Samstag, 12. Dezember 2015

Geld: Tauschmittel, Zwischentauschmittel, oder was?



Gibt man in der Suchmaschine den Begriff "Zwischentauschmittel" ein, dann wird, wer dafür sensibilisiert ist, unterschiedliche Antworten auf die Titelfrage registrieren.

Das Finanzportal (eine offenbar kommerzielle, freilich etwas dubiose Seite ohne Impressum) definiert unter dem Stichwort "Geld als Zahlungsmittel" kurzerhand: "Geld ist ein sogenanntes Zwischentauschmittel."

Deutlich ausführlicher ist die Darstellung auf der ebenfalls kommerziellen Seite Kredit-Vergleich.de. Dort heißt es zum Stichwort "Geld" u. a. (meine Hervorhebungen):
"Geld ist ein Zwischentauschmittel. Im Gegensatz zu direkten Tauschmitteln befriedigt Geld nur indirekt den Bedarf des Tauschpartners, da Geld einen Umweg zum eigentlichen Tauschmittel darstellt. Zwischentauschmittel waren schon in Gebrauch, bevor das Geld wie wir es heute kennen, erschaffen wurde. Güter, die als Zwischentauschmittel eingesetzt wurden, zeichneten sich immer durch ihre Hochwertigkeit, ihre Seltenheit und allgemeine Anerkennung aus. Früher gehörten dazu zum Beispiel Muscheln, Silber, Gold oder Getreide. Später entstand die Form des Kreditgeldes. Eine Forderung wurde genutzt, um damit Waren oder Dienstleistungen bezahlen zu können. Die Form des Warengeldes war in nahezu allen Kulturen der Welt bekannt, das Warengeld unterschied sich aber nach regionalen Gegebenheiten. Nicht überall ist Gold oder Silber vorhanden gewesen, in einigen Regionen wurden Tiere wie Kamele oder Ziegen als Zwischentauschmittel verwendet, Salz, kostbare Steine oder Pelze waren ebenfalls geldähnliche Tauschmittel."
Der erste Satz setzt Geld und Zwischentauschmittel gleich.
Der 3. Satz "Zwischentauschmittel waren schon in Gebrauch, bevor das Geld wie wir es heute kennen, erschaffen wurde" dagegen unterscheidet bereits die Begriffe "Geld" (allerdings mit dem Zusatz "wie wir es heute kennen") und "Zwischentauschmittel". Hier schimmert also schon durch, dass die Gleichsetzung von Geld und Zwischentauschmittel vielleicht irgendwie fragwürdig sein könnte. Zumindest muss hiernach sprachlogisch das "Geld, wie wir es heute kennen" etwas anderes sein als jedenfalls diejenigen Zwischentauschmittel, die früher in Gebrauch waren.
Worin der Unterschied liegt, lässt sich dem 4. Satz entnehmen (meine Hervorhebungen): "Güter, die als Zwischentauschmittel eingesetzt wurden ....".
Früher wurden also GÜTER als Zwischentauschmittel eingesetzt, heute ist das (wie wir im Text aus der Vergangenheitsform folgern müssen, aus unserem Alltagsleben allerdings ohnehin selber wissen) nicht mehr der Fall.
Mithin können wir, die offenbar hinter den o. a. Zeilen stehende Vorstellung des Autors von der historischen Entwicklung des Geldwesens so formulieren:
Früher wurden Güter als Zwischentauschmittel eingesetzt; heute dienen bedrucktes Papier oder Zahlen auf Bankkonten als Zwischentauschmittel.

