neo-)keynesianische als auch linke [!] Ökonomen vertreten regelmäßig hochgradig ideologische Thesen. Doch in der Überprüfung der (ideologisch motivierten) Thesen wird auf nachprüfbare Quellen sowie die wissenschaftlichen Kriterien der Mittelbarkeit, Nachvollziehbarkeit und der Kritisierbarkeit zurückgegriffen. Die völkischen Autor*innen hingegen legen keinerlei Rechenmodelle oder detaillierte Theoreme vor. Sie postulieren ihre Analyse als Wahrheit – und dabei bleibt es. In diesem Sinne ist die völkische Ideologie eben genau das – pure Ideologie."
Im Grunde ist die Zuschreibung im letzten Satz sogar noch zu positiv. Denn eine "Ideologie" ist, jedenfalls im strengen Sinne, eine systematisierte Weltsicht (hier hatte ich einst eine Definition versucht). Logische innere Zusammenhänge lässt Höckes Geschwätz über das Geldsystem keine erkennen (wohl aber ein dämliches deutschnationales Leitmotiv!). Er klaubt lediglich kritische Begriffe aus der Kiste, die gerade im Schwange sind und fügt sie zu grammatikalisch korrekten Sätzen zusammen. Höckes Methode ist Potemkinismus vom Feinsten; kein Wunder, dass er Deutschland vom Westen weg und zum kleptokratischen russischen Neostalinisten Putin hin führen möchte.
Nr. 2 (Ladig; ViB 2011):
"Das Wirtschaften für den Markt läßt sich bei vernünftiger Steuerung mit Gerechtigkeit und Erhaltung der Natur versöhnen, der Kapitalismus nicht. So ist denn die gegenwärtige Krise definitiv keine des herrschenden Wirtschaftssystems, sondern eine des korrespondierenden Geldsystems, des zinsbasierten Kapitalismus. Dieses die Gier schamlos belohnende System ermöglicht enorme Buchgeldschöpfungen, gigantische Kapitalakkumulationen und globale Konzentrationsprozesse. Die Hochfinanz führt die wertschöpfende Realwirtschaft und die Politik am Nasenring durch die Manege. Zudem unterwirft die Zinsforderung des Kapitals die Realwirtschaft einem permanenten, ressourcenvernutzenden Wachstumszwang."
"Hochfinanz" waren bei den Nazis die Juden. Selbst wenn Ladig/Höcke diese nicht im Sinn gehabt haben sollte, würde es in der praktischen Politik doch wieder auf Antisemitismus hinauslaufen. Ladig (und Höcke) jongliert mit Worten, ohne diese jeweils mit dem zu unterlegen, was Goethe einen "Begriff" nannte, also mit einer konkreten Vorstellung des Designats. Irgendwann würde das Volk eine Identifizierung derjenigen Bösewichter verlangen, die vermeintlich hinter den abwertenden Begriffen stehen. Das wären dann zweifellos wieder "die üblichen Verdächtigen".
Dass Ladig/Höcke eine "vernünftige Steuerung" (der Wirtschaft) fordert, deutet auf eine ökofaschistische Vorstellungswelt. Die wäre mindestens genauso diktatorisch wie eine "ökosozialistische".
Bei der "Zinsforderung des Kapitals" fragt sich zunächst einmal, was damit KONKRET gemeint ist: Nur die Kreditzinsen (wahrscheinlich!) oder auch die Gewinnerwartungen der Unternehmenseigentümer (wenn nein: warum die nicht?). Wie verhält es sich mit Mieten, früher "Mietzins" genannt? Sind auch die "Zinsen" bzw., wenn nein, warum nicht?Und wie der Schreiber die (wie auch immer abgegrenzte) "Zinsforderung des Kapitals" ausschalten will, weiß er natürlich auch nicht. Die Kreditzinsen vielleicht durch Einführung eines islamischen Banksystems ("islamic banking")?
(Tatsächlich gibt es beunruhigende Übereinstimmungen zwischen den Zielen der deutschen Miefkonservativen* und den Islamisten, die am Ende durchaus zu einer "Querfront" führen könnten.)
Damals dekretierte Höcke autoritativ:*Hinweis: Auch ich bin konservativ. Aber weiß Gott nicht miefig-konservativ.
"Das Scheingeld des Geldsozialismus ist der Treibstoff des Kasinokapitalismus, der marktwirtschaftliche Selbstregulierungsprozesse teilweise außer Kraft setzt. Der Wachstums- und Rationalisierungsdruck, der auf der Realwirtschaft lastet, und der auch dazu führt, daß der Mittelstand verschwindet und immer mehr Menschen in Deutschland von ihrer Hände Arbeit nicht mehr leben können, hat seinen Ausgang auch in einem kranken Geldsystem.
Wer in die Diskussion über den Mindestlohn einsteigt, sollte sich darüber im Klaren sein, daß er sich im Bereich des Nachsteuerns bewegt, also Symptompolitik betreibt. Das ist mir für die AfD zu wenig. Sie muß den Anspruch haben, die Ursachen für Fehlentwicklungen zu benennen. Der Kasinokapitalismus und der mit ihm korrespondierende Geldsozialismus dürfen nicht das Ende der Weltgeschichte sein. Die AfD muß Visionsfähigkeit zeigen. Dazu gehört auch der Mut, den Kapitalismus neu zu denken."
