Montag, 25. Dezember 2006

Ey ihr Leut': was ist denn bloß mit Hilmar Kopper s Kopfbedeckung los?

Bei der Auswertung der Statistiken für meine Webseite www.beltwild.de stoße ich auf eine etwas merkwürdige Suchanfrage nach: Kopfbedeckung Hilmar Kopper oder Hilmar Kopper Kopfbedeckung (manchmal sind auch noch Koppers berühmte "peanuts" eingegeben).

Obwohl ich mir noch nie Gedanken über Hilmar Koppers Kopfbedeckung gemacht habe, bin ich unter den ersten zehn von ca. 30 Treffern. Und zwar mit meiner Webseite "Rentenreich". Lange verweilen die Sucher von Hilmar Kopper Kopfbedeckung allerdings nicht bei mir: 0 Sekunden, dann sind sie wieder weg. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sie bei mir finden, was immer sie suchen. Aber was ist das? Und wieso kommen ausgerechnet in diesen Tagen so ca. 10 Anfragen mit einem derartig merkwürdigen Suchbegriff?

Ein Weihnachts-Such-Wunder!


Nachtrag vom 28.12.2006:

Für mich ist das Rätsel gelöst. Dank der Kommentare eines Anonymus zum vorliegenden Blog-Eintrag sowie von "Thunderbird" im Gästebuch meiner Webseite weiß ich nun, dass der Kölner Stadt-Anzeiger [hier der Wikipedia-Eintrag] seine Leser und Rätselfreunde auf die Pirsch nach 'Hilmar Kopper Kopfbedeckung' geschickt hat. (Mir war schon vorher aufgefallen, dass das Epizentrum dieses Such-Bebens in NRW und speziell im Raum Köln liegt.)

Ein wenig habe ich mich sogar davon anstecken lassen und in der Google-Bildsuche nach "Hilmar Kopper" gefahndet. Dort erscheint Herr Kopper durchgängig ohne Kopfbedeckung. Vielleicht lautet des Rätsels Lösung ja: "keine"?

Jedenfalls ist der Zustrom der Rätsel-Detektive zu meinem "Rentenreich" ungebrochen. Noch mehr Suchende besuchen aber diesen Blog-Eintrag, denn der erscheint auf Platz 1 der Google-Trefferliste. Allerdings hat es ca. 2 Tage gedauert, bis mein Posting dort auftauchte. In der Google-Blogsuche geht es schneller, vielleicht 1 oder 2 Std. nach Eintragung ist man dort zu finden.
Die Suche bei Technorati ist noch immer erfolglos: "There are no posts that contain that text" heißt es bei denen.
Nicht gerade eine Empfehlung für die Technorati-Blogsuche, die übrigens auch zum Stichwort "Rentenreich" lediglich -3- Ergebnisse auswirft, während die Google-Blogsuche zwar zunächst nur ein Ergebnis zu Tage fördert, dann aber nach Anklicken von "more results from CANABBAIA" immerhin -9- Resultate anzeigt (und wenn man dann noch die "omitted results" anklickt, sogar -10- Treffer). Also scheint Google auch auf dem Gebiet der Blogsuche führend zu sein?

Aber zurück zu den Nussknacker-Lesern des Kölner Stadt-Anzeigers. Also, ehrlich gesagt, kann man Rätselfreuden auch einfacher haben - und sogar mit Zusatznutzen.
Alles, was man dafür tun muss, ist der Kauf eines DVD-Recorders. (Wobei ich freilich nicht weiß, ob es jeder x-beliebige DVD-Recorder tut, oder ob man ein Produkt der Marke "Targa" - konkret: den Targa DRV-5200x - von Lidl kaufen muss, um im richtigen Rätselgenuss schwelgen zu können).

Letzteren jedenfalls hatte meine Gemahlin vor ca. einem Monat gekauft. Das Anschließen war kein größeres Problem. Aber dann ..... habe ich die 61-seitige Bedienungsanleitung erschöpft beiseite gelegt und gedanklich auf Wiedervorlage verfügt. Abends nach einem ausgefüllten Arbeitstag habe ich dafür keinen Nerv mehr [zumal ich ja auch meine Pflichten als gewissenhafter Blogger nicht vernachlässigen will :-) ]. Und an den Wochenenden waren, wie meine Blog-Leser wissen, Weihnachtsmarktbesuche angesagt: nicht nur in Deutschland, sondern diesmal sogar auch in Böhmen. (Und am 4. Adventssonntag waren wir, wie jedes Jahr, in Mainz. Denn: "Weihnachten ohne Mainz? Das ist für uns keins!")

Am 2. Weihnachtsfeiertag war dann aber die Inbetriebnahme des DVD-Recorders unaufschiebbar geworden. Irgendwie habe ich das Recorder-Rätsel auch gelöst, wenigstens was die Grundfunktionen betrifft. Feinheiten wie Titelbearbeitung usw. werden mir möglicher Weise auf ewig verschlossen bleiben. "Plug and play" hatte ich erwartet; was mich erwartete war dagegen eher ein "plug and be puzzled"", oder: "plug und plag dich!".

Ob es wirklich nur an der Bedienungsanleitung lag? Mit meiner Digitalkamera Traveler DC-8600 (von Aldi) hatte ich mich leichter getan. Obwohl deren Bedienungsanleitung sogar 136 Seiten hat - allerdings nur halb so groß ist. Alles ist schön erklärt, bebildert, und ein Stichwortverzeichnis gibt es auch: Digi for Dummies, so zu sagen. Freilich: mit (analogen) Kameras hatte ich schon vorher hantiert; DVDs und DVD-Recording dagegen waren terra incognita für mich.

Ehrlicher Weise muss ich mir wohl eingestehen, dass es ein Zusammenwirken von -3- Faktoren war, welches mir den Spaß an der Beschäftigung mit dem DVD-Recorder verleidet hat:

- Die suboptimale Bedienungsanleitung,
- meine eigene eher suboptimale Auffassungsgabe und
- der fehlende Feuereifer, welcher mich seinerzeit bei der Beschäftigung mit meinem Digitalkamera-Spielzeug beflügelt hatte.

Um den Frust voll zu machen, bot Aldi kurze Zeit später ebenfalls einen DVD-Recorder an. Ich weiß nicht, ob dessen Bedienungsanleitung verständlicher aufgebaut war. Aber jedenfalls hatte er eine Festplatte.
Immerhin: unser Scheibendreher bewegt sich doch. Erleichtert murmelte ich (leise freilich, damit kein Intelligenz-Inquisitor mich hören konnte): "Eppur si muove, die Scheibe."

Vielleicht sollte auch ich mit Hilfe der Rätsel des Kölner Stadt-Anzeigers ein wenig Gehirnjogging betreiben?


Nachtrag vom 14.01.2007:
Gestern Mainz, Werbeexemplar der Zeitschrift "Die Zeit" erhalten: darin massenhaft Blog-Kats. Für den vorliegenden Zusammenhang wäre wahrscheinlich sehr anregend:
"Nix funktioniert. Viele Menschen verzweifeln an der modernen Technik, manche werden darüber krank. Fragt sich nur, woran das liegt." Ein Bildessay Von Amélie Putzar (Illustrationen) und Karsten Polke-Majewski (Text).
Ich würde den Essay wahrscheinlich sogar lesen - wenn ich mich dafür nicht mühsam von Seite zu Seite durchklicken müsste. Das aber ist mir denn doch zu viel Technik-Streß. Zumal es Wichtigeres zu bebloggen gibt: Das (nur im Druck verbreitete) Zeit-Wort zum Wochenende "Wir könnten auch anders" von S. 1 nämlich.



Textstand vom 14.01.2007. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
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Sonntag, 17. Dezember 2006

Weihnachtsmarkt in Steinau an der Straße: Schöner als viele andere

Schlüchtern, Steinau, Kinzigtal - der Regen erwischt uns jedes Mal. Beim Weihnachtsmarkt. Aber angenehm mild war es am 16.12.06, dem Samstag vor dem 3. Advent, bei unserem dritten Weihnachtsmarkt-Besuch in diesem Jahr (die beiden ersten führten uns nach Cesky Krumlov und Passau), diesmal in Steinau an der Straße: 8 Grad Celsius noch am späten Abend.

Samstag, 16. Dezember 2006

Das Auge isst mit

Aber solche Senf- und Ketchup-Zitzen, wie sie an manchen deutschen Wurstbuden herumhängen, erlebt möglicher Weise nicht jeder als Augenschmauss.
(Diese Aufnahme stammt vom diesjährigen Weihnachtsmarkt in Steinau am 3. Adventwochenende)














Nachtrag vom 30.12.2006:
Auch im Frankfurter Nordwest-[Einkaufs-]Zentrum hängen ähnliche (jedoch ein wenig ansehnlichere) Dinger rum:





















Textstand vom 16.12.2006. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
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Freitag, 8. Dezember 2006

Für uns sind die Dörfer in Böhmen nun nicht mehr Böhmische Dörfer

"Böhmen liegt am Meer" hatte Shakespeare behauptet, und sowohl Ingeborg Bachmann als auch die Hamburger Kunsthalle plappern es ihm nach. Wir aber wissen natürlich, dass man den Bohémiens nicht alles glauben darf. So ist auch diese Behauptung eindeutig falsch, selbst wenn sie von dem Maler Anselm Kiefer vor wenigen Jahren wiederholt wurde.

Nachweislich wahr ist dagegen, dass das Meer in Böhmen liegt. Dafür hier eine Beweisaufnahme:
Uferlos gleitet der Blick aus dem Fenster unseres Hotels bei der Gemeinde Černá v Pošumaví (auf dieser historischen Landkarte noch "Schwarzbach" genannt) über die wellige Wasserfläche des südböhmischen Meeres.

Sonntag, 3. Dezember 2006

Donde viene? Vengo d'Onde!

Einen solchen Dialog ("Woher kommen Sie? Ich komme von Onde") hätte man heute, am ersten Advent des Jahres 2006, hören können, wenn etwa ein Italiener auf die Idee gekommen wäre, mich auf meinem (Rück-)Weg aus der Innstadt in die Altstadt von Passau zu befragen, woher ich komme.

Mittwoch, 29. November 2006

Bergbau statt Blackout!

Nicht alles ist Mist, was der Mann von sich gibt. Wenn der Nordrhein-Westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers von "Lebenslügen der Union" spricht, und damit den Glauben meint, man müsse nur die Unternehmenssteuern senken, um die Unternehmer zu Investitionen zu bewegen und so die Konjunktur anzukurbeln, dann hat er durchaus Recht.

Aber z. B. sein Wahl-Slogan "Kinder statt Inder" entehrt seinen Erfinder.
Denn auch abgesehen davon, dass Rüttgers gar keine Humankapital-Produktionsanreize vorschlägt (und derzeit im Ergebnis sogar arbeitslose -relativ- junge Familienväter belasten will, um älteren Arbeitslosen länger Lohnersatz zu zahlen) können heute gezeugte Kinder natürlich nicht aktuell benötigte Arbeitskräfte ersetzen.
Das lässt rein logisch nur -2- Möglichkeiten: Entweder er hat daran nicht gedacht, dann ist er zumindest ein Dummkopf (wenn nicht gar das Wort "Idiot" angebracht wäre). Will er das nicht sein, ist er ein zynischer Volksverdummer, der seine Wähler für idiotisches Stimmvieh hält.

Als Populist wird er nicht zu Unrecht häufig mit Oskar Lafontaine verglichen (u. a. auch in einer hübschen Satire u. d. T. "Jürgen Rüttgers und seine geheime 'Agenda 1910' " im Blog des Handelsblatt-Redakteurs Olaf Storbeck).

Wäre er ein Politiker mit Weitblick, würde er sich beim Kohlebergbau der SPD-Forderung nach einem "Sockelbergbau" anschließen.
Der WDR berichtet u. d. T. "Letzte Schicht weiter umstritten" zwar lediglich, dass Rüttgers eine zeitnahe Entscheidung fordere.
Bei n-tv wird die Position des Düssel-Dorfer Ministerpräsidenten jedoch nicht so freundschaftlich verschleiert. In dem Beitrag "Noch kein Kohleausstieg" heißt es: "Die Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen und dem Saarland, Jürgen Rüttgers und Peter Müller (beide CDU), plädierten für einen Endpunkt des Steinkohlebergbaus.".
Spiegel-Online meldet dazu: "NRW-Regierungschef Jürgen Rüttgers (CDU) erklärte, er unterstütze den Börsengang der RAG. 'Dazu ist das Ende des subventionierten Bergbaus erforderlich'."

In dem Bericht des WDR erfahren wir auch, wie die SPD die Forderung nach [subventionierter] Fortführung des Kohle-Bergbaus (auf einem Niveau von 6 - 8 Mio. Tonnen, verglichen mit derzeit noch 25 Mio. Tonnen) begründet: "Der Generalsekretär der NRW-SPD, Michael Groschek, bekräftigte hingegen, 'dass die Beibehaltung eines Kohle-Sockels unabdingbar ist.' Die Aufgabe der heimischen Steinkohle sei 'ein dramatischer Fehler', weil der weltweite Energiebedarf steigen werde."
Es muss nicht immer Weitsicht sein, was sich in der Politik als solche gebärdet. Spiegel Online ("Kompromiss zum Kohle-Ausstieg geplatzt") sieht die SPD-Position eher taktisch begründet: "Vor allem auf Seiten der Sozialdemokraten wuchsen dem Vernehmen nach die Befürchtungen, unmittelbar vor Weihnachten mit der Botschaft 'Schicht im Schacht' viele Anhänger in ihrem Kernland Nordrhein-Westfalen vor den Kopf zu stoßen. Gegenwärtig beschäftigt die Branche rund 34.000 Mitarbeiter und stellt 3000 Ausbildungsplätze."
n-tv (s. o.) schreibt darüber: "Die nordrhein-westfälische SPD forderte ein klares Bekenntnis der Bundesregierung zur Steinkohle. Aus sozialen und energiepolitischen Gründen sei es unverzichtbar, Steinkohle im Ruhrgebiet auch über 2018 hinaus zu fördern, betonte SPD-Landeschef Jochen Dieckmann in Düsseldorf. Das Präsidium der NRW-SPD bekräftigte seine Forderung, einen Steinkohlesockel 'als Teil eines intelligenten Energiemix' anzustreben."
Das Handelsblatt ("Verhandlungspoker um Steinkohlebergbau") zitiert "Koalitionskreise" (wobei es sich hier nur um CDU-Kreise handeln kann) mit der Einschätzung "die SPD wisse genau, dass sie einen Sockelbergbau nicht durchsetzen könne. Die Forderung sei Teil des Verhandlungspokers."

Das wäre schade. Denn wenn auch die Position der SPD klientelistisch bedingt sein mag und insoweit ebenso kurzsichtig motiviert wäre wie die Winkelzüge des Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers, ist sie doch im Ergebnis vernünftig.
Partikularinteressen stehen, zu Recht, in der Politik immer im Vor-Verdacht, gemeinschaftsschädigend zu sein. Tatsächlich können sie aber - manchmal auf eine mehr mittelbare bzw. langfristige Weise - dem Gemeinwesen durchaus nützen.
So ist es mit der Landwirtschaft und den Agrarsubventionen. Klar, dass die Parteien, speziell die CDU, die Landwirte mit Subventionen als Wähler ködern wollen. Trotzdem halte ich es für klug, in Deutschland (und Europa) einen soliden Grundbestand an landwirtschaftlichen Betrieben und landwirtschaftlicher Produktion zu erhalten, auch wenn uns das als Steuerzahler eine Menge Geld kostet. Eine totale Abhängigkeit unserer Nahrungsmittelversorgung von ausländischen Lieferanten würde uns wirtschaftlich und politisch erpressbar machen.

Entsprechend halte ich es für klug, dass Deutschland die Förderung von Steinkohle auf einem Sockelniveau aufrecht hält. Dies würde eine dauerhafte Grundlage für die Produktion von Bergbau-Technologie in Deutschland bieten und die Option auf einen schnellen Wiedereinstieg in eine Förderung größeren Umfangs erhalten. Denn schon jetzt zeichnet es sich ja ab, dass in nicht allzu ferner Zeit die Erdölförderung ihren Höhepunkt ("Peak Oil") erreicht und dann absinkt.

Deshalb mein Vorschlag, Herr Rüttgers:
Knipsen Sie die Leuchte Ihres Geistes an, damit bei uns nicht eines Tages ganz schnell die Lichter ausgehen! Versuchen Sie ganz einfach, zur Abwechselung wieder einmal Politik mit "Gehirn statt Geschwätz" zu machen!


Nachtrag 30.04.2008
Ein aktueller Zeitungsartikel (im Handelsblatt vom 29.04.08) zum Thema: "Hoher Kohlebedarf fördert nachhaltigen Preisanstieg".

Nachtrag 09.11.08:
In Großbritannien (Wales) baut man wieder Kohle ab bzw. eröffnet neue 'Bergwerke' (in diesem Falle einen Tagebau): vgl. "The new coal age" von George Monbiot im "Guardian" vom 09.10.2008.


Nachtrag 14.08.2009:
"Bergbau. Steinmeier will späteren Kohleausstieg" meldet ZEIT ONLINE vom 14.8.2009:
"Das Ausstiegsdatum aus der Kohleförderung soll 2018 sein. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier fordert eine Verlängerung."
An erster Stelle argumentiert Steinmeier mit Arbeitsplätzen: das ist schlecht. Denn das bedeutet ja, der Steuerzahler soll Arbeitsplätze um ihrer selbst willen finanzieren. Von Ressourcenverknappung spricht er auch - immerhin. Die Frage ist nur, was meint er wirklich? Woran denkt er: an Deutschlands Zukunft - oder (vermutlich wohl eher) an den aktuellen Wahlkampf?
Allerdings ist es letztlich egal, aus welchen Gründen zumindest ein Sockelbergbau aufrecht erhalten bleibt: entscheidend ist, dass er bleibt!




Textstand vom 14.11.2009. Auf meiner Webseite
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Samstag, 25. November 2006

Sensationell: Quellcode der Linkspartei enthüllt! Oskar Lafontaine plant Squeeze-Out der Formaldemokratie durch Demokratur des Proletariats!

"Lafontaine wünscht sich Generalstreiks" meldet ein Gemeinschaftsartikel von Maximilian Steinbeis und Dietrich Creutzburg im Handelsblatt vom 22.11.2006.
"Oskar Lafontaine leidet an der Demokratie. Sie funktioniere nicht mehr, sie erodiere, sei gar keine echte Demokratie mehr. 'Immer mehr Deutsche' teilten die Ansicht, sagt der Chef der Linksfraktion im Bundestag. 'Sie haben das Gefühl, dass ihre Stimmzettel nichts mehr bewirken.' In der Steuer-, Sozial- und Gesundheitspolitik, bei Militäreinsätzen im Ausland: Stets stimme der Bundestag 'gegen die Mehrheit des Volkes ab'. Da müsse etwas geschehen: Generalstreik. In Deutschland sind Streiks nur Gewerkschaften erlaubt, und auch nur für tarifvertraglich regelbare Ziele. Um den Gesetzgeber unter Druck zu setzen, dürfen Arbeitnehmer nicht die Arbeit niederlegen. Sie können das zwar tun, aber das gilt dann als Arbeitsverweigerung und kann zu Kündigungen und Schadensersatzforderungen führen. Genau dagegen hat Lafontaine mit der Linksfraktion einen Antrag in den Bundestag eingebracht: Das Parlament wolle beschließen, die Regierung aufzufordern, ihm 'die gesetzlichen Maßnahmen für die Zulässigkeit eines Generalstreiks zuzuleiten', heißt es in dem Papier"
heißt es in dem Artikel.


So viel sollte uns der Oskar freilich doch wert sein, dass wir uns bei seiner Beurteilung nicht auf die Publikationsorgane des Klassenfeindes verlassen, sondern noch andere Seiten heranziehen, auch diejenigen der Linkspartei und andere Genossen aus seinem politischen Lager (welche freilich manchmal mehr seine kategorialen Klassengenossen als seine Gesinnungsgenossen sind), und was wir sonst auf die Schnelle noch finden.

Doch zunächst fängt mich noch eine Klassenfeind-Zeitung ab, die FAZ. Deren Artikel "Lafontaine und der rechte Rand" vom 17.05.2006 (den ich gestern frei fand - heute jedoch nur noch als kostenpflichtiges Angebot) schreibt der Autor u. a.:
" 'Korruption der Sprache und des Denkens' (so heißt das zweite Kapitel seines Buches). Mit Hilfe der Sprache, sagte der ehemalige SPD-Bundesvorsitzende und mutmaßliche Listenkandidat des Linksbündnisses in Gründung, verschleierten neoliberale Politiker ihre wahren Absichten und manipulierten das Volk. ..... Laut Lafontaine spricht die Linke die Sprache der Rechten. Und wie in George Orwells Roman diene Sprache heute zur Gehirnwäsche des Volks. ..... Lafontaine weiß also das Phänomen Sprache einzuschätzen. Seine Fremdarbeiter-Äußerung - ausgesprochen gut eine Stunde früher auf einer Demonstration ebenfalls in Chemnitz - rutschte ihm also nicht einfach so heraus. Vor rund 1.500 Zuhörern hatte der frühere SPD-Vorsitzende gesagt, weil der Staat verpflichtet sei, seine Bürger zu schützen, müsse er verhindern, 'daß Familienväter und Frauen arbeitslos werden, weil Fremdarbeiter zu niedrigen Löhnen ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen'." [Hervorhebung von mir]

Der "Stern" berichtet - im Rahmen eines Berichts vom 09.09.2005 über eine Fernsehdiskussion mit Joschka Fischer und Guido Westerwelle - ebenfalls über das Ereignis:
"Der ehemalige SPD-Vorsitzende Lafontaine hatte Mitte Juni auf einer Kundgebung in Chemnitz gesagt: 'Der Staat ist verpflichtet, seine Bürger und Bürgerinnen zu schützen, er ist verpflichtet, zu verhindern, dass Familienväter und Frauen arbeitslos werden, weil Fremdarbeiter zu niedrigen Löhnen ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen.' Die Aussage hatte Empörung in den anderen Parteien hervorgerufen. Kritiker warfen Lafontaine vor, die Vokabel 'Fremdarbeiter' sei nahe am Nazi-Jargon."
Aber natürlich wollte er es, nachdem die Kritik nur so auf ihn herabprasselte, denn doch nicht so gemeint haben:
"Linkspartei-Spitzenkandidat Oskar Lafontaine hat sich von seiner umstrittenen Äußerung über 'Fremdarbeiter' distanziert. Wenn der Eindruck entstanden sei, er habe etwas gegen osteuropäische Arbeiter in Deutschland sagen wollen, sei dies 'ein falscher Eindruck' gewesen, sagte Lafontaine in der ZDF-Sendung 'Der TV-Dreikampf'. 'Das nehme ich dann zurück.' Er habe etwas gegen die 'Ausbeuter' hier zu Lande sagen wollen, die diese Menschen zu Hungerlöhnen beschäftigten" lesen wir ebenfalls im gleichen "Stern"-Bericht über eine Fernsehdiskussion.

In der FAZ vom 03.07.2005 hatte es freilich noch geheißen "Lafontaine bekräftigt Äußerung zu 'Fremdarbeitern' ", doch ist auch dieser Artikel nicht kostenfrei zu haben, so dass ich mir weitere Recherchen verkneifen muss.

Ich will hier nicht der Frage nachgehen, wie weit rechts Lafontaine ggf. sich zu positionieren bereit wäre, und ob man überhaupt eine Position als rechts [mit angehängtem "-extrem" gedacht oder ausformuliert], bezeichnen (oder, in der Sprache von Herbert Marcuse: als solche "denuzieren") kann, welche die Zuwanderung aus anderen Staaten nach Deutschland beschränken will. Lassen wir ihm auch den "Fremdarbeiter" an Stelle des politisch korrekten "Gastarbeiters" (oder "ausländischen Arbeitnehmers") als Ausrutscher durchgehen.
Was bleibt ist in jedem Falle die Einsicht, dass Oskar Lafontaine ein Populist ist, bereit, dem Volk nach dem Maul zu reden - und vielleicht sogar dem Stammtisch zu Willen zu handeln? - wenn sich damit die Macht erobern lässt.

Auch Stimmen aus Oskars eigenem (also linken) Lager stehen seinem Populismus kritisch gegenüber. Otto Meyer schrieb z. B. schon vor Lafontaines Fremdarbeiter-Äußerung eine Analyse u. d. T.:
"Lafontaine − auf den ersten Blick links":
"Schade. Über einen Mitstreiter wie Oskar Lafontaine könnten sich alle an Emanzipation und sozialer Gerechtigkeit Interessierten nur freuen, wenn …, ja wenn bei diesem altgedienten SPD−Politiker nicht immer wieder und immer häufiger ganz andere Ideen zum Vorschein kämen. Störend wirkt nicht so sehr seine Eitelkeit und sein Drang zu einsamen Entscheidungen oder der Hang zu Selbstinszenierungen – erfolgreiche Politiker haben offenbar ohne ein gewisses Maß an Egozentrik kaum eine Chance, in unserer Kampagnen−Demokratie Aufmerksamkeit zu erringen. Schlimmer, geradezu gefährlich ist Lafontaines Sucht, die populistische Klaviatur zu bedienen. Wer immerzu »dem Volke« aufs Maul schauen will, gerät bald in den Sog, diesem »Volk« nach dem Munde zu reden, das heißt ihm bittere Wahrheiten zu ersparen und statt dessen mit leicht eingängiger Demagogie aus dem Arsenal der rechten Rattenfänger aufzuwarten."

Der "Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD" ("Was wäre, wenn Lafontaine ..") schätzt seinen Lager- (wenn auch wohl kaum Gesinnungs-Genossen) so ein:
"Lafontaine schreckt aber bekanntlich ... nicht davor zurück, sich ähnlicher 'Argumente' wie die Faschisten zu bedienen."

Mit dem Schauen und Argumentieren wird Lafontaine sich freilich kaum begnügen; schließlich ist er nach eigenem Eingeständnis ein Machtmensch. In einem Interview der Zeitschrift "Cicero" (ohne Datum; wohl vom November 2006) mit der Überschrift "Ich will den Generalstreik" antwortet er auf die Frage "Sie wollen uns erklären, dass Sie als absoluter Machtmensch nicht mehr nach einem Amt streben?":
"Exakt. Mein Ziel ist es, die politische Achse in Deutschland nach links zu verschieben. Aber eben weil ich ein Machtmensch bin, kann ich politische und gesellschaftliche Realitäten einschätzen. Die Aufgabe der Linken ist es in erster Linie, den neoliberalen Irrsinn zu stoppen. Es wird immer wieder der Fehler gemacht, in der Regierungsbeteiligung einen Selbstzweck zu sehen und nicht mehr nach den politischen Inhalten zu fragen." [Hervorhebung von mir]
Inhaltlich finde ich die Antwort insofern durchaus überzeugend, als man ja auch bei den "Grünen" sehen konnte, dass man im politischen Raum auch - oder sogar: gerade dann - etwas bewirken und verändern kann, wenn man nicht in der Regierungsverantwortung steht.
Im vorliegenden Zusammenhang interessiert der "Machtmensch". Darunter kann man sich vielerlei vorstellen; hauptsächlich wird der Begriff aber für Leute verwendet, die mehr oder weniger skrupellos alles tun, um an die Macht zu kommen, und denen die Macht wichtiger ist als Inhalte. Populisten also, wie beispielsweise auch Juan Domingo Peron oder den - nicht zu letzt seiner kleinen Größe wegen vergleichbaren - Silvio Berlusconi . [Teile des politischen Amerika fürchten sich anscheinend vor Populisten in Europa - vgl. mein Eintrag "Wir sind nochmal davongekommen ..... " -, aber mit Berlusconis Unterstützung von George Bushs Irak-Krieg ist die US-Regierung gar nicht schlecht gefahren. Ich vermute allerdings, dass die US-Geheimdienste genügend Material gegen Berlusconi in der Hand hatten, um jegliche Opposition gegen Bush zu einem politischen - und juristischen - Selbstmordkommando für ihn zu machen.]

Einem Machtmensch glaubt man besser nicht (alles), weil er selten ohne Hintergedanken spricht. Wie begründet Oskar Lafontaine die von ihm propagierte Legalisierung des Generalstreiks?
Die Frage "Das Abbilden von Vorschlägen wird nicht ausreichen, um das Gewerkschaftslager nachhaltig zu binden" beantwortet er mit:
"Natürlich nicht, und wir beschränken uns auch nicht darauf. Das ist einer der Gründe, warum wir das Recht zum Generalstreik fordern. In vielen europäischen Ländern ist der Generalstreik ein Instrument der Politik, und ich bin der Meinung, dass wir dieses Instrument auch in Deutschland brauchen. Denn wir haben alle Veranlassung zu fragen, warum die Gewerkschaften bei uns keine ordentlichen Lohnzuwächse mehr durchsetzen können. Wir haben bei den deutschen Löhnen eine katastrophale Entwicklung, die schlechteste aller Industriestaaten." [Hervorhebung von mir]

Nun sind ja wir Arbeitnehmer auch in Deutschland durchaus berechtigt, für höhere Löhne zu streiken; wie ein Generalstreik uns zu Lohnerhöhungen verhelfen soll, vermag ich nicht zu erkennen, und die Interviewer (Nils Aus dem Moore und Martina Fietz) haben leider darauf verzichtet, ihn in diesem Punkt festzunageln.

Auf seiner eigenen Homepage als MdB der Bundestagsfraktion "DIE LINKE" existiert leider keine Suchfunktion; anscheinend stellt er aber jedenfalls die Forderung nach einem Recht auf Generalstreik dort nicht besonders heraus. Bei Lafontaine "ad fontes" zu gehen, ist also zumindest in diesem Falle unergiebig. Die Rede im Deutschen Bundestag am 27.10.06 anläßlich des Antrags der Fraktion DIE LINKE „Für das Recht auf Generalstreik“, Bundestagsdrucksache 16/2681, durfte der Abgeordnete Werner Dreibus halten.

Wenn man sie liest, oder den Antrag selbst, ist man überrascht von der zahmen Sprache, mit welcher dieser doch eigentlich revolutionäre Versuch gestartet wird. Mich erinnert sie an jene Leserbriefe, welche ich 1993 bei einem mehrwöchigen Aufenthalt in Erfurt in der dortigen Presse las und deren zurückhaltender Sprachduktus bei mir, im Vergleich zu dem im Westen Üblichen, die Anmutung von "Herr Lehrer, darf ich etwas sagen?" auslösten.

Was ist schon dabei, wenn auch in Deutschland ein Recht (wieder) eingeführt werden soll, das in der Euroäischen Union [oder was sonst ist der Bezugsrahmen für den Vergleich?] nur noch in Dänemark und Großbritannien verboten ist? Und wenn es dann noch heißt "Gleichzeitig gilt in Deutschland im internationalen Vergleich die höchste Regelungsdichte beim Streik- und Tarifrecht", fragt man sich, ob man nicht im falschen Film sitzt, denn "zu hohe Regelungsdichte" beklagen doch sonst immer die Arbeitgeber? Nach Meinung eines Sachverständigenausschusses "verstößt das deutsche Arbeitskampfrecht mit seiner Begrenzung auf tariflich regelbare Ziele sowie das gewerkschaftliche Streikmonopol [sogar] gegen die Sozialcharta." Wer will eine solche Schande auf Deutschland sitzen lassen?
DIE LINKE jedenfalls nicht; sie meint, dass "die Bürgerinnen und Bürger stärker an politischen Meinungsbildungsprozessen und Entscheidungen beteiligt werden müssen, damit ihre Interessen von der Politik stärker wahrgenommen und berücksichtigt werden".

Gerade dieser letzte Satz ist an Schafspelzigkeit kaum noch zu überbieten. Bezogen auf die Forderung nach einem Recht auf einen (politischen) Generalstreik, könnte man durchaus in gleicher Weise von einer "Korruption der Sprache" (seines Denkens ganz gewiss nicht!) sprechen, wie Lafontaine sie den Neoliberalen vorwirft. Hier wird schon unterschlagen, dass die Arbeitnehmer zunächst einmal nicht die Gesamtheit der Bürgerinnen und Bürger bilden; sie stehen nicht nur in einem Interessengegensatz zu den Kapitalbesitzern, sondern z. B. (insbesondere die jüngeren unter ihnen) in einem ausgeprägten Interessenkonflikt gegenüber den Rente beziehenden Ex-Arbeitnehmern. Dass auch die Rentner im marxistischen Denken (mit guten Gründen) zweifellos ebenfalls der Klasse der Arbeitnehmer zugeordnet werden, ändert nichts daran, dass ihre Konsum-Nachtigall der Beitrags-Uhl der Arbeitenden ist.

Eine weitere sprachliche Verkleisterung ist es, wenn der Antrag als Ziel nennt dass "ihre Interessen [also die der Bürger] von der Politik stärker wahrgenommen und berücksichtigt werden" sollen. Schließlich hätten wir alle ja die Möglichkeit, unsere Wahlzettelkreuze in den Feldern der PDS oder WASG zu machen. Wenn wir es nicht tun, obwohl doch diese Partei (vermeintlich) die wahren Interessen der Wählermassen vertritt, müssen wir wohl völlig verblendet oder verblödet sein. Und wenn wir so verblödet oder verblendet sind: wie wollen wir uns da zu einem Generalstreik aufraffen, wenn wir nicht einmal unsere Wahlkreuze an der "richtigen" Stelle machen können?

MdB Dreibus säuselt in seiner o. a. Rede:
"Wenn Sie möchten, dass sich die Bürgerinnen und Bürger wieder stärker an der politischen Willensbildung beteiligen und sich für soziale Belange engagieren, dann müssen Sie auch die Möglichkeiten für die Bürgerinnen und Bürger ausweiten, ihre Meinung kundtun zu dürfen, ob es uns Parlamentariern passt oder nicht.
Indem Sie das tun, tun Sie zugleich auch etwas für die Demokratie: Wer die Möglichkeit hat, in existenziellen Fragen seine Interessen zum Ausdruck zu bringen, ent­wickelt ein positiveres Verhältnis zu unserer demokrati­schen Gesellschaftsordnung."


Auch der 2-seitige Flyer "Für das Recht auf Generalstreik", den die Fraktion zum Download anbietet, liest sich, als ob Kommunisten Volksfront-Kreide gefressen hätten. Einleitend wird ein Jesuit (Friedhelm Hengsbach)zitiert:
"Wer die Menschenrechte anerkennt, räumt der politischen Beteiligung beim Aufbau demokratischer Herrschafts- und Lebensformen einen vorrangigen Platz ein. Deshalb sind Konflikte zwischen sozialen Bewegungen und den Regierenden notwendig, um eine faire Verteilung des erwirtschafteten Reichtums und eine angemessene Beteiligung an den wirtschaftlichen Entscheidungsprozessen zu erreichen."
Dem Vergleich mit der Rechtslage in den anderen europäischen Staaten folgt das praktische Anwendungsbeispiel:
"Beispiel Kündigungsschutz: Die französische Regierung hatte nahezu zeitgleich mit der deutschen die Aufhebung des Kündigungsschutzes verlangt. In Frankreich haben die Gewerkschaften dagegen den Generalstreik ausgerufen, und die Bürgerinnen und Bürger daraufhin die Straße zur politischen Bühne erklärt. Diese Bewegung hat die französische Regierung dazu gezwungen, ihre Gesetzesinitiative zurückzunehmen. Die Reaktion in Deutschland könnte unterschiedlicher nicht ausfallen. Hier hatte die Große Koalition wie die Regierung in Frankreich angekündigt, den Kündigungsschutz für die ersten zwei Jahre nach Aufnahme einer Beschäftigung aufzuheben. Im Gegensatz zu den Franzosen mussten dies die Deutschen wie eine unvermeidliche Fügung des Schicksals stillschweigend hinnehmen. Erst als die deutschen Wirtschaftsverbände dieses Gesetzesvorhaben geschlossen ablehnten – weil ihnen die Pläne immer noch nicht weit genug gingen! - ..." wurde der Plan nicht umgesetzt. [Hervorhebungen von mir]
Also auch hier wieder: "Die Bürgerinnen und Bürger", nicht etwa nur (ein Teil der) Arbeiter sind es, welche "die Straße zur politischen Bühne" machen.
"Um die Menschen stärker zu politisieren, fordert DIE LINKE das Recht auf den politischen Streik, den Generalstreik ..." wird Oskar Lafontaine in dem Flugblatt zitiert. [Hervorhebung von mir]

In dem Bericht von ngo-online mit Lafontaine vom 02. Mai 2006: " 'Wirtschaftliche Macht verhindern'. Lafontaine proklamiert 'Recht auf Generalstreik' " heißt es u. a.:
"Der Vorsitzende der Links-Fraktion, Oskar Lafontaine, hat die Forderung nach einem Recht auf einen Generalstreik zum 'Kampfthema' einer vereinten deutschen Linken erklärt. Dies sei erforderlich, 'damit wir endlich auch in Deutschland Regierungen in die Knie zwingen können', sagte der WASG-Spitzenpolitiker am Sonntag auf dem Bundesparteitag der Linkspartei.PDS in Halle." [Hervorhebung von mir]
Na also, das ist doch schon deutlich deutlicher!

In einem Interview der Zeitschrift "junge Welt" vom 23.09.2006, das auf der Webseite der Fraktion "DIE LINKE." [warum setzen die eigentlich einen Punkt hinter ihre Bezeichnung; wollen die mit der Pünktchenpartei wetteifern?] veröffentlicht ist, sagt er u. a.:
"Das Parlament entspricht in wichtigen Fragen nicht dem Mehrheitswillen der Bevölkerung. Nehmen Sie die Einführung der Praxisgebühr, die Rente ab 67 oder den Bundeswehreinsatz im Libanon. Deshalb brauchen wir ein Instrument, wie sich der Souverän, also die Bevölkerung, wieder in sein Recht setzen kann, und dieses Instrument ist nach unserer Meinung der Generalstreik. Wir müssen lernen, französisch mit der Regierung zu sprechen! In unserem Nachbarland wurde es dieses Frühjahr mit Streiks geschafft, die Pläne der Regierung zur Einschränkung des Kündigungsschutzes vom Tisch zu wischen. Es ist nicht einzusehen, daß die Deutschen nicht dasselbe Recht haben sollen wie die Franzosen oder andere Europäer."
Da rufen wir also immer dann, wenn das Parlament etwas anderes beschließt als (nach unserer Meinung) dem Mehrheitswillen entspricht, den Generalstreik aus? Wenn wieder mal ein kleines Mädchen von einem Sexualverbrecher bestialisch umgebracht wird - streiken wir dann für ein "Rübe-ab-Gesetz"?
Natürlich nicht; wir streiken für das, wofür unsere gewerkschaftliche Avantgarde, deren Spitzenfunktionen sukzessive möglichst von Oskars Getreuen zu besetzen wären, uns auf die Straße schickt.

Bei den Franzosen, welche Herr Lafontaine so vorschnell als leuchtendes Beispiel für Arbeitermacht anführt, "streiken" auch andere, bzw. "machen die Straße zur politischen Bühne": Bauern etwa, oder auch kleine Ladenbesitzer, haben in der Vergangenheit durchaus erfolgreich ihre Partikularinteressen, die keineswegs mit denen der Arbeitnehmer identisch sind, auf der Straße durchgesetzt. In der Agrarpolitik spüren wir das heute noch in ganz Europa am Geldbeutel und an den Leistungen, welche speziell wir in Deutschland dafür an die EU abdrücken müssen.

Aber mit der Solidarität als solcher hat es Oskar Lafontaine ja ohnehin nicht so: er ist gegen "Fremdarbeiter" (s. o.) und war z. B. auch ein Gegner der deutschen Wiedervereinigung, die ja seinerzeit in den alten Bundesländern bei sehr vielen Menschen wegen der befürchteten materiellen Lasten unpopulär war. Brüder und Schwestern sind für ihn zuerst jene, welche das Kreuz auf dem Wahlzettel machen können - oder für das auf die Straße gehen, was er ihnen als ihren Interessen entsprechend einreden kann. Und eines Tages dann für ihn selbst?

Auch seine Lagergenossen von der Webseite "Arbeitermacht" sehen ihn nicht als Gesinnungsgenossen. "Wofür steht Oskar Lafontaine?" fragte Gerald Waidhofer im Februar 2006 und kam zu dem Schluss:
"Die Einschätzung Lafontaines anhand von Spekulationen zu seiner Persönlichkeit mag die Spezialität bürgerlicher Presse sein. Aus marxistischer Sicht stellt sich aber die Frage, für welche sozialen Kräfte und politische Praxis er steht. Für seine klassenübergreifende Politik und sprunghafte Positionierung ist die Zeit vorbei. Lafontaine ist heute eine Symbolfigur keynesianischer Nostalgie, des Trends zurück zum traditionellen sozialdemokratischen Reformismus und damit ein Hoffnungsträger der reformistischen und vieler gewerkschaftlich organisierter ArbeiterInnen. Er bedient deren reformistische Illusionen. Objektiv dient Lafontaine damit dem Projekt, die WASG bzw. die neue Linkspartei zu einer Neuauflage der alten SPD zu machen - allerdings unter Bedingungen einer vertieften allgemeinen Krise des Kapitalismus und schwindender Spielräume des Reformismus. Lafontaine ist nicht nur ein Reformist mit Verspätung, sondern auch einer mit dem Wunsch nach Umkehr. Er ist das manchmal noch einmal aufleuchtende Schlusslicht am Zug der deutschen Sozialdemokratie."

Je nach dem, wie sich die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse (welche aus meiner Sicht wahrscheinlich mittelfristig von dem Aspekt der Ressourcenverknappung beherrscht sein werden) entwickeln, kann sich so ein Schlusslicht aber ganz schnell zur Avantgarde einer neuen populistischen Diktatur entwickeln. Ein Generalstreik muss nicht in jeder Situation Negatives bewirken (immerhin hat ein solcher 1920 den Kapp-Putsch - mit - verhindert).
Dennoch: wer unter den gegenwärtigen Bedingungen den Generalstreik als Korrektiv zum Parlamentarischen Entscheidungsprozess fordert, dürfte in aller Regel längerfristig das Ziel einer Unterwanderung gerade jener 'Formaldemokratie' haben, welche die Arbeiter 1920 verteidigt haben.

Dies trifft ganz zweifellos auf unseren als SPD-Parteivorsitzenden ebenso wie als Finanzminister gescheiterten Saar-Napoleon zu.
Vielleicht sollten wir ihn, so lange noch Zeit ist, ehrenvoll als Botschafter der Toskana-Fraktion auf die Insel Elba verschicken?


Textstand vom 27.11.2006. Auf meiner Webseite
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Google und die Blogger: brüderliche Umarmung oder laokoontische Umstrickung?

Mein Weblog-Provider "Blogger" gehört zum Google-Konzern.

In letzter Zeit erscheint immer dann, wenn ich mein "Dashboard" anklicke (also jene Seite, von welcher aus der Blogger Einträge posten bzw. ändern oder löschen kann) ein Vorspann "Your new version of Blogger is ready!"
"The new version of Blogger now has all the original features you're used to, plus new post labels, drag-and-drop template editing, and privacy controls. And, it's a lot more reliable. After you switch you'll need to sign in with your Google Account, but your blogs will stay the same. Their content and layout will not change" lockt die Werbung, und endet mit der (linkunterlegten) Aufforderung:
"Switch to the new version".

Klickt man diesen Satz an, erfährt man auf der nächsten Seite

1) dass es sich um eine Beta-Version, also noch gar kein ausgereiftes Produkt handelt. Das berührt mich schon merkwürdig, wie hier doch recht aggressiv für eine (möglicher Weise) unausgereifte Sache geworben wird.

2) dass man ein "Google-Konto" benötigt. Ist das des Pudels Kern? Das heißt, wollen die mich auf diese Weise in ihre "Community" hereinziehen und einbinden um dann, auf welche Weise auch immer, an mein Geld zu kommen?
Dass sie an mir verdienen, indirekt über Werbung, lasse ich mir ja noch gefallen: umsonst ist der Tod, wie der Volksmund sagt, und selbst der kostet die Beerdigung. Auch Google ist keine karitative Einrichtung und muss natürlich Geld verdienen, um mir und anderen den - für mich - kostenlosen Blogspace zur Verfügung zu stellen. Dafür bin ich durchaus dankbar, und wenn man irgendwo auf Werbung trifft - weiß man ja, wie man damit umzugehen hat.
Falls die mir freilich direkt in die Tasche langen wollen, würde ich doch etwas allergisch werden.
Jedenfalls: auf irgendeine Weise ist die Firma zweifellos weniger daran interessiert, mich mit den verbesserten Features der neuen Version zu beglücken, sondern diese sind nur der Käse, mit welchem die Maus in die Falle gelockt werden soll. [Diese ganzen neuen Möglichkeiten verstehe ich ohnehin kaum, und was ich mir wünschen würde, nämlich das automatische Erscheinen eines "Permalinks" bei den einzelnen Einträgen - von denen ich leider nicht kapiert habe, wie ich die sonst in meinen Blog einfügen kann - wird anscheinend nicht angeboten.]
Welche Falle freilich die Google-Blogger-Strategen für mich und meinesgleichen vorbereitet haben: das wüsste ich denn doch zu gern.

3) Auf jeden Fall ist es eine irreversible Falle, denn man erfährt auch (so ehrlich sind die immerhin):
"Sie können diesen Vorgang nicht 'rückgängig machen'. Ihre Blogs und Profile bleiben unverändert – aber Sie können nicht zur alten Blogger-Anwendung zurückkehren."

Laokoontisch wäre die Umschlingung, weil sie den Surfer mit Haut und Haaren zu umfassen sucht wie die Seeschlange den trojanischen Priester Laookoon und seine Söhne. Und mit einem Danaergeschenk hat die Geschichte auch zu tun.
Und ontisch wäre sie ebenfalls, versucht sie doch anscheinend, unser ganzes virtuelles Sein zu umfassen.

Solche Heidegger- und Seeschlangen-verseuchten Untiefen meidend, navigiert Canabbaia vorerst lieber in jenen vertrauten Gewässern, wohin ihm nach einem Wechsel die Rückkehr versperrt wäre.
Denn Cangrande weiß: "Tanto va la gatta [bzw. hier: il gatto] al lardo, che di lascia lo zampino". Auf Deutsch also: Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er seinen Münzschatz dort deponiert. Oder so ähnlich.


Nachtrag vom 03.01.2007:
Die Blogger sind für Google allenfalls ein Zubrot. Was die sonst noch umarmen oder umstricken wollen, kann man z. B. in dem heutigen Handelsblatt-Artikel "Google packt die Welt ins Netz" nachlesen.

Bereits am 22.12.2006 verabreichte Google-Chef Eric Schmidt in einem Handelsblatt-Interview mit Dirk Heilmann und Axel Postinett (Titel: „Warum denn nicht die Deutschen?“) den Europäern und den Deutschen Seelenbalsam.

Und eine frohe Botschaft, verkündet (im Handelsblatt jedenfalls) am Heiligen Abend im Jahre 2006 des Herrn, lautete: "Wikipedia-Gründer startet Anti-Google". Jimmy Wales will's noch mal wissen. Schön wär's ja, wenn ihm auf dem Gebiet der allgemeinen Websuche etwas ähnlich Großartiges gelingen würde wie die Wikipedia.


Seien wir aber gerecht: Die Google-Suchergebnisse sind, wie mir scheint, in den meisten Fällen die besten aller Suchmaschinen, sogar auch beim Durchsuchen von Blogs, obwohl es doch auf diesem Gebiet den Spezialanbieter Technorati gibt(s. a. "Ey ihr Leut': was ist denn bloß mit Hilmar Kopper s Kopfbedeckung los?").
Die Landkartensuche funktioniert geradezu traumhaft (besonders in der Kombination von Satelliten- und Kartenbild).
"Google Book Search" dürfte ein Quantensprung für die Informationssuche sein (nur leider fehlt mir die Zeit, um mich mit den gigantischen Finde-Möglichkeiten in den Buchtexten aller Länder, Völker und Zeiten zu befassen). Die Nachrichtensuche, und darin wiederum die Möglichkeit, sich Meldungen zu selbst gewählten Stichworten schicken zu lassen - Herz (oder besser: Hirn), was willst du mehr?

Und Google Scholar erst - nun, das ist wohl intellectually beyond my reach. (It's probably indicating a form of escapism that I start thinking in English whenever things get a little embarrassing for me.)

Freilich, aus anderer Perspektive betrachtet, kann man ob all dieser Angebote nur seufzen: Schlaf, wie kann man dich überlisten?


Nachtrag vom 15.04.07: Es ist soweit; jetzt wird der Wechsel zur neuen Version erwzungen - vgl. meinen Eintrag "DER GOOGLE-GULP" vom 15.04.07.


Textstand vom 15.04.2007. Auf meiner Webseite
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J'accuse

Aber nicht nur die Eigentümer dieses Teer-"Gartens" (in Wächtersbach).

Wir alle sind dabei, die gesamte Erde für den nicht-menschlichen Teil der lebenden Natur [etwas umständlich formuliert, aber ich bin zur Präzision verpflichtet] unwohnlich zu machen. Dafür haben wir zwar bessere Gründe als die Besitzer dieses Teergartens; das Ergebnis freilich ist das gleiche.
Wächtersbach als Spiegel der Welt. Nicht nur bei Regen und auch nicht deshalb, weil hier ein Globus steht (über den ich schon früher berichtet habe).

Um aber noch einmal auf die Abbildung zurück zu kommen:
Rasen-Vorgärten bieten zwar auch keinen Raum für die Entfaltung einer großen Vielfalt von Lebewesen*, und wurden deshalb auch schon als "The biological pavement known as lawns" bezeichnet. Doch machen sie wenigstens den Boden nicht gänzlich undurchlässig für Niederschläge.
* Zum Thema Rasen-Gärten vgl. jetzt auch den Blott "Pervs are us?".


Textstand vom 17.02.2010. Auf meiner Webseite
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Donnerstag, 23. November 2006

Motzen: manchmal hilft's (?)

Am 28.06.2006 hatte ich eine E-Mail mit folgendem Text an das Handelsblatt geschickt:

"[Ich] speichere ... gern Links zu interessanten Artikeln in der Favoritenliste meines Browsers ... . Das aber ist bei Handelsblatt-Links ein äußerst mühseliges Unterfangen. Wegen der Länge der Titel (oder wie man das nennt, was dann als Text in den Favoriten erscheint) kann man sie nicht einfach in irgendeinen Ordner (oder gar Unter-Unter-Unter...-Ordner) reinziehen und das nicht einmal auf der ersten Ebene. Man muss also umständlich mit der Funktion 'Hinzufügen' arbeiten, und selbst dann erscheint der Link nur, wenn ich die Operation wiederhole - und nur in der 1. Ordnerebene. Ich muss ihn also ... anschließend noch in den richtigen [Unter-]Ordner verschieben. Das ist mühseliger, als wünschenswert, und ich gebe es langsam auf. Was wiederum nicht im Interesse der Leserbindung sein kann; außerdem verlinke ich auf meinen Webseiten und in Foren usw. öfter mal zu HB-Artikeln, an die ich mich erinnern kann und die ich in meinen Favoriten gespeichert habe. Das würde auf die Dauer entfallen, wenn ich die Lust am komplizierten Speichern verliere und somit später die Artikel nicht mehr greifbar habe."

Eine Antwort habe ich nicht erhalten, aber seit einiger Zeit nun schon enthalten die Header (? Ist das der richtige Ausdruck für jenen Text, der in den Favoriten erscheint?) nicht mehr den früheren Rattenschwanz von Redaktionsressorts, sondern beschränken sich auf den Titel.
Und seitdem kann man sie problemlos in den Unter-Unter-Unter-Unter-Ordner der Favoritenliste ziehen.

Danke sehr!


Textstand vom 11.11.2007. Auf meiner Webseite
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Mittwoch, 22. November 2006

Mein Ressourcenpessimismus gehört mir!

Natürlich bin ich nicht der erste, und schon gar nicht der einzige, Ressourcenpessimist auf der Welt. Trotzdem erhalte ich für diese Sorte von Zeitgenossen nur einen Google-Treffer: meinen eigenen halt, im Blog-Eintrag vom 31.12.05 (leider keine Silvesterscherze, eher geistiges Bleigießen) u. d. T. "EINE NATUR GIBT ES NICHT. EINE UMWELT(PROBLEMATIK) AUCH NICHT". Und auch der Ressourcenpessimismus erfreut sich keiner großen Beliebtheit; jedenfalls nicht als Begriff. Selbst wenn ich ihn, zwecks Ausschöpfung aller denkmöglichen Schreibweisen, als zweigeteiltes (mit Bindestrich verbundenes Wort) suche, lande ich nur drei Treffer - bei mir selbst (12/10: mit Bindestrich keinen einschlägigen Treffer; ohne Bindestrich 12 Treffer, größtenteils von mir).


Da stellt sich die Frage, welchen Gattungsbegriff man sonst in der deutschen Sprache für diese Sorte von Zeitgenossen verwendet? Oder ob man überhaupt kein Bedürfnis verspürt, die Ressourcenpessimisten als solche zu klassifizieren?
Da ist man uns im anglophonen Sprachraum (also vor allem in den USA) wieder einmal meilenweit voraus:
Mit "depletionist" erntet man 370 Treffer (12/10: 970) (12/2011: ).
Vergebens aber sucht man im Online-Lexikon "LEO" eine deutsche Übersetzung.
 "Alarmist" zeitigt knapp 1,5 Mio. Treffer (12/10 allerdings nur noch: 634.000) (12/2011: 2,2 Mio.). Der Begriff wird aber nicht nur für den Ressourcen- oder allgemeiner den Umweltpessimismus angewendet. Deshalb kann er auch nicht spezifisch übersetzt werden, sondern nur ganz allgemein (LEO: "Bangemacher, Kassandra, Schwarzseher, Unke ...").

Macht nichts: so gehört halt der Ressourcenpessimusmus mir allein - noch.

Das heißt: so ganz nun auch wieder nicht. Er ist schließlich lediglich die deutsche Übersetzung des englischsprachigen "resource pessimism"; entsprechend auch "ressource pessimist".
Und diese beiden haben hübsche Zuwachsraten zu verzeichnen [bzw. hatten vor dem Stand02.12.07]. In dem oben erwähnten Eintrag "EINE NATUR GIBT ES NICHT ... " hatte ich die seinerzeitigen Trefferquoten erfasst (und habe sie numehr hier aktualisiert) (ab 12/2011 gerundete Werte):

"environmental pessimism" = 202; jetzt: 1.120 (!) // 02.12.07 = 545 (gleichfalls eine verblüffende Verminderung). (12/10: 1.620) (12/2011: 3.400)

"environmental pessimist" = 30; jetzt: 363 (!) // 02.12.07 = nur noch 96. Ob die Schwundraten bei den Alarmisten (Stand 12/07) ein gutes Zeichen sind? (12/10: 344) (12/2011: 600)

"resource-pessimism" = 52; jetzt: 113 // 02.12.07 = 131 (12/10: 390) (12/2011: 400)

"resource pessimist" = 29; jetzt: 76 // 02.12.07 = 8 (nanu, wo ist denn der Rest geblieben? Haben die sich alle ins Lager der Cornucopians geschlagen?) (12/10: 100) (12/2011: 200)


Im Deutschen finden wir folgende Häufigkeitsentwicklung:

"Ressourcenpessimist": per 02.12.07 lediglich Treffer in Texten bei oder von mir. (12/10: 13 Ergebnisse, aber fast alle von mir)  (12/2011: 60)

"Ressourcenpessimismus" = 8 Treffer per 02.12.2007 (in der Schreibweise mit Bindestrich sogar nur 7), aber die stammen, mit einer Ausnahme, sämtlich aus meinen eigenen Texten. (12/10:  2 oder 3 fremde Treffer, der Rest von mir) (12/2011: 60)

"Rohstoffpessimist" = 0 Treffer per 02.12.07 (12/10 = 9, dav. 2 bei mir) (12/2011: 30)

"Rohstoffpessimismus" = per 02.12.2007 nach wie vor -2- Treffer. (12/10 = nur eigene (12/2011: 4 - alle von mir)

"Rohstoff-Pessimismus", also in der Schreibweise mit Bindestrich, fördert per 02.12.2007 -3- Treffer zutage (darunter auch die beiden in einem Wort geschriebenen). (12/10: nur eigene (12/2011: 4, dav. 3 eigene)

"Rohstoff-Realismus" = 0 per 02.12.07 [Das glaube ich gern, dass wir auf diesem Gebiet nur träumen!] (12/10 unverändert) (12/2011: -2- eigene)

"Rohstoff-Realisten" gibt es per 02.12.07 im Internet nicht. (12/2011: -2- eigene)

"Rohstoff-Realist" ebenfalls trefferlos. (Dito 12/10, außer Treffer bei mir) (12/2011: 2 eigene)

"Umweltpessimist" (5 Treffer) - deren Zahl ist sogar auf 4 geschrumpft, und zwei davon bin ich. // 02.12.07: jetzt 16 Treffer, aber davon eine ganze Reihe aus meinen Texten. (12/10 = 2 Treffer außer meinen eigenen) (12/2011: 130)

"Umweltpessimismus" (17 Treffer) - jetzt 24 // 02.12.07 = 19. (12/2011: 160)
In 12/10 finden wir 63 Treffer , davon zwar einige bei mir, aber doch auch eine ganze Reihe fremde (die allerdings wohl vorwiegend aus dem vorigen Jahrtausend). Einem dieser Treffer, nämlich dem Endbericht "Umwelt und Gesundheitdes Büros für Technikfolgenabschätzung aus dem Jahr 1999, entnehme ich ein Sekundärzitat, dass ich hier für mich aufbewahren möchte:
"Der Zusammenhang zwischen theoretischem Umweltpessimismus und dessen  emotionaler  Verarbeitung  ist  kompliziert  und  zum  Teil  schwer durchschaubar. Jedenfalls treten die bei  Befragungen geäußerten negativen Umweltperspektiven nur parziell unmittelbar unter dem Bild von Furchtaffekten oder Angststimmungen zutage."
Als ursprüngliche Quelle dieses Zitates wird das Buch "Unangemessene und berechtigte Umweltängste -Erkenntnisstände, Erklärungsansätze und Kontroversen" von einem gewissen 
RICHTER, H.-E. angegeben, erschienen 1997 in Gießen1997.

[Der nachfolgende Textteil stammt aus der Zeit vor meiner statistischen Erhebung vom 02.12.07:]
Vorab stellt sich allerdings die Frage, ob nicht die Steigerung der Trefferzahlen ganz allgemein der zunehmenden Einstellung von Texten ins Internet zu verdanken ist, also nicht ein spezifisches gesteigertes Problembewusstsein indiziert, sondern einfach einen umfangreicheren Textkorpus. Das vermute ich auch im Prinzip; in diesem Falle müsste die Steigerung schon dramatisch sein , um eine stärkere Fokussierung des gesellschaftlichen Diskurses auf das jeweilige Thema anzuzeigen. Die Begriffe "environmental pessimism" oder gar "environmental pessimist" kämen also vielleicht als derartige Indikatoren in Betracht.

Für den Begriff "Rohstoffpessimismus" gibt Google ganze -2- Treffer aus. Einer davon ist recht interessant, nämlich einer Dokumentation der Vorträge auf dem BDI-Kongress "Rohstoffsicherheit – Herausforderung für die Industrie
8. März 2005 in Berlin
" entnommen. Verwendet wird das Wort "Rohstoffpessimismus" dort von Prof. Dr. Friedrich-Wilhelm Wellmer, "Präsident Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), Hannover, und Niedersächsisches Landesamt für
Bodenforschung (NLfB
" in seinem Vortrag "Verfügbarkeit von Rohstoffen" (S. 41/42). Dort führt er u. a. aus:
"Wenn die Preise steigen, wie jetzt in dem Rohstoffboom, merkt der Kunde Knappheiten von Rohstoffen. Dann wird immer wieder die Frage gestellt: Haben wir nicht mehr genügend Reserven, genügende Lagerstätten? Um gleich die Antwort vorwegzunehmen: Wenn wir Knappheiten am Markt merken, hängt das nie mit geologischen oder Lagerstättenverfügbarkeiten zusammen, sondern mit Engpässen bei den technischen Verfügbarkeiten, den Bergwerkskapazitäten und den Transportkapazitäten." [Hervorhebung von mir]

Beim "hängt" hakt seine Argumentation in meinen Augen. "Hängt" ist Präsens, und für die Gegenwart (erst recht für die Vergangenheit) ist das ja auch richtig. Leider sagt uns Prof. Dr. Wellner nicht, wie lange man aus geologischer Sicht - nach derzeitigem Kenntnisstand - noch von einer relativ unbegrenzten Rohstoffverfügbarkeit ausgehen kann.
Andererseits ist seine Argumentation, sofern man den ersten Satz "Grund für einen Rohstoffpessimismus aus geologischer Sicht gibt es nicht, solange der Marktmechanismus funktioniert" als deren Kern verstehen will, bei einer bestimmten Interpretation unbestreitbar richtig - weil nämlich tautologisch. So lange der Marktmechanismus funktioniert, kann der Markt im Spiel von Angebot und Nachfrage zwangsläufig immer die passende, d. h. die zu Marktpreisen nachgefragte, Menge an Rohstoffen liefern. Das Zeug wird dann einfach irgendwann derart teuer, dass es (fast) niemand mehr kaufen kann. Und schon sind, wie bei Gold, Diamanten usw. ja auch, ausreichend Rohstoffe auf dem Markt, um die marktwirksame Nachfrage (und nur die kommt in Betracht, wenn man von einem Funktionieren des Marktmechanismus spricht) zu befriedigen.

Einen "Rohstoffpessimist" kennt Google gar nicht.

Der zweite Text mit "Rohstoffpessimismus" findet sich im Jahresbericht 2002 der Wirtschaftsvereinigung Bergbau. Aber nur als ein historisches Phänomen:
"Anfang der siebziger Jahre hatte der „Club of Rome“ mit dem Aufzeigen von „Grenzen des Wachstums“ die Erschöpfung wichtiger Rohstoffe prognostiziert. In diese Phase des Rohstoffpessimismus fielen zudem zwei Ölkrisen mit weitreichenden Folgen für alle Rohstoffproduzenten" heißt es dort.

Der einzige Ressourcenpessimist im deutschsprachigen Raum kann also zum Schluss kommen: Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff!


Nachtrag 10.05.07: "Ressourcen-Realismus" ergibt -4- Treffer, die aber beide nichts mit Rohstoffen zu tun haben (ohne Bindestrich nur -1- Treffer). (12/2011: 4, davon -2- eigene)
"Rohstoff-Realismus" = -0- Treffer (12/2011: 2 eigene)
ebenso -0- für "Ressourcen-Realist" (12/2011: 2 eigene)
und auch -0- "Rohstoff-Realist" (12/2011: 2 eigene).


Nachtrag 13.11.07
Über Ressourcenpessimismus (und auch über zeitweisen Ressourcenoptimismus) im Laufe der neueren Geschichte informiert auch die Semesterarbeit "Veränderung in der Vorhersage und Wahrnehmung einer Verknappung mineralischer Rohstoffe" von Christian Marthaler, Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich aus dem Jahr 2007.


Nachtrag  05.12.10
Leider haut mir Google bei den Links immer die Anführungszeichen weg; wenn wer meine Suche präzise nachverfolgen will, müsste er/sie diese also jeweils bei dem Suchwort ergänzen.






Textstand vom 02.12.2011. Auf meiner Webseite
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Samstag, 18. November 2006

Old Silverhair im FAWIMEER (jetzt: AQUASALIS-THERME - Salzwasser-Therme)

Der Reim in der Überschrift ist kein echter, und auch jenes Wasser, auf dessen Oberfläche ich wie auf einem Wasserbett fast reglos auf dem Rücken ruhte, war kein Meerwasser, wenngleich mindestens ebenso salzhaltig.
Trotzdem, und obwohl es hier auch keine Wellen gibt: einen flüchtigen Augenblick lang, for a fleeting moment of happiness, stellte sich jenes Glücksgefühl bei mir ein, wie ich es in früheren Jahren bei Strandurlauben in Italien empfunden hatte, beim Dahintreiben des schwerelosen Körpers vor mediterranen Küsten. Am intensivsten war dieses Erlebnis wohl beim ersten Mal gewesen, in jener flachen Bucht bei Marina di Campo in der Gemeinde Campo nell'Elba, bei der schon die Annäherung die Stimmung steigerte, weil sie nur über einen schmalen Fußweg durch dichte duftende Macchia zugänglich war.

Freitag, 17. November 2006

Fridolin Dachs, Adam Riese und die Zeithorizonte der Dax-Generation

Vor vielen, vielen Jahren (zu einer Zeit, als es gar nicht lustig zuging in Deutschland) erschien in diesem unserem Lande ein Kinderbuch. Das trug den Titel "Fridolin, der freche Dachs" und wurde verfasst von Hans Fallada.
Weil er es wohl zu Weihnachten bekommen hatte, las auch der kleine Cangrande dieses Buch. Das ist nun schon so lange her, dass er sich kaum noch an den Inhalt erinnert.
Von Zeit zu Zeit denkt er aber doch schmunzelnd an eine Episode, die von der Rechenschwäche der Mutter von Fridolin Frechdachs handelt. Die hatte nämlich ursprünglich 8 (oder so) Kinder. Einige von diesen wurden von den Fressfeinden der Dachse aufgefressen, aber das merkte sie zunächst garnicht. Sie konnte nämlich nur bis 5 (?) zählen.
[Da das Buch 1944 erschien, lässt sich diese Episode vielleicht sogar als eine subtil versteckte Kritik an den Nazis deuten, aber das hier nur nebenbei.]

Unter uns Menschen sind heute die Rechenkünste weitaus höher entwickelt. Dennoch hilft uns die Fähigkeit zur Realitätsverweigerung, jene Fakten auszublenden, welche wir nicht wahrnehmen wollen.

Zwei oder drei große Herausforderungen stellen sich heute mehr oder weniger für die gesamte Menschheit:
- die Klimaänderung
- die Verschiebung in den Alterspyramiden der Staaten, bei der die "Pyramiden" in vielen Gesellschaften zum Brummkreisel mutieren und
- die Verknappung der nicht erneuerbaren Ressourcen, zuerst und besonders deutlich beim Erdöl spürbar (aber längerfristig nicht darauf begrenzt).

Ob die Änderung der demographischen Struktur, die ja letztlich die Bevölkerungen reduzieren werden, überhaupt eine Gefahr ist, bezweifle ich. Eher erscheint mir dieser Trend als Manifestation eines vernünftigen Selbstregelmechanismus, Manifestation einer unbewussten Vernunft könnte man auch sagen, oder auf Englisch: A blessing in disguise. Aber nicht um diese inhaltliche Dimension geht es mir hier, sondern um jene merkwürdigen Unterschiede, die man in der gesellschaftlichen Debatte über die drei o. a. Themen beobachten kann.

Beim Altersaufbau stellen wir Berechnungen über dessen voraussichtliche Entwicklung, über die Wirtschaftsentwicklung und über die Höhe der Rentenversicherungsbeiträge für Zeiträume bis 2030, 2040 oder gar 2050 an. Und die Politik versucht schon jetzt, Gegenmaßnahmen einzuleiten, um der erwarteten Rentenkrise zu steuern.

Beim Klima denken wir sogar bis zum Jahr 2100 voraus: Wird die im Kyoto-Protokoll beschlossene Verminderung der Emission von Treibhausgasen ausreichen, um größere Schäden zu verhindern? Oder verplempern wir viel Geld für unwirksame Maßnahmen? Auch hier interessiert mich nicht diese inhaltliche Dimension, sondern die Langfristigkeit unserer Vorausschau und Vorausplanung.

Auffallend anders verhält es sich bei der Diskussion über die Erdölvorräte - Stichwort "Peak Oil" - und die anderen nicht erneuerbaren Ressourcen. Gewiss: an mahnenden und weit vorausschauenden Stimmen fehlt es auch auf diesem Gebiet nicht. Aber eine Omnipräsenz im gesellschaftlichen Diskurs und in der politischen Auseinandersetzungen hat die Gefahr einer drohenden Ressourcenverknappung nicht erreicht. Und wird sie vielleicht erst dann erreichen, wenn sie tatsächlich eingetreten ist. Warum rechnet die Gesellschaft insgesamt, d. h. insbesondere die mehr oder weniger offiziellen Organe der Gesellschaft (Politik, wissenschaftliche Forschungsinstitute) nicht den Verbrauch an nicht-erneuerbaren Rohstoffen wie Erdöl, Erze und anderen Mineralien in ähnlicher Weise hoch, und versucht einen Vergleich mit den vermutlichen Vorräten, wie das die Wirtschaftswissenschaft z. B. mit den Alterkohorten tut? Warum hat dieses Thema in den Medien nicht die gleiche Präsenz wie der Klimawandel und der Geburtenrückgang?

Die Erklärung - die ich hier lediglich im Sinne einer Hypothese anbiete - könnte darin liegen, dass wir es auf diesem Gebiet mit einem Trend zu tun haben, den wir zwar ein wenig verlangsamen (oder beschleunigen), aber letztlich nicht entscheidend aufhalten (und schon gar nicht umkehren) können.
Wir verbrauchen, was wir brauchen (oder zu brauchen glauben). Eine Rationierung ist so lange unrealistisch, wie die Krise nicht da ist. Man ist versucht, diesen Satz fortzuführen und zu sagen: "Aber dann kommt sie zu spät." Letztlich kommt sie aber insoweit immer "zu spät", als die Menschheit sich dadurch lediglich einen Zeitaufschub erkaufen könnte.
Die gesamtgesellschaftliche Realitätsverweigerung in Sachen Ressourcenverknappung könnte also aus der - bewussten oder unbewussten - Einsicht in die Aussichtslosigkeit und Unmöglichkeit von dauerhaft wirksamen Gegenmaßnahmen liegen.
Während man sich beim Klimawandel wenigstens theoretisch vorstellen kann, dass wir die Emissionen mehr oder weniger gegen Null fahren, ist das beim Ressourcenverbrauch nicht vorstellbar und tatsächlich unmöglich.

Und also machen wir die Augen zu wie die Reisenden auf der Achterbahn. Bei dieser allerdings geht es auf und ab. Bei unserer ökonomischen Reise gibt es, wenn der Zenit überschritten ist, nur noch eine Richtung: nach unten.


Nachtrag vom 18.11.06:
A Rising Tide of Public Awareness?

Mehr und mehr glaube ich in der letzten Zeit Hinweise darauf zu finden, dass auch die Rohstoffproblematik stärker ins öffentliche Bewusstsein rückt.
So macht sich zwar der Handelsblatt-Mitarbeiter Ingo Narat in seinem Beitrag vom 10.11.06 "Die Düstermänner raten zum Ausstieg aus den Börsen" zunächst (zwar nicht ausdrücklich, aber doch aus der Art seiner Schilderung erkennbar) über die Horrorszenarien der Schwarzseher lustig.
Aber am Schluss kommt eine überraschende Wende, wenn er sagt:
"Die Düstermänner raten zum Ausstieg aus den bald kollabierenden Börsen. Sie greifen zum Rettungsring Rohstoffe und Gold – Hardcore-Vertreter empfehlen sogar den Bau eines eigenen Bunkers, für die Zeit, in der der Mob auf den Straßen tobt. Anleger mit Realitätssinn werden die Phantasmen und Panikmache der Master of Desaster belächeln. Dennoch: Die erwähnten Risiken sind real." [Hervorhebung von mir]

Auch in der Wochenendbeilage "Mobile Welt" für (vermutlich) verschiedene Zeitung (die ich immer dann in die Finger bekomme , wenn wir am Wochenende Richtung Fulda oder in die Rhön reisen und ich am Fuldaer Bahnhof die Fuldaer Zeitung kaufe) finde ich in dem Kommentar "Hybrid oder Diesel" von Volker Feuerstein einen verblüffenden Schlussabsatz (verglichen mit dem, was man bisher in derartigen Medien zur Ressourcenthematik - nicht - lesen konnte):
"Auf die Dauer allerdings wird keiner der Konkurrenten [d. h. Hybridantrieb bzw. Dieselantrieb für Automobile] bestehen können, zeichnet sich doch bei langfristiger Betrachtung ab, dass die Treibstoffpreise in absehbarer Zeit extreme Höhen erreichen werden und irgendwann die Ölvorräte ihrem Ende entgegen gehen. Das kann viel schneller passieren, als wir heute annehmen, schließlich hat die Entwicklung der jungen Industriestaaten, an der Spitze China und Indien, eine Dynamik erreicht, die sich immer mehr beschleunigt." [Hervorhebungen von mir. Im Internet ist der Artikel übrigens nicht zu finden.]

Nachtrag vom 20.12.06:
Ingo Narat ist anscheinend der Chefpessimist (was ich gar nicht negativ meine, auch wenn es so klingt; schließlich teile ich ja seine Auffassungen bzw. bin eher noch pessimistischer) beim Handelsblatt.
In seinem Artikel "Asien: Risiken Reloaded" vom 20.12.06 liest der erstaunte Leser relativ wenig über Asien, aber dafür düstere Ausblicke auf unsere eigene Zukunft. Besonders überraschend (wenn man daran denkt, in welchem Blatt das steht), ist seine Kritik an der zunehmenden Verteilungsproblematik. Hier einige Zitate (zu beiden Komplexen: drohende Ressourcenverknappung und steigende Konzentration des gesellschaftlichen Reichtums in den Händen weniger):
"... verschärfen sich einige der globalen Risiken. An erster Stelle steht das Thema Rohstoffengpass, und hier die Energieknappheit.
Schon heute ... strahlen die Energieengpässe auf die Kapitalmärkte aus. Weiter steigende Rohstoffpreise deuten nach Ansicht mancher Fachleute auf künftig höhere Inflationsraten hin.
Die Vertreter der Finanzwelt verdienen übrigens prächtig in der risikoreichen Welt. Investmentbanker streichen exorbitante Boni ein. Sie werden damit Teil eines neuen globalen Risikos: der zunehmend ungleichen Einkommens- und Vermögensverteilung. Während sich die oberste Spitze der Reichen in praktisch allen Teilen der Welt immer weiter vom Durchschnitt absetzt, leiden die Vertreter aus den durchschnittlichen und unteren Einkommensschichten unter realen Lohnverlusten. ... Eine sich öffnende Einkommens- und Vermögensschere könnte in sozialen Unruhen münden. Die Folgen für die Finanzmärkte wären offensichtlich. In einem vergifteten sozialen Klima würden die Kurse nicht gedeihen. Aber dieses Thema wird erst Übermorgen Schlagzeilen machen.
" (-Hervorhebungen von mir.- Auch die Wahl des Indikativ "wird" an Stelle des Konditional -'könnte werden'- hat mich verblüfft.)
Als Hintergrund für seine Kritik an den Boni für die Investmentbanker ist die HB-Meldung "186 Millionen für Top-Banker" vom 07.12.06 zu lesen und darin
besonders die Information, wonach "die Wall-Street-Firmen in diesem Jahr eine Rekordsumme von 36 Mrd. Dollar für Mitarbeiterboni ausschütten" werden. In meiner Webseite "Rentenreich" habe ich diesen Sachverhalt als Indiz für einen Überfluss des Geldkapitals im Verhältnis zu den Anlagemöglichkeiten in der realen Wirtschaft gedeutet und darauf hingewiesen, dass reich rechnerisch jeder US-Amerikaner, vom Kind bis zur Greisin, ca. 120,- US-Dollar allein für die Boni an die (Investment-)Banker 'abliefern' muss. Rechnet man dazu noch die laufenden Gehälter, die Gewinne und die sonstigen Kosten der Banken, dann dürfte, ganz vorsichtig gerechnet, jeder Amerikaner in jedem Jahr irgendwo zwischen 500,- und 1.000,- USD allein für den Betrieb dieses Zweiges der Finanzmaschinerie zahlen müssen - ohne dass (für mich jedenfalls) ein entsprechender gesamtwirtschaftlicher Nutzen erkennbar ist. Das könnte, ganz unabhängig von der Frage der Verteilungsgerechtigkeit, schon rein ökonomisch schädlich sein.


Nachtrag 28.01.2009:
Tiere können wahrhaftig 'zählen': vgl. heute im Handelsblatt den Bericht "Mengenverständnis. Bienen haben mathematische Fähigkeiten" über Bienen und Schimpansen.
Und Fallada hatte beinahe Recht: weiter als bis 4 kommen die nicht.



Textstand vom 29.11.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
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Montag, 13. November 2006

Vom Glücklichsein. Und von den Bedrohungen des Glücks.

Die Frau, irgendwo zwischen 40 und 50 Jahre alt, war hemmungslos glücklich.
Seit Jahren schon hatte sie den Kauf einer neuen Weihnachtskrippe geplant, und nun hatte sie ihren Traum verwirklicht.

Gleich mitnehmen konnte sie die Krippe nicht; eine andere Dame war ihr beim Kauf des Ausstellungsstücks zuvor gekommen. Aber noch vor Weihnachten würde der Wächtersbacher Weihnachtskrippenbastler Gerhard Petry, der seine Arbeiten im alten Pfarrhaus im Wächtersbacher Ortsteil Aufenau ausgestellt hatte, ihr eine weitere anfertigen.

Jedem erzählte sie es, dass sie eine Krippe gekauft hatte und diese noch vor Weihnachten bekommen würde: uns am Kaffeetisch, anderen Leuten beim nochmaligen Hochgehen in den Ausstellungssaal zur erneuten Krippenbesichtigung. Und dabei lächelte sie so seelig wie ein Kind unterm Weihnachtsbaum.

Felicità: un bicchiere di vino con un panino. Doch der Mensch lebt nicht vom Brot allein: eine Weihnachtskrippe muss auch noch sein [demnächst übrigens sogar bei Aldi: für 20,- €; die sind natürlich nicht ganz so schön].

Kaffee und Kuchen (von dem eine bestimmte Sorte bekanntlich schon von Marie Antoinette als Brotersatz für die Armen und mithin auch für uns empfohlen worden war - "S'ils n'ont pas de pain, qu'ils mangent de la brioche") gab es gestern beim "Herbst-Café" der Aufenauer Kolpingfamilie.
Gegenüber vom alten Pfarrhaus und von der Kirche war auf einer Plakatwand eines der drei Motive der Spendenkampagne 2006 der Kindernothilfe e. V. abgebildet: "Entschuldigung, Sie haben da einen Brunnen am Ohr hängen" (Foto in meinen Blog-Eintrag "Wohltätige Gewissenserpressung?"). Für 31,- € im Monat, so die wohltätige Werbung, könnte man (und sollte man doch lieber) einem Kind in Afrika sauberes Trinkwasser, Ernährung und Unterkunft sichern. 70,- € hatte die Krippe gekostet. Eine interessante Vorstellung, wie einige Spendenwerber - vielleicht als Heilige Drei Könige verkleidet? - an den Tisch herantreten und die glückliche Frau anherrschen:
"Moment mal! Sie wollen sich doch nicht etwa zwei Wasserbrunnen aus der Sahel-Zone unter Ihren Weihnachtsbaum stellen?"

Was das Glücklichsein angeht: Als ich im Sommer meine Digitalkamera gekauft hatte, habe ich mich schon ein wenig gefreut. Aber so ein totales Glückserlebnis, wie es Kindern zuteil wird, hat der Konsumakt (oder die Investition?) bei mir nicht ausgelöst. Hätte ich also besser 9 Brunnen für die Sahel-Zone stiften sollen?
Wohl eher nicht. Denn in 10 Jahren werden wir lesen:
"Moment mal, Sie haben uns damals den Grundwasserspiegel abgesenkt. Jetzt rücken Sie gefälligst 50% von Ihrem Gehalt heraus, damit wir hier Tiefbrunnen bohren können!"
Und in 20 Jahren ..... ist das Bohröl alle, das Wasser alle, und wir sind dann bald auch alle alle.

Altmännerdepression? Oder ein sehr rationaler Ressourcenpessimismus?


Nachtrag vom 22.12.06
Für Glücksspiele werden in Deutschland jährlich über 20 Mrd. € ausgegeben (Quelle: Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, Kurzinformation über das Forschungsvorhaben "Nachfragerverhalten und Verteilungswirkungen des Lotteriespiels in Deutschland", durchgeführt von Prof. Jens Beckert und Mark Lutter.)
Die Spenden für wohltätige Zwecke betragen demgegenüber nur ca. 2,4 Mrd. € (Quelle: Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen, Bericht über das Spendenjahr 2006).

Wundern Sie sich also nicht, wenn sich demnächst am Lottoschalter eine schwere Hand auf Ihre Schulterpresst. Und eine Stimme hinter Ihnen sagt: "Moment bitte, Sie versenken da gerade ein Fischerboot." Oder: "Aber hallo, Sie wollen doch nicht etwa eine Hebamme kreuzigen?"
[Über die Lotto-Studie des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung in Köln (die allerdings noch läuft und erst im Jahr 2007 abgeschlossen sein wird) berichtete das Handelsblatt online in der Ausgabe vom 13.12.2006 u. d. T. "Glücksspiel und Gesellschaft. Baugenehmigung für Luftschlösser". Ich vermute mal, dass viele der gewonnenen bzw. erhofften Erkenntnisse auch einfacher zu gewinnen wären: durch eine Lektüre der Literatur über das (insbesondere historische) Lottospiel in der Stadt Neapel. Auf jeden Fall dürfte ein Abgleich der Forschungsresultate mit früheren Meinungsäußerungen über das Lottospiel (die wiederum für Neapel besonders zahlreich sein dürften, auch von Reisenden im 18. + 19. Jahrhundert) erhellend sein.
Übrigens gibt es - toll, was man bei solchen Anlässen so alles entdeckt - sogar eine "Forschungsstelle Glücksspiel", und zwar an der Universität Hohenheim. Die hat auch schon versucht, die Motive der Spieler zu erforschen und informiert auch relativ ausführlich über die Geschichte des Glücksspiels.]


Textstand vom 23.12.2006. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
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Donnerstag, 9. November 2006

Die Audi-Index-Intuition



Erkenntnisgewinn en passant:

In dem Handelsblatt-Bericht "Konkurrenz für den Mini" vom 04.11.06 vermittelt der Audi-Vertriebsvorstand Ralph Weyler (am Rande des eigentlichen Themas) eine Information von enormer gesellschaftlicher Tragweite:

"Weyler unterstrich: 'Seit 1996 hat sich unser Preis pro Fahrzeug von knapp über 20 000 in Richtung 34 000 Euro bewegt. Dies alles spiegelt sich in der Bilanz und die sieht sehr gut aus' " heißt es dort.

Was mich an dieser Meldung interessiert, ist nicht der Gewinnanstieg bei Audi (den gönne ich der Firma). Die wirklich spannende Frage ist die nach der allgemein-gesellschaftlichen Aussagekraft der beiden Zahlen 20.000,- € Audi-Auto-Durchschnittspreis in 1996 vs. 34.000,- € Durchschnittspreis in 2006.

Sonntag, 5. November 2006

1. April? Nein; wohl eher: "Decline of the West"!

Eine dpa-Meldung über eine glückliche Kuh auf dem Gnadenhof - mit eigenem Schwimmbad.

Die Nachricht gebe ich hier als gescannten Ausschnitt aus der Fuldaer Zeitung vom Samstag, 04.11.06, wieder.
Man kann sie z. B. auch auf der Webseite der Süddeutschen Zeitung vom 03.11.06 lesen ("Kuh 'Nilpferd' schwamm dem Metzger davon") oder auf der Seite des "Stern" ("Hobby-Schwimmen rettet eine Kuh vor dem Schlachter") (Quelle für diese Meldung war wiederum die Süddeutsche).
Nachtrag 6.11.06: Auch die Leipziger Volkszeitung bringt die dpa-Meldung.

Auch andernorts werden Kühe vor dem Metzger gerettet. Die Zeitschrift "Das Weisse Pferd" erzählt uns eine Sob-Story, hier sogar mit tierischer Familienzusammenführung: "Eine Kuh nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand ...".

Im ersten Falle gelangte die Kuh auf den Gnadenhof Gut Aiderbichl, im letzteren auf den Gnadenhof der Gabriele-Stiftung.

Gut Aiderbichl berichtet auch auf der eigenen Webseite: " 'Nilpferd' wird Aiderbichler".
Nachtrag vom 6.11.06: "Hatte" berichtet; gestern habe ich die Seite noch gesehen, heute ist die Story auf der Hof-Webseite unauffindbar; sogar im Google-Cache.
Sehr merkwürdig: wäre vielleicht was für investigative Journalisten?


Von dieser Auffälligkeit ganz abgesehen, sage ich zu alledem nur:
"Holy cow ...."


Hier und dort noch zwei Zufallsfunde zum Thema "Gnadenhöfe".



Textstand vom 06.11.2006. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
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Samstag, 4. November 2006

Erotik-Nacht in Wächtersbach-T

Das an unseren Ortsnamen angehängte "T" verwandelt nicht nur (bei entsprechender Aussprache) den Reim von einem falschen in einen echten.
Türkische Exotik und Erotik
waren es nämlich, welche uns an diesem Freitag Abend aus dem Hause lockten.























Der Bauchtanz, von der Hohen Pforte , vielleicht über das Eiserne Tor, oder durch die Schluchten des Balkan zu uns eingewandert, hatte seinen Weg nun auch nach Wächtersbach gefunden.
"Shalimar", eine Dame aus Biebergemünd, die den Abend organisiert hatte, wehrt sich zwar gegen die Überbetonung des Erotischen in der westlichen Sicht des Orientalischen Tanzes, und überhaupt gegen den Begriff "Bauchtanz":
























Freilich: "Shalimar" heißt "Heim der Liebe".


Mich liebte es nicht: das grausame Geschick verführte mich erneut zum "Löschen"-Klick - und weg war das Bauchtanz-Bilder-Glück.


Ein einziges Bild ist geblieben: nach der Vorstellung bewegte sich die Ballerina noch mit einigen mutigen Gästen auf der Tanzfläche. So kann ich wenigstens ein Foto der Künstlerin, wenn auch nicht "in Aktion" aufgenommen, hier präsentieren:

Und die Erinnerung wird bleiben: an die hervorragende Darbietung der hübschen Tänzerin (die kam nicht von der Hohen Pforte, sondern, eine Deutsche, aus dem Nachbarorte: Bad Orb).
Auch die Erinnerung an die prima Stimmung in dem relativ kleinen Raum des türkischen Restaurants, und die Erinnerungen an den Bauch:
nicht nur an jenen der Tänzerin, sondern auch an den eigenen, vom leckeren Büffet aus dem Holzofen gut gefüllten.
Ein rundum gelungener Abend also, ganz im Gegensatz etwa zu jenem "Italienischen Abend" (in einem italienischen Lokal), den ich in meinem Eintrag "MULTIKULTIKULTIMULTI" beschrieben hatte.















Auch wenn das Restaurant "Rusticana"
heißt: jedenfalls hier in der Poststraße geht die Post ab (wobei "Neueröffnung" jetzt nicht mehr so ganz stimmt; das neue Restaurant Rusticana besteht schon etwas länger, und es gab dort vorher schon einmal eine "Orientalische Nacht"). Die Wächtersbacher Erotik, oder die Erotik in Wächtersbach, ist aber jedenfalls, wie diese Veranstaltung beweist, alles andere als rustikal. ["Rusticana" - ausgesprochen: Rustikana - klingt nicht gerade türkisch. Eher lässt es an "Cavalleria Rusticana" denken. Es handelt sich aber um einen Traditionsnamen, den schon ein früheres Restaurant in den gleichen Räumlichkeiten führte. Und es gibt auch italienische Speisen im jetzigen Lokal.]




















Um also zu zeigen, das wir hier in Wächtersbach alles andere als rustikal sind, ersetze ich hier auch die fehlenden Bauchtanzbilder flugs durch symbolische Repräsentationen, Aufnahmen, die ich nach meinem Malheur neu fotografiert habe.
Von Freud-losen Post-Marxisten gründlich indoktriniert, wissen wir um und lamentieren wir über den Fetischcharakter der Warenwelt.
Drum also zeige auch ich einige Bilder zum Beweis der Fetischisierung unserer Welt:






















Und da wir außerdem auch Schnäppchenfetischisten sind, sei noch der Eintrittspreis erwähnt. Für Büffet, Nachtisch, und eben den exzellenten und opulenten optischen Zwischengang zahlten wir 15,- €.

Alsdann, ihr Leute, lauft und rennt am 9. Dezember zum nächsten Event:


















Damit jedoch nun niemand denkt,
Dass sich Wächtersbachs Erotik auf Bauchtanz beschränkt,
Erhebt in den Straßen sich dann und wann
Aus nächtlichem Dunkel ein Pollermann
(oder wie das Ding sonst heißen mag):

























Textstand vom 05.11.2006. Auf meiner Webseite
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