Mittwoch, 13. Juli 2011

Traktat über Mond- und Sonnenwirtschaften oder: Ökonomische Herden-Nachhilfe für den Freitag angesetzt

 Entstanden ist dieser Blott als Kommentar zu dem Artikel  "Jetzt richtig in der Euro-Falle" im "FREITAG" vom 12.07.2011. Verfasser ist ein gewisser Lutz Herden, der auch sonst  schon so mancherlei Nonsens von sich gegeben hat ("Papandreou muss weitermachen" und "Hohe Schule der Erpressung").
Mir geht es allerdings nicht um Herdens Warnung vor Inflationsgefahr: die sehe ich auch. Nur sehe ich in Herden den Letzten, der geeignet wäre, eine Inflation zu verhindern.
Mir geht es vielmehr um die ökonomische Unwissenheit über wesentliche Teile jener Zusammenhänge, die hinter der griechischen Krise stehen.
Nicht dass ich selbst insoweit der große Detailkenner wäre; insbesondere dann, wenn es um präzise Daten geht, müsste ich oft passen. Entscheidend ist jedoch nicht das exakte Memorieren dieser oder jener Zahl, sondern das Struktur- und Dimensionsverständnis. Mehrfach habe ich z. B. lesen müssen, dass die mit Griechenland-Anleihen auf der Basis aktueller Börsenkurse für den Anleger erzielbaren Renditen mit den vom griechischen Staat zu zahlenden Zinsen verwechselt werden (vgl. z. B. "Griechenland: EU(RO)-Politik gegen die Bürger" in dem Blog "An und für sich zählt nur die Wahrheit" von Eckhard Schulze ).

Äußerst nebulös erschienen mir auch die Vorstellungen hinter den von Marc Schanz beim Oeffinger Freidenker unter "Der Euro - eine Währung uns zu knechten" formulierten Gedanken.
Immerhin entwickelte sich dort ein fruchtbarer Dialog zwischen mir ("Cangrande") und dem Autor der mich hoffen lässt, den einen oder anderen Zusammenhang doch aufgehellt zu haben. (Es ist allerdings schwer, und auch ich selbst muss mich gedanklich immer wieder durch den Nebel der Meldungen zu den dahinter stehenden Sachverhalten und Strukturen durchkämpfen.)
Wenn ein positiver Dialog zustande kommt, fällt auch mir die Darstellung leichter. Insofern empfehle ich, den "Schlagabtausch" zwischen Marc und mir bei den Kommentaren unbedingt zu lesen.


Den Freitag-Lesern konnte ich natürlich als Leser-Kommentar nicht einfach einen Verweis vorsetzen "Schaut euch das ... bitte an". So habe ich denn versucht, mit dem nachfolgenden Leserkommentar zu dem o. a. Herden-Artikel auch diese Leute ein wenig zum Nachdenken zu provozieren.


Leser von Lutz Herdens Artikeln zur griechischen/europäischen Schuldenkrise können sich auf EINE Grunderfahrung hundertprozentig verlassen: Sie werden immer wieder dem ökonomischen Ignorantismus ins Auge blicken.

"Die Schuldnerstaaten werden durch drastische Sparauflagen konjunkturell ausgeschaltet und damit um das Vermögen gebracht, aus eigener Kraft ihrer prekären Situation zu entkommen. Sie bleiben bis auf weiteres Koma-Patienten und auf fremde Hilfe angewiesen, die auf eine offenbar lange Sicht nur in Krediten und Kreditgarantien der dazu fähigen Euroländer bestehen kann."

Auf den ersten Blick erscheinen uns diese beiden Sätze plausibel: derartige Behauptungen haben wir doch schon öfter gelesen, so oder ähnlich sogar auch aus dem Mund von Wirtschaftswissenschaftlern?

Die Realität sieht anders aus, aber um die zu erkennen muss man nachdenken. Das kostet Zeit und Mühe, und wahrscheinlich werden die Leserinnen und Leser das Resultat nicht einmal akzeptieren, wenn es ihren vorgefassten Glaubenssätzen nicht entspricht. Warum also nachdenken, denkt Herr Herden, und schreibt zwar ökonomischen Unsinn, aber damit bedient er hier im FREITAG bestens den Lesergeschmack.

Die Realität sieht sehr viel anders aus als die auf der Herdenschen Ideologie-Koppel eingezäunten Gedankenschafe erahnen können.

Griechenland hat sogar jetzt noch ein enormes Primärdefizit*.  Man muss nicht unbedingt diesen Begriff kennen, um sich zur griechischen Krise zu äußern, wohl aber wissen, dass dort ein solcher Sachverhalt vorliegt.
*Bedeutung (
http://www.staatsverschuldung.de/begriffe.htm):
"Die Staats­einnahmen sind niedriger als die eigent­lichen Staats­ausgaben. Der Staat macht also neue Schulden für die Ausgaben dieses Jahres. Darüber hinaus bezahlt er sämtliche Zinsen für die alten Schulden mit neuen Schulden."

In Griechenland läuft das schon lange so, wobei die Staatsschulden zum größten Teil nicht gegenüber den eigenen Bürger bestehen, sondern gegenüber dem Ausland. Volkswirtschaftlich gesehen kann der Staat überhaupt nicht sparen (d. h. 'auf die hohe Kante legen'), solange ein solches Primärdefizit besteht.
Was nach außen hin als (von den Geldgebern erzwungenes) Sparen erscheint, ist ökonomisch lediglich die Reduzierung der Netto-Neuverschuldung. Das nennt man zwar auch "Sparen" (wie man heute ja sogar Steuererhöhungen als "Sparpakete" verkauft), doch ist eine Reduzierung von Ausgaben wirtschaftlich etwas völlig anderes als das Zurücklegen von Geldern.
Der griechische Staat legt nichts auf die Hohe Kante, wenn er z. B. die Gehälter seiner Bediensteten reduziert. Er holt sich (bzw. er bekommt!) lediglich von seinen privaten Gläubigern kein Geld mehr (weil die gemerkt haben, dass ihre Kredite in den Konsum der Staats'diener' usw. anstatt in produktive Investitionen versenkt wurden) und von seinen Ersatzgläubigern (also u. a. von uns deutschen Steuerzahlern) weniger frisches Geld als früher. Logisch, dass er dann auch nicht mehr so viel an seine Bediensteten (usw.) auszahlen kann.

Weil Griechenland mangels Überschuss volkswirtschaftlich überhaupt nicht sparen kann ist es ein Widerspruch in sich, wenn Lutz Herden den Herden seiner FREITAGS-Gläubigen weismachen will, dass solche Staaten "aus eigener Kraft" aus der Krise kommen könnten - wenn man sie nur von Sparauflagen verschonen würde.

Klar könnten die europäischen Steuerzahler Griechenland im gleichen Umfang weiterhin mit "Krediten" durchfüttern, wie das früher die privaten Gläubiger getan haben.
In einem gewissen Umfang tun wir das ja auch schon: Entgegen einem weit verbreiteten Irrglauben dienen unsere "Kredite" (in Anführungszeichen, weil wir das Geld eh in den Wind schreiben können!) an G. keineswegs NUR zur Tilgung der Zinsen und Altschulden: noch immer ersetzen sie derzeit zum großen Teil auch die nicht vorhandenen griechischen Steuereinnahmen (s. o. "Primärdefizit"!).
Der steuerehrliche Deutsche zahlt also für die griechischen Steuerhinterzieher u. a. die laufenden griechischen Regierungsausgaben teilweise mit.

Da stellt sich natürlich die Frage, in welchem Umfang (wenn überhaupt) unsere Politiker so etwas tun sollen, können, dürfen.
Wer gegen die sogenannten Sparauflagen wettert, fordert implizit (hütet sich natürlich, seinen Lesern diese unangenehme Wahrheit auf die Nase zu binden), dass wir noch höhere deutsche Steuermittel gen Süden senden.
(Merkwürdiger Weise sind das meist die gleichen Leute, die in Deutschland gegen zu geringe Sozialleistungen wettern! Aber mit Ökonomie - in jeder Bedeutung des Wortes - hatten die Linken bekanntlich schon immer ihre Probleme.)

Dass "Verschonung von Sparauflagen" zugleich bedeutet "Deutsche Steuerzahler, zahlt die 14. Monatsgehälter der griechischen Staatsbediensteten" (usw.), sollte an sich schon reichen, um derartige Weisheiten in unseren Augen zu diskreditieren.

Nun rechtfertigt Herr Herden (wie viele andere auch) seine Forderung jedoch damit, dass Griechenland dann aus eigener Kraft wirtschaftlich gesunden könne.

Dahinter steht zum einen eine weltfremde Vorstellung der gesellschaftlichen Realitäten in Griechenland (Korruption, Klientelismus, Absentismus, unfähige Bürokratie, Pfründenmentalität der Bediensteten des Staates und nicht zuletzt auch der Staatsbetriebe usw.). Diese 'mediterrane' Mentalität wird sich nach meiner Einschätzung gar nicht ändern; wenn aber doch, dann mit Sicherheit aber nicht ohne extremen (und dauerhaften) Druck. Der Druck kommt, wohl gemerkt, zunächst NICHT von den Gläubigern (weder von den alten noch den neuen), sondern von den ökonomischen Realitäten. Er tritt lediglich den Griechen in Gestalt der neuen Gläubiger entgegen, weil die es weder einsehen noch sich leisten können, Korruption und Klientelismus bis in alle Ewigkeit zu finanzieren.

(Auch in Deutschland haben - und konnten - wir übrigens verkrustete Strukturen nur unter äußerem Druck geändert/ändern; auch bei uns kam der Zwang zur Privatisierung der jetzt weitaus effizienter arbeitenden Staatsbetriebe von außen, nämlich von der EU. Bei uns freilich trat dieser Druck "nur" als juristischer in Erscheinung, nicht als ein unmittelbar ökonomischer Zwang.)

Zum anderen ist es die Wendung "eigene Kraft" purer Nonsens, wenn sich eine Wirtschaft nur mit anderer Leute Steuergelder ankurbeln lässt.
Im Hintergrund steht bei solchen Ideen wohl die Vorstellung, dass es in Griechenland eine blühende Wirtschaft gab, bevor die bösen Banken keinen Dünger mehr unter den griechischen Olivenbäumen begraben wollten. Das ist jedoch falsch. Eine griechische Wirtschaftsblüte hat es nicht gegeben. Was wie eine Blüte aussah, war eine Scheinblüte.

Dieser Begriff wird gern gebraucht, aber selten näher erläutert. Ich indes erwarte von meinen Leserinnen und Lesern eine kritische Attitüde: dass sie nicht herdengleich meine Behauptungen akzeptieren, sondern sie hinterfragen: was heißt das hier, "Scheinblüte"?

Wirtschaft ist im Kern, auch wenn der Geldschleier das für Viele (darunter auch Wirtschaftswissenschaftler) verdeckt, ein Tauschgeschäft.
Jene große Zahl von (einheimischen) Mercedes- und Porschefahrern, die man, Berichten zufolge, auf Athens Straßen gesehen hat, war aber großenteils nicht durch einen Gütertausch zu ihren Autos gekommen. Die Griechen haben (weniger über Privatverschuldung, hauptsächlich unter Zwischenschaltung ihrer Regierung als Agent - von der freilich die Demonstranten jetzt behaupten, sie sei ja gar nicht für sie tätig geworden)  unsere Porschearbeiter mit Schuldscheinen bezahlt. Das ist der ökonomische Kern der griechischen Wirtschafts'blüte' in ihrem unmittelbaren Zusammenhang mit der griechischen Staatsverschuldung.

(Das Szenario kommt Ihnen merkwürdig bekannt vor? Kein Wunder: Ben Bernankes grüne Schuldscheindruckerei funktioniert im Prinzip genau so, nur haben in den USA ursprünglich Privatpersonen die Schulden gemacht, und erst jetzt "kurbelt" der Staat an deren Stelle "die Wirtschaft an").

Um das etwas anschaulicher und einprägsamer zu machen, will ich Griechenland (und mutatis mutandis auch die USA) als "Mondwirtschaft" bezeichnen. Die haben gestrahlt, so lange sie von der Sonne fremder Kredite beleuchtet wurden. Das läuft in Amerika noch heute so, denn noch immer lässt sich das Ausland Ben Bernankes potentiell wertlose Hubschraubernoten an Stelle von Waren für wahre Warenwerte andrehen.
Griechenland hat leider keine eigene Gelddruckerei (oder drucken die auch Euronoten? Dann wird es möglicher Weise kritisch
jedenfalls flog G. 1908  wg. Münzfälscherei aus der Lateinischen Geldunion ). Dafür haben die halt uns Deutsche (und andere) als Steuer-Dukatenscheißer.

Doch zurück zur "Mondwirtschaft":
Griechenland hat (wie - zwar in relativ geringerem Umfang - sogar die USA) nicht genug Tauschgüter anzubieten. Die Griechen wollen auch gar nicht tauschen: die wollen unsere Waren haben und nichts liefern. (So sehen die Menschen das zwar nicht, aber das wäre - in noch größerem Umfang als ohnehin schon jetzt - das Ergebnis, wenn wir den Griechen alles Geld geben würden, worauf die einen Anspruch zu haben glauben.)

Um diese Mondwirtschaft produktiv zu machen, müsste man sie selbst zu strahlen bringen, sie müsste aus eigener Kraft leuchten wie die Sonne.
D. h. die Griechen müssten
- entweder mehr exportfähige Güter produzieren und diese in weitaus größerem Umfang als bisher ausführen bzw. anstelle bisher importierter Güter selbst verbrauchen (in diesem Falle würde ein solider, d. h. auf Tausch beruhender Wohlstand aufgebaut)
- oder aber sie müssten die schon bisher produzierten Güter ausführen, statt sie selbst zu verbrauchen. Das würde sie "ärmer" erscheinen lassen, denn sie hätten ja weniger Waren zum Verbrauch. Aber diese "Armut" entspricht lediglich dem tatsächlichen griechischen Produktivitätsniveau, es würde lediglich bedeuten, dass sich die Griechen ihren Konsum nicht mehr von anderen Leuten schenken lassen.

Es sieht so aus, als würde der Exportmotor schon anlaufen. Offenbar mangels Absatzmöglichkeiten im eigenen Land haben die griechischen Ausfuhren in der letzten Zeit mächtig zugelegt. Der Aufbau einer exportfähigen Industrie im großen Stil geht natürlich nicht von heute auf morgen, d. h. momentan - und mindestens noch auf längere Sicht - gehen die Exportsteigerungen zu Lasten des inländischen Verbrauchs. (Und wenn es der griechischen Regierung nicht gelingt, ihre Bürokratie kräftig aufzumischen, wird das zum Dauerzustand.)
Das ist nicht besonders angenehm für die kreditverwöhnten Griechen. Aber Sie: wollen Sie vielleicht mit den Ihnen von unserem Staat abgepressten Steuergeldern bis zum St. Nimmerleinstag die griechische Fettlebe subventionieren? (Und dann z. B. als Student Studiengebühren zahlen, weil unser Staat kein Geld mehr hat?)

Griechenland wird nicht von uns (IWF, EU) erpresst, wie uns der Großökonom Lutz Herden
früher vorgeschwafelt hat. Wir könnten (was ich persönlich definitiv bevorzugen würde) einfach jedwede Leistungen an die Griechen verweigern und nur (mit weitaus geringerem Aufwand!) die Banken retten (allerdings nicht deren Aktionäre!).
Diese Lösung würde ich persönlich bevorzugen:
"
Schluss mit der pösen Griechen-Versohle
 - und mit der Versüdung unsrer Steuer-Kohle!
"    ;-).


Warum habe ich mich hier so echauffiert?
Nicht eigentlich wegen Herrn Herden: der ist mir völlig gleichgültig. Sondern weil es eine ganze Menge Menschen gibt, die solche Märchen erzählen (die ja nicht nur Lutz Herden verbreitet). Ob diese Märchenerzähler ihre Geschichten selber glauben, wage ich zu bezweifeln. Jedenfalls gelingt es ihnen aber, vielen gedankenlosen Leichtgläubige ihre nebulösen Darstellungen als harte Faktenschau vorzugaukeln.

In Wirklichkeit ist ökonomischer Durchblick bei solchen Schwätzern Mangelware. In der Gemeinschaft der Gläubigen ist Durchblick allerdings ein wenig begehrtes Gut. Hauptsache, die Darstellung ist kurz (BLÖD lest ihr natürlich nicht - aber allzu lang ist auch euch zu anstrengend, gelle?)  und dudelt den vertrauten linken und antikapitalistisch Klang ins Ohr: dann lassen sich die (Leicht-)Gläubigen sogar ihr eigenes Fell über die Ohren ziehen.

Merke:
Es reicht nicht hin, nicht BILD zu lesen, um nicht dumm zu werden!


 
Nicht Bestandteil meines Leserkommentars war mein neuerdings obligates Blott-Anhängsel:
ceterum censeo
 
POPULISTISCHES MANIFEST
(zur Rettung von 1,5-Billionen Steuereuronen):
Ein Gespenst geht um in Deutschland - das Gespenst einer europäischen Transferunion.
Im Herzland des alten Europa haben sich die Finanzinteressen mit sämtlichen Parteien des Bundestages zu einer unheiligen Hatz auf die Geldbörsen des Volkes verbündet:
·       Die Schwarzen Wendehälse (die unserem Bundesadler den Hals zum Pleitegeier wenden werden);
·       Die Roten Schafsnasen (vertrauensvoll-gutgläubig, wie wir Proletarier halt sind),
·       Die Grünen Postmaterialisten (Entmaterialisierer unserer Steuergelder wie unserer Wirtschaftskraft),
·       Die machtbesoffenen Blauen (gelb vor Feigheit und griechisch vor Klientelismus), und selbstverständlich auch
·       Die Blutroten (welch letztere die Steuergroschen unserer Witwen, Waisen und Arbeiter gerne auflagenlos, also in noch größerer Menge, gen Süden senden möchten).
Wo ist die Opposition im Volke, die nicht von unseren Regierenden wie von deren scheinoppositionellen Komplizen als Stammtischschwätzer verschrien worden wäre, wo die Oppositionspartei, welche sich der Verschleuderung der dem Volke abgepressten Tribute an die europäischen Verschwendungsbrüder wie an die unersättlichen Finanzmärkte widersetzt hätte?
Zweierlei geht aus dieser Tatsache hervor:
Das Volk wird von fast keinem einzigen Politiker als Macht anerkannt.
Es ist hohe Zeit, dass wir, das Volk, unsere Anschauungsweise, den Zweck unserer Besteuerung und unsere Tendenzen gegen die fortgesetzte Ausplünderung durch das Finanzkapital bzw. durch die Bewohner anderer Länder und durch seine/deren politische Helfershelfer vor der ganzen Welt offen darlegen und dem Märchen von dem grenzenlosen Langmut der Deutschen den Zorn des Volkes selbst entgegenstellen.

Textstand vom 17.07.2011. Gesamtübersicht der Blog-Einträge (Blotts) auf meiner Webseite http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm. Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Kommentare:

  1. @Cangrande

    Habe mir jetzt mal den Beitrag von Herden durchgelesen und kann Ihre Kritik und Ihren Ärger über schlechten Journalismus nachvollziehen.

    Ich denke, wir sind nicht weit auseinander. Auf einige Punkte, die auch Thema bei Egghat waren, würde ich dennoch kurz eingehen.

    >Wer gegen die sogenannten Sparauflagen wettert, fordert implizit ... dass wir noch höhere deutsche Steuermittel gen Süden senden.

    Mein Standpunkt ist, dass der Plan, Griechenland gegen Sparauflagen und Privatisierungen EFSF-Kredite zu gewähren und damit Griechenland aus der Schuldenfalle zu führen, zum Scheitern verurteilt ist.

    Allerdings unterstütze ich auch nicht die Forderung, Griechenland ohne Auflagen EFSF-Kredite zu gewähren. Diese Forderung ist lediglich eine Variante der Transfer- und Fiskalunion (ähnlich der Eurobonds-Variante). Jetzt kann man natürlich eine Transfer- und Fiskalunion fordern, nur, dann soll man das auch so nennen und, viel wichtiger, eine Transfer- und Fiskalunion bedarf der demokratischen Legitimation. Wenn sich in einem Referendum herausstellt, dass mehr als 50% der deutschen Bevölkerung in eine Fiskalunion will, steht dem nichts im Wege. Andernfalls hat es unterbleiben.

    >D. h. die Griechen müssten
    - entweder mehr exportfähige Güter produzieren
    - oder aber sie müssten die schon bisher produzierten Güter ausführen,

    Griechenland ist mit zwei Problemen konfrontiert: Einer unhaltbaren Staatsschuldenquote und einem unhaltbaren Leistungbilanzdefizit. Es ist richtig, dass die Griechen mehr exportieren müssen, nur ist das leichter gesagt als getan. Die griechische Wirtschaft müsste umfassend modernisiert werden, das Lohn/Preisniveau ist im europäischen Vergleich zu hoch (oder das von z.B. Deutschland zu niedrig). Da Löhne und Preise nach unten rigide sind und Griechenland wegen der Gemeinschaftswährung nicht einfach abwerten kann, wäre eine viele Jahre dauernde deflationäre Entwicklung die Voraussetzung, damit sich ein wettbewerbsfähiger Exportsektor etablieren kann. Diese Zeit hat Griechenland meines Erachtens nicht. Ökonomisch vernünftig wäre es, Greichenland würde die Zahlungsunfähgikeit erklären und aus dem Euro austreten. Für Anschubinvestitionen hielte ich es auch für gerechtfertigt, Griechenland mit Investitionskrediten zu unterstützen. Der IMF bietet hier Programme an.

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  2. Spieltheoretisch gibt es für Griechenland jedoch zwei mögliche Spielausgänge, mit denen es sich noch besser stellen würde:

    1.) Die EZB nimmt alle (und weitere folgende) griechischen Anleihen in ihre Bilanz
    2.) Fiskal- und Transferunion

    Meines Erachtens arbeitet die griechische Regierung auf diese beiden Möglichkeiten hin.

    Der EU indes fehlt die Handlungsoption, Griechenland aus dem Euro auszuschließen. Dafür hat sie die Möglichkeit, Kredite zu verweigern und Griechenland zum Zahlungsausfall zu zwingen, bzw. die EZB zu einer Entscheidung zu zwingen, ob sie griechische Anleihen in die Bilanz nimmt.

    Der derzeitige Zustand, Kredite gegen Sparauflagen, reflektiert meines Erachtens das Ringen um den Spielausgang, er stellt jedoch keinen gleichgewichtigen Spielausgang dar. Beide Seiten forcieren zur Zeit das Spiel Richtung EZB. Alles andere halte ich für Nebelkerzen.

    Die EZB müsste dann die Entscheidung treffen, ob sie in ein Ponzi-Spiel einsteigt, oder...

    >Wir könnten (was ich persönlich definitiv bevorzugen würde) einfach jedwede Leistungen an die Griechen verweigern und nur (mit weitaus geringerem Aufwand!) die Banken retten (allerdings nicht deren Aktionäre!).

    ...ob der Zustand händelbar ist, dass ein (oder mehrere) Mitglieder des Währungsraumes Staatsbankrott erklären.

    Sie verweisen mit Ihrem Vorschlag (Default und Rekapitalisierung der Banken) auf das übergeordnete Euro-Spiel. Ist dieser Zustand ein Gleichgewicht oder kommt es im Gefolge des Zahlungsausfalls einzelner Länder zu einem Auseinanderbrechen des Euro? Schließlich sind die strukturellen Ungleichgewichte nach wie vor ungelöst. Meines Erachtens wird den Ländern, die den Zahlungsausfall erklären, gar nichts anderes übrig bleiben, als den Euro zu verlassen und eigene, nationale Währungen zu etablieren. Der Marktprozess würde eine "Kernunion" hervorbringen. Dem gegenüber wird die Monetarisierung von Anleihen durch die EZB langfristig mit Sicherheit ein Ende des Euro herbeiführen. Ich könnte mir also gut vorstellen, dass die EZB, wenn es an ihr ist zu ziehen, die Gläubiger in den Regen setzt. Das wäre dann auch der von mir bevorzugte Spielausgang.

    Das aus politischer Sicht schlechteste Ergebnis von allen wäre meines Erachtens eine nicht demokratisch legitimierte Transfer- und Fiskalunion durch die Hintertür. Da kursieren in Reihen der SPD und der Gewerkschaften Vorschläge, bei denen sich mir die Zehnägel rollen. Es wird mittlerweile unverblümt von zentral (in Brüssel) bestimmer Finanz-, Fiskal- und Sozialpolitik geträumt. Ohne Verfassung, ohne demokratische Legitimation. Herden zielt ebenfalls in diese Richtung. Insofern ist Ihr kritischer Beitrag durchaus angebracht und berechtigt.

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  3. Danke für Ihre Kommentare, HxG.
    Zur Information eventueller weiterer Leser möchte ich hier noch darauf hinweisen, dass sie an unsere Debatte im Blog von egghat anschließen, und zwar zu dem Posting "Die volle Zahlendröhnung aus Griechenland IV - Primärüberschuss" (http://www.diewunderbareweltderwirtschaft.de/2011/07/die-volle-zahlendrohnung-aus_3032.html).

    Im Hintergrund meines vorliegenden Blotts über einen Artikel im "FREITAG" spielte mein Ärger über die in diesem Medium auch sonst betriebene Desinformationspolitik i. S. Griechenlandkrise mit.
    Vgl. dazu die Artikel
    "Unfassbar!" (http://www.freitag.de/kultur/1125-medientagebuch#comment-282950) von Wolfgang Storz und
    "Wem die Märkte zürnen" (http://www.freitag.de/politik/1125-papandreous-tage-sind-gezaehlt#comment-282476) von dem (in London lebenden) griechischen Jura-Professor Costas Douzinas
    mit meinen dort (als "Cangrande") geposteten Kommentaren.

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