Donnerstag, 31. Dezember 2009

Widersprüchliche Signale zum Griechenland-Bailout: Machtkampf im Zentralkomitee der CDU/CSU/FDP-Hornissenkoalition?

Das Thema möglicher europäischer, d. h. hauptsächlich deutscher, Subventionen für den von Klientelismus, Korruption und Steuerhinterziehung zerfressenen griechischen Staatshaushalt, hatte ich bereits zweimal aufgegriffen, zuletzt in meinem Blott "Endlich! Deutsche Nationalhymne runderneuert: Dummland Deutschland zahlt für alle, Alle PIGS der Euro-Welt" vom 18.12.09 (davor bereits am 20.02.2009 im Blott "Lässt Klingklax sich klaglos beklauen? Keine Euro-Anleihen zur Rettung der Mittelmeer-Länder! Keine deutschen Steuergelder gen Süden senden!").

Wenn ich mich heute, am letzten Tag des Jahres 2009, in Analogie zu den einstigen Beobachter des ZK der KPdSU gewissermaßen als Kremlastrologe versuche, dann liegt das an den widersprüchlichen Signalen, die von unserer Regierung in Sachen Griechenland-Hilfe (die ich selbstverständlich scharf ablehne), ausgehen.

Nouriel Roubini: Aus Dr. Doom wird Dr. Zoom

Von Versteinerungen war die Rede in meinem vorangegangenen Blott, und in gewisser Weise ist diese Thematik auch der Goldgrund, auf dem ich mein vorliegendes (unfrommes) Zeitgemälde male.
Inhaltlich geht es hier um mein Dauerthema der aktuellen Weltfinanzkrise bzw. Weltwirtschaftskrise. Dazu hatte die "New York Review of Books" am 30.04.2009 in New York eine mit hochkarätigen Experten besetzte Diskussionsveranstaltung unter dem Titel "The Crisis and How to Deal with It" mit Bill Bradley, Niall Ferguson, Paul Krugman, Nouriel Roubini ["Dr. Doom"], George Soros und Robin Wells" veranstaltet, deren Protokoll ich zur Lektüre nur empfehlen kann.

Kluge Sätze sagte, wie immer, der Erzkapitalist George Soros [hier habe ich zu dem englischsprachigen Wikipedia-Eintrag verlinkt, weil dieser deutlich länger ist als der deutsche]. Unter anderem (meine Hervorhebung):
"... President Obama [is] faced with two objectives. One, he must arrest the collapse and, if possible, reverse it. Second, he has to reconstruct the financial system because it cannot be restored to what it was. This is a new situation. When people see this crisis as being the same as previous financial crises, they're making a mistake."

Mit seiner Aussage, dass die aktuelle Finanzkrise mit keiner anderen vergleichbar ist, dürfte Soros die Finanzkrisen der Nachkriegszeit - Asienkrise usw. - im Auge gehabt haben. Denn mit der 1. Weltwirtschaftskrise, der Great Depression, erscheint mir, was die Ursache angeht, die aktuelle Krise sehr wohl vergleichbar: in beiden Fällen war die Wirtschaft hoch überschuldet.

Was den Krisenverlauf angeht, haben wir natürlich deutliche Differenzen. Die Zentralbanken haben dieses Mal die Welt mit Liquidität geflutet, die Einbrüche der Wirtschaftsleistung sind heute weit weniger stark, das soziale Netz ist (in Deutschland und Europa; in den USA nur sehr begrenzt) stärker ausgebaut, die Staaten haben im Unterschied zu damals nicht (oder nur vereinzelt und versteckt) protektionistisch reagiert usw. Das sind die Unterschiede, die einem zunächst in den Sinn kommen.

Es gibt aber noch einen tieferen Unterschied, der uns möglicher Weise noch zu schaffen machen wird.
Damals wurden Geldeinlagen bei Banken vernichtet; heute werden die an sich untergegangenen Forderungen (d. h. Kredite, die von den Banken bei den Schuldnern nicht mehr eingezogen werden können) auf andere Schultern verteilt; die Eigentümer des Geldes (und u. U. sogar auch die Eigentümer von eigentlich insolventen Banken, also die Bankationäre) bleiben, jedenfalls soweit sie ihr Geld auf einer Bank deponiert haben ungeschoren. (Und für Staatsschulden wird es, Beispiel Griechenland, möglicher Weise ebenso laufen.)
Darauf hat der wegen seiner frühzeitigen Voraussage der Krise als "Dr. Doom" bekannte Nouriel Roubini hingewiesen (meine Hervorhebung):
"However, fiscal policy cannot resolve problems of credit, and it is not without cost. Over the next few years it's going to add about $9 trillion to the US public debt. Niall Ferguson said it's the end of the age of leverage. It's not really. There is not deleveraging. We have all the liabilities of the household sector, of the banks and financial institutions, of the corporate sectors; and now we've decided to socialize these bad debts and to put them on the balance sheet of the government. That's why the public debt is rising. Instead, when you have an excessive debt problem, you have to convert such debt into equity. That's what you do with corporate restructuring—it converts unsecured debt into equity. That's what you should do with the banks: induce the unsecured creditors to convert their claims into equity. You could do the same thing with the housing market. But we're not doing the debt-into-equity conversion. What we're doing is piling public debt on top of private debt to socialize the losses; and at some point the back of some governments' balance sheet is going to break, and if that happens, it's going to be a disaster. So we need fiscal stimulus in the short run, but we have to worry about the long-run fiscal sustainability, too."


Hier liegt ein wesentlicher Unterschied der aktuellen Finanzkrise gegenüber früheren Krisen. Früher gingen Insolvenzen voll zu Lasten der Banken bzw. schlugen sehr häufig auf die Geldgeber durch, wenn aufgrund massierter Konkurse die Banken selbst pleite gingen. Heute werden die Verluste auf unterschiedlichen Kanälen auf verschiedene Schultern (übrigens keineswegs nur diejenigen der Steuerzahler!) verteilt.

In der Great Depression gingen Banken in Massen in die Insolvenz (vordergründig meist durch "Bank runs", Bankenpaniken, letztlich waren sie aber großenteils wohl nicht nur illiquide, sondern tatsächlich auch insolvent). Hypothekenkredite wurden damals in einem Umfang nicht mehr bedient, der uns heute unvorstellbar erscheinen muss. Nouriel Roubini berichtet in der Diskussion (meine Hervorhebung):
"... by 1933, 75 percent of households had defaulted on their mortgages; they couldn't pay them".
Das Geld der Einleger war damals bei einer Bankpleite futsch bzw. wurde je nach Liquidationserlös für die Werte der Bank nur quotal wieder ausgezahlt. Als Konsequenz aus dieser Erfahrung (und aus der daraus resultierenden Kreditverknappung, denn viele Einleger horteten danach wahrscheinlich ihr Geld unter der Matratze) wurden Einlagensicherungssysteme (Deposit insurance) eingerichtet, die allerdings die Einlagen nur bis zu einem bestimmten Höchstsatz garantierten (und garantieren). Vielleicht die erste derartige Institution wurde 1933 in den USA gegründet, die "Federal Deposit Insurance Corporation". (Deutschland folgte später - vgl. Wikipedia-Stichwort "Einlagensicherung").

Ich vermute, dass die Vernichtung von Geldeinlagen, also der Untergang von Forderungen der Finanzwirtschaft gegen die Realwirtschaft, im Ergebnis als eine Bereinigung gewirkt hat; die Schuldenquote der Realwirtschaft (bzw. bei Staatsbankrotten des Staates) war gesenkt; man hatte wieder Luft für die Aufnahme neuer Schulden. Im Ergebnis müssten derartige Schulden"verzichte" die Kaufkraft gesteigert haben, weil die Wirtschaftssubjekte insgesamt nunmehr weniger als vorher an den Finanzsektor 'abdrücken' mussten. (Wobei ein solcher Effekt, wenn es ihn gab, in der Great Depression für eine dauerhafte Konjunkturbelebung jedenfalls in den USA zu schwach war; bekanntlich hat erst der 2. Weltkrieg dieses Land aus der Depression gezogen.)
Diesen Zusammenhang, der mich schon länger beschäftigt, dürfte auch Nouriel Roubini im Auge gehabt haben. Und weil er sich mit dieser Perspektive (erneut) als jemand ausweist, der weiter blickt als der Rest seiner Zunft, weil er beweist, dass er dort Verstand sitzen hat, wo bei der großen Masse der Fachwissenschaftler nur Rechenmaschinen installiert sind, tituliere ich ihn hier mal scherzhaft als "Dr. Zoom".

Wenn man die Verluste (unbegrenzt) sozialisiert, geht die kaufkraftsteigernde Wirkung von Bankrotten, die in der partiellen Befreiung der Realwirtschaft von Forderungen der Finanzwirtschaft liegt, verloren.


Welche Wirkmechanismen insgesamt dahinter stehen, lässt sich vielleicht am Beispiel eines ganz simpel modellierten "Wirtschaftssystems" demonstrieren, das ich [kontrafaktisch und bibelfern ;-)]
"Der Mensch lebt nur vom Brot allein"
nenne.
Das System soll zunächst aus -3- selbständigen Wirtschaftssubjekten bestehen:
- Der Bauer Feld produziert Getreide,
- Müller Mahlstein verarbeitet dieses zu Mehl weiter und
- Bäcker Ofen macht Brot daraus.
Von diesem Brot leben alle drei. Da wir den Zusammenhängen in einer Geldwirtschaft auf die Spur kommen wollen nehmen wir an, dass unsere drei Produzenten ihre Waren nicht naturalwirtschaftlich tauschen, sondern für jeden Eigentumsübergang vom einen auf den anderen einen Kaufpreis in Geld entrichten. Es kommt zu folgenden Transaktionen:
1) Feld verkauft Getreide für 1.000,- € an Mahlstein.
2) Mahlstein verarbeitet dieses zu Mehl und verkauft das Mehl für 2.000,- € an Ofen.
3) Ofen verarbeitet das Mehl zu Brot in einem Gesamtwert von 3.000,- €; einen Anteil im Wert von 1.000,- € verzehrt er selbst (natürlich ohne eine finanzielle Transaktion mit sich selbst zu veranstalten). Brot im Werte von jeweils 1.000,- € verkauft er an Feld und Mahlstein.
Danach haben wir folgende Kontenstände:
4) Feld hat kein Geld mehr, weil er die 1.000,- € von Mahlstein an Ofen "weitergeleitet" hat.
5) "Mahlstein" hat noch 1.000,- €. Von seiner Einnahme von 2.000,- hat er 1.000,- für Brot wieder an den Bäcker bezahlt. Mit den verbleibenden 1.000,- € wird er den Bauern bei der nächsten Getreidelieferung bezahlen müssen, nach welcher er ebenfalls kein Geld mehr übrig hat.
6) Und der Bäcker hat jetzt vom Bauern und Müller jeweils 1.000,- eingenommen, besitzt also 2.000,- €. Die aber muss er bei der nächsten Mehllieferung an Mahlstein 'abliefern', wonach er zunächst ebenfalls geldlos ist.
Das Geld läuft in diesem System also in einem perfekten Kreislauf um, während die Ware dagegen nach Zwischenstufen der Bearbeitung letztlich verbraucht wird und neu produziert werden muss. Das scheint mir schon ein ganz brauchbares Grundmodell für unsere arbeitsteilige und mit Geldtransaktionen arbeitende Wirtschaft zu sein.
Es funktioniert auch vorzüglich - nur leider allzu gut, um uns über mögliche Störfaktoren Aufschluss geben zu können. Ich lasse "exogene" Faktoren, wie z. B. schwankende Mengenerträge der Getreideernte, mal beiseite, weil es hier um die Frage geht, ob im Konstruktionsschema des Geldsystem oder des Kapitalismus' als solchen potentielle Störfaktoren angelegt sind.
Dies ist in der Tat der Fall: wenn das Geld abgesogen wird, kommt unsere Brotesser-Ökonomie zum Erliegen. Eine Geldentnahme aus meinem System lässt sich in naher Anlehnung an die Wirklichkeit auf dreierlei Weise modellieren:

A.) Der Staat zieht Steuern ein (und/oder die Mafia Schutzgelder). Das ist für die Funktionsfähigkeit des Geldkreislaufs kein Problem, wenn a) genügend Überschüsse im System vorhanden sind, also die Produktiven nicht verhungern müssen (in unserem Beispiel könnten wir z. B. die Mengen, repräsentiert durch die unveränderlich gedachten Preise, verdoppeln) und b) der Staat und/oder die Mafia ebenfalls Brot für das Geld kaufen, es also vollständig wieder in das System einspeisen.

