Freitag, 20. Februar 2009

Lässt Klingklax sich klaglos beklauen? Keine Euro-Anleihen zur Rettung der Mittelmeer-Länder! Keine deutschen Steuergelder gen Süden senden!

Im Internet finde ich ihn nicht, den Klingklax, doch bin ich ganz sicher, ihm einst in einem Buch über das Italien zur Zeit des 2. Weltkrieges begegnet zu sein. In den Anfangsjahren, als man einen Sieg der Achsenmächte noch nicht ausschließen konnte, ging dort ein Spruch um, dessen Tenor lautete: "Lasst doch den Klingklax die (Drecks-)Arbeit machen". Der Ausdruck hat die onomatopoetische Anmutung von Stiefelschritten, und tatsächlich bezog er sich in diesem Zusammenhang auf die deutsche Wehrmacht.
Eigentlich aber war es die Markenbezeichnung für ein Abführmittel.

Ums Abführen geht es auch bei den Euroanleihen (d. h. hier nicht "in Euro denominierte Anleihen" sondern "Anleihen, die von den Ländern der Euro-Zone gemeinsam begeben werden").
Die abgewirtschaftete Londoner Finanzwelt wackelt mit der Feder, und gehorsam kotzen uns Deutschlands Publizisten das Wiedergekäute vor die Füße:
Der deutsche Steuerzahler soll zum Dukatenscheißer für die europäischen Südländer werden - Griechenland, Italien, Portugal; vielleicht braucht Spanien ja auch noch Geld: egal, ab damit, sendet unser Geld gen Süden!

Mittwoch, 18. Februar 2009

Nun Volk hör auf: deine Volksparteien zu unterwandern. Nun Flüchtlingssturm, brich los! Nein, war nicht so gemeint, Hr. Perger?

Merkwürdig: immer dann, wenn in einer Demokratie mal der Volkswille herrschen soll, kriegen viele feine Demokraten Magenkrämpfe. Man weiß ja schließlich, was richtig isst - im Gegensatz zum Volk, das eh' nur in dunklen Stuben beisammensitzt und dort ein dumpfes Stammtischmurmeln absondert.

Nun gibt es zweifellos eine ganze Reihe von Themenfeldern, wo dem Volk ein sachkundiges Mitreden schwer fällt. Bankenrettung, Wirtschaftspolitik oder gar Währungspolitik: da fehlen entweder zum einen die erforderlichen Fach- und Sachkenntnisse, und zum anderen der nötige Zeithorizont. Scheinbar wirksame Sofortlösungen können aber, gerade auf diesen Gebieten, mittel- und langfristig verheerende Folgen haben.

Bei der Frage indes, wer sich auf dem Territorium eines anderen Volkes niederlassen darf, sollten doch wohl die Mitglieder des Volks-Vereins ein Mitspracherecht haben? Oder sollen wir alle reinlassen, denen es daheim nicht gut geht, und die deshalb hier an den Hartz IV-Honigtöpfen saugen möchten?

Nun, das hat Hr. Perger ja nicht gesagt.
Werner A. Perger beschränkt sich in der ZEIT ONLINE vom 18.02.2009 in seinem
Kommentar "Flüchtlinge. Wie der Populismus die Volksparteien unterwandert" auf das Gebiet der politischen Hygiene. "Flüchtlingsbekämpfung" ist ein Wort, das ihm nicht gefällt.

Darüber kann man lange reden; es ist indes nicht sonderlich demokratisch, sondern eher hinterfotzig, wenn man der öffentlichen Meinung inhaltliche Positionen auf dem Weg über scheinbar bloße Stilfragen unterjubeln will.
Das ist natürlich intelligenter als der Stammtisch, aber es ist eine hinterhältige Strategie, uns die geistigen Waffen zur Verteidigung unseres Raumes aus der Hand zu luchsen, "unser Raum" als Raum verstanden, wo 'wir' unsere Kultur aufgebaut haben, die wir nicht demontiert und nicht überformt sehen wollen. Das ist keine Frage der Qualität, und auch die Legitimität dieser Position hat nichts damit zu tun, ob unsere Kultur besser oder schlechter als andere ist: My home is my castle, my country is my home - und nicht die Siedlungspampa für die ganze Weltbevölkerung und auch nicht und schon gar nicht den verelendeten Teil davon.


Die eigentliche Frage ist also "wolle mer jeden reinlasse", oder wollen wir das nicht. Davon, aber auch davon, mit welchem Maß an Aggressivität die Flüchtlinge in unser Territorium einzudringen versuchen. Schon der Terminus Flüchtlinge ist bei der Anwendung auf sogenannte "Wirtschaftsflüchtlinge" ein Euphemismus, auch wenn uns das meist nicht bewusst wird. "Fliehen" im eigentlichen Sinne kann man nämlich nur vor einer drohenden Gefahr, einst z. B. "vor den Russen", "vor den Nazis" oder "vor den Deutschen". Wirtschafts"flüchtlinge" sind indes gar keine Flüchtlinge in diesem strengen Sinne; in korrekter Bezeichnung, aus der Perspektive derjenigen, die sich von ihnen bedroht fühlen, müssten sie als Eindringlinge bezeichnet werden.

Da würden Herr Perger und andere Menschheitsfreunde fraglos noch mehr toben, aber die aggressive Zuwanderung in Wohlstandsländer ist keine Flucht. Wir sollten also Hr. Perger insoweit durchaus Ernst nehmen, als wir uns um Bezeichnungen bemühen, welche unsere Sicht der Dinge wiedergeben.

Wer sich daran stört, dass andere den Begriff der "Bekämpfung" verwenden, wenn sie den Flüchtlingsansturm auf unser Siedlungsterritorium abwehren wollen, der will ihn halt nicht bekämpfen, sondern hinnehmen. Er will uns zunächst das begriffliche Instrumentarium madig machen, mit welchem wir den Sachverhalt aus unserer Interessenposition heraus beschreiben. Und wenn uns erst die Worte fehlen, wenn starke Worte illegitim geworden sind, dann sind wir auch zur energischem Handeln nicht mehr fähig.

Das ist der eigentliche Sinn seiner Kritik (und der zahlreichen ähnlich operierenden Kritiker), diese Zielsetzung gilt es zu erkennen, zu denunzieren (wie Herbert Markuse und nach ihm die 68er gesagt haben würden) und zu bekämpfen.

Ein gewisser Bevölkerunsaustausch ist zweifellos sinnvoll; Stagnation liegt nicht in unserem wohl verstandenen Interesse. Doch müssen wir, gerade jetzt in den Zeiten der Wirtschaftskrise, und weitaus mehr und weitaus härter noch in den Zeiten der Ressourcenkrise (Peak Oil / Ölfördermaximum usw.) unsere legitimen Interessen als Volk mit allem Nachdruck verteidigen.

Wir, das Volk, dürfen uns weder in die Nazi-Ecke drängen lassen, noch dürfen wir uns zu Vollidioten umerziehen lassen, die alle und jeden bei uns reinlassen. Die Härte der Abwehr muss der Härte des Angriffs entsprechen - bei der illegalen Einwanderung wie übrigens auch auf anderen Gebieten (z. B. bei der Piratenbekämpfung).

Wer im vorliegenden Zusammenhang mit negativer Bewertung von "Rechtspopulismus" spricht, schwingt zwar die "Ihr-seid-böse-Nazis"-Argumentations-Keule noch nicht sichtbar, hält sie aber hinter seinem Rücken schon bereit. Logisch ist das natürlich unhaltbar; Menschen umzubringen, die Teil der eigenen Kultur sind und sich als Teil dieser Kultur fühlen, ist eines; Menschen - ggf. auch mit Gewalt - am Eindringen zu hindern, um unseren eigenen Lebensstandard und/oder unsere ganz spezifische Lebensweise ("Kultur") zu sichern, ist etwas völlig anderes. Es geht heute nicht darum, andere anzugreifen. Wir müssen aber und wir dürfen uns entschlossen und auf eine Weise verteidigen, die Erfolg verspricht. Massenhafte illegale Einwanderung ist eine Form des Angriffs auf unser Territorium und, je nach Umfang, ggf. längerfristig auf unsere Lebensform. Solche Angriffe müssen wir abwehren und nötigenfalls auch die Härte unserer Abwehr so lange steigern, bis wir die Angreifer von der Aussichtslosigkeit überzeugt haben.

"Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt" reimten die 68er. Und hatten gar nicht so Unrecht. Wir, die Völker (oder das Volk?) Europas, brauchen ein neues Selbstbewusstsein, damit wir uns bei der Verteidigung unserer legitimen Interessen uns nicht mehr verunsichern lassen.

Wer immer der Meinung ist, dass man den Armen der Welt eine Chance geben sollte, mag ganz persönlich seine eigenen Scherflein gen Süden senden.
Doch leider läuft (nicht im konkreten Aufsatz Perger, der dieses Thema gar nicht berührt, aber doch sehr häufig in der Diskussion) die Moral der Guten meist darauf hinaus, den anderen in die Tasche zu greifen, um das eigene Gewissen zu streicheln - indem man die Hilfebedürftigen reinlässt, oder indem man eine wachsende Weltbevölkerung durchfüttert.
Mit der Begründung "Wir sind so reich", da müssen "wir doch etwas für die Armen tun", wird nicht das eigene Portemonnaie gezückt, sondern der Steuerzahler geschwitzt. Und vorzugsweise erhöht man dann die Mehrwertsteuer: das trifft ausgerechnet die Reichen am wenigsten und die eigenen Ärmsten am ehesten. (Und dann heißt es wieder "Eine Schande, wo wir doch so reich sind ...", und die nächste Steuererhöhungsrunde ist eingeläutet.)

Ethikpopulisten wie Perger sind auf ihre Weise ebenso kurzsichtig wie das Volk. Ihr Denken ist aus der Fülle geboren, welche wir derzeit genießen. Dass diese schon sehr bald zu Ende sein wird (der Ölpreis von 150,- USD pro Barrel im vergangenen Juli war ein erster vager Vorgeschmack darauf), liegt außerhalb ihres Blickfeldes.

Eigentlich müssten wir uns jetzt auf vielfältige Weise auf die kommenden Knappheiten vorbereiten:

Demographisch, indem wir die Schrumpfung unserer Bevölkerung nicht mit der Brechstange bekämpfen (und, wie es momentan scheint, leider sogar erfolgreich - vgl. z. B. Handelsblatt-Meldung "Bevölkerung. Die Deutschen kriegen wieder mehr Kinder" vom 15.02.09).

In der Raumordnung durch einen Stopp (und möglichst eine Umkehr) der Zersiedelung.

Technologisch durch alternative Energien, aber z. B. auch durch Überlegungen für eine optimierte Agrarwirtschaft (weitgehend) ohne Rohöl. Und in nicht allzu ferner Zukunft sogar ohne abbauwürdige Phosphatvorkommen (hier ein deutscher Text darüber).

Mental, indem wir uns auf eine Neue Härte einrichten: eine Härte des Lebens, aber auch harte Grenzziehungen. Piraten? Versenken! Unerwünschte Eindringlinge? Abwehren! Es geht aber keineswegs nur um Härte nach außen; auch im Innern, untereinander, müssen wir bereit sein, ggf. auch mit extremen Maßnahmen unsere Infrastruktur so lange wie möglich und so intakt wie möglich zu erhalten.
Schon in den letzten Jahren häuften sich wir "Dank" stark gestiegener (vgl. z. B. Handelsblatt-Bericht "Rohstoffdiebstahl. Versilberte Bronze" vom 28.05.2008 oder "Kupfer-Klau: Skrupellose Jagd auf das teure Metall" in den Lübecker Nachrichten vom 20.02.08). Ein anschauliches Beispiel (wenn auch nicht gerade der für Metalldiebe attraktivste Rohstoff) sind Bahnschienen. Beliebter waren und werden sein Kupferkabel (Stromkabel, Telefonkabel).
Aus unserem derzeitigen saturierten Blickwinkel (oder Bettwinkel) klingt es geradezu hysterisch, wenn ich (für zukünfte Zeiten der sich ständig verschärfenden Ressourcenverknappung) fordere: "Plünderer werden erschossen!" Das kann man sich heute nicht vorstellen (will ich auch heute nicht); da mag auch niemand dran denken. Doch kann eine Rechtspflege im Zeitalter der Ressourcenerschöpfung nicht mehr dieselbe sein wie heute.

Ich freilich denke, dass wir uns auf jede Weise, mental, organisatorisch und technologisch auf die Rohstoffverknappung vorbereiten sollten. Dass wir das allerdings beizeiten tun werden, bezweifle ich.



