Posts mit dem Label Umwelt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Umwelt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 23. Juni 2026

Wie der Kellernazi LANDOLF LADIG die AfD kapern will

 Weil die Google-Indexierung den Blogtitel nicht erfasst hat, hier nochmal im Text:
Wie der Kellernazi LANDOLF LADIG die AfD kapern will

Disclaimer:
Der Verfasser ist ehemaliges (langjähriges) AfD-Mitglied. Auch wenn die Entwicklung der Partei ihn ins Lager der Nichtwähler vertrieben hat, steht er doch seiner einstigen politischen Heimat nicht gleichgültig (und schon gar nicht feindselig) gegenüber.

--------------------------------------------

Siebzigtausend oder mehr Mitglieder der AfD reißen sich den Allerwertesten auf, um ihre Partei voranzubringen. In aktuellen Wählerumfragen liegt sie bereits nahe 30% Zustimmung und ist damit beinahe schon 50% stärker als die nächstfolgende CDU. Dieser mühsam erkämpfte Erfolgskurs lässt einigen politischen Hohlbirnen in der AfD den Kamm schwellen: Auf dem bevorstehenden Erfurter Bundesparteitag wollen sie ihre Partei für Rechtsextremisten öffnen.


DIE TORE HOCH, DAS GROSSHIRN FEST VERSCHLOSSEN:
BRAUNBRUT MARSCHIERT - JETZT IN DIE AFD?

Dienstag, 13. Dezember 2022

Irre in der Nacht - Irre an der Macht. Irre im Dunkel und Irre im Licht. Doch ausgerechnet die Irren im Licht: die sieht man nicht!

 
Die deutschen Sicherheitsbehörden haben eine Gruppierung von "Reichsbürgern" zerschlagen, die einen Staatsstreich geplant hatten.
(Vgl. beispielsweise die Berichte "Reaktionen auf Razzia gegen 'Reichsbürger'
'Wir werden diese braune Suppe austrocknen'
", SPIEGEL 7.12.22. - "Schlag gegen Reichsbürger-Gruppe: Was die Chefs von BKA, Verfassungsschutz und der Generalbundesanwalt sagen" (TAGESSPIEGEL 08.12.2022. - "PLANTE UMSTURZ Wer ist Heinrich XIII. Prinz Reuß?", FAZ vom 07.12.2021; dazu noch ein weiterer Bericht vom 08.12.: "
HEINRICH XIII. PRINZ REUS: 'Enrico', der verhinderte König von Deutschland". -  "Richterin, Fürst, Ex-Polizisten und ein Oberst: Das sind die Anführer der Reichsbürger-Terrorbande", FOCUS 08.12.2022. -  "PETER WÖRNER (53) WAR IN PLÄNE ZUR LAUTERBACH-ENTFÜHRUNG VERWICKELT. Ex-Soldat brachte Ermittler auf 'Reichsbürger'-Spur", BILD 08.12.22. -  "
Die Köpfe hinter dem vereitelten Umsturz: Das sind die festgenommenen 'Reichsbürger' ", TAGESSPIEGEL 08.12.2022 und ebenfalls heute dort: "Weitere Durchsuchungen erwartet: Razzia in 'Reichsbürger'-Szene dürfte erst der Anfang gewesen sein". Unabhängig davon, wie man die Gefährlichkeit der "Reichsbürger" einschätzt, liefert der Kommentar "
Bundesweite Razzia gegen Reichsbürger: Die lange unterschätzte Gefahr" aus dem TAGESSPIEGEL vom 8.12. jedenfalls noch eine ganze Reihe ergänzender Informationen.

Dienstag, 17. August 2021

Zwischen Nürnberg und Regensburg mal eben die Welt gerettet

 
Irgendwann Mitte der 70er Jahre unternahm ich mit meiner Frau von Frankfurt aus eine Bahn-Städtereise nach Salzburg. Vermutlich waren wir aus Kostengründen mit Bummelzügen unterwegs; ganz genau weiß ich das nicht mehr. Auf alle Fälle mussten wir u. a. in Nürnberg und Regensburg umsteigen.
In Nürnberg war ein Mann mittleren Alters zugestiegen. Er setzte sich in unser Abteil und im Laufe der Weiterfahrt kamen wir ins Gespräch.

Freitag, 2. Oktober 2009

Rottet das Unkraut aus! Schafft Platz für die Spontanvegetation!


Alle sind für die Natur - wenn andere die Kosten tragen.
So offenbar auch jene Gartenbesitzer, deren Hecke in einer Straße wächst, durch die mich einer meiner alternativen morgendlichen Wege zur Arbeit führt.
Die lassen es kräftig auf den Bürgersteig wuchern.
Hätte ich sie gesehen, hätte ich mich beschwert.
Wahrscheinlich hätten sie mich ganz entrüstet angeschaut und gesagt, dass ich wohl etwas gegen die Natur habe.
Was hätte ich darauf erwidert?
"Lassen Sie die Natur doch in Ihrem Garten wuchern, lassen Sie Unkraut auf Ihrem Rasen wachsen."
Noch ein empörter Blick: Unkraut? Was hat den Unkraut mit der Natur zu tun?
Wir sollten aufhören, wertend über Unkraut zu schimpfen, und stattdessen neutral über Spontanvegetation reden. Auch wenn das für "Philamia" im Gartenorum dasselbe ist: es wäre, wenn in größerem Umfang durchgesetzt, ein Zeichen für einen Bewusstseinswandel, der endlich die rasende biologische Bodenversiegelung http://beltwild.blogspot.com/2005/05/definitionen-definitions.html!



Textstand vom 10.08.2011. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages. Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Samstag, 18. Juli 2009

Pervs are us?

Ganz so schlimm wie ein Teergarten ist ein (fast) reiner Rasen-Garten natürlich nicht.
Aber die abfällige Bezeichnung von Rasen als einer "biologischen Bodenversiegelung" ist keineswegs aus der Luft gegriffen.

Freitag, 5. Juni 2009

Betrachtungen beim Betrachten von Wohlstands-Müll: Das Vaterunser unserer späteren Jahre oder das Post-Peak-Oil-Paternoster

Wohlstand unser,
Der du uns brachtest den Himmel,
Geheiligt haben wir deinen Namen,
Und hielten dein Reich für ewig gekommen.
Unseren Willen glaubten wir geschehen,
Zumindest in weiten Teilen der Erde.
Unser tägliches Brot gabst du uns regelmäßig,
Und vergabst uns lange unsere Umweltsünden -
Während wir vergaben unbegrenzt Baugebiete.
Deiner Versuchung erlagen wir ständig,
Weil du uns erlöst hattest von zahlreichen Übeln.
Du machtest uns reich,
Gabst uns Kraft und die Herrlichkeit.
Doch leider nicht in Ewigkeit.
Amen!

Dienstag, 24. März 2009

Wasser nur aus Plastikflaschen ist besser als Wasser im Gehirn! Warum Günter Seuferts Zeit-Artikel zum Weltwasserforum Cangrande zum Brodeln bringt


Offener Brief an Günter Seufert, Verfasser des Zeit-Artikels "Weltwasserforum. Wasser nur aus Plastikflaschen" vom 24.03.2009 über das Weltwasserforum in Istanbul.
("Experten haben in Istanbul über die Wasserprobleme der Welt diskutiert. Die Teilnehmer mussten nicht weit schauen, um gravierende Missstände zu entdecken. .....")


Lieber Herr Seufert,

Ihr Bericht fängt mit Plastikflaschen (bzw. der Tendenz nach: gegen Plastikflaschen) an und hört auf mit Staudämmen bzw. genauer: mit der obligaten Staudammkritik von Leuten, die keine Talsperren brauchen, weil das Wasser bekanntlich aus dem Hahn kommt.

Wie schafft man das: synchron über den Mangel an trinkbarem Leitungswasser (hier: in der Türkei) und über den Bau von Staudämmen zu jammern?

Ganz einfach: man macht einige interessante Beobachtungen; die reichen für einen Artikel nicht aus. Weil man auch nicht nachdenken will (das könnte eigene Vorurteile zerstören) schaltet man auf den umweltpolitisch korrekten Autopiloten im Gehirn um und lamentiert, natürlich, über den Bau von Staudämmen. (In Ihrem Artikel geht es um die Türkei, aber sicherlich hätten Sie den gleichen Singsang vom Stapel gelassen, wenn das Weltwasserforum in China, Indien oder Thailand zusammengekommen wäre).

Ich kann nur staunen über jene (für mich: unerträgliche) Leichtigkeit des Seins, welche das Denken so problemlos ausschalten kann.

Gewiss mag es sein, dass diese Staudämme nicht oder nicht in erster Linie der Trinkwasserversorgung dienen sollen. Aber die Zerstörung eines Naturschutzgebietes für einen Staudammbau ist in keiner Weise negativ korreliert mit dem geforderten Menschenrecht auf Wasser.

Ich habe bereits in einem früheren Blott ("terreur-des-sommes") auf die Widersprüche aufmerksam gemacht, in welche sich wohlmeinende Wasserbau-Widersacher verwickeln.
Die wollen ohne Rücksicht auf Verluste alles bekämpfen: den Hunger, die Unwissenheit, die Krankheiten, den Trinkwassermangel, die Verwendung nicht-erneuerbarer Ressourcen für die Energiegewinnung - und die Staudämme.

Wo z. B. Ägypten heute wäre ohne den Assuan-Staudamm: dieser Frage stellen sich diese Schmetterlings-Schützer nicht. Lieber spinnen sie sich ein in ihre heile-Welt-Kokons, in ihre feuchten Träume von glücklichen Primitiven, die selbstverständlich ein Recht auf moderne Gesundheitsfürsorge haben. Diese mentalen Seidenraupen leben in einer Welt, welche mit Menschen proppevoll gefüllt ist und die sogar (auch dank ihrer mitleidigen Hilfe) ständig voller wird. Das verantwortungsenthobene Volk der Traumtänzer schert sich nicht drum, mag auf keinen Fall wider die Stachel der Widersprüche im eigenen Denken löcken. Lieber reitet man in einer Kavalkade der intellektuellen Verantwortungslosigkeit auf Traumpfaden zu neuen Menschenbeglückungsturnieren.

Macht doch nichts, wenn die Länder keine erneuerbare Energie (aus Wasser) gewinnen oder ihre Felder nicht bewässern können: dann müssen wir denen halt helfen, ihre Völker zu nähren, kleiden, ihnen sauberes Trinkwasser, hygienisch einwandfreie Toiletten und eine State-of-the-Art-Gesundheitsbetreuung zu beschaffen. Schließlich sind "wir" sind ja sooooo reich, da können wir doch massig was abgeben? (Und außerdem ist es sowieso unsere Schuld, wenn die sich so fruchtbar mehren: die wo wir nicht kolonialisiert haben, denen haben wir die Hygiene gebracht.)


Meine herzliche Bitte an alle, deren Bereitschaft zu einem vernetzten (Friedrich Vester) Denken lediglich "di aqua" (Pietro Aretino) ist:

Berauscht euch an dem (freilich um den Preis des Anthropomorphisierens) sprachlich wunderschönen Wassertext von Elfriede Jelinek aus ihrem Roman "Gier":
"Wildes, grandioses Wasser, fällst mit hocherhobenem Köpfchen, auch wenn man Dich bereits gezähmt hat! ....."
Und lasst ab von der Vergiftung unserer diskursiven Umwelt mit romantischer Naturträumerei auf dem intellektuellen Niveau der Gartenlaube!

Nein: auch ich bin nicht glücklich über die Zerstörung von Natur. Nur sehe ich bei denen, die ständig darüber klagen, nicht die mindeste Bereitschaft, dem eigentlichen Problem ins Auge zu schauen: der zügellosen Vermehrung der Menschheit. Ganz im Gegenteil sind diese "guten" Menschen meist die ersten, die ein besseres Leben (d. h. im Ergebnis: mehr Ressourcen- und Umweltverbrauch) für die 3-Welt-Länder fordern usw.
Doch wenn die dortigen Menschen ihre Chancen realisieren wollen (genau so, wie wir das gemacht haben und immer noch machen: einst z. B. indem wir die Lüneburger Heide entwaldet haben, worauf wir heute sogar noch stolz sind!), dann bläst dieses Volk gewaltig die Backen auf!


Ich aber höre besser auf, mich weiterhin über jene Denkentwöhnten zu echauffieren: auf dass nicht der Strom meines heiligen Zorns mich in die Gullys der Verbalinjurien hinabspüle!


Nachtrag 25.03.09
Weiterer Artikel in der ZEIT zum Thema: "Weltwassertag. Der politische Wille fehlt"
v. Marianne Alker und Matthias Krause, Deutsches Institut für Entwicklungspolitik 24.3.2009:
"Grenzübergreifende Maßnahmen zum Schutz unseres Trinkwassers sind immer noch die Ausnahme".


Textstand vom 01.06.2024

Montag, 12. Januar 2009

Sprache, Denken, Wirklichkeit: Warum der Kapitalismus KEINE ölbasierte Wirtschaft ist


Die linke Schweizer Wochenzeitschrift "WOZ Die Wochenzeitung" hat in ihrer Ausgabe vom 13.11.2008 -4- Referate einer Veranstaltung «Globale Finanzkrise: Welche linken Antworten?» der linken Schweizer Organisation "Denknetz" vom 4.11.2008 veröffentlicht.
"Dabei wurde die Frage diskutiert, ob die aktuelle Finanzmarktkrise bloss eine Art Marktbereinigung darstellt oder Ausdruck einer tiefer liegenden Systemkrise ist, die sich etwa mit der Weltwirtschaftkrise vergleichen lässt, die 1928 ausbrach. Ausserdem wurden Vorschläge für eine Reform des Schweizer Finanzplatzes wie auch für einen grundsätzlicheren Umbau der Schweizer Wirtschaft vorgestellt."

Es ging um eine "Analyse: Wenn die Blasen platzen. Die Finanzmarktkrise droht sich zur globalen Rezession auszuweiten. Können die staatlichen Massnahmen die Situation beruhigen? Oder steckt der Kapitalismus in einer Sackgasse?"
Zwei der Teilnehmer bezogen auch die Umweltfrage ein. Thomas Heilmann setzte sich u. d. T. "Vom Mythos des Wachstums" (grundsätzlich zu Recht) kritisch mit der "Weiter-So-Orientierung der Konjunkturprogramme auseinander und forderte, "ein gesellschaftliches Produktions- und Reproduktionsmodell zu entwickeln, welches nicht für unsere sieben Millionen, sondern für Milliarden ein anständiges Leben und ein langfristiges Überleben des Planeten bietet."

Mir erscheint die Erwartung grotesk absurd, dass eine Milliardenbevölkerung überhaupt ein ressourcenschonendes Dasein führen könne. Wer meint, die Menschheit könne "ein gesellschaftliches Produktions- und Reproduktionsmodell ... entwickeln, welches... für Milliarden ein anständiges Leben" bietet und zugleich "ein langfristiges Überleben des Planeten" ermöglicht, gehört in meinen Augen von vornherein zur Truppe der Traumtänzer.

Sonntag, 27. Juli 2008

Salut für den Atom-Admiral! Hyman Rickovers visionäre Energie-Rede von 1957 hier auf Deutsch


Leichter, aber doch zeitraubender als gedacht war die Übersetzung der nachfolgenden Rede mit dem Originaltitel "Energy Resources and Our Future", welche der US-Viersterne-Admiral Hyman Rickover (1900 – 1986), der "Vater der Nuklearmarine" (Wikipedia dt.) bzw. "Father of the Nuclear Navy" (Wikipedia engl.) am 14.05.1957 auf der "Annual Scientific Assembly of the Minnesota State Medical Association", also vor einem Medizinerkongress, in St. Paul, Minnesota gehalten hat.  

Über die multistabile Wahrnehmung klimaschützender Kernkraftgegner


Manche Texte enthüllen, wenn man sie wie ein Vexierbild liest, mehr Wahrheiten, als ihren Verfassern lieb sein dürfte. 

Freitag, 18. Juli 2008

Ich würde ja gern - aber ich darf nicht: bei den Sozis unterschreiben


Über das Portal "Energie-Fakten" (dieses ist, ich sag es lieber gleich, kernenergiefreundlich*) gelangte ich zur Webseite "europa-und-energie". Hier fordert eine kleine radikale Minderheit (bislang nur 25 Unterschriften seit November 2005) von SPD-Mitgliedern ihre Partei in Sachen Energiepolitik auf: "Realitäten annehmen ... ehrliche Fragen stellen!" 

Donnerstag, 1. November 2007

Utopia Nova - Argumente für die Wünschbarkeit einer ideologischen Fundamentierung politischen Handelns


ABBY FineReader ist ein feiner Kumpel, weil er es mir erlaubt, ohne allzu große Mühe meine alten Texte zu exhumieren und auf die Menschheit loszulassen (was natürlich einige Menschen durchaus zu einer konträren Einschätzung des "feinen Kumpels" veranlassen könnte). (Völlig mühelos ist es freilich nicht, weil die Texterkennungssoftware mit Schreibmaschinentexten -mit Gewebeband, nicht mit Karbonband geschrieben- gelegentlich doch Erkennungsschwierigkeiten hat und weil ich natürlich auch Buchstaben übertippt und ausgeixt und handschriftliche Berichtigungen und Ergänzungen eingefügt hatte.)

Den nachfolgenden Text hatte ich großenteils (handschriftlich) ausgearbeitet im November 1973 während eines Urlaubsaufenthaltes auf der Kanaren-Insel La Palma. Man könnte ihn auch als ein Sublimationsprodukt dieses in mancher Hinsicht frustrierend verlaufenen Urlaubs bezeichnen.
Später in Frankfurt habe ich ihn in veränderter Form maschinenschriftlich übertragen und ein wenig fortgeführt und jetzt in einer wiederum leicht veränderten Form (Berichtigung der Rechtschreibung, einiger Fehler und mit einigen –wenigen- Textänderungen im Interesse der Verständlichkeit) als Datei in meinen PC eingegeben.

Mittwoch, 31. Oktober 2007

Damals, als ich der Menschheit durch eine Quellensteuer (quasi eine energetische "Tobin Tax") helfen wollte


Ehrlich: es hat Zeiten gegeben, da habe ich geglaubt, man müsse etwas für "die Menschheit" tun, insbesondere den unterentwickelten Länder massiv helfen. Und das zweckmäßiger Weise so, dass gleichzeitig auch der Klimaschutz profitiert und die internationale politische Zusammenarbeit im Rahmen der Vereinten Nationen auf eine qualitativ völlig neue Basis gestellt wird (nämlich durch eine eigene Finanzierungsquelle in Form einer weltweiten Steuer).
Also setzte ich mich hin und schrieb den nachfolgenden Brief und versandte ihn am 16.09.1990 an die Fraktionen der CDU/CSU, SPD, FDP und Grünen:

Samstag, 9. Juni 2007

terreur des sommes

terre des hommes (französisch für: "Erde der Menschen") ist eine ursprünglich schweizerische Organisation von Menschenfreunden, die sich u. a. auch nach Deutschland verzweigt hat und "Hilfe für Kinder in Not" leisten will. Das ist gewiss kein verwerfliches Ziel.
Kommt also her und schaut es euch an,
Wie armen Menschen man helfen kann:

Sonntag, 29. April 2007

Sind wir Deutschen (Deutschsprachigen) Pessimisten? Kollaps, Untergang, Zusammenbruch: ein Streifzug durch die Wikipedia-Weltuntergänge


Wer immer von mir behaupten würde, dass ich ein Pessimist bin, genauer: ein Umweltpessimist, hätte - Recht. Als Autor z. B. des Beitrages "Mein Ressourcenpessimismus gehört mir!" könnte ich das kaum glaubhaft leugnen; und erhärtet würde ein solcher Verdacht der Leser, wenn sie sich von jenem Beitrag auf die Tags "Umwelt" oder "Ressourcenverknappung" weiterklicken würden.

Aber, wie man schon aus den Statistiken der Google-Trefferzahlen für Begriffe wie z. B. "Umweltpessimismus" (20 per 29.04.07) einerseits und "environmental pessimism" (576 Treffer per 29.04.07) andererseits vermuten kann: tatsächlich ist Pessimismus in Bezug auf die Zukunft der Menschheit auf unserem Planeten, oder jedenfalls Befürchtungen, dass unsere hoch entwickelte Zivilisation sich nicht auf Dauer aufrecht erhalten lässt, im anglophonen Sprachgebiet (und vermutlich sogar in den USA, obwohl sich das aus einer solchen "Statistik" gar nicht oder allenfalls äußerst mühsam extrahieren lässt) vielleicht sogar noch weiter verbreitet als bei uns (was andererseits aber wohl auch für den Optimismus, z. B. der "cornucopians" gilt).

Aus irgendwelchen Zusammenhängen heraus kam ich kürzlich wieder zu dem Wikipedia-Artikel über das berühmte Buch von Edward Gibbon "The History of the Decline and Fall of the Roman Empire".
Von dort war es ein Katzensprung zu anderen Erörterungen über den Verfall des Römischen Reiches, wie sie in dem Wkipedia-Artikel "Decline of the Roman Empire" (neun Druckseiten) dargestellt sind, oder entsprechend auf Deutsch unter "Untergang des Römischen Reiches" (allerdings nur im Umfang von vier Druckseiten).

[Interessant ist übrigens die Verwendung unterschiedlicher Begriffe für den gleichen Sachverhalt, nämlich im Deutschen "Untergang" und im Englischen "Decline", wobei letzterer den Sachverhalt deutlich präziser, nämlich als Vorgang, kennzeichnet: "a failing or gradual loss, as in strength, character, power, or value; deterioration: the decline of the Roman Empire", sagt das Lexikon "dictionary.com", während die Deutsche Sprache nur das Resultat -das im übrigen heutzutage sogar umstritten ist, weil heute viele Historiker von einer "Transformation" des Römischen Reiches ausgehen (was immer das, im Vergleich zum "Untergang" sein mag: Bäder und Theater wurden jedenfalls nicht transformiert, sondern verschwanden)- im Blick hat. Deshalb bemerkt die englischsprachige Wikipedia auch treffend über den Titel von Oswald Spenglers "Untergang des Abendlandes" (zehn Druckseiten, im Deutschen elf): "Scholars now agree that the word "decline" more accurately renders Spengler's intended meaning, as opposed to the original German word 'Untergang' (often translated as the more emphatic 'downfall'). Spengler would explain that he did not mean to describe a catastrophic occurrence, but rather a protracted fall—a twilight or sunset. 'Untergang' can be interpreted in both manners, and after World War II, most critics and scholars chose to read it in the cataclysmic sense."]

Von diesem Untergang der alten Römer ausgehend klickte ich mich durch die Welt der (Menschen-)Welt- und anderer Untergänge und fand für nicht wenige Stichworte in der englischsprachigen Wikipedia keine deutsche Entsprechung. Nun gibt es unstreitig sehr viel mehr Menschen, die Englisch sprechen, als Deutschsprachige. Trotzdem (und darauf bin ich sogar stolz, obwohl ich persönlich nichts dazu beigetragen habe) haben "wir" immerhin bislang immerhin auch schon 577.133 Artikel (Stand 29.04.07) auf die Beine bzw. ins Netz gestellt, verglichen mit 1,760,649 Stichworten in der englischsprachigen Version, also rund 1/3.

Schauen wir uns nun um und an, welche Stichworte in beiden Sprachen Pessimismus über die Zukunft der menschlichen (oder zumindest unserer westlichen)
Zivilisation indizieren könnten. Auch wenn ich dabei nicht systematisch vorgehe (u. a. müsste ich sonst auf der "Haben-Seite" auch die jeweiligen Optimisten "bilanziell aktivieren"), nicht sehr tief schürfe und die vorliegende Eintragung nicht als anspruchsvolle Studie, gedacht ist, könnte er immerhin als Anregung oder Materialsammlung (zumindest für mich selbst) von Interesse und Nutzen sein.

Falls sich eine signifikant höhere Zahl einschlägiger Einträge im Englischen finden sollte, wäre das allerdings noch nicht zwangsläufig ein Anzeichen für größeren Pessimismus. Man könnte es ebenso als ein Indiz für ein höheres Risikobewusstsein (oder evtl. -nur oder auch- für eine größere Debattierfreude) verstehen (woraus man dann wohl schlussfolgern müsste, dass die anglophone Welt intellektuell weiter fortgeschritten ist als wir).

Wie auch immer: nachfolgend werde ich meine Funde im Wesentlichen nach folgenden Kriterien auflisten:

- Englisches Stichwort (Zahl der Druckseiten per 29.04.07 bzw. dem ggf. explizit genannten Datum; Einstellung 100% im Browser Internet Explorer 7, was allerdings im Grund egal ist, da es hier ja lediglich um das Verhältnis der Textlängen in der englisch- bzw. deutschsprachigen Wikipedia geht.)
- Soweit erforderlich: Thema, Inhalt; evtl. auch interessante Details
- Deutsche Entsprechung (Zahl der Druckseiten), wenn eingetragen bzw. auffindbar (sonst: "keine Entsprechung")
- Bzw. ggf. nur ein deutschsprachiges Stichwort (mit den entsprechenden Zusätzen), sofern es umgekehrt einmal keine englischsprachige Äquivalenz geben sollte.


"Collapse" (5 S.)
- Behandelt das gleichnamige Buch von Jared Diamond
[vgl. im übrigen auch unten das Stichwort "Societal collapse"]
- In der deutschen Wikipedia wird das Buch nicht separat behandelt, und (derzeit jedenfalls) geht auch das Stichwort "Jared Diamond" nicht näher darauf ein. Eine Entsprechung für den Begriff "collapse" allgemein wäre natürlich "Kollaps", der zwar aufgeführt ist, aber nicht mit der Bedeutung "sozialer Zusammenbruch". Zusammenbruch (Definition, 1 S.) (Zitat: "Der Begriff Zusammenbruch bezeichnet den schlagartigen Übergang eines Systems von einem bestimmten Zustand in einen anderen, nicht benachbarten Zustand (d. h. der Folgezustand unterscheidet sich wesentlich vom Anfangszustand). Meistens ist dieser Übergang auch unvorhergesehen und/oder irreversibel. Der Begriff wird oft auch synonym zum Kollaps verwendet.") Auch hierbei denken aber der/die deutschsprachige(n) "Redakteur"(e/in) nicht an einen Zusammenbruch der Kultur insgesamt, etwa nach Art von Oswald Spenglers "Untergang des Abendlandes", sondern mehr im politischen (relativen) 'Nahfeld': "In der Nachkriegszeit nach 1945 wurde das Ende des 'Dritten Reiches' zumeist als 'Zusammenbruch' bezeichnet, während Ausdrücke dafür wie 'Befreiung' (o.ä.) außerhalb der Sprachregelung der DDR gänzlich ungebräuchlich waren."
(Wenn man das Wort "Zusammenbruch" im Volltext aller Wikipedia-Artikel sucht, findet man häufig militärische und wirtschaftliche Bezüge auf Einzelereignisse.)

"Cultural pessimism" (2 S.)
- Zitat: "Cultural pessimism is a variety of pessimism, as formulated by what is nowadays called a cultural critic."
- An "Kulturpessimismus" stellen wir deutlich mehr auf die Beine, nämlich -7- Druckseiten!
[Randbemerkung: man muss allerdings aufpassen, dass man den Kulturpessimismus im eigentlichen Sinn einer Antizipation kulturimmanenter Probleme nicht mit einem 'Zivilisationspessimismus' verwechselt, der Probleme der Menschheit insgesamt mit der Umwelt erwartet. Auf diese Unterscheidung lege ich deshalb besonderen Wert, weil ich der Kulturkritik i. e. S. sehr kritisch gegenüber stehe -vgl. Eintrag "Es muss nicht immer Simmel sein: Kulturkritik-Kritik"-, aber durchaus -auf der theoretische Ebene- ein "Zivilisationspessimist" im dargelegten Sinne bin.]

"Decadence" (3 S.)
- Entsprechung: "Dekadenz" (2 S.)

"Decline"
- Zitat: "Decline is a change over time from previously efficient to inefficient organizational functioning, from previously rational to non-rational organizational and individual decision-making, from previously law-abiding to law violating organizational and individual behavior, from previously virtuous to iniquitous individual moral behavior."
- Ungefähre deutschsprachige Äquivalenzen wären wohl "Verfall" ("die durch Zeitablauf hervorgerufene allmähliche Verschlechterung einer Sache") und "Zerfall" ("Zerfall ist die Auflösung einer bestehenden geordneten Struktur"). (Für das hier ebenfalls in Betracht kommende Wort "Zusammenbruch" siehe unter "collapse".)
- Alle vorgenannten (engl. + dt.) Stichworte haben im Wesentlichen nur eine definierende (Wörterbuch-)Funktion und überschreiten deshalb nicht eine Druckseite.

"Degeneration" (nur gut 1 S., aber mit dem Hinweis "This article deals with the social-philosophical meaning of degeneration. For other meanings associated with degeneration, please see degeneracy.")
- Der deutsche Eintrag " umfasst zwar 6 Druckseiten, aber der geschichtsbezogene, dem o. a. englischen Eintrag vergleichbare Teil dürfte auch nicht länger als 1 S. (eher kürzer) sein.

"Doomsday argument" (14 S.)
- Zitat: "The Doomsday argument (DA) is a probabilistic argument that claims to predict the future lifetime of the human race given only an estimate of the total number of humans born so far."
- Dt.: "Doomsday-Argument" (2 S.) (Zitat: "Das Doomsday-Argument, deutsch Weltuntergangsargument, ist eine Überlegung, die eine Wahrscheinlichkeitaussage über den Zeitpunkt des Endes der Menschheit vorgeblich zwingend begründet und dazu lediglich eine Schätzung der Anzahl aller bisher geborenen Menschen benötigt.")

"Dysgenics" [derzeit ein Artikel von umstrittener Qualität] (3 S.) ist ein Begriff und eine Vorstellung, die mir bisher unbekannt waren.
- Zitat: "Dysgenics is a term applied by some researchers to describe the evolutionary weakening of a population of organisms relative to their environment, often due to relaxation of natural selection or the occurrence of negative selection. It is not a topic of significant scientific research, but appears occasionally in fiction and the popular media. While discussed in biology, dysgenics is a controversial term, especially when applied to humans, and is generally considered a scientific hypothesis."
- Die deutsche Entsprechung heißt "Dysgenik" (4 S.; Zitat: "Dysgenik (engl. Dysgenics) bezeichnet im Kontext der Evolutionstheorie eine unterstellte 'Schwächung des genetischen Potentials' einer biologischen Art oder Population - auch und speziell des Menschen - relativ zu konkurrierenden Arten oder Populationen. Als Ursache hierfür werden von den Vertretern dieser evolutionstheoretischen Annahme veränderte (für den Fortbestand der Art oder Population 'ungünstige') Selektionsbedingungen benannt, d. h. verschlechterte Fortpflanzungs- und Überlebenswahrscheinlichkeiten.")

"End of the world" ist eine Eintragung mit lediglich verweisendem Charakter; einer Entsprechung zum deutschen Stichwort "Weltuntergang" etwas näher kommt allenfalls der Eintrag "Risks to civilization, humans and planet Earth" (s. u.).
- Das dt. Stichwort "Weltuntergang" (2 S.; Zitat: "Der Weltuntergang ist der Begriff für ein natürlich oder künstlich herbeigeführtes Ereignis, das die Menschheit, den Planeten Erde oder das Universum vernichtet") wird in der Wikipedia-internen Diskussion derzeit (29.04.07) als verbesserungswürdig kritisiert.

"Global scenario group" (gut 2 S.) ist ein Stichwort, dessen Zusammenhang mit dem vorliegenden Thema zwar nicht unmittelbar evident ist, das aber enorm wichtig ist, weil es die Grenzen unseres Wissens um zukünftige Ereignisse hervorhebt und, davon ausgehend, die Notwendigkeit, in 'Wenn-dann-Zusammenhängen', "Szenarien" also, zu denken.
- Zitat: "The Global Scenario Group (GSG) was a team of environmental scholars, headed by Paul Raskin, who used scenario analysis to analyze future paths for world development in the face of environmental pressures and crises. Convened by the Tellus Institute and Stockholm Environment Institute in 1995, the GSG based its scenarios on quantitative social, economic, and environmental research from world regions ..."
- Keine deutsche Entsprechung (auch nicht für "Tellus Institute" oder "Paul Raskin"); das finde ich ausgesprochen bedauerlich, weil gerade ein solcher relativierender Ansatz besonders interessant ist.

"Human extinction" (8 S.):
- Hier ein Auszug, der nicht repräsentativ für die -sehr balancierte- Darstellung ist, für mich aber interessant ist, weil er auf die Dimension der Wahrnehmung abstellt:
"Tversky and Kahneman have produced evidence that humans suffer cognitive biases which would tend to minimize the perception of this unprecedented event:
Denial is a negative 'availability heuristic' shown to occur when an outcome is so upsetting that the very act of thinking about it leads to an increased refusal to believe it might occur. In this case, imagining human extinction probably makes it seem less likely. In cultures where human extinction is not expected the proposition must overcome the 'disconfirmation bias' against heterodox theories.
Another reliable psychological effect relevant here is the 'positive outcome bias'.
Behavioural finance has strong evidence that recent evidence is given undue significance in risk analysis. Roughly speaking, "100 year storms" tend to occur every twenty years in the stock market as traders become convinced that the current good times will last forever. Doomsayers who hypothesize rare crisis-scenarios are dismissed even when they have statistical evidence behind them. An extreme form of this bias can diminish the subjective probability of the unprecedented."
[Hervorhebungen von mir]
- Keine Entsprechung

"Limits to Growth" (4 S.)
- Behandelt das 1972 im Auftrag des "Club of Rome" publizierte gleichnamige Buch.
- Dt.: "Die Grenzen des Wachstums" (4 S.)

"Risks to civilization, humans and planet Earth" (7 S.!)
- Zitat: "Risks to civilization, humans and planet Earth are existential risks that would imperil humankind as a whole and/or have major adverse consequences for the course of human civilization, human extinction or even the end of planet Earth. The concept finds expression in various idiomatic phrases such as 'End of the World', 'Doomsday', 'TEOTWAWKI' and others. The prediction of future events is known as futures studies."
- Keine deutsche Entsprechung (ganz entfernt ist allenfals vergleichbar das Stichwort "Weltuntergang" (2 S.; s. a. oben unter "End of the World").

"Social disintegration" (1 S.)
- Keine Entsprechung

"Societal collapse" (5 S.!)
- Zitat: "Societal collapse is the large scale breakdown or long term decline of the culture, civil institutions or other major characteristics of a society or a civilization, on a temporary or permanent basis. The breakdown of cultural and social institutions is perhaps the most common feature of collapse. Although societal collapse has previously been viewed as an endpoint for a civilization, the phenomenon is only a description of the processes of change in that civilization. Societies may not end or die when they collapse, but may instead adapt and be born anew. Societal collapse is certainly not a benign social process, but it may also result in a degree of empowerment for the most disenfranchised sections of the collapsing society."
- Keine Entsprechung [für "Zusammenbruch" vgl. oben unter "Collapse"]

"Urban decay" (5 S.!)
- Zitat: "Urban decay is a process by which a city, or a part of a city, falls into a state of disrepair. It is characterized by depopulation, property abandonment, high unemployment, fragmented families, political disenfranchisement, crime, and a desolate and unfriendly urban landscape."
[Randbemerkung: Das Stichwort verlinkt u. a. zu einer kanadischen Webseite mit Bildern von -ich formuliere mal ganz vorsichtig:- zerfallender Bausubstanz in amerikanischen und kanadischen Städten. Die Ästhetik des Verfalls (Verfallsästhetik) ist schon wieder richtig schön; ähnlich haben ja westliche Reisende das Elend in unterentwickelten Gegenden nicht selten als "malerisch" ("picturesque") empfunden und beschrieben.]
- keine Entsprechung, obwohl das Phänomen sicherlich auch bei uns (wenn auch vermutlich in geringerem Umfang) existiert.


Summa summarum kann man (sofern ich nicht allzu viele deutschsprachige Wikipedia-Einträge aus dem o. a. Themenfeld übersehen habe, weil sie unter Stichworten gelistet sind, die mir derzeit nicht einfallen) m. E. feststellen, dass die Deutschen (bzw. die Menschen deutscher Zunge) jedenfalls nicht pessimistischer sind als die Menschen mit englischer Muttersprache, oder, wenn einem diese Formulierung zu weit geht, dass zumindest eine Analyse der Wikipedia-Einträge eine solche Annahme nicht stützen kann.
Denkbar ist allerdings auch, dass das Bewusstsein von der Fragilität und Gefährdung der menschlichen Existenz und ihrer hoch entwickelten Organisationsformen in der englischsprachigen Welt weiter entwickelt ist als bei uns. Das könnte auf eine vergleichsweise geringere Reflexionstiefe im einstigen Land der Dichter und Denker deuten.


Nachtrag 21.05.07

Wer's richtig pessimistisch (ich würde allerdings sagen: realistisch!) mag, muss schon nach Amerika gehen. "Hoffnung? Keine!" verkündet uns von dort der Schriftsteller T. C. Boyle.
Der Artikel (in der "Zeit" vom 19.04.07; mir spielte ihn das Schicksal wieder mal im Zug in die Hand, am 17.05.07 - Christi Himmelfahrt oder Vatertag) war der letzte in einer Reihe "Die Zukunft der Natur. Alle reden von Klimakatastrophe und Umweltschutz. Doch welche Natur ist es, die wir vor uns selbst schützen wollen?"

Über die deutschen Beiträge sage ich hier nichts; mein negatives Urteil über das (größtenteils) Geschwafel müsste im Einzelnen begründet werden; dazu habe ich jetzt aber keine Zeit.


Nachtrag 25.09.2008
Vgl. für den vorliegenden Zusammenhang auch die Kunstausstellung "German Angst" im Berliner Kunstverein. (vgl. Berichte "Die aufgefressene Seele" von ELKE BUHR, Frankfurter Rundschau; hier ein Bericht auf Englisch; und dort auf der Homepage des Veranstalters Neuer Berliner Kunstverein e.V. .
Nicht auf die Ausstellung bezogen: "Das Ende der 'German Angst' " und "Wie die Deutschen das Lieben lernten".)


Nachtrag 28.05.2009
Vgl. zum Thema auch nachfolgende Artikel aus der ZEIT:
"Amerikanische Grippe. Panik vor dem Unbekannten" vom 30.04.09;
und spezifisch zur "german angst":
"Werte-Debatte. Zum Glück sind wir Pessimisten" von Kai Biermann, 28.5.2009 und
"Cool in der Krise. Was ist aus der German Angst geworden?" von Ulrich Greiner, 14.05.09.


Nachtrag 24.10.2011
Ebenfalls aus der ZEIT heute wieder mal die Behauptung, dass wir Deutschen besonders pessimistisch seien (und sich das schon in unserer Sprache ausdrücke): "Sprache. Das Ende ist nah, yeah" (Autor: David Hugendick).


Textstand vom 01.06.2024

Montag, 2. April 2007

Horx! Horx! Heiße Luft gegen heißes Klima! (Und ich wär' beinah' drauf reingefallen!)

Zu Matthias Horx (Homepage hier, Wikipedia da) kam ich erstmalig zwar im Handelsblatt, hatte diese (gescheite) Meinungsäußerung aber schon wieder vergessen, als ich ihm im Zusammenhang mit einer Google-Suche nach Richard Sennett wieder begegnete. (Den wiederum, bzw. einen Teilabdruck seiner Dankesrede für den Stuttgarter Hegel-Preis, hatte ich in einer liegen gelassenen Frankfurter Rundschau im Zug gefunden.)

Horx' recht ausführliche Rezension u. d. T. "Sehnsucht nach dem Feudalismus" von Sennetts Buch "Die Kultur des neuen Kapitalismus" hat mich begeistert. Zwar kenne ich das Buch nicht, aber seine Kritik an Sennetts Positionen lässt sich auch als wuchtige Fundamentalkritik an jener uralten gesellschaftlichen Diskursgepflogenheit verstehen, welche ich an anderen Stellen als "Olim-Diskurs" bezeichnet und in dem Eintrag "WO DER OLIM HAUST oder ARM, ABER KRITISCH!" gegeißelt habe.

Aber Sätze wie seine sind mir denn doch nicht gelungen:
"Und wo sollen wir aufhören, wenn wir den 'unentfremdeten Zustand' wieder einführen wollen? Um die Ecke lugt Rousseau, am Türrahmen lächelt Ernst Jünger Arm in Arm mit dem guten Charlie Marx. Und am Ende landen wir, in guter deutscher Romantik-Tradition, wieder bei den Jägern und Sammlern " [wo es freilich Herren und Knechte noch nicht gab], "Kein Wort finden wir in Sennetts Sozialfeuilleton zu den gewaltigen Opfern jener Zeit, in denen die Lebensverhältnisse nach Sennett noch stabil, berechenbar, kontinuierlich blieben. Kein Wort über die Staublunge, an der die solidarischen Kumpels starben, nachdem sie im abgesicherten Milieu lebenslange Sicherheit erfahren hatten" [Hervorhebung von mir], "In des Autors Bild einer verklärten Vergangenheit gab es offenbar keine Massenfreisetzungen, wenn Rohstoffzyklen sich neigten oder technologische Wellen die gesicherten Arbeitsverhältnisse hinwegfegten" und "... reiht er sich ein in die Armee der Beschwörer dunkler Kräfte - also jener, die vor den Sith Lords des Kapitals warnen. Mit dieser komfortablen Negation läßt es sich allerdings prima leben im Kapitalismus. Jede Talkshow, jede Jammergemeinde von Buxtehude bis Garmisch wird die sonore Stimme seines nostalgischen Pessimismus gern hören. Man sieht ihn schon bei Sabine Christiansen sitzen, diesem medialen Brutkasten der Angstbeschwörung"
[Ähnlich (und ähnlich wirkungslos) schrieb übrigens schon vor beinahe 150 Jahren der Struwwelpeter-Vater Heinrich Hoffmann: "Es ist ein immer noch gebrauchter, wenn auch verbrauchter Redemodus der Verderbtheit der Gegenwart, die Einfalt und Solidität der Vergangenheit der sogenannten alten guten Zeit vor das Antlitz zu halten, um sie zur Schamröte zu zwingen. Rücken wir aber dieser alten guten Zeit selbst einmal etwas näher auf den Leib, und heben wir ihr den historischen Nebelschleier von dem Haupte, so finden wir gemeinlich, daß sie gar nicht besser, oft wohl noch viel schlechter als die Enkelin, die Neuzeit, war:
Das Vergangene zu preisen und die Gegenwart zu schelten,
Muß von aller Art von Tugend stets für die bequemste gelten
!"]


Vielleicht von dem Vertrauenskapital , das Horx mit seinen o. a. Sätzen bei mir deponiert hatte, allzu zutraulich gemacht, vielleicht aber auch durch die clevere Art der Präsentation seiner Argumente geblendet, erschien mir sein Essay "Warum ich nicht an die Klimakatastrophe glaube" in der WELT ONLINE vom 13.03.07 zwar nicht als absolute Wahrheit, aber jedenfalls als in sich stimmig formulierte Position eines "Klimaskeptikers" (wie, offenbar nach dem anglophonen "climate skeptic", jene Personen bezeichnet werden, welche die Warnungen zahlreicher Klimatologen usw. für unberechtigt oder übertrieben halten).
Schon vor geraumer Zeit hatte ich in meinem (englischsprachigen) Eintrag "THE (B)RAT IN THE BOX AT THE ULTIMATE LEVER?" die Rede eines anderen Klimaskeptikers, des US-Romanautors Michael Crichton, (unter dessen Stichwort sich in der englischsprachigen Wikipedia einige Links zur Klimadebatte um sein Buch "State of Fear" -"Welt in Angst"- finden) analysiert.
"Environmentalism as Religion" heißt sie, ist aber auch u. d. T. "Remarks to the Commonwealth Club" bekannt. Dabei hatte ich einerseits die Argumentationsstruktur Crichtons untersucht (bzw., aus meiner Sicht, entlarvt), andererseits den Blickwinkel allerdings auf die "Ressourcenskeptiker" ausgeweitet und damit hauptsächlich jene "Füllhornisten" ins Visier genommen, welche mit dubiosen Argumenten und Argumentationsstrategien unsere (und vielleicht auch ihre eigene?) Furcht vor einer relativ zeitnahen Erschöpfung der Lagerstätten mineralischer Rohstoffe zu beschwichtigen suchen.

So war es mir damals noch nicht in voller Schärfe bewusst geworden, dass unser Bejahen oder (was hier im Hinblick auf die Position von Horx allein von Interesse ist:) unser Bestreiten von "Erderwärmung", "globale Erwärmung", "Klimaänderung", "Klimawandel", "Klimakatastrophe", "Global Warming" usw. drei verschiedene Stufen von "(Un-)Glauben" bezeichnen kann, die sich logisch wie die Hüllen dreier Matroschkas (oder Matrjoschkas) zueinander verhalten:

1) Die dickste Babuschka (Babushka) ist ein dicker Hund: das Bestreiten, dass wir derzeit überhaupt einen Klimawandel miterleben.

2) Wer ganz so weit nicht gehen will, kann immer noch leugnen, dass die Klimaänderung "anthropogen" ist, also von uns Menschen "gemacht", wurde.

3) Selbst wenn man das einräumt, bleibt rein logisch die Möglichkeit abzustreiten, dass der Klimawandel katastrophale Folgen haben muss bzw. jedenfalls dann haben wird, wenn wir nicht rechtzeitig gegensteuern.

Was davon meint Matthias Horx, wenn er sich weigert, "an die Klimakatastrophe" zu glauben?

Sehen wir uns zunächst an, wie er seine Argumentation aufbaut:


I. Auswahl des Mottos.
Dass die "Zivilisation aufgrund der Duldung der Geologie besteht" ist zweifellos richtig, soll aber hier wohl ausblenden, dass sie möglicherweise auch von unserem pfleglichen Umgang mit der Geologie (und der Botanik) abhängig ist.


II. Ironisierende Darstellung der aktuellen Meldungen und Befürchtungen.
"Nun also ist es amtlich ...".
Botschaft: "Alles Quatsch".


III. Parallelisierung der Debatten über das "Waldsterben" und die Klimaänderung.

Es ist schon äußerlich bemerkenswert, dass Horx ca. 1/3 seines Textes diesem Thema widmet, das sicherlich seine psychologische Wirkung nicht verfehlt, dessen Beweiskraft aber ebenso groß ist wie die Argumente der Bedrohungsskeptiker in Jericho am 5. oder 6. Tag des Trompetenkorsos der Belagerer rund um die Stadtmauern.
Botschaft bei Horx: "Damals haben sich die Leute unnütz aufgeregt; jetzt ist es bzw. wird es genau so sein." Wie schon Michael Crichton in seiner o. a. Rede diskreditiert Horx (etwas geschickter) die Waldsterbens- und implizit auch die Klimawarner als religionsähnliche (lies: irrationale) Bewegungen, die "Kathedralen" bauen und ihre "Priester" haben. Dazu habe ich schon in der Analyse der Crichton-Rede darauf hingewiesen, dass sich auf einem entsprechend hohen Abstraktionsniveau alles mit allem analogisieren lässt, ohne dass man daraus Erkenntnisse gewinnt. (Ein berühmtes Beispiel dieser Art ist der 1999 publizierte Essay "The Market as God" des US-Theologen Harvey Cox.)

Immerhin muss Horx zugeben, dass es tatsächlich ein "Waldsterben" gegeben hat - nur eben regional begrenzt und nicht in einem deutschland- oder weltweiten flächendeckenden Ausmaß: "In der Tat gab es in den 70er Jahren Fabriken (die heute längst geschlossen oder saniert sind), die starke SO2-Rauchfahnen freisetzten; so wurden regionale Wälder tatsächlich zerstört ..." schreibt er [Hervorhebung von mir].

Bereits an dieser Stelle stellt sich einem kritischen Leser die (bei der Klimadebatte noch weitaus bedeutsamere) Frage, ob nicht gerade unsere Furcht vor dem Waldsterben das Waldsterben verhindert hat. Hätten wir diese Ängste nicht gehabt, wären vielleicht die Emissionsgrenzen nicht herabgesetzt und die Dreckschleudern weiter toleriert worden? (Nun könnte es hier freilich so verhalten bzw. könnte man argumentieren, dass entsprechende gesetzliche Regelungen und Verwaltungsmaßnahmen bereits aufgrund der regionalen Schädigungen erfolgt sind bzw. wären, auch wenn es diese nach Meinung von Horx übertriebene Angst vor dem Waldsterben nicht gegeben hätte. Beim Klimawandel gibt es allerdings keine regional begrenzenten Warnungen, auf die wir später immer noch rechtzeitig reagieren könnten: wenn dieses sich ändert, dann weltweit; wenn auch nicht überall gleich und vielleicht nicht einmal überall zum Schaden der lokalen Bevölkerung.)

Die Tatsache, dass befürchtete Negativereignisse nicht immer eintreten (oder meinetwegen sogar häufig nicht eintreten) hat nicht den geringsten Beweiswert dafür, ob das eine oder andere Szenario sich realisieren wird oder nicht. Auch (zu) viele Deutsche um 1930 wollten jene lästigen Mahner nicht hören, die ihnen mit ihrem ewigen "Hitler heißt Krieg" in den Ohren lagen. Und es gibt sicherlich nicht nur in der Geschichte im klassischen Sinne (und in den Prophetenbüchern der Bibel) Beispiele für wahr gewordene Warnungen, sondern ebenso in der Umweltgeschichte. Da hat es schon ganze regional isolierte Gesellschaften hingerafft: nach Grönland emigrierte Isländer im Mittelalter total, Polynesier auf den Osterinseln großenteils und für die untergegangene Hochkultur der Maya (deren Volk zwar - auf einem niedrigeren Zivilisationsstand - weiter gelebt hat) referiert das einschlägige Wikipedia-Stichwort den Meinungsstand der Archäologen so:
"Der Zusammenbruch der Maya-Gesellschaft ist Gegenstand einer breiten und langanhaltenden Forschungsdiskussion. Dabei lassen sich zwei Hauptansätze unterscheiden: Ökologische und Nicht-Ökologische Erklärungsmodelle."
Horx' Behauptung, dass "sich ganze Kulturen in den Abgrund gestürzt" hätten, "Wie etwa die Maya, deren mächtige Priesterkaste immer blutigere Opferrituale zelebrierte, um die gnadenlosen Wetter- und Naturgötter zu besänftigen" ist hinsichtlich des von ihm hergestellten Kausalnexus' von religiösen Praktiken und Kulturverfall um so weniger glaubwürdig, als er selbst eben diese Praktiken auf agrarwirtschaftliche Probleme klimatischer Art zurück führt.


IV. "Der Planet des Wandels" und "Der Mensch: ein Terraformer"

Sicher ist es richtig, dass das Klima und sogar die Zusammensetzung der Atmosphäre in der Vergangenheit starken Schwankungen unterlagen. Aber welchen Erkenntnisgewinn oder welche Handlungsanleitung oder sonstigen Nutzen soll ich daraus für die aktuelle Klimadebatte ziehen? Es kann doch an unserer Einschätzung einer eventuellen dramatischen kurzfristigen Klimaänderung als "Katastrophe" nichts ändern, wenn ich weiß, dass es früher eben solche und sogar weitaus größere Schwankungen gab (die die Menschen wohl schon damals als "Katastrophen" empfunden haben - Sintflut!)

Dass sich die Natur auch ohne mein Zutun ändert, und z. B. Karsthöhlen gelegentlich zusammenkrachen, heißt doch noch lange nicht, dass ich meine Umwelt nun auch meinerseits kräftig aushöhlen sollte, bis es (vom "natürlichen" Standpunkt aus betrachtet: "vorzeitig") kracht! Natürlich gibt es kein "Normalklima", aber deswegen muss ich doch nicht die Atmosphäre so lange aufheizen, bis aus dem nicht-normalen ein katastrophales Klima geworden ist?

Der ganze Absatz ist also logisch wertlos, eine reines Psycho-Palliativ.

Das gleiche gilt auch für Horx' lange Ausführungen über den Menschen als Terraformer. (Beide Passagen zusammen machen mehr als ein weiteres Drittel seines Essays aus.) Zum einen hat sich der Mensch als Terraformer z. B. auf den Osterinseln, vermutlich aber auch im arabischen Raum und im Mittelmeergebiet nicht unbedingt mit einem dauerhaft positiven Erfolg betätigt. Zum anderen mag, wer an die Gaia-Hypothese glauben will, daraus Optimismus ableiten. Aber dieser Glaube ist, auch wenn man ihn "Hypothese" nennt, auch nur ein Glaube. Und deutlich weniger gut begründbar als die aktuell in der Klimawissenschaft herrschenden Meinungen über eine globale, durch Klimagase verursachte Erwärmung. (Im übrigen hat James Lovelock, (Mit-)"Erfinder" der "Gaia-Hypothese", mittlerweile ein Buch verfasst mit dem Titel "The Revenge of Gaia: Why the Earth is Fighting Back".)
[Beiläufig: Die Venezianer, diese Angsthasen, haben doch tatsächlich schon im Hohen Mittelalter mit riesigen Kosten ganze Flüsse umgeleitet, weil sie sich vor dem bischen Sand fürchteten, den die in die Lagune brachten!]

Wenn man die Frage aufwirft, warum die Blaualgen eine "Oxygen Catastrophe", (auch "oxygen holocaust" genannt - auf Deutsch "Sauerstoffkatastrophe"), herbeiführen "durften" (eine allerdings nicht unumstrittene Behauptung), begibt man sich auf die Ebene teleologischer Vorstellungen, die zwar nicht zwangsläufig explizit religiöser Art sein müssen, aber doch in den Bereich des Glaubens und, weil sie "Ziele" voraus setzen, in eine anthropomorphisierende Vorstellungswelt gehören. Zwar kann niemand auf einer ganz abstrakten Ebene mit wissenschaftlicher Sicherheit ausschließen, dass unsere derzeitige Plünderung des Planeten einem höheren Plan oder "Plan" oder Muster oder "pattern" oder "design" folgt (weil wir z. B. die Nicht-Existenz eines Gottes nicht wissenschaftlich beweisen, sondern lediglich die Annahme einer solchen Existenz in unseren Handlungen und Überlegungen außen vor lassen können). Wenn man aber daraus die Folgerung ableitet, wir könnten nun die Hände in den Schoß legen und einfach weiter machen wie bisher, wird das böse Erwachen noch ein wenig schneller eintreten als es (nach meinem "Glauben") ohnehin (vielleicht etwas später) kommen muss. (Wobei ich selbst mir weniger Sorgen um das Klima mache, als um die Ressourcenverknappung.)

Zusammenfassend lässt sich also für diesen Abschnitt festhalten, dass Horx auch hier für seine emotionale Botschaft „alles nicht so schlimm“ keine rationale Begründung gibt. Statt dessen zitiert er in seinem nächsten Kapitel „Der unruhige Planet“


V. Volkes Stimme.
Ein Leserbrief-Schreiber hatte verschiedene (vermutlich verbürgte) historische Wetter-Ereignisse aufgezählt, die wir als anormal empfinden (und vielleicht als Beweise für eine Klimaänderung werten würden). Früher, meint der Schreiber, habe trotz dieser Ereignisse niemand von einer Klimaänderung gesprochen. [Kein Wunder: damals gab es weder den Begriff „Klimawandel“ noch die Vorstellung eines sich ändernden Klimas für eine geographische Zone; für unsere Ahnen war alles „Wetter“, und schon gar nicht von Menschen zu beeinflussen.]

Diese „einsame Stimme eines ‚Klimaleugners’ “ lobt Horx als kleinen „Widerstand gegen einen übermächtigen Wahrnehmungs-Kontext“. Sinnvoller Weise kann die Meinung des Leserbriefschreibers nur so verstanden werden, dass er den für unsere Zeit behaupteten Klimawandel überhaupt leugnet, also ein Klimaskeptiker im umfassendsten Sinn (o. a. Klasse 1) ist.
Genau das ist Horx aber nicht (er spricht später von einem „Erwärmungsprozess, welcher sich in den letzten Jahren abzeichnet“ und sogar von "Klimaveränderung"). Der Leserbrief ist also (abgesehen davon, dass er ohnehin nichts beweist außer der größeren Unwissenheit früherer Epochen) als Glied in der „Beweisführung“ von Horx unbrauchbar.

Dieser schließt denn auch nicht mit der Behauptung an, dass der schreibende Leser Recht hat und dass die Klimaänderung tatsächlich nur eingebildet ist, sondern führt lediglich aus, dass sich wegen der Vielfalt der klimawirksamen Einflüsse „das Klima nicht wirklich voraussagen lässt“ (was ebenfalls in einem gewissen Widerspruch zu seiner Annahme steht, dass sich in den letzten Jahrzehnten ein Erwärmungsprozess abzeichnet).
Thematisch etwas zusammenhanglos hängt er dann noch einen ‚philosophischen’ Satz dran über Lebensprodukte, die wiederum Rohstoff für anderes Leben sind, und leitet daraus die Überschrift für sein Abschlusskapitel her: „Evolution ist kreative Abfallwirtschaft“. Der Text geht jedoch auf die „Abfallwirtschaft“ gar nicht mehr ein, offenbart dafür nun aber in zwei kurzen Schlussabsätzen endlich

VI. Seine wirkliche Meinung über den Klimawandel
Zunächst räumt er zur Verblüffung des Lesers ein, dass sich in den letzten Jahrzehnten ein globaler Erwärmungsprozess abzeichnet. Ein Skeptiker der 1. Klasse ist er also nicht, weil er selbst an einen Klimawandel glaubt.
Dass er diesen „eine Erwärmungsphase von vielen" nennt, ändert nichts an der Faktizität des Sachverhalts. Der ist jedoch nicht nur durch die Tatsache einer Klimaerwärmung gekennzeichnet, sondern vor allem auch dadurch, dass heute sehr viel mehr Menschen und sensible menschliche Einrichtungen betroffen sind bzw. wären, als zu jeder früheren Erwärmungs- (oder auch Abkühlungs-)Zeit.

Bleibt zu untersuchen, ob Horx a) die anthropogene Ursache des Klimaänderung bestreitet, und ob er b) die Möglichkeit leugnet, dass der Klimawandel für die Menschheit katastrophale Auswirkungen haben könnte, wenn wir nicht rechtzeitig gegensteuern.

"Die Klimaveränderung setzt unsere Technologien einem starken Evolutionsdruck aus" weiß er. "Exzesse des Energieverbrauchs und der Substanzfreisetzungen ... werden beendet, technologische Transformationsprozesse beschleunigt".
Wenn wir unterstellen, dass Horx auch an dieser Stelle strukturiert denkt und redet (und nicht bloß so daherplappert), können wir die Erwähnung von "Substanzfreisetzungen" im Zusammenhang mit dem Klimawandel nur so deuten, dass auch er diesen Klimawandel (zumindest teilweise) durch Klimagase usw. verursacht sieht. [Tut er in der Tat: vgl. unten das Handelsblatt-Interview, das mir erst nach dieser induktiven Meinungsermittlung vor die Mouse lief.] Ein Klima-Wandel-Ursachen-Leugner der o. a. Klasse 2 ist er also auch nicht.
Offenbar hofft er jedoch, dass die Substanzfreisetzungen dank des Evolutionsdrucks noch rechtzeitig so weit vermindert werden (oder wenigstens deren weitere Vermehrung gestoppt oder gedrosselt wird), dass katastrophale Auswirkungen ["die" Katastrophe wird es ohnehin nicht geben] ausbleiben.

Das freilich ist genau die Position vieler oder der meisten Klimawarner: Dass wir das Schlimmste vermutlich noch abwenden können, wenn wir die CO2-Emissionen usw. jetzt reduzieren. Horx glaubt also nur, was die (vermutlich) meisten anderen Menschen auch glauben: dass wir die Klimakatastrophe abwenden können, wenn wir daran glauben, dass sie eintritt, wenn wir sie nicht abwenden. Und entsprechend handeln. So auf ihren rationalen Kern reduziert, ist seine Verkündigung, dass er nicht an die Klimakatastrophe glaube, gänzlich unspektakulär, weil die wenigsten Menschen daran glauben, dass sie kommen muss.
Und wenn er davon spricht, dass sich die Substanzfreisetzungen durch den Evolutionsdruck vermindern werden, dann kann das (weil er ja offenbar von einer rechtzeitigen Minderung ausgeht, also von einer Verhaltensänderung, bevor uns die Klima-Keule trifft) nur heißen, dass er erwartet, dass die Klima-Katastrophe wegen unserer Angst vor der Klimakatastrophe ausbleibt.
Denn die enormen Kosten für technologische Umstellungen würden wir nicht ausgeben, wenn wir nicht absolut davon überzeugt wären, dass ein Unterlassen dieser Investitionen uns später weitaus mehr kosten würde. Es geht also um eine Risikoeinschätzung, die emotional durchaus auch angstbesetzt sein kann, und, in einer Demokratie, vielleicht sogar sein muss, um eine entscheidende technologisch-ökonomische Wende herbei zu führen.

Werden wir auf diese Weise das Klima (relativ) stabilisieren? Oder ist das Geld zum Fenster rausgeschmissen - weil es entweder schon zu spät ist, oder weil andere Faktoren die anthropogenen Klimaeinflüsse verstärken oder konterkarieren?
Mit Sicherheit weiß das nur der liebe Gott.
Wir aber stehen vor der Frage: "Was tun"? (Oder nichts tun?)

Ob Horx „an die Klimakatastrophe glaubt“ kann uns, für sich genommen, herzlich egal sein. Wir stehen vor der Entscheidung, ob und ggf. welche Handlungsanleitungen wir aus den ermittelten Wetterdaten herleiten sollen. Glaubensbekenntnisse, auch wenn sie sich als Unglaubens-Bekenntnisse tarnen, helfen nicht weiter, mögen sie auch rhetorisch durchaus glanzvoll sein. (Oder sollten wir es gar mit PR-Lyrik zu tun haben? In der Tradition von Ron Arnolds stilistisch glanzvollem Essay "Overcoming Ideology"?)
Um Handlungsanleitungen aber drückt sich der Zukunftsdeuter Horx herum.

Das Orakel von Kelkheim möchte dem etwas bekannteren Orakel von Delphi nicht nachstehen und auf jeden Fall Recht behalten. Weise wie einst die Prophezeiung des delphischen Orakels für den Lyderkönig Krösus („König Krösus: „Wenn du gegen die Perser in den Krieg ziehst, wirst du ein großes Reich vernichten“) ist sein Satz „Wir wissen KEINESWEGS, welche Dimensionen er [der Klimawandel] haben wird, wann er sich umkehrt“ [Hervorhebung im Original].
Recht hat er: es könnte nämlich alles noch sehr viel schlimmer kommen, als selbst die extremsten Szenarien erwarten. Aber denken sollen wir natürlich: „Wird schon nicht so schlimm kommen, wie die Pessimisten glauben“ [Das erinnert mich irgendwie an eine Passage in der Rede von Michael Crichton, wo dieser sagt, dass wir (wegen unserer unzulänglichen Kenntnisse über die Zusammenhänge in der Natur) „.. need to be humble, deeply humble, in the face of what we are trying to accomplish“. Diese Demut führt bei Crichton im Ergebnis allerdings tendenziell zu der Folgerung, dass wir erst mal die Umwelt so lange weiter versauen können, bis die Natur uns handfeste Beweise für die Schädlichkeit unseres Handelns liefert. (Was ihn aber nicht hindert, an anderer Stelle, wo es im rhetorisch ins Konzept passt, zu konstatieren, dass die "natural world ... not so malleable" sei, sondern eine "harsh, powerful, and unforgiving world". Weshalb man vielleicht doch etwas vorsichtiger damit umgehen sollte?)]

Horx erweckt auf der emotionalen Ebene den Anschein, nicht daran zu glauben, dass wir etwas gegen den anthropogenen Klimawandel unternehmen sollen. Und erklärt uns gleichzeitig auf der rationalen Ebene, dass es keine Katastrophe geben wird, weil wir Menschen sicherlich etwas tun werden.
Letztlich können wir seine rationale Aussage im Ergebnis auf der Ebene der Geschehensabläufe (unabhängig von dem, was er selbst meint) ohne Sinnverfälschung in den Satz transformieren:
"Ich glaube nicht an die Klimakatastrophe, weil ich glaube, dass der Glaube (der Vielen) an die Klimakatastrophe einen Evolutionsdruck darstellt, der zur Vermeidung der Klimakatastrophe führen wird." So gesehen "glaubt" auch Horx an die Katastrophe - wenn wir so weiter machen würden wie bisher.
Nur verschüttet er diese Aussage unter seitenlangen entgegengesetzten emotionalen Botschaften.

Dumm? Ist Horx sicher nicht.
Verantwortungslos? Allerdings!

(Falls er sich missverstanden, oder gar böswillig falsch ausgelegt sehen sollte: dagegen gibt es ein Mittel. Nämlich klare Positionierung statt ambivalentes Geraune!



Der Blogger Peter Aschoff fackelt Horx’ argumentativen Heuhaufen (der in den Augen des „Blog-Kommentar“ „hervorragend recherchiert und beispielhaft erklärt“) in seinem Blog „peregrinatio“ u. d. T. "Reichlich verhorxt" mit weitaus weniger Aufwand an Wortenergie ab als ich.
Sein Kommentator „Arnachie“ aber ironisiert den Horx-Haufen in geradezu genialer Kürze. Er zitiert einen Filmdialog, der im Jahre 3000 spielt:
A: „Gut, dass eine Klimaerwärmung nie stattfand.“
B: „Doch sie fand statt, aber sie wurde ausgeglichen vom nuklearen Winter“.

Zum Thema Klimawandel hat Horx leider nur eine mentale Flatulenz entsorgt, auch wenn die geistigen Glasperlen-Dealer im Blog "Politically Incorrect" sie als Schatzfund bejubeln ("Matthias Horx zur deutschen Angst vor der Klimakatastrophe").



Von den zahlreichen Leserkommentaren, welche der Essay von Horx in der Welt generiert hat, möchte ich besonders auf den langen und fundierten von "exi" vom 13-03-2007, 18:12 Uhr, aufmerksam machen. (Stand 04.04.07 abends)



Zum Klimawandel äußert sich Horx aktuell in dem Handelsblatt-Interview „Die Welt wird nicht schlechter“ vom 26.03.07 wie folgt:

Frage: "Der größte Alarmismus dieser Tage heißt Klimakatastrophe. Wie sehen Sie dieses Problem?"
Horx: "Die Klimakatastrophe wird eben keine Katastrophe, sondern ein Wandlungsprozess, wie es ihn auf unserem Planeten schon oft gegeben hat. Der Klimawandel prägt unseren Planeten schon immer, dadurch entstehen Anpassungsprozesse, neue Technologien werden erfunden, Zivilisationssprünge finden statt. Am Klimawandel haben immer Spezies einen Anteil gehabt. Ob das die Dinosaurier waren oder Blaualgen, die durch die Produktion von Sauerstoff für das größte Artensterben aller Zeiten gesorgt haben. Alle Organismen verändern den Planeten. Wenn Sie das verhindern wollen, müsste sich der Mensch selbst abschaffen.."

Frage: "Sie sagen, es gab den Klimawandel schon immer und wir befinden uns momentan lediglich in einer Warmzeit. Ist der Temperaturanstieg also nicht vom Menschen gemacht?"
Horx: "Ein bestimmter Anteil vermutlich schon, nach meinem Gefühl sind das ungefähr 30 – 40 Prozent. Globale Erwärmung ist immer ein komplexer Prozess, ich glaube nicht, dass das nur EINE Ursache hat. Natürlich kann ich das genauso wenig nachweisen, wie die Klimaforscher. Ich sage nur: Ich weiß es nicht, und ich glaube, wir müssen vorsichtig sein. Heute nehmen die Klimaforscher eine Rolle ein, die nicht mal ich als Zukunftsforscher einnehmen würde. Sie versuchen nämlich, das Klima über lange Zeit vorherzusagen. Ich glaube, dass dies nicht möglich ist, wir können ja noch nicht einmal das Wetter für die nächste Woche richtig prognostizieren! Die Klimaentwicklung ist das, was wir in der Systemtheorie einen 'metakomplexen' Prozess nennen." [Hervorhebung von mir. (In welcher Weise sollen wir "vorsichtig sein": Emissionen stoppen oder Kyoto-Protokoll wieder aufkündigen, weil's zu teuer wird und nichts bringt?)]
Horx weiter: "Die Klimaforschung ist heute eine Expertokratie, die in ihrem eigenen Interesse extreme Prognosen aufstellen muss. Wenn man sich professionell mit Prognostik beschäftigt, dann weiß man, wie die Interessen die Aussagen steuern können. Mein Interesse ist erst einmal nicht, irgendeine Art von anderer Wahrheit zu predigen, sondern mein Interesse ist, die Gewissheit, mit der wir jetzt wieder ein Theorem daraus machen, zu erschüttern." [Hervorhebung von mir. Wenn er die Gewissheit erschüttert, nimmt er den Evolutionsdruck in der jetzigen (ich nenne sie mal:) "Signalphase" weg. Dann kommt der Druck erst in der (ich sage mal:) "Knüppelphase". In dieser wird, was aus der Sicht eines Beobachters als "Evolutionsdruck" durchaus adäquat beschrieben ist, in der ebenso adäquaten Beschreibung durch die Betroffenen als "Katastrophe" bezeichnet.]
Frage: Sie kritisieren den Alarmismus in der Klimadiskussion. Aber hat er nicht auch eine positive Funktion und erzeugt bei den Menschen erst das Gefühl, dass man etwas tun müsse?
Horx: "Das wäre schön. Aber wir haben leider kein vernünftiges Verhältnis zwischen Warnung und Veränderung mehr. Darum geht es mir: Jeder Organismus, jede Gesellschaft und jedes System braucht einen rationalen Umgang mit drohenden Gefahren und Veränderungspotentialen. Wenn in einem Dorf ständig der Feueralarm schrillt, dann kann es irgendwann brennen und es passiert nichts mehr."
[Einen rationalen Umgang brauchen wir? Also gibt es (Klima-)Gefahren? Und wir sollten etwas dagegen tun? Auf gar keinen Fall Alarmglocken schrillen lassen, sondern ganz rational - über die Gestaltung von Wandel reden? Über Sauerstoffbakterien vor 2 Mrd. Jahren? Über den Menschen, das adaptive Wesen? Oder darüber, dass die Klimawarner glauben, dass wir den (auch nach Horx' Meinung mindestens teilweise selbst gemachten) Wandel (teilweise) abwenden können?
Jedenfalls sind, falls Horx seinen Essay in "Die Welt" für einen rationalen Beitrag zur Klimadebatte hält, Grimms Märchen die reinsten Sachbücher.]


Zu einem anderen Thema ist seine Meinung allerdings präziser - und überzeugender:
Auszug aus dem o. a. Handelsblatt-Interview :
Interviewer:
"Gerade die Alterung der Industrienationen lässt sich aber recht genau vorhersagen und stellt die Systeme vor viele Probleme. Verharmlosen sie diese Entwicklung?"
Horx:
"Ich finde es wunderbar, dass wir weniger werden, denn das war immer ein Zeichen von Fortschritt. Ich glaube, dass Deutschland übervölkert ist. Es gibt zu viele Deutsche. Ich bin Ökologe, ich bin dafür, dass wir weniger Autobahnen bauen, dass es mehr Natur gibt. Unsere sozialen und politischen Systeme müssen wir natürlich den veränderten Biographien und sozialen Strukturen anpassen." [Hervorhebungen von mir. Da kann ich ihm doch glatt zustimmen!]


Die österreichische Zeitung "Die Presse" bringt ebenfalls ein Interview mit Horx u. d. T. "Apokalyptisches Spießertum". Hier steht das Klima nicht ganz so im Vordergrund, sondern mehr der seiner Meinung nach gefährliche Pessimismus (die Angst) der Menschen (speziell in Deutschland und Österreich). Gewissermaßen dem Grundsatz "audiatur et altera pars" folgend, sollte man durchaus auch dieses Interview lesen.


Nachtrag 06.04.07
Ohne einen gewaltigen (überschießenden) Input an Energie lässt sich die gesellschaftliche Haftreibung nicht überwinden.

Hätten die Bewohner Roms im Jahre 1527 mehr Angst vor den kaiserlichen Truppen gehabt, würden sie rechtzeitig mehr Mittel für die Verteidigung der Stadt lockergemacht haben. Für relativ wenig Geld hätten sie sich dann viel Leid, Not und Tod und die riesigen Lösegeldzahlungen erspart, welche ihnen die Kriegsknechte aus Spanien und Deutschland beim der Plünderung Roms, dem "Sacco di Roma", abpressten. (Vgl. dazu auch den Aufsatz "Kondratieff, Rothbard und der Sacco di Roma" auf meiner Webseite "Drusenreich drei".)

Hätten die Niederländer rechtzeitig auf die Mahnungen von Experten gehört, wäre ihnen die Sturmflut von 1953 erspart geblieben (und wir wären um das Sprichwort "Holland in Not" ärmer).

Hätte die US-Regierung die Deiche in New Orleans rechtzeitig auf Expertenrat hin verstärkt, hätte der Hurrikan Katrina nicht die Stadt verwüstet.
Aber Amerika ist mit einem mutigen Präsidenten gesegnet, der, bevor er den Irak aufmischt, zweifellos rationale Cost-Benefit-Analysen erstellt und der sich erst recht nicht vor so'nem bisschen Wind nicht fürchtet. Außerdem wohnt er ja auch nicht in New Orleans.

Und auch in den anderen o. a. Beispielen haben sich die klugen Abwarter, die Rationalen, die Furchtlosen, die Mutigen, die Maul-Helden, die Geldbeutel-Besitzer und die Geldsack-Besitzer-Beschützer durchgesetzt. Bevor sich die Natur (oder der Feind) durchsetzten.
(Sicherlich gibt es auch umgekehrte Beispiele einer übergroßen Vorsicht, aber ich höre von Horx nicht, dass er z. B. die aufwändigen Sicherheitsmaßnahmen - in den USA und anderswo - gegen mögliche terroristische Attacken kritisiert. Auch die sind schließlich 'angstgetrieben').



Weiterführend zum Thema 'Klimawandel pro und kontra' ist zeitnah z. B. der FAZ-Artikel vom 23.03.07 "Globale Erwärmung. Ist der Klimawandel nichts als Schwindel?" von Christian Schwägerl.


Nachtrag vom 20.05.07:
Der Blog-Beitrag "Die Mär von der Klimalüge" vom 08.05.07 in "Wision.ch" gibt uns endlich die ultimativen Aufschlüsse über den Klima-Kollaps.

Nachtrag vom 21.05.07:
In der Nr. 51/2002 rezensierte Reiner Klingholz in "Die Zeit" u. d. T. "Alles fließt – sogar zum Guten. Der Naturschützer Josef Reichholf kämpft gegen den Pessimismus seiner Zunft" das Buch eines anderen Umwelt"Skeptikers".
Mutatis mutandis kann man die Kritik von Klingholz an der Position Reichholfs großenteils auch auf Horx (und seinesgleichen) anwenden:
"Die Gesellschaft sei untergangsgläubig und auf dem besten Weg in die Ökodiktatur. Und schuld daran seien die 'falschen Propheten'. ... Spätestens hier schießt Reichholf, bei aller angebrachten Kritik an der Umwelthysterie, weit über sein Ziel hinaus. Zum Beispiel beim Thema Waldsterben. ... Viele Warnungen, viel Forschung, viel Geschrei um nichts, meint Reichholf. Er verschweigt dabei, dass die Angst vor dem Waldsterben in den achtziger und neunziger Jahren massive Anstrengungen zur Reinhaltung der Luft nach sich gezogen hat. Gebäudeschäden in Milliardenhöhe wurden so vermieden, Seen, Flüsse und Agrarflächen weniger versauert und menschliche Lungen weniger geschädigt. Vermutlich hat sogar der Wald von den Umweltgesetzen profitiert. ... Genauso gut könnte Reichholf also die Waldsterben-Warner loben, denn sie erst haben (und sei es zum Teil mit falschen Argumenten) den Wandel erzwungen. Es ist nun einmal das Los aller Kassandra-Rufer, dass das Unglück, vor dem sie warnen, im besten Fall nicht eintritt. Deswegen rufen sie ja.
Was Reichholf predigt, ist eine Art biologischer Fatalismus: Die Natur macht eh, was sie will, und irgendwie wird sie es richten. Seltsamerweise unterschätzt er dabei die Dynamik exponentieller Wachstumsprozesse. Von Prozessen also, die nicht linear, sondern beschleunigt verlaufen. Das Heimtückische an dieser Art von Wachstum ist, dass man es in der Anfangsphase unterschätzt, am Ende aber nicht mehr kontrollieren kann. Einige der größten Probleme der Menschheit, der Bevölkerungszuwachs, die Aids-Epidemie, aber auch die Klimaveränderung beruhen auf exponentiellem Wachstum.
Auf diese Phänome kann der Mensch erfahrungsgemäß erst reagieren, wenn es zu spät ist. Aber er kann ihren Verlauf modellieren und so im Voraus handeln. Auf Szenarien zu verzichten wäre also fatal.
"




Textstand vom 31.12.2007. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge.

Montag, 5. März 2007

Kopf oder Zahl? Oder acephal?

 
I. Die Hunde bellen:
titelt das Handelsblatt am 05.03.2007 und meldet u. a.:
"Fliegen könnte teurer werden: Um das Klima zu schützen, sollen für Airlines neue Regeln gelten, fordern deutscher Umwelt- und Verkehrsminister. Von 'klimaschutzgebundenen Flughafengebühren' und einer 'Kerosin-Steuer' ist die Rede. Werden die Pläne umgesetzt, müssten bestimmte Fluggesellschaften ihre Preise erhöhen." 

Sonntag, 14. Januar 2007

Auf Zeit-Seite Eins rettet Iris Radisch die Erde. Doch leider so, dass ich bald kotzen werde.


Feierabend: für die Zeit-Zeitschriften-Werberin, die beim Kaufhaus Karstadt in Mainz Kunden keilt. Eigentlich für ein Probeabonnement (3 Wochen gratis), welches ich aber nicht wollte. Beim Reingehen also habe ich sie gemieden. Beim Rausgehen hält sie mir die aktuelle Ausgabe vom 11.01.2007 unter die Nase - und jetzt nehme ich sie.
Normaler Weise funktioniert das Spiel so, dass einem die Zeitschrift wieder weggezogen wird - bis man seine Anschrift für das Probeabonnement preisgegeben hat. Aber irgendwie hatte ich instinktiv begriffen, dass die junge Dame jetzt nur noch die übrig gebliebenen Exemplare verschenken wollte. In Erwartung möglicher Blog-Katalysatoren griff ich zu.

Mittwoch, 29. November 2006

Bergbau statt Blackout!

 
Nicht alles ist Mist, was der Mann von sich gibt. Wenn der Nordrhein-Westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers von "Lebenslügen der Union" spricht, und damit den Glauben meint, man müsse nur die Unternehmenssteuern senken, um die Unternehmer zu Investitionen zu bewegen und so die Konjunktur anzukurbeln, dann hat er durchaus Recht.

Samstag, 25. November 2006

J'accuse

Aber nicht nur die Eigentümer dieses Teer-"Gartens" (in Wächtersbach).

Wir alle sind dabei, die gesamte Erde für den nicht-menschlichen Teil der lebenden Natur [etwas umständlich formuliert, aber ich bin zur Präzision verpflichtet] unwohnlich zu machen. Dafür haben wir zwar bessere Gründe als die Besitzer dieses Teergartens; das Ergebnis freilich ist das gleiche.
Wächtersbach als Spiegel der Welt. Nicht nur bei Regen und auch nicht deshalb, weil hier ein Globus steht (über den ich schon früher berichtet habe).

Um aber noch einmal auf die Abbildung zurück zu kommen:
Rasen-Vorgärten bieten zwar auch keinen Raum für die Entfaltung einer großen Vielfalt von Lebewesen*, und wurden deshalb auch schon als "The biological pavement known as lawns" bezeichnet. Doch machen sie wenigstens den Boden nicht gänzlich undurchlässig für Niederschläge.
* Zum Thema Rasen-Gärten vgl. jetzt auch den Blott "Pervs are us?".


Textstand vom 17.02.2010. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge.