Mittwoch, 18. Juni 2014

Was Putins Russland mit Frankreichs Paperblog gemeinsam hat

 
 
In Putins Russland wird das Internet zensiert, erfahren wir in der ZEIT.
Was den Russen recht ist, scheint den Franzosen billig zu sein.

Paperblog ist sozusagen ein "Blog of Blogs", ein Sammelblog mit Firmensitz in Paris, in welchem die Beiträge derjenigen Blogger zweitveröffentlicht werden, die sich dort angemeldet haben.
Geld erhält man keines dafür; aber dafür einen weitaus größeren Leserkreis.
 
Manche sehen, mit manchmal an den Haaren herbeigezogenen juristischen Spitzfindigkeiten, diesen Sammelblog sehr kritisch; aber es bleibt ja jedem freigestellt, ob er sich dort anmeldet oder nicht. (Allgemeine Geschäftsbedingungen hier.)
Ich selber betrachte Paperblog ganz einfach als einen zweiten Vertriebskanal für meine Blogpostings; die Zugriffszahlen sind dort deutlich höher als auf meinen eigenen Blogseiten.

 
Nicht schön, aber technisch unvermeidlich ist die vom Paperblog zwecks Veröffentlichung vorgenommene Umformatierung der Originalpostings. Das Unternehmen muss ja auch noch Werbung auf seiner Seite unterbringen, denn von Luft und Liebe kann auch diese Unternehmen nicht leben.
Es gibt aber Links zum Originalposting, so dass jeder Leser sich problemlos dorthin durchklicken kann (was ich persönlich regelmäßig mache, wenn ich Paperblog-Einträge anderer Blogger lesen will).

Zudem gibt es für jeden Paperblog-Blogger eine Seite (also auch für "Cangrande", das ist mein nom de plum), wo sämtliche von ihm geposteten (und von Paperblog übernommenen) Artikel aufgelistet sind.
Dort ist ein kurzer Textauszug vom Anfang sichtbar sowie bei bebilderten Blotts die jeweils erste Aufnahme.

Positiv ist weiterhin, dass am rechten Rand sowie (mit Fotos) unterhalb der Blogeinträge Links zu anderen (i. d. R. thematisch verbundenen) Einträgen angezeigt werden. Auf diese Weise wird sicherlich mancher Leser von einer Seite zur anderen gelockt und damit die Zugriffszahlen gesteigert.
Als weiterer Vorteil ist anzuführen, dass bei der Google-Suche die Ergebnisse aus dem Paperblog ziemlich weit vorn auftauchen, lange bevor die eigene Seite angezeigt wird.

Auch Rankings der jeweils 4 ersten Blogs werden bei Paperblog (am rechten Seitenrand) veröffentlicht, und zwar sowohl auf der Hauptseite nach Gesamtzugriffen wie auch innerhalb der einzelnen Kategorien. (Bei "Gesellschaft" etwa stehe ich mit bislang ca. 138.000 Zugriffen an 4. Stelle; bei "Reisen" reicht die Zahl schon für den 2. Platz aus.
Im Untermenü "Meinung" (zu: Gesellschaft) erscheint mein Blog nicht; dort braucht es schon ca. 163.000 Zugriffe für den 4. Platz.

Auf der Eingangsseite weist die Statistik für den 1. Platz knapp 652.000  und für den 4. Platz knapp 496.000 Zugriffe aus.
 
Viele der großen Blogs machen einen (halb)kommerziellen Eindruck: Da werden, mit meist eher kurzen Einträgen (denn für solche Blogger gilt naturgemäß das Motto "Time is money"!), beispielsweise Urlaubsziele angepriesen oder, hauptsächlich für das weibliche Geschlecht, Kosmetika, Modetrends usw. besprochen und damit sozusagen "redaktionell" beworben. (Schon auf den ersten Blick eindeutig ist die kommerzielle Orientierung etwa bei dem mit gut 590.000 Zugriffen zweitplatzierten Blog "Flatpack".)

Vertragsgrundlage ist lt. Ziff. 1.4
AGB u. a., "daß der Blogger bezüglich seines Blogs und der Inhalte nicht gegen geltendes Recht oder Rechte Dritter verstößt."
Nach Ziff. 3.1 ist "PaperBlog ... jederzeit berechtigt, die Inhalte zu entfernen und dem Blogger den Zugang zum Angebot PaperBlog zu verwehren, soweit der Blogger gegen seine Verpflichtungen aus dieser Vereinbarung verstößt, die Inhalte gegen Rechte Dritter oder geltendes Recht verstoßen oder die Inhalte nach dem ordnungsgemäßen eigenen Ermessen von PaperBlog unangemessen sind. Letzteres ist insbesondere der Fall, soweit die Inhalte nach dem eigenen Ermessen von Paperblog unter die nachfolgenden Kategorien fallen: werbliche, rassistische, pornographische, beleidigende oder diffamierende Beiträge."

Werbliche Beiträge machen einen sehr großen, vielleicht sogar überwiegenden, Teil der bei Paperblog erscheinenden Beiträge aus. Offenbar werden diese also NICHT entfernt.

Parteipolitische Blogs werden in den AGB nicht erwähnt. Trotzdem werden sie offenbar rigoros entfernt; meinen "BlockiBlockerBlog", der sich pro Alternative für Deutschland - AfD - positioniert, hatte ich angemeldet und zunächst wurden einige Artikel auch übernommen. Sehr schnell verschwand er aber wieder bei Paperblog. Der Vollständigkeit halber muss ich sagen, dass ich bislang auch keine anderen parteipolitischen Blogs dort gesehen habe; offenbar werden die durch die Bank wegzensiert.

Gestern Nachmittag hatte ich meinen neuen Blott "Don Draghi aber ist ein ehrenwerter Mann? Wie die Inflation meine Rente zu Grabe trägt" veröffentlicht. Eine Weile (aber wohl weniger als eine Stunde; genau habe ich das nie untersucht) dauert es immer, bis die Blotts auf Paperblog erscheinen. Jedenfalls erschien mein Text relativ rasch auf der Paperblog-Seite "Gesellschaft", Unterseite "Meinung".
Auch nach Mitternacht, als ich auf meiner persönlichen Seite die (erst nach Einloggen sichtbaren) Statistiken aufrief, war mein Blott auf Paperblog noch online; 19 Leser hatten ihn bis dahin aufgerufen.

Der 3-stufige Editionsprozess von Paperblog wird hier so erläutert:
  1. In einer technischen Vorauswahl werden die Artikel nach formalen Gesichtspunkten identifiziert und thematisch sortiert.
  2. Je nachdem, wie oft ein Artikel gelesen wird, steigt er in der Wertung. (Mein Artikel stand in der Nacht an 2. bzw. 3. Stelle der in den Kategorien aufrufbaren "meistgelesenen des Tages".)
  3. In einem weiteren Schritt kontrolliert das Paperblog-Team den Inhalt, um den besten Beiträgen mehr Gewicht auf Paperblog zu verleihen.
Bei diesem Prozess hat Paperblog mit meinem Eintrag offenbar kurzen Prozess gemacht und ihn wieder entfernt.
Natürlich geht schon meine Überschrift nicht besonders freundlich um mit dem EZB-Präsidenten Mario Draghi. Aber wenn die Europäische Zentralbank oder Don Draghi persönlich sich beleidigt fühlen, steht es ihnen ja frei, Strafanzeige gegen mich zu erstatten. Schließlich ist der Blott in meinem (vorliegenden) CANABBAIA-Blog nach wie vor online.
Den Begriff "diffamieren" erläutert das Wiktionary wie folgt: "jemanden in seinem Ansehen schädigen, ihn herabsetzen, oder ihn in Verruf bringen".

Nun, das will ich hoffen, dass ich Don Draghis und seine lustige Gelddruckerei in Verruf bringe: Zu eben diesem Zweck schreibe ich schließlich derartige Texte.
Wenn deren Veröffentlichung verunmöglicht wird, ist es auch mit der Meinungsfreiheit nicht mehr weit her.

Bei Facebook macht ein Spruch von, glaube ich, Voltaire die Runde: "Finde heraus, wen du nicht kritisieren darfst, dann weißt du, wer dich beherrscht".
Diese Herrschaft geht, wenn ich an die Selbstzensur von Paperblog denke, bereits weiter, als einer Demokratie zuträglich ist.

Gewiss: Die Entfernung meines Textes bei Paperblog ist keine absolute Einschränkung der Meinungsfreiheit. Auf meiner eigenen Blogseite ist er ja nach wie vor zu lesen.
Nur wäre er, wenn Paperblog ihn nicht wegzensiert hätte, dort halt weitaus häufiger gelesen worden als bei mir. Insofern wurde die Reichweite meiner Meinungsäußerung durch die Zensurmaßnahme von Paperblog drastisch eingeschränkt.


Und das reicht ja oft schon: Warum verbieten, was man elegant unterdrücken kann?
Ich könnte mir gut vorstellen, dass Wladimir Wladimirowitsch Putin das ganz ähnlich sieht.



ceterum censeo
Zerschlagt den €-Gulag
und den offensichtlich rechtswidrigen Schlundfunk der GEZ-Gebühren-Gier-Ganoven!
 
Textstand vom 18.06.2014.
Für Paperblog-Leser: Die Original-Artikel in meinem Blog werden im Laufe der Zeit teilweise aktualisiert bzw. geändert.

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