Ein Beispiel dafür, wie man sich in früheren Zeiten erfolgreich seiner Haut wehrte, bzw. seinen Handel schützte, präsentiert uns, beiläufig, die Historikerin Margrit Schulte Beerbühl in ihrem Artikel "Welthandel. Die Deutschen von London", in der Zeit Online vom 12.02.09 (meine Hervorhebung):
"Zu jener Zeit war der Handel mit den Mittelmeerländern von London aus nicht nur lukrativer, sondern auch erheblich sicherer. Piratenüberfälle machten den Hamburgern die Reise schwer. Unter englischer Flagge indes liefen die Geschäfte gefahrloser: Wagten die Piraten Übergriffe auf die Schiffe, so hatten Städte wie Algier und Tunis, die Heimathäfen der Seeräuber, mit schweren Gegenmaßnahmen der Navy zu rechnen. Und das schreckte ab."
Der derzeitige Spuk etwa vor der Küste von Somalia wäre sehr schnell zu Ende, wenn man wenigstens die Piratenschiffe versenken würde, ggf. auch in den Häfen. Angriffe auf die Städte oder gar mit Bodentruppen wären völlig überflüssig.




Textstand vom 18.02.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen
Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Sonntag, 15. Februar 2009

Neuartige Buchgeldschöpfung im Finanzsystem als Ursache der Finanzmarktkrise: Heureka oder Denkfehler?

Die nachfolgenden Ausführungen habe ich ursprünglich als ZEIT Leser-Artikel konzipiert und (hier) publiziert. Ich übernehme sie hier in weitgehend derselben Form. Der Appell, mich bei der Lösung der aufgeworfenen Frage zu unterstützen, gilt mutatis mutandis natürlich auch für den (wenn gleich eher unwahrscheinlichen) Fall, dass eine(e) Bankbilanzierungskundige(r) in meinen Blog verirren sollte. 

Freitag, 13. Februar 2009

HRE Enteignungsdiskussion: Ministerpräsident Oettinger gegen christliche Goldfinger?

Für den Beobachter (Steuerzahler, Wähler) das größte Problem bei der Debatte um die Hypo Real Estate Holding Holding AG (HRE) ist der Umstand, dass man nirgends Genaueres über die Probleme dieser Bankengruppe erfährt. Zumindest in denjenigen einschlägigen Artikeln, die ich bisher gelesen hatte, aber auch in den zahlreichen beim Wikipedia-Eintrag verlinkten Berichten (von denen ich allerdings aus Zeitmangel jetzt nur den einen oder anderen anschauen konnte), bleiben die Details des Desasters konturlos.

Donnerstag, 12. Februar 2009

Steuersenkungsversprechungen als Urnenfüllende Wahlkampflügen

Fromme Wünsche äußert Donata Riedel im Handelsblatt-Artikel "Nicht ohne kleine Steuerlüge" vom 12.02.2009:
"Die gigantischen Milliardensummen zeigen jetzt schon, dass nicht politische Grundüberzeugungen, sondern schlichte Grundrechenarten Steuersenkungen lange unmöglich machen werden. Das Geld für die Bankenrettung müssen die Steuerzahler aufbringen - Euro für Euro. Deshalb wäre es gerade aus deren Sicht zu wünschen, dass die Große Koalition aufhört, über unbezahlbare Steuersenkungen zu streiten, und alle Energie darauf richtet, erst einmal die Kosten der Krise einzudämmen."

Unter dem Artikel war ein Link (inzwischen ist er durch neuere Beiträge ersetzt), der erklärt, warum sich die Steuerlügner nicht bessern: die Wähler belügen lohnt sich, zumindest kurzfristig. Der Titel des ursprünglich verlinkten Handelsblatt-Artikels, vom 11.02.2009: "Höhenflug der FDP. Liberale erreichen in Umfrage magische '18' ". Und wer wäre, vom Bayern-Populisten Horst Seehofer abgesehen, in Deutschland derzeit ein größerer Steuersenkungs-Rattenfänger als Guido Westerbush mit seinen Freien Republikanern? "Echte Entlastungen durch Steuersenkungen" vermisst Philipp Rösler im Konjunkturpaket (vgl. "FDP-Zustimmung zu Konjunkturpaket unsicher", HB 12.02.09).

Freilich: wer knallhart die Wahrheit sagt, muss dafür vom Handelsblatt Kritik einstecken:
"„Irgendwann ist Zahltag“, " wird Österreichs neuer Finanzminister Josef Pröll in dem Artikel "Wirtschaftskrise. Industriestaaten verspielen ihr Kapital" von Michael Brackmann, Jens Münchrath und Christoph Sandt vom 12.02.2009 zitiert. Aber gleich danach folgt die Zensur der Autoren:
"Für den obersten Kassenwart eines Staates eine denkbar undiplomatische Äußerung."
Wäre es nicht schön, wenn auch unser Finanzminister Peer Steinbrück den Mut zu solchen klaren Feststellungen hätte?

Aber der Journaille kann es kein Politiker Recht machen; die verwechseln allzu oft ihre kleinkarierte Kritik mit wirklicher politischer Hygiene. Haben denn nur noch die Frauen Mut zu einer substantiellen Kritik (s. o. Donata Riedel!)?


Warum ich selbst von Steuersenkungen nichts halte, habe ich dem Blott "Steuern senken oder Staatsfinanzen konsolidieren? Deutsche Fiskalpolitik bei Prämisse einer raschen Ressourcenverknappung ("Peak Oil" usw.)" vom 01.06.2008 begründet. Mittlerweile hat sich die Wirtschaftslage dramatisch verändert und sind die Rohstoffpreise abgestürzt. Trotzdem halte ich an der Überlegung fest, dass einer Konsolidierung der Staatsfinanzen, einer Entschuldung des Staates der Vorzug vor Steuersenkungen zu geben ist, welche das Staatsdefizit auf Dauer vergrößern würden. Und die ein Loch reißen, dass irgendwann wieder auf dem Weg des geringsten politischen Widerstandes, mit einer Mehrwertsteuererhöhung nämlich , gestopft werden würde. Denn sonst hätten sehr bald die "Industriestaaten .. ihr Kapital" verspielt - vgl. den o. a. Handelsblatt-Artikel.


Nachtrag 28.02.09:
"Machen wir uns nichts vor: Wer auch immer im Wahljahr Steuersenkungen verspricht, ist entweder ein Lügner oder ein Ignorant. In Wahrheit wird derzeit jeglicher künftige Haushaltsspielraum durch die Krise beseitigt. Deutschland geht nicht bankrott - aber für das Finanzdesaster werden wir lange, lange zahlen"
schreibt Henrik Müller vom Manager Magazin in seinem MM-Blog "Müllers Welt" am 20.02.2009 im Eintrag "Wie wir aus der Schuldenfalle kommen".
Seehofer und die CSU, oder die FDP, sind natürlich keine Ignoranten. Bleibt mithin für diese populistischen Rattenfänger lediglich noch die vom Henrik Müller vorgeschlagene alternative Einstufung als Lügner.






