Freitag, 9. Januar 2009

Kipper, Wipper, Notenbanken

[Bis 16.01.09 u. d. T.: Die Credit Default Swaps als (potentielles) Kipper- und Wipper-Regime der Gegenwart. Wie die Finanzwirtschaft von der Realwirtschaft Forderungen aus Scheingewinnen erpressen kann (erpresst hat?)]


Um die gegenwärtige Finanzkrise, Finanzmarktkrise oder Weltwirtschaftskrise zu verstehen, werden nicht selten historische Analogien bemüht. Besonders populär, aber auch nahe liegend, ist der Vergleich der aktuellen zweiten Weltwirtschaftskrise mit der ersten Weltwirtschaftskrise 1929 ff. (manchmal wird als Beginn auch das Jahr 1928 angegeben). Ich selbst habe einen solchen Vergleich in meinem Blott "Yes, we know! Zumindest könnten wir die eigentlichen Gründe für die neue Weltwirtschaftskrise kennen" gezogen, sowie ausführlicher in dem (momentan noch unvollständigen) Blott "Die große(n) Depression(en): Die beiden Weltwirtschaftskrisen im Vergleich. Überlegungen und Links".

Manche Leute halten gar nichts von solchen historischen Analogien. Paul Kedrosky fragt in seinem Blog-Eintrag vom 04.01.2009: "Is Financial History Bunk?". Sein Fazit (meine Hervorhebungen):
"Anyway, I’m torn on the subject, but I’m also increasing skeptical of any and all comparisons to prior historical periods. I don’t buy trough P/E, or recession length, or relative valuation, or interest rate, or sectoral rotation arguments, or… you get the picture. I love data, but I’m increasingly close to being an outright nihilist when it comes to over-reliance on historical financial data without any truly coherent supporting rationale. We are in a grand experiment with no real history to draw on, and anyone who pretends otherwise is deluded or selling something, or both."

Diese Position kann man nachvollziehen; die Tragfähigkeit historischer Analogien ist in der Tat fragwürdig. Phänomene aus anderen Epochen, die in ihrem Erscheinungsbild und/oder ihrer Struktur vergleichbar sind (oder uns vergleichbar erscheinen), können dennoch andere Ursachen und Folgen gehabt haben als ihre äußerlichen Entsprechungen in der aktuellen Krise; sie können eine andere 'Funktion', einen anderen 'Stellenwert' im Ablauf des Geschehens gehabt haben. Man kennt (auch wenn mir momentan kein Beispiel einfällt) Vergleichbares aus dem Bereich der Biologie, wo scheinbar gleiche Organe oder andere Merkmale eine gänzlich andere Funktion bei den jeweiligen Organismen haben.

Dennoch lernen wir aus Vergleichen und diese können selbst dann, wenn Analogisierungen fragwürdig sind, immer noch gedanklich anregend sein.

Der Historiker SCOTT REYNOLDS NELSON hält eine Parallelisierung mit der ersten Weltwirtschaftskrise (in den USA "Great Depression" genannt) für unangemessen. In der "Chronicle Review" vom 17.10.2008 behauptet er u. d. T. "The Real Great Depression": "The depression of 1929 is the wrong model for the current economic crisis." Das angemessene Vergleichsobjekt ist für ihn die Gründerkrise (Gründerzeitkrise, Gründerkrach) von 1873 (auf englisch "Panic of 1873").
[Näheres über diese Krise z. B. in der Dissertation "Die deutschen Kapitalmärkte im Konzept einer Globalen Entwicklung im 19.Jahrhundert mit einem Bezug zur Gegenwart" von Winrich Meyer (2001), S. 91 ff.. Noch ausführlicher: Max Wirth, "Geschichte der Handelskrisen" aus dem Jahre 1890.]

Im Wettbewerb um den zeitlich weitest reichenden historischen Rückgriff setzte ich hier eins drauf und gehe gleich 400 Jahre zurück: in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges, dessen Anfangsphase in finanzwirtschaftlicher Hinsicht als "Kipper- und Wipperzeit" bekannt ist.
"Als große Kipper- und Wipperzeit bezeichnet man eine weite Teile Mitteleuropas erfassende Münzentwertung im zweiten und dritten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts (siehe auch: Dreißigjähriger Krieg), die ihre regionalen Höhepunkte in der Zeit um 1621 bis 1623 hatte" erläutert das oben verlinkte Wikipedia-Stichwort die räumliche und zeitliche Dimension. Und das Treiben der Kipper und Wipper wird zusammenfassend so beschrieben:
"Der Name leitet sich von der Praktik der betrügerischen Münzentwertung ab, nämlich dem Wippen, bei dem vollwertige Münzen mittels einer Schnellwaage aussortiert wurden, um sie dann entweder einzuschmelzen oder sie an den Rändern zu beschneiden, zu kippen (niederdeutsch für „beschneiden“), und mit dem so gewonnenen Metall unter Zugabe von Kupfer neue Münzen herzustellen."
An der Debatte, ob die Kipper und Wipper die eigentlich Schuldigen waren oder nicht vielmehr die Münzherren, also die Fürsten, aber auch Reichsstädte, welche das Münzrecht besaßen und systematisch Münzen mit verhältnismäßig zu geringem Silbergehalt prägen ließen, brauchen wir uns hier nicht zu beteiligen. Entscheidend ist, dass die Münzen in großem Umfang entwertet wurden, am radikalsten vielleicht in Böhmen (also dem heutigen Tschechien) (vgl. dazu in dem Wikipedia-Eintrag Wallenstein das Kapitel "Böhmisches Münzkonsortium").

Kipper und Wipper waren also Münzfälscher, bzw. haben Beihilfe zur Münzfälschung geleistet. [Zum Begriff "Kipper" vgl. aber gegen die Wikipedia-Angaben z. B. die Ausführungen S. 61 der Dissertation "Münz- und Geldgeschichte der Fürstentümer Ansbach und Bayreuth im 17. und 18. Jahrhundert" von Gerhard Schön (2008); danach hat dieser Begriff nichts mit einem Beschneiden der Münzen zu tun.]

Wenn man bedenkt, dass (wohl nicht nur) in Deutschland schon seit Jahren von den Produktivitätssteigerungen nichts mehr im Portemonnaie der Arbeitenden ankommt fragt man sich, ob nicht auch heute - auf welche zeitgemäße Weise und zu wessen Gunsten auch immer - das Finanzsystem Wege gefunden hat, Güter und Dienstleistungen abzusaugen, ohne dafür Gegenleistungen zu erbringen.
[Einschub: Auf andere Weise, nämlich mit Gegenleistung, saugt das Finanzsystem (bzw. saugen letztlich die Geldkapitalbesitzer) ohnehin Güter aus der Realwirtschaft ab. Geld ist ja im letzten Grunde aufgespeicherte Arbeit. Indem die Finanzwirtschaft Kredite an die Realwirtschaft vergibt, stellt erstere der letzteren diese Arbeitsleistung wieder zur Verfügung. Sie will sie aber mit Zinsen zurück haben, d. h. die Realwirtschaft muss am Ende mehr an aufgespeicherter Arbeitsleistung an die Finanzwirtschaft abdrücken, als sie ursprünglich erhalten hat. Das gilt jedenfalls dann, wenn die Realzinsen positiv sind. Aus diesem Grunde bin ich durchaus für eine maßvolle Inflation, welche die Realzinsen (ggf. zusammen mit den Steuern) in den negativen Bereich drückt (wobei das im Zeitverlauf durchaus schwanken kann). Es erfüllt mich daher nicht gerade mit Vertrauen in die obersten Leiter unserer Geldwirtschaft, also die Notenbanker, wenn Bundesbankpräsident Axel Weber den Kapitalbesitzer unbedingt positive Realzinsen in den Rachen werfen zu müssen glaubt (vgl. Handelsblatt-Bericht "Bundesbank-Chef warnt vor Nullzins-Politik" vom 11.12.2008: "Die bisherige Untergrenze der Europäischen Zentralbank (EZB) lag bei zwei Prozent, wo der Leitzins von Mitte 2003 bis Ende 2005 stand. Unterhalb dieses Niveaus würden die Realzinsen negativ, begründete Weber in der 'Börsen-Zeitung' seine Warnung. 'Dies würde ich gerne vermeiden'."). (Meine Hervorhebung) Es sollte eigentlich einleuchten, dass so etwas auf die Dauer nicht gutgehen kann; letztlich würde ja die Finanzwirtschaft sämtliche im System 'gespeicherten' Ansprüche auf Arbeitsleistung angesaugt haben; die Realwirtschaft müsste "Haus und Hof" verkaufen und könnte am Ende den unersättlichen Zinshunger der Finanzwirtschaft dennoch nicht mehr befriedigen. Wenn es Notenbankpräsidenten gibt, die das nicht kapieren, dann sehe ich schwarz für Deutschland, Europa bzw. ggf. die Welt. Allerdings traue ich Ben Bernanke, auch wenn er manchmal die Zusammenhänge von Realzins und Nominalzins etwas merkwürdig darstellt, solche Einsicht durchaus zu; vielleicht ist er ja auch aus diesem Grunde ein Anhänger einer maßvollen Inflationierung. (Ungewollt aber leider vielleicht auch der Protagonist einer Hyperinflation.)]

Ich bin nicht der erste, der diese Frage nach den Absaugmechanismen der Finanzwirtschaft (insbesondere solchen ohne Gegenleistung) aufwirft. Und ich bin nicht einmal der erste, der einen Vergleich der Finanzkrise mit der Kipper- und Wipper-Zeit anstellt. Das hat vor mir zumindest Gabriele Hooffacker bereits getan. Auf der Telepolis-Webseite vom 02.11.2008 fragt sie: "Gier: die Wurzel allen Übels?"
Allerdings geht es bei ihr hauptsächlich um einen anderen Aspekt, nämlich den Vergleich der Medienreaktionen. Entsprechend lautet ihr Untertitel:
"Kommerzielle Publizistik bedient die gesellschaftlichen Moralvorstellungen." (Ich kann nur vermuten, dass die Autorin auf das Buch "Die Kipper und Wipper als publizistisches Ereignis (1620-1626). Eine Studie zu den Strukturen öffentlicher Kommunikation im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges" von Ulrich Rosseaux aus dem Jahre 2001 zurückgegriffen hat.)
(Ebenfalls streift ein Autor unter dem Pseudonym "El Patio" in seinem Artikel "Den Kapitalismus in seinen Lauf hält …" Parallelitäten zwischen Kipper und Wipper Zeit und gegenwärtiger Finanzmarktkrise.)

