Verschlungen bin ich nun, mit Haut und Haaren, in der Google-Gruppen-Gemeinschaft.
Beim Versuch, wie gewohnt die Schreibfunktion zu meinem Blog aufzurufen, erschien heute (15.04.07) morgen folgender Text:
"Um fortzufahren, müssen Sie sich über Ihr Google-Konto in Blogger anmelden.
Die neue Version von Blogger benötigt ein Google-Konto für den Zugriff auf Ihre Blog-Funktionen."
Das missfällt mir, also versuche ich, das System zu überlisten und gehe in meinen Blog und dann auf die Funktion "Anmelden".
Tatsächlich erscheint oben auf der Webseite eine Zeile
"Sie haben nicht auf ein Google-Konto umgestellt? Bei altem Blogger anmelden" mit Link zur entsprechenden Maske.
Ich melde mich an, und komme zur einer Maske mit folgenden Texten:
Unternehmen Sie die ersten Schritte mit der neuen Blogger-Version.
Wir haben Blogger im großen Stil optimiert! Um diese Vorteile nutzen zu können, müssen Sie Ihre Blogs in zwei einfachen Schritten übernehmen. Ihre Blogs werden dabei jedoch in keiner Weise verändert.
Alte Anmeldeinformationen bestätigen
Verwenden Sie Ihren Blogger-Nutzernamen und das zugehörige Passwort. Wir stellen alle Blogs dieses Kontos auf ihr Google-Konto um.
Wählen Sie als nächstes ein Google-Konto aus.
Nach der Anmeldung können Sie auswählen, über welches Google-Konto Sie sich künftig anmelden möchten. Sie können ein neues Google-Konto erstellen oder eine Verknüpfung zu Ihrem bestehenden Konto einrichten.
Weitere Informationen zu Google-Konten
Geben Sie Ihr Passwort erneut ein, um fortzufahren.
Nutzername [hier war mein Nutzername eingetragen]
Passwort
Sie haben Ihr Passwort vergessen?
Ich stimme den Nutzungsbedingungen zu. ... WEITER
Was habe ich davon?
Neue Möglichkeiten zum Anpassen Ihrer Vorlage
Verwenden Sie die Drag & Drop-Funktion für Seitenelemente und ändern Sie problemlos die Schriftart und das Farbschema Ihrer Vorlage.
Private Blogs
Erstellen Sie ein Blog, das nur Ihren Freunden und Ihrer Familie und nicht ganzen Web-Gemeinschaft angezeigt wird
Labels
Weisen Sie Ihren Posts ein Kategorie-Label zu, sodass Sie und Ihre Leser nach Thema sortieren können.
Und was habe ich dagegen?
Dass ich sehr stark das Gefühl habe, ich soll irgendwie kommerziell genutzt werden; noch nicht jetzt direkt, aber irgendwie soll ich in den Kral der Google-Gemeinde eingepfercht werden, um anschließend eine nutzbringende Schur meiner Wolle zu ermöglichen.
Auch wenn die neue Blogger-Version einige weitere Möglichkeiten bietet (speziell die Rubrifizierung der Einträge mittels "Tags" oder, wie es hier bei Blogspot heißt, "Labels"), ist der Mehr-Wert nicht so groß, dass ich freiwillig umgestiegen wäre (vgl. meinen Blog-Eintrag "Google und die Blogger: brüderliche Umarmung oder laokoontische Umstrickung?" vom 25.11.06).
Deshalb bin ich definitely not amused über meine Einhegung in die Google-Gemeinde.
P. S.: An das "Taggen" allerdings kann man sich gewöhnen: Tagging is fun! [Wenn ich jetzt noch wüsste, wie man die "Tags" oder "Labels" vollständig (am Seitenrand des Blogs) für die Leser sichtbar macht... (und wie man automatisch "Permalinks" einfügen kann) - dann wäre ich beinahe schon mit der krakistischen Google-Groups-Umarmung versöhnt.]
Textstand vom 17.04.2007. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge.
Sonntag, 15. April 2007
Sonntag, 8. April 2007
Eine Träne im Knopfloch. Im Privatmuseum "Nostalgie-Haus" in Wächtersbach

Im Wächtersbacher Nostalgie-Haus ...

... wird schmutzige Wäsche gewaschen: ja, ja, die gute alte Zeit ... (war so gut nun auch wieder nicht).
(Titelseite aus dem 3. Jahrgang der Bild-Zeitung, also von 1955). (2 Jahre später, 1957, wurde Rosemarie Nitribitt ermordet: Sie erinnern sich?)
MBA = Management by Abfallverkauf?
Das wollte ich haben.
Das alles musste ich kaufen. (Den Türknauf natürlich nicht; diente nur als Halterung für die Aufnahme.)
So viel hat es gekostet.(Na gut, zwei Ohrenstöpsel waren auch noch dabei: macht vielleicht 10 ct. Produktionskosten mehr.)
MDS - Muss das sein?
Textstand vom 08.04.2007. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge.
Samstag, 7. April 2007
Frohe Ostern! Die Bild-Zeitung hätte mir beinahe die Feiertage versaut!
Es war ja gut gemeint, dass die Bild-Zeitung heute im Frankfurter Hauptbahnhof Werbeexemplare verteilte. Allzu weit war der zweite Teil unserer Fahrstrecke zwar nicht, aber immerhin: auch die Fahrzeit von Frankfurt bis Mainz kann man schließlich zur Weiter-Bildung nutzen, gelle?
Nun gut, ich hätte auch was andres lesen können (und sollen): einen Internet-Ausdruck nämlich. Entweder "Der andere Schauspieler. Kritische Bemerkungen zum Kulturbegriff" von Hakan Gürses. (Auf diesen Text war ich bei meiner Beschäftigung mit dem Buch "Das Ende des Weißen Mannes. Eine Handlungsaufforderung" von Prof. Dr. Manfred Pohl gestoßen. Ob er mir bei der Suche nach dem, was "Kultur" ausmacht, helfen wird???) Oder, wenn nichts über Kultur/Zivilisation, dann vielleicht den (derzeit) 30-seitigen Wikipedia-Artikel über Carl Schmitt, der in die "Liste der lesenswerten Artikel" aufgenommen wurde.
Aber nein: die Bild-Zeitung musste es sein!
Ich kam, las - und zack! packte mich - erst mal Verwunderung, als mein Auge auf S. 7 flüchtig über die Schlagzeile vom Korea-Diktator glitt und etwas von "Riesen-Rammler" las. Nanu? So attraktiv sieht der doch gar nicht aus? dachte ich.
Erstaunt schaute ich genauer hin - und blankes Entsetzen würgte mir die Kehle! Der Artikel ventiliert einen ungeheuerlichen Verdacht, der beinahe die gesamte Menschheit erschüttert: "Korea-Diktator hat meinen Riesen-Rammler aufgegessen"!
Okay, über dem Diptychon von Kim Jong-Il, dem 10-Kilo-Rammler der Rasse "Deutscher Riese" [na also: sind wir ja doch noch irgendwo riesig!] und dem Züchter Karl Szmolinsky, (im Layout der Druckausgabe über dem Text) steht, genau wie im Online-Bericht auch, eine einschränkende Zeile: "Schlimmer Verdacht eines deutschen Kaninchen-Züchters". Er war nicht bei der Geburtstagsfeier von Kim Jong-Il dabei, wo die Kaninchen (genau zwölf Stück, Apostel des deutschen Zuchtfleißes, waren es; die Zahl lt. Spiegel Online) mutmaßlich verspeist wurde. Und am Schluss des Artikels bringt die Bild-Zeitung (die auch nicht mehr das ist, was sie mal war ...) sogar eine Gegendarstellung: "Die Koreaner bestreiten, die Kaninchen aufgegessen zu haben." Wer's glaubt - wird im sozialistischen Paradies interniert.
Ich aber sage euch nur: Ungeheuerlich! Erst frisst uns das Monster die Monster-Kaninchen weg, dann leugnen diese Schlitzaugen auch noch dreist!
Meine Osterfreuden waren zunächst dahin; das Schicksal des für die Weltrevolution geschlachteten Kaninchens wühlte mich in tiefster Seele auf.
Hätte ein verantwortungsvoller Züchter seine Kaninchen überhaupt ins Reich des Bösen schicken dürfen? Obwohl doch jeder weiß, dass "... each and every one of the rabbits will have an IQ higher than that of Kim Jung Il."? Aber, als diese Behauptung aufgestellt wurde, lebte das Kaninchen ja vermutlich noch. Denkbar sogar, dass die "Norks" ("Slang for North Koreans. Somewhat derragatory" lesen wir hier; bitte auf Großschreibung achten!) uns belügen, indem sie die Wahrheit sagen: Die haben das Kaninchen vielleicht gar nicht verputzt, sondern wollen damit im Westen Putz machen? Das jedenfalls vermutete seinerzeit, als die Meldung vom deutschen Grosskaninchen-Export um die Welt ging, ein anderer Kommentator: "Maybe kim jung il figures he might just be able to strap a nuke on to a pack of these mega-bunnies?".
Na, na, Herr Szmolinsky: haben Sie sich für Ihren Kriegswaffen-Export überhaupt eine Ausfuhrgenehmigung der deutschen Bundesregierung geholt? Das kann sonst bös' ins Auge gehen!
Übrigens habe ich Sie ganz gewaltig in Verdacht, dass Sie den Koreanern (oder gar Bin Laden und seiner Gang?) schon früher Monster-Rabbits geliefert haben. Denn irgend jemand hat bereits vor einem Jahr ein solches Tier auf seine Eignung als biologische Waffe getestet. Das ist jetzt kein Jux von mir, sondern war in den "National Geographic News" (versteckt in der Rubrik "Offbeat") zu lesen (aber offenbar hat die Menschheit, wie bei den anderen Terroristen und beim Klima auch, die Zeichen leichtfertig übersehen): "Monster Rabbit Stalks U.K. Village ". Auch hier wollte man die Sache als Aprilscherz abtun: "The news was first dismissed as an April Fool's joke." Aber jedem denkenden Menschen muss, wenn er weiter liest, klar sein, worum oder woran es hier geht: an unsere agrarischen Existenzgrundlagen! "But residents of Felton in northeast England have confirmed that a huge, floppy-eared creature is leaving behind giant paw prints and a trail of destroyed carrots, leeks, onions, and turnips following nighttime raids." [Hervorhebung von mir]
[Vgl. dazu auch "No carrot is safe as monster rabbit goes on rampage", Times Online vom 07.04.06]
Nicht nur ich winde mich in schrecklichen seelischen Qualen: Die gesamte Welt, die ziviliserte zumindest, leidet mit mir und mit Deutschlands großartigen Riesen-Rammlern! [Obwohl: die haben ja nun mutmaßlich ausgelitten?]
David Crossland schrie (als Erster?) in der internationalen Ausgabe von Spiegel Online die Verzweiflung des Riesen-Züchters bereits am 02.04.2007 [nein, also bitte: das ist nicht am 1.4. erschienen!!] in die Welt hinaus: "GERMAN BREEDER FURIOUS OVER CANCELLED TRIP. No More Monster Bunnies for North Korea". Dieser Bericht erschien in der Kategorie "Zeitgeist", Rubrik "Globalization". Zeitgeist ist ein Ausdruck, den auch die Englisch Sprechenden kennen, und jetzt wissen die endlich, was man hier zu Lande unter Zeitgeist versteht und wes Geistes Kind wir Deutschen sind.
Selbst Indien (oder gerade Indien? Gibt es dort vielleicht nicht nur Rattentempel, sondern auch Bunny-Bums-Bunker?) ist empört, und der Verdacht hat sich auf dem langen Weg dorthin (via Sydney) jedenfalls im Schlagzeilenbereich bereits zur Gewissheit verdichtet: "Kim Jong-il eats German monster bunnies meant to boost meat production in N. Korea!" Hm, na ja, well - der Züchter hat sein liebes kleines Tierchen für die Fleischproduktion da runter geschickt?
Also, wenn das so ist - warum soll sich dann der nette Kim Jong-Il, Vater der Nation [reißen Sie sich mal am Riemen und grinsen Sie nicht so blöd; ist ja bloß symbolisch gemeint!], nicht auch mal als Vorkoster der Nation versuchen? Zeigt doch, dass der Mann Mumm in den Knochen hat: früher haben die Könige und Diktatoren immer andere vorkosten lassen! Allerdings hat er dafür nun zwar kein Gift in den Knochen, aber Hasenmark. Und Hasenfüße in der Tasche. Ob der jetzt zum Hasenfuß wird und seine Atomwaffen wegwirft? Oder werden wir demnächst in der italienischen Presse lesen: "Kim il Hippie: makes love, not war?"
Mensch, Szmolinsky, endlich begreife ich: Sie sind ja vielleicht helle! Stecken den Macchiavelle, Talleyrand, Bismarck und Cavour alle miteinander glatt in die Tasche!
Ich bin baff: Der Friedensfürst von Eberswalde! Hey, George: take it from Smoky! Feed them damn Iraquis some German Stallhasen, and they'll calm down! Der "Weekly Standard", das Zentralorgan der Neokonservativen, hat jedenfalls die Lauscher schon hochgestellt und in seinem Weblog den Link (zum Spiegel-Artikel - s. unten) in seine Liste "Required Reading 04/06/2007" aufgenommen, also zur Pflichtlektüre erklärt (am Schluss des Artikels "Absence of Evidence...).
Kaninchenexport statt Ostermarschierer (und Terroristen)! Das ist die Lösung, das bringt weltweit Frieden! Das, und nur das, kann des Rammler-Züchters wahres Motiv gewesen sein. Denn für die Bekämpfung der Hungersnot sind, wie David Crossland im Spiegel Online bemerkt, die Riesen-Kaninchen eher weniger geeignet:
"It had been unclear from the start how Szmolinsky's bunnies would help given their own voracious appetite for top-quality vegetables."
Also dann: "Weitermachen, Friedens-Züchter Szmolinsky!"
Was? Meine Leser wollen von mir auch noch wissen, wie man das auf Eberswalder Kanaldeutsch sagen würde? Also, ich würde sagen: ist doch sch.egal: Hauptsache alle Beteiligten und Betroffenen sind glücklich und zufrieden:
Kim Jong-Il, dass er sich mal richtig satt hat essen können.
Die internationalen Blogger, dass sie was zu quatschen haben [nur die Deutschen sind wieder mal zu blöd: lumpige -2-(!!!) Treffer per 8.4.07, 0:44 h, für "kaninchen kim jong-il"! (Immerhin: in wenigen Minuten werden es schon drei Treffer sein! Reicht nicht zur Meisterschaft? Schade!)]
Der Züchter, über dessen Exporterfolge der Spiegel-Artikel meldet:
"Szmolinsky's deal with North Korea attracted worldwide media coverage and brought him orders from around the world. He has been in preliminary talks with potential buyers in China, Russia, Cameroon and the United States. 'The Russians wanted 400 rabbits, there's no way I could deliver that many,' said Szmolinsky, who produces around 90 rabbits a year. 'I'm getting a delegation from China in June or July and have been told that I may be asked to go to Shanghai to provide advice'." (Da soll sich unser Smoky nur vorsehen, dass die Gelben ihn nicht gleich schanghaien!)
Und am Ende bin auch ich wieder mit mir, der Welt, und den zukünftigen Nordkoreanischen Friedenstauben versöhnt.
Obwohl - kann man bei denen wirklich sicher sein, ob die nicht am Ende sogar die Friedenstauben verfrühstücken?
Andererseits: ein Unmensch wie Adolf Hitler, der einem kleinen Judenmädchen das rosa Kaninchen stahl, ist Kim Jong-Il denn doch nicht. Der hat ja schließlich bezahlt für die Stallhasen! [Schön übrigens, dass man sich in meiner Heimatstadt Gedanken über das rosa Kaninchen macht. Hoffentlich denkt man dort nicht nur an Stofftiere, sondern singt auch für Ebby und seine Brüder und Schwestern aus Eberswalde ein "Agnus Dei"! Dona eis requiem sempiternam! (Den Commies natürlich, die Kaninchen haben eh' ausgelitten!)
Nachtrag vom 10.04.07: Einige weitere Links zum Thema
- Ein umfangreicher japanischer Blog-Eintrag vom Januar/Februar 2007 (mit Links auch zu einigen englischsprachigen Meldungen)
- Fotos im Spiegel Online vom 10.01.07
- "WAS MACHT EIGENTLICH ... der 'Deutsche Riese grau'? Nordkorea retten" aus der Berliner taz-Lokalausgabe vom 05.01.07
- "Brandenburg. Mega-Rammler gegen Hunger in Nordkorea. Nordkorea will Riesen-Kaninchen aus Brandenburg importieren, sie züchten und so das Ernährungsproblem im Land in den Griff bekommen" - Focus Online vom 03.01.07
-" 'Riesen Grau' Ein Brandenburger Exportschlager. Deutsche Rammler für Nordkorea" meldete das Hamburger Abendblatt am 04.01.07.
- "Kaninchen für Kim Jong Il. Seit 42 Jahren züchtet Karl Szmolinsky 'Deutsche Riesen grau'. Jetzt verkauft er die Tiere nach Nordkorea" erfahren wir im Tagesspiegel vom 07. Januar 2007.
Nachtrag 12.04.07:
Auch nach Ostern bleibt das Kaninchen-Thema auf dem Tisch:
"Rammler von Kim Jong Il verspeist?" Von Imke Hendrich heißt es in Sachsen;
"Riesen-Rammler als Braten für Kim Jong Il?" VON IMKE HENDRICH, 10.04.07, 16:01h, AKTUALISIERT 10.04.07, 16:05h - fragt man in Köln.
Auch n-tv weiß, was heute zählt: Dienstag, 10. April 2007. "Aß Kim Jong Il die Kaninchen? Züchter tief enttäuscht"
Die Maerkische Allgemeine gibt dem Diktator 'the benefit of the doubt': "Rammler Roberts Schicksal rätselhaft. Riesenkaninchen eventuell schon verspeist / Züchter ist sauer auf Nordkorea" betitelt sie den Artikel von IMKE HENDRICH.
Das Portal "Mein Berlin" betont den lokalen Bezug: "Brandenburgische Kaninchen. Im Kochtopf des Diktators gelandet?" - es sind halt nicht irgendwelche hessischen oder bayerischen, sondern brandenburgische Kaninchen! Wenn das der Alte Fritz wüsste - der würde sich im Grabe umdrehen! (Aber dieser Heide wahrscheinlich vor Lachen.)
Den Blog politplatschquatsch habe ich allerdings auch in Verdacht, dass der die "Angst um Riesenrammler Robert" lediglich heuchelt und sich in Wahrheit auf Kosten der armen, armen Tiere lustig machen will! (Immerhin: durch einen der Kommentare erfahre ich von der Existenz von PETA - "People for the Ethical Treatment of Animals". Was hätte Oswald Spengler zur Existenz eines solchen Vereins gesagt? "Decline of the West" natürlich!)
Textstand vom 12.04.2007. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge
Nun gut, ich hätte auch was andres lesen können (und sollen): einen Internet-Ausdruck nämlich. Entweder "Der andere Schauspieler. Kritische Bemerkungen zum Kulturbegriff" von Hakan Gürses. (Auf diesen Text war ich bei meiner Beschäftigung mit dem Buch "Das Ende des Weißen Mannes. Eine Handlungsaufforderung" von Prof. Dr. Manfred Pohl gestoßen. Ob er mir bei der Suche nach dem, was "Kultur" ausmacht, helfen wird???) Oder, wenn nichts über Kultur/Zivilisation, dann vielleicht den (derzeit) 30-seitigen Wikipedia-Artikel über Carl Schmitt, der in die "Liste der lesenswerten Artikel" aufgenommen wurde.
Aber nein: die Bild-Zeitung musste es sein!
Ich kam, las - und zack! packte mich - erst mal Verwunderung, als mein Auge auf S. 7 flüchtig über die Schlagzeile vom Korea-Diktator glitt und etwas von "Riesen-Rammler" las. Nanu? So attraktiv sieht der doch gar nicht aus? dachte ich.
Erstaunt schaute ich genauer hin - und blankes Entsetzen würgte mir die Kehle! Der Artikel ventiliert einen ungeheuerlichen Verdacht, der beinahe die gesamte Menschheit erschüttert: "Korea-Diktator hat meinen Riesen-Rammler aufgegessen"!
Okay, über dem Diptychon von Kim Jong-Il, dem 10-Kilo-Rammler der Rasse "Deutscher Riese" [na also: sind wir ja doch noch irgendwo riesig!] und dem Züchter Karl Szmolinsky, (im Layout der Druckausgabe über dem Text) steht, genau wie im Online-Bericht auch, eine einschränkende Zeile: "Schlimmer Verdacht eines deutschen Kaninchen-Züchters". Er war nicht bei der Geburtstagsfeier von Kim Jong-Il dabei, wo die Kaninchen (genau zwölf Stück, Apostel des deutschen Zuchtfleißes, waren es; die Zahl lt. Spiegel Online) mutmaßlich verspeist wurde. Und am Schluss des Artikels bringt die Bild-Zeitung (die auch nicht mehr das ist, was sie mal war ...) sogar eine Gegendarstellung: "Die Koreaner bestreiten, die Kaninchen aufgegessen zu haben." Wer's glaubt - wird im sozialistischen Paradies interniert.
Ich aber sage euch nur: Ungeheuerlich! Erst frisst uns das Monster die Monster-Kaninchen weg, dann leugnen diese Schlitzaugen auch noch dreist!
Meine Osterfreuden waren zunächst dahin; das Schicksal des für die Weltrevolution geschlachteten Kaninchens wühlte mich in tiefster Seele auf.
Hätte ein verantwortungsvoller Züchter seine Kaninchen überhaupt ins Reich des Bösen schicken dürfen? Obwohl doch jeder weiß, dass "... each and every one of the rabbits will have an IQ higher than that of Kim Jung Il."? Aber, als diese Behauptung aufgestellt wurde, lebte das Kaninchen ja vermutlich noch. Denkbar sogar, dass die "Norks" ("Slang for North Koreans. Somewhat derragatory" lesen wir hier; bitte auf Großschreibung achten!) uns belügen, indem sie die Wahrheit sagen: Die haben das Kaninchen vielleicht gar nicht verputzt, sondern wollen damit im Westen Putz machen? Das jedenfalls vermutete seinerzeit, als die Meldung vom deutschen Grosskaninchen-Export um die Welt ging, ein anderer Kommentator: "Maybe kim jung il figures he might just be able to strap a nuke on to a pack of these mega-bunnies?".
Na, na, Herr Szmolinsky: haben Sie sich für Ihren Kriegswaffen-Export überhaupt eine Ausfuhrgenehmigung der deutschen Bundesregierung geholt? Das kann sonst bös' ins Auge gehen!
Übrigens habe ich Sie ganz gewaltig in Verdacht, dass Sie den Koreanern (oder gar Bin Laden und seiner Gang?) schon früher Monster-Rabbits geliefert haben. Denn irgend jemand hat bereits vor einem Jahr ein solches Tier auf seine Eignung als biologische Waffe getestet. Das ist jetzt kein Jux von mir, sondern war in den "National Geographic News" (versteckt in der Rubrik "Offbeat") zu lesen (aber offenbar hat die Menschheit, wie bei den anderen Terroristen und beim Klima auch, die Zeichen leichtfertig übersehen): "Monster Rabbit Stalks U.K. Village ". Auch hier wollte man die Sache als Aprilscherz abtun: "The news was first dismissed as an April Fool's joke." Aber jedem denkenden Menschen muss, wenn er weiter liest, klar sein, worum oder woran es hier geht: an unsere agrarischen Existenzgrundlagen! "But residents of Felton in northeast England have confirmed that a huge, floppy-eared creature is leaving behind giant paw prints and a trail of destroyed carrots, leeks, onions, and turnips following nighttime raids." [Hervorhebung von mir]
[Vgl. dazu auch "No carrot is safe as monster rabbit goes on rampage", Times Online vom 07.04.06]
Nicht nur ich winde mich in schrecklichen seelischen Qualen: Die gesamte Welt, die ziviliserte zumindest, leidet mit mir und mit Deutschlands großartigen Riesen-Rammlern! [Obwohl: die haben ja nun mutmaßlich ausgelitten?]
David Crossland schrie (als Erster?) in der internationalen Ausgabe von Spiegel Online die Verzweiflung des Riesen-Züchters bereits am 02.04.2007 [nein, also bitte: das ist nicht am 1.4. erschienen!!] in die Welt hinaus: "GERMAN BREEDER FURIOUS OVER CANCELLED TRIP. No More Monster Bunnies for North Korea". Dieser Bericht erschien in der Kategorie "Zeitgeist", Rubrik "Globalization". Zeitgeist ist ein Ausdruck, den auch die Englisch Sprechenden kennen, und jetzt wissen die endlich, was man hier zu Lande unter Zeitgeist versteht und wes Geistes Kind wir Deutschen sind.
Selbst Indien (oder gerade Indien? Gibt es dort vielleicht nicht nur Rattentempel, sondern auch Bunny-Bums-Bunker?) ist empört, und der Verdacht hat sich auf dem langen Weg dorthin (via Sydney) jedenfalls im Schlagzeilenbereich bereits zur Gewissheit verdichtet: "Kim Jong-il eats German monster bunnies meant to boost meat production in N. Korea!" Hm, na ja, well - der Züchter hat sein liebes kleines Tierchen für die Fleischproduktion da runter geschickt?
Also, wenn das so ist - warum soll sich dann der nette Kim Jong-Il, Vater der Nation [reißen Sie sich mal am Riemen und grinsen Sie nicht so blöd; ist ja bloß symbolisch gemeint!], nicht auch mal als Vorkoster der Nation versuchen? Zeigt doch, dass der Mann Mumm in den Knochen hat: früher haben die Könige und Diktatoren immer andere vorkosten lassen! Allerdings hat er dafür nun zwar kein Gift in den Knochen, aber Hasenmark. Und Hasenfüße in der Tasche. Ob der jetzt zum Hasenfuß wird und seine Atomwaffen wegwirft? Oder werden wir demnächst in der italienischen Presse lesen: "Kim il Hippie: makes love, not war?"
Mensch, Szmolinsky, endlich begreife ich: Sie sind ja vielleicht helle! Stecken den Macchiavelle, Talleyrand, Bismarck und Cavour alle miteinander glatt in die Tasche!
Ich bin baff: Der Friedensfürst von Eberswalde! Hey, George: take it from Smoky! Feed them damn Iraquis some German Stallhasen, and they'll calm down! Der "Weekly Standard", das Zentralorgan der Neokonservativen, hat jedenfalls die Lauscher schon hochgestellt und in seinem Weblog den Link (zum Spiegel-Artikel - s. unten) in seine Liste "Required Reading 04/06/2007" aufgenommen, also zur Pflichtlektüre erklärt (am Schluss des Artikels "Absence of Evidence...).
Kaninchenexport statt Ostermarschierer (und Terroristen)! Das ist die Lösung, das bringt weltweit Frieden! Das, und nur das, kann des Rammler-Züchters wahres Motiv gewesen sein. Denn für die Bekämpfung der Hungersnot sind, wie David Crossland im Spiegel Online bemerkt, die Riesen-Kaninchen eher weniger geeignet:
"It had been unclear from the start how Szmolinsky's bunnies would help given their own voracious appetite for top-quality vegetables."
Also dann: "Weitermachen, Friedens-Züchter Szmolinsky!"
Was? Meine Leser wollen von mir auch noch wissen, wie man das auf Eberswalder Kanaldeutsch sagen würde? Also, ich würde sagen: ist doch sch.egal: Hauptsache alle Beteiligten und Betroffenen sind glücklich und zufrieden:
Kim Jong-Il, dass er sich mal richtig satt hat essen können.
Die internationalen Blogger, dass sie was zu quatschen haben [nur die Deutschen sind wieder mal zu blöd: lumpige -2-(!!!) Treffer per 8.4.07, 0:44 h, für "kaninchen kim jong-il"! (Immerhin: in wenigen Minuten werden es schon drei Treffer sein! Reicht nicht zur Meisterschaft? Schade!)]
Der Züchter, über dessen Exporterfolge der Spiegel-Artikel meldet:
"Szmolinsky's deal with North Korea attracted worldwide media coverage and brought him orders from around the world. He has been in preliminary talks with potential buyers in China, Russia, Cameroon and the United States. 'The Russians wanted 400 rabbits, there's no way I could deliver that many,' said Szmolinsky, who produces around 90 rabbits a year. 'I'm getting a delegation from China in June or July and have been told that I may be asked to go to Shanghai to provide advice'." (Da soll sich unser Smoky nur vorsehen, dass die Gelben ihn nicht gleich schanghaien!)
Und am Ende bin auch ich wieder mit mir, der Welt, und den zukünftigen Nordkoreanischen Friedenstauben versöhnt.
Obwohl - kann man bei denen wirklich sicher sein, ob die nicht am Ende sogar die Friedenstauben verfrühstücken?
Andererseits: ein Unmensch wie Adolf Hitler, der einem kleinen Judenmädchen das rosa Kaninchen stahl, ist Kim Jong-Il denn doch nicht. Der hat ja schließlich bezahlt für die Stallhasen! [Schön übrigens, dass man sich in meiner Heimatstadt Gedanken über das rosa Kaninchen macht. Hoffentlich denkt man dort nicht nur an Stofftiere, sondern singt auch für Ebby und seine Brüder und Schwestern aus Eberswalde ein "Agnus Dei"! Dona eis requiem sempiternam! (Den Commies natürlich, die Kaninchen haben eh' ausgelitten!)
Nachtrag vom 10.04.07: Einige weitere Links zum Thema
- Ein umfangreicher japanischer Blog-Eintrag vom Januar/Februar 2007 (mit Links auch zu einigen englischsprachigen Meldungen)
- Fotos im Spiegel Online vom 10.01.07
- "WAS MACHT EIGENTLICH ... der 'Deutsche Riese grau'? Nordkorea retten" aus der Berliner taz-Lokalausgabe vom 05.01.07
- "Brandenburg. Mega-Rammler gegen Hunger in Nordkorea. Nordkorea will Riesen-Kaninchen aus Brandenburg importieren, sie züchten und so das Ernährungsproblem im Land in den Griff bekommen" - Focus Online vom 03.01.07
-" 'Riesen Grau' Ein Brandenburger Exportschlager. Deutsche Rammler für Nordkorea" meldete das Hamburger Abendblatt am 04.01.07.
- "Kaninchen für Kim Jong Il. Seit 42 Jahren züchtet Karl Szmolinsky 'Deutsche Riesen grau'. Jetzt verkauft er die Tiere nach Nordkorea" erfahren wir im Tagesspiegel vom 07. Januar 2007.
Nachtrag 12.04.07:
Auch nach Ostern bleibt das Kaninchen-Thema auf dem Tisch:
"Rammler von Kim Jong Il verspeist?" Von Imke Hendrich heißt es in Sachsen;
"Riesen-Rammler als Braten für Kim Jong Il?" VON IMKE HENDRICH, 10.04.07, 16:01h, AKTUALISIERT 10.04.07, 16:05h - fragt man in Köln.
Auch n-tv weiß, was heute zählt: Dienstag, 10. April 2007. "Aß Kim Jong Il die Kaninchen? Züchter tief enttäuscht"
Die Maerkische Allgemeine gibt dem Diktator 'the benefit of the doubt': "Rammler Roberts Schicksal rätselhaft. Riesenkaninchen eventuell schon verspeist / Züchter ist sauer auf Nordkorea" betitelt sie den Artikel von IMKE HENDRICH.
Das Portal "Mein Berlin" betont den lokalen Bezug: "Brandenburgische Kaninchen. Im Kochtopf des Diktators gelandet?" - es sind halt nicht irgendwelche hessischen oder bayerischen, sondern brandenburgische Kaninchen! Wenn das der Alte Fritz wüsste - der würde sich im Grabe umdrehen! (Aber dieser Heide wahrscheinlich vor Lachen.)
Den Blog politplatschquatsch habe ich allerdings auch in Verdacht, dass der die "Angst um Riesenrammler Robert" lediglich heuchelt und sich in Wahrheit auf Kosten der armen, armen Tiere lustig machen will! (Immerhin: durch einen der Kommentare erfahre ich von der Existenz von PETA - "People for the Ethical Treatment of Animals". Was hätte Oswald Spengler zur Existenz eines solchen Vereins gesagt? "Decline of the West" natürlich!)
Textstand vom 12.04.2007. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge
Montag, 2. April 2007
Horx! Horx! Heiße Luft gegen heißes Klima! (Und ich wär' beinah' drauf reingefallen!)
Zu Matthias Horx (Homepage hier, Wikipedia da) kam ich erstmalig zwar im Handelsblatt, hatte diese (gescheite) Meinungsäußerung aber schon wieder vergessen, als ich ihm im Zusammenhang mit einer Google-Suche nach Richard Sennett wieder begegnete. (Den wiederum, bzw. einen Teilabdruck seiner Dankesrede für den Stuttgarter Hegel-Preis, hatte ich in einer liegen gelassenen Frankfurter Rundschau im Zug gefunden.)
Horx' recht ausführliche Rezension u. d. T. "Sehnsucht nach dem Feudalismus" von Sennetts Buch "Die Kultur des neuen Kapitalismus" hat mich begeistert. Zwar kenne ich das Buch nicht, aber seine Kritik an Sennetts Positionen lässt sich auch als wuchtige Fundamentalkritik an jener uralten gesellschaftlichen Diskursgepflogenheit verstehen, welche ich an anderen Stellen als "Olim-Diskurs" bezeichnet und in dem Eintrag "WO DER OLIM HAUST oder ARM, ABER KRITISCH!" gegeißelt habe.
Aber Sätze wie seine sind mir denn doch nicht gelungen:
"Und wo sollen wir aufhören, wenn wir den 'unentfremdeten Zustand' wieder einführen wollen? Um die Ecke lugt Rousseau, am Türrahmen lächelt Ernst Jünger Arm in Arm mit dem guten Charlie Marx. Und am Ende landen wir, in guter deutscher Romantik-Tradition, wieder bei den Jägern und Sammlern " [wo es freilich Herren und Knechte noch nicht gab], "Kein Wort finden wir in Sennetts Sozialfeuilleton zu den gewaltigen Opfern jener Zeit, in denen die Lebensverhältnisse nach Sennett noch stabil, berechenbar, kontinuierlich blieben. Kein Wort über die Staublunge, an der die solidarischen Kumpels starben, nachdem sie im abgesicherten Milieu lebenslange Sicherheit erfahren hatten" [Hervorhebung von mir], "In des Autors Bild einer verklärten Vergangenheit gab es offenbar keine Massenfreisetzungen, wenn Rohstoffzyklen sich neigten oder technologische Wellen die gesicherten Arbeitsverhältnisse hinwegfegten" und "... reiht er sich ein in die Armee der Beschwörer dunkler Kräfte - also jener, die vor den Sith Lords des Kapitals warnen. Mit dieser komfortablen Negation läßt es sich allerdings prima leben im Kapitalismus. Jede Talkshow, jede Jammergemeinde von Buxtehude bis Garmisch wird die sonore Stimme seines nostalgischen Pessimismus gern hören. Man sieht ihn schon bei Sabine Christiansen sitzen, diesem medialen Brutkasten der Angstbeschwörung"
[Ähnlich (und ähnlich wirkungslos) schrieb übrigens schon vor beinahe 150 Jahren der Struwwelpeter-Vater Heinrich Hoffmann: "Es ist ein immer noch gebrauchter, wenn auch verbrauchter Redemodus der Verderbtheit der Gegenwart, die Einfalt und Solidität der Vergangenheit der sogenannten alten guten Zeit vor das Antlitz zu halten, um sie zur Schamröte zu zwingen. Rücken wir aber dieser alten guten Zeit selbst einmal etwas näher auf den Leib, und heben wir ihr den historischen Nebelschleier von dem Haupte, so finden wir gemeinlich, daß sie gar nicht besser, oft wohl noch viel schlechter als die Enkelin, die Neuzeit, war:
Das Vergangene zu preisen und die Gegenwart zu schelten,
Muß von aller Art von Tugend stets für die bequemste gelten!"]
Vielleicht von dem Vertrauenskapital , das Horx mit seinen o. a. Sätzen bei mir deponiert hatte, allzu zutraulich gemacht, vielleicht aber auch durch die clevere Art der Präsentation seiner Argumente geblendet, erschien mir sein Essay "Warum ich nicht an die Klimakatastrophe glaube" in der WELT ONLINE vom 13.03.07 zwar nicht als absolute Wahrheit, aber jedenfalls als in sich stimmig formulierte Position eines "Klimaskeptikers" (wie, offenbar nach dem anglophonen "climate skeptic", jene Personen bezeichnet werden, welche die Warnungen zahlreicher Klimatologen usw. für unberechtigt oder übertrieben halten).
Schon vor geraumer Zeit hatte ich in meinem (englischsprachigen) Eintrag "THE (B)RAT IN THE BOX AT THE ULTIMATE LEVER?" die Rede eines anderen Klimaskeptikers, des US-Romanautors Michael Crichton, (unter dessen Stichwort sich in der englischsprachigen Wikipedia einige Links zur Klimadebatte um sein Buch "State of Fear" -"Welt in Angst"- finden) analysiert.
"Environmentalism as Religion" heißt sie, ist aber auch u. d. T. "Remarks to the Commonwealth Club" bekannt. Dabei hatte ich einerseits die Argumentationsstruktur Crichtons untersucht (bzw., aus meiner Sicht, entlarvt), andererseits den Blickwinkel allerdings auf die "Ressourcenskeptiker" ausgeweitet und damit hauptsächlich jene "Füllhornisten" ins Visier genommen, welche mit dubiosen Argumenten und Argumentationsstrategien unsere (und vielleicht auch ihre eigene?) Furcht vor einer relativ zeitnahen Erschöpfung der Lagerstätten mineralischer Rohstoffe zu beschwichtigen suchen.
So war es mir damals noch nicht in voller Schärfe bewusst geworden, dass unser Bejahen oder (was hier im Hinblick auf die Position von Horx allein von Interesse ist:) unser Bestreiten von "Erderwärmung", "globale Erwärmung", "Klimaänderung", "Klimawandel", "Klimakatastrophe", "Global Warming" usw. drei verschiedene Stufen von "(Un-)Glauben" bezeichnen kann, die sich logisch wie die Hüllen dreier Matroschkas (oder Matrjoschkas) zueinander verhalten:
1) Die dickste Babuschka (Babushka) ist ein dicker Hund: das Bestreiten, dass wir derzeit überhaupt einen Klimawandel miterleben.
2) Wer ganz so weit nicht gehen will, kann immer noch leugnen, dass die Klimaänderung "anthropogen" ist, also von uns Menschen "gemacht", wurde.
3) Selbst wenn man das einräumt, bleibt rein logisch die Möglichkeit abzustreiten, dass der Klimawandel katastrophale Folgen haben muss bzw. jedenfalls dann haben wird, wenn wir nicht rechtzeitig gegensteuern.
Was davon meint Matthias Horx, wenn er sich weigert, "an die Klimakatastrophe" zu glauben?
Sehen wir uns zunächst an, wie er seine Argumentation aufbaut:
I. Auswahl des Mottos.
Dass die "Zivilisation aufgrund der Duldung der Geologie besteht" ist zweifellos richtig, soll aber hier wohl ausblenden, dass sie möglicherweise auch von unserem pfleglichen Umgang mit der Geologie (und der Botanik) abhängig ist.
II. Ironisierende Darstellung der aktuellen Meldungen und Befürchtungen.
"Nun also ist es amtlich ...".
Botschaft: "Alles Quatsch".
III. Parallelisierung der Debatten über das "Waldsterben" und die Klimaänderung.
Es ist schon äußerlich bemerkenswert, dass Horx ca. 1/3 seines Textes diesem Thema widmet, das sicherlich seine psychologische Wirkung nicht verfehlt, dessen Beweiskraft aber ebenso groß ist wie die Argumente der Bedrohungsskeptiker in Jericho am 5. oder 6. Tag des Trompetenkorsos der Belagerer rund um die Stadtmauern.
Botschaft bei Horx: "Damals haben sich die Leute unnütz aufgeregt; jetzt ist es bzw. wird es genau so sein." Wie schon Michael Crichton in seiner o. a. Rede diskreditiert Horx (etwas geschickter) die Waldsterbens- und implizit auch die Klimawarner als religionsähnliche (lies: irrationale) Bewegungen, die "Kathedralen" bauen und ihre "Priester" haben. Dazu habe ich schon in der Analyse der Crichton-Rede darauf hingewiesen, dass sich auf einem entsprechend hohen Abstraktionsniveau alles mit allem analogisieren lässt, ohne dass man daraus Erkenntnisse gewinnt. (Ein berühmtes Beispiel dieser Art ist der 1999 publizierte Essay "The Market as God" des US-Theologen Harvey Cox.)
Immerhin muss Horx zugeben, dass es tatsächlich ein "Waldsterben" gegeben hat - nur eben regional begrenzt und nicht in einem deutschland- oder weltweiten flächendeckenden Ausmaß: "In der Tat gab es in den 70er Jahren Fabriken (die heute längst geschlossen oder saniert sind), die starke SO2-Rauchfahnen freisetzten; so wurden regionale Wälder tatsächlich zerstört ..." schreibt er [Hervorhebung von mir].
Bereits an dieser Stelle stellt sich einem kritischen Leser die (bei der Klimadebatte noch weitaus bedeutsamere) Frage, ob nicht gerade unsere Furcht vor dem Waldsterben das Waldsterben verhindert hat. Hätten wir diese Ängste nicht gehabt, wären vielleicht die Emissionsgrenzen nicht herabgesetzt und die Dreckschleudern weiter toleriert worden? (Nun könnte es hier freilich so verhalten bzw. könnte man argumentieren, dass entsprechende gesetzliche Regelungen und Verwaltungsmaßnahmen bereits aufgrund der regionalen Schädigungen erfolgt sind bzw. wären, auch wenn es diese nach Meinung von Horx übertriebene Angst vor dem Waldsterben nicht gegeben hätte. Beim Klimawandel gibt es allerdings keine regional begrenzenten Warnungen, auf die wir später immer noch rechtzeitig reagieren könnten: wenn dieses sich ändert, dann weltweit; wenn auch nicht überall gleich und vielleicht nicht einmal überall zum Schaden der lokalen Bevölkerung.)
Die Tatsache, dass befürchtete Negativereignisse nicht immer eintreten (oder meinetwegen sogar häufig nicht eintreten) hat nicht den geringsten Beweiswert dafür, ob das eine oder andere Szenario sich realisieren wird oder nicht. Auch (zu) viele Deutsche um 1930 wollten jene lästigen Mahner nicht hören, die ihnen mit ihrem ewigen "Hitler heißt Krieg" in den Ohren lagen. Und es gibt sicherlich nicht nur in der Geschichte im klassischen Sinne (und in den Prophetenbüchern der Bibel) Beispiele für wahr gewordene Warnungen, sondern ebenso in der Umweltgeschichte. Da hat es schon ganze regional isolierte Gesellschaften hingerafft: nach Grönland emigrierte Isländer im Mittelalter total, Polynesier auf den Osterinseln großenteils und für die untergegangene Hochkultur der Maya (deren Volk zwar - auf einem niedrigeren Zivilisationsstand - weiter gelebt hat) referiert das einschlägige Wikipedia-Stichwort den Meinungsstand der Archäologen so:
"Der Zusammenbruch der Maya-Gesellschaft ist Gegenstand einer breiten und langanhaltenden Forschungsdiskussion. Dabei lassen sich zwei Hauptansätze unterscheiden: Ökologische und Nicht-Ökologische Erklärungsmodelle."
Horx' Behauptung, dass "sich ganze Kulturen in den Abgrund gestürzt" hätten, "Wie etwa die Maya, deren mächtige Priesterkaste immer blutigere Opferrituale zelebrierte, um die gnadenlosen Wetter- und Naturgötter zu besänftigen" ist hinsichtlich des von ihm hergestellten Kausalnexus' von religiösen Praktiken und Kulturverfall um so weniger glaubwürdig, als er selbst eben diese Praktiken auf agrarwirtschaftliche Probleme klimatischer Art zurück führt.
IV. "Der Planet des Wandels" und "Der Mensch: ein Terraformer"
Sicher ist es richtig, dass das Klima und sogar die Zusammensetzung der Atmosphäre in der Vergangenheit starken Schwankungen unterlagen. Aber welchen Erkenntnisgewinn oder welche Handlungsanleitung oder sonstigen Nutzen soll ich daraus für die aktuelle Klimadebatte ziehen? Es kann doch an unserer Einschätzung einer eventuellen dramatischen kurzfristigen Klimaänderung als "Katastrophe" nichts ändern, wenn ich weiß, dass es früher eben solche und sogar weitaus größere Schwankungen gab (die die Menschen wohl schon damals als "Katastrophen" empfunden haben - Sintflut!)
Dass sich die Natur auch ohne mein Zutun ändert, und z. B. Karsthöhlen gelegentlich zusammenkrachen, heißt doch noch lange nicht, dass ich meine Umwelt nun auch meinerseits kräftig aushöhlen sollte, bis es (vom "natürlichen" Standpunkt aus betrachtet: "vorzeitig") kracht! Natürlich gibt es kein "Normalklima", aber deswegen muss ich doch nicht die Atmosphäre so lange aufheizen, bis aus dem nicht-normalen ein katastrophales Klima geworden ist?
Der ganze Absatz ist also logisch wertlos, eine reines Psycho-Palliativ.
Das gleiche gilt auch für Horx' lange Ausführungen über den Menschen als Terraformer. (Beide Passagen zusammen machen mehr als ein weiteres Drittel seines Essays aus.) Zum einen hat sich der Mensch als Terraformer z. B. auf den Osterinseln, vermutlich aber auch im arabischen Raum und im Mittelmeergebiet nicht unbedingt mit einem dauerhaft positiven Erfolg betätigt. Zum anderen mag, wer an die Gaia-Hypothese glauben will, daraus Optimismus ableiten. Aber dieser Glaube ist, auch wenn man ihn "Hypothese" nennt, auch nur ein Glaube. Und deutlich weniger gut begründbar als die aktuell in der Klimawissenschaft herrschenden Meinungen über eine globale, durch Klimagase verursachte Erwärmung. (Im übrigen hat James Lovelock, (Mit-)"Erfinder" der "Gaia-Hypothese", mittlerweile ein Buch verfasst mit dem Titel "The Revenge of Gaia: Why the Earth is Fighting Back".)
[Beiläufig: Die Venezianer, diese Angsthasen, haben doch tatsächlich schon im Hohen Mittelalter mit riesigen Kosten ganze Flüsse umgeleitet, weil sie sich vor dem bischen Sand fürchteten, den die in die Lagune brachten!]
Wenn man die Frage aufwirft, warum die Blaualgen eine "Oxygen Catastrophe", (auch "oxygen holocaust" genannt - auf Deutsch "Sauerstoffkatastrophe"), herbeiführen "durften" (eine allerdings nicht unumstrittene Behauptung), begibt man sich auf die Ebene teleologischer Vorstellungen, die zwar nicht zwangsläufig explizit religiöser Art sein müssen, aber doch in den Bereich des Glaubens und, weil sie "Ziele" voraus setzen, in eine anthropomorphisierende Vorstellungswelt gehören. Zwar kann niemand auf einer ganz abstrakten Ebene mit wissenschaftlicher Sicherheit ausschließen, dass unsere derzeitige Plünderung des Planeten einem höheren Plan oder "Plan" oder Muster oder "pattern" oder "design" folgt (weil wir z. B. die Nicht-Existenz eines Gottes nicht wissenschaftlich beweisen, sondern lediglich die Annahme einer solchen Existenz in unseren Handlungen und Überlegungen außen vor lassen können). Wenn man aber daraus die Folgerung ableitet, wir könnten nun die Hände in den Schoß legen und einfach weiter machen wie bisher, wird das böse Erwachen noch ein wenig schneller eintreten als es (nach meinem "Glauben") ohnehin (vielleicht etwas später) kommen muss. (Wobei ich selbst mir weniger Sorgen um das Klima mache, als um die Ressourcenverknappung.)
Zusammenfassend lässt sich also für diesen Abschnitt festhalten, dass Horx auch hier für seine emotionale Botschaft „alles nicht so schlimm“ keine rationale Begründung gibt. Statt dessen zitiert er in seinem nächsten Kapitel „Der unruhige Planet“
V. Volkes Stimme.
Ein Leserbrief-Schreiber hatte verschiedene (vermutlich verbürgte) historische Wetter-Ereignisse aufgezählt, die wir als anormal empfinden (und vielleicht als Beweise für eine Klimaänderung werten würden). Früher, meint der Schreiber, habe trotz dieser Ereignisse niemand von einer Klimaänderung gesprochen. [Kein Wunder: damals gab es weder den Begriff „Klimawandel“ noch die Vorstellung eines sich ändernden Klimas für eine geographische Zone; für unsere Ahnen war alles „Wetter“, und schon gar nicht von Menschen zu beeinflussen.]
Diese „einsame Stimme eines ‚Klimaleugners’ “ lobt Horx als kleinen „Widerstand gegen einen übermächtigen Wahrnehmungs-Kontext“. Sinnvoller Weise kann die Meinung des Leserbriefschreibers nur so verstanden werden, dass er den für unsere Zeit behaupteten Klimawandel überhaupt leugnet, also ein Klimaskeptiker im umfassendsten Sinn (o. a. Klasse 1) ist.
Genau das ist Horx aber nicht (er spricht später von einem „Erwärmungsprozess, welcher sich in den letzten Jahren abzeichnet“ und sogar von "Klimaveränderung"). Der Leserbrief ist also (abgesehen davon, dass er ohnehin nichts beweist außer der größeren Unwissenheit früherer Epochen) als Glied in der „Beweisführung“ von Horx unbrauchbar.
Dieser schließt denn auch nicht mit der Behauptung an, dass der schreibende Leser Recht hat und dass die Klimaänderung tatsächlich nur eingebildet ist, sondern führt lediglich aus, dass sich wegen der Vielfalt der klimawirksamen Einflüsse „das Klima nicht wirklich voraussagen lässt“ (was ebenfalls in einem gewissen Widerspruch zu seiner Annahme steht, dass sich in den letzten Jahrzehnten ein Erwärmungsprozess abzeichnet).
Thematisch etwas zusammenhanglos hängt er dann noch einen ‚philosophischen’ Satz dran über Lebensprodukte, die wiederum Rohstoff für anderes Leben sind, und leitet daraus die Überschrift für sein Abschlusskapitel her: „Evolution ist kreative Abfallwirtschaft“. Der Text geht jedoch auf die „Abfallwirtschaft“ gar nicht mehr ein, offenbart dafür nun aber in zwei kurzen Schlussabsätzen endlich
VI. Seine wirkliche Meinung über den Klimawandel
Zunächst räumt er zur Verblüffung des Lesers ein, dass sich in den letzten Jahrzehnten ein globaler Erwärmungsprozess abzeichnet. Ein Skeptiker der 1. Klasse ist er also nicht, weil er selbst an einen Klimawandel glaubt.
Dass er diesen „eine Erwärmungsphase von vielen" nennt, ändert nichts an der Faktizität des Sachverhalts. Der ist jedoch nicht nur durch die Tatsache einer Klimaerwärmung gekennzeichnet, sondern vor allem auch dadurch, dass heute sehr viel mehr Menschen und sensible menschliche Einrichtungen betroffen sind bzw. wären, als zu jeder früheren Erwärmungs- (oder auch Abkühlungs-)Zeit.
Bleibt zu untersuchen, ob Horx a) die anthropogene Ursache des Klimaänderung bestreitet, und ob er b) die Möglichkeit leugnet, dass der Klimawandel für die Menschheit katastrophale Auswirkungen haben könnte, wenn wir nicht rechtzeitig gegensteuern.
"Die Klimaveränderung setzt unsere Technologien einem starken Evolutionsdruck aus" weiß er. "Exzesse des Energieverbrauchs und der Substanzfreisetzungen ... werden beendet, technologische Transformationsprozesse beschleunigt".
Wenn wir unterstellen, dass Horx auch an dieser Stelle strukturiert denkt und redet (und nicht bloß so daherplappert), können wir die Erwähnung von "Substanzfreisetzungen" im Zusammenhang mit dem Klimawandel nur so deuten, dass auch er diesen Klimawandel (zumindest teilweise) durch Klimagase usw. verursacht sieht. [Tut er in der Tat: vgl. unten das Handelsblatt-Interview, das mir erst nach dieser induktiven Meinungsermittlung vor die Mouse lief.] Ein Klima-Wandel-Ursachen-Leugner der o. a. Klasse 2 ist er also auch nicht.
Offenbar hofft er jedoch, dass die Substanzfreisetzungen dank des Evolutionsdrucks noch rechtzeitig so weit vermindert werden (oder wenigstens deren weitere Vermehrung gestoppt oder gedrosselt wird), dass katastrophale Auswirkungen ["die" Katastrophe wird es ohnehin nicht geben] ausbleiben.
Das freilich ist genau die Position vieler oder der meisten Klimawarner: Dass wir das Schlimmste vermutlich noch abwenden können, wenn wir die CO2-Emissionen usw. jetzt reduzieren. Horx glaubt also nur, was die (vermutlich) meisten anderen Menschen auch glauben: dass wir die Klimakatastrophe abwenden können, wenn wir daran glauben, dass sie eintritt, wenn wir sie nicht abwenden. Und entsprechend handeln. So auf ihren rationalen Kern reduziert, ist seine Verkündigung, dass er nicht an die Klimakatastrophe glaube, gänzlich unspektakulär, weil die wenigsten Menschen daran glauben, dass sie kommen muss.
Und wenn er davon spricht, dass sich die Substanzfreisetzungen durch den Evolutionsdruck vermindern werden, dann kann das (weil er ja offenbar von einer rechtzeitigen Minderung ausgeht, also von einer Verhaltensänderung, bevor uns die Klima-Keule trifft) nur heißen, dass er erwartet, dass die Klima-Katastrophe wegen unserer Angst vor der Klimakatastrophe ausbleibt.
Denn die enormen Kosten für technologische Umstellungen würden wir nicht ausgeben, wenn wir nicht absolut davon überzeugt wären, dass ein Unterlassen dieser Investitionen uns später weitaus mehr kosten würde. Es geht also um eine Risikoeinschätzung, die emotional durchaus auch angstbesetzt sein kann, und, in einer Demokratie, vielleicht sogar sein muss, um eine entscheidende technologisch-ökonomische Wende herbei zu führen.
Werden wir auf diese Weise das Klima (relativ) stabilisieren? Oder ist das Geld zum Fenster rausgeschmissen - weil es entweder schon zu spät ist, oder weil andere Faktoren die anthropogenen Klimaeinflüsse verstärken oder konterkarieren?
Mit Sicherheit weiß das nur der liebe Gott.
Wir aber stehen vor der Frage: "Was tun"? (Oder nichts tun?)
Ob Horx „an die Klimakatastrophe glaubt“ kann uns, für sich genommen, herzlich egal sein. Wir stehen vor der Entscheidung, ob und ggf. welche Handlungsanleitungen wir aus den ermittelten Wetterdaten herleiten sollen. Glaubensbekenntnisse, auch wenn sie sich als Unglaubens-Bekenntnisse tarnen, helfen nicht weiter, mögen sie auch rhetorisch durchaus glanzvoll sein. (Oder sollten wir es gar mit PR-Lyrik zu tun haben? In der Tradition von Ron Arnolds stilistisch glanzvollem Essay "Overcoming Ideology"?)
Um Handlungsanleitungen aber drückt sich der Zukunftsdeuter Horx herum.
Das Orakel von Kelkheim möchte dem etwas bekannteren Orakel von Delphi nicht nachstehen und auf jeden Fall Recht behalten. Weise wie einst die Prophezeiung des delphischen Orakels für den Lyderkönig Krösus („König Krösus: „Wenn du gegen die Perser in den Krieg ziehst, wirst du ein großes Reich vernichten“) ist sein Satz „Wir wissen KEINESWEGS, welche Dimensionen er [der Klimawandel] haben wird, wann er sich umkehrt“ [Hervorhebung im Original].
Recht hat er: es könnte nämlich alles noch sehr viel schlimmer kommen, als selbst die extremsten Szenarien erwarten. Aber denken sollen wir natürlich: „Wird schon nicht so schlimm kommen, wie die Pessimisten glauben“ [Das erinnert mich irgendwie an eine Passage in der Rede von Michael Crichton, wo dieser sagt, dass wir (wegen unserer unzulänglichen Kenntnisse über die Zusammenhänge in der Natur) „.. need to be humble, deeply humble, in the face of what we are trying to accomplish“. Diese Demut führt bei Crichton im Ergebnis allerdings tendenziell zu der Folgerung, dass wir erst mal die Umwelt so lange weiter versauen können, bis die Natur uns handfeste Beweise für die Schädlichkeit unseres Handelns liefert. (Was ihn aber nicht hindert, an anderer Stelle, wo es im rhetorisch ins Konzept passt, zu konstatieren, dass die "natural world ... not so malleable" sei, sondern eine "harsh, powerful, and unforgiving world". Weshalb man vielleicht doch etwas vorsichtiger damit umgehen sollte?)]
Horx erweckt auf der emotionalen Ebene den Anschein, nicht daran zu glauben, dass wir etwas gegen den anthropogenen Klimawandel unternehmen sollen. Und erklärt uns gleichzeitig auf der rationalen Ebene, dass es keine Katastrophe geben wird, weil wir Menschen sicherlich etwas tun werden.
Letztlich können wir seine rationale Aussage im Ergebnis auf der Ebene der Geschehensabläufe (unabhängig von dem, was er selbst meint) ohne Sinnverfälschung in den Satz transformieren:
"Ich glaube nicht an die Klimakatastrophe, weil ich glaube, dass der Glaube (der Vielen) an die Klimakatastrophe einen Evolutionsdruck darstellt, der zur Vermeidung der Klimakatastrophe führen wird." So gesehen "glaubt" auch Horx an die Katastrophe - wenn wir so weiter machen würden wie bisher.
Nur verschüttet er diese Aussage unter seitenlangen entgegengesetzten emotionalen Botschaften.
Dumm? Ist Horx sicher nicht.
Verantwortungslos? Allerdings!
(Falls er sich missverstanden, oder gar böswillig falsch ausgelegt sehen sollte: dagegen gibt es ein Mittel. Nämlich klare Positionierung statt ambivalentes Geraune!
Der Blogger Peter Aschoff fackelt Horx’ argumentativen Heuhaufen (der in den Augen des „Blog-Kommentar“ „hervorragend recherchiert und beispielhaft erklärt“) in seinem Blog „peregrinatio“ u. d. T. "Reichlich verhorxt" mit weitaus weniger Aufwand an Wortenergie ab als ich.
Sein Kommentator „Arnachie“ aber ironisiert den Horx-Haufen in geradezu genialer Kürze. Er zitiert einen Filmdialog, der im Jahre 3000 spielt:
A: „Gut, dass eine Klimaerwärmung nie stattfand.“
B: „Doch sie fand statt, aber sie wurde ausgeglichen vom nuklearen Winter“.
Zum Thema Klimawandel hat Horx leider nur eine mentale Flatulenz entsorgt, auch wenn die geistigen Glasperlen-Dealer im Blog "Politically Incorrect" sie als Schatzfund bejubeln ("Matthias Horx zur deutschen Angst vor der Klimakatastrophe").
Von den zahlreichen Leserkommentaren, welche der Essay von Horx in der Welt generiert hat, möchte ich besonders auf den langen und fundierten von "exi" vom 13-03-2007, 18:12 Uhr, aufmerksam machen. (Stand 04.04.07 abends)
Zum Klimawandel äußert sich Horx aktuell in dem Handelsblatt-Interview „Die Welt wird nicht schlechter“ vom 26.03.07 wie folgt:
Frage: "Der größte Alarmismus dieser Tage heißt Klimakatastrophe. Wie sehen Sie dieses Problem?"
Horx: "Die Klimakatastrophe wird eben keine Katastrophe, sondern ein Wandlungsprozess, wie es ihn auf unserem Planeten schon oft gegeben hat. Der Klimawandel prägt unseren Planeten schon immer, dadurch entstehen Anpassungsprozesse, neue Technologien werden erfunden, Zivilisationssprünge finden statt. Am Klimawandel haben immer Spezies einen Anteil gehabt. Ob das die Dinosaurier waren oder Blaualgen, die durch die Produktion von Sauerstoff für das größte Artensterben aller Zeiten gesorgt haben. Alle Organismen verändern den Planeten. Wenn Sie das verhindern wollen, müsste sich der Mensch selbst abschaffen.."
Frage: "Sie sagen, es gab den Klimawandel schon immer und wir befinden uns momentan lediglich in einer Warmzeit. Ist der Temperaturanstieg also nicht vom Menschen gemacht?"
Horx: "Ein bestimmter Anteil vermutlich schon, nach meinem Gefühl sind das ungefähr 30 – 40 Prozent. Globale Erwärmung ist immer ein komplexer Prozess, ich glaube nicht, dass das nur EINE Ursache hat. Natürlich kann ich das genauso wenig nachweisen, wie die Klimaforscher. Ich sage nur: Ich weiß es nicht, und ich glaube, wir müssen vorsichtig sein. Heute nehmen die Klimaforscher eine Rolle ein, die nicht mal ich als Zukunftsforscher einnehmen würde. Sie versuchen nämlich, das Klima über lange Zeit vorherzusagen. Ich glaube, dass dies nicht möglich ist, wir können ja noch nicht einmal das Wetter für die nächste Woche richtig prognostizieren! Die Klimaentwicklung ist das, was wir in der Systemtheorie einen 'metakomplexen' Prozess nennen." [Hervorhebung von mir. (In welcher Weise sollen wir "vorsichtig sein": Emissionen stoppen oder Kyoto-Protokoll wieder aufkündigen, weil's zu teuer wird und nichts bringt?)]
Horx weiter: "Die Klimaforschung ist heute eine Expertokratie, die in ihrem eigenen Interesse extreme Prognosen aufstellen muss. Wenn man sich professionell mit Prognostik beschäftigt, dann weiß man, wie die Interessen die Aussagen steuern können. Mein Interesse ist erst einmal nicht, irgendeine Art von anderer Wahrheit zu predigen, sondern mein Interesse ist, die Gewissheit, mit der wir jetzt wieder ein Theorem daraus machen, zu erschüttern." [Hervorhebung von mir. Wenn er die Gewissheit erschüttert, nimmt er den Evolutionsdruck in der jetzigen (ich nenne sie mal:) "Signalphase" weg. Dann kommt der Druck erst in der (ich sage mal:) "Knüppelphase". In dieser wird, was aus der Sicht eines Beobachters als "Evolutionsdruck" durchaus adäquat beschrieben ist, in der ebenso adäquaten Beschreibung durch die Betroffenen als "Katastrophe" bezeichnet.]
Frage: Sie kritisieren den Alarmismus in der Klimadiskussion. Aber hat er nicht auch eine positive Funktion und erzeugt bei den Menschen erst das Gefühl, dass man etwas tun müsse?
Horx: "Das wäre schön. Aber wir haben leider kein vernünftiges Verhältnis zwischen Warnung und Veränderung mehr. Darum geht es mir: Jeder Organismus, jede Gesellschaft und jedes System braucht einen rationalen Umgang mit drohenden Gefahren und Veränderungspotentialen. Wenn in einem Dorf ständig der Feueralarm schrillt, dann kann es irgendwann brennen und es passiert nichts mehr."
[Einen rationalen Umgang brauchen wir? Also gibt es (Klima-)Gefahren? Und wir sollten etwas dagegen tun? Auf gar keinen Fall Alarmglocken schrillen lassen, sondern ganz rational - über die Gestaltung von Wandel reden? Über Sauerstoffbakterien vor 2 Mrd. Jahren? Über den Menschen, das adaptive Wesen? Oder darüber, dass die Klimawarner glauben, dass wir den (auch nach Horx' Meinung mindestens teilweise selbst gemachten) Wandel (teilweise) abwenden können?
Jedenfalls sind, falls Horx seinen Essay in "Die Welt" für einen rationalen Beitrag zur Klimadebatte hält, Grimms Märchen die reinsten Sachbücher.]
Zu einem anderen Thema ist seine Meinung allerdings präziser - und überzeugender:
Auszug aus dem o. a. Handelsblatt-Interview :
Interviewer:
"Gerade die Alterung der Industrienationen lässt sich aber recht genau vorhersagen und stellt die Systeme vor viele Probleme. Verharmlosen sie diese Entwicklung?"
Horx:
"Ich finde es wunderbar, dass wir weniger werden, denn das war immer ein Zeichen von Fortschritt. Ich glaube, dass Deutschland übervölkert ist. Es gibt zu viele Deutsche. Ich bin Ökologe, ich bin dafür, dass wir weniger Autobahnen bauen, dass es mehr Natur gibt. Unsere sozialen und politischen Systeme müssen wir natürlich den veränderten Biographien und sozialen Strukturen anpassen." [Hervorhebungen von mir. Da kann ich ihm doch glatt zustimmen!]
Die österreichische Zeitung "Die Presse" bringt ebenfalls ein Interview mit Horx u. d. T. "Apokalyptisches Spießertum". Hier steht das Klima nicht ganz so im Vordergrund, sondern mehr der seiner Meinung nach gefährliche Pessimismus (die Angst) der Menschen (speziell in Deutschland und Österreich). Gewissermaßen dem Grundsatz "audiatur et altera pars" folgend, sollte man durchaus auch dieses Interview lesen.
Nachtrag 06.04.07
Ohne einen gewaltigen (überschießenden) Input an Energie lässt sich die gesellschaftliche Haftreibung nicht überwinden.
Hätten die Bewohner Roms im Jahre 1527 mehr Angst vor den kaiserlichen Truppen gehabt, würden sie rechtzeitig mehr Mittel für die Verteidigung der Stadt lockergemacht haben. Für relativ wenig Geld hätten sie sich dann viel Leid, Not und Tod und die riesigen Lösegeldzahlungen erspart, welche ihnen die Kriegsknechte aus Spanien und Deutschland beim der Plünderung Roms, dem "Sacco di Roma", abpressten. (Vgl. dazu auch den Aufsatz "Kondratieff, Rothbard und der Sacco di Roma" auf meiner Webseite "Drusenreich drei".)
Hätten die Niederländer rechtzeitig auf die Mahnungen von Experten gehört, wäre ihnen die Sturmflut von 1953 erspart geblieben (und wir wären um das Sprichwort "Holland in Not" ärmer).
Hätte die US-Regierung die Deiche in New Orleans rechtzeitig auf Expertenrat hin verstärkt, hätte der Hurrikan Katrina nicht die Stadt verwüstet.
Aber Amerika ist mit einem mutigen Präsidenten gesegnet, der, bevor er den Irak aufmischt, zweifellos rationale Cost-Benefit-Analysen erstellt und der sich erst recht nicht vor so'nem bisschen Wind nicht fürchtet. Außerdem wohnt er ja auch nicht in New Orleans.
Und auch in den anderen o. a. Beispielen haben sich die klugen Abwarter, die Rationalen, die Furchtlosen, die Mutigen, die Maul-Helden, die Geldbeutel-Besitzer und die Geldsack-Besitzer-Beschützer durchgesetzt. Bevor sich die Natur (oder der Feind) durchsetzten.
(Sicherlich gibt es auch umgekehrte Beispiele einer übergroßen Vorsicht, aber ich höre von Horx nicht, dass er z. B. die aufwändigen Sicherheitsmaßnahmen - in den USA und anderswo - gegen mögliche terroristische Attacken kritisiert. Auch die sind schließlich 'angstgetrieben').
Weiterführend zum Thema 'Klimawandel pro und kontra' ist zeitnah z. B. der FAZ-Artikel vom 23.03.07 "Globale Erwärmung. Ist der Klimawandel nichts als Schwindel?" von Christian Schwägerl.
Nachtrag vom 20.05.07:
Der Blog-Beitrag "Die Mär von der Klimalüge" vom 08.05.07 in "Wision.ch" gibt uns endlich die ultimativen Aufschlüsse über den Klima-Kollaps.
Nachtrag vom 21.05.07:
In der Nr. 51/2002 rezensierte Reiner Klingholz in "Die Zeit" u. d. T. "Alles fließt – sogar zum Guten. Der Naturschützer Josef Reichholf kämpft gegen den Pessimismus seiner Zunft" das Buch eines anderen Umwelt"Skeptikers".
Mutatis mutandis kann man die Kritik von Klingholz an der Position Reichholfs großenteils auch auf Horx (und seinesgleichen) anwenden:
"Die Gesellschaft sei untergangsgläubig und auf dem besten Weg in die Ökodiktatur. Und schuld daran seien die 'falschen Propheten'. ... Spätestens hier schießt Reichholf, bei aller angebrachten Kritik an der Umwelthysterie, weit über sein Ziel hinaus. Zum Beispiel beim Thema Waldsterben. ... Viele Warnungen, viel Forschung, viel Geschrei um nichts, meint Reichholf. Er verschweigt dabei, dass die Angst vor dem Waldsterben in den achtziger und neunziger Jahren massive Anstrengungen zur Reinhaltung der Luft nach sich gezogen hat. Gebäudeschäden in Milliardenhöhe wurden so vermieden, Seen, Flüsse und Agrarflächen weniger versauert und menschliche Lungen weniger geschädigt. Vermutlich hat sogar der Wald von den Umweltgesetzen profitiert. ... Genauso gut könnte Reichholf also die Waldsterben-Warner loben, denn sie erst haben (und sei es zum Teil mit falschen Argumenten) den Wandel erzwungen. Es ist nun einmal das Los aller Kassandra-Rufer, dass das Unglück, vor dem sie warnen, im besten Fall nicht eintritt. Deswegen rufen sie ja.
Was Reichholf predigt, ist eine Art biologischer Fatalismus: Die Natur macht eh, was sie will, und irgendwie wird sie es richten. Seltsamerweise unterschätzt er dabei die Dynamik exponentieller Wachstumsprozesse. Von Prozessen also, die nicht linear, sondern beschleunigt verlaufen. Das Heimtückische an dieser Art von Wachstum ist, dass man es in der Anfangsphase unterschätzt, am Ende aber nicht mehr kontrollieren kann. Einige der größten Probleme der Menschheit, der Bevölkerungszuwachs, die Aids-Epidemie, aber auch die Klimaveränderung beruhen auf exponentiellem Wachstum.
Auf diese Phänome kann der Mensch erfahrungsgemäß erst reagieren, wenn es zu spät ist. Aber er kann ihren Verlauf modellieren und so im Voraus handeln. Auf Szenarien zu verzichten wäre also fatal."
Textstand vom 31.12.2007. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge.
Horx' recht ausführliche Rezension u. d. T. "Sehnsucht nach dem Feudalismus" von Sennetts Buch "Die Kultur des neuen Kapitalismus" hat mich begeistert. Zwar kenne ich das Buch nicht, aber seine Kritik an Sennetts Positionen lässt sich auch als wuchtige Fundamentalkritik an jener uralten gesellschaftlichen Diskursgepflogenheit verstehen, welche ich an anderen Stellen als "Olim-Diskurs" bezeichnet und in dem Eintrag "WO DER OLIM HAUST oder ARM, ABER KRITISCH!" gegeißelt habe.
Aber Sätze wie seine sind mir denn doch nicht gelungen:
"Und wo sollen wir aufhören, wenn wir den 'unentfremdeten Zustand' wieder einführen wollen? Um die Ecke lugt Rousseau, am Türrahmen lächelt Ernst Jünger Arm in Arm mit dem guten Charlie Marx. Und am Ende landen wir, in guter deutscher Romantik-Tradition, wieder bei den Jägern und Sammlern " [wo es freilich Herren und Knechte noch nicht gab], "Kein Wort finden wir in Sennetts Sozialfeuilleton zu den gewaltigen Opfern jener Zeit, in denen die Lebensverhältnisse nach Sennett noch stabil, berechenbar, kontinuierlich blieben. Kein Wort über die Staublunge, an der die solidarischen Kumpels starben, nachdem sie im abgesicherten Milieu lebenslange Sicherheit erfahren hatten" [Hervorhebung von mir], "In des Autors Bild einer verklärten Vergangenheit gab es offenbar keine Massenfreisetzungen, wenn Rohstoffzyklen sich neigten oder technologische Wellen die gesicherten Arbeitsverhältnisse hinwegfegten" und "... reiht er sich ein in die Armee der Beschwörer dunkler Kräfte - also jener, die vor den Sith Lords des Kapitals warnen. Mit dieser komfortablen Negation läßt es sich allerdings prima leben im Kapitalismus. Jede Talkshow, jede Jammergemeinde von Buxtehude bis Garmisch wird die sonore Stimme seines nostalgischen Pessimismus gern hören. Man sieht ihn schon bei Sabine Christiansen sitzen, diesem medialen Brutkasten der Angstbeschwörung"
[Ähnlich (und ähnlich wirkungslos) schrieb übrigens schon vor beinahe 150 Jahren der Struwwelpeter-Vater Heinrich Hoffmann: "Es ist ein immer noch gebrauchter, wenn auch verbrauchter Redemodus der Verderbtheit der Gegenwart, die Einfalt und Solidität der Vergangenheit der sogenannten alten guten Zeit vor das Antlitz zu halten, um sie zur Schamröte zu zwingen. Rücken wir aber dieser alten guten Zeit selbst einmal etwas näher auf den Leib, und heben wir ihr den historischen Nebelschleier von dem Haupte, so finden wir gemeinlich, daß sie gar nicht besser, oft wohl noch viel schlechter als die Enkelin, die Neuzeit, war:
Das Vergangene zu preisen und die Gegenwart zu schelten,
Muß von aller Art von Tugend stets für die bequemste gelten!"]
Vielleicht von dem Vertrauenskapital , das Horx mit seinen o. a. Sätzen bei mir deponiert hatte, allzu zutraulich gemacht, vielleicht aber auch durch die clevere Art der Präsentation seiner Argumente geblendet, erschien mir sein Essay "Warum ich nicht an die Klimakatastrophe glaube" in der WELT ONLINE vom 13.03.07 zwar nicht als absolute Wahrheit, aber jedenfalls als in sich stimmig formulierte Position eines "Klimaskeptikers" (wie, offenbar nach dem anglophonen "climate skeptic", jene Personen bezeichnet werden, welche die Warnungen zahlreicher Klimatologen usw. für unberechtigt oder übertrieben halten).
Schon vor geraumer Zeit hatte ich in meinem (englischsprachigen) Eintrag "THE (B)RAT IN THE BOX AT THE ULTIMATE LEVER?" die Rede eines anderen Klimaskeptikers, des US-Romanautors Michael Crichton, (unter dessen Stichwort sich in der englischsprachigen Wikipedia einige Links zur Klimadebatte um sein Buch "State of Fear" -"Welt in Angst"- finden) analysiert.
"Environmentalism as Religion" heißt sie, ist aber auch u. d. T. "Remarks to the Commonwealth Club" bekannt. Dabei hatte ich einerseits die Argumentationsstruktur Crichtons untersucht (bzw., aus meiner Sicht, entlarvt), andererseits den Blickwinkel allerdings auf die "Ressourcenskeptiker" ausgeweitet und damit hauptsächlich jene "Füllhornisten" ins Visier genommen, welche mit dubiosen Argumenten und Argumentationsstrategien unsere (und vielleicht auch ihre eigene?) Furcht vor einer relativ zeitnahen Erschöpfung der Lagerstätten mineralischer Rohstoffe zu beschwichtigen suchen.
So war es mir damals noch nicht in voller Schärfe bewusst geworden, dass unser Bejahen oder (was hier im Hinblick auf die Position von Horx allein von Interesse ist:) unser Bestreiten von "Erderwärmung", "globale Erwärmung", "Klimaänderung", "Klimawandel", "Klimakatastrophe", "Global Warming" usw. drei verschiedene Stufen von "(Un-)Glauben" bezeichnen kann, die sich logisch wie die Hüllen dreier Matroschkas (oder Matrjoschkas) zueinander verhalten:
1) Die dickste Babuschka (Babushka) ist ein dicker Hund: das Bestreiten, dass wir derzeit überhaupt einen Klimawandel miterleben.
2) Wer ganz so weit nicht gehen will, kann immer noch leugnen, dass die Klimaänderung "anthropogen" ist, also von uns Menschen "gemacht", wurde.
3) Selbst wenn man das einräumt, bleibt rein logisch die Möglichkeit abzustreiten, dass der Klimawandel katastrophale Folgen haben muss bzw. jedenfalls dann haben wird, wenn wir nicht rechtzeitig gegensteuern.
Was davon meint Matthias Horx, wenn er sich weigert, "an die Klimakatastrophe" zu glauben?
Sehen wir uns zunächst an, wie er seine Argumentation aufbaut:
I. Auswahl des Mottos.
Dass die "Zivilisation aufgrund der Duldung der Geologie besteht" ist zweifellos richtig, soll aber hier wohl ausblenden, dass sie möglicherweise auch von unserem pfleglichen Umgang mit der Geologie (und der Botanik) abhängig ist.
II. Ironisierende Darstellung der aktuellen Meldungen und Befürchtungen.
"Nun also ist es amtlich ...".
Botschaft: "Alles Quatsch".
III. Parallelisierung der Debatten über das "Waldsterben" und die Klimaänderung.
Es ist schon äußerlich bemerkenswert, dass Horx ca. 1/3 seines Textes diesem Thema widmet, das sicherlich seine psychologische Wirkung nicht verfehlt, dessen Beweiskraft aber ebenso groß ist wie die Argumente der Bedrohungsskeptiker in Jericho am 5. oder 6. Tag des Trompetenkorsos der Belagerer rund um die Stadtmauern.
Botschaft bei Horx: "Damals haben sich die Leute unnütz aufgeregt; jetzt ist es bzw. wird es genau so sein." Wie schon Michael Crichton in seiner o. a. Rede diskreditiert Horx (etwas geschickter) die Waldsterbens- und implizit auch die Klimawarner als religionsähnliche (lies: irrationale) Bewegungen, die "Kathedralen" bauen und ihre "Priester" haben. Dazu habe ich schon in der Analyse der Crichton-Rede darauf hingewiesen, dass sich auf einem entsprechend hohen Abstraktionsniveau alles mit allem analogisieren lässt, ohne dass man daraus Erkenntnisse gewinnt. (Ein berühmtes Beispiel dieser Art ist der 1999 publizierte Essay "The Market as God" des US-Theologen Harvey Cox.)
Immerhin muss Horx zugeben, dass es tatsächlich ein "Waldsterben" gegeben hat - nur eben regional begrenzt und nicht in einem deutschland- oder weltweiten flächendeckenden Ausmaß: "In der Tat gab es in den 70er Jahren Fabriken (die heute längst geschlossen oder saniert sind), die starke SO2-Rauchfahnen freisetzten; so wurden regionale Wälder tatsächlich zerstört ..." schreibt er [Hervorhebung von mir].
Bereits an dieser Stelle stellt sich einem kritischen Leser die (bei der Klimadebatte noch weitaus bedeutsamere) Frage, ob nicht gerade unsere Furcht vor dem Waldsterben das Waldsterben verhindert hat. Hätten wir diese Ängste nicht gehabt, wären vielleicht die Emissionsgrenzen nicht herabgesetzt und die Dreckschleudern weiter toleriert worden? (Nun könnte es hier freilich so verhalten bzw. könnte man argumentieren, dass entsprechende gesetzliche Regelungen und Verwaltungsmaßnahmen bereits aufgrund der regionalen Schädigungen erfolgt sind bzw. wären, auch wenn es diese nach Meinung von Horx übertriebene Angst vor dem Waldsterben nicht gegeben hätte. Beim Klimawandel gibt es allerdings keine regional begrenzenten Warnungen, auf die wir später immer noch rechtzeitig reagieren könnten: wenn dieses sich ändert, dann weltweit; wenn auch nicht überall gleich und vielleicht nicht einmal überall zum Schaden der lokalen Bevölkerung.)
Die Tatsache, dass befürchtete Negativereignisse nicht immer eintreten (oder meinetwegen sogar häufig nicht eintreten) hat nicht den geringsten Beweiswert dafür, ob das eine oder andere Szenario sich realisieren wird oder nicht. Auch (zu) viele Deutsche um 1930 wollten jene lästigen Mahner nicht hören, die ihnen mit ihrem ewigen "Hitler heißt Krieg" in den Ohren lagen. Und es gibt sicherlich nicht nur in der Geschichte im klassischen Sinne (und in den Prophetenbüchern der Bibel) Beispiele für wahr gewordene Warnungen, sondern ebenso in der Umweltgeschichte. Da hat es schon ganze regional isolierte Gesellschaften hingerafft: nach Grönland emigrierte Isländer im Mittelalter total, Polynesier auf den Osterinseln großenteils und für die untergegangene Hochkultur der Maya (deren Volk zwar - auf einem niedrigeren Zivilisationsstand - weiter gelebt hat) referiert das einschlägige Wikipedia-Stichwort den Meinungsstand der Archäologen so:
"Der Zusammenbruch der Maya-Gesellschaft ist Gegenstand einer breiten und langanhaltenden Forschungsdiskussion. Dabei lassen sich zwei Hauptansätze unterscheiden: Ökologische und Nicht-Ökologische Erklärungsmodelle."
Horx' Behauptung, dass "sich ganze Kulturen in den Abgrund gestürzt" hätten, "Wie etwa die Maya, deren mächtige Priesterkaste immer blutigere Opferrituale zelebrierte, um die gnadenlosen Wetter- und Naturgötter zu besänftigen" ist hinsichtlich des von ihm hergestellten Kausalnexus' von religiösen Praktiken und Kulturverfall um so weniger glaubwürdig, als er selbst eben diese Praktiken auf agrarwirtschaftliche Probleme klimatischer Art zurück führt.
IV. "Der Planet des Wandels" und "Der Mensch: ein Terraformer"
Sicher ist es richtig, dass das Klima und sogar die Zusammensetzung der Atmosphäre in der Vergangenheit starken Schwankungen unterlagen. Aber welchen Erkenntnisgewinn oder welche Handlungsanleitung oder sonstigen Nutzen soll ich daraus für die aktuelle Klimadebatte ziehen? Es kann doch an unserer Einschätzung einer eventuellen dramatischen kurzfristigen Klimaänderung als "Katastrophe" nichts ändern, wenn ich weiß, dass es früher eben solche und sogar weitaus größere Schwankungen gab (die die Menschen wohl schon damals als "Katastrophen" empfunden haben - Sintflut!)
Dass sich die Natur auch ohne mein Zutun ändert, und z. B. Karsthöhlen gelegentlich zusammenkrachen, heißt doch noch lange nicht, dass ich meine Umwelt nun auch meinerseits kräftig aushöhlen sollte, bis es (vom "natürlichen" Standpunkt aus betrachtet: "vorzeitig") kracht! Natürlich gibt es kein "Normalklima", aber deswegen muss ich doch nicht die Atmosphäre so lange aufheizen, bis aus dem nicht-normalen ein katastrophales Klima geworden ist?
Der ganze Absatz ist also logisch wertlos, eine reines Psycho-Palliativ.
Das gleiche gilt auch für Horx' lange Ausführungen über den Menschen als Terraformer. (Beide Passagen zusammen machen mehr als ein weiteres Drittel seines Essays aus.) Zum einen hat sich der Mensch als Terraformer z. B. auf den Osterinseln, vermutlich aber auch im arabischen Raum und im Mittelmeergebiet nicht unbedingt mit einem dauerhaft positiven Erfolg betätigt. Zum anderen mag, wer an die Gaia-Hypothese glauben will, daraus Optimismus ableiten. Aber dieser Glaube ist, auch wenn man ihn "Hypothese" nennt, auch nur ein Glaube. Und deutlich weniger gut begründbar als die aktuell in der Klimawissenschaft herrschenden Meinungen über eine globale, durch Klimagase verursachte Erwärmung. (Im übrigen hat James Lovelock, (Mit-)"Erfinder" der "Gaia-Hypothese", mittlerweile ein Buch verfasst mit dem Titel "The Revenge of Gaia: Why the Earth is Fighting Back".)
[Beiläufig: Die Venezianer, diese Angsthasen, haben doch tatsächlich schon im Hohen Mittelalter mit riesigen Kosten ganze Flüsse umgeleitet, weil sie sich vor dem bischen Sand fürchteten, den die in die Lagune brachten!]
Wenn man die Frage aufwirft, warum die Blaualgen eine "Oxygen Catastrophe", (auch "oxygen holocaust" genannt - auf Deutsch "Sauerstoffkatastrophe"), herbeiführen "durften" (eine allerdings nicht unumstrittene Behauptung), begibt man sich auf die Ebene teleologischer Vorstellungen, die zwar nicht zwangsläufig explizit religiöser Art sein müssen, aber doch in den Bereich des Glaubens und, weil sie "Ziele" voraus setzen, in eine anthropomorphisierende Vorstellungswelt gehören. Zwar kann niemand auf einer ganz abstrakten Ebene mit wissenschaftlicher Sicherheit ausschließen, dass unsere derzeitige Plünderung des Planeten einem höheren Plan oder "Plan" oder Muster oder "pattern" oder "design" folgt (weil wir z. B. die Nicht-Existenz eines Gottes nicht wissenschaftlich beweisen, sondern lediglich die Annahme einer solchen Existenz in unseren Handlungen und Überlegungen außen vor lassen können). Wenn man aber daraus die Folgerung ableitet, wir könnten nun die Hände in den Schoß legen und einfach weiter machen wie bisher, wird das böse Erwachen noch ein wenig schneller eintreten als es (nach meinem "Glauben") ohnehin (vielleicht etwas später) kommen muss. (Wobei ich selbst mir weniger Sorgen um das Klima mache, als um die Ressourcenverknappung.)
Zusammenfassend lässt sich also für diesen Abschnitt festhalten, dass Horx auch hier für seine emotionale Botschaft „alles nicht so schlimm“ keine rationale Begründung gibt. Statt dessen zitiert er in seinem nächsten Kapitel „Der unruhige Planet“
V. Volkes Stimme.
Ein Leserbrief-Schreiber hatte verschiedene (vermutlich verbürgte) historische Wetter-Ereignisse aufgezählt, die wir als anormal empfinden (und vielleicht als Beweise für eine Klimaänderung werten würden). Früher, meint der Schreiber, habe trotz dieser Ereignisse niemand von einer Klimaänderung gesprochen. [Kein Wunder: damals gab es weder den Begriff „Klimawandel“ noch die Vorstellung eines sich ändernden Klimas für eine geographische Zone; für unsere Ahnen war alles „Wetter“, und schon gar nicht von Menschen zu beeinflussen.]
Diese „einsame Stimme eines ‚Klimaleugners’ “ lobt Horx als kleinen „Widerstand gegen einen übermächtigen Wahrnehmungs-Kontext“. Sinnvoller Weise kann die Meinung des Leserbriefschreibers nur so verstanden werden, dass er den für unsere Zeit behaupteten Klimawandel überhaupt leugnet, also ein Klimaskeptiker im umfassendsten Sinn (o. a. Klasse 1) ist.
Genau das ist Horx aber nicht (er spricht später von einem „Erwärmungsprozess, welcher sich in den letzten Jahren abzeichnet“ und sogar von "Klimaveränderung"). Der Leserbrief ist also (abgesehen davon, dass er ohnehin nichts beweist außer der größeren Unwissenheit früherer Epochen) als Glied in der „Beweisführung“ von Horx unbrauchbar.
Dieser schließt denn auch nicht mit der Behauptung an, dass der schreibende Leser Recht hat und dass die Klimaänderung tatsächlich nur eingebildet ist, sondern führt lediglich aus, dass sich wegen der Vielfalt der klimawirksamen Einflüsse „das Klima nicht wirklich voraussagen lässt“ (was ebenfalls in einem gewissen Widerspruch zu seiner Annahme steht, dass sich in den letzten Jahrzehnten ein Erwärmungsprozess abzeichnet).