Das ist von Anfang bis Ende heiße Luft; Höcke hat genau NULL Kenntnis des Geldsystems. Und wer behauptet, Rationalisierung führe dazu, dass die Menschen "von ihrer Hände Arbeit nicht mehr leben können", der ist ökonomisch im Mittelalter hängengeblieben. (Ähnlich entstammt Höckes "Raumdenken" dem Postkutschenzeitalter.)
Johann Wolfgang von Goethe hat Höckes "Denken" bereits vor 200 Jahren präzise beschrieben:
"Denn eben wo Begriffe fehlen
[also eine konkrete Vorstellung davon, welche Sache oder welchen Zusammenhang das jeweilige Wort überhaupt bezeichnen soll],
Da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein.Mit Worten läßt sich trefflich streiten,Mit Worten ein System bereiten,An Worte läßt sich trefflich glauben, .... .
Höcke hat sich in eine wahnhafte Worte-Welt eingesponnen, die in ihren REALEN Bezügen an die wahnhafte völkische Ideologie im Deutschland der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts anknüpft. Und nirgends wird bei Höcke erkennbar, dass seine eigenen Vorstellungen in irgendeiner Weise über den damaligen deutschnationalen Größenwahn hinausgingen. Vielleicht ist er kein Antisemit. Aber der Antisemitismus ist objektiv in seiner Weltsicht enthalten, d. h. er wäre die zwingende Folge einer Umsetzung von Höckes deutschnational-völkischem Weltbild.
Nr. 4 (Höcke-Buch):
"Als Begleitmusik [zur Entwicklung des Kapitalismus] mutierte das schöpferische Individuum, das sich seit der Renaissance zu großer Blüte entfaltet hatte, im Laufe der Zeit zum flachen Massenmenschen."
Das ist typisch ultrarechte - und typisch substanzlose - Kulturkritik, die Höcke hier völlig gedankenlos nachplappert. In der Renaissance gab es EINIGE WENIGE "schöpferische Individuen". Die große Masse der Menschheit bestand damals aus illiteraten Bauern, von denen viele als Hörige an ihre jeweilige Scholle gefesselt waren. Während es heute unzählige schöpferische Ingenieure, Forscher und Erfinder gibt.
Das weiß Höcke natürlich auch und nicht nur als Historiker; das weiß JEDER mit einer halbwegs brauchbaren Allgemeinbildung. Aber Höcke hinterfragt die Schablonen nicht, die ihm der Abfalleimer des völkischen Größenwahns anliefert: Was in sein Weltbild passt, das greift er unkritisch ab und verbreitet solchen Unsinn weiter.
Entsprechend weiß er ebenfalls sehr gut, dass noch um 1900 die Familien in Deutschland kinderreich waren. Was aber diesen Nachtwächter nicht daran gehindert hat, 2015 in seiner berühmt–berüchtigten "Schnellrodaer Rede" den Afrikanern eine genetisch begründete andere Reproduktionsstrategie anzudichten, als wir Europäer angeblich haben.
Höcke bildet sich wunders was ein auf das, was er sich an alteuropäischem Bildungsplunder reingezogen hat. Aber das ENTSCHEIDENDE an Bildung, die Befähigung zu eigenem kritischen Denken, ist weitgehend an ihm vorbeigegangen.
Gott gnade Deutschland, wenn ein solcher VOLLPFOSTEN jemals ein hohes Regierungsamt bekommen sollte ... .
Nr. 5 (Höcke; Rede im Thüringer Landtag):
Das vermeintlich kranke Geldsystem treibt Höcke noch immer um. So hatte er in einer Rede im Thüringer Landtag am 08.05.2020 (S. 697) gesagt:
"Unser Geldsystem ist krank und muss grundlegend reformiert werden, damit sich Leistung und Ehrlichkeit wieder lohnen, und nicht Schläue und Verschlagenheit. ... Es darf nicht sein, dass mithilfe von Corona einfach die Reset-Taste gedrückt wird und das Spiel, das vor allen Dingen die Enteignung des Mittelstands zugunsten einer kleinen globalen Schicht Superreicher bedeutet, von vorn beginnt. Lassen Sie uns gemeinsam wachsam bleiben, damit in der Corona-Krise nicht still und heimlich alte riesige Problemhalden entsorgt werden können! Lassen Sie uns gemeinsam Geldsozialismus und Casinokapitalismus überwinden und eine menschliche Marktwirtschaft anstreben!"
Dass Höcke hier (ohnehin sinnbefreite) Ausführungen zum Geldsystem mit der Corona-Krise verknüpft zeigt, wie er spinnerten Meinungsmüll aus seiner politischen Filterblase gleich einem intellektuellen Waschlappen aufsaugt und unverdaut wieder absondert.
Nr. 6 (Ladig; ViB 2012):
" 'Die Grünen' sind ... auch in einem ganz anderen Punkt in die politische Sackgasse gelaufen: Ihrer ideologischen Grundierung gemäß haben sie sich im politischen Spannungsfeld von Freiheit und Gleichheit als klassische Umverteilungspartei etabliert und in den letzten Jahrzehnten im Verbund mit den übrigen Systemparteien maßgeblich dazu beigetragen, die BRD zur Transferrepublik zu machen. Eberhard Hamer* spricht in diesem Zusammenhang von einem nach dem letzten Krieg allmählich entstandenen 'Sozialfeudalismus'."
Da können wir doch heilfroh sein, dass eine Höcke-AfD die Besitzenden beschützen würde. Und dass das gesamte Gesabbel von einem angeblichen "solidarischen Patriotismus" genauso inhaltsleer ist, wie alles anderen Verheißungen des großen Höcke-Heilsbringers auch (und genau wie das amerikanische Bauernfänger-Schlagwort vom angeblichen "compassionate conservatism")!
Unsere Schlussfolgerung bestätigt sich, wenn wir in diesem Forschungspapier (vom 06.06.2024) erfahren:
"Solidarischer Patriotismus ist ein Schlagwort, das von Björn Höcke und Maximilian Krah explizit verwendet und von Benedikt Kaiser am ausführlichsten theoretisch ausgearbeitet worden ist. Höcke meint mit solidarischem Patriotismus eine Politik, die sich auszeichnet durch die 'politische Forderung gegen Lohndumping, den Abbau sozialer Standards und die Benachteiligung der deutschen Hilfs- und Sozialbedürftigen gegenüber den Migranten, sowie unsere grundsätzliche Kritik am Raubtierkapitalismus und Globalisierung'. Doch weiter expliziert Höcke seine sozialpolitischen Überlegungen nicht."
* Über Prof. Hamer informiert das Wikipedia-Stichwort: "Das [von Hamer gegründete] Mittelstandsinstitut und Hamer selbst in seinen Büchern führen z. B. die Finanzkrise auf angebliche Machenschaften der 'Ostküste' oder der 'internationalen Hochfinanz', der Rockefellers und Rothschilds, zurück". Unter anderem aus dieser verseuchten Quelle schöpft also Höcke sein verschwörungstheoretisches Ökonomieverständnis!
Nr. 7 (Ladig; ViB 2012):
"Die Globalisierung, die Weltvereinheitlichungsmaschine, führt geradewegs in den Sachzwangknast, der es uns unmöglich macht, den Niedergang zu stoppen."
'Ach ja? Können Sie uns die dahinter stehenden Kausalzusammenhänge erläutern, weisheitsliebender Schullehrer?'
'Fragen Sie nicht so blöd; das liegt doch auf der Hand, das weiß doch jeder! Denken Sie gefälligst selber nach; muss ich Ihnen denn alles vorkauen?'
So etwa könnte ein Dialog zwischen Schüler und Meister über das o. a. Zitat aussehen.
Nr. 8 (Ladig; ViB 2012)
"... jeder Schritt [in der von Prof. Paech erdachten "Postwachstumsökonomie"] eine Reduktion der bisher in Geld gehandelten Konsumaktivitäten vorsieht. Reduktion verweist auf notwendigen Verzicht. Daß dieser Verzicht keinen Verlust bedeuten muß, soll eine Betrachtung der Suffizienzebene und Entkommerzialisierungsebene verdeutlichen. Grundlage für die Annahme, daß Genügsamkeit auch Wohlbefinden vermitteln kann, sind Befunde der Glücksforschung ..., wonach 'eine Steigerung des über Geld vermittelten materiellen Reichtums ab einem bestimmten Niveau das subjektive Wohlbefinden nicht weiter erhöht' (ebenda, S. 25)."
Auch wenn nur der letzte Teil ein Zitat bringt, bezieht sich Ladig/Höcke in dieser Passage (und im Aufsatz insgesamt) auf Überlegungen zu einer "Postwachstumsökonomie", die der Oldenburger Professor Nico Paech angestellt hat. Mit denen sich Ladig/Höcke aber offensichtlich identifiziert und die er sich daher zurechnen lassen muss. Wie schon unter "Umwelt Nr. 8" festgestellt, geht es darum, dass wir alle den Gürtel enger schnallen sollen. Die Reichen wie die Armen ... .
Freiwillig wird sich die große Mehrheit der Menschen einem solchen System NICHT unterwerfen; schon gar nicht die weniger Wohlhabenden. Alle solche Überlegungen laufen also ebenso auf eine ökosozialistische (bzw. ökofaschistische) Diktatur hinaus, wie das Geseires gegen Zinsen, Hochfinanz und Globalisierung am Ende im "altbewährten" Antisemitismus enden würde.
Nr. 9 (Wirtschaft: zusammenfassende Wertung von Höckes Position)
Björn Höcke ist definitiv KEIN nationaler Sozialist. Eine Umverteilung ist mit Höcke, seinem geistigen Habitus nach ein biederer Beamter, nicht zu machen.
Vielmehr ist Landolf Höcke oder Björn Ladig insoweit genau das, was auch die Nazis in Wahrheit waren: Ein nationaler Etatist bzw. ein völkischer Kapitalist!
NAZI-NÄHE (Ladig)
Nr. 1 (ViB 2011):
"Bücher mit durchaus revisionistischen Zügen [haben] in den letzten Jahren in der angelsächsischen Welt ... eine beachtliche Verbreitung erfahren. Eine Ahnung schleicht sich dabei vielleicht bei immer mehr gebildeten Angelsachsen ein, daß eben nicht die Aggressivität der Deutschen ursächlich für zwei Weltkriege war, sondern letztlich ihr Fleiß, ihre Formliebe und ihr Ideenreichtum. Das europäische Kraftzentrum entwickelte sich so prächtig, daß die etablierten Machtzentren sich gezwungen sahen, zwei ökonomische Präventivkriege gegen das Deutsche Reich zu führen. Der zweite Krieg war allerdings nicht nur ökonomisch motiviert, sondern darf auch als ideologischer Präventivkrieg angesprochen werden, hatte sich im nationalsozialistischen Deutschland doch eine erste Antiglobalisierungsbewegung staatlich etabliert, die, wären ihr mehr Friedensjahre zur Erprobung vergönnt gewesen, wahrscheinlich allerorten Nachahmer gefunden hätte."
Hier behauptet der Schreiber, dass Deutschland (Hitler) den Zweiten Weltkrieg nicht begonnen habe, sondern seinerseits das Opfer von "etablierten Machtzentren" geworden sei. Wen er damit meint (England und Frankreich - auch die USA?) verrät er nicht; schon gar nicht, wo er diese Weisheit aufgelesen hat. Und auch nicht, wie er Hitlers Angriff auf Russland bewertet.
Heute formuliert Höcke vorsichtiger (im WSJ-Interview vom Januar 2017 - kostet!). Aber die Alleinschuld, die lässt er nach wie vor nicht auf seinen Adolf kommen. Weil ihm aber das Werk des Geschichtsklitterers Schultze-Rhonhof wohl doch kein ausreichender Entlastungsbeweis ist, stellt er abenteuerliche geistige Verrenkungen an:
Hier behauptet der Schreiber, dass Deutschland (Hitler) den Zweiten Weltkrieg nicht begonnen habe, sondern seinerseits das Opfer von "etablierten Machtzentren" geworden sei. Wen er damit meint (England und Frankreich - auch die USA?) verrät er nicht; schon gar nicht, wo er diese Weisheit aufgelesen hat. Und auch nicht, wie er Hitlers Angriff auf Russland bewertet.
Heute formuliert Höcke vorsichtiger (im WSJ-Interview vom Januar 2017 - kostet!). Aber die Alleinschuld, die lässt er nach wie vor nicht auf seinen Adolf kommen. Weil ihm aber das Werk des Geschichtsklitterers Schultze-Rhonhof wohl doch kein ausreichender Entlastungsbeweis ist, stellt er abenteuerliche geistige Verrenkungen an:
- Hitler könne schon deshalb nicht Alleinschuldiger gewesen sein, sagt Höcke implizit, weil niemand nur schwarz oder nur weiß sei. Diesem Argument fehlt freilich die Logik; denn auch wenn z. B. Friedrich der Große in manchen Dingen ein guter (fortschrittlicher) Herrscher war, bleibt er dennoch der Alleinschuldige an den beiden Schlesischen Kriegen.
- Höckes drittes Argument hat einfach nur Kinderniveau. Mit typisch verschwurbelten Formulierungen will er den Lesern weismachen, dass zukünftige weitere Forschungen den Adolf entlasten würden. Obwohl er als Historiker wissen müsste, dass die Quellen "ausgelutscht" sind und dass sie Hitlers Kriegsschuld ÜBERWÄLTIGEND dokumentieren. (Und, wenn er ergebnisoffen denken würde, sogar mit Möglichkeit weiterer Beweise gegen sein Idol rechnen müsste). Das will der Kryonik-Björn aber alles nicht wahrhaben und beweist so seine emotionale Bindung an das braune Böse.
NPD-NÄHE
(Die ergibt sich natürlich allein schon daraus, dass er in diesen NPD-Blättchen publiziert. Dennoch nachfolgend noch einige Textbelege.)
Nr. 1 (Ladig; ViB 2011):
"Eine kleine politische Avantgarde existiert, die in der Lage ist, dieser
Welt den Weg aus der kapitalistischen Sackkasse zu weisen."
Die Tiraden gegen den Kapitalismus sind substanzloses Gesabbel - vgl. "Geldsystem" usw..
Nr. 2: s. Umwelt Nr. 3
Nr. 3 (Ladig; ViB 2012):
"Auftrag [meint offenbar: Ökologischer "Arbeitsauftrag" für die NPD]
Ohne Zweifel läßt sich die Postwachstumsökonomie mit ihrer Wertschätzung für Regionalität, Vielheit, Unentfremdetheit und ihren Reformideen für ein neues Boden- und Geldrecht mühelos in die Weltanschauung der identitären Systemopposition integrieren. Die gegenwärtig vorrangig staatspolitisch motivierte Zuwendung zu raumorientierten Konzepten, wie sie beispielsweise die NPD als bedeutendste identitär ausgerichtete Partei vertritt (vgl. Das neue Parteiprogramm der NPD Teil 1, in: Deutsche Stimme 10/2010, S-18/19, Punkte 5 u. 6) braucht unbedingt eine ergänzende ökologische Begründung. Wenig wahrgenommene Hintergrundanalysen (vgl. NPD-Parteivorstand: Profil - Nationaldemokratische Schriftenreihe Folge 13: Grundlagen einer nationaldemokratischen Volkswirtschaftslehre, Berlin 2006, S. 73ff.) belegen das Wissen um die Zusammenhänge."
Damit die wertvollen NPD-Ideen in die AfD eindringen können, will Höcke sie jetzt für seine rechtsextremen Gesinnungsgenossen öffnen. Denn dass er sich seit seiner Landolf-Ladig-Zeit geläutert hätte, das kann man getrost ausschließen.
Allenfalls wäre denkbar, dass seine Umweltsorgen inzwischen in den Hintergrund getreten sind. Ich vermute, dass damals (2011/2012) speziell die gesellschaftliche Debatte um die Ressourcenverknappung ("Peak Oil") wesentlich virulenter war als heute. Auch ich habe die Umwelt-Thematik einst intensiv bebloggt, allerdings nur bis 2009. Aber selbst wenn ihm das heute nicht mehr ganz so wichtig sein sollte, erlauben seine damaligen Texte auch ganz allgemein Rückschlüsse auf sein intellektuelles Niveau, seine Denkungsart (bzw. seine Denkverweigerung) und seine politischen Ziele.
Nr. 4 (Ladig; Stimme)
"Mit dem Konzept der raumorientierten Volkswirtschaft hat die NPD die Strategie zur Überwindung des menschenverachtenden Globalkapitalismus und für die Renaissance der Regionen ausgearbeitet. Die neue organische Marktwirtschaft dient den Menschen und zehrt ihn nicht aus."
Hört sich super an:
- raumorientierte Volkswirtschaft,
- menschenverachtender Globalkapitalismus,
- Renaissance der Regionen,
- organische Marktwirtschaft.
Wetten, dass er das selber gar nicht weiß?
UMWELT
Nr. 1 (Ladig; ViB 2011):
"Die Systempolitik kann ... aus der ressourcenzehrenden Wachstumsideologie nicht aussteigen ..., weil bekannt ist, daß nur eine kontinuierliche Verbesserung der individuellen Lebensumstände die Basis für sogenannte 'tolerante' und 'offene' Gesellschaften bietet."
Ist der Wunsch nach einem besseren Leben eine "Wachstumsideologie"?
Vor allen Dingen zeigt sich hier, dass offene und tolerante Gesellschaften dem Ladig/Höcke generell missfallen. Zwar sehe auch ich heute insoweit Übertreibungen (u. a.) das, was ich als "Massenimmiggression" wahrnehme und bezeichne (andere nennen das z. B. "Asyltourismus".) Aber Miefkonservatismus lehne ich ganz entschieden ab.
Nr. 2 (Ladig; ViB 2012):
"Der Kapitalismus mit seinem oft beschriebenen, zinsverursachten Wachstumszwang hat seinen Raubzug globalisiert und trifft im 21. Jahrhundert, ohne Ausweichmöglichkeiten, auf die Grenzen des Ökosystems Erde."
Klar doch: Der Kapitalismus zwingt zum Wachstum.
Und nicht etwa die Wünsche der Menschen nach besserem Leben.
Oder die Vermehrung von uns Menschlein. Welche zwar die Evolution (über welche Wirkmechanismen auch immer) mittlerweile ausgebremst hat. Die Höcke für Deutschland aber gerne wieder ankurbeln möchte.
Ist halt ein schlaues Kerlchen, der Bornhagen-Björn!
Nr. 3 (Ladig; ViB 2012):
"Fakt ist, daß 'Die Grünen', wie ihre Kollegen von der Ex-SED bis zur CSU, in der Wachstumsfalle sitzen und damit ihre Zukunftsfähigkeit verspielen. Nutznießer kann die identitäre Systemopposition [damit war die NPD gemeint] sein, wenn es ihr gelingt, raumorientierte Konzepte mit Ansätzen der Postwachstumsökonomie zu verschmelzen."
Warum die Grünen (und alle, ich sage mal: ) Blockparteien in der Wachstumsfalle sitzen, hatte Ladig/Höcke vorher so erklärt:
"... genau wie die anderen Systemparteien predigen „Die Grünen" in ihrer Not den Glauben an den „Götzen Wachstum" (Werner Braunbek), denn volkswirtschaftliches Wachstum soll ausufernde Transferzahlungen [an Deutsche; um Migranten ging es 2012 weniger!] sicherstellen, Arbeitslosigkeit reduzieren und generell die ungerechte Verteilung des Reichtums zwischen den Klassen auf ein vertretbares Maß bringen."
Was daran schlecht sein soll, was Höcke anders machen möchte: Nichts davon verrät er uns - weil er es selber nicht weiß. Und sich auch gar nicht erst bemüht, sein Worte-Gewaber wenigstens für sich selber mit konkreten Inhalten zu unterlegen. Umverteilen will er, wie wir unter "Geldwesen ... Nr. 6" gesehen haben, jedenfalls nicht. Dafür lässt er einen inhaltsleeren Worteschwall auf die Leser los, von "raumorientierten Konzepten" und "Postwachstumsökonomie": Der Meister hat's gesagt; in seinen eigenen Ohren klingt das alles ganz toll: sollen also die Schüler selber sehen, was sie sich dabei denken wollen!
Nr. 4 (Ladig; ViB 2012):
"Vor 500 Jahren begann jedoch in Europa eine bis in die Gegenwart andauernde Innovationsexplosion, die in erster Linie auf das Ende des Zinsnahmeverbots und die parallele Entwicklung einer internationalen Geldwirtschaft zurückzuführen ist. In dieser Zeit liefen die ersten großen Kapitalakkumulationsprozesse ab, die auf dem Zinseszinseffekt beruhten."
Ganz abgesehen davon, dass in dieser Zeit auch große Vermögen durch Insolvenzen der Kreditnehmer (z. B. Spanien!) verschwanden: Welche negativen Wirkungen soll das damals gehabt haben, inwieweit sollen die ggf. noch heute andauern? Egal, Hauptsache, Höcke hat (im Ergebnis, auch wenn er diesen heute anrüchigen Begriff natürlich nicht verwendet), auf die Zinsknechtschaft geschimpft!
Nr. 5 (Ladig; ViB 2012):
"Sollte sich der Kapitalbildungsprozeß fortsetzen und damit die Wirtschaft weiter wachsen, war dafür Sorge zu tragen, daß ständig und ununterbrochen ein Unternehmensgewinn erwirtschaftet wurde, aus dem einerseits der Zins zu bezahlen war und andererseits ein Reingewinn resultierte, der den Aktionären als Ausgleich für das von ihnen übernommene Risiko genügte. Dieser Wachstumszwang, der vom Zinsgeldsystem auf die Realwirtschaft ausgeübt wird, dauert bis heute an."Dass die Menschen besser leben wollten, dass es im 19. Jahrhundert zu einer regelrechten Bevölkerungsexplosion kam: Alles das weiß Höcke natürlich. Aber beim Dunning-Kruger-Effekt ist Wissen nur hinderlich; also blendet er es beherzt aus.
Und was genau soll Motor des Wachstumszwangs sein: Die Kreditzinsen oder die von den Eigentümern (Aktionären oder Unternehmern) erwarteten Reingewinne, die man in der Fachterminologie bekanntlich als "Kapitalverzinsung" anspricht? Wahrscheinlich hält Höcke nur die Kreditzinsen für "Zinsen", alles andere ist halt irgendwas anderes, aber garantiert ökologisch unschädlich!
Grundsätzlich könnten die Unternehmen erforderliches Kapital auch durch Kapitalerhöhungen anstelle von Krediten besorgen und überhaupt könnten sie sich die erforderlichen Betriebsmittel mieten, anstatt sie zu kaufen. So oder so müssten sie aber fortlaufend eine Vergütung an diejenigen bezahlen, die ihnen ihr Geld überlassen oder die von ihnen angekauften Betriebsmittel vermieten.
Das alles sind natürlich "Zinsen". Aber nichts spricht für die Annahme, dass der große Schullehrer-Guru das in seinen Zinsbegriff einschließt oder überhaupt jemals darüber nachgedacht hat. Weil er ja ohnehin schon alles weiß, muss er über nichts mehr nachdenken. Der Schullehrer-Björn weiß sich den "Schweinchen-Schlau-Politikern" der anderen Parteien haushoch überlegen!
Dieser Seelenfrieden eines Einfältigen wird freilich zum Unglück ihrer Opfer, sollten die sich solchen Jahrmarktschreiern jemals anvertrauen.
Nr. 6 (Ladig; ViB 2012):
"... das kapitalistische System, dem sie alle dienen, ist auf dem Primat der Kapitalexpansion aufgebaut und treibt deshalb den Prozeß der Kommodifikation, der für das Wachstum der Produktion nötigen Verwandlung von Bedürfnissen in Waren, blindlings voran. Die Erschöpfung unseres Planeten ist bereits in Sichtweite. Doch das Banken- und Geldsystem verhindert bis heute, daß die Zinsrate auf einen Wert fällt, der nachhaltiges Wirtschaften ermöglicht."
Vom marxistisch-pseudowissenschaftlichen Gesabbel über "den Prozeß der Kommodifikation" ganz abgesehen beweist auch der hier behauptete angeblich negativ reziproke Zusammenhang zwischen Zinshöhe und Produktionsniveau die totale Ahnungslosigkeit des Schwätzers. Tatsächlich bremsen niedrige Kreditzinsen die Produktion nicht aus, sondern heizen die erst so richtig an; eben deswegen erhöhen die Zentralbanken in Überhitzungsphasen der Wirtschaft die Zinsen. Aber auch hier legt der Dunning-Kruger-Effekt dem großen Guru seinen wohltätigen Schleier aufs Gehirn. Und dass die Zentralbanken die Zinsen locker auf Null senken könnten, wenn das tatsächlich die von ihm behauptete positive Wirkung auf die Umwelt hätte: Das kommt dem angebräunten Geistesriesen schon deshalb nicht in den Sinn, weil er sich niemals mit den Funktionsmechanismen unseres realen Geldsystem beschäftigt hat.
Nr. 7 (Ladig; ViB 2012):
"Die Vernutzung des terrestrischen Vorrats an niedriger Entropie kann daher als die eigentliche Schicksalsfrage der Menschheit angesehen werden."
Boah, ey: Was dieser Erleuchteten alles weiß! Und er weiß sogar, wie man diese Entropievernutzung stoppen kann:
Nr. 8 (Ladig; ViB 2012):
"Nach Jahrhunderten des rasanten Fortschritts sehnen sich Mensch und Natur nach einem Innehalten, in dem die Pflege und die Aufrechterhaltung der irdischen Bestände erlernt werden kann. Wachstumkritisches Denken findet sich in der Ökonomie seit hundert Jahren. Zwei zentrale Forderungen wurden dabei immer wieder zur Sprache gebracht, und es scheint so, als ob nur die Verwirklichung selbiger eine Homöostase von Mensch und Natur zuließe: Zum einen ist dies die Forderung nach Reregionalisierung von Wirtschaftskreisläufen, die binnenmarktorientiert aufgebaut und mit einem komplementären Finanzsystem ausgestattet, die Integration von Kultur- und Wirtschaftsraum zum Ziel hat."
Das klingt alles hochfachlich. Läuft aber nur auf eines hinaus: Höcke will das Wirtschaftswachstum stoppen. Umverteilen jedoch ist des Teufels. Somit müssen alle den Gürtel enger schnallen. Émile Zola hat dieses Modell weitaus ehrlicher beschrieben:
"Das Gesetz in seiner majestätischen Gleichheit verbietet es Reichen wie Armen, unter Brücken zu schlafen, auf Straßen zu betteln und Brot zu stehlen."
Man fragt sich, wieso Höcke überhaupt auf die gegenwärtig regierenden Parteien schimpft: Den Stopp des Wirtschaftswachstums haben die doch perfekt hinbekommen? Ladig-Höcke-Herz, was willst du mehr?
Die andere Frage ist, wovon er das von ihm geforderte Bevölkerungswachstum durchfüttern will, wenn die Wirtschaft stagniert. Bzw. wie sich das geforderte "Innehalten" überhaupt mit dem ebenfalls geforderten Wachstum der deutschen Bevölkerung verträgt. Aber solche Fragen stellt nur der unwissende Pöbel; der Großdenker aus Bornhagen ist über einen derart platten Materialismus erhaben!
Nr. 9 (Ladig; ViB 2012):
"... Eine Miele-Waschmaschine kostet zunächst das Doppelte eines Fernostimports. Sie besitzt aber auch die doppelte Lebensdauer. Ohne Geld zu verlieren, wird mit dem Kauf des deutschen Produkts in einem Zeitraum von zwanzig Jahren der Natur die ressourcenvernutzende Produktion einer zweiten Waschmaschine erspart."
Wenn der Geschichtslehrer mit der Finanzrechnung fremdgeht ...
Selbstverständlich verliert man Geld, wenn man eine bestimmte Summe zu irgendeinem bestimmten Zeitpunkt ausgibt, anstatt zunächst nur den halben Betrag auszugeben und die andere Hälfte (hier: für eine neue Waschmaschine, weil die alte defekt ist) später. Denn in der Zwischenzeit hätte man die 2. Geld-Hälfte gewinnbringend anlegen können, auf der Bank, in Aktien usw..
Hinzu kommt, dass sich die Technik weiterentwickelt. Man steht also z. B. nach 10 Jahren vor der Frage, ob man seinen alten Miele-"Stromfresser" weiterbetreiben soll (weil er ja so viel gekostet hat), oder, wg. Umwelt und Portemonnaie, eine neue "Fernostwaschmaschine" kauft.
Nr. 10 (Ladig; ViB 2012):
"Die aus China importierten, aus erdölbasiertem Kunststoff gefertigten Trekkingboots geben nach zwei Jahren intensiver Nutzung den Geist auf. Die zwiegenähten Juchtenlederstiefel süddeutscher Provenienz können immer wieder neu besohlt werden und sind über eine Dekade ein treuer Begleiter."
Das mag so sein.
Über chinesische Wanderschuhe weiß ich nichts. Aber europäische Lederschuhe für den Alltag kosten z. B. 200,- €, erdölbasierte Kunststoffschuhe aus China nur 50,- €. Würde man ein Jahr lang immer dasselbe Paar Lederschuhe tragen, müsste man sie, sehr optimistisch gerechnet, mindestens einmal im Jahr besohlen lassen. Kostet, wiederum optimistisch gerechnet, 50,- €. Selbst wenn man die China-Schuhe nach nur einem Jahr wegwerfen müsste, hätte man zum Kaufzeitpunkt 150,- € "verdient". Zuzüglich der daraus erwirtschafteten "Zinsen" bzw. "Kapitalverzinsung". Der Kauf neuer China-Schuhe nach einem Jahr wäre aufwandsneutral, weil man die 50,- € ansonsten für die Neubesohlung der Lederschuhe hätte ausgeben müssen.
Aber solche Überlegungen gehen weit über Ladig/Höckes Geschichtslehrerhorizont hinaus. Als volksnaher Politiker überlässt der das Denken denjenigen Lebewesen, die größere Köpfe haben.
Nr. 11 (Ladig; ViB 2012):
"... kann es sehr befriedigend sein, selbst wieder handwerkliche Fähigkeiten zu entwickeln. Sich ein Stück Unabhängigkeit in einer ausdifferenzierten, arbeitsteiligen Lebenswelt zurückerobert zu haben, kann echte Glücksgefühle hervorrufen, ein durch Selbständigkeit herbeigeführtes Erfolgserlebnis tiefes Selbstvertrauen wecken. Es folgt der Versuch einer zunehmenden Balance zwischen Fremd- und Selbstversorgung, in der Versorgung auch ohne Geldausgeben geprobt wird. Tauschbörsen können entstehen, in denen Fertigkeiten und Waren gehandelt werden, ein eigener Garten bestellt werden, die Apfelbäume auf der benachbarten Streuobstwiese, deren Früchte jahrzehntelang verfaulten, können neue Aufmerksamkeit erfahren etc."
Carl Spitzweg, komm raus: Dein Winkelglück ist umzingelt!
Aber Höckes Ideen sind mir noch viel zu modern, viel zu sehr arbeitsteilig gedacht. RICHTIGE Umweltpolitik macht alle Menschen autark: "Zwischen Nürnberg und Regensburg mal eben die Welt gerettet"!😄
Nr. 12 (Ladig; ViB 2012):
"Die Versöhnung von Ökonomie und Ökologie wird das zentrale Thema des 21. Jahrhunderts. Diese verlangt nach dem Sturz des 'Götzen Wachstum' die Schaffung einer Vielheit subglobaler, mit gewachsenen Kulturräumen zur Deckung gebrachten Wirtschaftsräume."
Wer den "Götzen Wachstum" stürzen will, macht die Menschen nicht nur ärmer, sondern auch dümmer. Weil dann natürlich auch die Ressourcen für die (Aus-)Bildung fehlen. Für Rechtsextremisten eine folgerichtige Zielsetzung, denn bei intelligenten Wählern haben sie schlechtere Karten.
Und Autarkiedenken kann sich das rohstoffarme Deutschland (wie auch das rohstoffarme Europa) am allerwenigsten leisten.
Nr. 13 (Wikipedia zu Prof. Nico Paech)
Höcke greift in seinen Vorstellungen auf Ideen zurück, die Prof. Nico Paech unter dem Begriff einer "Postwachstumsökonomie" entwickelt hatte und die im Wikipedia-Eintrag beschrieben sind.
Diese Quelle legt Höcke auch offen, im Artikel sowie am Schluss mit der "Literaturempfehlung: www.postwachstumsölwnomie.org". (Die Webseite ist mittlerweile nicht mehr erreichbar.) Selbstverständlich muss Höcke sich Paechs Ideen zurechnen lassen, weil er sie propagiert.
Nicht direkt zu Höcke, sondern zu Paech schrieb Stefan Laurin auf der Webseite "Ruhrbarone" am 13.01.2017 eine ebenso scharfe wie überzeugende Kritik unter "Wirtschaftstheorie aus dem braun-grünen Sumpf". Daraus der Schlussabsatz:
"Die Postwachstumsökonomie, vor allem in der Paechschen Ausprägung, negiert diese Chance des Fortschritts. Sie ist im Gegenteil eine menschenverachtende, gegen alle Ideen der Aufklärung stehende Ideologie, entstanden in jenem Sumpf, in dem völkisches- und ökologisches Denken eine grün-braune Brühe bilden. Dass sie vor allem in westlichen Großstädten Anhänger findet, und dass diese sich in der Regel eher als links beschreiben würden, zeugt von einer unvorstellbaren Mischung aus Ignoranz, Geschichtsblindheit und Naivität dieser, sich selbst zumeist für intellektuell haltenden Klientel. Oder, ganz einfach gesagt: von einem Leben im Luxus genährte Dummheit."
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SCHLUSSWORT
Das Schlusswort "klaue" ich von Karlheinz Weißmann, aus einem Interview der JUNGE FREIHEIT vom 21.12.2015 (primär geht es dort um die "Neue Rechte"):
Frage: was meinen Sie zu dem Politiker Höcke?
Weißmann: Ich glaube, daß es ihm an der für seine Tätigkeit notwendigen Klugheit fehlt.
Frage: Das müßten Sie vielleicht erläutern.
Weißmann: Klugheit ist die Mutter aller Tugenden. Klugheit bedeutet, daß man sieht, was ist. Höcke sieht das offensichtlich nicht. Wenn es anders wäre, dann würde er nicht dauernd mit irgendwelchen Formulierungen vorpreschen, um sich dann, wenn der Protest losbricht, eilig zu entschuldigen, umzudeuten oder zurückzuziehen, nur um bei nächster unpassender Gelegenheit denselben Fehler zu wiederholen.
Frage: Zurück zu Höcke. Warum halten Sie sein Agieren für problematisch?
Weißmann: Weil seine Äußerungen zwar einer gewissen einschlägigen Klientel – innerhalb wie außerhalb der AfD – gefallen und ihm von deren Seite Beifall einbringen. Aber das ist eben ganz und gar nicht entscheidend. Es ist überhaupt nicht entscheidend, ob die AfD es schafft, eine Fünf-, Sechs-, Zehn-, Fünfzehnprozentpartei zu werden. Entscheidend ist, daß sie zu einer Volkspartei wird, die die Chance hat, nicht nur eine Riegelstellung zu bilden, um Schlimmeres zu verhüten, sondern gestaltend tätig werden kann. Das, was Höcke macht und was Einflüsterer wie Kubitschek offenbar noch verstärken, hat eine destruktive Tendenz, die Chancen zerstört.
ceterum censeo
Wer alle Immiggressoren der Welt in sein Land lässt, der ist nicht "weltoffen":
Der hat den A.... offen!
Textstand 23.06.2026
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