Samstag, 14. Januar 2012

Kursverfall des Euro: Europäische Zentralbank (EZB) zunehmend "erfolgreich" bei Umwandlung der Staatsschuldenkrise zur Währungskrise

Märchenstunde auf allen Kanälen: "Angst vor Herabstufung lässt Euro abstürzen" titelte das Handelsblatt am 13.01.2012 und meldete (Hervorhebung von mir):
"Am Freitag kletterte die Gemeinschaftswährung in den frühen Stunden auf ein Tageshoch von 1,2878 Dollar, stürzte dann aber bis aus 1,2625 Dollar ab. Die Gründe dafür war zunächst die Enttäuschung der Investoren über die italienische Bond-Auktion und Gerüchte, dass die Ratingagentur S&P mehrere Euro-Länder noch am Abend herabstufen wolle."

Wieder und wieder hatte man uns gepredigt und erzählt man uns noch immer: "die Krise ist eine Staatsschuldenkrise und keine Währungskrise. Der Geldwert des Euro ist stabil". Als Bundesbankpräsident Dr. Jens Weidmann diesen Satz am 14.12.2011 in seiner Rede "10 Jahre Euro-Bargeld" formulierte, konnte man das vielleicht noch behaupten. Wenn aber Klaus Krause auf RP Online noch am 10.01.2012 behauptet: "Die aktuelle Euro-Krise ist keine Währungskrise, sondern eine Staatsschuldenkrise einiger EG-Länder", dann hätte er es zu diesem Zeitpunkt schon besser wissen können. Dass die Politik uns das Märchen weiterhin auftischt, also z. B. der baden-württembergische Landtagspräsident Guido Wolf Anfang Januar den Leuten erzählt: "Wir haben keine Währungskrise ... wir haben eine Staatsschuldenkrise", kann natürlich nicht überraschen.
In Wahrheit ist aber mittlerweile der Euro klar auf Inflationskurs. Und das nicht durch das Walten irgendwelcher magischen Mächte, sondern eindeutig durch die Aktivitäten der Europäischen Zentralbank. Der ist es nunmehr "gelungen", die Staatsschuldenkrise endgültig in eine Eurokrise zu verwandeln, indem sie im Ergebnis unbegrenzte Finanzmittel für die Staatsschulden der südeuropäischen Länder zur Verfügung stellt. Das tut sie zwar nicht, wie es immer wieder von ihr gefordert worden war, auf dem direkten Wege; beim Ankauf vom Staatsanleihen hält sie sich nach wie vor zurück. Sie arbeitet aber sehr bewusst daran, die Anleihekurse indirekt zu stützen, und tut das durch eine dramatische Geldmengenausweitung. So erfahren wir beispielsweise in dem Artikel "Schuldenkrise:Draghi liest Politik die Leviten" der Financial Times Deutschland vom 12.01.2012:"Eine Ausweitung dieser Stützungskäufe lehnte Draghi indirekt ab: "Der Weg, den die EZB gewählt hat, ist eine Unterstützung der Kreditvergabe durch die Banken", sagte er. Damit machte der Notenbankpräsident deutlich, dass die EZB auch künftig vor allem auf eine großzügige Geldversorgung der Kreditwirtschaft setzen will - die im besten Fall auch den Staaten nützt."
Da die Leistungsbilanz der südeuropäischen Staaten und Frankreichs negativ ist, und die nordeuropäischen Banken den Banken dieser Länder wegen mangelnder Bonität kein Geld mehr leihen, wird der dortige 'Überkonsum' momentan zu einem großen Teil über die Notenpresse der EZB finanziert. Technisch geschieht dass, indem die EZB immer schlechtere "Sicherheiten" der Banken akzeptiert; das ist im Grunde nicht anders wie bei den Geschäftsbanken, die seinerzeit die amerikanischen Subprime-Hypotheken (in hübschen Paketen zusammengeschnürt) als "Sicherheiten" akzeptiert hatten. Wenn aber die eigene Wirtschaft der Südländer keine Leistung erbringt, die dem jeweiligen Lebensstandard entspricht, werden, genau wie in den USA auch, früher oder später die Kredite nicht zurückgezahlt und mithin die Geschäftsbanken in die Insolvenz gehen. Dann wären weitere Stützungsaktionen fällig, die EZB wird ein immer größeres Rad drehen.
Unter den fragwürdigen Sicherheiten sind nicht zuletzt eigene Anleihen der Banken, die von den Regierungen der jeweiligen Länder "garantiert" werden. Ich frage  mich, ob und ggf. in welchem Umfang das auch bei Griechenland der Fall ist.

Trotzdem führen solche Geldmengenausweitungen nicht unmittelbar zu einer Inflation, wohl aber im Laufe der Zeit. Zu Recht warnte (bereits am 29.09.2011) der Finanzprofessor Dr. Stefan Homburg in dem Interview "Streit um die Gemeinschaftswährung. 'Der Euro wird zusammenbrechen' " der Süddeutschen Zeitung (auf S. 3; meine Hervorhebung):
"Im Moment ist die Inflationsrate nicht hoch. Aber die Metapher der Ketchup-Inflation warnt: Wie bei einer Ketchupflasche, die man schüttelt, kommt zuerst nichts heraus, und dann ein ganzer Schwall, den man nicht aufhalten kann. Mit der Inflation verhält es sich ähnlich. Wenn sie erst kommt, wird die EZB sie kaum über Verkauf von Staatsanleihen oder über massive Zinserhöhungen aufhalten können. Die von den Regierungschefs geschürte Illusion, man könne der einen Seite helfen, ohne dass es die andere Seite etwas kostet, wird dann platzen." ["Erfinder" der Vorstellung und des Begriffs einer Ketchup-Inflation war anscheinend ein Tim Lee, Inhaber der Anlageberatungsfirma (?) "pi Economics" (professional investment economics); vgl. dazu den Artikel "Inflation and sovereign debt.The ketchup theory of inflation" in dem Blog "Buttonwood's notebook" der Zeitung "The Economist" vom 28.10.2010]

Inzwischen hat die EZB das Schwungrad der Notenpresse weiter beschleunigt.
Es würde mich daher nicht wundern, wenn man eines Tages die Abkürzung "EZB" mit "Europäisches Zentrum für Betrug" oder "Europäische Zentrale für Betrug" übersetzen würde. 
Eine Geldmengenausweitung über den Anstieg der Warenproduktion bzw. der Produktionskapazitäten hinaus muss im Prinzip zu Inflation führen. Allerdings tritt die Inflationsfolge zum einen nicht sofort ein und zum anderen kann sie aus unterschiedlichen Ecken kommen. Das bedeutet, dass sich eine exzessive Geldmengenausweitung nicht unmittelbar in den Lebenshaltungskosten niederschlagen muss.
Die Geldmengenausweitung lag während der letzten Jahrzehnte ständig oberhalb der Erweiterung der Produktionskapazitäten. Wo ist das Geld geblieben?
Neben der Geldmenge kommt es für die Auswirkung auf die Preise auf die Umlaufgeschwindigkeit an. Wenn ich (primitiv, aber anschaulich dargestellt), mein ganzes Monatsgehalt gleich am 1. auf den Kopf haue, und diejenigen, denen ich etwas abgekauft habe, geben ihrerseits das Geld sofort wieder aus ... usw., dann ist die Güternachfrage innerhalb einer wie auch immer abgegrenzten Zeitspanne zwangsläufig höher, als wenn ich das Geld unters Kopfkissen lege und es erst vor Weihnachten, oder gar überhaupt nicht, ausgebe.
Man muss annehmen, dass es in der Finanzwirtschaft riesige "Kopfkissen-Zonen" gibt, denn sonst hätte die ständig ausgeweitete Geldmenge eigentlich schon längst zu Inflation führen müssen. Tatsächlich scheint ein großer und (immer noch?) wachsender Teil der Geldmenge einfach innerhalb der Finanzwirtschaft selbst zu zirkulieren (Spekulationsgeschäfte, Derivatewirtschaft, Geldeinlagen der Geschäftsbanken bei der Zentralbank).
Wenn in der Finanzkrise verschiedentlich eine "gesunkene Umlaufgeschwindigkeit" des Geldes konstatiert wurde, dann muss man sich darunter nicht ein 'weniger schnelles Ausgeben' vorstellen, sondern hauptsächlich wohl solche Sachverhalte, bei denen große Teile der umlaufenden Geldmengen aus Sicht der Realwirtschaft "deaktiviert" sind - indem sie ständig in der Finanzwirtschaft verbleiben; man könnte auch sagen: indem sie ausschließlich als Spielgeld im Finanzkasino verwendet werden.

Trotzdem muss man befürchten, dass die ständige Geldmengenausweitung irgendwann doch auf die Preise durchschlägt. Tatsächlich war genau das ja in den USA der Fall, wo ein Überangebot von Kapital (Kreditangebot) zu einer überproportionalen (inflationären) Steigerung der Immobilienpreise geführt hat. Und gleichzeitig hatte die Geldmenge auch die Rohstoffpreise in die Höhe getrieben.

Und genau in letzterem Punkt liegt auch die aktuell sichtbar werdende Gefahr für die Preisstabilität in der Eurozone: dass nämlich der Preisanstieg zunächst nicht von innen kommt, sondern von außen in Form höherer Importpreise, insbesondere für Rohstoffe, die in US-Dollar abgerechnet werden, wie z. B. das Rohöl.
Dass der Außenwert des Euro momentan rapide verfällt, ist offensichtlich; die Frage ist, aus welchem Grund bzw. wieso (nach meiner Auffassung) die EZB diesen Kursverfall verschuldet haben sollte.


Noch am 10.11.2011 hatte das Handelsblatt in dem Artikel "Devisen: Euro oder Dollar - Pest oder Cholera?" melden können: "...der Euro notiert mit 1,36 Dollar noch rund drei Cent höher als Ende 2010".
Innerhalb von zwei Monaten ist also der Eurokurs um 10 ct, bzw. über 7% gefallen (aktueller Stand s. 1. Absatz). Sicher mag die aktuelle Ursache für den Kursverfall von knapp 1,29 Dollar auf gut 1,26 USD die sich zur Handelszeit am 13.01.2012 bereits abzeichnende (und mittlerweile offiziell bekanntgegebene) drohende Bonitätsherabstufung für 9 Euroländer gewesen sein (vgl. FAZ-Bericht "Ratingagentur Standard & Poor’s Neun Euro-Länder herabgestuft" vom 13.01.12). Nur war eben schon vorher der Eurokurs gefallen (s. o.). Klar war die Herabstufung einiger Länder der Eurozone bereits seit einiger Zeit im Gespräch gewesen. Aber andererseits dauert die Schuldenkrise der Eurozone ja nun auch schon längere Zeit, und dass sich die Lage in Griechenland ständig verschärft ist mindestens seit dem Oktober 2011 auch für die flüchtigsten Beobachter offenkundig. Insofern hätten die Investoren schon seit langem Gründe gehabt, ihre Euronen zu verkaufen (in andere Währungen umzutauschen).

Auch die Europäische Zentralbank hatte die Geldmengen schon seit längerer Zeit ausgeweitet. Kürzlich hat sie aber diese Geldmengenausweitung noch einmal beschleunigt. Anne Kunz erinnert uns in ihrem Artikel "Zentralbank: Trügerische Stille bei der EZB" in der Wirtschaftswoche vom 12.01.2012 (meine Hervorhebungen):
"Der EZB-Rat hatte auf seiner vergangenen Sitzung im Dezember beschlossen, den Leitzins auf ein Prozent zu senken, den Sicherheitenrahmen auszuweiten, den Mindestreservesatz von zwei auf ein Prozent zu senken sowie zwei 3-Jahres-Tender durchzuführen."
Eine andere Frau, Megan Greene, Senior Economist at Roubini Global Economics, hatte in ihrem Blog "Euro Area Debt Crisis" den Sachverhalt (und einige Probleme) am 21.12.2011 u. d. T. "3yr LTRO: Breaking or strengthening the banking/sovereign feedback loop?" wie folgt beschrieben (meine Hervorhebungen):
"The 3-year LTRO was announced by ECB president Mario Draghi following the December governing council meeting, alongside (among other things) a drop in collateral requirements at the ECB. These measures were designed to short circuit the endless feedback loop between sovereigns and banks by sticking the ECB right in between them. The idea is for banks to offload questionable assets from their balance sheets in exchange for cheap liquidity from the ECB, which banks can use to lend and invest as banks are meant to do. Will attempts to break the circular reference between sovereigns and banks and prevent the interbank markets from freezing succeed with this new 3-year LTRO, or will banks take advantage of the carry-trade and strengthen the feedback loop?"

Bereits in meinem Blog-Eintrag "Dumm bleiben ist der Deutschen erste Bürgerpflicht: Während die Finanzwelt über evtl. inflationsträchtige EZB-Hilfe für Schuldnerstaaten debattiert, pennen unsere Qualitätsmedien!" vom 19.12.2011 hatte ich darauf hingewiesen, dass der Deutsche Jürgen Stark, damaliger Chefvolkswirt der EZB, in einem am 19.12.2011 veröffentlichten Interview der Wirtschaftswoche seinen früher mit "persönlichen Gründen" verschleierten Rücktrittsgrund erstmalig praktisch unverhüllt mit seiner Unzufriedenheit über die Geldpolitik der EZB begründet hatte. Da diese Äußerung unmittelbar mit den o. a. Entscheidungen der EZB zusammenfiel, spricht eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass Jürgen Stark diese für noch gefährlicher gehalten hat als die früheren Maßnahmen der EZB (wie z. B. Käufe von Staatsanleihen am Sekundärmarkt).
Und das zu Recht, denn die Finanzierung des nicht durch eigene Leistung gedeckten 'Über-Verbrauchs' der Südländer und Frankreichs ist eindeutig ein Ponzi-Spiel, das irgendwann an seine Grenze stößt. Oder, da eine Zentralbank theoretisch unbegrenzt Geld drucken kann, das irgendwann zu einer Hyperinflation führen muss.
Einen großen Unterschied zwischen der "aktiven" (zum Begriff z. B. hier) Geldmengenausweitung der amerikanischen und britischen Zentralbanken in Gestalt von Anleihekäufen und der "passiven" Geldmengenausweitung der EZB, die den Banken praktisch unbegrenzt Mittel zur Verfügung stellt, scheint es hinsichtlich der praktischen Auswirkungen kaum noch zu geben.


Es ist ein Schandfleck für die deutschen Medien, dass sie eine derartige Geldmengenausweitung zwar bei der Fed heftig kritisieren (bzw. direkt die Personen Alan Greenspan oder Ben Bernanke); so z. B. der Focus in seinem Artikel "Inflation. Ben Bernanke – der Mann, der die Welt ruiniert" vom 23.08.2011.
Aber gegenüber der EZB herrscht Schweigen im Walde. Dabei hatte die Europäische Zentralbank bereits im Dezember, also noch vor dem aktuellen dreijährigen Geldsegen für die Geschäftsbanken, ihre Bilanz stärker ausgeweitet als sogar die amerikanische Notenbank. Dazu erfahren wir in dem Bericht "EZB: Eine Bilanz wie Lehman vor dem Crash" der Deutsche Mittelstands Nachrichten vom 21.12.2011:
"Die Europäische Zentralbank weist eine Bilanzsumme von 3,2 Billionen Dollar auf. Das ist mehr als die amerikanische Notenbank, obwohl diese seit geraumer Zeit ganz offiziell Geld druckt. ..... Außer den nackten Zahlen gibt es keine Informationen der EZB, welche Art von Assets sie hält und wie risikoreich diese sind. ..... Ihre eigene Leverage wird jedoch in Zukunft mit „wachsender Sorge“ beobachten – vor allem deswegen, weil nicht klar ist, welche Assets die EZB hält. ..... Der Think Tank Open Europe schätzt die Bestände der von der EZB gekauften Staatsanleihen auf derzeit rund 705 Milliarden Euro. Das ist fast doppelt so viel wie noch vor sechs Monaten (444 Milliarden Euro). „Das wirft neue Fragen über die Glaubwürdigkeit, Unabhängigkeit und potenzielle Verluste im Falle einer Staatspleite auf“, kommentiert der Think Tank die Zahlen."

Prof. Stefan Homburg hatte in seinem o. a. Interview konstatiert:
"Im Kern geht es aber nicht um diese Krisenländer, sondern um die Gläubiger. Der deutsche Steuerzahler alimentiert hauptsächlich diejenigen, die Griechenland und anderen Geld geliehen und dafür Zinsen kassiert haben. Diese Gläubiger kämpfen nun darum, die Verluste den Steuerzahlern, also hauptsächlich den Arbeitnehmern, aufzubürden. Der Verteilungskampf zwischen Finanzindustrie und Steuerzahlern bildet den ökonomischen Kern des Problems, er wird aber verdeckt geführt und verschleiert."
Was den Verteilungskampf der Kapitalbesitzer (bzw. der Finanzindustrie, die ja aber nur der verlängerte Arm der Kapitalbesitzer ist) gegen den Rest der Welt angeht, hat er sicherlich Recht. Nur dass die Finanzierung nicht so sehr von den Steuerzahlern zu tragen sein wird (teilweise aber doch auch!), sondern von den Inflationsgeschädigten.



Ambrose Evans-Pritchard stellte im britischen "Telegraph" zu Jahresbeginn (02.01.) eine aus meiner Sicht hoffnungsvolle Prognose für Deutschland: "2012 could be the year Germany lets the euro die":
"Escalating levels of coercion will be needed to uphold the Project, with EU commissars eating alone in the administered territories of Greece and Italy. ..... The shrinking AAA core will leave Germany propping up the EFSF bail-out fund, until the weight of contingent liabilities endangers Germany itself. That will concentrate minds. France's President Hollande will "triangulate", playing the pan-Latin card to discomfit Berlin and force a policy change. Portugal's Troika sacrifices will prove as futile as Greek efforts before.... The shrewd, equivocating, ice-cold Chancellor will quietly oust arch-europhile Wolfgang Schauble and let the Project die, always pretending otherwise."
Wish it were so oder: seine Worte in Gottes Gehörgang!
In Wahrheit wird freilich genau das NICHT passieren, u. a. auch deshalb nicht, weil die Südschulden zunehmend auf dem o. a. Schleichweg von der EZB finanziert werden. Evans-Pritchard liegt deshalb falsch, wenn er nur die Oberfläche (Verweigerung direkter Anleihekäufe in größerem Umfang) betrachtet:
"Half-hearted purchases of Italian and Spanish bonds will drift on, doing more harm than good. By reducing existing bond-holders to junior status, the ECB will ensure a slow exodus. Draghi knows this. His hands are tied. The Bundesbank will wage guerrilla war against money printing through the pages of Die Welt and Handelsblatt, paralyzing the ECB's Council until Angela Merkel orders Jens Weidmann to desist."
Aber hübsch sind seine Bemerkungen über den angeblichen medialen 'Guerilla-Krieg' der deutschen  Bundesregierung gegen die Geldmengenausweitung der EZB allemal. Frage mich allerdings, warum er die FAZ nicht in der Kampfzone verortet? Die ist insoweit sicherlich stärker aktiv als das Handelsblatt.


Nachtrag 15.01.2012
Jürgen Stark hat sich erneut geäußert. Spiegel Online berichtet in dem Artikel "Brandbrief. Ex-Währungshüter Stark attackiert EZB-Kurs" vom  14.01.2012 (meine Hervorhebung):
"Der frühere Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark, hat das Verhalten der Institution in der Euro-Krise heftig kritisiert - und nachträglich die Gründe für seinen Rücktritt geliefert. In einem Abschiedsbrief wirft Stark seinen Ex-Kollegen im EZB-Rat vor, Entscheidungen getroffen zu haben, "die das Mandat der EZB ins Extreme gedehnt haben". Es sei eine "Illusion zu glauben, dass die Geldpolitik große strukturelle und fiskalische Probleme in der Euro- Zone lösen kann". Wann immer in der Geschichte sich eine Notenbank der Haushaltspolitik untergeordnet habe, musste sie Zugeständnisse bei ihrer eigentlichen Aufgabe machen, den Geldwert stabil zu halten, warnt Stark."
Noch deutlicher kann es ein Notenbanker, selbst nach seinem Ausscheiden, kaum sagen, dass die EZB volle Pulle auf Inflationskurs ist. Die Kollision ist schon vorgezeichnet; Rettungsboote für die große Masse der Passagiere gibt es, anders als bei dem jetzt havarierten Kreuzfahrtschiff Costa Concordia" vor der Insel Giglio, auf dem europäischen (und weltweiten) Inflationsdampfer nicht.
Kündigt dieses Schiffsunglück in ähnlicher Weise eine Katastrophe an, wie 1912 der Untergang der Titanic.


Nachtrag 17.01.2011
Während die deutsche Märchenpresse, einschließlich der Wirtschaftsblätter FTD und Handelsblatt, weiterhin über alles Mögliche berichtet, kommt echte Information (in der WELT vom 16.01.2012) über die Machenschaften und die Risiken unserer EZB mal wieder aus anglophonen Medien. Denn der Artikel "Geldpolitik. In der EZB-Bilanz steckt eine Zeitbombe" ist kein Produkt der WELT-Journalisten, sondern  die Übernahme eines Artikels von Javier E. David aus dem Wall Street Journal. Auszüge (meine Hervorhebungen):
"Nahezu ein Jahr Antikrisenmaßnahmen mit billigem Geld haben die Bücher der EZB gigantisch vergrößert: 2,73 Billionen Euro stehen derzeit in ihrer Bilanz – das sind 29 Prozent des Bruttoinlandsproduktes der Euro-Zone und damit der höchste je erreichte Wert. Die Ausweitung ..... hat zwei Ursachen. Das sind zum einen die Staatsanleihen, die die EZB auf eigene Rechnung gekauft hat, und zum anderen die Sicherheiten, welche die Banken für ihre Ausleihungen hinterlegt haben. Die massive Liquidität, die die EZB bei zugleich niedrigen Zinsen zur Verfügung stellt, wird den Wert des Euro deutlich belasten. ..... Besorgniserregender [als die dubiosen Staatsanleihen im EZB-Besitz] sind dagegen laxere Regeln bezüglich der Sicherheiten, die bei der EZB hinterlegt werden müssen. ..... Einige Analysten glauben, dass sich eine Verschärfung der Krise innerhalb der Eurozone auch auf die Wertigkeit von bei der Zentralbank hinterlegten Sicherheiten durchschlagen könnte. Dies könnte Liquiditätsprobleme auslösen. „Je größer die Bilanz der EZB wird, desto schlechter wird auch deren Qualität," sagte Michael Woolfolk, Chefstratege für Währungen bei der Bank of New York Mellon...... „Jede Form der geldpolitischen Lockerung belastet eine Währung", betont Woolfolk. ..... Jüngste Regeländerungen der EZB ermöglichen Banken die Hinterlegung von Wertpapieren von geringer Qualität als Sicherheit. Teilweise können sogar Anleihen eingebracht werden, denen die Eignung als solides Investment von Ratingagenturen abgesprochen wurde. .... Die EZB zahlt für jede eingebrachte Sicherheit nur einen Betrag aus, der unterhalb des Basiswerts des jeweiligen Papiers liegt. Diese Art von Haircut senkt zwar das Risiko der EZB, es bleibt aber dennoch unklar, welche Risiken wirklich in den Büchern der EZB schlummern.
Zum Hintergrund der Übernahme eines WSJ-Artikels bei der WELT (wo auch zu dem WSJ-Artikel "EZB-Bilanz mit Sprengkraft" - verlinkt wird)  muss man wissen, dass das WSJ Europe jetzt eine deutsche Ausgabe herausgebracht hat. Das Original der Analyse von Javier E. David ist allerdings auf Englisch erschienen u. d. T."The Risks in ECB's Crisis Moves".


Nachtrag 21.01.2012
Unter der Überschrift "Euro-Krise: Die verlorene Unschuld der EZB" thematisiert heute das Handelsblatt (Norbert Häring, Dirk Heilmann, Jens Münchrath und Christian Vits) in einem langen Artikel die Gründe und die Gefahren der aktuellen üppigen Geldversorgung des Finanzsystems (und der Staatsschuldenfinanzierung auf Schleichwegen) durch die EZB: "In der Euro-Krise entfernt sich die Europäische Zentralbank Schritt für Schritt vom Erbe der Bundesbank. Aus dem einstigen Stabilitätshort ist eine Gelddruckmaschine geworden. Der Kursschwenk birgt enorme Risiken."


Nachtrag 23.01.2012
Weitaus massiver als der (trotz der Überschrift) im Ergebnis eher zurückhaltende o. a. Handelsblatt-Bericht warnte (bereits am 20.01.2012) das östereichische Blatt "Die Presse" von den von der wundersamen Geldmengenvermehrung der Europäischen Zentralbank ausgehenden Gefahren. "Geldsystem: Das Endspiel nimmt Form an" von  NIKOLAUS JILCH: 
"Die Gelddruckprogramme der Zentralbanken werden immer größer. Laut Credit Suisse könnte die EZB demnächst bis zu zehn Billionen Dollar in den Markt pumpen, um Zeit für das Finanzsystem zu kaufen."
Der Artikel enthält auch eine Grafik, welche die Geldmengenvermehrung durch Fed und EZB darstellt.
Über die Analyse von William Porter von der Bank Credit Suisse hatten die Deutsche Mittelstands Nachrichten (DMN) bereits am 18.01.2012 berichtet u. d. T. "Euro-Krise. Credit Suisse: EZB muss Banken bis zu 10 Billionen Dollar leihen":
"In einer Analyse der Credit Suisse (CS) schreibt William Porter, dass der nächste 3-Jahres Tender (LTRO) der EZB gigantische Ausmaße annehmen dürfte. Er habe im Markt Spekulationen gehört, dass der Liquiditätsbedarf „bis zu 10 Billionen Dollar“ reichen könnte. ..... Credit Suisse macht als Ursache für diesen gigantischen Cash-Bedarf die Uneinigkeit in der Euro-Zone aus. [Offenbar eine Umschreibung für: "Der Unwille Deutschlands, die Schulden der anderen Ländern aus dem deutschen Steueraufkommen zu finanzieren."] ..... Als Folge dieser gigantischen Gelddruck-Aktion zum Zwecke des Ankaufs von Zeit würde nach Porters Einschätzung die amerikanische Notenbank (Fed) ihrerseits die Druckmaschinen beschleunigen, damit ein starker Dollar nicht von einem deutlich geschwächten Euro ausgebremst wird. Damit wären massive Abwertungen beider Währungen unausweichlich. Den Höhepunkt der Krise sieht CS in diesem Frühjahr. Wie sie sich auswirkt weiß niemand, räumt auch CS ein."


Nachtrag 24.01.2012
Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, spricht das Inflationsrisiko offen an. In dem heutigen Handelsblatt-Artikel "Eurokrise: Deutsche-Bank-Volkswirt warnt vor Kollaps des Geldsystems" werden seine Ausführungen auf der momentan in Frankfurt stattfindenden (u. a. vom Handelsblatt mitorganisierten) Konferenz "Ökonomie neu denken" so wiedergegeben:
"Die Zentralbanken hätten zwar grundsätzlich richtig gehandelt, als sie die Märkte in der Notsituation mit frischem Geld fluteten, doch liege in diesem Vorgehen auch eine Gefahr: „Das Vertrauen, das sonst durch Kreditbeziehungen entsteht, haben die Zentralbanken versucht, durch Zentralbankgeld zu ersetzen“, so Mayer. Besonders in Europa, wo die Zentralbanken zögerlicher als in Amerika reagiert hätten, sei zu befürchten, dass diese Rechnung nicht aufgehe. „Wenn die Menschen das Vertrauen in diesen Mechanismus verlieren, folgt die Krise des Geldsystems“, prognostizierte der Volkswirt. Die mögliche Folge wäre eine Hyperinflation."
(Nebenbei: Psychologie ist zwar außerordentlich wichtig in der Wirtschaft. Das sollte uns aber nicht dazu verleiten, dass die von der Psychologie - von der "Marktstimmung" - scheinbar willkürlich gesetzten Signale letztendlich meist reale Ursachen haben. "Vertrauen" wird nicht ausreichen, wenn der Markt mit Geld überflutet wird. Und es ist Unwissenheit oder Verschleierung, wenn Mayer die Ursache der Finanzkrise so beschreibt: "Als Ursache dafür, dass 2007 auf dem amerikanischen Immobilienmarkt eine der größten Kreditblasen aller Zeiten platzte und die Finanzkrise auslöste, machte der Ökonom den Verlust von Vertrauen auf den Märkten aus". Der Vertrauensverlust war lediglich der konkrete Anlass; tatsächliche Krisenursache war das ökonomische Faktum der riesigen Verluste der Finanzbranche. Freilich kann z. B. das Vertrauen länger anhalten als es sachlich gerechtfertigt wäre; die Kreditprobleme auf dem US-Wohnimmobilienmarkt waren schon lange vor 2007 angewachsen.)


Nachtrag 25.01.2012
Die Bank of England ist schon dort, wo die EZB offensichtlich hin will: Währung abgewertet, Inflation marschiert. Jedenfalls erfährt man in dem FTD-Artikel "Bank of England kauft gegen die Rezession an" von heute:
"..... stiegen die Verbraucherpreise nach Angaben Kings seit 2007 um 15 Prozent. Die privaten Haushalte seien dadurch geradezu "ausgequetscht" worden. Einen vergleichbaren Rückgang der Realeinkommen habe es zuletzt in den 20er Jahren gegeben. ..... Das Pfund sei gegenüber den anderen wichtigen Handelswährungen seit 2007 um rund 25 Prozent gefallen."
Und:
"Seit einigen Monaten geht die Inflation zurück, zuletzt lag sie bei 4,4 Prozent"
Na bravo: da ist ja wieder Luft nach oben! Und hinterher darf der Notenbankgouverneur wieder Krokodilstränen über die armen ausgequetschten Verbraucher weinen!


Nachtrag 28.01.2012
Unter der Überschrift "Trügerischer Euroschein" redet heute Roland Tichy, Chefredakteur der Wirtschaftswoche, Klartext:
"... ohne dass es die vor sich hin wulffenden deutschen Medien gemerkt haben, passiert jetzt, was die Bundesbank immer bekämpft hat, die Bundesregierung eigentlich ablehnt und weshalb Axel Weber und EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark die Brocken hingeschmissen haben: Die Staatsschulden werden über die Notenpresse finanziert. ..... Wenn nun der italienische Regierungschef Mario Monti von Deutschland die Verdoppelung des Rettungsschirms auf eine Billion Euro und Zinshilfen direkt aus der Berliner Kasse fordert, dann heißt das: Auch er fürchtet, dass die Euro-Krise nach den italienischen Scheingeschäften quietschfidel aus dem Osterurlaub zurückkommen wird."


Nachträge 30.01.2012

Eine interessante Information über den Hintergrund der aktuellen Geldvermehrung durch die EZB (die für mich freilich nicht ganz verständlich ist) scheint der FAZ-Artikel "Geldpolitik. Bundesbank in der Klemme" des Wirtschaftswissenschaftlers Frank Westermann von heute.

Zwischen Patrick Bernau von der FAZ ("Wie schlimm ist die Geldschwemme? Eine Antwort" im Fazit-Wirtschaftsblog der Zeitung) und dem Wirtschaftswissenschaftler Henry Kaspar ("Assetblasen, Boom-Bust-Zyklen, und Patrick Bernaus Geldschwemme" "wonkish" d. h. eine sehr fachliche und für Laien kaum verständliche Darstellung) findet eine Debatte über die Inflationsrisiken statt; ich habe den Eintrag von Bernau nur überflogen und das Posting von Kaspar (Im Blog Kantoos Economics) nur teilweise gelesen, halte die Links hier also mehr per memoriam fest.


Nachtrag 01.02.2012
Es wurde auch mal Zeit: endlich bringt das Handelsblatt (Autor: Norbert Häring) einen ausführlichen Artikel zu Thema Geldvermehrung durch die EZB. Titel "Euro-Krise: Mario Draghi öffnet die Geldschleusen" (31.01.12). Während der Titel Schlimmes befürchten lässt, wiegelt der Inhalt ab: allenfalls bestehe die Gefahr einer Vermögenspreisblase, nicht aber die einer Inflation der Verbraucherpreise. Zwar kann ich Härings Schritt-für-Schritt-Argumentation nachvollziehen; trotzdem überzeugt er mich nicht: irgendwann muss eine Geldmengenvermehrung auch auf die Verbraucherpreise durchschlagen. Das kann lange dauern - wie beim Ketchup, das beim Schütteln auch nicht sofort aus der Flasche kommt.
Auch die Kosten der Staatsanleihenkäufe der EZB redet Häring klein. Es ist aber gleichgültig, ob sich die Gewinne der Notenbanken mindern und die Zentralbanken Verluste scheinbar selbst auffangen, oder ob der Steuerzahler direkt bezahlt: letztendlich verlieren wir immer, weil Verluste der Notenbanken die Gewinne mindern, die sonst an die Staatshaushalte abzuführen gewesen wären.


Nachtrag 02.02.2012
Auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann kritisiert die Geldschwemme der EZB: vgl. Artikel " EZB droht Spaltung wegen Fiskalpakt" der Deutsche Mittelstands Nachrichten von heute.


Nachtrag 06.02.2012
Vgl. heute auch den langen Artikel "Deutschland in der Euro-Falle" von Anne Kunz und Malte Fischer in der Wirtschaftswoche. Außerdem ebenda den Kommentar "Moralische Erpressung" von Roland Tichy (04.02.12).


Nachtrag 08.02.2012
Wie sehr wir belogen und betrogen werden, sowohl was die Transferleistungen nach Griechenland angeht, als auch die Geldwertsicherung, zeigt jetzt der WELT-Artikel "Schuldendesaster.  Athens Risiko-Spiel mit der Gelddruckmaschine" von Anja Ettel und Holger Zschäpitz vom 08.02.2012 auf (meine Hervorhebung):
"Wie aus einer UBS-Studie hervorgeht, die "Welt Online" vorliegt, findet mittlerweile ein weit umfangreicherer Risikotransfer innerhalb der Währungsgemeinschaft statt, als bisher öffentlich bekannt. Dank der unter Draghi nochmals gelockerten EZB-Politik hat die griechische Nationalbank ihre Bilanzsumme enorm ausgeweitet. Dies ist ein Hinweis darauf, dass die Notenbank in Athen in großem Umfang Liquidität schöpft. Seit 2010 hat sich ihre Bilanzsumme fast verdoppelt. Seit Herbst 2011 stieg die Geldvermehrung rasant an. Inzwischen macht die Bilanzsumme der Notenbank 70 Prozent der griechischen Wirtschaftsleistung aus. Das liegt im internationalen Vergleich auf Spitzenniveau. ..... „Die EZB hat die Gelddruckmaschine an die nationalen Notenbanken übergeben“, schreibt Stephane Deo, Ökonom bei der UBS. „Das könnte schwerwiegenden Konsequenzen nach sich ziehen.“ ..... Das Programm mit dem Kürzel ELA (Emergency Liquidity Assistance) machte solche Notkreditlinien möglich. ..... seit Dezember ist diese Notoperation als längerfristige Hilfe institutionalisiert worden. Damals hatte Draghi angekündigt, dass die nationalen Notenbanken von ihren heimischen Banken auch Sicherheiten zweifelhafter Güte als Pfand für Notenbankkredite annehmen könnten. Zwar sollte diese Lösung nur temporär eingesetzt werden. Welcher Zeitraum damit gemeint war, ist aber bisher offen geblieben, zumal Sicherheiten schlechterer Qualität auch für die Dreijahreskredite der EZB an die Euro-Banken akzeptiert werden sollen."
Wenn ich das richtig verstehe bedeutet das, dass die griechische Wirtschaft ihre ausländischen Lieferanten im Grunde mit einer Art Falschgeld bezahlt: Man nimmt Kredite bei den Banken auf, von denen eigentlich alle Beteiligten wissen müssen, dass die Kreditnehmer sie nie und nimmer zurückzahlen können. Und die griechische Zentralbank druckt frische Geldscheine für diese Kredite.

Wahrscheinlich beabsichtigt man, diese faulen Kredite unter denjenigen Abschreibungen zu verstecken, die auf die Bestände griechischer Banken an griechischen Staatsanleihen (und kurzfristigen Kassenkrediten?) ohnehin bald fällig werden. Und die europäischen Partner sollen dann die Gesamtverluste tragen, die aus der mutmaßlich momentan verantwortungslosen Kreditvergabe der griechischen Banken resultieren werden.

Da den griechischen Banken die Kreditwürdigkeit ihrer Schuldner anscheinend gleichgültig ist, geben sie vermutlich auch der Athener Regierung immer wieder an Kassenkredite.

Nachtrag 09.02.2012
Vgl. auch den heutigen FAZ-Kommentar "Griechenland. Der große Knall" von Holger Steltzner (meine Hervorhebungen):
"... die Europäische Zentralbank bekämpft mit noch mehr billigem Geld die Staatsschuldenkrise. Neben Zinsen fast zum Nulltarif geht sie mit dreijährigen Geldspritzen für Banken gegen eine befürchtete Kreditklemme an. Der Applaus der Banken ist der EZB sicher. Für die Institute ist es ein Bombengeschäft, sich von der Notenbank viele Milliarden zu einem Prozent zu holen und dafür Anleihen aus Südeuropa zu vier Prozent zu kaufen. Weil die EZB ihre Anforderungen an die Sicherheiten zur Finanzierung ausgesetzt hat, landen Ramschanleihen in Hülle und Fülle in der Bilanz der Zentralbank. Notleidende Staatsschuldner lassen sich so gern finanzieren, und Banken streichen ebenso gern die Zinsdifferenz ein. Hoffentlich endet dieses Billionenspiel nicht auch mit einem großen Knall."


Nachträge 10.02.2012

Im Rahmen seines FAZ-Kommentars "Griechenland. Einknicken der Euro-Retter" von heute geht Holger Steltzner auch auf die Geldschöpfungspolitik der EZB ein, und kommt zu dem gleichen Schluss wie ich: dass der Konsum in Südeuropa [und wohl auch in Frankreich] teilweise durch Gelddrucken finanziert wird:
"Des Rätsels Lösung, wie der Süden weiter locker auf Pump leben kann, obwohl der Kapitalmarkt höhere Zinsen verlangt, findet sich in Frankfurt. Dort sorgt die EZB mit Geldspritzen, Anleihekäufen und vor allem mit dem für die Abwicklung von Zahlungen zwischen den Euro-Notenbanken gedachten Target-System dafür, dass die Leistungsbilanzdefizite in Krisenländern hoch bleiben und Anpassungen aufgeschoben werden können. Das Ganze funktioniert so ähnlich wie ein unbegrenzter Überziehungskredit. Fast zum Nulltarif zieht der Süden das Geld für Rechnungen aus dem geldpolitischen Verbund, im Norden steigen im Gegenzug lediglich die Forderungen zum Beispiel der Bundesbank gegenüber der Bank von Griechenland. So druckt der Süden einfach das Geld, das er zum Bezahlen der Rechnungen braucht. Heimlich, still und leise haben sich so Kreditsalden von fast einer halben Billion Euro aufgetürmt. Niemand weiß, wie lange das gutgeht."

Zur Target2-Frage bzw. zur theoretischen Diskussion über die Zusammenhänge zwischen Geldmenge und Inflation hier noch zwei Links, die ich einem Hinweis des Bloggers "Kantoos Economics" verdanke:


Nachtrag 12.02.2012
Zum Thema Verschlechterung der Sicherheitenqualität für Kredite der EZB vgl. jetzt:

Nachtrag 13.02.2012
Nicht sehr tiefgründig (zumal als Produkt von gleich -2- Autoren!) ist der WELT-Artikel "Euro-Rettung. Die EZB setzt das Geld der Steuerzahler aufs Spiel" der Autoren Anja Ettel und Holger Zschäpitz von heute. Immerhin muss man ihnen zu Gute halten, dass sie das Thema überhaupt aufgreifen.


Nachtrag 15.02.2012
Wie der Rohölpreis (und damit letztlich die Teuerung!) von den Geldmengenzuwächsen getrieben wird, konnte man gestern in dem WELT-Artikel "Politik des Gelddruckens. Geldflut der Notenbanken löst Ölpreis-Inflation aus" von Frank Stocker nachlesen.


Nachtrag 18.02.2012
Prof. Hans-Werner Sinn, der unermüdliche Mahner und Warner gegen die kriminelle Verschleuderung deutschen Volksvermögens für eine eurozonäre Transferunion und zum Wohle der internationalen (sprich: hauptsächlich angelsächsischen) Hochfinanz, hat heute in einem Gespräch mit der FAZ (Heike Göbel und Holger Steltzner) erneut eindringlich die Lage analysiert und die Risiken geschildert. Interviewtitel: "Wir sitzen in der Falle" (meine Hervorhebungen): "Die südeuropäischen Länder sind der Lösung ihrer Probleme bislang kein bisschen nähergekommen. ..... Wir haben Überschüsse im Außenhandel mit den südlichen Euro-Staaten, und diese sind bezahlt worden mit selbst gedrucktem Geld. Normalerweise hat der deutsche Überschuss sein Pendant in Vermögenswerten dieser Länder, die man erwirbt. In den letzten vier Jahren war das aber nicht der Fall, da unsere Kunden die Waren mit selbstgedrucktem Geld bezahlt haben. Im Süden liefen die Druckerpressen heiß und haben die Kreditvergabe unserer Banken ersetzt. ..... Der Zug ist in Richtung Transferunion abgefahren. Die Rettungsschirme werden in Kürze verbraucht sein. Dann wird man Deutschland bedrängen, die Summe zu erhöhen, um die alten Kredite zu schützen. Man wird immer wieder neues Geld dem alten hinterherwerfen, um sich bis zur jeweils nächsten Wahl zu retten. Im Endeffekt werden dreieinhalb Billionen Staatsschulden der Südländer vergemeinschaftet sein. Deutschland wird einen erheblichen Teil seines Auslandsvermögens verlieren - entweder über Staatskonkurse, über Inflation oder, am wahrscheinlichsten, über Steuererhöhungen zur Finanzierung der anstehenden Transferunion. Frau Merkel wird von der Wall Street, Obama, der City of London, Sarkozy, Barroso und allen Staatschef der südlichen Länder gedrängt, den Anlegern über die Bad Bank in Luxemburg, die letztes Jahr gegründet wurde (die EFSF; die Redaktion), ihre toxischen Staatspapiere abzukaufen. Dagegen hat sie die Strategie des Durchwurstelns entwickelt. Sie macht ihr Portemonnaie auf, wenn der Druck zu groß wird, aber sie gibt nicht alles her, was sie hat, weil sie weiß, dass ihre Freunde dann kein Interesse mehr an ihr haben. Sie versucht ihr Bestes. Aber wir sitzen trotzdem in der Falle."

    Nachtrag 21.02.2012
    Über das "Target"-Zahlungssystem und die darin momentan von der Bundesbank vergebenen Kredite an die Südeuropäer hat Norbert WALTER, ehemals Chef der Dresdner Bank, im Rahmen seiner Handelsblatt-Kolumnenreihe "Walter direkt" zwei allgemeinverständliche Artikel geschrieben:
    • "Das verschwiegene Rettungspaket" am  20.12.2011 (meine Hervorhebungen): Bei den Target-Forderungen der Bundesbank "handelt es sich um die mit Sicherheit am meisten verschwiegene Rettungsmaßnahme in der aktuellen Krise. ..... Im Kern muss man sich darunter einen Kontokorrentkredit einer Notenbank des Euro-Systems für eine andere Notenbank des Euro-Systems vorstellen. Weil die Notenbanken aber den jeweiligen Staaten gehören, finanziert auf diese Weise die Bundesbank die kreditnehmenden Staaten der Euro-Zone über deren Notenbanken – auch wenn die Kredite offiziell über die Europäische Zentralbank (EZB) laufen. .....Höchst bedenklich ist ....., dass als Folge der Target-Kredite die Druckerpressen in den Schuldnerländern angeworfen werden und weit mehr Euro produzieren, als dort für die heimische Geldversorgung nötig ist. Dieses Geld wird dazu genutzt, um Waren, Vermögenswerte, Immobilien oder Unternehmen in Deutschland zu kaufen – bisher im Gegenwert von 450 Milliarden Euro. Es ist ein Skandal, dass offensichtlich kein Politiker und kein europäischer Währungshüter über dieses Thema öffentlich sprechen will."
    • "Im Ernstfall auf Kosten der Bundesbank" am 27.12.11 (Beantwortung von Leserfragen zum 1. Kommentar) (meine Hervorhebungen): "Mehrfach wurde gefragt, ob diese Target-Kredite zu den anderen Hilfsmaßnahmen für die überschuldeten Euroländer hinzugerechnet werden müssten , und was das für Deutschland bedeuten würde. Grundsätzlich ist richtig, dass diese Aufwendungen im Ernstfall hinzu gerechnet werden müssen. .... Momentan stehen knapp 500 Milliarden Euro Target-Forderungen in den Büchern der Deutschen Bundesbank und die Target-Verbindlichkeiten in den Büchern der nationalen Notenbanken der so genannten GIIPS-Staaten (Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien). Fällt ein Kredit aus, verwertet die Europäische Zentralbank zunächst die bei der Notenbank des Schuldnerstaates dafür hinterlegten Sicherheiten, zum Beispiel Staatsanleihen. Wird dadurch die Schuld nicht vollständig getilgt, tragen die nationalen Notenbanken den Verlust entsprechend ihrer Anteile am Kapital der EZB. Deutschland wäre dann mit etwas mehr als 27 Prozent beteiligt. ..... Das Clearing-System ist, so wie ich es beschrieb, eine Art Kontokorrentsystem der EZB für die nationalen Notenbanken der Eurozone. Wie jeder Bürger auf seinem laufenden Konto, kann in einem solchen System auch eine Notenbank im Soll sein, also Schulden gegenüber der EZB haben. Weitere Fragen zielten darauf ab, ob denn die Geldschöpfung der nationalen Notenbanken als Folge der Target-Kredite nicht von der EZB genehmigt werde ..... . Immer wenn sich eine Geschäftsbank über das Notenbanksystem refinanziert, ist damit automatisch eine Bargeldschöpfung verbunden. Bedenklich ist nur, dass im Targetsystem die Geldversorgung für die gesamte Eurozone zum größten Teil in den GIIPS-Staaten „produziert“ wird. Die ursprüngliche Aufgabe der nationalen Notenbanken in der Eurozone, für eine reibungslose Bargeldversorgung in ihrem Zuständigkeitsgebiet zu sorgen, wird dadurch zu einem beachtlichen Teil aufgehoben. ..... Auch wenn jetzt in der Krise niemand darüber reden will, das Target-System muss reformiert und auf eine langfristig tragfähige Basis gestellt werden."

    Nachtrag 23.02.2012
    Jörg Eigendorf teilt in seinem WELT-Artikel von heute u. d. T. "Der Preis für das falsche Spiel wird Inflation sein" *meine Einschätzung:
    "Alle drucken massenweise Geld. Sogar die Asiaten machen fleißig mit. Denn sie halten ihren Wechselkurs gegenüber Dollar und Euro künstlich niedrig und müssen dafür ebenfalls immer größere Mengen ihrer Währung in Umlauf bringen .Der Preis dieser Politik kann eine schlimme Inflation sein. Das Geld wird sich seinen Weg in die Wirtschaft bahnen. Auch das lehrt die Geschichte. Schon jetzt ist die Inflation spürbar, sie kommt über Rohstoff-, Gold- und Immobilienpreise. Die offizielle Inflationsrate hingegen, an der sich die Notenbank orientiert, wird so zum Irrlicht. Das spüren viele Menschen längst, weshalb sie immer hektischer versuchen, ihr Vermögen dort zu investieren, wo es ihnen sicher erscheint. So entstehen Blasen, die dann wieder platzen. Das globale Finanzsystem, das nicht kollabieren darf, wird wieder gerettet werden müssen."
    Er weiß auch ganz genau, dass es falsch war, den Griechen weiteres Geld zu geben, denn:
    "Griechenland hat über zwei Jahre bewiesen, dass es nicht imstande ist, auch nur einfache Bedingungen zu erfüllen."
    Peinlich nur, dass derselbe Autor noch am 12.12.2011 getönt hatte "Europa wird stark aus der Krise hervorgehen". Seine damalige Meinung zum griechischen Reformtempo (meine Hervorhebung):
    "Griechenland mag als hoffnungsloser Fall und der Weg unendlich weit erscheinen, aber das Reformtempo, das die Mittelmeerrepublik nun vorlegt, ist unglaublich im Vergleich zum Stillstand der vergangenen Jahrzehnte. Auch in Spanien, Portugal und Italien werden auf einmal Gesetze möglich, die zuvor kein Politiker angefasst hätte."
    SO kann man natürlich auch Journalismus betreiben!
    * Nachtrag: In einer anderen Fassung des 'Inflations-Artikels' u. d. T. "Europas Tragödie" hatte Eigendorf sogar formuliert:
    "Im übertragenen Sinne handelt es sich im Fall Griechenlands um ein Rotzbalg, das auf jeglichen Erziehungsimpuls nicht mehr reagiert - und trotzdem nicht bestraft wird."
    Volle Zustimmung; nur: das hätte man im Dezember 2011 auch schon wissen können!


    Nachträge 26.02.2012

    Kritik an der als inflationierend bewerteten Geldmengenausweitung der EZB kommt heute, reichlich spät, aber immerhin, in einem Artikel der Neuen Zürcher Zeitung: "Der Regenmacher"  (gemeint ist Mario Draghi).

    In der WELT legt Jörg Eigendorf (s. o.) noch einmal nach: In dem heutigem Gemeinschaftsartikel "Krisenbanken drucken sich ihr eigenes Geld" und in seinem Kommentar "Euro-Krise. Die EZB verschachert unbemerkt Deutschlands Bonität".


    Nachtrag 27.02.2012
    Bei Spiegel Online (SPON) berichtet jetzt Stefan Kaiser "Top-Ökonom Hans-Werner Sinn. Der Mann und die Milliarden-Bombe" über das Target-Zahlungs- bzw. im Ergebnis jetzt -Kreditsystem und damit letztlich auch über die aktuelle Finanzierung der Südeuropäer durch Gelddruckerei.


    Nachtrag 28.02.2012
    Ein langer Artikel in der WELT beschäftigt sich heute erneut mit den Inflationsrisiken, die aus der wundersamen Geldvermehrung durch die Notenbanken der Welt erwachsen: "Euro-Rettung. Die große Geldschwemme und das Inflationskarussell" titeln  Anja Ettel und Sebastian Jost. Für mich besonders bemerkenswert ist der Umstand, dass sogar Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, (mehr noch als andere, die sie herunterzuspielen suchen) vor den Inflationsrisiken warnt.


    Nachtrag 01.03.2012
    Und wieder hat die Europäische Zentralbank unter der Leitung von Mario Draghi eine (wie Draghi in einem FAZ-Interview mal gesagt hat) "Dicke Bertha" an den Geldmärkten aufgefahren. Vgl. Artikel vom 29.02.2012 z. B.
    • FAZ.net: "Mario Draghis 'Dicke Bertha'. Banken leihen sich Rekordsumme von EZB": "Im mit Spannung erwarteten Dreijahrestender der Europäischen Zentralbank haben sich 800 Banken im Euroraum zusammen 529,5 Milliarden Euro geliehen."
    • Handelsblatt: "EZB-Dreijahrestender: 529.530.810.000 Euro für Europas Banken": "Die EZB stützt die Banken des Euro-Raums mit einer neuen Mega-Geldspritze. Sie stellt ihnen für drei Jahre Billiggeld zur Verfügung. Die Banken nahmen das Angebot dankend an und griffen erneut kräftig zu." Dazu Kommentar von Frank Wiebe im HB-Blog "Global Markets" u. d. T. "Doping der anderen Art". Weiterhin: Interview mit Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank u. d. T. "Chefvolkswirt im Interview: 'Das nagt an der Bonität deutscher Staatsanleihen' : "Die EZB pumpt heute wieder Geld in den Markt.  erklärt, was das für Anleger bedeutet und warum die Inflationsrate steigen wird". (Dass ein Anstieg der Inflationsrate aus Sicht der Politiker und Geldpolitiker KEIN Unfall wäre, sondern sogar beabsichtigt bzw. nach Meinung einiger zur Schulden'tilgung' sogar nötig - behaupten die Befragten in den HB-Intverviews "Die Entschuldung geht nur über Inflation mit den Vermögensverwaltern Bert Flossbach und Kurt von Storch vom 06.02.12, mit Martin Siegel, Fondsmanager Stabilitas GmbH und Geschäftsführer Westgold, u. d. T. "Die Politik will die Inflation" (schon) vom 13.12.2011 oder schon am 17.11.2011, also noch früher, mit  den Vermögensverwaltern Jens und Jan Ehrhardt u. d. T. "Die EZB muss Geld drucken".)
    • Sogar die Klugscheißer von der Financial Times Deutschland, FTD, sonst führend in der Forderung nach Gelddruckerei, schalten plötzlich um. Unter "Euro-Krise: Mit dem Sarko-Trade zur Draghi-Blase" kommentiert Stefan Schaaf: "Der zweite Drei-Jahres-Tender der Europäischen Zentralbank wird dem Patienten Europa weiter auf die Beine helfen. Doch die Nebenwirkungen der Kur sind enorm: An den Finanzmärkten droht eine Blase. ......Mario Draghi ist ein Fuchs, der Europa vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch bewahrt hat. Die Liquiditätsschwemme war unausweichlich. ..... Was ist denn, wenn die Banken all das schöne billige Geld Ende 2014/Anfang 2015 zurückgeben müssen an die Notenbank? Was ist, wenn sie keine Anschluss-Refinanzierung an den Märkten bekommen? Dann wird es bei den Banken zu einer riesigen Verkaufswelle bei Risiko-Anlagen kommen, um Liquidität hereinzuholen. Die EZB hat durchblicken lassen, dass es keinen weiteren Drei-Jahres-Tender geben wird. Das ist richtig, aber Super-Mario Draghi muss auch die Frage beantworten, wie der Übergang in die Normalität in drei Jahren aussehen wird." Journaillen-Kommentatoren sind auch oft Füchse: verlangen von anderen, dass sie zaubern können, und wenn das nicht klappt, können sie von sich behaupten: 'Wir haben ja gewarnt'. Solche Schreibe stößt mir übel auf. Ich glaube nicht, dass die Liquiditätsschwemme unausweichlich war, und ich glaube nicht, dass die Notenbanken die Geldmengen wieder aus den Märkten herausnehmen können. Das hat schon unter Greenspan nicht geklappt, und läuft jetzt noch weniger. Schließlich werden mit diesem Geld Ansprüche in der realen Welt begründet; zieht man das Geld ab, würden die Ansprüche zusammenbrechen - und wir ständen in der nächsten Krise. Also wird ein immer größeres Rad gedreht; gelöst wird absolut gar nichts! Realistische Alternative? Massive Besteuerung der Reichen, insbesondere der Kapitalerträge; evtl. Transaktionssteuer.
    • Auch die Süddeutsche Zeitung, ebenfalls sonst immer an vorderster Eurettungsfront, bekommt nun Muffensausen: "EZB pumpt Geld in den Markt. Gefährliche Billig-Billion" kommentierte Alexander Hagelüken: "Draghis Billig-Billion fördert das Entstehen einer neuen Finanzblase. Das lässt sich an den Kursen der Staatsanleihen ablesen, aber auch am Aktienmarkt, der sich gerade erstaunlich positiv entwickelt. Draghi muss versuchen, eine neue Finanzblase um jeden Preis zu verhindern. Doch das ist schwierig, wie die historische Erfahrung zeigt. Alan Greenspan, einst als Magier gerühmt, hat sich bei diesem Versuch entzaubert."

    Nachträge 01.03.2012

    Marc Faber, schon frühzeitig Kritiker der (damals noch: US-)Gelddruckerei (mehr darüber in meinem Blott "Finanzkrise: Linksammlung von Prognosen"), prognostiziert natürlich ebenfalls eine Inflation als Folge der jetzt auch von der EZB betriebenen inflationären Geldschöpfung. So in dem heutigen Handelsblatt-Interview (Ingo Narat) u. d. T. Der ehrliche Sparer wird die Zeche zahlen.

    Genau gegenteiliger Meinung ist allerdings der Ökonom Gary Shilling, den Ingo Narat, ebenfalls für das HB, am 21.02.2012 interviewt hatte. Titel: "Gary Shilling im Interview: 'Aktien werden um ein Drittel fallen'." Shilling rechnet mit Deflation statt Inflation, und das noch für die nächsten 5 - 7 Jahre. Für den Euro erwartet auch er (wie ich) fallende Kurse gegenüber dem US-Dollar: bis auf 1,20 USD für den Euro, vielleicht aber sogar runter bis zur Parität.


    Nachtrag 11.03.2012
    Zu den Risiken des EZB-Systems vgl. aktuell auch zwei Artikel in der WELT:




    Nachträge 13.03.2012

    Herbert WALTER, von 2003 - 2009 Vorstandsvorsitzender der (mittlerweile in der Commerzbank aufgegangenen) Dresdner Bank, warnt heute in seiner Handelsblatt-Kolumne "Walter direkt" u. d. T. "Alarmierende Zeichen":
    "Nur mühsam können die europäischen Zentralbanker ihre Nervosität wegen der wachsenden Gefahren für die Stabilität des Euro-Raumes verbergen.  Das kratzt auch an der Reputation dieser Institution. ..... Anlass zu Sorgen gibt es in der Tat. Insbesondere die Entwicklungen bei den Verbraucher- und Vermögenspreisen deuten aktuell auf eine wachsende Gefahr für die Stabilität des Euro-Raumes hin. Auch wenn die EZB-Verantwortlichen öffentlich ziemlich schlank darüber hinweggingen, ist das Eingeständnis der EZB bitter, dass es in diesem Jahr keine Stabilitätsfortschritte bei der Preisentwicklung geben wird. Jetzt rechnet die EZB für 2012 mit einer durchschnittlichen Inflationsrate der Verbraucherpreise von bis zu 2,7 Prozent, noch im Dezember wurde eine Preissteigerung von 1,5 Prozent für möglich gehalten. Das ist – nach nur drei Monaten - eine dramatische Korrektur der Projektion für dieses Jahr."

    Aktuell gibt es eine ganze Reihe von Artikel zur "Target2"-Problematik.

    Nachtrag 15.03.2012
    Unter der Überschrift "Euro-System. Südeuropäische Staaten haben 270 Milliarden Euro gedruckt" informieren die Deutsche Mittelstands Nachrichten (DMN) heute über die Höhe derjenigen (ansonsten ungedeckten) Bankanleihen südeuropäischer Länder, für welche die EZB die Garantien der jeweiligen Regierungen als Sicherheit akzeptiert hat: 270 Mrd. € eben. Das ist in der Tat reine Gelddruckerei der EZB. Oder, wie die DMN ebenfalls zutreffend feststellen: "... ein klassisches Ponzi-Schema", ein (betrügerisches) Schneeballsystem also. Ergänzung: Quelle dieser DMN-Info ist anscheinend eine  Vorabmeldung der ZEIT von heute (die ich hier nicht verlinke, weil der aktuelle Link "http://www.zeit.de/vorabmeldungen/neu-in-der-aktuellen-zeit/seite-7" vermutlich nur kurzfristig Bestand hat). Darin wird noch etwas präziser informiert (meine Hervorhebung): "Zwar ist nicht bekannt, in welchem Umfang diese Papiere tatsächlich eingesetzt worden sind, um Zentralbankgeld abzurufen. Die EZB hat jedoch mitgeteilt, dass insgesamt in der Währungsunion staatsgarantierte Bankanleihen im Nominalwert von 180 Milliarden Euro als Pfand hinterlegt sind. Allerdings nimmt die Notenbank auf den Normalwert Sicherheitsabschläge vor, so dass das Kreditvolumen niedriger ausfällt."


    Nachtrag 25.03.2012
    Immer offener kritisiert der zurückgetretene frühere EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark seinen ehemaligen Arbeitgeber und zeigt steigende Inflationsgefahren auf. Heute in einem langen Handelsblatt-Interview u. d. T. "Das Vertrauen in die EZB geht verloren", und auch die Hintergründe seines Rücktritts enthüllt er jetzt total:
    "Sowohl die Politik als auch die Zentralbanken sind der Versuchung erlegen, allen Problemen der Welt durch eine Flutung der Märkte zu begegnen. Da dies nun mal ein globales Phänomen ist, wird die Abkopplung schwierig, wenn es eine Entwicklung in Richtung höherer Preise geben sollte. Im Augenblick zeigt sich diese erhöhte Liquiditätsversorgung noch nicht in den Güter- und Dienstleistungspreisen. Aber sie zeigt sich in den Rohstoffpreisen und den Vermögenspreisen – eindeutig. Und das wirkt durch."
    "Wann ist in Ihnen der Gedanke gereift, aus diesem System der wundersamen Geldvermehrung, dessen Teil Sie waren, auszusteigen?
    Das begann bereits im Frühjahr 2010 mit dem Einstieg der EZB in den Kauf von Staatspapieren. ..... Nur hat sich für mich hier das Problem ergeben, dass ich ..... gesehen habe: Wenn in einem solchen Land, in dem die EZB interveniert, ein größerer Unfall passieren sollte, dann wird die EZB mit hineingezogen, und sie könnte aus solchen Interventionen Verluste erleiden. ..... Letztlich würde das Vertrauen in die Zentralbank leiden.
    Ist dieser befürchtete Vertrauensverlust der Schlüssel, um die Motive Ihres Handelns zu verstehen?
    Für mich ist ein ganz entscheidender Punkt, dass in dem Regime, in dem wir uns befinden – mit Geld ohne Metallbindung, ..... der einzige Anker die Zentralbank ist. Der Anker ist das Vertrauen in die Zentralbank. Und dies darf nicht zerstört werden. .....
    Aber das war nicht Ihr einziger Grund für den Rücktritt.
    Der zweite Punkt hängt zusammen mit der Ausweitung der Käufe von Staatspapieren im August 2011, die aus meiner Sicht in der damaligen Phase einen falschen Anreiz gesetzt hat. Den Regierungen wurde signalisiert, wir sind bereit zu intervenieren, aber ihr müsst eure Politik anpassen. Das ging über den Grad an demokratischer Legitimation hinaus, den die EZB besitzt. Die EZB darf ihre Operationen nicht konditionieren, nicht von politischen Entscheidungen in bestimmten Ländern abhängig machen. Entweder ist das eine geldpolitische Entscheidung, dann soll es für alle gelten. Oder es ist keine geldpolitische Entscheidung, dann begebe ich mich in die Abhängigkeit und unter den Zugriff der Politik. Das Vertrauen in die Fähigkeit der Zentralbank geht verloren, die Dinge zu tun, zu denen sie gemäß ihrem Mandat verpflichtet ist."

    "Natürlich haben wir offene Diskussionen gehabt, ... . Aber ich konnte mich mit meinen Argumenten nicht durchsetzen. ... Es muss eine klare Arbeitsteilung zwischen Regierungen und Zentralbanken geben. Man hätte verdeutlichen müssen, die EZB ist nicht dafür da, um Land A oder Land B zu retten. Wenn es Rettung geben soll, dann müssen es die Regierungen tun. ..... Implizit ging man mit dem Maastricht-Konzept davon aus, dass ein Mitgliedsland auch zahlungsunfähig werden kann. Die Frage war nur: innerhalb oder außerhalb des Währungsgebiets? Das Konzept wurde innerhalb weniger Stunden verändert. Hat es dafür eine demokratische Legitimation gegeben? ..... Trichet hat seine Haltung den europäischen Politikern sehr deutlich gemacht, aber der Druck auf die EZB zum damaligen Zeitpunkt war massiv. Und nicht nur von europäischen Politikern, der Druck war international. ..... Ich habe mich damals [Anfang Mai 2010] mit Gedanken an Rücktritt getragen, habe mich konsultiert in der Nacht zum Montag mit mehreren Freunden und früheren Kollegen. Die kamen alle zu dem Ergebnis, das sei kein Grund, bleib! Aber die ganzen anderthalb Jahre danach habe ich diese Entscheidung bereut, dass ich nicht gleich gegangen bin. ..... Nachdem die Entscheidung für Staatsanleihekäufe im Mai 2010 gefallen war, kam ich in enorme Loyalitätskonflikte ... zur Institution, ... mir selbst gegenüber, meinen Grundsätzen und Regeln treu zu bleiben. Gleichzeitig musste ich die offizielle Linie der Institution mit vertreten – das halten Sie nicht lange durch. Diese anderthalb Jahre waren für mich sehr, sehr schwierig, so dass für mich klar war: Falls ein Schritt weiter in diese Richtung gegangen wird, dann kommt es für mich zum Schwur ... . Das war Anfang August 2011 der Fall. ..... Einmal halte ich es für längerfristig nicht tragfähig, einen EZB-Rat zu haben mit 23, in Zukunft vielleicht 27 oder 30 oder mehr Mitgliedern. Hier muss es eine Änderung geben. ..... Was mir vorschwebt, ist ein geldpolitisches Gremium, bestehend aus maximal neun Personen, das für das gesamte Euro-Währungsgebiet die geldpolitischen Entscheidungen trifft. Zweitens halte ich es für zunehmend erforderlich, gerade bei so weitreichenden Entscheidungen, wie sie der EZB-Rat getroffen hat, dass man auch die Voten veröffentlicht, wenn diese Entscheidungen nicht einvernehmlich sind. Mit Namen. Das muss transparenter sein ..... Idealerweise sollte die EZB nach außen einheitlich auftreten. Aber im Falle abweichender Meinungen in grundsätzlichen Fragen ist mehr Transparenz geboten."

    Jürgen Stark ist ein Mann mit Charakter. Ansonsten leider jedoch in Deutschland keineswegs nur die Politiker an Rückgratverkrümmung: die Feigheit vor dem Finanzmarkt ist eine Nationalkrankheit. Ein "Volk in Angst", das sind die Deutschen!


    Nachträge 26.03.2012

    Wie die Devisenmärkte üblicher (und rationaler) Weise auf Liquiditätsflutung - nämlich mit einem Außenwertverfall der inflationierten Währung - kann man aktuell nachlesen, und zwar für die bloße Spekulation auf ein "Quantitative Easing" der US-Zentralbank, in dem heutigen FTD-Artikel "Spekulationen über QE3. Bernanke schürt Hoffnung auf neuen Geldsegen der Fed".

    Indessen will die EZB die Menschen (bzw. die Märkte) glauben machen, dass sie die Geldmengenausweitung bei Bedarf problemlos rückgängig machen könne. Vgl. dazu FTD-Artikel "Bedenken der Bundesbank. EZB reagiert auf deutsche Inflationsangst", ebenfalls von heute:
    "Die Debatte über die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank gewinnt an Fahrt: Direktoriumsmitglied Coeuré fordert einen "zeitigen Ausstieg" aus den Krisenprogrammen. Noch sei es aber nicht soweit."

    Christian Siedenbiedel von der FAZ ist skeptisch: "EZB-Chef Mario Draghi. Bringt dieser Mann uns Inflation?" fragte er am 25.03.2012:
    "EZB-Chef Draghi wirbt um die Gunst der Deutschen. Dabei riskiert seine Geldpolitik, was diese am meisten fürchten: Inflation."

    Tatsächlich ist die Gelddruckerei zur Weltseuche geworden. Die Deutsche Mittelstands Nachrichten meldeten am 25.03.2012: "Bankenkrise in Dänemark: Zentralbank muss intervenieren". (Erg. 27.3.: Vgl. ausführlicher jetzt den FTD-Artikel "" v. 27.03.12, der uns auch sonst interessante Informationen bringt: "Anders als viele andere europäische Staaten verabschiedeten sich die Nordländer früh von der Idee, die Banken des Landes zu retten - was zuletzt im Februar 2011 die Amagerbanken und deren Gläubiger zu spüren bekamen. Ein Gesetz des Landes sieht vor, dass bei der Pleite eines Instituts die Kreditgeber ihren Anteil an der Rettung leisten müssen. Die dänischen Regeln gelten als die strengsten Europas.")

    In einem langen Artikel heute in der Wirtschaftswoche fragt Anne Kunz: "Euro-Krise. Wann knickt der Euro ein?" Sie befürchtet:
    "Noch trotzt der Außenwert des Euro der Krise. Doch ist unsere Währung wirklich so stark, wie es den Anschein hat? Viele Faktoren sprechen dafür, dass eine massive Abwertung droht.


    Nachtrag 02.04.2012
    Einzelheiten darüber, was die Banken (bzw. im Ergebnis die Finanzwirtschaft insgesamt) mit der EZB-Geldschwemme anstellen, und wie sie (momentan noch auf Umwegen, irgendwann aber vermutlich direkt) zu Inflation führt, sind heute in dem langen Artikel "Geldflut der EZB. Die Eine-Billion-Euro-Frage" der Wirtschaftswoche nachzulesen.


    Nachtrag 12.04.2012
    In einem informativen Artikel "Die Dicke Bertha ist gefährlicher" in der FTD vom 11.04.12 weist Daniel Gros auf die Unterschiede des 'quantitative easing' in den USA und in der Eurozone hin. Während die Fed US-Staatsanleihen kauft, die Gros für sichere Papiere hält, vergibt die EZB Kredite gegen fragwürdige Sicherheiten und an Banken, die anderswo keinen Kredit mehr bekommen. Dadurch geht sie ein enormes Risiko ein.


    Nachtrag 13.04.2012
    In Amerika trappelt die Inflation schon munter; die Importpreise sind stark gestiegen, insbesondere wegen höherer Rohölpreise. Aber auch die Exportpreise, im Vormonat um 0,4% gestiegen, zogen im März mit 0,8% an (diese Daten sind offenbar jeweils auf den Vormonatsvergleich bezogen; für 12 Monate würde sich mithin eine geradezu dramatische Steigerung ergeben). Diese Daten entnehme ich dem Artikel "Economy Continues to Recover Modestly, Fed Reports" der New York Times vom 11.04.12 (dorthin gelangte ich über die Webseite "Gegenfrage"). Für mich sind diese Daten, insbesondere die stark steigenden US-Exportpreise (bei etwa gleichbleibendem Dollarkurs!) Frühindikatoren für die bei uns drohende Inflation.


    Nachtrag 20.05.2012
    Jürgen Stark äußert sich immer offener und immer kritischer - sowohl zur Eurozonen-"Rettung" (ESF, ESM) wie auch zu den Inflationsgefahren der EZB-Politik. So heute in dem WELT-Interview "Währungspolitik. 'Ein Euro-Ausstieg Deutschlands ist undenkbar' ". (Der Titel ist insofern irreführend, als diese Frage eher am Rande des Interviews behandelt wird.) Auszüge (meine Hervorhebungen):
    "Es wird ... immer offensichtlicher werden, dass die Weichen schon im Frühjahr 2010 völlig falsch gestellt wurden, als man ein IWF-EU-Programm mit einem Mitglied der Währungsunion vereinbarte und die EZB begonnen hat, Staatsanleihen zu kaufen. Seither hat jeder weitere Schritt zu einer nur noch teureren Lösung geführt. Es war ein Fehler, zuzulassen, dass der Internationale Währungsfond (IWF) einem Land innerhalb der Euro-Zone hilft. Und es war ein Fehler, den Rettungsmechanismus EFSF zu schaffen und damit anderen Ländern zu signalisieren, auch ihnen könne geholfen werden. .....
    Welt Online: Was ist so falsch daran, Geld vom IWF zu bekommen?
    Stark: Wenn ein Land falsch gewirtschaftet hat und dies korrigieren muss, kann es gern Hilfen vom IWF oder von anderen EU-Staaten bekommen – aber bitte außerhalb des Euroraums. ..... Ein scharfer Schnitt zu Beginn der Krise wäre besser gewesen. ..... Eine seriöse Analyse darüber, wie groß die Ansteckungseffekte tatsächlich waren, hat es nie gegeben. .....   Und im Frühjahr 2010 gab es mit Griechenland nur ein einziges Land, das labil war. .....
    Welt Online: Sie reden von massiven Verlusten weltweit – und plädieren trotzdem für ein Ende mit Schrecken?
    Stark: Es geht hier nicht nur um ein Land allein, es geht auch um die Glaubwürdigkeit des europäischen Integrationsprozesses. Grundprinzipien darf man nicht noch weiter dehnen oder umgehen. ..... Natürlich bedeutet ein möglicher Ausstieg aus der Währungsunion kurzfristig enorme Kosten für das betreffende Land und den Rest Europas. Aber der Stabilität des Euroraums würde es mittelfristig sogar helfen, wenn ein Land, das sich für den Euroraum nicht qualifiziert hat, diesen vorübergehend verlassen muss. .....
    Die Größe des Brandschutzes in Europa ist unerheblich. Sie können jede beliebige Zahl nennen – sie wird von den Finanzmärkten immer als zu gering und von der Politik als zu hoch betrachtet werden. Wenn die Euro-Mitglieder den jetzigen Integrationsgrad mit gemeinsamer Währung und gemeinsamen Binnenmarkt behalten wollen, müssen sie die Reformen nicht nur in den Krisenländern, sondern generell rasch vorantreiben. .....
    Es gibt derzeit die ungute Tendenz der Notenbanken, mehr Inflation zuzulassen. Wir werden also höhere Inflationsraten sehen. Dabei kann man die Inflation zum Beispiel in Europa kurzfristig und regional nicht so steuern, wie das manche Ökonomie-Mechaniker im Kopf haben. Sie fällt meist stärker aus, als man zuvor dachte, und sie verharrt sehr hartnäckig auf hohem Niveau. .....
    Welt Online: Einige Ökonomen denken längst laut darüber nach, die hohen Schuldenstände wegzuinflationieren.
    Stark: Ich weiß. Manche sagen sogar höhere Inflation ist die Lösung und nicht das Problem. Dies ist ein Denken in die falsche Richtung. Inflation wirkt wie eine Steuer und trifft besonders die sozial Schwachen. Eine höhere Teuerung mindert den Druck auf Regierungen, die nötigen Anpassungen durchzuführen. Das hat noch mehr Inflation zur Folge. Damit werden die Kosten, eines Tages für Stabilität zu sorgen, immer höher."
    Zusammenfassung:
    a) Man hätte Griechenland gleich zu Beginn der griechischen Staatsschuldenkrise aus der Eurozone rauswerfen sollen [was ich implizit - mit meiner Forderung nach Nicht-Unterstützung - schon vorher, im Jahr 2009, gefordert habe!]  und
    b) Die Notenbanken machen bewusst eine inflationäre Politik, und die können sie auch nicht auf die Schnelle rückgängig machen [was ich mit dem vorliegenden Blott sage!].


    Nachtrag 28.05.2012
    Zu den inflationären Tendenzen und darüber, wie Inflation den Staaten nützt, weil sie die Schuldentilgung erleichtert, und mit welchen Methoden die Staaten ihre Anleger zwingen, Niedrigzinsen zu akzeptieren, informiert heute in der FAZ Dyrk Scherff unter "Auswirkungen der Inflation. Die Enteignung der Sparer".


    Nachtrag 29.05.2012
    Noch haben wir keine Inflation, aber viele Bürger handeln schon in der Erwartung einer künftigen starken Geldentwertung. Das löst in Deutschland nunmehr auch einen (möglicherweise ungesunden) Immobilienboom aus. Einen sehr langen Artikel zum Thema Inflation und Möglichkeiten zur Wertsicherung der privaten Vermögen hat heute das Handelsblatt u. d. T. "Geld. Die Angst der Deutschen vor der Inflation" publiziert:
    "Aus Angst, ihr Geld verliere an Wert, geben es die Deutschen aus. Sie kaufen Immobilien, sanieren ihre Häuser oder gönnen sich ein wenig Luxus. Aber ist die Angst berechtigt? Und wie lässt sich das Vermögen schützen?"
    Ich denke, auch die Zunahme derartiger Berichte ist ein Indiz dafür, dass uns eine galoppierende Inflation ins Haus steht.



    ceterum censeo

    Der Wundbrand zerfrisst das alte Europa,
    weil es zu feige ist ein krankes Glied zu amputieren!

    POPULISTISCHES MANIFEST
    (für die Rettung von ? Billionen Steuereuronen!):
    Ein Gespenst geht um in Deutschland - das Gespenst einer europäischen Transferunion und Haftungsunion.
    Im Herzland des alten Europa haben sich die Finanzinteressen mit sämtlichen Parteien des Bundestages zu einer unheiligen Hatz auf die Geldbörsen des Volkes verbündet:
    ·        Die Schwarzen Wendehälse (die unserem Bundesadler den Hals zum Pleitegeier wenden werden),
    ·        Die Roten Schafsnasen (vertrauensvoll-gutgläubig, wie wir Proletarier halt sind),
    ·        Die Grünen Postmaterialisten (Entmaterialisierer unserer Steuergelder wie unserer Wirtschaftskraft),
    ·        Die machtbesoffenen Blauen (gelb vor Feigheit und griechisch vor Klientelismus), und selbstverständlich auch
    ·        Die Blutroten (welch letztere die Steuergroschen unserer Witwen, Waisen und Arbeiter gerne auflagenlos, also in noch größerer Menge, gen Süden senden möchten).
    Wo ist die Opposition im Volke, die nicht von unseren Regierenden wie von deren scheinoppositionellen Komplizen als Stammtischschwätzer verschrien worden wäre, wo die Oppositionspartei, welche sich der Verschleuderung der dem Volke abgepressten Tribute an die europäischen Verschwendungsbrüder wie an die unersättlichen Finanzmärkte widersetzt hätte?
    Zweierlei geht aus dieser Tatsache hervor:
    Das Volk wird von fast keinem einzigen Politiker als Macht anerkannt.
    Es ist hohe Zeit, dass wir, das Volk, unsere Anschauungsweise, den Zweck unserer Besteuerung und unsere Tendenzen gegen die fortgesetzte Ausplünderung durch das Finanzkapital bzw. durch die Bewohner anderer Länder und durch seine/deren politische Helfershelfer vor der ganzen Welt offen darlegen und dem Märchen von dem grenzenlosen Langmut der Deutschen den Zorn des Volkes selbst entgegenstellen.

    Textstand vom 29.05.2012. Gesamtübersicht der Blog-Einträge (Blotts) auf meiner Webseite http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm. Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

    Kommentare:

    1. "Das Volk wird von fast keinem einzigen Politiker als Macht anerkannt"

      - Was redest Du da Burkhardt?

      Fürchten die Politiker nicht die Wahlentscheidung des Volkes?
      Deine Analyse der Finanzsache mag richtig sein.

      Aber wie du schreibst - "das Volk" - klingt verbissen, wie Horst Mahler und ist unlesbar.
      Schreibst Du eigentlich für den Mond oder für wen? Niemand liest Dich.

      Schreib doch mal einen kurzen aber klugen Kommentar zu irgendeinem Artikel des Handelsblattes, der FAZ, der Süddeutschen etc. - wo andere auch schreiben und Dich dann auch lesen. Bist Du eigentlich immer noch Anhänger der 'Deutschen Reichspartei' - wie zu Schulzeiten`? So polemisch verbissen national, eigentlich widerlich, wie Du schreibst, kann man das denken.

      All the best - Klaus


      Wo andere Leute auch schreiben -

      AntwortenLöschen
    2. Da die Zeichenmenge für Kommentare auf 4.096 begrenzt ist, hier Teil I meiner Antwort:

      Nein, in Sachen Eurozonen-Rettung fürchten die deutschen Politiker die Wahlentscheidung offensichtlich NICHT. Weil DIESES politische Aktionsfeld kartellbeherrscht ist: INSOWEIT gibt es bei uns keine (akzeptable) Konkurrenz.
      Von Horst Mahler habe ich noch nichts gelesen; ich weiß über ihn nur, dass er zur 68er-Zeit auf Seiten der extremen Linken stand, und mittlerweile zur extremen Rechten abgedriftet ist. Gegensätze ziehen sich offenbar an, bzw. sie ziehen, mit welchen Inhalten auch immer, jene an, die auf der Suche nach Glaubensgewissheiten sind.
      Im Gegensatz zu Leuten wie Joschka Fischer oder Horst Mahler hat sich meine politische Position nicht geändert: ich war damals Patriot und bin es heute ebenso. Ich war nie Mitglied der DRP, habe aber in deren Partei-Postille, der (Deutschen?) Reichspost, um ca. 1965 einen (oder waren es sogar zwei?) langen Artikel veröffentlicht. Damals hatte ich die Meinung geäußert, dass ein intelligenter Patriotismus auf eine Vereinigung Europas hinarbeiten müsse, weil Deutschland allein weltweit zu unbedeutend sei, um im Wettkampf zu bestehen. Nachdem dieses Argument in der letzten Zeit jedoch dazu missbraucht wird, die deutschen Steuerzahler zum Wohle der Anleihebesitzer und der eurozonären Schuldnerstaaten auszubeuten, werde ich zunehmend euroskeptisch. Ein Lazarettschiff ist kein geeignetes Gefährt, um sich im Weltmeer der Interessen wendig zu bewegen; dann notfalls lieber allein im Schnellboot reisen!

      Da die Deutsche Reichspartei nicht mehr existiert, unterstellst du mir im Grunde, dass ich Anhänger der NPD oder der Republikaner wäre.
      Mir ist schleierhaft, wie jemand aus einer reinen Analyse meiner Texte auf diese Idee kommen kann. Die bloße Verwendung des Begriffs "Volk" in meinem Text trägt eine solche Interpretation wohl kaum. Tatsächlich stellst du ja auch auf meine politische 'Vorgeschichte' ab. Auch deren Kenntnis ist jedoch kein Ersatz für einen analytische Nachweis, welche meiner Textpassagen aus welchen Gründen rechtsradikal sein sollen.

      Es mag ja sein, dass die Länge meiner Texte diese für manche Leser verbissen erscheinen lässt, zumal vor dem Hintergrund der anscheinenden Aussichtslosigkeit meines Kampfes gegen eine europäische Haftungsunion. Wieso du eine 'Verbissenheit' aber spezifisch an meiner Verwendung des Begriffs "Volk" festmachen willst - das ist mir denn doch einigermaßen schleierhaft.
      Mein "populistisches Manifest" ironisiert in Titel und Text jene aktuelle Propaganda, welche den Kampf gegen eine eurozonäre Haftungsunion als "Populismus" zu diskreditieren sucht. Als Travestie des Kommunistischen Manifests von Karl Marx transportiert natürlich auch mein Manifest das um 1850 gängige Pathos. Wenn dadurch (wie ich vermute) insbesondere der letzte Absatz meines Manifests auf dich (oder andere) rechtsradikal wirkt, dann kann ich nur ein mangelndes Hintergrundverständnis konstatieren.

      Indem ich den Anhang mit dem berühmten catonischen "ceterum censeo" gegen den Blott abgrenze mache ich klar, dass er nicht zwangsläufig in einem Zusammenhang zu dem jeweiligen Blog-Eintrag steht. Hier geht es im Eintrag selbst um Inflationsgefahren; im "ceterum censeo" agitiere ich dagegen, dass ich und meine Mitbürger als deutsche Steuerzahler zu Lasteseln der Anleihebesitzer und der südeuropäischen und französischen Verschuldungskönige gemacht wurden, und zukünftig in noch größerem Umfang gemacht werden sollen.
      Wie du dich in DIESER Frage positionierst, lässt dein Kommentar nicht erkennen.

      AntwortenLöschen
    3. Nachfolgend der 2. Teil meiner Antwort zum Kommentar von Klaus vom 16.01.12:


      Dass die Haftungsanhänger die Haftunsgegner als Rechtsradikale diskreditieren und den nächsten Krieg an die Wand malen, falls Blödmichel nicht blecht, kann ich ja noch verstehen. (Intelligent ist eine solche Strategie freilich nicht. Sie riskiert nämlich, den Widerwillen gegen eine Haftungsunion in einen Widerwillen gegen Europa zu transformieren.) Aber für die Haftungsbefürworter selbst ist das ein reines Propagandamanöver; in Wahrheit glauben die keineswegs, dass die Gegner einer Haftungsunion Rechtsradikale sind.
      Auch vor diesem Hintergrund ist es für mich ausgesprochen verwunderlich, dass du meine Positionierung gegen eine Haftungsunion offenbar ernsthaft als rechtsradikal empfindest: muss ich dich als Propagandaopfer einschätzen?

      Leserkommentare (FAZ, Handelsblatt, manchmal Financial Times Deutschland) schreibe ich neben meinen Blog-Texten auch. Erstere haben eine meinungsbildende Funktion und dürfen (und sollten) deshalb kurz sein. Meine Blog-Artikel haben aber großenteils andere bzw. darüber hinaus gehende Funktionen: Informationsspeicher (deswegen die zahlreichen Nachträge, noch nach Jahren, zu einzelnen Einträge), Tagebuch (teils intellektueller, teils - insbesondere in meinem Schwanbürger-Blog - privater Natur) und vor allem Analyse. Konkret folgt daraus z. B., dass ich mich nicht für klug halten würde, wenn ich den Vorwurf von Rechts- oder Linksradikalismus gegen einen Text bloß behaupten würde, anstatt ihn überzeugend zu substantiieren.
      Noch weniger lassen sich komplexe sozioökonomische Zusammenhänge in kurzen Texten darstellen, geschweige denn analysieren. Lieber nehme ich in Kauf, nicht gelesen zu werden, als Analysen durch kurze knackige Glaubensbekenntnisse zu ersetzen. So bleibt mir zumindest noch die Hoffnung, wenigstens selber einen Erkenntnisnutzen aus meiner schriftlichen Auseinandersetzung mit bestimmten Themenkomplexen zu ziehen.
      Ich könnte den gleichen Sachverhalt freilich auch anders formulieren: Lange analytische Texte versuchen, potentielle Leser als Mit-Denkende anzusprechen. Sie entsprechen daher dem Habermas'schen Diskursethos.
      Auch von daher bin ich bass erstaunt, wie jemand meine Texte als rechtsextrem apperzipieren kann.

      AntwortenLöschen
    4. Korrektur:
      "Das publizistische Organ (Mitgliederzeitung) der DRP war der Reichsruf" (also nicht "Reichspost", wie ich in meinem ersten Kommentar irrtümlich geschrieben hatte. (Vgl. Wikipedia-Eintrag zu Deutsche Reichspartei - http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Reichspartei)

      AntwortenLöschen
    5. Mein Kommentar war sicherlich etwas unfair. Mit der Biographie Horst Mahlers oder der NPD hast du nichts bis herzlich wenig gemein. Tut mir leid. Aber Begriffe wie 'Kotz-Korporatismus', Steuerveruntreungs-gesindel', 'Berliner Blockparteien' etc. stören mich. 'Blockparteien' geht noch aber kotzen und Gesindel haben ja keinerlei analytische Aussagekraft.
      _________________________

      "Damals hatte ich die Meinung geäußert, dass ein intelligenter Patriotismus auf eine Vereinigung Europas hinarbeiten müsse, weil Deutschland allein weltweit zu unbedeutend sei, um im Wettkampf zu bestehen."

      'Aha', denken bei diesem Argument die anderen Europäer, 'die Deutschen benutzen uns für ihren Patriotismus'.
      In Wahrheit war es ja zum Glück umgekehrt: die Deutschen haben Europa benutzt GEGEN ihren Patriotismus.
      __________________________

      Noch einen Kommentar zu Sarrazin: Ich habe nur eine Passage gelesen, in der du sagst: "Gequassel vom angeblichen jüdischen (und baskischen) Gen". Gene sind Proteinketten und selbstverständlich haben bestimmte ethnische Gruppen bestimmte Gene gemeinsam. Das hängt einfach damit zusammen wie hoch die Endogamie in diesen Gruppen über lange Zeiträume war. Das hat nichts mit einem bakischen oder z.B. askenasisch-jüdischem 'Charaktergen' zu tun. Aber so wurde es - offensichtlich auch von dir - misverstanden.

      Beste Grüße -- Klaus

      AntwortenLöschen
    6. 1) Blogfunktion/Ausdrucksweise:
      Selbstverständlich haben meine Blog-Einträge nicht nur bzw. nicht alle eine analytische Funktion. Viele wollen auch ganz oder teilweise die Meinungsbildung zu beeinflussen und haben dann natürlich einen agitatorischen Charakter. Wenn du insoweit meine Ausdrucksweise teilweise für unangemessen hältst, dann würde ich dir auf einer rein abstrakten Ebene sogar zustimmen. Inhaltlich kehren sich bei mir allerdings die Vorzeichen um: was dir zu grob erscheint, ist in meinen Augen noch viel zu schwach, um meinen Hass auf eine Politik auszudrücken, die uns mittlerweile (einschl. "Target"-Risiken der Deutschen Bundesbank) ein Haftungsrisiko etwa in Höhe des doppelten deutschen Bundeshaushalts aufgeladen hat.

      2a) Patriotismus hat zwar auch etwas mit Gefühlen zu tun, für mich aber in erster Linie mit Interessen. Als Angehöriger des Deutschen Volkes, der auch hier lebt, bin ich Patriot schon aus Eigennutz: Nur wenn es meinem Volk nicht gut geht, wird es (wahrscheinlich) auch mir gut gehen. Insoweit hoffe ich doch, dass ALLE Europäer die Einigung als Akt des Patriotismus verstehen, bei denen der eigene Nutzen kein fremder Schaden ist. Nur als "Win-Win"-Modell wird die europäische Einigung Bestand haben; dagegen geht deine Überlegung unterschwellig von einem Win-Lose-Szenario aus.
      2b) Wenn du europäische Einigung und deutschen Patriotismus implizit als Gegensätze darstellst, verwendest du den Begriff "Patriotismus" lediglich auf der Zeichenebene. Auf der Bedeutungsebene hast du ihn unterbewusst durch "Nationalismus" ersetzt. Dem gegenüber akzeptiere ich, auch vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte, kein Patriotismusverbot für Deutschland. Für uns ist die Wahrung unserer vitalen Interessen ebenso legitim wie für andere Völker.

      3) Die von dir zitierte Passage finde ich nicht. Die Vorstellung eines "jüdischen Charakters" ist mir fremd; ich bin schließlich nicht Julius Streicher. Sicherlich haben Juden im Durchschnitt eine höhere Intelligenz als andere Personengruppen. Mir ist aber nicht bekannt, dass die Wissenschaft insoweit einen Kausalzusammenhang mit einer spezifischen genetischen Ausstattung bei den Juden etabliert hätte. Dem entsprechend behaupte auch ich keinen solchen.
      Eventuelle Denk- oder Forschungsverbote würde ich bei der Genforschung selbstverständlich ebenso wenig akzeptieren, wie ich das in anderen Bereichen tue (http://beltwild.blogspot.com/2011/12/vorkampfer-der-finsternis.html).

      AntwortenLöschen
    7. Mit 'Europa GEGEN den deutschen Patriotismus' meine ich fogendes:

      Die deutsche Politik verfolgte eine Loyalitätsverschiebung von Deutschland auf Europa. Ökonomisch waren wir dabei Nettoeinzahler. Auch die Euroeinführung war so politisch motiviert: Weg von der Liebe/Loyalität zur Mark hin zu einer gemeinsamen Währung, in der wir unsere deutsche 'monetäre Identität' aufgeben. Das war alles motiviert um vor unseren Nachbarn - und bei uns selbst - das 'Deutschland über alles' zu neutralisieren.
      _______________________

      Meinen Sarrazin-Gen Kommentar meinte ich anders. Ich meinte, du kritisierst Sarrazins Gen-Aussage weil du sie misverstanden hast - so wie sie allgemein aus Ignoranz misverstanden wurde. Sarrazin sprach in dem Interview in der Welt am Sonntag (29/8/10) von kultureller Identität. Darauf hin fragten die Interviewer:

      "Gibt es auch eine genetische Identität?"
      Sarrazin:"Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden."

      Ich bezweifle, dass ALLE Juden ein bestimmtes Gen teilen. Aber der Genpool von bestimmten Gruppen, die über lange Zeiträume isoliert gelebt und nahezu 100% Endogamie hatten, bleibt sehr homogen. Das ist, was Genforscher und wohl auch Sarrazin meinte. Er wählte nicht zufällig als Beispiele die Juden und Basken. Sie gelten unter Anthropologen als zwei der ältesten ethnischen Gruppen. Ich glaube, das war dir nicht bewußt.

      Gruß - Klaus

      AntwortenLöschen
    8. Hallo Klaus,

      es mag schon sein, dass die Vorstellung einer "Bändigung" Deutschlands bei der europäischen Einigung eine Rolle gespielt hat. Nur mussten natürlich die anderen Völker in gleichem Maße ihre Souveränität für diese Einigung in gleichem Maße aufgeben wie Deutschland. Das hätten die sicherlich nicht getan, wenn sie sich davon nicht auch in anderer Hinsicht Vorteile versprochen hätten (z. B. "economies of scale" in einer Freihandelszone - wie Deutschland das im 19. Jh. ja vorgemacht hat).
      Anders gesagt: Die eventuelle Zielsetzung einer Zähmung Deutschlands (die mir angesichts der Machtverhältnisse nach 1945 ohnehin einigermaßen atavistisch erscheint) schließt nicht aus, dass die europäische Einigung auch andere Vorteile bringt. Und weil ich selbst insbesondere diese anderen - ökonomischen, theoretisch auch politischen - Vorteile im Auge habe, sehe ich auch keinen Widerspruch darin, wenn ich ganz bewusst als deutscher Patriot für eine europäische Einigung eintrete (oder jedenfalls früher dafür eingetreten bin).

      Dass Frankreich die Aufgabe der D-Mark als Bedingung für die Zustimmung zur deutschen Einheit gemacht hat, habe ich gelesen. Ob das zutrifft, und ggf. mit welchen Überlegungen "wir" (Helmut Kohl) zugestimmt haben, ist mir nicht bekannt; damit habe ich mich nicht näher beschäftigt. Grundsätzlich ist ein größerer Währungsraum natürlich nicht schlecht. Aber wenn man darin mit einem Volk wie den Griechen gefangen ist, und wenn in der Europäischen Zentralbank Malta die gleiche Stimmenzahl hat wie Deutschland, dann ist dass ausgesprochen Scheiße.
      (Á propos Griechenland: heute waren wir in Füssen um 12.00h in einem neu eröffneten griechischen Lokal im ehemaligen Klostergebäude von St. Mang und wollten dort zu Mittag essen. Eine Dame -Kellnerin, Eigentümerin?- fragte uns, ob wir Englisch sprechen -Deutsch konnte sie nämlich nicht- und erklärte dann, dass wir uns gern hinsetzen dürften, dass das Restaurant aber erst in etwa einer viertel Stunde öffnen würde. Ich habe mich höflich bedankt und gesagt, dass wir unter diesen Umständen später wiederkommen. Tatsächlich werden wir ein derartiges Lokal natürlich nie im Leben noch einmal betreten. Da wundert man sich nicht, wenn dieses Volk ökonomisch den Arsch nicht hochkriegt!)

      In Sachen Sarrazin/"Juden-Gen" kann ich nichts weiter sagen; da müsstest du mir meine konkrete Textstelle nennen.
      Auf jeden Fall hat Thilo Sarrazin in meinen Augen (und hinterher hat er das vermutlich auch selbst so gesehen) sein Anliegen mit diesem 'Gen-Hinweis' diskreditiert, egal, wie er diese Bezugnahme gemeint hat oder wie sie richtig auszulegen ist.

      Gruß Burkhardt

      AntwortenLöschen
    9. Korrektur:
      In meinem Kommentar vom 18.01.12 ist in dem Satz "Nur wenn es meinem Volk nicht gut geht" das "nicht" natürlich zu streichen. Richtig lautet die Passage somit:

      "... bin ich Patriot schon aus Eigennutz: Nur wenn es meinem Volk gut geht, wird es (wahrscheinlich) auch mir gut gehen."

      AntwortenLöschen
    10. Okay Burkhardt. - Beste Grüße Klaus

      AntwortenLöschen