Montag, 21. Mai 2007

Ist der Ruf erst etabliert, schwätzt man gänzlich ungeniert

Wer billig an deutsche Geistesgeschichte gelangen will, sollte ein wenig Englisch lesen können. Was ich hier aus Bibliothekengräbern mühsam exhumieren müsste, krieg' ich in Englisch aus dem Netz: Carl Schmitts berühmten Essay "Theorie des Partisan". (Hier sogar in einer weiteren englischsprachigen Übersetzung, und da fand ich den Link zu beiden.) (Dazu gibt es sogar ein eigenes Wikipedia-Stichwort.)

Verstehe gar nicht, was an diesem substanzlosen alteuropäischen Geschwafel so anregend sein soll.
Die größte Faszination liegt wohl darin, dass  jeder diejenigen Kaninchen in das Schmittsche Geraune reinstecken kann, die er anschließend aus dem Zylinder zaubern möchte, und deshalb jeder seine eigenen Gedanken (scheinbar) an Schmitt anschließen kann. Außerdem kann man sich über Carl Schmitts Nazi-Vergangenheit (Kurzbiographien u. ä. z. B. hier und da), sowie über seine Reue-Renitenz (die übrigens imponiert mir!) richtig schön gruseln.

In einer Seminararbeit hat sich ein Stefan Martini redlich abgemüht, die Botschaft von Carl Schmitt aufzuspüren: "Carl Schmitts Theorie des Partisanen und die Hegung des Krieges. Ein bodenloses Völkerrecht?" Massenhaft Zitate schleppt er an, soweit ich es beurteilen kann, auch immer genau auf den Punkt. Aber man merkt doch, dass auch er ratlos vor der Frage steht: "Was wollte der Dichter(freund) Schmitt uns sagen"?

Was man bei Schmitt jedenfalls definitiv nicht findet, ist eine Antizipation des modernen Terrorismus. Man kann zwar einzelne Sätze in dieser Weise deuten, wenn man sie aus dem Zusammenhang reißt. Aber mit einer solchen Methode würde man vermutlich sogar in den Upanishaden Antizipationen der modernen Teilchenphysik „entdecken“ können.
Eine zusammenhängende Lektüre (nicht einmal des ganzen Buches, sondern schon weniger Sätze) zeigt, dass Schmitt die moderne Entwicklung nicht vorweggedacht hat. Er war eben kein Hellseher (allenfalls ein geistiges Rücklicht.)


Aktuell auf der Höhe, interessierend und interessant ist dagegen der Essay "Krieg und Politik am Beginn des 21. Jahrhunderts" von Herfried Münkler.



Textstand vom 22.12.2010. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
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"Now Blogger saves your drafts automatically!" sagt mir soeben ein Popup. Dazu der Erklärungstext:
"When you create a new post, Blogger will start automatically saving it for you once a minute, without interrupting your typing. When it does this, you'll see a little note next to the 'Save' button, like this:
If you want to make sure the saved copy is completely up to date, you can click the 'Save' button yourself. You'll remain on the posting form and can continue typing, since the saving happens in the background. If you're done working on the post for now, you can either click 'Publish Post' to convert the draft into a post, or click 'Return to list of posts' if you want to leave it as a draft and go back to the Edit Posts page.
This autosave feature means that you have a safety net for the cases when you're working on a new post and the power goes out, or your browser crashes, or some other calamity occurs. All you have to do is log back in to Blogger and find your saved draft on the Edit Posts page. You can even do that from a different computer
." [Hervorhebung von mir]
Danke! Das ist ein nützliches Feature; weiß ich zu schätzen - ist mir nämlich schon passiert, dass ich mühsam einen Text ausgebrütet hatte, und dann gab der Browser den Geist auf.

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