Samstag, 31. Januar 2009

Gut, günstig, Gelnhausen: Triple-G-Rating für China-Restaurant Yum (sorry: Yan!), Im Ziegelhaus

Neuer Besitzer, opulentes aber preiswertes Büffet: kann man empfehlen!






















Für Ortsfremde: "Ziegelhaus" meint kein Haus, sondern "Im Ziegelhaus" ist ein Straßenname, für die Achse der früheren Gelnhäuser Vorstadt jenseits der Kinzig, in Richtung Altenhaßlau.



Textstand vom 31.01.2009. Auf meiner Webseite
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Sonntag, 25. Januar 2009

Den Frieden verliert, wer nach Frieden giert. Frieden im Nahostkonflikt: Europas Wet Dream


Wenn Waschlappen vom Frieden träumen, können bestenfalls feuchte Träume resultieren. Die bisherige Schmidtchen-Schleicher-Diplomatie hat nichts gebracht (außer dass wir Europäer allzu bereitwillig das Portemonnaie gezückt haben, wenn die Spiele der Halb-Erwachsenen da unten mal wieder was kaputt gemacht hatten).

Ob es gegenwärtig überhaupt eine Möglichkeit zur Konfliktlösung gibt, weiß ich nicht. Falls aber doch, dann sicherlich nur, wenn wir
1) im Gegensatz zu den Konfliktbeteiligten ehrlich, aber
2) genau so stur sind wie die Widersacher.

Analerotik des Geldwesens war gestern: heute ist monetaristisches Deepthroating angesagt! (Replik auf WEISSGARNIX)

Lieber "WEISSGARNIX", Ihr Blog-Titel "Die anal-erotische Finanzkrise" vom 13. Dezember 2008, Punkt 14:29 affirmiert Ihr Pseudonym. In Wirklichkeit war Analerotik tiefstes Gestern.

Heute dagegen ist monetaristisches und fiskalisches Deepthroating angesagt. Der Finanz"industrie" wird unser gutes Geld so tief in den Rachen gestopft, dass sie es irgendwann zwangsläufig als Hyperinflation wieder auswürgen muss.

In diesem Zustand ist zwar sein Nährwert arg reduziert; über den Assetpreisverfall als Ursache der Finanzmarktkrise brauchen wir uns dann allerdings keine Sorgen mehr zu machen.

Wenn ich dagegen Ihren Blott "Neue, phantastische Abenteuer mit der Liquiditätsfalle" vom 2.12.08 lese komme ich zu dem Schluss, dass Sie Ihr Pseudonym letztlich doch nicht honorieren wollen. Also genau so ein Schwindler wie die Bankster - gg.


Mehr (und ernsthafter) zum Thema Geldschöpfung, Inflationierung usw. u. a. in meinem Blott "Kipper, Wipper, Notenbanken".




Textstand vom 28.02.2009. Auf meiner Webseite
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Samstag, 24. Januar 2009

Helmut vor, noch ein Tor!

Bislang ist die Missionierung fast immer eine One-Way-Street. Amerika exportiert nicht nur seine religiösen Ideologien; unser MonkeyseeMonkeydo Dummland Deutschland hat auch brav die trojanischen Pferde des US-Finanzkapitalismus importiert: ideologische wie auch ganz reale ("special purpose vehicles" oder "~ entities", bei uns lange nur wenigen bekannt, aber dann, zu spät unter dem immerhin enthüllenderen Namen "außerbilanzielle Zweckgesellschaft" berüchtigt geworden).

Von Fernsehserien, zu welchen sich unsere öffentlich-rechtlichen Gebührenschinder von amerikanischen Vorbildern 'inspirieren' lassen [Euphemismus für: die sie abkupfern] über Filme über Musik über Mode: die Sonne, welche unsere halb erloschenen Geister erwärmt, geht im Westen auf.

Wenige versuchen gegen zu halten. Asterix und Obelix tun das eher defensiv.

Offensiver ist da schon unser Helmut. Nicht der von 1954, der Rahn, sondern unser Weltökonom Helmut Schmidt. Der gibt, in der ZEIT vom 15.01.2009, den amerikanischen und angelsächsischen Bankern, die sich sehr geschickt unser Geld geangelt haben, bzw. den dortigen Politikern, die das organisierte Finanzverbrechen gesponsort (wenn nicht gar, im Hypothekenbereich, aus der Taufe gehoben) haben, mal eben Nachhilfe: "Wie entkommen wir der Depressionsfalle?"