Auch die Bundesbank verbreitet die Vorstellung, dass Geld ein Zwischentauschmittel sei.
In Ihrer 10-seitigen Broschüre (für Schulen) "Begriff und Aufgaben des Geldes" (hier runterzuladen) schreibt sie insoweit (S. 9; Hervorhebung von mir):
"Geld ist als Zwischentauschmittel zur Erleichterung des Handels in einer arbeitsteiligen Wirtschaft unverzichtbar. Damit ist Geld eine wesentliche Voraussetzung des heutigen Wirtschaftslebens. Denn einfacher als das mehrfache Tauschen wäre es, die Kirschen zu verkaufen und anschließend das Buch gegen Geld zu tauschen."
Der emeritierte Siegener Volkswirtschaftler Prof. Gerhard Merk stellt der Menschheit dankenswerter Weise ein Mega-Giga-Lexikon "Finanzbegriffe" (mit ca. 12.000 Begriffen auf ca. 2.100 Seiten) als pdf-Dokument zur Verfügung. Auch darin wird das Geld als Zwischentauschmittel definiert (der Begriff erscheint insgesamt mindestens acht mal).

Sehr viel vorsichtiger definiert das Gabler Wirtschaftslexikon das Geld (meine Hervorhebungen):
"Der Übergang von der Naturaltausch- zur Geldwirtschaft begann mit der zunächst lokalen Gewohnheit, durch die Einigung auf ein Zwischentauschgut den zuvor simultanen Austausch zweier Leistungen in getrennte Vorgänge des Kaufs und Verkaufs zu zerlegen. Als Medium dienten zunächst aufbewahrfähige Güter (Warengeld, z.B. Felle, Öle, Schmuck). Mit der Entwicklung des Handelverkehrs und der Arbeitsteilung wurden diese durch Finanzaktiva (Münzen, private und staatliche Banknoten sowie Giralgeld in Form täglich fälliger Sichteinlagen bei Geschäftsbanken) ersetzt. In der modernen Geldverfassung findet die Geldschöpfung durch die Zentralbank (Zentralbankgeld) oder das Banksystem (Giralgeld) statt. ..... Tauschmittelfunktion: Konstitutiv für das Wesen des Geldes ist daher allein die Eigenschaft bzw. Funktion als transaktionsdominierendes Tauschmittel."
Hier ist nicht von einem "Zwischentauschmittel" die Rede, sondern von einem "Zwischentauschgut ". Offenbar sieht der Autor lediglich GÜTER, also Waren (bei mir einschl. Dienstleistungen gedacht), als Zwischentauschmittel an. Und bei der allgemeinen Gelddefinition lässt er das "Zwischen" weg und spricht lediglich von einer Tauschmittelfunktion. Wenn er derart subtilen Unterscheidungen macht, dann dürfen wir annehmen, dass er sich dabei etwas gedacht hat.

Noch weiter geht eine Webseite mit "Betriebswirtschaftslehre für pharmazeutisch-kaufm. Angestellte". Zum Thema "Geld: Definition, Entstehung, Arten, Funktionen" liest man dort (meine Hervorhebungen):
"Sehr schnell wurde ..... in vielen Kulturen ein allgemeines Tauschmittel wie z. B. Vieh, Salz, Muscheln, Waffen, Perlen usw. als Natural-/Warengeld eingeführt. Oft hatte das Naturalgeld auch noch einen eigenen Gebrauchswert, so dass man es im Notfall selbst benutzen konnte (Schlachtvieh, Gewürze, Waffen). Zwischentauschmittel waren aber nur innerhalb bestimmter Gesellschaften anerkannt, nicht teilbar, oft leicht verderblich oder schwer zu transportieren. Auch das erste Metallgeld war nur innerhalb bestimmter Grenzen als Tauschmittel einzusetzen."
Sprachlogisch ergibt sich aus diesem Text eine klare Unterscheidung zwischen "Zwischentauschmittel" und "Metallgeld", d. h. der Autor setzt beide offenbar NICHT gleich. Bei dem Metallgeld ist das Papiergeld und Buchgeld unserer Tage zweifellos mitgedacht; aber darauf kommt es nicht an: Indem der Autor zumindest für das Metallgeld den Begriff Zwischentauschmittel nicht gelten lässt, schließt er implizit eine allgemeine Definition von Geld (d. h. von JEDER Geldart) als Zwischentauschmittel aus.

