Donnerstag, 31. Dezember 2009

Widersprüchliche Signale zum Griechenland-Bailout: Machtkampf im Zentralkomitee der CDU/CSU/FDP-Hornissenkoalition?

Das Thema möglicher europäischer, d. h. hauptsächlich deutscher, Subventionen für den von Klientelismus, Korruption und Steuerhinterziehung zerfressenen griechischen Staatshaushalt, hatte ich bereits zweimal aufgegriffen, zuletzt in meinem Blott "Endlich! Deutsche Nationalhymne runderneuert: Dummland Deutschland zahlt für alle, Alle PIGS der Euro-Welt" vom 18.12.09 (davor bereits am 20.02.2009 im Blott "Lässt Klingklax sich klaglos beklauen? Keine Euro-Anleihen zur Rettung der Mittelmeer-Länder! Keine deutschen Steuergelder gen Süden senden!").

Wenn ich mich heute, am letzten Tag des Jahres 2009, in Analogie zu den einstigen Beobachter des ZK der KPdSU gewissermaßen als Kremlastrologe versuche, dann liegt das an den widersprüchlichen Signalen, die von unserer Regierung in Sachen Griechenland-Hilfe (die ich selbstverständlich scharf ablehne), ausgehen.

Nouriel Roubini: Aus Dr. Doom wird Dr. Zoom

Von Versteinerungen war die Rede in meinem vorangegangenen Blott, und in gewisser Weise ist diese Thematik auch der Goldgrund, auf dem ich mein vorliegendes (unfrommes) Zeitgemälde male.
Inhaltlich geht es hier um mein Dauerthema der aktuellen Weltfinanzkrise bzw. Weltwirtschaftskrise. Dazu hatte die "New York Review of Books" am 30.04.2009 in New York eine mit hochkarätigen Experten besetzte Diskussionsveranstaltung unter dem Titel "The Crisis and How to Deal with It" mit Bill Bradley, Niall Ferguson, Paul Krugman, Nouriel Roubini ["Dr. Doom"], George Soros und Robin Wells" veranstaltet, deren Protokoll ich zur Lektüre nur empfehlen kann.

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Vom Bielefelder Universitätsgebäude zum psychedelischen Maybach Exelero. Kritik an der Hypertrophie der Rechte am Geistigen Eigentum.

Aus meiner Heimatstadt Bielefeld kamen Weihnachtsgrüße. Einer darunter, von Udo Twesmann, meinem Jugendfreund, enthielt ein 32-seitiges Geburtstagsmagazin, eine Beilage der Bielefelder Zeitung "Neue Westfälische" (NW). Nicht über einen alten Mann wie mich, sondern über eine Dame im besten Alter: "40 Jahre Universität Bielefeld".

Freitag, 25. Dezember 2009

Ziesemer ziseliert sich eine Theorie zur Ursachenverschleierung der Finanzkrise zurecht

Mein u. g. Leserkommentar zu dem Leitartikel "Komplexitätskrise: Wie viel Staat brauchen wir wirklich?" des Handelsblatt-Chefredakteurs Bernd Ziesemer vom 24.12.09, also von Heiligabend, wurde nicht veröffentlicht.
Den Grund kenne ich nicht, nehme aber nicht an, dass es an der Schärfe meiner Kritik liegt. [Pikanterweise ist sie noch schärfer als diejenige von marxistischer Seite; der Kommentar "Weihnachtsbotschaft der eigenen Art" vom 24.12.09 von Lutz Brangsch (auch hier veröffentlicht) ist zwar im Ergebnis noch radikaler als meine ("Die Krise wird in eine Legitimation der absoluten Herrschaft des Kapitals umgedeutet – denn Märkte können ja wohl kaum herrschen" schlussfolgert Brangsch), aber in sich recht matt, was insofern auch nicht verwundern kann, als die Kameraden auf der Linken alle Äußerungen und Vorgänge irgendwie in ihr Schablonensystem pressen müssen.]
Es könnte die Länge meiner Antwort gewesen sein doch vermute ich eher, dass Links in Leserkommentaren unzulässig sind.

Freitag, 18. Dezember 2009

Endlich! Deutsche Nationalhymne runderneuert: Dummland Deutschland zahlt für alle, Alle PIGS der Euro-Welt

Unser Staat zu and'rer Nutze
Gern gibt unser Steuergeld!
Vom Atlantik bis zur Memel,
Vom Pazifik bis zum Golf:
Deutschland an den Melkeschemel,
Bürger frisst der Steuerwolf!

Irland, Spanien Griechenland?
Deutschland blecht; halt du den Rand!
Von Iller, Neisse bis zur Elbe
Vom Schwarzen Regen zum Niederrhein,
Überall fragt man dasselbe:
Soll Deutschland ewig Milchkuh sein?

Sonntag, 13. Dezember 2009

Toy to the world - the Canon is come!




Kinder haben es leichter im Leben als Erwachsene - mit Ausnahmen.
Für neues Spielzeug müssen sie sich (zu dieser Jahreszeit) bis Weihnachten gedulden.
Unsereiner hat es da einfacher. Kein Warten auf's Christkind oder den Weihnachtsmann: einfach gucken, kaufen, ausprobieren.

Die Zeit war gekommen, dass ich eine neue Digitalkamera benötigte - in etwa so dringend, wie Kinder neue Spielzeuge (vgl. Blott "Danke, Supra, das war super: Irreparable Traveler Digitalkamera DC 8600 kulant getauscht").
Allerdings haben auch hier bei den Erwachsenen die Götter vor den Preis den Schweiß gesetzt - jedenfalls dann, wenn man sich nicht in die Sch'e setzen will.
Das will ich gar nicht kritisieren, sondern vielmehr den Beweis führen, dass die neoklassische Schule der Wirtschaftswissenschaft wenigstens bei mir Recht hat mit der Annahme eines voll informierten, rational handelnden homo oeconomicus.
Als solcher musste ich im Selbstversuch zunächst einmal die Transaktionskosten erleben oder erleiden, konkret in Form von hohen Informationskosten.

Danke, Supra, das war super: Irreparable Traveler Digitalkamera DC 8600 kulant getauscht

Als ich die DC8600 damals kaufte, Ende Juni 2006 bei Aldi, waren 8 Megapixel der Standard, 2,8 Zoll Display war Oberklasse, ein 6-fach Zoom war ebenfalls beachtlich. An mechanische Bildstabilisatoren war noch kaum zu denken und mancher andere Schnicksachnack, wie Gesichts- und Lächelerkennung, ist für mich ohnehin nur eine Scheininnovation. 259,- Euro waren für das, was die Traveler bot, damals ein sehr guter Preis, reichlich Zubehör war auch dabei (die SD-Speicherkarte hatte freilich nur 256 MB - damals waren auch diese Dinger noch teuer!) und vor allem (dafür werde ich Aldi bzw. Traveler ewig dankbar sein) eine vorzügliche Bedienungsanleitung: sehr handlich (problemlos unterwegs aus der Tasche zu ziehen), sehr gut gegliedert, illustriert, erklärt und über einen Index erschlossen.

Sonntag, 29. November 2009

Höchst ungewöhnlich: Auf welchem Weihnachtsmarkt, zumal in Frankfurt a. M., gibt es heute noch Glühwein für 1,- Euro?

Es gibt sie noch, die Vereins-Weihnachtsmärkte. Heppenheim hatte einen sehr schönen "Nikolausmarkt", und wir haben ihn vor einigen Jahren sehr genossen. Doch auf der Rückfahrt haben wir bitterlich gefroren, weil der Zug nicht beheizt war. Heute sind wir nicht mehr ganz so reiselustig (dabei war das erst vor 5 Jahren - in 2004); nach Eberbach am Neckar wären wir freilich gefahren (vgl. meinen Eintrag vom Vorjahr "Altdeutscher Weihnachtsmarkt in Eberbach: Gebrannte Erdnüsse gab's bei den Goten"), doch hielt uns die Wettervorhersage davon ab. Dazu kam noch der Umstand, das "unser" dortiger Italiener, Signore Parisi, sein kleines Café schon seit längerer Zeit geschlossen hat: wo würden wir dann bei Regen sitzen? Den ganzen Tag im Zelt auf dem Weihnachtsmarkt - das wäre denn doch etwas zu lange.

Also haben wir wieder einen ganz neuen Weihnachtsmarkt entdeckt, in Höchst. Nicht in der Stadt Höchst im Odenwald, sondern im Ortsteil Höchst von Frankfurt a. M..

O alte Gratisherrlichkeit: wohin bist du entschwunden? Handelsblatt hegt "Premium Content" ein.

Dubai hat es voll erwischt - und mich hat es bei Dubai erwischt. Nicht, dass ich dort investiert hätte: jene Groschen, welche ich allenfalls als Kleinstanleger in einen geschlossenen Immobilienfonds hätte stecken können, habe ich schon vor einigen Jahren auf dem Altar des Neuen Marktes als Rauchopfer dargebracht.

Sonntag, 22. November 2009

Adventskalender als Dekadenzsymptom: Geht das Weihnachtsfest vor die Hunde?

Es tut eigentlich nichts zur Sache, dass ich diesen Adventskalender für Hunde während unseres Urlaubs Mitte Oktober in Oberstdorf fotografiert habe, und dass er von der Drogeriekette Müller angeboten wurde: das alles ist peripher.









Sonntag, 15. November 2009

Von der Grundversorgung im Internet Explorer zur Rundumverwöhnung beim Mozilla Firefox Browser: Das ist wie vom HO zum KADEWE

So wie ich nach dem Wechsel zum Feuerfuchs müssen sich die DDR-Bewohner gefühlt haben, als sie im November 1989 unmittelbar nach Öffnung der Mauer nach Berlin ins Kaufhaus des Westens (oder in andere bundesdeutsche Orte in die Kaufhäuser des Westens) strömten: überwältigt von der Fülle des Angebots.

Was im Warenhaus die Warenfülle, ist beim Browser die Fülle der Erweitungerungen (Add-ons). Meine (4) Symbolleisten sind mittlerweile gespickt mit einer Fülle von Symbolen, von denen ich gar nicht in allen Fällen genau weiß, was man damit alles anfangen kann. Das ist die Kehrseite der Fülle (beim Software- wie beim Warenangebot): ein wenig technikaffiner Mensch wie ich fühlt sich da schnell überwältigt. Und manchmal überrumpelt: wenn irgend etwas nicht funktioniert.

Man muss also zwar nicht seine Seele dem Teufel verschreiben, um Firefox zu benutzen, aber so manche Stunde (des Schlafs) geht schon drauf, bis man als relativer Computerlaie wenigstens von den Grundzügen her begreift, welche Funktionalitäten die verschiedenen Zusatzprogramme bieten, und bis man eine Reihe von Problemen (besonders ärgerlich: verschwundene Bookmarks - Lesezeichen, Favoriten -) in den Griff bekommen hat.
(Ich schaue schon furchtsam in die Zukunft: beim nächsten Update des Browsers wird es wiederum Probleme mit den - alten - Erweiterungen geben!)


Jedenfalls bin ich, wenn der Firefox Browser halbwegs stabil bleibt, nach meinem jetzigen 2. Anlauf für den Microsoft-Browser wohl endgültig verloren.
Der dabei für mich entscheidende Gesichtspunkt ist weniger der vielfältig gebotene Schnickschnack sondern die Möglichkeit, Lesezeichenordner und Lesezeichen-Links mit Beschreibungen (in anscheinend unbegrenzter Länge?) und die Lesezeichen selbst auch mit Tägs für erleichtertes Wiederfinden versehen zu können.
Das sollte mir das Leben mit meinen zwanzigtausend (oder so) Lesezeichen deutlich erleichtern.

