Sonntag, 25. Juli 2010

Das Moti Mahal in Offenbach: Indisch essen im Französischen Gässchen

Warnhinweis: Dieses ist (auch) ein Werbe-Blott, erstellt in der eingestandenen Absicht, ein Restaurant anzupreisen. (Ein unbezahlter Eintrag freilich. Dies betone ich weniger um meiner Glaubwürdigkeit willen als deshalb, weil ich für bezahlte Nebentätigkeiten eine Genehmigung meines Arbeitgebers benötigen würde: Wir Arbeitnehmer sind in mancher Hinsicht sogar heute noch gar nicht allzu weit vom Status der Hörigen im Feudalsystem entfernt.)

Unter den geschwätzigen Händen meines Gehirns (hm, ein derart schiefes Wort-Bild weist den Verfasser nicht gerade als versierten Literaten aus ...) und meinen knipswütigen Fingern ist (bzw. wird) natürlich auch dieser Eintrag nach Umfang und Thematik wiederum völlig disproportioniert zum auslösenden Moment geraten: zu einem Bericht über, ein klein wenig sogar zu einem Lob der, Stadt Offenbach.

Nachdem ich schon seit 1993 nicht mehr in Frankfurt wohne, kann ich es mir vielleicht erlauben, auch positiv über Offenbach zu urteilen.
Für einen Frankfurter wäre das gefährlich, denn alteingesessene und traditionsgeleitete Bewohner beider Städte sind sich in herzlicher Abneigung verbunden. Dabei beherrschen die Frankfurter mit ihren Offenbach-Witzen das Feld (vgl. z. B. - mit vielen Überschneidungen - hier, da und, weitestgehend mit den gleichen Witzen, aber mit einem etwas weiter ausholenden Vorspann, dort). In vielen dieser Witze könnte man "Frankfurter" und "Offenbacher" aber problemlos austauschen.
Besonders ausgeprägt ist die Rivalität natürlich zwischen den Fußballfans: den Anhängern der Eintracht Frankfurt einerseits und der Offenbacher Kickers andererseits. Diese Rivalität ist aber wohl mehr ein historisches Relikt, den Nachbarschaftskämpfe zwischen der in der Bundesliga spielenden Frankfurter Eintracht und den einst durchaus ernst zu nehmenden Rivalen, jetzt aber in die 3. Liga abgestiegenen Kickers Offenbach könnten allenfalls noch als Freundschaftsspiele stattfinden. [Nein, die Fans - zweifellos bei beiden Vereinen - lieben und pflegen ihre Feindschaft. Von Zeit zu Zeit muss freilich die Feindschaft aufgefrischt und angesichts der nicht mehr vorhandenen spielerischen Konkurrenzsituation neu begründet werden. Dieser anspruchsvollen Aufgaben haben sich zahlreiche Diskutanten z. B. in dem Forenfaden "Was haben wir eigentlich gegen Kickers Oxxenbach?" aus dem Jahr 2009 im Eintracht-Forum gestellt.]
Noch tiefere historische Hintergründe dieser Städtefeindschaft lotet ein Beitrag auf der Webseite der Offenbacher Stadtverwaltung aus: "Städte-Fehde mit Frankfurt: Wurzeln in historischen Tiefen".

Ich selbst stehe genau genommen den Offenbachern jetzt sogar näher als den Frankfurtern (in deren Stadt ich freilich noch einige lange Monate schaffen muss), denn schließlich lebe ich seit 1993 in Wächtersbach. Das liegt in den ehemaligen Herrschaftsgebieten des Adelshauses der Ysenburger (ursprüngliche, im 18. Jahrhundert geänderte, Schreibweise: Isenburger, heute mal mit Y, mal mit I geschrieben), wenigstens eines Zweiges davon (die Ysenburger haben ihre ohnehin schon winzigen Ländchen des Öfteren aufgeteilt, um die Nachkommen mit einer eigenen "Herrschaft" auszustatten). Graf Johann Philipp von Isenburg-Offenbach hat es sogar zu einem eigenen Wikipedia-Eintrag gebracht.

Wie viele Offenbacher heute die Franzosen haben, weiß ich nicht. Zur Zeit von Johann Philipp jedenfalls haben sie sich die Franzosen freiwillig und ganz bewusst nach Offenbach geholt. (Auch ins Wächtersbacher Gebiet kamen französische Glaubensflüchtlinge, Waldenser, und gründeten dort den heutigen Ortsteil Waldensberg; vgl. dazu ausführlich auf der Webseite der Waldensergemeinde bzw. noch detaillierter auf dieser Unterseite, für eine Kurzdarstellung hat Pfarrer Hansjörg Haag für eine Unterseite von Waldenser.de verfasst.)
Die Hugenotten wurden aus Frankreich vertrieben und in vielen anderen Ländern als wirtschaftlich rege Bürger (Frankfurt war zu dieser Zeit Anfang des 18. Jahrhunderts regulatorisch noch ausgesprochen rückständig!) gern aufgenommen (vgl. z. B. die Informationen auf der Webseite Hugenotten-Waldenserpfad.de)

Von dieser Zuwanderung stammt zweifellos auch der Straßenname
"Französisches Gässchen".



Dieses ist nur einen Katzensprung vom Anfang der Ziegelstraße entfernt und dort, ungefähr gegenüber demTOYS 'R' US-Gebäude, hatte mich mein Arbeitgeber mit einigen Kolleginnen und Kollegen zu einer Schulung geschickt.



Ich war aber schon recht früh gekommen und nicht in Hanau in die S-Bahn umgestiegen (und dann in Offenbach an der unterirdischen Haltestelle "Marktplatz" ausgestiegen), sondern vom Offenbacher Bahnhof aus durch die Stadt gebummelt.



Dabei hatte ich schließlich auch die Berliner Straße auf einer Fußgängerbrücke überquertund pirschte mich zuletzt über das Französische Gässchen - und eben vorbei am dabei entdeckten "Inder" - an meinen Lehrgangsort heran.





Im indischen Restaurant Moti Mahal ("Perlenpalast"; im Original handelt es sich wohl ein palastartiges Gebäude oder einen palastähnlichen Gebäudeteil innerhalb der Festung Mehrangarh in Jodhpur im indischen Bundesstaat Rajasthan. [Davon hier auch Bilder auf der Webseite "Ingrid's Welt"; die leider nicht meine Welt ist ;-) .]
Ein Schwesterrestaurant des Offenbacher Moti Mahal existiert in Frankfurt-Sachsenhausen, wo ich aber noch nicht gegessen habe.
Im Offenbacher Moti Mahal haben wir jedenfalls vorzüglich (und dank Mittagskarte relativ preiswert) gespeist. Außerordentlich war auch die Besorgtheit der Kellnerin (Inhaberin - Ehefrau des Inhabers???) um das Wohl ihrer Gäste. Freilich (und leider) waren wir am Montag Mittag auch die einzigen Besucher, doch kamen am Dienstag dann schon mehr Gäste. (Am nächsten Tag haben wir Kollegen hingeschickt, die nach uns zur Schulung mussten, und auch die waren äußerst zufrieden mit Preis, Qualität, Geschmack der Speisen und Freundlichkeit der Bedienung. Also auf Leute: gute Restaurants gibt es nur wenige, und die sollte man doch nach Kräften unterstützen?














An beiden Lehrgangstagen kam ich morgens etwas früher und bummelte nach Schluss etwas länger durch die Stadt (die wir natürlich schon früher besucht hatten, insbesondere als wir noch in Frankfurt wohnten; damals war auch der Flohmarkt am Main berühmt und interessant, aber auch dem haben die Frankfurter später das Wasser abgegraben).
Im Unterschied zu unseren früheren Aufenthalten kam ich jetzt bewaffnet in die Stadt - mit meiner Digitalkamera.