Wer ist nun schlauer: Die Deutsche Bundesbank - oder irgend eine (für den Außenstehenden: ) obskure Webseite für pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte? Ein durchschnittlicher Leser würde diese Frage wohl ohne Zögern nach der relativen Autorität beurteilen und also für die Bundesbank plädieren.
Ich aber bin anderer Meinung.

Die hier explizit behandelte Fragestellung hatte ich implizit bereits früher beantwortet, und zwar in meinem Blott "Hat Autor nicht auch Grips beineben, kann Leser nicht recht glücklich sein. Eine Polemik gegen Monetär-Obskurantisten ....." vom 13.12.2013 (also vor beinahe genau 2 Jahren). Dort hatte ich geschrieben (Hervorhebung jetzt):

"... bereits am ersten Satz "Geld ist das allgemeine, universell akzeptierte Tauschmittel"
kann man ein Haar in der Suppe finden. Unter "Tauschmittel" kann man sich nämlich zwei sehr verschiedene Dinge vorstellen:
·        Ein "Zwischentauschmittel" (mit eigenem, "intrinsischem" Wert), in das bzw. mit dem man ein (Geld-)Gut gegen andere Güter eintauscht (also ein Warengeld oder, wie Polleit/Prollius - nach Ludwig von Mises - sagen, "Sachgeld") oder
·        ein Instrument, mit dem man (wie ich sagen würde) einen "zeitverzögerten und indirekten Tausch" bewerkstelligen kann. D. h. ein intrinsisch wertloses Geld, bei dem der "Erstgeldempfänger" (Käufer) mit dem "Zweitgeldempfänger) (Verkäufer) weder eine (Geld-)Ware liefert, noch auch nur das Versprechen abgibt, dem Verkäufer seinerseits irgendwann in der Zukunft eine Gegenleistung zu erbringen. Vielmehr wird hier ein gesellschaftlicher (volkswirtschaftlicher) Tauschprozess "um tausend Ecken" initiiert, bei dem das Geld lediglich noch eine Katalysatorfunktion hat. Dieser Vergleich mit einem chemischen Katalysator erscheint für das Kreditgeld insofern treffend, als es ebenfalls sozusagen "unverändert" aus dem Tauschprozess hervorgeht; hier allerdings aus dem Nichts kommend ("ex nihilo" geschaffen) und mit der Tilgung des "Geldschöpfungskredits" wieder im Nichts verschwindend.
Der Begriff "indirekter Tausch" kommt bereits 1912 in der Geldtheorie von Ludwig von Mises vor - S. 4 ff. - und ist vermutlich noch älter. Ich habe lediglich ein wenig in der online-Ausgabe geblättert, glaube aber nicht, dass Mises auch schon die Idee eines "zeitverzögerten" Tausches hatte.
Tatsächlich ist die Zeitverzögerung von Tauschvorgängen - also jedenfalls beim Papiergeld die Kreditgewährung - die zweite gewaltige Leistung des (modernen) Geldes. Der Kredit scheint sogar sehr viel älter zu sein als das (Waren-)Geld (vgl. dazu etwa die beiden Aufsätze "What is Money" - 1913 - und "The Credit Theory of Money" - 1914 - von Alfred Mitchell Innes)."
(Schon) damals hatte ich also den Begriff "Zwischentauschmittel" auf Dinge mit einem "eigenen, "intrinsischen" Wert" eingeschränkt.
Papiergeld und erst Recht Buchgeld haben keinen materiellen Wert. Sie lassen sich beinahe ohne jeden Aufwand herstellen; auf jeden Fall steht der Aufwand für die Herstellung in keinem Verhältnis zu dem, was man mit diesem 'Zeug' kaufen kann. SO gesehen sind sie also "wertlos".
 
Warum benutze ich den Begriff "Zwischentauschmittel" nicht auch für Geld, das keinen eigenen Material- bzw. Herstellungswert hat?
Auf den ersten Blick ist das nicht nachvollziehbar. Denn wenn ich mir z. B. ein Auto kaufen will, dann ist es dem Händler im Prinzip egal, ob ich ihm einen Packen Scheine auf den Tisch lege, oder einen Batzen Gold. Sofern er absolut sicher ist, dass er diesen Goldbatzen zeitnah mindestens zum Verkaufspreis des Autos problemlos bei der Bank einlösen kann, wird er statt der Scheine (die der Käufer, angenommen, nicht hat) gerne den Goldbatzen (oder die Krüger Rand) als Bezahlung akzeptieren.
 
Und auf den ersten Blick findet eine Art von "Tausch" scheinbar in jedem Falle statt: Der Käufer "tauscht" das Auto entweder gegen einen Goldklumpen ein, oder gegen einen Stapel bedruckten Papiers (oder, noch abstrakter, einen Kontotransfer von seinem Bankkonto zu demjenigen des Verkäufers).
 
Hier indes möchte ich widersprechen, und behaupten: NEIN, die Hingabe von (in sich wertlosem) bedrucktem Papier oder der Transfer von Zahlen vom Bankkonto des Käufers zu jenem des Verkäufers ist KEIN Tausch.
 
Niemand, der seine sieben Sinne nur halbwegs beisammen hat, "tauscht" (als Verkäufer) ein paar Papierscheine - bedruckt oder nicht - gegen einen werthaltigen Gegenstand [oder eine Dienstleistung] ein, den [bzw. die] er "auf dem Markt" anbietet.
Dass wir heute diese Papierfetzen dennoch ANNEHMEN, ist das Ergebnis einer langen historischen Entwicklung. Und die lief (nach der wohl immer noch herrschenden, freilich nicht unumstrittenen Vorstellung) vom Naturaltausch zum modernen (Kredit-)Geld.
Auf einer Webseite namens "Um-bruch-Wiki" erfahren wir dazu bei dem Stichwort "Das Geldrätsel: Geschichte: Tauschmittel":
"Nach der weit verbreiteten Tauschmittel-Theorie entstand Geld aus dem Tausch und Handel mit Waren. In vielen Kulturen stellte man fest, dass der direkte Tausch von Waren und Gütern wie Fisch gegen Brot oder von einem Schaf gegen einen Pflug sehr mühselig war und sich der Tausch durch sogenannte Zwischentauschmittel wie Schmuck, Metallbarren, Muscheln, Getreide, Armringe, Tiere oder auch andere Wertgegenstände erheblich erleichtern lies. Ein wesentliches Merkmal dieser Zwischentauschmittel war, dass diese einen inneren Wert besaßen, zumindest in den Augen der tauschenden Menschen. Den Wert dieser Zwischentauschmittel hat nicht ein Herrscher bestimmt, sondern der Wert wurde durch die Einschätzung der Menschen der jeweiligen Kultur bestimmt. Diese Zwischentauschmittel hatten die Funktion von Geld."

Diese Theorie der Geldentstehung ist, wie gesagt, umstritten.
Unstreitig darf man aber wohl behaupten, dass in unserer Vorstellung, die wir im Alltagsleben automatisch mit dem Begriff "Tausch" verbinden, vom Grundsatz her werthaltige (und i. d. R. mehr oder weniger gleichwertige) Güter ausgetauscht werden.
Ich behaupte deshalb (grob gesprochen): Ein Tausch liegt nur dort vor, wo zeitgleich Dinge ausgetauscht werden, die einen (meist ungefähr gleichen) inneren Wert* haben (begründet durch Rarität und/oder Arbeitsaufwand).
*[Dieser Wert ist natürlich kein Absolutum, also sozusagen irgendwie "von Gott" vorgegeben, sondern letztlich das Ergebnis einer Be-Wertung am Markt. Der sog. "innere Wert" hängt jedoch in aller Regel mehr oder weniger auch mit dem Aufwand zusammen, der für die Erstellung des Gutes nötig war, und/oder mit der Seltenheit des Gutes. (Allerdings spiegelt sich normaler Weise die Seltenheit in einem entsprechend hohen Aufwand zu seiner Herstellung bzw. Beschaffung wider. In aller Regel darf man also einen Zusammenhang des Markt-Wertes eines Gutes mit dem dafür erforderlichen Aufwand postulieren.)]
 
Ein weitere Vorstellung, die wir stillschweigend mit dem Begriff "Tausch" verbinden, ist diejenige einer Gleichzeitigkeit. Vereinfacht gedacht: Ich schiebe dem Eigentümer eines
Einfamilienhauses einen Klumpen Gold über den Tisch - und er händigt mir die Hausschlüssel aus.
 
Bei geldlichen Transaktionen fallen diese beiden Elemente aus unserer Hintergrundvorstellung zum Begriff "Tausch" weg: Es gibt
  • a) keine Gleichzeitigkeit und
  • b) bekommt der Verkäufer nichts, was einen Wert für sich hätte. Er erhält lediglich (Kredit-)"Geld", das praktisch keinen Materialwert hat.
Dennoch kann man auch Verkäufe gegen (rein materiell wertloses) Geld als Tausch ansehen:
Wenn man nämlich unterstellt, dass sich der Verkäufer von dem erlösten Geld später selber Güter (hier inkl. Dienstleistungen gedacht) kaufen will. Das wird er allerdings (heutzutage) so gut wie nie bei seinem Käufer tun.
 
Um aber diese sehr spezifische Tauschform in einem System mit intrinsisch wertlosem Geld präzise zu bezeichnen (und das heißt insbesondere: sie von unseren unausgesprochenen "Normalvorstellungen" von einem Tausch zu unterscheiden), müssen wir das zweckmäßiger Weise in der Kommunikation durch ZWEI ZUSÄTZE kenntlich machen:
  1. Der Tausch erfolgt (extrem) INDIREKT (gewissermaßen "über tausend Ecken").
  2. Und er ist ZEITVERZÖGERT.
Intrinsisch wertloses (also das heute allgemein übliche) Geld ist demnach (KEIN Zwischentauschmittel, sondern: ) ein Mittel, mit dem die Marktteilnehmer Tauschhandlungen durchführen, die a) ZEITVERZÖGERT und b) (extrem) INDIREKT erfolgen.
 
(Aus etwas anderer Perspektive ist Geld ein Gutschein, der den Marktteilnehmer berechtigt, dem Marktangebot Güter zu entnehmen, die dem auf den "Gutschein" "aufgedruckten" Betrag entsprechen.)
* [Geld ist hier zur besseren Veranschaulichung als Papiergeld gedacht; die Definition gilt natürlich in gleicher Weise für Buchgeld]
 
 
Ist also die Behauptung der Bundesbank und anderer, dass Geld ein "Zwischentauschmittel" sei, falsch?
 
Nein. Unser Denken ist allzu sehr im Dualismus von wahr und falsch befangen.
Bei den Naturwissenschaften mag das angemessen sein.
Bei den "weichen" Wissenschaften geht es häufig um etwas anderes: Nicht um die "richtige", sondern um eine möglichst ZWECKMÄSSIGE Bezeichnung.
Auch dabei geht es letztendlich allerdings um Richtigkeit. Nämlich darum, dass wir uns eine richtige Vorstellung von gesellschaftlichen (oder auch psychologischen) Prozessen machen.

Vorliegend möchte ich deshalb den Begriff "Zwischentauschmittel" auf intrinsisch werthaltiges Geld (also das, was man "Warengeld" nennt) beschränkt sehen. Dadurch erreichen wir einen Gleichklang zwischen der Welt der monetären Fachbegriffe und unseren Alltagsvorstellungen (Tauschbegriff nur für materiell werthaltige Dinge), ohne jedoch an fachsprachlicher Präzision etwas zu verlieren.
Im Gegenteil: Gerade der Wegfall des allzu bequemen und verführerischen Begriffs "Zwischentauschmittel" erzwingt ein sehr viel intensiveres Hinterfragen dessen, was realwirtschaftlich eigentlich hinter den geldlichen Transaktionen in unserer Wirtschaft steht.
 
So erkennen wir, dass diese Transaktionen im Grundsatz noch heutzutage ein Tausch sind. Auf DIESER (hohen) Abstraktionsebene hat sich im Prinzip seit der Steinzeit insofern nichts geändert. Heute wie damals will der Verkäufer für den Erlös ein anderes
Gut bekommen. (Die - auch schon bei Warengeld bestehende - Möglichkeit des Horten von Geld, also das Sparen, lassen ich hier außen vor).

Aber anders als damals, wo (mutmaßlich) die Handelspartner von Angesicht zu Angesicht einige Tierknochen unmittelbar gegen einige Feuersteine eingetauscht haben, erfolgen diese Tauschvorgänge heutzutage im Gegensatz zu unserem (insoweit noch immer den alten Zeit verhafteten) Alltagsverständnis des Tauschbegriffs
a) zeitverzögert (das Geld, was ich heute eingenommen habe, gebe ich erst morgen, übermorgen ..... wieder aus). Und
b) vollziehen sie sich nicht direkt ("von Mann zu Mann"), sondern laufen  "über Millionen Ecken".
 
Und irgendwo ist das ja auch durchaus sinnvoll, dass unser Tauschbegriff die alten Verhältnisse weitertransportiert. Denn das gibt uns die Möglichkeit, die Neuerungen, die sich im Laufe der Menschheitsgeschichte ergeben haben, durch neue Begriffe von den alten Zuständen zu trennen. (Und wenn wir im Alltagsleben sagen, dass wir etwas "tauschen", dann wollen wir ja noch heute dasselbe zum Ausdruck bringen wie damals: Dass wir gewissermaßen "Wert gegen Wert" getauscht haben. Wenn wir etwas mit Geld bezahlen, nennt keiner von uns das einen "Tausch".)

Deshalb sollen wir den Begriff (und die Vorstellung!) eines "Zwischentauschmittels" unbedingt auf die (Waren-)Geld-Welt der Vergangenheit beschränken, und nicht als eine "Definition" von Geld überhaupt propagieren.
Eine Ausdehnung auf das moderne Kreditgeld kann nur zur Verwirrung führen und davon haben wir (nicht nur unter Laien, sondern sogar unter Fachleuten!) bereits reichlich in der Gelddebatte: Das muss nicht sein!
 
 
Freilich Geld ist auch nicht einfach ein Tauschmittel. Vielmehr ist
 
Geld ein "Mittel für einen zeitverzögerten und (heutzutage: extrem) indirekten Gütertausch".
 
Erst diese Formulierung (bzw. die dahinter stehende Vorstellung) bildet die Verhältnisse des heutigen Geldwesens in einer angemessenen (und wissenschaftlich präzisen!) Form ab.
Nicht erst die Bezeichnung des modernen Geldes als "Zwischentauschmittel", sondern bereits die allgemeinere Charakterisierung als "Tauschmittel" führen in die Irre und repräsentieren ein komplett antiquiertes Verständnis unseres heutigen Geldwesens.
 
Die o. a. Gelddefinition gilt übrigens nicht erst für das moderne Geld, sondern bereits für das Warengeld, also auch für diejenigen Zeiten, in denen das Geld tatsächlich noch ein (werthaltiges) "Zwischentauschmittel" war. Denn auch damals ging es im Prinzip natürlich darum, dass ein Verkäufer das Gut "A" verkaufte, um sich für den Erlös irgendwann später das Gut "X" anzuschaffen. Nur hielt er in der Zwischenzeit keine materiell wertlosen Gutscheine (Kreditgeld), sondern Geld, das (letztlich) aufgrund des zu seiner Herstellung bzw. Beschaffung erforderlichen Aufwandes einen eigenen Wert hatte.
 
Das klingt vielleicht, als wollte ich mich in die Reihen der heutigen Kritiker des "wertlosen Papiergeldes" (oder des "wertlosen Kreditgeldes") einreihen. Das ist jedoch nicht der Fall.
Ganz im Gegenteil ist es ökonomisch rational, den Aufwand für die Erstellung eines reinen "Zwischentauschmittels" (unter das ich an dieser Stelle ausnahmsweise - aber gut begründbar - auch das moderne Papier- bzw. Buchgeld subsumiere) möglichst gering zu halten. Insofern hatte John Maynard Keynes völlig Recht, wenn er (1923) schrieb: "In truth, the gold standard is already a barbarous relic."
Mühsam ein Zwischentauschmittel (hier nun wieder als Warengeld verstanden) zu produzieren, um eine Geldfunktion zu übernehmen, die man mit bedrucktem Papier sehr viel kostengünstiger haben kann, wäre in der Tat ein kostspieliger ökonomischer Atavismus.


Nachtrag 16.12.2015
Zu dem hier wesentlich mit angesprochenen Themenfeld 'Sprache, Denken, Wirklichkeit' fiel mir jetzt zufällig ein hochinteressanter Text in die Hände. Überschrieben ist der mit "THOMAS DEWAR WELDON. Kritik der politischen Sprache"* und bezieht sich offensichtlich auf Autor (Wikipedia englisch) und Buch (Amazon; das englischsprachige Original ist unter dem Titel "The Vocabulary of Politics" bereits 1953 erschienen.)
Ich weiß nicht, ob es sich um einen Auszug aus dem Text handelt, oder einen solchen aus der Einleitung von Ernst Topitsch. Auf jeden Fall passt er hervorragend zu meinem o. a. Argument, dass Worte keine Bedeutung an sich haben, sondern nur mehr oder weniger zweckmäßige Instrumente der zwischenmenschlichen Kommunikation (aber nicht zuletzt auch des eigenen Denkens, also gewissermaßen der "inneren Kommunikation) sind.
* (Der Link führt zur ersten von insgesamt 4 Seiten; für die Folgeseiten jeweils die Hand unter dem Text anklicken.)
Auszug:
"Worte keine Bedeutung im gewünschten Sinn besitzen; sie haben bloß  Gebrauchsweisen.  Hinter "Gerechtigkeit", "Freiheit" steckt nichts Göttliches oder Magisches; es handelt sich bloß um Bestandteile des sprachlichen Apparates zur Beschreibung und Kritik bestimmter Typen von menschlichem Verhalten. Diese Worte sind nicht die Namen von Ideen oder Archetypen, die in einer ehrenhaften Handlung oder in einem unerschrockenen Leserbrief an die Zeitung ihre mehr oder minder vollkommene Widerspiegelung finden; sie sind die Namen von gar nichts.
Ihre Bedeutung kennen, heißt wissen, wie man sie richtig gebraucht, d.h. so, daß man allgemein verstanden wird, sei es in einem
Alltagsgespräch oder in einer fachlichen Diskussion; hinter ihnen verbirgt sich nichts, was sich nur entdecken ließe, wenn man spezielle philosophische Weihen empfangen hat. Dies ist eine sehr dogmatische Feststellung; ich werde im folgenden einiges unternehmen, um sie zu erläutern und zu erhärten, doch wer das Gefühl hat (und er hätte es mit Recht), daß hierüber mehr zu sagen wäre, der muß sich nähere Auskünfte aus Werken über die Logik holen.
Das gründliche Mißverständnis in Bezug auf die Bedeutung von Worten hat eine ganze Legion von weiteren Mißverständnissen zum Gefolge, welche insgesamt der größeren Teil dessen ausmachen, was man als "Metaphysik" bezeichnet."

Aber auch in den Wirtschaftswissenschaften scheint die irrige Meinung, dass hinter Worten ein ein-eindeutiger Sachverhalt stecken und man lediglich deren "richtige" Bedeutung herausfinden müsse, eine erkenntnishemmende Rolle zu spielen.


Nachtrag 19.07.2016
Quasi in Fortsetzung des vorliegenden Eintrags vgl. jetzt meinen neuen Blott "Die Geldwirtschaft folgt einer Tauschlogik, ist aber kein Tauschsystem".
 
 
 
ceterum censeo
Wer alle Immiggressoren der Welt in sein Land lässt, der ist nicht "weltoffen":
Der hat den A.... offen!
Textstand vom 29.07.2016

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