Eine Münzverschlechterung soll damals allerdings bereits in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts begonnen haben, und ursprünglich aus ökonomisch durchaus nachvollziehbaren Gründen. Auf der Webseite des Geldmuseums der Deutschen Bundesbank wird das so erläutert:
"Im Jahre 1559 kam es in Augsburg zu einem letzten Versuch, dem Reich eine umfassende Münzordnung zu geben. Es wurde zwar der gesetzliche Rahmen für das Gewicht und den Gehalt der Reichsmünzen und deren Kontrolle geschaffen, jedoch wurde der Münzfuß für die mittleren und kleinen Werte zu hoch angesetzt. Die höheren Herstellungskosten für die Prägung der Kleinmünzen wie Groschen, Schillinge, Batzen, Kreuzer, Pfennige und Heller hatte man nicht ausreichend berücksichtigt. Während man bei der Vermünzung von ca. 23 kg Silber in Talern noch einen Gewinn von über 14 ½ Gulden erwirtschaftete, verursachte die Ausprägung der gleichen Summe in 3-Pfennigstücke über 46 Gulden Verlust. Aus diesem Grund waren viele Münzstände gezwungen, den Silbergehalt der Kleinmünzen zu verringern. So kam es, dass bereits vor Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges der Gehalt der Kleinmünzen deutlich unter den Bestimmungen lag."
Allerdings erfahren wir dort auch, dass die Geldvermehrung zunächst durchaus positive Folgen hatte:
"Als Folge des erhöhten Geldumlaufs belebten sich Handel und Verkehr. Die wirtschaftliche Produktion stieg an." [Also das Idealgeld für alle, die eine Wirtschaftsbelebung mittels Schwundgeld bewirken möchten ;-)] Diese Wirtschaftsbelebung kann sich m. E. allerdings nur auf die Periode vor der sog. Kipper- und Wipperzeit beziehen, denn schließlich gab es bei dem damaligen technologischen Niveau keine Produktivitätssteigerungen, die eine ständige Steigerung der Produktion ermöglicht hätten. (Auch in dem Kapitel "DIE WEGE DER FALSCHMÜNZEREI" von Karl Walker aus dem Buch "Das Geld in der Geschichte" von 1959 heißt es: "Wohl hat diese Geldvermehrung die Stockungen im mittelalterlichen Gewerbeleben gemildert, die durch die vorausgegangene Verschatzung von Geld bewirkt worden waren ...". Und auch dort ist die zeitliche Zuordnung unscharf wenn Walker fortfährt: "... aber das Ende davon war doch eine vollkommene Verarmung der betrogenen Bürger und Bauern.")
Ein im Internet eingestellter Text (Sitzungsprotokoll?) "Einheit und Verfall I. Reichsreformen des Münzwesen" (von? jedenfalls von der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität der Bundewehr in München) unterschiedet dagegen sehr sorgfältig die verschiedenen Zeitachsen der Inflationsvoraussetzungen: langfristig / mittelfristig / und kurzfristig die "Kriegsvorbereitung und (Dreißigjähriger) Krieg".

Man darf aber jedenfalls wohl vermuten, dass die Vermehrung der Geldmenge (die damals nur in Form einer Ausprägung von Münzen mit geringerem Edelmetallgehalt möglich war) durchaus positive Folgen für den wirtschaftlichen Kreislauf hatte, solange sie maßvoll blieb, und dass sie erst dann zur Hyperinflation führte, als sie wegen des Geldbedarfs zur Kriegsfinanzierung ins Uferlose ausgeweitet wurde. (Wobei "uferlos" cum grano salis zu verstehen ist, denn zweifellos beschränkten die technologischen Möglichkeiten für die Prägung von Münzen, d. h. die im Vergleich zu heute relativ niedrige Produktivität, auch die Menge des verschlechterten Geldes. Dieses musste ja immerhin aussehen wie die echten Silbermünzen -Goldmünzen wurden kaum gefälscht-, was weitere Bearbeitungsschritte - Weißsieden - erforderte.)
[Auf eine blühende Ökonomie zur damaligen Zeit deuten unter anderem z. B. die großen Rathausbauten etwa in Augsburg (1615 - 1624) und Nürnberg (1616–1622) sowie Rothenburg hin. Für Rothenburg (Baujahre 1572 ff.) lesen wir auf der Webseite der Stadt ausdrücklich: "In den folgenden Jahrzehnten bis zum Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges prosperiert die Stadt"; zum Rathaus und anderen Bauten s. a. hier).]


Die heutige Lage ist der damaligen Situation (vor dem dreißigjährigen Krieg und vor der Hyperinflation) ganz abstrakt in der Notwendigkeit zur Geldmengenausweitung vergleichbar.
Allerdings ist bei dem Begriff "heutige Lage" zeitlich zu unterscheiden zwischen den allgemeinen wirtschaftlichen Bedingungen, wie sie schon seit geraumer Zeit bestehen, und den spezifischen (akuten) Problemen, die durch die Finanzmarktkrise entstanden sind.
Ganz allgemein machen in Industriegesellschaften schon die gewissermaßen systemisch 'eingebauten' Produktivitätssteigerungen eine Geldmengenausweitung erforderlich (jedenfalls solange keine demographische Schrumpfung stattfindet). Dazu kommt wohl auch die zunehmende Globalisierung.
Solche Produktivitätssteigerungen gab es bei der damaligen Wirtschaftsweise nicht; für die Geldknappheit (damals identisch mit Münzknappheit) werden andere Gründe genannt, nämlich speziell für Deutschland:
- Rückgang der Silberproduktion.
- Anhäufung von Schatzgeld (aus verschiedenen Gründen; u. a. wird für die Jahre vor dem 30jährigen Krieg die Ansammlung eines Staatsschatzes zwecks Kriegsvorbereitung genannt). (Da habe ich allerdings Zweifel, ob die Fürstenhöfe insgesamt -einzelne Fürsten vielleicht ausgenommen- wirklich derart vorausschauend planten und wirtschafteten und vermute eher, dass die das eingenommene Geld schnellstens wieder ausgegeben haben: genauso wie wir heute unfähig sind, im Boom zu sparen!)
- Ansteigen des Luxusbedürfnisses (Silber z. B. wurde auch gern zu Tafelgeschirr usw. verarbeitet und war insoweit einer Ausmünzung entzogen) und als anderer Ausdruck des Luxuskonsums eine
- negative Außenhandelsbilanz Deutschlands (das damals über Venedig aus dem Süden und die Niederlande im Nordwesten Luxusgüter -Kolonialwaren- importierte, aber keine gleich hochwertigen Produkte für den Export herstellte). [Das Handelsbilanzdefizit kommt einem im Zusammenhang mit der aktuellen Weltwirtschaftskrise irgendwie bekannt vor, nicht wahr?]

Eine Analogie zur aktuellen Krisensituation kann man wohl in der 'Verschatzung' sehen, die heute lediglich in anderer Form stattfindet: Damals vergruben die Leute ihr Geld; heute halten es die Kapitaleigentümer bzw. Kapitalbesitzer auf andere Weise zurück. Die Banken z. B. tun dies, indem sie ihre Gelder bei den Notenbanken deponieren (in dem Blott "Guten Morgen Bundesbank! Auch schon ausgeschlafen?" habe ich mich darüber gewundert, wieso die Zentralbanken das hinnehmen). Wo die anderen Finanzmarktakteure ihr Geld bunkern, ist mir unklar. Wenn ich das richtig verstehe ist allerdings die Geldmenge im System insgesamt geschrumpft. Diese Geldmenge besteht ja ja zum allergrößten Teil aus bloßem Buchgeld. Dessen 'reale Existenz' ist von der Bewertung der "Assets" abhängig, also der Immobilien, Aktien, Anleihen usw., in denen der allergrößte Teil des Geldes investiert ist. (Nach meiner Vorstellung vom Finanzsystem könnte man das zutreffend umformulieren in die Aussage: "aus denen der allergrößte Teil dessen, was im Finanzsystem als 'Geld' verbucht ist, besteht"). (Der Spruch "das Geld ist noch da, es gehört jetzt nur einem anderen" wäre also nicht im vollen Umfang zutreffend).


Lassen wir das zunächst auf sich beruhen und versuchen wir, uns einen Überblick über die wirtschaftliche und finanzwirtschaftliche 'Großwetterlage' (unter Ausklammerung spezifischer Probleme bei der Rohstoffversorgung) zu verschaffen.

Wie auch immer das im Detail vor sich ging, können wir m. E. auf jeden Fall die folgenden Aussagen über 'die Lage' (d. h. hier: die schon seit längerem bestehende Situation) des Finanzwesens einerseits und der Realwirtschaft andererseits machen:

1) Im Finanzbereich wurde die Buchgeldmenge gewaltig ausgeweitet; die Ausweitung ging weit über die Produktionsausweitung in der Realwirtschaft hinaus.

2) Eine Hyperinflation hat es (trotzdem) bisher (von Sonderfällen wie u. a. in Zimbabwe abgesehen) nicht gegeben.

3) Die Produktivität und die Produktion sind gestiegen.

4) Die Arbeitnehmer in den Industrieländern haben wenig oder gar nicht von den Produktivitätssteigerungen profitiert.

5) Der Wohlstand in einer Reihe von Schwellenländern hat zugenommen. Dies aber durch die eigenen Leistungen dieser Länder, nicht (als Nullsummenspiel) zu Lasten der entwickelten Länder (die vorübergehenden 'Windfall Profits' der Rohstoffländer ausgenommen).

Im Sinne einer Arbeitshypothese deute ich diese aus meiner Sicht existierenden Fakten wie folgt:

A) Wenn es zutrifft, dass das weltweite Geldmengenwachstum weit über die Produktionssteigerungen hinausging ist eigentlich erstaunlich, dass wir nicht schon längst eine Hyperinflation haben. Ich vermute (vgl. Blott "WAS SIND DERIVATE oder HAT ES BEI IHNEN GEKLINGELT?"), dass die gigantische Ausweitung des Derivatehandels ein 'vom Markt' selbst entwickeltes Ventil ist. (In der Realität agiert natürlich nicht 'der Markt', sondern handeln Menschen als Marktakteure; sie sind der Markt. Dennoch erscheint es mir insoweit sachgerecht, hier von einer 'Handlung' 'des Marktes' zu sprechen, als es sicherlich nicht diese konkrete Ventilfunktion der Derivatewirtschaft war, welche das Handeln der Akteure motiviert oder 'informiert' hat) . Auf jeden Fall wäre die Derivatewirtschaft also ein (im Prinzip wirksamer) Absorptionsmechanismus für überschüssiges Geldkapital.

B) Zugleich hat aber die Finanzwirtschaft / haben die Kapitalbesitzer Geld aus der Realwirtschaft gezogen. Anders wäre es nicht vollständig zu erklären (daneben ist aber zweifellos ein Teil des 'Verlustes' der Arbeitnehmer durch steigende Gesundheits- und Pensionskosten bedingt sowie vorübergehend auch durch die exorbitant gestiegenen Rohstoffpreise), dass schon seit längerer Zeit so gut wie nichts mehr vom Produktivitätszuwachs in den Taschen der arbeitenden Menschen angekommen ist. Das gilt zumindest für die Arbeitnehmer; möglicher Weise aber auch für die Freiberufler. Ob bzw. inwieweit dieses Kapital quasi aus der Realwirtschaft abgezweigt und vom Finanzkreislauf 'verschlungen' wurde, bzw. inwieweit es in konsumptive Ausgaben der Kapitalbesitzer geflossen ist, kann ich nicht abschließend beurteilen. Teilweise war das ganz sicher der Fall (vgl. auch meinen Blott "DIE WELT WIRD CAPECODISIERT! ... ODER STARNBERGERISIERT?".) Das ist aber eine empirische Frage, die man anhand der verfügbaren Daten wissenschaftlich untersuchen müsste.

C) Das in der Finanzwirtschaft aufgeblähte Kapital ist eine potentielle Bedrohung für die Preisstabilität in der Realwirtschaft. Spätestens dann, wenn ernsthafte Rohstoffknappheite und damit Güterknappheiten eintreten (nur als pars pro toto nenne ich das Stichwort 'Ölfördermaximum'), werden viele Kapitalbesitzer gezwungen sein, ihr Geld aus dem Finanzkreislauf abzuziehen und wieder in die Realwirtschaft zu injizieren, d. h. sie werden (mehr oder weniger dringend) benötigte Güter (letztlich) zu 'jedem Preis' kaufen. Dann wird es wie in den Zeiten der Kipper und Wipper zu einer Hyperinflation kommen, in der, wie immer, die Wenigbesitzer die Gelackmeierten sind. Auslösender Faktor wäre also anstelle damals des Krieges heute die Ressourcenerschöpfung.

D) Trotzdem kommen wir nach allgemeinem Verständnis (Umweltfragen hier wieder ausgeklammert) natürlich nicht drum herum, dass wir aktuell die für die Realwirtschaft verfügbaren Geldmengen stabilisieren oder steigern müssen, wenn wir weiterhin eine Wirtschaftsleistung (einschließlich deren Steigerung im Zeitverlauf) auf dem bisherigen Niveau wollen.


Auf diese Weise hat mir der Rückgriff in die Geschichte geholfen, zwar keine neuen Gedanken zu entwickeln, aber doch vielleicht meine Sicht der zeitgenössischen wirtschaftlich-finanziellen Lage anders und hoffentlich präziser zu formulieren.


Bevor ich zu einem speziellen Aspekt, nämlich einem Vergleich der Münzfälscherei aus der Kipperzeit und Wipperzeit mit den heutigen Credit Default Swaps übergehe, hier zunächst noch einige weitere Links zu Online-Texten über diese Epoche:

Anonym (bzw. jedenfalls Autor in der vorliegenden Quelle nicht genannt): Auf der Webseite www.emuenzen.de hat jemand den Artikel "Kipper und Wipper" aus der Ausgabe 12 / 1970 der Zeitschrift "Die Münze" reproduziert.

Anonym: Auf der Mikro-Ebene begegnen wir hier auf der Webseite der Gemeinde Söhlde einem adeligen Münzfälscher namens Udo von Nettlingen. Interessant die Information, dass er "1620 wegen Münzfälschung vor das Reichskammergericht zitiert wurde".

Aus Heinz Fengler "700 Jahre Münzprägung in Berlin" (Berlin -Ost- 1975) hat jemand in einem Münzenforum den Text "Die Berliner Kipper-Münz-Prägung von 1621" ins Netz gestellt.

Harrer, Maria: In einer Besprechung aus dem Jahr 1999 der Habilitationsschrift von Thomas Winkelbauer über einen Adeligen Gundaker von Liechtenstein informiert sie über die Machenschaft des Fürsten Karl von Liechtenstein im Rahmen des Böhmischen Münzkonsortiums (s. o.): "Das wahre Ausmaß der Machenschaften Karls von Liechtenstein, der sich als Teilhaber am Münzkonsortium ab 1622 im großen Stil bereicherte, wird allerdings in Winkelbauers Darstellung nicht deutlich - tatsächlich dürfte sich Karls Inflationsgewinn insbesondere zum Schaden des Fiskus in der Größenordnung von 10 Millionen Gulden bewegt haben, wofür er und seine Erben trotz langer Prozesse nie einen adäquaten Ersatz leisten mußten." (Als Belegstelle nennt sie: "Paul W. Roth, Die Kipper- und Wipper-Zeit in den Habsburgischen Ländern, 1620 bis 1623, in: Eckart Schremmer (Hg.), Geld und Währung vom 16. Jahrhundert bis zu Gegenwart, Stuttgart 1993, 85-103, hier v. a. 102").

Kreissparkasse Köln (Hrsg.) (2006) (ca. S. 3 - 6): "Von feinem Silber. Der Versuch, mit gutem Geld schlechtes zu verdrängen" (mit ee. Abbildungen).

Österreichische Nationalbank: Auch Österreich war, als Teil des damaligen Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation vom Kipper- und Wipperunwesen betroffen, so dass auch dort das Geldmuseum der Zentralbank darüber informiert (m. ee. Münzabbildungen; technisch interessierte werden auch drei Abbildungen über den damalige Technologie des -Schwazer- Silberbergbaus schätzen).

Voigt, Daniel berichtet (im Verhältnis zu den anderen im Internet verfügbaren Texten ziemlich ausführlich) über "Die große Kipper- und Wipperinflation (1618-1623) in München".

Wolf, Christian: "Die Geschichte(n) der abendländischen Inflation, Teil II" auf den "Goldseiten". Wolf hat auch eine Tabelle aus dem Buch "Geschichte der Inflation" von Richard Gaettens (Erstauflage 1955; 1982 ist ein Nachdruck der 2. Auflage von 1957 erschienen) reproduziert, in welcher die Teuerung (also die Kaufkraftverluste) in der Zeit zwischen 1600 und 1623 dargestellt werden.
Diese Daten passen auf den ersten Blick nicht mit der ebenfalls von Gaettens übernommenen Tabelle über den Wertverfall des Kreuzers gegen den Reichstaler zusammen. Das liegt wohl daran, dass der Preisverfall in Reichstalern angegeben ist. Da jedoch der Taler eine Goldmünze war und die Goldmünzen i. d. R. nicht verschlechtert wurden (das wäre wohl zu leicht erkennbar gewesen, zumal diese Münzen eher in Kreisen - Kaufleute, öffentliche Verwaltung - zirkulierten, die sich mit dem damaligen Geldwesen und Münzewesen besser auskannten), sind beide Tabellen nicht vergleichbar. Das legt allerdings die Annahme nahe, dass die in Talern angegebene Teuerung andere Gründe - nämlich die Getreideverknappung als Kriegsfolge - hatte, als die durch Münzvermehrung herbeigeführte Geldentwertung. Gegen die Meinung von Wolf, wonach alle Inflationen durch Überversorgung von Geld entstehen, ist also festzustellen, dass Inflationen (z. B. die von mir erwartete Inflation durch Rohstoffverknappung) auch ohne Geldvermehrung entstehen können, nämlich durch das Wegbrechen der Güterversorgung. Sein Satz "Immer wenn die Geldmenge unnatürlich schneller wuchs als das Potential einer Volkswirtschaft stand am Ende dieser Entwicklung eine Inflation" mag zutreffen, ist aber nicht zugleich in der Umkehrung zwingend wenn man sich darunter vorstellt, dass nur eine absolut steigende Geldmenge Inflationen auslösen kann. Entscheidend ist lediglich die Relation zwischen (nachfragewirksamer!) Geldmenge und der Leistungsfähigkeit der Realwirtschaft. Wenn eine steigende Geldmenge auf eine gleich bleibende Wirtschaftskraft trifft, müssen (in einem freien Markt) die Preise steigen; ebenso aber auch, wenn die Geldmenge gleich bleibt und die Leistungsfähigkeit sinkt. Aktuell können wir uns das schlecht vorstellen, weil es doch über einen ziemlich langen Zeitraum tendenziell immer nur aufwärts geht.
Historisch kennt man solche Konstellationen aus Kriegen und Nachkriegszeiten, bei Missernten oder wenn in belagerten Städten die Lebensmittel knapp werden.
Zukünftig könnte eine Reduktion der Wirtschaftsleistung allerdings durch eine Verknappung der nicht erneuerbaren Ressourcen ("Ölfördermaximum" usw.) eintreten.
Wir dürfen also nicht vergessen (und werden zweifellos noch schmerzlich daran erinnert werden), dass in der letzten Reduktion die für uns Menschen wichtigen Dimensionen nicht irgendwelche in Geld ausgedrückten Beträge sind.
Für unser Wohlbefinden ist
a) die Güterversorgung überhaupt und natürlich
b) die soziale Verteilung der verfügbaren Gütermenge entscheidend.
[Den Begriff "Güter" verwende ich im vorliegenden Text zugleich abkürzend für Dienstleistungen; allerdings sind Güter und Dienstleistungen nicht unbedingt gleichwertig: auf die Dienste eines Rechtsanwalts kann ich verzichten, auf Essen und Trinken nicht].

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Zufällig parallel zu meiner Beschäftigung mit der Geschichte der Wipper und Kipper habe ich zwei Texte über Credit Default Swaps gelesen.
Zunächst den Aufsatz "The Real Reason for the Global Financial Crisis…the Story No One’s Talking About" von Shah Gilani, Contributing Editor von "Money Morning". ["Part I of a three-part series looking at how so-called “credit default swap” derivatives could ignite a worldwide capital markets meltdown."]
Während mir zwar immer noch nicht klar ist, wo genau Shah Gilani die wahren Gründe der weltweiten Kreditkrise verortet, habe ich doch nun etwas klarere Vorstellungen davon, was Credit Default Swaps sind.
Der umittelbare Folgeaufsätze Nr. 2 über den Zusammenbruch des Versicherungsriesen AIG bzw. dessen Rettung durch den Staat ist zwar informativ, aber mehr zum Einzelfall als zum 'Big Picture'.
Folge Nr. 3, deren Überschrift "How Complex Securities, Wall Street Protectionism and Myopic Regulation Caused a Near-Meltdown of the U.S. Banking System" eine Erläuterung der Gründe für den "Near-Meltdown", also die Beinahe-Kernschmelze des Finanzsystems, verspricht, hat mich u. a. ein wenig über Collataralized Debt Obligations (CDOs) und Collataralized Loan Obligations (CLOs) und deren Gefahren aufgeklärt.
Der Nachtrag Nr. 4 mit einem Vorschlag zur Beendigung der Krise ohne Kosten für den Steuerzahler ist stellenweise sehr technisch; da fehlen mir bei manchen Punkten das Vokabular und das Hintergrundwissen zum vollen Verständnis.
Weitere Aufklärung über die CDS' verdanke ich dem sehr ausführlichen Eintrag in der englischsprachigen Wikipedia; das (deutlich kürzere) deutschsprachige Pendant habe ich aus Zeitmangel nicht gelesen; ebenfalls nicht den dort verlinkten Bundesbank-Bericht "Credit Default Swaps – Funktionen, Bedeutung und Informationsgehalt" aus dem Jahr 2004 (16 S.), obwohl der Bericht recht gehaltvoll und verständlich zu sein scheint.



Credit Default Swaps können Sicherungscharakter haben oder rein spekulativ sein. Regulatorisch dürfte es gar nicht so einfach sein, die spekulativen CDS’ in den Griff zu bekommen. Auch solche, die ursprünglich als Versicherungen gedacht waren, können nämlich ganz zwanglos zu Spekulationsinstrumenten werden und umgekehrt kann ein zu Spekulationszwecken erworbener Credit Default Swap Sicherungszwecke erfüllen, wenn man später die zugehörige (ggf. auch eine vergleichbare) Anleihe kauft.

Beispiel:
Die Cleverbank habe eine Anleihe von General Motors mit einer Verzinsung von 10% erworben. Da die Bank jedoch erhebliche Zweifel hat, ob diese Firma die Zeit bis zur Fälligkeit überlebt, und ob sie bis dahin die Zinsen zahlt, hatte sie sich bei Lehman Brothers einen ‚Versicherungsschutz’ in Form eines Credit Default Swap gekauft. Dafür zahlte sie denen z. B. einmalig 5% der Anleihesumme und bis zur Fälligkeit jährlich im Voraus 3% ‚Versicherungsprämie’. Im Gegenzug hatte Lehman Brothers der Cleverbank den Nominalbetrag der Anleihe und die Zinszahlungen garantiert.
Nach 3 Monaten entdeckt die Cleverbank gewinnträchtigere Anlagemöglichkeiten, oder sie kommt in Geldnöte; jedenfalls verkauft sie die GM-Anleihe an den Hochseil-Hedgefonds. Der war entweder so mutig wie sein Name, und wollte sich die Gelder für Versicherungsprämien sparen, oder er wollte die Anleihe bei der American International Group (AIG) absichern, weil er [weiserweise] kein Vertrauen in die Solvenz von Lehman Brothers hatte.

