Mittwoch, 4. März 2015

Prof. Hans Werner Sinn als Stalinist der Marktwirtschaft: Das Kapitaldeckungsverfahren für die Rentenversicherung ist eine Tonnageideologie des Geldkapitals!



Die Bolschewisten waren schlau.
Die haben festgestellt, dass es den Amerikanern gut geht - und dass die USA viel Stahl produzieren.
Intelligent, wie Bolschewisten nun einmal sind, haben sie ihre Erkenntnis gewissermaßen zu einem logischen Dreisatz verarbeitet:
  1. Die Amerikaner produzieren und verbrauchen viel Stahl
  2. Den Amerikanern geht es gut
  3. Russland wird es ebenfalls gut gehen, wenn wir nur viel Stahl herstellen und verwenden.
Diese Logik (die bei uns als stalinistische Tonnageideologie bezeichnet wurde) ist nicht in der Weise falsch, dass sie schon in sich widersprüchlich wäre.
Der Denkfehler liegt vielmehr in der stillschweigenden Annahme, dass die Stahlherstellung [zur damaligen Zeit; heute ist das ohnehin anders] nicht nur eine notwendige, sondern zugleich eine zureichende Bedingung für Wohlstand wäre.
Bei den Russen kam es jedoch zu einem Überangebot von Stahl, bezogen auf die nachgelagerten Produktionen. Im Verhältnis zur Stahlproduktion waren die Abnehmerbranchen - Maschinenindustrie, Bauindustrie, Werften, Automobilindustrie usw. - unterentwickelt. Also hat man z. B. Traktoren extra schwer gebaut, um den vielen Stahl zu verbrauchen, für den man keine besseren Verwendungsmöglichkeiten hatte.
Dass eine derartige "Tonnageideologie" nicht geeignet ist, den Wohlstand zu mehren, liegt auf der Hand.


In einer Marktwirtschaft sollte sich das "von selber" einpendeln: Die Stahlproduktion passt sich über die Marktmechanismen von Angebot und Nachfrage an die Nachfrage an. In den USA war die hohe Stahlproduktion die Folge einer entsprechenden Nachfrage, und damit (selbstverständlich) nicht die (unmittelbare) Ursache für den Wohlstand, sondern ein Indiz für eine hochentwickelte Wirtschaft.


Der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Hans Werner Sinn ist schlau.
Der hat festgestellt, dass es uns in der Vergangenheit gut ging - und dass wir viel investiert haben. Außerdem weiß er, dass die Menschheit in der Wirtschaftsgeschichte durch Rationalisierung Arbeitskräfte eingespart hat. (Klassisches Beispiel: Ersatz von Handwebstühlen durch dampfgetriebene Webmaschinen in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts.) 
Und intelligent, wie er nun einmal ist, hat er sein Wissen für die Lösung eines Problems eingesetzt, das in der Zukunft die Mittelaufbringung für unsere Renten bedroht: Im Verhältnis zu den Alten vermindert sich die Zahl der Jungen, und damit müssen weniger Arbeitende mehr Rentner finanzieren ("demographische Krise").
Diese seine Erkenntnis hat er gewissermaßen zu einem logischen Dreisatz verarbeitet:
  1. Investitionen sind in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) Ersparnisse
  2. In der Vergangenheit wurde viel investiert, und damals (und jetzt noch) ging (und geht) es uns gut.
  3. In der Zukunft wird es uns ebenfalls gut gehen, wenn wir nur viel Geld sparen.
Diese Logik (die ich als Tonnageideologie des Geldkapitals bezeichne) ist nicht in der Weise falsch, dass sie schon in sich widersprüchlich wäre.
Der Denkfehler liegt vielmehr darin, dass die folgenden drei stillschweigenden Annahmen nicht nur eintreten können, sondern zwangsläufig eintreten müssen:

  • Dass  aus in individuellem Geldsparen automatisch "Ersparnisse" = Investitionen im volkswirtschaftlichen Sinne werden
  • Dass Investitionen immer produktiv sind (es also keine Fehlinvestitionen gibt) und
  • Dass heutige Investitionen sich gewissermaßen nach dem Zinseszinsprinzip dauerhaft in einer höheren Wirtschaftsleistung  niederschlagen müssen.

Alle diese Folgen können selbstverständlich eintreten. Dummerweise müssen sie es aber nicht.
Vielmehr ist es gegenwärtig sogar im höchsten Maße wahrscheinlich, dass in den entwickelten Wirtschaften bereits viel zu viel Geldkapital angesammelt wird (vgl. dazu meinen Täg "Unterkonsum-Überakkumulation").
Deswegen ist es wahrscheinlich, dass die individuellen Geldersparnisse der einen von den anderen als Kredite für Konsum verwendet werden - und somit gerade keine produktiven Werte schaffen. In der geschlossenen Volkswirtschaft gäbe es somit keine Ersparnis (weil  die zugehörigen Schulden anderer nicht zu Investitionen führen).
In einer offenen Volkswirtschaft erscheinen die Ersparnisse dann zwar auf dem Papier immer noch als solche. Aber auch sie wandern (was Prof. Sinn mittlerweile selber lebhaft beklagt) in den Konsum - anderer Völker. Griechenland lässt grüßen; ebenso die Immobilienkrise der USA. (Immobilien werden volkswirtschaftlich zwar wohl als Investitionen geführt; produktiv sind aber weder Einfamilienhäuser noch die beispielsweise in den Neuen Bundesländern zahlreich errichteten Einkaufszentren.)

Es ist deshalb anzunehmen, dass die von Prof. Sinn und seinen Gesinnungsgenossen vorgeschlagene investive Zwangsstopfmast in einer Marktwirtschaft genauso sinnwidrig ist, wie es einst die stalinistische Stahl-Tonnageideologie in der kommunistischen Zentralverwaltungswirtschaft war.


Weitere Überlegungen zum Thema habe ich zuletzt unter "Sandkasten-VWL sichert keine Altersrenten!" veröffentlicht (etwas erweitert hier als spezifische Kritik an einer AfD-Position).

Im Übrigen vgl. meinen Täg "Rentenfinanzierung" sowie in aller Ausführlichkeit meine Webseite "Rentenreich" (aus dem Jahr 2004).



ceterum censeo
Zerschlagt den €-Gulag
und den offensichtlich rechtswidrigen Schlundfunk der GEZ-Gebühren-Gier-Ganoven!

Textstand vom 01.04.2015 [Aber kein Aprilscherz! ;-) ]
Für Paperblog-Leser: Die Original-Artikel in meinem Blog werden im Laufe der Zeit teilweise aktualisiert bzw. geändert.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen