Sonntag, 17. August 2008

Bad Rüsselsheim: Entspannungsbrunnen an der Festung; Ehrenmänner in der Eisdiele


Rüsselsheim hat eine Festung mit unersteiglich hohen Wällen ...



.... einer kanonenkugelsicheren gekrümmten Einfahrt ...



sowie geheimnisvollen Höhlen im inneren Festungsgraben.




Doch die ganz große Überraschung erwartet uns bei einem Rundgang außen um die Renaissancefestung: hier gibt es jede Menge Entspannungsbrunnen!
Und also schließe ich messerscharf,
Dass dieser Ort wohl ein Bad sein darf.















Beinahe im Anschluss an die Festung (dazwischen liegen noch die Opel-Villen) erstreckt sich der Verna-Park (hier ein Obelisk wie er, neben den gleichfalls vorhandenen romantischen Burgruinen, wohl zum Standardinventar englischer Gartenanlagen gehörte).


Alles kann der Mensch nicht haben: Friedensplatz oder Bahnhofstraße?


Wir entscheiden uns natürlich für die B-Straße: Bad Rüsselsheim - Blumen - Bahnhofstraße. Und kommen zu einem Eiscafé und einem griechischen Restaurant daneben.



Blumen sind in Bädern üblich, aber was passt hier nicht ins Bild? Richtig: die Kerzen!

Doch ist es mir ein Leichtes, auch diese in meine Rüsselsheim-Nomenklatur einzuordnen: einfach das Anfangs-B klein statt groß schreiben, und schon wird "Bad Rüsselsheim" zu "bad Rüsselsheim". Wer darüber mehr wissen will, googele nach "rüsselsheim schießerei eisdiele"! Ich hatte zwar mitgekriegt, dass da was los gewesen war, aber nicht, dass dort bei einer Schießerei gleich drei Menschen ermordet worden waren, und das erst vor wenigen Tagen, am 12.08.2008. [Unser Besuch in Rüsselsheim war lediglich die Folge eines verkürzten Mainz-Trips; eigentlich wollten wir dann noch nach Frankfurt ins Starbucks an der alten Börse, aber, da wir immer schon mal Rüsselsheim hatten besichtigen wollen, enschlossen wir uns ganz spontan beim Halt der S-Bahn im Bahnhof zum Aussteigen.] Eine der getöteten Personen, eine 55-jährige Griechen, war sogar gänzlich unbeteiligt; zu deren Gedenken wurden hier die Kerzen, Blumen und ihr Foto aufgestellt.

Zwei türkische Gruppen hatten dort eine Meinungsverschiedenheit gewaltsam ausgetragen; angeblich ging es darum, dass Mitglieder der einen in ihrer Eigenschaft als Türsteher vor einer Mainzer Diskothek Mitglieder der anderen nicht reinlassen wollten.

Ganz abgesehen davon, dass Türsteher bekanntlich ausnahmslos Ehrenmänner sind, die nur so an Eingangstüren herumstehen und denen es nie und nimmer in den Sinn käme, etwas gesetzwidriges zu tun (wie z. B. mit Drogen zu handeln), ist es doch einigermaßen untypisch für Ehren-Männer, dass die "Gruppenmitglieder" der Polizei schon einschlägig wegen Körperverletzungen bekannt sind. Auffällig ist auch, dass die Polizei bei der Fahndung nach den Tätern sofort mehrere Wohnungen durchsuchte: deren Inhaber waren also offenbar bereits in den einschlägigen polizeilichen Dateien gespeichert.
Das alles (und einige andere Details wie z. B. der Umstand, dass einer der Getöteten in Rüsselsheim ein Wettbüro betrieb) macht mir die Theorie von einer 'Ehren-Fehde' doch reichlich suspekt, jedenfalls für die tieferen Hintergründe der Tat.
Aber natürlich ist sie für die Justiz bequem, und wird zweifellos von der Politik präferiert. Organisierte Kriminalität? Nein: kultureller Hintergrund, Ehrenhändel ... diese leidenschaftlichen Südländer, man weiß ja, wie empfindlich die in Ehrensachen sind, wie locker denen die Messer und Pistolen sitzen, wenn es um die Ehre geht.
Schnarch, Michel, schnarch ...
Bald liegste auch im Sarch?


Aber wir wollen uns wieder abregen, und was wäre für eine Entspannungsübung besser geeignet, als einen letzten Blick auf einen der Rüsselsheimer Entspannungsbrunnen ?
Also dann, hier isser noch mal:
(Falls Ihnen das zuviel an Entspannung ist, suchen Sie den Begriff "Entspannung" mal in diesem pdf-Dokument!)















P. S.: "Von den drei Eiscafés in der Innenstadt gilt das „Rocco“ als das erste Haus am Platze. Gerade jüngere Rüsselsheimer treffen sich gerne „beim Rocco“ mit dem angeblich besten Stracciatella der Stadt" heißt es in dem (informativen) Bericht "Morde in Rüsselsheim. Schüsse vor dem Eiscafé" von Hanns Mattes und Thomas Holl im FAZ.NET.
Also, Straciatella habe ich nicht probiert, nur dieses Keks-Eis. Wenn mir davon jemand sagen würde, das sei das Beste, auch nur in Rüsselsheim, würde ich ihm die gleiche Frage stellen, die mir mal ein Amerikaner bei einem (von mir gelobten) Apfelwein-Schoppen in Frankfurt-Sachsenhausen stellte: "If this is the good stuff, than how does the bad stuff taste ...?"

Mehr über das Eis-Café, das gerade erst am Vortag wieder eröffnet worden war, berichtet Alexandra Dehne in der lokalen Zeitung "Main-Spitze" (aus der Verlagsgruppe Rhein Main): "Hoffen auf Rückkehr zur Normalität. Eiscafé 'De Rocco' gestern wieder eröffnet / Solidaritätsbekundungen." (Vgl. auch den Bericht "Die Stammgäste sind wieder da. Eiscafé 'Rocco': Francisco Soldan und sein Team kehren zum Alltag zurück" in einem anderen lokalen Medium, "Echo Online" ("Darmstädter Echo"), vom Andrea Volb v. 16.08.08.)

Ich habe darauf verzichtet, die zahlreichen Zeitungsartikel, die ich im Internet durchgeschaut habe, zu verlinken. [Ärgerlich sind übrigens die überlangen "Header" der Online-Texte, weil sie das Abspeichern der URL in Unter-Unter-Ordnern der Favoriten erschweren. Das Handelsblatt hat sich diese Masche schon abgewöhnt (vgl. meinen Blott "Motzen: manchmal hilft's (?)"); wenn ich mal Zeit habe werde ich versuchen, auch die anderen Zeitungen von der Würze der Kürze zu überzeugen.] Interessant sind wohl die Reportagen insbesondere der FAZ, der Frankfurter Rundschau, der Welt und des Spiegel.
Lokales Flair, und teilweise auch noch detailliertere Informationen als die Berichte der "Großen", vermittelt naturgemäß die Berichterstattung der lokalen Zeitung "Main-Spitze":
"Vier Tote bei Schießerei in Innenstadt" vom 13.08.08;
"Sieben Festnahmen nach Bluttat" vom 15.08.08;
Reaktionen von Rüsselsheimern fasst der Bericht "Probleme seit Jahren verharmlost. Main-Spitze-Leser fordern Handeln von der Politik / Innenstadt wird gemieden" zusammen.
Als Kuriosum entdeckte und präsentiere ich diesen Artikel aus dem Jahr 2006: "Sich bewusst die Kugel geben. Bei geschickter Eis-Auswahl lassen sich viele Kalorien sparen".
Selbstverständlich verurteilen auch die türkischen Einwohner von Rüsselsheim die Bluttat. Sehr ausführlich dazu im "Echo Online" [in der Printausgabe wohl als "Rüsselsheimer Echo"; das ist der lokale Ableger des Darmstädter Echo] der Artikel "Null Toleranz für solche Täter. Kriminalität: Vier türkische Vereine verurteilen Bluttat vor der Eisdiele scharf – Aktionen mit der Jugend geplant".
Canabbaia wäre nicht der große Hund, der er nun einmal ist, hätte er nicht auch da ein irritierendes Detail aufgetrieben:
" 'Wir haben erwartet, dass sich die Väter der Tatbeteiligten bei den Menschen dafür entschuldigen, dass sie der Bevölkerung Angst und Schrecken einjagen', sagte Sedat Cakir SPIEGEL ONLINE. 'Das gehört sich, wenn man Menschen so etwas antut' " erfahren wir unter der Überschrift "Haftbefehle nach tödlicher Schießerei vor Eisdiele" auf der Spiegel-Seite. Das ist mit Sicherheit gut und ehrlich gemeint; dennoch hat es für mich einen beunruhigenden Unterton von Sippenhaft, woran meine Assoziationskette dann Sippe, Großfamilie und Clan ... anschließt.
Ich bringe einen solchen Appell gedanklich mit einem Satz aus dem FR-Artikel 'Viele Fragen' (s. u.) zusammen: ".. während der einzige Überlebende des Massakers schwerverletzt operiert wurde, kamen dutzende Verwandte des Mannes in das Krankenhaus".
Und mit Erinnerungen an Gerichtsprozesse (Hamburg? U-Bahn-Mord, bei dem jemand vor die Bahn gestoßen worden war?), wo ebenfalls zahlreiche Freunde im Gerichtssaal erschienen waren - und sich lautstark für den Täter stark machten. Oder an eine Erinnerung aus der Autobiographie des italienischen Renaissance-Bildhauers Benvenuto Cellini (aus der ich ein anderes Detail als "Cellini-Therapie" bereits an anderer Stelle verwendet habe). Dieser brachte nämlich in einem Rechtsstreit vor einem (Pariser) Gericht ebenfalls seinen ganzen Anhang mit - bewaffnet, um das Gericht zu "überzeugen", nicht etwa zu Gunsten seines Gegners zu urteilen. Direkte Pressionen dieser Art auf das Gericht würden hier zwar nicht toleriert werden, aber das ganze Umfeld, insbesondere die Bedrohung von Zeugen, kann die Polizei natürlich nicht kontrollieren.
Und dann erinnere ich mich an meine Ausführungen in dem Blott "Das Ende des Wei(s)sen Mannes. Polit-Plädoyer ohne Leidenschaft", nämlich an Zitate aus einem Essay des Amerikaner Stanley Kurtz "The Future of 'History' " (Policy Review, No. 113, June and July 2002). Kurtz schreibt hier u. a. über die Familienbande in islamischen Gesellschaften:
"Maybe with time, for example, the “acid of modernity” will dissolve Turkey’s traditional social structure and the modernizers will win out. Or maybe the piecework ateliers of Turkey will develop into a working blend of capitalism and the traditional social structure. Or will the kinship structure’s formidable interference with bureaucratic and capitalist efficacy tell the tale in the end? To begin to answer the question, we need detailed case studies and hard analyses of the social and economic riddles at the heart of the urbanizing Islamic world (and the Third World more generally). At the moment, however, we have too little in the way of either data or theory to make an informed decision. That, in the end, is why neither Huntington, nor Fukuyama, nor anyone else at the moment can plausibly resolve the issue." In der Verzahnung von (islamischer) Religion mit großfamiliären Strukturen, könnte die eigentliche Bedrohung des Islamismus für unsere nicht nur säkular, sondern auch kleinfamiliär orientierte Kultur liegen; und ganz besonders dann, wenn es uns aufgrund von Ressourcenverknappungen (Stichwort: Peak Oil / Ölfördermaximum usw.) nicht mehr gelingen sollte, den Lebensstandard unserer Gesellschaften weit über dem Subsistenzniveau zu halten.

Genug aber nun des kulturphilosophischen Einschubes und noch einige interessante Links mit Informationen zum eigentlichen Blog-Thema:
Aus dem Bericht "Mord wegen Spielschulden? Schießrerei [sic!] in Eisdiele fordert vier Opfer" im "Echo Online" von Liz Schuster vom 12.08.08 haben die überregionalen Medien anfängliche Mutmaßungen über einen Zusammenhang der Gewalttat mit der Wett-Szene in Rüsselsheim übernommen.
Einige interessante Details, die anderswo fehlen, finden sich im Artikel "Drei Haftbefehle nach Blutbad von Rüsselsheim" vom 15.08.08: "Wie das ECHO aus dem Bekanntenkreis des Raunheimer Mordopfers Erkan K. (29) erfuhr, soll die Türsteherszene des Rhein-Main-Gebietes entgegen den Angaben der Polizei wohl doch eine gewisse Rolle spielen. K. soll demnach kürzlich zwei Diskotheken in Mainz und Wiesbaden gekauft und beabsichtigt haben, die Türsteher auszutauschen. Daraus sollen die Auseinandersetzungen resultieren. Nach einer verbalen Auseinandersetzung am Dienstag im Café habe einer der Besucher einen Cousin von Erkan K. geohrfeigt. Erkan K. wollte das Eiscafe verlassen. Daraufhin sei auf ihn geschossen worden. Später seien alle aufeinander losgegangen. Das lebensgefährlich verletzte Opfer soll gedroht haben, er werde sich an der Familie K. rächen. Daraus resultiert wohl das starke Polizeiaufgebot in Raunheim".
Überhaupt scheint die Berichterstattung im Echo Online die umfangreichste zu sein; vgl. etwa "Aktion in Rüsselsheim abgeschlossen. Motiv für Schießerei weiterhin unklar" vom 14.08.08 (mit Links zu weiteren eigenen Artikeln); "Dreifachmord: Alle Beteiligten sind identifiziert", ebenfalls vom 14.08.; die Übersicht "Gewaltverbrechen in Rüsselsheim"; "Kerzen und Blumen für die Opfer. 24 Notfallseelsorger im Einsatz – Unzählige Schaulustige in Fußgängerzone" vom 13.08.08.

Natürlich rufen solche Ereignisse auch die professionellen Psycho-Analysten (vulgo: Seelen-Klempner) auf den Plan; siehe dazu auf der Webseite "Rhein-Mainer": "Trauer zulassen und ein Zeichen setzen. Dr. Peter A. Schult über die Rüsselsheimer Seele und Chancen, Lähmendes zu überwinden".

Die Rüsselsheimer sind freilich mitnichten gelähmt, sondern feiern erst einmal ihre Marktkirmes: "Historisch, festlich, vergnüglich. Rüsselsheimer Kerb lädt bis Dienstagabend zum Feiern ein / OB hofft auf friedliches Fest" (Mainspitze).
Die Konkurrenz vom "Echo" titelt: "Nach sieben Schlägen fließt das Bier. Kerb: Böllerschüsse und Herold eröffnen fünftägiges Fest – Fassanstich mit OB Gieltowski – Weindorf kaum noch erkennbar". (Schläge und Böllerschüsse klingen für denjenigen etwas makaber, der gerade tief in die Nachrichten über die Bluttat eingetaucht war.)
Irgendwo in den großen Medien hatte ein Leser kommentiert, dass nur Lebensmüde auf diese Kerb gehen. Nun: wir sind drübergegangen - und haben's überlebt.

Weitere Artikel, die mehr über die Hintergründe berichten bzw. spekulieren:
"Blut auf dem Pflaster - und viele Fragen" von STEPHEN WOLF (Frankfurter Rundschau vom 13.08.08) und im gleichen Blatt vom gleichen Tag: "Keine organisierte Kriminalität bei Türken": "Die Bluttat von Rüsselsheim lässt Vermutungen aufkommen, dass Bandenkriminalität eine Rolle spielen könnte. Doch die Volksgruppe der Türken fiel in jüngster Zeit nicht durch organisierte Kriminalität auf. Es waren andere Ethnien, die in Gruppen von Landsleuten Delikte begingen, lautet die Auskunft der Staatsanwaltschaft in Frankfurt." Nun ja, ich will gern glauben, dass sich die Türken hier im Vergleich zu gewissen anderen Völkerschaften nicht durch eine besonders intensive organisierte Kriminalität 'auszeichnen'. Daraus freilich zu folgern, dass es unter dieser Bevölkerungsgruppe so etwas ganz und gar nicht gebe, scheint mir schon deshalb etwas voreilig, weil die Mafiosi aller Länder ihre Aktivitäten im Normalfall bekanntlich nicht coram publico entfalten.


Ach ja, zu "Wettbüros" fällt mir auch noch etwas ein:
Ich vermute mal, dass man dort vorzüglich Geld waschen kann. Und in einigen wohl auch tut.


Nachtrag 18.08.2008:
Anfang 2005 sollten alle illegalen Wettbüros in Südhessen geschlossen werden. Aus (vgl. dieser Polizeimeldung) können wir entnehmen, dass die Polizei durchaus weis, was sich in verschiedenen dieser "Wettbüros" abspielt - u. a. auch in Rüsselsheim: "Einige Wettbüros sind nach den Erkenntnissen und längeren Beobachtungen des Polizeipräsidiums Südhessens auch ein Hort für fast alle Arten von Kriminalität. Angefangen von Falschgelddelikten über Geldwäsche, Steuerhinterziehung bis hin zu Gewaltdelikten, die schlimmstenfalls wie kürzlich in Rüsselsheim sogar tödlich enden".
Während es in einer Pressemeldung vom 14.03.2007 noch hieß "27 von 30 Wettbüros im Kreis sind geschlossen", lesen wir in einem Bericht der "Main-Spitze" vom 05.02.2008: "Wettbüros bleiben auch ohne Lizenz geöffnet. Gericht empfiehlt Behörde Stillhalten": "Seit vier Jahren werden auch im Kreis Groß-Gerau Sportwettbüros, nach altem wie neuem Glücksspielgesetz illegal, geschlossen. Die meisten Betreiber der ursprünglich allein in Rüsselsheim eröffneten zwölf Büros prozessieren und machen weiterhin Geschäfte." (Hervorhebung von mir)
Die Geschichte von 'da hat einer gewonnen, und der Besitzer des Wettbüros hat die Auszahlung verweigert' dürfte die Standard-Version der Beteiligten für das Publikum sein, soweit dieses von einer Auseinandersetzung etwas mitbekommt. Sehr viel wahrscheinlicher ist, dass es in Wirklichkeit um ganz andere Transaktionen geht.

Verschiedene Forendiskussionen - z. B. bei politik.de oder "ShortNews" enthalten viel Müll (allgemeine, meist negative Bemerkungen über Ausländer und Türken in Deutschland), aber auch einige interessante Informationen und Links. Dort kann man lesen, dass es sich um 2 kurdische Clans gehandelt haben soll, und es wird auf eine vergleichbare Situation in Wiesbaden verwiesen und zu einem ausführlichen Bericht des "Tagesspiegel" vom 02.09.2005 über die dortigen Morde verlinkt.
Der Spiegel-Bericht "Die Folgen einer Disconacht" von Julia Jüttner (den Link verdanke ich ebenfalls einem Foren-Beitrag) zieht nicht nur eine Parallele, sondern auch eine Verbindung zu den Wiesbadener Vorgängen. Bemerkenswert ist die Äußerung des Vaters eines der in Rüsselsheim erschossenen jungen Mannes: "Aus Sicht der Familie K. laufen die eigentlichen Veranlasser und Täter dieser Bluttat noch frei herum, was alle Angehörigen und Freunde der Familie nach wie vor in großer Angst und Sorge lässt." Diese Bemerkung werte ich ebenfalls als einen Hinweis auf bandenmäßige Strukturen.
Im "express.de" vom 14.08.08 berichtet MARKUS KRÜCKEN unter der Überschrift "Angst vor Rache der Clans" sogar: "Hintergrund der Schießerei ist ein Krieg kurdischer Clans, der eine aus Rüsselsheim, der andere aus Wiesbaden: Eine der beiden Familien, laut Insidern im Drogenhandel aktiv, wollte in der Türsteherszene der Region Fuß fassen, die Konkurrenz ausschalten".
Es mag schon sein, dass bei diesen Auseinandersetzungen auch Begriffe von "Familienehre" eine Rolle spielen.
Aber der eigentliche Hintergrund scheinen doch (wie auch in den Foren einige betonen) kriminelle Strukturen zu sein.

Natürlich erinnert sich in einem Forum auch jemand daran, dass in Rüsselsheim schon mal Terroristen im Eiscafé gefasst wurden, und verlinkt zu den Artikel: "Die Fahndung endete im Eiscafé Dolomiti" aus der Welt Online vom 23.02.2007.
Im Forum von Web.de musste der Moderator die Notbremse ziehen: "Liebe Nutzer,
diese Diskussion wurde geschlossen, da zu häufig gegen unsere Forenregeln verstoßen wurde
". Ich habe mir die noch vorhandenen Beiträge (über 500) nicht angeschaut; da scheint einiges hochgekocht zu sein.


Nachtrag 23.08.2008:
Recht informativ im vorliegenden Zusammenhang ist auch der Artikel "Trauergäste aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet. Raunheimer Mordopfer gestern auf dem Friedhof beigesetzt / Seit Tagen starke Polizeipräsenz in der Stadt" aus der "Mainspitze" vom 16.08.08. Dort wir du. a. berichtet:
"Zum Hintergrund der Bluttat vom Dienstagabend sagte Wallasch [der Rechtsanwalt der Familie des Getöteten Erkan K.] nur so viel: Weder Wettschulden noch eine Fehde angeblich verfeindeter Familien hätten zu den Morden geführt. ... Beide Familien stammten aus dem gleichen Dorf in der Türkei. 'Man kennt sich.' Zur Vorgeschichte der entstandenen 'Streitigkeiten' wollte sich Wallasch nicht äußern. 'Die Situation ist eskaliert und außer Kontrolle geraten', sagte er. Möglicherweise seien hier lediglich zwei junge Männer beider Clans aufeinander geprallt." Und weiter:
"In Raunheim waren die Folgen der Bluttat von Rüsselsheim in den vergangenen Tagen allgegenwärtig. Polizeistreifen drehten ihre Runden und bezogen Posten an Einfallstraßen. Mancher unbescholtene Bürger geriet unversehens in eine Personenkontrolle ..... . Am Elternhaus des ermordeten Erkan K. in einer kleinen Anliegerstraße im Neubaugebiet herrschte tagelang Ausnahmezustand. Wie Anwohner berichteten, flanierten ständig rund 50 bis 100 Türken vor dem Haus auf und ab. Die Straße sei mit 'großen Schlitten' zugeparkt gewesen ... ."
Ach ja: ein 'Aufmarsch' von "großen Schlitten" einerseits - und andererseits sollen "lediglich zwei junge Männer beider Clans aufeinander geprallt" sein? Wer's glaubt ... .


Irgendwie muss Rüsselsheim tierisch interessant sein. Jedenfalls für eine Rotte Wildschweine, die am 27.09.08 in der Stadt Räuber und Gendarm mit der Polizei spielen wollten. Wahrscheinlich hatten die Wasser aus den Entspannungsbrunnen getrunken. Die Polizei spielte aber Spielverderber und machte alle alle. Wer mir nicht glaubt, lese es im FAZ-Net den Bericht "Wildschweinjagd in der Innenstadt" vom 28.09.08.


Nachtrag 25.03.2010
Ein Suchzugriff zum vorliegenden Blott erinnert mich an diesen und führt mich zu einigen Links über die aktuelle Berichterstattung. Nachfolgend eine nicht systematisierte Auswahl (von Artikeln aus der "Wormser Zeitung"; dort finden sich auch Links zu weiteren Berichten):
"Tumult im Gerichtssaal: Angeklagter Erdal E. sorgt im Eisdielen-Prozess für Eklat" vom 25.01.10;
Von "hohen Sicherheitsvorkehrungen" berichtet der Artikel "Prozess um Rüsselsheimer Eisdielen-Morde wird wohl länger dauern" vom 06.01.2010.
Ruhigstellung der Bevölkerung ist die erste Behördenpflicht, auch wenn man dazu die Wahrheit verschleiern muss.
"Hintergrund waren persönliche Reibereien im Türsteher-Milieu. Zur Wiederherstellung der Familienehre hätten die Streitenden geschossen und aufeinander eingestochen, so die Staatsanwaltschaft" heißt es in dem Bericht "Rüsselsheimer Eisdielen-Prozess enthüllt brutale Details" vom 30.06.2009.
In "Eisdielen-Morde: Eine Bagatelle als Auslöser?" vom 24.09.2009 heißt es: "Möglicherweise haben unfassbare Nichtigkeiten zur Eskalation am 12. August des vergangenen Jahres in der Eisdiele “De Rocco" geführt, Nichtigkeiten, hergeleitet von einem infantil anmutenden Ehrgefühl. “Wegen nichts sind so viele Menschen gestorben", sagt Erdal E.. Unter anderem ist die Rede davon, der Stolz Erkan K.s, eines möglichen Schützen, sei verletzt gewesen, weil dessen Vater ihn im Verlauf einer Schlichtung “zurückgepfiffen" habe."
Besonders hervorzuheben ist, wegen seiner Ausführlichkeit, der Artikel "Rüsselsheimer Eisdielen-Prozess: Ein Albtraum - ausgelöst durch Lappalien" von Claus Langkammer vom 12.12.2009. Auszüge:
"Hinweise auf diese läppischen Vorkommnisse finden sich in Einlassungen zweier der drei wegen Mordverdachts angeklagten Männer, Erdal E. - bei der Schießerei selbst schwer verletzt - und Taylan K., vor dem Darmstädter Schwurgericht, wo man mittlerweile seit Mai dieses Jahres prozessiert. "Wegen nichts und wieder nichts", so räumen diese Männer unisono ein, seien die Opfer zu beklagen. Es klingt zerknirscht. Ist diese Zerknirschung echt?"
Wenn beide Seiten "einräumen", dass der Streit um Lappalien ging, dann darf man wohl davon ausgehen, dass beide Seiten trotz aller Feindschaft doch ein gemeinsames Interesse daran haben, hier niemanden auf den Gedanken kommen zu lassen, dass es etwa in Deutschland Verbrecherbanden gebe, die sich Bandenkriege liefern. Immerhin, ein klein wenig lüftet sich dieser Verharmlosungsschleier in dem Satz
"Ungeachtet anderslautender Beteuerungen der Angeklagten geht das Gericht vor dem Hintergrund der Ermittlungen inzwischen davon aus, dass keine der beiden Seiten in gewaltloser Absicht zu dem Eiscafé-Treffen erschienen ist."
Was in Wirklichkeit hinter der Schießerei stand, erfahren wir auf S. 2:
"Hintergrund: In der Türsteher-Szene, in der Angehörige der beiden ostanatolischen [vermutlich kurdischen, aber wieso liest man darüber nichts? Warum ist immer nur - formal zwar korrekt, aber den ethnischen Hintergrund dieser offenbar in Familienbanden organisierten Großkriminalität verschleiernd, von "Türken" die Rede?] Familien ein gewichtiges Wort mitzureden haben, sind Schläge und Beleidigungen gefallen. Aus Anwaltskreisen am Rande des Prozesses ist zu hören, dass Türsteher oftmals Clans verpflichtet sind. Sie haben Einfluss darauf, wer in einer Discothek ein- und ausgeht - und dort beispielsweise Drogengeschäfte abwickeln kann, woran wiederum die Clans Interesse haben. Die beiden Familien, in Raunheim, Rüsselsheim und Wiesbaden ansässig, gelten als einflussreich im Rhein-Main-Gebiet." Auch sonstige Informationen (ebenfalls S. 2) sprechen dafür, dass es sich um eine Auseinandersetzung krimineller Banden gehandelt hat:
Zeugen "wissen nichts von einem "scharlachroten Rächer", nach dem der Vorsitzende Richter sie fragt, der demjenigen Vergeltung androht, der sich in seine profitablen Pfründe im Einzugsbereich von Discotheken einmischt. Ebenso auch wissen sie nichts davon, dass ein führendes Mitglied der Familie K. der "Pate von Rüsselsheim" sein soll. Bei manchen biegen sich die sprichwörtlichen Balken. Aussagen von Zeugen aus der Männerwelt zwischen Fitness-Studio, Fußballclub, Internet-Café, Wettbüro und Döner-Grill nehmen sich oft ausgesprochen patzig aus."
In anderer Hinsicht richtig spannend ist aber eine Information auf S. 3:
"Die Polizei schaltet über Funkstellen in der Tatnacht ein elektronisches Überwachungsnetz scharf, das sich - eingeteilt in Planquadrate - über die Stadt breitet. In diesem Netz bleiben ungezählte Handy-Telefonate hängen. Die Nummern können zugeordnet werden und spielen eine wichtige Rolle beim Ausfindigmachen von Zeugen. Bei den Prozessakten befindet sich ein Protokoll dieser Gespräche. Es umfasst 1.300 DIN-A-4-Seiten und veranlasst einen Verteidiger zu der Bemerkung, niemand sei leichter zu überwachen als Handy-Besitzer. Mit dieser Technik gelingt es der Polizei allerdings auch, die Zeitdauer des reinen Tötungsgeschehens herauszufiltern: dreieinhalb Minuten."
Gibt es solche Überwachungsnetze in ganz Deutschland, oder nur in Städten, die als Zentren organisierter Kriminalität bekannt sind?


Nachtrag 17.07.11
Die Nachverfolgung eines Suchzugriffs führte mich heute wieder zu einigen Informationen über den Mordfall, die ich hier verlinke:
"Zweiter Angeklagter bricht Schweigen. Prozess: Taylan K. beteuert, niemanden ermordet zu haben" meldete Echo Online am 04.11.2009 über eine Phase des Mordprozesses.
"Hohe Haftstrafen wegen tödlicher Schießerei in Eisdiele" erfahren wir bei Ad Hoc News vom 06.04.2010. Interessant daraus sind auch Informationen über die Solidarität mit den Verbrechern, welche die Familien  als Zuschauer im Prozess gezeigt haben:
"Mit Zwischenrufen, gegenseitigen Vorwürfen und lautem Schluchzen hatten Angehörige der verfeindeten Familien eine reguläre Urteilsverkündung zeitweise unmöglich gemacht. «Ich brauche meine Söhne», rief die Mutter der beiden verurteilten Brüder, nachdem sie des Saals verwiesen worden war."Nicht überraschend haben die Verurteilten offenbar versucht, durch eine Revision beim BGH Rabatt zu erlangen, was freilich misslang:
"BGH bestätigt Verurteilungen wegen Mordes in Rüsselsheimer Eisdiele. Zu BGH, Beschluss vom 18.05.2011 - 2 StR 601/10" informiert uns die Nachrichten-Webseite des juristischen Beck-Verlages.
In den Hintergrund von organisierter Kriminalität ist die Polizei allerdings nicht eingestiegen; konnte das wohl auch nicht, weil insoweit beide Seiten einig waren, nichts nach außen dringen zu lassen. Für die Öffentlichkeit sollen das halt nichts als "Streitigkeiten in der Türsteherszene" gewesen sein.
Wer's glaubt ..... .






Textstand vom 17.07.2011. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

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