Sonntag, 21. September 2008

Ein Wochenende in Hirschhorn. Mit Thermentest Bad Wimpfen, Bad Rappenau.

Durch welchen Vergleich kann ich meinen Leserinnen und Lesern ein anschauliches Bild vom Ortskern der kleinen Stadt Bad Rappenau [hier eine mehr touristisch orientierte, sehr gelungene Beschreibung] vor Augen führen?

Vielleicht passt es so: Die Stadtmitte erreicht schon fast den unvergleichlichen Charme
einer Industriebrache.
Man könnte mir natürlich vorwerfen, dass es unfair ist, wenn ich hier das Rathaus von hinten zeige.





Aber von vorn ist es auch nicht viel hübscher.










Und der Rest der Häuser im Herzen des Ortes sieht teilweise wie abgeschnittene Bauklötze aus.






Das täuscht städtische Verdichtung vor, während doch dahinter
die Natur mitten in der Stadt liegt.
Was ja auch ein großer Vorzug dieses Ortes ist, aber eben unerwartet, wenn man erst die Bauklötze bestaunt hat. Ein Hauch von Potemkin im biederen Württemberg.





Die Grünspange ist anlässlich der Baden-Württembergischen Landesgartenschau entstanden, die wir (am 14.06.2008) besucht haben; damals ist auch ein Teil der Aufnahmen entstanden.
Rechts in der Rinne läuft ein Rinnsal; gut gedacht, aber dieses "Bachbett" ist so hübsch wie ein Abwasserkanal: Sparzwänge halt.






Ich will indes keineswegs nur meckern; in Wirklichkeit ist Bad Rappenau - summa summarum - doch ein nettes beschauliches Örtchen mit sehr viel Grün, das durch die Landesgartenschau noch stark aufgewertet wurde.


Vor allem kann man dort gut und günstig essen:
hier nämlich. Zwar steht der Name des Restaurants in einem gewissen kontradiktorischen Widerspruch zum Gebäudeäußeren, aber uns Epikureern kommt es auf die inneren Werte an, d. h.



was im Tisch zu sehen ist und





was sich auf dem Tisch genießen lässt (für kleines Geld).
Nicht jedes China-Restaurant ist gut, aber wenn ein Restaurant gut und günstig ist, dann ist es bestimmt ein asiatisches Lokal.







Um aber auf die Bauten zurück zu kommen: man konnte Klötze auch hübscher bauen, früher.
Das Gemmingensche Wasserschloss entstand (in dieser Form) um das Jahr 1600.




Sogar noch heute errichtet man hier hübsche Häuser - nur eben nicht im Stadtkern (aber nahe dran - entlang der Grünspange vom Ortskern zu dem für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzten Wasserschloss, einst der Freiherrn von Gemmingen, jetzt in städtischem Eigentum).






Gegenüber dem Rathaus liegt, erhöht,
die evangelische Kirche. Normalerweise würde ich naserümpfend sagen: "Neogotik", aber angesichts des oben gezeigten Dorfkubismus ist Neogotik schon beinahe wunderschön. Es ist halt alles relativ.



Ein Blumenfoto nehmen wir noch mit von der Landesgartenschau 2008, bevor wir zum Salinengarten (Salinenpark) spazieren, etwas vom Zentrum entfernt auf einer Anhöhe gelegen.




Dort steht (nicht erst anlässlich der Ausstellung entstanden, sondern schon 1982)
der "Monopteros" und im Hintergrund ein schlossähnliches Gebäude (1. Hälfte 19. Jh.), einst das Direktionsgebäude der Salinenverwaltung.










Vertrieben vom Wächtersbacher Altstadtfest, das unter unseren Fenstern tobte, hatten wir uns für die Zeit vom 11. - 14.09.08 nach Hirschhorn geflüchtet. Von dort aus fuhren wir am Freitag, 12.09.2008, mit der Bahn zunächst nach Bad Rappenau (zum Mittagessen im China-Restaurant natürlich) und am Nachmittag nach Bad Wimpfen: Therme testen.


Beim Anblick der Toiletten und Duschkabinen in der Wimpfener Therme assoziierte ich spontan "Fort Knox". Massive Edelstahl-Griffe und -Riegel sowie Edelstahl-Rahmen, in welche die Türen eingehängt sind, erwecken einen solchen Eindruck. Aber Spott beiseite: für die Wahrung der Privatsphäre durch Duschkabinen, nicht nur mit Vorhängen, sondern mit Türen (so auch in Bad Rappenau) und hier sogar verschließbaren Türen, bin ich sehr dankbar. Deren Fehlen habe ich in meinen Besprechungen anderer Thermalbäder oft genug kritisiert.

Die Wimpfener Therme ist klein, ein Innen- und ein Außenbecken. Dafür ist der Eintritt mit 6,90 € auch recht günstig. Einen Strömungskanal sucht man hier vergebens, doch gibt es ansonsten eine ganze Menge "Blubb". Es ist aber ein ziemlich weit verbreiter Mangel, dass die Massagedüsen meist zu tief angebracht sind. Das wirft die Frage auf, ob damit bevölkerungspolitische Zwecke verfolgt werden. Falls freilich irgendwer auf künstliche Insemination durch frei schwimmende Spermatozoen gehofft haben sollte: in Bad Wimpfen müsste ein solches Vorhaben am Alter der weiblichen Badegäste scheitern. Die männlichen sind auch nicht jünger, aber manche ziemlich dreist. Meine Begleiterin jedenfalls wurde von 2 Opas begrapscht, die sich strategisch am Zugang zu einem Sprudelbecken positioniert hatten. Sie hat es nicht goutiert; ich weiß jetzt immerhin, dass auch andere meine Frau noch begehrenswert finden.
(Jungspunde -damit meine ich hier Menschen unter 60- waren übrigens in beiden Bädern rar. Möglich, dass die spät am Abend oder am Sonntag kommen.)

Im Verhältnis zur Wasserfläche war das Bad im Bad Wimpfen am Berg deutlich stärker frequentiert, sogar am Freitag Nachmittag, als das Solebad in Bad Rappenau selbst am Samstag (Vormittag; vielleicht kommen nachmittags mehr Badegäste). Ich könnte mir deshalb vorstellen, dass es mit deutlich weniger Subventionen auskommt.

Heiße Quellen (oder überhaupt Solequellen) gibt es in keinem dieser beiden Badeorte. Ca. 170 m unter der Erdoberfläche (so jedenfalls in Bad Rappenau) liegen mächtige Salzlager, die mit Wasser aufgelöst werden und deren Sole dann an die Oberfläche gepumpt wird. Man muss also das Badewasser heizen, und das dürfte besonders bei der großen Wasseroberfläche von 4 Becken in Bad Rappenau kostspielig sein.


Am folgenden Samstag standen wir etwas früher auf, weil wir in Bad Rappenau, und schon am Vormittag, schwimmen wollten. Vom Bahnhof aus führt auf der stadtfernen Seite der Bahnlinie eine sehr attraktiv gestaltete Grünspange (dort war naturgemäß mehr unbebaute Fläche verfügbar als auf der Stadtseite) leicht bergauf zum Thermalbad. Dieses ist schon älter, aber kürzlich großzügig ausgebaut worden.

8,- € Eintritt (für 3 Stunden, beim Besuch des Restaurants sogar für 4) sind ein sehr fairer Preis für das Gebotene in dem RapSoDie (nicht in "der" Rapsodie). Die Abkürzung ist kühn; eigentlich müsste es ja "RapSoSau" heißen, denn das Kürzel steht für "Bad Rappenauer Sole- und Sauna-Paradies". Aber das wäre wohl weniger werbewirksam bzw. würde die falschen Leute anlocken.
Geizig ist das Bad mit aussagekräftigen Bildern auf seiner Homepage. Dabei können sich seine 4 Wasserbecken mit Thermalsole doch sehen lassen. Zwei davon sind im Erdgeschoss (bzw. je nach Betrachtungsweise im Tiefgeschoss - das Bad ist an einen Hang gebaut): das kleine Therapiebecken ist langweilig aber leer; im ebenfalls kleinen Spaßbecken dagegen blubbert es an allen Ecken und Enden. Und das nicht etwa einmal in der Stunde, sondern ständig. Auch der (allerdings sehr kleine) Strömungskanal ist häufig in Aktion. Die Strömung ist aber (wie übrigens auch in Bad Soden-Salmünster) recht zahm. Ich persönlich bevorzuge es kräftiger (wie z. B. in Bad Sooden-Allendorf), aber für die in mehr oder weniger allen Thermentempeln dieser Art vorwiegend ältere Kundschaft mag ein sanfter Schub ausreichen.

Deutlich größer sind das Innen- und Außenbecken im 1. Stock. Das Außenbecken bietet eine schöne Aussicht über den Ort, aber (im Gegensatz zu den Innenbecken) nicht sehr warmes Wasser. Wer tüchtig schwimmt (wie ich) hat damit kein Problem; Plantschern wird es aber bald zu kalt.
Ausgesprochen störend empfinde ich in sämtlichen 4 Becken den Umstand, dass diese an der 'Einstiegsseite' sehr flach sind. (Auch am anderen Ende können Nichtschwimmer aber noch problemlos stehen.) So etwas kenne ich sonst nur von Wellenbecken. Ansonsten stört das außerordentlich beim Schwimmen; schnell hat man sich mal die Zehen am Boden gestoßen. Was das soll, weiß ich nicht. Kleinkinder (falls es für solche gedacht sein sollte) haben in meinen Augen ohnehin nichts in den Solebecken zu suchen (und sind auch kaum da).






In Hirschhorn hat außer mir, und lange vor meiner Zeit, ein gewisser Mark Twain übernachtet, als "Tramp abroad" sozusagen ein früher Jack Kerouac.
Sein Quartier, das Gasthaus "Zum Naturalisten" steht nicht mehr; eine Bronzetafel im Pflaster erinnert daran.












Diese hübschen Häuser hat Samuel Langhorne Clemens anscheinend nicht gesehen. Sonst hätte er ihnen bestimmt als "Hangover-Houses" einen Platz in der Literaturgeschichte verschafft.











Von Hirschhorn gäbe es noch dieses oder jenes zu berichten (z. B. wäre der Sonnenschein dankbar zu erwähnen, dessen wir an den Vortagen, insbesondere am Samstag mit seinen durchgängigen Regenschauern, entbehren mussten). Doch möchte ich mich nun verabschieden und tue das
im Handumdrehen.
(Diese Geste hat mir der fotografische Zufall bei einer Statue in der Klosterkirche, unterhalb der Burg, in die Hände gespielt: ich dachte, mit Blitzlicht würde die Szene heller - alle anderen Aufnahmen waren verwackelt - aber die Entfernung war zu groß. So dass nur die sonnenbeschienene Hand sichtbar ist).




Nachtrag 04.04.2010:
Die Reichweite der "Tägs" ist leider eng begrenzt; wer unten den Täg "Thermalbaeder" anklickt, bekommt lediglich die neuesten Einträge zu sehen.
Aus diesem Grunde habe ich meine Thermen-Schilderungen (die allerdings nicht immer sehr detailliert sind, bzw. bei denen die Blotts nicht immer auf die Thermenbesuche fokussieren) in einem eigenen Blott "Thermenwelt: Thermen der Welt (well: meiner Welt, also Thermalbäder in Deutschland)" verlinkt.



Textstand vom 04.04.2010. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Bolts).
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Keine Kommentare:

Kommentar posten