Montag, 11. September 2017

Alice in Orwell-land: Kampagnenjournalismus im Konsensfaschismus

 
Unter der Überschrift “Marionetten der Siegermächte” berichtete die „WELT am Sonntag“ (auch in der Kompakt-Ausgabe) über eine angebliche [gestrichen vgl. unten Nachtrag vom 16.09.2017] E-Mail mit politischen Inhalten von Alice Weidel vom 24.02.2013.
Der Artikel hat drei Verfasser: Sven-Felix Kellerhoff, Martin Lutz und Uwe Müller.


Und hier das Foto der E-Mail:
Der Originaltext des Berichts war im Internet zunächst nur für Abonnenten verfügbar. Mittlerweile kann man ihn gegen Hergabe der Mailadresse gratis lesen; zumindest erschien dieses Angebot heute (11.09.17) bei mir auf dem Bildschirm.

Ursprünglich wurde die Information aber durch Berichte der Medien über diesen Artikel breit gestreut.
Darunter war in der „regulären“ WELT am 09.09.2017 der Artikel [meine Hervorhebung] „Alice Weidel will Veröffentlichung rassistischer E-Mail stoppen“.
Ich vermute, dass DIESER Text (und nicht der Original-Artikel der WamS) auch die Grundlage für die Vorabmeldungen der dpa und der Medien war.

Alice Weidel hat bestreiten lassen, dass die fragliche Mail echt ist.
Direkt geäußert hat sie sich in einer Diskussion mit Bürgern im „WELT-Wahlchat“. Darüber berichtete die WELT am 11.09.2017 unter der Überschrift „Das werden Sie sehen, was wir tun werden“ wie folgt:
Weidel reagierte ausweichend und suchte zunächst nach den richtigen Worten. „Ich finde das einfach unfassbar“, sagte sie schließlich. „Zu diesem Thema habe ich gestern auch durch meinen Sprecher alles gesagt. Zwei Wochen vor der Bundestagswahl werde ich wirklich nicht über jedes absurde Stöckchen springen, das man mir hinhält, und diese plumpe Kampagne auch noch selbst befeuern. Das mache ich nicht.“ Auf die Frage, ob sie eidesstattlich versichern würde, dass die Mail nicht von ihr stamme, antwortete Weidel: „Das werden Sie sehen, was wir tun werden.“ Ihre Anwälte seien mit der Angelegenheit befasst. Weidel unterstellte, dass der AfD kurz vor der Wahl ein juristisches Verfahren aufgezwungen werden solle. „Ich werde mich daran jetzt nicht beteiligen. Man wird sehen, was da passieren wird.“ Den Fälschungsvorwurf des AfD-Sprechers Christian Lüth wiederholte sie nicht.“

Auf ihrer Facebook-Seite schreibt Alice Weidel überhaupt nichts zu diesem Vorgang.

Im WamS-Original-Artikel erfährt der Leser:
Die WELT AM SONNTAG wollte von der AfD-Spitzenkandidatin wissen, was sie dazu [zu der E-Mail von 2013] sagt. Eine Antwort in der gesetzten Frist blieb aber aus. Auf Nachfrage meldete sich ein Sprecher und bat um eine Fristverlängerung, die gewährt wurde. Als auch diese Frist verstrichen war, teilte Weidels Anwalt mit: „Der von Ihnen vorgelegte Text wurde von unserer Mandantin nicht verfasst. Es wäre daher falsch und rechtswidrig, öffentlich zu behaupten, unsere Mandantin habe diesen Text geschrieben oder auch nur diesen Verdacht zu äußern.“ Der Redaktion liegen jedoch eine eidesstattliche Versicherung sowie weitere Aussagen vor, aus denen das Gegenteil hervorgeht.“

 
Gegen die Echtheit sind verschiedene Einwände vorgebracht worden, z. B.

Inhaltlich:

·       Dass es im Jahr 2013 noch gar keine Masseneinwanderung gegeben habe. (An den damaligen Debattenstand um die Massenimmiggression erinnere ich mich nicht im Detail und habe leider keine Zeit, den jetzt zu recherchieren. Dunkel glaube ich mich zu erinnern, dass es damals eine Debatte um üppige deutsche Sozialleistungen für aus Rumänien und/oder Bulgarien einwandernde Zigeuner gab. (Ich meine, dass der damalige AfD-Vorsitzende Prof. Bernd Lucke diesen Sachverhalt in seiner Rede vom 30.08.2013 auf dem Münchener Marienplatz thematisiert hatte.) Fakt ist weiterhin, dass das Bundesverfassungsgericht bereits mit einem Urteil aus dem Jahr 2012 die Lockspeise für Eindringlinge von Nicht-EU-Ländern ausgelegt hatte: vgl. Rainer Wehaus, „Liebe deinen Übernächsten“, Stuttgarter Nachrichten vom 24.09.2015.)


Stil- und formkritisch:

·       Das Niveau. („Schwein“ ist sicherlich nicht gängiger akademischer Ton; aber umgekehrt sind „molekulare Bürgerkriege“, „ekelhafter Fatalismus“ und „Judikative“ auch keine Begriffe, welche den Armen im Geiste nur so zufliegen würden.)

·       Die fehlenden Umlaute in der Mail

·       Eine unterschiedliche Schrifttype bei der Unterschrift im Vergleich zum Textkorpus. (Auszug aus einer Facebook-Mitteilung, die ich dazu erhalten habe: "Die Formalien "Von", "Gesendet", "An" und "Betreff" wurden in einer serifenlosen Schrift geschrieben, ich vermute ARIAL. Dann kommt der anstößige Text, für den aber eine Serifenschrift benutzt wurde. Als Serife bezeichnet man die feine Linie, die einen Buchstabenstrich am Ende, quer zu seiner Grundrichtung, abschließt. Abschließend kommt die Schlußformel "Liebe Gruesse Lille", die nun wieder mit der gleichen serifenlosen Schrift wie zu Beginn verfasst wurde. Es ist ganz klar, was das zu bedeuten hat: Der anstößige Text wurde nachträglich in eine vielleicht tatsächlich reale EMail hineinkopiert, wobei der Fälscher sich aber in der Schrift vergriffen hat."


„Quellenkritisch“ usw.:

·       Chefredakteur [der WELT] ist Dr. Ulf Poschardt, stellvertretende Chefredakteurin ist „Dagmar Rosenfeld-Lindner“. ….. Frau Dagmar Rosenfeld-Lindner ist seit 2011 mit Herrn Christian Lindner, FDP, verheiratet“ schreibt ein Johannes Daniels auf „PI-News“ am 10.09.2017 unter „Verleumdungs-Tsunami gegen Alice Weidel – wer steckt dahinter?“. (PI ist eher nicht mein Leib- und Magen-Medium; die dort genannten Fakten dürften jedoch zutreffen.)

·       Daniels führt weiterhin die Desinformationskampagne des CDU-Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, Uwe Barschel, gegen die SPD als historischen Präzedenzfall an.

·       Auch war der Chefredakteur Ulf Poschardt schon früher in einen Medienskandal mit frei erfundenen Informationen verwickelt.

 
Situations- bzw. interessenbezogen:

·       Alice im Gespensterland“ titelt Vera Lengsfeld in ihrem Blog und greift ironisch auf das kommunistische Manifest zurück: „Ein Gespenst geht um in Deutschland, es ist das Gespenst der AfD. Alle Mächte des alten Deutschland haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dieses Gespenst verbündet: die Altparteien, die Qualitätsmedien, die Kirchen, die Antifa, die Kämpfer gegen Rechts und alle Gutmenschen. Zweierlei geht aus dieser Tatsache hervor. Erstens: Die AfD wird von ihren Jägern als Macht anerkannt. Zweitens: Es wird erwartet, dass sie das Politik- und Medienkartell, das sich in den letzten Jahren wie Mehltau auf unser Land gelegt hat, erheblich aufmischt, wenn sie außer in den meisten Landtagen und im Europaparlament auch im Bundestag sitzt. Das soll um jeden Preis und mit allen Mitteln, nach dem berühmten Diktum, dass der gute Zweck jedes Mittel heilige, verhindert werden.

 
Diese Einwendungen sind keineswegs an den Haaren herbeigezogen; sie haben durchaus eine Menge Substanz.
Trotzdem gehe ich, wegen der (ansonsten völlig unverständlichen) ausweichenden bzw. fehlenden Reaktion von Frau Dr. Weidel davon aus, dass die fragliche E-Mail echt ist.
[Von daher hätte ich mir eine ehrliche und OFFENSIVE Reaktion von Alice Weidel gewünscht. Auch wenn ich, anders als Max Erdinger, die Mail nicht in allen Passagen als Ruhmesblatt für die Verfasserin einschätze, teile ich insoweit seine im Nachrichtenportal jouwatch vom 10.09.2017 unter „Skandälchen gefällig“ veröffentlichte Meinung: „Sollte Alice Weidel doch die Verfasserin sein und heute lediglich versuchen, über juristische und legalistische Tricksereien aus der Sache herauszukommen, dann hielte meinereiner das für genau den verkehrten Weg. Wenn die Öffentlichkeit hier einen Skandal aufgetischt bekommen soll, dann sollte Weidel die Chance nutzen und Sendezeit verbrauchen, um ihre Aussagen von damals noch einmal zu präzisieren.“]

Auf der anderen Seite verkenne ich aber keineswegs, dass die WamS-Veröffentlichung, und noch mehr deren Kurzfassung in der WELT durch dieselben Journalisten, eindeutig einen regelrechten Kampagnencharakter gegen die AfD hat.
Und es ist die Vorab-Meldung der WELT, die ihren Weg (ganz oder teilweise via dpa: vgl. z. B. FAZ-Meldung „Mail von Weidel? „Zerstoerung der buergerlichen Gesellschaft“ vom 9.9.17) in den Blätterwald gefunden und damit die Wahrnehmung der Öffentlichkeit geprägt hat.

 
Nachfolgend sind also ZWEI Sachverhalte zu analysieren:


2.     der (erst am 10.09.2017 veröffentlichte) Bezugsartikel „Diese Schweine sind nichts anderes als Marionetten der Siegermächte“ in der „WELT am Sonntag“, sowie die Unterschiede zum (logisch: ) „Folgeartikel“ in der WELT (der aber, wie gesagt, chronologisch voranging).

 
Ich beginne mit dem

eigentlichen Bericht, also dem WamS-Artikel.

Was fällt daran auf?

Zunächst einmal die ausgesprochen dünne Faktenbasis, die nur durch weit ausgreifende (propagandistische) Gedankenkombinationen auf ein Volumen von ca. 1.550 Worten (ohne die Original E-Mail, die als Bild eingefügt ist) aufgeschwollen werden konnte.
Nur EINE einzige E-Mail ist es, mit der man Alice Weidel etwas „anhängen“ konnte. (Und, aber erst aus diesem Jahr, ein einziger Facebook-Post.)

Das erschien den Artikelverfassern offenbar selber zu mager; sie peppten es durch einen Trick auf. Bevor ich den dechiffriere, hier zunächst der einschlägige Text (meine Hervorhebungen):
Weidel war seinerzeit beim Vermögensverwalter Allianz Global Investors Europe tätig. In der Finanzmetropole schloss sie sich jenem Kreis von Bankern, Kaufleuten und Unternehmensberatern an. …..Nach und nach wurden in diesem Netzwerk die verstörenden politischen Ansichten von Lille, so Weidels Spitzname, zum Thema. Sie führten schließlich zum Bruch. Zwei Frauen aus der Runde kündigten ihr im Mai 2016 in einem zweiseitigen Brief die Freundschaft und klagten, ….. ‚Mit Leuten wie Dir wird die AfD wirklich gefährlich‘. Die erste Irritation war eine E-Mail vom 24. Februar 2013.“
Die Verfasser suggerieren hier eine Kontinuität (oder gar eine Steigerung i. S. einer zunehmenden Radikalisierung) von Weidels politischen Positionen zwischen der Mail vom Februar 2013 (also aus der Zeit vor ihrer AfD-Mitgliedschaft) bis hin zum Freundschaftsbruch im Mai 2016.

Für diese dem Leser subkutan eingeimpfte Entwicklung gibt es aber keinerlei Beleg. Nicht ein einziges Zitat aus jenem zweiseitigen Brief, der den Journalisten doch vorliegen müsste. Offenbar hätte das den dreist behaupteten Zusammenhang widerlegt.
Aber auch so kann ein Leser, der sich ein wenig mit kommunikativen Tricks auskennt, die Haltlosigkeit dieses uns unterschwellig eingeimpften Zusammenhangs der Mail von 2013 mit dem Freundschaftsbruch von 2016 erkennen. Denn die Formulierung „Weidel sei besonders für die Brandstiftung verantwortlich, die von ihrer Partei ausgehe“ zeigt, dass es zentral gar nicht um Weidel geht, sondern um die Alternative für Deutschland (AfD), die den beiden Ex-Freundinnen unsympathisch ist.

Das freilich kennen wir AfDler alle, dass Menschen uns um unserer AfD-Mitgliedschaft willen verachten, vermeiden (manchmal sogar hassen). So schrieb z. B. brandaktuell ein ehemaliger Klassenkamerad in einer Debatte an und über mich, dass ihm „das national-chauvinistische Gesülze von Burkhardt deutlich mehr Gänsehaut verursacht habe, als die Erinnerung an ….. [einen kürzlich verstorbenen Lehrer von uns]“.

Vor allem aber spricht nichts dafür, dass die beiden Damen (oder eine davon) diese Mail erhalten haben oder kannten. Wie kann sie dann die „erste Irritation“ gewesen sein, die 3 Jahre später zum Freundschaftsbruch führte?
Der Bericht behauptet nicht, dass es eine Korrespondenz-Kontinuität zwischen 2013 und 2016 gegeben habe: Weder mit dem Empfänger der Mail, noch mit den beiden Damen, die Alice Weidel die Freundschaft aufgekündigt haben. (Dass der Mailempfänger männlich gewesen sein muss, ergibt sich aus dem Satz „Es ist ein obskurer Mix aus esoterischen und rechtsextremen Ideen, der dem Mail-Empfänger ans Herz gelegt wird.“ – Meine Hervorhebung.)

Überhaupt ist von keinem Mailwechsel die Rede, der im Freundschaftsbruch kulminiert wäre. Von daher spricht alles für eine Aversion gegen die AfD als Grund. Es gibt keinerlei Behauptung und schon gar keinen Beleg dafür, dass die beiden Damen im Zuge einer laufenden Debatte mit ihr eine Radikalisierung bei Alice Weidel wahrgenommen oder vermutet hätten.
Welche Fakten oder Wahrnehmungen der beiden Ex-Freundinnen hinter deren Behauptung „Mit Leuten wie Dir wird die AfD wirklich gefährlich“ stehen, kann der Leser nicht erkennen.
Und man darf doch wohl vermuten, dass, wenn DREI Journalisten einen 1.500-Worte-Artikel zusammenbasteln, sie diesen Makel nicht übersehen hätten. Nein: Offenbar haben sie diese Unschärfe gewollt und ganz bewusst damit operiert.

Der erste substantiiert behauptete „Vorfall“ (nach der Mail von 2013) für eine angebliche Radikalisierung von Alice Weidel ist der Hinweis auf ihren Facebook-Eintrag vom 24.07.2017.

Auch hier halte ich es nicht für ein Versehen, dass die Autoren nicht zum Eintrag selber verlinken. Schließlich sind sie nicht nur zu dritt; da sie Frau Weidel vor der Veröffentlichung mit Frist und Nachfrist zur Stellungnahme aufgefordert hatten, muss der Artikel schon längst fertig gewesen sein. Oder, wenn nicht, hatten die Autoren jedenfalls alle Zeit der Welt, um eine professionelle und fehlerfreie Arbeit abzuliefern.
Jedenfalls: Weidels fraglicher Facebook-Post bezieht sich auf den WELT-Artikel „Neue Biografie. Verstörende Details aus dem Leben Hannelore Kohls“ vom 11.06.2011 und lautet vollständig:
Nach 1945: Aus dem kollektiven Gedächtnis erfolgreich gelöscht. Die Gräueltaten an der deutschen Bevölkerung nach dem zweiten Weltkrieg. Man hat gewartet bis die Zeugengeneration stirbt, um für immer zu schweigen. Denn es mag so gar nicht zu dem Schuldkult passen. Mein Vater erlebte als Kind den Hungerwinter 1948 - wie viele andere Kinder. Darüber wird geschwiegen. Ich tue das nicht.
„Zu den anvertrauten Details gehört die Schilderung, wie russische Soldaten kurz vor Kriegsende die damals zwölf Jahre junge Hannelore Renner mehrfach vergewaltigten und sie dann ‚wie einen Sack Zement‘ aus einem Fenster warfen“." [Folgt Link zur o. a. Buchrezension der WELT.]

Etwas verwunderlich erscheint es auf den ersten Blick in der Tat, dass Weidel dort einen Link zu einem Artikel aus dem Jahr 2011 ausgegraben (und auch nicht auf dessen Alter hingewiesen) hat.
Auf der anderen Seite kann es natürlich sein, dass Frau Weidel diesen Artikel damals erstmalig (oder erneut) gefunden hatte. In jedem Falle macht der Hinweis auf das Leiden ihres Vaters 1948 eine persönliche Betroffenheit deutlich. DIE steht erkennbar im Mittelpunkt ihrer Botschaft, und nicht irgendein Kampf um die Abschaffung des (imaginären oder realen, das tut hier nichts zur Sache) deutschen „Schuldkults“. Diesem widmet sie zwar einen eigenständigen Satz; der logische Zusammenhang mit dem anderen Text ist aber eher vage. Nicht zu vergleichen mit der apodiktischen Aussage von Jens MaierIch erkläre hiermit diesen Schuldkult für beendet.

Die WamS-Autoren kehren die Reihenfolge des Originaltextes im Sinne ihrer „Beweisführung gegen die Angeklagte Weidel“ um (erst der Schuldkult, dann die Gräueltaten) und verschweigen das Element von Weidels (wenn auch indirekter) persönlichen Mitbetroffenheit:
"In einem Facebook-Beitrag vom 24. Juni 2017 kritisiert sie einen deutschen ‚Schuldkult‘, dem sie ‚Gräueltaten an der deutschen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg‘ entgegenstellt. Diese seien ‚aus dem kollektiven Gedächtnis erfolgreich gelöscht‘ worden. ‚Man‘, schreibt Weidel nebulös, ‚hat gewartet bis die Zeugengeneration stirbt, um für immer zu schweigen.‘ Das werde sie nicht tun. Hier kommt ein Ton in ihre Reden, der über Kritik an der Euro-Rettungs- oder an der Flüchtlingspolitik weit hinausgeht. Alice Weidel wird fundamental. Ihr passt der ganze Staat, die ganze Nachkriegsrichtung, das ganze deutsche Geschichtsbild nicht.“
Diese verkürzende Darstellung ist nicht im engeren Wortsinne gelogen. Aber sie ist subtil verfälscht, und die Autoren verhindern vorsätzlich, dass die Leser Weidels Aussage anhand der Originalquelle selber beurteilen können. Dahinter steckt Absicht; so etwas ist Kampagnen- oder Lumpenjournalismus!

 
An keiner Stelle erscheint im Originalartikel der Begriff „rassistisch“. Allerdings wird der Vorwurf des Rassismus schon dort erhoben:
‚Kulturfremde Völker‘ ist ein zentraler Begriff der neuen Rechten: Völker sollen als ‚genetische Einheit‘ erhalten werden, denn eine Vermischung wesensfremder Völker führe zur Angleichung auf ‚niedrigstem Niveau‘, kurzum zur ‚selbstverschuldeten Auflösung unserer Kultur‘. Das knüpft an Ideen des Nationalsozialismus an, der die ‚nordische Rasse‘ durch ‚raumfremde‘ Mächte und Menschen bedroht sah.

Da dieser Vorwurf des Rassismus in den Folgeartikeln und den Kommentaren der Blockparteien-Politiker zentral ist (während und wodurch übrigens das eigentlich problematische Element der Mail - Weidels tendenziell verschwörungstheoretische Sicht auf die Hintergründe der deutschen Politik - in den Hintergrund rückt) muss ich mich hier näher damit auseinandersetzen.
Zunächst die einschlägige Textstelle, die im Artikel auch korrekt wiedergegeben ist:
Der Grund, warum wir von werden, ist die systematische Zerstoerung der buergerlichen Gesellschaft als moegliches Gegengewicht von Verfassungsfeinden, von denen wir regiert werden.“
Mit dem genauen Verständnis dieses Satzes habe wohl nicht nur ich Schwierigkeiten; daher hier der Versuch einer Umformulierung:
Deutschland wird [nicht einfach „von“, sondern: ] mit kulturfremden Völkern wie Arabern, Sinti und Roma etc. überschwemmt. Diese Flutung wird von inländischen Verfassungsfeinden betrieben, die damit die bürgerliche Gesellschaft zerstören wollen. Dies deshalb, um die bürgerliche Gesellschaft auszuschalten, die anderenfalls ein Gegengewicht bilden würde.
Nun wird es freilich problematisch, denn der Text lässt nicht erkennen, WOGEGEN eine (intakte) bürgerliche Gesellschaft ein Gegengewicht wäre, zu welchem Zwecke die „Verfassungsfeinde“ sie also ausschalten wollen.
Nahe liegend wäre die Überlegung, dass eine funktionierende bürgerliche Gesellschaft sich gegen eine Massenimmiggression wehren würde; dass sie also zerstört werden müsste, um Widerstände gegen die Völker(ein)wanderung in unser Land auszuschalten.
Aber dann wäre der Satz tautologisch: Verfassungsfeinde fluten Deutschland mit kulturfremden Völkern, um die bürgerliche Gesellschaft zu zerstören. Und das tun sie, um die Widerstände dieser Gesellschaft gegen die Flutung Deutschlands mit kulturfremden Völkern auszuschalten.

Während also die vollständige Logik hinter ihren o. a. Sätzen das Geheimnis der Autorin bleiben muss, ist es klar, dass sie gegen die Grenzöffnungen für Hängemattenbesatzer unserer sozialstaatlichen Netze aus der EU und von außerhalb protestiert.

Das ist zunächst einmal eine absolut legitime Verteidigung der „Clubgüter“ (Prof. Hans-Werner Sinn) unseres Volkes, die UNS zustehen – und nicht den Eindringlingen aus aller Herren Länder. Der Rassismus soll denn auch nicht darin liegen, sondern in der Formulierung „kulturfremde Völker“.
Es mag ja sein, dass dieser Begriff von den „Neuen Rechten“ verwendet wird. Ich persönlich würde ohnehin den Ausdruck „fremdkulturelle Völker“ bevorzugen, weil „kulturfremd“ leicht mit „kulturfern“ verwechselt werden kann.
Fakt ist, dass die Eindringlinge nicht nur aus ANDEREN, sondern leider auch RÜCKSTÄNDIGEN Kulturen herkommen. Was deren Integration enorm erschwert. Diese Art der Einwanderung ist ein extrem kostspieliges Verlustgeschäft für die deutschen Steuersklaven: Unter Anrechnung aller Kosten auf allen staatlichen Ebenen (Erstattungen zwischen diesen natürlich herausgerechnet) dürften bereits jetzt Ausgaben in Höhe von 30 – 40 Milliarden Euro anfallen – das sind 1o% oder mehr des deutschen Bundeshaushalts!
Wenn dann noch der Familiennachzug über uns herfällt, und unter Einschluss des weiteren Einsickerns von, sagen wir, „nur“ 200.000 Eindringlingen p. a., fressen uns die Immiggressoren eines Tages den deutschen Steuersklaven sozusagen „die Haare vom Kopf“.
Und dazu kommen noch Sozialzahlungen aus innereuropäischen Wanderungsbewegungen, die man wohl ebenfalls im Milliardenbereich ansetzen muss.
Gewiss: 2013 sah das noch nicht entfernt so dramatisch aus wie heute. Aber in nuce deutete sich eine solche Entwicklung damals schon an. Und dass manche etwas weiter schauen können als bis zur eigenen Nasenspitze, wird man denen ja hoffentlich nicht ernsthaft vorwerfen wollen.

Jedenfalls hat Alice Weidel (immer vorausgesetzt, dass die Mail tatsächlich von ihr stammt, wovon ich aber ausgehe), mit der Wendung „kulturfremde Völker“ (i. S. von „fremdkulturelle Völker“) lediglich eine Tatsache beschrieben.
Aus dem Zusammenhang geht allerdings auch hervor, dass sie diese Tatsache negativ bewertet.

Das ist aber nicht „rassistisch“. Die Wikipedia liefert die folgende Begriffsbestimmung:
Rassismus ist eine Gesinnung oder Ideologie, nach der Menschen aufgrund weniger äußerlicher Merkmale – die eine gemeinsame Abstammung vermuten lassen – als sogenannte „Rasse“ kategorisiert und beurteilt werden. Die zur Abgrenzung herangezogenen Merkmale wie Hautfarbe, Körpergröße oder Sprache – aber auch kulturelle Merkmale wie Kleidung oder Bräuche – werden in der biologistischen Bedeutung als grundsätzlicher und bestimmender Faktor menschlicher Fähigkeiten und Eigenschaften gedeutet und nach Wertigkeit eingeteilt. Dabei betrachten Rassisten alle Menschen, die ihren eigenen Merkmalen möglichst ähnlich sind, grundsätzlich als höherwertig, während alle anderen (oftmals abgestuft) als geringerwertig diskriminiert werden.“

Den Begriff „kulturfremd“ (fremdkulturell) kann man aus meiner Sicht durchaus so verstehen, dass er die Eindringlinge hinsichtlich ihrer Integrierbarkeit und ihrer ökonomischen Brauchbarkeit (in überschaubaren Zeiträumen) in bzw. für unsere Gesellschaft bewertet.
Das ist aber keine Herabsetzung als Menschen.
Vielmehr selektieren z. B. Kanada, die USA und Australien die Einwanderer nach ihrer Nützlichkeit. Da hat der indische Programmierer nicht wegen seiner „Rasse“ eine schlechtere Chance als der deutsche. Wohl aber wird der indische Landarbeiter gegenüber dem deutschen Ingenieur „benachteiligt“.

Zusammenfassend zum Rassismus-Vorwurf:
Dieser Begriff hat in der aktuellen Debatte um Alice Weidel bzw. allgemein um die AfD keinerlei deskriptiven Charakter mehr. Er ist vielmehr zu einem Kampfbegriff buntfanatischer Deutschland-Destruenten degeneriert - oder besser: umfunktioniert worden.
Damit hat er dieselbe Funktion, wie die pervertierten Begrifflichkeiten in George Orwells Roman "1984": Willkommen im Orwell-Land Deutschland!
Oder, auf Englisch: Welcome to Orwell-land.


Zur Funktion des WELT-Vorabberichts:


Deutschlands buntiotische Bahnhofsklatscher mögen eine Auswahl der Einwanderer nach Qualifikation ablehnen. Wer eine solchen Position jedoch als „Rassismus“ diskreditiert, der WILL EINE ZERSTÖRUNG UNSERES LANDES UND UNSERER GESELLSCHAFT. Oder er (sie) will der AfD Wählerstimmen stehlen. Vielleicht sind manche, die sich in dieser Weise positionieren, auch einfach nur intellektuell unterbelichtet.
Jedenfalls ist es eine propagandistische Perfidie übelster Goebbelsscher Machart, wenn der Vorabbericht der WELT die Mail schon im Titel als „rassistisch“ verunglimpft.
Damit war, zweifellos ganz bewusst, dafür gesorgt, dass dieser Begriff auch in die Übernahmen durch die anderen Medien einging (wenngleich dort nicht immer schon gleich in der Überschrift).

Dass eine solche Meldung einer Maria Fiedler, Schreibtischtäterin beim Zentralorgan der Deutschlandhasser, dem Berliner „Tagesspiegel“, den Schaum aus dem Mund quellen lässt, kann da nicht mehr überraschen: „Angebliche E-Mail von Spitzenkandidatin Weidel: Die AfD zeigt ihr wahres Gesicht – erneut“ hetzt sie am 10.09.2017.
Vor lauter blinder Wut geht dieser Berliner Buntfanatikerin gleich auch die Logik in die Binsen:
Alice Weidel soll eine rassistische E-Mail geschrieben haben. Mittlerweile besteht kein Zweifel mehr: Wer die AfD wählt, entscheidet sich für völkische Parolen im Bundestag.“
Ja, was denn nun: Wenn noch nicht sicher ist, dass Alice Weidel die Mail tatsächlich verfasst hat, wie soll sie dann SICHERE („kein Zweifel“) Rückschlüsse auf Politik der AfD zulassen?
(Wobei auch hier eine zusätzliche Infamie darin liegt, dass für den flüchtigen Leser die Aussage „keine Zweifel“ das vorangegangene „soll … geschrieben haben“ überblendet.)

Wenn schon unsere eigene „Integrationsbeauftragte“ Aydan Özoguz wissentlich und willentlich die Integration der Immiggressoren in unsere Kultur, und damit in unsere Gesellschaft, hintertreibt (vgl. näher meinen Blott „“), dann handeln wir finanziell und kulturell suizidal, wenn wir uns nicht MIT ALLER KRAFT gegen das weitere massenhafte Eindringen fremdkultureller Völker zur Wehr setzen.


In der Summe bleibt festzuhalten, dass es lediglich ZWEI harte Fakten (Texte) sind, auf welche sich die „Anklage“ gegen Weidel stützt. Alles andere ist Füll- bzw. Propagandamaterial, teilweise weit hergeholt (wie z. B. der Verweis auf die Äußerungen des Dresdner Richters und AfD-Mitgliedes Jens Maier [nicht: „Meier“!] gegen den „Schuldkult“ oder die gravitätischen Erörterungen über die Verwendung des Begriffs „Schuldkult“ im „Rechtsextremismus“ (im streng fachlichen Sinne dürfte „Rechtsradikalismus“ gemeint sein; zur Unterscheidung vgl. z. B. hier).
Dieses von DREI Journalisten „recherchierte“ Material ist definitiv zu dürftig, um Alice Weidel daraus einen Strick zu drehen. Auch wenn, wie unten noch zu erörtern sein wird, die verschwörungstheoretischen Aspekte der Mail tatsächlich ein dicker Hund sind.


Innerparteiliche Aspekte

 
Mit unserer Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl bin ich solidarisch.
Aber meine Solidarität ist weder unbedingt noch unkritisch: Vielmehr unterscheide ich zwischen Solidarität und Kumpanei.

Jenseits meiner Kritik an dem völlig eindeutigen Kampagnenjournalismus, wie er hier von der WELT am Sonntag, der WELT und anderen Medien betrieben wird (wobei ich die lediglich referierenden Medien ausnehme; hier geht es um Äußerungen wie etwa den o. a. Tagesspiegel-Kommentar u. ä.), kann ich mir leider nicht verhehlen, dass ich bei meiner Parteifreundin Dr. Alice Weidel eine gewisse ideologische Verbohrtheit nicht wirklich ausschließen kann.
Und zwar aufgrund ihrer geldsystemischen Vorstellungen, die ich bereits vor längerer Zeit in meinem Blott „Jesus jagte die Wechsler aus dem Tempel - Weidel will sie wieder holen: Wider den Geldsystemfetischismus in der AfD“ analysiert und kritisiert hatte.

Daher treffen mich (immer vorausgesetzt, DASS die E-Mail von 2013 echt ist), die Ausführungen über Deutschlands angeblich fehlende Souveränität und die deutsche Regierung als Handlangerin der Siegermächte auch nicht als Blitz aus völlig heiterem Himmel.
Inhaltlich sind sie inakzeptabel (auch wenn ich gerne einräume, dass das Merkel-Regime der Deutschland-Destruenten in der Tat ein Schweinesystem ist).
Noch viel inakzeptabler ist die Verlinkung zum Portal „Terra Kurier“ als Quelle vermeintlich seriöser Informationen über die Hintergründe politischer Sachverhalten und Entwicklungen.

Aus diesem Grunde würde ich unserer zukünftigen Bundestagsfraktion dringend davon abraten, Alice Weidel zur (Mit-)Fraktionsvorsitzenden zu küren.
Ebenso wenig möchte ich sie im Dezember als Parteisprecherin gewählt sehen (sofern sie das überhaupt anstrebt).

Indes hoffe ich, dass wir drittstärkste Partei werden und dass unserer AfD der Vorsitz im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages zufällt. (Und dass uns die anderen Parteien nicht mit schmutzigen Tricks ausbremsen.)
DAS, denke ich, wäre eine Position, in der sich Alice Weidel bewähren und auszeichnen könnte. Denn schließlich ist die VWL ihre ureigene Kompetenzdomäne. Und weil sie als „krasses Arbeitstierbeschrieben wird, sollte sie auch keine Schwierigkeiten haben, sich rasch in diese Materie einzuarbeiten und dort glänzend zu bewähren.
Nach der nächsten Bundestagswahl im Jahr 2021 können die Karten dann neu gemischt werden …. .


Wie soll der Wähler mit diesem Vorgang umgehen?


Auch wenn ich kein Parteimitglied wäre, sähe ich in den Vorwürfen gegen Alice Weidel keinen Grund, die AfD NICHT zu wählen. Ich will hier gar keine umfängliche „Positivwerbung“ machen, sondern beschränke mich auf die Feststellung, dass die AfD die einzige wirkliche Alternative zum Merkelschen Schurkenregime der machthabenden Deutschland-Destruenten ist.
 
Die Traumpartei (und auch die Traum-Parteifreunde) gibt es nicht; jeder für sich hat immer nur den Weg des kleineren Übels. Und die AfD ist so unübel wahrhaftig nicht, als dass sie nicht der konsensfaschistischen Blockparteien-Bande die Zähne zeigen könnte.

In diesem Sinne werben sogar Nichtmitglieder auf der Webseite „Diesmal AfD“ für uns; Unentschlossene sollten sich die dortigen Texte ruhig einmal anschauen!
 
 
Nachtrag 16.09.2017 Unter der Überschrift "Rassistische E-Mail AfD-Spitzenkandidatin Weidel spricht nicht mehr von Fälschung" meldet die WELT heute:
"Weidel lässt nicht länger behaupten, dass die Nachricht gefälscht sei. Der Rechtsanwalt der 38-Jährigen schickte der WELT AM SONNTAG am 14. September ein vierseitiges Schreiben. Darin ist keine Rede mehr von 'Fälschung'. Weidel besteht zudem bislang weder auf eine Unterlassung noch auf einen Widerruf."
Und weiter:
"In dem Anwaltsschreiben heißt es, Weidel sei aus Journalistenkreisen zugetragen worden, dass geplant werde, eine 'mit unserer Mandantin geführte private Korrespondenz zu veröffentlichen'. Angeblich solle damit der Umstand bewiesen werden, dass sie und der E-Mail-Empfänger in der Vergangenheit tatsächlich eine Mail-Korrespondenz gehabt hätten und Weidel dabei eine besondere Schreibweise verwendet habe. Dazu sei es aber nicht erforderlich, dass weitere Mails veröffentlicht würden. Denn: Beides sei 'unstreitig korrekt und durch die Vorlage von E-Mails daher nicht beweisbedürftig'."

Dazu Alice Weidel in einem Facebook-Eintrag:
"Welt erfindet Kehrtwende, die es nicht gibt. Lesen hilft! Springe weiter nicht über die Stöckchen dieser Schmutzkampagne. Viele beginnen sich zu fragen, ob das eigentlich das einzige Nummer 1 Thema der Welt ist. Gestern gab es beispielsweise Terroranschläge. Keine Top-Berichterstattung wert."
Überzeugendes Bestreiten geht anders.
(Trotzdem ist der Ursprungsartikel, wenn auch aus anderen Gründen, Kampagnenjournalismus. Aber zum Narren lasse ich mich nicht gerne halten - auch bzw. ganz besonders nicht von meinen eigenen Parteifreunden und Parteifreundinnen. Denn schließlich reklamieren wir doch den "Mut zur Wahrheit" für uns?)
 
 
 

ceterum censeo

Wer alle Immiggressoren der Welt in sein Land lässt, der ist nicht "weltoffen":
Der hat den A.... offen!
 
Textstand vom 16.09.2017

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