Unter anderem entdeckte und "schoß" ich dabei (an der Kreuzung von "Stadthof"-Str. und Frankfurter Straße, vor der Apotheke zum Löwen, die ihn gestiftet hat) dieses Denkmal der oben geschilderten Städterivalität:
Er baut auf einer älteren Geschichte, wonach ein Frankfurter Bürger bei einem Aufenthalt im Offenbacher Gebiet im Winter von Hunden angegriffen wurde. Als er versuchte, Steine aufzulesen, um diese nach den Hunden zu werfen, fand er diese derart fest mit dem Boden verhaftet, dass er ausrief: "Krieh die Kränk, Offebach, de Staa binne se aa, de Hunde lasse se laafe!". Also etwa: Zur Hölle mit den Offenbacher, die Steine binden sie an, die Hunde lassen sie laufen! Der Witz liegt darin, dass diese Geschichte dem Frankfurter auf sehr subtile Weise Dummheit unterstellt: die Steine waren natürlich nicht festgebunden, sondern festgefroren!











Die bekannte Bezeichnung "Mainhattan" ist natürlich nicht auf Offenbach gemünzt, sondern auf Frankfurt mit seinen (Bank- u. a.)Wolkenkratzern.
Trotzdem empfinde ich dort, wo ich in Frankfurt herumlaufe, etwa zum Einkaufen auf der Zeil, oder auch von dort durch die Kaiserstraße zum Bahnhof, nirgends die Erinnerung an das wirkliche Manhattan (wo ich Ende der 70er Jahre zweimal war).
Nirgends treten in diesen Straßen die Wolkenkratzer oder auch nur Hochhäuser so aufdringlich - oder, wenn man so will: brutal - an den Besucher heran wie in New York - aber auch wie in Offenbach. Die folgenden Fotos können das vielleicht illustrieren, vielleicht sogar ein solches Skyscraper-Feeling vermitteln:

















Schön im herkömmlichen Sinne ist Offenbach nicht.




An historischen Gebäuden ist wenig erhalten.







Manches Neuere ist kaputt.










Anderes wirkt etwas schrill und schräg - wie dieser metallisch-grünlich schillernde Sarg (die Farbe kommt durch die Schaufensterscheibe nicht gut raus).








Eine Böse-Buben-Bewahranstalt gibt es hier auch, aber das ist eine Filiale der Justizvollzugsanstalt (JVA) Frankfurt I, so dass es den Offenbachern erspart bleibt, ihren Stadtnamen damit in Zusammenhang gebracht zu sehen.


















Trotzdem hat man nicht nur auf der Haupteinkaufsstraße (die trotz allem den Namen der Rivalin trägt: Frankfurter Straße), sondern auch in den angrenzenden Ladenstraßen und Gassen irgendwie das Gefühl eine wuseligen, lebendigen, Einkaufsstadt. Dazu trägt natürlich auch der hohe Ausländeranteil bei, der hier und da einen Hauch von Exotik in die Stadt bringt.
Doch: Offenbach ist (auch wenn ich nicht unbedingt dort hinziehen würde) in seiner quirligen Lebendigkeit durchaus irgendwie sympathisch.

Überhaupt müssen wir uns vielleicht abgewöhnen, Schönheit nur nach klassischen Maßstäben zu messen. Das Lebendige ist schön, schön sind die Äußerungen des Lebens! Allzusehr drohen für mein Gefühl heutzutage eine staatlich organisierte Verdenkmalung die Freiheit des Lebendigen zu überwuchern und zu versteinern.
Offenbach freilich hat das kaum zu befürchten (inwieweit ich das ernst meine, inwieweit ich vielleicht mit zuckenden Mundwinkeln spreche - darüber dürfen Sie rätseln).




Textstand vom 11.06.2011. Auf meiner Webseite
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