Mittwoch, 2. September 2026

"Nazi-Keule"? Aber gerne! Wenn sie den EIGENEN Interessen dient. Und nicht allzu tief hinterfragt wird .....

 
Dr. Hans-Thomas Tillschneider ist ein hochintelligenter Kopf. Und scheint als Islamwissenschaftler in den einschlägigen Kreisen durchaus Respekt zu genießen.
Seit geraumer Zeit ist er freilich nicht mehr an der Universität aktiv, sondern in der AfD. Dort ist er lt. Wikipedia  stellvertretender Landesvorsitzender der AfD Sachsen-Anhalt und 2. stellvertretender Vorsitzender der AfD-Fraktion im dortigen Landtag.
Aber auch große Intelligenz ist keine Versicherung dagegen, krause politische Vorstellungen zu haben. Auch die AfD-Co-Vorsitzende Alice Weidel ist hochintelligent; sie hat nicht nur gleichzeitig Volkswirtschafts- und Betriebswirtschaftslehre studiert, sondern sich auch die chinesische Sprache im Selbststudium beigebracht. Das alles hindert sie aber nicht daran, einer primitiven Geldtheorie nachzudackeln.

Noch in Zeiten meiner eigenen, mittlerweile längst beendeten, AfD-Parteimitgliedschaft hatten Tillschneider und ich schon einmal die Klingen gekreuzt. Damals ging es um die Schrebergartenideologie des "Ethnopluralismus". Diese Kontroverse hatte, was Tillschneiders Seite angeht (meine wurde lediglich im notwendigen Umfang referiert) sogar Eingang in die Fachliteratur gefunden:
  • B.A.-Arbeit "Antisemitismus in der Neuen Rechten. Sozialpsychologische Analysen" von Tobias G. Löttgen an der Ruhr-Universität Bochum, S. 22 f. unter "Antiamerikanismus"  (August 2018; Link nicht mehr auffindbar).
  • Prof. Hermann K. Heußner von der Hochschule Osnabrück hat zu seinem Vortrag "Die Demokratie und ihre Feinde" eine Literaturliste ins Internet eingestellt, wo auch Tillschneiders Aufsatz  v. 24.8.2016 auf der (inzwischen inexistenten) Webseite der Patriotischen Plattform, "Weder Islamisierung noch Amerikanisierung. Eine Replik auf Burkhardt Brinkmanns Streitschrift gegen die Tillschneider-Truppe" aufgeführt ist.


"Freundschaft mit Russland entspricht unserem Interesse und hat deshalb nichts mit Unterwerfung zu tun, ganz im Gegenteil. Würden wir sie gegen die massiven Widerstände unserer Feinde durchsetzen, wäre sie Ausdruck höchster Souveränität." ("Ukraine, Remigration und Boomer-Gerede: Die Stunde der nützlichen Idioten", 26.06.25)
Bei Russland sabbeln Putins nützliche Idioten von "Freundschaft", während die uns bei den USA ständig ermahnen "Staaten haben keine Freunde, Staaten haben Interessen". Was weitgehend zutrifft - auch wenn man sich unter Freunden schon mal uneigennützig hilft. Nicht selten in Erwartung späterer Gegenleistung. Putin/Russland hat nicht das mindeste Interesse daran, Deutschland zu stärken. Sondern international zu isolieren, damit es sich letztlich an Russland anlehnen muss. Die Putinisten-AfD wird keinen Finger für die Baltenstaaten krumm machen, wenn Russland auch die überfällt. Das werden die tun - wenn die den Eindruck bekommen, dass die leichte Beute sind und keine Hilfe bekommen.

"Der ukrainische Nationalismus ist damals gezielt und zum Schaden der Ukraine selbst ins Extreme übersteigert und gegen Russland aufgebaut worden."
Das muss ausgerechnet ein deutschnationaler und extremsouveränistischer ("Westbindung ist keine Alternative", 01.07.25; vgl. auch "Die Befreiung vollenden! – Dimensionen des 8. Mai", 10.05.24) AfDler sagen, der an anderer Stelle schreibt ("Nord-Stream war Ausdruck deutscher Souveränität!", 16.03.23): "die AfD ... [ist] nicht die Partei der westlichen Werte, sondern der deutschen Souveränität".

Die Ukraine hat Russland nichts getan. Dass ein Staat seine souveränen Rechte ausübt, ist den Ukraine-Kritikern für Deutschland selbstverständlich. Jedoch den minderwertigen Ostvölkern, die dem gierig erhofften deutschem Rebbach mit Russland entgegenstehen, wollen diese Heuchler allenfalls eine Souveränität minderen Ranges zubilligen. Deshalb möchten sie die auch nicht verteidigen oder denen Waffen liefern, der Ukraine ebenso wenig wie ggf. den Baltenländern. Die AfD-Ukraine-Hasser gieren nach guten Geschäften; dazu reichen sie Russland ihrem Hand auch gerne über die Leichenberge der Soldaten überfallenen Länder hinweg: 'Sind nicht unsere Toten, gehen uns nichts an. Hätten doch nur zu kapitulieren brauchen?! Selber Schuld, wenn die so stur ihre Souveränität verteidigen!'

Was aber hätten diese Geschäfte (nach Aufhebung der Sanktionen gegen Russland, soweit es um Deutschland geht) zur Folge? Russland würde in Deutschland Speicherchips, Präzisions-Werkzeugmaschinen, Transportmittel und viele andere für seinen Krieg gegen die Ukraine nützliche Dinge einkaufen. Daher gilt
WER FORDERT; DASS DEUTSCHLAND DIE SANKTIONEN GEGEN  RUSSLAND AUFHEBT, WILL UNSER LAND ZUM MORDHELFER AN DEN HELDENHAFT KÄMPFENDEN UKRAINISCHEN PATRIOTEN MACHEN. INSOFERN GEHEN PUTINISTEN REGELRECHT ÜBER LEICHEN!


"Man sagt, Deutschland würde in der Ukraine verteidigt – wobei 'Deutschland' in diesem Kontext heißt, dass man das vergangene Hitler-Deutschland mobilisiert, um das woke Regenbogendeutschland zu verteidigen." ("Ukraine, Remigration und Boomer-Gerede: Die Stunde der nützlichen Idioten", 26.06.25).
Hier wird suggeriert, deutsche Politiker wollten unser Land gegen Russland in den Krieg führen. Ich kenne keinen Politiker, der das will. Wohl aber ist dies das Propaganda-Narrativ des autokratischen Kleoptokraten im Kreml, um jegliche deutsche (bzw. überhaupt westliche) Unterstützung der Ukraine zu diskreditieren und den Vollhosen-Pazifisten Angst einzujagen.

So richtig interessant ist in diesem Zusammenhang aber etwas anderes: Dass nämlich ein Mitglied einer Partei, die sich ständig (und teilweise durchaus zu Recht) über die Verwendung der Nazi-Keule gegen sie beschwert, nun selber völlig skrupellos diese Keule rausholt, um russischen Interessen zu dienen und die WAHREN Patrioten anzuschmieren.
Tatsächlich war genau DAS Hitlers Politik: Über die Leichen der 'Zwischenländer' (Zitat Höcke) gehen, um Business mit der Sowjetunion zu machen! An Deutschlands Rücksichtslosigkeit gegenüber den ostmitteleuropäischen Ländern änderte sich damals auch dann nichts, nachdem Hitler die SU überfallen hatte.

Übrigens hatte auch "PuTino" Chrupalla ins russische Horn der Nazi-Anschuldigungen  gegen  Ukrainer geblasen (Hervorhebung d. Vf.):
"Gerade in der Ukraine lassen sich junge Leute mit neonazistischen Parolen gegen die Russen aufstacheln. Aus Naivität, falscher Berechnung oder fehlgeleitetem Nationalismus lassen sie sich als Spielball hegemonialer Interessen in einem weltpolitischen Spiel mißbrauchen, das sie nicht verstehen."
So redet keine "Friedenspartei", die Nazi-Keule gegen die Ukraine schwingen nur skrupellose Schoßhündchen des neostalinistischen Kreml-Kleptokraten!

Und in einem anderen Blogpost ("Nehmt Abstand vom wankenden Koloß!", 14.03.22; Hervorhebung d. Vf.) behauptet Tillschneider, dass "jetzt in der Ukraine im vollen historischen Sinn des Begriffs faschistische Hypernationalisten gerne gesehene Partner sind, solange sie gegen die – aus Sicht der USA – Richtigen vorgehen". Wirkt perfekt dressiert, Putins Schoßhündchen.

Im Übrigen hält Tillschneider die Russen offenbar für doof - oder er ist selber komplett unterbelichtet. Großzügig will er den Russen ihren Anteil von Ostpreußen schenken ("Schuld anerkennen, Schuldkult beenden!", 15.09.23):
"Wenn wir den Verlust von Ostpreußen nicht zähneknirschend und heimlich auf Restitution bedacht nur zum Schein hinnehmen, sondern angesichts vergangener und unbestreitbarer Untaten als deutsches Sühneopfer anerkennen würden, freiwillig und großmütig, ohne nachzurechnen und nachzutragen, und wenn die andere Seite diese freundschaftliche Schonung erwidern würde, so daß in wechselseitiger Nachsicht kein Streit mehr zu verhärten drohte und jeder Konflikt sich löste und wenn wir so den Umstand, daß dieses Stück Preußen sich in russischer Hand befindet, als Unterpfand einer zukunftsträchtigen deutsch-russischen Freundschaft anerkennen würden, dann wäre diese Haltung Ausdruck von dem, was in aller Munde ist, was aber bislang noch kaum je geleistet wurde: Vergangenheitsbewältigung."
Dabei HAT Deutschland in dem "Vertrag über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland" (2+4-Vertrag) im Artikel 1 Abs. 1 und 3 längst auf jegliche Gebietsansprüche verzichtet. Tillschneiders "großzügiges" Angebot würde ganz im Gegenteil die Russen (sowie die anderen Vertragspartner, aber auch außenstehende europäische Staaten!) nur misstrauisch machen: 'Die Deutschen haben doch schon verzichtet; war das das etwa nicht ernst gemeint?'

EINSCHUB: WAS Deutschland tatsächlich tun sollte (und m. W. bisher noch nicht getan hat): Den Russen den Schatz von Troia (Schliemann-Schatz) schenken, also auf alle evtl. darauf bestehenden Ansprüche verzichten: "Freiwillig und großmütig, ohne nachzurechnen und nachzutragen". DAS wäre eine echte Versöhnungsgeste! Dann könnten russische Museen die Objekte auch für Ausstellungen nach Deutschland verleihen, weil sie die Gewissheit hätten, dass die hier nicht kurzerhand konfisziert werden.


Vom realen Russland hat Tillschneider offenbar keine Ahnung ("Nord-Stream war Ausdruck deutscher Souveränität!", 15.03.23)). Oder er täuscht seine Leser vorsätzlich, um seinem moskowitischen Herrchen zu dienen:
"Ein Rußland, das russisch sein will und nicht nur seine Souveränität, sondern auch seine Identität verteidigen will, steht einem Deutschland, das deutsch sein will, kulturell näher als die USA, für die unser europäisches Verständnis von nationaler Identität ein Fremdwort ist. Der Melting Pot USA ist die Blaupause für den Weltstaat, in dem alle Kulturen und Nationen aufgehoben sind."
Ich selbst kenne Russland nicht aus eigener Anschauung. Aber das das ein Vielvölkerstaat ist und somit im günstigsten Falle ein "melting pot" (im schlimmsten Falle ein "failed state"), das gehört zur Allgemeinbildung. Außer offenbar bei AfD-Putinisten.

Das AfD-Parteimitglied Tim ("Timmy") Schramm, das einige Zeit auf Seiten der Ukraine gekämpft hat, war selber in Russland. Und zwar m. W. mit dem Auto. Er hat also nicht nur jene Schokoladenseiten gesehen, die Russland ausländischen Konferenzteilnehmern zweifellos präsentiert - vielleicht noch mit einem attraktiven Begleitprogramm. Schramm bezeichnet das Land als "Multikulti-Shithole":
„ 'In der Ukraine wird seit mehr als 3 Jahren verbissen das verteidigt, was uns Rechten am allerwichtigsten sein sollte. Freiheit, nationale Souveränität und Heimat', schreibt Schramm auf X. 'Es ist ein Kampf gegen ein imperialistisches Multikulti-Shithole, das unter dem Vorwand des ‚Antifaschismus‘ ein freies europäisches Volk vernichten und seine Identität auslöschen will – und welches auch unserem Land pausenlos droht“ erfährt man in der WELT (kostenpflichtig; Hervorhebung d. Vf.) bzw. direkt in seinem Tweet.