Der ursprüngliche Credit Default Swap ist damit quasi zum Single geworden, oder genauer: zum Waisen, der sich fortan ohne seine Anleihe-Eltern durch die raue Finanzwelt schlagen muss. Und damit ist er eben genauso gut ein Spekulationsobjekt wie ein vornherein nur spekulativ erworbener ‚Kreditschutz‘, also z. B. ein CDS-Kauf durch die Cleverbank ohne dass diese eine GM-Anleihe besessen hätte. Der CDS ist in dann einfach eine Wette für welche, wie im Wettbüro, Wettgebühren zu zahlen sind. Nur dass beim CDS i. d. R. außerdem fortlaufend weitere Prämien bis zur Fälligkeit (bzw. bis zum Eintritt des „Kreditereignisses“, das nach dem jeweiligen Vertrag einen Anspruch gegen den Sicherungsgeber begründet) zu zahlen sind – wie bei einer Versicherung.
Wollte eine gesetzliche Regulierung die besicherten Anleihestücke und einen zunächst für deren Absicherung erworbenen CDS zu einem unauflöslichen Paket verknoten, indem sie den Anleihekäufer verpflichten würde, mit der Anleihe auch einen ggf. zugehörigen Credit Default Swap zu kaufen, wäre das ein äußerst problematischer Eingriff in die unternehmerische Freiheit:
- Wenn der Käufer zwar die Anleihe will, aber keinen CDS oder zumindest keinen von Lehmann Brothers, sollte ihn der Staat auch nicht zwingen, einen solche zu kaufen bzw. würde der Käufer die Anleihestücke nicht mehr von der Cleverbank (mit CDS) erwerben, sondern anderswo ohne CDS. Die Stücke im Besitz der Cleverbank wären damit nicht oder nurmehr gegen Abschläge verkäuflich.
- Wenn die Regulierung bei einem Verkauf der Anleihepapiere durch den Sicherungsnehmer eine Rückabwicklung des CDS-Sicherungsgeschäfts verlangen wollte, käme es zu einer erheblichen Steigerung der Transaktionskosten.
In beiden Fällen wäre also die Handelbarkeit der Anleihe beeinträchtigt; allerdings wäre die 2. Form der Regulierung im Computerzeitalter insbesondere dann ohne unüberwindliche Hindernisse durchführbar, wenn die Anleihestücke in einem Clearinghaus liegen bleiben bzw. [denn schließlich sind ja auch reale Verbriefungen im Computerzeitalter ein Anachronismus, an dessen Fortbestand allenfalls Steuerhinterzieher ein Interesse haben können] wenn sämtliche Buchungen über ein Clearinghaus laufen. Es käme dann nur darauf an, die Information über die CDS-Absicherung mit den sonstigen Buchungsinformationen der „Stücke“ zu verknüpfen, und bei einem Verkauf den Sicherungsgeber und Sicherungsnehmer sofort zu informieren (und möglichst gleichzeitig den - mehr oder weniger zeitanteilig berechneten - Überschussbetrag der ‚Versicherungsprämie’ vom Konto des Sicherungsgebers auf dasjenige des Sicherungsnehmers umzubuchen). Die Finanzhäuser würden zwar über die Komplexität jammern, aber das sind Krokodilstränen. Denn denen ist ja auch kein Derivate-Konstrukt zu komplex wenn sie glauben, daran etwas verdienen zu können. Allerdings wäre damit den Sicherungsgebern jegliche Planbarkeit genommen und würden sich die schlechten Risiken bei ihnen ansammeln. Denn wenn sich z. B. General Motors plötzlich und unerwartet wieder erholen würde, würden die Prämien natürlich fallen. Die Cleverbank hätte also, selbst wenn sie eigentlich die Anleihestücke nicht verkaufen wollte, allein deshalb ein (neues) Motiv, dass sie zukünftig die Prämien sparen könnte. Sie würde also z. B. die CDS-belasteten Stücke verkaufen, und unbelastete kaufen und aufgrund der dann positiven Überlebensaussichten von GM diese neuen Anleihestücke auch nicht mehr mit Credit-Default-Swaps hedgen.

Die vorangegangenen Überlegungen und Beispiele führen aber noch zu weiteren Zuordnungsproblemen. So könnte die Cleverbank, nachdem sie die GM-Anleihestücke verkauft, den CDS aber behalten hat, nunmehr Ford-Anleihen ins Portefeuille nehmen. Wenn sie davon ausgeht, dass das Insolvenzrisiko bei Ford mindestens genau so hoch ist wie bei GM, würde sie möglicherweise ihren 'Wettschein' auf die GM-Insolvenz als Versicherung der Ford-Anleihe ansehen. Das wäre ein Beispiel für eine Fallgestaltung, bei der ein ursprünglich oder vorübergehend nur spekulativ gehaltener CDS (wieder) eine reale Sicherungsfunktion bekäme. Auch das verdeutlicht, mit welchen definitorischen Schwierigkeiten Regulierungsversuche zu kämpfen hätten.

Das aber nur als Gedankenexperimente und Überlegungen am Rande (bzw. auch zur Vorbereitung der nachfolgenden Untersuchungen).

Eigentlich geht es mir um eine Reihe anderer Fragen:

1. Kann das Finanzsystem mittels der CDS‘ Geld schöpfen?

2. Wenn ja: Begründet dieses Geld unter normalen Umständen Forderungen gegen die Realwirtschaft?

3. Besteht, wenn das Finanzsystem auf diese Weise keine Ansprüche gegen die Realwirtschaft generieren kann, dennoch die (zumindest theoretische) Möglichkeit, dass die Realwirtschaft (etwa in Gestalt des Steuerzahlers und/oder Konsumenten) für Verluste aus ‚Wetten’ (in Form von spekulativen Credit Default Swaps; vermutlich gibt es aber noch weitere Bereiche des Finanzmarktes mit derselben Problematik) der Finanzmarktakteure haften muss (bzw. haften zu müssen glaubt).

4. Wenn ja: mit welchen Mitteln könnte das ggf. verhindert (oder vermindert) werden?


Nehmen wir an, die Cleverbank hätte GM-Anleihen im Nennwert von 1 Mio. (Euro, Dollar ...) zu beispielsweise 50% vom Nominalwert, also für 500.000,- von dem ursprünglichen Investor gekauft. Im folgenden Jahr berappelt sich General Motors wieder; der Anleihekurs an der Börse steigt auf 100%. Die Cleverbank hat also einen Buchgewinn von 500.000,- gemacht.

Dem steht zu diesem Zeitpunkt kein Verlust eines Handelspartners gegenüber; 'das Finanzsystem' ist also in diesem Moment um 500.000,- reicher geworden. Im Zeitverlauf insgesamt hat 'das System' allerdings nichts gewonnen: der ursprüngliche (Ur-)Investor hatte ja 1 Mio. an GM bezahlt und durch den Weiterverkauf an GM 500.000,- verloren.

Durch die Kursänderungen von Wertpapieren (bzw. allen "Assets", bei denen die Wertansätze in der Bilanz kursabhängig zu buchen sind) schwankt also das Finanzvolumen 'des Systems', es 'atmet'. Dieser Effekt ist unabhängig von realen Transaktionen für die konkreten Stücke, da ja auch diejenigen Finanz-(und anderen) Unternehmen, welche die Anleihen 'in den Keller' gelegt haben, die Schwankungen des Börsenpreises in den Bewertungen für ihre Bilanzen abbilden müssen. Wenn der Börsenkurs auf 50% sinkt, müssen nach der "Mark-to-Market" Bilanzierungsmethode (weit ausführlicher zu diesem Verfahren, auch mit historischen Erläuterungen, das englischsprachige Wikipedia-Stichwort "Mark-to-market accounting") alle (buchhaltungspflichtigen) Anleihebesitzer 50% abschreiben. Damit ist das gesamte Finanzsystem zu diesem Zeitpunkt entsprechend 'ärmer' geworden. Und im Folgejahr, wenn der Kurs wieder pari steht, ist es wieder 'reicher'.

Im Prinzip ist es durchaus nachvollziehbar, weshalb die Bilanzierungsregeln eine Bewertung nach jeweils aktuellen Kursen vorschreiben. Fallen die Kurse, ist das Management des jeweiligen Finanzinstituts gezwungen, Vorsorge zu treffen, z. B. die Dividende an die Aktionäre zu senken oder zu streichen, damit das Geld zum Ausgleich der Verluste im Unternehmen bleibt. Denn auch wenn diese Verluste momentan nur auf dem Papier stehen, könnte das Unternehmen ja in die Lage kommen, die Wertpapiere zur Geldbeschaffung verkaufen zu müssen. Da muss man wissen, mit welchen Erträgen man rechnen kann. Vor allem müssen auch Außenstehende, insbesondere (potentielle) Aktionäre dieser Firma, wissen, was der Laden denn 'wirklich' wert ist. Ansonsten könnten Insider den Outsidern Aktien teuer andrehen, nur weil der Buchwert der Wertpapiere im Bestand des Finanzhauses weit über dem Börsenwert angesetzt ist.

Probleme bereitet eine solche Bilanzierungsmethode allerdings dann, wenn der Markt (aus welchen Gründen auch immer) verzerrte Signale liefert. Wenn z. B. die Masse dieser GM-Anleihen bei einem Hedgefonds liegen würde, der anderswo riesige Verluste gemacht hat und nun um jeden Preis Geld braucht, wird er die Stücke auf den Markt werfen. Die anderen Börsenteilnehmer wollen davon nicht so viele haben, wie angeboten werden; oder sie vermuten, dass das plötzliche Massenangebot dadurch ausgelöst wurde, dass der Verkäufer mehr als sie über die Kredit(un)würdigkeit von GM weiß. In jedem Falle wird der Kurs stark fallen; in Zeiten einer allgemeinen Vertrauenskrise vielleicht sogar ins Bodenlose, obwohl ja (hypothetisch) GM eine gesunde Firma sein könnte und die Anleihen später im Fälligkeitszeitpunkt voll tilgt. Je nach "Exposure", also je nachdem, wie hoch der Anteil dieser Anleihen am Gesamtvermögen der Bank ist (bzw. wie stark der Kursverfall über die ganze Bandbreite der an der Börse gehandelten Wertpapiere ist), kann ein solcher Kursverfall ihr das Genick brechen, d. h. er macht sie nicht unbedingt zahlungsunfähig, aber doch ggf. bilanziell überschuldet (obwohl sie vielleicht durchaus liquide ist und ihre Verbindlichkeiten bedienen kann und die Überschuldung im nächsten Jahr behoben sein wird, wenn GM die Anleihe dann voll tilgt oder der Kurs wieder auf den Nennwert steigt).

Die Schwierigkeit liegt natürlich darin, bei den Kursverluste von z. B. Anleihen zu bestimmen, ob sie durch reale Wertminderungen aufgrund wahrscheinlicher Kreditausfälle (etwa bei den Subprime Hypotheken von kreditunwürdigen Schuldnern im amerikanischen Immobilienmarkt) eingetreten sind (also eine realistische Markteinschätzung widerspiegeln), oder ob sie lediglich vorübergehend durch einen temporär nicht funtionierenden Markt bedingt sind.

Man könnte bei den vorgeschriebenen Bewertungsmethoden von der Mark-to-Market-Methode abrücken und z. B. eine Bilanzierung nach Einstandskursen erlauben, oder nach einem wie auch immer definierten "inneren" oder "wirklichen" Wert der Papiere. Tatsächlich sind ja in den USA, Deutschland und sicherlich auch in anderen Ländern die Vorschriften gelockert worden (die Details sind mir nicht bekannt), aber man kann so etwas nur begrenzt machen, weil sonst der Firmenwert verzerrt wird (s. o.).

Ein anderer Weg, Institute mit einer hohen Belastung durch (vorübergehend) nicht mehr oder nur zu völlig übertrieben erscheinenden Abschlägen handelbare Papiere zu bewahren, wäre deren Ankauf durch eine öffentliche Stelle. Das muss natürlich irgend jemand finanzieren (ich sage hier bewusst nicht: "bezahlen"). Dieser 'Jemand' könne der Staat sein, oder die Zentralbank. Der Staat müsste Steuermittel aufbringen. Das muss zwar am Ende keineswegs ein Verlustgeschäft für den Steuerzahler werden. Wenn die Anleihen mit Abschlägen angekauft, bei Fälligkeit aber voll getilgt werden, hätte der Fiskus einen schönen Reibach gemacht. Aber momentan sind dafür riesige Geldsummen aufzubringen, die auch der Staat nicht in irgendeiner Schatzkammer herumliegen hat; somit muss er sich Geld leihen. Das kann er am Markt tun; aber wenn es letztlich die Notenbank ist, die diese Anleihen ankauft, muss sie dafür Geld drucken (was Fed-Chef Ben Bernanke in seiner 'Hubschrauber'-Rede im Jahr 2002 auch deutlich - wenngleich damals als rein abstrakte Möglichkeit dargestellt - gesagt hat).

Die gleiche Situation tritt ein, wenn die Zentralbank Problempapiere direkt ankauft, und das tut die Fed in den USA ja anscheinend in einem gewaltigen Umfang.

Die Geldmenge im Markt würde in jedem Falle steigen, wenn die Finanzierung des Ankaufs von Problempapieren direkt oder indirekt über die Notenbank läuft. [Ausnahme: Notenbank hat sich selbst das Geld im Markt geliehen.] Im Prinzip wäre die Situation in diesem Falle also nicht anders als zu Zeiten der Kipper und Wipper.
Allerdings gibt es doch wesentliche Unterschiede:
- Die gegenwärtigen Finanzmarktakteure hatten nicht die Absicht, Geld zu fälschen; sie haben (in der Regel) im Gegensatz zu den alten Münzfälschern auch nicht gegen geltendes Recht verstoßen.
- Wahrscheinlich würde heute aufgrund des weitaus höher entwickelten Finanzwesens ein Großteil dieses neu geschaffenen Geldes sogar im Finanzsektor bleiben; insoweit würde er auch nicht preistreibend in der Realwirtschaft wirken. Allerdings scheint es Übertragungsmechanismen zu geben, die letztlich doch irgendwo eine Preisblase ("Bubble") entstehen lassen. Wenn man annimmt, dass die amerikanische Hypothekenkrise mehr durch die allzu üppige Geldversorgung des Federal Resere Systems entstanden ist als durch andere Ursachen (mangelhafte Regulierung, kriminelle Aktivitäten), unterstellt man solche Wirkzusammenhänge (die z. B. über eine aggressivere Kreditwerbung und laxere Bonitätsanforderungen vermittelt sein können). (Und selbst wenn die Preisblase nur innerhalb des Finanzsektors auftritt - Stichwort "Neue Technologien" oder "Neuer Markt" -, schafft das gewaltige Probleme.)

Bei erneutem Durchlesen realisiere ich allerdings, dass meine Darstellung zwar nicht total falsch, aber in einem wesentlichen Punkt unvollständig ist und dadurch fehlerhaft wird.
Die Fed bekommt ja, theoretisch (und meist wohl auch in der Praxis) ihr an das Finanzsystem gezahltes Geld für die Anleihe (und wenn sie sie unter pari gekauft hat, sogar noch mehr) zurück. Dieses Geld könnte sie wieder einstampfen; insgesamt hätte sich die Geldmenge damit nicht geändert. Genauer: die Geldmenge wäre nur vorübergehend aufgebläht worden.
Dennoch sind solche Transaktionen nicht unbedingt problemlos für die Geldwertstabilität:

- Wenn (z. B.) die Fed kurzfristig sehr viele Papiere ankauft, ist in diesem Moment sehr viel mehr Liquidität im Markt. Die gleicht zwar möglicher Weise nur Verluste aus, die sich durch einen scheinbar irrationalen Kursverfall ergeben haben. ["Scheinbar" deshalb, weil 'der Markt' gute Gründe für den Kursverfall haben kann, welche weder für die Akteure noch für die Notenbanken (noch für andere Beobachter) transparent sind. (Wiederum sage ich "der Markt", weil die 'Ratio' 'des Marktes' keineswegs mit denjenigen Gründen identisch sein muss, welche die Marktakteure für ihr jeweils konkretes Handeln haben oder zu haben glauben.)] Die Frage ist, welche unmittelbaren Folgen sich daraus ergeben.

- Sollte der plötzliche Geldstoß zu einer Teuerung führen, kann die Notenbank diese später wahrscheinlich nicht mehr rückgängig machen. Im Grunde stehen wir (bzw. die USA) derzeit genau vor einer derartigen Situation. Die Immobilienpreise waren gewaltig gestiegen, und zwar, jenseits aller vordergründigen Gründe, letztlich wohl aufgrund der exzessiven Geldversorgung des Marktes durch das Federal Reserve System. Für die Haus- und Grundbesitzer ist das schön; alle anderen werden aber durch diese künstlich aufgeblähten Preise ausgeschlossen. Sie halten sich, zwangsweise, vom Markt fern. Den zwangsläufig folgenden Preissturz kann man als unerwartete Katastrophe ansehen, oder als notwendige (und/oder wünschenswerte) Korrektur.
Fakt ist, dass die Immobilienpreise inflationär angestiegen waren. Ebenfalls Fakt ist, dass es dadurch zur Finanzkrise gekommen ist (oder zumindest dass diese Situation wesentlich zur Entstehung der Finanzkrise beigetragen hat). Wenn die Fed jetzt zur Stützung des Immobilienmarktes mehr oder weniger unbegrenzt (marode) Kredite ankauft, perpetuiert sie unter Umständen die von ihr selbst geschaffene Blase. Das gleiche Ergebnis kann natürlich dann eintreten, wenn der Staat - die Steuerzahler - die Kredite ankaufen (oder subventionieren). Wenn die Fed oder ein Regierungsorgan ihrerseits die Zinsen für die Schuldner herabsetzen, sind diese nicht mehr gezwungen ihre Häuser, für die sie eigentlich einen viel zu hohen Preis gezahlt haben, zu verkaufen. Durch die Zinssubventionen wird der Kaufpreis für die Häuslebesitzer im Ergebnis ermäßigt. Damit sind weniger Häuser am Markt als ohne Eingriff des Staates; letztendlich werden die Immobilienpreise künstlich gestützt.
Das gleiche Ergebnis kann dadurch eintreten, dass die Notenbank ohne Ende Geld ins Finanzsystem pumpt. Vielleicht ist das Hochhalten der aufgeblähten Immobilienpreise sogar eines der Ziele von Ben Bernankes 'Geldabwürfen mit dem Hubschrauber'. Er will das Finanzsystem stabilisieren; das wird nach allgemeinem Verständnis (auf jedem Fall nach dem Verständnis der Finanzmarktakteure) eine Stabilisierung auf dem bestehenden Niveau bedeuten. Wäre es gelungen, 'die Pferde wieder zum Saufen' zu bringen, wäre tatsächlich das Spiel genau so weiter gegangen wie bisher: easy credit, weitere Preissteigerungen bei Immobilien. Aus irgendwelchen Gründen, die mir auch nicht ganz klar sind, zeigt indes 'der Markt' nicht diejenige Reaktion, bei welcher die Fed ihm Gesundheit attestieren würde (die aber in Wirklichkeit wohl nur ein Fortbestehen krankhafter Auswüchse wäre). In einem gewissen Sinne hat vielleicht 'der Markt' wieder einmal mehr Weisheit als die Menschen, die ihn mit Gewalt zu beeinflussen suchen.
[Vgl. dazu auch das Schlusskapitel des Handelsblatt-Gastkommentars "Die überraschende Krise" von Ulrich Heilemann und (??) Direktor des Instituts für Empirische Wirtschaftsforschung vom 04.09.2007(!!!) "Die größere Herausforderung ist daher mittelfristig: Wie gelingt es, die zusätzliche Liquidität wieder aus dem Markt zu nehmen? Stets wird es Stimmen geben, die die gesamtwirtschaftliche Lage als zu fragil ansehen, um den Entzug verkraften zu können. Gut sind die Zeiten immer nur im Nachhinein, wie die Verkettung der Krisen illustriert. Bundesbank und EZB wissen davon ein Lied zu singen. Aber vielleicht wird dieses Mal alles ganz anders. Oder sollten wir nur pathologisch lernen?"]

Nun bin ich freilich ziemlich von der ursprünglichen Zielrichtung meiner Argumentation abgekommen. Es ging einfach darum, zum einen die Zeit als einen wesentlichen Faktor einzuführen: es nützt wenig, dass die Fed das Geld morgen wieder einsammeln kann, wenn es heute zur Inflation führt.
Zum anderen sollte an einem Beispiel gezeigt werden, dass die Fed eine einmal ins Laufen gekommene Hyperinflation nicht mehr stoppen kann bzw. evtl. gar nicht stoppen will (zumindest wenn diese Hyperinflation nur einen Teilmarkt betrifft). Tatsächlich hat zwar Ben Bernanke die Zinsen vorübergehend erhöht als er merkte, dass die Entwicklung aus dem Ruder lief. Danach aber hat er sie beim kleinsten konjunkturellen Husten schon wieder drastisch gesenkt. Einige Kommentatoren sind der Auffassung, dass es dadurch zu den scharfen Preissteigerungen insbesondere beim Rohöl kam. Die Zinssenkungen hätten demnach, auf Umwegen, die Labilität im Wirtschaftssystem insgesamt erhöht anstatt wenigstens die im Finanzsystem schon sichtbar gewordenen Instabilitäten zu reduzieren. Hätten seine Ankurbelungsmaßnahmen dagegen gewirkt, wären der Immobilienmarkt, aber auch der Rohstoffmarkt, auf ihrem alten Preisanstiegspfad weitermarschiert.

- Geht man alternativ davon aus, dass die von der Fed angekauften 'Wert'papiere großenteils Schrott sind und bei Fälligkeit von der Realwirtschaft nicht bedient werden, entfällt sogar die Möglichkeit, das in den Wirtschaftskreislauf gepumpte Geld (zumindest auf diese Weise) später wieder herauszuziehen.


Bislang habe ich aber nur über Anleihen, also Kredite der Finanzwirtschaft an die Realwirtschaft, gesprochen.
Meine Ausgangsfrage war jedoch, ob das Finanzsystem einfach aus sich heraus Geld schaffen, und dieses der Realwirtschaft als Forderung präsentieren kann.

Grundsätzlich ist ein solcher Geldschöpfungsmechanismus natürlich in jedem Bankensystem eingebaut. Indem die Banken davon ausgehen können dass die Menschen, welche ihr Geld dort hingetragen haben, dieses weitestgehend auch dort lassen werden, können sie es größtenteils einem Kreditnehmer leihen; von dort kommt es (direkt oder indirekt, früher oder später) wieder auf die Bank, die davon nun wieder den größten Teil an einen 2. Kreditnehmer verleihen kann ... usw.
Man könnte insofern im Bankwesen insgesamt ein Kipper- und Wipper-System sehen, welches das Geld aus sich heraus vermehrt, ohne dass dort im gleichen Umfang Geld als Zeichen für erbrachte Arbeitsleistung eingelegt worden wäre.

Wenigstens war aber die Basis in diesem Falle reales Geld, welches ein Kunde eingezahlt hatte. Der darauf aufbauende Kredit ist auch nicht beliebig vermehrbar. Immerhin: bei einer Reservehaltung von 10%, kann 'das Finanzsystem' eingelegte Gelder durch Weiterverleih theoretisch verzehnfachen (sofern das Geld aus den Krediten wieder ins System zurück fließt). [Zum Thema insgesamt vgl. Wikipedia-Einträge "Geldschöpfung" bzw. "Money creation".] Das ist schon heftig und müsste, wenn es sozusagen über Nacht passieren würde, zwangsläufig zur Hyperinflation [weitaus materialreicher ist der Eintrag in der englischsprachigen Wikipedia] führen. Tatsächlich hat sich aber das Bankenwesen über lange Zeiträume entwickelt. In diesen hat sich die Wirtschaft ausgeweitet. In der frühen Neuzeit durch Kolonialisierung und Bevölkerungswachstum; seit etwa 1800 auch und später hauptsächlich oder nur noch durch Produktivitätswachstum. Auch in der Anfangsphase (oder überhaupt der Phase vor dem 30jährigen Krieg?) des Kipper- und Wipper(un)wesens soll ja die Geldmengenausweitung eine wirtschaftliche Belebung zur Folge gehabt haben.
Zusammenfassend können wir also festhalten, dass die Geldmengenausweitung durch Kreditgewährung i. d. R. keine ökonomische Schockwirkung auf die Realwirtschaft haben dürfte und im Gegenteil sogar belebend wirken bzw. bei einer Ausweitung der Wirtschaftsleistung sogar erforderlich sein kann.

Die Geldvermehrung auf der Basis von Kundeneinlagen ist aber etwas ganz anderes als wenn Banken die Macht hätten, durch rein interne Transaktionen, die nunmehr (zunächst) keinerlei Bezug zur Realwirtschaft mehr haben, die Geldmenge auszuweiten. Dies gilt insbesondere dann, wenn es dem Finanzsystem möglich sein sollte mit diesem selbst geschaffenen Geld in der Realwirtschaft 'einkaufen zu gehen'. Sollte es einen solchen Mechanismus tatsächlich geben, wäre er in der Tat ein Äquivalent zur Münzvermehrung durch die Kipper und Wipper. Das gilt zumindest potentiell; real ist ja immer noch die Frage, ob bzw. inwieweit die Finanzwirtschaft der Realwirtschaft die ausgeweitete Geldmenge als Forderung präsentiert, d. h. inwieweit sie mit diesem selbstgemachten Kunstgeld Güter einkauft.
Wenn ich von 'der Finanzwirtschaft' spreche, sind damit keineswegs nur die Geldanleger, oder die Aktienbesitzer der Finanzinstitute, gemeint. Profiteure einer solchen Situation wären nicht zuletzt auch die Angestellten. Die an der Spitze mit ihren exorbitanten Bonuszahlungen; diejenigen in den unteren Rängen durch ihre größere Zahl. Denn auch das Kleinvieh macht -bzw. verbraucht- bekanntlich Mist, und in der Summe dürfte das weitaus mehr sein als die Aufsehen bzw. Ärgernis erregenden Spitzengehälter. Es stellt sich also letztlich die Frage, ob bzw. inwieweit das Finanzsystem noch eine nützliche Funktion für die Realwirtschaft erfüllt oder ob bzw. in welchem Ausmaß es parasitär gewuchert ist.

Wird durch den Verkauf von Credit Default Swaps 'Geld' geschaffen?

Ich denke ja. Wie werden die entsprechenden Transaktionen im System verbucht? Ich stelle mir die Buchungsvorgänge wie folgt vor:

1) Wenn die Verkäuferin der CDS' (Sicherungsgeberin oder Geberin) der Käuferin (Sicherungsnehmerin) eine 'Police' für die Absicherung von z. B. einer Million WE (Währungseinheiten, also z. B. Dollar, Euro oder Pfund) Nennwert GM-Anleihen verkauft, kassiert sie sofort z. B. 5% = 50.000,- WE. Wie immer sie das genau bucht: jedenfalls ist sie nun um 50.000,- WE reicher.
[Vorausgesetzt, der Betrag muss nicht als Verbindlichkeit gebucht werden; ansonsten stimmen meine Überlegungen wohl nicht.]

2) Die Käuferin oder Sicherungsnehmerin (Nehmerin) wäre demnach auf den ersten Blick um 50.000,- WE ärmer. Andererseits kann sie aber diese 'Police' am Markt weiterverkaufen (zusammen mit Anleihestücken oder auch ganz ohne diese). Anderen Interessenten kann es gleichgültig sein, ob sie neue CDS' bei irgendeiner Sicherungsgeberin kaufen, oder bereits ausgestellte CDS' (direkt oder über die Börse) bei der ursprünglichen Sicherungsnehmerin. Die CDS' sind also (anders als eine 'normale' Versicherungspolice, mit der sich eine Bank z. B. gegen Brandschaden absichert) Wertpapiere. Und da sie einen (Markt-)Wert haben, müssen sie mit diesem auch in der Bilanz erscheinen. Die Sicherungsnehmerin musste zwar 50.000,- WE aus ihrer Kasse entnehmen, um die CDS' zu bezahlen. Andererseits verbucht sie aber in ihren Wertpapierbeständen einen Zugang von 50.000,- WE (inwieweit davon evtl. Gewinne der Sicherungsgeberin sowie Transaktionskosten abzusetzen sind, braucht hier nicht zu interessieren). Ihr Vermögen ist also, buchmäßig betrachtet, genau so groß wie vorher (nicht anders, als wenn sie z. B. für diesen Betrag Aktien oder eine Anleihen gekauft hätte).

3) Wenn die Geberin reicher geworden ist und die Nehmerin nicht ärmer, dann muss 'das System' insgesamt jetzt reicher sein als vorher: die Summe der Bilanzen beider Banken ist jetzt [wenn ich keinen Denkfehler gemacht habe] um 50.000,- WE höher als vorher. In der Praxis gibt es natürlich eine Begrenzungen für ein solches Spiel; insbesondere muss die Sicherungsgeberin Kapital vorhalten für den Fall, dass die Anleiheschuldnerin pleite geht (bzw. ein sog. "Kreditereignis" - "Credit event" eintritt) und sie aus den 'Versicherungspolicen' in Anspruch genommen wird. Außerdem muss sie in vielen Fällen den Sicherungsnehmern Sicherheiten (Collaterals) stellen, und schließlich ist ja auch die Nachfrage nach CDS' nicht unbegrenzt. Grundsätzlich kann aber die Geberbank CDS' in riesigen Mengen ausstellen und dafür kassieren.

Welche Konsequenzen hat das im Verhältnis zur Realwirtschaft? Wie kann die Finanzwirtschaft, bzw. können deren Profiteure (Kapitalbesitzer, Arbeitnehmer und die ganze Entourage von Börsenmaklern, Ratingagenturen, Rechtsanwälten, Verbänden, Werbeagenturen, Wirtschaftspublikationen usw.) mit diesem 'Spielgeld' Güter in der Realwirtschaft kaufen?

4) Zunächst einmal steigt (im Prinzip) der Wert der Sicherungsgeberin um jene 50.000,- WE, die sie nun mehr in der Kasse hat. Wenn Sie Ihre Ersparnissen unter der Matratze hervorholen, und Aktien der Geberbank kaufen, müssen Sie jetzt mehr bezahlen als vorher.

5) Wollen Sie Aktien der Nehmerbank kaufen, zahlen Sie immer noch den gleichen Preis wie vorher; wir haben ja gesehen, dass diese Bank (auf dem Papier) nicht ärmer geworden ist.

6) Ergebnis für die beiden Systeme: Das Finanzsystem hat einen größeren Reichtum vorgetäuscht und damit der Realwirtschaft eine Zahlung, letztlich also ein Anrecht auf Güter, abgeluchst.

7) Kehren wir aber zum o. a. Stand Nr. 3 zurück stellen wir im Fortgang unserer Modellbildung fest, dass der Zustand einer (Schein-)Bereicherung des Finanzsystems insgesamt einen lediglich transitorischen Charakter hatte. Wird die Anleihe von General Motors bei Fälligkeit gezahlt, kann die Nehmerbank die CDS' in den Papierkorb werfen: deren Marktwert ist dann auf Null gesunken, sie muss diese Positionen ausbuchen, abschreiben. (In der Realität ist das wahrscheinlich ein gleitender Prozess; schon mit der zunehmenden Annährung an den Fälligkeitszeitpunkt dürfte ein Credit Default Swap an Wert verlieren, wenn die Anleihefirma wirtschaftlich gesund bleibt.) Damit ist das Finanzsystem jetzt buchmäßig wieder auf den Stand vor dem Ankauf der CDS' durch die Nehmerbank zurück geführt. Man könnte sagen, dass sich das 'Wertpapier' nunmehr in eine normale Risikoversicherung verwandelt hat, deren Ankauf durch die Nehmerbank lediglich eine Ausgabe darstellt, ohne dass sie buchungstechnisch einen Gegenwert verbuchen kann, oder dass die ganze Transaktion eine verlorene Wette war. Die Nehmerbank ist zu diesem Zeitpunkt tatsächlich um 50.000,- WE ärmer; sie muss einen entsprechenden Verlust in ihren Bilanzen buchen; die Aktienkurse müssten im Prinzip entsprechend fallen, d. h. Sie können die Aktien nunmehr billiger bekommen (von Altaktionären oder bei Kapitalerhöhungen als Preis für Ihre Neueinlage).

8) Aufgrund der vorstehenden Überlegungen ziehe ich den Schluss, dass das Finanzsystem hier Reichtum lediglich vorgetäuscht, und ggf. mit vorgetäuschtem Reichtum Geld aus der Realwirtschaft angelockt hat. Irgendwann kommt aber bei einem solchen System die Stunde der Wahrheit, wo die buchmäßige Bereicherung wieder auszubuchen ist. (Das gilt übrigens auch, wenn der Anleiheschuldner falliert. Dann hat zwar die Geberbank riesige Verluste, und die Nehmerbank - wenn sie CDS' ohne Anleihen hält - gigantische Gewinne. Aus der Perspektive des Finanzsystems insgesamt saldieren sich aber die Zahlungen der Geberbank an die Nehmerbank zu "0", während der Credit Default Swap seinen eigenständigen Wert auch dann verliert, wenn die Geberbank den Anleihewert zahlen muss. In jedem Falle geht also der vorher im System ausgewiesene 'Mehrwert' des CDS dem System verloren, weil der eigenständige Wert des CDS am Ende so oder so auf Null absinkt. Das Finanzsystem ist bei dieser Fallgestaltung wieder ärmer geworden.

Inwieweit derartige Zusammenhänge in der gegenwärtigen Finanzmarktkrise konkret eine Rolle spielen, kann ich nicht beurteilen. Aus den Medienberichten gewinnt man eher den Eindruck, dass diese Krise durch faule Kredite entstanden ist. Allerdings würde ich nicht ausschließen, dass dabei auch andere Zusammenhänge, möglicher Weise auch die hier aufgezeigten, in irgendeiner direkten oder indirekten Form zum Tragen gekommen sind. Dazu fehlen mir aber die Kenntnisse, d. h. die Denkmodelle und erst recht konkrete Informationen und Zahlen.


9) Insoweit, als das Finanzsystem CDS' an die Realwirtschaft verkauft (also wenn z. B. Sie oder ich den Banken CDS' abkaufen), hat die Finanzwirtschaft natürlich einen direkten Anspruch auf Güterlieferungen gegen die Realwirtschaft erworben; ein solches Geschäft ist nicht mit einer 'eigenmächtigen' Geldschöpfung innerhalb des Finanzsystems zu verwechseln.


10) Wie verhält es sich, wenn eine Sicherungsgeberin in Insolvenz geht, und vom Staat (entweder von der Regierung oder von der Zentralbank) gerettet wird? In diesem Falle hätte die Finanzwirtschaft tatsächlich Geld aus der Realwirtschaft gezogen, ohne eine Gegenleistung zu erbringen. Wenn die Regierung Geld einschießt, bezahlen die Steuerzahler (obwohl der Staat, zumindest theoretisch, je nach der konkreten Ausgestaltung seiner Hilfen am Ende durchaus ein gutes Geschäft gemacht haben könnte). Schießt eine Notenbank Geld ein, wird sie entsprechend mehr drucken müssen. Damit hätte sie die Geldmenge vermehrt; tendenziell mit inflationären Konsequenzen. Ob die Fed aktuell derartige Operationen vornimmt, welche zur Geldvermehrung der Kipper und Wipper äquivalent wäre, kann ich nicht beurteilen; mir geht es in meiner vorliegenden Studie hauptsächlich um den 'Modellbau', um das, was sein könnte. In einem zweiten Schritt kann, wer's kann, untersuchen, inwieweit Erscheinungen aus der aktuellen Finanzkrise diesem Modell entsprechen oder nicht.
Übrigens findet ein Geldtransfer von der Real- in die Finanzwirtschaft auch dann statt, wenn die Aktionäre die Geberbank durch eine Kapitalerhöhung retten.
In jedem Falle ist das Finanzsystem insgesamt reicher geworden:
- die Geberbank hat u. U. Hunderte von Milliarden Währungseinheiten an die Nehmerbanken ausgezahlt und ist zunächst um diese Beträge ärmer;
- die Realwirtschaft (in Gestalt der Regierung, der Fed oder der Anteilseigner) schießt dieses Geld wieder ein; damit ist die Geberbank wieder auf dem vorherigen Stand;
- die Nehmerbanken sind dagegen reicher geworden.
- Da die Geberbank nicht ärmer, die Nehmerbanken aber reicher geworden sind, ist das Finanzsystem insgesamt reicher; die Differenzbeträge hat es aus der Realwirtschaft gezogen. Die Nutznießer des Finanzsystems, also Kapitalbesitzer, aber auch Beschäftigte usw., können nun mit diesen Gewinnen in der Realwirtschaft einkaufen. Die anderen 'Stakeholder' der Realwirtschaft haben insoweit das Nachsehen; ich fürchte, dass die Verluste letztendlich (durch vielerlei Zwischenstufen gleichzeitig vermittelt und verschleiert) von den Beschäftigten in der Realwirtschaft zu tragen sein würden (bzw. zu tragen sind).

Die Rettung der American International Group (AIG) durch die Regierung und die Fed scheint einer von jenen Fällen zu sein, bei dem sich eine Einheit innerhalb des Finanzsystems mit der Ausgabe von Credit Default Swaps überhoben hat und wo die Realwirtschaft die Verluste eingeschossen hat. Soweit dies allerdings im Wege von Krediten erfolgt ist, könnten diese Gelder irgendwann wieder in die Realwirtschaft bzw. an die Fed zurück fließen. Bemerkenswert ist allemal, dass die Fed geheim hält, welche Arten von Wertpapieren sie als Gegenleistung für Kredite an insolvenzbedrohte Finanzinstitute akzeptiert hat. Die Wirtschafts-Nachrichtenagentur Bloomberg hat die US-Notenbank sogar auf Auskunft verklagt und begründet das (im Kapitel "AIG-Lending" der Meldung "Fed Defies Transparency Aim in Refusal to Disclose (Update2)" von Mark Pittman, Bob Ivry and Alison Fitzgerald vom 10.11.2008) u. a. so (meine Hervorhebung):
"The Bloomberg lawsuit argues that the collateral lists ``are central to understanding and assessing the government's response to the most cataclysmic financial crisis in America since the Great Depression."


11) Ein anderer 'Absaugmechanismus' könnte über die Steigerung der Immobilienpreise und die höheren Hypothekenkredite, mit entsprechend höheren Rückzahlungsverpflichtungen der Realwirtschaft, laufen.

Aus meiner Sicht stellt sich aufgrund meiner o. a. Überlegungen nunmehr die Frage, ob und ggf. wie man die Realwirtschaft gegen die quasi 'zwangsweise' (dies insoweit, als ein Zusammenbruch des Finanzsystems natürlich verhindert werden muss) Übernahme von Verlusten (nicht: des Finanzsystems, sondern:) einzelner 'Player' aus der Finanzwirtschaft abschotten kann.


Mir ist nicht ganz klar, in welchem Maße die Derivate (in erster Linie wohl die Credit Default Swaps – CDS) in der gegenwärtigen Finanzmarktkrise zum Problem geworden sind. Überall werden gigantische Zahlen genannt; man hat indes nicht selten den Eindruck, dass die Autoren deren Relevanz nicht immer durchschauen.
Speziell bei den Derivaten haben sich die Banken ja häufig durch Gegengeschäfte ‘rückversichert’, so dass die Nettopositionen (und auf die kommt es doch wohl hauptsächlich an?) weitaus geringer sind als die kumulierten Werte der Transaktionen insgesamt.
Andererseits hat es natürlich der konkrete Handelsteilnehmer nicht mit irgendeinem statistischen 'Markt' zu tun, sondern mit einer konkreten Gegenpartei. Es könnte deshalb sein, dass die Vertrauensschäden weitaus größer sind als mögliche reale Verluste.

Falls jemand zu dieser Frage irgendwo eine gute Untersuchung oder wenigstens einen guten Artikel kennt, wäre ich für einen Kommentar mit entsprechendem/~en Linkhinweis(en) dankbar.

Was die Isolierung von Risiken aus Derivategeschäften angeht neige ich zu der Auffassung, dass diese, soweit es sich um professionelle Händler handelt (Finanzinstitute oder andere Firmen) sämtlich bei einer Clearingstelle hinterlegt bzw. dokumentiert werden sollten. Diese müsste für die Erfüllung haften. Allerdings sollte man m. E. einen Selbstbehalt von mindestens 20% vorsehen, damit die Käufer nicht allzu sorglos in der Wahl der Gegenpartei werden. (Privaten sollte man den Kauf und Verkauf solcher Instrumente zwar nicht verbieten; jedoch sollte ihnen der Schutz durch eine derartige zentrale Abwicklungsstelle versagt bleiben, um nicht den Verkäufern diesen 'Versicherungsschutz' als Marketingargument zu bieten. Wer als Privatperson das volle Risiko nicht tragen mag, mag die Finger von diesen "finanziellen Massenvernichtungswaffen" lassen; das wäre ohnehin das Beste für ihn oder sie.)

Kommt es zur Insolvenz eines Players, müssten alle Besitzer der hinterlegten bzw. bei der Hinterlegungsstelle registrierten “Stücke” anteilig haften. Das könnte man über eine Umlage regeln; besser (weil flexibler) wäre aber wohl eine Art ‘margin call’. Im Insolvenzverfahren über das Vermögen eines Derivateanbieters wären Forderungen aus Derivaten nachrangig einzustufen, damit zunächst die Forderungen der Einleger usw. bedient werden können.

Die technischen Details mögen die Finanzmarktakteure sich selber ausdenken; wenn’s um Geschäftemachen geht, ist denen ja auch nichts zu kompliziert. Vor die Alternative: Verbot oder Handel nur noch über zentralisierte Abwicklungsstelle gestellt, würden sie sicher äußerst kreative Ideen für ein solches Clearinghouse präsentieren.

Inwieweit man eine solche Stelle auch in den Handel mit nicht-standardisierten Produkten einbinden kann, ist mir unklar; notfalls müsste man diesen halt hinsichtlich der höchstzulässigen “Exposure” der jeweiligen Handelspartner einschränken. Wenn sich die Finanzinstitute dadurch allzu sehr eingeschränkt fühlen, mögen sie eigene Vorschläge für äquivalente Regelungen machen.

Entscheidend ist aus meiner Sicht, dass ein System etabliert wird, welches Schieflagen im Finanzsystem, die durch dessen interne Nullsummenspiele entstanden sind, diesem Finanzsystem als Kollektiv aufbürdet. Dadurch sollte eine Belastung des Steuerzahlers (oder, durch Inflation, des Konsumenten) bzw. ganz allgemein der Realwirtschaft ausgeschlossen sein.

Damit sind zwar zunächst noch nicht die aus den Primärprodukten – Hypothekenkrediten – resultierenden Probleme beseitigt. Andererseits waren aber doch durch die Derivate gerade auch diese Kredite versichert? Soweit das zutrifft, wären durch meinen Vorschlag eben doch die Belastungen aus der Kreditkrise innerhalb des Finanzsystems 'eingehegt' [gehedged sozusagen :-)], indem sie als Verluste der zunächst die einzelnen Marktakteure treffen würden und bei deren Zusammenbruch auf die anderen (professionellen) Besitzer der einschlägigen Derivateklasse/n verteilt würden.

Mir scheint, dass eine solche Lösung flexibler und subtiler als einige der Regulierungsvorschläge von Helmut Schmidt ("Wie entkommen wir der Depressionsfalle?", Zeit Online 15.1.09; vgl. auch meinen Blott "Helmut vor, noch ein Tor!").


Well, and now it's your turn: Gegenargumente, Kommentare?




Es hat nicht unmittelbar mit den CDS' zu tun, aber vielleicht doch mittelbar, wenn das Finanzsystem durch die Verbriefung von Kreditforderungen seine Möglichkeiten zur Kreditschöpfung erweitert. Hierzu fiel mir im Jahresgutachten 2007/2008 des "Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung" vom 07.11.2007 in dem Abschnitt "Die treibenden Kräfte der Finanzmarktkrise" [die man also auch dort schon damals diagnostizierte!] der nachfolgende Passus Ziff. 179 ins Auge (meine Hervorhebungen):
"Ein weiterer Beleg für einen allenfalls eingeschränkten Disintermediationsprozess des Bankensystems ist die bis zuletzt sehr dynamische Entwicklung der globalen Kredit- und Geldmengenaggregate, das heißt der traditionellen Forderungen und Verbindlichkeiten von Kreditinstituten. In den 16 wichtigsten OECD-Ländern ist in den letzten Jahren keinerlei Verlangsamung der Kreditexpansion zu erkennen (Schaubild 44, Seite 132), lediglich bei der Dynamik der monetären Aggregate zeigt sich eine gewisse Dezeleration. Dies spricht dafür, dass die Verbriefung nicht substitutiv, sondern vielmehr komplementär zur Intermediation durch Banken eingesetzt wurde und damit erheblich zur Ausweitung des globalen Kreditschöpfungspotenzials beigetragen hat."

Im übrigen bringt natürlich auch das aktuelle Gutachten vom 12.11.2008 eine ausführliche Darstellung der Probleme in der weltweiten Finanzwirtschaft (Kapitel 3: "Finanzsystem auf der Intensivstation").





Unsystematische Sammlung weiterer Links im (mehr oder weniger engen) Zusammenhang mit der o. a. Thematik:

Anonyme Blogs mag ich eigentlich nicht, aber der "Politprofiler" vom 31.10.2008 bringt einige interessante Zahlenangaben über CDS', z. B. über die Höhe der Prämien, die damals zur Absicherung von Staatsanleihen verschiedener Länder zu zahlen waren (Deutschland 3,1 Promille, Island 10 Prozent!).

Ein Vergleich mit der Schwedischen Bankenkrise von 1990 - 1992 ist vielleicht auch für die amerikanische Finanzkrise erhellend, denn auch in Schweden (wie übrigens auch in Japan) war es zu einer Blase bei den Immobilienpreisen gekommen.

Für Japan vgl. die (allerdings etwas knappen) Wikipedia-Einträge "Japanese Asset Price Bubble" bzw. im deutschsprachigen Pendant die einschlägigen Ausführungen bei dem Stichwort "Bubble Economy".

Zur Terminologie sollte man sich den Begriff "Special purpose entity" merken (auch: "Special purpose vehicle" genannt); auf Deutsch "Zweckgesellschaft". Leider weiß ich nicht ob es für das, was man im Deutschen "Außerbilanzielle Zweckgesellschaften" nennt, im Englischen eine exakte begriffliche Entsprechung gibt; "LEO" liefert nur die beiden hier geannten Übersetzungen. Siehe auch "Conduit" und "Structured investment vehicle" (Der deutschsprachige Wikipedia-Eintrag zum 1. Stichwort verweist auf den englischsprachigen zum 2. Stichwort, die also gleichbedeutend zu sein scheinen).

Der Aufsatz "Post-Enron, Structured Finance Addiction Hasn't Ebbed" von Matthew Goldstein vom 29.07.2004 auf der Webseite von TheStreet.com liefert uns einige Zahlen zur damaligen Situation der sog. Strukturierten Finanzierungen in den USA. Goldstein will anscheinend davor warnen, dass solche Finanzprodukte zu einem Debakel führen können, wie schon bei der Pleite der "Enron Corporation" im Jahr 2001 (die Fa. wird jetzt nach einem Insolvenzverfahren unter dem neuen Namen "Enron Creditors Recovery Corporation" offenbar fortgeführt). (S. a. Wikipedia-Eintrag "Enron Scandal").

Im Schweizer "financeBlog" ist (derzeit mit Aktualisierungsdatum 09.01.2009) eine Übersicht über die "CDS-Preise für Finanzwerte" eingestellt. Dort auch Links zu einigen weiteren Einträgen in diesem Blog über die Funktionsweise von bzw. mit Daten zu dem CDS'.

Nach den Ausführungen in dem Artikel "The Meltdown That Wasn't. A primer on credit default swaps, the latest Beltway scapegoat" im Wall Street Journal vom 15.11.2008 waren die CDS' besser als ihr Ruf; im Gegensatz zum Anleihemarkt sei der CDS-Markt stets liquide geblieben und die dort gebildeten Preise hätten (mangels funktionsfähiger Primärmärkte) als Maßstäbe zur Kreditbewertung gedient. Selbst der Zusammenbruch von Lehman Brothers habe keine existenzgefährdenden Verluste bei den Geschädigten verursacht, da die (auf den ersten Blick gigantischen Werte) jeweils durch Gegengeschäfte abgesichert gewesen seien. Vielmehr seien Vertrauensprobleme der Grund für die nach der Lehman-Insolvenz verstärkt aufgetretenen Probleme im Finanzsystem. Ebenso wenig wären im hypothetischen Falle einer Insolvenz von AIG andere große Finanzinstitute existenziell bedroht gewesen.

Im "Blick Log" vom 14.11.08 berichtet "Coien" über "Das Fieberthermometer der Finanzkrise: Credit Default Swaps". Auch hier heißt es: "Credits Spreads lösen Rating ab. Die Credit Spread erfüllen damit im Prinzip die Funktion von den Bonitätsnoten der Ratingagenturen. Das Vertrauen in deren Bewertungen hat jedoch in der Finanzkrise erheblich abgenommen". Weiterhin erfahren wir von Bemühungen um eine zentrale Abwicklungsstelle für diese Derivate: "Ein zentrales Anliegen von Politik und Aufsicht ist dabei die Schaffung eines zentralen Kontrahenten. Ein solches 'Clearinghouse' wird zwischen die Handelsparteien geschaltet und springt bei Zahlungsausfall ein."

Das Papier der BayernLB vom Oktober 2008 "Kreditderivate und die Finanzmarktkrise" wurde anscheinend erstellt zur Vorlage beim "PRMIA – Munich Chapter Meeting - 09.12.2008" (was immer das sein mag). Wer sich durch die 60 (freilich nach Art einer Power-Point-Präsentation sehr groß bedruckten) Seiten der pdf-Datei durchgekämpft hat, weiß sicher mehr als ich über das Thema.

Da gebe ich mich lieber mit dem für Laien weitaus verdaulicheren (aber ebenfalls mit vielen Daten gespickten) Vortragskonzept "Finanzmarktkrisen und realwirtschaftliche Auswirkungen. Kapitalmarktgespräch Schloss Wilkinghege, 21. November 2007" von Stefan Schneider, Chief International Economist der Deutsche Bank Research, zufrieden. Hübsch z. B. auf S. 29 die Erläuterung einiger Sachverhalte bzw. Begriffe im Zusammenhang mit der US-Immobilienkrise bzw. Hypothekenkrise:
"Geht nicht, [gibt - ist im Original durchgestrichen] gab es nicht!
„Teaser rate“ Hypotheken.
Negative Equity-Hypotheken.
„Lügner“-Hypotheken.
NINJA-Hypotheken (no income, no job, (no) assets)
."

Und auf S. 33: "Keiner der beteiligten Akteure (Hauskäufer, Hypothekenbanken, Rating-Agenturen, Politik/Aufsicht) hatte einen Anreiz einzugreifen."


Nachtrag 29.01.09:
George Soros macht in seinem Kommentar "The game changer" in der Financial Times vom 28.01.09 die Geschäfte mit Credit Default Swaps mitverantwortlich für die Krise. Allerdings habe ich nicht kapiert, wie er das genau begründet. Jedenfalls fordert er eine strenge Regulierung und, wenn ich das richtig verstanden habe, auch eine Einschränkung derartiger Geschäfte. Im übrigen bringt er u. a. einen interessanten quantitativen Vergleich des Verhältnisses von Kreditsumme zum Bruttoinlandsprodukt zwischen der Weltwirtschaftskrise:
"Total credit outstanding was 160 per cent of gross domestic product in 1929 ..."
und aktuell:
"... and rose to 260 per cent in 1932; we entered the crash of 2008 at 365 per cent and the ratio is bound to rise to 500 per cent."
Solche Relationen -Kreditsumme 365faches des Bruttoinaldsproduktes - können schon erschrecken - und verwundern. Wie kann eine Realwirtschaft eine solche Kreditsumme - mit der entsprechenden Zinslast - überhaupt tragen? Wieso ist dieses System nicht schon früher zusammengebrochen? Liegt es an den heute evtl. größeren Wachstumsraten oder einer höheren Produktivitätssteigerungsrate?
[Überhaupt können wir vielleicht mehr über die Krise erfahren, wenn wir uns fragen, wieso unser Finanzsystem bislang relativ gut funktioniert hat. Das erscheint uns zwar selbstverständlich; im Grunde ist es aber ebenso unwahrscheinlich wie, z. B., eine "gelingende Kommunikation". (Und auf die Frage, wieso Kommunikation überhaupt - in der Regel - gelingt, hat ja, wenn ich das richtig verstehe, Niklas Luhmann seine soziologische Lehre aufgebaut. Vielleicht sollte die Wirtschaftswissenschaft auch mal einen solchen 'gegenintuitiven' Forschungsansatz erproben?)]


Nachtrag 23.02.09
Die Frage einer Geldschöpfungsmöglichkeit durch Finanzinstitute ('Geschäftsbanken') außerhalb der Kreditvergabe bin ich jetzt noch einmal angegangen in meinem Blott "Neuartige Buchgeldschöpfung im Finanzsystem als Ursache der Finanzmarktkrise: Heureka oder Denkfehler?". Da gibt es mit Sicherheit zahlreiche Überschneidungen, aber das Ringen um Erkenntnis ist halt mühsam für mich. Nur indem ich die Frage wieder und wieder durchkaue kann ich hoffen, ein wenig weiter zu kommen.


Nachtrag 05.04.2009
Zusammenfassende Meinungsäußerung zur Bilanzierung:
Die Bilanzierungsproblematik kann man abstrahierend wohl durch die Alternative Marktwert - Ertragswert charakterisieren. Und ganz allgemein scheint mir die Bilanzierung nach dem Marktwert ein legitimes Informationsbedürfnis der Investoren zu befriedigen. Ausschüttungen - als Dividende an die Eigentümer oder als Boni an die Mitarbeiter - sowie die Regulierung am Finanzmarkt müsste(n) sich aber m. E. am Ertragswert orientieren.


Nachtrag 04.04.2010

Gelesen habe ich die beiden Arbeitspapiere des kanadischen Forschers John H. Munro über Münzverschlechterungen im Burgund des 14. + 15. Jahrhunderts nicht, doch möchte ich Sie hier zum Nutzen anderer (oder für eigene zukünftige Lektüre) verlinken:
"Warfare, Liquidity Crises, and Coinage Debasements in Burgundian Flanders, 1384 - 1482: Monetary or Fiscal Remedies?" In diesem "Working Paper 355" geht Munro der Frage nach, ob die Herrscher über das flandrische Burgund die Wirtschaft ankurbeln oder ihre Staatseinnahmen erhöhen wollten (er nimmt das Letztere an), indem sie Münzen mit geringerem Edelmetallgehalt ausprägten.

Eine neuere Version davon ("Note that this is an extensively revised and shortened version of an earlier working paper (no. 355),
correcting some errors in that paper (concerning Spanish coinage): with the same tables, but with a new set of graphs,
") ist das
Arbeitspapier Nr. 361 unter dem Titel "Coinage and Monetary Policies in Burgundian Flanders during the late-medieval 'Bullion Famines', 1384 - 1482". Trotz seiner (interessanten) Feststellung, dass
"... the inflationary consequences of debasements were always less than those predicted by mathematical formulae – possibly because those debasements failed to counteract the prevailing forces of monetary contraction and deflation"
kommt er doch zu dem Schluss
"that debasements were usually far more harmful than beneficial".
Ob das heute auch für uns gilt?

Im übrigen sind zahlreiche weitere wissenschaftliche Arbeiten zur Geldpolitik und zur Inflation auf dieser Webseite "Ideas" verlinkt.


Nachtrag 06.11.2010
Zwischen Geldfälschern und Notenbanken gibt es doch einen wesentlichen Unterschied: Notenbanken verleihen das Geld; so können sie es auch wieder aus dem Verkehr ziehen, indem sie das Geld wieder einsammeln.
Ich glaube freilich, dass dieser Möglichkeit teilweise nur theoretisch besteht. Denn durch die Aufblähung der Geldmenge hat man ja eine entsprechende Wirtschaft geschaffen, die in vielerlei Hinsicht (z. B. der Größe - und ggf. der Hypertrophie - des Finanzsektors) auf dieser Geldverfügbarkeit basiert ist. Würde man die Geldmenge drastisch zurück fahren, käme ein ganzes Ökonomiegebäude zum Einsturz.
So gesehen, ist der Unterschied zwischen Notenbanken und Geldfälschern, d. h. zwischen den Resultaten ihrer Aktivitäten, in der Realität vielleicht doch geringer, als er in der Theorie erscheint.

Die aktuelle Ankündigung der Ben-Bernanke-Fed, in der nächsten Zeit US-Staatsanleihen im Wert von 600 Milliarden Dollar kaufen zu wollen (d. h. den Geldumlauf der US-Dollar um 600 Mrd. auszuweiten!), lässt nicht nur unseren Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ausrasten ("Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat die Maßnahmen der Vereinigten Staaten zur Ankurbelung der lahmenden Wirtschaft außergewöhnlich scharf kritisiert" meldet die FAZ). Sogar in dem (für meinen Geschmack oft allzu) zahmen Handelsblatt tobt der Kommentator in dem Artikel "US-Geldpolitik: Ein Blasebalg namens Fed" vom 04.11.10: "Der jüngste Schritt der Fed ist nur die Fortsetzung einer Serie gravierender Fehlentwicklungen in den USA. Anstatt sich der überbordenden Schuldenproblematik zu stellen, unangenehme Wahrheiten zu akzeptieren und entsprechend schmerzhafte Veränderungen im Land einzuleiten, bleibt Stimulus auf Pump die einzige Strategie der US-Oberen. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die Milliarden aus dem Helikopter des Ben Bernanke vor allem die nächste Spekulationsblase finanzieren, nicht aber den am Boden liegenden Arbeitsmarkt in der größten Volkswirtschaft der Welt."
Freilich: auch die EZB ist kein geldpolitischer Waisenknabe. Das sind die Schattenmänner der FED, bei der Geldmengenausweitung geschickter - aber wohl kaum weniger aktiv.


Nachtrag 10.07.2012
Soeben erreicht mich eine E-Mail von Steffen Leins, M. A., Doktorand am Fachbereich Geschichtswissenschaft der Universität Tübingen. Herr Leins informiert darüber, dass in Kürze sein Buch "Das Prager Münzkonsortium 1622/23: ein Kapitalgeschäft im Dreißigjährigen Krieg am Rand der Katastrophe" erscheinen wird. Ich selber versuche immer wieder, die aktuelle Geldpolitik, bzw. die Beziehung zwischen Geldwesen und Realwirtschaft, durch Vergleiche auch mit älteren wirtschaftsgeschichtlichen Sachverhalten zu verstehen. Insoweit bin ich sicher, dass eine solche (Doktor-?)Arbeit ein interessanter Beitrag auch zum Verständnis der aktuellen Krise ist.



Textstand vom 10.07.2012. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
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