In vielem bin ich durchaus einer Meinung mit Schmidt, etwa wenn er sagt:
"Vielleicht wäre der Weltwirtschaft heute großes Unglück erspart geblieben, wenn man schon 1998 ein Exempel statuiert und den hochspekulativen Hedgefonds LTCM hätte pleitegehen lassen, statt ihn mithilfe der amerikanischen Notenbank zu retten," wenn er (implizit) den unsäglichen Populismus der bayerischen Seehofer-Truppe CSU bzw. den üblichen Klientelismus der blauen und gelben FDP kritisiert:
"... überall werden steuerpolitische, sozialpolitische, gesundheitspolitische und parteipolitische Interessen einen erheblichen Einfluss auf die Ausgestaltung [der Konjunkturpakete] nehmen. Dabei gilt in der Regel, dass steuerpolitische und sozialpolitische Wohltaten sich später kaum revidieren lassen, sie tragen dauerhaft zu künftigen Defiziten der Staatshaushalte bei,"
oder wenn er uns erklärt, dass die Wölfe von gestern sich nicht schon deswegen in Lämmer verwandelt haben, weil sie ihre Beute zuletzt allzu gierig verschlungen und deswegen einen Großteil wieder ausgekotzt haben:
"Die USA [ergänze: und Großbritannien!] werden zu einer wirksamen Regulierung der Finanzmärkte weit weniger geneigt sein als die europäischen Staaten [ergänze: außer Großbritannien!]."
Dass freilich "Die weltweite Absatzkrise der Automobilindustrie ... gegenwärtig das sichtbarste Zeichen des weltweiten Nachfragerückgangs" sei, glaube ich eher weniger (wenn man diesen Rückgang -und anders ist die Passage im Schmidtschen Textzusammenhang nicht sinnvoll zu lesen- als Resultat der Finanzkrise verstehen will).
Auch moralischen und psychologischen Bewertungen stehe ich (sofern sie erklärend gemeint gewesen sein sollten) eher skeptisch gegenüber:
"Vor allem in New York und in London haben wir es zu tun mit einer Kombination von hoher Intelligenz samt mathematischer Begabung, extremer Selbstsucht und Selbstbereicherung bei Abwesenheit von ausreichender Urteilskraft und von Verantwortungsbewusstsein. Man kann dieser Krankheit einen Namen geben: hemmungslose Habgier" (während auch ich die Intelligenz der Finanzhaie -neidvoll- anerkennen muss).
Aber dann kommt es faustdick (meine Hervorhebungen):
"Zugleich ist aber eine nonchalante Ignoranz der Regierungen und Behörden in Erscheinung getreten, eine unerhörte Fahrlässigkeit der politischen Klasse insgesamt, die sich leichtfertig auf die Illusion einer selbsttätigen Heilungskraft der Finanzmärkte verlassen hat, statt rechtzeitig einzugreifen. Das gilt vornehmlich für die USA und für Großbritannien. Die Regierungen und die Aufsichtsbehörden – und die Parlamente! – haben eine ausreichende Prophylaxe versäumt."
Auch das ist keineswegs falsch, aber einige Randbemerkungen kann ich mir dazu doch nicht verkneifen:

1) Die lateinische Intelligenz hat sich von der germanischen Torheit ferngehalten. Sowohl Italien (vgl. im Handelsblatt-Artikel vom 10.01.09 "Italiens Banken retten sich selbst" von Katharina Kort den 2. Absatz: "Anders als im Ausland hat die Regierung in Rom keine einzige Bank vor dem Aus retten müssen. Das liegt vor allem daran, dass in Italien das sogenannte 'Off Balance Sheet Accounting' nicht erlaubt war. Das heißt, die Banken südlich der Alpen mussten die heute 'toxischen' Risikopapiere von vornherein bilanzieren. Sie gerieten dadurch nicht so stark in Bedrängnis wie amerikanische, britische oder deutsche Banken.") als auch Spanien [hier würde jetzt in der Wikipedia eine Anmerkung folgen: "quotation needed" oder so] haben nicht zugelassen, dass ihre Banken den Weg aller Lemminge beschreiten.

2) Warum hat Deutschland bzw. haben die deutschen Aufsichtsbehörden nicht in gleicher Weise reagiert? Hier ist Aufklärung zu fordern, wie das mit aller wünschenswerten Klarheit Thomas A. Spörer in seinem Aufsatz "Quo vadis, Konjunktur und Märkte im Dezember 2008?" tut (insbesondere im Abschnitt "Betrogene oder Betrüger? Denn 'Subprime' war weder Naturereignis noch 'Anonymer Systemfehler'"). Leider scheint indes in Deutschland die Koalition der Unterteppichkehrer noch umfassender zu sein als die Große Koalition. Auch von der Opposition hört man nicht, dass sie konkrete Untersuchungen fordere. Und irgend etwas, was dem amerikanischen "investigative journalism" auch nur entfernt nahe käme, existiert hier ohnehin nicht. Jedenfalls: so schlau, wie wir glauben, sind wir wohl doch nicht. (Und nicht mal schlau genug, um unsere Unschläue zu erkennen.)

3) Das amerikanische Parlament hat, soweit ich das aufgrund meiner kursorischen Lektüre beurteilen kann, weniger eine ausreichende Prophylaxe versäumt, als vielmehr möglichst viele Sicherungen rausgeschraubt. Und das waren anscheinend nicht nur die Republikaner, sondern ebenso die Demokraten (wenn auch wohl unterschiedlicher Natur und mit unterschiedlichen Zielrichtungen: die Republikaner eher zu Gunsten der Finanzindustrie, die Demokraten eher im - vermeintlichen - Interesse der Hypothekenkunden).

Von Schmidts konkreten Forderungen hat [wie könnte es auch anders sein - gg] für mich insbesondere die Nr. 6 großen Charme:
"Finanzeinlagen und Finanzkredite zugunsten solcher Unternehmen und Personen werden bei Strafe verboten, die rechtlich in Steuer- und Aufsichtsoasen registriert sind."
Während ich mir bei den Forderungen Nr. 4:
"Allen Finanzinstituten wird bei Strafe der Handel mit solchen Finanzderivaten und -zertifikaten verboten, die nicht an einer anerkannten Wertpapierbörse zugelassen und notiert sind" und Nr. 5:
"Es wird allen Finanzinstituten bei Strafe verboten, per zukünftigen Termin Wertpapiere und Finanzinstrumente zu verkaufen, die sie zur Zeit des Verkaufes nicht zu eigen besitzen. Damit wird die Spekulation auf fallende Kurse (»Shortselling«) erschwert"
hinsichtlich Wirksamkeit und Notwendigkeit nicht so sicher bin. Wahrscheinlich wäre die Handelbarkeit an einer Börse, d. h. die Standardisierung des jeweiligen Wertpapiers, die Voraussetzung für die Einschaltung einer zentral Abwicklungsstelle, welche die Risiken übernehmen bzw. abfedern könnte. Andererseits hätte ich eine gewisse Scheu davor, die Kreativität der Finanzmarktakteure allzu sehr einzuengen. Mir ist einfach nicht ganz klar, welche (zweifellos vielfältigen) Funktionen die sog. "Finanzprodukte" in unserem ökonomischen System haben. Letztlich ist es die Beobachtung, dass die "unvernünftige", weil auf Egoismus aufgebaute, Marktwirtschaft dem "vernünftigen", System des Marxismus überlegen war, welche mich zu dieser Zurückhaltung bewegt.


Textstand vom 24.01.2009. Auf meiner Webseite
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Freitag, 23. Januar 2009

In GOD we ROB (you blind). Opiumkrieg im Wilden Westen (bekämpfen)

Meinem Freund und Klassenkameraden verdanke ich den Hinweis auf den Spiegel-Online-Bericht "SPEKTAKEL IN LONDON. Busfahrt mit gottloser Botschaft" von Markus Becker und Carsten Volkery vom 8.1.09: " 'Es gibt wahrscheinlich keinen Gott' - 200 Busse fahren mit einer atheistischen Botschaft durch London und sorgen für Schlagzeilen."
Nun bin ich freilich kein Atheist, sondern "nur" Agnostiker, und deshalb gegenüber atheistischer Werbung relativ indifferent. Zumindest auf London bezogen (bzw. zumindest auf diesem abstrakten Niveau) erscheint sie mir eher als ein (liebenswerter) britischer Spleen.
Doch wenig später keimte in mir die Idee auf, ob man nicht diese Atheistenkampagne der gottlosen Londoner Werbebusse für die Bedürfnisse der Menschen im amerikanischen Mittelwesten adaptieren könne.

Denn es begab es sich zu derselben Zeit, dass ich Michael Naumanns Bericht "Wir waren einmal reich und schön" in der ZEIT (15.01.2009) über die Auswirkungen der Wirtschaftskrise in den USA auf das Leben der Menschen in der Kleinstadt Mexico im Bundesstaat Missouri las. Der betrifft übrigens nicht nur die Auswirkungen der aktuellen Krise: eigentlich geht es in diesem Bericht vorwiegend um die schleichende Krise der amerikanischen Ökonomie, und um die sich schon seit längerem verschlechternden Lebensbedingungen der weniger begüterten Amerikaner.
Wenn man so etwas liest, und daneben noch Berichte über 30 Millionen Menschen, die in den USA (zumindest gelegentlich) Hunger leiden müssen, sowie weitaus mehr Millionen, die sich keine Krankenbehandlungen leisten können, dann kann schon ein heiliger Zorn Besitz von einem ergreifen auf jenes gesellschaftliche Fettaugen-Dreckspack, das sozusagen in einer Kriminalitätsmetamorphose vom organisierten Verbrechen zum organisierten Finanzwesen mutiert ist.

Aber ich will unparteiisch bleiben; mein heiliger Zorn soll auch die Kleinen nicht verschonen. Warum? Darum:
"Nun suchen sie Trost im christlichen Glauben. Das Angebot ist groß. Im kleinen Mexico gibt es 30 Kirchen, im Landkreis über 80. ..... »Tröstet, tröstet mein Volk! Spricht Euer Gott!« 2008, das Jahr der nahenden Wirtschafts- und Finanzkrise, neigte sich dem Ende zu, als die Pastorin Terry Kukuk der presbyterianischen Gemeinde im vollen Kirchenschiff »Jesaja 40,1« auslegte. Sollte heißen: Die Rettung, spricht der Herr, ist nah. »Amen«, antworteten die Gläubigen ...".
Haben die ein besseres Los verdient, wenn sie sich von Konservativen und Kirchen derart einlullen lassen?

Ich meine, man sollte auch diesem Volk eine faire Chance geben. Busse verkehren dort vermutlich kaum, aber Plakattafeln wird es genug geben.

Wie wäre es, wenn wir gegen dieses dumpfe Dahindämmern eine Werbekampagne finanzieren würden:
In GOD we ROB (you blind)?
Nur eine passende Illustration müsste man dazu noch finden, die den Menschen unmissverständlich vor Augen führt, dass ihre Misere nicht (allein) ihre eigene Schuld ist, sondern dass sie Systemgefangene eines perfiden Konservativismus' sind, der nicht am größtmöglichen Glück der größten Zahl von Menschen interessiert ist, sondern als Ideologie zum Zwecke der größtmöglichen Ausräuberung einer möglichst großen Menge von Menschen funktioniert.
Und wo der Glaube an den lieben Gott dem herrengebeugten Volk dichte opiatische Rauchschwaden in die Hirnwindungen wirbelt.


Nachtrag 24.01.09:
Danke, ebenfalls an meinen Freund, für seinen Hinweis auf den Folgeartikel "Atheistische Kampagnen weiten sich aus" im Spiegel Online von gestern. [Immerhin: so viel Respekt haben diese Heiden denn doch noch, dass sie es nicht heute, am Sonntag, publizieren ;-) ]

Wenn ich indes lese, dass mit dem Text "Wahrscheinlich gibt es keinen Gott - hört auf, euch Sorgen zu machen und genießt das Leben" geworben wird (stand zwar schon im ersten Bericht, jedoch hatte ich die 2. Satzhälfte überlesen) oder in der Bilderstrecke des neuen Artikels ein T-Shirt mit der Aufschrift "No God no Guilt" sehe, kommt denn doch ein wenig Unbehagen in mir auf.

So gesehen, wären die Finanzhaie ja immer schon Atheisten gewesen, die nunmehr in ihrem Treiben sogar noch bestärkt würden.

(Andererseits: "no guilt" könnte man ebenso gut auch als einen Freibrief für jene verstehen, welche sich ggf. erheben und die Wechsler aus dem Tempel der Realwirtschaft verjagen würden. Das hätte dann wieder was. Ich fürchte freilich, dass es nicht die letztere Auslegung sein wird, welche sich am Ende durchsetzt.)



Textstand vom 25.01.2009. Auf meiner Webseite
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Dienstag, 20. Januar 2009

U-Bahn-Fahren in Frankfurt: VGF = VerkehrsGesellschaft Frankfurt am Main - oder Viele Gäste Frieren?

Viele Gute Freunde macht sich die VerkehrsGesellschaft Frankfurt am Main (a. M.) auf diese Weise nicht: wenn U-Bahnen ungeheizt sind, oder die Heizkörper gerade mal lauwarm. Das kann auch nicht daran liegen, dass mal eine Heizung defekt ist; dazu passiert es zu oft. Eher schon spart die VGF zu Lasten ihrer Kunden Kosten.

Wer nur einige wenige Haltestellen fährt, vermisst die fehlende Beheizung nicht; ohnehin ist man ja im Winter warm angezogen. Aber nach 20 Minuten Stillsitzen kriecht dann doch die Kälte in den Körper oder zumindest in die Beine. Ein Vergnügliches Genussreiches Fahren ist das nicht. Vielmehr wünscht man sich, die VGF würde sich das Ziel setzen, Viele Glückliche Fahrgäste in behaglich beheizten Waggons zu befördern! Es muss und soll ja nicht glühend heiß sein; schon ein klein wenig Wärme Verbreitet Große Freude!


 


 

Textstand vom 20.01.2009. Gesamtübersicht der Blog-Einträge (Blotts) auf meiner Webseite http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm. Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Montag, 12. Januar 2009

Sprache, Denken, Wirklichkeit: Warum der Kapitalismus KEINE ölbasierte Wirtschaft ist


 

Die linke Schweizer Wochenzeitschrift "WOZ Die Wochenzeitung" hat in ihrer Ausgabe vom 13.11.2008 -4- Referate einer Veranstaltung «Globale Finanzkrise: Welche linken Antworten?» der linken Schweizer Organisation "Denknetz" vom 4.11.2008 veröffentlicht.
"Dabei wurde die Frage diskutiert, ob die aktuelle Finanzmarktkrise bloss eine Art Marktbereinigung darstellt oder Ausdruck einer tiefer liegenden Systemkrise ist, die sich etwa mit der Weltwirtschaftkrise vergleichen lässt, die 1928 ausbrach. Ausserdem wurden Vorschläge für eine Reform des Schweizer Finanzplatzes wie auch für einen grundsätzlicheren Umbau der Schweizer Wirtschaft vorgestellt."
Es ging um eine "Analyse: Wenn die Blasen platzen. Die Finanzmarktkrise droht sich zur globalen Rezession auszuweiten. Können die staatlichen Massnahmen die Situation beruhigen? Oder steckt der Kapitalismus in einer Sackgasse?"
Zwei der Teilnehmer bezogen auch die Umweltfrage ein. Thomas Heilmann setzte sich u. d. T. "Vom Mythos des Wachstums" (grundsätzlich zu Recht) kritisch mit der "Weiter-So-Orientierung der Konjunkturprogramme auseinander und forderte, "ein gesellschaftliches Produktions- und Reproduktionsmodell zu entwickeln, welches nicht für unsere sieben Millionen, sondern für Milliarden ein anständiges Leben und ein langfristiges Überleben des Planeten bietet."
Mir erscheint die Erwartung grotesk absurd, dass eine Milliardenbevölkerung überhaupt ein Ressourcenschonendes Dasein führen könne. Wer meint, die Menschheit könne "ein gesellschaftliches Produktions- und Reproduktionsmodell ... entwickeln, welches... für Milliarden ein anständiges Leben" bietet und zugleich "ein langfristiges Überleben des Planeten" ermöglicht, gehört in meinen Augen von vornherein zur Truppe der Traumtänzer.

 

Das ist aber hier nur als Randbemerkung gedacht. Mein Blot-Titel bezieht sich auf einen Text in dem Beitrag "Wenn fünf Krisen zusammenkommen" von Winfried Wolf. Dieser meint, dass auch die Rohölverknappung (bzw. die exorbitanten Preissteigerungen als Vorboten einer echten physischen Verknappung - Peak Oil) zur gegenwärtigen 2. Weltwirtschaftskrise beigetragen habe. Das meine ich freilich auch und hätte daher kein Problem mit einer Behauptung, wonach unsere Wirtschaft "ölbasiert" ist. Wolf beschränkt sich aber nicht auf eine solche Feststellung. Vielmehr konstruiert er begrifflich einen Kausalzusammenhang zwischen dieser ölbasierten Wirtschaft und dem Kapitalismus wenn er formuliert (meine Hervorhebungen):
"Es gibt auch eine Krise der stofflichen Basis des Kapitalismus - der ölbasierten Wirtschaft. Die kapitalistische Produktion der letzten achtzig Jahre ist in einem Mass auf einen Rohstoff konzentriert, wie es nie zuvor in der Geschichte der Menschheit der Fall war. ..... Die enge Anbindung des Kapitalismus an die Ölwirtschaft hat mit deren Struktur zu tun. Grob gesagt entfallen zwei Drittel des Umsatzes der hundert grössten Konzerne der Erde auf Ölförderung und Ölverkauf sowie auf den Auto- und Flugzeugbau."
In der Natur gespeicherte (Sonnen-)Energie, insbesondere in der Form von Rohöl (bzw. ursprünglich zunächst von Kohle), ist die Basis der Industriegesellschaft. Man kann sich wünschen oder glauben, dass die Menschheit dieses Stadium überwinden und zugleich mit dem Verschwinden der Rohölvorräte erneuerbare Energien in ausreichender Menge und zu tragbaren Preisen (Kosten) in ihren Dienst stellen kann. Nur war das bislang noch nicht in großem Umfang möglich (und die Erreichung dieses Zieles zeichnet sich, trotz kleiner Fortschritte, auch keineswegs ab). Jede Gesellschaft mit hoch entwickelter Produktivität (Industriegesellschaft) war und ist in diesem Sinne noch immer "ölbasiert". Daher waren bzw. wären auch jene Gesellschaften auf das Öl angewiesen, die ihre Produktionsweise "sozialistisch", d. h. in Zentralverwaltungswirtschaften, organisiert hatten bzw. organisieren würden. Soweit historische Erfahrungen vorliegen, haben sich diese Organisationsformen der Industriegesellschaft eher als noch größere Ressourcenverschwender erwiesen als die Marktwirtschaften. (Kuba ist kein Gegenbeispiel, denn selbst wenn man dort - zwangsläufig - mit Energie wohl eher sparsam umgeht, verschwendet der dortige Sozialismus die "ultimate ressource", indem er die bestmögliche Entfaltung des ökonomischen Potentials der Menschen behindert.
Das Bedürfnis (oder der Wunsch) der Menschen nach (möglichst schneller) und zielgenauer Fortbewegung auf der Erde - Auto fahren, fliegen - ist auch kein spezifisches Bedürfnis des Kapitalismus. Freilich befriedigt dieser derartige Bedürfnisse (und viele andere, welche direkt oder indirekt ebenfalls einen hohen Energie- und Ölverbrauch induzieren) besser als "der Sozialismus".
Andererseits gibt es auch keine Anhaltspunkte dafür, dass "der Sozialismus" eine nachhaltigere Wirtschaftsform wäre. Im Gegenteil lassen die im Sozialismus nur mangelhaft ausgeprägten Anreize für Verbesserungen vermuten (bzw. hat sich in der Vergangenheit tatsächlich gezeigt), dass sozialistische Organisationsformen des Wirtschaftens die Umwelt (beim Rohstoffeinsatz wie bei der Abfallbeseitigung) sogar noch mehr schädigen (oder sie allenfalls durch ihre ökonomische Rückständigkeit nicht noch mehr schädigen), als eine kapitalistisch organisierte Wirtschaft.
Es ist also eine Täuschung wenn man sagt "der Kapitalismus" sei ölbasiert. Ebenso ist natürlich auch meine in der Überschrift provokant aufgestellte Behauptung falsch, dass "der Kapitalismus KEINE ölbasierte Wirtschaft ist". Formallogisch ist sie dann richtig, wenn ich "Wirtschaft" im materiellen Sinne von Produktionsprozessen verstehe und also zum Ausdruck bringen will, dass der Kapitalismus keine "Wirtschaft" in diesem Sinne ist, sondern lediglich die Organisationsform der Produktionsprozesse. Zweifellos würde jedoch jeder Hörer / Leser eine solche Aussage als Behauptung auffassen, dass unsere Wirtschaft nicht vom Öl abhängt, und in dieser gängigen Bedeutung ist sie natürlich unzutreffend.
Man kann sich derartigen Einsichten allerdings auch gänzlich verschließen, indem man einfach behauptet, dass eine neue (oder die "wahre") Form des Sozialismus etwas völlig anderes sei als das, was sich historisch unter dieser Bezeichnung diskreditiert hat. Zukünftiger Sozialismus würde - werden Sozialisten aller Spielarten behaupten - selbstverständlich nicht nur die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beenden, sondern auch die Ausbeutung der Natur durch den Menschen.

 

Eine solche Argumentation treibt zum einen Schindluder mit dem Begriff "Ausbeutung" indem sie unterschwellig eine gleiche Bedeutung dieses Begriffs in allen Zusammenhängen unterstellt. Das tut ja bereits die politische Propaganda von Marxisten, indem sie das volkstümliche Verständnis von Ausbeutung (ungerechter Profit, insbesondere dann, wenn er in den Konsum fließt, statt re-investiert wird) mit dem Marx'schen Verständnis von Ausbeutung (jeder Profit) gleichsetzt.
Im Zusammenhang etwa mit der Rohstoffgewinnung ist eine "Ausbeutung von Lagerstätten" die Entnahme von Material, unabhängig davon, wie viel oder wenig entnommen wird. In diesem Sinne ist jede Nutzung natürlicher Ressourcen eine Ausbeutung. Aber wer hier behauptet, dass nur der Kapitalismus die Natur ausbeute und der (richtige) Sozialismus nicht, legt (umgekehrt zum weiten gesellschaftlichen Ausbeutungsbegriff bei Marx) das volkstümliche enge Begriffsverständnis von Über-Nutzung zu Grunde.
Das andere Problem liegt darin, dass die gesellschaftlich-organisatorische und die technische Ebene des Wirtschaftens nicht unterschieden werden. Zwar hat z. B. gerade am Rückstand der historisch implementierten Erscheinungsformen des Marxismus gezeigt, das beide keineswegs von einander unabhängig sind: Die Abschaffung des Privateigentums an den Produktionsmitteln hat sich demotivierend ausgewirkt anstatt, wie erhofft, die Arbeiter durch das Bewusstsein zu beflügeln, nunmehr "für sich" und nicht mehr "für die Ausbeuter" zu arbeiteten.
Sozialismus im marxistischen Sinne ist aber eine Organisationsform der industriellen Gesellschaft. Und es sind die Bedürfnisse einer hochtechnisierten Zivilisation, welche den Bedarf an natürlichen Ressourcen im Verhältnis zu früheren Kulturstufen (bei denen Umweltbelastungen bzw. Umweltschäden noch lokal begrenzt waren) ins Unermessliche gesteigert haben. Nicht zuletzt im Hinblick auf die geschichtlichen Erfahrungen mit realisierten "sozialistischen" Gesellschaften muss, wer anderes behauptet, dies konkret begründen.
Da das nicht möglich ist werden Sozialisten wie Winfried Wolf weiterhin Worte an die Stelle von Gedanken setzen. Ich unterstelle Wolf und ähnlich argumentierenden Autoren nämlich keineswegs, dass sie ihr Publikum zynisch belügen wollen. Vielmehr sind sie insoweit selbst einem magischen Denken verhaftet, bei dem Worte und Dinge nicht mehr getrennt werden und wo man sich von der Invokation eines Wortes eine Änderung der Sache erhofft: Wortzauber; leider fauler Zauber.
Man könnte meine Kritik aber auch marxistisch formulieren: Der Ausbeutungsbegriff hat bei Wolf einen Fetischcharakter.


 


 


 

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Samstag, 10. Januar 2009

NS in der Stadt (Frankfurt)

Heute in Frankfurt gewesen. Durch die Läden gelaufen. Wieder mal den Eindruck gehabt: NS - Nur Schrott.

Langen Mantel gesucht. Beim Clotten August gibt's nur noch Jacken; selbst der Begriff "Mantel" ist von der Übersichtstafel an den Rolltreppen verschwunden.

Ansonsten die Auskunft (bei Wormland): "Dieses Jahr gibt es nur Kurzmäntel". (Und nicht einmal in den Schaufenstern der Nobel-Läden in der Goethestraße sind Mäntel im klassischen Stil zu sehen. Nur in der Provinz werden solche noch verkauft: in Karlsruhe habe ich neulich bei unserem Kurzurlaub in Bad Herrenalb in einem - naturgemäß nicht ganz billigen - Herrenmodegeschäft noch einen schönen entdeckt, von Schneiders Salzburg. Leider nicht die passende Größe.)

Nicht wie du willst, Kunde,
Sondern wie wir wollen, die Modediktatoren!


I'm really getting sick of it, ich hasse die Tyrannei der Moden, der Einkäufer, Hersteller, Verkäufer oder wer auch immer es ist, der uns Konsumenten streamlinen will.
Überall wird einem Auswahl vorgegaukelt, aber in Wirklichkeit entwickelt sich das Warenangebot in allen Bereichen mehr und mehr wie beim Fernsehen: viele Sender, aber alle mit dem gleichen Programm (Mist).
Nur bei jenen Dingen, die man nicht braucht, hat man garantiert mehr Auswahl.

Es sind ja nicht nur die Mäntel:

Brillen? Nur kleine!
Hemden? Kriechen garantiert aus der Hose!
Ausgewiesene Bekleidungsgrößen? Reine Fantasienummern ohne Informationsgehalt!
Hosen? Nur solche, die auf dem Hintern hängen!
Parfum? Wird heute offenbar nach dem Motto "Geld stinkt nicht" hergestellt.
Denn es ist sowohl teuer als auch stinkend.
Schuhe, breitere für Problemfüße? Fehlanzeige!


und so weiter und so fort ... .

Kein Wunder, dass der Einzelhandel über mangelnde Kauflust der Kunden klagt: auf die Dauer lassen sich eben doch nicht alle Kunden verarschen. Denn:
You can fool all people some of the time
And some people all of the time.
But you can't fool all people all of the time
.

Überhaupt scheint mir, dass die Kerne unserer Städte faul sind. Edelfaul (hat unsere Zivilisation das Stadium der Botrytis erreicht?). Dort bekommt man - meist teuer - alles, was man nicht braucht. Was man braucht, muss man an den Stadträndern oder 'in der Pampa' kaufen. Das ist dann allerdings auch nicht so teuer.
Irgendwie ist es ja unverständlich, dass (im engen Sinne) nutzlose Dinge so teuer sind. Andererseits können wir froh sein, dass es nicht umgekehrt ist.
Im übrigen war es ja schon immer etwas teurer, einen Geschmack für Tand zu haben.



Textstand vom 11.01.2009. Auf meiner Webseite
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Freitag, 9. Januar 2009

Kipper, Wipper, Notenbanken

[Bis 16.01.09 u. d. T.: Die Credit Default Swaps als (potentielles) Kipper- und Wipper-Regime der Gegenwart. Wie die Finanzwirtschaft von der Realwirtschaft Forderungen aus Scheingewinnen erpressen kann (erpresst hat?)]


Um die gegenwärtige Finanzkrise, Finanzmarktkrise oder Weltwirtschaftskrise zu verstehen, werden nicht selten historische Analogien bemüht. Besonders populär, aber auch nahe liegend, ist der Vergleich der aktuellen zweiten Weltwirtschaftskrise mit der ersten Weltwirtschaftskrise 1929 ff. (manchmal wird als Beginn auch das Jahr 1928 angegeben). Ich selbst habe einen solchen Vergleich in meinem Blott "Yes, we know! Zumindest könnten wir die eigentlichen Gründe für die neue Weltwirtschaftskrise kennen" gezogen, sowie ausführlicher in dem (momentan noch unvollständigen) Blott "Die große(n) Depression(en): Die beiden Weltwirtschaftskrisen im Vergleich. Überlegungen und Links".