Montag, 18. Januar 2016

Die Rothschilds und der Regengott


Die israelische (Zer-)Siedlungspolitik im palästinensischen Westjordanland ist völkerrechtswidrig. Weder die EU noch die USA erkennen sie juristisch an. Dass Israel diese Siedlungen mit staatlicher Gewalt unterstützt und durchsetzt, kann man durchaus als eine Form von staatlichem Terrorismus gegen die Palästinenser bezeichnen. Und diese setzen sich mit "privatem" Terrorismus dagegen zur Wehr.


Das ist die Wahrheit; aber nicht die vollständige Wahrheit. Die Palästinenser würden zweifellos selbst dann Terrorakte gegen Israel begehen, wenn es die illegale israelische Siedlungspolitik nicht gäbe. Die Siedlungspolitik, die nach meiner Einschätzung auf die Verhinderung eines Palästinenserstaates und letztlich auf die Einverleibung der West Bank in ein "Groß-Israel" hinausläuft, kann im rein imperialistischen Sinne als gewaltsame Erweiterung des israelischen Staatsgebietes verstanden werden. Aber zugleich ist sie als präventiver Selbstschutz der Israelis auch verständlich. Weil eben davon auszugehen ist, dass die Palästinenser das Existenzrecht Israels nicht anerkennen und, wenn sie könnten, die Israelis ins Meer jagen würden. (Wie groß der Hass der Palis auf Israel ist, wird - wohl eher überraschend - z. B. auch hier sichtbar.)

Für diesen Konflikt gibt es keine gerechte Lösung. Was Mearsheimer/Walt in ihrer Studie (dazu unten mehr) für die Gründungszeit des Staates Israel sagen: "neither side owns the moral high ground during this period" (keine der beiden Seiten ist moralisch besser), gilt heute ebenso.

Fakt ist, dass die zionistische Landnahme in Palästina von Anfang an darauf hinauslief, den Juden eine Lebensweise in einem ihre kulturelle (religiöse usw.) Identität wahrenden organisatorischen Gebilde zu ermöglichen - also letztlich einen Staat. Dabei kommt es nicht darauf an, ob das von Anfang an das Programm der Siedler oder ihrer Anführer (die freilich genau dieses Ziel verfolgten) war: Eine solche Entwicklung lag bereits in der Logik dieser Besiedelung, die ja gerade den überall verfolgten oder diskriminierten Juden (zur Gründungszeit der zionistischen Bewegung hatten nur noch die Ostjuden unter Pogromen zu leiden, aber in anderen Formen war der Antisemitismus auch in Westeuropa virulent) einen eigenen Siedlungsraum bieten wollte.

Den in Palästina lebenden Arabern (bei denen es übrigens herzlich gleichgültig ist, ob die sich damals schon "Palästinenser" nannten bzw. als solche verstanden oder einfach als Araber) war das durchaus bewusst. Weil dieses Gebiet aber unter der Herrschaft fremder Mächte stand - zunächst der Türkei, dann, nach dem Ersten Weltkrieg, Großbritanniens - konnten sie sich gegen diese schleichende Landnahme nicht zur Wehr setzen. Aufstände, die sie dagegen unternahmen (1921 und 1929), wurden von den Briten niedergeschlagen, zuletzt sogar mit jüdischer Unterstützung (1936 - 1939).

 
Für den vorliegenden Aufsatz liegt ein Aspekt außerhalb des Fokus', den ich dennoch wenigstens erwähnen möchte. Aus meiner Sicht lassen sich in der schleichenden israelischen Landnahme durch Besiedelung - sowohl vor der Staatsgründung wie aktuell im Westjordanland - durchaus Parallelen zu der gegenwärtigen Massenimmiggression in unser eigenes Land ziehen. Aber vor allem einen gravierenden Gegensatz: Denn während Israel die West Bank mit seinem eigenen Volke besiedelt, wird Deutschland von der verschlagenen Schlange im Kanzleramt täglich mit Tausenden von Muslimen angereichert. So kann es eines (vielleicht nicht fernen) Tages auch bei uns zu massiven Konflikten zwischen der indigenen Bevölkerung und den Immiggressoren kommen. Doch dann werden nicht die Einheimischen die Angreifer sein, sondern gewaltige Massen von "Neusiedlern" aus ihren Parallelgesellschaften heraus gegen unser soziokulturelles Gesellschaftsgefüge rebellieren.

Bei dem Palästinakonflikt geht es um das, was Angela Merkel ihrem eigenen Volk abmerkeln will und was die Bahnhofsklatscher freiwillig so fröhlich fortwerfen, wie die Babys ihre Rasseln aus dem Kinderwagen schmeißen: Die Identität. Sowohl Juden wie Palästinenser wollen so leben, wie sie leben wollen: Mit eigener Kultur, aber auch in einem eigenen Staat. Der gleiche Wunsch wird aber auch bei uns in den schon jetzt bestehenden Parallelgesellschaften sichtbar. Und nach aller historischen Erfahrung (beispielsweise der heidnischen Römer mit den antiken Christen) müssen wir davon ausgehen, dass die Forderungen der fremdkulturellen Populationsteile auf Berücksichtigung ihrer Eigenheiten in der Gesetzgebung mit zunehmender numerischer Stärke anwachsen werden. An Selbstbewusstsein mangelt es den angeblich traumatisierten Schutzsuchenden schon jetzt nicht. Eines Tages kann es zu einer - u. U. chaotisch verlaufenden - kulturellen Transformation kommen. Nicolaus Fest diagnostizierte bereits im August 2015 einen Kulturbruch; ganz so skeptisch bin ich nicht. Aber wenn die Rechtsbrecherin im Kanzlerbunker weiterhin Massen an Muslimen ins Land lockt, zu denen der Familiennachzug noch hinzukommt, dann werden massive Kulturenkonflikte keine Sache von Jahrzehnten mehr sein.
(Übrigens: Wenn's ums große Ganze geht, darf sogar im Bahnhofsklatscherblatt Süddeutsche Zeitung der Wert der kulturellen Identität hochgehalten werden: "..... das zweifellos zutreffende und schon häufig in der Geschichte beobachtete Phänomen: Geht einer Gemeinschaft ihre spezifische kulturelle Identität verloren, dann ist ihr Zusammenhalt in Gefahr. Interessiert sich diese Gemeinschaft dann nicht einmal mehr für die Werte, die sie von anderen Gemeinwesen abgrenzen, ist sie dem Untergang geweiht. Späteren Historikergenerationen dient sie dann nur noch als Rätselstück: Wie konnte solch eine große Kultur so einfach untergehen?")


Zurück zu Israel. Dort ist durchaus zuzugeben, dass die Palästinenser in Israel (d. h. im eigentlichen Staatsgebiet, wo trotz Flucht - mit von Israel verweigerter Rückkehr - und Vertreibungen noch sehr viele leben) sehr viel toleranter behandelt werden, als die Juden in arabischen, oder überhaupt in islamischen Ländern. Ob die "Palis" mit ihrem Status zufrieden sind, weiß ich nicht; man hört allerdings nie, dass der Terrorismus aus den Reihen dieser Volksgruppe kommt. Andererseits verweigern die Israelis den geflohenen Palästinensern eine Rückkehr und diejenigen Länder, die sie aufgenommen haben (insbesondere Libanon und Jordanien) verwehren ihnen die Integration. Obwohl es sich doch um Araber handelt, die im Aufnahmeland weder sprachlich noch religiös einen Fremdkörper bilden (Wikipedia). Das ist auf Seiten der arabischen Staaten durchaus gewollt, denn auf diese Weise verewigt sich der Konflikt (den die Araber in ihrem typischen Mangel an Realismus wohl immer noch zu gewinnen hoffen).

