Freitag, 4. Juli 2014

Geldschöpfung und Sparparadox: Analyse an einem "Schnittmodell" von Transaktions- und Dispositionsschritten

 
 
Der deutschsprachige Wikipedia-Eintrag definiert das Sparparadoxon wie folgt:
"Das Sparparadoxon ... besagt, dass es in einer unterbeschäftigten Volkswirtschaft den Wirtschaftssubjekten nicht mehr möglich ist, wegen erhöhter Sparwünsche die Ersparnis bzw. Investitionen* der Gesamtwirtschaft zu erhöhen."
*[Ich halte die Gleichsetzung von Ersparnis mit Investition in diesem Zusammenhang für falsch. Hier geht es um Geldsparen vs. Geldausgeben, nicht darum, ob das Geld investiert oder verkonsumiert wird. Entscheidend ist also nicht, in welcher Sphäre der Realwirtschaft das Geld landet, sondern lediglich OB es überhaupt dort nachfragewirksam wird oder nicht.

In der englischsprachigen Version heißt es zum "Paradox of thrift":
"The paradox states that if everyone tries to save more money during times of economic recession, then aggregate demand will fall and will in turn lower total savings in the population because of the decrease in consumption* and economic growth. The paradox is, narrowly speaking, that total savings may fall even when individual savings attempt to rise, and, broadly speaking, that increase in savings may be harmful to an economy."
*[Auch hier sehe ich nicht, warum bei einer Analyse der Zusammenhänge zwischen Geldwirtschaft und Realwirtschaft das "Sparen" ein Nicht-Ausgeben von Einkommen für Konsumzwecke sein müsste. Fehlende Nachfrage nach Konsumgütern kann im Prinzip durch stärkere Nachfrage nach Investitionsgütern kompensiert werden; entscheidend für die Kapazitätsauslastung ist letztlich die Gesamtnachfrage nach Leistungen der Realwirtschaft (was natürlich Anpassungsprobleme bei der Produktionsumstellung nicht ausschließt.). Also ob gekauft wird (was und von wem auch immer, aber in der Realwirtschaft, nicht reine Finanzprodukte), oder ob das Geld auf die hohe Kante gelegt wird ("unters Kopfkissen" oder in die reine Finanzwirtschaft usw.)]
 
Nun sehe ich freilich keine Rechtfertigung dafür, diesen Zusammenhang auf den Zustand der "unterbeschäftigten Volkswirtschaft", also  "economic recession" zu beschränken.
Sehen Sie es mir nach, wenn ich den Zusammenhang zwischen Finanzsphäre und Realwirtschaft zum Merksatz ver-dichte:
 
"Keine Wirtschaft funktioniert
Wenn das Geld nicht zirkuliert."
 
"Zirkulieren" heißt "im Kreis laufen" (beim Geld spricht man meist von "umlaufen", was aber dasselbe meint): Die Ausgaben des einen sind die Einnahmen des anderen.*
[*Allerdings lässt sich dieser Satz nicht umkehren. Denn Einnahmen kann man auch aus Krediten haben, nicht nur aus Ausgaben anderer Wirtschaftssubjekte.]
 
Stellen wir uns den Sachverhalt dramatisch in einer Art Bühnenballett vor:
  1. Auf der einen Seite steht eine Reihe von 10 "Habenichtsen" mit einem Geldstück in der Hand.
  2. Die tanzen auf eine andere (gleichstarke) Personengruppe (die "Besitzenden") zu. Denen überreichen sie das Geld und erhalten dafür jeder ein Brot.
  3. Anschließend kehren die Habenichtse auf ihre Ausgangsposition zurück und verzehren die Brote. 
  4. Die Besitzenden stecken das Geld weg und speisen ebenfalls. Aber von denen sitzt jeder auf einem Berg von Broten.
Es ist klar, dass die Habenichtse (in einer Geldwirtschaft) nur dann und nur dadurch wieder zu Brot kommen können, dass sie das Geld von den Besitzenden "zurückerhalten".
  • Im nächsten Bild führen sie also vor den Besitzenden den Tanz "Angebot von Arbeitskraft" auf.
  • Einige Besitzende stellen einige der Habenichtse ein und geben ihnen das Geldstück "zurück".
  • Andere Besitzende möchten ihr Geldstück behalten (ökonomisch betrachtet wollen sie also ihr Geld "sparen").
  • Folglich müssen die nicht beschäftigten Habenichtse verhungern.
Dieses Modell soll keine "Kapitalismuskritik" sein, sondern lediglich (drastisch) verdeutlichen, dass eine Geldwirtschaft nur mit einem (mehr oder weniger) vollständigen GeldUMLAUF funktionieren kann.
 
Freilich möchten viele Wirtschaftssubjekte (und nicht nur "die Reichen") gerne sparen - also ihr Geld (jedenfalls teilweise) NICHT ausgeben. Oder zumindest nicht gleich sofort, nachdem sie es erhalten haben.
 
Das ist (wie wir ja auch aus dem wirklichen Leben wissen) grundsätzlich durchaus möglich. Dafür muss lediglich die gesamte Menge an Geld im System (geschlossene Volkswirtschaft oder Weltwirtschaft) größer sein als diejenige Menge, welche in einem gegebenen Zeitpunkt für Transaktionen (Käufe=Verkäufe) benötigt wird.
Diesen Zustand kann man (alternativ oder parallel) auf zwei Wegen erreichen:
  1. Der Staat (oder ein Fälscher) kann Geld drucken und es ausgeben. Eben das empfehlen die Anhänger der sog. "Modern Monetary Theory" (MMT). Nach deren ursprünglicher Vorstellung kann Geld ohnehin nur auf diese Weise in die Welt kommen. Mittlerweile haben sie sich dahingehend korrigiert, dass sie die Möglichkeit einer kreditären Geldschöpfung einräumen (die Formel dafür, wie Geld in die Welt kommt, lautet bei denen inzwischen regelmäßig "spent or lent"), aber so richtig überzeugt sind sie nicht, dass Geld problemlos durch Kreditvergabe geschöpft werden kann. Und auf jeden Fall vertreten sie die einigermaßen zynische Ansicht: Wenn die Bürger Geld beiseite legen wollen, soll ihnen der Staat doch einfach das nötige Geld drucken! (Was für den deutschen oder chinesischen Exportüberschuss in die USA heißt: "Gebt denen doch einfach Greenbacks, dann sind die glücklich und zufrieden.") Total falsch ist die ökonomische Vorstellung hinter dieser Forderung nicht: Wenn die Nachfrager einkaufen, die Verkäufer aber die Einnahmen teilweise beiseite legen, muss eine Nachfragelücke auftreten. Die soll nach MMT-Vorstellungen der Staat schließen, indem er sich einfach selber an der Druckmaschine bedient. Von Staatsausgaben profitieren wir im Prinzip alle; insoweit ist der Vergleich mit einem Geldfälscher nicht hundertprozentig treffend. Trotzdem ist festzustellen, dass der Staat mit einem solchen Vorgehen als Schmarotzer der volkswirtschaftlichen Leistung auftritt. Solange die Geldempfänger die frisch gedruckte Staatsknete nicht ausgeben, passiert zwar nichts. Tun sie es allerdings (wenn sie das Spiel durchschauen, oder der Staat es übertrieben hat - vgl. deutsche Hyperinflation 1923), dann ist die K'e am Dampfen. Geld, das der Staat (oder ein Geldfälscher) auf diese Weise in Umlauf bringt ist ungedeckt; deswegen nennt man es "Willkürgeld" (zum Begriff vgl. diesen Blott von mir.) Die MMT geht davon aus, dass man inflationäre Tendenzen problemlos in den Griff bekommen kann. Das ist natürlich falsch. Wenn viel Geld in der Welt ist, stehen dem entsprechende Schulden einerseits und Forderungen andererseits gegenüber. Theoretisch kann der Staat natürlich einen Geldüberhang durch weitere Verschuldung (Netto-Neuverschuldung) oder durch Steuererhöhungen abschöpfen. Nur fragt sich dann, warum er das nicht gleich tun, und stattdessen einfach Geld drucken und ausgeben soll. Der tiefere Grund ist klar: Das Anziehen der Steuerschraube ist eben doch nicht so einfach. Was dann freilich vermuten lässt, dass es auch später, wenn es zur Inflationsbekämpfung nötig wäre, nicht klappen könnte. Und die Staatsverschuldung lässt sich auch nicht endlos steigern - es sei denn, durch weiteres Gelddrucken. Was aber irgendwann wiederum inflationär wirkt.
  2. Die Geldmenge wird über eine höhere Kreditvergabe (= Verschuldung - des Staates und/oder Privater) gesteigert. In unserem System und in unseren Tagen entsteht (zum Glück) Geld in aller Regel im Kreditwege (wie ich hier und an anderen Stellen erläutert habe). Dieses Geld ist im volkswirtschaftlichen Sinne gedeckt: Die sozusagen finanztechnische Seite, wo der Kreditnehmer seine Schulden tilgen muss, führt auf der realwirtschaftlichen Seite dazu, dass er selber etwas verkaufen muss (frisch produziert, oder aus seinem Besitz). Indem er mit dem Kredit eingekauft hatte, durfte er realwirtschaftlich einen "Vorschuss" aus dem gemeinsamen Pool an Gütern (und Dienstleistungen) entnehmen. Indem er selber etwas verkauft, gibt er dem "Pool", d. h. der Volkswirtschaft, diesen "Realvorschuss" real zurück. Dieser mikroökonomische Vorgang bewirkt makroökonomisch (im Grundsatz; in Einzelfällen mag es auch Störungen geben) ein Gleichgewicht von Güterangebot und Güternachfrage (sofern das Geld im Umlauf bleibt).
Ein System mit "Fiatgeld" hebelt das Sparparadoxon für eine Weile aus. In der Realwirtschaft kann dadurch auch dann genügend Geld im Umlauf sein, um das System unter "Volllast" zu fahren, also die Produktionskapazitäten voll auszuschöpfen, wenn die Geldempfänger ständig einen Teil ihrer Einnahmen auf die Bank tragen. (Vgl. auch meinen Blott "Finanzkrise: Haben die Banken zu viel Kredit vergeben?" ).
Die Nachfragelücke, welche durch einen Sparüberhang eigentlich entstehen müsste, wird durch Geld gestopft, dass neu "aus dem Nichts" (Geldschöpfung ex nihilo) ins System eingespeist wird.
 
 
Das volkswirtschaftliche Denken arbeitet bei der Analyse der zeitlichen Dimensionen gerne mit "Perioden" (von beliebiger Länge; vermutlich ist meist an ein Jahr gedacht).
Für die vorliegende Untersuchung ist das Denkmodell eines zeitlichen Schnittes geeigneter. (Dennoch kann, wer mag, sich meine "Transaktionsschritte" auch als Summe der Ereignisse einer Periode - etwa eines Tages - vorstellen, und den "Dispositionsschnitt" als etwas, das im Laufe eines Abends geschieht.)
 
Unter "Transaktionsschritt" (TS) verstehe ich hier alle Käufe (=Verkäufe), die zu einem beliebig gedachten Zeitpunkt gleichzeitig in einer Volkswirtschaft vonstatten gehen. In meinem Modell werden diese Geschäfte sämtlich sofort bezahlt; Kaufakt und Zahlungsakt setze ich also identisch.
 
Um das, was in der Realität natürlich parallel abläuft, in einem Denkmodell zu veranschaulichen, lasse ich "Transaktionsschritte" abwechseln mit "Dispositionsschritten" (DS) (die ebenfalls als gleichzeitig in einem beliebigen Zeitschnitt stattfindende Vorgänge gedacht sind).

In diesen Dispositionsschritten entscheiden die "Einnehmer" darüber, welchen Teil ihrer Einnahmen aus im nächsten Transaktionsschritt ausgeben wollen. Den Rest, also jenen Teil der Einnahmen, den sie sparen wollen, schleppen sie in dieser Zeit zur Bank.
Die "Ausgeber" beschaffen in dieser Zeit das Geld, was sie im folgenden TS ausgeben wollen. Teilweise haben sie das benötigte Geld bereits im vorigen TS von den damaligen "Ausgebern" erhalten. Teilweise müssen sie es sich, modellbedingt, im Kreditwege beschaffen, d. h. ihre Netto-Neuverschuldung steigern.
(Erg. 05.07.2014: Zur jeweiligen individuellen Zugehörigkeit zur Gruppe der Einnehmer bzw. Ausgeber vgl. den Nachtrag von heute.)
 
Wir starten unser Modell mit einem "Dispositionsschritt", in welchem die Entscheidungen über die Geldverwendung getroffen sowie ggf. Einnahmen gespart und Kredite beschafft werden:
 
DS 1:
  • Geldmenge in der Wirtschaft = 10 Mio (beliebiger Währung). (Diese Geldmenge ist natürlich im Kreditwege entstanden, weil unser Modell ja von kreditärer
    Geldschöpfung ausgeht. Das tut aber hier nichts zur Sache; hier geht es lediglich um die Änderungen der Verschuldungshöhe.)
  • Die Million, welche die Einnehmer im vorangegangenen Transaktionsschritt erhalten haben, stecken sie komplett ins Portemonnaie, d. h. sie werden im nächsten Transaktionsschritt diesen Betrag vollständig wieder ausgeben.
  • Die sozusagen "Schuldenbilanz" im System ist ausgeglichen: 100.000,- werden zurückgezahlt, zugleich aber neue Kredite in derselben Höhe aufgenommen (Zinsen klammern wir aus).
Auf diesen Dispositionsschritt folgt der erste "Transaktionsschritt":
 
TS 1 mit einem Umsatz von 1 Mio. Dieser wird sich auch in den Folgeschritten nicht ändern, weil er lt. unseren Modellbedingungen die optimale Kapazitätsauslastung bewirkt. (Welcher Anteil von diesem Umsatz für Konsum oder Investition verwendet wird ist unerheblich; entscheidend ist in diesem Denkmodell lediglich, welche Geldbeträge insgesamt als Nachfrage in der Realwirtschaft wirksam bzw. ggf. dieser Sphäre entzogen werden.)
 
Im 2. Schritt führen wir nun das Geldsparen in unser System ein:
 
DS 2:
  • Einnehmer legen nur noch 900.000,- ins Portemonnaie; 100.000,- schleppen sie zur Bank. (Alternativ könnten sie die Geldersparnis auch "ausgeben"; das aber nur außerhalb der Realwirtschaft, also etwa für Derivate oder vergleichbare Finanz"produkte".)
  • Ausgeber (unterstellen wir mal kühn) "wissen", dass ihnen im nächsten Transaktionsschnitt insgesamt 100.000,- fehlen werden. Weil sie dennoch in konstanter Höhe konsumieren bzw. investieren möchten, müssen sie ihre Kreditaufnahme entsprechend steigern. Während sie zwar erneut 100.000,- tilgen, nehmen sie diesmal 200.000,- neue Schulden auf.
  • Da die Verschuldung um 100.000,- gestiegen ist, muss auch die Geldmenge gestiegen sein. Sie beläuft sich jetzt auf 10,1 Mio.
TS 2 unveränderter Umsatz von 1 Mio.
 
DS 3:
  • Einnehmer legen schon wieder nur 900.000,- ins Portemonnaie und schleppen 100.000,- zur Bank. (Oder geben die Geldersparnis außerhalb der Realwirtschaft aus.)
  • Ausgeber "wissen" wiederum, dass ihnen für den nächsten Transaktionsschnitt 100.000,- fehlen. Weil sie nach den Modellbedingungen die Ausgaben konstant halten wollen (bzw. müssen), steigern sie erneut ihre Kreditaufnahme. Allerdings müssen sie nunmehr auch schon Tilgungsleistungen für die im DS2 gestiegene Verschuldung erbringen. Nunmehr tilgen sie also 110.000,- und müssen, um die Ausgaben konstant halten zu können, diesmal bereits 210.000,- neue Schulden aufnehmen.
  • Da die Verschuldung um 110.000,- gestiegen ist, muss auch die Geldmenge gestiegen sein. Sie beläuft sich jetzt auf 10,21 Mio.
Die Transaktionsschritte TS 3 ff. lasse ich in der weiteren Darstellung entfallen; an der Ausgabenhöhe soll sich ja nichts ändern.
Was uns an dem Modell interessiert, ist lediglich die stetige Steigerung der Kreditvergabe (und damit auch der Geldmenge).
 
DS 4:
  • Einnehmer legen weiterhin 900.000,- ins Portemonnaie und sparen 100.000,-.
  • Ausgeber müssen Kreditaufnahme entsprechend um netto weitere 100.000,- steigern. Weil sie aber auch die Tilgungen über Kredite finanzieren müssen, ist (wie schon im Schritt DS 3) der Anstieg der Brutto-Neuverschuldung noch höher. Er beläuft sich auf 100.000,- + 10.000,- Tilgung für die Tilgung der Netto-Neuverschuldung aus DS2 + 11.000,- Tilgung für Netto-Neuverschuldung aus DS3. Insgesamt steigt also die Verschuldung im Schritt DS4 um 121.000,-. (Geldmenge nunmehr 10,331 Mio.)
 
DS 5:
  • EINEN Schritt gönnen wir uns noch, bevor das Modell dann allzu kompliziert wird und ich die Übersicht verliere. (Wer mathematisch fit ist, kann die Fortsetzung sicherlich mit dem Taschenrechner bestimmen. Ich bin insoweit, zu meinem großen Bedauern - darauf bin ich ganz und gar nicht stolz - leider schwach auf der Brust.) Einnehmer legen wieder 900.000,- ins Portemonnaie und sparen 100.000,-. Ausgeber müssen Kreditaufnahme entsprechend um netto weitere 100.000,- steigern. Tilgungsleistungen jetzt: 10.000,- aus DS2 + 11.000,- aus DS3 + 11.100,- aus DS4 = 32.100,- (Nettoneuverschuldung für Tilgungen, die ja aus neuen Krediten finanziert werden) plus 100.000,- (Nettoverschuldung für Einkäufe) = plus 132.100,-. Nettoneuverschuldung insgesamt. Die Geldmenge beträgt jetzt 10.463.100,-.
 
 
Irgendwann werden die Gläubiger unruhig bzw. die Schuldner insolvent.
Nach meiner Einschätzung der Finanz- und Wirtschaftskrise (in den USA wie aber auch in der Eurozone, wo es freilich noch andere Probleme gibt) ist dieses Schuldensteigerungsspiel schon lange Zeit vorher gelaufen. Und jetzt ist dieses Schneeballsystem explodiert.
"Schuld" ist die "Überakkumulation", das Geldsparen der Besitzenden (aber auch anderer Gruppen, die teilweise - irrsinniger Weise - sogar zum Sparen gezwungen wurden: "Riester-Rente").
 
Die aktuellen Maßnahmen der Zentralbanken in den USA, Großbritannien und der Eurozone (vermutlich auch in Japan, aber über die dortigen Zusammenhänge weiß ich zu wenig) beurteile ich als einen Versuch, die Schuldenfinanzierung weiterzuführen.

Das könnte aber nur dann zum Erfolg führen, wenn der Einbruch eine Art Betriebsunfall wäre, eine "natürliche" Schwankung (Konjunktureinbruch usw.).

Handelt es sich dagegen (und so schätze ich das ein) um einen "Systemfehler", dann sind solche Maßnahmen letztlich zum Scheitern verurteilt, bzw. können nur in einer Art Zusammenbruch bereinigt werden.
Vielleicht können die Geldbesitzer auch inflationär enteignet (und die Schuldner entsprechend begünstigt) werden. Das wäre dann der Fall, wenn die Habenzinsen auf allen Gebieten (also auch z. B. bei den Staatsanleihen usw.) für lange Zeit real negativ wären (also unter der Inflationsrate liegen). Möglich, dass die Zentralbanken auch das anstreben, als einer Art "schleichender Krisenbereinigung".

 
Das Problem, das ich mit diesem Verfahren habe ist allerdings, dass die Inflation arm und reich (mindestens) gleich trifft (wenn nicht sogar die Reichen als Sachwertbesitzer einen Vorteil haben).
Die sauberere Lösung wären konfiskatorische Steuern auf hohe Geldvermögen, sowie eine Besteuerung der Kapitaltransaktionen (insbesondere reine Finanztransaktionen wie Derivatekäufe usw.).
 
Aber wahrscheinlich ist es am Ende hauptsächlich wieder der kleine Mann, der gerupft wird.
Danke an alle, welche in Politik und Wirtschaftswissenschaften dabei mithelfen.
 
Besonders herzlichen Dank an diejenigen (Wirtschaftswissenschaftler und Laien) welche unbewusst (manche vielleicht sogar bewusst?) jetzt und immerdar ihr Äußerstes geben, um diese tieferen Ursachen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise mit aller Gewalt zu verschleiern bzw. deren Entschleierung zu verhindern. 


Bleibt abschließend nur zu hoffen, dass in meinen Überlegungen kein Denkfehler steckt. ;-) 


Nachtrag/Korrektur:
Doch einen Denkfehler dringehabt! Die Tilgung alter Schulden mittels Aufnahme neuer Schulden ist natürlich (wenn man Zinsen absieht) ein Nullsummenspiel. Was auf der "neuen Seite" draufkommt, wird auf der "alten Seite" abgezogen.
Daher erhöhen sich die Schulden der Ausgeber in unserem Modell in jedem Dispositionsschritt "nur" um 100.000,- €.
Aber das reicht ja auch schon, um die Bonität der Schuldner fortlaufend zu verschlechtern, und irgendwann einen Crash auszulösen.
Die Botschaft meiner Berechnungen ändert sich dadurch in keinster Weise: Was die einen von ihren Einnahmen sparen, müssen die anderen (bei gleich bleibender "Systemaktivität") als Kredit aufnehmen.



Nachträge 05.07.2014

Die Verwendung der Begriffe "Schnitt" und "Schritt(e)" mag irritieren. Im Ergebnis bedeuten sie hier dasselbe; nur die Perspektive ist eine andere:
  • Was das System ein einem (Transaktions- oder Dispositions-)Schritt macht,
  • erkennt der Beobachter, in dem er einen (zeitlichen) Schnitt macht, und die dabei gleichzeitig ablaufenden Vorgänge beschreibt.
Erläuterung zur individuellen Gruppenzugehörigkeit (Ausgeber bzw. Einnehmer):
Grundsätzlich geht meine Überlegung davon aus, dass die "Einnehmer" im einen Transaktionsschritt im folgenden TS die "Ausgeber" sind.

Wer seine Käufe aus Krediten finanzieren muss (die er im Dispositionsschritt - DS - aufgenommen hat), ist natürlich kein "Einnehmer". Mit diesem Begriff meine ich ausschließlich die "Eigengeld"-Empfänger, also diejenigen, die das Geld von anderen (aber nicht als Kredit von der Bank) erhalten haben.
Für meine aktuelle Demonstration ist es unerheblich, aber im Sinne eines realitätsnahen Modells möchte ich dennoch erwähnen, dass die Gruppe der Einnehmer auch dann mehr sparen kann als 100.000,-, wenn die Gruppe der Ausgeber nicht mehr als 100.000,- Netto-Neukredit aufnimmt. In diesem Falle muss die Gruppe der Ausgeber die Differenz entsparen.
Beispiel: Einnehmer legen 200.000,- auf die Bank. Ausgeber kompensieren das, indem sie 100.000,- Netto-Neukredit aufnehmen, und 100.000,- entsparen, also von ihren Guthaben bei der Bank abheben.


Noch zur vorsorglichen Klarstellung: Zu den Wirtschaftssubjekten, die in meinem Modell als "Ausgeber" und "Einnehmer" in Erscheinung treten, gehört selbstverständlich auch der Staat.

Ich hatte es oben in meinen Kommentaren zu den beiden Wikipedia-Einträgen ja bereits angedeutet, will es aber vorsorglich noch einmal ausdrücklich klarstellen:
In meinem Denkmodell hat der Sparbegriff nichts mit "Investition" zu tun.

Bei mir geht es lediglich darum, ob das Geld ausgegeben wird (egal ob für Konsum oder Investition) oder eben nicht, bzw. jedenfalls nicht in der realwirtschaftlichen Sphäre ("Geldsparen").
Im Detail überblicke ich das noch nicht ganz; ich gehe aber davon aus, dass unklare Sparbegriffe in der Volkswirtschaftslehre eine ziemliche Verwüstung anrichten. Und dass diese Verwirrung durchaus auch für Interessen missbraucht wird.
(Vgl. zum Sparbegriff auch meine Blotts "Eine Geldhortung gibt es nicht" und "Mit dem Rüssel auf dem Boden: Der Sparbegriff in der Volkswirtschaftslehre als Hirngeburt intellektueller Ameisenbären".)


Nachtrag 09.07.2014
Zum Thema Nachfragelücke bzw. Über-Akkumulation (klassisch, aber nicht ganz treffend, als "Unterkonsumtionstheorie" bezeichnet), empfehle ich dringend das brillante Papier "Under-Consumption and the Accumulation Motive" von Thomas I. Palley (wohl aus dem Jahr 1990), das trotz seiner relativen Kürze (24 S.) dieses Thema wirklich von allen Seiten beleuchtet.

Insbesondere weist Palley auch darauf hin, dass nicht jede Form von Geldausgeben der Realwirtschaft zu einer besseren Kapazitätsauslastung verhilft. Vielmehr spricht er auch jenes Phänomen an, das  Christopher Mensching (2004) unter der Überschrift "Geldhortung als Nachfrageausfall in der Stromgrößensphäre" beschrieben hat (meine Hervorhebung). D. h. es nützt nichts, wenn die Geldbesitzer ihr Eigengeld zwar wieder ausgeben, aber lediglich für Güter aus der "Bestandsgrößensphäre" (also etwa für Kunstwerke, oder auch für Grundstücke usw.). Ich selber hatte insoweit von "Serailmärkten" gesprochen.
In diesem Zusammenhang ist es sicher auch zu sehen, wenn davon die Rede ist, dass die gesteigerte Geldversorgung durch die Zentralbanken die "Assetpreise" hochtreibt. (Aber diesen Aspekt habe ich noch nicht im Detail durchgedacht.)


Nachtrag 17.07.2014
Im Zusammenhang mit dem vorliegenden Blott unbedingt lesenswert ist der Artikel "After privatised Keynesianism
" von Colin Crouch vom November 2008. (Anscheinend später erweitert zum Aufsatz "privatised keynesianism an unacknowledged policy regime"). Crouch vertritt daran die These, dass in der Phase des Liberalismus die Kreditaufnahme des Staates (der keynesianischen Periode) durch eine private Kreditaufnahme ersetzt wurde. Allerdings verortet er das Sparproblem anscheinend bei den Massen (Sparen als Vorsorge aufgrund unsicherer wirtschaftlicher Umstände), nicht bei den Besitzenden. In diesem Punkt bin ich denn doch ein wenig skeptisch. Ansonsten aber eine brillante Analyse!





ceterum censeo

Zerschlagt den €-Gulag
und den offensichtlich rechtswidrigen Schlundfunk der GEZ-Gebühren-Gier-Ganoven!

Textstand vom 17.07.2014.
Für Paperblog-Leser: Die Original-Artikel in meinem Blog werden im Laufe der Zeit teilweise aktualisiert bzw. geändert.

Kommentare:

  1. Sehr schoene Annaeherung an den "Kasus Knacktus". Sie sprechen eine Reihe der hochinteressanten Abweichungen zwischen vorherrschender Theorie und beobachtbarer Realitaet in einer klaren Sprache an. Das wirkt der Verwuestung durch unklare Begriffe, die sich nun leider nicht nur auf das Sparen beschraenkt, entgegen.
    Ich teile Ihre Sichtweise in den meisten Punkten und quittiere diese im Folgenden:
    1. Der behauptete Geldkreislauf ist kein Kreislauf. Nur bei Habenichtsen und Tageloehnern funktioniert er theoriekonform. Aber auch dort nur solange, wie die Gegenpartei mitspielt. Wenn man sich diese Gegenpartei als den oberen geschichteten Teil einer Pyramide vorstellt, der auf einem Sockel von Habenichtsen und Tageloehnern aufbaut und sich weiterhin vorstellt, dass die Neigung und Faehigkeit monetaere Ueberschuesse zu extrahieren und zu akkumulieren von unten nach oben zunimmt, dann hat man es wohl in etwa erfasst. Dann wird klar, dass der (realwirtschaftlich) arbeitende Sockel immer mehr in Gefahr geraet, monetaer trocken zu laufen, waehrend der koordinierende Ueberbau und die Spitze der Pyramide Gefahr laufen in monetaeren Uebrschuessen zu ertrinken.
    Solange eine erzwungene Rueckfuehrung des Geldes zur Basis aus ideologischen/motivatorischen Gruenden nicht moeglich erscheint, muss etwas anderes, naemlich stetige Geldmengenausweitung durch Kreditinjektionen auf verschiedenen Ebenen das Problem "loesen".
    2. Monetaeres Sparen hat nichts mit Investitionen zu tun.
    3. Der Begriff Investition ist mindestens so unklar wie der Begriff Sparen. Die dadurch verursachte Verwuestung (in den Koepfen) ist, man darf durchaus Intention vermuten, oft noch groesser als es beim Begriff Sparen der Fall ist.
    -
    Kritische Anmerkungen meinerseits:
    1. Die in Ihrer Vorstellung wichtige Deckung des Geldes kann auf mindestens zwei Arten erfolgen.
    a) Besicherung durch einen bereits bestehenden "Wert".
    b) Besicherung durch Anspruch auf einen noch zu schaffenden "Wert" und damit durch die Vermutung eines "Wertschoepfungspotentials"
    2. Die Unterscheidung zwischen Willkuergeld und einem Nichtwillkuergeld erscheint mir daher fragwuerdig. Denn die Beimessung eines Geldwertes, ob nun zu einem bestehenden oder noch zu schaffenden Realwert, erscheint mir immer ein Willensakt zwischen Vertragsparteien zu sein. Auch bei der Entstehung von Geld im Zuge der Kreditvergabe durch eine Geschaeftsbank ist die Grundlage fuer die Bemessung des gewaehrten Kreditbetrags eine Bewertung, also ein Vorgang, der auf eine willentlich herbeigefuehrte Uebereinkunft hinauslaeuft. Auch dann, wenn sich der Wille nur einer der beteiligten Parteien durchsetzt.


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    1. Guten Tag Herr Trappe,

      wir sind uns ja schon oft als Leserkommentatoren in Wirtschaftsblogs über den Weg gelaufen, und Sie betreiben ja auch selber den Blogg "sapere aude" (http://georgtsapereaude.blogspot.de/). Und sind, wie ich vermute, studierter Volkswirt, während ich diese Vorgänge lediglich als Laie observiere. (Und das nicht mit mathematischen Analysen, sondern durch die Bildung von - hoffentlich sachadäquaten - Denkmodellen.)
      Insofern ist Ihre (weitgehende) Zustimmung zu meiner Analyse für mich von besonderem Wert.

      Was das Geld angeht habe ich den Eindruck, dass es im Hintergrund Ihres Denkens noch "metallistische" Vorstellungen gibt. Zumindest scheinen Sie die Gelddeckung - wie soll ich sagen? - wertmäßig-statisch zu verstehen, während ich den Vorgang dynamisch zu begreifen suche.
      Insoweit verweise ich auch auf meine Blotts "Einen Kredit gibt es nicht. 100 Jahre 'Kredittheorie des Geldes' (Credit Theory of Money) von Alfred Mitchell Innes" (http://beltwild.blogspot.de/2013/03/einen-kredit-gibt-es-nicht-zur.html; zur ökonomischen Ratio der kreditären Geldschöpfung) und "Ein Professor der vom Schlagschatz träumt: Wie Joseph Huber uns Willkürgeld als 'Vollgeld' andrehen will" (http://beltwild.blogspot.de/2014/06/ein-professor-der-vom-schlagschatz.html; zum Willkürgeld).

      "Geld" (Zentralbankgeld oder Bankengeld) ist für mich ein Gutschein, den eine (Geschäfts- oder Zentral-)Bank "im Auftrag" der Volkswirtschaft (nicht des Staates!) erstellt und den sie Kreditnehmern als "Erstgeldempfänger" aushändigt.
      Diese erhalten dadurch einen "Vorschuss" auf das BIP.
      Um die entnommenen Güter aber wieder in den Markt zurückzuspeisen, müssen die Erstgeldempfänger vor Tilgung ihres Kredits selber etwas verkaufen.
      Das kann in der Tat etwas schon vorher Vorhandenes sein (ein Grundstück, ein Gemälde, oder auch besicherte Maschinen, Immobilien, Vorräte usw.).
      Oder (idealtypisch) etwas zwischenzeitlich neu Produziertes (bzw. erbrachte Dienstleistungen).

      Insoweit haben Sie Recht, wenn Sie "bestehenden" und "noch zu schaffenden" Wert als gleichwertige Alternative aufführen.

      Anderer Meinung bin ich allerdings, wenn sie davon sprechen dass "die Beimessung eines Geldwertes, ob nun zu einem bestehenden oder noch zu schaffenden Realwert, ..... immer ein Willensakt zwischen Vertragsparteien" sei.
      In diesem Punkt denken Sie zu sehr einzelfallbezogen-substantialistisch: "Was passiert zwischen Kreditnehmer und Kreditgeber". Während für mich der Kreditgeber (beim Primärkredit, also bei Geldschöpfung; anders beim Sekundärkredit unter Wirtschaftssubjekten) lediglich ein Agent der Gesellschaft (Volkswirtschaft) ist (der aber selbstverständlich auch eigene Interessen hat).
      Der (geldschöpfende) Kreditgeber muss dafür sorgen, dass der Kreditnehmer als "Vorschussempfänger" den empfangenen realwirtschaftlichen Vorschuss (beispielsweise 1.000 Suppenhühner) in die Realwirtschaft zurückbringt. Nicht güteridentisch; wohl aber wertidentisch (plus Zinsen = "Geldschöpfungsgebühr").

      Und das passiert automatisch, unabhängig vom Willen der Vertragsparteien, aufgrund der Interessenlage des Geldschöpfers: Der will sein Geld zurück; der Kreditnehmer muss sich das Geld vorher wieder beschaffen; das kann er nur, indem er selber in der Realwirtschaft etwas verkauft.

      Wegen Zeichenbegrenzung (4.096 Zeichen) bei der Kommentarfunktion Fortsetzung im Folgekommentar.

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    2. Guten Tag Cangrande,
      ich fuehlte mich seinerzeit zum Ingenieurberuf berufen und habe nach einem entsprechenden Studium mehr als zweienhalb Jahrzehnte in diesem Beruf gearbeitet. Wenn ich mich heute intensiver mit den wirtschaftlichen Zusammenhaengen beschaeftige, bin ich also ausserhalb meines Fachgebiets im engeren Sinne taetig. Meine Zustimmung zu Ihren Ausfuehrungen sollten Sie daher nicht ueberbewerten.
      -
      Was das Geld angeht sehe ich mich nicht durch metallistische Vorstellungen gepraegt. Vielmehr halte ich Geld fuer eine zur Umlauffaehigkeit veredelte Forderung. Also eine Forderung die sich von anderen Forderungen nur dadurch unterscheidet, dass sie als Zahlungsmittel allgemein akzeptiert wird. Ob ich in meinen Buechern eine offene Rechnung fuer erbrachte Leistungen fuehre oder einen Kassenbestand (an Forderungen gegen die Zentralbank in Form von Bargeld oder an Forderungen gegen eine Geschaeftsbank auf Forderungen gegen die Zentralbank) macht nur insoweit einen Unterschied, als das meine offenen Rechnungen im allegemeinen nicht als Zahlungsmittel akzeptiert werden. Allerdings kann man sehr wohl in bestimmten Faellen mit der Abtretung von Forderungen, die keine Forderungen gegen das Bankensystem darstellen, schuldbefreiend zahlen. D.h. die Stellung einer Forderung z.B. in Form einer Rechnung ist etwas, was der Geldschoepfung sehr aehnlich ist. Ein wesentlicher Unterschied ist neben der fehlenden Umlauffaehigkeit die Bindung an eine zuvor erbrachte und gelieferte Leistung. Eine Rechnung, die gestellt wird, ohne das zuvor auch eine reale Leistung an den Adressaten geliefert wurde, wird im allgemeinen als unberechtigte Forderung zurueckgewiesen, was mir ein weiterer wichtiger Unterschied zu sein scheint. Denn das Bankensystem kann im Gegensatz dazu zur Umlauffaehigkeit veredelte Forderungen emittieren, ohne zuvor eine reale Leistung erbracht zu haben. Ersatzweise kreiert das Bankensystem bei der Emission von zur Umlauffaehigkeit veredelten Forderungen = Geld entgegengerichtete Forderungen, die nur durch Rueckzahlung getilgt werden koennen. Ob und wie der (geldschöpfende) Kreditgeber dafür sorgt, dass der Kreditnehmer als "Vorschussempfänger" den empfangenen realwirtschaftlichen Vorschuss (beispielsweise 1.000 Suppenhühner) in die Realwirtschaft zurückbringt, ist eine interessante Frage. Wenn man sich den massiven kreditfinanzierten spekulativen Kauf von z.B. Aktien oder anderen Wertpapieren ansieht, darf man da durchaus seine Zweifel haben. Von einem Automatismus unabhaengig vom Willen der Vertragsparteien kann da meiner Meinung nach keine Rede sein. Wobei ich Ihnen aber insoweit zustimme, das die Interessenlage des Geldschoepfers durchaus eine dominierende Rolle spielt. Denn sein Wille geschieht. Es sei denn bei den spekulativ erworbenen Wertpapieren handelt es sich um verbriefte entgegengerichtete Forderungen des Bankensystems, die zwar ein triple A Rating erhalten haben, aber trozdem uneinbringlich geworden sind.
      Fortsetzung folgt (leider erst am Wochenende). Bis dahin mit freundlichen Gruessen
      Georg Trappe

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    3. "Ob und wie der (geldschöpfende) Kreditgeber dafür sorgt, dass der Kreditnehmer als "Vorschussempfänger" den empfangenen realwirtschaftlichen Vorschuss (beispielsweise 1.000 Suppenhühner) in die Realwirtschaft zurückbringt, ist eine interessante Frage."

      Der Kreditgeber sorgt dafür nicht bewusst. Er will ja nur sein Geld zurückhaben. Und das treibt er (aus "egoistischen" Gründen, aber objektiv gleichzeitig sozusagen als "Agent" der Volkswirtschaft, die ihn ja auch mit der Kreditvergabe "beauftragt" hatte) notfalls ein.
      Und eben diese (ggf. erzwungene) Kredittilgung sorgt realwirtschaftlich dafür, dass der Kreditnehmer realwirtschaftlich etwas verkaufen muss. Womit er der Wirtschaft ein Äquivalent zu jenem Gut zurückgegeben hat, was er "vorschussweise" entnommen hatte.

      Selbst wenn die Forderung uneinbringlich ist, gibt es Puffer: Die Gewinnspanne der Bank, die Einlagen der Anteilseigner. Notfalls auch die Spareinlagen oder der Steuerzahler. Wenn die den Verlust abdecken, verzichten sie insoweit auf eigenen Konsum; damit ist der Nachfrageüberhang aus dem "Vorschuss" wieder ausgeglichen.

      Soweit jedenfalls das Prinzip. Die spannende Frage ist, ob die aktuelle Geldpolitik der Notenbanken diesen Zusammenhang aushebelt (bzw., um Hortung zu neutralisieren, sogar aushebeln muss).
      Denkbar erscheint, dass wir uns momentan im Stadium einer Ponzi-Finanzierung befinden, wo Kredite UND ZINSEN nur mit neuen, jeweils entsprechend höheren, Krediten getilgt werden. (Gesamtwirtschaftlich betrachtet; individuell kann sich das anders darstellen.)
      Insofern kann man in der Tat Zweifel haben, ob da momentan nicht schon ganz etwas anderes läuft (wie Sie mit "spekulativ erworbenen Wertpapieren" ja auch andeuten).

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    4. Hallo Herr Brinkmann,
      ".....Soweit jedenfalls das Prinzip." Ich wuerde sagen, Sie beschreiben da den idealtypischen Fall, wie er dem mehr oder weniger interessierten Publikum gerne praesentiert wird. Eine bemerkenswerte moegliche Alternative, den Einsatz des gewaehrten Kredits zu gewinnbringenden Spekulation, die dem Kreditnehmer Zugang zu realwirtschaftlichen Leistungen ermoeglicht ohne selber realwirtschaftlich taetig zu werden, ist aber (zumindest in "Fachkreisen") aehnlich populaer. Davor sollte man trotz der propagierten Ideale nicht die Augen verschliessen. Denn es koennte ja durchaus sein, dass derartige Praktiken nicht nur Randerscheinungen sind oder bleiben, sondern das Geschehen zunehmend dominieren.
      Wenn man dann noch Geld als Fuehrungs- und Lenkungsinstrument, man koennte auch sagen Machtinstrument, begreift, welches den oberen Etagen der bereits erwaehnten Pyramide in einem hohen Mass erlaubt, zu beeinflussen, ob und wofuer das realwirtschaftliche Potential eingesetzt wird, dann ergeben sich daraus tatsaechlich weitere interessante Fragen. Auch weit ueber die aktuelle Geldpolitik, ihre Ziele und ihre Wirksamkeit in Bezug auf diese Ziele hinaus.
      Eine davon ist und deswegen habe ich auf Ihren Artikel reagiert, ob ignorierte oder unkontrollierte Konzentrationsprozesse, die das Geld in wenigen Haenden versammeln, die Wirksamkeit der Lenkungsfunktionen des Geldes mit der Zeit untergraben. Ich wuensche Ihnen ein schoenes Wochenende.

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    5. Hallo Herr Trappe,

      Sie suchen sicherlich nicht im falschen Feld mit Ihren Überlegungen. Ich finde nur, man muss die Sachverhalte präziser fassen, um sie einer Verifikation bzw. Falsifikation unterziehen zu können.

      Was bedeutet
      "Geld als Fuehrungs- und Lenkungsinstrument, man koennte auch sagen Machtinstrument, begreift, welches den oberen Etagen der bereits erwaehnten Pyramide in einem hohen Mass erlaubt, zu beeinflussen, ob und wofuer das realwirtschaftliche Potential eingesetzt wird"
      ganz konkret? "Geld regiert die Welt"? Das ist ja nichts Neues.
      EINE mögliche Problematik wäre die Frage, OB das (vorhandene) Geld überhaupt in die Realwirtschaft fließt. Insofern käme die Unterkonsumtionstheorie in Betracht, zu der ich schon verschiedentlich gerschrieben hatte (z. B. hier: http://beltwild.blogspot.de/2008/11/yes-we-know-zumindest-knnten-wir-die.html) und wozu ich oben in einem Nachtrag vom 9.7. zwei Fremdtexte verlinkt habe.

      Auch an Ihrer Formulierung
      "Einsatz des gewaehrten Kredits zu gewinnbringenden Spekulation, die dem Kreditnehmer Zugang zu realwirtschaftlichen Leistungen ermoeglicht ohne selber realwirtschaftlich taetig zu werden"
      ist etwas dran. Sie greift aber in dieser Form zu kurz. Der Kreditnehmer muss den Kredit tilgen. Beschafft er sich das dafür erforderliche Geld, indem er andere übers Ohr haut (was der Spekulant selber natürlich als nützliche ökonomische Funktion ansehen wird), dann mindert sich DEREN Kaufkaft.
      Mit anderen Worten: Aus den von Ihnen formulierten Sachverhalten ergibt sich zwar eine Wohlfahrtsminderung (besser wäre es, der Spekulant würde was schaffen), aber kein Inflationspotential.

      Ein solches kann "eigentlich" bei kreditärer Geldschöpfung nicht eintreten. Die Rückzahlungspflicht garantiert, dass entweder der Schuldner selber etwas in die Wirtschaft zurückspeist, oder dass die Verpflichtung durch eine Minderung der Kaufkraft Dritter getilgt wird (wenn der Schuldner das für die Tilgung notwendige Geld stiehlt; aber ebenso, wenn er gar nicht tilgt: Dann tragen andere den Verlust, d. h. mindert sich deren Kaufkraft, z. B. die Bankaktionäre).

      Ich halte es allerdings für möglich (und hatte das ansatzweise auch bereits in zwei Blotts erörtert: http://beltwild.blogspot.de/2009/01/die-credit-default-swaps-als.html und http://beltwild.blogspot.de/2009/02/neuartige-buchgeldschopfung-im.html), dass diese Zusammenhänge in einem Regime der fortlaufenden Geldmengenausweitung ausgehebelt werden können.
      Dass also in einem System der (von Hyman Minski) so genannten "Ponzi-Finanzierung" reine Finanzaktivitäten ohne realwirtschaftlichen Bezug und Nutzen Gewinne generieren, welche der Finanzsektor dennoch der Realwirtschaft als Rechnung präsentierten (d. h. dort "einkaufen gehen") kann. Schließlich handelt es sich ja trotz allem um "Geld".

      Fortsetzung im Folgekommentar

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    6. Fortsetzung zum Vorkommentar:

      Insbesondere hege ich den starken Verdacht, dass die angelsächsische und mittlerweile für die großen Unternehmen ja auch bei uns vorgeschriebene Mark-to-market-Bilanzierung eine derartige wundersame Geldvermehrung ermöglicht.
      Grundsätzlich ist es natürlich so, dass solche Geschäfte Nullsummenspiele sein sollten: Was der eine gewinnt, verliert der andere.
      Wenn der "Nachschub" für die Verluste (zu denen ja immer auch die Transaktionskosten kommen, die das "Nullsummespiel" per Saldo in der Gesamtbetrachtung definitiv zu einem Verlustgeschäft machen) aus der Realwirtschaft kommt, mag das dort abträgliche Folgen haben (Nachfragelücke). Es kann aber nicht die Geldmenge aufblähen und nicht, auch nicht potentiell, inflationär wirken.
      Inflationspotential besteht nur dann, wenn solche Geschäfte KEINE Nullsummenspiele sind, sondern (in der Gesamtbetrachtung!) zu Gewinnen führen, die NICHT aus der Realwirtschaft finanziert sind. Sondern durch eine Erhöhung der Geldmenge.

      Das käme dann dem "Willkürgeld" wohl nahe, bei dem (typischer Weise) der Staat Geld druckt und einfach damit einkaufen geht (Deutschland 1923).
      Aber um das operabel zu formulieren fehlen mir dann doch die wirtschaftswissenschaftlichen Kenntnisse; ich muss mich darauf beschränken, dieses Szenario als Möglichkeit aufzuzeigen und hoffen, dass irgend jemand "Butter bei die Fische" gibt.

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    7. " "Geld regiert die Welt"? Das ist ja nichts Neues." Ich glaube nicht, dass es in diesem Zusammenhang etwas wirklich Neues zu entdecken gibt. Viel mehr denke ich, dass folgende Saetze zutreffend sind:
      „Im Leben stehen einem anständigen Charakter so und so viele Wege offen, um vorwärts zu kommen. Einem Schurken stehen bei gleicher Intelligenz und Tatkraft auf dem gleichen Platz diese Wege auch alle offen, daneben aber auch noch andere, die ein anständiger Kerl nicht geht. Er hat daher mehr Chancen, vorwärts zu kommen. Infolge dieser negativen charakterlichen Auslese findet eine Anreicherung der höheren Gesellschaftsschichten mit Schurken statt. Das ethische Durchschnittsniveau einer Gesellschaftsschicht wird um so schlechter, je besser und einflussreicher sie gestellt ist. Nur dieser Umstand vermag die Tatsache zu erklären, warum die Welt nicht schon seit mindestens fünftausend Jahren ein Paradies ist. Das muss man wissen, wenn man die Weltgeschichte verstehen will.“
      Die Kostueme der Schurken moegen dabei gewissen Moden unterliegen und so etwas wie Innovation vorspiegeln, aber wenn man diese Dinge beiseite laesst, dann reduziert sich das Geldwesen auf die Erstellung von zur Umlauffaehigkeit veredelten Forderungen ohne vorherige Lieferung eines realwirtschaftlichen Werts durch den Ersteller. Und wie verheerend die Dummheit ist, die darin liegt dieses Schurkenstueck nun zum xten mal in der Hoffnung zu tolerieren, es koennte diesesmal etwas Gutes daraus entstehen, offenbaren diese Saetze aus dem Ahlener Programm der CDU aus dem Jahr 1947:


      „Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. Nach dem furchtbaren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch als Folge einer verbrecherischen Machtpolitik kann nur eine Neuordnung von Grund aus erfolgen.

      Inhalt und Ziel dieser sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein. Durch eine gemeinschaftliche Ordnung soll das deutsche Volk eine Wirtschafts- und Sozialverfassung erhalten, die dem Recht und der Würde des Menschen entspricht, dem geistigen und materiellen Aufbau unseres Volkes dient und den inneren und äußeren Frieden sichert.“

      Wenn das nicht genug Butter bei die Fische war, was dann?

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  2. Antworten
    1. Fortsetzung meines Kommentars:

      Diese VOLKSWIRTSCHAFTLICHE Besicherung der Geldemission hat nichts mit der BETRIEBSWIRTSCHAFTLICHEN Frage zu tun, ob die Bank eine Sicherheit für den Kredit verlangt oder nicht.
      Zahlt ein Kreditnehmer den "Vorschuss" dauerhaft NICHT zurück, dann hat die Bank einen Ausfall.

      Der ist (i. d. R.) volkswirtschaftlich durch die "Versicherungsprämie" gedeckt, die alle Kreditnehmer bezahlen müssen und die sich im Kreditzins versteckt.
      In der Mikro-Makro-Verknüpfung bedeutet das: Die Bank zahlt eine um diesen Betrag gekürzte Dividende an die Aktionäre. Dadurch wird die Kaufkraft, die der Kreditnehmer als "Vorschussempfänger" in der Wirtschaft verbraucht hat, neutralisiert: Die Aktionäre können nur noch entsprechend weniger kaufen.
      (Was in der ex-post-Perspektive als Kaufkraftverlust der Aktionäre erscheint, ist in der ex-ante-Sicht natürlich ein Kaufkraftverzicht der Kreditnehmergemeinschaft, der sich aus der Zahlung der "Versicherungsprämie" im Zins ergibt.)

      Auf diese Weise ist sichergestellt, dass Kreditausfälle (im Prinzip) nicht zu einer inflationären Übernachfrage führen: Was der eine konsumiert und nicht "zurückgegeben" hat, wir den anderen von ihrer "vollen" Kaufkraft (die sie hätten, wenn alle Kredite getilgt würden) abgezogen.

      Anders nur dann, wenn die Zentralbank eine insolvente Geschäftsbank rekapitalisiert: Das könnte sie nur tun, indem sie Geld - Zentralbankgeld - "druckt" und an die Bank "verschenkt". In der Realität würde beispielsweise Don Draghis EZB ein eventuelles Geldverschenken an Banken natürlich zu verschleiern suchen. Wahrscheinlich in der Form, dass die ZB von der Geschäftsbank minderwertige "Wert"papiere zum Nennwert ankauft und bei Fälligkeit die Verluste trägt.

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  3. Zum Willkürgeld:

    Ich weiß nicht, ob das auch Ihre Position ist (ein wenig habe ich den Eindruck).
    Jedenfalls hatte ich in einer Emaildebatte mit einem Amerikaner die Frage von "Willkürgeld" (damals noch ohne Kenntnis dieses Begriffs, aber der hätte mir im Englischen sowieso nichts genützt und kann außerdem von der Sache her durch "Falschgeld" ersetzt werden) im Zusammenhang mit staatlicher "Wertschöpfung" ausführlich durchdekliniert.

    Das Argument meines Diskussionspartners war:
    "Warum soll der Staat nicht einfach Geld drucken und beispielsweise ein Gebäude dafür erstellen lassen. Dann ist ja schließlich ein (mehr oder weniger) bleibender Wert geschaffen worden, und damit ist das gedruckte Geld gedeckt".

    Auf den ersten Blick absolut logisch. Ökonomisch dennoch falsch.

    Der erste Modellfehler liegt schon darin, dass der Staat tendenziell das gedruckte Geld eher die Bürger verteilen wird (wobei es hier egal ist, ob das als Sozialleistung geschieht oder z. B. als "Investition" in die Bildung).
    Die Geldempfänger gehen damit einkaufen; aber der Staat hat hier zusätzliche (monetäre, nicht reale!) Kaufkraft geschaffen, der keine zusätzliche Leistung der Geldempfänger entgegensteht. (Bei Bildungsinvestition jedenfalls keine, die am Markt angeboten wird, und damit die Kaufkraft anderer Wirtschaftssubjekte abschöpfen würde.)

    Lassen wir aber diesen Aspekt beiseite und bei der Mittelverwendung eine investive zu, die auch allgemein als nützlich anerkannt werden dürfte: Unterstellen wir, der Staat habe mit "gedrucktem" Geld einen Wohnblock gebaut.
    Damit hat er unstreitig einen Wert geschaffen.
    Trotzdem hat er sich volkswirtschaftlich als Schmarotzer betätigt; nicht anders als jeder private Geldfälscher, der ja hypothetisch ebenfalls einen Wohnblock bauen könnte (indem er die Kosten mit seinem "privaten" Falschgeld bezahlt).

    Der Bauherr nimmt die Dienste von Bauarbeitern in Anspruch. Die werden nicht in die Wohnungen einziehen (oder, wenn im Einzelfall doch, müssen normale Miete bezahlen). Der Bauherr gibt also den Arbeitnehmer keine Wohnungen als realwirtschaftliche (Tausch-)Vergütung für ihre Arbeitsleistung.

    Vielmehr müssen die ANer etwas essen. Unterstellen wir, dass der Bauherr ihnen 1.000,- € bezahlt und die ANer sich dafür im Markt 1.000 Suppenhühner kaufen.
    Der Staat hat damit (indirekt) dem Markt 1.000 Suppenhühner entzogen. Das wäre dann kein Problem, wenn er der Volkswirtschaft gleichzeitig die entsprechende Kaufkraft entzogen hätte (durch Besteuerung oder durch Anleiheaufnahme - die dann allerdings als "Sekundärkredit" aus Ersparnissen finanziert worden sein müsste.)
    Hat er aber nicht, weil er sich annahmegemäß das Geld ja einfach gedruckt hat.

    Also haben wir (vorheriges Gleichgewicht im Markt unterstellt) einen Nachfrageüberhang von 1.000 Suppenhühnern und damit eine entsprechende Inflation: Die Suppenhuhnpreise müssen steigen; dann wird die Nachfrage entsprechend sinken.
    Im Extremfall müssten die Bauarbeiter sogar verhungern: Wenn wir nämlich postulieren, dass der Staat sie aus der Landwirtschaft weggelockt hätte und mangels Arbeitskräften dort jetzt nur noch 500 Suppenhühner "produziert" werden.

    Was aber ist mit dem "Wert", den der Staat in Gestalt der Wohnblocks ja zweifellos geschaffen hat?

    Nun: Der Staat speist diesen Wert nicht in den Markt zurück (d. h. unser Denkmodell sieht das nicht vor). Er vermietet die Wohnblocks, und die Mieteinnahmen gibt er wiederum für was auch immer aus.

    Die Geldschöpfung stellt somit "Willkürgeld" da: Sie hat zusätzliche Nachfrage geschaffen, die nicht von zusätzlicher Wertschöpfung FÜR DEN MARKT gedeckt ist. Und dieses Geld wird, in dieser ersten Modellvariante, auch nicht zurückgezahlt; die Geldmenge hat sich also dauerhaft vermehrt.

    Fortsetzung im Folgekommentar

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  4. Fortsetzung aus Vorkommentar:

    Alternativ lässt sich eine Variante konstruieren, bei welcher der Staat das Geld NICHT einfach "gedruckt" hat, sondern als Kredit am Markt aufgenommen. Den er dann, wie jeder Private auch (außer unserem hypothetischen Falschgeldhersteller), aus den Mieteinnahmen oder aus einem Verkauf des Wohnblocks tilgt.

    Diese Vorgänge in der finanzwirtschaftlichen Sphäre bedeuten in der realwirtschaftlichen Dimension, dass die Mieter oder der Käufer die entsprechende Kaufkraft an den Staat abdrücken müssen.
    Konkret auf unser (etwas humorvoll gemeintes) Beispiel bezogen: Jene 1.000 Suppenhühner, welche die Mürker am Markt nachgefragt haben, können nunmehr von den Mietern (oder vom Hauskäufer) NICHT mehr nachgefragt werden - weil sie das Geld ja an den Staat gezahlt haben, der es seinerseits der Bank als Kreditgeberin zur Kredittilgung weiterleitet. Dadurch wird dieses Geld, und damit die entsprechende Kaufkraft, vernichtet.

    Natürlich haben wir dann noch das Problem zeitlicher Inkongruenzen drin; aber vorliegend ging es mir nur darum, zunächst einmal ein Grundlagenmodell zu konstruieren. Das darf jeder, der dazu Lust hat, gerne weiter verfeinern.

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