Textstand vom 28.02.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen
Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Im Land der doch nicht ganz so Freien: "Inclusionary Zoning" und andere staatliche Regulierungen des Wohnimmobilienbaus in den USA

Kürzlich habe ich als Informationsquelle für wirtschaftswissenschaftliche Lehrmeinungen wie auch aktuelle Entwicklungen die amerikanische Webseite "Library of Economics and Liberty" für mich entdeckt. U. a. enthält sie eine "Concise Encyclopaedia of Economics" mit zahlreichen ausführlichen Artikeln von teilweise hochkarätigen Wirtschaftswissenschaftlern (vgl. z. B. das Stichwort "What Is the Money Supply?" von Anna J. Schwartz, die 1963 zusammen mit Milton Friedman das in Ökonomenkreisen berühmte -teilweise auch berüchtigte- Buch "A Monetary History of the United States, 1867–1960" verfasst hatte; dieser Artikel ist nicht nur fundiert, sondern auch leicht verständlich geschrieben).
Man darf die Einträge freilich nicht allzu naiv lesen, denn häufig erscheinen sie doch allzu Deregulierungs-euphorisch. Gleichwohl erscheint mir dieses Wirtschaftslexikon (und auch diese Webseiteinsgesamt) als eine wertvolle Informationsquelle.


Eigentlich bräuchten uns Immobilien in den USA wenig zu interessieren (falls wir nicht gerade in solche investieren wollen). Da jedoch die Immobilienkrise (Mortgage crisis, subprime crisis usw.) in den USA (einer) der Auslöser der weltweiten Finanzmarktkrise und zweiten Weltwirtschaftskrise war, muss man sich wohl auch ein wenig mit dem amerikanischen Immobilienmarkt und Immobilienrecht befassen, wenn man ein vertieftes Verständnis der Zusammenhänge zu gewinnen sucht.

Die Lexikoneinträge sind grundsätzlicher Natur und in der Regel schon einige Jahre alt; auch das Stichwort "Housing" hat nichts mit der Hypothekenkrise zu tun.
Interessant ist dennoch zu lesen, dass der Bau von Wohngebäuden in Amerika keineswegs so unreguliert ist, wie wir uns dass vielleicht vorstellen.

Besonders kurios dürfte für uns sein (bzw. ist jedenfalls in meinen Augen) das Instrument des "Inclusionary zoning". Die Kommunen zwingen damit Immobilienentwickler, bei größeren Bauprojekten einen bestimmten Anteil der Häuser zu niedrigen Preisen an einkommensschwache Bevölkerungsschichten zu verkaufen.
Die Autoren Benjamin Powell (assistant professor of economics at San Jose State University and director of the Center for Entrepreneurial Innovation at the Independent Institute) und Edward Stringham (assistant professor of economics at San Jose State University) kritisieren das als Investitionshemmnis, und meines Erachtens nicht zu Unrecht.
Aber unabhängig davon, wie man darüber urteilt (mir erscheint das, was gelegentlich als "pragmatisches" Herangehen der Amerikaner an Probleme gelobt wird, nicht selten als eine eher primitive Herumbastelei), gewinnt man auf jeden Fall tiefere Einblicke in Strukturen dieser Gesellschaft, als sie unsere Medien vermitteln (können).



Textstand vom 12.02.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen
Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Montag, 9. Februar 2009

Der kleine Unterschied

Der Chefvolkswirt von Barclays befürchtet Hyperinflation. Das war mein erster Eindruck beim Lesen des Handelsblatt-Interviews Die Geldordnung muss reformiert werden von Jörg Hackhausen mit Thorsten Polleit (09.02.2009).

Barclays? War das nicht so eine riesige britische Bank? Aber richtig lesen: da steht nicht einfach "Barclays", sondern "Barclays Capital". Doch nicht die Bank? Erst ein Blick in die Wikipedia hilft weiter: "Barclays Capital is a leading global investment bank. It is the investment banking division of Barclays plc which has a balance sheet of over £1.2 trillion ... . Barclays Capital provides financing and risk management services to large companies, institutions and government clients."

Na gut: Immerhin doch ein bedeutender Zweig der Barclays plc. Da horcht man schon auf, wenn es heißt (meine Hervorhebungen):
"Weltweit pumpen die Staaten massiv Liquidität in den Wirtschaftskreislauf. Eine fataler Fehler, warnt Thorsten Polleit, Chefvolkswirt von Barclays Capital. Er befürchtet, dass unser Geld künftig deutlich an Wert verlieren wird. Wenn sich nichts ändert, drohe sogar eine Währungsreform."

Auch ich glaube, dass solche Befürchtungen über die aktuellen geldpolitischen Entwicklungen nicht unbegründet sind:
"Wenn die Gesellschaften meinen, Probleme lassen sich mit einem Ausweiten der Geldmenge lösen, wird diese Torheit mit Inflation, möglicherweise mit sehr, sehr hoher Inflation, zu bezahlen sein - und mit den damit verbundenen schmerzlichen ökonomischen und politischen Begleiterscheinungen."

Und gegenüber Konjunkturpaketen bin ich ebenfalls skeptisch.
Frage des Interviewers: "Ist es richtig, Konjunkturpakete durch hohe Verschuldung zu finanzieren?"
Antwort Polleit: "Mit dem Papiergeldsystem, in dem das Geld per Kredit geschaffen wird, scheinen sich die Volkswirtschaften in eine Überschuldungssituation manövriert zu haben. Das ist die gesellschaftliche Herausforderung, für die eine Lösung gefunden werden muss. Konjunkturprogramme, ob nun mit Steuern oder Schulden finanziert, helfen da nicht."

Auch wenn er auf die Frage "Es gibt bereits erste Stimmen, die vor einer drohenden Währungsreform warnen. Wie real ist eine solche Gefahr?" antwortet:
"Solange der Staat die Hoheit über die Geldmenge innehat, ist die Gefahr real", kann man ihm folgen.

Seine weiteren Überlegungen zum Privatisieren des Kredit- und Geldsystems und einer Wiederanbindung der Geldmenge an Edelmetall erscheinen mit etwas obskur ("Austrian" economist? Zum "free banking" vgl. z. B. den Eintrag auf der Homepage von George Selgin).

Aber diese Debatte und überhaupt ökonomische Fragen können hier letztlich dahingestellt bleiben. Mir geht es vielmehr um die Aufwertung, welche das Handelsblatt seinem Interviewpartner mit der einleitenden Bezeichnung als "Chefvolkswirt" zu Teil werden lässt.
Die ist nämlich geschummelt. Da muss doch jeder Leser denken, dass Hr. Polleit der Chef der Volkswirtschaftlichen Abteilung von Barclays Capital ist.
Erst am Ende des Artikels erfährt man, dass der Titel einen einschränkenden Zusatz hat (meine Hervorhebung):
Chief German Economist. Also wohl der Chefbeobachter (wenn nicht gar der einzige) der deutschen Volkswirtschaft. Das lässt ja durchaus Raum für weitere "Chef-"Volkswirte. So könnte es z. B. einen Chief ChineseEconomist geben, einen Chief IndianEconomist, den Chief BritishEconomist und den Chief AmericanEconomist. Und darüber natürlich den 'richtigen' Chefvolkswirt.

Die 'Herabstufung im Rang' sagt natürlich nichts über die Qualität von Polleits Meinungen aus. Für einen Beobachter des öffentlichen Diskurses macht es dennoch einen riesigen Unterschied, ob der Chefvolkswirt einer Bank öffentlich die Befürchtung einen weltweiten Inflation äußert, oder nur deren volkswirtschaftlicher Deutschland-Beobachter. Genau so wie es einen gewaltigen Unterschied machen würde, ob ein Sparkassenchef die Geldversorgung der Europäischen Zentralbank für übertrieben erklärt, oder ob Josef Ackermann sagt, 'die EZB tut genau das Richtige'.
Durchaus möglich, dass der Sparkassenchef richtig liegen würde und Ackermann nicht; dennoch würde die Meinung des Ersteren wenige berühren; die des Letzteren vielleicht Märkte bewegen.
[That is, of course, the same reason why only few people read my blog ;-)]

Jedenfalls gehört es für mich zur Seriosität und erwarte ich vom Handelsblatt als Deutschlands wohl führender Wirtschaftszeitung, dass sie den Rang ihrer Gesprächspartner gegenüber dem Leser von vornherein richtig verortet, und nicht erst versteckt im (gewissermaßen) Kleingedruckten am Schluss!


Tatsächlich: der "Chefvolkswirt" geistert schon durch die Medien. In der "Zeitong" heißt es:
"dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH - Am Morgen war noch bekannt geworden, dass die britische Großbank Barclays 2008 trotz der Finanzkrise einen Milliardengewinn erwirtschaftet hat. Jetzt hat der Chefvolkswirt von Barclays Capital die westlichen Staaten vor einer Hyperinflation gewarnt."


Nachtrag 13.02.09:
Thorsten Polleit, in dem Artikel "Wirtschaftskrise. Industriestaaten verspielen ihr Kapital" vom 12.02.09 von Michael Brackmann, Jens Münchrath und Christoph Sandt nunmehr korrekt als "Deutschland-Chefvolkswirt" der britischen Bank Barclays Capital apostrophiert, wird langsam zum Kronzeugen der Handelsblatt-Journalisten.
In diesem Beitrag wird er mit der Warnung zitiert: „Der fatale Kreditboom wird schlichtweg mit anderen Mitteln fortgesetzt. Die Regierungen führen das Auftürmen der Schuldenpyramide verstärkt fort“, sagte Polleit. Die Gefahr hoher Inflationsraten sei akut. Die Teuerung könnte sogar stärker ausfallen als noch in den 70er-Jahren. Damals lag die Rate bei gut zehn Prozent."
Und in dem Text des ersten der vier (lesenswerten) Kästchen erfahren wir:
"Thorsten Polleit, Deutschland-Chefvolkswirt von Barclays Capital, hält in den USA und anderen Staaten sogar Inflationsraten von mehr als zehn Prozent für wahrscheinlich. Viele Zentralbanken seien bereit, die Geldmenge nahezu ungehemmt auszuweiten und die Zinsen auf null zu setzen. „Deshalb könnte die Zerstörung des Geldwerts sogar noch stärker ausfallen als in den 70er-Jahren“."
Eine solche Entwicklung würde mich in der Tat nicht überraschen; das Statement scheint mir allerdings in einem gewissen Widerspruch zu stehen zu seiner Einschätzung der Wechselkursentwicklung des US-Dollars (im Text des 3. Kästchens - mit dem Dollar-Symbol):
"Thorsten Polleit, Deutschland-Chefvolkswirt von Barclays Capital, plädiert zwar für die Rückkehr zum Goldstandard. Er vermutet aber, dass der Dollar sogar gestärkt aus der Krise hervorgeht, weil die USA „relativ besser“ mit der Krise umgehen".

Wenn man freilich den Passus über die Geldmengenentwicklung liest:
"Viele amerikanische Banken sind nur deshalb noch am Markt, weil die Notenbank sie großzügig mit frischem Kapital versorgt und als Sicherheit zweifelhafte Wertpapiere akzeptiert. Auf mehr als 2,2 Bill. Dollar hat sich die Bilanz der Fed mittlerweile durch den Aufkauf von Schrottpapieren aufgebläht. Mit allen Mitteln will Fed-Chef Ben Bernanke einen Zusammenbruch des Finanzsystems verhindern. Auch die Geldmenge ist in den USA, aber auch in Europa in den vergangenen Monaten um die Hälfte angewachsen – eine dramatische Entwicklung'"
kommen einem schon Bedenken, ob hier nicht die Notenbanken langsam die Funktion der Kipper und Wipper im Deutschland um 1600 (insbesondere in den Anfangsjahren des 30jährigen Krieges) übernehmen?





Textstand vom 13.02.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen
Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Sonntag, 8. Februar 2009

Wie ich von einem Skeptiker zu einem Anhänger der Konjunkturprogramme wurde

Eine Wirtschaft, welche solche Produkte hervorbringt: die muss man doch einfach lieb haben und auf jede nur denkbare Weise auszuweiten suchen?!?! Freudig wollen wir für diese phantastischen Konsumverlockungen unsere Steuerschärflein opfern!

Finanzmarktkrise: Link zu einer multikausalen Erklärung in Stichworten (in Englisch)

Auch wenn der Eintrag ein wenig politlastig erscheint (pro-Obama bzw. vom Standpunkt der Demokratischen Partei in den USA) bietet, wer immer sich hinter dem Pseudonym "ep" verbirgt, eine ebenso kurze wie multiperspektivische Übersicht über die Ursachen der Finanzmarktkrise:
"Why are we in this Financial Crisis?", "Tagged with: Economy, McCain, Obama, Politics. Posted by ep on Friday, September 26, 2008."

Die Verschärfung der amerikanischen Insolvenzvorschriften für Private als eine der Krisenursachen anzusehen, dürfte einer sehr parteipolitisch gefärbten Sicht entsprechen (dennoch glaube ich nicht, dass jetzt Obama bzw. die Demokraten diese Verschärfung rückgängig machen werden).

Auch sonst fehlt vielleicht der eine oder andere Hinweis auf die Mitschuld der US-Demokraten an der Immobilienblase und am Hypothekendebakel (bereits unter Clinton waren Regulierungen und Vorschriften für die Vergabe von Hypothekenkrediten gelockert worden - vgl. Wikipedia-Stichwort "Government policies and the subprime mortgage crisis").

Aber insgesamt ist die Übersicht mit der Einteilung der "Schuldigen" in
Government, Regulators und The Market bzw. Wall Street & Main Street und der Vielzahl der aufgelisteten Kausalfaktoren der Krise in meinen Augen derart überzeugend, dass ich hier wiederum eine Ausnahme von meiner sonstigen 'Blogpolitik' mache und lediglich einen Link poste, ohne daran irgendwelche umfassenderen Betrachtungen zu knüpfen.


Textstand vom 08.12.2010. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen
Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Hypothekenvergabe American Style: Have it your way!

Es ist nicht der Stil des Canabbaia-Blogs, Einträge zu machen, um Lesern nichts weiter als einen Link zu anderen Webseiten zu präsentieren.

Aber diese Comic-Erklärung der Subprime-Kreditgenerierung und der anschließenden Risikodistribution im weltweiten Finanzsystem ist einfach zu köstlich (und gleichzeitig informativ!), um sie nicht zu verlinken:
"The Credit Crisis, Illustrated" by Joey deVilla on March 20, 2008 auf der Webseite "The Adventures of Accordion Guy in the 21st Century. Joey deVilla’s Personal Blog."


Nachtrag 01.03.09
Eigentlich thematisch nicht direkt passend, und außerdem im Grunde auch gar nicht lustig, will ich hier dennoch einen Link zu einer Webseite mit dem spaßigen Namen "Hedge Fund Implode-O-Meter" setzen, dem 'Hedgefonds-Crash-Messer'.


Nachtrag 22.03.09
Und weil Canabbaia ohnehin die Angewohnheit hat, seine Blotts im Laufe der Zeit mit Informationen anzureichern wie die Iraner ihr zentrifugales Plutonium, hier noch ein Link zu Krisen-Karikaturen. (Den Hinweis verdanke ich dem Blog "Lost Generation" [I am very much tempted to translate dat mit "Generation der Sprachlosen" ;-). Trotzdem sind die dortigen Einträge durchaus anregend.]


Nachtrag 27.04.2009
Eine treffende Karikatur "Good Morning Sunshine" zum Thema 'Melken des (hier: US-)Steuerzahlers'!




Textstand vom 27.04.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen
Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Samstag, 7. Februar 2009

Botec oder Bieder? Die "Back-of-the-envelope calculation" ist eine Bierdeckelrechnung!

Wolfgang Münchau, meinungsfreudiger Kolumnist der Financial Times Deutschland, hatte sich in der FT vom 24.09.2008 äußerst kritisch über die damalige US-Politik der Finanzkrisenbekämpfung geäußert. U. a. schrieb er (meine Hervorhebungen):

Sonntag, 1. Februar 2009

Alle reden von der Konjunkturkrise. Wenige noch vom Klima. Fast niemand von der Ressourcenverknappung.

Einige sprechen noch davon (vgl. dazu meinen Blott "Konjunkturpolitik in 2. Weltwirtschaftskrise (WWK II): Ohne Konjunkturprogramme steuern wir in den Abgrund. Mit Ankurbeln steuern wir gegen die Wand").
Schon vor einigen Jahren hatte ich die Problematik in einem anderen Zusammenhang untersucht, nämlich hinsichtlich der Erwartung, durch eine geänderte Finanzierungsform die Renten langfristig sichern zu können. Meine damalige Kritik lässt sich, mutatis mutandis, unschwer auf die aktuellen Entwicklungen übertragen.


 

Hinter dem Vorschlag, das Umlageverfahren (Beiträge) in unserer Rentenversicherung durch ein Kapitaldeckungsverfahren zu ersetzen (jeder spart für sich selbst) stecken folgende ökonomische Annahmen:
1) dass wir auf diese Weise mehr Kapital ansammeln,

2) dass wir dieses Kapital investieren, und zwar zusätzlich zu dem, was ohnehin investiert wird bzw. worden wäre und

3) dass auf diese Weise die Wirtschaft auf Dauer stärker wächst als das ohne diese zusätzlichen Investitionen der Fall gewesen wäre.

So jedenfalls haben 33 führende Wirtschaftsprofessoren ihre Forderung nach einer teilweisen Umstellung der Rentenfinanzierung vom Kapitaldeckungsverfahren auf das Umlageverfahren begründet. (Vgl. das Gutachten "Grundlegende Reform der Gesetzlichen Rentenversicherung". Erstellt hat es der Wissenschaftliche Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft (BMWi) Anfang 1998 und publiziert wurde es im April 1998 als Nr. 99 der "Studienreihe des BMWi".

Mit diesem Gutachten, bzw. den explizit und implizit dahinter stehenden Annahmen, habe ich mich auf meiner Webseite "Rentenreich" umfänglich auseinandergesetzt.

Die Annahme 2) war schon damals obsolet. Es gab zahlreiche Anzeichen dafür, dass die Kapitalschöpfung die Kapitalabsorptionsfähigkeit der Industriegesellschaften überstieg. (Außerdem muss eine Steigerung des Investitionskapitals durch Zwangssparen der Rentner zu einer Verminderung des Konsumpotentials führen – und die schwächelnde Nachfrage ist ja gerade eine der Ursachen unserer derzeitigen Weltwirtschaftskrise.)


 

Hier geht es mir aber nicht um eine abstrakt ökonomische Problematik, sondern um die ökologische Seite.

Nicht als Beitrag zur Rentenfinanzierungsdebatte, sondern als Beitrag zum aktuellen Meinungsstreit über die Konjunkturpakete möchte ich einen Abschnitt reproduzieren, der sich mit den zu erwartenden ökologischen Auswirkungen beschäftigt. Man braucht an die Stelle des Kapitalsparens zwecks Rentenfinanzierung lediglich das Konjunkturprogramm zu denken, anstelle von Flugzeugen und Flughafen Automobile und Automobilfabriken, um weitgehende Parallelen zu erkennen.


 


 

In meinem Essay (aus dem Jahre 2004) findet sich dieser Abschnitt unter der Überschrift "Denkmodell Toll". Nachfolgend ein leicht geänderter Auszug:


 

Der US-Amerikaner Paul S. Hewitt kommt in seinem unbedingt lesenswerten Aufsatz "Depopulagion and Ageing in Europe and Japan: The Hazardous Transition to a Labor Shortage Economy" (Internet-Zeitschrift "Internationale Politik und Gesellschaft Online" Nr. 1/2002) ohne Umschweife zum Kernproblem (nicht nur) der zu erwartenden Rentenkrise: "Like it or not, our economic and social organization depends on continued economic expansion" heißt es dort. Deskriptiv hat er sicherlich recht. Normativ kann das aber kaum der Weisheit letzter Schluss sein. Dürfen, können, sollen wir uns wirklich damit abfinden, dass das 'nun mal so ist', oder wollen, sollen, müssen wir nicht auch die Umweltdimension in unsere Rechnung einbeziehen, weil wir sonst die Wachstumsprognosen ohne den Wirt machen? Versuchen wir also, unsere Umweltzukunft in einem handfesten Prognosemodell dingfest zu machen.

"Toll" kann man das zwar auch finden, aber hier soll die Buchstabenfolge nur als Abkürzung für "Take-off and later landing" dienen. Ein solches Flügellähmungsszenario könnte sich schon bald z. B. wie folgt materialisieren:

2010 – Die Flughafen Frankfurt AG ist voll in privaten Händen. Der weitere Ausbau des Flughafens wird von den Aktionären, darunter nicht zuletzt KDV-Fonds, finanziert.

2015 – Da der Konsum wegen der Kaufkraftabschöpfung durch die KDV-Beitragsleistungen nach wie vor lahmt, erlässt die Regierung einen Aufruf an alle: 'Sichert die Renten – fliegt öfter in Urlaub!'

2020 – Das Flugreisen-Plansoll wurde um 200% übererfüllt. Leider ist nun die Atmosphäre dermaßen zerstört, dass militante Umweltgruppen von der Regierung ein Eingreifen verlangen.

2025 – Flugreisen werden wegen Umweltgefährdung gänzlich untersagt. Die Anlagen werden renaturiert: Da auf diese Weise aber auch Arbeitsplätze wegfallen und die Renten durch ausbleibende Profite aus den KDV-(Fehl-)Investitionen gefährdet sind, beschließt das Parlament die Einführung einer Konsumersatzsteuer. Aus der Flughafen AG wird die Firma 'FlugFreiFrohFiskalFinanz AG (um die Aktien an der New York Stock Exchange listen zu können, ändert man später den Firmennamen in "Quintuple 'F' AG"). Die Arbeitnehmer des Flughafens und der Luftfahrtgesellschaften werden in diese aus der Konsumersatzsteuer finanzierte Beschäftigungsförderungsgesellschaft übernommen. Größtenteils leisten sie dort Kurzarbeit Null. Der Rest bekommt eine historische Aufgabe: Umbau des Flughafengeländes zu einem Feuchtbiotop. Die Libellenstartbahn West wird feierlich freigegeben. Im verwaisten Empfangsgebäude hängt ein Transparent mit der zukunftsfrohen Botschaft: "Wo einst der Kranich sich erhob, singt bald die Libelle ihr Gotteslob". Eigentümer der Gesellschaft bleiben natürlich die Rentenfonds und private Kapitalanleger. Durch entsprechend hohe Zuwendungen aus der Konsumersatzsteuer sorgt der Staat für eine angemessene Rendite. Damit hat er die Renten gesichert, und, wie das Schicksal so spielt, gleichzeitig auch die Renditen der anderen Kapitaleigentümer.

Dieses Beispiel zeigt, dass die Gefahr von Fehlinvestitionen groß ist, wenn man 'rein ökonomisch denkt'. So würde man auf den ersten Blick wohl formulieren, was allerdings irreführend wäre. 'Ökonomisch denken' heißt ja bei genauerer Betrachtung, dass man sich Gedanken über die zweckmäßige Verwendung knapper Ressourcen macht. Dass die Umwelt zu Zeiten von Adam Smith noch keinen besonderen Platz im Denken der damaligen Wirtschaftswissenschaft einnehmen konnte, ist historisch verständlich. Probleme, auch gravierende, gab es zwar schon damals und ebenso in früheren Jahrhunderten und Jahrtausenden. Doch das waren lokal begrenzte, nicht (potentiell) weltweite Umweltschäden und Rohstoffverknappungen. Wir Heutigen haben indes keinen Grund, einen derartigen Bewusstseins-Rückstand zu perpetuieren. Genau das würden wir aber tun, wollten wir akzeptieren, dass die Umweltfrage in einem 'rein ökonomischen Denken' ausgeklammert werden kann. Wollen wir das nicht hinnehmen müssten wir feststellen, dass die Gefahr von Fehlinvestitionen groß ist, wenn man einfach ökonomische Tendenzen der Vergangenheit fortzuschreiben versucht. Nichts anderes als eine Fortschreibung bisheriger Entwicklungslinien betreiben indes die Tonnageideologen des Realkapitals [bzw. aktuell: der Konjunkturprogramme], wenn sie eine Steigerung des Sozialprodukts durch das Kapitaldeckungsverfahren [Konjunkturprogramme] anstreben.

Mein Denkmodell "Toll" zeigt übrigens nur ein Stückchen aus der Problemtorte, welche wir auf uns mit der Idee eines fortwährenden Wirtschaftswachstums backen. Bei meiner 'Libellenstartbahn' ging es 'nur' um die Frage der Umweltverschmutzung. In gleicher Weise kontraproduktiv für die mit dem KDV angestrebte Sicherung bzw. Steigerung des Konsumniveaus im Alter wird der Umstand sein, dass ein gesteigerter Ressourcenverbrauch zu einer weltweiten Verknappung und zu entsprechend höheren Kosten für den Materialeinsatz führt, mithin im Ergebnis eine Stagnation oder sogar eine Reduktion des Konsumpotentials auslösen könnte. Die erste Ressource, die uns ausgeht, wird vielleicht das Erdöl sein. Das wird es den Ölförderländern vielleicht schon bald ermöglichen, ganz unabhängig von Kartellbildungen wie der OPEC Knappheitspreise zu verlangen. Und selbst wenn die USA diese Länder unter Einsatz entsprechender Mittel 'überzeugen', die Preise nicht künstlich hoch zu treiben, werden allein schon steigende Gewinnungskosten die Rohstoffe verteuern. Es wäre naiv zu glauben, dass unser technischer Fortschritt derartige Probleme auf Dauer neutralisieren kann. Die Rohölgewinnung aus Ölschiefer z. B., oder gar die Destillation aus Kohle, wird sicher auf Dauer sehr viel kostspieliger bleiben, als einfach die Lagerstätten im Wüstenboden leer zu pumpen. Allgemein gesprochen, gehe ich also davon aus, dass die Förderkosten durch die Notwendigkeit zur Erschließung von ungünstigeren Lagerstätten (z. B. geringerer Gehalt, Beimischung anderer Stoffe und schlechtere Erreichbarkeit – Stichwort 'Meeresboden' -) stark steigen werden, und dass Rationalisierungsgewinne durch technischen Fortschritt die Kostennachteile schlechterer Lagerstätten nicht mehr (voll) kompensieren werden. Je mehr wir die Wirtschaft beschleunigen, desto schneller erreichen wir dieses Stadium. Es könnte eine Situation eintreten, in welcher uns die Beschleunigung der Produktion zwecks Rentensicherung (die ja nicht nur gesteigerte Investitionen in Fabriken usw. zur Folge hätte, sondern schon deshalb in relativ kurzer Zeit auch zu Konsumsteigerungen führen müsste, weil sonst Investitionen für den Kapitalbesitzer nicht rentieren) aufgrund der relativ stärkeren Ressourcenerschöpfung ausgerechnet dann teuer zu stehen kommt, wenn wir die Rentenfrüchte von unseren Kapitalsparbäumen pflücken wollen. Verblüfft würden wir dann vielleicht feststellen müssen, dass das Wachstum unseres Wunderbaumes die Bodenmineralien so erschöpft hat, dass er nur noch kleine Äpfelchen produzieren kann. Quasi eine volkswirtschaftliche Variante zu den betriebswirtschaftlichen "diseconomies of scale".

Nicht auszuschließen ist zwar die Möglichkeit technologischer Quantensprünge, welche (auch) die Kosten für die Rohstoffgewinnung verringern oder aber den Ressourceneinsatz drastisch senken könnten (Nanotechnologie?). Dass dies eintreten wird, ist sicherlich die unausgesprochene Erwartung hinter vielen Zukunftsentwürfen. Allerdings könnte diese Hoffnung ebenso blasenhaftig sein wie die Erwartung, dass die "New Economy" die bisher bekannten ökonomischen Gesetze aushebeln kann. Quasi eine "New Ecology"-(Gedanken-)Blase. Beiläufig sei noch vermerkt, dass der gegenwärtige (März 2004) starke Anstieg der Rohstoffpreise von den Fachleuten auf das Wirtschaftswachstum in China zurück geführt wird.

Das Argument, mit dem die Tonnageideologen des Realkapitals [der Konjunkturprogramme] gegenhalten und die ökologische Flanke ihrer Investitionssteigerungsphantasien argumentativ absichern werden, liegt auf der Hand: selbstverständlich werden die Investitionen zukünftig weitaus umweltfreundlicher durchgeführt als bisher, und überhaupt müssen wir ja viel mehr investieren, um den Übergang in die Nachhaltigkeitswirtschaft zu schaffen. Der Markt wird schon dafür sorgen, dass wir zukünftig schonender als bisher mit der Natur umgehen. Ich habe auch gar keine Zweifel daran, dass die Entwicklung fortschreitet. 100 Millionen Chinesen in 3-Liter-Autos statt 10 Millionen in 10-Liter-Autos sind ein durchaus realistischer Fortschritt gegenüber hypothetischen 100 Millionen in 10-Liter-Autos, gelle? Ich denke also, dass wir relativ gute Chancen haben, uns zu Tode produzieren (und das, noch ehe wir uns zu Tode amüsieren).

Bei uns wurden einst diejenigen, welche einst die Benzinsteuer auf 5,- DM erhöhen wollten, vom Wähler bestraft. Von den Sprit-Saugern in Transteichanien wollen wir gar nicht erst reden (solange sie das in Limousinen und Sportwagen tun, die von uns geliefert werden, wollen wir es ihnen jedoch nachsehen: da profitieren wenigstens auch wir vom gesteigerten Ressourcenverbrauch!). "Nachhaltigkeit wird auf dem Markt erreicht oder gar nicht" schreibt zwar Prof. Friedrich Schmidt-Bleek in dem Text "Nachhaltigkeit keine Utopie" [der Text, einst auf der Webseite "editiononline" im Netz, ist jetzt leider offline]. Zugleich weist er – wie viele andere auch - aber darauf hin, dass der Markt so, wie er derzeit funktioniert, in mancher Hinsicht die Realität verzerrt, indem er z. B. den Verbrauch natürlicher Ressourcen nicht mit angemessenen Preisen belastet. Und es deutet nichts darauf hin, dass wir ein massives Umsteuern eingeleitet oder auch nur im Sinne haben. Das KDV als Investitionssteigerungsprogramm ist [die Konjunkturprogramme sind] darauf angelegt, den Konsum (der Rentner) [unmittelbar] zu steigern. Aufwendungen für Umweltschutz [ein kostspieliges und riskantes Umsteuern] wirken da nur störend und Rendite mindernd. Die Renten-Aktionäre werden es gar nicht goutieren, wenn der Staat "ihre" Firmen mit Mehraufwendungen für eine Umwelt belastet, die doch bisher noch alles ausgehalten hat.


 

Warum rege ich mich eigentlich auf? Die 20 Jahre, die mir vielleicht noch verbleiben, wird die Welt noch durchhalten (meint auch James Lovelock). Und ansonsten verheizen wir halt unser Kinner ihr klein Häuschen – von der ersten bis zur zehnten Hypothek. Ökonomisch durch Hyperinflation; ökologisch durch unsere Weiterwirtschaft.

Und wieso sage ich eigentlich unserer Kinder Häuschen? Stimmt doch gar nicht: es ist eurer Kinder Haus, eurer Kinder Welt, die wir gerade verheizen!


 


 

Textstand vom 01.02.2009. Gesamtübersicht der Blog-Einträge (Blotts) auf meiner Webseite http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm. Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.