Mittwoch, 4. Februar 2015

Kein Enigma (mehr): Der modus operandi der Euro-Erpresser Alexis Tsipras und Yanis Varoufakis


Folgt man den Medien, dann hätte die am 27.01.2015 in Griechenland installierte neue Koalitionsregierung der linken SYRIZA mit der rechten ANEL unter Ministerpräsident Alexis Tsipras sich ziemlich tollpatschig angestellt.

Die sofortigen zahlreichen Affronts gegen die Troika und ihre europäischen "Freunde" haben enorme Kapitalbeträge aus dem Land vertrieben. Und trotzdem will die griechische Regierung nicht einmal die letzte Tranche des Rettungspakets annehmen.

Sind die deppert?
Nein, ganz im Gegenteil: Die machen abgefeimte Schachzüge im Rahmen der griechischen Erpressungsstrategie gegen ihre europäischen Partnerländer.

Als Ratio der scheinbaren "Anfängerfehler" des Teams um Alexis Tsipras und seinen Finanzminister Yanis Varoufakis dekodiere ich folgendes Motiv: Die beiden wollen ihr Land mit EZB-Geld vollsaugen, um einen "Kompromiss" dann noch teurer verkaufen zu können.

Die abgezogenen Bankeneinlagen gleicht die griechische Notenbank, letztendlich also das EZB-System, mit reiner Gelddruckerei aus: In der Hoffnung, dass es sich nur um eine vorübergehende Maßnahme handelt, weil die Einlagen später zurückfließen und die Banken dadurch die Hilfskredite zurückzahlen können.
  • Je mehr Sparkapital die Regierung jetzt aus dem Land herausschreckt, umso mehr Geld muss die EZB drucken.
  • Außerdem wird sich die Regierung durch kurzfristige Kredite der Banken (T-Bills) über Wasser halten. Es würde den Markt verderben, und der EZB auffallen, wenn die Griechen auf einmal unüblich hohe Summen aufnehmen würden. Deshalb muss sie die offiziellen Hilfen möglichst lange hinauszögern, um möglichst lange, und folglich möglichst viel, an EZB-Krediten zu ergaunern.
Am Ende hat die Europäische Zentralbank dermaßen hohe Summen im Feuer, dass sie froh sein muss, wenn die Griechen nicht einfach die Zahlungen einstellen.
Also wird sie, und werden die anderen Eurozonäre, weitestgehend auf die Forderungen der cleveren Griechen-Gang eingehen.

Chapeau: Die beiden wissen, wie man seinen "Freunden" immer neues Geld aus dem Kreuz leiert!Nachtrag 05.02.2015
Wolfram Weimer hat am 03.02.2015 auf n-tv u. d. T. "
Varoufakis - Schlauer Linker mit Lederjacke" ein für mich überzeugendes Psychogramm von Yanis Varoufakis geliefert:
"Der neue Minister ist kein Macher, er ist ein Intellektueller, kein Mann der Tat, sondern einer des Wortes. Ihn interessiert nicht das kleine Detail einer Lösung, ihn interessiert die große Pose einer Revolution. Er ist - womöglich in Überschätzung seiner Möglichkeiten - fixiert auf eine "historische Entscheidung", den Jahrhundert-Schuldendeal, den "Neuanfang für ganz Europa" - wo es in Wahrheit doch um mühevolle Kärrnerarbeit schrittweiser Verbesserungen geht."


Nachtrag 09.02.2015
Im heutigen SPON-Bericht "Griechenland-Poker: Tsipras schickt Börsen mit Kampfrede auf Talfahrt" liest man:
"Die Zeitung 'Kathimerini' hatte zuvor berichtet, die Geldeinlagen seien erstmals seit Ausbruch der Finanzkrise auf 147 Milliarden Euro gefallen. Der bislang niedrigste Stand der Geldeinlagen war im Juni 2012 mit etwa 150 Milliarden Euro erreicht worden."
Das werte ich als eine Bestätigung meiner obigen Analyse, wonach es sich um eine BEWUSSTE Strategie der Tsipras-Gang handelt, das Kapital aus dem Land zu treiben.
Und die Kassen von der EZB wieder auffüllen zu lassen: Um einen Austritt Griechenlands aus dem Eurotz noch teurer zu machen, also die Kosten für die "Partner" immer höher zu treiben.
Sodass sie am Ende lieber alljährliche Tribute an diese Schutzgelderpresser bezahlen, anstatt den hohen Einmalaufwand für einen sauberen Schnitt zu riskieren.



Nachtrag 23.02.2015
Recht umfangreiche biographische Informationen über Yanis Varoufakis (und über seine Beziehungen zu den Co-Autoren des "Modest Proposal ...", Stuart Holland and James K. Galbraith) bietet der Artikel  "Yanis Varoufakis: Germany’s nemesis" vom James Bone in dem britischen Magazin "Prospect" (19.02.2015).



Nachtrag 03.06.2015
Durch den Aufsatz "Varoufakis’ Plan B" von Prof. Hans-Werner Sinn vom 01.06.2015 sehe ich meine obige Analyse vom Februar diesen Jahres vollauf bestätigt.


Nachtrag 12.06.2015
Prof. Hans-Werner Sinn hat inzwischen auch gemerkt, was läuft bzw. mit welchem Hebel die griechische Ganovenregierung arbeitet: Vgl. seinen Artikel "Plan B für Griechenland" vom 11.06.2015.
Allerdings: Eine Notenbank geht nicht pleite, also auch nicht die griechische Notenbank nach einem evtl. Austritt des Landes aus der Europäischen Währungsunion (EWU). Die Forderungen der EZB gegen die griechische Nationalbank würden also bestehen bleiben, nur müsste man sie letztlich in Drachmen umwandeln. Und da wären sie natürlich stark entwertet.
Das ist aber vom Grundsatz her nicht anders (nur von der Größenordnung dramatischer), als es Deutschland damals mit der Aufwertung seiner D-Mark öfter erlebt hat; die Devisenreserven der Bundesbank wurden entsprechend entwertet. (Deswegen sieht der Tübinger Wirtschaftswissenschaftler Prof. Wilhelm Kohler den 'Griechen-Euro' auch als "Reservewährung".)




ceterum censeo
Souveränität zurückholen: €-Gulag zerschlagen!
 
Textstand vom 12.06.2015.
Für Paperblog-Leser: Die Original-Artikel in meinem Blog werden im Laufe der Zeit teilweise aktualisiert bzw. geändert.

Kommentare:

  1. Der Euro war von Anfang an dafür gedacht, die einzelnen Länder so hoch zu verschulden, dass sie in eine von der Troika regierten Diktatur umgewandelt werden. Wer immer noch nicht kapiert hat, dass nicht die Griechen, sondern die Banken und das durch und durch korrupte EUR-Finanzsystem gerettet werden soll, der soll weiter schlafen und seine Steuern zahlen. Soll sich aber nicht wundern wenn er eines Tages aus einem ganz bösen Traum erwacht.

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  2. Mir ist nicht ganz klar, wie der Abfluss von griechischen Guthaben auf ausländische Konten dem EZB-System "Geld aus dem Kreuz leiert"?
    Da wird nur dokumentiert (spiegelbildlich), was auf der unteren (realen) Ebene geschieht. Dort wird der Kontostand auf dem griechischen Konto reduziert und in einem anderen Land hinzugebucht.
    Blöd ist das zuerst für griechische Kreditnehmer und sonst niemanden, denn durch deren Kredit ist das Geld vor Ort erst entstanden, aber nun fort und zur Tilgung nicht mehr verfügbar (so lange "das Ausland" den monetären Überschuss hortet).
    Wäre die griechische ZB autonom und könnte ihr eigenes Geld drucken, würde sie nie in Zahlungsschwierigkeiten geraten. So ist halt die EZB am Drücker. Das System an der Stelle austrocknen lassen oder den Liquiditätsbedarf stillen. Kapitalverkehrskontrollen wären in so einer Situation wahrscheinlich die bessere Variante, das ach so scheue Reh ist sonst nur schwer wieder einzufangen ;-)

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  3. Also, thewisemansfear, das funktioniert so:

    Fakelakibank ;-) hat ursprünglich 10 Mio € Einlagen und 9 Mio Kredite vergeben. Bleibt 1 Mio in der Kasse
    Dann kommt Kapitalflucht: Kunden ziehen 1 Mio ab: Kasse ist leer.
    Morgen kommen die nächsten und wollen ebenfalls 1 Mio abziehen (i. d. R. sicherlich überweisen).
    Was tun?
    Griechische Notenbank leiht der Fakelakibank die Million. Ist im Prinzip kein Problem; genau für solche "bank runs" ist die Zentralbank nämlich da. Das ist ein Fall von bloßer ZAHLUNGSUNFÄHIGKEIT (ohne Überschuldung).

    Allerdings ist die Annahme dabei, dass die Kredite alle getilgt werden. Werden nur 8 Mio. getilgt, dann muss die Fakelakibank dieses Geld an die noch verbliebenen Einleger zahlen. Und die Notenbank guckt in die Röhre. Das ist ein Fall von ÜBERSCHULDUNG.

    Und ich vermute mal, dass die Fakelakibanken trotz zwischenzeitlicher Rekapitalisierung schon wieder überschuldet sind. Die Griechen zahlen nicht gerne Schulden zurück, wenn es sich irgend vermeiden lässt.

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    1. Na aber die griechische ZB überweist die 1 Mio. doch zur ausländischen ZB, dort ist dann der o.g. "Überschuss" zu finden. Das "Horten" an dieser Stelle ist das Problem. Gegen einen Vertrauensverlust ist nur schwer anzukommen (wenn die Herde erst mal in eine Richtung rennt...), da hilft nur der große Riegel Kapitalverkehrskontrollen. Sonst blutet das Land (in dem Fall) aus.
      Aus meiner Sicht ist das ein Liquiditäts- und kein Insolvenzproblem.

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  4. Das Problem ist, dass zum einen die Geldschöpfung erhöht wurde. Hätte der Einleger die 1 Mio. nicht nach Dtld. überwiesen, hätte die griechische Notenbank kein frisches Geld schöpfen müssen.
    Allerdings sieht es in der Summe dann doch anders aus, weil die Bank in Ffm. ihre Verbindlichkeiten gegenüber der Notenbank um 1 Mio. reduzieren kann. Die Überweisung erfolgt ja, wie Se richtig sagen, mit Zentralbankgeld.

    Nur kann es halt sein, dass das Eurosystem, gesamthaft betrachtet, eine gute Forderung (gegen Ffm.-Bank) gegen eine schlechte (gegen Fakelaki-Bank) eintauscht.

    Natürlich ist das zunächst lediglich ein Liquiditätsproblem, wenn Einleger ihr Geld abziehen.
    Der Gegensatz ist nicht Liquiditätsproblem vs. Insolvenzproblem, denn "In-Solvenz" ist ja lediglich die Zahlungsunfähigkeit.
    Entscheidend ist die Natur dieser Zahlungsunfähigkeit: Ob vorübergehend, weil grad kein Geld in der Kasse, aber hohe (und bei Fälligkeit auch realisierbare) Außenstände.
    Oder eben Überschuldung. Ein überschuldetes Unternehmen kann vorerst sogar noch zahlungsfähig sein:
    Bank mit 12 Mio. Einlagen; 1 Mio. in der Kasse, 11 Mio. "gute" Kredite: Kein Problem.
    Von den Krediten wird 1 Mio. notleidend: Überschuldet. Ist zwar auch kein Problem, solange nicht die Einleger ihr Geld zurückfordern. Aber früher oder später kommt das natürlich; deswegen müssen überschuldete Banken und Unternehmen immer abgewickelt werden. Allerdings hat man das bei den Banken wohl häufig nicht gemacht und die EZB hat auch die überschuldeten Banken unterstützt. Wozu sie eigentlich nicht berechtigt ist.

    Nun haben die Banken in Griechenland wahrscheinlich auch gewaltige Überschuldungsprobleme. Wäre die 1 Mio. Einlage in Gr. geblieben, hätte man (theoretisch zumindest) die Einleger bei einer Pleite beteiligen können. So hängt die EZB mit drin.

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  5. Denken Sie an die 2 Geldkreisläufe, die sich nicht vermischen. Den oberen Kreislauf kann man aufpumpen wie man will, davon kommt nichts "unten an". In Form von Bargeld existiert ZB-Geld zwar auch auf der unteren Ebene, aber nur durch Tausch von Geschäftsbanken-Giralgeld. Die zusätzliche "Geldschöpfung" von ZB-Geld ist nur Ausdruck von Liquiditätsengpässen. Denn was ist im Kern Aufgabe der ZB? Wieso haben sich GEschäftsbanken zusammengeschlossen und die Gründung einer ZB vorangetrieben? Um ihre Liquiditätsprobleme zu lösen. ZB-Geld ist die vertrauensfördernde Maßnahme im Interbanken-Verkehr. Das sind die Spielsteine, die mitbewegt werden, wenn auf der unteren Ebene Geld von einer Bank zur anderen überwiesen wird. Es ist der gemeinsame Nenner, den keine Bank selbst herstellen kann, sondern nur die ZB selbst. Das Anliegen der ZB ist aber immer, den Zahlungsverkehr nicht ins Stocken geraten zu lassen. ISt das Vertrauen ins Geld- oder Bankwesen erst einmal angekratzt, hat auch die ZB ein Legitimationsproblem. Daher wird sie immer Spielsteine je nach Bedarf zur Verfügung stellen. Ich hoffe, Sie können dem Beispiel mit den Spielsteinen auf den zwei Ebenen folgen, sonst muss ich nochmal neu versuchen.

    Vorübergehende Zahlungsunfähigkeit definiere ich als ein Liquiditätsproblem. Die Solvenz (das "In-" davor hätte ich weglassen sollen) hat damit zunächst einmal nichts zu tun, das haben Sie ja auch umschrieben.
    Die Griechen bekommen so erst ein Liquiditäts- und dann ein Solvenzproblem, denn die Kontos sind ja nun leergeräumt. DAS Geld fehlt potentiell in der (griechischen) Wirtschaft aber noch viel wichtiger zur Tilgung von Krediten, denn aus Kredit ist es erst entstanden. Naja, und hierzulande feiert man einen monetären Überschuss, kann fröhlich tilgen und sogar noch was auf dem Konto SPAREN. Wahlweise auch unter der Matratze. Das Geld für die exportierten Waren/Dienstleistungen ist nuneinmal hier.
    Das eine ist aber ohne das andere nicht möglich, 2 unterschiedliche Seiten ein- und derselben Medaille.

    Ohne Kapitalverkehrskontrollen kann keine Bank geordnet abgewickelt werden, die Ausweichbewegungen als Reaktion verursachen m.E. mehr Probleme, als die eigentliche Pleite. Da solche Schockwellen schnell das gesamte System bedrohen können, wird im Zweifelsfall eben immer noch weiter reingebuttert...

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