Aus der großen historischen Perspektive betrachtet müsste man den Palästinensern Recht geben: Die Juden haben ihnen ihr Land (das Staatsgebiet, nicht individuell den Grund und Boden) gestohlen. Die US-Politologen John Mearsheimer und Stephen M. Walt schreiben dazu in ihrer 2006 entstandenen (und damals wütend attackierten) Studie „The Israel Lobby and U.S. Foreign Policy (auch hier): "The fact that the creation of Israel entailed a moral crime against the Palestinian people was well understood by Israel’s leaders. As BenGurion told Nahum Goldmann, president of the World Jewish Congress, “If I were an Arab leader I would never make terms with Israel. That is natural: we have taken their country. . . . We come from Israel, but two thousand years ago, and what is that to them? There has been antiSemitism, the Nazis, Hitler, Auschwitz, but was that their fault? They only see one thing: we have come here and stolen their country. Why should they accept that?"

Wollte man also dieselben Kriterien anwenden wie bei der Rückgabe von geraubten Kunstgütern an die rechtmäßigen Eigentümer, stünde das gesamte Land den Palästinensern zu. Aber natürlich ist eine solche - ich sage mal: metaphysisch-rechtliche - Betrachtungsweise dem vorliegenden Sachverhalt unangemessen. Ganz abgesehen davon, dass das Existenzrecht Israels völkerrechtlich fest verankert ist, haben sich die Israelis das Recht, in diesem Gebiet zu leben, sowohl ersessen als auch (hart) erarbeitet. Und wo sollten sie auch hin, wenn die Palästinenser oder die Araber sie von dort vertreiben würden, wie sie es ja in drei Kriegen - Palästinakrieg 1947 - 1949, Sechstagekrieg 1967, Jom-Kippur-Krieg 1973 - versucht haben?

 
Dass sich Israel seine expansive Politik im Westjordanland überhaupt erlauben kann, verdankt es dem Rückhalt durch die amerikanische Politik. Auch die weiß zwar um die Völkerrechtswidrigkeit und tadelt Israel offiziell. Aber gleichzeitig bleiben diese Rügen folgenlos, und die politische und militärische Unterstützung läuft reibungslos.

Diese ungewöhnlich enge Verbindung beider Länder, die auf Außenstehende nicht selten den Eindruck macht, dass der Schwanz mit dem Hund wedelt, hat ihren Grund in der massiven israelischen Lobbyarbeit in den USA. Das haben die amerikanischen Professoren John Mearsheimer und Stephen Walt in der o. a. Studie detailliert aufgezeigt, und die Nachweise später unter dem gleichen Titel "The Israel Lobby and U.S. Foreign Policy" zur Buchform erweitert (Amazon). (Als Kontrast hier das Buch eines anderen Verfassers zum Thema. Der untersuchte Zeitraum ist weiter, und nach einer Rezension zu urteilen werden gegensätzliche Meinungen zu Mearsheimer/Walt vertreten.)

Der Einfluss der jüdischen Lobby auf die US-Regierung ist jedenfalls historisch außergewöhnlich und völlig überproportioniert. Nach Meinung der beiden Politologie-Professoren ist er sogar so groß, dass die Vereinigten Staaten für die Unterstützung Israels selbst vitale eigene Interessen hintanstellen. Ich selber hatte mich damals mit deren Arbeit und der Debatte darüber intensiv auseinandergesetzt und konnte diese Schlussfolgerung gut nachvollziehen.

Andererseits es ist verständlich, dass alle Juden in der Welt aufgrund der leidvollen geschichtlichen Erfahrung des Holocaust ein brennendes Interesse an der Erhaltung des Staates Israel haben müssen. Und es ist legitim wenn sie alles daransetzen, um die Existenz dieses Staates zu sichern. Bei diesem Lobbyismus geht es also um die Erhaltung des Staates Israel in einer extrem feindlichen (arabischen) Umwelt. Diese verständliche Verfolgung legitimer jüdischer Interessen rechtfertigt in keinster Weise die erweiterte Schlussfolgerung, dass die Juden die Weltherrschaft anstreben würden und sich dazu in irgend einer jüdischen Weltverschwörung organisiert hätten.

Tatsächlich ist die Existenz jüdischer Lobbyorganisationen in den USA (wie des AIPAC) geradezu eine Art Gegenbeweis gegen die angebliche Existenz geheimer jüdischer Verschwörungen: Wenn anonyme Strippenzieher ihren Einfluss im Verborgenen ausüben könnten, warum sollten dann noch offizielle Lobbyorganisationen nötig sein? Oder warum würden sich unsichtbare Verschwörer mit sichtbaren Interessenvertretungen angreifbar machen, wenn doch im Geheimen und in kleinsten Zirkeln alles in ihrem Sinne laufen würde?

 
Leider geistern antisemitische Vorstellungen aber nach wie vor durch mancher Menschen Köpfe. Ich selber bekomme das gelegentlich in Facebook-Debatten mit. Meist wird Antisemitismus nicht direkt formuliert, sondern äußert sich in Bildern mit Fotos und/oder kurzen Texten, die insbesondere den Rothschilds (allgemein oder einzelnen Personen dieser jüdischen Familie) finstere Machenschaften unterstellen. Und wenn etwa das (unstreitig verantwortungslose und rational nicht nachvollziehbare) Handeln von Angela Merkel mit einem Hinweis auf ihre angeblich jüdische Herkunft "erklärt" wird, dann richtet sich das nicht mehr "nur" gegen eine (immens reiche) Familie, sondern gegen die Juden überhaupt.

Die Geschichte mit der angeblich jüdischen Mutter hat sich ein Norbert Knobloch zusammengelogen, früherer Autor bei mmnews. In seinem Artikel "Wer ist Angela Merkel?" vom 14.05.2013 schreibt er "... die Mutter, eine polnische Jüdin aus Galizien ...".
Knobloch ist gewissermaßen ein Breitband-Verschwörungstheoretiker; seine Spinnereien betreffen die Politik ebenso wie die Medizin. (Einzelheiten dazu in dem anti-esoterischen Wiki "Psiram".) Und im vorliegenden Falle ist er nicht nur ein Spinner, sondern auch ein frecher Lügner und antisemitischer Brandstifter.

Es fällt schon auf, dass er den Namen der Mutter nicht nennt: Weder den Vornamen, noch den Geburtsnamen. (Der Familienname ist - für die damalige Zeit selbstverständlich - derselbe wie derjenige ihres Ehemannes und der Geburtsname von Angela Merkel, also "Kasner".) Tatsächlich heißt die Mutter Herlind Kasner und ist eine geborene Jentzsch. Mit Galizien hat sie nicht das Geringste zu tun, und es gibt auch nicht den allerkleinsten Anhaltspunkt dafür, dass sie Jüdin wäre. Entsprechend macht der saubere Herr Knobloch auch keinerlei Angaben über die Herkunft der angeblichen "Information". Eine Quellenangabe: Aus den Fingern gesogen" käme halt nicht gut.

Davon abgesehen, dass Angela Merkel KEINEN jüdischen Hintergrund hat, haben gerade die Juden objektiv betrachtet das allergeringste Interesse daran, Deutschland mit ihren muslimischen Erzfeinden vollzustopfen. Zwar hatte Josef Schuster, Chef des Zentralrates der Juden in Deutschland, im Mai 2015 noch getönt, Deutschland dürfe wegen seiner Vergangenheit keine Juden ablehnen (was ich einigermaßen unverschämt fand). Aber die Massenimmiggression der Merkel-Welle ab September 2015 ließ selbst ihm die Knie schlottern. Am 23.11.2015 lesen wir, ebenfalls in der WELT: "Der Bundeskanzlerin hat er kürzlich einen langen Brief geschrieben, erzählt er. Darin schilderte er ..... die Sorgen, die viele Juden gegenwärtig hegten. Einerseits fühlten sie mit den Flüchtlingen, die aus Not nach Deutschland kämen, andererseits fürchteten sie, deren Ansichten würden die Gesellschaft über kurz oder lang in einer Weise verändern, die der Freiheitlichkeit der Bundesrepublik abträglich wäre. 'Die Flüchtlingsströme haben zwei Seiten. Auf beide müssen wir achten', sagt Schuster. 'Viele der Flüchtlinge fliehen vor dem Terror des Islamischen Staates und wollen in Frieden und Freiheit leben, gleichzeitig aber entstammen sie Kulturen, in denen der Hass auf Juden und die Intoleranz ein fester Bestandteil sind. Denken Sie nicht nur an die Juden, denken Sie an die Gleichberechtigung von Frau und Mann oder den Umgang mit Homosexuellen'. ..... 'Ich glaube, es sollte kontrollierte Zugänge nach Deutschland geben', sagt er und: "Über kurz oder lang werden wir um Obergrenzen nicht herumkommen", um schließlich doch energischer zu werden: 'Wenn es so weitergeht wie bisher wird die Vermittlung unserer Werte zunehmend schwieriger. Die erfolgreiche Integration ist aber auch für die jüdischen Gemeinden in Deutschland wichtig.' "

Nicht immer trete ich in Facebook-Debatten antisemitischen Äußerungen (bzw. meist eher Andeutungen) unmittelbar entgegen, denn das kann gefährlich werden. Damit meine ich aber nicht jene äußere Gefahr, an die Sie als Leser jetzt zwangsläufig denken werden; bedroht hat mich deswegen noch niemand. Sondern eine innere Gefahr: Man ist (generell, keineswegs nur bei diesem Thema) immer versucht, sich allzu schnell ins Lotterbett der im gängigen Diskurs vorformulierten Schemata zu legen, also in diesem Falle politisch korrekte Parolen gedankenlos nachzuplappern. Das wirkt zum einen nicht unbedingt überzeugend auf das Gegenüber, das diese Parolen ja längst kennt. Und zugleich ordnet man sich selber damit u. U. in die Reihen jener ein, mit denen man ansonsten eher keine politische Gemeinschaft pflegen möchte. Dieses Versäumnis kompensiere ich, sozusagen zusammenfassend, mit diesem weit ausholenden Essay.

 
Worin liegt für viele Menschen die Faszination, die Rothschilds, die Juden, die Rockefellers oder die Bilderberger (wer immer das genau sein soll) für alles verantwortlich zu machen, was unserer Meinung nach in der Welt schief läuft? Oder, am beliebtesten (weil so unbestimmt, dass man es in jeder Situation behaupten kann): Die Neue Weltordnung (NWO).

Es sind die Schwächlinge, welche die Last des Eingeständnisses nicht zu tragen vermögen, dass wir ganz besonders im Bereich der Gesellschaft (und der Wirtschaft) sehr vieles, allzu viel, unerträglich viel nicht wissen. Mit politischen Verschwörungstheorien habe ich mich nicht näher beschäftigt. Dafür umso mehr mit jenem Scheinwissen, dass unwissende (aber phantasievolle) Scharlatane über unser Geldwesen verbreiten. Das, wenn man sich einmal entschlossen hat, die Frage mit intellektueller Redlichkeit und mit einem rigorosen Beharren auf logischer Widerspruchsfreiheit (innerhalb des Denkmodells selber wie zur Realität) zu untersuchen, in seinen grundlegenden Funktionsprinzipien gar nicht so schwer zu verstehen ist. (Anders, wenn es um die Details geht.)

Ja, es ist richtig, dass unser wirtschaftliches System die Reichen immer reicher macht. Das ist ein Skandal, das ist für die Gesellschaft insgesamt brandgefährlich. Aber das ist NICHT das Ergebnis irgendeiner Hinterzimmer-Verschwörung. Und vor allem ist es nicht das Resultat unseres GELDsystems und nicht des Zinsmechanismus. Denn (auch wenn es auf den ersten Blick merkwürdig klingt): "Der Zins besteht nicht nur aus Zinsen - und nicht alle Zinsen sind ein Zins". Es ist das EIGENTUM, und die daraus abgeleiteten Erträge, das die Reichen immer reicher, und die Armen immer ärmer macht. Egal, ob jemand Zinsen, Dividenden oder Mieten kassiert: Im Sinne seiner Vermögensmehrung sind das alles Zinsen!

Dazu hatte bereits im Jahr 2008 ein gewisser Jochen Hoff, Betreiber der Webseite Duckhome (und leider i. S. Geldsystem ein Spinner) in einem "lesepflichtigen" Artikel Sätze geschrieben, die sich jeder Verschwörungsgläubige ins Stammbuch schreiben sollte:

"Was ist also mit dieser weltweiten zionistisch-jüdischen Verschwörung? Sie ist Blödsinn! Geld findet immer wieder zum Geld. Leute die viel Geld besitzen, haben ein gemeinsames Interesse. Sie wollen dieses Geld gegen die Armen verteidigen und möglichst noch mehr Geld in ihren Tresoren horten. Da brauchte es keine Verschwörung, keine Absprache, die dazu führt, dass vom Kapital immer wieder Gesetze gegen die Menschen gemacht werden."

Dass die Abschaffung des Eigentums (an Produktionsmitteln) keine Lösung ist, wissen wir. Die Menschheit hat das bereits empirisch erprobt und sozusagen experimentell bewiesen. Im Gegensatz zu den zahlreichen Scharlatanen habe ich keine Lösung anzubieten. Aber der erste Schritt, um zu einer Lösung zu kommen (wenn es überhaupt eine gibt), ist das Eingeständnis des Nichtwissens. Das fällt den Fachleuten (in diesem Falle den Wirtschaftswissenschaftlern) genauso schwer wie den Laien. Was wir bräuchten, wäre eine massive und zielgerichtete Forschungsanstrengung, entfernt vergleichbar jener, die damals zur Entwicklung der Atombombe unternommen wurde: Ein Manhattan-Projekt für die Wirtschaftswissenschaften sozusagen.

Verschwörungstheorien dagegen sind die moderne Entsprechung für die Regengötter primitiver Völker. Sie liefern Scheinkausalität für das, was (auf der jeweiligen Wissensstufe oder überhaupt) in Wahrheit für uns (noch) unerklärlich bleibt.
Und die "Regengötter" der Verschwörungstheorien heißen häufig Rothschild. Nicht immer sitzen sie allein auf der Anklagebank, und nicht immer nur mit anderen Juden zusammen: Auch die Rockefellers werden gerne verdächtigt, im Hintergrund die Strippen einer als Marionettentheater gedachten Welt zu ziehen. Müll aber bleibt ein solches Geschwätz allemal.

Besonders traurig ist es, wenn ausgerechnet Patrioten sich leichtgläubig außer Gefecht setzen lassen: Indem sie sich in Verschwörungstheorien suhlen, anstatt zu ändern, was wir vielleicht noch ändern können. Oder sich immer wieder die Schnauze rückwärts zum nostalgisch verklärten Blick auf die Nazizeit drehen (lassen). Und dann dumm dreinschauen, wenn sie von der großen Mehrheit in Deutschland (keineswegs nur von den Antifanten!) den politischen Knockout verpasst kriegen. Liebe Leute: Die Musik spielt hier - und HEUTE!

Darum, Freunde der Verschwörungstheorien: Lasset ab von der Anbetung der falschen Regengötter. Faselt nicht von Geheimbünden der Freimaurer, Illuminaten, einer angeblichen NWO oder der Juden (Zionisten). Das alles sind Hirngespinste. Akzeptiert es, mit der Last des Wissens um unser Nicht-Wissen leben, und im Zustand des eigentlich unzulänglichen Wissens sogar politisch handeln zu müssen. Die uns bekannten Fakten müssen wir in unsere Überlegungen einbeziehen. Aber ebenso wichtig ist es, dass wir uns die Leerstellen unseres Informationshorizonts ehrlich eingestehen. Und der Versuchung widerstehen, sie mit Worten oder Eigennamen zu füllen, die nur die eine Funktion haben: Uns selber ein Wissen um Kausalzusammenhänge vorzuspiegeln, dass wir in Wahrheit nicht haben.


Der berühmte Satz aus der Volkswirtschaftslehre "There is no free lunch" gilt auch im Bereich der Erkenntnis: Ohne Mühe ist kein Blumentopf zu gewinnen.

Und mit Regengöttern ist nirgends ein Staat zu machen.



ceterum censeo
Wer alle Immiggressoren der Welt in sein Land lässt, der ist nicht "weltoffen":
Der hat den A.... offen!
Textstand vom 18.01.2016

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen