Samstag, 8. Dezember 2007

Da ist Musik drin!

Wie kommt ein alter Mann zu einer jungen Frau?
Richtig: über eine unverwesliche Leiche natürlich.

Die Verfolgung einer solchen (in Gestalt eines Suchzugriffs in meiner Statistik erschienenen) leblosen Gestalt lockte mich in das Gebäude einer Elite-Universität.
Dozentin an dieser Uni ist Giannina Wedde. Bei dem breiten thematischen Spektrum ihrer Lehren haben Fachidioten dort keine Chance.

Dass sich die gesuchte unverwesliche Leiche in der Medizin-Fakultät versteckt hatte, wird niemanden überraschen.
Frau Weddes überraschend lebendige Vorlesung u. d. T. "Körperwelten – nicht nur beim Erbe machen Tote Zoff" [ich habe die Wanderausstellung, die u. a. auch in Frankfurt gezeigt wurde, leider nicht gesehen] beschäftigt sich mit den "Körperwelten" des Plastinators Prof. Gunther von Hagens. Genauer: sie kritisiert die Kritiker dieser Ausstellungen. Eindrucksvoll ist ihre Sprache: eine köstliche Polemik, schnell, jeder Schuss ein Treffer, sozusagen. Wie in einem guten Kabarett.
Ärzte, Klerus und Religion, sowie (an anderer Stelle) Prominente, die als solche hauptsächlich Produkte der Medien sind, geben immer brauchbare Opfer für satirische Kommentare ab, und die Klaviatur der Satire beherrscht sie wirklich meisterhaft. Solche Kritik verhallt zwar, wie im Kabarett, letztlich folgenlos. Aber man hat wenigstens seinen Spaß gehabt. Das gilt auch z. B. für ihre literaturwissenschaftliche Abteilung, in welcher sie u. d. T. "Wenn das Proletariat zu schreiben beginnt … was uns Dietä, Effe und Gina zu sagen haben" die Irrelevanz derartiger Autobiographien geiselt. Ich frage mich freilich, ob man der Versuchung wirklich nachgeben sollte, aus derartigen Figuren ein schnell zubereitetes Ragout zu machen: Jegliche Befassung mit solchen medialen Schlammvulkanen steigert immer nur deren Marktwert, welcher ja allein darin besteht, im Gespräch zu sein - egal mit welchem Vorzeichen.

Aber Giannina Wedde spielt offenbar auch wirklich Klavier - und singt dazu. Als "Obsidian Voice" - Obsidianstimme. Ein schöner Name, auch wenn ich keinen rechten Bezug zwischen dem glasharten Obsidian (in der Steinzeit wegen der scharfen Bruchkanten ein wichtiger und weit gehandelter Werkstoff, der u. a. auf der italienischen Insel Lipari gewonnen wurde) und den melancholischen Liedern herstellen kann. Schön sind sie jedenfalls (man kann reinhören), und, wer weiß, vielleicht ebenso wie der Obsidian vulkanischen Ursprungs?
Über Obsidian kann man im Internet auch lesen: "Obsidian is the name that has become synonymous with providing peace of mind." (Allerdings habe ich den Satz unvollständig zitiert; die Fortsetzung lautet: "... when it comes to Open Source Software (OSS) requirements."). War also ein "falscher Freund".
Neuer Versuch: da gibt es noch 'ne Obsidian-Musik. Die scheint so richtig Messermäßig zu sein. Kein Wunder, wenn man sieht, wie das Zeug entstanden ist. Da wundert man sich auch nicht mehr über eine Überschrift wie: "OBSIDIAN IS HOT STUFF". Mögen ihn deshalb manche als Sargmaterial haben? Ich persönlich würde da doch lieber das Obsidian Kingdom, also das Königreich Obsidianien, wieder aufbauen wollen.

Etwas kompliziert wird es, wenn man den Obsidian als Heilstein benutzen will. Da kommt es nämlich darauf an, die richtige Art für den richtigen Zweck auszuwählen. Der Regenbogen-Obsidian hilft bei Schmerzen und wirkt stärkend und schützend. Der schwarze Obsidian unterstützt Wundheilung, wirkt schmerzlindernd und belebt liegen gebliebene Begabungen.
Ich denke mal, dass die Maya-Männer bei dem, was die mit ihren Obsidianmessern angestellt haben, wohl die schmerzlindernde als auch die Wunden heilende Wirkung gut gebrauchen konnten. Und, klar, eine Belebung liegen gebliebener Begabungen natürlich erst recht.
Im "Verbrecherverlag" lesen wir in der Geschichte "Die Elfe im Schlafsack" von Wolfgang Müller über den Obsidian: "Ein weiterer Stein, dem bestimmte Kräfte zugeschrieben werden, ist der Obsidian, isländisch Hrafntinna, Rabenstein. Dieser Stein, in einen Hof getragen, erzeugt unter den Bewohner Streit und Zwietracht." Hm: Mayas und Rabenstein kombiniert = ? Richtig, Sie erfüllen die intellektuellen Voraussetzungen für ein Archäologiestudium: Die Mayas sind untergegangen, weil sie sich wegen dem Obsidian gestritten haben!
Das waren natürlich keine isländischen Obsidiane, denn in denen wohnen manchmal, sagt uns Wolfgang Müller an anderer Stelle, Elfen (und das sogar in Berlin!).
Wirklich (fast) alles über den Obsidian weiß die Seite "Petrefaktum". Ich marschiere natürlich schnurstracks zum Esoterik-Kapitel und erfahre dort Erfreuliches: "Angeblich verhindert er die Verkalkung der Arterien, steigert die Sehkraft und schärft den Blick. ... Er soll ... bei mangelndem Realitätbewusstsein und starker Zerstreutheit die Gedanken ordnen. Hemmungen soll er abbauen und Mut und Tatendrang fördern. Obsidian wird den Sternzeichen ... Steinbock ... zugeordnet". Na also: Gegen Verkalkung, Zerstreutheit und Hemmungen ist er gut, und das Klettergestein für Steinböcke außerdem: also ehrlich, der nächste Obsidian ist mir. Falls ich mal einen in situ finde. (Wäre echt ein Grund, nach Lipari zu fahren?)
Muss dann nur aufpassen, den richtigen zu erwischen, also den wo der richtige Schwingungsstein vom richtigen Engel ist.
"Vehuel" bringt es schon mal nicht, der ist für meinen Geburtstag unzuständig. "Aladiah" ist ebenfalls so ein Bürokratenengel, der seine Tage hat, wenn ich meinen Geburtstag nicht habe.
"Emtzel", jawoll: das wäre das richtige Engelchen für mich: "Jeder hat Kraftreserven von denen er meist nichts weiß. Ich schon und ich wecke sie in Dir! Du brauchst keine Hilfsmittel wie Koffein die Deine Seele angreifen. In Dir steckt mehr Ausdauer als Du vermutest!" (Würde natürlich McDonalds nicht schmecken. Die hätten nämlich an jedem Feierabend 1,30 € weniger in der Kasse, wenn ich zum Aufwachen nach der Arbeit kein Koffein mehr brauchen täte.
Aufatmen kann ich immerhin insoweit, als das Jahr der Ratte (an mir und überhaupt) vorübergegangen ist. Denn was man da alles beachten muss, nur um vermittels eines Obsidianspielgels und eines Bergkristall-Donut eine kleine Energiekorrektur vorzunehmen ... das würde mich rituell schlicht überfordern.
Frauen sind diesen zeremoniellen Erfordernissen offenbar eher gewachsen, deshalb läuft die Schulung auch auf der Webseite "womensnet". Kein Wunder, dass unsere Gesellschaft die Emanzipation braucht: der mittlerweile erreichte Komplexitätsgrad verlangt das einfach.
Zugegeben, Johannes Burckardus (auch Burchardus) war ein Mann. Geboren um 1449 in Nieder-Haslach (Elsaß), hat er es irgendwann nach 1483 sogar zum "magister ceremoniarum" am Papsthof gebracht. Aber der war ja auch Mönch ... und hat sich immer gleich aufgeregt, wenn andere mal ein bisschen Spaß haben wollten.

Ich sehe schon: ich bin ein hoffnungsloser Fall für Obsidianismus. Kein Obsidianspiegel - kein Durchblick. Bleibt nur eins: Augen zu, Ohren auf: Obsidian Voice hören!




Textstand vom 05.04.2008. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
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