Ein ganz besonders erwünschtes Feature ist für mich auch die Möglichkeit, Textpassagen auf Webseiten nach Art eines Leuchtstiftes zu markieren. Schade nur, dass man den Text anscheinend nicht direkt "glossieren" kann, also gewissermaßen Randbemerkungen machen wie in Büchern. Es wäre schön, wenn man unmittelbar zu einer markierten Stelle einen Kommentar einfügen könnte und dieser dann nach Art der Kommentarfunktion im "Word"-Programm erscheinen würde (und nach Speicherung in den Lesezeichen auch erhalten bliebe.

Aber gut: Wunderbares habe ich schon genug in den Firefox-Addons entdeckt; Unmögliches zu realisieren dauert für die fleißige Entwicklergemeinde offenbar etwas länger ;-).





Textstand vom 15.11.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen
Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Dienstag, 10. November 2009

Shanghai in Kempten

Bei unserem Besuch in der Stadtbücherei in Kempten habe ich nicht nur Erkenntnisse über die ökonomische Funktion von Staatsschulden in der Zeit des Absolutismus gewonnen (vgl. Blott Keynes in Kempten?), sondern auch Einsichten in die chinesische Geschichte gewonnen.

Donnerstag, 5. November 2009

Der Begriffe-Jongleur als Kapital-Fittichist. Zu: Peter Sloterdijk, "Die Revolution der gebenden Hand" (FAZ-Serie "Die Zukunft des Kapitalismus").


Schreiben kann der Mann - das macht ihm so schnell keiner nach. Nicht einmal ich ;-).
Will ich auch gar nicht, und keineswegs nur wegen der "raisins trop verts".

Keynes in Kempten?

Kempten war bis nach 1800 eine geteilte Stadt. Die Mauern zwischen den beiden Städten Kempten - der Bürgerstadt und der ‚Residenzstadt’ des Fürststifts (der Fürstabtei) Kempten waren zwar nicht ganz so undurchlässig wie die Berliner Mauer, aber die „ideologischen“ Differenzen zwischen der protestantischen Reichsstadt und der katholischen Residenzstadt schienen im 17. Jahrhundert kaum weniger unüberwindlich wie diejenigen zwischen Kommunismus und Kapitalismus.

Freitag, 30. Oktober 2009

Erster Erfolg der Sarrazin-Debatte: FDP nominiert Türken als Entwicklungshilfeminister!

Nach einem bekannten Bonmot über die Entwicklungshilfe dient diese der Umverteilung von den Armen zu den Reichen: Sie nimmt den Armen aus den reichen Ländern und gibt den Reichen in den armen Ländern.

Lässt man den Umstand bei Seite, dass es sich hier um eine externe Umverteilung handelt, ist es eigentlich gar nicht erstaunlich, dass ein FDP-Politiker, nämlich der bisherige Generalsekretär der Partei Dirk Niebel, jetzt in der neuen schwarz-gelben Koalition das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung führt: schließlich war die Umverteilung von unten nach oben war schon immer d der Freien Demokraten.

Dienstag, 27. Oktober 2009

Die Fiskalpolitik der Hornissenkoalition ist ein Emergenzphänomen!

Für ihre abenteuerlichen Verschuldungspläne bekommt die schwarz-gelbe Koalition aus CDU/CSU und FDP (von Wohlmeinenden auch als Tigerentenkoalition bezeichnet) massive Schelte in den Medien, nicht zuletzt auch der bürgerlichen und der Wirtschaftspresse.

So ärgert sich z. B. Thomas Hanke in seinem Handelsblatt-Leitartikel vom 26.10.2009 "Tollkühn und kleinmütig":
"Es widerstrebt einem, diese Regierung bürgerlich zu nennen, weil sie selber nicht auf bürgerliche Tugenden setzt." Gemeint ist natürlich die Tugend der Sparsamkeit.

Montag, 26. Oktober 2009

Danke, Thilo ...

... würde ich sagen, wenn ich vom erhöhten 'Verkehrsaufkommen' (traffic) auf meinem Blog materiell oder immateriell profitieren würde.

Denn während sonst die Anzahl der monatlichen Seitenzugriffe ("page loads") bei mir zwischen 1.551 (im April) und 2.190 (im Juni) schwankte (Tagesdurchschnitt Januar - September 2009 = 60), sind es für Oktober bis jetzt (Montag 26.10., ca. 20.30 h) schon 7.011, werden also im Gesamtmonat auf voraussichtlich ca. 7.500 steigern. Aus irgendwelchen Gründen liege ich bei zahlreichen Stichwortkombinationen bei Google auf der ersten Seite, obwohl ich von Suchmaschinenoptimierung nichts verstehe.

Sonntag, 25. Oktober 2009

Bestellen Greenpeace-Anhänger ihre Kleider beim Schneider?

In der Bahnhofsbuchhandlung im Nürnberger Hauptbahnhof war ein ganzes Schaufenster damit dekoriert: Mit Postern zum und Heften des aktuellen Greenpeace-Magazin(s). Titel: "Die Täuschung". Untertitel: "Ob Brot oder Milch - unsere Lebensmittel verkommen zur künstlichen Massenware."

Sicher hätte ich gern Näheres erfahren über "Der große Bluff mit unseren Grundnahrungsmitteln", aber 5,30 Euronen war es mir dann auch wieder nicht wert (und würde ich jetzt, nachdem ich das Inhaltsverzeichnis im Internet gesehen habe, erst Recht nicht bezahlen, weil die Verfälschung unserer Lebensmittel nur eines von vielen Themen ist. Was bei anderen Magazinen üblich ist, treibt man also auch bei Greenpeace: ein Thema mit einem Aufmacher groß herausstellen, aber letztlich dann doch nur unter anderen behandeln: mediale Häppchenpolitik!).

Aber nicht um den Inhalt oder meine Kaufentscheidung geht es mir hier, sondern um das Wort "Massenware" im Titel.
Auch ich bin nicht sonderlich glücklich mit vielem, was die Industrie uns als Futter oder oft als Fraß vorsetzt. Aber, verdammt noch mal, waren die Lebensmittel im vorindustriellen Zeitalter denn wirklich besser? Und wie will die Welt ihre aktuell ca. 7 Milliarden Bewohner ernähren, wenn nicht durch Massenproduktion?

Selbst ein Zeitkritiker wie George Monbiot räumt (in seinem Blog-Eintrag "Strange Fruit" vom September 2008; vgl. dazu auch diesen Blott von mir) ein:
"Though we still subsist largely on junk, even bilious old gits like me are forced to admit that the quality and variety of most types of food sold in Britain has improved."

Ich finde es äußerst gedankenlos, aber auch sehr arrogant, unterschwellig eine Herleitung von Problemen mit Produkten (Lebensmittel oder anderen) aus der Massenproduktion als solcher zu suggerieren.
"Unterschwellig herleitet" sage ich deshalb weil ich vermute, dass die Autoren keine Belege dafür erbringen, dass Massenproduktion zwangsläufig eine schlechtere (Lebensmittel-)Qualität ergeben muss als eine Herstellung im Haus, auf dem Bauernhof oder durch das Handwerk (dessen Produkte ohnehin von der Qualität der Vorlieferungen abhängen).
Mir schmeckt das versalzene Brot vom Bäcker jedenfalls nicht besser als das (meist zwar ebenso versalzene) Brot aus der Brotfabrik.
Und die Hühnereier aus der Massentierhaltung schmecken auch nicht zwangsläufig schlechter als solche von einem kleinen Nebenerwerbsbetrieb (wenn Fischmehl verfüttert wird, schmeckt das eine so schlecht wie das andere).

Vor allen Dingen könnte ich mir auf anderen Gebieten sehr viel weniger leisten, wenn nicht (auch) die Lebensmittel durch die Massenproduktion billiger wären, als sie es bei einer (nicht zwangsläufig liebevollen) Herstellung in einem handwerklichen Produktionsprozess sein könnten.


Nachtrag 28.10.2009
Im vorliegenden Zusammenhang ist auch ein auf den ersten Blick eher entfernter Text interessant, jedenfalls dessen Einleitung. In dem ZEIT-Essay "Schickes Ödland Großstadt" von Christian Staas vom 28.10.2009 lesen wir:
"In der Großstadtkritik des frühen 20. Jahrhunderts verbanden sich gleich mehrere Gedankenfiguren zu einem gefährlichen Amalgam. Die Grundierung war ein Gefühl allgemeinen Niedergangs, als dessen Sinnbild und zugleich ganz reales Zentrum man die moderne Großstadt ausmachte. Hier, so hieß es, verfielen Sitte und Anstand, breiteten sich Kriminalität und Alkoholismus aus. Gekreuzt mit der damals aufblühenden Vererbungslehre und den neuen Rassentheorien ergab sich daraus das Bild einer um sich greifenden Degeneration; das Soziale erschien nun in biologischen Begrifflichkeiten. Als dritter Diskurs schließlich koppelte sich an solche Denkfiguren die verächtliche Rede von der Masse, von der Massengesellschaft und der Vermassung an, sodass sich das Großstadtbild zu einer Schreckensvision verfestigte, in der sich die herrschenden bürgerlichen Klassen nun plötzlich als bedrohte Minderheit, als potenzielle Opfer des allgegenwärtigen Verfalls imaginierten."
Das ist doch wohl kaum der ideologische Rahmen, mit dem sich Greenpeace-Anhänger identifizieren können? (Oder etwa doch?)





Textstand vom 28.10.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen
Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Freitag, 9. Oktober 2009

Weitere Links zu Sarrazin-Interview "Klasse statt Masse. Von der Hauptstadt der Transferleistungen zur Metropole der Eliten" im Lettre-International

Nachtrag 01.09.2010
Zur neuen 'Sarrazin-Debatte' diesmal um sein Buch (bzw. die Vorveröffentlichungen daraus und verschiedene Interviews mit ihm) vgl. meinen Blott "Wenn des Pawlows Hunde lüllen. Zur Lexikographie des deutschen Politiker-Wortschatzes in der Debatte um Thilo Sarrazin, Deutschland schafft sich ab".

--------------------------------

Zunächst einmal Gratulation, Thilo Sarrazin, zur ersten halben Million! Suchergebnisse bei Google, meine ich natürlich, denn über eine halbe Euro-Million würden Sie vielleicht nur müde lächeln [wobei es mir fern liegt, Ihnen Wohlhabenheit vorzuwerfen: im Gegensatz zu manchen anderen haben Sie auch hart geschafft für Ihr Geld - und wurden dafür, wenn man Bezahlung und Leistung vieler anderer Manager, oder gar der Boni-Banker zum Vergleich heranzieht, als Berliner Finanzsenator eher mager entlohnt, das war sozusagen travailler pour le roi de Prusse ;-) ].

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Volltext des Interviews von Lettre International (Frank Berberich) mit Thilo Sarrazin: Ausgerechnet die Bild-Zeitung publiziert den Gesamttext!

Nachtrag 30.08.2010
Zur neuen 'Sarrazin-Debatte' diesmal um sein Buch (bzw. die Vorveröffentlichungen daraus und verschiedene Interviews mit ihm) vgl. meinen Blott "Wenn des Pawlows Hunde lüllen. Zur Lexikographie des deutschen Politiker-Wortschatzes in der Debatte um Thilo Sarrazin, Deutschland schafft sich ab".

-------------------------------

Endlich ist der gesamte Text des Interviews (zumindest vermute ich, dass er vollständig ist) online im Internet (gratis) nachzulesen. Und wem verdanken wir das? Nicht etwa irgend einem Qualitätsmedium, sondern der Bild-Zeitung!
Bild hat offenbar die Börse gezückt und dem Verlag Lettre International die Abdruckrechte an dem vom Herausgeber Frank Berberich mit dem ehemaligen Berliner Finanzsenator und jetzigen Bundesbank-Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin abgekauft. Die haben ihrerseits das Eisen geschmiedet, solange die Diskussion noch heiß ist. [Das alles dachte ich, als ich diesen Blott niederschrieb. Später indes stellte sich heraus, dass BILD den Text einfach geklaut hatte! - s. u.]

Sonntag, 4. Oktober 2009

Plötzlich und unerwartet - steht mein Blog (zwar leider nicht im Fokus, aber immerhin:) im Focus

Vor einiger Zeit hatte ich in dem Blott "Twingly als teuflische Versuchung: Intellektuelle Jingle Mail von mir zum Handelsblatt?" darüber berichtet, dass das Handelsblatt Links zu Blogs veröffentlicht, die ihrerseits zu Handelsblatt-Artikeln verlinken.
Als konkretes Beispiel vgl. den Artikel "Abfällige Äußerungen. Thilo Sarrazin: Gespaltene Persönlichkeit" auf der HB-Webseite vom 01.10.2009.

[Sehr tief scheint die Twingly-Suche allerdings nicht zu gehen. Wenn in meinen für mich nicht untypischen längeren Blotts der Link weit unten steht, habe ich in der Vergangenheit - in letzter Zeit habe ich schon gar nicht mehr nachgeschaut - bei dem jeweils von mir verlinkten Handelsblatt-Artikel keinen Rücklink gefunden.]

So etwas tut ein Medienunternehmen selbstverständlich nicht zum Zwecke einer Förderung der Bloggerkultur, sondern zur Steigerung der eigenen "Linkpopularität" und damit in der Hoffnung auf einen besseren Rang bei den Suchmaschinenergebnissen. Aber es nützt natürlich beiden, denn auch der Blogger steigert ja dadurch sein "Ranking" und, wahrhaftig: ab und an klickt dann auch tatsächlich mal jemand den Link zu seinem Blott bei dem Medienartikel an.

Auf diese Weise erfuhr ich denn auch soeben bei der Auswertung meiner Zugriffsstatistiken, dass auch das Magazin "Focus" die zu seinen Webartikeln verlinkenden Blotts über "Twingly" einfängt.
Mein Blott über Thilo Sarrazin verlinkt - und entsprechend erscheint dort ein Rücklink [gegen den ich gewiss nichts einzuwenden habe ;-)] - zu dem Focus-Artikel "Thilo Sarrazin. Bundesbank-Präsident legt Rücktritt nahe".




Textstand vom 04.10.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen
Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Medien verkürzen Interview von Bundesbank-Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin im "Lettre International" zur "Emser Depesche" der Ausländerdebatte!

Nachtrag 01.09.2010
Zur neuen 'Sarrazin-Debatte' diesmal um sein Buch (bzw. die Vorveröffentlichungen daraus und verschiedene Interviews mit ihm) vgl. meinen Blott "Wenn des Pawlows Hunde lüllen. Zur Lexikographie des deutschen Politiker-Wortschatzes in der Debatte um Thilo Sarrazin, Deutschland schafft sich ab".

--------------------------------

Die reinste Quelle ist es nicht, von der wir (unter dem Titel "Thilo, ich liebe Sie: Sarrazin-Interview im Original!!!") jene Passagen online erhalten, die Thilo Sarrazin gewaltigen Ärger, und Deutschland eine heiße Debatte beschert haben.

Tatsächlich enthält die unter dem sachlich klingenden Titel "Fakten - Fiktionen Politik Medien Zeitgeschichte" auftretende Webseite, die sich als "transatlantic press network based in the USA" bezeichnet, Hetze der übelsten Art. Schwerpunkt der Tendenz scheint ein fanatischer Anti-Islamismus zu sein, aber auch sonst geht es "rund": Unter "Der SPIEGEL - Sturmgeschütz der Zensur und Diktatur" heißt es z. B. "Wer etwas sagt, was ihnen nicht paßt, soll zurechtgestutzt und entlassen werden und schnell zurücktreten. Das wertet der SPIEGEL als Erfolg, und dann lehnen sich die Goebbels-Schüler im Goebbels-Blatt zurück und fühlen sich bedeutend" und ein Titel wie "Fall Sarrazin: Bundesbank holt Befehle in Istanbul" ist definitiv im Stil des antisemitischen Nazi-Hetzers Julius Streicher im "Stürmer" unseligen Angedenkens formuliert.
[Ob allerdings wirklich eine braune Gesinnung hinter dieser Webseite steckt, oder nicht vielleicht eine kalkulierte Provokation - von welcher Seite und für welche Interessen auch immer - das frage ich mich angesichts derart plakativer Sprüche schon.]

Freitag, 2. Oktober 2009

Feigheit siegt! Thilo Sarrazin und die deutsche Verlogenheit

Nachtrag 01.09.2010
Zur neuen 'Sarrazin-Debatte' diesmal um sein Buch (bzw. die Vorveröffentlichungen daraus und verschiedene Interviews mit ihm) vgl. meinen Blott "Wenn des Pawlows Hunde lüllen. Zur Lexikographie des deutschen Politiker-Wortschatzes in der Debatte um Thilo Sarrazin, Deutschland schafft sich ab".

--------------------------------

Potztausend - wer hätte das gedacht?
"Die Deutsche Bundesbank distanziert sich entschieden in Inhalt und Form von den diskriminierenden Äußerungen von Dr. Thilo Sarrazin in dessen Interview mit Lettre International", teilte die Bank am Mittwoch mit. Sarrazin gebe nicht die Ansichten der Bundesbank wieder, und das Interview stehe in keinerlei Zusammenhang mit seinen Aufgaben bei der Zentralbank."
Also ich jedenfalls hatte immer geglaubt, dass die Deutsche Bundesbank eine Behörde für die Integration von Ausländern ist. Insofern ist es doch wirklich sinnvoll, dass diese Organisation Klarheit schafft und die Öffentlichkeit endlich mal darüber aufklärt, dass Thilo Sarrazins Äußerungen über (mögliche) Probleme bezüglich der Integration von Ausländern in Deutschland NICHT im Zusammenhang mit seinen Aufgaben bei der Deutschen Bundesbank stehen.

Rottet das Unkraut aus! Schafft Platz für die Spontanvegetation!


Alle sind für die Natur - wenn andere die Kosten tragen.
So offenbar auch jene Gartenbesitzer, deren Hecke in einer Straße wächst, durch die mich einer meiner alternativen morgendlichen Wege zur Arbeit führt.
Die lassen es kräftig auf den Bürgersteig wuchern.
Hätte ich sie gesehen, hätte ich mich beschwert.
Wahrscheinlich hätten sie mich ganz entrüstet angeschaut und gesagt, dass ich wohl etwas gegen die Natur habe.
Was hätte ich darauf erwidert?
"Lassen Sie die Natur doch in Ihrem Garten wuchern, lassen Sie Unkraut auf Ihrem Rasen wachsen."
Noch ein empörter Blick: Unkraut? Was hat den Unkraut mit der Natur zu tun?
Wir sollten aufhören, wertend über Unkraut zu schimpfen, und stattdessen neutral über Spontanvegetation reden. Auch wenn das für "Philamia" im Gartenorum dasselbe ist: es wäre, wenn in größerem Umfang durchgesetzt, ein Zeichen für einen Bewusstseinswandel, der endlich die rasende biologische Bodenversiegelung http://beltwild.blogspot.com/2005/05/definitionen-definitions.html!



Textstand vom 10.08.2011. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages. Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Wer ist schon Ludwig van Beethoven im Vergleich mit Britney Spears? Wenig - für den Windows Media Player von Microsoft

Das Programm des Windows Media Player bietet -4- Haupt-Sortiermöglichkeiten; die entsprechenden Ordner erscheinen auf der linken Seite und aus diesen kann dann ein Album bzw. Musikstück abgerufen werden:
Interpret / Album / Musiktitel / Genre.

In die Kategorie "Weitere Ansichten" hat das Programm die Komponisten verbannt: gemeinsam mit dem Jugendschutz und weiteren mitwirkenden Interpreten.
über diese weiteren Ansichten erhält man die Alben dann auch nach Komponisten sortiert (soweit solche überhaupt eingegeben sind).
Nur kann man sich den Ordner mit den Komponisten nicht an den (linken) Seitenrand ziehen; man erreicht ihn erst in einem 2. Schritt über ein Anklicken des Ordners "Medienbibliothek".

Diese Organisation der Musik im Windows Media Player ist klar auf Schlager (Hits) eingestellt; Klassikfreunde werden auf den 2. Rang verwiesen.

Da gehe ich doch lieber zu iTunes: zum einen kann ich die Darstellung der "Cover" ausschalten, habe also einen umfassenderen Überblick auf der jeweiligen Seite, und zum anderen ist hier "Klassische Musik" als Genre vorgegeben; in den Spalten rechts daneben erscheinen dann als Erstes die Komponisten.
Wenigstens bei Apple kommt also Beethoven vor (z. B.) Karajan!

Zwar habe ich auch mit der iTunes-Software meine Verständnisschwierigkeiten (und außerdem den Eindruck, dass die Fa. den Leuten lieber erklärt, wie sie Musik online einkaufen können als die Funktionen verständlich zu erläutern), aber immerhin: Bach, Beethoven, Brunetti: alles säuberlich alphabetisch geordnet.

Werd' ich nun also meine ganzen CD-Bestände dort speichern; ist mir ja egal: klingt genau so.

Ich bilde mir nichts darauf ein, dass ich lieber Klassik höre: ich erwarte aber, dass eine Firma wie Microsoft Mitarbeiter oder Berater hat, denen bekannt ist, dass Klassikliebhaber ihre Musiksammlungen nach anderen Kriterien organisieren als Britney Spearas Fans!



Textstand vom 03.10.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen
Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Donnerstag, 1. Oktober 2009

SPD stürmt auf 5%-Hürde zu: Geführt vom substanzlosen Opportunisten Sigmar Gabriel und strippengeführt von der linksgesinnungstüchtigen Andrea Nahles

Eigentlich sollte ich der SPD dankbar sein, dass sie demnächst Sigmar Gabriel zum Parteivorsitzenden und Andrea Nahles zur Generalsekretärin wählen will.

Das erleichtert mir die Stimmabgabe bei der nächsten Bundestagswahl ganz enorm.

Da weiß ich doch wenigstens, welche Partei ich nicht wählen werde! Mit den beiden an der Spitze kriegen die Sozialdemokraten von mir noch nicht mal meine Erststimme.



Textstand vom 01.10.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen
Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Samstag, 26. September 2009

Korruption in Wächtersbach! Bestechungsversuche am Bahnhof! (Lieber Rot als Schwarz?)

Nina Hauer hat (dieses Mal) damit angefangen. Kein Wunder: Als "Obfrau" (jetzt bitte keine dummen Witze im Stil von "als-ob-Frau"!) der SPD sitzt sie im Untersuchungsausschuss, "der die Vorgänge um die Hypo Real Estate Bank (HRE) untersucht", und von daher kennt sie sich sicherlich mit Motivations-Bonis für Banker aus.
["Untersucht" sagt sie; manche Beobachter, wie etwa der Stern in dem Artikel "HRE-Untersuchungsausschuss: Ein Zeuge, eine Bank, kein Ankläger" vom 20.08.09, meinen, dass sie - wie selbstverständlich auch ihre rechten Pendants - nur "Kuschelfragen" stellt.
Zu ihrer Qualifikation in Sachen Bankenaufsicht, aber auch zur möglichen Interessenkollision, berichtet der Spiegel in dem Artikel "HRE-Aufklärung verkommt zum Wahlkampfzoff" vom 15.09.09: "Ein großes Thema des Untersuchungsausschusses war die Frage, inwiefern die Finanzaufsicht BaFin die Schieflage der HRE erkannte und ob sie rechtzeitig Alarm schlug. Die beiden Obleute im Ausschuss, Jörg-Otto Spiller und Nina Hauer, sitzen bereits seit mehreren Jahren im Verwaltungsrat der Finanzaufsicht, also in deren Aufsichtsgremium."]

Die Wähler motivieren ihre Wahlkampfhelfer morgens in aller Herrgotsfrühe, indem sie z. B. am Wächtersbacher Bahnhof Äpfelchen von vorwiegend rotem Äußeren, mit einigen grünen Streifen, an die Pendler verteilen.
Gegen grüne Äpfel bin ich immer skeptisch: die sind meist sauer. Aber, um die Wahrheit die Ehre zu geben, Ninas Äpfel waren aromatisch und von verführerischer Süße.


Auch Lucia Puttrich, ihre Konkurrentin von der CDU huldigt der politischen Farbensymbolik.
Die kleinen Brötchen, die sie einige Tage später verteilen lässt, sind zum Glück zwar nicht schwarz. Dafür aber die darin enthaltenen Schokoladenstücke. Die sind zwar gleichfalls süß; doch ist die Süße von Schokoladenbrötchen eine künstliche; das schmeckt man auch. (Ohnehin bin ich kein Freund der Kombination Brot + Schokolade.)

Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Äpfel von Nina Hauer deutliche fester, knackiger, aromatischer und einfach gesünder (und sogar größer) sind als Lucia Puttrichs schwammige Brötchen.


Damit sehe ich mich in meiner Auffassung bestätigt, dass die (leicht) Roten [im Gegensatz zu den Rotten der ganz Roten]gesünder für uns sind - wenn auch nur als das kleinere von zwei Übeln.

Dennoch bin ich mir nicht sicher, ob ich nicht diesmal meine Zweitstimme in den Papierkorb der Piratenpartei werfen werde: als ein zumindest symbolisches Gewicht gegen die schwarz-rote große Koalition der Internet-Überwacher.




Textstand vom 26.09.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen
Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Donnerstag, 24. September 2009

Wie meinen die das: "Gebt unserm Gott allein die Ehre"?

"Gebt unserm Gott allein die Ehre" - und nicht etwa halbe-halbe mit Allah?

"Gebt unserm Gott allein die Ehre" - und nicht etwa unserem Papst?

"Gebt unserm Gott allein die Ehre" - ... denn Geld braucht der keins?






Die Inschrift findet sich am Südportal der (neogotischen) evangelischen Kirche in der Stadtmitte von Bad Rappenau.

Wir ehrten, am Samstag, 12.09.2009, den Herrn dafür, dass er unter der Stadt große Salzflöze eingelagert hat und besuchten wieder einmal das "RappSoDie" - die Therme "Bad Rappenauer Sole- und Sauna-Paradies".














Textstand vom 24.09.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen
Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Sonntag, 20. September 2009

Einige Fragen an die Hypothese der Instabilität des Finanzwesens (Financial Instability Hypothesis) von Hyman Minsky

Ausgehend von Irving Fisher's sog. "Debt-Deflation Theory of Great Depressions" knabbere ich noch immer am Bemühen um ein Verständnis der Erscheinungsformen und Wirkungsweisen von Deflationen (bzw. Deflationsspiralen). (Vgl. dazu meine Blotts "Deflation demystified oder: Eine Deflationsursache gibt es nicht!" und "Ein Ausflug in die Gedanken-Welt der "Österreicher" ".)

Zumindest habe ich begriffen, dass Fishers Überlegungen weit weniger schlüssig sind, als sie auf den ersten Blick erscheinen.

Sonntag, 6. September 2009

Bundestagswahl bzw. Bundestags-Wahlkampf 2009 in Wächtersbach: SPD Spitzenkandidat Frank-Walter Steinmeier mit CDU-Wahlkreiskandidatin Lucia Puttrich

Sind sie nicht ein schönes Paar, die beiden? In Wächtersbach herrscht Harmonie. Dort ist der SPD-Spitzenkandidat Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier traulich vereint mit der CDU-Wahlkreiskandidatin Lucia Puttrich, Bürgermeisterin von Nidda: er packt an, sie zeigt strahlend weiße Zähne.
Gemeinsam lächeln sie entspannt im Grünen: die Lucia, etwas kleiner, lehnt sich etwas anlehnungsbedürftig an einen Pfosten, der bildfüllende Frank-Walter ist dreikantig fest um eine stabile Säule gruppiert [muss ja niemand wissen, dass auf einer anderen Prismenfläche die Rote Nina Hauer erscheint].

Welche politische Ehe, wenn nicht die von Schwarzen und Roten, hätte die nötige Stärke, uns Steuerzahlern weiteres Haushaltsgeld abzupressen, wenn bald dem keynesianischen Ausgabenrausch der unvermeidliche Fiskalkater folgt?
Und sparen können die Politiker jeglicher Couleur sowieso nicht.




Zugegeben, die SPD-Wahlkreiskandidatin Nina Hauer ist ebenfalls hübsch. Aber zwei rote Blutgruppen in der Regierung, das wäre doch Inzucht?
Sagten sich schon einst zwei Vogel-Brüder und teilten sich auf in einen schwarzen Bernhard Vogel und einen roten Hans-Jochen Vogel.



















Textstand vom 10.09.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen
Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Samstag, 5. September 2009

Back to the (my) Roots oder: Maciste und die Boni-Banker

Natürlich habe ich bei meinem heutigen Besuch in der Woolworth-Filiale in der Schweizer Straße in Frankfurt am Main nicht nur Geburtskarten angeschaut (bzw. fotografiert), sondern auch etwas gekauft.

Eine DVD mit einer Erinnerung an Jugendzeiten, einen Spielfilm. Ob ich diesen Film damals gesehen habe, weiß ich nicht mehr. In meiner Jugendzeit hatte ich eine ganze Reihe von Maciste-Filmen angeschaut, kann mich aber nur noch an einen Titel erinnern: "Maciste, Rächer der Pharaonen".
Derjenige Film, den ich heute erstanden habe, ist ein Jahr später (1961) entstanden und trägt den Titel "Maciste, der Sohn des Herkules".
Ob ich mir das Werk jemals in Gänze (wieder) anschauen werde, ist fraglich; vielleicht dann, wenn ich pensioniert bin. Trotzdem: 3,- Euro für die Erinnerung kann man ja mal ausgeben.

Und was hat meine Erinnerung bewahrt? Die Bewunderung für den großen Helden Maciste. Damals zu seiner Zeit, da gab es halt noch richtige Männer: Einmal kurz an der Tempelsäule gerüttelt, und schon sackte ein gigantisches Pappmachébauwerk in sich zusammen!

Solche Männer findet man heute nicht mehr.
Oder?
Tue ich meinen Zeitgenossen vielleicht mit einer oberflächlichen Betrachtungsweise einen Tort an?
Fast scheint es so, denn bei genauem Hinsehen war Maciste der Tempelzertrümmerer doch ein armseliges Würstchen im Vergleich zu den Helden unserer Tage:
Den Boni-Bankern, welche mit wenigen Mausklicks die Finanzarchitektur des gesamten Erdballs zum Einsturz brachten.

Nur sind solche Kraftakte leider schwerer zu visualisieren als weiland die Leistungen meines Maciste!





Textstand vom 05.09.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen
Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Woolworth in Frankfurt (Schweizer Straße) verwöhnt seine Kunden von vorne bis hinten mit einer Riesenauswahl an Geburtstagskarten ...

... darunter sogar eine, die dem Geburtstagskind verspricht:

"Heute wirst du hinten und vorne verwöhnt ...".


Angesichts einer solchen Verheißung ist es kein Wunder, wenn eine andere Geburtstagskarte kommentiert:
"Einmalig!!! Da schlägt das Herz höher!"

Ob das wohl ein/e deutsche/r Muttersprachler/in war, der oder die eine Verwöhnung "hinten und vorne" versprochen hat?











Textstand vom 05.09.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen
Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Freitag, 4. September 2009

Ein Ausflug in die Gedanken-Welt der "Österreicher"

Der Wirtschaftswissenschaftler Joseph T. Salerno, ein Anhänger der Österreichischen Schule (Ludwig von Mises, Friedrich August von Hayek, Murray Rothbard u. a.) der Volkswirtschaftslehre hatte (ursprünglich im Januar/Februar 2002, eine erweiterte Fassung, auf die ich mich nachfolgend beziehe, erschien im Jahr 2003) auf andere Weise unternommen, womit auch ich mich derzeit abmühe: die Erstellung einer Deflations-Taxonomie.
Im Detail hoffe ich auf seinen Aufsatz "An Austrian Taxonomy of Deflation" (also: Deflations-Taxonomie aus Sicht der Österreichischen Schule der Nationalökonomie; im amerikanischen Kontext wird diese Schule abkürzend immer nur als "Austrians" bezeichnet) in einer Ergänzung zu meinem früheren Blott "Deflation demystified oder: Eine Deflationsursache gibt es nicht!" einzugehen. Hier greife ich lediglich einen Punkt heraus, der nicht zwingend mit Deflation zu tun hat.

Donnerstag, 3. September 2009

Aldi Süd kämpft für die Volksgesundheit. Und gegen die Verknappung textiler Rohmaterialien

Höflich wie ich, sogar gegen mich selbst, bin, würde ich mich als "untersetzt" beschreiben, oder als reiferen Herrn mit Embonpoint [in der Hoffnung, das möglichst wenige Leser diesen Ausdruck verstehen ;-)].

Als solcher kann ich eigentlich nicht meckern, wenn Aldi mir einen "Merino-Pullover" für 15,99 Euronen anbietet. Auch wenn der, bei näherem Hinschauen, nur zu 51% (außen)aus Schurwolle (Merinowolle) besteht, und zu 49% (innen) aus Baumwolle.
Wenn er nicht einläuft*, passt er mir sogar, liegt aber ziemlich nah am Körper. Eigentlich trage ich meine Kleidung lieber etwas lockerer, schlabberiger, doch dem schiebt Aldi Süd einen Riegel vor: bei Größe 54 endet das Angebot, und es beginnt mit Größe 48. Bauchgrößen (für mich 26 oder 27) sind Fehlanzeige.*
* Nein, er ist nicht eingelaufen!

Höflich wie ich bin, klopfe ich dem Aldi-Bruder auf die Schulter und lobe ihn. Weil er den deutschen Trend zum Vollschlank-Körper einfach ignoriert, und "gute Futterverwerter" zum Abmagern zwingt. Indem er die Kleidungsgrößen rationiert.
Ein Vorgeschmack auf jene Rationierung, welche im Zeichen des Ölfördermaximums wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen wird.
Und Wolle und Baumwolle werden auf diese Weise gleichfalls eingespart: toll!

Allerdings: Die weniger schlanken, letztlich wohl auch ich, müssen sich bei einer solchen Sortimentspolitik warm anziehen! ;-)

Eine interessante Frage wäre, ob unsere hedonischen Preismesser auch diese Art der Teuerung auf ihren Radarschirm bekommen. Ich denke mal, eher nicht.


Nachtrag 10.12.09:
Gegen Bäuche hat Aldi Süd auch was: kurze (Leder-)Gürtel. Bis 105 cm.


Nachtrag 06.11.2010
Auch schon ausgeschlafen, Aldi Süd? Die müssen kürzlich zu der innovativen Erkenntnis gekommen sein, dass die Figuren ihrer Kunden irgendwie nicht mit Aldis kleinen Kleidergrößen kompatibel sind. Plötzlich wird (im Prospekt ab 15.11.2010) "attraktive Herrenmode in großen Größen" angeboten und beworben "attraktiv & bequem - große Mode - für Ihn!"
Manchmal funktioniert der Markt ja doch noch.






Textstand vom 10.12.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen
Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Samstag, 29. August 2009

Google feiert Michael Jacksons Geburtstag (29.08.1958). Nicht in den USA (Google.com), aber für einen großen Teil der Welt ist er noch gut genug

Und wenn er nicht gestorben wäre (am 25.06.2009), wäre er heute 51 Jahre alt geworden: Michael Jackson, "King of Pop", geboren am 29.08.1958.

Google ehrt ihn deshalb heute mit einem veränderten Firmenlogo (wie zuletzt zur 400jährigen Wiederkehr der Erfindung des Teleskops durch Galilei). Fährt man mit dem Cursor über das Logo, erscheint der Text "Geburtstag von Michael Jackson", und ein Mausklick ruft den Suchbegriff Michael Jackson auf (hier das Wikipedia-Stichwort).

Sonntag, 16. August 2009

2000 Jahre nachdem Arminius Deutschland von den Römern befreit hat, will uns die Piratenpartei vom Kreuz der Räumer erlösen!


Sie sind ein Kreuz, die Politiker welche im Internet aufräumen wollen.

 
Gegen deren Pläne zur Internetüberwachung, wie auch gegen andere Übel, kämpft tapfer die Piratenpartei; heute z. B. der Landesverband Rheinland-Pfalz mit einem Wahlkampf-Stand in Mainz in der Emmeransstraße / Ecke Pfandhausstraße.

Mainz? Piraten? Aber klar doch: Hier haben ja schon die Römer gegen germanische Freibeuter gekämpft, vermute ich zumindest. Jedenfalls ist an Römerschiffen so einiges bis heute erhalten geblieben. Mainz ist also ein durchaus passendes Terrain für politische Netsurfer. Zumal schon einmal von Mainz eine Revolution der Kommunikationstechnik ausging.

Samstag, 15. August 2009

CDU: Wir haben die Kraft .....

.... Aber liebe Leute: wie soll ich denn mitten in der zweiten Weltwirtschaftskrise eine zusätzliche Kraft einstellen?


 ..... Doch dauert eure Macht und eure Herrlichkeit hoffentlich nicht bis in alle in Ewigkeit. Amen!

Donnerstag, 13. August 2009

Internetzensur: CDU macht Wahlkampf für Piratenpartei!

"Datenschutz. Regierung erwägt rückverfolgbaren 'Internetausweis' für alle" behauptet Achim Sawall auf ZEIT ONLINE, golem.de vom 11.8.2009:
"Mehr Überwachung für das Chaos im Internet wünscht sich die Union. Unter anderem mit Hilfe eines neuen Ausweises, der jeden identifizierbar macht."
Sawall bezieht sich auf die Meldung "Regeln im Netz. CDU fordert eine Internet-Polizei" der Rheinischen Post (RP) vom ?, zuletzt aktualisiert am 11.08.09.

Die Regierung bestreitet, meldet der Heise Online-Artikel "Kanzleramtschef fordert "Verkehrsregeln im Internet"" vom 10.10.2008.

Dieser Meldung entnehme ich einen Link zu dem Interview der Rheinischen Post "Interview mit Kanzleramt-Chef. Schärfere Regeln fürs Internet", "zuletzt aktualisiert: 10.08.2009":
"Der Chef des Kanzleramts, Thomas de Maizière (CDU), spricht sich für einen unabhängigen Expertenrat in Weltfinanzfragen aus und macht sich Sorgen um Auswüchse im Internet."

Die Berichte über einen Internet-Ausweis halte ich für einigermaßen obskur. Außerdem missfällt mir, wie der ZEIT-Bericht unterschiedliche Sachverhalte (Internetausweis + Internetsperren gehören sicher inhaltlich zusammen, aber "verdeckte Ermittler im Internet" ist ein ganz anderes Feld, über das man separat diskutieren müsste) wahllos in einen Topf wirft.

Dennoch bleibt als Fazit, dass die Christkonservativen die Internetzensur eingeführt haben. Und sie halten die Debatte über weitere Zensurmaßnahmen am Köcheln. So lesen wir z. B. in einem Interview des Hamburger Abendblattes von Jochen Gaugele und Maike Röttger v. 2. August 2009 mit der Familienministerin von der Leyen u. d. T. "Kampf gegen Schmutz im Internet wird verschärft" (Hervorhebungen von mir):
"Nach der Sperrung kinderpornographischer Seiten will Ursula von der Leyen gegen weitere rechtswidrige Inhalte im Internet vorgehen. ...
abendblatt.de: Sie argumentieren, Grundregeln unserer Gesellschaft müssten online wie offline gelten. Warum sperren Sie dann nicht auch Internetseiten, die Nazipropaganda verbreiten oder Gewalt gegen Frauen verherrlichen?
Von der Leyen: Mir geht es jetzt um den Kampf gegen die ungehinderte Verbreitung von Bildern vergewaltigter Kinder. Der Straftatbestand Kinderpornografie ist klar abgrenzbar.20Doch wir werden weiter Diskussionen führen, wie wir Meinungsfreiheit, Demokratie und Menschenwürde im Internet im richtigen Maß erhalten. Sonst droht das großar tige Internet ein rechtsfreier Chaosraum zu werden, in dem man hemmungslos mobben, beleidigen und betrügen kann. Wo die Würde eines anderen verletzt wird, endet die eigene Freiheit. Welche Schritte für den Schutz dieser Grenzen notwendig sind, ist Teil einer unverzichtbaren Debatte, um die die Gesellschaft nicht herumkommt.
"

Warum legen unterschiedliche CDU-Politiker beim Thema Internetkontrolle und Internetzensur immer wieder nach, obwohl sie genau wissen, dass das für viele (man lese nur einmal die Kommentare zu dem o. a. Zeit-Artikel durch, darunter einige mit dem Tenor 'Ich wollte eigentlich CDU wählen, aber jetzt ...') ein rotes Tuch ist?

Ich vermute mal, dass die Freunde der Netzfreiheit bzw. die Feinde der leyenhaften Netzfischer politisch eher zur SPD tendieren (obwohl ihr Anliegen bei denen auch nicht viel besser aufgehoben ist) als zur Piratenpartei. Gelingt es, diese Wähler in die Fänge der Piraten zu treiben, schwächt man die SPD und vermehrt den eigenen Stimmenanteil (denn die Piraten werden die 5%-Hürde sicherlich nicht überspringen).
Steckt etwa diese Art von Kalkül hinter der Netzkontrolldebatte der Christenunion?


P. S.: Auch wenn ich davon ausgehe, dass die Stimme in der Versenkung endet, und auch wenn ich weiß, dass die Piratenpartei sich eher über das, was sie nicht will, definiert als über positive politische Ziele: Ich überlege ernsthaft, meine Wahlstimme diesmal in den Piraten-Papierkorb zu werfen. Damit sie wenigstens als Proteststimme wahrgenommen wird.

"Politically Incorrect" ist nicht gerade mein Lieblingsblog. Aber immerhin: gegen Zensur sind auch die eindeutig allergisch; vgl. den Eintrag "Von der Leyen will Internetzensur ausweiten" vom 03.08.09, ebenfalls eine Reaktion auf das Interview der Ursula von der Leine.


Insgesamt scheint mir aber in der User-Gemeinde des Weltnetzes das rechte Verständnis für die Haltung der CDU in Sachen Internet-Kontrolle noch immer zu fehlen. Bzw. es fehlt eine Formulierung, welche die Kontrollbemühungen der Politchristen auf den Punkt bringt.
Da trete ich mal mit einer solchen Formulierung hervor:
Sittenstrolche sind das, die Ursula von der Leyen und die anderen Zensurchristen!
Und das nicht nur deshalb, weil deren Zensurbestrebungen unsittlich sind.
Sondern weil diese Figuren durch's Internet strolchen, um die Sitten zu heben.
Und daraus entwickeln wir die mathematisch unangreifbare Gleichung:
Strolchen + Sitten = Sittenstrolche!




Textstand vom 13.08.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen
Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Dienstag, 11. August 2009

Politikverfilzung der Organisierten Finanzwirtschaft: Ein Hauch von investigativem Journalismus durchweht das deutsche Miasma


Leo Müller hat für die Financial Times Deutschland keine Geheimnisse aufgedeckt. Er hat (soweit ich das beurteilen kann) lediglich bekannte Fakten zu einem sinnhaften Muster arrangiert.
Heraus kam der Artikel "Investmentbanken. Die deutsche Lehman-Lüge" vom 10.08.2009:
"Der Fall der Lehman-Bank hat Kapital und Vertrauen vernichtet. Sagen deutsche Politiker und Bankchefs. Das ist die Unwahrheit - und sie wissen es. Die Pleite am 15. September 2008 war nicht der Auslöser der Entwicklung. Die Finanzhäuser hierzulande gerieten schon Jahre zuvor in Schieflage."
Müller zeigt, dass zahlreiche deutsche Banken, insbesondere die Landesbanken, schon längere Zeit marode waren. Die Lehmann-Pleite habe lediglich bewirkt, dass sie ihre Miesen nicht mehr verstecken konnten. Vorher hätten sie in einem sozusagen dolosen Zusammenwirken mit Politikern und Aufsichtsbehörden ihre Verluste versteckt.

Sonntag, 9. August 2009

Fortschrittsfurcht


Es ist kein großer Artikel, und Josef Joffe ist auch nicht mein Lieblings-Kommentator. Eigentlich hat er sich nur an den Newsweek-Bericht "What Lurks Beneath. In key industries of the future" drangehängt; da darf auch ich mich an ihn (und Newsweek) dranhängen:
"Neokonservatismus. German Techno-Angst" titelt Joffe in der ZEIT vom 06.08.2009 und kritisiert die deutsche Technikangst:
"Der Neokonservatismus der Deutschen beschäftigt nicht nur Josef Joffe."

Ich kritisiere schon seit langem nicht nur die Furcht vor neuen Techniken, sondern überhaupt die fehlende Kreativität in Deutschland.

Sonntag, 2. August 2009

..... gib Acht auf den Jahrgang!

Nicht nur beim Wein (sowie bei den goldblonden - aber ebenso bei den wasserstoffperoxidierten, den schwarz oder anders beharten oder gefärbten - Mägdelein) heißt es achtgeben auf den Jahrgang (auch bei Youtube).

Wenn ich in Frankfurt am Main von meiner Arbeitsstelle zur U-Bahn-Haltestelle gehe, komme ich an einigen wildwachsenden Brombeersträuchern vorbei. Bei mehreren diesjährigen Verkostungen der großen schwarzen Früchte musste ich mich zu meinem Leidwesen davon überzeugen, dass diese heuer durchgängig säuerlich sind. Im vorigen Jahr dagegen waren sie süß gewesen, und die leicht erreichbaren schnell verschwunden. Dagegen hängen die Beeren des 2009er Jahrgangs unangefochten am Strauch; niemand pflückt diese Säuerlinge ab.




Textstand vom 02.08.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen
Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Freitag, 24. Juli 2009

Deflation demystified oder: Eine Deflationsursache gibt es nicht!


Dass es eine Natur nicht gibt, wissen meine treuen Leserinnen und Leser schon lange.
Ebenso haben sie sich an die
Nichtexistenz von einer Inflation gewöhnt (genauer hätte ich eigentlich sagen müssen: einer Inflationsform; den Lesern des vorliegenden Blotts möchte ich auch diesen Inflations-Blott ans Herz legen).
Also sind wir jetzt gerüstet, um gemeinsam "die" Deflation einer Kernspaltung zu unterziehen.


Montag, 20. Juli 2009

Was willer, der Robert Shiller?

Professor Robert Shiller ist einer der klügeren Ökonomen. Zwar war er sich im Jahre 2003 in dem Zeitungsartikel ("Is There a Bubble in Home Prices?") bzw. 2004 in einer Studie ("IS THERE A BUBBLE IN THE HOUSING MARKET?", zusammen mit KARL E. CASE) noch nicht sicher, ob eine Immobilienblase zu diagnostizieren sei.
Doch warnte er schon damals (2003):
"Judging from the historical record, housing price declines fortunately tend to be relatively local, and nationwide drops are unlikely. This should blunt the macroeconomic impact of bursting bubbles. The bad news, though, is that the run-up of personal debt means that many households will be left with liabilities exceeding the value of their homes, implying a rising number of bankruptcies."

Samstag, 18. Juli 2009

Pervs are us?

Ganz so schlimm wie ein Teergarten ist ein (fast) reiner Rasen-Garten natürlich nicht.
Aber die abfällige Bezeichnung von Rasen als einer "biologischen Bodenversiegelung" ist keineswegs aus der Luft gegriffen.

Anmache beim Junggesellinnenabschied

Heute standen Engel am Wächtersbacher Bahnhof. Eigentlich müsste es ja "Engelinnen" heißen, weil wir uns Engel als weiblich denken - und diese auch tatsächlich weiblich waren.

Du musst ein Schwein sein - in der Oberstdorf Therme

Eigentlich wollte ich unseren Urlaub in Immenstadt (vom 28.06. - 11.07.09) nicht weiter bebloggen: verregnet war er, aber erholsam und letztlich gar nicht schlecht. Immenstadt ist ein netter Ort; Oberstdorf ist von der Lage her im Allgäu jedenfalls unter den größeren Orten vermutlich unübertroffen, allenfalls mit Garmisch-Partenkirchen zu vergleichen.

Dienstag, 14. Juli 2009

Kein Kopfrechnen beim Handelsblatt? oder: Hätten Sie's gewusst - wie viel 5 mal 10 ist?

Im Handelsblatt-Artikel vom 14.07.09 "Strategie. Inflation und Deflation: Die richtige Anlage" stellt Stefan Mauer Überlegungen für eine zweckmäßige Geldanlage an:
"Zentralbanken und Wirtschaftswissenschaftler warnen derzeit vor der Gefahr einer Deflation. Entsprechende Gegenmaßnahmen könnten allerdings ein anderes Extrem verursachen – die Deflation. Für Anleger gilt es folglich nun, sich für beide Szenarien zu rüsten".

Vorbedingung für jede erfolgreiche Geldanlage ist freilich, dass man rechnen kann. Insoweit hat mich der nachfolgende prognostische Vergleich der präsumptiven Inflationsraten zwischen Europa und den USA doch einigermaßen verblüfft (Hervorhebung von mir):

"Während Ökonomen wie Straubhaar für den Euro-Raum eine Inflationsrate von fünf und mehr Prozent voraussagen, gehen Andere noch weiter. Claus Vogt, Chefanalyst der Quirin Bank, sieht vor allem in den USA eine noch deutlich größere Geldentwertung: 'Wenn Politiker und Notenbanker so weiter machen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der US-Dollar in zehn Jahren nur noch die Hälfte wert ist'."

Da stellt sich doch die Frage, zu welchem Endergebnis sich eine jährliche fünfprozentige Geldentwertung in Europa über 10 Jahre summieren würde?
Selbst wenn man von "Zinseszinsen" mal absieht, ergeben sich schon überschlägig 50% (5% x 10 Jahre; in Wirklichkeit würde sich die Entwertung, kumuliert, in diesem Beispiel aber sogar auf 63% belaufen, wie man z. B. mit diesem Zinseszinsrechner leicht nachprüfen kann).

Zu seiner Rechtfertigung könnte der Autor zwar vorbringen, dass er die fünfprozentige Inflationsrate im Euro-Raum für ein einmaliges Ereignis hält.
Das freilich wäre zum einen recht naiv; zum anderen hätte er dann eine einjährige mit einer mehrjährigen Geldentwertung verglichen, also Äpfel mit Birnen.



Textstand vom 14.07.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen
Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Montag, 13. Juli 2009

Unruhe ist die erste Bürgerpflicht! (Auch in Wächtersbach)

Unter der Überschrift

Wochenmarkt erfreut sich wachsender Beliebtheit. Bürgerbräu zum Wochenmarkt geöffnet

berichtet bzw. appelliert die (vom hiesigen Verkehrs- und Gewerbeverein e. V. in zweiwöchentlichem Rhythmus herausgegebene) "Wächtersbacher Heimatzeitung" am 11.07.09 in Sachen Wochenmarkt (vgl. dazu meinen Blott "8. Mai: Deutschland hat kapituliert; der Wächtersbacher Wochenmarkt aber gibt nicht auf!") bzw. Bürgerbräu (derzeit in einem ehemaligen Ladengeschäft im Erdgeschoss des von uns bewohnten Hauses aktiv) unter anderem (meine Hervorhebungen):

"Natürlich gibt es Käse und Wurst in Discountmärkten billiger. Doch auf dem Markt bieten sich kostenlos ein gemütliches Einkaufserlebnis, nette Gespräche und das Gefühl neu erwachenden Wächtersbacher Bürgersinnes. Denn auch Einheimische staunen, wie angenehm es spätnachmittags auf dem Marktplatz sein kann, wenn die Sonne schon über dem Riedelskopp steht und man die ruhige Altstadtstimmung genießen kann. Ein schöner Unterschied zur Einkaufshektik in anonymen Großmärkten. Doch ganz so ruhig soll es nicht bleiben, und damit der Einkauf künftig noch angenehmer wird, soll es nun auch Bürgerbräu geben."

Es ist amüsant zu beobachten, wie sich hier die sozusagen 'kleine' Marktideologie ebenso in Widersprüchen verheddert (oder widersprüchliche Verheißungen verkündet) wie (auf andere Weise) die 'große' Marktideologie des Neoliberalismus (aber auch menschliche Lebensäußerungen auf anderen Ebenen, z. B. im Tourismus):
Die Leute sollen in die Altstadt kommen, weil man dort die Ruhe genießen kann. Doch gar so ruhig will man es auch wieder nicht haben (weil die Menschen sich so an Unruhe gewöhnt haben - oder weil sie vor lauter Ruhe das Einkaufen vergessen könnten?).

Jedenfalls scheint das Motto nun zu lauten:
Bier her, Bier her - oder der Markt fällt um(?)



Textstand vom 13.07.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen
Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Mittwoch, 24. Juni 2009

The Capitalist Threat: Schutzgelderpresser der Mafia sind reine Waisenknaben gegenüber den Ärzten / Medizinern in McAllen, Texas!


An das Gesundheitswesen hatte George Soros wohl kaum gedacht, als er in der Zeitschrift Atlantic Monthly, Volume 279, No. 2, February 1997, seinen berühmten Essay "The Capitalist Threat" verfasste. Darin hatte er die Befürchtung geäußert, dass ein bis zur äußersten logischen Konsequenz praktizierter Kapitalismus jene ethischen Verhaltensnormen zerstören könnte, auf denen er selbst beruht. (Daher übersetze ich den Titel - interpretierend - mit "Die Selbstbedrohung des Kapitalismus").

Donnerstag, 18. Juni 2009

Deflationsgefahr gebannt: Deutsches Hotel- und Gaststättengewerbe erhöhte Preise trotz Wirtschaftskrise und Absatzeinbruch

Schon immer hatte ich erhebliche Zweifel an jenen Szenarien, die in der aktuellen Weltwirtschaftskrise (WWK II) in Analogie zur WWK I eine Deflationsspirale befürchteten. Die Notenbanken, voran die Federal Reserve Bank (Fed) in den USA, werden es ihrer Politik der Geldschwemme zugute halten, dass es nicht zu einer Deflation gekommen ist. Das hat sicherlich geholfen; es müssen aber insoweit noch andere Mechanismen wirksam gewesen sein.

Mittwoch, 10. Juni 2009

In Russland droht ein Sack Reis umzufallen: ICH erwarte scharfen Protest des deutschen Bundestages. Aber IHNEN ist Industriehai Chodorkowski ja egal!

Bislang wollte ich es nicht glauben, was die SPD im Europa-Wahlkampf insinuiert hatte: dass nämlich die FDP die Finanzhaie unterstützt. Jetzt aber habe ich die Liberalen in flagranti erwischt.
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger heult diesmal nicht gegen den Großen Lauschangriff, sondern für den russischen Industrie-Wolf Michail Borissowitsch Chodorkowski (s. u.).

Der hat sich bei der politischen Führungsschicht in Russland unbeliebt gemacht und wird deshalb (an diesem Kausalzusammenhang habe ich gar keinen Zweifel) strafrechtlich verfolgt. In dem englischsprachigen Wikipedia-Eintrag über Mikhail Borisovich Khodorkovsky wird dazu eine Stellungnahme des US-Außenministeriums angeführt, die auch aus meiner Sicht den Sachverhalt so darstellt, wie er ist:
"The U.S. State Department said the arrest "raised a number of concerns over the arbitrary use of the judicial system" and was likely to be very damaging to foreign investment in Russia, as it appeared there were "selective" prosecutions occurring against Yukos officials but not against others."

Nur: eine Lichtgestalt kann der russische Oligarch Michael Chodorkowski zumindest nicht immer in seinem Leben gewesen sein: sonst hätte er sich nicht in der Transformationsperiode der russischen Wirtschaft vom Staatskapitalismus den Ölkonzern JUKOS (engl. YUKOS) unter den Nagel reißen können.

Daher finde ich es einigermaßen überraschend, dass DIE GRÜNEN einen Entwurf für eine gemeinsame Entschließung des deutschen Bundestages zum Prozess gegen den russischen Unternehmer Michail Chodorkowski eingebracht haben. Und dass sie von CDU und FDP unterstützt werden. Vor allem erscheint es mir politisch ausgesprochen unintelligent. Deutsche Interessen vertritt man auf diese Weise ganz gewiss nicht. Wollen die CDU und FDP als Gefolgsleute der Banknotendruckmacht USA Deutschland in eine Konfrontation mit der Rohstoffmacht Russland hetzen? (Die geistesgroßen Grünen kommen ja eh' ohne Energie-Rohstoffe aus!)

"Die FDP-Abgeordnete Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wird noch deutlicher: „Dass sich die SPD mit der Unterstützung von Herrn Chodorkowski so schwertut, ist ein Armutszeugnis" heißt es in dem ZEIT-Artikel "Prozess. Testfall Chodorkowski" vom 10.6.2009.
Zugegeben: der Bundestag hat sich, bereits im Januar 2006, auch kritisch über das US-Gefangenenlager Guantanamo geäußert.

Einäugigkeit kann man den Abgeordneten also nicht vorwerfen. Außenpolitische Weisheit aber auch nicht - jedenfalls der Mehrheit nicht. Anders dagegen die SPD. Über deren Stellung berichtet Claudia von Salzen in dem o. a. ZEIT ONLINE-Bericht vom 10.6.2009 unter der Überschrift "Prozess. Testfall Chodorkowski":
"Die Große Koalition kann sich nicht auf eine gemeinsame Erklärung zum Prozess gegen Unternehmer in Russland einigen. .....
Ein von den Grünen verfasster Entwurf fand Zustimmung bei der Union und der FDP. Die Sozialdemokraten legten dagegen einen eigenen, allgemeineren Entwurf vor, in dem der Fall Chodorkowski nicht mehr im Mittelpunkt steht. In dem Entwurf der Grünen wird nun die Sorge zum Ausdruck gebracht, dass auch diesmal „ein strafrechtlicher Prozess für politische Ziele genutzt wird“. Wesentliche Grundsätze der Rechtsstaatlichkeit würden in Russland „nicht oder ungenügend beachtet“, heißt es in dem Entwurf. „Trotz einiger Fortschritte gibt es weiter besorgniserregende Entwicklungen.“ Derart deutliche Kritik fehlt dagegen im Entwurf der SPD, der dem Tagesspiegel vorliegt. Im Bereich der Rechtsstaatlichkeit gebe es „positive und negative Trends“, heißt es darin. Die Sozialdemokraten sehen das Verfahren zwar ähnlich wie die Grünen als „Testfall“ für die Glaubwürdigkeit der russischen Justiz. Allerdings gibt es im SPD-Entwurf den Zusatz, der Respekt vor der Unabhängigkeit der russischen Justiz gebiete es, den Prozessverlauf und die Entscheidung des Gerichts abzuwarten. Mit dieser Formulierung sind nicht alle SPD-Außenpolitiker einverstanden: Er sei „nicht glücklich“ mit diesem Satz, betonte der Bundestagsabgeordnete Markus Meckel, der am Montag in Moskau den Chodorkowski-Prozess beobachtet hat
."

Sicherlich liegt es auch in unserem Interesse, unsere Lebensform, und nicht zuletzt auch unsere rechtlichen Standards, auch in jenen Staaten der Welt zu verbreiten, bei denen die Unabhängigkeit der Justiz nur mangelhaft ausgeprägt ist.

Da muss man freilich nicht bis nach Russland laufen, sondern mag zunächst einmal im eigenen europäischen Haus aufräumen. Ich habe jedenfalls nicht vernommen, dass der Bundestag eine Entschließung gegen die skandalösen Manipulationen beschlossen hätte, mit denen der italienische Ministerpräsident die italienischen Strafverfolgungsbehörden an der Untersuchung seiner Taten gehindert hat. Allerdings ging es dabei nicht um eine politisch motivierte Verfolgung Unschuldiger, sondern um die Verhinderung der Verfolgung eines (nach meiner Einschätzung) Schuldigen.

Unschuldige werden dagegen mitten in Deutschland verfolgt, im Frankfurt des Hessen-Kochs. Finanzbeamte, die mit preußischer Pflichttreue gegen Steuerhinterziehung durch Banken ermittelten, wurden dort mit den übelsten Methoden ins Abseits gestellt. Mehr darüber erfährt der oder die Interessierte z. B. in dem ausführlichen Stern-Bericht (Heft 51/2008) "Eiskalt abserviert" von Frauke Hunfeld:
"Als Ermittler holten sie für den Staat Millionen, auch bei den großen Banken. Doch plötzlich war Schluss. Plötzlich störten sie die Geschäfte und wurden als Querulanten aus dem Dienst gemobbt. Die Geschichte von Rudolf Schmenger und seinen Kollegen von der Steuerfahndung Frankfurt, die jetzt auf Gerechtigkeit hoffen. ...
Rudolf Schmenger, 47, zuletzt Amtsrat. Er wehrte sich gegen das Aus - und wurde per Gutachten für verrückt erklärt
."
Oder im Handelsblatt-Artikel "Rudolf Schmenger und Frank Wehrheim. Ausgezeichnete Verräter" von Jan Keuchel (07.05.09):
"Zwei Steuerfahnder prangerten Missstände an und verloren ihren Job. Nun werden sie mit dem Preis "Whistleblower 2009" geehrt."

Darüber sollte der Bundestag debattieren, anstatt Russland anzupinkeln, weil die einen (vermutlich) Wirtschaftsverbrecher (wenn auch aus politischen Motiven) verfolgen.
Oder auch über das Mobbing gegen die Staatsanwältin Margrit Lichtinghagen. Über diesen Fall politisch motivierter Eingriffe in die Strafverfolgungsbehörden informiert uns z. B. der FTD-Bericht (15.12.08) "Agenda. Dossier. Staatsanwältin im Krieg" von Jens Brambusch:
"Sie hat Post-Chef Klaus Zumwinkel verhaften lassen - nun soll kurz vor Beginn des Prozesses Staatsanwältin Margrit Lichtinghagen strafversetzt werden. Der Steuerfall des Jahres verkommt zu einem Schmierenstück aus Mobbing und Intrigen."

Alternativ - oder ergänzend - könnte das Hohe Haus sich auch mal mit dem Bekanntenkreis des Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger beschäftigen, nämlich seine Beziehung zu dem mutmaßlichen Mafioso Mario L.
Dazu staunen wir im Stern vom 3.4.08:
"Buchauszug. Oettinger und der Pizzabäcker", © Michael Latz/DDP
"Der baden-württembergische Ministerpräsident Oettinger und sein tiefer Sinn für Freundschaft: Stoff für einen Bestseller. .....
"Wir können alles", rühmen sich die Baden-Württemberger. Tatsächlich verstehen sie sich auch auf "Filz, Korruption & Kumpanei". stern.de veröffentlicht einen Auszug aus dem gleichnamigen Buch - über die denkwürdige Freundschaft von Ministerpräsident Günther Oettinger zu Pizzeriawirt Mario L.
Der Stuttgarter Pizza-Wirt war zwar bei einem Mafia-Prozess im Jahr 1999 freigesprochen worden. Doch das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) verzeichnete ihn im Jahr 2000 nach wie vor als Mitglied des 'Ndrangheta-Clans "Greco", wie aus Unterlagen der Behörde hervorgeht. Beim besagten Austausch italienischer und deutscher Fahnder blieb es nicht beim Thema Mario. Plötzlich, wie aus heiterem Stuttgarter Himmel, kam die Rede auch auf Günther Oettinger. Und da passierte es: Was seine Rolle in der damaligen Sache angehe, da sei in Deutschland einiges vermauschelt worden, wurde doch tatsächlich behauptet. Bei ihnen in Italien, so fabulierten italienische Ermittler wäre Oettinger nicht Ministerpräsident geworden, sondern hätte eher juristische Probleme bekommen, wegen eines Verdachts, der bei ihnen zu Ermittlungen führen würde - nämlich "favoreggiamento", Begünstigung. Die italienischen Ermittler verwiesen darauf, dass dieser Verdacht in ihrem Heimatland auch schriftlich fixiert wurde - noch im Jahr 2005.
"

"Es gibt viel Mist in Deutschland: machen wir einen Bogen drum herum - und zeigen mit dem Finger auf Russland" - ist das die Devise der deutschen Bourgeoisie (die GRÜNEN zähle ich definitiv ebenfalls zu dieser Klasse).
Da passt es irgendwie, wenn ich bei der Wikipedia-Suche nach "Oligarchie" auf das Stichwort "Ehernes Gesetz der Oligarchie" stoße:
"Das Eherne Gesetz der Oligarchie (ehern: gehobenes Deutsch für „aus Erz“ [Eisen] im Sinne von „hart, ewig während“ [„Eisernes Gesetz“]; Oligarchie: griechisch für „Herrschaft Weniger“) ist eine 1911 vorgelegte politische Theorie zur innerparteilichen Demokratie des deutsch-italienischen Soziologen Robert Michels (1876-1936). Die Theorie geht davon aus, dass Führungsgruppen in Organisationen zwangsläufig zunehmend an den eigenen Interessen (persönliche Privilegien, Sicherung der Organisation) interessiert seien, als an den Zielen, Interessen und dem Willen der Gruppe selbst (Verselbstständigung der Führung). Sie versuchten nach Michels, die soziale Basis (Massen) zu bestimmen (Parteidisziplin), auch dann, wenn die herrschende Weltanschauung dieser Gruppierungen das Gegenteil anziele. Michels baute auf Arbeiten Gaetano Moscas (Politische Klasse) auf."
Oder in der englischsprachigen Wikipedia den entsprechenden Eintrag "Iron law of oligarchy":
"The iron law of oligarchy is a political theory, first developed by the German syndicalist sociologist Robert Michels in his 1911 book, Political Parties. It states that all forms of organization, regardless of how democratic or autocratic they may be at the start, will eventually and inevitably develop into oligarchies. The reasons for this are the technical indispensability of leadership, the tendency of the leaders to organize themselves and to consolidate their interests; the gratitude of the led towards the leaders, and the general immobility and passivity of the masses. ...
Robert Michels was disturbed to find that, paradoxically, the socialist parties of Europe, despite their democratic ideology and provisions for mass participation, seemed to be dominated by their leaders, just like the traditional conservative parties.
Studying political parties, he concluded that the problem lay in the very nature of organizations. Modern democracy allowed the formation of organizations such as political parties, but as such organizations grew in complexity, they paradoxically became less and less democratic. Michels formulated the "Iron Law of Oligarchy": "Who says organization, says oligarchy." ...
At the time Michels formulated his Law, he was an anarcho-syndicalist. He later became an important ideologue of Benito Mussolini's fascist regime in Italy.
"

Lassen wir es nicht zu, dass unsere Oligarchen uns mit Einsätzen für dubiose Gestalten wie den Herrn Michail Borissowitsch Chodorkowski, oder auch gegen die unerquicklichen Methoden der Chinesen zur Gewinnung von Bärengalle, von unseren Problemen abzulenken versuchen.
Wenigstens (bzw. aus anderer Perspektive betrachtet: leider nur) die SPD hat begriffen, dass es nicht im wohlverstandenen deutschen Interesse liegt, das Verhältnis zu Russland wegen solcher Figuren zu belasten.

Was ich in meinem Bärengallen-Blott schrieb, passt auch hier:
"Comity, Höflichkeit und Rücksichtnahme zwischen Nationen und Kulturen, auf der juristischen wie auf anderen Ebenen – was das bedeutet, müssen vielleicht nicht nur die anderen lernen!"


Nachtrag 15.10.2010
Angela Merkel hat es nun auch gemerkt: dass Russland eine Rohstoff-Großmacht ist (die man besser nicht vergrätzt). Am 14.10.10 berichtete die WELT: "Globalisierung. Merkel will Rohstoffe für Deutschland sichern":
"China kauft derzeit den Rohstoffmarkt leer. Nun will Bundeskanzlerin Angela Merkel gegensteuern – und vor allem Russland an Deutschland binden."





Textstand vom 15.10.2010. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen
Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Sonntag, 7. Juni 2009

Die Welt aus Düsseldorfer und Hamburger Sicht. Vergleich Handelsblatt mit Financial Times Deutschland (FTD), u. a. zum Thema Ölpreisentwicklung

Falls ich dem Handelsblatt (d. h. dessen Internet-Ausgabe) irgendwann meine langjährige Treue kündigen sollte (wovon die freilich wenig spüren werden, weil ich ohnehin nur noch die im Internet -gratis- publizierten Artikel lese) ist ganz sicher nicht die "Zensur" meines Meinungs-Blotts über Horst Seehofer (vgl. dort meinen Nachtrag vom 7.6.09) daran Schuld.

Eine Bloggerin macht Pause

Zufällig bin ich gestern über die Ruine des Blogs einer gewissen Martina Kausch gestolpert. Die verkündet, dass sie mal eine Blog-Pause einlegt. Sensationell ist das nicht: das tun vermutlich viele (vermutlich die meisten ohne Ansage).

Es lassen sich auch keine tieferen Erkenntnisse aus ihren Worten schöpfen. Einen Absatz will ich dennoch zitieren, weil er nämlich gut ausdrückt, was auch ich oft empfunden habe (meine Hervorhebungen):

"Sehr viel hatte ich ... in den vergangenen fünf Jahren geschrieben, über 6.000 Texte, mit dem Ergebnis, dass ich mich jetzt "ausgepowert" fühle. Mir fällt einfach nichts mehr ein; mir fehlt inzwischen der Witz und die Frische aus den alten Tagen meines Bloganfangs. Und mein Eindruck ist auch, dass sich die Themen immer wiederholen. Und - das langweilt mich inzwischen wirklich."

Voriges Jahr im September war ich selbst schon so weit, dass ich Pause machen oder zumindest das 'Produktionstempo' reduzieren wollte.
Aber dann riss mich die Wirtschaftskrise - in ihren Strudel? Aus meiner beginnenden Lethargie? [Also hat auch die Weltwirtschaftskrise etwas Gutes (Sie können gern auch denken: etwas Schlechtes) bewirkt ;-).]

Martina Kausch aber bloggt in Wirklichkeit doch weiter, an anderer Stelle.
Nur eins verstehe ich nicht: weshalb jemand gleich seinen ganzen Blog abschaltet, wenn sie mal Pause machen will. Das wirft kein gutes Licht auf die Selbsteinschätzung der Qualität und der gesellschaftlichen Relevanz, ihres Bloggens.
Zumindest der Absicht nach sollten doch Blotts eine über den Tag hinaus gehende Bedeutung haben? Wer über Nacht seine ganzen Texte sperrt, sendet aus meiner Sicht seinen Leserinnen und Lesern eine böse Botschaft: 'Ist alles nicht so ernst zu nehmen, oder nicht so wichtig, was ich bisher geschrieben habe und mit dessen Lektüre ihr bisher eure Zeit verschwendet habt'.
Wenn man ausnahmsweise tatsächlich zu einer solchen Einschätzung gelangt, oder aus welchen Gründen auch immer zu bestimmten früher geäußerten Meinungen nicht mehr stehen mag, sollte man dies m. E. gegenüber den Lesern explizit kommunizieren und begründen. Ansonsten sollte man seine Texte online lassen.




Textstand vom 07.06.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen
Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Freitag, 5. Juni 2009

Wenn das Kölner Stadtarchiv wieder leuchtet, sind wir Steuerzahler die lebenden Fackeln!

In meinem Blott "Wenn 'Weimar leuchtet', sollten beim Steuerzahler die Alarmglocken aufleuchten" hatte ich die Kosten für den Wiederaufbau der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar und insbesondere für die Restaurierung der bei dem dortigen Brand in Mitleidenschaft gezogenen Druckwerke kritisiert. Die Kostenschätzung belief sich auf 67 Mio. € (da solche Schätzungen erfahrungsgemäß meist zu niedrig sind, muss man wohl mit 100 Mio. Euro rechnen).

Das sind aber beinahe noch Peanuts im Vergleich zu jenen Kosten, welche für den Wiederaufbau des Stadtarchivs in Köln (die Wikipedia bietet einen sehr informativen und umfangreichen Artikel über das "Historische Archiv der Stadt Köln") und für die Restaurierung der dort gelagerten (zum allergrößten Teil geborgenen oder in Kürze noch zu bergenden Dokumente) auf den Steuerzahler zukommen.
In der Financial Times Deutschland (FTD) vom 31.05.2009 berichtet Christoph Driessen u. d. T. "Einsturz des Stadtarchivs. 'Sensationell' viel in Köln geborgen" (meine Hervorhebungen):
"Durchnässt, zerquetscht, zerschnipselt: In diesem Zustand sind viele Stücke aus dem Kölner Stadtarchiv. Wirklich verloren ist allerdings kaum etwas, sagt die Leiterin. Eine bestmögliche Rettung koste allerdings 'einen hohen dreistelligen Millionenbetrag'. .....
85 Prozent des Gesamtbestandes sind mittlerweile geborgen. Die restlichen 15 Prozent liegen in einer Baugrube der U-Bahn im Grundwasser. Die Feuerwehr prüft zurzeit, wie dieses Material am Besten hochgeholt werden kann. "Wir werden das nicht aufgeben", sagte Schmidt-Czaia. "Wir brauchen alles, wir fordern alles." Im übrigen benötige das Archiv vor allem eines: "Geld, Geld, Geld." Es gehe um "einen hohen dreistelligen Millionenbetrag". Der Bund, das Land und die Stadt seien in der Pflicht, vielleicht könne man auch bei der EU Mittel loseisen."


Persönlich interessiere ich mich sehr für Geschichte. Aber irgendwann hört der Spaß auf. Bei Arcandor (Karstadt) ging es ebenfalls um einen hohen dreistelligen Millionenbetrag, doch dort zunächst lediglich um eine Bürgschaft des Staates in dieser Höhe. Die hätte natürlich verloren gewesen sein können. (Nach meiner Einschätzung wäre sie tatsächlich verloren gewesen; deshalb habe ich mich in verschiedenen Blotts (vgl. meinen Täg "Arcandor") vehement gegen eine solche Staatsbürgschaft ausgesprochen. (Inzwischen hat die Bundesregierung die Bürgschaftsgewährung ja abgelehnt; abzuwarten bleibt aber, ob da nicht doch noch Mittel über andere Titel abfließen.)
Viele andere bzw., soweit ich es überschauen kann, sogar eine große Mehrheit der Kommentatoren in den Medien, hatten ebenfalls gegen Staatshilfe für Karstadt gewettert.

Doch was nützt das alles, wenn uns anderswo das Geld wie Dreck aus der Tasche gezogen wird? Lesen die Wirtschafts-Kommentatoren keine eher feuilletonistischen Artikel, oder haben sie Angst, sich als Kulturbanausen zu diskreditieren, wenn sie sich kritisch zu den Restaurierungskosten für die Kölner Archivalien äußern?

Meine diversen Blog-Einträge haben hoffentlich meinen Ruf schon soweit ruiniert, dass ich mittlerweile ganz ungeniert leben bzw. meine Meinung äußern kann. Welche da lautet: was auch immer im Kölner Stadtarchiv aufbewahrt wurde und nun vom Zerfall bedroht ist, wenn es nicht aufwändig konserviert wird: nichts von dem Plunder rechtfertigt es, uns Steuerzahlern das Hemd auszuziehen. (Der übliche Trick des Anzapfens verschiedener Töpfe erinnert mich an ein italienische Sprichwort, demzufolge die Schurken die Elster zu rupfen verstehen, ohne dass sie schreit) .

Es klingt nicht sonderlich gut, wenn jemand beispielsweise auch den (ebenfalls im Kölner Stadtarchiv aubewahrten) Nachlass des Literatur-Nobelpreisträgers Heinrich Böll unter die Kategorie "Plunder" subsumiert und ist natürlich provokativ gemeint.
Trotzdem wird es Zeit dass wir uns Gedanken darüber machen, wieviel an "historischem Gedächtnis" wir uns leisten können - und vor allem, in welcher Form wir solche Informationsspeicher betreiben.
Und speziell im Falle des zusammengekrachten Kölner Archivs müssten wir überlegen, auf welche Weise man freiwillige Gelder zusammenbekommen könnte. Nicht das Kleingeld, wie man es durch Benefizkonzerte (die natürlich eine verdienstvolle Bemühung sind) zusammenkratzen kann. Das große Geld ließe sich zweifellos durch den Verkauf von Dokumenten machen. Preis: Restaurierung plus Digitalisierung plus (oder minus - je nach Wert der Stücke) X. Das Archiv bekommt die digitalisierte Version; die glücklichen Privatbesitzer dürfen sich über Kalbslederurkunden aus dem 12. Jahrhundert freuen. Oder einen Original-Brief vom Literatur-Nobelpreisträger. Aber das wird nicht passieren; die Sammelwut der Archivare ist längst jenseits der bloßen Informationsspeicherung bei eine Vergötzung des Altpapiers angelangt.
Sinngemäß trifft hier, mutatis mutandis, die in meiner Majolika-Linkseite geäußerte Kritik zu:
"Wenn den Museumsleuten wirklich nur die Kultur als solche am Herzen läge, würden sie der Mensch-heit ein "Museo Virtuale Mondiale" einrichten, z. B. auch ein virtuelles Majolika-Museum mit den weltweit schönsten Stücken.
Doch leider hat das Sammeln von Kunst (nicht anders wie sonstiges Sammlertum) auch sehr viel mit dem Besitzinstinkt zu tun. Deshalb sind die Kunst-Fafnire nur dann richtig glücklich, wenn sie einen Tafelaltar in seine einzelnen Tafeln zerlegt auf mehrere Museen verteilt wissen. (Die Kleinen kriegen dann die Predellatäfelchen ab, für die ganz kleinen bleiben vielleicht ein paar Stücke vom Gesprenge übrig.) Und von Zeit zu Zeit führt man das Ganze in einer Ausstellung zusammen, um es dem gaffen-den Volke wie ein Heiltum zu präsentieren.
"



Über denjenigen, der die Hauptschuld am gigantischen Umfang der Archive und Bibliotheken unserer Zeit trägt, einen gewissen "Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg" nämlich, weiß man verdammt wenig, beinahe Nichts.
Das ist ausgesprochen schade; sehr viel bedauerlicher, als der Verlust irgendwelcher Daten aus der Kölner Stadtgeschichte (so interessant sie im einzelnen, z. B. als kultur- oder sozialgeschichtliche Mosaiksteine, auch sein mögen).
Einen Schaden haben wir an unserer Unkenntnis über Gutenberg und die näheren Umstände seiner Erfindung der Druckkunst dennoch nicht genommen. Und würden auch keinen Schaden nehmen, wenn das gesamte Kölner Stadtarchiv von den Rheinfluten ins Meer geschwemmt worden wäre.
Ganz so radikal bin ich nun freilich nicht, dass ich etwa eine Vernichtung der Archivalien fordern würde. Dennoch habe ich den Eindruck, dass in unserer Zeit mitnichten nur die Banker vom Geldwahnsinn befallen sind. Mit dieser Bemerkung will ich aber nicht die Leiterin des Archivs, Frau Bettina Schmidt-Czaia, für ihre Forderungen kritisieren: bei ihr gehört das zum Beruf und ist ein Zeichen für ihr hohes Engagement.

Kritisieren will ich alle jene (also ggf. auch Sie, liebe/r Leser/in), welche als Bürgerinnen und Bürger, als Steuerzahlerinnen und Steuerzahler derartige Forderungen achselzuckend stillschweigend akzeptieren: da kann man eh' nichts tun, hat man keinen Einfluss drauf, das entscheiden die Politiker. Das müsste nicht sein: wenn wir erstens erkennen würden, an welchen Stellen unsere Gelder überall versickern (nämlich nicht, wie die Meisten glauben, bei den Politikern, die sich vermeintlich "die Taschen vollmachen").
Und wenn wir zweitens uns wehren würden gegen Lobbyisten aller Sparten und gegen Hybris aus allen Richtungen, hätten wir sogar eine reelle Chance.

Unser Wohlstand wird von mindestens drei Seiten in die Zange genommen:

1) Ressourcenverknappung (Ölfördermaximum usw.); das wird wahrscheinlich das größte der Probleme werden.

2) Die Alterung unserer Gesellschaft. Immer weniger Tätige müssen nicht nur für immer mehr Alte sorgen, sondern auch für immer mehr Altes. Das Problem habe ich bereits vor einigen Jahren in meiner Studie "Rentenreich", im Kapitel "Die Alten und das Alte", näher beleuchtet. (Vgl. auch meinen Blott "Renten sichern - Wehrfriedhofsmauer zerfallen lassen!".)

3) Der Klimawandel.

In dieser Situation können wir es uns nicht mehr leisten, unsere knappen ökonomischen Ressourcen nach dem Motto "Wir haben's ja" zu verschwenden.

Aber natürlich haben Sie Recht mit dem, was Sie jetzt denken: 'der verschwendet hier seine Worte', denn:
Die Hunde bellen, die Eselskarawane zieht weiter.


Nachtrag 13.06.09
Manchmal, in seltenen Augenblicken, reflektieren auch die Kulturmenschen die Kosten - die ökonomischen und die sozialen. So zum Beispiel Hanno Rauterberg in einer Passage seines ZEIT-Artikels "Moderne Kunst. Und wir staunen heiter" vom 10.06.2009 über die aktuelle Kunstausstellung "Biennale" in Venedig:
"Ohne das imperialistische Machtstreben Venedigs gäbe es nicht das, was wir heute als Schönheit bewundern, nicht die Architektur, nicht die Gemälde. Und heute? Welchen Preis zahlt unsere Gegenwart für die Kunst? Welchen ausbeuterischen Verhältnissen verdanken wir den Luxus einer Biennale?"




Textstand vom 13.06.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen
Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.