Thematisch etwas zusammenhanglos hängt er dann noch einen ‚philosophischen’ Satz dran über Lebensprodukte, die wiederum Rohstoff für anderes Leben sind, und leitet daraus die Überschrift für sein Abschlusskapitel her: „Evolution ist kreative Abfallwirtschaft“. Der Text geht jedoch auf die „Abfallwirtschaft“ gar nicht mehr ein, offenbart dafür nun aber in zwei kurzen Schlussabsätzen endlich
VI. Seine wirkliche Meinung über den Klimawandel
Zunächst räumt er zur Verblüffung des Lesers ein, dass sich in den letzten Jahrzehnten ein globaler Erwärmungsprozess abzeichnet. Ein Skeptiker der 1. Klasse ist er also nicht, weil er selbst an einen Klimawandel glaubt.
Dass er diesen „eine Erwärmungsphase von vielen" nennt, ändert nichts an der Faktizität des Sachverhalts. Der ist jedoch nicht nur durch die Tatsache einer Klimaerwärmung gekennzeichnet, sondern vor allem auch dadurch, dass heute sehr viel mehr Menschen und sensible menschliche Einrichtungen betroffen sind bzw. wären, als zu jeder früheren Erwärmungs- (oder auch Abkühlungs-)Zeit.
Bleibt zu untersuchen, ob Horx a) die anthropogene Ursache des Klimaänderung bestreitet, und ob er b) die Möglichkeit leugnet, dass der Klimawandel für die Menschheit katastrophale Auswirkungen haben könnte, wenn wir nicht rechtzeitig gegensteuern.
"Die Klimaveränderung setzt unsere Technologien einem starken Evolutionsdruck aus" weiß er. "Exzesse des Energieverbrauchs und der Substanzfreisetzungen ... werden beendet, technologische Transformationsprozesse beschleunigt".
Wenn wir unterstellen, dass Horx auch an dieser Stelle strukturiert denkt und redet (und nicht bloß so daherplappert), können wir die Erwähnung von "Substanzfreisetzungen" im Zusammenhang mit dem Klimawandel nur so deuten, dass auch er diesen Klimawandel (zumindest teilweise) durch Klimagase usw. verursacht sieht. [Tut er in der Tat: vgl. unten das Handelsblatt-Interview, das mir erst nach dieser induktiven Meinungsermittlung vor die Mouse lief.] Ein Klima-Wandel-Ursachen-Leugner der o. a. Klasse 2 ist er also auch nicht.
Offenbar hofft er jedoch, dass die Substanzfreisetzungen dank des Evolutionsdrucks noch rechtzeitig so weit vermindert werden (oder wenigstens deren weitere Vermehrung gestoppt oder gedrosselt wird), dass katastrophale Auswirkungen ["die" Katastrophe wird es ohnehin nicht geben] ausbleiben.
Das freilich ist genau die Position vieler oder der meisten Klimawarner: Dass wir das Schlimmste vermutlich noch abwenden können, wenn wir die CO2-Emissionen usw. jetzt reduzieren. Horx glaubt also nur, was die (vermutlich) meisten anderen Menschen auch glauben: dass wir die Klimakatastrophe abwenden können, wenn wir daran glauben, dass sie eintritt, wenn wir sie nicht abwenden. Und entsprechend handeln. So auf ihren rationalen Kern reduziert, ist seine Verkündigung, dass er nicht an die Klimakatastrophe glaube, gänzlich unspektakulär, weil die wenigsten Menschen daran glauben, dass sie kommen muss.
Und wenn er davon spricht, dass sich die Substanzfreisetzungen durch den Evolutionsdruck vermindern werden, dann kann das (weil er ja offenbar von einer rechtzeitigen Minderung ausgeht, also von einer Verhaltensänderung, bevor uns die Klima-Keule trifft) nur heißen, dass er erwartet, dass die Klima-Katastrophe wegen unserer Angst vor der Klimakatastrophe ausbleibt.
Denn die enormen Kosten für technologische Umstellungen würden wir nicht ausgeben, wenn wir nicht absolut davon überzeugt wären, dass ein Unterlassen dieser Investitionen uns später weitaus mehr kosten würde. Es geht also um eine Risikoeinschätzung, die emotional durchaus auch angstbesetzt sein kann, und, in einer Demokratie, vielleicht sogar sein muss, um eine entscheidende technologisch-ökonomische Wende herbei zu führen.
Werden wir auf diese Weise das Klima (relativ) stabilisieren? Oder ist das Geld zum Fenster rausgeschmissen - weil es entweder schon zu spät ist, oder weil andere Faktoren die anthropogenen Klimaeinflüsse verstärken oder konterkarieren?
Mit Sicherheit weiß das nur der liebe Gott.
Wir aber stehen vor der Frage: "Was tun"? (Oder nichts tun?)
Ob Horx „an die Klimakatastrophe glaubt“ kann uns, für sich genommen, herzlich egal sein. Wir stehen vor der Entscheidung, ob und ggf. welche Handlungsanleitungen wir aus den ermittelten Wetterdaten herleiten sollen. Glaubensbekenntnisse, auch wenn sie sich als Unglaubens-Bekenntnisse tarnen, helfen nicht weiter, mögen sie auch rhetorisch durchaus glanzvoll sein. (Oder sollten wir es gar mit PR-Lyrik zu tun haben? In der Tradition von Ron Arnolds stilistisch glanzvollem Essay "Overcoming Ideology"?)
Um Handlungsanleitungen aber drückt sich der Zukunftsdeuter Horx herum.
Das Orakel von Kelkheim möchte dem etwas bekannteren Orakel von Delphi nicht nachstehen und auf jeden Fall Recht behalten. Weise wie einst die Prophezeiung des delphischen Orakels für den Lyderkönig Krösus („König Krösus: „Wenn du gegen die Perser in den Krieg ziehst, wirst du ein großes Reich vernichten“) ist sein Satz „Wir wissen KEINESWEGS, welche Dimensionen er [der Klimawandel] haben wird, wann er sich umkehrt“ [Hervorhebung im Original].
Recht hat er: es könnte nämlich alles noch sehr viel schlimmer kommen, als selbst die extremsten Szenarien erwarten. Aber denken sollen wir natürlich: „Wird schon nicht so schlimm kommen, wie die Pessimisten glauben“ [Das erinnert mich irgendwie an eine Passage in der Rede von Michael Crichton, wo dieser sagt, dass wir (wegen unserer unzulänglichen Kenntnisse über die Zusammenhänge in der Natur) „.. need to be humble, deeply humble, in the face of what we are trying to accomplish“. Diese Demut führt bei Crichton im Ergebnis allerdings tendenziell zu der Folgerung, dass wir erst mal die Umwelt so lange weiter versauen können, bis die Natur uns handfeste Beweise für die Schädlichkeit unseres Handelns liefert. (Was ihn aber nicht hindert, an anderer Stelle, wo es im rhetorisch ins Konzept passt, zu konstatieren, dass die "natural world ... not so malleable" sei, sondern eine "harsh, powerful, and unforgiving world". Weshalb man vielleicht doch etwas vorsichtiger damit umgehen sollte?)]
Horx erweckt auf der emotionalen Ebene den Anschein, nicht daran zu glauben, dass wir etwas gegen den anthropogenen Klimawandel unternehmen sollen. Und erklärt uns gleichzeitig auf der rationalen Ebene, dass es keine Katastrophe geben wird, weil wir Menschen sicherlich etwas tun werden.
Letztlich können wir seine rationale Aussage im Ergebnis auf der Ebene der Geschehensabläufe (unabhängig von dem, was er selbst meint) ohne Sinnverfälschung in den Satz transformieren:
"Ich glaube nicht an die Klimakatastrophe, weil ich glaube, dass der Glaube (der Vielen) an die Klimakatastrophe einen Evolutionsdruck darstellt, der zur Vermeidung der Klimakatastrophe führen wird." So gesehen "glaubt" auch Horx an die Katastrophe - wenn wir so weiter machen würden wie bisher.
Nur verschüttet er diese Aussage unter seitenlangen entgegengesetzten emotionalen Botschaften.
Dumm? Ist Horx sicher nicht.
Verantwortungslos? Allerdings!
(Falls er sich missverstanden, oder gar böswillig falsch ausgelegt sehen sollte: dagegen gibt es ein Mittel. Nämlich klare Positionierung statt ambivalentes Geraune!
Der Blogger Peter Aschoff fackelt Horx’ argumentativen Heuhaufen (der in den Augen des „Blog-Kommentar“ „hervorragend recherchiert und beispielhaft erklärt“) in seinem Blog „peregrinatio“ u. d. T. "Reichlich verhorxt" mit weitaus weniger Aufwand an Wortenergie ab als ich.
Sein Kommentator „Arnachie“ aber ironisiert den Horx-Haufen in geradezu genialer Kürze. Er zitiert einen Filmdialog, der im Jahre 3000 spielt:
A: „Gut, dass eine Klimaerwärmung nie stattfand.“
B: „Doch sie fand statt, aber sie wurde ausgeglichen vom nuklearen Winter“.
Zum Thema Klimawandel hat Horx leider nur eine mentale Flatulenz entsorgt, auch wenn die geistigen Glasperlen-Dealer im Blog "Politically Incorrect" sie als Schatzfund bejubeln ("Matthias Horx zur deutschen Angst vor der Klimakatastrophe").
Von den zahlreichen Leserkommentaren, welche der Essay von Horx in der Welt generiert hat, möchte ich besonders auf den langen und fundierten von "exi" vom 13-03-2007, 18:12 Uhr, aufmerksam machen. (Stand 04.04.07 abends)
Zum Klimawandel äußert sich Horx aktuell in dem Handelsblatt-Interview „Die Welt wird nicht schlechter“ vom 26.03.07 wie folgt:
Frage: "Der größte Alarmismus dieser Tage heißt Klimakatastrophe. Wie sehen Sie dieses Problem?"
Horx: "Die Klimakatastrophe wird eben keine Katastrophe, sondern ein Wandlungsprozess, wie es ihn auf unserem Planeten schon oft gegeben hat. Der Klimawandel prägt unseren Planeten schon immer, dadurch entstehen Anpassungsprozesse, neue Technologien werden erfunden, Zivilisationssprünge finden statt. Am Klimawandel haben immer Spezies einen Anteil gehabt. Ob das die Dinosaurier waren oder Blaualgen, die durch die Produktion von Sauerstoff für das größte Artensterben aller Zeiten gesorgt haben. Alle Organismen verändern den Planeten. Wenn Sie das verhindern wollen, müsste sich der Mensch selbst abschaffen.."
Frage: "Sie sagen, es gab den Klimawandel schon immer und wir befinden uns momentan lediglich in einer Warmzeit. Ist der Temperaturanstieg also nicht vom Menschen gemacht?"
Horx: "Ein bestimmter Anteil vermutlich schon, nach meinem Gefühl sind das ungefähr 30 – 40 Prozent. Globale Erwärmung ist immer ein komplexer Prozess, ich glaube nicht, dass das nur EINE Ursache hat. Natürlich kann ich das genauso wenig nachweisen, wie die Klimaforscher. Ich sage nur: Ich weiß es nicht, und ich glaube, wir müssen vorsichtig sein. Heute nehmen die Klimaforscher eine Rolle ein, die nicht mal ich als Zukunftsforscher einnehmen würde. Sie versuchen nämlich, das Klima über lange Zeit vorherzusagen. Ich glaube, dass dies nicht möglich ist, wir können ja noch nicht einmal das Wetter für die nächste Woche richtig prognostizieren! Die Klimaentwicklung ist das, was wir in der Systemtheorie einen 'metakomplexen' Prozess nennen." [Hervorhebung von mir. (In welcher Weise sollen wir "vorsichtig sein": Emissionen stoppen oder Kyoto-Protokoll wieder aufkündigen, weil's zu teuer wird und nichts bringt?)]
Horx weiter: "Die Klimaforschung ist heute eine Expertokratie, die in ihrem eigenen Interesse extreme Prognosen aufstellen muss. Wenn man sich professionell mit Prognostik beschäftigt, dann weiß man, wie die Interessen die Aussagen steuern können. Mein Interesse ist erst einmal nicht, irgendeine Art von anderer Wahrheit zu predigen, sondern mein Interesse ist, die Gewissheit, mit der wir jetzt wieder ein Theorem daraus machen, zu erschüttern." [Hervorhebung von mir. Wenn er die Gewissheit erschüttert, nimmt er den Evolutionsdruck in der jetzigen (ich nenne sie mal:) "Signalphase" weg. Dann kommt der Druck erst in der (ich sage mal:) "Knüppelphase". In dieser wird, was aus der Sicht eines Beobachters als "Evolutionsdruck" durchaus adäquat beschrieben ist, in der ebenso adäquaten Beschreibung durch die Betroffenen als "Katastrophe" bezeichnet.]
Frage: Sie kritisieren den Alarmismus in der Klimadiskussion. Aber hat er nicht auch eine positive Funktion und erzeugt bei den Menschen erst das Gefühl, dass man etwas tun müsse?
Horx: "Das wäre schön. Aber wir haben leider kein vernünftiges Verhältnis zwischen Warnung und Veränderung mehr. Darum geht es mir: Jeder Organismus, jede Gesellschaft und jedes System braucht einen rationalen Umgang mit drohenden Gefahren und Veränderungspotentialen. Wenn in einem Dorf ständig der Feueralarm schrillt, dann kann es irgendwann brennen und es passiert nichts mehr."
[Einen rationalen Umgang brauchen wir? Also gibt es (Klima-)Gefahren? Und wir sollten etwas dagegen tun? Auf gar keinen Fall Alarmglocken schrillen lassen, sondern ganz rational - über die Gestaltung von Wandel reden? Über Sauerstoffbakterien vor 2 Mrd. Jahren? Über den Menschen, das adaptive Wesen? Oder darüber, dass die Klimawarner glauben, dass wir den (auch nach Horx' Meinung mindestens teilweise selbst gemachten) Wandel (teilweise) abwenden können?
Jedenfalls sind, falls Horx seinen Essay in "Die Welt" für einen rationalen Beitrag zur Klimadebatte hält, Grimms Märchen die reinsten Sachbücher.]
Zu einem anderen Thema ist seine Meinung allerdings präziser - und überzeugender:
Auszug aus dem o. a. Handelsblatt-Interview :
Interviewer:
"Gerade die Alterung der Industrienationen lässt sich aber recht genau vorhersagen und stellt die Systeme vor viele Probleme. Verharmlosen sie diese Entwicklung?"
Horx:
"Ich finde es wunderbar, dass wir weniger werden, denn das war immer ein Zeichen von Fortschritt. Ich glaube, dass Deutschland übervölkert ist. Es gibt zu viele Deutsche. Ich bin Ökologe, ich bin dafür, dass wir weniger Autobahnen bauen, dass es mehr Natur gibt. Unsere sozialen und politischen Systeme müssen wir natürlich den veränderten Biographien und sozialen Strukturen anpassen." [Hervorhebungen von mir. Da kann ich ihm doch glatt zustimmen!]
Die österreichische Zeitung "Die Presse" bringt ebenfalls ein Interview mit Horx u. d. T. "Apokalyptisches Spießertum". Hier steht das Klima nicht ganz so im Vordergrund, sondern mehr der seiner Meinung nach gefährliche Pessimismus (die Angst) der Menschen (speziell in Deutschland und Österreich). Gewissermaßen dem Grundsatz "audiatur et altera pars" folgend, sollte man durchaus auch dieses Interview lesen.
Nachtrag 06.04.07
Ohne einen gewaltigen (überschießenden) Input an Energie lässt sich die gesellschaftliche Haftreibung nicht überwinden.
Hätten die Bewohner Roms im Jahre 1527 mehr Angst vor den kaiserlichen Truppen gehabt, würden sie rechtzeitig mehr Mittel für die Verteidigung der Stadt lockergemacht haben. Für relativ wenig Geld hätten sie sich dann viel Leid, Not und Tod und die riesigen Lösegeldzahlungen erspart, welche ihnen die Kriegsknechte aus Spanien und Deutschland beim der Plünderung Roms, dem "Sacco di Roma", abpressten. (Vgl. dazu auch den Aufsatz "Kondratieff, Rothbard und der Sacco di Roma" auf meiner Webseite "Drusenreich drei".)
Hätten die Niederländer rechtzeitig auf die Mahnungen von Experten gehört, wäre ihnen die Sturmflut von 1953 erspart geblieben (und wir wären um das Sprichwort "Holland in Not" ärmer).
Hätte die US-Regierung die Deiche in New Orleans rechtzeitig auf Expertenrat hin verstärkt, hätte der Hurrikan Katrina nicht die Stadt verwüstet.
Aber Amerika ist mit einem mutigen Präsidenten gesegnet, der, bevor er den Irak aufmischt, zweifellos rationale Cost-Benefit-Analysen erstellt und der sich erst recht nicht vor so'nem bisschen Wind nicht fürchtet. Außerdem wohnt er ja auch nicht in New Orleans.
Und auch in den anderen o. a. Beispielen haben sich die klugen Abwarter, die Rationalen, die Furchtlosen, die Mutigen, die Maul-Helden, die Geldbeutel-Besitzer und die Geldsack-Besitzer-Beschützer durchgesetzt. Bevor sich die Natur (oder der Feind) durchsetzten.
(Sicherlich gibt es auch umgekehrte Beispiele einer übergroßen Vorsicht, aber ich höre von Horx nicht, dass er z. B. die aufwändigen Sicherheitsmaßnahmen - in den USA und anderswo - gegen mögliche terroristische Attacken kritisiert. Auch die sind schließlich 'angstgetrieben').
Weiterführend zum Thema 'Klimawandel pro und kontra' ist zeitnah z. B. der FAZ-Artikel vom 23.03.07 "Globale Erwärmung. Ist der Klimawandel nichts als Schwindel?" von Christian Schwägerl.
Nachtrag vom 20.05.07:
Der Blog-Beitrag "Die Mär von der Klimalüge" vom 08.05.07 in "Wision.ch" gibt uns endlich die ultimativen Aufschlüsse über den Klima-Kollaps.
Nachtrag vom 21.05.07:
In der Nr. 51/2002 rezensierte Reiner Klingholz in "Die Zeit" u. d. T. "Alles fließt – sogar zum Guten. Der Naturschützer Josef Reichholf kämpft gegen den Pessimismus seiner Zunft" das Buch eines anderen Umwelt"Skeptikers".
Mutatis mutandis kann man die Kritik von Klingholz an der Position Reichholfs großenteils auch auf Horx (und seinesgleichen) anwenden:
"Die Gesellschaft sei untergangsgläubig und auf dem besten Weg in die Ökodiktatur. Und schuld daran seien die 'falschen Propheten'. ... Spätestens hier schießt Reichholf, bei aller angebrachten Kritik an der Umwelthysterie, weit über sein Ziel hinaus. Zum Beispiel beim Thema Waldsterben. ... Viele Warnungen, viel Forschung, viel Geschrei um nichts, meint Reichholf. Er verschweigt dabei, dass die Angst vor dem Waldsterben in den achtziger und neunziger Jahren massive Anstrengungen zur Reinhaltung der Luft nach sich gezogen hat. Gebäudeschäden in Milliardenhöhe wurden so vermieden, Seen, Flüsse und Agrarflächen weniger versauert und menschliche Lungen weniger geschädigt. Vermutlich hat sogar der Wald von den Umweltgesetzen profitiert. ... Genauso gut könnte Reichholf also die Waldsterben-Warner loben, denn sie erst haben (und sei es zum Teil mit falschen Argumenten) den Wandel erzwungen. Es ist nun einmal das Los aller Kassandra-Rufer, dass das Unglück, vor dem sie warnen, im besten Fall nicht eintritt. Deswegen rufen sie ja.
Was Reichholf predigt, ist eine Art biologischer Fatalismus: Die Natur macht eh, was sie will, und irgendwie wird sie es richten. Seltsamerweise unterschätzt er dabei die Dynamik exponentieller Wachstumsprozesse. Von Prozessen also, die nicht linear, sondern beschleunigt verlaufen. Das Heimtückische an dieser Art von Wachstum ist, dass man es in der Anfangsphase unterschätzt, am Ende aber nicht mehr kontrollieren kann. Einige der größten Probleme der Menschheit, der Bevölkerungszuwachs, die Aids-Epidemie, aber auch die Klimaveränderung beruhen auf exponentiellem Wachstum.
Auf diese Phänome kann der Mensch erfahrungsgemäß erst reagieren, wenn es zu spät ist. Aber er kann ihren Verlauf modellieren und so im Voraus handeln. Auf Szenarien zu verzichten wäre also fatal."
Textstand vom 31.12.2007. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge.
Sonntag, 18. März 2007
Das Ende des Wei(s)sen Mannes. Polit-Plädoyer ohne Leidenschaft.
Der erste Satz der Einleitung (S. 11) immerhin ist unerwartet:
"Wenn die Kinder, die heute geboren werde, in der Hälfte ihres Lebens angelangt sind, wird es die meisten Rohstoffe, die heute die Basis unseres Wirtschaftslebens sind, nicht mehr geben, so zum Beispiel Öl, Gas, Kupfer und Uran" schreibt Prof. Dr. Manfred Pohl in seinem Anfang 2007 erschienenen Buch "Das Ende des Weißen Mannes. Eine Handlungsaufforderung." Pohl ist Jahrgang 1944, also Angehöriger der "erschöpften Generation" (ein von dem -ebenfalls 1944 geboren- Bielefelder Bernhard Schlink geprägter Ausdruck, wie ich in dieser Rezension seiner Essay-Sammlung "Vergewisserungen" lese). Und damit ist er (bzw. sind beide) beinahe mein Jahrgang.
Aber die Erwartung einer in nicht ferner Zukunft bevorstehenden Ressourcenverknappung, oder - wie hier - sogar Ressourcenerschöpfung, die auch mich schon länger umtreibt (vgl. z.B. "The (b)rat in the box at the ultimate lever?", "Peking bohrt, Amerika bombt, Europa brütet", "KEINE JUNGFRAU ZÄHMT DIESES ZWEIHORN" oder "Hungerskandal in Wuppertal: Porsche-Fahrer frisst Rentner-Oma die Polenta vom Teller!"), kann man nicht auf mentale Erschöpfung zurückführen. Dass die (zunächst:) Erdöl-Vorräte ziemlich bald ausgehen, werden, ist nicht mehr zu übersehen. Auch wenn diese Befürchtungen nicht im Mittelpunkt von Pohls Arbeit stehen, war ich doch (positiv) überrascht zu sehen, mit welcher Selbstverständlichkeit sich diese Einsicht bereits im Mainstream des Denkens eingewurzelt hat - und das in diesem Falle sogar bei jemanden, dem man nicht gerade Wirtschaftsferne nachsagen kann.
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Samstag, 10. März 2007
Gelnhausen, Magic City
climbing up the hill,
with ancient houses pretty
and cobble-stone alleys still.
Mittwoch, 7. März 2007
Das Kurbad in Königstein (Taunus): Sprudelliegen mit Festungsblick
Auch in Königstein im Taunus gibt es ein Wetter. Am Samstag, den 03.03.2007, ist es kalt, sehr windig, der Himmel grau verhangen, manchmal nieselt es.
Montag, 5. März 2007
Kopf oder Zahl? Oder acephal?
I. Die Hunde bellen:
titelt das Handelsblatt am 05.03.2007 und meldet u. a.:
"Fliegen könnte teurer werden: Um das Klima zu schützen, sollen für Airlines neue Regeln gelten, fordern deutscher Umwelt- und Verkehrsminister. Von 'klimaschutzgebundenen Flughafengebühren' und einer 'Kerosin-Steuer' ist die Rede. Werden die Pläne umgesetzt, müssten bestimmte Fluggesellschaften ihre Preise erhöhen."
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Sonntag, 4. März 2007
Ich kam, sah und kaufte - den Durchblick durch ein kurioses Deutschland
Immerhin fällt das Buch "Übersehene Sehenswürdigkeiten. Deutsche Orte. Overlooked Sights. German Places. Roadbook" (Text in Deutsch und Englisch) von Michaela Vieser und Reto Wettach nicht weit vom Brillengestell. Es verschafft uns nämlich einen Durchblick durch das geheime Deutschland.
Prosaischer formuliert: es ist ein Reiseführer. Selbige tummeln sich mittlerweile derart zahlreich auf dem Markt, dass es beinahe schon wie ein Pejorativ wirken kann, wenn man ein Buch als "Reiseführer" bezeichnet.
Dieses jedoch ist anders, total anders.
Und deshalb habe ich es gekauft, trotz rappelvoller Bücherschränke mit (größtenteils ungelesenen) Büchern. Hier gibt es zahlreiche (farbige und vor allem originelle) Fotos: da geht es etwas schneller mit dem Lesen, und seit gestern habe ich, größtenteils auf der Bahnfahrt, schon etwa 1/3 gelesen oder vielmehr verschlungen, denn das Buch liest sich wie (oder gar besser als?) ein Krimi.
Freitag, 2. März 2007
Ladensterben in der Wächtersbacher Altstadt
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Das Lädchensterben geht weiter.
(Allerdings nicht nur in Wächtersbach. Sogar in Badenweiler, in der Luisenstraße (der Haupt-Einkaufstraße im Ort), sahen wir neulich bei unserem Kurzurlab Läden, die zu vermieten waren oder gerade aufgegeben wurden.)
Was könnte man dagegen unternehmen? Eine Antiquariatsstadt draus machen, nach dem Vorbild von Hay-on-Wye ( hier Link zur Stadtverwaltung)? Wünsdorf in den Neuen Bundesländern scheint das Beispiel erfolgreich kopiert zu haben. Aber in dieser ehemaligen Garnisonstadt der Russischen Armee sind Räume, die sich als Lager oder Läden nutzen lassen, vermutlich für'n Appel und 'nen Ei anzumieten.
Auch in anderen Ländern haben sich Bücherstädte anscheinend eher in etwas abgelegenen kleinen Orten etabliert: Bredevoort in den Niederlanden, Montereggio (ein Ortsteil der Gemeinde Mulazzo) in der Toskana in Italien, usw. (weitere Informationen gibt es auf der Webseite des Zusammenschlusses dieser Bücherstädte, dem "Booktown.net".
Textstand vom 03.03.2007. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge.










Das Lädchensterben geht weiter.
(Allerdings nicht nur in Wächtersbach. Sogar in Badenweiler, in der Luisenstraße (der Haupt-Einkaufstraße im Ort), sahen wir neulich bei unserem Kurzurlab Läden, die zu vermieten waren oder gerade aufgegeben wurden.)
Was könnte man dagegen unternehmen? Eine Antiquariatsstadt draus machen, nach dem Vorbild von Hay-on-Wye ( hier Link zur Stadtverwaltung)? Wünsdorf in den Neuen Bundesländern scheint das Beispiel erfolgreich kopiert zu haben. Aber in dieser ehemaligen Garnisonstadt der Russischen Armee sind Räume, die sich als Lager oder Läden nutzen lassen, vermutlich für'n Appel und 'nen Ei anzumieten.
Auch in anderen Ländern haben sich Bücherstädte anscheinend eher in etwas abgelegenen kleinen Orten etabliert: Bredevoort in den Niederlanden, Montereggio (ein Ortsteil der Gemeinde Mulazzo) in der Toskana in Italien, usw. (weitere Informationen gibt es auf der Webseite des Zusammenschlusses dieser Bücherstädte, dem "Booktown.net".
Textstand vom 03.03.2007. Auf meiner Webseite
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Samstag, 24. Februar 2007
Heute ist das Museumsufer in Frankfurt verhext
Hans Baldung Grien hat sie losgelassen. Die Hexen. In Frankfurt. Im Städel-Museum. Die lassen, als echte Wetterhexen, den Regen los. Auf breughelianische Flohmarkt-Figuren und auf uns. Wir sind schon jenen Dämonen entronnen, welche das Skulpturen-Museum Liebieghaus, ebenfalls am Museumsufer gelegen, derzeit noch auf die Frankfurter loslässt.
Sonntag, 18. Februar 2007
Die Cassiopeia-Therme in Badenweiler
Vor'm Fenster sind heute die Narren los, drinnen steigt ein Narr in die Badehos' - und erinnert sich an an einen Kurzurlaub in Badenweiler mit (leider nur:) 2 Besuchen im dortigen Schwimmbad "Cassiopeia-Therme".
Welchen Zusammenhang das Sternbild der Cassiopeia, (mehr Informationen darüber, aber nicht ganz einfach zu lesen, in der Wikipedia) oder deren mythologische Geschichte, mit Badenweiler oder diesem Thermalbad haben soll, oder was sonst zur Namensgebung geführt hat, weiß ich nicht. Aber der Bürgermeister, der das Bad in seinem Beitrag "Ein Erlebnis im Dreiländereck" zur Broschüre "Badenweiler. Römische Badruine mit neuem Schutzdach" als "besonderer Stern am Badehimmel" apostrophiert, hat tatsächlich nicht übertrieben.
Welchen Zusammenhang das Sternbild der Cassiopeia, (mehr Informationen darüber, aber nicht ganz einfach zu lesen, in der Wikipedia) oder deren mythologische Geschichte, mit Badenweiler oder diesem Thermalbad haben soll, oder was sonst zur Namensgebung geführt hat, weiß ich nicht. Aber der Bürgermeister, der das Bad in seinem Beitrag "Ein Erlebnis im Dreiländereck" zur Broschüre "Badenweiler. Römische Badruine mit neuem Schutzdach" als "besonderer Stern am Badehimmel" apostrophiert, hat tatsächlich nicht übertrieben.
Das Gutenberg-Denkmal (monument to Gutenberg) in Mainz zur Faschingszeit

Niemand kann sich dem Karneval in Mainz entziehen - nicht einmal Johannes (Johann) Gensfleisch, genannt Gutenberg.
They all enjoy carnival in Mainz: even the "Man of the millennium".
They all enjoy carnival in Mainz: even the "Man of the millennium".
Die Aufnahme entstand am Samstag, 17.02.07, beim traditionellen "Jugendmaskenzug" (hier Informationen u. a. über dessen Entstehungsgeschichte).
Textstand vom 21.11.2010. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
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Mittwoch, 14. Februar 2007
Badenweiler, Dante Alighieri und die Göttliche Komödie
[Neuer Versuch; beim ersten Mal ist das Programm abgestürzt. Haben die Schicksalsmächte etwas gegen meinen Badenweiler-Blog einzuwenden?]
Während wir den Unteren Kirchweg hinauf laufen (nachdem wir, mit dem Bus vom Bahnhof Müllheim kommend, schon unten im Klemmbachtal ausgestiegen sind), trifft sie mich schlagartig: die Urlaubsstimmung. Am Nieselregen dieses kühlen Februartages kann es nicht liegen (obwohl Regen zu den archaischen Urlaubserinnerungen meiner Kindheit, aus Berlebeck bei Detmold, gehört); eher schon an der guten Luft. Doch sind es wohl mehr die optischen Eindrücke, die mir "Urlaub" signalisieren. Obwohl die Häuser und Gärten, jedenfalls an dieser Stelle, nicht prächtig oder exotisch sind, habe ich das Gefühl, durch einen locker bebauten Landschaftspark zu spazieren oder, wie man vor 200 Jahren sehr viel treffender gesagt hätte: zu lustwandeln (obwohl sich das Gepäck auf meinem Rücken wie "omnia mea mecum portans" anfühlt).
Während wir den Unteren Kirchweg hinauf laufen (nachdem wir, mit dem Bus vom Bahnhof Müllheim kommend, schon unten im Klemmbachtal ausgestiegen sind), trifft sie mich schlagartig: die Urlaubsstimmung. Am Nieselregen dieses kühlen Februartages kann es nicht liegen (obwohl Regen zu den archaischen Urlaubserinnerungen meiner Kindheit, aus Berlebeck bei Detmold, gehört); eher schon an der guten Luft. Doch sind es wohl mehr die optischen Eindrücke, die mir "Urlaub" signalisieren. Obwohl die Häuser und Gärten, jedenfalls an dieser Stelle, nicht prächtig oder exotisch sind, habe ich das Gefühl, durch einen locker bebauten Landschaftspark zu spazieren oder, wie man vor 200 Jahren sehr viel treffender gesagt hätte: zu lustwandeln (obwohl sich das Gepäck auf meinem Rücken wie "omnia mea mecum portans" anfühlt).
Sonntag, 4. Februar 2007
Sensationelles Forschungsergebnis: Existenz von Bad Schönborn empirisch nachgewiesen!
Im Internet kursieren Behauptungen, dass die Stadt Bielefeld gar nicht existiere; vielmehr sei die Vorstellung ihrer Existenz das Resultat einer "Bielefeldverschwörung". [Vgl. näher auch in meinem Eintrag: "PISTOLE ODER DEGEN? ICH FORDERE SATISFAKTION!"]
Während begründete Zweifel daran erlaubt sind, dass man eine größere Zahl Deutscher von der Nicht-Existenz der Stadt Bielefeld überzeugen kann, dürfte das bei Bad Schönborn problemlos möglich sein.
Während begründete Zweifel daran erlaubt sind, dass man eine größere Zahl Deutscher von der Nicht-Existenz der Stadt Bielefeld überzeugen kann, dürfte das bei Bad Schönborn problemlos möglich sein.
Samstag, 3. Februar 2007
Thermenwelt: Thermen der Welt (well: meiner Welt, also Thermalbäder in Deutschland)
Meine Reihe "Thermen der Welt" wird zunehmend reichhaltiger, und damit sogar für mich selbst unübersichtlich.
Samstag, 27. Januar 2007
MORAL'S OWN COUNTRY oder LASSET UNS EINANDER BRÜDERLICHE HÜTER SEIN!
In Deutschland und Europa (in den islamischen Ländern ohnehin) weit verbreitet ist das Gefühl, dass sich die USA in ihrer Nahost-Politik verhalten wie eine nachgeordnete Dienststelle der israelischen Regierung. Wenn es aber doch mal Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden gibt, erinnert mich deren Behandlung an eine Karikatur, die in einer deutschen Zeitung (Handelsblatt? Oder FAZ?) vor dem Kosovo-Krieg gezeigt wurde.
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Außenpolitik(D),
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Kulturenkonflikte,
Palaestina-Konflikt,
Politik (Naher Osten),
USA(Außenpol.)
Freitag, 26. Januar 2007
Der zögernde Imperialist und die unsichtbare Hand
Unter dem Titel
"THE RELUCTANT IMPERIALIST. Terrorism, Failed States, and the Case for American Empire" schrieb Sebastian Mallaby unter anderem:
"There is another reason why state failures may multiply. Violence and social disorder are linked to rapid population growth, and this demographic pressure shows no sign of abating." (und: "Failed states also challenge orderly ones by boosting immigration pressures".)
Bei der Lektüre dieser klugen Sätze frage ich mich wieder einmal, aus welchem (historischen, d. h. nicht notwendig bewussten) Grund einflussreiche Gruppen in jenem vermeintlich zögerlichen Imperium sich heftig dagegen sträuben, gegen den "demographic pressure" etwas zu unternehmen? Mag ja sein, dass sie subjektiv damit keineswegs imperiale Tendenzen fördern wollen. Aber, um zu wiederholen, was ich in meinem Eintrag "EINE NATUR GIBT ES NICHT. EINE UMWELT(PROBLEMATIK) AUCH NICHT" schrieb:
"... willkommen ist die Botschaft einer unbegrenzten Ressourcenverfügbarkeit zweifellos auch für alle jene christlichen Fundamentalisten, welche – speziell in den USA – vehement etwa gegen Kampagnen der Vereinten Nationen für Geburtenbeschränkung kämpfen und mit dieser Begründung für die Sperrung von US-Beiträgen zu den UN eintreten bzw. diese durchsetzen oder in der Vergangenheit durchgesetzt haben. In diesem Zusammenhang ist es vielleicht erhellend, die objektive (d. h. den Akteuren nicht unbedingt oder in jedem Falle bewusste) Interessenidentität zwischen religiösem Fundamentalismus und einem aus Kapitalinteressen generierten Kampf gegen die Geburtenkontrolle aufzuzeigen: Ein Mangel an Humankapital mindert den Wert des Realkapitals, und umgekehrt steigert ein 'Überschuss' an Humankapital den Wert des Realkapitals (wie z. B. an den Wohnungsmieten und dem davon abhängigen Wert von Wohnimmobilien unmittelbar deutlich wird: viel Nachwuchs bedeutet viel Nachfrage).
'Das Kapital' [auch so ein problematischer Begriff, den ich hier aber mal unhinterfragt stehen lasse, weil im Kontext jeder Leser weiß oder wissen sollte, was gemeint ist] hat also ein natürliches Interesse daran, dass möglichst viele Menschen unsere Erde bevölkern. Insofern könnte man durchaus sagen, dass 'der Kapitalismus' unsere Umwelt nicht nur durch den seinem technologischen Produktionsprozess (den ich freilich als – wenngleich nur proletarischer – Mit-Nutznießer nicht glaubhaft kritisieren kann und nicht fundamentalistisch kritisieren will) zerstört, sondern diese Zerstörung noch dadurch systemnotwendig beschleunigt, dass er seiner 'Natur', seinem Wesen nach an einer Vermehrung der Zahl von Menschen interessiert sein muss. (Und darin wird er eben von gewissen christlichen Fundamentalisten in analoger Weise gefördert, wie weiland die britische Textilindustrie durch die moralischen Maximen britischer Missionare – ein interessanter historischer Parallelismus, nicht wahr?)"
Wie aus dem Eingangszitat zu entnehmen, kann man sich also auch noch einen ganz anderen Interessenzusammenhang vorstellen (wobei sich die beiden Aspekte gegenseitig nicht ausschließen): der Verhinderung eines wirtschaftlichen Erstarkens der unterentwickelten Länder. Mit China hat das allerdings u. a. wegen dessen Ein-Kind-Politik nicht geklappt. Und Indien hat sich, trotz stark steigender Bevölkerungszahlen, in den letzten Jahren eine wirtschaftliche Dynamik entfesselt, in der manche ein noch größeres Entfaltungspotential als in dem uns derzeit so beeindruckenden Wirtschaftswachstum Chinas. [Ich glaube allerdings nicht daran. Zwar mag es sein, dass die indische Gesellschaft Vorteile gegenüber China hat - Demokratie, größere Rechtssicherheit -, die geeignet wären, die Volkswirtschaft weiter zu bringen als jetzt der beeindruckende Impetus der chinesischen Ökonomie. Doch fürchte ich, dass jegliches Wachstum bald durch eine Verknappung der nicht-erneuerbaren mineralischen Ressourcen gestoppt wird. Die knospenden Wirtschafts-Blumen werden mangels Dünger verkümmern und die schon entfalteten Blumen -wir - werden eingehen.]
Aber zurück zum Thema Kinder (Kampf gegen Geburtenkontrolle) und Kapitalismus:
Auch wenn an der Oberfläche kein Zusammenhang (gedacht etwa als eine Verschwörung zwischen Christen und Kapitalisten) besteht: an eine gänzliche historische Zusammenhanglosigkeit glaube ich nicht. Was immer die Transmissionsriemen zwischen Glauben und Interessen sein mögen (oder ob man sich diese Sphärenharmonie nach Art einer prästabilierten Harmonie Leibnitzscher Monaden denken will): unsichtbare Hände ziehen das zögernde Imperium auf die via triumphalis (oder via dolores?) zum Empire. Und die Fraktion von "Ihr Kinderlein kommet" ist sicherlich eine dieser Zug- oder Schubhände.
Textstand 16.06.2023
Donnerstag, 25. Januar 2007
Wer schreibt, der bleibt
"Brinkmanns Zorn"
Zum ==> Film
über Rolf Dieter Brinkmann
zu dessen Werk man weitere Verweise in der Wikipedia findet,
und darüber dann hier noch zahlreiche weitere Urlwege.
Textstand vom 25.01.2007. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
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Zum ==> Film
über Rolf Dieter Brinkmann
zu dessen Werk man weitere Verweise in der Wikipedia findet,
und darüber dann hier noch zahlreiche weitere Urlwege.
Textstand vom 25.01.2007. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
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Samstag, 20. Januar 2007
Washington – Segesta – Athen – Tel Aviv: William Kristol und der peloponnesische Krieg.
William Kristols Aufsatz "It's Our War. Bush should go to Jerusalem - and the U.S. should confront Iran" in der Online-Version der Zeitschrift "the weekly Standard" vom 07/24/2006, Volume 011, Issue 42, erreichte ich im Dreisprung.
Am Anfang war die Rückverfolgung einer Suchanfrage zu "The Israel Lobby and US Foreign Policy", dem Titel einer Studie der beiden US-amerikanischen Politologie-Professoren John J. Mearsheimer und Stephen M. Walt, über die auch ich bereits einen angefangenen Essay (eigentlich als "work in progress" gedacht, aber monatelang nicht fortgeführt) ("IN THE MACCHIA OF SPECIAL INTERESTS – A WELL OF CLEAR-CUT ANALYSIS?" auf meiner Webseite "Drusenreich Fünf" eingestellt habe.
[Nachtrag 31.1.07: In dt. Übersetzung von und auf der Webseite eines gewissen Lutz Forster entdeckt,: Teil 1 (Text) und Teil 2 (Fußnoten).]
Von dieser Suchanfrage leitete mich Rudolf Maresch aus seinem (für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich langen) Telepolis-Artikel vom 19.08.2006 "Israel-Lobby in den USA. Der amerikanisch-israelische Komplex – Teil 2" [hier Teil 1], in dem er - ebenso wie ich - das deutsche Libanon-Engagement kritisiert, zu William Kristol weiter.
Sonntag, 14. Januar 2007
Auf Zeit-Seite Eins rettet Iris Radisch die Erde. Doch leider so, dass ich bald kotzen werde.
Normaler Weise funktioniert das Spiel so, dass einem die Zeitschrift wieder weggezogen wird - bis man seine Anschrift für das Probeabonnement preisgegeben hat. Aber irgendwie hatte ich instinktiv begriffen, dass die junge Dame jetzt nur noch die übrig gebliebenen Exemplare verschenken wollte. In Erwartung möglicher Blog-Katalysatoren griff ich zu.
Tarnen, täuschen, siegeln
Boah, staun, lüll: 100% reines Acryl!
Was das Wollsiegel (s. dazu auch hier) kann, können wir in Korea fast genau so gut, gelle?
Freilich könnte ich mir vorstellen, dass die Wollsiegel-Organisation über diese Einkaufs-Hilfe für Legastheniker durch ein Acrysiegel nicht sonderlich erbaut ist.
Textstand vom 14.01.2007. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
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Samstag, 13. Januar 2007
Wächtersbach: Sammelkläranlage oder Rückhaltebecken?
Achtung!!! Spoilerwarnung:
Der Blogbuchführer übernimmt keine Garantie dafür, dass Abwasserspezialisten hier finden, wonach ihnen der Sinn steht, was ihr Herz begehrt, wohin ihr Sinnen und Trachten geht und welches das Objekt ihrer Begierden ist.
Nicht von von den gelegentlichen olfaktorischen Emanationen der Wächtersbacher Kläranlage soll hier die Rede sein; klärungsbedürftig erschien mir, wie ich die Täg-Funktion ersetze, solange ich den Lockungen der Google-Tochter Blogspot zum Wechsel in die neue Version noch widerstehe.
Die Lösung ist einfach: ich baue ein Rückhaltebecken, um den ungeordneten Informationsabfluss zu verhindern!
Der Blogbuchführer übernimmt keine Garantie dafür, dass Abwasserspezialisten hier finden, wonach ihnen der Sinn steht, was ihr Herz begehrt, wohin ihr Sinnen und Trachten geht und welches das Objekt ihrer Begierden ist.
Nicht von von den gelegentlichen olfaktorischen Emanationen der Wächtersbacher Kläranlage soll hier die Rede sein; klärungsbedürftig erschien mir, wie ich die Täg-Funktion ersetze, solange ich den Lockungen der Google-Tochter Blogspot zum Wechsel in die neue Version noch widerstehe.
Die Lösung ist einfach: ich baue ein Rückhaltebecken, um den ungeordneten Informationsabfluss zu verhindern!
Freitag, 12. Januar 2007
Schwerter zu Pinseln!
"Das Galerie- und Atelierhaus im ehemaligen Kreiswehrersatzamt in Bielefeld nimmt Struktur und Form an, neben Mal-Ateliers ..."
liest man (derzeit, unter "aktuell") auf der Webseite der Bielefelder Kunst-Galerie David.
Ich hab' es schon immer geahnt: von Bielefeld geht heutzutage eine neue Epoche der Weltgeschichte aus.
"Schwerter zu Pflugscharen" ist out; die Zahl der Landwirte ist einfach zu gering. Aber Künstler und Künstlerinnen, die gibt es in unserem fortgeschrittenen Stadium von Zivilisation wie Sand am Meer (oder wie Lößkrümel auf dem Acker). Deshalb: Kunst statt Kreiswehrersatzamt; pinseln statt schwerterln!
Ich halte es freilich für wahrscheinlich, dass im Ernstfalle selbst viele kühne Pinselschwinger auch nur wenigen entschlossenen Schwert-Schwingern nicht gewachsen wären. Diese Einsicht könnte man beispielsweise aus der Debatte um die dänischen Mohammed-Karikaturen gewinnen (vgl. dazu auch meine Einträge 1., 2., 3., 4., 5., 6. und 7.) - auch wenn es damals nicht zum Kampf der Krummsäbel gegen die Griffel gekommen ist.
Und wie sagten seinerzeit die Friedensfreunde der 68er-Bewegung? "Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt". Und griffen zum Pflasterstein. Gell, Joschka, du erinnerst dich bestimmt noch dran?
P. S.
Was ich schon immer wissen wollte, aber nie zu fragen wagte (nicht einmal mich selbst): Was eigentlich ersetzt ein Kreiswehrersatzamt? Avatare, die im Einsatz ausgefallen sind? Warum heißt es nicht einfach Kreiswehramt, oder "Wehrkreiskommando", wie weiland in der DDR? Wikipedia gibt mir keine Auskunft darüber. Und auf den Webseiten der Territorialien Wehrverwaltung kann ich zwar sogar deren Aktenplan einsehen (praktisches Feature für feindliche Geheimdienste!), aber an das (für den unbedarften Außenstehenden) Nächstliegende, den Surfern nämlich eine Erklärung ihres zumindest für den Laien doch ziemlich ungewöhnlichen Namens zu präsentieren, haben die natürlich nicht gedacht.
Nachtrag vom 17.01.2007:
In Meyers Konversationslexkon, 4. Auflage, von 1885 - 1892, kommen wir dem Kriegsersatz, Ersatzkrieg, Kriegerersatz oder Kriegsmaterialersatz auf die Schliche. Unter dem Stichwort
"Ersatzwesen" lesen wir:
"Inbegriff alles dessen, was mit der Ergänzung des Heers, also mit der Aushebung, Einstellung und Entlassung der Soldaten, zusammenhängt". Insofern können wir nunmehr die Herkunft des Terminus "Kreiswehrersatzamt" zumindest historisch verorten, wenn wir auch noch nicht ganz zu jener Quelle vorgestoßen sind, wo der Begriff "Ersatzwesen" erstmalig hervorgesprudelt ist (dieser Verwaltungszweig hätte ja z. B. auch "Wehrbeschaffungswesen" oder ähnlich genannt werden können). Wie auch immer: ich bin schon froh, den Begriff "Ersatz(wesen)" im Zusammenhang mit dem deutschen Militär nun historisch tiefer verorten zu können.
Deshalb Dank für den Hinweis auf das Lexikon-Stichwort an meinen alten Bielefelder Klassenkameraden, Freund und Mit-Steinbock Götz Hahnwald! (Und natürlich auch an jene Zeitgenossen, welche den Staub von den alten Büchern pusten um sie der Menschheit im Zwischennetz -gratis- zu präsentieren!)
Der (ansonsten in meinen Augen nicht überdurchschnittlich bemerkenswerte) Aufsatz "Technologische Zivilisation" von Arno Bammé (in der Zeitschrift iff texte, Band 3) enthält einen hübschen Satz, den hierher zu transplantieren ich mir nicht verkneifen konnte:
"Nicht nur von Schwertern, auch von überdimensionierten Pflugscharen gehen Gefahren aus."
Nachtrag 21.04.2010:
In einem Forum fand ich ein hübsches Motto, mit dem ich mich unbedingt identifizieren kann (und das ist jetzt nicht als Scherz gemeint, sondern bitterer Ernst, z. B. als Leitlinie für die Verteidigung unserer Interessen in Afghanistan oder gegenüber den somalischen Piraten, wo wir - und die Welt überhaupt - für meinen Geschmack bei weitem zu weichlich agieren):
"Diejenigen, die ihre Schwerter zu Pflugscharen schmiedeten, pflügen jetzt für Männer, die ihre Schwerter behielten."
Textstand vom 21.04.2010. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
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liest man (derzeit, unter "aktuell") auf der Webseite der Bielefelder Kunst-Galerie David.
Ich hab' es schon immer geahnt: von Bielefeld geht heutzutage eine neue Epoche der Weltgeschichte aus.
"Schwerter zu Pflugscharen" ist out; die Zahl der Landwirte ist einfach zu gering. Aber Künstler und Künstlerinnen, die gibt es in unserem fortgeschrittenen Stadium von Zivilisation wie Sand am Meer (oder wie Lößkrümel auf dem Acker). Deshalb: Kunst statt Kreiswehrersatzamt; pinseln statt schwerterln!
Ich halte es freilich für wahrscheinlich, dass im Ernstfalle selbst viele kühne Pinselschwinger auch nur wenigen entschlossenen Schwert-Schwingern nicht gewachsen wären. Diese Einsicht könnte man beispielsweise aus der Debatte um die dänischen Mohammed-Karikaturen gewinnen (vgl. dazu auch meine Einträge 1., 2., 3., 4., 5., 6. und 7.) - auch wenn es damals nicht zum Kampf der Krummsäbel gegen die Griffel gekommen ist.
Und wie sagten seinerzeit die Friedensfreunde der 68er-Bewegung? "Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt". Und griffen zum Pflasterstein. Gell, Joschka, du erinnerst dich bestimmt noch dran?
P. S.
Was ich schon immer wissen wollte, aber nie zu fragen wagte (nicht einmal mich selbst): Was eigentlich ersetzt ein Kreiswehrersatzamt? Avatare, die im Einsatz ausgefallen sind? Warum heißt es nicht einfach Kreiswehramt, oder "Wehrkreiskommando", wie weiland in der DDR? Wikipedia gibt mir keine Auskunft darüber. Und auf den Webseiten der Territorialien Wehrverwaltung kann ich zwar sogar deren Aktenplan einsehen (praktisches Feature für feindliche Geheimdienste!), aber an das (für den unbedarften Außenstehenden) Nächstliegende, den Surfern nämlich eine Erklärung ihres zumindest für den Laien doch ziemlich ungewöhnlichen Namens zu präsentieren, haben die natürlich nicht gedacht.
Nachtrag vom 17.01.2007:
In Meyers Konversationslexkon, 4. Auflage, von 1885 - 1892, kommen wir dem Kriegsersatz, Ersatzkrieg, Kriegerersatz oder Kriegsmaterialersatz auf die Schliche. Unter dem Stichwort
"Ersatzwesen" lesen wir:
"Inbegriff alles dessen, was mit der Ergänzung des Heers, also mit der Aushebung, Einstellung und Entlassung der Soldaten, zusammenhängt". Insofern können wir nunmehr die Herkunft des Terminus "Kreiswehrersatzamt" zumindest historisch verorten, wenn wir auch noch nicht ganz zu jener Quelle vorgestoßen sind, wo der Begriff "Ersatzwesen" erstmalig hervorgesprudelt ist (dieser Verwaltungszweig hätte ja z. B. auch "Wehrbeschaffungswesen" oder ähnlich genannt werden können). Wie auch immer: ich bin schon froh, den Begriff "Ersatz(wesen)" im Zusammenhang mit dem deutschen Militär nun historisch tiefer verorten zu können.
Deshalb Dank für den Hinweis auf das Lexikon-Stichwort an meinen alten Bielefelder Klassenkameraden, Freund und Mit-Steinbock Götz Hahnwald! (Und natürlich auch an jene Zeitgenossen, welche den Staub von den alten Büchern pusten um sie der Menschheit im Zwischennetz -gratis- zu präsentieren!)
Der (ansonsten in meinen Augen nicht überdurchschnittlich bemerkenswerte) Aufsatz "Technologische Zivilisation" von Arno Bammé (in der Zeitschrift iff texte, Band 3) enthält einen hübschen Satz, den hierher zu transplantieren ich mir nicht verkneifen konnte:
"Nicht nur von Schwertern, auch von überdimensionierten Pflugscharen gehen Gefahren aus."
Nachtrag 21.04.2010:
In einem Forum fand ich ein hübsches Motto, mit dem ich mich unbedingt identifizieren kann (und das ist jetzt nicht als Scherz gemeint, sondern bitterer Ernst, z. B. als Leitlinie für die Verteidigung unserer Interessen in Afghanistan oder gegenüber den somalischen Piraten, wo wir - und die Welt überhaupt - für meinen Geschmack bei weitem zu weichlich agieren):
"Diejenigen, die ihre Schwerter zu Pflugscharen schmiedeten, pflügen jetzt für Männer, die ihre Schwerter behielten."
Textstand vom 21.04.2010. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
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