Donnerstag, 17. Juli 2014

Geld sparen und Geld ausgeben (konsumieren oder investieren) sind inkommensurable Begriffe



Für unseren Alltagsverstand ist die Sache klar: Was wir nicht ausgeben, sparen wir.
Wenn man aber genauer hinschaut, lässt sich aber das Sparen schon auf der Mikroebene (also bei dir und bei mir) gar nicht präzise bestimmen.
Wenn ich heute im Laden etwas kaufen will, und mich dann doch dagegen entscheide: Ist das ein "Sparen"? [Hier ist mit "Sparen" immer "Geld sparen", also sozusagen "Horten" gemeint; makro- wie mikroökonomisch kann man aber natürlich auch sparen, indem man Geld ausgibt: Etwa für Aktien usw.]
Subjektiv mag man das so sehen: Ich verzichte auf etwas - und behalte das Geld im Portemonnaie.
Aber wie geht es dann weiter? Gebe ich das Geld morgen für etwas anderes aus? Lasse ich es bis zum Monatsende unangetastet, und hebe dafür im Folgemonat weniger von der Bank ab? Dann hätte ich in diesem Monat mehr Geld auf dem Konto (oder weniger Miese, wenn ich im Überziehungskredit stecke).
Überweise ich dann das Geld am Ende des 2. Monats auf ein Sparkonto, oder lasse ich es (beim Überziehungskredit sowieso) auf meinem Girokonto?
Kaufe ich mir im 3. Monat einen Fernseher? Oder nach einem Jahr ein Auto? Oder nach 5 Jahren ein Haus?

Noch komplizierter wird es auf der Makro-Ebene.
Das Geldausgeben ist leicht zu erfassen. Das kann in einem zeitlichen Schnitt geschehen: Dann würde man sozusagen alle Scheine zählen, die grade über die Ladentheke geschoben werden, und alle Überweisungen, die grade im Bankensystem unterwegs sind.
Alternativ könnte man die Summe der Transaktionen (Käufe/Verkäufe) in einem bestimmten Zeitraum erfassen.
Für das "Sparen" indes erhalte ich auf diese Weise keine Werte.
Weder kann ich (bei der Schnittanalyse) davon ausgehen, dass alle in diesem Moment nicht im Transfer begriffenen Gelder Ersparnisse sind.
Noch kann ich für eine (wie auch immer definierte) Periode eine Bilanz in der Weise erstellen, dass etwa die gesamte Geldmenge abzüglich der in dieser Periode bewegten Gelder (volkswirtschaftliche) Ersparnisse wären. Tatsächlich kann die Summe der Transfers weitaus höher sein als die gesamte Geldmenge.

Wie werden die Ersparnisse dann statistisch definiert und erfasst? Keine Ahnung; scheint mir aber eine spannende Frage zu sein.

Ich bin mir noch nicht sicher, ob diese Nichtvergleichbarkeit der Begriffe "Sparen" und "Ausgeben" (egal, ob für Konsum oder Investitionen) für mein Raisonnieren über das (volkswirtschaftliche) Sparen (vgl. etwa meine Blotts "Eine Geldhortung gibt es nicht", "Mit dem Rüssel auf dem Boden: Der Sparbegriff in der Volkswirtschaftslehre als Hirngeburt intellektueller Ameisenbären" und "Geldschöpfung und Sparparadox: Analyse an einem 'Schnittmodell' von Transaktions- und Dispositionsschritten") irgend eine Bedeutung hat.
Aber merkwürdig ist es doch, wie selbstverständlich wir Sachverhalte als gegensätzlich begreifen, die bei näherem Hinsehen überhaupt nicht kommensurabel sind (sondern verschiedenen Ebenen zugehörig).





ceterum censeo
Zerschlagt den €-Gulag
und den offensichtlich rechtswidrigen Schlundfunk der GEZ-Gebühren-Gier-Ganoven!
 
Textstand vom 17.07.2014.
Für Paperblog-Leser: Die Original-Artikel in meinem Blog werden im Laufe der Zeit teilweise aktualisiert bzw. geändert.

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