Dienstag, 31. März 2009

Landgraf, werde Zeisig! Kommentare zum kommenden G-20-Gipfel in London in Handelsblatt und Financial Times Deutschland (FTD)

Lucas Zeise erklärt in seinem Kommentar in der FTD vom 31.03.2009 "Warum sich nichts ändert".
Zu meinem Erstaunen macht er ausgerechnet die Bundesregierung dafür verantwortlich, dass bei der Londoner Tagung der G20 vermutlich in Sachen Bankenregulierung nicht allzuviel herauskommen wird. Hat nicht gerade unsere Regierung öffentlich und lautstark ein mehr an Regulierung verlangt?
Zeise zufolge hat sie jedoch ganz bewusst, geradezu vorsätzlich, "den Ex-Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) Otmar Issing zum Vorsitzenden ihres Beratungsgremiums ... [gemacht]. Sie [Angela Merkel] und Steinbrück wussten, was sie taten: Issing ist bekennender Deregulierer."
Entsprechend negativ beurteilt Zeise die Vorschläge des Beratungsgremiums:

Montag, 30. März 2009

Ein Wort für die Vitrine: Tittytainment


Michael Nystroms Webseite "BullnotBull" verdanke ich den Hinweis auf eine Erläuterung des Begriffs Tittytainment.

Erläutert wird die Bedeutung dieses Wortes auf der (ansonsten leeren) Webseite "tittytainment.com".

Ein Wort, das man sich merken sollte; zumindest will ich es im Gedächtnis behalten.

Samstag, 28. März 2009

„Ceci n’est pas une inflation“ oder: Eine Inflation gibt es nicht!

"Ceci n'est pas une inflation" mögen sich die Fed-Verantwortlichen, zuerst mit Alan Greenspan und dann mit Ben Bernanke an der Spitze, angesichts des Immobilienbooms gedacht haben. Und wenn ich dann noch behaupte "Eine Inflation gibt es nicht", klingt das zunächst sogar wie eine Bestätigung.

Mittwoch, 25. März 2009

Guten Morgen ihr Nachtwächter! Oppositionsparteien fordern endlich Untersuchungsausschuss für HRE-Desaster. (Und warum nicht für Regulierungsdebakel?)

"Hypo Real Estate. Untersuchungsausschuss zu HRE gefordert" konnte man im Handelsblatt vom 24.03.09 lesen:
"Der Niedergang der Bank Hypo Real Estate (HRE) und die massiven Staatshilfen für den Immobilienfinanzierer sollen im Wahljahr von einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss durchleuchtet werden. Die Bundestagsfraktion der FDP beschloss die Einsetzung des Gremiums. Zuvor hatte bereits die Partei Die Linke damit geliebäugelt, die Grünen sind ebenfalls dafür."

Und noch am gleichen Tag hieß es:
"Untersuchungsausschuss. Opposition macht bei HRE-Untersuchung Tempo":
"Die Opposition setzt wegen der Bundestagswahl in Sachen HRE auf schnelle Entscheidungen. Die Opposition macht beim angestrebten Untersuchungsausschuss des Bundestages zur Krise der Immobilienbank Hypo Real Estate Tempo. Das Gremium, das ein mögliches Versagen der Regierung im Zuge des Niedergangs des Instituts und bei den Staatshilfen beleuchtet will, soll nach Angaben von Links- Fraktionschef Gregor Gysi bereits an diesem Freitag eingesetzt werden."

Endlich ehrlich! Klaus F. Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), bricht eine Lanze für die Astrologie!

In seinem Handelsblatt-Gastbeitrag vom 20.03.2009 "Warum Prognosen die Krise verschärft haben" begründet Professor Klaus F. Zimmermann u. a. den Nutzen von Horoskopen:
"Horoskope können auch zu Verhaltensänderungen der Wirtschaftssubjekte führen, die die Vorhersagen ungültig machen - oder sie bestätigen. In diesem Fall ist es aber nicht mehr so wichtig, ob Voraussagen tatsächlich eintreffen. Es kommt nur darauf an, dass sie von den Akteuren als informativ angesehen werden, und ihre Entscheidungen verbessern. Dann sind mehr Horoskope wünschenswert, auch wenn sie schlussendlich wegen der Anpassungsreaktionen als falsch gemessen werden. ..... Wirtschaftshoroskope sind immer unsicher. Sie werden gemacht, um Orientierung zu bieten und die vorhandenen Informationen zu kondensieren. Die oft kritisierte Voraussagevielfalt ist nützlich, denn sie misst den jeweils vorhandenen Grad an Unsicherheit unter den Astrologen. Wichtig ist nicht, ob eine Vorhersage eintritt, sondern ob sie zu positiven Verhaltensänderungen führt."
Gell, das meine ich doch auch: wenn in der Zeitung steht "Mars und Venus sind zur Ruhe gekommen, gute Voraussetzungen, um das Rauchen aufgeben", dann ist das doch sehr positiv: vielleicht legt die eine oder andere (heutzutage sind es eh' vorwiegend die Frauen, die noch rauchen) daraufhin die Glimmstengel auf ewig beiseite?
Freilich ist Prof. Zimmermann keineswegs unkritisch gegenüber den Ökastrologen:
"Horoskope beeinflussen Stimmungen, Stimmungen prägen Verhalten, Verhalten gestaltet die Wirtschaftsentwicklung. Auch der Stellenwert von Vorhersagen muss deshalb hinterfragt werden dürfen. In Zeiten vermuteter großer Krisen oder bereits einsetzender schwerer Krisen können Horoskope brandgefährlich sein."
Sicher, haben wir ja beim König Krösus von Lydien erlebt: "Wenn Du den Fluß Halys überschreitest, wirst Du ein großes Reich zerstören" hatte das Orakel dem prophezeit. Und wer weiß, wass irgendeine Wiener oder Münchener Pythonia dem Adolf vorhergesagt hat? Vielleicht: "Du wirst ein großer Führer werden"? Man sieht, Astrologen wie z. B. der Giovanni Battista Seni, sind wirklich gefährliche Leute.

Dienstag, 24. März 2009

Wasser nur aus Plastikflaschen ist besser als Wasser im Gehirn! Warum Günter Seuferts Zeit-Artikel zum Weltwasserforum Cangrande zum Brodeln bringt

Offener Brief an Günter Seufert, Verfasser des Zeit-Artikels "Weltwasserforum. Wasser nur aus Plastikflaschen" vom 24.03.2009 über das Weltwasserforum in Istanbul.
("Experten haben in Istanbul über die Wasserprobleme der Welt diskutiert. Die Teilnehmer mussten nicht weit schauen, um gravierende Missstände zu entdecken. .....")



Lieber Herr Seufert,

Ihr Bericht fängt mit Plastikflaschen (bzw. der Tendenz nach: gegen Plastikflaschen) an und hört auf mit Staudämmen bzw. genauer: mit der obligaten Staudammkritik von Leuten, die keine Talsperren brauchen, weil das Wasser bekanntlich aus dem Hahn kommt.

Wie schafft man das: synchron über den Mangel an trinkbarem Leitungswasser (hier: in der Türkei) und über den Bau von Staudämmen zu jammern?

Ganz einfach: man macht einige interessante Beobachtungen; die reichen für einen Artikel nicht aus. Weil man auch nicht nachdenken will (das könnte eigene Vorurteile zerstören) schaltet man auf den umweltpolitisch korrekten Autopiloten im Gehirn um und lamentiert, natürlich, über den Bau von Staudämmen. (In Ihrem Artikel geht es um die Türkei, aber sicherlich hätten Sie den gleichen Singsang vom Stapel gelassen, wenn das Weltwasserforum in China, Indien oder Thailand zusammengekommen wäre).

Ich kann nur staunen über jene (für mich: unerträgliche) Leichtigkeit des Seins, welche das Denken so problemlos ausschalten kann.

Gewiss mag es sein, dass diese Staudämme nicht oder nicht in erster Linie der Trinkwasserversorgung dienen sollen. Aber die Zerstörung eines Naturschutzgebietes für einen Staudammbau ist in keiner Weise negativ korreliert mit dem geforderten Menschenrecht auf Wasser.

Ich habe bereits in einem früheren Blott ("terreur-des-sommes") auf die Widersprüche aufmerksam gemacht, in welche sich wohlmeinende Wasserbau-Widersacher verwickeln.
Die wollen ohne Rücksicht auf Verluste alles bekämpfen: den Hunger, die Unwissenheit, die Krankheiten, den Trinkwassermangel, die Verwendung nicht-ernerbarer Ressourcen für die Energiegewinnung - und die Staudämme.

Wo z. B. Ägypten heute wäre ohne den Assuan-Staudamm: dieser Frage stellen sich diese Schmetterlings-Schützer nicht. Lieber spinnen sie sich ein in ihre heile-Welt-Kokons, in ihre feuchten Träume von glücklichen Primitiven, die selbsverständlich ein Recht auf moderne Gesundheitsfürsorge haben. Diese mentalen Seidenraupen leben in einer Welt, welche mit Menschen proppevoll gefüllt ist und die sogar (auch dank ihrer mitleidigen Hilfe) ständig voller wird. Das verantwortungsenthobene Volk der Traumtänzer schert sich nicht drum, mag auf keinen Fall wider die Stachel der Widersprüche im eigenen Denken löcken. Lieber reitet man in einer Kavalkade der intellektuellen Verantwortungslosigkeit auf Traumpfaden zu neuen Menschenbeglückungsturnieren.

Macht doch nichts, wenn die Länder keine erneuerbare Energie (aus Wasser) gewinnen oder ihre Felder nicht bewässern können: dann müssen wir denen halt helfen, ihre Völker zu nähren, kleiden, ihnen sauberes Trinkwasser, hygienisch einwandfreie Toiletten und eine State-of-the-Art-Gesundheitsbetreuung zu beschaffen. Schließlich sind "wir" sind ja sooooo reich, da können wir doch massig was abgeben? (Und außerdem ist es sowieso unsere Schuld, wenn die sich so fruchtbar mehren: die wo wir nicht kolonialisiert haben, denen haben wir die Hygiene gebracht.)


Meine herzliche Bitte an alle, deren Bereitschaft zu einem vernetzten (Friedrich Vester) Denken lediglich "di aqua" (Pietro Aretino) ist:

Berauscht euch an dem (freilich um den Preis des Anthropomorphisierens) sprachlich wunderschönen Wassertext von Elfriede Jelinek aus ihrem Roman "Gier":
"Wildes, grandioses Wasser, fällst mit hocherhobenem Köpfchen, auch wenn man Dich bereits gezähmt hat! ....."
Und lasst ab von der Vergiftung unserer diskursiven Umwelt mit romantischer Naturträumerei auf dem intellektuellen Niveau der Gartenlaube!

Nein: auch ich bin nicht glücklich über die Zerstörung von Natur. Nur sehe ich bei denen, die ständig darüber klagen, nicht die mindeste Bereitschaft, dem eigentlichen Problem ins Auge zu schauen: der zügellosen Vermehrung der Menschheit. Ganz im Gegenteil sind diese "guten" Menschen meist die ersten, die ein besseres Leben (d. h. im Ergebnis: mehr Ressourcen- und Umweltverbrauch) für die 3-Welt-Länder fordern usw.
Doch wenn die dortigen Menschen ihre Chancen realisieren wollen (genau so, wie wir das gemacht haben und immer noch machen: einst z. B. indem wir die Lüneburger Heide entwaldet haben, worauf wir heute sogar noch stolz sind!), dann bläst dieses Volk gewaltig die Backen auf!


Ich aber höre besser auf, mich weiterhin über jene Denkentwöhnten zu echauffieren: auf dass nicht der Strom meines heiligen Zorns mich in die Gullys der Verbalinjurien hinabspüle!


Nachtrag 25.03.09
Weiterer Artikel in der ZEIT zum Thema: "Weltwassertag. Der politische Wille fehlt"
v. Marianne Alker und Matthias Krause, Deutsches Institut für Entwicklungspolitik 24.3.2009:
"Grenzübergreifende Maßnahmen zum Schutz unseres Trinkwassers sind immer noch die Ausnahme".




Textstand vom 25.03.2009. Auf meiner Webseite
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Sonntag, 22. März 2009

"Krise ohne historisches Beispiel" + "Das ist eine Entwicklung, die wir nie gesehen haben": 2 Handelsblatt-Interviews v. April 2008 + März 09


Einen interessanten Rückblick auf den Debattenstand (bei denjenigen, welche den Durchblick hatten) vor einem Jahr und die damaligen Prognosen über die zukünftige Krisenentwicklung ermöglicht die Lektüre des Handelsblatt-Interviews vom 08.04.2008 von Torsten Riecke mit Mohamed El-Erian, Co-Chef des Anleihefonds Pimco, u. d. T. "Krise ohne historisches Beispiel".
Ich beschränke mich hier großenteils auf eine Wiedergabe von Auszügen, möchte aber die Leser noch einmal daran erinnern, dass es sich nicht (wie es oft scheinen mag) um einen aktuellen Kommentar zur Welt-Wirtschaftskrise handelt, sondern dass El Erian (wie auch andere) bestimmte Entwicklungen bereits vor einem Jahr prognostiziert hat (Hervorhebungen von mir):

Twingly als teuflische Versuchung: Intellektuelle Jingle Mail von mir zum Handelsblatt?

In einer ganzen Reihe von amerikanischen Bundesstaaten (darunter dem für den Immobilienmarkt sehr wichtigen bzw. für die Immobilienkrise in hohem Maße "verantwortlichen" Kalifornien) besteht die gesetzliche Möglichkeit, eine Immobilienhypothek als "nonrecourse debt" oder rückgriffslose Verbindlichkeit, aufzunehmen. Dem Gläubiger gegenüber haftet dabei lediglich die Immobilie, nicht der Hauskäufer persönlich mit seinem sonstigen Vermögen. Das bietet natürlich einen erheblichen Anreiz, bei einem starken Preisverfall aus dem Haus auszuziehen und es dem Leihgeber zu übergeben.

Freitag, 20. März 2009

Wolfgang Münchau: was ist Wahrheit? oder Die Trompeter von Sick-ingen

Auch ich lese natürlich recht häufig englischsprachige Webseiten, zum allergrößten Teil aus den USA. Die sind meist informativer als die deutschsprachigen, was bei der Finanzmarktkrise ja auch kein Wunder ist: Seismographen im Zentrum des Bebens liefern naturgemäß die besseren Aufzeichnungen.
Manche meiner Landsleute scheinen bei einer solchen Lektüre allerdings die Orientierung zu verlieren.

Freitag, 13. März 2009

Ein Bild lügt mehr als tausend Worte. Irreführende Werbung für die Frühstücks-Angebote von McDonalds

Wer möchte da nicht zugreifen -


wo es ein Frühstück "schon ab 1 €" zu kaufen gibt?


So jedenfalls suggeriert uns die Vorderseite des Faltprospekts mit dem Titel "easy morning" von McDonalds Deutschland dem Verbraucher: mit der Abbildung eines Bechers Kaffee und eines McMuffin Bacon & Egg. Und mit der Unterzeile "Das neue Frühstück bei" McDonalds.













Ein Blick auf die Rückseite






















sowie auf die beiden Innenseiten

zeigt indes: In Wirklichkeit gibt es zwar verschiedene Snacks für einen Euro (und wohl auch den Cappuccino), aber kein Frühstück. Denn das umfasst nach meiner, und zweifellos auch nach der gängigen Vorstellung in der Öffentlichkeit, also bei den anderen Konsumenten oder Kunden oder Verbrauchern, immer mindestens eine Speise und ein Getränk.

Deshalb bezeichne ich diese Werbung als eine Irreführung der Verbraucher und als unlauteren Wettbewerb.












Textstand vom 13.03.2009. Auf meiner Webseite
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Mittwoch, 11. März 2009

Dudenhöffer non è di aqua. Wer machte mit welchen Motiven sein Automotive Research Center für die Opel-Studie flüssig?

Leser meines Blotts "Opel: Rettung für lebendige Tote? Steuergroschen für GM? Ist Deutschlands Politik plemplem?" (16.11.08 ff.) haben vom "Autopapst" Professor Dr. Ferdinand Dudenhöffer zur Frage der Opel-Rettung ein breites Meinungsspektrum im Stil von 'Wie es euch gefällt' vernommen:

Ein Name ist derzeit bei der Berichterstattung über die Opel-Krise in aller Medien Munde:
Professor FERDINAND DUDENHÖFFER.
Der äußert sich .. sphinxhaft mal so mal so. Einerseits fordert er Rettungsmaßnahmen der Regierung, andererseits bezweifelt er die Überlebenschancen der Firma Opel.
"Opel war jahrelang auf Hilfen angewiesen und steht derzeit fast ohne Liquidität da", erklärt Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer. Die Rettung von Opel berge ein enormes Risiko und sei ohne einen finanzstarken Investor nicht zu machen. Ein solcher Investor habe derzeit aber eine große Auswahl, weil die meisten Autohersteller bemerkenswert geringe Börsenbewertungen aufwiesen. "Wieso sollte sich ein Interessent deshalb ausgerechnet für Opel entscheiden?" wird Dudenhöffer hier zitiert.
Dort freilich verlangt er Staatsknete:

Sonntag, 8. März 2009

Recht - gerecht - richtig. Die Opel-Krise und mein (partieller) Meinungswandel in der Enteignungsdebatte.

Für mich war es selbstverständlich: wenn der Staat insolvente Firmen rettet, soll er auch Eigentümer werden (und selbstverständlich ohne etwa eine Entschädigung an die Alteigentümer zu zahlen).

In der Enteignungsdebatte um die Banken stehe ich nach wie vor zu dieser Meinung, wie ich sie in dem Blott "HRE Enteignungsdiskussion: Ministerpräsident Oettinger gegen christliche Goldfinger?" geäußert habe.
Bei anderen Firmen, konkret bei der Firma Opel, hat ausgerechnet ein Handelsblatt-Kommentar von Pierre Briançon (breakingviews.com) vom 05.03.2009, der eben diese Meinung vertritt, bei mir einen Sinnes wandel herbeigeführt.

Mehr Milch für die Mütter! Die Grünen als Seelsorger in der Opel-Krise

"Der Konsul von Florenz" heißt das Buch, aus welchem ich hier die Milch für meinen Titel sauge, und wurde verfasst von David Tutaev. Es beschreibt die (großenteils erfolgreichen) Bemühungen von Gerhard Wolf, damaliger deutscher Konsul in Florenz, die Stadt in der Endphase des 2. Weltkrieges (1944) vor Kriegszerstörungen zu bewahren.
Der Inhalt steht mir nur noch in sehr grober Form vor Augen, aber eine Passage, die Tutaev nur nebenbei erwähnt, ist haften geblieben. Die Lebensmittel wurden knapp, und insbesondere auch die Milch. Die Milchrationen für werdende Mütter waren absolut unzureichend, woraufhin der Erzbischof von Florenz den deutschen Stadtkommandanten aufforderte, die Rationen zu erhöhen.
Nun war zweifellos die Milchknappheit kein von den Nazis bzw. der deutschen Wehrmacht künstlich erzeugter Mangel, etwa zur Ausrottung von italienischem Nachwuchs im Rahmen der nationalsozialistischen Rassepolitik. Vielmehr war, wie es im Krieg halt manchmal so geht, das Zeug einfach nicht in ausreichender Menge vorhanden.
In einer solchen Situation nützt es naturgemäß wenig, plakative Forderungen an den Stadtkommandanten zur Aufstockung der Rationen zu richten. Dennoch kommt so etwas beim Publikum immer gut an.