Dass es aber ein "Multi-Kulti-Land" ist, müsste eigentlich jeder wissen; die Anzahl der Muslime wird auf 17 - 20 Millionen geschätzt. Ob Russland auch ein "Shithole" ist, kann ich nicht beurteilen. Bestimmte allgemein bekannte Fakten machen das freilich durchaus plausibel: der hohe durchschnittliche Alkoholkonsum sowie häufige Berichte, dass die Lebensverhältnisse in Russland auf dem Lande weitaus schlechter sind als in den Städten. 

Verräterisch ist Tillschneiders Formulierung ("Nord-Stream war Ausdruck deutscher Souveränität!", 16.03.23; Hervorhebung d. Vf.):
"Die USA brauchen nach ihrem Divide-et-impera-Grundsatz gerade jenes Durcheinander und Nebeneinander von vor sich hin wurstelnden Nationalstaaten, die ja nicht auf die Idee kommen sollen, zu ihrem Schutz und Vorteil Bündnisse ohne Kontrolle durch die USA einzugehen."
Das ist ein massives Indiz dafür, dass Tillschneider Deutschland in ein Bündnis mit Russland einkerkern will (obwohl er ständig von deutscher Souveränität und von Neutralität redet). Und die Russen haben sicher nicht die Absicht, einseitig für uns einzutreten, ohne dass wir etwas für die tun. Gut möglich also, dass Tillschneider & Fans eines Tages Russland am Amur gegen China verteidigen müssten. Eine innere Neutralität schließt er ohnehin aus ("Transatlantiker gegen Eurasier", 07.10.2022). Zumindest in unseren mentalen Einstellungen will er uns also mit Haut und Haaren auf der Seite des korrupten Neostalinisten Putin einkeilen.

Und wenn Tillschneider im gleichen Text von "Infiltrationsversuche[n]" der AfD durch die "Transatlantiker" spricht, dann sollte man vielleicht überlegen, ob der Geheimdienstprofi Onkel Wladibär nicht vielleicht seinerseits seine Fanboys in die Partei einschleust. Und wer das wohl sein könnte?

Charakteristisch für Patriautisten vom Typ Tillschneider ist die totale Außerachtlassung der Interessen des avisierten Partners. Und die in Nationalistenkreisen übliche Fehleinschätzung (1917, 1939, 1941!) der Stärke potentieller Gegner ("Nehmt Abstand vom wankenden Koloß!", 14.03.22):
"Was die USA angeht, so haben wir in erster Linie ein Interesse, in Frieden gelassen zu werden – und auch das können wir, seitdem Trump nicht mehr Präsident ist, wohl nur mit Rußland durchsetzen".

Auch mit Russland kann Deutschland noch lange nicht gegen die USA anstinken. Das Gegenteil können sich nur einfältige AfD-Lollipolitiker ('"Ich will aber meinen Lolli haben, alles andere ist mir total egal!"), also nützliche Idioten des eiskalt kalkulierenden Machtpolitikers Wladibär, einbilden. Und davon abgesehen: Was wird denn der freundliche Herr P. im Gegenzug von UNS verlangen? Wenn wir uns völlig von ihm abhängig gemacht, weil mit allen anderen (den USA wie den europäischen Ländern) gründlich verdorben haben, hat der Freundschaftsfürst Wladibär Deutschland komplett in der Tasche!

Wo ist der Herr Tillschneider (und wo sind die anderen Kleptokratenküsser und Ukrainehasser in der AfD) falsch abgebogen???



ceterum censeo
Wer alle Immiggressoren der Welt in sein Land lässt, der ist nicht "weltoffen":
Der hat den A.... offen!
Textstand 02.09.2026

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