Dienstag, 17. Januar 2006

DUB erforscht DEB


Die Universität Bamberg erforscht (ohne natürlich meine putzigen Abkürzungen zu verwenden) DEutschlands Blogger.

Dort gibt es eine Forschungsstelle "Neue Kommunikationsmedien" [was es nicht alles gibt ... ] und an der hat ein gewisser Jan Schmidt zusammen mit seinem studentischen Mitarbeiter Martin Wilbers herauszufinden versucht, "Wie ich blogge" (bzw. wie Sie bloggen – falls sie bloggen; falls nicht: auch über die Leser – Nur-Leser und Blogger als Blog-Leser - erfährt man etwas) in seinem Arbeitspapier "Erste Ergebnisse der Weblogbefragung 2005" Berichte der Forschungsstelle ..., Nr. 06-01. Wie sich das für Netz-Forschung gehört, stehen auch die Ergebnisse im Netz. Ausführlich (27 S.) hier: http://www.fonk-bamberg.de/pdf/fonkbericht0601.pdf; und in Kurzform in einem – kommentierbaren und von den Umfrageteilnehmern auch schon fleißig (wenn auch nicht sehr erhellend) kommentierten – "Bamblog" (na also, die kürzen ja auch ab – dabei klänge doch "BamBergBlog" so richtig melodisch... - ich würde tibetanische Tempelgongs oder japanische Trommelschläger assoziieren).

Lassen wir aber die Assoziationen beiseite und wenden wir uns den Untersuchungsergebnissen zu. Allzu viel schlauer, um es vorweg zu nehmen, fühle ich mich nach der Lektüre nicht. (Sollte vielleicht mal dem Literaturhinweis folgen und die Arbeit - den Sammelband - "Sprachliche und textuelle Merkmale in Weblogs", herausgegeben von Peter Schlobinski und Torsten Siever lesen. Das Ding hat aber 330 Seiten, und selbst wenn ich nur die auf Deutschland – und die USA, vielleicht auch noch Italien – bezüglichen Teile lesen wollte, müsste ich ca. 140 Seiten durchackern.)

Die Arbeit von Schmidt ist quantitativ orientiert und bestätigt großenteils das, was man ohnehin ahnen konnte: die Blogger sind meist jüngere Leute und haben (ca. 40% sind Schüler/Student/Wehr- und Ersatzdienst; wie viele Azubis? Darin enthalten oder bei den Arbeitern/Angestellten?) vielleicht etwas mehr Freizeit als wir nackengebeugten Atlanten und Karyatiden des kulturellen (und kapitalen) Überbaus.
Rentner gibt es auch unter den Bloggern, aber das ist eine kleine Minderheit (1,7%).

Nicht so sonderlich aussagekräftig ist eine Zahl von 70,8% Bloggern die "Zum Spaß" schreiben. Darunter kann man (und können vor allem die Befragten) sich alles Mögliche vorstellen, und eigentlich liegt die richtige Zahl sowieso bei 100%. Wer würde schließlich Blog-Einträge schreiben, wenn es ihm oder ihr keinen Spaß machen täte? Eine ähnlich blasse Kategorie (62,7%) ist "Weil ich gern schreibe".

Interessant wäre eher, wie viele zwar "zum Spaß" schreiben, das Schreiben aber trotzdem als harte Arbeit empfinden – Arbeit, die halt Spaß macht.
(Man soll ja nicht unbedingt von sich auf andere schließen, aber ich zumindest habe manchmal doch meine Mühe, den Fakten- und Wortlehm so zu kneten, bis zunächst ein – noch plumper – Textgolem, und dann – mit etwas Atem angehaucht – was halbwegs Lesbares draus wird, wo Fakten – oder Meinungen - wenigstens sprachlich frisch gefasst sind. )

Überrascht hat mich, dass 61,7% der Bloggerinnen und Blogger ihre Einträge machen "um eigene Ideen und Erlebnisse für mich selber festzuhalten": insoweit wenigstens darf ich selbst mich als Fisch im Mainstream fühlen.

Ca. 20% der Blogger bloggen in Gruppenblogs – auch eine höhere Zahl, als ich gedacht hätte. Ob die in der Realität zutrifft? (Die Autoren des Arbeitspapiers wissen und weisen ausdrücklich darauf hin, dass ihre Zahlen aufgrund der Erhebungsmethodik nicht unbedingt repräsentativ sind.) Andererseits: 20% der Blogger sind ja nicht 20% der Blogs. Da wäre interessant gewesen, wie viele "Groupies" sich im Durchschnitt zusammen tun.

Dass Berichte aus dem Privatleben insoweit dominieren (74,5% der Befragten veröffentlichen solche), war zu erwarten, ist allerdings bei genauerem Hinsehen insoweit keine sehr präzise Feststellung, als diese Zahl keinen Hinweis darauf gibt, wie viel Prozent des gesamten "Informationsgehalts" der Bloggosphäre (bzw. jedenfalls von dem in der Untersuchung erfassten Ausschnitt davon) mit privaten Informationen gefüllt werden, und bei wie vielen Blogs der private Anteil dominiert, bzw. nur gelegentlich einfließt (wie bei mir).

Links zu "Fundstücken im Netz mit eigenem Kommentar – ja, auch da weiß ich mich sicher mit der Mehrheitssphäre aufgehoben: 58,2% machen so was.

Mehr als zwei Drittel haben Beiträge schon nachträglich geändert: ich hatte eigentlich ein etwas schlechtes Gewissen, wenn ich das selbst gemacht habe, sehe mich aber auch insoweit mehrheitsfähig.

"Blogroll": habe ich nicht (gehöre damit zu einer knappen Minderheit). Lese aber auch – schon aus Zeitgründen - kaum Blogs, jedenfalls nicht systematisch. Nur wenn ich bei einer Suchmaschinenrecherche auf einen stoße. [En passant bemerkt: die Aktualität der Google-Indexierung ist bei Blogs – zumindest bei blogger.com, aber die gehören ja auch Google – Atem beraubend: "Abends fleißig wie die Biene / Morgens schon in der Suchmaschine"!].

Liest der Durchschnitt wirklich 20 Weblogs? Wann schlafen (bzw. schaffen) die dann?

Trost spendet die Umfrage insofern, als "beinahe die Hälfte angibt, dass nur wenige oder keiner ihre Einträge Kommentare anzieht". Kann ich also summen: "Du bist nicht allein, wenn du hoffst auf Kommenta – ha - re ...". (Kein Wunder, dass über 60% angeben, für sich selbst zu schreiben – s. o.: reine Rationalisierungsstrategie, um den Frust zu überwinden.)

Was mich aber hauptsächlich interessiert hätte, war in der Struktur dieser Umfrage nicht vorgegeben: Aufschlüsse über die (schwerpunktmäßige) thematische Verteilung der Blogs. Welcher Anteil fachbezogener (z. B. Recht, Essen, meinetwegen auch Theologie, Religion usw.), wie viele über Politik, wie viele (weitgehend) nur über das eigene Privatleben usw.?
(Bin halt neugierig, in welchem quantitativen Segment der Bloggosphäre mein K & R–Blog – Kraut & Rüben – positioniert ist :-).

Nun ja – wieder mal ein Fundstück im Netz kommentiert und verlinkt. Das reicht für heute: Plansoll erfüllt! [Ein – sicherlich ambivalenter - Aspekt des Bloggens ist, dass die Teilnahme eine gewisse Sog- und Zwangswirkung ausübt: "Heute schon (bzw., vorwurfsvoll: "noch nicht") gebloggt"?]

Adé nun zur gu-hu-ten Nacht, hier wird der Schlusspunkt gemacht!

Nachtrag vom 18.01.06:

"Bloggosphäre" oder "Blogosphäre": das ist hier die Frage. Rein aus-sprachlich sollte es eigentlich keine sein: mit einem "g" geschrieben, müsste das vorangehende "o" lang gesprochen werden, wie in "Logo": also "Bloooogosphäre". Aus eben diesem Grunde schreiben wir ja auch nicht "blogen", sondern "bloggen". Gleichwohl hat sich im Sphärenbereich offenbar die "1-g-Schreibeweise" durchgesetzt: 831.000 Google-Treffer gegen 513 Treffer für "gg".

Das entspricht den Verhältnissen im englischen Sprachraum, wo "blogosphere" ca. 21,7 Mio. (!) Hits generiert, gegen 28.100 für "bloggosphere".

Ich lasse hier die "Bloggosphäre" mal stehen, allein schon deshalb, um die Problematik der dominierenden Schreibweise zu dokumentieren.

Und weil ich bei meiner Sphärensuche auch auf einige Artikel über das Bloggen gestoßen bin, hier ein paar Links dazu:

Angriff aus der Blogosphäre, von Mohanbir S. Sawhney (Manager Magazin 14.3.05);

Eine Aufsatzsammlung in der Frankfurter Rundschau online



Textstand vom 18.01.2006
Gesamtübersicht der Blog-Einträge auf meiner Webseite http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm

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