Samstag, 7. August 2021

Wie steht es WIRKLICH um jene angeblich "sorgfältige Recherche" des Staatsfunks, für die das Bundesverfassungsgericht uns Gebührensklaven expropriiert?

 
Unter anderem mit folgender Begründung hatte das Bundesverfassungsgericht (am 20.07.2021) den deutschen Staatsfunkanstalten eine satte Gebührenerhöhung beschert:
"Dabei wächst die Bedeutung der dem beitragsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk obliegenden Aufgabe, durch authentische, sorgfältig recherchierte Informationen, die Fakten und Meinungen auseinanderhalten, die Wirklichkeit nicht verzerrt darzustellen und das Sensationelle nicht in den Vordergrund zu rücken, vielmehr ein vielfaltsicherndes und Orientierungshilfe bietendes Gegengewicht zu bilden. Dies gilt gerade in Zeiten vermehrten komplexen Informationsaufkommens einerseits und von einseitigen Darstellungen, Filterblasen, Fake News, Deep Fakes andererseits."
Wie es im Staatsfunk in Wahrheit um die Recherche und das angeblich "Orientierungshilfe bietende Gegengewicht" zu "einseitigen Darstellungen, Filterblasen, Fake News" bestellt ist, konnte ich jetzt an zwei Texten auf den Seiten der Deutschen Welle bzw. des Deutschlandfunks überprüfen.
 
Die Deutsche Welle brachte am 08.02.2021 in der Reihe "Wissen & Umwelt" das Interview "Atomkraft verschlimmert die Klimakrise!".
Interviewpartner war Mycle Schneider. Der wird am Schluss des Interviews wie folgt beschrieben (Layout hier von mir geändert, Hervorhebungen von mir):
  1. "Mycle Schneider ist Herausgeber vom jährlich erscheinenden World Nuclear Industry Status Report (WNISR). " Das trifft zu.
  2. "Der WNISR ist ein UNABHÄNGIGES Referenzwerk zur Entwicklung der globalen Atomkraftwerksindustrie."
  3.  Schneider hat an zahlreichen Universitäten und Ingenieurschulen gelehrt und arbeitet als unabhängiger Berater für Regierungen und internationale Organisationen auf der ganzen Welt."
Die Behauptungen Nr. 2 und 3 sind teilweise unzutreffend bzw. irreführend.

Zu 2) 
Der "World Nuclear Industry Status Report" ist keineswegs unabhängig in dem Sinne ist, dass er eine neutrale Darstellung der Zusammenhänge sein wollte (oder wäre). Vielmehr handelt es sich eindeutig um eine Anti-Atom-Lobby. Dass diese möglicher Weise keine eigenen wirtschaftlichen Interessen verfolgt ändert nichts daran, dass sie von Kernkraftgegnern finanziert wird und deren Positionen vertritt - also deren Lobby ist. 
Die Finanzquellen sind aus der Danksagung auf der Webseite ("Support") ersichtlich:
"We thank the following organizations, foundations, publishers for their support (die im Original abgebildeten Logos vieler der Institutionen habe ich hier weggelassen):
 MacArthur Foundation, U.S. 
Swiss Energy Foundation, Switzerland 
Le Monde diplomatique, France 
• Hatzfeldt Foundation, Germany"

Zu 3:)
Mycle Schneider trägt lt. Wikipedia-Eintrag "keine akademischen Titel, sondern hat sich sein Wissen zur Kernenergie als Autodidakt erarbeitet".
Das ist in keinster Weise ehrenrührig; es mag auch durchaus zutreffen, dass er "an zahlreichen Universitäten und Ingenieurschulen gelehrt" hat. ("Seit 2004 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Umwelt- und Energiekonzepte des Master-Studienganges International Project Management for Environmental and Energy Engineering an der Ecole des Mines in Nantes" berichtet auch der Wikipedia-Artikel.)
Aber indem der Sender die fehlende formale Qualifikation Schneiders verschweigt und stattdessen darauf hinweist, dass dieser an zahlreichen Hochschulen gelehrt habe, verschleiert er das fehlende (einschlägige) Universitätsstudium. Cui bono?

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Am 04.08.2021 berichtete David Siebert im Deutschlandfunk unter " 'Vogelschiss – Die Graphic Novel gegen Rechts'. Mit einem Comic über die AfD aufklären" über ein Propagandaprojekt gegen die Alternative für Deutschland.
Darin hieß es u. a.:
"Auch im Freiburger Stadtrat hat die AfD zwei Sitze. Das weltoffen-liberale Selbstbild der Stadt habe Kratzer bekommen, sagt die freie Texterin und Lektorin Frauke Bahle.Dubravko Mandic, einer der beiden AfD-Stadträte ..... ."
Es wird also stillschweigend impliziert, dass Dubravko Mandic nach wie vor Parteeimitglied sei. Tatsächlich ist jedoch bereits im April 2021 aus der Partei ausgetreten (und damit vermutlich einem Parteiausschluss im laufenden Verfahren zuvorgekommen): https://www.badische-zeitung.de/der-freiburger-stadtrat-dubravko-mandic-hat-die-afd-verlassen--201474125.html.
Orientierungshilfe durch sorgfältige Recherche? Kampf gegen Fakenews? Wahrheiten jenseits der Filterblase?
Doch nicht beim deutschen Staatsfunk! Der weiß, für - und damit auch gegen - wen er zu trommeln hat!

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Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch auf mein Buch hinweisen:
Momentan ist es nur als eBook verfügbar; man braucht jedoch kein Kindle-Gerät, sondern kann die Software für eine Lektüre am PC hier herunterladen.
(Als älterer Mensch mag eigentlich auch ich eher "richtige" Bücher. Der unschätzbare Vorteil einer elektronischen Version ist freilich die Möglichkeit, Internet-Links direkt anzuklicken.)
 
Textstand 07.08.2021

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