Schwierigkeiten für ein reibungsloses Funktionieren ergeben sich in den beiden folgenden Modellen, die (ebenfalls in enger Anlehnung an unsere ökonomische Realität) eine teilweise Entnahme von Geld aus dem Kreislauf vorsehen und dieses nur leihweise, also im Kreditwege, wieder einspeisen.
Interessanter Weise liegen die möglichen Problemursachen hier teilweise schon im Geldsystem als solchem begründet. Allerdings verschärfen sie sich potentiell in einem kapitalistischen System, also bei Fremdbesitz der Produktionsmittel.

B) Unsere weiterhin als selbständig gedachten -3- Wirtschaftssubjekte (Staat und Mafia denken wir uns mal wieder weg) produzieren die doppelten Mengen/Beträge und damit Überschüsse. Wenn also Bauer Feld von Müller Mahlstein 2.000,- € erhalten hat, aber nur 1.000,- benötigt, um seinen Brotbedarf (jeweils für eine gegebene Periode, meinetwegen von Ernte zu Ernte) zu decken, kann er die überschüssigen 1.000,- € entweder investieren, indem er z. B. das Brot an ein Schwein verfüttert, um später neben Getreide auch Schweinefleisch zu verkaufen. Alternativ kann er den Überschuss aber auch auf die hohe Kante legen und genau das tut er in unserem Modell auch. Dann sieht unser Systemzustand so aus:
1) Feld verkauft Getreide für 2.000,- € an Mahlstein.
2) Mahlstein verarbeitet dieses zu Mehl und verkauft das Mehl für 4.000,- € an Ofen.
3) Ofen verarbeitet das Mehl zu Brot in einem Gesamtwert von 6.000,- €. Einen Anteil im Wert von 1.000,- € verzehrt er selbst (natürlich ohne eine finanzielle Transaktion mit sich selbst zu veranstalten); eine weitere Menge im Wert von 1.000,- € nimmt er auf Lager, weil er dafür keine Abnehmer hat. Brot im Werte von (nach wie vor nur:) jeweils 1.000,- € verkauft er an Feld und Mahlstein.
Danach haben wir folgende Kontenstände:
4) Feld hat 1.000,- € von den von Mahlstein erhaltenen 2.000,- € an Ofen "weitergeleitet" (Brot von ihm gekauft); die überschüssigen 1.000,- € hat er im Kopfkissen versteckt.
5) Mahlstein hat von den von Ofen erhaltenen 4.000,- € an Feld 2.000,- für Getreide weitergeleitet und 1.000,- für Brot an Ofen gezahlt; auch er hat also noch 1.000,- € übrig.
6) Ofen hat von Feld und Mahlstein jeweils 1.000,- für das Brot erhalten; in der nächsten Runde kann er demnach nur noch für diese insgesamt 2.000,- € Mehl einkaufen (dass er außerdem noch Brot im Wert von 1.000,- € gelagert hat nützt ihm nichts, weil wir Tauschhandel in unserem System ausschließen und weil ohnehin für diesen Brotüberschuss keine Nachfrage besteht).
Wie sieht die weitere Entwicklung in unserem System aus? Wir sind jetzt wieder auf dem Subsistenzniveau unseres Ausgangsmodells angelangt; die 2.000,- € werden weiterhin im System kreisen, weil die Wirtschaftssubjekte auf diesem Niveau keine Sparmöglichkeit mehr haben.

C) In dieser Fallvariante führen wir endlich den lang erwarteten Kapitalisten ein. Diesem gehören sämtliche Produktionsmittel (der Boden des Bauern, die Mühle des Müllers und das Backhaus des Bäckers); er verlangt dafür Miete. Entsprechende Überschüsse in der Produktion wiederum vorausgesetzt ist die Situation dann zunächst nicht anders, als wenn der Staat Steuern abzwackt (beide Modelle lassen sich, bei entsprechend höherem Surplus, natürlich auch kombinieren). Ein Problem entsteht dann, wenn der Kapitalist spart. Sagen wir er verlangt von jeder Transaktion 20% und gibt davon nur 10% aus. Es ist unmittelbar einleuchtend, dass auf diese Weise auf die Dauer das Geld aus der Wirtschaft herausgesogen wird. Aber als anständiger Kapitalist, der er nun einmal ist, will er sein Geld ja arbeiten lassen. Spätestens dann, wenn die Geldmenge unter jenes Niveau gefallen ist, das für Transaktionen auf dem Level des Existenzbedarfs benötigt wird, müssten sich unsere produzierenden Wirtschaftssubjekte verschulden, indem sie beim Kapitalbesitzer Kredit aufnehmen. Leider müssen sie jetzt nicht mehr nur 20% an den Finanzier abführen, sondern zusätzich noch Kreditzinsen. Selbst also dann, wenn sie durch die Kreditaufnahme ihre Transaktionen wieder auf das Ausgangsniveau bringen konnten, kommen sie davon bald wieder herunter. Erneut hat sich das Geld beim Kapitalbesitzer gesammelt, und immer weniger kreist noch in der Realwirtschaft, weil der Eigentümer der Produktivgüter ja bei jeder Transaktion eine Abgabe verlangt. Dieses Mal wird der Kapitalbesitzer den Arbeitenden auch keinen Kredit mehr geben, weil sie ihm aus der früheren Verschuldungsrunde zwar Zinsen gezahlt haben, aber die Hauptforderungen nicht mehr tilgen konnten.
In dieser Lage könnte man ein Spiegelbild der aktuellen Situation in der Finanzkrise vermuten, aber im Moment geht es mir nur um allgemeine Überlegungen zur Funktionsweise einer kapitalistischen Geldwirtschaft. [Wer etwa konkrete Zahlen über die schon im Jahre 2000 erschreckend hohe Verschuldung insbesondere der Geringverdiener in den USA lesen möchte, sowie auch einige andere sehr informative Daten zum damaligen Stand der Wirtschaft, kann diese in der Monthly Review vom Mai 2000 in dem Artikel "Working Class Households and the Burden of Debt" finden, der von den beiden Herausgebern Harry Magdoff und John Bellamy Foster verfasst wurde. Man wundert sich, wie das amerikanische Finanzsystem dann noch 7 oder 8 Jahre (je nachdem, an welchen Ereignissen man den Zusammenbruch festmachen will) weitermachen konnte, bis der Crash offenkundig wurde. Im übrigen warten zwei weitere Texte von bzw. mit John Bellamy Foster noch auf meine Lektüre: "The Household Debt Bubble" vom Mai 2006 und das Interview "The "Great Financial Crisis": A whole new kind of struggle is emerging" vom 27.02.2009]

Für meine Zwecke reicht es hier, dass ich den Beweis der Funktionsunfähigkeit einer kapitalistischen Wirtschaft geführt habe.
Das sei, werden Sie sagen, Quatsch, denn schließlich habe doch der Kapitalismus über lange Jahre - mindestens gut 60 Jahre nach dem 2. Weltkrieg - gar nicht schlecht funktioniert. Was ich auch keineswegs bestreite.
Wäre es dennoch möglich, dass wir beide Recht haben?

Der Widerspruch ist nur ein scheinbarer und lässt sich auflösen indem man annimmt, dass das Grundmodell unserer kapitalistischen Geldwirtschaft in der Tat nicht über längere Zeit funktionieren kann, dass aber in der Realität eine ganze Reihe von Umständen hinzukommen, welche die Mängel des Grundsystems zumindest über einen längeren Zeitraum hin ausgleichen.

Der Nutzen einer solchen Betrachtungsweise könnte im Zusammenhang mit der aktuellen Wirtschaftskrise darin liegen, dass nicht die Krise der 'schwarze Schwan', ein eigentlich gar nicht zu erwartendes und unerklärliches Ereignis, ist, sondern erklärungsbedürftig wäre zunächst einmal, wieso der Kapitalismus in der Praxis ganz gut funktioniert hat, obwohl doch die Kapitalisten laufend Geld aus der Realwirtschaft herausziehen (d. h. sparen; dass sie den Produzierenden einen Teil von deren Konsumpotential für sich selbst "abzweigen", ist irrelevant, weil es uns hier nicht um Moral, sondern um die theoretische Funktionsfähigkeit eines Geldsystems geht, und für ihren Konsum speisen sie das den Produzenten abgezwackte Geld ja wieder in den Kreislauf ein), was theoretisch zu deren Zusammenbruch führen müsste.
Zu denjenigen Umständen, welche den Grundfehler der Geldwirtschaft (nämlich die Anfälligkeit der Realwirtschaft für ständige 'Blutentnahmen' zu Gunsten der Finanzwirtschaft) neutralisieren, dürften zählen:
- Wachstum des Gesamtsystems (durch Populationszunahme und/oder Produktivitätszuwächse)
- Inflation (die das Finanzvermögen im Verhältnis zum Güterangebot verringert)
- Steuern auf Kapitaleinkommen und Kapitalvermögen (die das Finanzvermögen gleichfalls verringern)
- Kriege (mit derselben Funktion)
- die Giralgeldschöpfung, die ich in meinem Modellen gänzlich außen vor gelassen habe, weil mir deren Auswirkungen im Rahmen des Modells einfach unklar sind
- und vielleicht noch eine Reihe anderer Umstände (welche Rolle spielt die Verteilung der unterschiedlichen Ereignisse in der Zeit???).

Klärungsbedürftig im Hinblick auf die aktuelle Krise wäre dann, ob und ggf. welche Elemente, die früher zum Funktionieren unserer Geldwirtschaft beigetragen haben, weggefallen sind und ob es sich nur um ein vorübergehendes Aussetzen handelt, oder ob sich (aus welchen Gründen auch immer) die Bedingungen fundamental derart gewandelt haben, dass das System zukünftig unmöglich in der gewohnten Weise funktionieren kann. (Insoweit könnte man, wie Keynes schon vor 80 Jahren, z. B. an eine Sättigung des Produktionsniveaus in den entwickelten Ländern denken, die es unmöglich macht aus weiteren realwirtschaftlichen Investitionen noch nennenswerte Erträge zu erzielen - die berühmte "euthanasia of the rentier", der "sanfte Tod des Rentners", wie der erste deutsche Übersetzer formulierte).
Klar ist, dass der Wirtschaftswissenschaft weder die tieferen Ursachen der Krise klar sind, noch sie zweifelsfreie Rezepte zu deren Bekämpfung hat.

In der o. a. Debatte bemerkte der Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson dazu:
"Now we're in the therapy phase. And what therapy are we using? Well, it's very interesting because we're using two quite contradictory courses of therapy. One is the prescription of Dr. Friedman—Milton Friedman, that is—which is being administered by the Federal Reserve: massive injections of liquidity to avert the kind of banking crisis that caused the Great Depression of the early 1930s. I'm fine with that. That's the right thing to do. But there is another course of therapy that is simultaneously being administered, which is the therapy prescribed by Dr. Keynes—John Maynard Keynes—and that therapy involves the running of massive fiscal deficits in excess of 12 percent of gross domestic product this year, and the issuance therefore of vast quantities of freshly minted bonds.
There is a clear contradiction between these two policies, and we're trying to have it both ways. You can't be a monetarist and a Keynesian simultaneously
..."

Andere Diskussionsteilnehmer (Paul Krugman) haben dem zwar widersprochen, aber auch sie konstatieren (auf der Zeitschiene) Widersprüche, welche wir mit unserem derzeitigen Wissensstand nicht auflösen können.
George Soros etwa stellt fest (meine Hervorhebung):
"The interesting thing is that what needs to be done in the short term is almost exactly the opposite of what needs to be done in the long term. Obviously the problem was excessive leverage. But when you have a collapse of credit there's only one source of credit that is still credible, and that's the state: the Federal Reserve and the Treasury. Then you have actually to inject a lot more leverage and money into the economy; you have to print money as fast as you can, expand the balance sheet of the Federal Reserve, increase the national debt. And that is, in fact, what has been done, which is the right thing to do. But then once this policy is successful, you have to rein in the money supply as fast as you can."
Und wieder ist es Nouriel Roubini (nicht der Nobelpreisträger Paul Krugman), der die Richtigkeit dieser Sicht der Dinge bestätigt (meine Hervorhebung):
"I think that the debate here is about what needs to be done in the short term versus the long term."
(Roubini bestätigt indirekt auch Niall Fergusons Meinung, dass die US-Defizite großenteils durch die US-Notenbank (also durch 'Gelddrucken') finanziert werden, und dass darin eine enorme Inflationsgefahr liegt: "I agree, however, that we have to worry about the long run. If we're going to finance budget deficits by printing money, we may have high inflation, even risk of hyperinflation in some countries. That's what happened in Germany in the 1920s during the Weimar Republic. We are having large budget deficits and increasing the public debt, we don't know whether it's going to be $5 trillion or $10 trillion of more debt. But there are only a few ways of resolving that debt problem: either you default on it as countries like Argentina did; or you use the inflation tax to wipe out the real value of the debt; or you have to raise taxes and cut government spending. And given the size of the deficits, over time that's going to be a painful political choice to make. So we need the stimulus in the short run, but we need to restore medium-term fiscal sustainability.")
George Soros bringt mehrfach das Problem der Überschuldung bzw. des Umgangs damit auf's Tapet (meine Hervorhebungen):
"This living beyond our means accumulated mainly in the housing sector and the financial sector, and now those liabilities are being nationalized. It's a bit unfortunate that so far we have only nationalized the liabilities of the banks, and not their assets."
"I think the challenge for the US economy is, can we grow without excessive credit and leverage? Can we grow in a more sustainable way? And what are going to be the sectors of the economy that give us sustainable, long-term growth? I think that's an open question."
Was die "Verstaatlichung der Schulden" ("liabilities are being nationalized") angeht bleibt allerdings abzuwarten, inwieweit tatsächlich der Staat die Zeche zahlt. Natürlich zahlen die Staaten weltweit mit Steuerausfällen und steigenden Aufwendungen für Sozialausgaben und Konjunkturprogramme indirekt eine gigantische Rechnung; die Verluste des Finanzsystems werden sich aber wohl verteilen auf Staatshilfen einerseits und freiwillige Einzahlungen von Privaten (Kapitalerhöhungen von Banken) andererseits. Nach meinem Eindruck wird jedoch ein weiterer (und großer) Teil der Verluste aktuell durch Änderung der Buchungsregeln versteckt, um erst über einen längeren Zeitraum, also erst in der Zukunft, durch gestiegene Gewinnspannen (Zinsmargen im Geschäft mit der Realwirtschaft, vielleicht auch "Casinoeinnahmen" im Eigenhandels- und Derivategeschäft mit den Geldbesitzern) ausgeglichen zu werden (ist das etwa schon in der Japankrise der 90er Jahre so gelaufen, wo oft kritisch von "Zombiebanken" die Rede ist, obwohl möglicher Weise gerade dieses Mittel zur Krisenbekämpfung durchaus effektiv war? Vgl. die Forschungsergebnisse von Richard Koo in der Zusammenfassung von Dieter Wermuth).

Und eben da könnte ein Problem liegen, dass nämlich das Geld der Realwirtschaft - auf welchem Wege auch immer - wieder entzogen werden soll und muss, um die Kapitalbesitzer (seien es Milliardäre, Kleinstsparer oder Pensionsfonds) schadlos zu halten. Gänzlich einmalig ist das nicht, das hat schon Japan in der dortigen Krise der 90er Jahre so gehandhabt (s. o.). Dafür hat es allerdings heute einen gigantischen Schuldenberg. Die Gelddruckerei der japanischen Notenbank hat wohl nur deshalb keine Hyperinflation ausgelöst, weil die Yens in sog. "Carry Trades", in einem Arbitragehandel unter Ausnutzung insbesondere international unterschiedlicher Zinsniveaus, großenteils ins Ausland verschleppt wurden. Gut möglich, dass auch diese Kapitalflut zur Finanzkrise beigetragen hat. Man kann sich durchaus vorstellen, dass eine Anwendung der japanischen Rezeptur im Weltmaßstab eine Katastrophe auslöst. Was in einem Teilsystem funktioniert (vielleicht deshalb, weil Lasten in andere Teilsysteme exportiert werden?) kann auf gesamtsystemischer Ebene in die Hose gehen - ein sogenanntes Emergenzphänomen.



Im übrigen ist es natürlich denkbar, dass alles, was ich hier denke (und mühsam auszuformulieren versuche), bereits gedacht worden ist, oder sich z. B. auch schon in entsprechend konzipierten Spielen niedergeschlagen hat. Dann haben meine Überlegungen allenfalls für mich selbst einen Nutzen, insofern, als ich durch tieferes Eindringen in die Materie diese besser verstehen kann (konkret z. B. einen anspruchsvollen fachlichen Text wie The Roving Cavaliers of Credit von Steve Keen auf dessen Webseite DebtWatch vom 31.01.2009).
Ganz allgemein wäre es aber vielleicht keine schlechte Idee (falls nicht schon umgesetzt), wenn man ein weltweites Spiel im Internet veranstalten würde, welches die Wirtschaft mit möglichst vielen ihrer tatsächlichen Züge abbildet.
Das fördert vielleicht die Erkenntnis, denn vieles von dem, was Ökonomen von sich geben, erinnert mich fatal an den Stand der medizinischen "Wissenschaft" zu Zeiten der alten Pestärzte. (Allerdings besteht zwischen der Pest und den Finanzmärkten ein wesentlicher Unterschied: bei der ersteren hatten alle Menschen ein Interesse an Aufklärung. Bei letzerer haben dagegen viele ein Interesse daran, die Funktionsweisen im Dunklen zu lassen und die breite Masse zu täuschen und zu ängstigen - vgl. z. B. die Debatte über europäische Hilfszahlungen für Griechenland zur Abwendung eines Staatsbankrotts!)

Insbesondere kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass, um Gelehrsamkeit demonstrieren zu können, Komplexität auch dort gesucht wird, wo (jedenfalls zunächst einmal) ganz einfache Fragen zu klären und Antworten zu geben (bzw. zu suchen) wären.

Wissenschaftsgeschichtlich fängt für mich das Elend, bzw. die Verschleierung von (ökonomischer) Wirklichkeit durch die Wirtschaftswissenschaft spätestens bei dem heute wieder viel beachteten und über den grünen Klee gelobten Irving Fisher und seiner Debt Deflation Theory of Great Depressions an. Fishers Ansatz ist insofern asymmetrisch, als er die Realität einer Überschuldung der Wirtschaftssubjekte als notwendige Voraussetzung einer Wirtschaftskrise durchaus sieht. Schon im nächsten Schritt verdeckt er aber das Solvenzproblem, indem er zur Krisenbekämpfung Liquiditätszufuhr (Geldpolitik der Notenbank, also aktuell das Bernanke-, EZB- usw.-Rezept) sowohl empfiehlt als auch für ausreichend hält. Insolvenz (dauerhafte Zahlungsunfähigkeit) und Iliquidität (als nur vorübergehende Zahlungsunfähigkeit verstanden) sind jedoch 2 (zwar nicht völlig zusammenhanglose aber letztlich doch:) unterschiedliche Dimensionen. Es wird sich noch zeigen (und ich bezweifele es), ob man dem Solvenzproblem der Schuldner in unserer (bzw. speziell in der amerikanischen) Wirtschaft mit bloßer Liquiditätszufuhr (d. h. weitere Kredite!) wirklich beikommen kann.
Die spätere Forschung über die 1. Weltwirtschaftskrise hat in meinen Augen die Mystifikation der Krisenursachen fortgeführt. Bei der Suche nach Übertragungskanälen von Störungen zwischen Realwirtschaft und Finanzwirtschaft spielt das Problem der Überschuldung der Realwirtschaft und der Hypertrophie der Finanzwirtschaft (des Kreditwesens) kaum noch eine Rolle. (Für einen Forschungsüberblick - Stand 1993 - vgl. von Charles W. Calomiris das Papier "Financial Factors in the Great Depression").

"Back to the roots", also zur Überschuldungsproblematik, muss dagegen aus meiner Sicht sich wenden, wer wirklich an einer tieferen Ursachenerkenntnis von großen Finanz- und Wirtschaftskrisen interessiert ist.


Andererseits könnte sich im Hinblick auf die Ressourcenverknappung jegliches ökonomisches Denken herkömmlicher Art, oder auch unkonventioneller Art über herkömmliche Probleme, als Spiegelfechterei erweisen. Zumindest derzeit bleibt aber ein solches Nachdenken eine reizvolle intellektuelle Freizeitbeschäftigung.


Nachtrag 07.01.09
Das Modell der Brotesser-Wirtschaft habe ich jetzt, weil es mir sehr wichtig erscheint, in einem neuen Blott aus seinem hier allzu üppigen Beiwerk herauspräpariert: "Die Ökonomie der Artos-Phagen: Warum eine eigentumsbasierte Geldwirtschaft (im Basismodell) nicht dauerhaft funktionieren kann."





Textstand vom 07.01.2010. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen
Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Vom Bielefelder Universitätsgebäude zum psychedelischen Maybach Exelero. Kritik an der Hypertrophie der Rechte am Geistigen Eigentum.

Aus meiner Heimatstadt Bielefeld kamen Weihnachtsgrüße. Einer darunter, von Udo Twesmann, meinem Jugendfreund, enthielt ein 32-seitiges Geburtstagsmagazin, eine Beilage der Bielefelder Zeitung "Neue Westfälische" (NW). Nicht über einen alten Mann wie mich, sondern über eine Dame im besten Alter: "40 Jahre Universität Bielefeld".

Freitag, 25. Dezember 2009

Ziesemer ziseliert sich eine Theorie zur Ursachenverschleierung der Finanzkrise zurecht

Mein u. g. Leserkommentar zu dem Leitartikel "Komplexitätskrise: Wie viel Staat brauchen wir wirklich?" des Handelsblatt-Chefredakteurs Bernd Ziesemer vom 24.12.09, also von Heiligabend, wurde nicht veröffentlicht.
Den Grund kenne ich nicht, nehme aber nicht an, dass es an der Schärfe meiner Kritik liegt. [Pikanterweise ist sie noch schärfer als diejenige von marxistischer Seite; der Kommentar "Weihnachtsbotschaft der eigenen Art" vom 24.12.09 von Lutz Brangsch (auch hier veröffentlicht) ist zwar im Ergebnis noch radikaler als meine ("Die Krise wird in eine Legitimation der absoluten Herrschaft des Kapitals umgedeutet – denn Märkte können ja wohl kaum herrschen" schlussfolgert Brangsch), aber in sich recht matt, was insofern auch nicht verwundern kann, als die Kameraden auf der Linken alle Äußerungen und Vorgänge irgendwie in ihr Schablonensystem pressen müssen.]
Es könnte die Länge meiner Antwort gewesen sein doch vermute ich eher, dass Links in Leserkommentaren unzulässig sind.
Neulich in der ZEIT hatte ich das gleiche Problem mit einem recht kurzen Kommentar zu dem Artikel "Finanzpolitik. Sinnlose Schulden. Schwarz-Gelb verschenkt Geld – und schwächt ohne Not den Staat" von Marc Brost. Dort hatte ich zu einem meiner Blotts verlinkt, aber auch zu einem früheren Artikel vom Marc Brost vom 21.08.09 ("Staatsverschuldung. Billionen fressen Seele auf. Warum bloß fürchten sich die Deutschen so sehr vor hohen Staatsschulden?"), dessen Tenor mir mit seiner aktuellen Geißelung der Hornissenkoalition (die ich inhaltlich absolut teile) kompatibel zu sein schien.
Über die Gründe der mutmaßlichen Abneigung gegen Links in Leserkommentaren kann ich nur spekulieren. Es könnten geschäftliche sein (man will schließlich die Leser auf den eigenen Seiten halten) oder rechtliche Bedenken bezüglich der Verantwortlichkeit für eventuelle Verlinkungen zu Seiten mit rechtsverletzenden Inhalten.
Meine Reaktion wird allerdings ein Verzicht auf weitere Leserkommentare in der ZEIT und im Handelsblatt sein. Die Links sind für mich aus mehreren Gründen ein unverzichtbarer Bestandteil meiner Texte.
Zunächst stellen sie einen Service für den Leser (und auch, bei einem Wieder-Lesen, für mich selbst) dar. Man muss nicht lange nach einem Text googeln. Das ist zwar jetzt nicht mehr sonderlich arbeitsaufwändig, weil man sowohl beim Internet-Explorer von Microsoft als auch beim Firefox von Mozilla Worte oder ganze Textpassagen markieren und direkt in Google aufrufen kann; dennoch kommt man nicht unbedingt direkt zu dem gesuchten Text.
Es vereinfacht auch die Arbeit: man muss das eine oder nicht mehr erklären, es erklärt sich aus dem Link.
Und es zwingt zu Präzision, man kann nicht einfach daherreden im Stil von "irgendwo habe ich mal gelesen ...", sondern muss die Quelle exakt identifizieren.
Die Möglichkeit zur Linksetzung ist überhaupt ein Kern des Internet-Systems; ich kann es nicht akzeptieren, zum Verzicht darauf gezwungen zu werden.



Hier aber endlich mein Kommentartext; den hätte ich übrigens so oder so auch in meinem Blog veröffentlicht, weil mir die Auseinandersetzung mit dem Ziesemer-Text auch bei der Klärung eigener Anschauungen geholfen hat.


Lieber Herr Ziesemer,

die scharfe Kritik, die etwa meine Vorkommentatoren N peterbrown1946 (Nr. 1) und Axel Volker von Juterzenka (Nr. 2) an Ihrem Kommentar üben, erscheint auf den ersten Blick etwas unverständlich und unmotiviert. Gleichwohl halte ich sie für berechtigt.

Schon in der Überschrift senden Sie widersprüchliche Signale aus:
"Komplexitätskrise" suggeriert, dass Sie die übergroße Komplexität der Finanzprodukte als Krisenursache verorten, und als Rezept eine Reduktion der Komplexität. Sie sehen sie aber wohl nicht in dieser Weise, denn wenn Sie sagen "Am besten kann man die Finanzkrise und ihre unmittelbaren Folgen als erste Komplexitätskrise der postindustriellen Gesellschaft beschreiben" dann erweitern Sie den Blickwinkel auf die Gesamtgesellschaft. Das impliziert sowohl eine Verschleierung als auch eine Resignation: Nicht die Derivatewirtschaft ist das Problem; vielmehr ist das Leben an sich halt so komplex, kann man leider nix machen.
Verdrängt wird dabei z. B., dass genau diese Einstellung den US-Kongress (massiv vom Deregulierer Alan Greenspan belobbysiert) dazu geführt hat, Restriktionen moderner Finanz"produkte" aufzuheben und diese von jedweder Regulierung und Überwachung auszunehmen. Auch ich sehe zwar darin nicht die Letztursache der Krise, aber es hat sehr geholfen die Finanzmärkte zu destabilisieren.

Und definitiv wollen Sie Komplexität nicht reduzieren. Das lässt sich aus Ihrem vorliegenden Kommentar erschließen; das ließe sich auch in einem einfachen Test belegen.
Sie kennen zweifellos den berühmten Satz von Gerhard Mackenroth zur Finanzierung der Altersversorgung (und werden deren Richtigkeit auch kaum abstreiten):
Nun gilt der einfache und klare Satz, daß aller Sozialaufwand immer aus dem Volkseinkommen der laufenden Periode gedeckt werden muß. Es gibt gar keine andere Quelle und hat nie eine andere Quelle gegeben, aus der Sozialaufwand fließen könnte, es gibt keine Ansammlung von Periode zu Periode, kein "Sparen" im privatwirtschaftlichen Sinne, es gibt einfach gar nichts anderes als das laufende Volkseinkommen als Quelle für den Sozialaufwand.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Mackenroth-These)
Diesen Sachverhalt bildet das Umlageverfahren zur Rentenfinanzierung direkt, transparent und ohne unnötige Komplexität ab.
Wetten dass Sie dennoch das Kapitaldeckungsverfahren bevorzugen? Obwohl die Produkte für die Anleger intransparent sind, zumindest aber einen hohen Informationskostenaufwand erfordern. Aber wenn die privaten Drückerkolonnen Kasse machen können, kann es gar nicht genug Komplexität geben.
Dabei die von den Professores Sinn et al. z. B. in ihrem Gutachten "Grundlegende Reform der gesetzlichen Rentenversicherung" (1998) zusammenfantasierte Steigerung der Wirtschaftsleistung durch KDV-induzierte Investitionssteigerungen spätestens durch die Finanzkrise empirisch widerlegt: Unsere Riester-Renten-Groschen sind zu Granit-Arbeitsplatten in Luxusküchen amerikanischer Einfamilienhäuser mutiert und keineswegs zu neuen Arbeitsplätzen in Deutschland (und auch nicht den USA!) geworden.
[In Wirklichkeit hat sich der Mainstream der deutschen Ökonomen natürlich lediglich als Transportameisen-Kolonne von Memen aus der US-Ökonomiediskussion betätigt und diese Aktivität lediglich pseudo-rationalisiert.]
Aber gegen solche Lehren aus der sog. Finanzkrise haben Sie sich wahrscheinlich mental gut immunisiert; wie ich z. B. aus Ihrer Lektüre-Empfehlung schließe, möchten Sie das alles gar so genau wissen. Prof. Kirchhof habe ich in der Sloterdijk-Steuerdebatte als einen Menschen guten Willens schätzen gelernt ("Die Steuer ist ein Preis der Freiheit" - http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~EC80A1D66914648E6AFF6710426DCFCF9~ATpl~Ecommon~Sspezial.html), aber wenn ich nach Erklärungen der gegenwärtigen (2.) Weltwirtschaftskrise suche, dann greife ich sicherlich nicht zu dem von Ihnen empfohlenen Buch mit einem Titel "Das Maß der Gerechtigkeit". Kein Wunder, dass ich am Handelsblatt schon seit längerem den Biss vermisse (http://beltwild.blogspot.com/2009/06/handelsblatt-financial-times.html), wenn der Chefredakteur seine Leser mit Grimms Märchen einzulullen versucht!

Da überrascht es dann auch nicht mehr, wenn Sie nicht einmal die realwirtschaftliche Funktion der hypertrophierten Finanzwirtschaft hinterfragen, obwohl doch Ihre eigene Zeitung kürzlich (über Großbritannien) berichtete: "Industrie verliert doppelt so viele Jobs wie Finanzbranche". (http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur-nachrichten/grossbritannien-industrie-verliert-doppelt-so-viele-jobs-wie-finanzbranche;2501682)
Man muss die Sicht von International Banking Professor Richard Werner ("Ein untragbares System" - http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:interview-mit-richard-werner-ein-untragbares-system/50042398.html) nicht unbesehen übernehmen, aber eine mögliche Dysfunktionalität der Finanzmärkte sollte man zumindest thematisieren, wie das Ihr "Kollege" Thomas Fricke in der FTD tut (z. B. u. d. T. "Warum die Finanzbranche schrumpfen muss" - http://www.ftd.de/politik/international/:kolumne-thomas-fricke-warum-die-finanzbranche-schrumpfen-muss/50039822.html).
Wenn man etwa in einem aktuellen Bericht über das Treiben der US-Banken liest:
"Kredite ohne bankübliche Sicherheiten (Cov Lite), Kreditkonstrukte ohne laufende Zinszahlungen, die erst am Ende der Laufzeit mit exorbitanten Aufschlägen in bar oder neuen Schuldenpapieren zurückgezahlt werden müssen (Pik Toggle) oder die systematische Überschuldung von Unternehmen, um Dividenden an die Investoren privater Beteiligungsgesellschaften auszahlen zu können (Dividend Recap), sind wieder an der Tagesordnung" ("Sorgen um Überhitzung des Kreditmarkts wachsen" - http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/anleihen-devisen/:gefaehrliches-comeback-sorgen-um-ueberhitzung-des-kreditmarkts-wachsen/50045371.html), dann ist das eine Information, die sich nicht mit einem würdevollen "Maß der Gerechtigkeit" exorzieren lässt.
Freilich ist Ihr Artikel (und die relative Zahmheit des Handelsblattes bei Analyse und Kritik der Krisenerscheinungen) selbst das beste Beispiel für ein Symptom, dass Sie selbst unserem Lande zutreffend attestieren: das Arrière-Garde-Syndrom. Auch beim Welt-Wirtschaftsdenken marschiert Deutschland leider an der Spitze - der geistigen Nachhut.
(Übrigens habe ich als langjähriger Leser eine gewisse emotionale Bindung an das HB so dass meine Kritik an der Zahmheit Ihrer Zeitung - die freilich ungehört verhallen wird - durchaus freundschaftlich gemeint ist.)

Doch zurück zu meiner Ausgangsbemerkung widersprüchlicher Signale Ihrer Überschrift(en). Wenn es im Anschluss an "Komplexitätskrise" heißt: "Wie viel Staat brauchen wir wirklich?" dann wird klar, dass sich die Fragestellung für Sie auf die Doofheit der Staatsbeamten reduziert, welche die Weisen der Finanzbranche nur machen lassen sollen.

Gewiss fordern Sie "sehr wenige, aber harte Regeln" für die Banken. Aber unabhängig davon, ob es Ihnen ernst damit ist, oder ob das als Desinformation zu Gunsten der Banken gedacht war: im Ergebnis wird es sich wie eine solche auswirken. Zum einen bleiben Sie vage, zum anderen wird jeder Leser es schon von der Bauchlogik her als widersprüchlich empfinden, wenn Sie eine komplexen Welt mit einfachen Regeln steuer wollen: angesichts eben dieser Komplexität können solche Regeln ja nur grobschlächtig sein und dadurch schon per se unwirksam oder kontraproduktiv.
(Die Bankenbranche selbst wird letztlich auch nicht für einfache, sondern gegen harte Regeln optieren, und sie wird das über ein möglichst komplexes Regelwerk durchsetzen, weil sie nur darin die Laxheit vor der Öffentlichkeit verstecken kann. Komplexität hat noch nie gestört, wenn man daran, bzw. in einem solchen Umfeld, prächtig verdienen kann - wie die Investmentbanken es ja auch aktuell wieder tun.)

In Wirklichkeit ist aber die Krisenursachen gar nicht so komplex, wie Sie und viele andere uns glauben machen wollen (und sich vielleicht auch selbst einreden). Und noch weniger ist die aktuelle Weltfinanzkrise und Weltwirtschaftskrise einmalig. (Mehr darüber vermutlich - ich habe es nicht gelesen - in dem Buch "Dieses Mal ist alles anders. Acht Jahrhunderte Finanzkrisen" von Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff - http://www.amazon.de/Dieses-Mal-ist-alles-anders/dp/3898795640/ref=sr_1_2?ie=UTF8&s=books&qid=1261327583&sr=8-2-spell; engl. OT: "This Time is Different: Eight Centuries of Financial Folly".)
[Erg. 28.12.09: Wahrscheinlich eine Art Rohentwurf zu diesem Buch ist online gratis verfügbar: das Arbeitspapier "This Time is Different: A Panoramic View of Eight Centuries of Financial Crises" vom April 2008. (124 S.; hier eine Kurzversion mit 59 S.) Daraus die Zusammenfassung (abstract):
"This paper offers a “panoramic” analysis of the history of financial crises dating from England’s fourteenth-century default to the current United States sub-prime financial crisis. Our study is based on a new dataset that spans all regions. It incorporates a number of important credit episodes seldom covered in the literature, including for example, defaults and restructurings in India and China. As the first paper employing this data, our aim is to illustrate some of the broad insights that can be gleaned from such a sweeping historical database. We find that serial default is a nearly universal phenomenon as countries struggle to transform themselves from emerging markets to advanced economies. Major default episodes are typically spaced some years (or decades) apart, creating an illusion that “this time is different” among policymakers and investors. A recent example of the “this time is different” syndrome is the false belief that domestic debt is a novel feature of the modern financial landscape. We also confirm that crises frequently emanate from the financial centers with transmission through interest rate shocks and commodity price collapses. Thus, the recent US sub-prime financial crisis is hardly unique. Our data also documents other crises that often accompany default: including inflation, exchange rate crashes, banking crises, and currency debasements."
Ein weiteres Papier dieses Autorenteams befasst sich mit der internen Staatsverschuldung: "The Forgotten History of Domestic Debt" (49 S.). Einleitende Zusammenfassung:
"There is a rich scholarly literature on sovereign default on external debt. Comparatively little is known about sovereign default on domestic debt. Even today, cross-country data on domestic public debt remains curiously exotic, particularly prior to the 1980s. We have filled this gap in the literature by compiling a database on central government public debt (external and domestic). The data span 1914 to 2007 for most countries, reaching back into the nineteenth century for many. Our findings on debt sustainability, sovereign defaults, the temptation to inflate, and the hierarchy of creditors only scratch the surface of what the domestic public debt data can reveal. First, domestic debt is big—for the 64 countries for which we have long time series, domestic debt accounts for almost twothirds of total public debt. For most of the sample, this debt carries a market interest rate (except for the financial repression era between WWII and financial liberalization). Second, the data go a long way toward explaining the puzzle of why countries so often default on their external debts at seemingly low debt thresholds. Third, domestic debt has largely been ignored in the vast empirical work on inflation. In fact, domestic debt (a significant portion of which is long term and non-indexed) is often much larger than the monetary base in the run-up to high-inflation episodes. Last, the widely held view that domestic residents are strictly junior to external creditors does not find broad support."]

Lassen wir die Asienkrise, Japankrise usw. mal beiseite und gehen zurück auf 1929. Das Ausgangsszenario war damals dasselbe wie heute: überschuldete Wirtschaftssubjekte. Egal, ob die irgendwann objektiv die Kredite nicht mehr tilgen können, oder ob der Finanzmarkt eine solche Unfähigkeit schon vorher antizipiert: an irgendeinem Punkt kracht es.
Den Zeitgenossen war es 1929 durchaus bewusst, dass die Überschuldung die tiefere Krisenursache war. Sie haben aber auch schnell wieder davon abgelenkt und die Diskussion auf technische Dimension der Übertragungskanäle reduziert. (Frühes Beispiel ist Irving Fishers "Debt Deflation Theory of Great Depressions", wo die Überschuldung am Anfang steht, aber irgendwie einfach unwichtig wird, wenn nur die Zentralbank kräftig Geld ins System pumpt.
Wie sich die Diskussion später in den Wirtschaftswissenschaften hübsch zerfasert hat, kann man (Stand 1993) z. B. in der Zusammenfassung "Financial Factors in the Great Depression" (http://www.wissensnavigator.com/interface1/trading/documents/FinancialFactorsGreatDepression.pdf) von Charles W. Calomiris nachlesen. Das Ausgangsszenario einer Schuldenkrise (wie es für unsere Krise z. B. Prof. von der Vring u. d. T. "Die Subprime-Krise" http://wcco0y847.homepage.t-online.de/html/subprime-krise.html anschaulich-populär beschreibt) ist der Wissenschaft völlig aus den Augen geraten.
Über die Gründe brauchen wir nicht zu rätseln: die Wissenschaftler freuen sich über ihre kleinen Entdeckungen von Zusammenhängen; an den großen Kontext gehen sie nicht ran, weil er einerseits schwer mit wissenschaftlicher Präzision darzustellen ist und andererseits (auch mir selbst) kaum veränderbar erscheint.

Die marxistische Lösung ist, da haben Sie Recht, dauerhaft diskreditiert. Keynes, den Sie nicht mögen, ist jedoch keineswegs widerlegt. Die aktuelle Finanzkrise hat einen Zusammenhang eindrucksvoll bestätigt, den er wissenschaftlich bearbeitet hat, den sich aber schon das Alltagswissen unschwer zusammenreimen kann: Auf Dauer kann es nicht funktionieren, wenn die einen (Privaten, meinetwegen aber auch Pensionsfonds) mit Geldgeschäften immer mehr Kapital aus der Realwirtschaft herausziehen und dieses nur noch auf dem Kreditwege dorthin zurückkehren will und kann.

Die Verteilungsfrage ist der Kern der aktuellen Krise; diese Einsicht fürchten Sie wie der Teufel das Weihwasser und baden derweil in Häme gegenüber der diskreditierten Linken und allen anderen, die zwar ebenfalls bis zu dieser Einsicht gelangt sind, sich aber schmerzlich (und, im Gegensatz zu Ihnen: intellektuell redlich) eingestehen, dass sie keine Lösung für dieses Problem haben.


Auf der mehr technischen Ebene wundere ich mich ein wenig, wie sehr sich die Debatte auf Regulierungen des Finanzmarktes (Derivate usw.) versteift. Da mag zwar Handlungsbedarf bestehen; indes halte ich dafür, dass die Buchungsregeln ein wesentliches Element der Finanzkrise waren. Mir scheint, dass sie es den Finanzintermediären ermöglicht haben (und noch ermöglichen), Geldschöpfung auch außerhalb der Kreditgewährung an die Realwirtschaft zu betreiben. Und dass sie, auf welchen Wegen auch immer, Scheingewinne ermöglichen und dadurch falsche Anreize setzen.
Ohne dass ich das im Detail belegen könnte habe ich den Eindruck, dass die mittlerweile mehr oder weniger auch bei uns geltenden angelsächischen Buchhaltungsregeln auf "schnelle Beute" ausgelegt sind und dadurch Verhaltensweisen in der Finanzwirtschaft ermutigen, die sich verheerend auf die Realwirtschaft auswirken. (Außerdem mögen sie auch direkt negative Konsequenzen für die Realwirtschaft haben; das kann ich mangels Fachkenntnis nicht beurteilen.)
Diese Aspekte müssten m. E. (zusätzlich zu den bereits vielfach erörterten Fragen wie z. B. Regulierung und Kapitalverkehrssteuer - Tobin Tax - usw.) in der öffentlichen Debatte einen breiteren Raum bekommen.
[Erg. 28.12.09: Eine scharfe Kritik an der unkritischen Übernahme der US-Regeln am 27.12.09 in der FTD-Serie "Das Kapital": "Die USA und ihre folgsamen Schüler":
"Auf's Vermarkten leider auch ihrer Finanz- und Rechnungslegungsmodelle verstehen sich die Amerikaner gut. Die Europäer folgen oft blind, obwohl US-Firmen sich der reinen Lehre oft widersetzen."]



Nachträge 26.12.09

Der Zufall führt mich zu einem Zitat, das vorzüglich auf den Ziesemer-Kommentar passt. Es stammt von Peter Wahl und ist einem Papier (das ich ansonsten aus Zeitmangel nicht gelesen habe) der Heinrich-Böll-Stiftung (die der Partei Bündnis 90/Die Grünen nahe steht) entnommen (Reihe "Global Issue Papers", April 2008): "Regiert Geld die Welt? Zur Rolle der Internationalen Finanzmärkte für
Globalisierung, öffentliche Finanzen und Entwicklungsfinanzierung" (meine Hervorhebungen):
"Dabei sollte man sich nicht davon abschrecken lassen, dass das Thema von einer Aura umgeben ist. Finanzfragen erscheinen vielen als besonders schwierig und komplex und nur Eingeweihten zugänglich. Und so mancher Experte verstärkt diesen Eindruck. Sicher, die Zusammenhänge auf den Finanzmärkten sind oft nicht einfach. Aber der Satz von der Komplexität stimmt in gleicher Weise auch für andere Themen, ob es sich um Welthandel, Klimaveränderung, Soziales, kulturelle Vielfalt oder was auch immer handelt. Die Zivilgesellschaft hat sich bei diesen komplexen Themen qualifizierte (Gegen)-Expertise angeeignet, Politikfähigkeit entwickelt und erfolgreiche Kampagnen durchgeführt. Das Finanzmarktthema ist also auch nicht komplizierter als andere. In der Rede von der Komplexität ist oft auch ein Schuss von Herrschaftsanspruch enthalten. Der große französische Soziologe Pierre Bourdieu hat in diesem Zusammenhang immer von den „Hohepriestern des Neoliberalismus“ gesprochen. So wie der Priester vorgibt, über Geheimwissen zu verfügen, so erwecken manche Prediger des Neoliberalismus den Eindruck, nur sie wüssten wie die Sache funktioniert. Eine uralte Herrschaftstechnik, von der man sich nicht beeindrucken lassen sollte. Wenn die Banker und Fondsmanager es verstehen, kann die Zivilgesellschaft es auch verstehen. Hinzu kommt: sobald man auf die axiomatischen Grundlagen des Systems stößt – etwa die „unsichtbare Hand des Marktes“ - werden Parallelen zum Numinosen und Irrationalen augenfällig. Insofern ist der Vergleich mit Hohepriestern nicht nur polemisch. In jeder anderen Wissenschaft würde man ausgelacht, wenn man mit Erzählungen von einer „unsichtbaren Hand“ ankäme. [Richtig, aber da würde man es Regelkreis oder Selbstregulierung o. ä. nennen, was für unser heutiges Systemdenken nichts anderes ist als für den alten Adam -Smith- die "unsichtbare Hand"!] Vor allem aber ist die grundlegende Triebkraft des Systems alles andere als komplex: es ist das altbekannte Prinzip der Profitmaximierung, das als Hauptmotiv und Motor auch die Finanzmärkte antreibt. Mitunter exzessiver und aggressiver als auf anderen Märkten. Als alleinige Grundlage für ein Wirtschaften auf der Höhe der komplexen Probleme des 21. Jahrhunderts ist die Profitmaximierung aber hoffnungslos unterkomplex."
Etwas skeptisch bin ich gleichwohl gegenüber frohgemuten Demokratisierungsrezepten wie z. B. auch hier bei Wahl:
"Statt der ominösen unsichtbaren Hand müssen die Menschen ihrer selbst bewusst über ihr Schicksal bestimmen. Demokratie darf nicht vor den Finanzmärkten Halt machen. Die destruktiven Dynamiken entfesselter Märkte muss von Vernunft in Bahnen gesteuert werden, die das Potential der Finanzmärkte so nutzt, dass es, dem Wohlstand der Nationen - also allen - zugute kommt und nicht nur dem Reichtum der Reichen und Superreichen. Regiert das Geld die Welt? Bisher sicher zu einem beträchtlichen Teil. Es kommt darauf an, dass die Menschen die Welt regieren. Deshalb brauchen wir auch eine demokratische Regulierung der Finanzmärkte."

Eine Krisenperspektive aus der Prä-Krisen-Zeit bietet vermutlich das (marxistische?) Theorieheft PROKLA 134 aus dem Jahr 2004 u. d. T. "Die kommende Deflationskrise?".

Die Kernfrage zur Krise könnte man vielleicht so formulieren:
"Wie hat der Rentner seinen Tod überlebt", oder auf Englisch: "What killed Keynes' euthanasia of the rentier"? Welche Mechanismen erlauben es den Kapitalbesitzern, trotz eines gigantischen Kapitalüberflusses (im Verhältnis zur tatsächlichen Absorptionsfähigkeit der Realwirtschaft) noch heute gewaltige Erträge aus ihren Anlagen zu generieren, obwohl doch die Renditen bei vollkommenen Marktmechanismen in gleicher Weise am Boden liegen müssten wie die Milchpreise der Bauern?


Nachtrag 28.12.2009
Wer wissen möchte, was die intellektuelle Avantgarde (und nicht der Märchenonkel an den Ufern der Düssel) über die Finanzkrise denkt, sollte unbedingt die Diskussion (vom 30.04.2009) "The Crisis and How to Deal with It" mit Bill Bradley, Niall Ferguson, Paul Krugman, Nouriel Roubini ["Dr. Doom"], George Soros und Robin Wells" lesen. Ich beschränke mich hier darauf, einen einzigen Absatz zu zitieren. Der stammt von Nouriel Roubini und gehört für mich zu dem Weitsichtigsten, was überhaupt irgend jemand im Zusammenhang mit der Finanzkrise gesagt hat (meine Hervorhebung):
"However, fiscal policy cannot resolve problems of credit, and it is not without cost. Over the next few years it's going to add about $9 trillion to the US public debt. Niall Ferguson said it's the end of the age of leverage. It's not really. There is not deleveraging. We have all the liabilities of the household sector, of the banks and financial institutions, of the corporate sectors; and now we've decided to socialize these bad debts and to put them on the balance sheet of the government. That's why the public debt is rising. Instead, when you have an excessive debt problem, you have to convert such debt into equity. That's what you do with corporate restructuring—it converts unsecured debt into equity. That's what you should do with the banks: induce the unsecured creditors to convert their claims into equity. You could do the same thing with the housing market. But we're not doing the debt-into-equity conversion. What we're doing is piling public debt on top of private debt to socialize the losses; and at some point the back of some governments' balance sheet is going to break, and if that happens, it's going to be a disaster. So we need fiscal stimulus in the short run, but we have to worry about the long-run fiscal sustainability, too."
Mit anderen Worten: It's the overindebtedness, stupid!







Textstand vom 28.12.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen
Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Freitag, 18. Dezember 2009

Endlich! Deutsche Nationalhymne runderneuert: Dummland Deutschland zahlt für alle, Alle PIGS der Euro-Welt

Unser Staat zu and'rer Nutze
Gern gibt unser Steuergeld!
Vom Atlantik bis zur Memel,
Vom Pazifik bis zum Golf:
Deutschland an den Melkeschemel,
Bürger frisst der Steuerwolf!

Irland, Spanien Griechenland?
Deutschland blecht; halt du den Rand!
Von Iller, Neisse bis zur Elbe
Vom Schwarzen Regen zum Niederrhein,
Überall fragt man dasselbe:
Soll Deutschland ewig Milchkuh sein?

Sonntag, 13. Dezember 2009

Toy to the world - the Canon is come!




Kinder haben es leichter im Leben als Erwachsene - mit Ausnahmen.
Für neues Spielzeug müssen sie sich (zu dieser Jahreszeit) bis Weihnachten gedulden.
Unsereiner hat es da einfacher. Kein Warten auf's Christkind oder den Weihnachtsmann: einfach gucken, kaufen, ausprobieren.

Die Zeit war gekommen, dass ich eine neue Digitalkamera benötigte - in etwa so dringend, wie Kinder neue Spielzeuge (vgl. Blott "Danke, Supra, das war super: Irreparable Traveler Digitalkamera DC 8600 kulant getauscht").
Allerdings haben auch hier bei den Erwachsenen die Götter vor den Preis den Schweiß gesetzt - jedenfalls dann, wenn man sich nicht in die Sch'e setzen will.
Das will ich gar nicht kritisieren, sondern vielmehr den Beweis führen, dass die neoklassische Schule der Wirtschaftswissenschaft wenigstens bei mir Recht hat mit der Annahme eines voll informierten, rational handelnden homo oeconomicus.
Als solcher musste ich im Selbstversuch zunächst einmal die Transaktionskosten erleben oder erleiden, konkret in Form von hohen Informationskosten.

Danke, Supra, das war super: Irreparable Traveler Digitalkamera DC 8600 kulant getauscht

Als ich die DC8600 damals kaufte, Ende Juni 2006 bei Aldi, waren 8 Megapixel der Standard, 2,8 Zoll Display war Oberklasse, ein 6-fach Zoom war ebenfalls beachtlich. An mechanische Bildstabilisatoren war noch kaum zu denken und mancher andere Schnicksachnack, wie Gesichts- und Lächelerkennung, ist für mich ohnehin nur eine Scheininnovation. 259,- Euro waren für das, was die Traveler bot, damals ein sehr guter Preis, reichlich Zubehör war auch dabei (die SD-Speicherkarte hatte freilich nur 256 MB - damals waren auch diese Dinger noch teuer!) und vor allem (dafür werde ich Aldi bzw. Traveler ewig dankbar sein) eine vorzügliche Bedienungsanleitung: sehr handlich (problemlos unterwegs aus der Tasche zu ziehen), sehr gut gegliedert, illustriert, erklärt und über einen Index erschlossen.

Sonntag, 29. November 2009

Höchst ungewöhnlich: Auf welchem Weihnachtsmarkt, zumal in Frankfurt a. M., gibt es heute noch Glühwein für 1,- Euro?

Es gibt sie noch, die Vereins-Weihnachtsmärkte. Heppenheim hatte einen sehr schönen "Nikolausmarkt", und wir haben ihn vor einigen Jahren sehr genossen. Doch auf der Rückfahrt haben wir bitterlich gefroren, weil der Zug nicht beheizt war. Heute sind wir nicht mehr ganz so reiselustig (dabei war das erst vor 5 Jahren - in 2004); nach Eberbach am Neckar wären wir freilich gefahren (vgl. meinen Eintrag vom Vorjahr "Altdeutscher Weihnachtsmarkt in Eberbach: Gebrannte Erdnüsse gab's bei den Goten"), doch hielt uns die Wettervorhersage davon ab. Dazu kam noch der Umstand, das "unser" dortiger Italiener, Signore Parisi, sein kleines Café schon seit längerer Zeit geschlossen hat: wo würden wir dann bei Regen sitzen? Den ganzen Tag im Zelt auf dem Weihnachtsmarkt - das wäre denn doch etwas zu lange.

Also haben wir wieder einen ganz neuen Weihnachtsmarkt entdeckt, in Höchst. Nicht in der Stadt Höchst im Odenwald, sondern im Ortsteil Höchst von Frankfurt a. M..

O alte Gratisherrlichkeit: wohin bist du entschwunden? Handelsblatt hegt "Premium Content" ein.

Dubai hat es voll erwischt - und mich hat es bei Dubai erwischt. Nicht, dass ich dort investiert hätte: jene Groschen, welche ich allenfalls als Kleinstanleger in einen geschlossenen Immobilienfonds hätte stecken können, habe ich schon vor einigen Jahren auf dem Altar des Neuen Marktes als Rauchopfer dargebracht.

Indes hätte ich gern den Kommentar "Staatsfinanzen: Dubai zeigt die Probleme billiger Liquidität" vom 26.11.2009 gelesen. Beim Anfang geht das noch:
"Hohe Haushaltsdefizite und ultra-niedrige Zinsen haben viele Märkte gepusht und dazu beigetragen, die globale Rezession zu beenden. Dubais Probleme zeigen allerdings, dass der staatlich geführte Blitzkrieg nicht alle Exzesse des Kreditbooms ausradieren kann. Ein gefährlicher Nebeneffekt der Politik des leichten Geldes zeigt sich auch im Kursverfall des Dollar."
Doch dann kommt der Zaun:
"Dieser Artikel ist Teil unseres Premium-Contents, der nur für registrierte Premium-Kunden zur Verfügung steht. Um keinen der Vorteile von Handelsblatt Premium zu verpassen, registrieren Sie sich noch heute!"

Eine ganze Reihe von anderen Artikeln zum Thema ist frei zugänglich, z. B. (alle vom 27.11.2009):
- "Ökonomen-Warnung: Dubai-Krise könnte neuen globalen Crash auslösen";
- "Geschlossene Fonds: Dubai-Anleger zittern um ihr Geld";
- "Hintergrund: Wer hinter Dubai World steckt" und eine Bildstrecke:
- "Dubai vor Staatsbankrott: Das Ende von Tausendundeiner Nacht": "Noch vor kurzer Zeit galt Dubai als Synonym für großes Geld – und noch größere Bauten. Doch nun steht das Emirat vor der Pleite. Ausgerechnet die Immobilienbranche, in der Vergangenheit das Zugpferd von Dubais Wirtschaft, droht zu zerfallen – und versetzt die weltweiten Märkte in Angst und Schrecken."

Weitere Artikel folgten am 28.11.09:
- "Krise im Emirat: Daimler hält an Dubai fest, DIHK warnt" [für mich ein nicht sehr erhellender Titel, denn es geht nicht um eine Investition von Daimer, sondern darum, dass die Firma arabische Großinvestoren hat: "Daimler setzt ungeachtet der Dubai-Krise weiter fest auf seine beiden arabischen Großaktionäre". Hier setzen allenfalls die Investoren auf Daimler; welche Meinung die Firma dazu äußert, ist ausgesprochen gleichgültig!] und
- "Finanzspritzen: Abu Dhabi gibt sich bei Dubai-Hilfe wählerisch"

Aber eine ganze Reihe von Berichten und Kommentaren zum Thema Dubai (bzw. aus dem thematischen Umfeld) (und natürlich auch zu anderen Themen) ist nur gegen Bares zu haben (die Veröffentlichungsdaten sind auf den jeweiligen Einstiegsseiten nicht angegeben, wenn man auf der Hauptseite über die Suchfunktion kommt sieht man aber, dass es sich um Artikel aus dem Oktober bzw. November 2009 handelt):
- "IWF sieht neuen Bauboom am Golf" ("KONJUNKTUR- AUSBLICK: Der gestiegene Ölpreis führt zu Wachstum und Überschüssen in den Haushalten") und, genau konträr (einige Tage später erschienen):
- "Dubais Büromarkt droht Kollaps Im Emirat am Persischen Golf steht bald die Hälfte aller Büros leer. Die Mieten fallen rasant."
- "Dubai World: Gläubiger mit schwachen Händen": "Die Restrukturierung bei der wichtigsten Dachgesellschaft des Emirats, Dubai World, ist die größte, die der Golf je erlebt hat. Die wenigen vorangegangenen Ereignisse ähnlicher Art in Kuwait und Saudi-Arabien werden Geldgebern wenig Trost spenden, denn Gläubiger hatten mit widrigen Gesetzen zu kämpfen und zudem Schwierigkeiten, Ansprüche auf Kreditsicherheiten durchzusetzen." (Ein Kommentar von breakingviews).

Gern hätte ich auch den Kommentar "Dubai zahlt für übermäßigen Ehrgeiz": "Das Emirat ist hoch verschuldet und könnte seine Kreditwürdigkeit verspielen. Jetzt muss es umdenken, auf solide Wirtschaftsentwicklung statt auf Glitzereffekte setzen" zur Kenntnis genommen, denn schon immer fand ich das Kalkül hinter der Wirtschaftspolitik von Dubai ausgesprochen doof.

Die Erwartung war ja: 'Bis das Öl alle ist, sind wir ein attraktives Touristenzentrum geworden'.
Das ist, wenn man in einer geistigen Engführung eingespannt ist, eine vernünftige Überlegung; freilich lautet sie dann (und so haben sich das die Dubaier - Dubaitis? Dubaianer? - wohl auch gedacht): 'Wenn wir kein Geld mehr an der Ölförderung verdienen, weil unsere Vorräte verbraucht sind, wollen wir Geld an Touristen verdienen.'
Das ist nicht sonderlich intelligent, weil es danach allenfalls noch wenige Jahre dauern kann, bis die Ölvorräte auch anderswo zur Neige gehen.
Und die Auswahl von Urlaubsdestinationen wird nach dem Erreichen des Ölfördermaximums (Peak Oil) die allergeringste Sorge der Menschen sein.
Ausdauernde Leser meines Blogs bzw. meiner Blotts kennen freilich schon eine Vielzahl von Beispielen für inkonsequentes bzw. widersprüchliches Denken.


Aber momentan steht für mich ein anderes Thema im Fokus, und dafür hätte ich halt gern den Kommentar über die Probleme billiger Liquidität (ebenfalls von "breakingviews") informiert.

Ich arbeite nämlich an einem Text unter dem Arbeitstitel: "Wie hat der Rentner seinen Tod überlebt". Unbefangene Leser werden von dort zur Niedrigzinspolitik nicht leicht eine Brücke schlagen können; worum es geht, habe ich in zwei Kommentaren (unter dem Pseudonym Cangrande) vorab angedeutet:
- Im Blog "Freiheit360°" von Sven Scheffler auf den Handelsblatt-Webseiten u. d. T. "Wir müssen den Kapitalismus vor den Kapitalisten retten" ("“Lesetipp: Roger de Weck, Nach der Krise. Gibt es einen anderen Kapitalismus?”") vom 26.11.2009 ("Cangrande") und am 24.11.09 zu dem Beitrag
- von Norbert Reuter "Erwiderung auf den Beitrag von Elmar Altvater" im Blog "Diskurs. Die DGB-Debatte".

Es geht um meine Verwunderung darüber, dass bzw. angesichts der offenkundigen Kapitalschwemme die Geldkapitalbesitzer überhaupt noch beachtliche Renditen erzielen können. John Maynard Keynes hatte die Kapitalüberfülle vorhergesehen und für diese Situation die "euthanasia of the rentier" vorausgesagt; die erste deutsche Übersetzung von Fritz Waeger im Jahre 1936 hatte daraus (und darauf bezieht sich der Titel meines derzeitgen Überlegungsprojektes) einen "sanften Tod des Rentners" gemacht. (Mittlerweile hat Jürgen Kromphardt Keynes Hauptwerk "Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes" - "The General Theory of Employment, Interest and Money" - neu ins Deutsche übertragen und aus dem "Rentner" einen "Rentier" gemacht.)

Der Handelsblatt-Artikel über die Auswirkungen des leichten Geldes auf den Bauboom in Dubai, d. h. wohl über die Folgen von Fehlanreizen eines allzu niedrigen Zinssatzes, hätten mich insofern interessiert, als ich u. a. auch der Frage nachgehe, ob es denn (aus anderer Perspektive betrachtet, denn grundsätzlich bin natürlich auch ich keineswegs glücklich über die leistungslosen Einkommen der Rentiers) überhaupt wünschenswert ist, einen niedrigen Zinssatz (speziell: einen negativen Realzins, also einen Zinssatz unterhalb der Inflationsrate) zu haben.


Davon später mehr, wenn ich die Frage geklärt habe, wie der Rentner seinen Tod überlebt hat. ;-)


P. S.: Die neue Handelsblatt-Strategie, den Inhalt der Webseiten teilweise nur noch zahlenden Abonnenten zugänglich zu machen, kann ich in ihrer ökonomischen Logik durchaus nachvollziehen. Allerdings konterkariert sie in gewissem Umfang das Bestreben des Blattes, möglich oft von Bloggern referenziert zu werden (vgl. meinen Blott "Twingly als teuflische Versuchung: Intellektuelle Jingle Mail von mir zum Handelsblatt?").
Auf jeden Fall bedaure ich, dass ich nun vieles nicht mehr werde lesen können:
"... nie kehrst du wieder, gold'ne Zeit,
wo ich surft' frei und ungebunden
."
However: It certainly was fun while it lasted!



Links betr. "Dubai-Krise":

"Dubai Broken Dreams" im Blog Blick Log vom 29.11.09.

"Weissgarnix" (Thomas Strobl) macht seinem Namen alle Schande und erzählt uns, was er (eben doch!) über Dubai weiß: "Erinnerungen an Schon-Morgen-Pleiteland". (Dazu auch eine teilweise recht informative Folgediskussion, deren Kommentatoren auch Links zu anderen einschlägigen Quellen einbringen; ein "piaster" verlinkt z. B. zu der sehr kritischen Dubai-Betrachtung von Frank Davis aus dem Jahr 2006 "FEAR AND MONEY IN DUBAI". Diesen langen Artikel möchte ich Lesern, die einen Blick hinter die Glitzerkulissen werfen möchten, sehr herzlich ans Herz legen!!!
(Von dort führt ein Link zu dem anscheinend interessanten - teilweise auch pikanten - Blog "Secret Dubai diary".)
"Kreditgetriebene Fata Morgana" titelt Steffen Bogs seinen Eintrag vom 28. November 2009 im Blog "Wirtschaftsquerschüsse". Auch er hat eine Reihe von Zahlen aus dem Internet zusammengetragen (und, was besonders erfreulich, und leider nicht selbstvertändlich ist, auch zu den jeweiligen Quellen verlinkt).

Handelsblatt-Bericht vom 18.03.2008 von Pierre Heumann: "Gastarbeiter: Ganz unten in Dubai":
"Sie haben wenige Rechte, hausen in Baracken und müssen auch noch bei 40 Grad Hitze sechs Tage die Woche ran: Arbeiter in Dubai werden von ihren Chefs ausgebeutet und häufig auch um ihren Lohn gebracht. Das Leben der Gastarbeiter in der Wüstenwunderstadt."





Textstand vom 30.11.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
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Sonntag, 22. November 2009

Adventskalender als Dekadenzsymptom: Geht das Weihnachtsfest vor die Hunde?

Es tut eigentlich nichts zur Sache, dass ich diesen Adventskalender für Hunde während unseres Urlaubs Mitte Oktober in Oberstdorf fotografiert habe, und dass er von der Drogeriekette Müller angeboten wurde: das alles ist peripher.









Sonntag, 15. November 2009

Von der Grundversorgung im Internet Explorer zur Rundumverwöhnung beim Mozilla Firefox Browser: Das ist wie vom HO zum KADEWE

So wie ich nach dem Wechsel zum Feuerfuchs müssen sich die DDR-Bewohner gefühlt haben, als sie im November 1989 unmittelbar nach Öffnung der Mauer nach Berlin ins Kaufhaus des Westens (oder in andere bundesdeutsche Orte in die Kaufhäuser des Westens) strömten: überwältigt von der Fülle des Angebots.

Was im Warenhaus die Warenfülle, ist beim Browser die Fülle der Erweitungerungen (Add-ons). Meine (4) Symbolleisten sind mittlerweile gespickt mit einer Fülle von Symbolen, von denen ich gar nicht in allen Fällen genau weiß, was man damit alles anfangen kann. Das ist die Kehrseite der Fülle (beim Software- wie beim Warenangebot): ein wenig technikaffiner Mensch wie ich fühlt sich da schnell überwältigt. Und manchmal überrumpelt: wenn irgend etwas nicht funktioniert.

Man muss also zwar nicht seine Seele dem Teufel verschreiben, um Firefox zu benutzen, aber so manche Stunde (des Schlafs) geht schon drauf, bis man als relativer Computerlaie wenigstens von den Grundzügen her begreift, welche Funktionalitäten die verschiedenen Zusatzprogramme bieten, und bis man eine Reihe von Problemen (besonders ärgerlich: verschwundene Bookmarks - Lesezeichen, Favoriten -) in den Griff bekommen hat.
(Ich schaue schon furchtsam in die Zukunft: beim nächsten Update des Browsers wird es wiederum Probleme mit den - alten - Erweiterungen geben!)


Jedenfalls bin ich, wenn der Firefox Browser halbwegs stabil bleibt, nach meinem jetzigen 2. Anlauf für den Microsoft-Browser wohl endgültig verloren.
Der dabei für mich entscheidende Gesichtspunkt ist weniger der vielfältig gebotene Schnickschnack sondern die Möglichkeit, Lesezeichenordner und Lesezeichen-Links mit Beschreibungen (in anscheinend unbegrenzter Länge?) und die Lesezeichen selbst auch mit Tägs für erleichtertes Wiederfinden versehen zu können.
Das sollte mir das Leben mit meinen zwanzigtausend (oder so) Lesezeichen deutlich erleichtern.

Ein ganz besonders erwünschtes Feature ist für mich auch die Möglichkeit, Textpassagen auf Webseiten nach Art eines Leuchtstiftes zu markieren. Schade nur, dass man den Text anscheinend nicht direkt "glossieren" kann, also gewissermaßen Randbemerkungen machen wie in Büchern. Es wäre schön, wenn man unmittelbar zu einer markierten Stelle einen Kommentar einfügen könnte und dieser dann nach Art der Kommentarfunktion im "Word"-Programm erscheinen würde (und nach Speicherung in den Lesezeichen auch erhalten bliebe.

Aber gut: Wunderbares habe ich schon genug in den Firefox-Addons entdeckt; Unmögliches zu realisieren dauert für die fleißige Entwicklergemeinde offenbar etwas länger ;-).





Textstand vom 15.11.2009. Auf meiner Webseite
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Dienstag, 10. November 2009

Shanghai in Kempten

Bei unserem Besuch in der Stadtbücherei in Kempten habe ich nicht nur Erkenntnisse über die ökonomische Funktion von Staatsschulden in der Zeit des Absolutismus gewonnen (vgl. Blott Keynes in Kempten?), sondern auch Einsichten in die chinesische Geschichte gewonnen.

Schon in meiner Kindheit war ich ein profunder China-Kenner: damals habe ich nämlich ein Buch über das Land gelesen und das, weil es so spannend war, gleich mehrfach. Zwei Titel habe ich aus dem Buch in Erinnerung (das Buch besitze ich wohl auch noch, doch käme eine Suche in meinem Bücherschrank einer archäologischen Ausgrabung gleich), nämlich: „Im Reiche des Goldenen Drachen“ und „Durch die Höhlen und Schluchten des Wu-Tai-Shan“. Das Internet verrät mir jetzt, dass es sich um ein dreibändiges Werk handelt, bei dem „Im Reiche des Goldenen Drachen“ der Gesamttitel und „Durch die Höhlen und Schluchten des Wu-Tai-Shan“ der Bandtitel war. Es soll um 1920 erschienen sein und enthielt, was meine Phantasie damals besonders angeregt hat, auch einige Tafeln mit gemalten farbigen Bildern.
Von Löß ist in dem Wikipedia-Eintrag Wutai-Shan nicht die Rede; auch nicht in dem englischsprachigen Pendant Mount Wutai von „Loess“; vielleicht bezieht sich das Buch auf ein anderes Gebiet. Ich erinnere mich jedenfalls sehr deutlich, dass der Held der Geschichte (ein als Mandarin - also chinesischer Staatsbeamter - verkleideter Westler) seine mancherlei Abenteuer in einem Lößgebiet bestand. Dieses sehr weiche Gestein bildet jene bizarren Formen, deren Abbildungen man z. B. als Wanddekorationen in China-Restaurants begegnet.
Das Buch hatte ich, schon gebraucht, wohl von einer „Tante Emilie“ bekommen, an die ich mich sonst kaum erinnere; ich weiß auch nichts mehr über eventuelle verwandtschaftliche Bande zu ihr.
Obwohl z. B. in der Wikipedia von „durchgängige Reisebeschreibungen in mehreren Bänden“ die Rede ist, handelt es sich wohl um einen Roman. Der Autor Otfried von Hanstein war ein sehr fruchtbarer Schreiber, insbesondere auch von Jugendbüchern, und um eine für die Jugend bestimmte Abenteuergeschichte handelt es sich vielleicht auch bei den Schilderungen aus dem Reich des Goldenen Drachen.

Die oben erwähnte Tante Emilie könnte mir auch, wohl später, noch ein weiteres China-Buch gespendet haben. Von diesem erinnere ich mich weder an den Titel noch an den Autor, und nur vage an den Inhalt. Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, hatte es einen roten Halbledereinband, etwa im Schulbuchformat, während der Pappteil des Einbandes hell war. Ich besitze das Buch nicht mehr und habe es wohl auch nur einmal gelesen.
Inhaltlich handelte es sich um die Erinnerungen eines deutschen oder jedenfalls deutschsprachigen Emigranten an seine Zeit in Shanghai. Wahrscheinlich hatte es ein Jude geschrieben, der vor den Nazis nach Shanghai geflohen war; von diesen historischen Hintergründen wusste ich damals allerdings nichts. Ein Schutzumschlag fehlte; falls die historischen Umstände etwa in einer Einleitung beschrieben waren, habe ich sie vergessen oder damals nicht verstanden.
An Einzelheiten des Buches kann ich mich nur in zwei Punkten erinnern. Zum einen lobt der Autor die Chinesen für ihre Fürsorge für die Flüchtlinge. Diese Information kann ich mit dem, was ich jetzt im Internet über die damalige Situation lese, nicht recht zusammenbringen. In dem pdf-Dokument "Die Emigration jüdischer Deutscher und Österreicher nach Shanghai als Verfolgte im Nationalsozialismus" von Wiebke Lohfeld und Steve Hochstadt auf der Webseite www.exil-archiv.de (der Else Lasker-Schüler-Stiftung) lesen wir das anders (meine Hervorhebung):
"Die verletzten Personen [bei einem US-Bombardement des japanisch besetzten Shanghai am 17.07.1945] unter den Emigranten und unter der chinesischen Bevölkerung wurden mit großen Einsatz gleichermaßen versorgt, wofür sich die chinesische Bevölkerung anschließend ausdrücklich bedankt hat. Aus einer zuvor ablehnenden Haltung der Chinesen erwuchs nun nach vielen Jahren des Zusammenlebens erstmals so etwas wie eine freundschaftliche Beziehung zwischen den beiden Gruppen."
Was die Hilfe für die Ausgewanderten angeht, ist in dem o. a. Text keine Rede von chinesischen Hilfsorganisationen, sondern nur von westlichen bzw. internationalen, insbesondere jüdischen, Hilfskomitees.

Das aber nur als Anmerkung am Rande; was ich für mein Leben aus dem Buch mitgenommen habe war eine Story, die gar nicht die Lebensumstände von Auswanderern betraf, sondern die einer bestimmten Gruppe von Chinesen.
Ich bin mir auch nicht sicher, ob der Autor den Sachverhalt teilweise aus eigener Anschauung kannte, oder ihn nur als Bericht von Dritten wiedergab. Selbst wenn die Darstellung nicht wahr sein sollte, wäre sie auf jeden Fall gut erfunden gewesen. (In diesem Zeitungsartikel ist davon die Rede, dass das größte Gefängnis Asiens in der Nähe des Ghettos lag; der Autor könnte also Kontakte dorthin gehabt haben.)

Es ging um chinesische Strafgefangene; die waren in ihren Gefängnissen ziemlich verlaust oder verwanzt (oder beides). Die Gefangenen hatten sich vermutlich an ihre Körperbewohner gewöhnt. Ein amerikanischer Missionar wollte sie jedoch von diesen Plagegeistern befreien und intervenierte bei dem zuständigen Beamten (Gefängnisdirektor oder Gouverneur). Der schuf tatsächlich Abhilfe. Chemische Mittel zur Insektenbekämpfung waren, aus welchen Gründen auch immer, nicht verfügbar. Also wurde den Gefangenen bei Androhung von weiteren Strafen befohlen, täglich eine bestimmte Menge an Ungeziefer abzuliefern.

Das erwies sich als eine wirksame Bekämpfungsmethode, doch gerade deshalb tauchte ein neues Problem auf. Diesmal keins aus der Kategorie Hygiene, sondern ein Bürokratie-Problem vom Typ „Befehl ist Befehl“. Durch die erfolgreiche Ungezieferjagd konnten die Gefangenen ihr Plansoll an abgelieferten Insekten nicht mehr erfüllen. Da sie somit gegen die Anordnungen verstießen, wurden sie bestraft. Diese Zusatz-Strafen waren offenbar noch unangenehmer als die Insekten; jedenfalls passten sich die Gefängnisinsassen an die neue Lage dadurch an, dass sie die Insekten nunmehr systematisch auf ihren eigenen Leibern züchteten. So konnten sie wieder die vorgeschriebenen Mengen abliefern und den Vorschriften Genüge tun.

Dieses Beispiel stand mir fortan immer vor Augen, wenn irgendwo von Bürokratie als Selbstzweck die Rede war oder ich solche selbst wahrnahm.

Ich hätte den eher schmalen Band „O China, Land auf alten Wegen“ von Hans-Heinz Hinzelmann wohl wieder in das Flohmarktregal der Kemptener Stadtbücherei zurück gestellt, zumal der Titel, aus heutiger Perspektive betrachtet, nicht gerade prophetisch war. Doch hatte die genannte Jugendlektüre mein Interesse am Leben der jüdischen europäischen Verfolgten in ihrem Exil in Shanghai geweckt. So habe ich einen Euro geopfert und hatte eine weitere nette Urlaubslektüre. Da der Autor, im Gegensatz zu den meisten anderen Emigranten, auch Kontakte mit der chinesischen Bevölkerung hatte, und (angeblich oder tatsächlich) sogar der Kuomintang bei der Sprengung einer für die japanischen Truppenbewegungen wichtigen Brücke außerhalb der Stadt geholfen hatte, ist das (mit knapp 200 S. nicht allzu umfangreiche) Buch (erschienen 1948), eher noch spannender als die beiden Islandkrimis (aus unserer Ferienwohnung in Oberstdorf bzw. vom Flohmarkt in Kempten). Und zudem war es eine interessante „Reise“ in das alte Shanghai, in die chinesische und zugleich die deutsche (und sogar auch in die japanische) Geschichte, und in gewisser Hinsicht eben auch eine Reise in meine eigene Jugendzeit. (Dass ich gleichzeitig den "Vorleser" von Bernhard Schlink gelesen habe, war zwar reiner Zufall, aber natürlich eine den Holocaust-Hintergrund intensivierende Leseerfahrung.)
Jedenfalls hat mich das Buch von Hinzelmann zu erneuter Internet-Suche nach Informationen zum Thema „Exil in Shanghai“ ermuntert, deren Erträge ich zu Nutz und Frommen eventuell Interessierter nachfolgend verlinke.

Fortsetzung 13.11.09:
Der Feuerfuchs ist ein faszinierender Browser, mit dem ganzen Warenlager seiner Add-ons. Aber wenn irgend etwas nicht klappt, kann das einen Webtechnischen Otto Normalverbraucher wie mich auch ziemlich zur Verzweiflung bringen. Zwar gibt es vielfältige Hilfe, auch in Foren. Aber manche Dinge erfordern tiefe Eingriffe ins System, man muss nach versteckten Ordnern suchen usw. Das ist mir einfach zu kompliziert.
So habe ich auch nicht herausgefunden, wohin der Firefox meine gesammelten Shanghai-Emigranten-Links verschleppt hat, die ich mir jetzt ergänzend herausgesucht hatte. (Nicht nur die übrigens, sondern anscheinend mehr oder weniger alles was ich seit einigen Tagen oder seit meinem Umstieg auf Firefox vor ca. 2 Wochen in den Bookmarks neu gespeichert hatte.) Lediglich die vom Internet-Explorer importierten, schon früher gefundenen Links sind noch da.

Die Mühe einer Rekonstruktion mache ich mir nicht; der Link zum längsten online-Text ist zum Glück noch vorhanden:
"Die Emigration jüdischer Deutscher und Österreicher nach Shanghai als Verfolgte im Nationalsozialismus" von Wiebke Lohfeld und Steve Hochstadt auf der Webseite "Exil-Archiv".

Interessant auch der Bericht über eine Einzelperson, einen Herrn Paul S. Adler u. d. T. "Überleben mit Schiffskarten, Whiskey und Geschäften in Shanghai".

Zahlreiche weitere Links enthält der englischsprachige Wikipedia-Eintrag "Shanghai Gehtto".









Textstand vom 13.11.2009. Auf meiner Webseite
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