Sonntag, 19. März 2006

Vor Benutzen Körper putzen – aber bitte nur oberflächlich!



Gersfeld ist ehrlich: ehrlich wie die Rhön. Die Rhön: Deutschlands ehrliche Landschaft. Die ist, was sie ist. Wir mögen die Rhöner Landschaft.
(Leider schmeckt, nebenbei bemerkt, dass Essen in vielen Rhöner Gaststätten auch so, wie es in der Rhön halt schmeckt.)
Aber hier geht es nicht um kulinarische Defizite der Rhöner Dorfgaststätten, sondern um "Bad Gersfeld".


Wächtersbacher Elegie

"Im Schlosspark wucherte einst die Natur –
Jetzt bieten sich Blicke auf Bierkästen pur
."

(Nach einer Aufräumaktion der wuchernden Schlossparkvegetation sind jetzt die Bierkästen auf dem Hof der Brauerei schon von weitem zu sehen.
Nicht unbedingt ein fürstlicher Anblick, aber das Schloss gehört ja auch nicht mehr den Fürsten.)


Textstand vom 20.03.2006.
Gesamtübersicht der Blog-Einträge auf meiner Webseite http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm

Überlingen

Welke Blätter nur sind mir geblieben von unserem Herbsturlaub 2002 in Radolfzell am Bodensee. Und nicht einmal das: nur Bits und Bytes auf der Festplatte.

Dort soll aber nicht festsitzen, was ich damals über Überlingen schrieb (und was mir jetzt im Zusammenhang mit dem "ZIZENHAUSENER TOTENTANZ " wieder in die Hände fiel):


Meersburg ist ein Juwel. Klingt abgeschmackt, hat für mich aber eine konkrete Bedeutung: Meersburg ist klein, übersichtlich, einheitlich „alt“ (bei näherem Hinsehen sind die Gebäude natürlich ganz verschiedenen Stilepochen zuzuordnen, aber fast alle stammen aus der Zeit, als man noch Stile hatte, also aus der Zeit vor 1800, und nicht nur imitierte (wie z. B. im Historismus). Meersburg hat Farbe, Glanz, und dieses „Juwel“ ist auf einen Blick zu erfassen.

Überlingen ist eine Kristallstufe: ebenfalls schön, aber komplexer, man muss näher hinsehen, die Schönheit nicht mit einem Rundblick suchen, sondern eher im Detail, genauer: in zahlreichen Details (und zwischendrin muss das Auge die langweilige Moderne ausblenden lernen). Und es ist, als einstmals freie Reichsstadt, geschichtsgesättigter, historisch (in meinen Augen) interessanter als Meersburg, das sicherlich auch seine Höhen und Tiefen erlebt, auch mal gegen seinen Herrscher aufgemuckt hat, aber letztlich den baulichen Glanz des Alten, der uns heute bezaubert, weitestgehend dem Bischof, oder jedenfalls seiner Funktion als Bischofsresidenz, verdankt.

Schön war das Wetter nicht, es nieselte, mal mehr, mal weniger stark. Gleichwohl faszinierte uns (meine Frau und mich – sorry, aber ich kann nichts dafür, dass ich nicht in einer „eingetragenen Lebenspartnerschaft“ lebe: vielleicht wird’s ja was bei der nächsten Wiedergeburt!) der Spaziergang durch den Stadtgraben. Eine gewaltige Arbeitsleistung, unter den technologischen Voraussetzungen des Mittelalters. Der intensive Pflanzenbewuchs hat die vom Menschen dem Fels geschlagenen Wunden geheilt und lässt den Graben nun als eine natürliche Schlucht erscheinen, vergessen die Mühen seiner Anlage. Was mag man mit dem Aushub gemacht haben? Häuser gebaut? Oder die Stadtmauer? Oder Land an See aufgefüllt, oder eine Hafenmole?

Strategisch ist die Stadtlage eigentlich gar nicht so günstig, aber dieser Graben (oder gab es damals noch weitere vorgeschobene Befestigungen?) haben es ermöglicht, die Stadt im dreißigjährigen Krieg immerhin zweimal gegen Belagerungen zu halten, nur beim dritten Mal hat’s dann nicht mehr geklappt. Übrigens wurden die Angriffe damals auch schon über den Bodensee vorgetragen: wenn wir wiederkommen, muss ich mal in der Stadtbücherei nachschauen, ob es dort genaueres zu lesen gibt. Ist doch irgendwie faszinierend, wie „modern“ man schon im 17. Jh. Kriege führte (die Soldateska freilich war damals noch etwas raubauzig: ein „Schwedentrunk“ war seinerzeit keineswegs gesundheitsfördernd)! Ist ja schön, so alte Städte anzusehen und in deren Geschichte zu stöbern, aber in der „guten alten Zeit“ möchte ich denn doch nicht leben.

Faszinierender Kontrast zur „wilden“ Vegetation des Stadtgrabens ist die subtropische Vegetation des Stadtgartens, exotische Blütenpracht als Kontrast zum deutschen Grün, Kakteen gar (aber die lässt man hier im Winter bestimmt nicht draußen). Diese Abfolge: Natur/Park ist sicherlich ein wichtiger Teil unseres Erlebens; der Kontrast bringt’s. Mein (zufällig entdeckter) Tipp also, lieber Leser: nicht durch die Bahnhofstraße aus der Altstadt raus zum Stadtgarten gehen, sondern „von hinten anschleichen“: vom Wagsauterturm oder vom Aufkirchertor durch den Graben, bis zum Gallerturm gehen.

So ganz leicht macht es diese Stadt dem Reisenden mit ihren Toren und Türmen aber nicht: das Franziskanertor steht nämlich nicht am Rand, sondern mitten in der Altstadt, welche nämlich früher mal kleiner war und später erweitert wurde, so dass an dieser Ausfallstraße nun das Aufkirchertor die Stadtgrenze bildete. Na ja, die Namen muss man sich nicht unbedingt merken (ich schreibe sie hier gerade von einem Stadtplan ab): aber eben diese Entwicklung, das mittelalterliche Wachstum, das ein Stadttor in die Innenstadt „rutschen“ lässt: sollte man doch kennen. (Der erfahrene Reisende erinnert sich vielleicht auch an Rothenburg o. T., wo der Weiße Turm und der Markusturm mit dem Röderbogen als Überreste noch heute den runden Verlauf der ersten Stadtbefestigung markieren.)

Nicht jede Schlucht in der Überlinger Altstadt ist übrigens ein Stadtgraben: wer am Bahnhof „Überlingen Mitte“ aussteigt (der einfach mit „Überlingen“ bezeichnete Bahnhof liegt westlich, also, von Radolfzell kommend, vor, der Altstadt) kommt in ein Loch mit hohen Wänden und muss diesem zunächst über die Treppe oder den Aufzug entrinnen, um sich der Altstadt zu nähern. Oben wird er freundlich von Schildern zur Altstadt und zur Tourist Information empfangen, die auch noch an weiteren Stellen angebracht sind, ihn allerdings irgendwo am Münster verlassen. Das Münster ist finster (sehr lange habe ich nicht reingeguckt, deshalb ist die Dunkelheit meine Haupterinnerung) und das Rathaus hat einen schönen Saal, den haben wir diesmal auch nicht gesehen (wir kommen ja, wie gesagt, irgendwann mal wieder). Gut war aber der Capuccino im Café der Einkaufspassage am Münster. Was, außer einer bekannten Stadt in Westfalen, ist eigentlich ein Münster? Mein Lexikon bietet an „Kloster/Stift, große Stiftskirche, Dom“. Also ein Dom kann das hier nicht sein: das ist, so viel weiß ich, eine Bischofskirche, und die Überlinger als freie Reichsstädter haben sicherlich keinen Bischof in ihren Mauern geduldet (die Bischofs-Burschen wollten damals nämlich nicht nur die Seelen, sondern auch den Rest des Menschen beherrschen, und selbst unsere gläubigen Vorfahren wollten nicht glauben, dass das gut für sie wäre). Die Frankfurter sind zwar dreist genug, ihre Bartholomäuskirche (richtig, das war der Heilige, dem man das Fell über die Ohren gezogen hat: passt ja auch zu Frankfurt, gelle?) „Dom“ zu nennen, aber da drin sind immerhin mal Kaiser gekrönt worden: ganz so wichtig war Überlingen denn doch nicht. Und der Bischof saß ja ein paar Kilometer weiter in Meersburg (d. h. früher in Konstanz, bevor die sich reformiert und den Bischof vertrieben haben: wurden dann zwar vom Hause Habsburg wieder ideologisch auf den alten Kurs getrimmt, aber der Bischof als echter Ästhet blieb bei seinen Weinbergen und seinem Alpenblick in Meersburg: hätte ich an seiner Stelle auch gemacht! Also, Münster, wie auch immer: jedenfalls ist die Kirche groß und man sollte mal reingucken. Das Gewölbe innen ist ebenso gotisch wie die Kirche von außen. Ich hasse es, wenn eine Kirche z. B. außen gotisch und innen barock ist, wie etwa das Münster – noch so’n Ding! – in Radolfzell. Die Kunstschwätzer sagen dann für die Vergangenheit zwar meist, wie einfühlsam man doch in vergangenen Zeiten die Stile angepasst habe – z. B. beim barocken Zentralturm des romanischen Mainzer Doms - nur in unserer Zeit schreit man gleich „Stilbruch“. Was lange her ist, ist schon per se o.k., aber mir entgehen solche Feinheiten und deshalb bevorzuge ich die stileinheitlichen Gebäude (wenn’s nicht nachgemachte sind, wie das Meiste vom Kölner Dom).

Münster, Kaffee – da war doch noch was? Richtig, eine anthroposophische Buchhandlung am Kirchplatz. Es gibt anscheinend unter der Viertele-rationalen Oberfläche der Schwaben (hoffentlich liege ich mit dieser Bezeichnung richtig: Alemannen, Schwaben, Badenser, Württemberger: ist alles ziemlich verwirrend für den flüchtigen Vaganten!) doch ein mehr oder weniger starkes spekulatives Element. Radolfzell mit seinen 30.000 Einwohnern hat eine christliche Buchhandlung (außerdem natürlich auch eine „richtige“); Überlingen eine anthroposophische (und ebenfalls eine „richtige“): nur in Konstanz habe ich nichts „Verdächtiges“ entdecken können, aber vielleicht eröffnen dort ja demnächst die postanthropozentrischen Progressisten ihren Laden (ob diese Glaubensgemeinschaft außer dem Verfasser noch weitere Anhänger hat, konnte noch nicht ermittelt werden). Dafür gibt es in Konstanz eine Universität: die hat ja möglicherweise exorzistische Kräfte.

Ein Buchantiquariat – ich kann’s nicht lassen – hat Überlingen auch. Mit einer erstaunlichen Menge an Büchern, recht guten sogar. Aber der Laden ist dermaßen vollgestopft, dass man die Lust am Schauen verliert. Und die Preise sind auch nicht gar so niedrig, dass man den Antiquar von seiner Bücherlast befreien möchte.


Textstand vom 19.03.2006.
Gesamtübersicht der Blog-Einträge auf meiner Webseite http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm

Mensch, willst du würdig von hinnen geh'n, geh nach Kassel erst, das Museum beseh'n!

Am Wochenende besuchen wir gelegentlich die Vororte von Wächtersbach: Fulda zum Beispiel, oder Hanau, oder, wie gestern, Frankfurt am Main (a. M.).

Dort waren in der Kleinmarkthalle
Die Ostereier leider alle.

Damit meine ich jene heute recht raren rohen Hühnereier,

Die wo haben weiße Schalen,
Welche Menschin kann bemalen.

Während Weib auf Nahrungssuche,
Zieht's den faulen Mann zum Buche.
Walter König, Kleinmarkthalle,
Preisreduziert Kunstbücher alle.

Und nicht nur Kunstbücher. Ach, wer da mit praller Börse (und leeren Bücherschränken) einkaufen könnte:
"Die Adria. Kunst und Kultur an der nördlichen Adriaküste".
"Auf der Suche nach dem Stein der Weisen. Die Geschichte der Alchemie" wäre vermutlich eine sozialgeschichtlich durchaus aufschlussreiche Lektüre. Doch kämpft sich nur ein wahrer Masochist / durch Hunderte Seiten von wissenschaftlichem Mist.
"Venice – Fragile City 1797 – 1997".
"Der Klang im Bild. Evaristo Baschenis und die Erfindung des Musikstillebens". [Hier habe ich etwas geschummelt: dieses Buch sehe ich erst jetzt im Katalog.]
"Georges de la Tour – Werkverzeichnis". Der Begriff Werkverzeichnis erweckt in mir nicht gerade positive Assoziationen: allzu viele Werkverzeichnisse von Künstlern (Malern) mit kleinen und weitestgehend nur schwarz-weißen Bildern habe ich schon durchgeblättert. Dieses hier aber glänzt mit (u.a.) "130 farbigen, meist ganzseitigen Abbildungen". Ein wunderschönes "Werkverzeichnis" eines meiner Lieblingsmaler!
"Carl Spitzweg. Reisen und Wandern in Europa" ("300 farbige, meist ganzseitige Abbildungen") enthält viel Unbekanntes.
"Bartolomé Esteban Murillo. Kinderleben in Sevilla" und
"Giovanni Battista Piranesi: The Complete Etchings" habe ich beide erst im Katalog entdeckt.
"Bernhard Schultze – Das Große Format": opulentes Feuerwerk von Farben.
Im Bücherkatalog nur sehe ich wiederum "Femme Fatale – Die Unheimliche Frau. Weiblichkeit im Surrealismus" – und so was (anno 2001) in der Kunsthalle meines biederen Bielefeld, wo sonst z. B. "Jeff Koons – Die Bilder" (2002) gezeigt werden? [Na ja, meine Ironie ist vielleicht etwas unfair: derzeit wird dort immerhin LOUISE BOURGEOIS gezeigt: "La famille". (The "Spider Couple" that they display on their Website is kind of cute.)]

Verführen könnte mich allerdings der wunderbare Bildband "Pietra Dura" (italienische Einlegearbeiten aus Edelsteinen und Halbedelsteinen). Den freilich gibt's auch bei König derzeit nur neu. Besonders stechen mir die Lapislazuli-blauen Einlagen ins Auge. Erinnern mich zugleich an den
Blaumann par excellence: Yves Klein, über den es gleichfalls einen - reduzierten - Bildband zu kaufen gäbe:
"KLEIN, YVES. Text von Sandra Stich. Stuttgart 1994. 25 x 30,5 cm. 292 S. mit 224 (91 farb.) Abb., Biographie, Ausst.verz., Personenregister, Ppbd."
Und Yves Klein wiederum lässt mich an die Heidelberger Kunstausstellung der Superlative von 1990 denken: "Blau, Farbe der Ferne". (Den Katalog dazu gibt's noch zu kaufen; hier fand ich auch einen Textauszug daraus.)

Wirklich vom Hocker gerissen hätte mich, wenn ich denn gesessen hätte, jedoch der Bildband "Osmanische Keramik aus Iznik" von Walter B. Denny .
Die coolen, vorwiegend weiß-blau (teilweise auch in einem kalten Grün oder harten Rot) gehaltenen Dekore der berühmten türkischen Halbfayencen sind (m)ein Traum! Das Buch kostet Preis-werte 59,- €; ist aber damit für mich gleichwohl zu "teuro". Also geduldig warten; irgendwann wird auch davon die Restauflage verramscht – so wie vor einigen Jahren die herrlichen "Azulejos in Portugal" (in Deutschland ebenfalls bei Hirmer erschienen; meine Ausgabe in Lizenz bei Büchergilde Gutenberg). (Bilder von "Azulejos" gibt es z. B. hier.)
(Schluchz: New Yorker müsste man sein! In 2005 präsentierten dort die
"School of Visual Arts (SVA); the Iznik Foundation of Istanbul, Turkey; and the Moon and Stars Project of New York ... IZNIK, Legendary Ceramics from Turkey: An Art Reborn--the first exhibition of its kind in the United States. This exhibition [nicht vergessen: "klick image to see full frame"!!] brings to life a traditional Turkish ceramic art that has been lost for the last three centuries. With more than 50 examples of superb quartz tiles, plates and vessels, the exhibition offers a unique opportunity to see recent works alongside traditional 16th-century examples on loan from the collection of the Metropolitan Museum of Art. The presentation includes documentation of architectural Iznik masterpieces and will touch upon the renaissance of Iznik-style production in Turkey today."
In englischer Sprache ist auch ein noch umfangreicherer Bildband erschienen: "Iznik, the Pottery of Ottoman Turkey. Nurhan Atasoy and Julian Raby. Yanni Petsopoulos (ed.)"
(Schöne Bilder auch auf den Webseiten der "Turkish Cultural Foundation"; aktuelle Produkte gibt's z. B. hier)
["Richtige" Fayencen im technischen Sinne sind u. a. die italienischen Majoliken. Zu diesem Thema finde man mehr auf meinen Webseiten http://www.beltwild.de/majolikareich_leseliste.htm und http://www.beltwild.de/majolikareich_linksammlung.htm.]


Aber so ganz mit leeren Händen habe ich den Laden dann doch nicht verlassen. Denn:

Am Rande des Tisches strahlt verborgener Glanz -
Der Zizenhausener Totentanz!

(Verdammt: bei Jokers Restsellers hätte ich den für 2,95 € bekommen; ich habe 3,95 gezahlt. Aber dafür habe ich das Porto gespart. War dann wohl doch billiger.)
Na also (Sie hatten es ja schon richtig geahnt): so langsam kämpfen wir uns nun endlich zum Kasseler "Museum für Sepulkralkultur" durch!

Tatsächlich ist es dem Museum gelungen, die "die 42 Totentanzfiguren [aus Ton] aus dem in der Nähe des Bodensees gelegenen Ort Zizenhausen", die im 19. und sogar noch im vergangenen 20. Jh. "in nicht mehr bekannter Auflagenhöhe hergestellt und europaweit vertrieben wurden" anzukaufen. Die Ausgabe 1/2-2004 des 49. Jahrgangs der Fachzeitschrift "Friedhof und Denkmal", deren glücklicher Besitzer ich nunmehr bin, appelliert an die "großzügige Mithilfe" des Lesers, um den Ankauf der abgebildeten "kompletten[n] und vorzüglich erhaltene[n] Folge dieser 42 Figuren" zu ermöglichen; über das Ergebnis informiert (zwar leider nicht die Seite des Sepulkralkulturmuseums, sondern) der "Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute e. V.":
"42 Patinnen und Paten haben dem Museum für Sepulkralkultur in Kassel den Erwerb ermöglicht, in dem sie für je ein Figurenpaar die Patenschaft übernommen haben. Auf diesem Weg konnten 20.000,- Euro aufgebracht werden, eine Summe, die aus dem normalen Museumsetat nicht zu realisieren gewesen wäre. In langer Reihe stehen die Figuren nun in einer eigenen Vitrine, die kostenlos von der gemeinnützigen Ausbildungswerkstätte des Vereins für Sozialpolitik, Bildung und Berufsförderung e.V. in Kassel hergestellt wurde. Und jedes Figurenpaar ist mit dem Namen seiner Patin, seines Paten versehen.
Die auf diesem Weg ermöglichte Finanzierung ist ein Glücksfall, sie dokumentiert auch die Verbundenheit vieler Menschen mit dem Museum. Dabei stammen die Patinnen und Paten nicht nur aus Kassel und Nordhessen, sondern aus dem ganzen Bundesgebiet: von Stuttgart bis Berlin und von Köln bis Leipzig. Besonders bewegend ist die Übernahme einer Patenschaft durch eine beinamputierte und fast erblindete Berlinerin für das Figurenpaar "Tod und Krüppel". Auch viele andere Patinnen und Paten wählten ihre Figuren durchaus in Bezug auf die eigene persönliche oder berufliche Situation aus."

