Samstag, 28. Juni 2014

Was kostet die Herstellung von Fiatgeld?



Die Wikipedia definiert "Fiatgeld" wie folgt:
"Fiatgeld (auch englisch Fiat money) ist ein Objekt ohne
intrinsischen Wert, das als Tauschmittel dient. Das Gegenteil von Fiatgeld ist Warengeld, das z. B. als Tabak, Reis, Gold oder Silber neben dem äußeren Tauschwert auch einen intrinsischen (Waren-)Wert hat, der unabhängig von Regierungserlässen ist, solange damit bezahlt werden darf."

Der Begriff "fiat" (den manche vielleicht aus der Schöpfungsgeschichte der Bibel kennen: "Dixitque Deus fiat lux et facta est lux - Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht") suggeriert, dass man dieses Geld einfach so, durch einen bloßen Willensakt, in die Welt setzen könne.
In gewisser Hinsicht stimmt das zwar: Fiatgeld stand (selbst in der Vergangenheit und damals sogar parallel zum Goldgeld!) nur auf dem Papier. Entweder auf gedrucktem Papier (Banknoten) oder lediglich in den Büchern einer Bank: Früher mit Tinte auf Papier eingetragen; heute weitestgehend lediglich noch elektronisch. Insofern kann man also "Geld mit einem Knopfdruck erzeugen". Und damit scheinbar praktisch ohne Kosten.

Das ist freilich ein Irrtum. Denn das bloße Wissen, "Fiatgeld" vor uns zu haben reicht keineswegs aus, um die Herstellungskosten dieses Geldes richtig und vollständig zu bestimmen.

Um die Entstehungskosten (wie übrigens auch die Qualität: Deckung!) zu bestimmen, müssen wir innerhalb des Fiatgeldes noch eine weitere Unterscheidung machen.
Und zwar danach, auf welche Weise dieses Geld in die Welt kommt.
Fiatgeld kann als Willkürgeld geschöpft werden, oder als Kreditgeld. In dem Eintrag "Ein Professor der vom Schlagschatz träumt: Wie Joseph Huber uns Willkürgeld als 'Vollgeld' andrehen will" habe ich mich mit diesen Alternativen näher auseinandergesetzt.

"Willkürgeld" wird vom Staat einfach gedruckt und ausgegeben.
Es gibt einige Intelligenzbefreite die glauben, dass dieses Geld besonders hochwertig sei, weil es ja nicht als "Schuldgeld" entsteht.
In Wahrheit ist es eine Form von Falschgeld und durch nichts gedeckt. Nur dass in diesem Falle der Nutznießer der Staat ist, anstatt privater Geldfälscher.

Vom "Kreditgeld" meinen die allermeisten, dass es keine Deckung habe; nur Warengeld (praktisch also Edelmetallgeld, insbesondere Goldgeld) sei gedeckt.
Das ist falsch.
Eine reine Goldmünze hat zwar, selbst wenn sie gesetzlich nicht (mehr) als "Geld" gilt, einen Warenwert. Aber der ist weder objektiv bestimmbar, noch absolut und ewig. Wie bei jeder anderen Ware hängt auch der Goldpreis von Angebot und Nachfrage ab, und Gold wird ja noch für andere Zwecke als (heute nur hypothetisch) Geld verwendet: Schmuck, industrieller Einsatz, Hortung. Die "Deckung" von Warengeld mit seinem Materialwert ist also durchaus schwankend.

Beim Kreditgeld erhält der Kreditnehmer (den ich auch "Erstgeldempfänger" nenne) von einer Bank einen sozusagen "Gutschein", mit dem er überall einkaufen gehen kann (ausführlicher dargestellt in meinem Blott "Einen Kredit gibt es nicht. 100 Jahre 'Kredittheorie des Geldes' (Credit Theory of Money) von Alfred Mitchell Innes"; vgl. auch meinen - englischsprachigen - Eintrag "Time to say goodbye: To slipshod definitions of 'money' in economics").
Der "Erstgeldempfänger" ("Vorschussempfänger") kann den Kredit nur dadurch tilgen, dass er selber zu Geld kommt. Und das kann er (im Prinzip) nur dadurch, dass er selber etwas verkauft (was er in der Zwischenzeit produziert hat, oder was ihm gehört). Und durch diesen Verkauf speist er auf der REALwirtschaftlichen Ebene seinerseits wieder diejenige Leistung (plus Zinsen) in die Wirtschaft ein, die er selber vorschussweise dem volkswirtschaftlichen "Pool" entnehmen durfte.
Geht der Kreditnehmer pleite, verwertet die Bank die Sicherheiten, die er ggf. hinterlegt hat. Ist da nichts, muss die Bank selber den Verlust tragen. Auch das ist eine Form der realwirtschaftlichen "Deckung" von Kredit, weil beispielsweise der Bankaktionär entsprechend weniger Dividende erhält und entsprechend weniger aus dem "Topf" der Realwirtschaft "herausnehmen" (kaufen) kann, als es sonst der Fall gewesen wäre.


Nur wenn die Zentralbank einfach Geld "drucken" (heute: elektronisch auf dem Konto der Bank einbuchen) würde, um der Geschäftsbank den ausgefallenen Kredit zu ersetzen, wäre dieses Geld als "Willkürgeld" entstanden ("geschöpft" worden), weil es nicht durch die Rückzahlungspflicht irgendeines Kreditnehmers gedeckt ist.

Und ebenso verhält es sich, wenn der Staat (selber oder via Zentralbank) das Geld einfach "druckt" und ausgibt.
Bei den Münzen ist es ja tatsächlich so, dass diese von der Regierung ausgemünzt und einfach ausgegeben werden. (Den Differenzgewinn, den eine Regierung durch Geldschöpfung macht, nennt man "Seigniorage"; in alten Zeiten sprach man, bezogen auf die Ausmünzung, vom "Schlagschatz".)

Papiergeld kostet in der Herstellung weit weniger im Verhältnis zum Wert, und eine bloße elektronische Buchung als solche verursacht fast gar keinen Aufwand mehr (freilich müsste eine korrekte Kostenkalkulation neben den Gehältern u. a. auch die Kosten für die EDV in Ansatz bringen).

Was mit der Kaufkraft geschieht wenn der Staat, statt Steuern einzuziehen (oder zusätzlich) sich selber das Geld einfach druckt und damit shoppen geht (u. a. auch seine Bediensteten bezahlt) haben wir in Deutschland nach beiden Weltkriegen erlebt: Das Geld wird wertlos. (Hyperinflation 1923 in der Weimarer Republik; Währungsreform 1948 mit Umstellung von Reichsmark auf DM.)
Deswegen ist (zum Glück) die Geldschöpfung durch "Willkürgeld" weitestgehend außer Mode gekommen. (Zimbabwe hat es im 21. Jahrhundert noch einmal ausprobiert - mit den vorhersehbaren Folgen.)

Heutzutage entsteht Geld praktisch überall (mit Ausnahme der Münzen, die aber wegen der im Verhältnis geringen Menge keine Inflation zur Folge haben) nur noch im Kreditwege.
Wobei noch abzuwarten bleibt, ob der amerikanische oder der britische Staat oder die Krisenstaaten der Eurozone die ihnen direkt oder indirekt von den Zentralbanken gegebenen Kredite tatsächlich zurückzahlen werden. Ich habe da meine Zweifel.)

Kreditgeld kostet für den "Erstgeldempfänger" Zinsen; diese Zinsen kann man als Kosten für den (vorübergehenden - er muss es ja zurückzahlen!) "Geldkauf" ansehen.
Die Kosten für den "Erstgeldempfänger" sind natürlich nicht identisch mit den "Produktionskosten" des Geldes; sie kommen ihnen aber schon sehr nahe. Man muss lediglich den Reingewinn der Bank abziehen, um die Kosten für die Geldschöpfung im Kreditwege zu ermitteln.

Beim Kreditgeld ist es also NICHT so, dass die Herstellung praktisch "nichts" kosten würde.
Kalkulatorisch muss der gesamte für die Aufrechterhaltung des Bankbetriebes notwendige Kostenaufwand für die (vorübergehende, denn bei der Rückzahlung des Kredits wird dieses Geld ja wieder vernichtet!) Schöpfung des Kreditgeldes in Ansatz gebracht werden. Also im Wesentlichen die Gehälter, sonstigen Betriebskosten (einschl. Steuern) und ganz besonders die in den Kreditzinsen enthaltene "Versicherungsprämie", mit der die Bank Verluste für Kreditausfälle quasi im Wege einer Umlage auf die solventen Kreditnehmer abdeckt.
Für die Praxis ist die Frage nach den Kosten der Geldschöpfung zwar wohl nur selten von Bedeutung.
Trotzdem ist es mit Sicherheit nützlich, im Sinne einer möglichst vollständigen Darstellung unseres Geldwesens mit der Vorstellung aufzuräumen, dass sich die Produktionskosten bei der Geldschöpfung (im Kreditwege) auf die Druckkosten für die Banknote oder auf die Kosten fürs "Knöpfchen drücken" bei der elektronischen Buchung beschränken würden.




ceterum censeo

Zerschlagt den €-Gulag
und den offensichtlich rechtswidrigen Schlundfunk der GEZ-Gebühren-Gier-Ganoven!
 
Textstand vom 28.06.2014.
Für Paperblog-Leser: Die Original-Artikel in meinem Blog werden im Laufe der Zeit teilweise aktualisiert bzw. geändert.

Kommentare:

  1. Irritiert es Sie nicht auch, dass es keine vernünftige Theorie gibt, die das Zustandekommen von "Wert" erklären kann? Dass "Wert" schon irgendwie mit Knappheit zu tun hat, aber auch noch subjektiver "Nutzen" mit reinspielt?
    Gold wird sein "Wert" v.a. durch die Knappheit zugesprochen, der Rest ist fast wie ein bisschen Mystik. Der realwirtschaftliche Nutzen ist recht gering, erst recht wenn man sich vor Augen hält, dass es nur in Tresoren weggesperrt aufbewahrt wird.
    Ähnlich ist es mit Geld. Die Zentralbank wird als Hüterin der Knappheit dieses "Gutes" hingestellt, da es ansonsten an Wert verlöre...
    Überhaupt wird erst mit dem Besitz von Eigentum für jeden Einzelnen der Wert eines Gegenstandes (subjektiv) begreifbar.

    Bzgl. Kreditgeldsystem würde ich anfügen, dass es die Eigentümer von "assets" bevorzugt, da diese als Sicherheit für Kredite zu hinterlegen sind. Wer nichts hat, außer seinen zwei Händen (Arbeitskraft), hat es ungleich schwerer, einen Kredit zu bekommen.

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  2. Ich bin ja kein Wirtschaftswissenschaftler, und die ganze Werttheorie usw. ist mir fremd. Für mich ist das alles relativ, eins in Bezug zum anderen.

    Ganz allgemein denke ich, dass sich Debatten (nicht nur auf dem Feld der Wirtschaft) immer noch zu häufig auf die Frage konzentrieren, was etwas "ist": Was "ist" Geld, was "ist" Wert.

    Die Dinge sind, was wir sie nennen. Die Frage bei Begriffen kann also nur sein, welche Bezeichnung zweckmäßig ist für die Kommunikation, und welche weniger, oder irreführend oder gar propagandistisch.

    Und in der inhaltlichen Dimension geht es auch nicht um das Wesen von Dingen, sondern um Relationen: Wie viele Äpfel kann ich mit einem Euro kaufen?
    Das ist alles, was mich interessiert.
    (Okay: Daneben natürlich auch, wie viele Euro ich habe bzw. irgendwie - legal - bekommen kann.) ;-)

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