Freitag, 30. Oktober 2009

Erster Erfolg der Sarrazin-Debatte: FDP nominiert Türken als Entwicklungshilfeminister!

Nach einem bekannten Bonmot über die Entwicklungshilfe dient diese der Umverteilung von den Armen zu den Reichen: Sie nimmt den Armen aus den reichen Ländern und gibt den Reichen in den armen Ländern.

Lässt man den Umstand bei Seite, dass es sich hier um eine externe Umverteilung handelt, ist es eigentlich gar nicht erstaunlich, dass ein FDP-Politiker, nämlich der bisherige Generalsekretär der Partei Dirk Niebel, jetzt in der neuen schwarz-gelben Koalition das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung führt: schließlich war die Umverteilung von unten nach oben war schon immer d der Freien Demokraten.

Dienstag, 27. Oktober 2009

Die Fiskalpolitik der Hornissenkoalition ist ein Emergenzphänomen!

Für ihre abenteuerlichen Verschuldungspläne bekommt die schwarz-gelbe Koalition aus CDU/CSU und FDP (von Wohlmeinenden auch als Tigerentenkoalition bezeichnet) massive Schelte in den Medien, nicht zuletzt auch der bürgerlichen und der Wirtschaftspresse.

So ärgert sich z. B. Thomas Hanke in seinem Handelsblatt-Leitartikel vom 26.10.2009 "Tollkühn und kleinmütig":
"Es widerstrebt einem, diese Regierung bürgerlich zu nennen, weil sie selber nicht auf bürgerliche Tugenden setzt." Gemeint ist natürlich die Tugend der Sparsamkeit.

Den gleichen Tenor schlägt Daniel Goffart im Handelsblatt vom 27.10.09 an: "Merkel. Die wundersamen Wandlungen von 'Kohls Mädchen' ":
"Wenn Angela Merkel am Mittwoch erneut zur Bundeskanzlerin gewählt wird, hat es elf lange Jahre gedauert, bis nach dem Ende der Ära Kohl wieder eine bürgerliche Regierung die Mehrheit in Deutschland erringen konnte. Dazwischen lagen die rot-grünen Umbruch- und Reformphasen sowie vier Jahre Großer Koalition.
Verändert hat sich seitdem vieles, unter anderem auch die Zuschreibung politischer Tugenden. Der Linken sagte man gemeinhin einen Hang zum leichtsinnigen Umgang mit Geld nach, während die Konservativen und Liberalen einst für Konsolidierung und Verantwortung standen. Inzwischen können Sparsamkeit und finanzpolitische Solidität leider nicht mehr als bürgerliche Tugenden gelten.
Das hat nicht nur der verpatzte Start der schwarz-gelben Koalition gezeigt, deren erste und zum Glück vergebliche Tat darin bestand, die Schlussbilanz der Vorgängerregierung zu ihren eigenen Gunsten fälschen und sich mit Schattenhaushalten etwas Luft verschaffen zu wollen.
Bedenklich ist vor allem, dass sich die Kanzlerin unter dem Druck von CSU und FDP so schnell dazu hat hinreißen lassen, Wohltaten auf ungedeckte Schecks zu schreiben. Sehen so die Richtlinien der Politik aus, die sie nach dem Grundgesetz bestimmt? .....
"

Das Abweichen der Wespenkoalition vom fiskalischen Tugendpfad überrascht allerdings denjenigen nicht, der sich vor Augenhält, dass sich Systeme sehr häufig anders verhalten als ihre Einzelkomponenten (oder deren bloße Summe). Dieser Sachverhalt ist auch unter dem Fachausdruck "Emergenz" bekannt, den der einschlägige Wikipedia-Eintrag wie folgt definiert:
"Emergenz (lat. emergere: auftauchen, hervorkommen, sich zeigen), gemäß Aristoteles (Zitat) auch Übersummativität, ist die spontane Herausbildung von Phänomenen oder Strukturen auf der Makroebene eines Systems auf der Grundlage des Zusammenspiels seiner Elemente. Dabei lassen sich die emergenten Eigenschaften des Systems nicht offensichtlich auf Eigenschaften der Elemente zurückführen, die diese isoliert aufweisen."

Vor vielen, vielen Jahren war auch ich mal Parteimitglied. In der Freien Demokratischen Partei. Bei irgend einem lokalen FDP-Treffen in irgend einer Gaststätte hatte jemand eine Verzehrrechnung von, sagen wir, 10,95 DM gemacht. Mein Parteifreund bezahlte mit 11,- DM, erwartete aber eine Rückgabe der Differenz von 0,05 DM. Als der Kellner nicht herausgeben konnte, musste er zur Kasse (in einem anderen Saal der Gastwirtschaft) gehen, um dem FDP-Finanzexperten seine 5 Pfennige zu holen.

Man sieht: Als Individuen sind die Bourgeois ganz außerordentlich sparsam (sonst wären sie ja auch nicht, was sie sind).
Warum verlegen sich die bürgerlichen Parteien, bzw. ganz speziell die Freie Demokratische Apothekerpartei, in der Finanzpolitik auf ein aristokratisches Lotterleben?
Ein Grund dafür könnte sein, dass die Bourgeoisie, d. h. die Kapitalbesitzer, im Kollektiv gerade aus der Untugend einen Nutzen zieht - sogar einen doppelten.

Zum einen senken sie ihre Steuerlast. Zum anderen zwingen sie den Staat, mehr Schulden aufzunehmen, was der Rentiersklasse wiederum eine ziemlich sichere Anlagemöglichkeit für ihr Kapital bietet. Steigende Staatsschulden haben noch den weiteren Vorteil (für die Geldgeber), dass sie tendenziell das Zinsniveau ansteigen lassen.

Eines Tages wird man den Bürgern zwar die Rechnung dafür präsentieren. Den anderen Bürgern, nicht (bzw. bestenfalls weit unterproportional) den Kapitaleigentümern.
Wann und wie wird das geschehen? In dieser Legislaturperiode wohl nicht mehr. Spätestens in der danach folgenden sind wir aber "reif", nicht für die Insel, sondern für die Beraubung. Es würde mich gar nicht überraschend, wenn die bourgeoise Baggage die Drecksarbeit der Haushaltssanierung, zu der sie selbst schon seit langem unfähig ist, wieder der SPD überlässt. Die könnte in 2013 gestärkt aus den Wahlen hervorgehen, wenn die haushaltspolitischen Bankrotteure der schwarz-gelben Koalition den Offenbarungseid leisten müssen. Die SPD würde sich, in welcher Koalition auch immer, der notwendigen Arbeit für das Gemeinwohl nicht entziehen. Und dafür, wie schon bislang, anschließend vom Wähler (und durch Mitgliederschwund) wieder abgestraft.
Anschließend kommen die bürgerlichen Biedermänner (dann wohl nicht mehr mit ihrer gegenwärtigen Fürstin der fiskalischen Finsternis als Anführerin) wieder als strahlende Lichtgestalten auf die politische Bühne und verteilen (d. h. schmeißen zum Fenster raus), was die Sozis eingespart haben.