Wanderer: kommst du nach Stockach, versäume nicht dorten im Stadtmuseum zu beschauen den "Zizenhausener Totentanz"'!
So lange du freilich noch ein Netzgefangener bist, musst du dich wohl mit Bildern von Figuren aus dem Städtischen Museum in Überlingen (hier mehr über das Museum allgemein) zufrieden geben.
(Schöne Stadt übrigens, dieses Überlingen - vgl. Folgeblog! Das Stadtmuseum haben wir bei unserer Stippvisite von Radolfzell aus anno 2002 leider nicht besichtigt.)
Eine besonders hübsche Figur (in einer freilich weniger guten Aufnahme), hier aus einem Konstanzer Museum; die Fotografie findet man auf den wirklich anregenden Webseiten der Europäische(n) Totentanz-Vereinigung .
(Was, diesen Verein kannten Sie noch nicht? Na so können Sie den PISA-Test - oder gar den Einbürgerungstest? - aber nicht bestehen: Christliches Kulturerbe und so ... .)

Die mittelalterlichen Reime, welche den Keramikfiguren als Beschriftung beigegeben waren, sind freilich etwas holprig.
Das kann man besser machen. Ein Beispiel (das sich allerdings nicht an die vorgegebenen Berufskategorien hält) wäre "Tod des Schürzenjägers":

"Fasst Freund Hein dich am Schlafittchen,
Schaust du nicht mehr nach den Tittchen!"

Auch heutzutage entwickelt sich das Kulturerbe eben weiter ... .



Nachtrag vom 29./30.09.2007:
Es ist soweit: Das Buch "Osmanische Keramik aus Iznik" von Walter B. Denny (s. o.) wird jetzt wirklich verramscht. Zwar nicht zum Spottpreis, aber 34,95 € reuen mich nicht für ein herrliches, in Leinen gebundenes Buch des Hirmer-Verlages im Atlasformat mit 240 S. und zahlreichen, zum Teil ganzseitigen farbigen Abbildungen. Vor allem ist die Farbqualität der Bilder hervorragend (das Buch wurde in Spanien gedruckt; ich frage mich, ob überhaupt irgend eine deutsche Druckerei in dieser Qualität drucken kann.



Textstand vom 30.09.2007.
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Samstag, 18. März 2006

EdV



Sind Politiker ehrlich?
Zumindest was die Frankfurter CDU angeht, müssten deren Gegner diese Frage eigentlich freudig bejahen.

Zu den diesjährigen hessischen Kommunalwahlen (am 26.03.06) wirbt sie mit dem Slogan "Das Frankfurter Kreuz".
Das würde ich, wenn ich ein Anhänger der Roten, Grünen, Blauen oder wie auch immer parteipolitisch außerhalb der Schwarzen festgelegt wäre, im Wahlkampf ebenfalls sagen: dass die CDU das Frankfurter Kreuz ist.

Sie wissen nicht, was "EdV'" bedeutet? Also, mit etwas Nachdenken hätten sie eigentlich auch selbst auf die Lösung kommen können:
"Ehrlich durch Versehen" heißt das natürlich!


Textstand vom 25.03.2006.
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Mittwoch, 15. März 2006

Hungerskandal in Wuppertal: Porsche-Fahrer frisst Rentner-Oma die Polenta vom Teller!

Ein eigentlich ganz harmloser Bericht im Handelsblatt vom 03.03.2006 unter dem Titel "Chance mit neuen Energien" führt mich wieder einmal in ressourcenpessimistische Gedankengänge.

"Erneuerbare Energien wie Ethanol und Mais haben ein riesiges Zukunftspotenzial" heißt es dort, und diese Meinung wird von Leuten vertreten, die auch sonst als Heuschrecken bekannt sind: Hedge-Fonds-Managern nämlich.

Ethanol (genauer: Bioethanol) wird aus z. B. Mais, aber auch aus Getreide, Kartoffeln, Zuckerrohr usw., gewonnen, aus Agrarprodukten also, die man, anstatt sie zu verzehren, nach entsprechender Behandlung verfeuern kann. Den Treibstoff aus den Pflanzen technisch zu extrahieren erfordert allerdings zunächst einmal einen Energieaufwand, und die Energiebilanz – Gewinnungsaufwand minus Energiegehalt des Ethanol - ist nicht sonderlich gut: bei Erdöl ist diese Bilanz weitaus günstiger. Doch was tut (spendiert) der Autofahrer nicht alles, um seinen fahrbaren Untersatz in Bewegung zu bringen (halten)?

Dienstag, 14. März 2006

Der Hunger treibt's raus.

Das Wildschwein. Aus dem Wald.

Wenn Sie vielleicht noch nie von Wächtersbach gehört haben und deshalb glauben, dass sich hier Hase und Fuchs Gute Nacht sagen, dann irren Sie aber gewaltig!

Wächtersbach ist eine Bahnstation an der Linie Moskau – Warschau – Berlin – Wächtersbach – Paris. Wie meinen? Ja, richtig: zwei Frankfurts liegen auch noch irgendwo auf der Strecke dazwischen. (Das eine Frankfurt, auch als "Metooston" bekannt, ist übrigens ein Vorort von Wächtersbach und wird - im Zustand von anno 1984 - in dem Gedicht "Frankfurt stickt voller Merkwürdigkeiten" auf den Seiten von www.e-stories.de näher beschrieben.)

Jedenfalls: mit Kleinzeug wie Fuchs und Hase geben wir uns hier nicht ab: dies ist ein Ort für große Tiere.

Zum Beispiel für jene Wutz, welche gestern am späten Nachmittag nahe der Bahnlinie Moskau ... (usw.: Sie wissen schon) auf der Wiese stand.
Natürlich hat das Borstenvieh die heimfahrenden Berufspendler nicht gegrüßt und uns nicht einmal eines Blickes gewürdigt. Nur gierig im Wiesengrund herumgerüsselt. So sind sie halt, die Schweine ...


Nachtrag 26.12.2008
Mehr über Wildschweine kann man in dem FAZ-Artikel "Landplage. Eine kleine Ökonomie der Wildschweinjagd" von Winand von Petersdorff, FAZ v. 16.12.08, nachlesen.



Textstand vom 26.12.2008.
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Sonntag, 12. März 2006

Wie mich die Außerirdischen beim Pizzaessen erwischten

Auch wenn ich seit 40 Jahren in Frankfurt am Main gewohnt habe bzw. dort arbeite: dass es bei "Pizza Petro" in Sachsenhausen "Die beste Pizza in Frankfurt" gibt, wie ein enthusiastischer Konsument bei dooyoo bezeugt, würde ich denn doch nicht zu behaupten wagen. Schließlich habe ich ja nicht nur nicht alle, sondern allenfalls relativ wenige der Frankfurter Pizzerien ausprobiert.

Aber verdammt gut ist die Pizza aus dem Holzofen dort allemal. So haben wir unseren spontanen Beschluss kein bisschen bereut, "for old langsyne", d. h. in Erinnerung an alte Tage (bzw. Nächte) in Sachsenhausen wieder einmal eine Pizza beim Pizza Petro zu essen. Hunger hatten wir genug, nachdem wir zuvor die Ausstellung "Felix Nussbaum und die Moderne" im Jüdischen Museum besichtigt hatten.

Doch auch bei Pizza Petro wartete auch Geistesfutter.
Und damit meine ich nicht das Sachsenhäuser (Werbe-)Blättchen, das dort auslag, sondern eine mir bis dahin völlig unbekannte Wochenzeitung: "Die Neue Epoche", Nr. 10, 2. Jahrgang, 10.03. – 16.03.2006. Ein etwas merkwürdiger Name, aber ein sehr seriöses Layout: der Titel in coolem Hellblau gehalten, darüber "DIE NEUE WOCHENZEITUNG – UNABHÄNGIG UND ÜBERREGIONAL". Zwei oder drei Exemplare lagen dort, der Verkaufspreis mit Paketschreiber geschwärzt, also: "Darf man die mitnehmen?". "Ja."
Das ganze Design der Titelseite wirkt irgendwie vertraut. Wo hat man eine ähnlich gestaltete Zeitung oder Zeitschrift gesehen? Bei der "Weltwoche"? Nein: dort ist zwar der Titel in Blau gehalten, aber das sonstige Erscheinungsbild ist deutlich anders.
[Immerhin beschert mir aber der Besuch der Weltwoche-Webseite eine Rezension bzw. Zusammenfassung des Buches "Verbrechen als Markt – Zur Ökonomie der Halbwelt und der Unterwelt" von Valentin N. J. Landmann, deren Lektüre ich – ohne Zusammenhang zur vorliegenden Thematik - meinen Besuchern ans Herz legen möchte.]

Als ungewöhnlich fällt bei "Die Neue Epoche" zunächst unter dem Titel ein Zusatz auf: "Epoch Times International". Wenn ein großer ausländischer Verlag die deutsche Version einer im Ausland längst eingeführten (Wochen-)Zeitung herausgebracht hätte (oder ein deutscher Verlag eine Lizenzausgabe, wie im Falle der "Financial Times Deutschland"), hätte man doch in den Zeitungen etwas davon gelesen und Werbung dafür gesehen?

Die Themen jedenfalls sind "normal", also das, was uns derzeit bewegt: "Wer CO² sät, wird Sturm ernten", "Verd.i weitet Streiks im öffentlichen Dienst aus", "Chirac ruft vor saudiarabischem Parlament zur Toleranz auf", "Annan will UNO reformieren" und – zum derzeitigen Angstthema Vogelgrippe – "Chinese stirbt an H5N1 ohne Direktkontakt mit Geflügel".
Die Spalte "Aus dem Inhalt" auf der linken Seite wirkt von der Aufmachung und den Themen her ebenso seriös-vertraut wie das sonstige Layout: "Deutschland im Ausverkauf. Eigentum verpflichtet ...", ein Kommentar von Silke Jelkic, ein Artikel zur Kunst über den Maler Ludwig von Hofmann-Zeitz usw. werden dort angekündigt. Humor haben die Redakteure offenbar auch: ein Artikel über zunehmende Rückenprobleme bei Kindern trägt den Titel "Ein Volk von Sitzenbleibern". Heutzutage etwas ungewöhnlich eine Fortsetzungsserie (hier Teil 2) u. d. T. "Geheimagent gesteht". Beim Anblick eines 'Zählers" unten rechts reibt man sich allerdings verwundert die Augen: "Seit dem Erscheinen der 'Neun Kommentare über die Kommunistische Partei' sind 8.680.464 Personen aus der KPC ausgetreten". Das ist denn doch etwas ungewöhnlich, dass eine deutsche (Wochen-)Zeitung triumphierende Frontberichte über den Anhängerverlust der Kommunistischen Partei Chinas liefert.

Das Impressum wird nicht versteckt: Auf S. 1 wird deutlich darauf verwiesen, und auf S. 4 kann man lesen, dass die Zeitschrift von dem "Epochtimes Europe Zeitungsverlag GmbH" herausgegeben wird. Der sitzt – noch ein "Beweis" für seriösen Journalismus, in Hamburg. Ungewöhnlich allerdings ist das Erscheinen weiter Ausgaben in der Ländermischung "Argentinien, Australien, Bulgarien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Hongkong, Japan, Kanada, Russland, Süd-Korea, Ukraine, USA."

Jedoch: Die Themenseiten "Welt", "Europa", "Deutschland" (2 Seiten) und "Wirtschaft" sind als solche voll 'im grünen Bereich'; genau das, was man eben von einem deutschen Presseorgan erwartet. Auch inhaltlich keine Auffälligkeiten, etwas umweltbewegt, vielleicht etwas links: aber ein marxistisches Blatt ist es auf keinen Fall.

Dass vor der "Unterhaltung" eine Themenseite "China" eingeschaltet ist, fällt zunächst auch nicht weiter auf. Das Land ist allemal eine Sonderseite wert, wartet es doch mit phantastischen wirtschaftlichen Zuwachsraten auf. Auch das "Handelsblatt" (dessen Online-Version ich - wie natürlich auch diejenige der Bild-Zeitung - in der Mittagspause zu lesen pflege) widmet dieser kommenden Weltmacht mehr und mehr Informationsartikel, manchmal auch kritische Berichte und Kommentare (z. B. "Bürgerrechte in China. Wie zu Zeiten der Kaiser" oder die sehr pointierte Meinungsäußerung des Chefredakteurs Bernd Ziesemer "Das hässliche China").
[Sowohl die westlichen Regierungen wie zweifellos auch die chinesische Führung sind sich der rechtsstaatlichen Defizite in China durchaus bewusst; vgl. in diesem Zusammenhang z. B. das Papier "Rechtszusammenarbeit im Kontext der europäisch-chinesischen Beziehungen" von Prof. Nicole Schulte-Kulkmann. Aber auch der "Rechtsexport" ist nicht unbedingt unproblematisch: Stichwort "Rechtsimperialismus".]

Weiter im Text der "Neue[n] Epoche": "Gesundheit", "Sport", "Umwelt" ["Günstige Energie aus Gülle reduziert Tomatenpreis"], "Reise" ["Eine Reise zu alten kulturellen Wurzeln des Abendlandes. Teil 2"], "Gesundheit": eine mehr oder weniger 'stinknormale" Wochenzeitung scheint das zu sein. Die Aufsätze tragen zwar keine Züge von intellektueller Brillanz (wie – vielleicht – einige in der "Zeit"), halten sich aber auf normalem bürgerlichen Niveau. Vor "Vermischtes", "Kultur" und "Wissen" ist dann noch eine Seite "Menschen und Meinungen" eingeschaltet: auch nichts Ungewöhnliches, würde nicht hier "Das Geständnis eines chinesischen Geheimagenten, 2. Teil" präsentiert, das auch sprachlich-inhaltlich etwas merkwürdig daher kommt. Doch kann der aufmerksame Leser bei der Lektüre erahnen, woher der Wind weht:
"Später wurde ich versetzt, um das Internet und Falun Gong zu überwachen".
"Am Anfang verstand ich die Falun Gong-Praktizierenden nicht und wusste nicht, was sie eigentlich machen ...".
"Durch so eine Gelegenheit bekam ich über das Internet Kenntnis vom Zhuan Falun (das Hauptwerk von Falun Gong) und von den 'Neun Kommentaren über die Kommunistische Partei' ".
[Hervorhebungen jeweils von mir]

Um die "Meditationsbewegung", wie sie selbst genannt werden möchten, bzw. um den Kult oder die Sekte, wie sie von Kritikern genannt werden (wobei die zumindest nach außen losen Organisationsstrukturen auf den ersten Blick gegen einen Sektencharakter zu sprechen scheinen) "Falun Gong" oder, wie sie auch genannt wird, "Falun Dafa" geht es also hier, bzw. genauer: um eine sehr geschickte Sympathiewerbung für diese quasi-religiöse Bewegung, vor der die chinesische Regierung und die Kommunistische Partei Chinas sich offenbar fürchten. Wenn nicht das Geständnis des chinesischen Geheimagenten stilistisch so naiv gehalten wäre ("Ich entschied mich, ein guter Mensch zu werden und mich selbst ganz neu zu orientieren": bei derartigen Formulierungen könnte man sich auch sehr gut "Bekehrungserlebnisse" von hartnäckigen "Volksfeinden" in der Zeit der Kulturrevolution vorstellen), wäre die Sache fast perfekt gemacht.

Ingo Heinemann hat wohl nicht Unrecht, wenn er auf seiner Webseite "Infos über Sekten, Kulte und den Psychomarkt AGPF - Aktion für Geistige und Psychische Freiheit Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung e.V., Bonn " zum Thema "Falun gong" titelt:
"Der Falun-Kult Falun Gong, Falun Dafa und Li Hongzhi: Mehr Politik als Meditation Der Falun-Kult fordert die chinesische Regierung heraus. Hat der Falun-Kult unter dem Deckmantel von Spiritualität ein weltweites Netzwerk von Unterstützern aufgezogen? Dienen provozierte Menschenrechtsverletzungen als Schutzschild?"
und u. a. die Frage nach den Geldquellen aufwirft:
"Geldquellen zweifelhaft.
Zuletzt ist also ein Zeitungskonzern entstanden. Nach der englischen und chinesischen Zeitung wurde Ende 2004 und Anfang 2005 auch eine deutsche und eine französische Zeitung gegründet, die französische mit dem beziehungsreichen Namen 'La Grande Époque'. Zur Finanzierung heißt es, die deutsche Ausgabe sei 'aus Eigenmitteln finanziert' (http://www.dieneueepoche.com/, 'Wir über uns'). Gleichzeitig wurden neue Websites aufgebaut.
Spätestens jetzt stellt sich die Frage, woher diese 'Eigenmittel' stammen. Es wird der Eindruck erweckt, als beruhe das konspirative Verhalten auf der Verfolgung durch die chinesische Regierung.
Andere Erklärungen sind durchaus denkbar."


Nun fragt der ungeduldige Leser aber zu Recht, was das alles mit Außerirdischen zu tun hat.

Dazu Auszüge aus einem "Interview with Li Hongzhi" (Time Magazine Asia, May 10, 1999),
URL http://www.cesnur.org/testi/falun_010.htm

TIME: Why does chaos reign now?Li: Of course there is not just one reason. The biggest cause of society's change today is that people no longer believe in orthodox religion. They go to church, but they no longer believe in God. They feel free to do anything. The second reason is that since the beginning of this century, aliens have begun to invade the human mind and its ideology and culture.
TIME: Where do they come from?Li: The aliens come from other planets. The names that I use for these planets are different . Some are from dimensions that human beings have not yet discovered. The key is how they have corrupted mankind. Everyone knows that from the beginning until now, there has never been a development of culture like today. Although it has been several thousand years, it has never been like now.
The aliens have introduced modern machinery like computers and airplanes. They started by teaching mankind about modern science, so people believe more and more science, and spiritually, they are controlled. Everyone thinks that scientists invent on their own when in fact their inspiration is manipulated by the aliens. In terms of culture and spirit, they already control man. Mankind cannot live without science.
The ultimate purpose is to replace humans. If cloning human beings succeeds, the aliens can officially replace humans. Why does a corpse lie dead, even though it is the same as a living body? The difference is the soul, which is the life of the body. If people reproduce a human person, the gods in heaven will not give its body a human soul. The aliens will take that opportunity to replace the human soul and by doing so they will enter earth and become earthlings.
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TIME: How do you see the future?
Li: Future human society is quite terrifying. If aliens are not to replace human beings, society will destroy itself on its own [Zusatz von mir: Letzteres ist freilich in der Tat vorstellbar]. Industry is creating invisible air pollution. The microparticles in the air harm human beings. The abnormality in the climate today is caused by that [Zusatz im Interviewtext: pollution], and it cannot be remedied by humans alone. The drinking water is polluted. No matter how we try to purify it, it cannot return to its original purity. Modern science cannot determine the extent of the damage. The food we eat is the product of fertilized soil. The meat we eat is affected. I can foresee a future when human limbs become deformed, the body's joints won't move and internal organs will become dysfunctional. Modern science hasn't realized this yet.
At the beginning you asked why I did such things. I only tell practitioners, but not the public because they cannot comprehend it. I am trying to save those people who can return to a high level and to a high moral level. Modern science does not understand this, so governments can do nothing. The only person in the entire world who knows this is myself alone. [Der Meister leidet nicht gerade an mangelndem Selbstbewusstsein. B. B.]
I am not against the public knowing, but I am teaching practitioners. Even though the public knows, it cannot do anything about it. People can't free themselves from science and from their concepts. I am not against science. I am only telling mankind the truth. I drive a car. I also live in the environment. Don't believe that I am against science. But I know that modern science is destroying mankind. Aliens have already constructed a layer of cells in human beings. The development of computers dictates this layer of body cells to control human culture and spirituality and in the end to replace human beings.


[Hervorhebungen von mir]

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The Blessings From Dafa (http://www.falundafa.org/book/eng/jw_74.htm)
The ten years of Fa-rectification have recreated the cosmos, have saved countless sentient beings from degeneration and annihilation, and have established the immeasurable colossal firmament’s all-encompassing and eternal Fa-principles and immeasurable wisdom. This is a blessing for sentient beings, and it is the mighty virtue of the Dafa disciples.
Master has spread Dafa for ten years. Even in the human world, predestinations have been greatly changed. The comet catastrophe predestined in history is no more, the third world war has been averted, and the peril in 1999 from the cycle of formation-stasis-degeneration-destruction of Heaven and Earth will never recur. The Fa-rectification of the human world is on the verge of arriving. The world’s sentient beings will [Zusatz im Original: strive to] repay the saving grace of Dafa and Dafa disciples. How wonderful. Wonderful. Truly wonderful!
Li HongzhiMay 19, 2002
(Translator's Note: The translation is subject to improvement to be closer to the original text. Latest update: July 16, 2002)
[Hervorhebungen von mir]

Genaueres (oder sagen wir mal vorsichtiger: "mehr") über die "Fa-rectification" kann man in einer Rede des Meisters Li Hongzhi vom 15.02.2003 nachlesen.

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Hier einige kommentierte Links:

- Einige kritische Aufsätze in der "Netzeitung".
- Wikipedia deutsch
- Wikipedia englisch

Über den Gründer und geistigen Führer Li Hongzhi:
- Wikipedia deutsch
- Wikipedia englisch

Der Artikel "A Chinese Battle on U.S. Soil. Persecuted Group's Campaign Catches Politicians in the Middle" von Sarah Lubman in der San Jose Mercury News vom 23.12.2001 zeigt, wie naiv sich manche (amerikanischen) (Lokal-)Politiker für die Ziele der Falun Gong einspannen lassen. (Wir Deutschen haben ja selbst erlebt, dass US-Senatoren sich bemüßigt fühlten, "Religionsfreiheit" für die Scientology-Sekte in Deutschland zu fordern.)

Umfangreiche Links zu Texten über die Bewegung gibt es z. B. hier bei dem "RICK A. ROSS INSTITUTE FOR THE STUDY OF DESTRUCTIVE CULTS, CONTROVERSIAL GROUPS AND MOVEMENTS".

Gestern (11.3.06) waren auch hier bei einem Institut namens "CESNUR" eine umfangreiche Linksammlung eingestellt, heute sind aber die Seiten dieses Instituts (nur vorübergehend?) nicht zugänglich. Das "CESNUR" wird übrigens im "Apologetics Index" wiederum selbst kritisiert. (In diesem Index gibt es unter dem Titel "Falun Gong, Falun Dafa, Falungong" ebenfalls Informationen und Links.)

Die chinesische Regierung wehrt sich: einerseits mit mehr sachlichen Darstellungen, andererseits mit hübschen Horror-Stories (von denen einige schon deshalb durchaus wahr sein mögen, weil derartige Bewegungen naturgemäß auf ohnehin schon problematische Persönlichkeiten eine besondere Anziehungskraft ausüben) (hier einige 'Stories' in Englisch).

Unter dem Titel "The True Nature of the Falun Gong" formuliert ein gewisser Samuel Luo eine ausfürliche Kritik der Bewegung und ihres geistigen Oberhauptes (ich habe im Wesentlichen nur die "Closing Remarks" gelesen).
Der Text ist seinerseits eine Reaktion auf das Papier "
Ancient Wisdom for Modern Predicaments: The Truth, Deceit, and Issues Surrounding Falun Gong ", das den "point of views of two practitioners in Falun Gong" darstellt.

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Meine eigene Einstellung zu Falun Gong dürfte aus der obigen Darstellung hinreichend transparent geworden sein.

Indes drängt es mich meine Meinung zu sagen (wozu sonst blogge ich schließlich?) zur Menschenrechtsfrage in China.
Vorausgeschickt sei, dass ich zwar eine positive Beziehung zur chinesischen Küche (und zur Keramik) habe, aber weder Import- oder Exportgeschäfte mit den Chinesen betreibe noch überhaupt nähere Kenntnisse des Landes habe.
[Und das, obwohl ich doch schon in frühen Kindesjahren – mehrfach - die Bücher "Im Reiche des Goldenen Drachen" und "Durch die Höhlen und Schluchten des Wu-Tai-Shan" von Otfried von Hanstein verschlungen habe, der vermutlich ebenso "viel" von China kannte wie Karl May vom Wilden Westen ;-) ]

Nach allem, was man über die Entwicklung in China liest, kann ich die Leistung der dortigen Führung (und natürlich der Menschen) jedenfalls hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung nur bewundern. Ein solches Reich auf den (bzw. dem) Weg eines langdauernden Aufstiegs zu lenken (und nicht, wie in Jelzins Russland, die Reichtümer des Volkes von einer unheiligen Allianz beutelustigen Barone des organisierten Verbrechens mit intellektuellen westlichen Abenteurern ausplündern zu lassen) erfordert – auch wenn ich vor solchen großartigen Begriffen sonst eher zurück schrecke – eine außergewöhnliche WEISHEIT. Dass da auf den unteren, mittleren und vermutlich sogar hohen Ebenen der Partei eine Menge Selbst-Bediener ihr korruptes Werk treiben, kann nicht verwundern. Auf Dauer wird das und die fehlende bzw. nicht funktionierende juristische Kontrolle auch mehr und mehr zu einer Belastung der Entwicklung werden. Ebenso ist ein größeres Maß an Freiheit wiederum Voraussetzung für die Möglichkeit einer selbstbewussten und unabhängigen Justiz.

Ich glaube aber, dass man der Sicht und der Handlungsweise der chinesischen Führung nicht gerecht wird, wenn man sie allein oder auch nur in erster Linie als Machterhaltung der Kommunistischen Partei Chinas im Sinne eines Selbstzwecks (oder zum Zwecke der Selbstbedienung) versteht. Da scheinen mir doch Welten zwischen einer Diktatur wie derjenigen von Saddam Hussein (oder der nordkoreanischen) und der Diktatur der KP in China zu liegen.

Die chinesische Führung denkt und handelt patriotisch; sie hat durchaus das Wohl des Landes, und keinesfalls nur oder hauptsächlich das Wohl der Partei im Blick.
Trotzdem brodeln soziale (und offenbar auch religiöse Konflikte, die man wohl nicht völlig auf eine materielle Ebene 'herunterbrechen' kann) in diesem riesigen Reich unter jenem durchaus auch gewalttätigen Deckel, welchen die Partei mehr bzw. heute im Vergleich zu früher schon deutlich weniger fest noch draufhält.
Was geschehen würde, wenn der Deckel weggenommen wird (oder wegfliegt) kann man im Irak beobachten, wo ebenfalls schlaue West-Boys einen hinderlichen Stein auf dem Weg zur Demokratisierung des Nahen Ostens umstoßen zu können glaubten, und anschließend eine Domino-Demokratisierung freiheitsbeglückter Volksmassen erwarteten.

Die chinesische Führung kann sicherlich besser als wir einschätzen, was dort passieren würde, wenn sie den Deckel allzu schnell allzu weit anheben würde. Gleiche oder ähnliche zentrifugale Kräfte, wie sie schon früher in der uralten Geschichte der chinesischen Zivilisation die politische Einheit immer wieder gesprengt haben, würden sich entfalten.
(Zwischenfrage: was waren z. B. die Menschenrechte zu Mafia-Hoch-Zeiten auf Sizilien wert? Das Recht der Opfer, an die Verbrecher zu zahlen, und das Recht der Mafia, durch Zahlungen an die Richter das Straf-Recht außer Kraft zu setzen!)

Historische Aschevölker wie wir, bei denen nix mehr brodelt, können sich nicht vorstellen, dass es anderswo anders sein könnte. Und glauben, ihre Rezepte und ihre Rechtskultur einfach so auf andere übertragen oder sie denen sogar aufdrängen zu können. Ganz so naiv sollten wir den politischen Kräften in fernen Ländern nicht gegenüber treten.
Wir sollten aber andererseits, nicht zuletzt auch im Interesse der Stabilität des chinesischen Staates selbst, einen fairen und verständnisvollen Rechtsdialog mit der dortigen Führung nicht scheuen.

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Nachtrag vom 16.03.06: I love the way "Google" translates the title of this blog-entry:
"As me the extraterrestial ones with the Pizzaessen got".

Und "Sekten" heißen dort "sparkling wines": na dann aber ganz schnell beitreten!
Wie nennen wir diese Übersetzungstechnik? Richtig: "konsequenten Pluralismus"!


Nachtrag 17.03.06: Die chinesische Führung setzt sich mit ähnlichen Argumenten gegen US-Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen zur Wehr, wie ich sie oben dargestellt habe:
"Die Führung in Peking sagt, die chinesische Definition von Menschenrechten weiche von der des Westens ab. 1,3 Milliarden Menschen mit Nahrung, Kleidung und Wohnraum zu versorgen wiege mehr als individuelle, bürgerliche Freiheiten. „Wir missbilligen Länder, die sich in die inneren Angelegenheit anderer Länder einmischen“, sagte Außenminister Li Zhaoxing" berichtet eine Handelsblatt-Meldung vom 09.03.06 u. d. T. "China kontert US-Menschenrechtsvorwürfe".
Sicherlich sollte man Regierungsäußerungen von totalitären Regimen kritisch sehen. Andererseits wird ein Argument aber nicht dadurch falsch, dass es von einer solchen Regierung vorgetragen wird. Größere innere Unruhen dürften die Wirtschaftsentwicklung erheblich behindern, stoppen oder gar zurück werfen. Andererseits kann eine Gesellschaft mit obrigkeitlich verordneter Friedhofsruhe auf die Dauer aber wohl nicht ihre wirtschaftliche Dynamik aufrecht erhalten und am Weltmarkt wettbewerbsfähig bleiben.

Nachtrag 23.3.06: Zum Patriotismus bzw. Nationalismus der Chinesen bzw. in China vgl. auch den Handelsblatt-Artikel vom 17.02.06 "China zelebriert sein Wir-Gefühl".


Nachtrag vom 18.11.2006:
Umsonst? Ich fürchte: ja!
(Heute in Fulda im Einkaufszentrum Centhof am Bahnhof gesehen)

























Textstand vom 18.11.2006.
Gesamtübersicht der Blog-Einträge auf meiner Webseite http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm