Dienstag, 26. Februar 2008

Kampf (auch) der (anderen Art von) "Steuerhinterziehung" oder: Wenn die Nachtigall der Hungerhilfe klingt, mein Geld in den Kasten des Staates springt

Steuerhinterziehung zu bekämpfen, wie ich in meinem Blott "FUERSTENTUM LIECHTENSTEIN oder EIN PARASITENSTAAT WIRD FRECH" gefordert habe, ist nur die halbe Miete. Genau so, wie das Geld immer in die Sickergruben der Reichen hinabrinnt (vgl. Blott "DISKURS ÜBER DIE GRAVITATION DES GELDES oder TRICKLE DOWN ECONOMY FUNKTIONIERT DOCH!"), saugen die Pump-Kräfte des Staates das Geld letztendlich mehr oder weniger aus den Taschen der weniger Wohlhabenden.

Wir müssen also im eigenen Interesse darauf achten, dass der Staat nicht nur Steuern effizient einzieht, sondern auch effizient verwendet - und nicht verschleudert. Allzu oft und in den verschiedensten Situation werden bei uns Gelder verbraten oder Forderungen nach staatlichen Leistungen aufgestellt nach dem Motto "Wir haben's ja!".


Eine Forderung, die sehr bald auf uns (d. h. auf die deutsche Regierung und/oder die Europäische Gemeinschaft) zukommen wird, entdeckte ich gestern am Zeitungskiosk. In der von mir nur flüchtig wahrgenommenen Überschrift einer englischsprachigen Zeitung war von "UN ration" und "Food prices soar" die Rede. Die heutige Google-Recherche nach Un ration food prices soar bringt ca. 4.900 Treffer. Die sind sicherlich nicht alle in meinem Sinne einschlägig, aber ziemlich am Anfang der Ergebnisliste stößt man auf einen Bericht, wie er ausführlicher kaum sein könnte:
"Feed the world? We are fighting a losing battle, UN admits. Huge budget deficit means millions more face starvation" titelt der englische "Guardian". Im Anschluss daran beantwortet Ashley Seager
die "FAQ: Food prices", also die "frequently asked questions", die Fragen,die einem in diesem Zusammenhang als erste in den Sinn kommen:
What is the problem? Why are food prices rising? Who are the winners and losers? How long are prices likely to be high? What about the EU's common agricultural policy? Are other commodity prices also rising?

Ausgangspunkt der umfangreichen Berichterstattung im "Guardian" war wohl der Artikel "UN set to ration food aid as prices soar" von "Javier Blas in Washington and Gillian Tett in London" in der Financial Times vom 25.02.08 (also hatte ich wohl diese Zeitung am Kiosk gesehen?).
Die Gründe für die Preissteigerungen bei Lebensmitteln erklärt ein Leitartikel ("Leader") des Guardian u. d. T. "Hunger and high prices" , gleichfalls vom 26.02.2008, wie folgt:
"Whether prices continue to rise, however, depends on what has driven them up so far. Since Thomas Malthus in the 18th century, pessimists have blamed every incidence of scarcity on the rising population. They have been wrong in the past, and they are wrong this time, too. While the world population continues to grow, it is doing so at a much slower rate than it was in the long decades when the price of food was falling. Climate change makes another obvious culprit, and perhaps it did play a role in last year's Australian drought. It is likely to become a serious threat to food security in future, but it is not an adequate explanation for high global food prices today, because far from falling off, global food production has continued to increase.
Demand, not supply, is the motor of the current food inflation. A growing taste for meat and dairy in newly prosperous parts of the world is one important factor. When it takes 10 kilos of feed to make one of beef, farming animals swallows land that might otherwise be feeding people. But the new middle classes of Beijing and Shanghai will not easily be persuaded that eating meat is a bad idea, especially if the persuasion comes from western countries that are far from vegan. Meanwhile, subsidies to biofuels, particularly in the US, are distorting global farming. The 60m tonnes of American maize being burned each year represents more than twice the UK's entire cereal crop.
." [Hervorhebungen von mir]
Besonders bemerkenswert (und treffend) erscheinen mir (nur) zwei der Kommentare zu diesem Leitartikel:
"Consider rereading past progressive doctrine which held that the US, by producing too much food and exporting it to countries with food shortages was devastating the agricultural economies of these countries" von "RogerINtheUSA"
oder
"What nonsense to say that the population level is not the problem. If there were half as many people, twice as much food would be available" von "Novelist".
Andere machen sich Gedanken darüber, wie man mehr Menschen füttern könnte, indem man weniger Fleisch ist, oder auf andere Weise die Nahrungsmittelproduktion steigern.
"farfrom" steht den üblichen Vorschlägen genau so kritisch gegenüber wie ich und fragt sarkastisch" "Is the whole planet to become a feed lot for humans?"

Worum es mir geht, ist allerdings das Kleingedruckte im Bericht, das ich im Geiste schon bei der bloßen Lektüre der Überschrift mitgelesen hatte, denn der Ruf nach unserer Staatsknete für die Hungernden der Welt ist (nicht nur) beim "World Food Programme", dem "Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen" so sicher wie das Amen in der Kirche:
"The WFP is holding an emergency meeting in Rome on Friday, at which its senior managers will meet board members to brief them on the scale of the problem. There will then be a case-by-case assessment of the seriousness of the situation in the affected countries, before the WFP formally asks for an increased budget at its executive board meeting in June." [Hervorhebungen von mir]
Die Budgeterhöhungen, aus unseren Steuergeldern aufzubringen, sollen aber nicht nur die höheren Lebensmittelkosten finanzieren, denn beiläufig erfahren wir in einem anderen Zusammenhang, der aber zweifellos genau so für das Welternährungsprogramm gilt, dass auch die Logistikkosten drastisch gestiegen sind:
"... the donor countries are also facing higher fuel and transport costs. For the biggest US food aid programme, non-food costs now account for 65% of total programme expenditure."

Um welche Summen geht es?

"With voluntary contributions from the world's wealthy nations, the WFP feeds 73 million people in 78 countries, less than a 10th of the total number of the world's undernourished. Its agreed budget for 2008 was $2.9bn (£1.5bn)", also ca. 3 Mrd. Dollar. Dazu "we will need an extra half billion dollars just to meet existing assessed needs" - zunächst einmal will die UN-Organisation Welthungerhilfe eine weitere halbe Milliarde Dollars von den "reichen Ländern" - also z. B. von uns. 3,5 Milliarden Dollar, verteilt auf eine ganze Reihe von Ländern - das ist nicht die Welt - wird man uns sagen.
Das Argumentationsmuster, mit dem man uns demnächst weitere Gelder zur Fütterung der Welt aus der Tasche ziehen wird, hat Z. B. der Wiener Blogger Alexander Schatten in seinem Eintrag "Es ist ja nur Geld" trefflich gezeichnet:
"In öffentlichkeitswirksamen Diskussionen wird fallweise das "Killerargument" eingeworfen, es ginge ja "nur um Geld", und man könnte doch ein Menschenleben nicht wegen einer bestimmten Summe riskieren. Z.B. in Diskussionen wo mit diesen Argumenten besonders teure Behandlungsformen gerechtfertigt werden sollen, und auf der anderen Seite z.B. die Vertreter von Krankenkassen sitzen. Die Rollenverteilung ist dann doch recht klar: Die Vertreter der Krankenkassen sind böse, die "nur Geld" Argumentierer sind die guten Humanisten.
Dies ist nur ein Beispiel, denn dieses Muster findet man in verschiedenen Kontexten wieder. "Es kann doch nicht sein dass nur wegen (beliebige Summe einsetzten) dies und jenes nicht verwirklicht werden kann". "Am Geld darf doch dies und jenes nicht scheitern (mehr Lehrer, Pensionserhöhung)."
Geld ist für uns immer noch ein abstrakter Begriff, und wir vergessen in diesen Diskussionen leider, dass es eben nicht "nur" um Geld in einem abstrakten Sinne geht, sondern dass eben dieses Geld tatsächlich für Möglichkeiten steht. ...
Allgemeiner gesagt, Resourcen sind immer ein begrenztes Gut und insofern muss es uns klar sein, dass wir eine "Ausgabe" eine "Verwendung" auf der einen Seite mit einem Entzug oder jedenfalls einem Nicht-Einsatz an einer anderen Stelle erkaufen
."

In diesem Falle geht es um mein, dein, Ihr Geld, und bei "lumpigen" 3,5 Mrd. Dollar wird es nicht bleiben. Denn was da im Moment im Nahrungsmittelmarkt weht, ist nur ein laues Lüftchen, Vorbote jenes großen Sturmes, der noch ganz andere Preissteigerungen und Knappheiten heranwehen wird, wie wir sie nur aus unserer (nicht zeitlich, aber doch psychologisch) schon "fernen" Geschichte kennen. Rohölknappheit nach dem bevorstehenden Ölfördermaximum (vgl. Blott "Dieser Ire irrt sich nicht: Das Ölfördermaximum ist kein Märchen aus Tausendundeine Nacht"), die Konkurrenz der Flächennutzung (u. a. Lebensmittel vs. Biotreibstoffe - vgl. dazu auch meinen Eintrag "Hungerskandal in Wuppertal: Porsche-Fahrer frisst Rentner-Oma die Polenta vom Teller!") und andere Faktoren werden die Lebensmittelpreise weiter in die Höhe treiben.

Übrigens werden nicht nur die Vereinten Nationen versuchen, unsere sprudelnden Steuerquellen verstärkt anzuzapfen. Der Artikel im Guardian enthält u. a. auch eine Aufstellung, welche (Entwicklungs-)Länder jetzt Lebensmittel verstärkt subventionieren. Das schmälert die ohnehin knappen Haushaltsmittel für Investitionen usw. Die Regierungen in der Dritten Welt werden versuchen, ihre finanziellen Probleme durch Forderungen nach verstärkter Entwicklungshilfe zu lösen.
Die wird man nicht für die Subventionierung von Nahrungsmitteln verlangen, sondern für Investitionen. Aber schließlich verlangt ja auch Israel von den USA keine Unterstützungszahlungen für den Bau von Siedlungen im Westjordanland. Im Ergebnis werden diese völkerrechtswidrigen Siedlungen dennoch mit massiver finanzieller Unterstützung der amerikanischen Steuerzahler gebaut: die Hilfszahlungen der USA an Israel setzen eigene Mittel frei, die dann für den Siedlungsbau verwendet werden können. [Zu Israel s. a. meine Webseite "Drusenreich - Teil 5"]
Genau so würde das auch in den Entwicklungsländern laufen (bzw. läuft es schon jetzt in anderer Weise).
[Was die Zweckentfremdung von Geldern angeht, dürfen wir uns übrigens auch ruhig im eigenen Lande, in einigen Neuen Bundesländern, umschauen: auch dort werden Fördergelder des deutschen Gesamtstaates, die für Investitionen gedacht sind, im Konsum verpulvert. Das zwar in ökonomisch schwachen Ländern wie Sachsen-Anhalt mit verständlichen Gründen; aber dadurch werden solche Gebiet langfristig erst recht weiter am Tropf hängen.]

Wenn wir die Hungernden der Welt, welche wir auf Dauer ohnehin nicht füttern können (und vielleicht irgendwann nicht einmal uns selber) mit unseren Mitteln vorübergehend sättigen, leiden wir gleich doppelt: unter höherer Steuerbelastung (Mehrwertsteuer ist ja "nur" 19% - da geht doch sicher noch ein Prozentpünktchen mehr für 'Geld für die Welt'?) und dadurch, dass wir mit unserem Geld zugleich die Nachfrage hochtreiben: wir kaufen uns mit unserer Güte auch noch eine beschleunigte Inflationsrate ein!
Der Satz aus dem Guardian Artikel: "There is food on shelves but people are priced out of the market" könnte dann, dank eigener Dummheit, für uns noch schneller gelten, als das ohnehin irgendwann der Fall sein wird.

Bei kurzfristigen Naturkatastrophen helfen, ist edel. Was sich derzeit ankündigt, ist aber eine "Naturkatastrophe" einer ganz anderen Art und Dimension. Nur Don Quixotte, und allenfalls unsere Weltpolitiker, würden einen Kampf dagegen wagen. Der Ritter von der traurigen Gestalt ist tot; unseren Politikern sollten wir schon jetzt im Vorfeld die Spendierhosen ausziehen, bevor sie überhaupt Gelegenheit haben, selbige anzuziehen. Wer sein eigenes Geld spenden will, wenn demnächst wieder die Bilder von Hungernden die Bildschirme überfluten werden, mag das tun (andere Beispiele für "gute" Geldverwendung vgl. mein Eintrag "Das sogenannte Gute").

Auch ich wollte einstmals der Menschheit idealistisch helfen. Doch habe ich mittlerweile dazu gelernt, im Deutschen Wald, in einer Geschichte jenseits von Gut und Böse.

"Wehret den Anfängen"
ist ein Satz, den manche ausschließlich auf eine besonders trübe Epoche in der Deutschen Geschichte münzen möchten. Doch müssen (und dürfen!) wir uns auch gegen Steuerverschwendung rechtzeitig wehren: im vorliegenden Zusammenhang am besten schon jetzt, noch ehe entsprechende Forderungen überhaupt an uns herangetragen werden.

Moralische Schwielen, Hartherzigkeit, wird man mir vorwerfen.
Aber hindere ich denn irgend jemanden daran, sein eigenes Geld für die Hungernden in aller Welt hinzugeben? Das Welternährungsprogramm fördert ja immerhin nur "less than a 10th of the total number of the world's undernourished": da hätten Moralapostel schon lange die Gelegenheit gehabt, den eigenen Gürtel ganz, ganz eng zu schnallen und die restlichen 90% der Unterernährten am Leben zu halten. Aber nein: die Ethiker werden verlangen, dass unser Staat zahlt - denn schließlich sind "wir" ja sooooo reich .... . Und die Maschinerie der wohltätigen Gewissenserpressung wird wieder heftiger laufen ... .
Ich bin nicht reich, und ich möchte nicht, dass der Staat seinen gierigen Steuer-Rüssel noch tiefer in meine Taschen steckt - schon gar nicht für Projekte, bei denen ich am Ende (durch selbst geförderte Inflation) sogar doppelt zahle.


Nachträge 29.02.08 ff.: Weitere Informationen zur Welternährungslage und zu den finanziellen Auswirkungen (insbesondere auch den nicht offen zu Tage liegenden) (auch) für uns

"The main focus of the WFP has been to provide aid in areas where food was unavailable. But the programme now faces having to help countries where the price of food, rather than shortages, is the problem" heißt es in dem oben zitierten Artikel der Financial Times. Auf gut Deutsch: das Welternährungsprogramm will nicht nur im bisherigen Umfang fördern, sondern noch zusätzliche Hilfen finanzieren. Was einerseits die Kosten, andererseits die Preise für die auf diese Weise stärker nachgefragten landwirtschaftlichen Güter steigen lassen wird. Auch zu unserem Nachteil. Wenn wir uns auf dieses Spiel einlassen, produzieren wir wahrscheinlich eine Kostenspirale, die letztlich uns selbst massiv in Bedrängnis bringen wird. Denn trotz mancher optimistischer Behauptungen und "Beweise", die aus vergangenen Zeiten abgeleitet werden, glaube ich nicht, dass die Nahrungsmittelproduktion in Zukunft die Nachfrage dauerhaft übersteigen wird; wahrscheinlich wird sie schon auf mittlere Sicht nicht einmal zur Deckung der Nachfrage ausreichen. Denn in den zahlreichen aktuellen Kommentaren, die ich jetzt überflogen habe, wird das Risiko des Ölfördermaximums total ausgeblendet.

Selbstverständlich gilt der ökonomische Zusammenhang einer Inflationierung der Nahrungsmittelpreise durch zusätzliche Käufe auch dann, wenn solche Hilfe aus privaten Spenden oder von wohltätigen Firmen (Stichwort Corporate Social Responsibility" finanziert ist. Insoweit mag sich dann vielleicht doch jeder fragen, welche unerwünschten Nebenfolgen gut gemeinte Hilfsbereitschaft haben kann oder was dabei für uns nach dem "law of unintended consequences" am Ende möglicher Weise (oder sogar wahrscheinlich) dabei heraus kommen wird.



Ergänzend hier einige weitere Links, ziemlich wahllos zusammengewürfelt zwar, aber alle mit weiteren einschlägigen (auch deutschsprachigen) Informationen:

Die Süddeutsche Zeitung berichtete über "Die Rückkehr des Hungers. Zum Leben zu wenig", dass nach Schätzungen von Agrarforschern der University of Minnesota die Verteuerung von Grundnahrungsmitteln um ein Prozent die Zahl der Hungernden auf der Welt um 16 Millionen vergrößert. (Bei einer Verteuerung z. B. um 10% müssten also bereits 160 Mio. Menschen zusätzlich weltweit Hunger leiden.)
Über Afghanistan schreibt das Blatt, dass afghanische Haushalte mehr als die Hälfte ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben, und dass durch die Verteuerung von Weizenmehl innerhalb eines Jahres um 57 Prozent allein in diesem Land weitere 2,5 Millionen Menschen vom Hunger bedroht sind. (Vgl. zur Tätigkeit des WEP in Afghanistan auch eine Reihe von Artikeln -sämtlich leider undatiert- in der „Zeitschrift für Entwicklung und Zusammenarbeit“: hier und da sowie zur Nahrungsmittelhilfe allgemein u. a. dort.)
Die Direktorin des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen warnt lt. SZ:
" 'Wir erkennen ein neues Gesicht des Hungers, weil mehr Länder und viel mehr Menschen davon betroffen sind', sagt Josette Sheeran. Die Ursache für diese Entwicklung beschreibt Sheeran mit dramatischen Worten. 'Wir erleben gerade den perfekten Sturm, denn mehrere Faktoren verstärkten sich gegenseitig'." Und weiter heißt es in dem Artikel:
Es gibt eine große Nachfrage nach Fleisch in China und Indien, die den Getreidebedarf in der Viehzucht erhöht. Hinzu kommt der hohe Ölpreis, der die Kosten für Dünger und Transport steigen lässt. Und der Ölpreis führt auch dazu, dass immer mehr Getreide für die Produktion von Biokraftstoff genutzt wird. Darüber ist die Welthungerhilfe so besorgt, dass sie fordert: ‚Erst der Teller, dann der Tank’!“
(Das Original der Rede konnte ich nicht finden bzw. nicht mit Sicherheit identifizieren; vielleicht handelt es sich um eine beim Vortrag leicht geänderte Version des "Statement by Josette Sheeran, Executive Director of WFP to the 31st session of IFAD's Governing Council"?)

Die „taz“ berichtet u. d. T. Un spart an Hungerhilfe. Waffen wichtiger als Brot u. a.:
"Es sind traurige, große Augen, die einen auf der Homepage des Welternährungsprogramms (WFP) anschauen. In den Händen halten die abgebildeten Kinder rote Plastiktassen: 'Fill the cup' heißt es dazu. Und: 'Be part of the solution'. Mit nur 25 US-Cent pro Woche könne man seinen Teil zur Lösung beitragen,
Wo immer WFP das Geld hernimmt, das Problem wird nicht kleiner: 900 Millionen Menschen leiden weltweit an Hunger, schätzen die Vereinten Nationen. 25.000 davon sterben täglich an den Folgen. Bis 2015 - so haben es sich die UN im Jahr 2000 vorgenommen - soll die Zahl der Hungernden halbiert werden. Von dem Ziel ist man weit entfernt - nicht bloß, weil die Preise für Nahrungsmittel explodiert sind
."
[25 Cent pro Woche kam mir spanisch vor, und tatsächlich wird hier auf der englischsprachigen Homepage des WFP die geschilderte Werbung eingeblendet, wobei aber von 25 Cent pro Tag = 1,50 Dollar in der Woche die Rede ist. Im übrigen ist der Bericht aber, wenn man auf die Untertöne achtet, bemerkenswert unsentimental.]

Und selbst das Hungern kostet noch Geld! "Hunger und Unterernährung verursachen immense wirtschaftliche Kosten" lesen wir im Blog des (Kinder-) Hilfswerkes JAM Schweiz. Allein die Unterernährung von Kindern hat im Jahr 2004 die Volkswirtschaften von sieben untersuchten (wohl süd- und oder mittelamerikanischen) Staaten 6,7 Milliarden US-Dollar gekostet; das entspricht 6,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) jener sieben Länder!

In der Berliner Umschau („Welternährungsprogramm der UN leidet unter Geldmangel. Gestiegene Lebensmittelpreise gefährden Welternährungsprogramm") erfahren wir, vor welchen Herausforderungen die Welt steht:
Das Welternährungsprogramm der UNO müsse inzwischen gerade auch wegen der teureren Lebensmittel in Gegenden tätig werden, in denen früher keine Hilfe nötig war, erklärte die Direktorin der Hilfsorganisation gegenüber 'Financial Times' [vgl. das Zitat unten]. Bisher beschränkte sich die Hilfe des WFP vor allem auf Krisengebiete oder Länder, in denen schlicht und ergreifend nicht genügend Grundnahrungsmittel vorhanden waren. Mittlerweile könnten aber auch arme Menschen aus Regionen, in denen es eigentlich ausreichend Lebensmittel gibt, ihre Ernährung nicht mehr bezahlen – auch ihnen müsse das WFP nun helfen. Betroffen davon seien beispielsweise Staaten wie Mexiko, Jemen oder Indonesien, sagte Sheeran.
Hier erfahren wir auch mehr über die Mittelaufbringung für diese Hilfsorganisation:
„Finanziert wird das Programm der UN im Gegensatz zu den meisten anderen Organisationen der Vereinten Nationen ausschließlich durch freiwillige Mittel von Staaten, Unternehmen und Privatpersonen. Neben Geldspenden arbeitet das WFP vor allem auch mit Lebensmittelspenden, doch die Beschaffung von Lebensmitteln zur Verteilung ist durch die gestiegenen Preise immer schwieriger geworden. Mit der Aktion 'Fill the Cup' hat das WFP inzwischen eine neue Öffentlichkeits- und Fundraisingkampagne gestartet. Mit dieser Aktion soll vor allem auf die große Zahl hungernder Kinder in aller Welt aufmerksam gemacht werden
.“ Also: freiwillig zwar (was auch sonst?), aber eben auch von Staaten.

Können wir ein solches Elend mit anschauen, eine derartige Schädigung der armen Volkswirtschaften zulassen? Obwohl uns doch die AG für Friedensforschung an der Uni Kassel informiert:
1.100 Milliarden US-Dollar für Rüstung und Militär - 10,5 Milliarden für soziale und humanitäre Programme. Weltweite Kosten für Militär- und Friedenseinsätze - ein Vergleich.“

John Powell, Vizechef des World Food Programme der UN, spricht in einem Interview mit dem Bonner Generalanzeiger vom 06.08.2007 über steigende Nahrungsmittelpreise und zunehmenden Hunger, die Rolle des Booms beim Bio-Kraftstoff und des Klimawandels. In diesem Interview erfahren wir auch etwas darüber, dass die Existenz dieser Hilfsorganisation keineswegs ausschließlich altruistischen Motiven zu verdanken ist:
"GA: Nahrungsmittelhilfe stand lange in dem schlechten Ruf, nur ein Ventil für die Nahrungsmittelüberschüsse der Industriestaaten zu sein. Gilt diese Kritik immer noch?
Powell: Nein. Die Lage hat sich fundamental geändert. Natürlich haben die Ursprünge des WFP mit der Überproduktion der 50er und 60er Jahre zu tun. Da gab es mehr Nahrungsmittel, als die Produzenten am Markt verkaufen konnten - und gleichzeitig gab es unglaublich viele Menschen, die an Unterernährung starben
."
Und Powells Einschätzung der zukünftigen Situation:
"Aber diese Zeiten der Überschüsse sind vorbei. Am Endes dieses Erntejahres werden die weltweiten Nahrungsmittelvorräte auf dem niedrigsten Stand seit 30 Jahren sein. Die Reispreise haben sich verdoppelt in den letzten Jahren, die Preise für Weizenmehl stiegen um mehr als 50 Prozent, und neueste Studien sagen uns, dass das Ende der Preissteigerung noch nicht erreicht ist." [Hervorhebungen von mir]

Der Euro am Sonntag sorgte sich am 24.02.08 darum, dass den mageren (also für die Spekulanten fetten) Jahren wieder fette Jahre für das Nahrungsmittelangebot (für Spekulanten also magere Jahre) kommen werden: "Die stetige Teuerung der Agrarrohstoffe beschert Anlegern nicht nur dicke Gewinne. Sie wird allmählich auch zur Gefahr für die Märkte" (http://www.finanzen.net/eurams/archiv/berichte_detail.asp?pkBerichtNr=156859).
Ich könnte mir vorstellen, dass nicht nur Gefahr für die Finanzmarktteilnehmer droht. Wenn es bei der Knappheit bleibt, wird der Ausdruck "Gefahr für die Märkte" eine weitaus sinistrere Bedeutung bekommen: dann wird (zwangsläufig) die Marktwirtschaft überhaupt in Frage gestellt werden.

Die Weltbank berichtet (ohne Datum; anscheinend vom Februar 2008), dass "High Food Prices - A Harsh New Reality" sind.

Mark Thirlwell, "Food and the spectre of Malthus", Financial Times 26.02.2008, verpackt düstere Szenarien in seine breit angelegte Betrachtung:
"First, the lag in supply response to the stimulus provided by higher prices may prove to be of greater duration than its predecessors, to the extent that the current changes in world energy markets – and hence the associated demand for biofuels – are likely to be lasting ones. With climate change and environmental degradation threatening agricultural capacity in several key regions, the elasticity of past supply responses may prove to be a poor guide to the future." (Hervorhebung von mir; dieser Satzteil ist zu lesen als "In der [jüngeren]Vergangenheit hatten Nahrungsmittelknappheiten immer ein verstärktes Angebot zur Folge; in Zukunft möglicher Weise nicht mehr").
Als ein wesentliches Element der Angebotsverknappung wertet er die energetische Nutzung von Agrarpflanzen:
"Perhaps the most important drivers of price gains over the past year are developments in world energy markets. High oil prices have encouraged a policy focus on biofuels, including lashings of generous financial support. Production has responded quickly to these incentives: the World Bank reports that the US has used 20 per cent of its maize production for biofuels and the European Union 68 per cent of its vegetable oil production. This change in usage has boosted prices, reduced the supply of these crops available for food and encouraged the substitution of other agricultural land from food to biofuel production."

Am 27.02.08 meldete die Nachrichtenagentur Reuters unter der Überschrift "WFP chief to ask US for help on shrinking food aid": "The WFP hopes the United States, the world's largest donor of food aid and also the WFP's largest backer, can help cover at least some of that shortfall. ..... Sheeran, a former Bush administration official who took over last year at the WFP, will make a similar appeal in Brussels following her U.S. visit, the WFP said."

Die "Food and Agriculture Organization" (FAO) der Vereinten Nationen hatten bereits im Dezember 2007 beschrieben, was auf die Welt zukommt:
"FAO calls for urgent steps to protect the poor from soaring food prices. Action needed to improve access to inputs to boost local food production in most affected countries."

Umfangreiche Informationen und statistische Daten enthält die aktuelle FAO-Ausarbeitung "Growing demand on agriculture and rising prices of commodities. An opportunity for smallholders in low-income, agricultural-based countries? Paper prepared for the Round Table organized during the Thirty-first session of IFAD's Governing Council, 14 February 2008".

Die FAO unterhält auch eine Sammelseite zur "World Food Situation" mit Links zu zahlreichen Informationen.

Hier die deutschsprachige Webseite des Welternährungsprogramms.

Im übrigen habe ich, auch in der Hoffnung, auf diese Weise eher Gehör zu finden, in verschiedenen Foren einen Text eingestellt (und dann auch hier und da eingegriffen), der genau konträr zu meiner wirklichen Meinung steht. Es war interessant zu verfolgen, wie unterschiedlich die Reaktionen waren; einige haben meine Camouflage sogar enttarnt; allerdings hatte ich in meinen Texte durchaus entsprechende "Fährten" eingebaut.
Nachfolgend die Links zu meinen -4- Postings:

Politik.de (http://www.politik.de/forum/showthread.php?p=7675012)

Politikforen.net (http://www.politikforen.net/showthread.php?p=1988046#post1988046)

Attac (http://www.attac.de/forum/viewtopic.php?p=69515#69515) und

"Die Zeit" (http://kommentare.zeit.de/user/cangrande/beitrag/2008/02/29/hunger-der-welt-da-muessen-wir-doch-helfen).


Nachtrag 13.04.2008: Die politischen Räuberbanden formieren sich
Die Financial Times Deutschland berichtet am 10.04.08 unter der Überschrift "Lebensmittelpreise gefährden Kampf gegen Armut" über Forderungen (aus "unseren" Reihen!) nach höheren Zahlungen für humanitäre Hilfe und Entwicklungshilfe, hier vom britischen Premierminister Gordon Brown:
"Weil ein Teil des Preisauftriebs aus die höheren Produktion von Biosprit zurückgehen, sieht Brown die Industriestaaten in der Pflicht. Als Ausgleich müssten die ärmeren Länder von den reichen Staaten mehr Unterstützung erhalten, fordert der britische Regierungschef. Zugleich sollten humanitäre Hilfsprogramme ausgeweitet werden."
Da werden wohl auch unsere finanziellen Schaufelbagger in Berlin nicht hintenanstehen wollen und mit jenem Geld, das sie uns zuletzt durch eine drastische Mehrwertsteuererhöhung aus der Tasche gezogen haben, generös um sich werfen.
Die "Biosprit-Begründung" für steigende Hilfen ist übrigens typisch für das verkürzte Denken (nicht nur:) der Politiker. Denn ebenso könnte man derartige Forderungen mit unserem hohen Rohölverbrauch begründen.
Zahlen werden wir; wahrscheinlich über die EU: da kann man das besser vor den Steuerzahlern verstecken.
"[Der Chef der] Entwicklungs-Kommission, John Clancy, deutete an, dass die EU die Löcher noch zusätzlich stopfen könnte. "Falls sich die Lage im Laufe des Jahres verschlimmert, würden wir weiteres Geld aus Fonds für Katastrophenhilfe locker machen", sagte Clancy der FTD. Die Begründung: "Das ist zwar kein Tsunami oder Erdbeben, aber die Inflation führt zu ähnlichen menschlichen Notlagen. Wir müssen deshalb aufpassen, dass keine finanzielle Dürre hereinbricht"
hieß es schon in dem FTD-Artikel "Hilfsorganisation ächzt unter Preisanstieg" vom 11.03.08.

Helfen wird unsere Hilfe letztlich nicht, nur schaden. Wie ich das bereits in meiner Parabel von Graf Gustav dem Guten und Baron Bodo dem Bösen ("Der Deutsche Wald: jenseits von Gut und Böse?", Webseite "Drusenreich eins" beschrieben hatte, werden kurzfristige Hilfen längerfristig nur die Zahl der Hungertoten steigern.
Abweichend von meiner Geschichte wird aber jetzt im realen Leben von uns sogar verlangt, unsere eigenen Nahrungsmittelkonkurrenten durchzufüttern. Denn eines Tages wird auf Grund der Rohölverknappung der Hunger auch bei uns ankommen. Und schon jetzt würden verstärkte Hilfe angesichts knapper Vorräte lediglich die Preise weiter steigen lassen, also eine unendliche Spirale auslösen, die auch uns massiv schädigen würde. Wie hieß doch gleich noch ein Spruch aus jenen alten 68er Tagen?
"Nur die allerdümmsten Kälber mästen ihre Metzger selber".
Se non è vero, passt er jedenfalls in dieser Form auf Forderungen nach verstärkter humanitärer Hilfe.
Das Problem der Nahrungsmittelknappheit ist längerfristig nicht lösbar. Nicht in der Dritten Welt, und nach meiner Einschätzung nicht einmal bei uns.

Weitere Artikel zum Thema u. a.:
"http://www.welt.de/welt_print/article1894226/Der_Hunger-Schock.html", Welt online vom 12.04.08. Die New York Times hatte am 09.03.2008 den treffendsten Titel (auch wenn dieses Faktum im Bericht selbst allenfalls abgeschwächt in Erscheinung tritt): "A Global Need for Grain That Farms Can’t Fill " .
Über unsere geplanten Ausgabensteigerungen für Entwicklungshilfe [die, das sei nur am Rande bemerkt, natürlich nicht die einzige und nicht einmal die kostspieligste Verschwendung unserer Steugergelder ist] erfährt man etwas in der Reuters-Meldung "[Entwicklungshilfe-Ministerin] Wieczorek-Zeul wehrt sich im Etatstreit gegen Steinbrück". Danach hat "Deutschland sich international verpflichtet ..., seinen Anteil von Entwicklungshilfemitteln am Bruttoinlandsprodukt, die sogenannte ODA-Quote, bis 2010 auf 0,51 Prozent und bis 2015 auf 0,7 Prozent von derzeit 0,37 Prozent zu erhöhen."
Gibt es (außer inakzeptablen Rechtsradikalen und -vielleicht- den ebenso inakzeptablen Populisten der "Linken") irgend eine Partei oder Bewegung, die gegen solchen Wahnsinn aufsteht?
Oder die überhaupt begreift, dass und weshalb eine Steigerung der Entwicklungshilfe im Zeitalter der Ressourcenverknappung eine DEMENZ IN POTENZ darstellt?
Dieses Ministerium sollte schnellstens abgeschafft (und als Abteilung des Außenwärtigen Amtes weitergeführt) werden.


Nachtrag v. 26.04.08:
Die Neue Züricher (falsch: "Zürcher" heißt die!) Zeitung beschäftigt sich heute in einem informativen Aufmacher mit den Verhältnissen in Afrika: "Demokratie – des Hungers grösste Feindin". U. a. heißt es darin:
"Solcherlei Aktionismus ist mit Blindheit geschlagen. In paternalistischer Manier macht er sich anheischig, Entwicklungsländer aus ihrer Verantwortung für die eigene Lebensmittelsicherheit zu entlassen. Vor allem aber ignoriert er die politischen Barrieren, die insbesondere afrikanische Länder gegen Fortschritte auf ihren Wachstums- und Entwicklungspfaden errichtet haben." (Es geht hier um die Frage, ob Biotreibstoffe für die Hungerkrise verantwortlich sind. Die NZZ bezweifelt das; gegenwärtig mögen Zweifler Recht haben; zukünftig könnte es allerdings anders aussehen. Die von mir hervorgehobenen Zeilen lassen sich allerdings auch auf die Lebensmittelhilfe übertragen. Das der Autor einer solchen Hilfe kritisch gegenübersteht (ebenso wie ich, wenn auch vielleicht nicht ganz aus den gleichen Gründen), schließe ich auch aus dem Schlussabsatz:
"Afrikas Selbstverantwortung":
"Der Schlüssel für Afrikas Ernährungssicherheit und Prosperität liegt nicht bei tieferen Weltmarktpreisen für Reis und Weizen oder bei vermehrten Brosamen vom Tisch der Industrieländer in Form aufgestockter Entwicklungshilfe, sondern bei den Afrikanern selber. Sie müssen ihre Regierungen vermehrt zur Verantwortung ziehen. Wie der indische Wirtschaftswissenschafter und Nobelpreisträger Amartya Sen gezeigt hat, besteht zwischen der Gefährdung eines Landes durch Hunger und dem Engagement der Bevölkerung, ihre demokratischen Rechte einzufordern, ein enger Zusammenhang. Freie Wahlen, eine unzensierte unabhängige Presse und öffentliche Kritik an der Regierung halten diese auf Trab. Die Regierenden sehen sich gezwungen, bürgernah und effizient zu handeln. Die Behauptung Sens, in echten Demokratien gebe es keine Hungersnöte, ist nicht aus der Luft gegriffen." (Hervorhebung auch hier von mir)

Nachtrag 21.05.08
Ein umfangreiches Dossier der "Zeit" zum Thema Nahrungskrise findet sich hier.


Nachtrag 01.06.08
Und schon fließt das Geld. In großen Mengen fließt es da ab, wo kein Wähler was mitbekommt: bei der Weltbank. 1,2 Mrd. Dollar (ca. 780 Mio. Euro) macht die gegen den Hunger locker. Teils zwar als Kredit (wobei ich Zweifel habe, dass alle diese Kredite zurück gezahlten werden, bzw. das der Begriff "Kredit" überhaut in allen Fällen ernst gemeint ist), teils aber auch als direkte humanitäre Hilfe, nämlich für Liberia, Haiti, Dschibuti sowie für Togo, den Jemen und Tadschikistan. (s. a. hier und in zahlreichen anderen Berichten)
Damit nicht genug, fordert Weltbank-Präsident Robert Zoellick zusätzliche Finanzmittel für humanitäre Hilfe des Welternährungsprogramms (WFP). Außerdem sollen für Kleinbauern in Afrika schnellstens Saat und Düngemittel zur Steigerung ihrer Produktion bereitgestellt werden.
Das alles kostet nicht nur einfach Geld (weil es ja nicht umsonst zu haben ist): das kostet doppelt! Denn die Düngemittelpreise sind schon gestiegen, und wenn wir jetzt zusätzlich Dünger kaufen, um ihn zu verschenken (oder technisch anders: Geld geben, damit andere zusätzlich Dünger kaufen), steigert das die Nachfrage am Markt und damit die Preise.
Wir angeblich ja ach so reichen Steuerzahler in den industrialisierten Nationen werden also doppelt geschröpft: unser Geld fließt ab (über möglichst weit entfernte Hähne, aber auch das Geld der Weltbank ist kein Spielgeld, sondern irgendwo hart erarbeitet worden) und damit finanzieren wir die Inflation von Gütern, die wir selbst brauchen: Nahrungsmittel, Dünger und letztendlich irgendwo immer auch das Erdöl, das hinter jeder modernen Agrarwirtschaft steht.


Nachtrag 03.06.2008: IT'S ONLY MONEY!
Es sind ja nur 30 Milliarden, welche dieser Hilfs-Funktionär uns abluchsen möchte:
" 'Nur 30 Milliarden Dollar' pro Jahr wären notwendig, um Hunger und Unterernährung auszurotten, sagte Jacques Diouf, Generaldirektor der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO)."
Dieses Zitat habe ich allerdings insofern aus dem Zusammenhang gerissen, als ich die von Diouf gegebene Erläuterung für sein "nur" weggelassen habe: er hat nämlich die 30 Milliarden zu jenen 1.200 Milliarden Dollar in Beziehung gesetzt, welche jährlich weltweit für die Rüstung ausgegeben werden.
Dennoch bereiten mir Sätze wie die seinen nicht nur Unbehagen, sondern hängen mir mitlerweile zum Hals heraus. Denn zweifellos geben selbst jene Länder, deren Bürger Hunger leiden, mehr als 30 Milliarden für die Rüstung aus. Sollen sie doch ihre Soldaten heimschicken (Nordkorea zuerst - hahaha) und stattdessen ihre Bürger füttern. Wenn ihnen freilich ihre Rüstung wichtiger ist: warum sollen dann wir uns für deren Staatsinsassen verantwortlich fühlen?
Denn solche Sprüche laufen ja doch am Ende nie auf Abrüstung bzw. Umschichtung von Rüstungsausgaben auf Hungerhilfe hinaus, sondern auf zusätzliche Belastungen für uns: "Wir" (der Westen bzw. die industrialisierten Länder) sind ja sowas von reich, da "müssen" wir doch einfach unser Geld gen Süden senden.
Das mag jeder mit seinem eigenen Geld machen, aber nicht mit demjenigen Geld, welches unser Staat uns zwangsweise abnimmt mit dem Versprechen, daraus für uns Leistungen zu erbringen.
Weniger offenkundig ist ein rechnerischer Fehler in Dioufs Forderung. Wenn wir nämlich für 30 Mrd. Dollar mehr Lebensmittel einkaufen, treiben wir die Preise hoch. Und erneut reicht das Geld nicht mehr, und wieder muss mehr her.

Immerhin gibt es auch einige Lichtblicke bzw. Durchblicker in der deutschen Politik. Wie ich dem "Zeit"-Gespräch "Zu wenig für die Hungernden" vom 03.06.2008 mit der Oxfam-Agrarexpertin Marita Wiggerthale entnehme, hat Landwirtschaftsminister Horst Seehofer "dem Vorschlag der EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel, die nicht benutzten Subventionsgelder für die europäische Landwirtschaft für die Vergabe von Mikrokrediten in den Entwicklungsländern einzusetzen, eine Absage erteilt." So beiläufig erfährt man, dass die Eurokraten sich (wieder einmal?) als Kleptokraten betätigen wollten indem sie uns ganz beiläufig - merkt ja niemand, weil das Geld ja sowieso an die EU abgedrückt wird - bestehlen, um sich auf dem Weltparkett als Wohltäter zu empfehlen. Aber erfreulicher Weise ist unser Seehofer kein Seedoofer.

Weiteres zum Auftakt des Welthungergipfels am heutigen Dienstag in Rom bringt auch der Artikel "Droht uns eine globale Katastrophe?" in der Zeit Online, natürlich mit dem obligaten Bild eines geldbörsenbrechenden Leidenskindleins versehen. Eine globale Katastrophe wird nach meiner Einschätzung so oder so kommen, weil die Nahrungsmittelproduktion rapide sinken muss, wenn das Erdöl noch knapper wird. Und das dürfte nicht mehr lange dauern. Und dann auch uns erwischen.
Anstatt zum Palaver nach Rom zu jetten,
Um eine verlorene Welt retten,

sollten wir uns lieber um unsere eigene -nicht ferne sondern vermutlich sehr nahe- Zukunftsbedrohung Gedanken machen.


Textstand vom 03.06.2008. Auf meiner Webseite
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Freitag, 22. Februar 2008

Der Warnstreik und die Heimatvertriebenen

Ungewarnt erwischte er mich, der Warnstreik (eigene Schuld, da ich keine Nachrichten gehört oder gesehen hatte).
Heute, Freitag 22.02.08, wälzte sich gegen 6.30 h der übliche Strom der Pendler vom Bahnsteig am Südbahnhof 3 Stockwerke tiefer zur U-Bahn-Ebene. Dort angekommen, stoppten sie plötzlich, blickten auf eine Anzeigetafel und marschierten dann die Treppe wieder hinauf. Wenigstens für Information war gesorgt: an den Anzeigetafeln, die sonst die Abfahrtszeiten verkündeten, las man: Warnstreik der Mitarbeiter der Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main (VGF) streiken bis 7.30 h. Eine Stunde warten?
Zum Glück gab es für mich eine Alternative: die S-Bahn. Mit der S6 Richtung Friedberg bis zum Bahnhof Eschersheim; von dort zu meiner Arbeitsstätte im Mertonviertel ist es ca. 1/2 Std. zu laufen.

Heute morgen war das recht angenehm. Meine Tasche war leichter als sonst; die Temperatur - vielleicht 8 - 10 Grad - fühlte sich nach den vielen kalten Morgenstunden der letzten Tage angenehm an. Windig war es auch nicht; ein laues Lüftchen streichelte das Gesicht. Ein kleines Abenteuer, Abwechslung vom Alltag (und den Streikenden war ich schon deshalb nicht böse, weil sie im Rahmen der laufenden Tarifverhandlungen im Öffentlichen Dienst letztlich irgendwo auch für mich die Kohlen aus dem Feuer holen - oder den öffentlichen Arbeitgebern Feuer unter dem Allerwertesten machen, was diese sich mit ihrem provokativen Angebot einer quasi Null-Runde (5% mehr in 2 Jahren, dafür Arbeitszeit auf 40 Wochenstunden erhöhen) redlich verdient haben.

Wie kam ich von dieser frisch-fröhlichen Morgenstimmung zu den Vertriebenen?
Über einen Bollerwagen.
Diesen Handwagen (oder wie immer Nicht-Westfalen diese Transportgeräte bezeichnen) hatte ich, mit alten Koffern beladen, im Museum in Seligenstadt gesehen. Dort fand am vorigen Wochenende in der altehrwürdigen Benediktinerabtei ein Ostereiermarkt statt, direkt im "Landschaftsmuseum Seligenstadt".
"Im angrenzenden Kreismuseum der Heimatvertriebenen wird über die Zeit nach 1945 informiert. Hier erinnern verschiedene Exponate an die Herkunft und Kultur der aus Osteuropa vertriebenen deutschen Bevölkerung."
Während meine Frau die kunstvoll bemalten oder auf andere Weise in kleine Kunstwerke verwandelten Ostereier besichtigte, galt meine eigene Aufmerksamkeit mehr den Ausstellungsstücken des Museums.
Darunter eben auch jenem Bollerwagen, welcher mich wohl heute morgen daran erinnerte, dass Fußmärsche nicht immer und für alle ein Genuss waren. Nicht nur für die "Teilnehmer" am "Brünner Todesmarsch" waren sie eine Qual; ebenso oder wohl eher noch mehr auch die Todesmärsche der KZ-Häftlinge. Doch kam mir, vielleicht lediglich des einprägsamen Namens wegen, gerade der Marsch der Deutschen Bevölkerung aus Brünn in Richtung Österreich namentlich in den Sinn. 55 Kilometer: da hört der Spaß selbst dann auf, wenn man sich gut versorgt und ausgerüstet auf den Weg macht.


Textstand vom 22.02.2008. Auf meiner Webseite
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Mittwoch, 20. Februar 2008

FUERSTENTUM LIECHTENSTEIN oder EIN PARASITENSTAAT WIRD FRECH

Auf meiner Webseite "Rentenreich" hatte ich schon vor einigen Jahren auch die Steuerhinterziehung angesprochen und gefordert, Steueroasen mit dem Begriff "Parasitenstaaten" zu brandmarken.
Hier die entsprechenden Passagen in Auszügen:
"... Teilen ist sicher das Letzte, was ein Kapitaleigner will: um das zu vermeiden, flüchten ja schließlich viele ihr Kapital und/oder sich selbst steuersparend in die Parasitenstaaten." (Dieser Satz steht dort im Zusammenhang mit meiner Forderung nach einer Kompensation für "Humankapitalsparer", also Eltern.)
"Am wenigsten Realkapital brauchen die Parasitenstaaten und –territorien. Die können sich auf die Verwaltung des Kapitals beschränken, welches aus den Wirtsstaaten durch ihre Tresore hindurch und wieder in die Arbeitsstaaten zurück fließt." (Zur Frage "Wie misst man überhaupt den weltweiten Kapitalbedarf?" und im Zusammenhang mit meinen Zweifeln an einer investitionsfördernden Wirkung des Zwangssparens im Kapitaldeckungsverfahren für die Rentensicherung.)
Dazu Fußnoten (derzeit Nr. 133 + 134)
"Damit [also mit dem Begriff "Parasitenstaaten"] meine ich ..... jene Staaten und Territorien, welche von den Steuerflüchtlingen und Kriminalitätsgewinnen aus anderen Staaten leben, also z. B. Liechtenstein, die Schweiz, die Kanalinseln und eben alle sog. 'Steueroasen'. Den Begriff 'Parasitenstaaten' verwende ich mit Bedacht. Wenn wir die Dinge bei ihrem (hässlichen) Namen nennen, können wir sie vielleicht eher ändern. 'Ich habe dich bei deinem Namen gerufen – und dein Geld ist wieder mein', könnte man einen schon älteren Text paraphrasieren."

"Übrigens gibt es eine Webseite, die sich speziell mit (internationaler) Steuer(un)gerechtigkeit beschäftigt: http://www.taxjustice.net/e/about/index.php"

Ähnlich in Fußnote (derzeit, das kann sich ändern, da ich gelegentlich immer noch an diesem Text arbeite) Nr. 199:
"Immerhin gibt es innerhalb Europas ja bereits Ansätze, die Kapitalbesteuerung zu harmonisieren. Vielleicht darf man doch Hoffnung haben, dass der Druck der öffentlichen Meinung in den geschädigten Ländern sich in einen noch stärkeren Druck der Politik auf die Parasitenstaaten umsetzt. Hilfreich wären dazu auch eine entsprechende Terminologie (Parasitenstaaten bzw. –territorien statt des euphemistischen Begriffs 'Steueroasen') sowie die gesellschaftliche Ächtung negativer Vorbilder. Wer sich der deutschen Steuer entzieht, muss auch keine Gelder dafür kassieren, dass er in Deutschland z. B. als Sympathieträger wirbt [das war nicht nur auf den Steuer'sparer' Boris Becker gemünzt, sondern auch auf legale Steuervermeider, die ihren Wohnsitz in die Schweiz oder andere Steueroasen verlegen, wie z. B. Michael Schumacher]. Wenn nur der Sachverhalt allen hinreichend bewusst und ärgerlich wäre, ließe sich mit solchen Leuten keine Umsatzmark mehr machen."


Nun aber zum Titel: die FAZ meldete am 19.02.08: "Liechtenstein klagt über den 'Angriff eines Großstaats' ", dass dieses parasitäre Zwergenreich -nach dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung"- seine asozialen Eigeninteressen durch Kritik an den deutschen Steuerfahndern zu verteigen versucht:
"Die Regierung des Fürstentums Liechtenstein hat mit Empörung auf das Vorgehen deutscher Behörden gegen mutmaßliche Steuersünder reagiert. Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein sprach in Vaduz von einem 'vollkommen überrissenen Angriff' gegen das Fürstentum. 'Es ist sicher eine Krise, wenn man von einem Großstaat angegriffen wird.' Es handle sich um eine 'deutschen Kampagne'. 'Bei uns können fiskalische Interessen nicht über rechtsstaatliche Prinzipien gestellt werden', sagte der Erbprinz. Die Justizbehörden hätten ein Ermittlungsverfahren wegen Verletzung von Betriebsgeheimnissen zugunsten des Auslands eingeleitet. Er bezog sich dabei auf den Ankauf einer gestohlenen DVD aus dem Besitz der fürstlichen Finanzgruppe LGT mit Daten von mehreren hundert Privatstiftungen durch den BND."

Was die heroische Rechtsstaatspos(s)e des fürstlichen Prinzipien-Reiters angeht, hat es dieses fürstentümliche Relikt einstiger mitteleuropäischer Kleinstaaterei auch gar nicht nötig, fiskalische Interessen über rechtsstaatliche Prinzipien zu stellen. Denn schließlich füttert es seinen Fiskus (und natürlich in erster Linie seine Bürger) durch eine recht stattliche Prinzipienlosigkeit zu Lasten von Steuerzahlern in aller Welt und zu Gunsten von Steuerkriminellen und sonstigen Verbrechern.
Weiter heißt es in der FAZ-Meldung:
"Der Erbprinz sagte, Liechtenstein wolle und könne aber kein überreguliertes Kontrollwesen aufbauen. Die Rechtshilfe funktioniere. Deutschlands Steuersystem sei nach einer internationalen Studie das schlechteste der ganzen Welt. 'Deutschland sollte seine Steuergelder besser dafür einsetzen, sein Steuersystem in den Griff zu bekommen, als Millionenbeträge für Daten auszugeben, deren rechtliche Verwertbarkeit zweifelhaft ist ... ."
Mit seiner Kritik am deutschen Steuerwesen mag er nicht ganz Unrecht haben, aber eigenen Parasitismus hinter der Abneigung gegen ein "überreguliertes Kontrollwesen" zu verschanzen, ist schon dreist.

Einem Text der ARD-Tagesschau entnehme ich eine weitere forsche Bemerkung des Fürstensohnes: "Offensichtlich hat die deutsche Regierung immer noch nicht verstanden, wie man mit befreundeten Staaten umgeht, die eine direkte Demokratie kennen."
Dort erfährt man freilich auch, wie die OECD die 'Unternehmensphilosophie' des Zwergstaates einschätzt:
"Massive Kritik an Liechtenstein kommt dagegen von der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Das Fürstentum trägt nach ihrer Einschätzung eine Mitverantwortung für die deutsche Steueraffäre. Das Land versuche, von Steuerhinterziehungen von Ausländern zu profitieren. Liechtenstein gehöre neben Andorra und Monaco zu den letzten Steuerparadiesen, die die Zusammenarbeit mit der OECD und ihren Partnern zur Verbesserung der Transparenz ablehnten. 'So lange Finanzzentren die Zusammenarbeit beim Austausch von Steuerinformationen verweigern und internationale Transparenz-Standards nicht erfüllen, so lange werden Ausländer in Versuchung geführt, ihren Steuerpflichten zu entgehen', erklärte OECD-Generalsekretär Angel Gurría. Ein 'exzessives Bankgeheimnis' sei ein Relikt aus vergangenen Zeiten und dürfe in den Beziehungen demokratischer Gesellschaften keine Rolle mehr spielen." [Hervorhebung von mir]

Noch ein weiterer Bericht in der FAZ, gleichfalls vom 19.02.08, ist der Reaktion des Staates Liechtenstein gewidmet: "Das Fürstenhaus schlägt zurück":
"Zwischen Deutschland und Liechtenstein ist angesichts der Steuerrazzien ein diplomatischer Kleinkrieg entbrannt. Das Fürstentum kritisierte die Bundesrepublik wegen des Kaufs gestohlener Bankdaten ungewöhnlich scharf und drohte mit juristischen Schritten. Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein sprach von einem 'Angriff' gegen sein Land ..."
und weiter unten im Text:
"Die Jagd nach Steuersündern, die über Stiftungen in Liechtenstein Steuern hinterzögen, zeige eine neue Qualität in der Steuereintreibung von Deutschland, kritisierte der Erbprinz. Der Bundesregierung warf das liechtensteinische Staatsoberhaupt vor, offenbar bewusst eine überzogene Medienkampagne gegen sein Land gestartet zu haben."
[Hervorhebungen jeweils von mir]
Hier der Link zur Themenseite der FAZ.

Die USA sind zwar weit weg von Liechtenstein, lassen sich aber von dieser Geldwäschergesellschaft nicht auf der Nase herumtanzen.
Zitat aus dem Artikel "Merkel listet Liechtensteins Sünden auf" in der FAZ vom 20.02.08:
"In Erklärungsnot geriet der ehemalige Realschullehrer [d. h. der liechtensteinische Regierungschef Otmar Hasler] aber, als Merkel auf die enge Zusammenarbeit der Liechtensteiner mit den Vereinigten Staaten zu sprechen kam: Die LGT und alle anderen Vaduzer Institute haben sich den harten Regeln der amerikanische Steuerbehörden unterworfen. Sie sagten zu, Dividenden- und Zinseinnahmen von amerikanische Bürgern, die anonym ihr Geld anlegen, den amerikanischen Behörden zu melden. 'Was in den Vereinigten Staaten möglich ist, sollte auch mit der EU möglich sein', sagte Merkel."


Dass freilich das amerikanische System mit seinen Steuersündern (oder wenigstens mit den ganz großen davon) recht milde umgeht, kann man in diversen Büchern und Artikeln des New York Times-Reporters David Cay Johnston nachlesen.
(Hier ein Interview über sein Buch "Perfectly Legal. The Covert Campaign To Rig Our Tax System to Benefit The Super Rich–And Cheat Everybody Else" und in einer Rezension u. d. T. "You Can't Take It With You" des Buches "THE MYTH OF OWNERSHIP
Taxes and Justice.
"
von Liam Murphy and Thomas Nagel [vgl. dazu auch meinen Blott "From bat philosophy to good taxes oder mein Klick-Weg von den Fledermäusen zur Steuergerechtigkeit"] gibt er konkrete Beispiele für die Vorzugsbehandlung, die (sicherlich nicht nur) die US-amerikanischen Steuerbehörden ihren Superreichen angedeihen lassen:
"Is it moral to prosecute and imprison an illiterate former cotton picker over less than $100,000 in taxes unpaid over the years while looking the other way when two billionaires go 30 years without filing tax returns, as the I.R.S. and Justice Department have done within the last five years? Is it is fair to audit the working poor far more intensely than everyone else?"

Ach ja, wie war das doch gleich noch mit Ihrem "Rechtsstaatsprinzip", Herr Erb-Prinz?


Nachtrag 21.02.08
Der prinzliche Vorwurf des "Angriffs eines Großstaates" zielt natürlich darauf ab, Underdog-Sympathien zu erzeugen. Wie tritt man einer solchen Strategie entgegen? Nicht indem man den Größenunterschied zwischen Deutschland und Liechtenstein leugnet oder herunterspielt. Sondern indem man ihn ins rechte Licht rückt. Die Großen sind nicht immer die Starken und können sogar von ganz, ganz Kleinen kaputt gemacht werden. Steuerhinterziehung ist eine soziale Krankheit, wenn Deutschland dagegen kämpft, dann tritt nicht ein großer gegen einen kleinen Staat an, sondern ein Staat gegen einen Bazillenstaat. Den Virus Vaduziensis gilt es zu bekömpfen: Liechtenstein ist ein kleiner, aber gefährlicher Virenstaat. Und das gilt natürlich entsprechend für die anderen Steueroasen: Luxemburg, Monaco, Andorra, die Kanalinseln, die Isle of Man usw. ebenso.

Im übrigen können Begriffe weitgehend willkürlich durch ausdrückliche oder stillschweigende Übereinkunft bestimmt werden. Wichtig ist lediglich, dass die Gesprächsteilnehmer wissen, worum es geht.
Wir können also das Fürstentum Liechtenstein (FL) auch ganz anders nennen.
Fürstentum Liechtenschwein, zum Beispiel. Briefe "an den Fürsten von Liechtenschwein" würden diesen zwar wohl nicht erreichen, aber bei der Kommunikation unter uns würde jeder wissen, welches Land mit diesem Neologismus gemeint ist. Einen Beleg für diesen Sprachgebrauch finden wir sogar schon im Weltnetz. (Die Google-Suche generiert zwar derzeit drei Treffer für "Liechtenschwein", davon aber zwei auf nicht-deutschsprachigen Webseiten, die wohl mit dem Staat "Liechtenstein" nichts zu tun haben.)

Nachtrag 23.02.08
Die "Nachdenkseiten" gewinnen dem Steuerhinterziehungsskandal um das Fürstentum Liechtenstein noch eine ganz andere Dimension ab.
Unter dem Titel "Warum bekommt Seine Durchlaucht Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein das Fracksausen? Wegen der Beihilfe bei der Hinterziehung von Steuern auf Zinseinkünfte? Wohl kaum" greift dort der Netzmeister Albrecht Müller die E-Mail-Zuschrift eines Blog-Lesers auf, der darauf hinweist, dass es sich bei den Geldtransfers nach Liechtenstein wahrscheinlich nicht nur um Steuerhinterziehung geht, sondern in zahlreichen Fällen um die Verschleierung illegaler Einkommensquellen, insbesondere um Korruption ("Kickbacks"). Müller befürchtet, sicher nicht zu Unrecht, dass die Ermittlungen sich auf die Steuerhinterziehungen beschränken werden, also lediglich gewissermaßen den Vordergrund des kriminellen Raumes ausleuchten. Dennoch wertet er die offenkundige Nervosität des Erbprinzen als Anzeichen für dessen vermutete Befürchtungen, dass auch die Herkunft von nach Liechtenstein geschleusten Geldern aus kriminellen Geschäften publik werden könnte.
(Allerdings teile ich nicht Müllers aus dem Artikel deutlich werdende Meinung, dass Privatisierungstendenzen und Sozialabbau weitgehend der Korruptheit deutscher Politiker zugeschrieben werden können oder müssen. Da sind weltweite Tendenzen am Werk, die über primitive Mechanismen des "Schmierens" von Politikern hinausgehen und deren Verständnis man sich verbaut, wenn man die Hintergründe auf einer derart vordergründigen "Bühnen-"Ebene ansiedelt.)


Nachtrag 09.05.08:
Der Begriff "Parasitenstaat" für Steueroasen wird in der Internet-Diskussion durchaus schon verwendet. Beipsiele:
Gigaherz-Forum (ein Schweizer Forum!); Forum der Stuttgarter Zeitung oder bei politik.de.

Nachtrag 16.09.08:
Der Parasitenstaat wird ja immer frecher: da hat doch diese Figur von Fürst, dieser alte Adam, Deutschland als Viertes Reich bezeichnet! Dabei ist das vierte Reich doch Liechtenstein: das Reich der Reichen, ein Himmelreich sogar - für die Skrupellosen.


Nachtrag 28.10.08:
Anscheinend legt unsere Regierung (aus eigenem Antrieb oder auf Drängen der Franzosen?) jetzt langsam eine härtere Gangart vor: "Kampf den Steuerparadiesen. Deutschland und Frankreich wollen die Finanzkrise nutzen, um Steueroasen auszutrocknen." berichtet die ZEIT ONLINE am 21.10.08 unter Berufung auf die Nachrichtenagenturen dpa und Reuters.


Nachtrag 08.01.2009
Im Zusammenhang mit meiner Beschäftigung mit den "Kippern und Wippern" (Münzfälscher) aus der Zeit des 30jährigen Krieges (im Vergleich mit der gleichfalls wundersamen Geldvermehrung) stieß ich auf das Kapitel "Böhmisches Münzkonsortium" in dem Wikipedia-Eintrag über Wallenstein. Dort erfahren wir über das Wirken eines Liechtensteiners als Akteur der Finanzwirtschaft vor 400 Jahren (meine Hervorhebung):
"Neben de Witte [gehörten zum Böhmischen Finanzkonsortium u. a.] ... der Finanzexperte Jacob Bassevi, als Initiator Fürst Liechtenstein, der Sekretär der böhmischen Kammer Paul Michna von Vacínov und eben Wallenstein. Dem Konsortium wurde für die Dauer von einem Jahr gegen die Zahlung von 6 Millionen Gulden das Münzprägerecht in Böhmen, Mähren und Niederösterreich verpachtet, beginnend mit dem 1. Februar 1622."
Die Tätigkeit der 15 Konsorten bestand im Münzfälschen.
Im Hinblick darauf, dass die heutige Tätigkeit des Fürstenhauses Liechtenstein in der Patronage einer großen Organisation (letztlich ein ganzer -kleiner- Staat) besteht, deren Existenz auf die Verwaltung von Geldzuflüssen von Kriminellen und Steuerhinterziehern beruht, könnte man sagen, dass die Liechtensteiner ihrem Erfolgsrezept einer parasitären Partizipation an den Erträgen der Realwirtschaft treu geblieben sind (bzw. es wieder entdeckt haben).
(Mehr über den Gewinn des Karl von Liechtenstein erfahren wir von Haria Harrer, in deren Besprechung aus dem Jahr 1999 der Habilitationsschrift von Thomas Winkelbauer über einen Adeligen Gundaker von Liechtenstein: "Das wahre Ausmaß der Machenschaften Karls von Liechtenstein, der sich als Teilhaber am Münzkonsortium ab 1622 im großen Stil bereicherte, wird allerdings in Winkelbauers Darstellung nicht deutlich - tatsächlich dürfte sich Karls Inflationsgewinn insbesondere zum Schaden des Fiskus in der Größenordnung von 10 Millionen Gulden bewegt haben, wofür er und seine Erben trotz langer Prozesse nie einen adäquaten Ersatz leisten mußten." (Als Belegstelle nennt sie: "Paul W. Roth, Die Kipper- und Wipper-Zeit in den Habsburgischen Ländern, 1620 bis 1623, in: Eckart Schremmer (Hg.), Geld und Währung vom 16. Jahrhundert bis zu Gegenwart, Stuttgart 1993, 85-103, hier v. a. 102").


Nachtrag 11.02.09
Will die Weltgemeinschaft den Filzlaus-Oasen wirklich auf den Pelz rücken? Im Handelsblatt-Bericht "Finanzkrise. Industriestaaten wollen Finanzmärkte bändigen" von Sven Afhüppe und Donata Riedel vom 11.02.2009 erfahren wir beiläufig auch:
"Einigkeit gibt es im G20-Kreis auch über einen schärferen Umgang mit Ländern, die eine Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von Steuerhinterziehung ablehnen. Solche "nicht-kooperativen" Finanzplätze sollen nach den Vorstellungen der G20 künftig mit kollektiven Sanktionen zum Informationsaustausch gezwungen werden."

Und gleich zwei Artikel (vom 9.2.09) befassen sich mit der Entscheidung der Einwohner des Kantons Zürick, die Niedrigsteuer für Ausländer abzuschaffen:
"Abschaffung von Steuerprivilegien. Kanton Zürich stimmt gegen Pauschalsteuer" und
"Volksabstimmung mit Signalwirkung. Zürich schafft Pauschalsteuer für reiche Ausländer ab".
Es scheint so, als ob das Handelsblatt die Nachricht für einige seiner Abonnenten für sehr wichtig hält. Auf jeden Fall ist zu hoffen, dass es weitere potentielle Steuerdeserteure von der Fahnenflucht in die Schweizer fiskalische Alpenfestung abhält. Es müssen freilich weltweit noch eine ganze Reihe weiterer Parasitennester ausgehoben werden.


Nachtrag 22.03.2009
Liechtenstein und eine Reihe anderer Parasitenstaaten hat sich in letzter Zeit bewegt und will enger mit den Steuerbehörden der 'Wirtsländer' zusammenarbeiten. Die öffentliche Meinung in der Schweiz ist naturgemäß nicht besonders glücklich: beim Geld hört halt die nachbarliche Freundschaft auf. Dennoch finden sich auch verständnisvolle Stimmen. So schreibt z. B. Frank A. Meyer in der Schweizerischen Zeitung "Sonntags-Blick" von heute u. d. T. "Zahlmeister Steinbrück":
"Da aber die Zahlmeister jeden Euro und jeden Dollar zusammenkratzen müssen, wollen sie uns ans Bankgeheimnis: Nicht länger sollen die Schweizer Banken Fluchtburgen sein für Steuermilliarden, die sie Nationen entziehen, von denen wir wirtschaftlich leben. Ist das so schwer zu verstehen?"

Derweilen haben Steuerhinterzieher in Deutschland durchaus noch politische Freunde. Hier wird einer aus Sicht der Schweizer Interessenlage, also positiv, dargestellt: "Westerwelle macht uns den Winkelried".
Die Freie Demokratische Partei FDP ist wohl weniger die Partei der Leistungsträger als vielmehr jene der Steuer-Wegträger.
[Für beide Link-Hinweise danke ich meinem Freund und ehemaligen Klassenkameraden Götz Hahnwald aus Bielefeld.]






Textstand vom 22.03.2009. Auf meiner Webseite
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Dienstag, 12. Februar 2008

Déja vu? Déja vecu!

Dieser Handzettel lag kürzlich in unserem Briefkasten.
Als Kind habe ich manchmal irgendwelchen Metall-Schrott, Altpapier oder Lumpen (an Einzelheiten erinnere ich mich nicht mehr) zum Schrotthändler gebracht; da gab es dann ein paar Groschen dafür. Es fuhren damals auch noch Wagen von Schrotthändlern herum und haben wiederverwertbaren Abfall eingesammelt. Von Zeit zu Zeit hielten sie an, klingelten laut (so wie heute noch die bäuerlichen Direktvermarkter, oder auf dem Land die fahrbaren Bäcker- und Lebensmittelläden) und riefen in einem gedehnten Singsang: "Lumpen, Alteisen [mit der Betonung auf der 2. Silbe], Papier". Der Volks- oder Kindermund vervollständigte diesen Ausruf zu einem kompletten Satz mit der Ergänzung: "... ausgeschlagne Zähne, die sammeln wir".

Ich indes durfte eines Tages mit meinem angeschleppten Schrott wieder abziehen: er war wertlos geworden.

DDR-Bürger hatten in der kommunistischen Zero-Wirtschaft noch länger das Vergnügen (weiterer Text hier, hübsche Bildchen dazu gibt's da).

Und nun? Kommen die alten Zeiten zurück? Schrottsammler als Menetekel einer kommenden Ressourcenverknappung?
Dann erschauen wir nicht nur Altvertrautes wieder: wir erleben es auch.
In Not und Elend bin ich zwar nicht aufgewachsen, aber sonderlich komfortabel auch nicht. Doch das ist alles relativ: es hat schon und könnte auch wieder sehr viel schlechtere Zeiten (ge)geben als selbst die Nachkriegszeit es war (soweit ich sie bewusst erlebt habe, also ab den frühen 50er Jahren).




Textstand vom 13.02.2008. Auf meiner Webseite
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Sonntag, 10. Februar 2008

Nachbarschaftshilfe in Waechtersbach

Vorigen Freitag wurde ein Handzettel in die Briefkasten eingeworfen, der zu einem Beitrag (Geldspende und/oder Teilnahme) für eine Typisierungsaktion als Voraussetzung für eine Stammzellentransplantation für den an Leukämie erkrankten Mitbürger Manuel Hussain auffordert.

Mehr dazu im "Gießener Anzeiger", in der Wächtersbacher Heimatzeitung -deren Existenz als Online-Publikation ich auf diese Weise entdecke- und auf den Webseiten der Stadt in verschiedenen Artikeln.
Auf S. 8 der aktuellen Ausgabe (pdf-Datei) ist ein Interview mit Bagnu Yazici von der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei gemeinnützige GmbH in Köln) veröffentlicht mit den relevanten Informationen zum Thema Typisierung und Knochenmarkspenden.

Ebenfalls erfahre ich bei dieser Suche erstmals von der (Online-)Existenz des "Wächtersbacher Aufblog" und des "Wächtersbacher Kirchenblättchen".




Textstand vom 10.02.2008. Auf meiner Webseite
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A Day in the Life of Waechtersbach (07.02.2008)

Die Filiale der Drogerie Schlecker in der Altstadt (bei uns um die Ecke) ...





... hat nicht das Große Los gezogen ...





... sondern geht ...

Freitag, 8. Februar 2008

Dieser Ire irrt sich nicht: Das Ölfördermaximum ist kein Märchen aus Tausendundeine Nacht

Schon als einst in fernen Zeiten die alten Germanen noch dumpf in düsteren Wäldern dahindämmerten, brachten ihnen irische und angelsächsische Mönche das Licht der Erleuchtung. (Auch wenn ich selbst nicht dran glaube: gegenüber heidnischen Baumanbeter-Kulten stellt das Christentum zweifellos einen intellektuellen Fortschritt dar).

Montag, 4. Februar 2008

GET THAT FEELING!

Den Eintritt in die Aquasalis-Therme in Bad Salzschlirf (jetzt 8,- €, aber ohne Zeitbegrenzung und für diejenigen, welches sie nutzen wollen, inklusive Sauna) haben wir uns buchstäblich vom Munde abgespart. Wie?
Indem wir in der Residenz gegessen haben, im schönen, wohl gut 100jährigen ehemaligen Kurhaus im Kurpark von Bad Salzschlirf.

Sonntag, 3. Februar 2008

FAZ: Dahinter steckt nicht immer ein kluger Kopf

Nr. 3 meiner Ausbeute aus dem heutigen Zug-Fund der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung:

"Warum fließt so viel Geld um die Welt?" fragt die Sonntagszeitung der FAZ (Catherine Hoffmann) in ihrer Reihe "Erklär mir die Welt".

Was habe ich dazu zu sagen, anzumerken oder zu meckern?
Als erstes Selbstkritik: Ein Mathematikgenie war ich nie.
Als zweites etwas Eigenlob: Mit den Grundrechenarten komme ich einigermaßen klar. Vor allen Dingen habe ich ein relativ ausgeprägtes 'Dimensionsverständnis'; das Zählen hört bei mir nicht bei einer Million auf: auch Billionen kann ich noch irgendwie gedanklich einordnen.
Und deshalb bin ich auch in der Lage, den Stellenwert einiger Zahlenangaben des Artikels (deren Richtigkeit ich nicht anzweifele und für deren Mitteilung ich dankbar bin) kritisch zu hinterfragen.

Das sogenannte Gute

Eine Zugfahrt ins "Aquasalis" in Bad Salzschlirf spielte mir heute die schon in meinem vorangegangenen Blott erwähnte "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (vom 03.02.08) in die Hände, welche sich durch einen ungewöhnlichen Reichtum an "Blog-Katalysatoren" auszeichnet.

Interessant als Meinungs-Generator kann es manchmal sein, eine Verbindung ganz unterschiedlicher Meldungen herzustellen (vgl. als Beispiel auch meinen Eintrag "Kopf oder Zahl? Oder acephal?").

Die eine entnehme ich dem Bericht über die Linkswähler "Links ist, wenn die Reichen zahlen", der online leider nur für Abonnenten zugänglich ist.
Dort sagt der Linkswähler Axel Kilo, Tierarzt in Trebur:
"Ich kaufe nicht die Billig-Bohrmaschine aus China, sondern nehme die Hilti". Er handelt also als Idealist nach dem Motto "Buy local" um Arbeitsplätze hier (oder wenigstens in der benachbarten Schweiz; kommt nicht die "Hilti" von dort?) zu sichern und nimmt dafür erhebliche Mehrausgaben in Kauf.

Gleiches tun auch die Kunden der Fa. Moema Espresso. Über die berichtet der (gleichfalls online nicht allgemein zugängliche) Artikel "Fairer als fair: Gourmet-Espresso fürs gute Gewissen", dass die Firma die Bohnen in Brasilien nicht nur zu einem hohen (oder fairen) Preis einkauft, sondern, im Gegensatz zur Konkurrenz, dort auch rösten lässt: "... genau jene Veredelung macht einen erklecklichen Anteil an der Wertschöpfung aus. Und der bleibt bei den Bauern in Brasilien".
Sehr wahr: die Arbeitsplätze bleiben in Brasilien. Und wenn Deutschlands Kaffeetrinker nun sämtlich auf "Moema" umsteigen, werden Deutschlands Kaffeeröster arbeitslos. Ein massenhafter Umstieg ist freilich nicht zu befürchten, denn wer Kaffe zu Kilopreisen für 19 bis 25 Euro kauft, muss auf Geldscheinen gebettet sein.
Oder im Kopf angebohrt.
Ob mit der Hilti oder mit dem Billigbohrer aus China, macht dann auch keinen Unterschied mehr.

Indes gilt auch hier das italienische Sprichwort: "Gli estremi si toccano": Die Extreme lassen sich in irgend einer Hinsicht immer auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Hier ist es der hohe Preis, den die Exponenten beider Richtungen -Arbeitsplatzerhalter pro Inland, Arbeitsplatzbeschaffer für die Armen im Ausland - für ihr gutes Gewissen zu blechen bereit sind.


Textstand vom 05.02.2008. Auf meiner Webseite
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Pharmaindustrie: FAZ-Interview deckt auf, wie uns die Räuberbande ausplündert

Schon früher hatte ich, damals unter dem Titel "In flagranti" mit der Bande der Pharma-Räuber (die noch schlimmer ist als Räuber Winfried) beschäftigt (und beiläufig auch in dem Eintrag "Avere un Santo in der Zeitungsredaktion"). Außerdem habe ich an verschiedenen Stellen in meinem 'opus magnum' "Das Ende des Wei(s)sen Mannes. Polit-Plädoyer ohne Leidenschaft" beiläufig die interessenpolitischen Konstellationen beleuchtet, welche der Pharma-Wirtschaft ihre Räuber-Wirtschaft ermöglicht.