Sonntag, 14. Dezember 2008

Finanzkrise: Eine ungeheure kommunikative Erregung bemächtigt sich der Menschen weltweit

Mir scheint, als habe sich im Zusammenhang mit der Finanzmarktkrise eine ungeheuere kommunikative Erregung der Welt bemächtigt. Ich selbst habe zur Finanzkrise, Wirtschaftskrise bzw. Weltwirtschaftskrise mittlerweile schon so viele Blotts publiziert, und derart umfangreiche (leider nicht alle thematisch scharf abgegrenzte), dass ich bald für mich selbst eine Übersicht werde erstellen müssen.

Wenn es in der Wirtschaft kracht - rettet sie der Blogger Geistesmacht?

Danke an Diemo Dietrich vom Team des deutschen (wenn auch vorwiegend auf Englisch geschriebenen) akademischen Wirtschaftsblog "Global Financial Markets" für den Hinweis "Econobloggers are just about to change the way of policymaking. If someone looks for a good reason for blogging, see here."
"Here" ist dort der Boston Globe, in welchem Stephen Mihm meint:

Dienstag, 9. Dezember 2008

Guten Morgen Bundesbank! Auch schon ausgeschlafen?

Das scheue Kapitalreh zu vertreiben, sollte eine der leichtesten Übungen für Banken sein. Einfach keine Rendite anbieten, und wenn der Nullzins nicht hilft, notfalls noch Strafzinsen verlangen.
Wenn die Zentralbanken nicht einmal fähig sind, unwillkommene Geldeinlagen zu verjagen - wie wollen die dann die Wirtschaft ankurbeln?
Während bei den Geschäftsbanken Geldeinleger in der Regel willkommen sind, ist es für eine Konjunkturbelebung erforderlich, dass die Anleger kein Geld bei der Notenbank deponieren. "Anleger" sind hier allerdings nicht Privatpersonen, auch nicht irgendwelche Firmen, sondern eben die Geschäftsbanken. Die werden derzeit von den Zentralbanken mit Geld vollgepumpt bis zum Geht-nicht-mehr, in der Erwartung, dass sie es in die Wirtschaft durchreichen. Doch was tun die? Parken es bei den Zentralbanken!

Sonntag, 7. Dezember 2008

Die große(n) Depression(en): Die beiden Weltwirtschaftskrisen im Vergleich. Überlegungen und Links

Man kann schon darüber streiten, ob die erste Weltwirtschaftskrise der Jahre 1929 ff. wirklich die erste war. Bereits im Jahre 1857 hatte sich eine amerikanische Wirtschaftskrise über die damaligen Finanzzentren ausgebreitet (mehr dazu im Portal "Boerse.de"). Aber zum einen waren die Volkswirtschaften und die Finanzbeziehungen der Welt damals weniger eng verflochten als heute, und zum anderen waren auch Industrie und Finanzwesen weniger entwickelt. Nicht einmal die Krise Anfang der 30er Jahre hat damals wirklich alle Länder mit gleicher Wucht erfasst; Japan hatte nur eine Rezession, von der es sich ziemlich schnell wieder erholte.

Trotzdem liegt der Vergleich der weltwirtschaftlichen Ereignisse, der Finanzkrisen bzw. Finanzmarktkrisen des Jahres 1929 (WWK I) und 2008 (WWK II) bereits deshalb nahe, weil beide Male im Oktober die Börsen gewaltig crashten. So ist er auch schon seit einiger Zeit in aller Munde.

Samstag, 6. Dezember 2008

Wo Norma sang, sengt jetzt der Khan

Nun ja: es war nicht Vincenco Bellinis Norma, die sich hier im Gewerbegebiet von Bad Orb angesiedelt hatte. Nur ein prosaischer Supermarkt. Der hat auch nicht gesungen; allenfalls haben die Kassen geklingelt - aber offenbar zu leise, bzw. zu selten.
Vor vielleicht drei Jahren gab es in Bad Orb eine regelrechte Angebotsexpansion: wo früher ein einsamer Edeka die Kunden versorgt hatte, öffneten auch noch Norma, Penny und Plus und, versteckt am Ende, Rewe die Pforten. Das war ein wenig zu viel, denn schließlich gibt es in der Stadt -in zentralerer Lage- auch noch zwei Nahkaufläden, und Globus, Lidl und Aldi in Wächtersbach ziehen sicher auch Orber Konsumenten an (bzw. ab).

Einer der Orber Lebensmittelmärkte hat nun die Waffen gestreckt [so dass ich vielleicht zutreffender hätte titeln sollen: "Wo Norma sank, sengt jetzt der Khan"], und in den ehemaligen Ladenhallen der "Norma-"Kette grillt jetzt ein Khan. Auch das ist natürlich nicht der berühmte Dschingis Khan, sondern ein kleiner, friedlicherer, Khan.

Kulturvoll (kulturlos) nenn' ich eine Stadt, die am Bahnhof (k)eine öffentliche Toilette hat

Bad Orb hat eine (brandneue), am Busbahnhof.

Wächtersbach hat am Bahnhof keine. Ähem.

Bad Orb hat dort der Toiletten drei:
und deren Benutzung ist sogar frei (gratis).









Die Klozellenwand enthält eine Ritze für die benutzte Drogenspritze.

Ich meine, das kann ja auch nicht sein: dass, wenn die Kurgäste in Bad Orb sich einen Schuss setzen wollen, sie nicht wissen, wohin mit den gebrauchten Spritzen, gelle?















Textstand vom 06.12.2008. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Freitag, 5. Dezember 2008

Sind Sie wirklich noch ohne - Zibaldone?

Der Nikolaus brachte sie ins Haus, einen Tag zu früh zwar, aber schließlich hat er zu dieser Zeit ja auch viel zu tun: die Zeitschrift "Zibaldone". LEO liefert uns die Übersetzung: die Aphorismensammlung, die Notizensammlung. (Nun ja, es gibt auch etwas weniger schmeichelhafte Konnotationen: der Mischmasch oder das Sammelsurium: aber das trifft hier nicht zu.] Mein italienisch-Deutsches Brockhaus - Longanesi Wörterbuch aus dem Jahre 1974 liefert noch den gelehrten und hübschen, heute leider aus der Mode gekommenen Begriff "Miszellaneen" hinzu (auch: "Miszellen", aber das mag ich eher weniger). (Italienische Synonyme, aber keine Übersetzung, findet man bei "woerterbuch.info".)
Sie kam gratis, als Werbe-Beilage zur Halbjahreszeitschrift "Onde", die von Italienbegeisterten deutschen Studenten in Passau herausgegeben wird (vgl. meinem Blott "Donde viene? Vengo d'Onde!").

Montag, 1. Dezember 2008

Allmählich schwappt Panik in die Wirtschafts-Titanic. Sollen Angela Merkel und Peer Steinbrück die Lenzpumpen der Konjunkturpolitik anwerfen?

"DIE ZEIT" fährt mittlerweile eine regelrechte Hetzkampagne gegen jene Politiker, die (ausnahms- bzw. erstaunlicher Weise) sich einmal weigern, unsere Steuergelder sinnlos zum Fenster herauszuwerfen.
"Konjunkturprogramm. Schräge Argumente" kritisiert Marc Brost in der ZEIT ONLINE vom 7.11.2008 und lästert:
"Alle Welt fordert große staatliche Programme gegen die Krise. Nur einige deutsche Politiker leisten noch Widerstand." Denen droht er an: "Wir präsentieren ab sofort jeden Tag drei von ihnen."
Das mag schon sein, dass (fast) "alle Welt" nach solchen Programmen schreit: es hat ja auch mal "alle Welt" "Verbriefungen" schlechter Kreditrisiken gekauft.
Was sagt unser Bundesfinanzminister Bundesfinanzminister Peer Steinbrück dazu?
"Ablehnung bleibt. Steinbrück gegen weitere Konjunkturmaßnahme" titelt das Handelsblatt am 29.11.2008:

Sonntag, 30. November 2008

Altdeutscher Weihnachtsmarkt in Eberbach: Gebrannte Erdnüsse gab's bei den Goten

Und bei der Reservistenkameradschaft Maultaschen in Brühe (3,50 €).

Er heißt nicht "Altdeutscher Weihnachtsmarkt" und wird überhaupt nicht groß beworben: der Weihnachtsmarkt in Eberbach am Neckar. Aber die Preise sind altdeutsch, also günstig. Es ist ja auch ein "Weihnachtsmarkt der Vereine", nicht ein Weihnachtsmarkt der Marktbeschicker.

Mittwoch, 26. November 2008

Simbabwe schärfster Konkurrent für US-amerikanische Schlüsselindustrie


Nein, um Tabak geht es nicht. Wohl aber ist das, worum es hier geht, starker Tobak.
Ben S. Bernanke hatte, schon im Jahre 2002, Überlegungen darüber angestellt, auf welche Weise die amerikanische Notenbank, das Federal Reserve System, die Leute wieder zum Geldausgeben verleiten könnte, falls sie die Lust daran verlieren und die Wirtschaft deflationieren sollten. (Vgl. auch meinen Blott "Ist Ben Bernanke bescheuert ...?")

Dienstag, 25. November 2008

Konjunkturpolitik in 2. Weltwirtschaftskrise (WWK II): Ohne Konjunkturprogramme steuern wir in den Abgrund. Mit Ankurbeln steuern wir gegen die Wand.


Langsam kommt die Politik in die Gänge und leiert Konjunkturprogramme an bzw. stellt zunächst mal entsprechende Forderungen auf. Vgl. z. B.:
"Berlin prüft 500-Euro-Konsum-Gutschein" Handelsblatt 25.11.08 (Sven Afhüppe und Donata Riedel);
Pierre Briancon von breakingviews.com fordert ebenfalls im Handelsblatt vom 25.11.08: "Merkel muss den Konsum ankurbeln"
und um die guten Drei voll zu machen meldet sich in derselben Ausgabe auch noch Thomas Hanke zu Wort: "Steuerdebatte. Schnell den Verbrauch stärken".
Nein: vier Blätter machen einen Glücksklee! Darum berichtet noch Ruth Berschins: "Kampf gegen Rezession. EU fordert: Mehrwertsteuer runter".
Alle diese Leute haben ja sowas von recht - wenn man die Dinge aus der traditionellen Perspektive der Konjunkturklempner betrachtet. (Ich teile
die düsteren Konjunkturperspektiven verschiedener amerikanischer Kommentatoren, wie sie der FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher in seinem Kommentar vom 25.11.2008 "Kommt der Wechsel von Bush zu Obama zu spät? Gehen Sie jetzt nach Hause!" anführt.)

Sonntag, 16. November 2008

Opel: Rettung für lebendige Tote? Steuergroschen für GM? Ist Deutschlands Politik plemplem?


"Finanzkrise. Ein Rettungsplan für lebendige Tote?" betitelte die FAZ am 26.09.2008 einen Artikel des (vermutlich:) amerikanischen Journalisten Peter Coy.
Coy ist nicht gegen eine Rettung der Banken, fragt sich jedoch, ob bei dem amerikanischen Vorgehen (jedenfalls in der damals geplanten Form; zwischenzeitlich wurde das vielleicht modifiziert) nicht zum Nutzen der Kapitalbesitzer den Steuerzahlern die Lasten aufgedrückt würden:
"Ungeachtet der Frage der Effizienz spricht auch vieles für ein faires Vorgehen bei einem Rettungsplan, indem man nicht willkürlich Geld an angeschlagene Unternehmen ausschüttet. Jeffrey Sachs, Leiter des Earth Institute an der Columbia University hat Russland in der Übergangsphase vom Kommunismus begleitet, bevor er aus Widerwillen gegenüber dem Aufstieg der Oligarchen zurücktrat. Wenn er über diese Erfahrung spricht, sagt Sachs: 'Bei allem, was getan wird, muss eine gewisse Fairness herrschen. Gerade jetzt sehen wir eine tiefe und berechtigte Skepsis gegenüber dem Finanzministerium. Man hat den Eindruck, die Wall Street rettet gerade die Wall Street'."

Unsere sogenannten Volksvertreter machen sich gerade daran, mit unseren Steuergeldern die Fa. "Adam Opel GmbH" in Rüsselsheim zu retten.

Montag, 10. November 2008

Hinter dem Vorhang der Welt-Wirtschaftskrise wartet die Welt-Umweltkrise auf das Stichwort zum Auftritt


Diese Meinung habe ich bereits in mehreren meiner Blotts zur Finanzkrise oder Finanzmarktkrise 2008 geäußert. Und auch die Vermutung, dass insbesondere die in den letzten Jahren vom Markt zunehmend eingepreiste geologische Rohölverknappung einer der Kausalfaktoren für die Wirtschaftskrise, bzw. zumindest für deren Heftigkeit, ist. Über die letzte Annahme kann man streiten; es ist ohnehin relativ unwichtig, was gestern war.

Interessant für uns ist, wie die Welt, und zuerst die Umwelt, morgen voraussichtlich aussehen wird. Ich meine: nicht gut.
Deshalb formuliere ich hier meine Zukunftserwartungen noch einmal sozusagen als mein "ceterum censeo" in einem eigenständigen Blott.
Das Stichwort für den Übergang von der Wirtschaftskrise zur akuten Umweltkrise könnte "Konjunkturprogramm" lauten.

Sonntag, 9. November 2008

Der Kindheit seltsam fremde Früchte. Zu "Strange Fruit" von George Monbiot

"Die dümmsten Verbraucher kaufen die dicksten Erdbeeren" schrieb ich auf meiner Webseite mit Links zum Thema "Italien". (Mit Italien hat das relativ wenig zu tun; es kam mir dort im Zusammenhang mit dem Kapitel "Sprichwörter" in den Sinn.)

Schon immer hat es mich geärgert, dass man im Handel nichts von dem mehr bekommt, was ich aus meiner Kindheit noch kannte (und später gelegentlich bei Wanderungen noch unter Obstbäumen finden konnte): Obst, das einen Geschmack hat. (Oder auch Gemüse; jedenfalls bei Tomaten ist das ein Problem.)

Wer einmal von den vielfältigen Sorten gekostet hat, die es früher gab (oder wer einmal Tomaten im eigenen Garten hatte), wird jenen wohlschmeckenden Früchten für den Rest seines Lebens nachtrauern.


Nicht unter dem Aspekt der Jugenderinnerung hat George Monbiot darüber geschrieben, sondern weil er sich intensiv mit den historischen Fruchtsorten beschäftigt hat: intellektuell als Leser alter Obstbücher, und praktisch als Obstbaumpflanzer im eigenen Garten.

Seine Ausführungen sind so köstlich wie jene Birnen oder Äpfel (na ja: nicht gerade Boskoop ...), die ich als Kind manchmal aus eigenen oder fremden Gärten genießen durfte. Deshalb hier Auszüge aus seinem Blott "Strange Fruit" vom 02.09.2008 (UT: A hard commercial logic dictates that the only way to get good fruit today is to grow your own.) (meine Hervorhebungen):

"I feel almost shy about writing this column. It contains no revelations, no call to arms. No one gets savaged: well, only mildly. The subject is almost inconsequential. Yet it has become an obsession which, at this time of year, forbids me to concentrate for long on anything else. .....
Though we still subsist largely on junk, even bilious old gits like me are forced to admit that the quality and variety of most types of food sold in Britain has improved. But one kind has deteriorated. ... almost all the fruit sold here now seems to taste the same: either rock hard and dry or wet and bland. ... And the variety of native fruits on sale is smaller than it has been for 200 years. ...
What counts to the retailer is how well the variety travels. ...
Take the Egremont Russet, for example. It’s a small apple that looks like a conker wrapped in sandpaper. But it ... can be dropped from the top of Canary Wharf, smash a kerbstone and come to no harm. ... The supermarkets must have had some trouble shifting it because of its strange appearance, so they promoted it as a connoisseur’s apple. Such is our suggestibility that almost everyone believes this, though a dispassionate tasting would show you that it’s as sweet and juicy as a box of Kleenex.
For the same reason, we are assaulted with Conference pears ... rather than any one of a hundred exquisite varieties such as the Durondeau, Belle Julie, Urbaniste, Glou Morceau, Ambrosia, Professeur du Breuil or Althorp Crasanne. It is because these pears are so delicious that they cannot be marketed. They melt in the mouth, which means they would also melt in the truck before it left the farm gate. ...
... the supermarkets demand that fruit is picked long before it ripens: it doesn’t soften until it rots. This makes great commercial sense. It also ensures that no one in his right mind would want to eat it. But, happily for the retailers, we have forgotten what fruit should taste like. The only way to find out is either to travel abroad or ... to grow your own. I find myself becoming a fruit evangelist, a fructivist, whose mission is to show people what they are missing. ...
It’s not just the produce I love. When you start growing fruit, you enter a world of recondite knowledge, accumulated over centuries of amateur experiments. You must choose the right rootstocks and pollinators and learn about bees, birds and caterpillars. But above all you must learn patience. Growing fruit forces you to think ahead, to imagine a sweeter future and then to wait. Perhaps it is this, as much as the forgotten flavours, that I have been missing.
"


Klapp, klapp, klapp - Beifall für den "Fruktivisten"!

Ach ja, falls ich jemals zu Geld kommen sollte, werde ich (auch) nach Mittelwales reisen. Nicht nur nach Haye-on-Wye (und dorthin nicht weil dieses mit Timbuktu verbrüdert ist, sondern natürlich der alten Bücher wegen). Ich werde zur richtigen Jahreszeit dort einfallen, und mir voher die Adresse von Monbiots Obstgarten besorgen. Sorge habe ich nur, ob ich morgens früh genug aus dem Bett komme.
Ich meine: bevor Mr. Monbiot selbst aufsteht und seinen Obstgarten kontrolliert ..... ;-).





Textstand vom 09.11.2008. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
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Meinen Kommentar zu Barack Obama und zur europäischen Obamania 'klaue' ich mir von Jean Bricmont

Jean Bricmont ist Physiker, und mir sympathisch als Ko-Autor des Buches "Fashionable Nonsense", gemeinsam mit Alan Sokal, ebenfalls Physiker, der den Philosophen, bzw. genauer: den postmodernen Dummschwätzern unter den Philosophen, im Jahre 1996 mit einem Nonsense-Papier "Transgressing the Boundaries: Towards a Transformative Hermeneutics of Quantum Gravity" einen genialen Streich gespielt hatte ("Sokal-Affair").

Überbevölkerung (Carrying Capacity, Overpopulation, Tragfähigkeit der Erde): kommentierte Linksammlung

BEGRIFFE:

- "BENIGN DEMOGRAPHIC TRANSITION THEORY" nennt man anscheinend die Annahme, dass mit wachsendem Wohlstand das Wachstum der Bevölkerung zurückgeht (durch ein gütiges Wirken von Rückkopplungsmechanismen). (Interpretierend übersetzen könnte man z. B. mit: "Theorie der wohlstandsinduzierten Bevölkerungsanpassung") Mir ist nicht klar, ob damit auch ein absoluter Bevölkerungsrückgang gemeint ist; in Deutschland haben wir zwar eine solche Situation, doch sehen wir auch, wie Gesellschaft und Politik diese natürliche und sozusagen von der Natur gut gemeinte Bevölkerungsabnahme mit Brachialgewalt und Milliarden an Sterntalern wieder umzukehren versucht: andere Länder werden bzw. würden wohl nicht anders reagieren.
Aber nicht hauptsächlich mit Blick auf diese Erfahrung wurden schon lange Zweifel an dieser Theorie einer natürlichen Anpassung der Bevölkerung an die Tragfähigkeit der Erde geäußert.
Garret Hardin (s. u.) schreibt in "The Tragedy of the Unmanaged Commons: Population and the disguises of Providence" (aus "Commons Without Tragedy" -Sammelband? - 1991 herausgegeben von Robert V. Andelson) (hier zitiert nach der Wiedergabe in dem Weblog eines Bill Totten):
"If the world has limits - which is the only reasonable assumption - terrestrial population growth must eventually come to an end as the aggregate fertility rate once more becomes equal to the aggregate mortality rate. For both to be high, or both low, would equally well bring the transition to a close, but transitionists assume that both will be low: that is the reason for calling the theory they support the Benign Demographic Transition Theory. As used in argumentation the theory implied that making people rich and comfortable would remove the threat of overpopulation.
By 1969 a widely used population textbook called transition theory 'one of the best documented generalizations in the social sciences' {20}. Only a few years later the demographer Michael Teitelbaum expressed serious doubts: 'its explanatory power has come into increasing scientific doubt at the very time that it is achieving its greatest acceptance by nonscientists' {21}. In 1985 Teitelbaum and Winter spelled out a more forceful criticism: 'It is doubtful whether this theory was ever truly a theory at all (that is, a set of hypotheses with predictive force) ...' {22}.
The literature undercutting the Benign Demographic Transition theory grows ever larger
."
Ebenfalls kritisch äußern sich Leon Kolankiewicz and Roy Beck vom US-amerikanischen "Center for Immigration Studies" in ihrer Studie (2001) "Forsaking Fundamentals. The Environmental Establishment Abandons U.S. Population Stabilization":
".. frequent births, large families, and rapid population growth themselves hinder the emancipation of women toward educational and employment opportunities. By the time women have achieved a social status acceptable to their advocates, populations may well have doubled, tripled, or quadrupled. Moreover, as anthropologist Virginia Abernethy points out, higher educational attainment (to cite one favored goal) is not a guarantee of reduced fertility. "In some parts of Africa, even highly educated women who are unemployed or marginally employed continue to bear many children," she writes.77 Abernethy also marshals compelling evidence questioning the comfortable assumptions of the popular "benign demographic transition" theory that has dominated professional demography and international development assistance efforts for decades. This theory holds that birth rates will come down of their own accord as societies develop. "Development is the best contraceptive," went the mantra at the first U.N. conference on population in Bucharest in 1974. Abernethy argues that signs of opportunity or prosperity — such as better child survival, land redistribution programs, political revolutions, indiscriminate foreign aid, opportunities to emigrate, and income increases — instead of reducing fertility, actually tend to raise it. America’s own baby boom during the booming post-World War II period is one prominent example of this phenomenon."

Samstag, 8. November 2008

Finanzkrise: Linksammlung von Prognosen


Hinweis (erg. 1.1.2018):
Vorliegend geht es um Prognosen aus der Zeit der Finanzkrise für die mutmaßliche weitere wirtschaftliche Entwicklung.
Vorhersagen der Krise aus der Zeit davor (also vor 2007) habe ich in dem Blott "Die Krakenarme der Finanzkrise kriechen auf unseren Kontinent" vom 29.09.2008 ff. gesammelt.

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Die Idee kam mir bei der Lektüre des Interviews "Wirtschaftlicher Selbstmord" der Wirtschaftswoche (vom 01.11.08; Interviewpartner Matthias Kamp) mit dem "Investmentguru" Marc Faber: Prognosen (Voraussagen, Vorhersagen) über den weiteren Verlauf der aktuellen Wirtschaftskrise zu sammeln.

Freitag, 31. Oktober 2008

Es braust ein Ruf wie Donnerhall: es herbstet in Bad Reichenhall!

Hätte ich den Blog-Tittel "Der Herbst entfaltet seine Pracht, derweil es an den Börsen kracht" nicht schon früher (für einen Bild-Eintrag über 'Bad' Gersfeld) vergeben, könnte ich ihn für das nachfolgende Bilderbuch über unseren Herbsturlaub (vom 12. - 26.10.2008) verwenden.

Jedenfalls: wir hatten ein außerordentliches Glück mit dem Wetter; dafür würde ich mich auch gern bei Petrus bedanken, hätte ich nur dessen E-Mail-Adresse zur Hand.

Glück im Unglück hatten wir allerdings bei einer Busfahrt ins Salzkammergut am Mittwoch, 15.10.2008: nach 10 Minuten war die Fahrt für die 15 Reisegäste bereits zu Ende.

Ob die "Schlafende Hexe" dran schuld war?
Deren Bild sehen wir hier von Norden, eigentlich von der "verkehrten" Seite, aber auch aus dieser Richtung sind die Konturen des Hexengesichts - am linken Bildrand - erkennbar. [Deutlicher wird die Bezeichnung bei einem Blick von Süden, aus Richtung Berchtesgaden. Den haben wir zwar auch genossen, konnten aber kein Foto schießen, weil wir im Reisebus saßen. Stattdessen hier ein Link zu einem eindrucksvollen Foto des 'Gesichtes'; und auf diesem Bild erkennt der Betrachter (mit ein wenig Phantasie) auch die Brust, den Bauchnabel und die angezogenen Beine.]

Der Verlust der Mitte: Beispiel Adventskalender

Adventskalender bekommt man,
bei Aldi wie auch sonst überall, entweder spottbillig (da taugt die Schokoladenfüllung dann auch nicht viel) oder teuer (im Handel gibt es auch noch weitaus teurere als die für 4,59 €, z. B. mit Spirituosenfläschchen gefüllte).

Ich würde gern sagen wir mal 2,- € hinlegen für einen liebevoll gemachten und mit qualitativ guter Schokolade bestückten Adventskalender. So etwas gibt es aber nicht: entweder du nimmst den Schrott oder dein Portemonnaie wird zu Schrott.
Ob das ein Indiz für das häufig beklagte bzw. behauptete Verschwinden der Mittelschicht ist?
Wie auch immer: mich ärgert es.

Was man in Bad Reichenhall über den Kasinokapitalismus denkt

Subtile Kommentare zur aktuellen Finanzmarktkrise (Finanzkrise): die Alzheimer-Gesellschaft tagt im Gebäude des Reichenhaller Spielkasinos (Kurgastzentrum).

Dienstag, 28. Oktober 2008

Finanzmarktkrise, Finanzkrise? Nein: Rohstoffkrise! Notenbanken, Geldpolitik und Konjunkturpakete sind deshalb am Ende

Es liegt auf der Hand, dass das amerikanische Wirtschaftssystem 'Schuldenmajor' auf Dauer nicht funktionieren kann (vgl. dazu als zufälliges Beispiel die Beiträge (vom 02.11.07 -sehr spaßig!- und vom Sept./Okt. 2008) eines gewissen Moritz Nauer, der wiederum auf anglophonen - vermutlich amerikanischen Internettexten bzw. Internetvideos beruht). Das Spiel wäre aber vermutlich noch eine ganze Weile länger gelaufen (oder etwas weniger unsanft ausgelaufen), hätten nicht die steigenden Rohstoffpreise, an erster Stelle natürlich der Ölpreis, den (amerikanischen) Konsumenten das Geld aus der Tasche gezogen.
[Das "Levy Economics Institute of Bard College", frühere Wirkungsstätte des jetzt posthum berühmt gewordenen 'Krisenpropheten' Hyman Minsky, stellt seit Jahren eine Fülle von Veröffentlichungen in verschiedenen Kategorien - kurzgefasste Vorschläge für die Politik, allgemein verständliche Texte, wissenschaftliche Arbeiten usw. - zur Wirtschaft und Wirtschaftspolitik, speziell natürlich der USA, ins Netz, darunter auch zahlreiche über die Verschuldung des Staates und der Verbraucher. Ich habe mir das noch nicht näher angeschaut, kenne also auch die Tendenz nicht. Hier jedenfalls die Links zu einer Übersicht der verschiedenen Veröffentlichungskategorien und hier die verschiedenen Arten von Veröffentlichungen zum Thema "Monetary Policy and Financial Structure", also aktuell zur Finanzkrise und Konjunkturkrise.]

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Finanzkrise (Finanzmarktkrise): Ist BEN BERNANKE BESCHEUERT oder ist Burkhardt Brinkmann blöd?


09.10.08 ff.
[Hervorhebungen jeweils von mir]
 
Ben Bernanke, "Chairman of the Board of Governors of the Federal Reserve System" also Präsident der kurz "Fed" genannten US-amerikanischen Zentralbank (Notenbank) hat den Hubschrauber aufsteigen lassen. Das war mein spontaner Gedanke, als ich im Handelsblatt die Überschrift "Kollaps der Geld- und Kreditmärkte. US-Notenbank vergibt Kredit ohne Sicherheit" vom 07.10.08 las. Einleitung:

Samstag, 4. Oktober 2008

Natur und Finanzkrise: Der Herbst entfaltet seine Pracht, derweil es an den Börsen kracht!?



Es könnte sein, dass sich Deutschland noch lange an diesen Goldenen Oktober erinnern wird. Oder seinen Verlust betrauern.
Je nachdem, ob und wie stark die aktuelle Finanzmarktkrise auf die Realwirtschaft durchschlägt.

Nicht das, was ich von denen erwartet hätte: Werbung für Zeit-Literaturbeilage ein Plagiat?

Die Werbung, an Frankfurter U-Bahn-Stationen vor vielleicht einem halben oder einem Jahr massiv plakatiert, hatte mich beeindruckt. Nicht die für die "Zeit", sondern für das Jüdische Museum Berlin. Da kroch z. B. aus einem Fahrradreifen eine Korallenschlange heraus, in der stacheligen Fruchthülle einer Kastanie steckte ein Golfball und der Anschnitt einer Kokosnuss förderte die Innerei einer Apfelsine zu Tage. (Auf der Homepage des Jüdischen Museums Berlin sind einige der Poster abgebildet; bedauerlicher Weise sehr klein. Leider habe ich es auch versäumt, auf dem Weg zur Arbeit die Digitalkamera mitzunehmen, und dann an einer Haltestelle auszusteigen und die Werbeplakate zu fotografieren. Indes: für Reue ist es nun zu spät.) Die Bilder wurden jeweils von dem Slogan begleitet "Nicht das, was Sie erwarten".

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Amerikas Politiker verhätscheln die Reichen

- erzählt man uns, und will uns Glauben machen, dass das bei uns völlig anders sei.
Manchmal kommen aber beiläufig Informationen zum Vorschein, bei denen man es ganz anders liest.

So berichtet z. B. Joschka Fischer, der ja neun Monate Gastprofessor in Princeton war, in dem Zeit-Interview "Ich bin immer noch ein Linker!" (v. 14.08.08):
"Und wissen Sie, was ich außerdem festgestellt habe: Die These vom Niedrigsteuerstaat USA ist schlichter Unfug.
ZEIT: Wieso das?
Fischer: Na, ich habe mir einfach angeschaut, was ich an Steuern zu bezahlen hatte, pfff, also da muss ich sagen, in etwa wie bei uns, nur hierzulande mit wesentlich besserer sozialer Sicherung."


Noch interessanter ist eine Information, die en passant in einen FAZ-Artikel über die Finanzkrise ("Senat riskiert viel - und ändert wenig" - 01.10.08) eingeflossen ist:

Montag, 29. September 2008

Die Krakenarme der Finanzkrise kriechen auf unseren Kontinent


Die Welt hat wahrscheinlich nicht darauf gewartet - dass auch ich mich zur Finanzkrise äußere. Dies um so weniger, als ich die Vorgänge ohnehin nicht verstehe.
Aber "Blog" ist ja nicht umsonst die Abkürzung von Web-Log: ein öffentliches Logbuch der eigenen Wahrnehmungen und Gedanken.
Daher hier, mehr "pro memoriam" für mich selbst als für die Welt, einige ungeordnete Notizen zur weltweiten Krise.

Samstag, 27. September 2008

Recycling?

 
"Für Ihren Vierbeiner empfehlen wir Hundewurst": Plakat, neulich gesehen beim Metzger in Mainz.


Textstand vom 27.09.2008. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
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Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Sonntag, 21. September 2008

Ein Wochenende in Hirschhorn. Mit Thermentest Bad Wimpfen, Bad Rappenau.

Durch welchen Vergleich kann ich meinen Leserinnen und Lesern ein anschauliches Bild vom Ortskern der kleinen Stadt Bad Rappenau [hier eine mehr touristisch orientierte, sehr gelungene Beschreibung] vor Augen führen?

Sonntag, 31. August 2008

Frankfurt am Main: "Sonderzüge in den Tod. Die Deportationen mit der Deutschen Reichsbahn"

So lautet der Titel einer Ausstellung über die Deportation von Menschen mit der Bahn in Vernichtungslager, die zur Zeit (und noch bis zum 14.08.2008) im Frankfurter Hauptbahnhof läuft (Link zur entsprechenden Webseite der Deutschen Bahn siehe oben im Titel).

Freitag, 29. August 2008

... und morgen gehört uns Biblis ...: Wollen die Block-Warte des Luft-Schutzes Deutschland das Licht austreten? Dummland hätte es verdient, ich nicht!

Das hätte ich mir nicht träumen lassen, damals, als ich einen Internet-Anschluss bekam und häufig auch auf Umwelt-Webseiten - denen der Besorgten wie jenen der "Skeptiker" - unterwegs war:
Dass ich eines Tages genau so erzböse schimpfen würde wie die (jedenfalls in der US-Diskussion häufig als "Rechte" bezeichneten) Füllhornisten oder Cornucopians.

Das Dumme ist, dass diejenigen, welche gegen Kohlekraftwerke demonstrieren, im Prinzip ja recht haben: diese Dinger stoßen Klimagase aus, und das kann für uns böse ausgehen.

Nur fürchte ich, dass uns diese isolierte Betrachtungsweise führt, wohin wir nicht wollen. Daher schrieb ich im "Stopp-Staudinger"-Blog (wo ich meinen Kommentar, der bei Eingabe mit "awaiting moderation" markiert war, freilich nicht finde):


Dienstag, 19. August 2008

IL FASCINO DI FISCHER und DAS GEHEUL DER LINKEN LÄMMERHERDE

Joschka Fischer hat den Zeit-Journalisten Hanns-Bruno Kammertöns und Stephan Lebert ein Interview gegeben: "Ich bin immer noch ein Linker!"

Mit Passagen von faszinierendem Mut und Realismus, und mit einem wunderbar austarierten Verhältnis von Faszination und Distanz zu den USA und zu den Amerikanern.
Auf Einzelheiten will ich hier nicht eingehen (selber lesen macht schlau!), sondern nur anmerken, wie peinlich mich die kleingeistige Kritik an Fischer berührt, wie sie in den meisten der bislang 17 Leserkommentaren in der "Zeit" zum Ausdruck kommt. Leserkommentar Nr. 18 tritt dem scharf entgegen. Der ist natürlich von Cangrande.

Cangrande kann es allerdings den 'richtigen' Linken durchaus nachfühlen, wenn sie Fischer nicht als Linken akzeptieren wollen. Nur hält er es für relativ unwichtig, wo man Joschka Fischer im ideologischen Spektrum verorten darf oder muss. Im politischen Spektrum jedenfalls gehört er zum Lager der Realisten sowie zum Lager jener, die sich mit zunehmender Selbstverständlichkeit zu ihrem Heimatland bekennen, ohne darum andere herabsetzen zu müssen. Das ist anzuerkennen.


P. S.: Mit dem vorliegenden Blott habe ich mal eine neue Funktionalität der Blog-Software von blogspot ausprobiert und den Titel direkt zum Fischer-Interview verlinkt.


Textstand vom 19.08.2008. Auf meiner Webseite
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Sonntag, 17. August 2008

JAGD AUF RÄUBER FÜHRT ZUR DEZIMIERUNG DER OPFER oder DIE BLAUWALE UND DER KRILL: DAS ANTARTKISCHE PARADOX

Zwei blinde Hühner finden manchmal auch ein Korn. Das erst blinde Huhn ist unser lokales Inseratenblatt (eins von zweien) "GT am Sonntag". Das zeichnet sich naturgemäß nicht gerade durch eine umfangreiche journalistische Berichterstattung aus. Trotzdem elektrisierte eine Überschrift das 2. Huhn, während es am Frühstückstisch ein Hühnerei verspeiste: "Jagd auf Wale beeinträchtigt Ökosystem". Volkstümlich hätte man auch anders betiteln können:

Bad Rüsselsheim: Entspannungsbrunnen an der Festung; Ehrenmänner in der Eisdiele


Rüsselsheim hat eine Festung mit unersteiglich hohen Wällen ...

Freitag, 8. August 2008

Energie-BDSM: Fritz Vorholz für Breathcontrol-Play mit der Stromleitung?

   
 

Den Zeit-Autor Fritz Vorholz habe ich als kundigen Energie-Experten schätzen gelernt und verschiedentlich aus seinen informativen Beiträgen zitiert bzw. zu diesen verlinkt (hier, da, dort und nochmal). So sagt er z. B. in seinem Beitrag "Vierter Ölschock" vom 29.05.2008: "Es ist paradox: Einerseits muss der Westen Öl sparen, um sich unabhängiger von dem Stoff zu machen und um den Klimawandel zu begrenzen. Andererseits hoffen alle, dass schnell neue Förderkapazitäten entstehen, damit der Preis sinkt" und vermutet dann sehr richtig: "Fraglich, ob das eine oder das andere gelingt." (Hervorhebung von mir) In seinem Artikel "Atomkraft, nein danke" (10.07.2008) reiht er sich mit seinen Forderungen allerdings in die Reihen jener Wunderheiler ein, die uns kurieren wollen, indem sie uns den Saft abdrehen. Man könnte das "Cellini-Therapie" nennen, nach dem Bildhauer Benvenuto Cellini. Der berichtet in seiner Autobiographie (die einst kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe übersetzt hat) von der mittelalterlichen Standard-Therapie gegen Fieber: dem Kranken nichts zu trinken geben. Cellini hat diese Behandlung überlebt, weil er vorschriftswidrig doch einen großen Krug voll Wasser getrunken hat; in Deutschland bzw. der Menschheit werden es viele nicht überleben, wenn uns erst eigene Unvernunft und später (das ist allerdings irgendwann wohl unvermeidlich) die Natur den Saft abdrehen.

   
 

Die Verurteilung von Vorholz als energetischem Wunderheiler rechtfertigt sich nicht unmittelbar daraus, dass er den Betrieb deutscher Kernkraftwerke über die in der Ausstiegsvereinbarung hinaus festgelegten Zeiträume ablehnt. Es lässt sich schließlich gar nicht bestreiten, dass die Stromerzeugung durch Atomkraftwerke gefährlicher ist und größere Probleme mit sich bringt als andere Methoden der Stromgewinnung. Wer sie (wie ich) dennoch befürwortet, nimmt eine Abwägung vor zwischen der mutmaßlichen Situation mit und ohne Nuklearreaktoren.

Das tut auch Vorholz, und in Sachen Klimaschutz nicht völlig abwegig. Selbst wenn man neue Kernkraftwerke baut, werden diese nicht ausreichen, um die Emission klimaschädlicher Gase in dem erforderlichen Ausmaß zu reduzieren. Allerdings können sie einen Beitrag zur CO²-Reduktion leisten.

Wer davon ausgeht, dass die Menschheit insgesamt in der Lage und auch bereit ist, ihren Energiebedarf zu reduzieren; müsste bestrebt sein, den restlichen Bedarf so klimaschonend wie möglich zu produzieren. Wenn der Betrieb von (abgeschriebenen) Kernkraftwerken kostengünstiger ist als z. B. von Kohlekraftwerken, werden die Energieerzeuger schon aus eigenem Interesse mehr von dem klimagünstigen Atomstrom produzieren und weniger Kohlestrom. CO²-Reduktions-Optimisten können ihre Hoffnungen allenfalls auf einen Mix von Energiesparen und saubererer Stromproduktion richten; insoweit allein auf Energiesparen zu setzen, sollte eigentlich selbst den Träumern zu träumerisch sein.

Nur Wolkenkuckucksheimer können indes glauben, dass die Menschheit insgesamt bereit oder auch nur in der Lage ist, ihren Energiebedarf zu reduzieren; der wird im Gegenteil weiterhin steigen (mehr dazu unten). Selbst in Deutschland werden wir keine massiven Einsparungen erzielen (und wenn solche in der Statistik erscheinen wäre zu prüfen, ob wir da etwa unseren Energieverbrauch in andere Länder ausgelagert haben: Energieintensive Industrien, Urlaubsreisen ... .). Bei einem steigenden Energiebedarf wäre es sogar noch wichtiger, den Strom möglichst sauber zu produzieren. (Ich selbst gehe davon allerdings aus, dass uns das Rohöl rasch ausgehen wird und dass wir deshalb jede Form von Energie - sauber oder unsauber - nutzen müssen und nutzen werden, um uns für einige Jahrzehnte noch halbwegs über Wasser zu halten. Das Klima wird mit ziemlicher Sicherheit ohnehin baden gehen – meint auch die Energie-Expertin Claudia Kemfert: "Der Klimawandel ist höchstens noch abzumildern".)

   
 

Wer die ökonomische Perspektive in der Debatte über eine Laufzeitverlängerung der KKWs auf die Frage verengt, wie viel jeder einzelne Stromkunde dabei spart, und ob überhaupt, will entweder den Leuten Sand in die Augen streuen (Kernkraftgegner) oder Honig ums Maul schmieren (Politiker). Die von Vorholz zitierte Meldung "Minimale Ersparnis durch längere AKW-Laufzeiten" (dieser Bericht stammt übrigens von ihm selbst) aus der Zeit Online vom 10.07.2008 enthält keinerlei Angaben zur Methodik der Studie. (Das wäre vielleicht von einem Zeitungsartikel auch etwas viel verlangt; andererseits ist die Zeit keine Zeitung, sondern eine Wochenzeitschrift mit mehr Seiten und mit dem Anspruch, vertiefende und Hintergrundinformationen zu liefern, die bei Tageszeitungen untergehen.) Immerhin wird aber in dem Artikel die Höhe der Gesamtersparnis genannt, welche durch längere Laufzeiten der Atommeiler in Deutschland anfallen würde: "E.on könnte laut Matthes mit 27,5 Milliarden Euro rechnen, RWE mit 17, EnBW mit 14 und Vattenfall Europe mit knapp 4,5 Milliarden Euro": in der Summe sind das 65 Mrd. Euro! Es müssten uns eigentlich eiskalte Schauer über den Rücken laufen wenn "Umweltschützer" solche Summen kurzerhand als "minimale Ersparnis" abtun und auf Centbeträge herunter rechnen. Denn schließlich zieht man uns mit der gleichen Argumentation "das macht ja nur ... Cent / Euro aus" ja auch auf anderen Gebieten zig Milliarden aus den Taschen. Selbst im Worst-Case-Szenario, bei dem die Stromkonzerne den ganzen Gewinn einsacken und keinen Cent an ihre Stromkunden weitergeben, würde der Staat - und würden damit im Ergebnis wir Bürger - via Gewinnsteuern mit zig Milliarden von dieser Ersparnis profitieren.

Im übrigen wäre es natürlich blauäugig anzunehmen, dass die Stromkonzerne ihre Preise nach der Formen "Gestehungskosten plus xxx % Aufschlag" kalkulieren und sofort ihre Preise senken, wenn sie drüber liegen. Es wäre aber schlicht ignorant wenn jemand behaupten wollte, dass die Strompreise völlig losgelöst vom Gestehungspreis sind. Und ebenso naiv wäre der Glaube, dass Öffentlichkeit und Politik die Stromerzeuger mit riesigen "Windfall Profits" ungeschoren davonkommen lassen würden.

Die Kernkraftgegner beschummeln uns also wenn sie vortäuschen, es wäre für die Bürger finanziell unwichtig, ob die Laufzeiten der AKWs verlängert werden oder nicht. Politiker dagegen vereinfachen die Sachverhalte, wenn sie ausschließlich auf mögliche Strompreissenkungen abstellen. Differenziertere Überlegungen, wie ich sie hier angestellt habe, sind auf dem politisch relevanten Teil des Meinungsmarktes nun einmal nicht zu verkaufen. Die Botschaft, dass (auch) der Bürger von einer längeren Laufzeit der Kernkraftwerke massiv profitieren würde, entspricht jedenfalls der Wahrheit.

Wer Haushaltspolitik nach dem Motto betreiben wollte "Wenn die Energiefrage zur Überlebensfrage geworden ist, dann müssen in einem 280 Milliarden Euro schweren Bundeshaushalt ausreichend Forschungsmittel lockergemacht werden können", wie Vorholz meint, wäre als Finanzpolitiker ein Super-Gau für Deutschland. Ohnehin wäre es fragwürdig, die eingesparten Milliarden in die Erforschung regenerativer Energien zu stecken: Masse gebiert nicht zwangsläufig Klasse.

Im übrigen: Wenn die Energiefrage wirklich zur Überlebensfrage geworden ist, was die Meinung von Vorholz ebenso sein dürfte wie es definitiv die meine ist, dann können wir es uns auf gar keinen Fall leisten, nicht alles zum Einsatz zu bringen, was physisch und technologisch derzeit für die Energieerzeugung verfügbar ist: auch Uran, so lange die Vorräte noch reichen.

   
 

Vorholz fürchtet, dass sich die derzeit weltweit 439 Atomkraftwerke für den Menschen und die Umwelt noch als Albtraum erweisen könnten. Er wird freilich kaum friedlicher schlummern, wenn nur noch 422 Kernkraftwerke Strom produzieren. Ganz allgemein scheinen mir die Kernkraftgegner die Folgen von Energiemangel (wie sie z. B. der US-Admiral Hyman Rickover schon 1957 in einer glänzenden Rede eindrucksvoll ausgemalt hatte - vgl. meinen Blott "Salut für den Atom-Admiral! Hyman Rickovers visionäre Energie-Rede aus dem Jahre 1957 hier in deutscher Übersetzung" - sträflich zu unterschätzen. Die ruhen mir etwas zu bequem auf ihren Kissen-Gewissen, von denen aus sie ihre Götter der Solarenergie und der Energiesparschweine anflehen, dass diese ihre Mitmenschen endlich auf den Pfad der Erleuchtung schicken mögen. Beide Herrschaften sind zwar ehrenwert, aber leider nicht omnipotent, sondern im Gegenteil sehr begrenzt in ihren Wirkungsmöglichkeiten.

