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Montag, 13. Dezember 2010

Vergewaltigung, CIA-Verschwörung, Feminismus: Julian Assange (Wikileaks) zwischen verruchtem Landei und gehörntem Engelsgesicht

 
Achtung: aktuell unbedingt meine Linkhinweise unten im Nachtrag vom 19.12.10 beachten!

Von den Wikileak-Veröffentlichungen habe ich gelegentlich etwas mitbekommen, ohne mich aber näher dafür zu interessieren: was ich davon gehört habe, war mir einfach zu banal, um mein Interesse zu wecken*. Und Julian Assange ist  in meinen Augen zwar 'kein Kostverächter' , ansonsten aber weder Held noch Anti-Held: er ist mir schlicht schnuppe. Doch begrüße ich selbstverständlich das Whistleblowing als Prinzip, etwa wenn es um Korruption geht, und somit finde ich es auch gut, dass es für derartige Insider-Informationen eine Internet-Plattform gibt, diesen breite Wirkung verleiht und den Informanten (zumindest theoretisch und auf der technischen Ebene) Anonymität ermöglicht.
[So sieht das auch ein Mark Pesce, der in seinem Debattenbeitrag "WikiLeaks a blueprint for things to come" vom 06.12.10 z. B. schreibt:
"It’s this triviality which has angered those in power. The mythology of power - that leaders are somehow more substantial, their concerns more elevated and lofty than us mere mortals, who must not question their motives - that mythology has been definitively busted. This is the final terminus of aristocracy; a process that began on July 14, 1789 came to a conclusive end on November 28, 2010. The new aristocracies of democracy have been smashed, trundled off to the guillotine of the internet, and beheaded."]

Was mich an diesem Fall reizt ist einfach der Drang, meine Kombinationsgabe zu üben,

Sonntag, 28. November 2010

Thilo der Waisenknabe

Aus gänzlich anderen Zusammenhängen (Rückverfolgung eines Suchzugriffs zu meinem Blott "Backfisch, Fuckbitch - oder Lonely Kraut?")  kam ich heute zu Thomas Mauls [hier hat er übrigens einen Blog] Buch "Sex, Djihad und Despotie. Zur Kritik des Phallozentrismus" (2010, 262 Seiten, 20.-€. ISBN: 978-3-924627-96-6)


Und staunte Bauklötze: Da greift jemand, der offenkundig der Linken zuzurechnen ist, den Islam mit einer derart knallharten Kompromisslosigkeit an, dass mir (gewiss kein Fan dieser Religion) die Ohren schlackern.
"Seit dem 11. September 2001 wird in der westlichen Öffentlichkeit die Frage diskutiert, was der Islam mit dem weltweit agierenden Suizid- und Tugendterror zu tun hat, der in seinem Namen zuförderst gegen Juden, Frauen und Homosexuelle sich richtet. In Thomas Mauls kritischer Analyse des klassisch-schariatischen Geschlechterverhältnisses und der ihm entsprechenden Sexualpolitik im Spannungsfeld von Religion (Eschatologie, Ritualpraxis) und Gesellschaft (Patriarchalismus, orientalische Despotie, Djihad-Doktrin) erweist sich die Gemeinschaft der Gläubigen (Umma) als wesenhaft durch einen Phallozentrismus konstituiert, der in der Moderne notwendig in die Krise gerät. Die gegenwärtige barbarische Gewalt des Kollektivs ist damit nichts anderes denn eine anachronistisch-pathologische Verteidigung der im Verfall begriffenen Tradition und gilt in letzter Instanz immer dem (sexuell) selbstbestimmten Individuum"
fasst der Ca ira-Verlag (Freiburg) den Buchinhalt kurz zusammen.

Sonntag, 31. Oktober 2010

Backfisch, Fuckbitch - oder Lonely Kraut?

Der Urlaub ist für mich häufig auch eine Zeit des intellektuellen Lotterlebens. Ich lese dann Bücher, die ich sonst - mangels hinreichendem spezifischen Interesse, wegen geringer Erwartungen an die Intensität oder aus anderen Gründen - nicht lese, oder die ich sonst gar nicht zu Gesicht bekommen hätte.
Lesend konsumiert wird dann nicht selten einfach das, was mir die Vorsehung günstig vor's Portemonnaie positioniert. Oder was vom Markt zu nehmen mir ein moralisches Anliegen ist.
Wären Sie etwa herzlos genug gewesen, beim Bücherflohmarkt der katholischen Pfarrbücherei der St. Nikolaus-Kirche in Bad Reichenhall das Büchlein "Fanny Hill. Memoiren [auch: Geschichte] eines Freudenmädchens" von John Cleland im Regalständer stehen zu lassen? Verharrend dort wie ein Raubtier in der Bereitschaft, arglose gläubige Seelen zu ruinieren?
Nein, da bin ich mir ganz sicher, Sie hätten genau so verantwortungsbewusst gehandelt wie ich: Beherzt in die Börse gelangt, 50 ct. rausgeholt und diese Schmutz- und Schundliteratur rasch entschlossen konfisziert!

Und wäre es gerecht, oder fair, ein solches - immerhin recht berühmtes - Werk dem Mülleimer zu überantworten, ohne sich zu überzeugen, ob denn der Inhalt wirklich so schlimm sei? Und zugleich sich der Gelegenheit zu berauben, kulturhistorisches und soziologisches Wissen über das Leben in London in der Mitte des 18. Jahrhunderts zu extrahieren?

Dienstag, 10. Oktober 2006

Alpine Fairytale


Gar so schlecht waren meine Englischkenntnisse schon damals nicht, als ich als (Bus-)Reiseleiter mit hauptsächlich US-amerikanischen Reisegruppen im Incoming-Tourismus hauptsächlich in Deutschland, Österreich und die Schweiz herumzigeunerte.
Dass jedoch mein Vokabular keineswegs perfekt, sondern im Gegenteil "far from perfect" war, entdeckte ich zu meinem Leidwesen (und Schaden) auf einer Tour, welche nach den mir vom Reisebüro übergebenen Unterlagen die Bezeichnung "Alpine Fairytale" trug.

Ein schöner Name, wie mir schien, und natürlich wusste ich, dass "fairytales" auf Deutsch "Märchen" heißt, und ebenso, was "fairies" sind: Elfen oder Feen natürlich - was denn sonst?
Jedoch hatten meine Touristen, vorwiegend Lehrer und Lehrerinnen (mit Ehepartnern), die Reise nicht unter der Bezeichnung "Alpine Fairytales" gebucht, sondern als eine Art Studienreise - was mir wiederum unbekannt war.

Der beiderseitige Überraschungseffekt war deshalb ganz enorm, als ich in bester Laune mit einem strahlenden Lächeln den Bus bestieg, zum Mikrofon griff und die Gäste mit "Hello you fairies"  begrüßte.