Freitag, 3. April 2009

Ein Satz von Sätzen für die Vitrine: Der sparsame Verbraucher in der Janus-Ökonomie

Über die Auswirkungen der gegenwärtigen ökonomischen Great Depression in den USA auf die Menschen berichtete USA TODAY am 29.03.2009 u. d. T. " 'Perfect storm' puts all types in financial peril".

Unter der Zwischenüberschrift "What to do before layoffs" gibt die Zeitung Ratschläge für ein kluges Finanzgebaren in der aktuellen Weltwirtschaftskrise. Die sind insofern interessant, als sie zum einen spezielle amerikanische Probleme aufzeigen und zum anderen den Übertragungsmechanismus, welcher die kleinen Feuer bei den Einzelnen zum großen (Deflations-)Feuersturm für die ganze Volkswirtschaft machen kann.

"If you expect to lose your job or have your salary slashed, get prepared. Try now to implement a very bare-bones budget and prioritize expenses" lautet der eine Satz. Er emfpiehlt eine zweifellos vernünftige Verhaltensweise der Individuen, nämlich sparsam zu wirtschaften, wenn man Arbeitslosigkeit befürchten muss.
Andererseits erwächst gerade daraus ein Problem für die Volkswirtschaft, das in einem Rückkoppelungsmechanismus, einer abwärtsgerichteten Spirale (downward spiral) zu weiteren Einbrüchen des Konsums, der Produktion und anschließend der Beschäftigung führen muss.

Der andere Satz (genauer 2 Sätze, aber mit einer einheitlichen Aussage) (meine Hervorhebung):
"If you are without a job, consider making only minimum payments, using a line of credit as long as it's available, and keeping your money in a safe place, such as an FDIC-insured bank account. "You need to save your cash because when your cash is gone you're out of luck" ... ."

Hier wird empfohlen, die fehlende Sozialpolitik durch individuelle Bereicherung zu Lasten der Kreditgeber abzufedern:
'Zahlen Sie so lange wie möglich mit der Kreditkarte und heben Sie Ihr Bargeld auf; Sie werden es brauchen'.
Mit anderen Worten: kaufen Sie ruhig auf Kredit, auch wenn Sie genau wissen, dass Sie ihn nicht zurückzahlen können.

Wie schon bei den Subprime-Darlehen toleriert oder ermutigt also die amerikanische Gesellschaft auch bei den Kreditkarten die Kreditaufnahme auch für jene, die garantiert nicht zu einer Tilgung in der Lage sind.

Was nützt die ganze Bankenregulierung, wenn im Wilden Westen solche Zustände herrschen?


Und noch ein weiterer Satz, im Kapitel "Trying to keep your home", lässt mich aufhorchen:
"But if you want to keep your home you're going to have to pay for your mortgage, even if you file for bankruptcy."
Das ist schon verblüffend: ein Schuldner in der Insolvenz, der aber noch genügend Mittel hat, um seine Hypothekenraten zu bezahlen (und dessen Haus offenbar nicht an die Insolvenzgläubiger fällt) - ???


Kein Wunder, dass solche Verhältnisse zu einem "perfect storm" im weltweiten Finanzsystem führen müssen!





Textstand vom 04.04.2009. Auf meiner Webseite
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