Die Bourgeoisie im Allgemeinen und die Freche Dreiste Poujadistenpartei im Besonderen können eben im politischen Kollektiv nicht mit Geld umgehen. Das war schon in alten Zeiten so. Schlägt man z. B. Bücher über die Geschichte einzelner Reichsstädte auf, wird man für das 17. und 18. Jahrhundert häufig Klagen der Handwerkerschicht, also der Kleinbürger, über die finanzielle Misswirtschaft des Patriziats, also der Großbürger, finden. Die wurden etwa dem Kaiserhof vorgetragen, oder dem Reichskammergericht in Wetzlar.
Damals hatte Adam Smith sein Buch über den "Wohlstand der Nationen" ("An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations") noch nicht geschrieben. Durch ihn (und die Folgeliteratur bis hin zu den Libertären unser Tage) haben die Großbürger auch noch ideologischen Auftrieb bekommen. Jetzt können sie behaupten, mit ihrer Mehrung des eigenen Nutzens zugleich das Gemeinwohl zu fördern. Was sie nach ihrer Meinung offenbar auch dazu legitimiert, durch einen verantwortungslosen Umgang mit dem Volksvermögen Wählerstimmen zu ködern.


Eine Mehrheit hat sie gewählt. Das kann ich mir nur so erklären:
You can fool all of the people some of the time. But while you cannot fool all of the people all of the time, you can obviously fool a great many voters for a very long time.
Wahrscheinlich haben die Deutschen Nachholbedarf nach einem bisschen Bush - gell, George?


Links zu einigen kritischen Kommentaren:

Sehr scharf Donata Riedel im Handelsblatt vom 25.10.09 "Finanz- und Szialpolitik. Ab in die Retro-Republik!". Auszug:
"Seit in den Finanzwissenschaften außer dem Nachbeten ordnungspolitischer Glaubenssätze auch empirische Forschung betrieben wird, ist klar: Die Hypothese ist nicht haltbar.
Nennenswerte Wachstumseffekte bringen demnach allenfalls nach einigen Jahren Reformen bei Unternehmensteuern. Deutlich geringere Effekte haben Einkommensteuersenkungen, und so gut wie keine Wachstumswirkungen erzielen Steuerentlastungen für Gutverdienende, weil sie in aller Regel auf Sparkonten wandern.
Sehr eindeutig jedoch entleeren Steuersenkungen die Kassen von Bund, Ländern und Gemeinden, und das ausgerechnet in einer Phase, in der Konjunkturpakete finanziert und krisenbedingte Löcher in den Sozialkassen gestopft werden müssen - was Schwarz-Gelb richtigerweise auch tun will.
Der Koalitionsvertrag verhält sich nun umgekehrt proportional zu diesen Erkenntnissen
."
[Der Koalitionsvertrag ist u. a. hier auf der Webseite der CDU online.]

Eine lange kritische Analyse liefert in der ZEIT vom 26.10.2009 ein Autorenkollektiv von Katharina Schuler | Philip Faigle | Marlies Uken | Kai Biermann und Hauke Friederichs: "Koalitionsvertrag. Der Härtetest für Schwarz-Gelb kommt erst noch":
"Steuersenkungen, Klimaschutz, mehr Bürgerrechte – Schwarz-Gelb verspricht viel. Es bleiben aber zahlreiche Fragwürdigkeiten und Leerstellen."
Übersicht zu dem Artikel:
"Seite 1 Der Härtetest für Schwarz-Gelb kommt erst noch
Seite 2 Gesundheit: Symstemwechsel oder Reförmchen?
Seite 3 Familienpolitik: Die Reichen profitieren mehr
Seite 4 Energie- und Umweltschutz: Rücksicht auf die Wirtschaft
Seite 5 Innere Sicherheit: Angst vor dem Internet
Seite 6 Außen- und Sicherheitspolitik: Kontinuität und Kompromisse.
"

"Pressestimmen. 'Politik der sozialen Kälte' " - Financial Times Deutschland vom 27.10.2009 [Nun ja - zunächst einmal hat die Koalition doch die Spendierhosen angezogen?]

"Haushaltskonsolidierung. Merkels Schuldenkurs alarmiert Ökonomen" berichtet Dietmar Neuerer im Handelsblatt vom 26.10.09.

Ein ganz anderes Minenfeld entdeckt Mariam Lau in der WELT vom 26. Oktober 2009 "Union und FDP fehlt der Mut zum Wettbewerb":
"Lobbyismus statt Wettbewerb: Im schwarz-gelben Koalitionsvertrag hat sich an vielen Stellen ein gänzlich antimarktwirtschaftlicher Kurs breitgemacht. .....
Man hat ... eine politische Entscheidung getroffen, die – was die FDP betrifft – auch angekündigt war: es soll dem Mittelstand gegeben werden, sonst war immer die Unterschicht dran, nun müssen mal die „Leistungsträger“ dran sein. Der Gedanke hat natürlich etwas Bestechendes, zumal sowohl die Beschlussfasser als auch die, die darüber berichten sollen, zu eben dieser Schicht gehören.
Aber so zu tun, als habe der Mittelstand nicht profitiert von Kinderfreibeträgen, guten Schulen, dem Ehegattensplitting und all den anderen Wohltaten der vergangenen Jahrzehnte, ist auch nicht ganz fair. Und wer profitiert von dem Beschluss, dass Strafpunkte für zu schnelles Fahren künftig schneller in Flensburg gelöscht werden?
"
Auf die folgende Passage bezieht sich meine o. a. Bemerkung über die FDP als "Apothekerpartei":
"Es hat sich, in erstaunlich unverhohlener Art und Weise, an vielen Stellen ein gänzlich antimarktwirtschaftlicher Lobbyismus breitgemacht, der ganze Berufsgruppen und Branchen vor dem Wettbewerb schützt, der Land und Bürgern zugute kommen würde. Bis in die Wortwahl hat man sich der Sorgen der Apotheker angenommen – man werde „die Auswüchse des Versandhandels bekämpfen“."
Das war schon 'zu meiner Zeit' so; in der o. a. Parteiveranstaltung versprach ein FDP-Abgeordneter seinen Zuhörern, dass die Partei sich auch weiterhin für die Aufrechterhaltung des Nachtbackverbotes einsetzen werde.

Volle Breitseiten auch aus einer Zeitung, die ich schon mal als Zentralorgan der parasitären Bourgeoisie verunglimpft habe: der FAZ. Auf FAZ.net äußert sich heute (also am 27.10.) Peter Carstens unter der Überschrift "Bundestag. Traumschiff FDP" u. a. wie folgt:
"Guido Westerwelle wird nun Außen- und Entwicklungshilfeminister (Dirk Niebel bleibt als eine Art Abteilungsleiter in seinen Diensten). Er wird dabei schöne Fototermine wahrnehmen können und interessante Menschen kennenlernen. Was er und die FDP in der Welt ändern, vielleicht verbessern wollen, ist völlig unklar, abgesehen von dem löblichen Vorhaben, einige Raketen, nuklearen Restmüll des Kalten Krieges, aus Deutschland wegzuschaffen.
Vergeblich haben die diplomatischen Vertretungen in Berlin bislang herauszufinden versucht, wofür der künftige FDP-Außenminister inhaltlich steht. Viele sind sogar noch zum Koalitionsparteitag gefahren. Dort wurden die Diplomaten mit herablassender Ironie begrüßt. Danach debattierte die FDP auf diesem Vier-Stunden-Treffen munter alle Kapitel der Vereinbarung mit der Union. Kurz vor Schluss wurde der Abschnitt Außen- und Sicherheitspolitik aufgerufen. Es gab dazu keine einzige Wortmeldung. So viel zur außenpolitischen Substanz.
Die FDP hatte während der Koalitionsverhandlungen zu wählen, ob sie als Traumschiff oder als Eisbrecher in See stechen will. Sie hat sich entschieden, den Leuten noch eine Weile vorzugaukeln, sie säßen am Pool, die Sonne scheine und es regne Geld. Diesen Dampfer erwarten Eisberge.
"


Nachträge 27.10.2009:

"Das Manifest der Hornissen" nennt Thorsten Denkler in der Süddeutschen vom 25.10.2009 den Koalitionsvertrag:
"Einige nannten sie verniedlichend Biene-Maja-Koalition. Das dürfte jetzt vorbei sein. Der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und FDP zeigt: Wenn die neue Regierung etwas voranbringen will, dann die Entsolidarisierung der Gesellschaft. .....
CDU, CSU und FDP werden in den kommenden Jahren einen radikalen Kurswechsel vornehmen. Es geht um die Entsolidarisierung der Gesellschaft. Bisher gilt, wenn auch schon mit Einschränkungen: Die Gemeinschaft hilft den Schwachen. Wenn schwarz-gelb fertig ist wird gelten: Jeder hilft sich selbst, dann ist an alle gedacht
."

Sein Kollege Nico Fried hält in der gleichen Zeitung vom 26.10.09 die schwarz-gelbe Koalition für nur "Bedingt regierungsfähig", meint aber:
"Diese Koalitionsvereinbarung hat viele Mängel, aber den Vorwurf des sozialen Kahlschlags verdient sie nicht."
Er kritisiert nicht nur diejenigen Forderungen, welche die FDP in den Koalitionsvertrag eingebracht hat, sondern auch diejenigen der CSU:
"Merkel wirft dem CSU-Chef vom Betreuungsgeld über Hilfen für die Landwirte bis zum reduzierten Mehrwertsteuersatz für Hotelbetriebe all das Geld hinterher, von dem Seehofer glaubt, er könne damit seinen Machterhalt bezahlen."

In einem Gastkommentar im "Tagesspiegel" (wohl vom 25.10.09) bezeichnet Norbert Blüme die Koalition als "Schwarz-gelbe Geisterfahrer". Seine Kritik gilt den Koalitionsplänen zum Umbau der gesetzlichen Krankenversicherung in Richtung Kopfpauschale. Auszüge (meine Hervorhebungen):
"Erstens: Die Kopfpauschale ist ein Schlag gegen die Gerechtigkeit. Der soziale Ausgleich, der bisher mit Hilfe des einkommenproportionalen Beitrags krankenversicherungsintern zustande kam, soll jetzt durch das Finanzamt organisiert werden. Die einkommensschwachen Versicherten sollen einen staatlichen Zuschuss zu ihrer Kopfpauschale erhalten.
Zweitens: Die Kopfpauschale löst mehr Staat und Transfer aus. .....
Drittens: Die Finanzierung des steuerfinanzierten Zuschusses steht im Widerspruch zu den Zielen der Steuerreform. Bei Ermittlung der Zuschussbedürftigkeit kann die Lohnhöhe nicht das einzige Kriterium sein. Ein Teilzeit arbeitender Millionär würde sonst zum Zuschussberechtigten erklärt. Also müssen alle Einkommensverhältnisse der Zuschussempfänger aufgeblättert werden. Hartz IV lässt grüßen. Der Sozialstaat mendelt sich so zur allgemeinen Bedürfnisprüfungsanstalt.
Viertens: Die Kopfpauschale hat mehr Bürokratie im Gefolge. Der Arbeitgeberanteil an der Finanzierung der Krankenversicherung soll eingefroren werden. Damit zahlen die Arbeitnehmer alle zukünftigen Kostensteigerungen allein. Die Arbeitgeber sind aus der Anstrengung zur Dämpfung der Gesundheitskosten entlassen. Die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände kann ihr Mitglied Pharmaindustrie von der Kette lassen. Die Entwicklung der Gesundheitskosten interessiert die Arbeitgeber fortan nicht mehr.
Fünftens: Das Festschreiben des Arbeitgeberbeitrages mindert den Druck auf die Kostensenkung. Die paritätische Finanzierung der Sozialversicherung und die Selbstverwaltung waren die Schule der Sozialpartnerschaft. In ihr wurde der Interessenausgleich zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber eingeübt. .....
Sechstens: Die Sozialpartnerschaft wird langsam, aber stetig plattgemacht. .....
Siebtens: Die Kopfpauschale und ihre Folgen führen in einen anderen Sozialstaat. Auf der Strecke bleibt die subsidiäre Solidarität, wie sie in einer auf Gegenseitigkeit angelegten und mit sozialem Ausgleich ausgestatteten Sozialversicherung grundgelegt ist.
Eine Reform des Sozialstaats müsste auf mehr staatsfreie, selbstverwaltete Solidarität zielen. Das Gegenteil ist der Fall. Die Geisterfahrer haben Vorfahrt.
"


Nachtrag 29.10.2009
Wenn man vom ... Bush spricht (s. o.), ist er auch in den anderen Medien nicht weit. "Merkels Finanzpolitik. Angela Bush" schreibt heute Mark Schieritz in der ZEIT:
"Die Finanzpolitik der schwarz-gelben Koalition hat ein heimliches Vorbild: Den früheren US-Präsidenten.
Die neue Regierung macht es den politischen Beobachtern nicht gerade leicht. Der Koalitionsvertrag ist ein gigantisches schuldenfinanziertes Konjunkturprogramm – das klingt einerseits nach Keynes und es klingt auch irgendwie links. Den Regierungsplänen zufolge sollen aber vor allem die oberen Einkommensschichten entlastet werden – das ist konservative Politik
."

Und Marc Brost meint unter "Schwarz-gelbe Finanzpolitik. Volle Kanne":
"Die Kanzlerin setzt darauf, dass niedrigere Steuern und höhere Schulden die Wirtschaft wachsen lassen werden. Eine riskante Wette. .....
Es könnte ... so kommen wie in den USA unter George W. Bush: Massive Steuersenkungen führten dort am Ende nicht zu weniger, sondern zu mehr Staatsverschuldung.
Tatsächlich erinnert die Wirtschaftspolitik der schwarz-gelben Regierung fatal an die amerikanische Politik unter Bush junior. Merkel macht keinen Keynesianismus, wie es immerzu heißt, sondern Bushismus: Klientelpolitik für eine Gruppe der Gesellschaft, die man als Leistungsträger ansieht; getragen von der Idee, Eigenverantwortung zu fördern und den Staat zu schwächen. Auch die Kindergelderhöhung, die Schwarz-Gelb als soziale Wohltat verkauft, entspricht diesem Muster: Hartz-IV-Empfänger haben davon gar nichts; die Kinderarmut lindert es nicht. Zwar besagen nahezu alle internationalen Vergleiche, dass Kinder am besten dadurch gefördert werden, dass der Staat kostenlose Kindergärten bereitstellt. Aber zum schwarz-gelben Weltbild gehört, dass der Einzelne immer besser mit Geld umgehen kann als der anonyme Staat. Mehr Kindergeld ist daher wichtiger als kostenlose Kita-Plätze.
"
Ich lebe schon in einem seltsamen Völkchen: Obama jubeln sie zu, aber gewählt haben sie Busha light. Weird folks!
Ergänzung 18.12.09: Marc Brost legt nach unter "Sinnlose Schulden. Schwarz-Gelb verschenkt Geld – und schwächt ohne Not den Staat." Inhaltlich hat er Recht doch frage ich mich, wie ernst ich jemanden nehmen kann der jetzt gegen die Staatsverschuldung wettert, obwohl er noch vor gut einem Jahr () meinte: "Staatsverschuldung. Billionen fressen Seele auf. Warum bloß fürchten sich die Deutschen so sehr vor hohen Staatsschulden?"


Nachtrag 02.11.09
Zunder kriegt die Koalition (und kriegen die verantwortungsscheuen Politiker in Ländern und Kommunen) heute im Wirtschaftsteil von FAZ.net unter "Steuerpolitik
Mit Vollgas in den finanzpolitischen Nebel
". Auszug (meine Hervorhebungen):
"Warum sollen Bund, Länder und Gemeinden nicht über ihre Einkommensteuersätze unabhängig von den Wünschen und Möglichkeiten der anderen entscheiden? Um Extremfälle zu verhindern, könnte man dafür Korridore einrichten. Will der Bund die Wirtschaft ankurbeln und glaubt, sich das leisten zu können, könnte er es tun, ohne dafür Kompromisse mit den Ländern schließen zu müssen. Für die Länder und Kommunen hätte das den großen Vorteil, dass ihnen keiner mehr ans Portemonnaie gehen könnte. Doch die Länder fürchten die politische Verantwortung, die sie sonst so gerne für sich einfordern. In den Städten ist das nicht anders. Die Bürgermeister wollen sich ebenfalls nicht rechtfertigen, wenn Prestigeprojekte Steuererhöhungen erzwingen.
Steuerautonomie führt zu mehr Ehrlichkeit in der Politik. Der Bürger erkennt, was wie viel kostet und wer dafür verantwortlich ist. Wer bestellt, müsste zahlen – zumindest den politischen Preis. Dass dies kein akademisches Hirngespinst sein muss, zeigt das Beispiel der Schweiz. Die Eidgenossen haben ein föderales Steuersystem – und fahren wahrlich nicht schlecht damit. Doch was machen Union und FDP? Sie senken die Mehrwertsteuer auf Übernachtungen in Hotels. Nachdem zuletzt die Bayern Subventionen für die Bergbahnen durchgesetzt haben, ist dies der nächste Treppenwitz. Die neue Vergünstigung steht in krassem Gegensatz zum schwarz-gelben Bekenntnis im Koalitionsvertrag, nach dem Steuern einfach, niedrig und gerecht sein sollen."



Nachtrag 29.12.09
Ich verweise hier auf meinen früheren Blott "Steuern senken oder Staatsfinanzen konsolidieren? Deutsche Fiskalpolitik bei Prämisse einer raschen Ressourcenverknappung ("Peak Oil" usw.)" vom 01.06.2008.


Nachtrag 01.01.2010
Vergleiche zum Thema auch die beiden Artikel in der WELT:
"Steuerpolitik. Schäubles größtes Problem ist Angela Merkel" vom 31. Dezember 2009 (Jan Dams) (meine Hervorhebungen):
"Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP), die beiden erfahrensten Minister der Koalition, gehen beim Kampf um die Steuerreform gegeneinander in Stellung. Schäuble will kräftig sparen, Brüderle die Steuern senken. Es ist das letzte Gefecht der Bonner Republik. .....
Schon als Innenminister vertrat er die These, dass die Deutschen eher bereit sind, ihre persönliche Freiheit aufzugeben, als ihre Sicherheit zu riskieren. Bei den Sozialtransfers und Steuern sieht er das nicht anders. Freiheit von hohen Steuern kann nur erwarten, wer bereit ist, einen größeren Teil seiner Lebensrisiken selbst abzufedern. ..... [Der Bericht bezieht sich wohl auf das FAZ-Interview "Finanzminister Schäuble. 'Ich zahle meine Steuern gerne' " vom 27.12.09 mit Schäuble]
Bislang wartet man vergeblich darauf, dass die FDP einen klugen Gegenentwurf zu Schäubles Zukunftsvision präsentiert. .....
Bessert die FDP in ihrer Argumentation nicht bald nach, droht sie im kommenden Jahr den Kampf um die Medienhoheit zu verlieren und damit auch einen Teil ihrer Wähler. .....
Für Brüderle und den FDP-Kurs sind derzeit vor allem: Patrick Adenauer. Der Präsident der Familienunternehmer hält die Krise den richtigen Zeitpunkt für eine Steuerstrukturreform. Der Präsident des Ifo-Instituts Hans-Werner Sinn sieht es ähnlich. Auch Horst Seehofer ist dafür. Nebenher will der CSU-Chef auch noch investieren und Steuern senken sowie den Haushalt sanieren.
Wie er diese Quadratur des Kreises schafft, erst Recht mit der siechen Bayerischen Landesbank und ihren Milliardenrisiken im Kreuz, weiß er kein Mensch.
Wer die Meinungsumschwünge des bayerischen Ministerpräsidenten kennt, der ahnt, dass auf seine Unterstützung nicht sonderlich viel Verlass ist. .....
Gewinnen wird am Ende nicht zwangsläufig der, der die meisten Freunde für sich anführen kann und die besten Argumente hat. Siegen wird am Ende jener Kämpfer, der die drei Parteichefs für sich gewinnt. Wenn Merkel, Seehofer und Westerwelle hinter verschlossenen Türen über die Steuerreform reden, dann geht es nämlich um mehr als nur um das, was Sinn macht oder eben nicht. Das hat schon der Streit über das Mehrwertsteuerprivileg für die Hoteliers gezeigt.
"

Die Populistentruppe um den bayerischen Christsozialistenchef Horst Seehofer interessiert die Faktenlage eher weniger; sie bedient, wie bereits (leider erfolgreich!) vor der Bundestagswahl, lieber die politische Stimmungslage.
"CSU hält Schäubles Sparpaket für unnötig" meldet die WELT vom 30. Dezember 2009: "Die CSU glaubt nicht, dass die Bundesregierung das für 2011 angekündigte Sparpaket umsetzen muss. Stattdessen sollte lieber auf neue Ausgaben verzichtet werden, sagte Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich. Sollte Sparen doch erforderlich sein, würde Friedrich auch vor den Arbeitsagenturen nicht halt machen."
Im Detail sind die Ausführungen verwirrend und widersprüchlich; Friedrich geht es offenkundig allem um die Botschaft an die Bundesbürger: keine Sorge, mit uns gibt es keine Einschnitte (zumindest keine, die einer politisch relevanten Lobbyistengruppe weh tun):
"Wenn keine neuen Ausgaben vereinbart würden, ergäben sich zusammen mit erwarteten Steuermehreinnahmen neue Spielräume, sagte CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich der „Berliner Zeitung“ laut Vorabbericht. „Daher ist es gar nicht gesagt, dass wir 2011 ein Sparpaket brauchen.“
Der CDU-Politiker Schäuble hatte angekündigt, ab 2011 wolle er das erwartete strukturelle Defizit von rund 70 Milliarden Euro mit einem Sparprogramm um rund zehn Milliarden pro Jahr verringern.
Friedrich betonte, auch bei einer weitere Wirtschaftseintrübung müsse auf Einschnitte verzichtet werden. „Wenn eine Delle kommt, darf man sie durch Sparen nicht verstärken.

Mit anderen Worten: Wenn die Steuern sprudeln, werden wir euch entlasten; wenn sie nicht sprudeln, dürfen wir nicht sparen. Welche Erwartungen diese Münchener Rattenfänger für die zukünftige Wirtschaftsentwicklung haben, wird nicht gesagt; klar wird allein, dass die Bayern-Ver-Führer ums Verrecken keinen Sparkurs für den Deutschen Haushalt zulassen wollen. Denn wenn die Steuern sprudeln sollten, wollen sie die Überschüsse nicht sparen, sondern die Bürger entlasten. Das ist eine Perspektive auf kurze Sicht, gerade mal bis zur nächsten Wahl: nach uns die Sintflut! Wenn sie nicht sprudeln, will man erst recht nicht sparen. Indes: wenn es bis 2011 nicht gelungen sein sollte, die Wirtschaft nicht anzukurbeln, wird das auch in der mittleren Zukunft nicht gelingen; wir werden dann bestenfalls eine Stagnation wie in Japan haben. Und mit der CSU an der Regierung haben die Kapitalbesitzer dann auch das Versprechen einer kräftig steigenden Staatsschuld (ist das denn nicht deren gutes Recht, dass irgend jemand ihnen Zinsen für ihre 'Ersparnisse' zahlen muss?), bzw. die Steuerzahler die Drohung einer irgendwann immer größeren Rechnung. Sollte das schwarze Populistenrudel (in der CDU halten einige aktuell noch gegen, aber wenn es um die Wählergunst geht, werden die umstandslos umfallen) dann immer noch an der Macht sein, wird es den gleichen Ausweg wählen wie die fiskalpolitischen Rattenfänger aller Zeiten und Völker: Inflation. Die Unabhängigkeit der EZB wird man dann schon rechtzeitig beseitigen; schließlich gibt es in Europa ja genügend Haushaltssünder, bei denen die politische Interessenlage die gleiche ist bzw. sein wird wie dann in Deutschland.


Nachtrag 02.01.2010
Dirk Niebel, unser neuer FDP-Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, zeigt dem Volk nicht nur dadurch, dass er einem Ministerium vorsteht, dass er selbst für überflüssig hält, was vom freidemokratischen Spargeschwätz zu halten ist. In dem WELT am Sonntag-Interview "Entwicklungshilfe. Niebel fordert Klimaabgabe für Verkehr" vom 19.12.2009 brüstet er sich vielmehr auf die Frage
"Deutschland hat sich verpflichtet, bis zum Jahr 2015 rund 0,7 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für Entwicklungshilfe auszugeben. Ihr Ministerium bekommt nächstes Jahr deshalb 44 Millionen Euro mehr. Ist immer mehr Geld wirklich sinnvoll?"
auch noch damit, dass er für sein Ministerium mehr Geld aus dem Bundeshaushalt herausgeholt hat (meine Hervorhebung):
"Niebel: 44 Millionen mehr als der Entwurf der Vorgängerregierung vorsah, insgesamt 67 Millionen mehr! Das 0,7-Prozent-Ziel gilt und ich bin froh, dass ich trotz der Krise mehr aus dem Bundeshaushalt herausholen konnte."
Das stößt selbst bei Parteifreunden auf Befremden.
"Hessens FDP-Vorsitzender Jörg-Uwe Hahn verlangte Einsparungen im Etat seines Parteikollegen, Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel. "Die Mittel sollten gesenkt werden", sagte der hessische Justizminister"
berichtet das Handelsblatt in dem Beitrag "Kritik an Bundesregierung: Koalition bezieht Prügel aus eigenen Reihen" vom 02.01.10.
Aus der CDU kommt Kritik an der Mehrwertsteuersenkung für Hotels (meine Hervorhebung):
"Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) geht mit der schwarz-gelben Koalition auf Bundesebene scharf ins Gericht. "Es hat Probleme gegeben, die man sich hätte sparen können", sagte der CDU-Politiker dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Er kritisierte vor allem das jüngste Steuerpaket und nannte die Senkung des Mehrwertsteuersatzes für Hoteliers "reine Klientelpolitik"."






Textstand vom 02.01.2010. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
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Montag, 26. Oktober 2009

Danke, Thilo ...

... würde ich sagen, wenn ich vom erhöhten 'Verkehrsaufkommen' (traffic) auf meinem Blog materiell oder immateriell profitieren würde.

Denn während sonst die Anzahl der monatlichen Seitenzugriffe ("page loads") bei mir zwischen 1.551 (im April) und 2.190 (im Juni) schwankte (Tagesdurchschnitt Januar - September 2009 = 60), sind es für Oktober bis jetzt (Montag 26.10., ca. 20.30 h) schon 7.011, werden also im Gesamtmonat auf voraussichtlich ca. 7.500 steigern. Aus irgendwelchen Gründen liege ich bei zahlreichen Stichwortkombinationen bei Google auf der ersten Seite, obwohl ich von Suchmaschinenoptimierung nichts verstehe.

Sonntag, 25. Oktober 2009

Bestellen Greenpeace-Anhänger ihre Kleider beim Schneider?

In der Bahnhofsbuchhandlung im Nürnberger Hauptbahnhof war ein ganzes Schaufenster damit dekoriert: Mit Postern zum und Heften des aktuellen Greenpeace-Magazin(s). Titel: "Die Täuschung". Untertitel: "Ob Brot oder Milch - unsere Lebensmittel verkommen zur künstlichen Massenware."

Sicher hätte ich gern Näheres erfahren über "Der große Bluff mit unseren Grundnahrungsmitteln", aber 5,30 Euronen war es mir dann auch wieder nicht wert (und würde ich jetzt, nachdem ich das Inhaltsverzeichnis im Internet gesehen habe, erst Recht nicht bezahlen, weil die Verfälschung unserer Lebensmittel nur eines von vielen Themen ist. Was bei anderen Magazinen üblich ist, treibt man also auch bei Greenpeace: ein Thema mit einem Aufmacher groß herausstellen, aber letztlich dann doch nur unter anderen behandeln: mediale Häppchenpolitik!).

Aber nicht um den Inhalt oder meine Kaufentscheidung geht es mir hier, sondern um das Wort "Massenware" im Titel.
Auch ich bin nicht sonderlich glücklich mit vielem, was die Industrie uns als Futter oder oft als Fraß vorsetzt. Aber, verdammt noch mal, waren die Lebensmittel im vorindustriellen Zeitalter denn wirklich besser? Und wie will die Welt ihre aktuell ca. 7 Milliarden Bewohner ernähren, wenn nicht durch Massenproduktion?

Selbst ein Zeitkritiker wie George Monbiot räumt (in seinem Blog-Eintrag "Strange Fruit" vom September 2008; vgl. dazu auch diesen Blott von mir) ein:
"Though we still subsist largely on junk, even bilious old gits like me are forced to admit that the quality and variety of most types of food sold in Britain has improved."

Ich finde es äußerst gedankenlos, aber auch sehr arrogant, unterschwellig eine Herleitung von Problemen mit Produkten (Lebensmittel oder anderen) aus der Massenproduktion als solcher zu suggerieren.
"Unterschwellig herleitet" sage ich deshalb weil ich vermute, dass die Autoren keine Belege dafür erbringen, dass Massenproduktion zwangsläufig eine schlechtere (Lebensmittel-)Qualität ergeben muss als eine Herstellung im Haus, auf dem Bauernhof oder durch das Handwerk (dessen Produkte ohnehin von der Qualität der Vorlieferungen abhängen).
Mir schmeckt das versalzene Brot vom Bäcker jedenfalls nicht besser als das (meist zwar ebenso versalzene) Brot aus der Brotfabrik.
Und die Hühnereier aus der Massentierhaltung schmecken auch nicht zwangsläufig schlechter als solche von einem kleinen Nebenerwerbsbetrieb (wenn Fischmehl verfüttert wird, schmeckt das eine so schlecht wie das andere).

Vor allen Dingen könnte ich mir auf anderen Gebieten sehr viel weniger leisten, wenn nicht (auch) die Lebensmittel durch die Massenproduktion billiger wären, als sie es bei einer (nicht zwangsläufig liebevollen) Herstellung in einem handwerklichen Produktionsprozess sein könnten.


Nachtrag 28.10.2009
Im vorliegenden Zusammenhang ist auch ein auf den ersten Blick eher entfernter Text interessant, jedenfalls dessen Einleitung. In dem ZEIT-Essay "Schickes Ödland Großstadt" von Christian Staas vom 28.10.2009 lesen wir:
"In der Großstadtkritik des frühen 20. Jahrhunderts verbanden sich gleich mehrere Gedankenfiguren zu einem gefährlichen Amalgam. Die Grundierung war ein Gefühl allgemeinen Niedergangs, als dessen Sinnbild und zugleich ganz reales Zentrum man die moderne Großstadt ausmachte. Hier, so hieß es, verfielen Sitte und Anstand, breiteten sich Kriminalität und Alkoholismus aus. Gekreuzt mit der damals aufblühenden Vererbungslehre und den neuen Rassentheorien ergab sich daraus das Bild einer um sich greifenden Degeneration; das Soziale erschien nun in biologischen Begrifflichkeiten. Als dritter Diskurs schließlich koppelte sich an solche Denkfiguren die verächtliche Rede von der Masse, von der Massengesellschaft und der Vermassung an, sodass sich das Großstadtbild zu einer Schreckensvision verfestigte, in der sich die herrschenden bürgerlichen Klassen nun plötzlich als bedrohte Minderheit, als potenzielle Opfer des allgegenwärtigen Verfalls imaginierten."
Das ist doch wohl kaum der ideologische Rahmen, mit dem sich Greenpeace-Anhänger identifizieren können? (Oder etwa doch?)





Textstand vom 28.10.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
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Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Freitag, 9. Oktober 2009

Weitere Links zu Sarrazin-Interview "Klasse statt Masse. Von der Hauptstadt der Transferleistungen zur Metropole der Eliten" im Lettre-International

Nachtrag 01.09.2010
Zur neuen 'Sarrazin-Debatte' diesmal um sein Buch (bzw. die Vorveröffentlichungen daraus und verschiedene Interviews mit ihm) vgl. meinen Blott "Wenn des Pawlows Hunde lüllen. Zur Lexikographie des deutschen Politiker-Wortschatzes in der Debatte um Thilo Sarrazin, Deutschland schafft sich ab".

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Zunächst einmal Gratulation, Thilo Sarrazin, zur ersten halben Million! Suchergebnisse bei Google, meine ich natürlich, denn über eine halbe Euro-Million würden Sie vielleicht nur müde lächeln [wobei es mir fern liegt, Ihnen Wohlhabenheit vorzuwerfen: im Gegensatz zu manchen anderen haben Sie auch hart geschafft für Ihr Geld - und wurden dafür, wenn man Bezahlung und Leistung vieler anderer Manager, oder gar der Boni-Banker zum Vergleich heranzieht, als Berliner Finanzsenator eher mager entlohnt, das war sozusagen travailler pour le roi de Prusse ;-) ].

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Volltext des Interviews von Lettre International (Frank Berberich) mit Thilo Sarrazin: Ausgerechnet die Bild-Zeitung publiziert den Gesamttext!

Nachtrag 30.08.2010
Zur neuen 'Sarrazin-Debatte' diesmal um sein Buch (bzw. die Vorveröffentlichungen daraus und verschiedene Interviews mit ihm) vgl. meinen Blott "Wenn des Pawlows Hunde lüllen. Zur Lexikographie des deutschen Politiker-Wortschatzes in der Debatte um Thilo Sarrazin, Deutschland schafft sich ab".

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Endlich ist der gesamte Text des Interviews (zumindest vermute ich, dass er vollständig ist) online im Internet (gratis) nachzulesen. Und wem verdanken wir das? Nicht etwa irgend einem Qualitätsmedium, sondern der Bild-Zeitung!
Bild hat offenbar die Börse gezückt und dem Verlag Lettre International die Abdruckrechte an dem vom Herausgeber Frank Berberich mit dem ehemaligen Berliner Finanzsenator und jetzigen Bundesbank-Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin abgekauft. Die haben ihrerseits das Eisen geschmiedet, solange die Diskussion noch heiß ist. [Das alles dachte ich, als ich diesen Blott niederschrieb. Später indes stellte sich heraus, dass BILD den Text einfach geklaut hatte! - s. u.]

Sonntag, 4. Oktober 2009

Plötzlich und unerwartet - steht mein Blog (zwar leider nicht im Fokus, aber immerhin:) im Focus

Vor einiger Zeit hatte ich in dem Blott "Twingly als teuflische Versuchung: Intellektuelle Jingle Mail von mir zum Handelsblatt?" darüber berichtet, dass das Handelsblatt Links zu Blogs veröffentlicht, die ihrerseits zu Handelsblatt-Artikeln verlinken.
Als konkretes Beispiel vgl. den Artikel "Abfällige Äußerungen. Thilo Sarrazin: Gespaltene Persönlichkeit" auf der HB-Webseite vom 01.10.2009.

[Sehr tief scheint die Twingly-Suche allerdings nicht zu gehen. Wenn in meinen für mich nicht untypischen längeren Blotts der Link weit unten steht, habe ich in der Vergangenheit - in letzter Zeit habe ich schon gar nicht mehr nachgeschaut - bei dem jeweils von mir verlinkten Handelsblatt-Artikel keinen Rücklink gefunden.]

So etwas tut ein Medienunternehmen selbstverständlich nicht zum Zwecke einer Förderung der Bloggerkultur, sondern zur Steigerung der eigenen "Linkpopularität" und damit in der Hoffnung auf einen besseren Rang bei den Suchmaschinenergebnissen. Aber es nützt natürlich beiden, denn auch der Blogger steigert ja dadurch sein "Ranking" und, wahrhaftig: ab und an klickt dann auch tatsächlich mal jemand den Link zu seinem Blott bei dem Medienartikel an.

Auf diese Weise erfuhr ich denn auch soeben bei der Auswertung meiner Zugriffsstatistiken, dass auch das Magazin "Focus" die zu seinen Webartikeln verlinkenden Blotts über "Twingly" einfängt.
Mein Blott über Thilo Sarrazin verlinkt - und entsprechend erscheint dort ein Rücklink [gegen den ich gewiss nichts einzuwenden habe ;-)] - zu dem Focus-Artikel "Thilo Sarrazin. Bundesbank-Präsident legt Rücktritt nahe".




Textstand vom 04.10.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
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Medien verkürzen Interview von Bundesbank-Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin im "Lettre International" zur "Emser Depesche" der Ausländerdebatte!

Nachtrag 01.09.2010
Zur neuen 'Sarrazin-Debatte' diesmal um sein Buch (bzw. die Vorveröffentlichungen daraus und verschiedene Interviews mit ihm) vgl. meinen Blott "Wenn des Pawlows Hunde lüllen. Zur Lexikographie des deutschen Politiker-Wortschatzes in der Debatte um Thilo Sarrazin, Deutschland schafft sich ab".

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Die reinste Quelle ist es nicht, von der wir (unter dem Titel "Thilo, ich liebe Sie: Sarrazin-Interview im Original!!!") jene Passagen online erhalten, die Thilo Sarrazin gewaltigen Ärger, und Deutschland eine heiße Debatte beschert haben.

Tatsächlich enthält die unter dem sachlich klingenden Titel "Fakten - Fiktionen Politik Medien Zeitgeschichte" auftretende Webseite, die sich als "transatlantic press network based in the USA" bezeichnet, Hetze der übelsten Art. Schwerpunkt der Tendenz scheint ein fanatischer Anti-Islamismus zu sein, aber auch sonst geht es "rund": Unter "Der SPIEGEL - Sturmgeschütz der Zensur und Diktatur" heißt es z. B. "Wer etwas sagt, was ihnen nicht paßt, soll zurechtgestutzt und entlassen werden und schnell zurücktreten. Das wertet der SPIEGEL als Erfolg, und dann lehnen sich die Goebbels-Schüler im Goebbels-Blatt zurück und fühlen sich bedeutend" und ein Titel wie "Fall Sarrazin: Bundesbank holt Befehle in Istanbul" ist definitiv im Stil des antisemitischen Nazi-Hetzers Julius Streicher im "Stürmer" unseligen Angedenkens formuliert.
[Ob allerdings wirklich eine braune Gesinnung hinter dieser Webseite steckt, oder nicht vielleicht eine kalkulierte Provokation - von welcher Seite und für welche Interessen auch immer - das frage ich mich angesichts derart plakativer Sprüche schon.]

Freitag, 2. Oktober 2009

Feigheit siegt! Thilo Sarrazin und die deutsche Verlogenheit

Nachtrag 01.09.2010
Zur neuen 'Sarrazin-Debatte' diesmal um sein Buch (bzw. die Vorveröffentlichungen daraus und verschiedene Interviews mit ihm) vgl. meinen Blott "Wenn des Pawlows Hunde lüllen. Zur Lexikographie des deutschen Politiker-Wortschatzes in der Debatte um Thilo Sarrazin, Deutschland schafft sich ab".

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Potztausend - wer hätte das gedacht?
"Die Deutsche Bundesbank distanziert sich entschieden in Inhalt und Form von den diskriminierenden Äußerungen von Dr. Thilo Sarrazin in dessen Interview mit Lettre International", teilte die Bank am Mittwoch mit. Sarrazin gebe nicht die Ansichten der Bundesbank wieder, und das Interview stehe in keinerlei Zusammenhang mit seinen Aufgaben bei der Zentralbank."
Also ich jedenfalls hatte immer geglaubt, dass die Deutsche Bundesbank eine Behörde für die Integration von Ausländern ist. Insofern ist es doch wirklich sinnvoll, dass diese Organisation Klarheit schafft und die Öffentlichkeit endlich mal darüber aufklärt, dass Thilo Sarrazins Äußerungen über (mögliche) Probleme bezüglich der Integration von Ausländern in Deutschland NICHT im Zusammenhang mit seinen Aufgaben bei der Deutschen Bundesbank stehen.

Rottet das Unkraut aus! Schafft Platz für die Spontanvegetation!


Alle sind für die Natur - wenn andere die Kosten tragen.
So offenbar auch jene Gartenbesitzer, deren Hecke in einer Straße wächst, durch die mich einer meiner alternativen morgendlichen Wege zur Arbeit führt.
Die lassen es kräftig auf den Bürgersteig wuchern.
Hätte ich sie gesehen, hätte ich mich beschwert.
Wahrscheinlich hätten sie mich ganz entrüstet angeschaut und gesagt, dass ich wohl etwas gegen die Natur habe.
Was hätte ich darauf erwidert?
"Lassen Sie die Natur doch in Ihrem Garten wuchern, lassen Sie Unkraut auf Ihrem Rasen wachsen."
Noch ein empörter Blick: Unkraut? Was hat den Unkraut mit der Natur zu tun?
Wir sollten aufhören, wertend über Unkraut zu schimpfen, und stattdessen neutral über Spontanvegetation reden. Auch wenn das für "Philamia" im Gartenorum dasselbe ist: es wäre, wenn in größerem Umfang durchgesetzt, ein Zeichen für einen Bewusstseinswandel, der endlich die rasende biologische Bodenversiegelung http://beltwild.blogspot.com/2005/05/definitionen-definitions.html!



Textstand vom 10.08.2011. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
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Wer ist schon Ludwig van Beethoven im Vergleich mit Britney Spears? Wenig - für den Windows Media Player von Microsoft

Das Programm des Windows Media Player bietet -4- Haupt-Sortiermöglichkeiten; die entsprechenden Ordner erscheinen auf der linken Seite und aus diesen kann dann ein Album bzw. Musikstück abgerufen werden:
Interpret / Album / Musiktitel / Genre.

In die Kategorie "Weitere Ansichten" hat das Programm die Komponisten verbannt: gemeinsam mit dem Jugendschutz und weiteren mitwirkenden Interpreten.
über diese weiteren Ansichten erhält man die Alben dann auch nach Komponisten sortiert (soweit solche überhaupt eingegeben sind).
Nur kann man sich den Ordner mit den Komponisten nicht an den (linken) Seitenrand ziehen; man erreicht ihn erst in einem 2. Schritt über ein Anklicken des Ordners "Medienbibliothek".

Diese Organisation der Musik im Windows Media Player ist klar auf Schlager (Hits) eingestellt; Klassikfreunde werden auf den 2. Rang verwiesen.

Da gehe ich doch lieber zu iTunes: zum einen kann ich die Darstellung der "Cover" ausschalten, habe also einen umfassenderen Überblick auf der jeweiligen Seite, und zum anderen ist hier "Klassische Musik" als Genre vorgegeben; in den Spalten rechts daneben erscheinen dann als Erstes die Komponisten.
Wenigstens bei Apple kommt also Beethoven vor (z. B.) Karajan!

Zwar habe ich auch mit der iTunes-Software meine Verständnisschwierigkeiten (und außerdem den Eindruck, dass die Fa. den Leuten lieber erklärt, wie sie Musik online einkaufen können als die Funktionen verständlich zu erläutern), aber immerhin: Bach, Beethoven, Brunetti: alles säuberlich alphabetisch geordnet.

Werd' ich nun also meine ganzen CD-Bestände dort speichern; ist mir ja egal: klingt genau so.

Ich bilde mir nichts darauf ein, dass ich lieber Klassik höre: ich erwarte aber, dass eine Firma wie Microsoft Mitarbeiter oder Berater hat, denen bekannt ist, dass Klassikliebhaber ihre Musiksammlungen nach anderen Kriterien organisieren als Britney Spearas Fans!



Textstand vom 03.10.2009. Auf meiner Webseite
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Donnerstag, 1. Oktober 2009

SPD stürmt auf 5%-Hürde zu: Geführt vom substanzlosen Opportunisten Sigmar Gabriel und strippengeführt von der linksgesinnungstüchtigen Andrea Nahles

Eigentlich sollte ich der SPD dankbar sein, dass sie demnächst Sigmar Gabriel zum Parteivorsitzenden und Andrea Nahles zur Generalsekretärin wählen will.

Das erleichtert mir die Stimmabgabe bei der nächsten Bundestagswahl ganz enorm.

Da weiß ich doch wenigstens, welche Partei ich nicht wählen werde! Mit den beiden an der Spitze kriegen die Sozialdemokraten von mir noch nicht mal meine Erststimme.



Textstand vom 01.10.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
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