Donnerstag, 25. Mai 2006

Heute WIEHERT Canabbaia

Als ein in der Wolle gefärbter Lyssenkonianer ist Canabbaia natürlich verpflichtet, beim menschlichen Verhalten die Dominanz der Umweltprägung über die genetische Codierung zu beweisen. Deshalb hat er momentan vom Bellen auf Wiehern umgestellt – weil er nämlich heute die Frankfurter Galopprennbahn im Stadtteil Niederrad besucht hat.
Fleischer, Volksbank und Friseusen ließen dort die Pferdchen laufen: beim 7. Renntag des Handwerks.

Mittwoch, 24. Mai 2006

WAS SIND DERIVATE oder HAT ES BEI IHNEN GEKLINGELT?



Derivate sind Zeugen. Zeugen zum einen für einen Überfluss an Geldkapital, der sich nicht rentabel in Realkapital umwandeln (investieren) lässt.
Zum anderen bezeugen sie die Genialität des Marktes (als Institution; sicherlich nicht diejenige der Marktteilnehmer), welcher eben durch die Erfindung von und den umfangreichen Handel mit Derivaten (d. h. letztlich durch den Glauben an die Werthaltigkeit der Derivate) diese (durch unser Geld- und Zinssystem wohl zwangsläufig entstehenden) Überschusse neutralisiert.

Samstag, 20. Mai 2006

MAGGIO DI MAGONZA oder VOR DEM DOM DAS PARADIES


Mai in Mainz: das ist nicht irgendein x-beliebiger Mai. Er ist, auf dem Mainzer Wochenmarkt am Dom jedenfalls, der schlechthinnige Mai an sich, das platonische Urbild des Wonnenmonats Mai.

Mittwoch, 17. Mai 2006

Erdscheibenökonomen

Damals, als wir noch in Frankfurt (a. M.) wohnten, sah ich ihn in Schreibwarenläden Kaufhäusern usw. alle Jahre wieder: den „Frankforter Kalenner für Uzer un Schenner“. So, wie ein Heiligenkalender die Namenstage derjenigen auflistet, welche „zur Ehre der Altäre erhoben“ wurden, ist (oder war?) der „Kalenner“ ein Thesaurus für alle jene, die ihre Mitmenschen verhohnepiepeln („uzen“) oder welche mal so richtig mundartlich schimpfen wollten (hier kann man in einem Forenbeitrag vom 05.08.05 nachlesen, welche hübschen Pejorative die Frankfurter Urbevölkerung so drauf hat).
„Erdscheibenökonomen“ ist freilich ein Ausdruck, den man dort nicht findet (auch nicht in dialektaler Form). Das ist auch lediglich ein Versuch meinerseits, ein im anglophonen Diskurs beliebtes Schimpfwort einzudeutschen. Gebräuchlich ist es dort in der Form „flat-earthers“ z. B. In der Umweltdebatte, speziell als Spott der „Neo-Malthusians“ oder „Depletionists“ (die um die Begrenztheit der mineralischen Ressourcen wissen und vor deren baldiger Erschöpfung – depletion - warnen) gegen die „Cornucopians“ (deren Motto etwa lautet: „Wenn uns der eine Rohstoff ausgeht, fällt uns schon rechtzeitig was Neues ein“.)
Diesem hübschen Schimpfwort bin ich neulich wieder begegnet, und zwar in einem Newsletter der ASPO Irland. Die ASPO ist die „Association for the Study of Peak Oil“, eine in mehreren Ländern vertretene Vereinigung von Wissenschaftlern (und Laien?), die sich Sorgen wegen des erwarteten baldigen Fördergipfels für das Erdöl machen. Die irische Vereinigung scheint die rührigste zu sein und gibt jedenfalls einen Newsletter heraus. In der Ausgabe vom Mai 2006 wird unter der laufenden Nr. 706 mitgeteilt, dass die Berechnung und die Bezeichnung der Rohölverknappung geändert wurde, und dies damit begründet, dass „This new approach offers an olive branch to the flat earth economists whose religion prohibits recognition of natural limits“.
Und diese „flat earth economists“ sind eben bei mir zu „Erdscheibenökonomen“ eingedeutscht.
Näheres zu den „Flat-earthers“, jenen Menschen, die glauben, dass die Erde eine Scheibe ist (oder dass der liebe Gott die Menschen vor 6000 Jahren plötzlich und unerwartet in die Welt gesetzt hat, und ähnlichen Relikten einstmals gängiger Weltsichten), kann man dem Artikel über die „Flat Earth Society“ in der englischsprachigen Wikipedia entnehmen (eine kürzere Version gibt es auch in der deutschen). Wer glaubt, dass die Rohölreserven praktisch unbegrenzt, oder beliebig substituierbar sind, dem kann man, nach Meinung der ASPO (und nach meiner Meinung) auch zutrauen, dass er die Erde für eine Scheibe, Eva für ein Rippengeschöpf und die biblische Schöpfungsgeschichte für eine Tatsachendarstellung hält („Creationism“ - Schöpfungswissenschaft).
Erdscheibengläubige oder Scheibenerdegläubige – irgendwie klingt „flat-earthers“ ja doch besser, nicht wahr? (Aber wie wäre es auf Deutsch mit "Scheibenerdlinge", oder "Erdscheibianer"? Oder lieber "Flacherdianer"?)

Hier gibt es eine Webseite unter der Überschrift „The Flat Earth Society“, und dem hübschen Untertitel „"Deprogramming the masses since 1547". Wenn ich freilich so über den Inhalt hovere, habe ich den Eindruck, als ob die die Sache nicht richtig ernst nehmen. Doch mag es den Flacherdlingen gut tun, Zuspruch von einem veritablen Biologen oder Biochemiker zu erhalten. Dan Graur fordert in „Nature“, dem „International weekly journal of science“ zur „Solidarity with the oppressed flat-Earthers“ auf. Aber kann man solchen Menschen trauen? Oder ist dieser Leserbrief gar ironisch gemeint?
Auch Donald Simanek habe ich stark in Verdacht, dass er sich mit dem Abdruck des Artikels „The Flat-out Truth“ von Robert J. Schadewald unter dem Vorwand einer neutralen Berichterstattung über die Flacherdlinge lustig macht.
Also, ich muss sagen, da ziehe ich doch den „Sokal Hoax“ („Transgressing the Boundaries: Towards a Transformative Hermeneutics of Quantum Gravity“) vor: der war wenigstens ernst gemeint!
Wie auch immer: Scheibenerdenökonomen gibt es auch bei uns. Dazu zähle ich außer den Ressourcenzauberern z. B. alle jene, welche glauben, die Altersrenten durch das Kapitaldeckungsverfahren sicherer machen zu können (vgl. mein Blogeintrag „Rentensimonie?“ und ausführlicher meine Webseite „Rentenreich“).
Interessante Frage, mit welcher Bezeichnung die ihrerseits wohl mich schmähen würden, wenn sie es denn überhaupt jemals erfahren würden, wie ich sie hier (oder an anderer Stelle z. B. als "Humankapitalsubstitutionsadepten") schenne.
Vermutlich würden sie mich einen verfluchten Physiokraten schimpfen. Das ist für deren beschränkte Phantasie zweifellos das Allerschlimmste, was sie sich vorstellen können.


Textstand vom 17.05.2006.
Gesamtübersicht der Blog-Einträge auf meiner Webseite http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm

Sonntag, 14. Mai 2006

Schlossbewohner

Die englischsprachige Ausgabe der Wikipedia (also die Mutter aller Wikipedien) bringt heute, am 14.05.2006, als "featured article" einen Beitrag über das Schloss Sanssoucis von Friedrich dem Großen in Potsdam.
Der Eintrag "is based on a translation of the corresponding German-language Wikipedia article retrieved on March 12, 2006", bietet als besondere "Bonbons" aber auch Links zu zwei Webseiten mit Luftaufnahmen, eine davon sogar mit eingetragenen Markierungen für Gebäude, bei deren Aufruf kleine Abbildungen mit kurzem Erläuterungstext erscheinen.

Jedenfalls, der Artikel erinnert mich daran, dass wir eine Wohnung mit Schlossblick haben: auf das leer stehende Schloss der früheren Ysenburger Seitenlinie in der Hauptstadt des einstigen Drei-oder-so-Dörfer-Fürstentums Isenburg-Wächtersbach. (Die ursprüngliche, Schreibweise der Isenburger ist die mit "I". Nachdem jedoch ein Schreibfehler der kaiserlichen Kanzlei in Wien daraus ein "Y" gemacht hatte, übernahm die Familie diese wohl als eleganter empfundene Version.)

Und nicht nur haben wir einen Blick auf ein Schloss: wir wohnen (und hier verrate ich Ihnen ein Geheimnis; aber Sie sagen es ja niemandem weiter?) sogar selbst in einem Schloss.

Und das heißt beinahe genau so, wie die Sommerresidenz vom Alten Fritz. Nur ein einziger Buchstaben wurde durch seinen alphabetischen Vorgänger ersetzt: Schloss Sanssouris benenne ich hiermit feierlich jenes Gebäude, welches wir (und andere) bewohnen.

Allerdings: da bin ich nicht der Erste, der auf die Idee kam, sich kühn mit dem großen Friedrich zu vergleichen. Schon Viktor Otto Stomps hatte ein Schloss gleichen Namens, in Stierstadt im Taunaus (heute Ortsteil von Oberursel).

So darf er zwar den Erfinderruhm beanspruchen (und, anders als uns, gehörte dem das Gebäude vielleicht sogar?), aber dafür hatte er keinen Schlossblick, wie wir.
Und wenn das Schloss bei uns gegenüber (das jetzt Privatleuten gehört, die ursprünglich wohl ein Altersheim daraus machen wollten) auch leer steht: Mäuse gibt es dort mit Sicherheit!



Textstand vom 14.05.2006
Gesamtübersicht der Blog-Einträge auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm