Donnerstag, 18. Juni 2009

Deflationsgefahr gebannt: Deutsches Hotel- und Gaststättengewerbe erhöhte Preise trotz Wirtschaftskrise und Absatzeinbruch

Schon immer hatte ich erhebliche Zweifel an jenen Szenarien, die in der aktuellen Weltwirtschaftskrise (WWK II) in Analogie zur WWK I eine Deflationsspirale befürchteten. Die Notenbanken, voran die Federal Reserve Bank (Fed) in den USA, werden es ihrer Politik der Geldschwemme zugute halten, dass es nicht zu einer Deflation gekommen ist. Das hat sicherlich geholfen; es müssen aber insoweit noch andere Mechanismen wirksam gewesen sein.

Ein Bericht "Flaute im Gastgewerbe. Hotels leiden unter Sparkurs der Firmen" in der Financial Times Deutschland vom 17.06.2009 könnte nun die Deflationsfürchtigen in Jubel ausbrechen lassen (wie schon früher Meldungen über die Ölpreissteigerungen).

Der erste Teil der FTD-Meldung ist allerdings weniger erfreulich (Hervorhebungen jeweils von mir):
"Ebbe in der Kasse: Kneipiers und Hoteliers hatten im April weniger Gäste als im Vorjahr - entsprechend sind auch die Umsätze gesunken. Die größten Verluste mussten Beherbergungsbetriebe und Caterer hinnehmen. ... Der Umsatz der Kneipen, Restaurants und Herbergen lag im April um 4,7 Prozent unter dem Wert des Vorjahres.."

Der Clou folgt im folgenden Satz:
"Zu unveränderten Preisen hätte das Minus sogar sieben Prozent betragen."

Der Absatz ist also weitaus stärker gesunken als der Umsatz. Was natürlich nur bedeuten kann, dass die Preise erhöht wurden, dass die Betriebe pro 'Leistungseinheit' mehr Geld verlangt und erhalten haben.

Rechnerisch stellt sich der Sachverhalt wie folgt dar:
Absatz (Leistungsmenge) ./. 7% = 93 %; Umsatz (Geldeinnahmen) ./. 4,7% = 95,3%.
Differen = 2,3%. Dies als Mehreinnahmen auf Basis der verminderten Leistung, berechnet, also 2,3% von 93 = 2,3 : 93 = 0,0247 = rund 2,5% Preiserhöhung!

Dem Gaststättengewerbe ist es also gelungen, inmitten der Wirtschaftskrise seine Preise um 2,5% anzuheben!
Und wenn schon ein derart zersplitterter und großenteils von Kleinbetrieben besetzter Wirtschaftssektor so etwas zustande bringt, sollte es doch auf den oligopolistisch vermachteten Märkten eine Kleinigkeit sein, der Deflation die Stirn zu bieten.

Was dann auch zu den schönsten Erwartungen auf eine richtig schöne Inflation berechtigt, wenn die Konjunktur erst einmal wieder brummt!

Dazu ein hübsches Zitat aus dem Blog-Eintrag "What Recovery? Myths, Lies, and Green Shoots" auf der (anscheinend den US-Demokraten nahe stehenden) Webseite "The Economic Populist". Einen Autornamen kann ich nicht entdecken; im About der Webseite erfahren wir: "The Economic Populist is a Community Blog and Forum. Leave your partisanship at the door, bring your shrinking middle class paycheck and let's discuss real trade, economic, budget, fiscal, tax, labor and immigration policy that is in our interests and the United States National Interest. Who can post here? Anyone sane and wanting to talk about economic issues such as the above." Jedenfalls ist es jemand, der Ahnung von Wirtschaftswissenschaft hat. Ein Datum finde ich ebenfalls nicht; anhand der bei den Kommentaren angegebenen Daten muss der Eintrag spätestens vom 20.06.2009 stammen. Auszüge (Hervorhebungen von mir):
"... worldwide industrial output is dropping as fast as it did during the Great Depression, while world trade is dropping even faster ... . The other two charts show monetary inflation and massive government deficits. The two are directly related. Those academics who are afraid of deflation think that these are good things. Consumers that are trying to stretch their meager paychecks think otherwise. ... As mentioned above, we have managed to avoid deflation with our massive deficit spending, but that also means the prudent are being punished in order to bail out the debtors." [Also die gleiche Situation wie zu Zeiten der Kipper und Wipper, als die sparsamen braven Bürgersleut' für die Verschwendungssucht der Aristokratie bezahlen mussten!]



Textstand vom 21.06.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
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