Vorholz will uns voll auf Energiespar-Diät setzen, denn Kohlekraftwerke lehnt er ebenfalls ab, jedenfalls den Bau neuer Anlagen. Begründung: "... in 40 Jahren, Mitte des Jahrhunderts, müssen Länder wie Deutschland ihren CO²-Ausstoß um 80, womöglich um 90 Prozent gesenkt haben, soll die Erderwärmung in Grenzen gehalten werden". In der Tat ist das mit Kohle-Kraftwerken nicht zu schaffen: solche Werte sind mit Sicherheit überhaupt nicht zu schaffen. Wer außerdem noch glaubt, allein durch Energiesparen dahin zu kommen, hat eine absolut unrealistische Perspektive.

Im Prinzip hat Vorholz natürlich Recht: Politiker, Manager und Verbraucher bewegen sich in der Tat nur unter dem Druck der Verhältnisse. [Wohl deshalb bewegen sich derzeit ja auch schon die ersten Atomgegner - aber für Vorholz sicher in die falsche Richtung]. Nur: ‚Druck machen damit sich etwas bewegt' ist leicht gesagt: was bedeutet das in der Realität für uns?

   
 

Konkret können wir einen solchen "Druck" auch als einen Zug an der Stromleitung visualisieren. Es ergäben sich dann folgende Szenarien:

   
 

In unserer Gesellschaft, d. h. in den entwickelten Ländern, gibt es viele Leute, denen die Stromleitung recht locker um die Schultern hängt. Bei einigen ist sie so weit weg, dass die sich gar nicht vorstellen können, so ein Ding könnte am Hals mal unbequem werden. Andere (sehr viel mehr Menschen) schnürt sie schon eng genug ein, um ihnen das Atmen zu erschweren. Jegliche Verknappung von Energie wirkt zunächst einmal wie ein Zug an einem einheitlichen Seil um aller Menschen Hälse, d. h. in meinem eben entwickelten Bild merken einige noch lange nichts davon, während andere nur mit Mühe atmen könnten und manchen der Atem dauerhaft abgeschnitten würde.

In Kriegszeiten, jedenfalls in den insoweit gewissermaßen ‚zivilisierten' beiden Weltkriegen, wo die erforderliche Bürokratie verfügbar war, hat man den Kabelzug im Prinzip individuell feinjustiert, nämlich durch die Zuteilung von Lebensmitteln und anderen Gütern, also durch Rationierung. Auch in jenen Zeiten schwamm zwar das Fett (bzw. die Cleverness) oben, aber immerhin hielt die Gesellschaft auch ihren anderen Bürger das Stromkabel soweit von der Luftröhre weg, dass sie (gerade noch so) atmen konnten.

   
 

Massives Energiesparen, das durch eine natürliche oder mehr oder weniger "künstliche" (darunter verstehe ich hier auch den Verzicht auf Atomkraftwerke) Energieverknappung (die Vorholz ja will) erzwungen wird, führt in einer Marktwirtschaft zu Preiserhöhungen. Freiwillige Verzichte auf Energieverbrauch wird es im erforderlichen Umfang nicht geben. Niemand wird freiwillig von seinem Porsche auf einen Polo umsteigen, schon gar nicht vom Polo aufs Fahrrad. Eine freiwillige "Feinsteuerung" ist also unmöglich; eine marktwirtschaftliche "Globalsteuerung" schnürt jedoch ihrer Natur nach (da sie Knappheitssignale nur über die Preise setzen kann) einigen oder vielen oder allen von denen die Kehle ab, denen das Kabel schon jetzt eng ansitzt (und irgendwann sogar noch vielen anderen, die seine Existenz bislang gar nicht wahrnehmen). Auch ich gehe davon aus, dass es eines Tages aufgrund der Ressourcenverknappung zu einer massiven und sich rasch verschärfenden Energieverknappung kommen wird, nur möchte ich diese im Unterschied zu Hr. Vorholz möglichst lange hinauszögern und würde dafür sogar die Nutzung der Kernkraft in Kauf nehmen. Wenn es dann doch so weit kommt, werden zumindest die entwickelten Gesellschaften aller Wahrscheinlichkeit nach wieder mit einer Art Kriegswirtschaft mit Zuteilungen reagieren. Man könnte das natürlich schon mal freiwillig üben und müsste das wohl auch, wenn man die Energie schon vorher "künstlich" verknappt, indem man mögliche Energieressourcen ungenutzt lässt.

Kriegswirtschaft ist allerdings kein Vergnügen, denn abgesehen davon, dass sie nur den Mangel verwalten kann, generiert sie noch ihre eigenen Ineffizienzen und möglicher Weise auch Fehlallokationen der knappen Ressourcen. (Von der "Weisheit" der Politik – aber auch eines Großteils der Experten - liefert uns ja schon jetzt die Bioenergie erschreckende Exempel, und während unsere "Grünen" zwar bei der Stromerzeugung ausgesprochen leksch sind, sich aber schon die Finger nach Strom verbrauchenden Elektroautos lecken. Die müssten sie dann allerdings mit ihrem sauberen Gewissen antreiben, denn saubere Energie in den nötigen Mengen wird es nicht einmal dann geben, wenn wir die Atomkraftwerke weiter betreiben.)

   
 

Nun muss Energiesparen ja nicht unbedingt durch Umstieg vom Porsche auf den Polo erfolgen; man könnte sich ja auch vorstellen, dass z. B. Porsche einen Sportwagen mit gleichem Leistungsvermögen, aber deutlich geringerem Energieverbrauch konstruiert. Selbst unterstellt, dass das möglich wäre, bleibt es dennoch beinahe unmöglich, durch solche wissenschaftlich-technischen Großtaten freiwillig Energie zu sparen.

Warum ist der Menschheit das Energiesparen unmöglich, obwohl der Einzelne oder auch einzelne Organisationen oder Gruppen durchaus Energie einsparen können? Es gibt zwei Alternativen, wie sich Energiesparen auf unser Portemonnaie auswirkt, bzw. zwei Dimensionen der Wirklichkeit, in denen sich dieses "Sparen" abspielt:

   
 

- Entweder wir stecken z. B. in Wärmedämmung oder energiesparende Produktionsverfahren mehr Geld rein, als wir rausholen (Stichwort: "1-Liter-Auto"?). Dann wird im Großen und Ganzen dafür auch viel Energie aufgewendet worden sein; unter dem Strich haben wir also Null Energie gespart.

Das ist die physikalisch-technische Dimension, die entsprechend und vielleicht noch mehr für die Energieerzeugung gilt. Denn gerade im letzteren Bereich verkauft man uns gern alternative Energien in Form von Mogelpackungen mit der Begründung, dass sie ja "nur" mehr Geld kosten, und da wir doch so reich sind, müsste uns die Energiesicherheit doch ein paar Euro extra wert sein. Es liegt mir fern, diese Argumentation in Grund und Boden verdammen zu wollen, denn gerade wenn man davon ausgeht, dass uns die fossilen Brennstoffe schon in Kürze ausgehen, muss man es begrüßen, dass die Menschheit alles Mögliche ausprobiert, um diese zu ersetzen. Nur darf man sich (und seine Mitmenschen) nicht grundsätzlich darüber täuschen, dass "hohe Kosten" in der Regel bedeuten, dass ein hoher Energieaufwand in die jeweilige Art von Energiegewinnung gesteckt wurde; im ungünstigsten Falle (so anscheinend großenteils bei der "Bioenergie)", steckt man sogar mehr Energie rein als man rausholt. Man muss die Möglichkeiten ausloten, darf aber nicht in Überschwang verfallen und vor allem nicht glauben oder so tun, als ob es keinerlei Zusammenhang zwischen Kosten und Energieeinsatz gebe. Jegliche Art von Energiegewinnung frisst selbst Energie, sie frisst sich also zum Teil (bzw. ganz; im allerschlimmsten Falle frisst sie sogar noch zusätzlich reingesteckte Energie) selbst auf. Wir müssen darauf schauen, dass unter dem Strich möglichst viel für uns übrigbleibt; vom Drauflegen kann weder der Kaufmann leben, noch der Energienutzer.

   
 

- Oder die Sache ist für uns finanziell ein lohnendes Geschäft (Stichworte "Energiesparlampen", "Standby abschalten"): dann haben wir bei dieser konkreten Maßnahme auch einiges an Energie eingespart. Nur: was machen wir dann mit dem Geld, das wir durch diese Energiesparmaßnahme in Zukunft übrig haben? Soweit wir es nicht in die Derivatewirtschaft versenken, kaufen wir uns halt etwas anderes dafür, machen eine Urlaubsreise oder, wenn wir edel (aber nicht besonders weitsichtig) sind, füttern unsere Futterkonkurrenz in den armen Ländern durch (nein, meine Zeit als Edel-Mann ist vorbei: in unserer Epoche des greifbar nahen Energiemangels bevorzuge ich eine realistische Perspektive). Egal wie: wir kaufen bzw. bezahlen andere Güter oder Dienstleistungen, zu deren Produktion Energie benötigt wird; gespart ist damit gar nichts.

Das ist die volkswirtschaftliche Dimension: technisch und ökonomisch wirksame Energiesparmaßnahmen (betriebswirtschaftliche Rationalisierungen) führen noch lange nicht zu einer gesamtwirtschaftlichen Minderung des Energieverbrauchs. Dieses Problem (bzw. einen Sonderfall davon) hat schon vor beinahe 150 Jahren der britische Ökonom William Stanley Jevons erkannt; nach ihm sprechen wir vom "Jevons' Paradoxon" bzw. auf Englisch "Jevons Paradox". Dieses geht allerdings sogar noch über die Frage der Einsparmöglichkeiten hinaus, denn danach führt "technologischer Fortschritt, der die effizientere Nutzung eines Rohstoffes erlaubt, letztlich zu einer erhöhten Nutzung dieses Rohstoffes …, anstatt sie zu senken" (Zitat Wikipedia). Aber darauf, ob bzw. unter welchen Bedingungen und in welchem Umfang das zutrifft (Industrielle Revolution?!) oder nicht, kommt es hier nicht an; an dieser Stelle reicht die Feststellung, dass wir den Energieverbrauch nicht einfach dadurch senken können, dass wir die Energieeffizienz von Produktionsprozessen usw. steigern.

   
 

Ob und ggf. auf welche Weise man dieses Problem aushebeln kann, ist zumindest im englischen Sprachraum Gegenstand einer intensiven Debatte. Mehr darüber hoffe ich demnächst in einem eigenständigen Blott zum Thema "Energiesparen" einzutragen. An dieser Stelle muss es genügen, einen Link zu dem Stichwort "Rebound effect" in der "Encyclopaedia of Earth" zu setzen. Es handelt sich dabei um einen sehr ausführlichen und anspruchsvollen Eintrag des britischen Wirtschaftswissenschaftlers Horace Herring, der sowohl über die Problematik als solche wie auch über die wirtschaftswissenschaftliche Diskussion (und deren Geschichte) informiert.

Ergänzend möchte ich hier jedoch noch die Begriffe aufführen (falls Leser danach googeln wollen), die in diesem Artikel genannt werden (auch deren "Erfinder" sind dort aufgeführt) und unter denen die Debatte auf Englisch geführt wird (in Klammern die Google-Treffer, zunächst allgemein, dann für "Seiten auf Deutsch", wobei sich allerdings auch dort einige englischsprachige Webseiten einschleichen):

"Conservation paradox" (1.080 // 1.080 - die Suchmaschine unterscheidet hier nicht; wahrscheinlich findet sie den Begriff auf deutschsprachigen Webseiten überhaupt nicht)

"Jevons paradox" - 10.500 // ganze 67!

"Khazzoom-Brookes postulate" - 538 // 2 (!)

"Rebound effect" - 158.000 // 1.130 (Dieser Begriff ist allerdings sehr unspezifisch und wird keineswegs nur in der Energiespardebatte verwendet; die Zahlen sind also nicht aussagekräftig)

Merkwürdiger Weise scheint man in Deutschland diese Problematik so gut wie gar nicht zu diskutieren. (Eine rühmliche Ausnahme ist der allerdings kurze Artikel "Steigerung der Energieeffizienz: Problem oder Lösung?" von Reinhard Madlener und Blake Alcott aus der Zeitschrift "ENERGIEWIRTSCHAFTLICHE TAGESFRAGEN", 57. Jg. -2007-, Heft 10; online auf der Webseite des Co-Autors Alcott.) Um unser (der Menschheit insgesamt) Dilemma wenigstens mal auf den Begriff zu bringen (d. h auf einen deutschsprachigen Begriff) schlage ich (in Anlehnung an die o. a. Bezeichnung "Conservation paradox") vor, diesem Kind, welches uns unser wohliges Energie-Spar-Bad auszuschütten droht, den Namen "ENERGIESPAR-PARADOX" (bzw. "Energiespar-Paradoxon") zu geben. Der Ausdruck kommt einem dermaßen leicht über die Lippen dass man sich wundert, bei Google nur 2 Treffer zu erhalten. Armes Deutschland! Kein Wunder, dass deine Vorholzens gedeihen.

Der eine Fritz ist natürlich nicht das Problem, das liegt darin, dass recht viele Menschen der Komplexität des Themas ausweichen: unser Drang nach umfassender Welterkenntnis wird leider übertroffen von unserem Bedürfnis, mit unseren kleinen Patscherchen recht unbekümmert in diesen Zusammenhängen herumzufummeln. Andererseits ist einzuräumen, dass viele Menschen, die nicht groß über die Zusammenhänge nachdenken, sie dennoch richtig erfassen. Man braucht sich ja auch lediglich immer wieder klar machen, dass nichts von nichts kommt.

   
 

Eine ähnliche Position wie Vorholz vertritt wohl auch der sehr bekannte amerikanische Energieexperte und Kernkraft-Gegner Amory Lovins. Auf den ersten Blick klingt es gar nicht schlecht, was er z. B. in dem Gespräch "Energy Tribune Speaks with Amory Lovins" in der Energy Tribune vom 09.11.2007 sagt. Beim Überdenken seines sonnigen Optimismus wird man aber doch skeptisch: z. B. ist eine unbegrenzte Effizienzsteigerung bei der Energieverwendung unmöglich. Sein Interviewpartner Robert Bryce gibt ihm denn auch in seinem Artikel "Green Energy Advocate Amory Lovins: Guru or Fakir?" vom 12.11.07 im gleichen Magazin heftig kontra. Und Lovins' Argumente gegen die Kernenergie (die im ersten Anhören ebenfalls nicht schlecht klingen) schmelzen wie Schnee in der Sonne unter dem Angriff einer Artikelserie ("Amory Lovins and His Nuclear Illusion - Final Thoughts" ist davon der letzte) in dem Blog "NEI Nuclear Notes. News and commentary on the commercial nuclear energy industry".

   
 

Dies mag in Sachen "Energie-BDSM" und "Breathcontrol-Play mit der Stromleitung" zunächst genügen; im Übrigen hoffe ich sehr, dass ich Sie demnächst auch in meinem geplanten Energiespar-Blott als Leser / Leserin begrüßen darf!

   
 

Nachtrag 09.08.08:

So, nun weiß ich wenigstens auch, mit welchen Rezepten Fritz Vorholz die Welt retten will. Jedenfalls glaubt er "Die Welt ist noch zu retten" (DIE ZEIT, 08.03.2007). Ich will dieses Florilegium aus dem Reich der Pläneschmiede und Projektemacher nicht im Detail kommentieren. Unvoreingenommene Leser mögen sich ihr eigenes Urteil bilden; Traumtänzern würde selbst eine eingehende Widerlegung nicht die Binden von den Augen reißen.

Allerdings kommen Vorholz' gute journalistischen Manieren seinem Idealismus gelegentlich in die Quere. So wenn er darlegt, dass sich die (unpolitisch gesprochen) "Grünen" gegenseitig selbst nicht grün sind, wenn es um den richtigen Menschheits-Rettungs-Pfad geht: Die einen wollen uns Windenergie und Sonnenstrom aus riesigen Entfernungen andienen [da würden dann freilich die Wüstenbewohner zunächst einmal ihre heißen Hütten kostengünstig kühlen]; die andere Schule setzt auf dezentrale Energieerzeugung mit Blockheizkraftwerken [ganz abgesehen von den in der Wikipedia beschriebenen Nachteilen müssen die ja wohl auch irgendwie gefüttert werden: Bauen wir dann riesige Gasleitungsnetze, oder transportieren wir die Kohlen mit LKWs dorthin? Und um die alle im Verbund zu betreiben, würden wir wohl auch ein superkomplexes Reglernetz benötigen].

Unkommentiert stellt Vorholz seinen Lesern auch vor, was der Energieexperte Ottmar Edenhofer zur zukünftigen Rolle der Kernenergie im Hinblick auf das Ziel des Klimaschutzes meint: "Die Atomkraft spielt keine große Rolle …". Richtig: wenn man den gesamten Energieverbrauch nimmt, spielt sie in der Tat weder gegenwärtig noch zukünftig eine übermäßig große Rolle. Aber wer ausschließt, dass sie eine "große" Rolle spielt, impliziert zugleich, dass wir auch in Zukunft nicht ohne sie auskommen werden.

Selbstwidersprüchlich wird, was der Autor uns im Untertitel verheißt [Hervorhebungen von mir]: "Klimaschutz, Wirtschaftswachstum, Bevölkerungsexplosion: Die Menschheit kann sich alles leisten – wenn sie sofort umdenkt" und am Schluss noch einmal bekräftigt: "Die Menschheit kann die Kurve bekommen, ohne ihr Wohlstandsstreben aufzugeben" – wenn der Verfasser uns in Absatz 5 verkündet: "Die Zukunft zu retten ist anspruchsvoll und anstrengend und nicht zuletzt auch eine Sache des Verzichts". Also, Frittken, ich sach's mal so: Wer uns den Weg des Heils weisen will, sollte sich doch wenigstens für eine der beiden Abzweigungen entscheiden: Verzicht oder Sonntagsspaziergang (wo wir auf der Wiese auch an der Fortsetzung der Bevölkerungsexplosion arbeiten könnten).

Nachtrag 26.08.08:
"Efficiency Policy, Jevon’s Paradox, and the 'Shadow' Rebound Effect" lautet der Titel eines "guest post" von Jeff Vail (hier seine Nachbetrachtung auf seiner eigenen Webseite "Rhizome") in "The Oil Drum". Vail macht darauf aufmerksam, dass wir Geld, welches wir durch Energiesparen übrig haben, höchstwahrscheinlich anderweitig ausgeben - und damit gewissermaßen die Energiebilanz der Gesellschaft an anderer Stelle belasten.
Außerordentlich interessant (und größtenteils recht niveauvoll) ist die (jetzt geschlossene) Debatte (ich hatte sie zum Lesen ausgedruckt: 89 S.!). Da dürften so ziemlich alle Meinungspositionen vertreten sein (wenn auch nicht proportional zu ihrer gesellschaftlichen Häufigkeitsverteilung: die "Cornucopians" sind naturgemäß auf einer solchen Webseite, bei der es um die drohende Gefahr eines Ölfördermaximums geht, unterrepräsentiert). Und es werden eine Reihe sehr einsichtsvoller Gedanken geäußert. Eine wirklich empfehlenswerte Lektüre wenn man wissen will, was die anderen über die Risiken von "Peak Oil" denken und wie sie die (Un)Möglichkeit einschätzen, einen Crash unserer Zivilisation abzuwenden.


Nachtrag 02.09.2008
Wer sich dafür interessiert, wie die Menschen - nicht Goethe & Co., sondern die Masse - in der energiearmen Vorölzeit wirklich lebten, oder wer einfach der literarischen Horrorstories überdrüssig geworden ist und sich mal wieder richtig gruseln möchte: solchen Suchenden empfehle ich einen Aufsatz des verstorbenen Hamburger Hygieneprofessors Stefan Winkle über die sanitären Verhältnisse im Paris des "Ancien Régime": "Paris am Vorabend der Französischen Revolution. Städtehygienisches und Sozialmedizinisches aus Merciers 'Tableau de Paris'." (Auch hier zu finden.)

 
 

 
 

   
 

Textstand vom 02.09.2008. Gesamtübersicht der Blog-Einträge (Blotts) auf meiner Webseite http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm. Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Donnerstag, 31. Juli 2008

Sensationelle Exklusivmeldung: Endlich ein sicheres Endlager für radioaktives Material identifiziert!

Sie kämpfen gegen Kohlekraftwerke: wg. Klima.
Sie kämpfen gegen Kernkraftwerke: wg. Strahlung.
Doch wenn man ihnen Elektroautos zeigt, strahlen sie selbst: Die Grünen.

So jedenfalls nach dem Bericht "Neuer Liebling Elektroauto" von Marlies Uken auf ZEIT online vom 25.6.2008. Auszüge:
"Ungewöhnliche Allianz: Umweltschützer und Autokonzerne haben das Elektroauto entdeckt. Es soll nicht nur Kohlendioxid einsparen, sondern zukünftig sogar ins Stromnetz einspeisen."
"Geht es nach Hans-Josef Fell, dem energiepolitischen Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, rollen im Jahr 2020 eine Million Elektrowagen auf Deutschlands Straßen."
"Ende vergangenen Jahres warben sogar E.on und die Grünen gemeinsam für Elektroautos. ... da, wo es gemeinsame Interessen gibt, spricht nichts dagegen, auch gemeinsam zu werben."
"Martin Pehnt vom Institut für Energie und Umweltforschung in Heidelberg ... ist sich sicher, dass es einen Hype um Elektroautos geben wird. Denn sogar für Autofreaks sind sie attraktiv. 'Sie haben ein unglaubliches Drehmoment beim Anfahren.' So wird der Autonarr ... noch zum Umweltschützer."


Nicht nur der Autonarr tut was für unsere Umwelt.
Denn diejenigen Umweltschützer, welche die realen Widersprüche zwischen Gourmandise für Elektroautos und Gourmetise bei der Stromproduktion unter ein und demselben Schädeldach beherbergen können, müssen dort riesige Kavernen haben. Und Schädeldecken, die dem Beschuss durch die Wirklichkeit derart unbeirrbar trotzen, sind zweifellos auch für Nuklearstrahlung undurchdringlich: bei solchen idealen Endlagern strahlt sogar der Atommüll!


01.08.2008:
"Wir Deutschen sind großartig darin zu wissen, was wir nicht wollen. Seit Tschernobyl ist Atomkraft verpönt, obwohl sie in Sachen Kohlendioxidemissionen vorbildlich ist. Windkraft finden wir nur gut, solange die Mammutpropeller nicht vor unserer Haustür stehen oder die Hochspannungsleitungen, mit denen ihr Strom aus dem windigen Norden der Republik in den flautigen Süden transportiert wird, nicht über unseren Garten führen. Kohle halten wir für unangenehm, weil sie subventioniert wird und obendrein das Klima kippen lässt. Und Gas mögen wir nicht, weil es uns komplett von den unberechenbaren Russen abhängig macht" schrieb Andreas Theyssen in seinem Kommentar "Strom? Nein danke!" in der Financial Times Deutschland (FTD) vom 21.04.2008.


Nachtrag 09.11.08:
In Großbritannien (Wales) baut man wieder Kohle ab bzw. eröffnet neue 'Bergwerke' (in diesem Falle einen Tagebau): vgl. "The new coal age" von George Monbiot im "Guardian" vom 09.10.2008.


Nachtrag 04.01.2009
Zum aktuellen (Meinungs-)Stand um die Entwicklung der Elektroautomobile vgl. z. B. den Artikel "Das Elektroauto kommt - aber langsam. Entwicklung läuft mit Hochdruck, doch bis zur Großserie müssen noch Hürden überwunden werden" von Armin Zimny in der Stuttgarter Zeitung vom 02.01.2009.


Nachträge 01.02.2009:

Mehr über die Aussichten für Elektroantriebe im Automobilbau auch in dem Spiegel Online-Bericht "Spritpreisschock macht Elektroauto-Techniker kreativ" von Alexander Stirn vom 25.06.08. Darin und darunter auch Links zu weiteren (älteren) Artikeln.

Dass wir freilich nicht mit einem kurzfristigen Übergang zur (scheinbar) schönen Neuen Welt er Elektroautomobile rechnen dürfen, sagt uns Ulrich Bez in dem Handelsblatt-Interview von Florian Brückner (29.01.09): "Aston-Martin-Chef: Politik trägt Mitschuld an Autokrise". Auszüge (meine Hervorhebungen):
"... heute betreibt die Politik ... eine enorme Verunsicherung bei den Kunden, indem sie diese glauben lässt, dass von kommendem Jahr an alle Autos elektrifiziert sein werden. Dabei wäre es schon ein enormer Erfolg, wenn im Jahr 2020 zehn bis fünfzehn Prozent der 15 Millionen Autos in der Europäischen Union mit Elektroantrieb unterwegs sein würden. Der Verbrennungsmotor wird also auch die nächsten 20 Jahre ein ganz wesentlicher Bestandteil des Automobils bleiben. ... Ich bin überzeugt, dass in der Forderung nach allumfassender Elektrifizierung ein großer Fehler gemacht wird. Ein Kleinwagen mit Elektroantrieb etwa für die Londoner City ist bestimmt eine tolle Sache, aber ob das auch bei einer Reiselimousine oder einem Sportwagen der Fall ist, da habe ich so meine Zweifel. Nicht zu vergessen: 1914 hat Professor Porsche ein Elektroauto mit einer Reichweite von 100 Kilometer bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h gebaut. Heute sind wir leider immer noch nicht wesentlich weiter. Und die Probleme, die es um die hochdichten Energiespeicher gibt, müssen erst einmal bewältigt werden, wovon wir gleichfalls noch weit entfernt sind. ... sollte man die Autofahrer nicht weiter im Glauben lassen, der Strom kommt aus der Steckdose und nächstes Jahr fahren wir alle Elektroautos. [Frage: In der Wirtschaftskrise sollte also der Staat die Entwicklung dieser neuen Technologien finanzieren?] Ja, er kann sich nicht aus seiner Verantwortung stehlen. Denn letztlich hat der Staat die gegenwärtige Misere der Automobilindustrie auch durch seine beständig überzogenen Forderungen an die Branche und die Verunsicherung der Verbraucher mit verursacht. Wir können uns Umwelttechnologien nur leisten, wenn wir auch gut verdienen – und das ist jetzt nicht der Fall."
Manche mögen diese Aussagen als Lobbyismus abtun; tatsächlich aber sind es nicht zuletzt auch viele Automobilhersteller, die uns "im Glauben lassen, der Strom kommt aus der Steckdose und nächstes Jahr fahren wir alle Elektroautos". (Freilich stehen die Hersteller unter Druck, zunächst nicht einmal so sehr dem der Politik, sondern der Öffentlichkeit; der wird von den Politikern lediglich weitergegeben - was ja auch ihre Aufgabe ist.)
Ob Bez mit dem Passus "der Strom kommt aus der Steckdose" auch die Problematik der Versorgungsseite ansprechen wollte, weiß ich nicht; anderweitige Belege dafür fehlen in diesem Interview. Ich glaube aber, dass wir heilfroh sein können und werden, wenn im Jahre 2020 "nur" 10% der Autos mit Elektromotor unterwegs sein werden. Schon das wird uns nämlich riesige Probleme bei der Elektrizitätserzeugung bringen.
Ich bin aber überzeugt, dass unsere Kurzsicht-Umweltfreunde schon eine Lösung dafür in petto haben: Autofahren ist nur noch bei Wind erlaubt. Dann generieren die Windräder ja vielleicht ausreichend Elektrizität.


Nachtrag 17.02.09
Über aktuelle Entwicklungen i. S. Elektroauto berichtet Markus Fasse im Handelsbatt von heute: "Herausforderung Elektroauto. Industrie spielt das Elektroauto durch":
"Wir gehen davon aus, dass sich eine signifikante Anzahl von Elektroautos in das bestehende Stromnetz integrieren lässt", sagt Gernot Spiegelberg, Leiter eines Forscherteams zur Elektromobilität beim Technologiekonzern Siemens. In den kommenden 12 Jahren sieht der Professor ein mögliches Potential für 4,5 Mio. Elektroautos in Deutschland. Damit würde jedes zehnte Auto hier zu Lande ohne Benzin fahren können. ... Die Einführung des Elektroautos mache besonders dann Sinn, wenn der Strom überwiegend regenerativ gewonnen werde, sagt Siemens-Vordenker Spiegelberg. Doch Windkraft oder Solarenergie stehen nur unregelmäßig zur Verfügung. ... "Alternative Energiequellen erzeugen nicht nur dann Strom, wenn wir ihn brauchen", beschreibt Spiegelberg die Herausforderung. "Deshalb ist ein Zwischenspeicher nicht nur sinnvoll sondern sogar notwendig."
Die Lösung könnte im massenhaften Einsatz des Elektroautos liegen. "Das Stromnetz und die Elektroautos müssen aufeinander abgestimmt werden", fordert Spiegelberg. "Lassen sich die Elektroautos sowohl auf- als auch entladen, dann wird das Auto zu einem mobilen Stromspeicher". ... Ausgestattet mit moderner Regeltechnik werde das Auto zu einem integralen Bestandteil des Stromnetzes, weil es je nach Tageszeit Strom ziehen oder spenden kann"
.
Aber auch hier hören wir wieder, was man in beinahe allen Artikeln zum Thema liest:
"Schwachpunkt ist derzeit noch die Batterietechnik".


Nachtrag 08.03.2009
Die Grünen wollen, wenn kann es wundern, "Elektromobilität umfassend fördern" (Pressemeldung der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen vom 16.02.2009).
In dem "Bericht von der grünen Konferenz zur Elektromobilität am 28. April 2008. Fahren die Autos der Zukunft elektrisch?" wird die Frage immerhin angesprochen:
"Elektromobilität nur ein neuer Hype?
In der zweiten Panel-Diskussion sah der energiepolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion Hans-Josef Fell das Fragezeichen im Veranstaltungstitel als überflüssig an. Das Auto der Zukunft fahre elektrisch und es gehe nur darum, dies durch geeignete Rahmenbedingungen staatlicherseits zu beschleunigen. Widerspruch kam von Gert Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des Verkehrsclub Deutschland. Die Grünen sollten sich nicht verleiten lassen, nach dem Wasserstoff-Brennstoffzellen-Hype und der Ernüchterung, die nach der ursprünglichen Biokraftstoff-Euphorie, mittlerweile eingesetzt hat, nun auf einen technischen Pfad zu setzen, der ökologisch auch kontraproduktiv sein kann, wenn er z. B. zur Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken oder den Bau neuer Kohlekraftwerke missbraucht wird. Der geladene Vertreter der Energiewirtschaft konnte darauf leider nicht antworten, da er krankheitsbedingt kurz zuvor absagen musste. Tomi Engel von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie stellte eine Studie vor, derzufolge eine Million Elektrofahrzeuge/Plug-In-Hybride nur eine Steigerung des deutschen Stromverbrauch um 2 Terrawattstunden zur Folge hätte bei einem Gesamtverbrauch von rund 600 TwH.
"
Aufhalten lässt sich aber die Gemeinde der Ökostromgläubigen von solchen Marginalien nicht, und auch nicht zu einer tieferen Debatte bewegen. In dem ansonsten sehr detaillierten Antrag "Umfassende Förderstrategie für Elektromobilität mit grünem Strom entwickeln" der Bundestagsfraktion vom 16.02.2009 an den Deutschen Bundestag spielt die Stromproduktion insoweit keine Rolle, als "der Strombedarf für Fahrstrom in den ersten Jahren sehr gering ist" (S. 8).
Und danach kommt die Energie vom Weihnachtsmann, gelle?


Nachtrag 02.04.2009:
Lektüre (nicht) für Traumtänzer: "E-Autos erwartet langes Nischendasein". Kristina Spiller berichtet in der Financial Times Deutschland (FTD) von heute über eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey:
"Die hohen Erwartungen an das Elektroauto im Kampf gegen Kohlendioxidabgase werden sich selbst in Jahrzehnten nicht erfüllen. Rein strombetriebene Pkw dürften 2030 erst drei Prozent der weltweiten Neuwagen ausmachen. .....
"Es gibt derzeit einen Hype um das Elektroauto - da wird in nächster Zeit eine Ernüchterung einkehren. .....
Das dürfte die Hoffnungen vieler Politiker dämpfen, die in den noch gar nicht marktreifen E-Autos schon die Heilsbringer für die Umwelt sehen.
"


Nachtrag 08.05.2009
Erst jetzt kommt mir der lange Zeit-Artikel "Traum auf vier Rädern" von Dietmar H. Lamparter und Fritz Vorholz, DIE ZEIT, 03.07.2008, zu Gesicht, dessen Aussage am Beginn so zusammengefasst ist:
"Eine Koalition aus Politikern, Autobauern und Stromkonzernen bauscht das Potenzial des Elektroautos maßlos auf. Tatsächlich wird es wohl ein Nischenprodukt bleiben."
Auch wenn ich den Co-Autor Fritz Vorholz schon mal verlästert habe, weil ich in Sachen Atomkraftwerke anderer Meinung bin, schätze ich ihn als kenntnisreichen und tief bohrenden Autor zu Energiefragen, der auch schein-ökologische Positionen sehr kritisch hinterfragt. Hier einige für mich zentrale Auszüge aus dem Artikel (meine Hervorhebungen):
"Viele beschwören das Stromauto, darunter solche, die gestern der Autogemeinde noch Wasserstoff und Biosprit als saubere Alternativen zum Benzin verschreiben wollten. Kaum hat sich der Sprit vom Acker als desaströse Therapie gegen die Ölabhängigkeit erwiesen, schwärmen sie ebenso unbekümmert vom Strom und nähren die Hoffnung, damit ließe sich die gewohnte individuelle Mobilität auf vier Rädern kostengünstig und umweltschonend sichern, quasi auf ewig. .......
»unsere besten Verbündeten sind die Grünen«, sagt ein Spitzenfunktionär des Verbandes der hiesigen Stromwirtschaft. .......
Kommt allerdings Atomstrom in den Elektrotank, hat der Umweltminister ein Problem. CO2-frei führe das Elektroauto zwar auch dann noch, nur eben politisch nicht korrekt – jedenfalls nicht, solange die SPD am Atomausstieg festhält. Die Sache mit dem Elektroauto sei deshalb »ein Spiel mit dem Feuer«, sagt einer von Gabriels Mitarbeitern. Doch das ist das geringste Problem, wie man erfährt, wenn man sich in der Fahrzeugindustrie genauer umhört. »Der Knackpunkt ist die Batterie« ..... .
Aber könnte nicht vielleicht der nächste Technologiesprung das Problem lösen? Der sei unwahrscheinlich, meinen Experten. Der rein batterieelektrische Betrieb habe Grenzen, sagt Herbert Kohler, Daimlers oberster Antriebsforscher. Natürlich werde es noch Optimierungen geben können, aber bei etwa 200 Kilometer Reichweite sei auf absehbare Zeit Schluss. Ein ähnlicher Sprung wie von der alten auf die neue Batterietechnik sei nach der Logik der Elektrochemie schlicht nicht mehr zu erwarten ... .
Nicht nur ein Autozulieferer, auch die Gesellschaft muss sich also überlegen, ob sie ihr Geld und ihre Energie aufwendet, um spritsparende Benziner zu entwickeln – oder um auf den Hoffnungswert E-Auto zu setzen."

Und zum Schluss ziehen die Autoren einen Vergleich mit früheren (und früher schon von mir karikierten) Hoffnungen auf Biosprit:
"Der Biosprit-Hype war noch kürzer. Im Januar 2005 kündigte George W. Bush bei seiner Rede an die Nation an, den Benzinverbrauch bis zum Jahr 2010 um 20 Prozent verringern zu wollen, hauptsächlich durch Beimischung von Biokraftstoff. Tatsächlich ersetzen Bioethanol und Biodiesel in Nordamerika und Europa mittlerweile rund eine Million Fass Erdöl pro Tag. Doch als Folge sind die Getreidepreise explodiert, Hungeraufstände der Armen machen Schlagzeilen, und eine weltweite Allianz gegen den Sprit vom Acker ist aktiv. Die Euphorie hat sich vollständig verflüchtigt."


Nachtrag 30.07.09
Dass ein Shell-Mitarbeiter Interview Elektroautos keine große Zukunft vorhersagt, kann von der Interessenlage her nicht überraschen. Nur muss seine Prognose nicht schon deswegen falsch sein, weil es den Konzerninteressen entspricht. Also einfach selber lesen: "Shell-Experte: Elektroauto ist ein Hype", ein Handelsblatt-Interview vom 30.07.09 von Florian Brückner mit Wolfgang Warnecke:
"Warnecke ist Leiter der weltweiten Kraftstoffentwicklung von Shell. Im Interview mit Handelsblatt.com erklärt Warnecke, warum das Elektroauto aus Sicht von Europas größtem Ölkonzern ein kurzfristiger Hype ist, wie Shell darauf reagieren will und wieso Biosprit noch ein großes Comeback erleben wird."


Nachtrag 25.08.2009
Der KKW-Gegner Sigmar Gabriel, derzeit (aber wohl nicht mehr lange) noch Bundesumweltminister, setzt, wie bei einem Mann von seinem Grad an Intelligenz und/oder an intellektueller Redlichkeit nicht anders zu erwarten, voll auf Elektroautos. Unter der Überschrift "Nationaler Aktionsplan. Kaufanreize für Elektroautos" berichtet die ZEIT ONLINE am 19.8.2009:
"Wer sich ein Elektroauto kauft, kann ab 2012 mit staatlicher Unterstützung rechnen. Bis 2020 soll auch ein Netz von Stromtankstellen entstehen. .....
Die Branche der Erneuerbaren Energien hofft derweil, dass vor allem die Abnahme von Ökostrom gefördert wird.
Auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel wirbt für das Sparpotenzial von Elektroautos. Die Spritpreise würden sich für die Verbraucher mehr als halbieren, sagte der SPD-Politiker. Sicherheitsfragen seien noch zu klären. Laut Gabriel ist es das Ziel, Elektroautos mit erneuerbaren Energien zu koppeln, und die Schwankungen der erneuerbaren Energien im Netz durch die Batterien und Speicher zu lösen.
"
Traumtänzer! Aber anscheinend bietet er dem Narrenvolk genau diejenige Vorstellung, die es haben will.
Die Menschen sind nicht selten selber daran Schuld, wenn sie von Politikern getäuscht werden.


Nachträge 03.09.2009
FTD-"Dossier" von Nora Schlüter vom 31.08.2009: "Exportbeschränkung: Rohstoffmangel bedroht Hybridautos" (meine Hervorhebungen):
"Der Siegeszug umweltfreundlicher Technologien könnte in den nächsten Jahren durch Engpässe in der Rohstoffversorgung gebremst werden. Gefährdet ist der Nachschub an sogenannten seltenen Erden, einer Klasse von Metallen, die unter anderem zum Bau von Windkraftanlagen und Hybridautos benötigt wird.
Besonders die Elemente Lanthan und Neodym spielen eine wichtige Rolle bei der Herstellung leistungsfähiger Magnete und Batterien für Windturbinen und Elektromotoren.
Nun plant Marktführer China, den Export dieser Rohstoffe stark zu beschränken. Stattdessen will die chinesische Regierung die Vorkommen für den Eigenbedarf nutzen. Damit droht Peking, nicht-chinesischen Produzenten von Industriegütern wie zum Beispiel Autokonzernen, Handyherstellern und Kraftwerksausrüstern von der Versorgung mit wichtigen Grundstoffen abzuschneiden. Dies könnte die Wettbewerbsbedingungen zu Gunsten heimischer Firmen verschieben.Für die Metalle Yttrium, Thulium und Terbium soll gar ein vollständiges Exportverbot gelten. Für andere seltene Erden wie Neodym, Lan-than, Zer und das in Lasern eingesetzte Europium ist eine Gesamtexportquote von 35.000 Tonnen pro Jahr geplant. ... usw.
"
Viel Spaß unseren elektrisierten Automobilträumern! (Und den Windkraft-Freaks natürlich ebenfalls!)
Ergänzung 6.9.09: Vgl. in diesem Zusammenhang auch den Handelsblatt-Artikel "Rohstoffe. Harter Kampf um Titan" von Markus Fasse und Regine Palm vom 08.05.09 (in dem es um Seltenmetalle überhaupt geht, nicht nur um Titan):
"Seltene Erze und Metalle werden knapp. Hersteller von Solaranlagen, Elektroautos oder Halbleiterproduzenten brauchen immer mehr der wertvollen Rohstoffe. Längst ist ein harter Verteilungskampf entbrannt. Die deutsche Industrie reagiert noch zu langsam."
Ergänzung 09.09.09: Zur chinesischen Rohstoffpolitik vergleiche auch den Bloomberg-Bericht "China Considers Rare-Earth Reserve in Inner Mongolia" vom 02.09.2009 über Produktionseinschränkungen und Exportbeschränkungen für seltene Erde (Minerale, Metalle):
"China, holder of the world’s largest rare-earths deposits, may build a strategic reserve in Inner Mongolia, strengthening its control over materials used in technology ranging from iPods to guided missiles."


So, und jetzt drehen wir der Ressourcenverknappung den Rücken zu und kurbeln unsere Konjunktur wieder kräftig an! Wie? Ganz einfach kräftig Geld ausgeben:
"McKinsey-Studie: Elektroautos bescheren Herstellern Kostenlawine" berichtete die Financial Times Deutschland ebenfalls am 31.08.09 (meine Hervorhebungen):
"Dass die Einführung von Elektroautos nicht billig wird, dürfte bekannt sein. Eine Studie rechnet jetzt genau vor, welche Kosten auf die Hersteller zukommen - und die Verbraucher.
Auf die deutschen Autohersteller und Verbraucher rollt wegen der Klimaschutzziele der EU einer Studie zufolge in den kommenden Jahren eine Kostenlawine zu. Vor allem die Entwicklung und Produktion sparsamerer Verbrennungsmotoren sowie elektrischer Antriebe dürften bis 2020 rund 114 Mrd. Euro verschlingen, heißt es in einer am Montag vorgestellten Studie der Unternehmensberatung McKinsey. Pro Fahrzeug entspräche dies Mehrkosten von bis zu 1900 Euro.
"

Klar, dass bei solchen Kosten der Steuerzahler gefragt ist. Den will die Christenunion rupfen (denn natürlich haben auch die, dem Gesetz von gesellschaftlicher Nachfrage und parteipolitischem Angebot entsprechend, ihr Herz für den Elektroauto-Hype entdeckt):
"Elektromobilität: Union geht vor Wahl auf Öko-Trip" berichteten Claudia Kade und Andreas Theyssen bereits am 27.08.09 in der FTD (meine Hervorhebungen):
"Die Union will im Fall eines Wahlsiegs die staatliche Förderung von Elektroautos verdreifachen. Der CDU/CSU Fraktionschef Volker Kauder verspricht 1 Mrd. Euro mehr an Fördergeldern.
"Der Staat muss mit Investitionen in Forschung und Entwicklung helfen, damit die Elektromobilität vorankommt", sagte CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder im FTD-Interview. Dabei gehe es vor allem um die Batterietechnologie, die bislang im Rahmen der Konjunkturpakete mit 500 Mio. Euro staatlich unterstützt wird. "Ich kann mir vorstellen, dass eine neue Bundesregierung dafür noch mal etwa 1 Mrd. Euro zur Verfügung stellt, um die Batterietechnologie voranzubringen"."
Immerhin: ganz so schlimme Steuerverschwender wie der rote Erzbengel Gabriel sind die Schwarzen doch nicht:
"Kauder schloss aber direkte Verkaufshilfen aus - etwa einen staatlichen Zuschuss in Höhe von 5000 Euro pro Elektroauto, wie sie Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) vorgeschlagen hatte. "Das Elektroauto muss sich schon allein am Markt durchsetzen", sagte der CDU-Politiker."


Nachtrag 23.02.2010:
Auf SpiegelOnline berichtete Joachim Hoelzgen am 18.09.2009 über "Rares Element. Lithium-Mangel bedroht die Auto-Revolution":
"Autobauer beschwören den Elektroantrieb als Technik der Zukunft. Doch ebenso wie Regierungen und Rohstoffkonzerne übersehen die Hersteller ein Problem: Es gibt auf der Erde zu wenig Lithium, um die geplanten Flotten von Hybrid- und Elektroautos anzutreiben."


Nachtrag 27.02.2010
In der (linken) Wiener Zeitschrift Streifzüge, Ausgabe 46/2009 (01.07.2009) Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar. Energiewende zwischen infantilen Phantasien und Ernüchterung" stampft ein Bruno Kern (ansonsten auch auf der Webseite "Ökosozialismus.net" aktiv) die Träume von Elektroautos und (mehr oder weniger) unbegrenzter Verfügbarkeit von alternativen Energien mit ziemlichem Schwung als Makulatur ein.


Nachtrag 06.03.2012
Vgl. zu den (nicht besonders guten) Erfolgschancen von Elektroautos auch den heutigen Artikel "Zweifel am E-Auto. Der Kater nach dem Elektrorausch" in der Financial Times Deutschland (FTD).





Textstand vom 06.03.2012. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
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