Titelwiederholung wg. Suchmaschinenindexierung:
Alice Weidel als Putins Antifanten-Braut,
Die die Ukraine schamlos in die Pfanne haut!
In einem Video-Interview des
ECONOMIST vom 15.10.2026 hat sich Alice Weidel auch zum Ukrainekrieg geäußert.
Das vollständige
Video ist nur für Abonnenten sichtbar; also nicht für mich. (Jedenfalls ein einstündiges Video; allerdings wird in diesem - ebenfalls kostenpflichtigen - Begleit-Artikel die Interviewdauer mit 75 Minuten angegeben.)
Immerhin hat der ECONOMIST auf
seinem YouTube-Kanal unter dem Titel "AfD would stop German support for Ukraine: Alice Weidel interview" einen 9:19 Minuten langen Auszug eingestellt, bei dem es bis zur Minute 5:00 um den Ukrainekrieg geht. Diesen Teil habe ich mir angehört und (auch unter
Heranziehung des automatischen YouTube-Transkripts) nachfolgend verschriftlicht.
Die
Kapiteleinteilungen und ~überschriften entstammen dem Original; sie wurden also
offenbar vom ECONOMIST (nachträglich) eingefügt.
Anmerkungen in eckigen Klammern stammen von mir. Kleine Unebenheiten der gesprochenen Rede (etwa „äh“ usw.) habe ich stillschweigend ausgebügelt.
Anmerkungen in eckigen Klammern stammen von mir. Kleine Unebenheiten der gesprochenen Rede (etwa „äh“ usw.) habe ich stillschweigend ausgebügelt.
Der anschließenden Interview-(Teil-)Umschrift folgt meine eigene kritische Analyse der Äußerungen von Alice Weidel (nachfolgend: "AW").
Allerdings gibt der vorliegend behandelte Video-Auszug Weidels Äußerungen zum Ukrainekrieg offenbar nicht vollständig wieder.
Das lässt sich aus den Angaben in anderen Berichten erschließen (insbesondere aus der ebenso kritischen wie überzeugenden Analyse " 'Germany first'. Putin kann sich bei Weidel bedanken" auf der Webseite einer gewissen Regina Laska). Indes enthält, soweit ich sehen kann, die mir unbekannten "Ukraine-Textteile" des Interviews nichts, was meiner u. g. Kritik entgegenstehen, also AW sozusagen "entlasten" würde.
I. UMSCHRIFT DES INTERVIEW-AUSZUGS BETR. UKRAINEKRIEG
0:08: AW: I think it's not a question about threat or not being a threat. I think German foreign or Germany's foreign policy
0:23: interest or not. And being or acting like this as our government
0:32: currently [erg. wohl: "does" - br.] it leads to a situation that is very harmful for us. I haven't mentioned the sanctions.
0:41: Well, while we impose like one sanctioned package after the other, Donald Trump talks with Vladimir
0:49: Putin about the delivery of further diesel and also about oil and
1:0: gas, right? Well, we would like to have the same thing for Germany.
Interviewerin: Do you not think it is appropriate for Germany and
AW: Well, it's
1:41: the right time. And so like the framing [folgt Durcheinanderreden – br.]
We also criticized the Russian attack on Ukraine because Ukraine is a sovereign country.
2:06: Full stop. There's no discussion about it. But now as you said before, we are in the status quo right now and the
2:16: status quo is terrible not only for the people dying and for the families losing
2:22: their sons and the damaging of infrastructures, refineries with skyrocketing
2:48: to judge every foreign policy of Germany: Is it in our national interest or is it not? The prolongation and
2:56: the measures being taken by the German government right now impose a huge risk on our country and we
3:05: think, I think, it is wrong to continue with the prolongation of a financing of a[erg. "n" – br.]
3:12: already lost war. The Ukraine, unfortunately, you can say, really, like the Ukraine is too small. The Ukraine cannot win against Russia.
3:25: It is impossible [folgt Durcheinanderreden – br.]
Interviewerin: So when you say “already lost war” …
3:32: The Ukrainians say they would have a ceasefire. He refuses to have a ceasefire. [Etwas Durcheinanderreden – br.]
AW: That is what you say.
3:37: Interviewerin: Can you give me ONE piece of evidence that he is interested in peace?
3:37: Interviewerin: Can you give me ONE piece of evidence that he is interested in peace?
AW: Can you give me one piece of evidence that Zelensky
is interested in peace? [Offensichtlich
kann Weidel KEINERLEI Indizien für Putins Friedensbereitschaft vortragen! – br.]
3:45:
Interviewerin: Yes. He's constantly … [erg. wohl: "making peace offers"o. ä. – br.]. He has
offered an energy ceasefire now. They were in Florida talking about
peace deals. The Ukrainians are absolutely willing to
3:54: start talking about peace. It is Vladimir Putin who is not interested in a peace deal because he thinks that he can pulverize Ukrainian cities over the winter as he is now doing. And it seems
4:03: to me that what you are suggesting, and I just want to make sure I've understood this, you are suggesting stopping all
4:10: German financial and military support, all European support. Is that right? Is that your preferred policy?
AW: We already spent over 100 billion. No other
4:18: countries spent that much. And we are highly indebted. Yeah. I have the interests of my country
first. It's
4:26:
Germany first. And this war is not in our interest. And it's very, it's very
dangerous for our national security. In
4:36: order to have a peace in the Ukraine, we need to take not only Ukraine [erg. " ‘s" – br.] security
3:54: start talking about peace. It is Vladimir Putin who is not interested in a peace deal because he thinks that he can pulverize Ukrainian cities over the winter as he is now doing. And it seems
4:03: to me that what you are suggesting, and I just want to make sure I've understood this, you are suggesting stopping all
4:10: German financial and military support, all European support. Is that right? Is that your preferred policy?
AW: We already spent over 100 billion. No other
4:36: order to have a peace in the Ukraine, we need to take not only Ukraine [erg. " ‘s" – br.] security
II. AWs ANSICHTEN ZUM UKRAINEKRIEG: ANALYSE UND KRITIK
1) Zu 0:08 ff.:
AW hat natürlich Recht, dass unser Land seine eigenen Interessen im Blick behalten muss.
Doch ist ihre Reaktion auf die Frage, ob Russland eine Gefahr darstelle, die DÜMMSTMÖGLICHE Antwort überhaupt. Denn OB eine Unterstützung der Ukraine in unserem eigenen, vitalen Interesse liegt, hängt ja gerade von DIESER Einschätzung ab!
2) Zu 1:09 ff.:
Die Interviewerin fragt AW, ob es ihr nicht angemessen erscheine, dass Deutschland und die anderen europäischen Länder einem demokratischen Land, das Opfer einer Aggression wurde, zur Seite steht
.
AW sagt: 'Nun ja, die Ukraine ist so demokratisch, wie sie eben ist.' Dass dieser Satz sarkastisch gemeint ist, ergibt sich aus ihrer unmittelbar anschließenden Feststellung, dass die Ukraine ja keine Präsidentenwahlen mehr abhalte. Ein schwaches Bild gibt sie ab, wenn sie sich für ihre Beurteilung auf Donald Trump sozusagen als Autorität beruft, der angeblich aus diesem Grunde (also wegen der fehlenden Neuwahlen) nicht der richtige Mann zur richtigen Zeit sei: Als ob Trump wirklich ein objektiver Beobachter sei und als ob es den jemals wirklich gestört hätte, ob ein fremdes Staatsoberhaupt gewählt wurde oder nicht! Ist sie selber unfähig, sich insoweit eine EIGENE Meinung zu bilden?
Infam ist es, dass AW Selenskyjs Angebot verschweigt, bei einem zeitlich befristeten Waffenstillstand Wahlen abzuhalten. Darüber berichtete am 12.10.2026 sogar die russische Pravda (in ihrer englischsprachigen Ausgabe - und natürlich mit ablehnenden Bemerkungen).
Jedenfalls ist es jedem NACHDENKENDEN Menschen klar, dass die Ukraine ihre Soldaten in einem laufenden Krieg nicht an die Wahlurnen holen und ihre Wähler nicht dem Risiko aussetzen kann, in einem Wahllokal Opfer russischer Luftangriffe zu werden.
Wer in dieser Situation die Ukraine als undemokratisch verhöhnt, argumentiert nicht nur komplett empathiebefreit (vgl. ähnlich Dieter Stein in der JUNGE FREIHEIT): Der hat bereits vergessen, vor Inbetriebnahme seines (ihres) Mundwerks überhaupt das Gehirn einzuschalten!
3) Zu 1:49 ff.:
Auf den Einwand der Interviewerin, dass die Ukraine wegen des Krieges keine Wahlen abhalte, gibt AW ihr sogar Recht: "Yes, yes".
Irgendeinen Einwand hat AW trotzdem im Hinterkopf, wenn sie anfängt "but it's still, but it's still" ("es ist aber dennoch, es ist aber dennoch"). Aber sofort verliert sie den Faden und vergisst, warum die Ukraine trotz laufender russischer Angriffe Wahlen abhalten könne. Stattdessen macht sie einen auf moralisch und brüstet sich damit, dass die AfD den russischen Angriff kritisiert habe, weil die Ukraine ein souveränes Land sei: völlig eindeutige Sache, ohne Herumdeuteln! ("Full stop.There's no discussion about it.").
Genau damit lässt Weidel ihre innere (und hier titelgebende) "Antifantenbraut" raus: Weil sie aus dieser ihrer angeblichen moralischen und rechtlichen Beurteilung der Lage keinerlei Konsequenzen ziehen will, folgt sie dem Antifa-Motto "Legal, illegal? Scheißegal!"
4) Zu 2:06 ff.:
Aber jetzt sei die Lage eben so, wie sie sei. DAS will sie offenbar mit den Worten "we are in the status quo right now" zum Ausdruck bringen ("status quo" ist freilich eine denkbar ungeschickte Bezeichnung dafür). Nun drückt sie erstmal auf die Tränendrüsen, wie schrecklich es doch sei, dass Menschen sterben und Familien ihre Söhne verlieren. Aber dann kommt sie schnell zu jenen beiden Sachen, um die es ihr WIRKLICH geht: Wirtschaftliche Schäden (für Deutschland und die Welt) und das Risiko, dass besonders die europäischen Länder unmittelbar in den heißen Krieg hereingezogen werden.
Mit ihrem Beispiel für die negativen wirtschaftlichen Folgen betätigt sich die AfD-Kanzlerkandidatin erneut als Plappermäulchen von Donald Trump, wenn sie die Beschädigung von Infrastruktur beklagt - und zwar speziell der RUSSISCHEN Erdölraffinierien ("damaging of infrastructures, refineries"). Welche Schäden die ukrainische Infrastruktur durch die Russen erleidet, interessiert die libertäre AW herzlich wenig. Sie lamentiert über "skyrocketing diesel prices" als angebliche Folgen der ukrainischen Luftangriffe auf russische Raffinerien. Dabei sind diese Folgen frei erfunden: Vom US-Präsidenten Donald Trump, der SELBER die Dieselpreise in die Höhe getrieben hat: Mit seinem Krieg gegen den Iran und der daraus resultierenden Sperre der Straße von Hormuz durch den Iran. Die die USA nicht komplett beenden können (oder wollen).
Dass die Alice gleichwohl auch hier dem Donny Depp einfältig hinterherdackelt, ist nicht gerade ein Qualifikationsausweis für eine deutsche Möchtegern-Bundeskanzlerin.
Richtig ist freilich, dass der Ukrainekrieg in einen "großen" Krieg umschlagen kann - und dass der sich an erster Stelle gegen uns Europäer richten würde. Daher wäre es in der Tat wünschenswert "to put this to an end". Die Frage ist dann nur, auf welche Weise man das a) tun möchte und dann natürlich b) tun könnte.
AW und ihre Partei AfD geben zwar vor, dass sie den Krieg durch Verhandlungen beenden möchten. Aber indem sie fordern, der Ukraine jegliche deutsche (und überhaupt westliche) Hilfe (außer rein humanitärer) zu verweigern, schlagen sie sich IM ERGEBNIS voll auf die Seite von Putins Russland. Warum sollte denn der Onkel Wladibär überhaupt mit den Ukrainern verhandeln, wenn die sich sowieso nicht mehr wehren könnten? Der würde die "Ukros" (abfälliger Ausdruck deutschsprachiger Putinisten für die Ukrainer) zu Hackfleisch verarbeiten! Aber das interessiert diese tatsächlich "eiskalt[e] und herzlos[e]” (Seehofer und Söder) Libertäre nicht die Bohne.
"Friedens-Exkurs":
Auch ich sehe durchaus, dass in diesem Krieg nicht alle Blütenträumer der Ukrainer reifen werden. Und das wir (Deutschland und die anderen Länder) die Ukraine auch nicht auf ewig unterstützen können. Von daher halte ich es durchaus für zulässig, die Ukraine auch zu einem sehr schmerzhaften Kompromiss zu zwingen. Im Detail habe ich meine Vorstellungen in dem Blott "Trump hat Recht: Nur ein DIKTATFRIEDEN kann den Ukrainekrieg beenden! Doch Donny ist ein Wimp (oder gar Putins Agent?), welcher der Ukraine Putins Friedensbedingungen aufzwingen will. Und ein Aasgeier, der die Restukraine leichenfleddern und Europa die Kosten aufbürden will" ausgearbeitet. Aber Russland die Ukraine ans Messer liefern: Das geht gar nicht! Nicht nur aus moralischen Gründen, sondern IN UNSEREM WOHLVERSTANDENEN EIGENEN INTERESSE! Denn der Appetit kommt bekanntlich beim Essen. Und wenn wir den Wladibär die Ukraine schlucken lassen, kommen die Baltenländer als Nächste dran. Mit denselben Begründungen: Dass die ethnischen Russen dort unterdrückt werden (was vermutlich nicht ganz falsch ist und dann eine Schande für Europa wäre!). Und mit Sicherheitsinteressen: Diese Länder liegen viel zu nahe an Leningrad und können spielend den dortigen Hafen abschnüren.
Ebenso inakzeptabel ist freilich eine Neutralität des Landes und eine drastische Begrenzung der Truppenzahl: Damit wäre der nächste Konflikt bereits vorprogrammiert.
Amerikanische Sicherheitsgarantien außerhalb des NATO-Rahmens wären von fragwürdigem Wert, wenn der wildgewordene Westen das nächste Trumpeltier zum Präsidenten kürt. Und Deutschland und die europäischen Länder sollten sich auf gar keinen Fall darauf einlassen, selber außerhalb der NATO entsprechende Verpflichtungen einzugehen: Den USA ist nicht mehr zu trauen. Und vor einem Konflikt allein mit dem europäischen Staatengewusel würde Russland wohl nicht zurückschrecken.
Es hätte dann ja perfekt gelernt, wie man die europäischen Hasenfüßen das Fürchten lehrt.
Warum entwickelt eigentlich nicht die AfD einen Friedensvorschlag? Und testet damit Putins angebliche Friedensbereitschaft?
Einerseits natürlich, weil man dort sehr genau weiß, dass Putin die ganze Beute will. Was dem PuTino Chrupalla und seinem Putinisten-Pack aber herzlich gleichgültig ist.
Sodann (und vor allem) freilich deshalb, weil diese Nöler-Partei viel zu feige und fantasielos, zu dumm und vor allem zu desinteressiert ist, um sich mühsam mit konkreten Problemen herumzuschlagen. Wie viel bequemer ist es da, über die Regierung zu meckern. Und sich gleichzeitig in Moskau usw. als quasi-Repräsentant unseres Landes aufzuspielen. Weil man ja doch "Gesprächskanäle offenhalten" müsse! Aber SUBSTANTIELLE Gespräche scheut.
Warum auch sollte man solche führen, wenn man doch eh nur die Ukraine ans Messer liefern und Deutschland neuerlich weitgehend von russischen Rohstoffen abhängig machen will?
Und Deutschland, indem man Russland zwar nicht gerade Waffen liefert, aber alles, was man sonst zum Kriegführen und zur Kriegswirtschaftsproduktion braucht, zum MORDHELFER AN DEN UKRAINISCHEN SOLDATEN machen möchte? Putinisten gehen über Leichen!
5) Zu 3:05 ff.:
Hier vermantscht AW zwei völlig unterschiedliche Dimensionen: Einmal sagt sie, dass die Ukraine den Krieg gegen Russland nicht gewinnen könne. Im gleichen Atemzug behauptet sie aber, dass die Ukraine den Krieg bereits verloren habe (und bestätigt diese Behauptung auf die Nachfrage ihrer Gesprächspartnerin sogar ausdrücklich).
Diese Gleichsetzung der beiden ganz unterschiedlichen Sachverhalte, dass die Ukraine den "Krieg nicht gewinnen" könne und dass es den "Krieg verlieren" werde, ist ein rhetorischer Trick. Denn die höchstwahrscheinlich zutreffende erste Prognose soll dem Leser subkutan die Richtigkeit auch der zweiten Behauptung einimpfen. Die ist freilich höchst zweifelhaft. Immerhin behauptet sich die kleine Ukraine (mit und dank westlicher Finanz- und Materialhilfe) seit nun schon über vier Jahren gegen den großen Aggressor. Anfänglich hatte sie sogar weite Gebiete zurückerobert. Und lt. aktuellen ukrainischen Angaben, die durchaus glaubwürdig erscheinen, hat der große Greifer-Bär nun schon seit Jahresbeginn zumindest keine Geländegewinne mehr gemacht.
Angesichts dieser Fakten ist Weidels angebliche Einschätzung einer unvermeidlichen ukrainischen Niederlage völlig offensichtlich INTERESSENGELEITET: Weil sie nicht will, dass der Westen und insbesondere Deutschland die Ukraine weiterhin unterstützt, prognostiziert sie ein Unterliegen. Obwohl es dafür derzeit keinerlei belastbare Indizien gibt.
Die Wahrheit ist also, dass AW eine ukrainische Niederlage WILL - und damit auf russischer Seite steht. Ihr "bedauerlicher Weise" ("unfortunately") ist damit genauso geheuchelt wie ihr Bedauern der Kriegsopfer oder der angeblich undemokratischen Zustände in der Ukraine: Alles das geht ihr gründlich am Allerwertesten vorbei! Ihr politischer Horizont endet, wie auch derjenige vieler ihrer Wähler, genau am Ende ihrer Nasenspitze!
Einschub: Nicht alle AfD-Wähler (bzw. Rechten - denen auch ich mich zurechne) hassen die heldenhaft kämpfenden ukrainischen Vaterlandsverteidiger und lieben die neo-stalinistischen Aggressoren-Horden des Kreml-Kleptokraten. Dieter Stein, der die "JUNGE FREIHEIT" herausgibt und damit eines der leider wenigen seriösen rechten Medien, setzt sich in seinem Kommentar "Alice Weidel, Giorgia Meloni und Frieden in der Ukraine" vom 18.10.2026 entschieden für eine weitere Unterstützung der Ukraine ein. Das geht zwar der Mehrheit seiner Leser(-Kommentatoren) gegen den Strich. Aber eine beachtlich große Minderheit stimmt ihm doch zu.
6) Zu 3:32 ff.:
AW bestreitet, dass Putin einen Waffenstillstand verweigert. Das ist offensichtlich falsch; das hat er mehrfach getan. Und auch den von Trump gewünschten 'Energiewaffenstillstand' (bei dem die Ukraine keine russischen Raffinerien und Russland keine ukrainischen Energieanlagen mehr angreifen würde) hat nicht Selenskyj abgelehnt, sondern Putin. Von daher lügt AW hier schlicht, wenn sie das Gegenteil insinuiert.
Den Vorhalt der Interviewerin, ob sie ihr auch nur ein einziges Indiz für Putins Friedensbereitschaft geben könne, kontert AW mit der Gegenfrage, ob die Interviewerin ihrerseits ein Beispiel für den Friedenswillen von Präsident Selenskyj liefern könne.
Auf den ersten Blick sieht das so aus, als hätte AW den Ball geschickt zurückgespielt. In Wahrheit liefert sie aber eine ARGUMENTATIVE BANKROTTERKLÄRUNG ab. Denn implizit gesteht sie damit ein, dass sie eben KEIN EINZIGES Indiz dafür nennen kann, dass Putin den Frieden will. Und gesteht mit ihrem "Konter" zugleich, dass sie das nicht zugeben will.
Auf den Gesamtkomplex erweitert gibt AW damit sogar zu, dass sie sehr gut weiß, dass Putin die gesamte Ukraine erobern will. Und dass sie nichts dagegen hat - außer allenfalls verlogenen Verurteilungen und Fake-Protesten.
In Sachen Ukrainekrieg muss ich leider feststellen, dass AW keinerlei Skrupel hat, abgrundtief unehrlich zu sein.
7) Zu 4:36 ff.:
Hier schmettert AW den russischen Propagandasong von den Sicherheitsinteressen dieses Landes, welche der Westen hätte berücksichtigen müssen und bei einer Beendigung des Ukrainekrieges beachten müsse. Ukrainische Sicherheitsinteressen kommen in diesem Liedchen nicht vor. Souveränität ist ein Kernpunkt der, wenn man so will, "AfD-Ideologie". Für Deutschland. Dagegen sollen sich die von Höcke zu 'Zwischenländern' herabgestuften "vielen(!) ... ostmitteleuropäischen Staaten" gefälligst nach der Decke strecken, sind sie doch "weder Ost noch West". Bei Weidel nach der russischen Decke; beim deutschnationalen Untoten Höcke ist sicherlich auch die deutsche Decke gemeint. Wir kennen diese Denkweise, für den Zeitraum Mitte 1939 bis Mitte 1941, auch noch aus der Nazi-Außenpolitik.
Keinerlei Respekt hat Weidel (und Höcke sowieso nicht) vor dem Recht souveräner Staaten auf freie Bündniswahl, obwohl Russland (und schon vorher die Sowjetunion) selbst dieses Recht mehrfach in verschiedenen internationalen Abmachungen schriftlich anerkannt hat. Ebenso wie AW das Budapester Memorandum gar nicht erst erwähnt, mit dem Russland die territoriale Unversehrtheit der Ukraine vertraglich garantiert hatte: Legal, illegal? Scheißegal!
Verträge werden gar nicht erst erwähnt, sind also bloß Klopapier für die offizielle Parteilinie der AfD und für deren führende Politiker. In diesen Kreisen zählt allein die reale, brutale Macht(ausübung). Die selber halten sich zweifellos für geniale Realpolitiker. Tatsächlich sind sie aber nichts als PRIMITIVE BRUTALPOLITIKER ! Mit einer derartig sozialdarwinistischen Mentalität kann man Gangsterbanden führen. Für die langfristig gedeihliche Entwicklung eines Gemeinwesen ist sie zerstörerisch.
Hätte die NATO sich NICHT nach Osten erweitert, hätte Russland jedenfalls die Baltenländer mit Sicherheit schon lange verfrühstückt. Und die hätten, anders als (zu unser aller Erstaunen) die Ukraine, NICHT standgehalten
Überhaupt war es die sonst in AfD-Kreisen (bzw. allgemein in "unseren" rechten Kreisen) viel (und völlig zu Recht!) geschmähte schwarze Landstörzerin, alias Bundeskanzlerin Angela Merkel, die auch zum Ukrainekrieg den Samen gesetzt hat: Durch ihre Weigerung 2008 (gemeinsam mit Frankreich), die Ukraine in die NATO aufzunehmen. Damals hätte Russland keinen Angriff gewagt, weil es selber noch nicht stark genug und die Europäer noch nicht schwach genug war(en). Dieses von Russland nicht honorierte Entgegenkommen bleibt aber bei den Putinisten regelmäßig unerwähnt.
AW wiederholt im vorliegend behandelten Interview NICHT das Märchen von angeblich um 1990 erfolgten Zusicherungen des Westens, die NATO nicht nach Osten zu erweitern. Das ist aber sehr präsent in den Kommentaren von Putins deutschen Propaganda-Puppen. Die diesen mündlichen (angeblichen oder tatsächlichen, das kann hier offen bleiben) Versprechen von Politikern, die gar nicht legitimiert waren, für die NATO zu sprechen, einen weitaus höheren Stellenwert einräumen als etwa den schriftlichen Anerkenntnissen der freien Bündniswahl durch Russland.
Aber was immer es damit auf sich hat: Im NATO-Russland Grundlagenvertrag wurde 1997 im Abschnitt IV Abs. schriftlich vereinbart (Hervorhebungen von mir):
"The member States of NATO reiterate that they have no intention, no plan and no reason to deploy nuclear weapons on the territory of new members, nor any need to change any aspect of NATO's nuclear posture or nuclear policy - and do not foresee any future need to do so. This subsumes the fact that NATO has decided that it has no intention, no plan, and no reason to establish nuclear weapon storage sites on the territory of those members, whether through the construction of new nuclear storage facilities or the adaptation of old nuclear storage facilities."
Damit war für die Russen klar, dass sich die NATO nach Osten erweitern würde. Und dem haben sie SCHRIFTLICH zugestimmt!
Aber, wie gesagt: Für Alice Weidel und Konsorten sind solche Verträge eher Klopapier denn bindende Abmachungen.
III. FRÜHERE ÄUSSERUNGEN VON AW ZUM UKRAINEKRIEG
Eine systematische Auswertung kann und will ich hier nicht leisten. Nachfolgend führe ich lediglich einige Zufallsfunde auf - die m. E. aber doch schon eine gewisse Tendenz erkennen lassen:
1) NZZ-Interview " 'Die CDU im Osten wird nicht dauerhaft an uns vorbeikommen': Alice Weidel rechnet mit neuen Machtoptionen für die AfD" vom 28.04.2023 [Hervorhebungen und (Hinweiszahlen) von mir]:
Interviewer: Auf dem bereits erwähnten Brandenburger Landesparteitag wurde eine «Friedensresolution» verabschiedet. «Alle fremden Streitkräfte» sollen Deutschland verlassen, die Ukraine soll keine militärische Unterstützung mehr bekommen. Zeitgleich beschloss ein Parteitag in Sachsen-Anhalt, Deutschland solle aus der Europäischen Union austreten. Verschieben sich da gerade programmatische Achsen?
Wir haben uns als Bundestagsfraktion immer gegen Waffenlieferungen an die Ukraine ausgesprochen. Dadurch wird nur die Eskalationsspirale vorangetrieben.
Interviewer: Warum aber hat eine Partei, die sich als patriotisch versteht, so wenig Sympathie für den patriotischen Abwehrkampf der Ukraine?
Bei kriegerischen Auseinandersetzungen sitzen die Geschichte und die Diplomatie immer mit am Tisch. Der russische Angriff auf die Ukraine hatte eine Vorgeschichte. (1) Die USA hatten zuvor Raketensysteme in der Ukraine installiert, die auch Nuklearsprengköpfe tragen können.
Interviewer: Meines Wissens hatten die USA nie Stützpunkte in der Ukraine, und sie haben auch keine eigenen atomwaffenfähigen Raketensysteme dorthin transferiert. Davon abgesehen: Rechtfertigt irgendeine Vorgeschichte den Überfall auf die Ukraine?
(2) Natürlich nicht. Man stelle sich den umgekehrten Fall vor, die Russen würden in Mexiko und Kanada Abwehrsysteme platzieren, die amerikanisches Staatsgebiet erreichen könnten. Das würden sich die Vereinigten Staaten nicht gefallen lassen. Solche Überlegungen gehören mit auf den Tisch.
Interviewer: Aber man gewinnt den Eindruck, die AfD habe, um im Bild zu bleiben, nichts anderes auf dem Tisch. Es gab Auftritte von Abgeordneten im russischen Staatsfernsehen, bei denen das russische Narrativ bestätigt wurde, es vergeht kein Tag ohne Sorge um einen Ausgleich mit Russland, keine Woche ohne die Behauptung, die wahren Kriegstreiber sässen in den USA. Noch mal: Warum schlägt das Herz Ihrer Partei für den Angreifer und nicht für den Angegriffenen?
Der russische Angriffskrieg ist klar völkerrechtswidrig. Wir brauchen aber eine vernünftige Analyse der Ursachen dieses Konflikts. Sonst arbeiten Sie mit falschen Hypothesen, und falsche Hypothesen führen zu falschen Schlüssen. Ich habe Angst, dieser Krieg könnte immer weiter eskalieren, weil falsche Hypothesen aufgestellt worden sind. (3) Ich verteidige Russland nicht. Aber wir sind keine betroffene Nation. Deutschland hätte sich auf einen vermittelnden Standpunkt stellen sollen. Eine solche neutrale ist keine russlandfreundliche Position. Dieser Krieg hat das Potenzial, politische Prozesse in Gang zu setzen, die wir nicht mehr kontrollieren können. Da es sich um einen Stellvertreterkrieg zwischen den USA und Russland handelt, müssen diese beiden Parteien sich über Friedensmodalitäten unterhalten. (4) Weder Selenski noch Putin dürfen ihr Gesicht verlieren.
Interviewer: Faktisch würde ein solcher Friede den Aggressor belohnen, indem man ihm einen Teil der Beute lässt.
(4) Jeder Friede kann nur mit Kompromissen geschlossen werden. Die Ausweitung des Krieges auf andere Länder muss verhindert werden. Dazu ist es nötig, die Einseitigkeit der Betrachtung zu überwinden. Wenn einseitig argumentiert wird, kommt es zu selbstverstärkenden Effekten. Wie schon in der Corona-Pandemie (5) sind hypermoralische Debatten unvernünftig.
[Themenwechsel:]Interviewer: Einseitig sind freilich auch die Forderungen aus Brandenburg und Sachsen-Anhalt, alle fremden Streitkräfte müssten Deutschland verlassen und die Bundesrepublik solle aus der EU austreten.Das sind unrealistische Forderungen. Wir sind nicht in der Position, uns aus der Nato zu lösen.[Diese Passage hat nicht direkt mit dem Thema zu tun; Satz 2 ist jedoch bemerkenswert. Bzw. vormerkenswert, denn ich bin sicher, dass der schon 2016 auf dem Stuttgarter Bundesparteitag geforderte NATO-Austritt Deutschlands bei der AfD wieder aufs Tapet kommt, sobald Alexander Gauland nicht mehr aktiv ist. Spannende Frage, wie sich AW DANN positionieren wird! - br.]
Dazu meine Anmerkungen:
(1) Die angebliche Installation von amerikanischen Raketensystemen in der Ukraine ist eine Falschbehauptung. Ich glaube zwar nicht, dass AW hier bewusst lügt. Aber selbst wenn AW insoweit "nur" einer offenkundigen russischen Propaganda-Ente aufgesessen ist, ist das wahrhaftig kein Ruhmesblatt für sie.
(2) Das ist schon eine "reife Leistung": Im gleichen Atemzug zu bestätigen, dass keine Vorgeschichte den russischen Überfall auf die Ukraine rechtfertigte, aber diesen gleich anschließend mit einem Hinweis auf das Verhalten der USA dann doch faktisch zu rechtfertigen.
(3) Wahrscheinlich ist sich AW ihrer Lüge, dass sie Russland nicht verteidige, selber gar nicht bewusst. Doch tatsächlich tut sie das laufend - auch schon in diesem Interview (vgl. etwa Anm. (2)!).
(4) Es ist purer Unsinn, dass "Jeder Friede ... nur mit Kompromissen geschlossen werden" könne. Weder beim Versailler Vertrag noch bei der deutschen Kapitulation 1945 gab es irgendwelche Kompromisse!
Dass es allerdings vorliegend auf einen Kompromiss hinauslaufen wird, halte auch ich für wahrscheinlich.
(5) Dass AW das Beharren der Ukraine und ihrer (ideellen) Verteidiger auf territorialer Integrität und freier Bündniswahl als "hypermoralisch" abqualifiziert, ist eine Unverschämtheit. Denn moralisch wie rechtlich ist das eine ebenso normale wie berechtigte Position. (Dass die am Ende auch nach meiner Einschätzung wohl nicht durchzuhalten ist, steht auf einem ganz anderen Blatt.)
2) Am 18.05.2024 berichtete die "SCHWÄBISCHE" aus einer Wahlveranstaltung mit AW:
"Ihren Aufruf zu Friedensverhandlungen im Ukraine-Krieg verband sie mit einem Seitenhieb auf den CDU-Bundestagsabgeordneten Roderich Kiesewetter, der Waffenlieferungen fordere: Ob er auch selbst an die Front gehen würde? Die Rhetorik gefiel dem Publikum. Jedenfalls würden „unter einer AfD-geführten Regierung Sie und Ihre Söhne nicht in den Krieg geschickt werden“, beruhigte Weidel. Stattdessen werde man den Kindern eine „freie, sichere Republik“ hinterlassen, an der sie weiter bauen könnten."
Das dämliche Argument gegen MdB Kiesewetter (von dem ich KEIN Fan bin!) wird auch mir in Foren häufig entgegengehalten: "Kämpf doch selber für die Ukraine, wenn du so kriegsgeil bist!"
Meine Standardreplik: "Mache ich sofort - sobald ich weiß, dass Sie sich für Russland verdingt haben. Ein klein wenig Spaß möchte ich doch schließlich haben, wenn ich schon mein Leben aufs Spiel setze!"
3) Interview "Unsere wichtigste Maßnahme: Die Wiederherstellung des Rechts!" vom 25.07.2024 auf der österreichischen Webseite "Der Eckart"
Interviewer: Nun gibt es aber auch die andere Richtung – die EU nicht zu verlassen, sondern einzutreten, Stichwort Ukraine. Wie ist Ihre Position dazu und zum Ukraine-Krieg?
AW: Die Ukraine hat in der EU nichts zu suchen. Punkt. Die Ukraine hat auch in der NATO nichts zu suchen. Punkt. Länder wie der Kosovo haben in der EU ebenfalls nichts zu suchen. Die EU ist heute schon überdehnt, und es wäre ein fatales Signal, ein hochkorruptes Regime wie die Uk-raine in die EU zu lassen. Wir hatten einmal so etwas wie Aufnahmemechanismen, ganz klare Kriterien. Wenn wir diese Kriterien über Bord werfen, dann gibt es keine Regeltreue mehr, und das schürt Unsicherheiten.
Und der Ukraine-Krieg allgemein? Es gibt immer zwei Seiten einer Medaille, und darum ist mir die Diskussion um die Ukraine in ihrer Schwarz-Weiß-Malerei viel zu verkürzt. Rußland hat auf das Gefahrenpotenzial einer jahrzehntelangen NATO-Osterweiterung reagiert – weil Rußland, genau wie jedes andere Land, Deutschland vielleicht ausgenommen, ein Sicherheitsinteresse hat. Im umgekehrten Fall hätten die USA niemals akzeptiert, daß in ihrem Hinterhof russische Raketen stationiert werden. Das haben wir damals in Kuba gesehen. Jetzt hatten die Russen ein Sicherheitsinteresse, nämlich einen Sicherheitspuffer einzubauen, weil sie eine 1.300 Kilometer lange Grenze haben, gegen die seit anderthalb Jahrzehnten geschoben wird, durch all die Raketenstationierungen und die Aufwiegelung von Anrainerstaaten.
Schon hier folgt AW also der russischen Selbststilisierung als Opfer westlicher Bösartigkeit. Welche "Raketenstationierungen" AW meint, weiß ich nicht. Und noch weniger, wer auf welche Weise russische Anrainerstaaten zu welchen Handlungen "aufgewiegelt" haben soll.
Üblicher Weise wird insoweit behauptet, dass die Ukrainer von den Amis antirussisch aufgewiegelt wurden. Diese und andere (pro-)russische Propagandaschimären habe ich ausführlich widerlegt in meinem Blott "Pride-Parade aus dem Absurditätenkabinett des Prof. Dr. Hans Neuhoff: Wie ein deutscher AfD-MdEP in Sachen Ukrainekrieg für die Interessen der russischen Aggressoren kämpft" vom 25.02.2026.
Überhaupt ist es eine Unverschämtheit, wenn insbesondere deutsche Ossis, die auf ihre Selbstbefreiung in den Montagsdemos so stolz sind, dem ukrainischen Volk den Willen und die Fähigkeit absprechen, sein Schicksal ohne Beeinflussung fremder Gemeindienste zu bestimmen.
Oder wurden etwa auch die Montagsdemos in der DDR von westlichen Geheimdiensten angezettelt und gesteuert???
4) In dem Bericht "Weidel wird Kanzlerkandidatin der AfD: 'Mannschaft mit einer Stürmerin' " der "JUNGE FREIHEIT" vom 07.12.2024 erfahren wir zu unserem Thema (meine Hervorhebung:
"Als sie [AW] die neuen Plakatmotive durchgeht, geht es dann auch um den Ukrainekrieg. 'Zeit für Frieden' steht auf einem der Motive. 'Das ist vor allem Tino Chrupallas Thema', entfährt es ihr erst. Schnell ergänzt sie, Deutschland dürfe keine Kriegspartei sein. 'Wenn sie den Krieg nicht haben wollen, wählen sie AfD.' CDU-Chef Friedrich Merz und Grünen-Frontmann Robert Habeck will sie deswegen gleich in die Ukraine schicken, damit 'sie unsere Soldaten in Ruhe lassen'."
Das ist bemerkenswert, dass sich AW seinerzeit nicht näher für dieses Thema interessiert hatte. Vielleicht sind es ja überhaupt der "PuTino" Chrupalla (und andere AfD-Putinisten), die ihre Perspektive auf dieses Thema geformt haben? Die freilich bereits in dem o. a. NZZ-Interview (1) sehr detailliert ausgeprägt war.
5) Einigermaßen aus der Reihe fällt eine Information, die sich im (kostenpflichtigen) SZ-Bericht "AfD-Parteispitze. Wer ist hier Chef?" vom 05.10.2025 findet (meine Hervorhebung):
"Acht Minuten läuft die Pressekonferenz der beiden, da will ein Journalist wissen, wie die AfD-Spitze die Drohnenflüge über Polen und die russischen Jets bewertet, die wenige Tage zuvor in estnischen Luftraum eingedrungen waren. Tino Chrupalla antwortet, er spielt die Vorfälle herunter und fordert nicht Russland, sondern die Europäer auf, sich an den Verhandlungstisch zu setzen. Alice Weidel hat das offensichtlich nicht gefallen, sie beschließt, selbst das Wort zu ergreifen: Donald Trump dürfe in seinen Friedensbemühungen nicht das Gesicht verlieren, sagt sie. Irgendwann müsse sich auch Putin bewegen, davon habe man bislang leider zu wenig gesehen."
Damals war AW also durchaus noch auf Distanz zu Putin. Freilich ließe sich das mit der Annahme erklären, dass sie sich (wie wir ja auch oben gesehen hatten) sehr stark an Donald Trump orientiert. Denn wesentlich auch um DEN ging es ja hier.
6) Nicht spezifisch zum Ukrainekrieg, aber immerhin zu ihrer Einstellung gegenüber Russland ist eine eher beiläufige Information interessant, die sich in dem (auch sonst sehr lesenswerten!) Feature "Politisch immer radikaler, privat betont offen: Unterwegs mit der AfD-Chefin und Wahlschweizerin Alice Weidel" der NZZ vom 10.11.2025 findet:
2023 habe AW die Einladung der russischen Botschaft zum Jahrestag des Siegs über Nazi-Deutschland ausgeschlagen. Die [Zitat:] «Niederlage meiner Heimat mit einer ehemaligen Besatzungsmacht zu feiern», war nicht ihr Ding.
Also jedenfalls kein Fall von "Stockholm-Syndrom".
Im selben Artikel erfahren wir aber auch:
"Heute hat Alice Weidel ihr Repertoire mit neuen Aufreger-Themen bestückt. Selenski bezeichnet sie als 'Redner im Tarnanzug, der nur noch als Kriegs- und Bettelpräsident im Amt ist'."
"Bettelpräsident" ist eine gängige Beschimpfung Selenskyjs durch ukrainehassende Foren-Kommentatoren, zu denen also auch AW gehört. Die sich damit als parteiisch und keineswegs neutral zu erkennen gibt.
7) Es gehört nicht direkt zum Thema, aber irgendwie dann doch. In dem (kostenpflichtigen) FAZ-Bericht "Alice Weidel: Parteikollegen finden sie ein bisschen zu aggressiv" erfährt man u. a.:
"Manchmal sind die Ausbrüche [Wutausbrüche von AW] laut den Betroffenen nicht in der Sache begründet, sondern stammen daher, dass Weidel nicht tief genug in ein Thema eingearbeitet ist und sich aber trotzdem ein vehementes Urteil erlaubt."
Diesen Eindruck gewinne ich nun freilich aus ihren Äußerungen zum Ukrainekrieg: Dass sie nicht wirklich in der Materie drinsteht, sich aber dennoch ein "vehementes Urteil" erlaubt.
IV. RANDBEMERKUNG ZU DEN ENGLISCHKENNTNISSEN VON AW
Weidels Englisch ist ein sehr bemühtes Schul-Englisch.
Das ist nicht verwerflich und keine Schande: Dass sie sich selber Chinesisch beigebracht hat, respektiere ich als eine herausragende intellektuelle Leistung (die ich selber nicht entfernt erreichen könnte).
Umso enttäuschender ist AWs intellektuelle Blindgängerei in der Außenpolitik. (Wie übrigens sogar auch in ihrem ureigensten ökonomischen Fachgebiet beim Geldsystem.)
Jedenfalls sollte man schon wissen, dass AW keine wirklich lebendigen Englischkenntnisse hat. Denn wenn man etwa ihr Interview " ‘Slaves Don’t Fight’: AfD’s Weidel Speaks Exclusively to The American Conservative" (vom 06.01.2025) liest, könnte man sie glatt für eine englische Muttersprachlerin halten. Offenbar wurde jedoch dieser Interview-Text massiv bearbeitet. (Von Weidels Diskussion mit Elon Musk kenne ich nur eine deutschsprachige Verschriftlichung.)
Und das zeigt eben auch, dass sie lebensgeschichtlich offenbar keine engeren (realen oder Lektüre-)Kontakte in den anglophonen Raum hatte, sonst wäre sie da sprachlich flüssiger unterwegs. Das ist etwas schade und außenpolitisch nicht ganz unproblematisch. Denn auch wenn China zunehmend wichtiger und mächtiger wird, spielt für die westliche (und in mancher Hinsicht sogar die ganze) Welt die Musik derzeit immer noch in den USA. (Obwohl Donny Depp sich alle erdenkliche Mühe gibt, sein eigenes Land dem Rest der Welt verhasst zu machen.)
V. DIE RUSSENPRESSE JUBELT
Dass die russischen Medien die Vorhersage von AW begeistert aufgreifen, die Ukraine habe den Krieg praktisch schon verloren, kann nicht verwundern.Zwei einschlägige Artikel, die ich (rein zufällig) dazu aufgefunden habe, möchte ich meinen Lesern nicht vorenthalten:
- "Kiev's support is useless: the war has already been lost — Weidel" freute sich das das Portal "EurAsia Daily" am 15.10.2026.
- Und die unverwüstliche "Pravda" (Prawda) triumphierte am 17.10.2026: "Weidel in an Interview with The Economist: "Ukraine Has Already Lost, It Is Time to Stop Financing the War"
ceterum censeo
Wer alle Immiggressoren der Welt in sein Land lässt, der ist nicht "weltoffen":
Der hat den A.... offen!
Textstand 20.10.2026