Sonntag, 4. Mai 2008

Bad Reichenhall: Das geplante Hallenbad, Sportbad oder Familienbad wird kein Spaßbad – für den Steuerzahler


Vorbemerkung: Hervorhebungen innerhalb der Texte stammen jeweils von mir


ALLGEMEINE INFOS ZU HALLENBÄDERN IN DER GEGEND
             

Das Schwimmbad stirbt, das Erlebnisbad boomt        RP1   
Rupertigau-Nachrichten; Katrin Detzel 14.12.2005
Der Artikel berichtet über die Situation Hallenbäder in kleinen Gemeinden der Gegend zwischen Chiemsee und Berchtesgaden. Auszug:
"Sie sind marode und ein riesiger Defizitbetrieb: die klassischen Schwimmbäder. Den Gemeinden bleibt oft nur die Schließung. Im Oktober 2002 war es in Rimsting soweit, seit Februar gibt es in Aschau kein Bad mehr, Unterwössen steht auf der Kippe. Schade für Einheimische, Touristen, vor allem aber den Schul-Schwimmunterricht. Der Gegentrend: Erlebnis- und Wellnessbäder boomen. Prienavera in Prien, Badepark Inzell, Chiemgau-Therme in Bad Endorf, Vita Alpina in Ruhpolding, Rupertustherme in Bad Reichenhall - alle in den vergangenen Jahren eröffnet oder großzügig erweitert. Ein Bad ohne Defizit gibt es nicht." … die Reit im Winkler brauchen nicht um ihr Bad bangen: «Bei dem Image als Wintersportort setzt der Gast ein Hallenbad voraus», so Bürgermeister Fritz Schmuck. Reit im Winkl könne es sich nicht leisten, sich das Bad nicht zu leisten. … Mehr Attraktivität und Energie sparen sind die Schlagworte für die Zukunft. …Der Inzeller Bürgermeister Martin Hobmaier nennt eine solche Einrichtung ein «unbedingtes Muss» für einen großen Tourismusort."
Diese Darstellung (das geschilderte "Hallenbadsterben" kennt man ja ohnehin aus zahllosen Gemeinden) wird man im Auge behalten müssen, wenn man die Alternative "Hallenbad – Spaßbad" für Bad Reichenhall beurteilen will.      
        
 RUPERTUSTHERME             

Rupertustherme: Badetempel übertrifft Erwartungen            RP2

Rupertigau-Nachrichten    Axel Heise 05.04.2006
Ein Bericht zum einjährigen Jubiläum des erst 2005 gebauten, sehr erfolgreichen Thermalbades. Schon damals war ein Sportbecken für die Therme im Gespräch. Auszug:
"Ein Jahr nach dem Start hat die Rupertustherme in Bad Reichenhall die Umsatz- und Besucherprognosen übertroffen. ... Bisher haben genau 321.557 Besucher den Badetempel am Rupertuspark besucht, das sind fast 80.000 … mehr als vor einem Jahr angenommen.

Nur sehr zurückhaltende Aussagen ließen sich die Politiker zum Thema Sportbecken als Ergänzung zur Therme entlocken. Seit dem Einsturz der Eishalle ist auch das Schwimmbad an der Münchner Allee geschlossen. «Wenn die Stadt hierzu ein Konzept vorlegt, sind wir gesprächsbereit, mehr aber auch nicht», sagte Staatssekretär Meyer … . Zunächst will die Therme aber die vorhandenen Kapazitäten noch besser nutzen, schließlich mussten die Mitarbeiter der Badelandschaft die Gäste zu Stoßzeiten auf eine Wartezeit von einer halben bis zu einer Stunde vertrösten. Auch bei den Liegen sei es gelegentlich zu Engpässen gekommen, so Kurdirektorin Gabriella Squarra."


Die Ruperti-Nachrichten (oder Rupertigau-Nachrichten) sind ein Anzeigenblatt aber, im Vergleich zu hiesigen Verhältnissen, mit erfreulich viel Text ("Anzeigenblätter kennt man auch anders. Die «Rosenheimer Nachrichten» bieten ambitionierten Lokaljournalismus in netter Aufmachung, dazu reichlich Werbung, aber nicht erdrückend. Die «Rosenheimer Nachrichten» (vom 9. Februar) wirken schon auf den ersten Blick wie eine ernst zu nehmende Zeitung. Vom Layout her fast ein bisschen brav. Der Leser darf wirklich lesen und nicht hauptsächlich Anzeigen anschauen" formulierte Sabine Deubler am 31.03.2006 zutreffend in dem u. g. ‚Brötchen-Artikel' des Medienmagazin «Der österreichische Journalist»".). Die Ruperti-Nachrichten erscheinen lt. Webseiten-Impressum im Verlag "INNdependent Media GmbH" in 83059 Kolbermoor (das Buchstabenspiel des verdoppelten "N" bezieht sich auf den Fluss Inn) als Ableger der Rosenheimer Nachrichten. Mehr über diese Mediengruppe bringen der Artikel "Gemeinsam Brötchen backen" und weitere Berichte anderer Medien, darunter hervorzuheben der Aufsatz "MonoPOLISten kochen doch auch nur mit Wasser" von Horst Müller vom 10.02.2006 aus dem Jahrbuch «Redaktion 2006» der Bundeszentrale für politische Bildung –bpb-.) Die Ausgaben der Rupertigau-Nachrichten seit dem 02.03.2006 sind hier online als pdf-Dateien abrufbar.
          

Bei der Konkurrenz von der regulären Tageszeitung "Reichenhaller Tagblatt" war die Berichterstattung aber offenbar weit ausführlicher. Auf der Webseite der Zeitung findet man die vollständigen Artikel nicht online. Pech für mich; wirtschaftlich ist es aber durchaus nachvollziehbar, dass diese Zeitung die Produkte ihrer journalistischen Arbeit nicht verschenken will und kann. Der nachfolgende Aufsatz aus dem Blatt steht dennoch vollständig im Netz, allerdings auf der Webseite des "Presseserver Uweb21" der Fa. "Primaweb Internet Agentur und SZ-EDV-Systeme GbR" in Freilassing. (Als Quelle wird der "Freilassinger Anzeiger" angegeben, vom 05.04.2006: das ist aber lediglich ein lokal unterschiedlicher Cover für das Reichenhaller Tagblatt.)
          

Ein Jahr Rupertustherme: Erstes Ergebnis übertrifft alle Erwartungen     RTGBL3

Der bayerische Finanzstaatssekretär Franz Meyer zieht eine positive Bilanz
Auch hier heißt es:
"Zu einem möglichen Anbau eines Schwimmbeckens oder Sportbades mochte er sich nicht äußern".
An anderer Stelle werden neben den Besucherzahlen auch die (phänomenalen) Umsatzzahlen genannt:
"Mit rund 320.000 Besuchern, einer täglichen Auslastung von rund 900 Gästen und einem Gesamtumsatz von guten 4,5 Millionen Euro liegt das Ergebnis nicht nur über den Erwartungen, sondern bereits jetzt bei dem nach einer Anlaufphase angepeilten Zuspruch. An Umsatz hatte die Kur-GmbH eigentlich knapp 3,4 Millionen Euro im Visier, tatsächlich waren es also fast 1,2 Millionen Euro mehr."
[Die Webseite des "Umwelt-Webdesign-Info" enthält ansonsten zahlreiche "Nachrichten und Meldungen zu Umwelt Natur Energie Solar und Klima", keineswegs nur mit lokalem Bezug. Den Betreiber Hermann Schubotz treibt die Furcht vor der anthropogenen Klimaänderung um.
Unter dem Gesichtspunkt von "Energiewende versus Klimawandel" sind sämtliche Pläne für neue energiezehrende Bäder ohnehin indiskutabel.
Ich selbst halte die vorhersehbare Ressourcenverknappung für das weitaus größere Problem, habe aber beide Aspekte bei der vorliegenden Debatte bewusst außen vor gelassen und argumentiere hier energetisch unter der Prämisse eines "weiter wie bisher". In meiner vorliegenden Studie möchte ich eine rein politisch-ökonomische Betrachtung fokussieren. Das Einbringen von Umweltaspekten würde die Diskussion nicht komplizieren: es würde sie, aus meiner Sicht, schlicht beenden.]

         

VORGESCHICHTE (BIS ZUM BÜRGERBEGEREN)


Abriss der Unglückshalle beginnt            RP4

Ruperti-Nachrichten Axel Heise 07.11.2006.
Der Betrieb der Schwimmhalle musste nach dem Einsturz der Eissporthalle eingestellt und später auch dieses Gebäude abgerissen werden. Während die Hinterbliebenen der Opfer traumatisiert waren, wurden weniger dramatisch betroffenen "Opfer" der Katastrophe von Besitzstands-Traumata geplagt. Nach dem Motto ‚Was wir mal hatten, wollen wir gefälligst auch in Zukunft wieder haben' kämpften Vereine um ein Sportbad und eine neue Eishalle. Mich erinnert diese Lobbyarbeit (später wird das noch weitaus massiver: die Schwimmer wollten "mit 70 Mann den Stadtrat stürmen" um ihre 6. Schwimmbahn –und vermutlich einige kostspieligere Wettkampf-Voraussetzungen wie Zuschauerränge- durchzusetzen – s. unten) an eine Passage in Milan Kunderas Roman "Die Unsterblichkeit" (vgl. meinen Blott "Ein Steinbruch der Unsterblichkeit"): "Die Welt ist zu einem Recht des Menschen geworden und alles in ihr ist zu einem Recht geworden: …": ein Menschenrecht auf überdachtes Sportschwimmen?
Textauszüge aus dem vorliegenden Zeitungsbericht:
Oberbürgermeister Lackner: Bei Neubau einer Eishalle eventuelle Zusammenarbeit mit Salzburg

"… Fix ist, dass ein Denkmal für die Opfer des Unglücks errichtet wird. … Gleichzeitig laufen die Planungen für den Neubau eines Schwimmbads. Der Stadtrat beschloss, Verhandlungen mit der Kur GmbH aufzunehmen. Das Konzept sieht vor, ein Sportbad an die Rupertustherme anzubauen. Geklärt werden muss, wer welche Kosten übernimmt. Die Kur GmbH gehört dem Freistaat Bayern (62 Prozent), Bad Reichenhall (31 Prozent) und Bayerisch Gmain (7 Prozent). Sie betreibt die im März 2005 eröffnete Rupertustherme. … Priorität hat also die Schwimmhalle, auch wenn Lackner den Neubau einer Eishalle noch nicht ad acta gelegt hat. «Unsere Finanzlage ist sehr angespannt. Alles auf einmal wäre eine zu schwere Bürde.»

Lackner kann sich aber vorstellen, dass Bad Reichenhall und Salzburg beim Bau einer neuen Eishalle an einem Strang ziehen. Ein Hintergrund wären die Olympischen Spiele 2014.

Kürzlich hat sich ein Verein namens GENESIS gegründet. Dieser setzt sich für den Neubau der Eishalle ein und sammelt Spenden. «18 Vereine sind durch den Einsturz und die Schließung der Sportstätte in ihrer Existenz bedroht», sagt Vorsitzender Bernhard Schmidt" [Schmidt wird uns später noch als Herausgeber des gelegentlich erscheinenden Reichenhaller Informationsblattes "POLIS" begegnen; derzeit -04/2008- ist die Vorsitzende allerdings eine Gudrun Horna. Schmidt ist, wie aus dem Artikel "POLIS - GENESIS - POLIS" in PO10 zu entnehmen, vom Vorsitz zurück getreten.]. ... «Unser Ziel ist und bleibt … eine Eishalle in Bad Reichenhall», so die Vertreter von Genesis." [Dieser Verein veranstaltet übrigens auch alljährlich im Dezember/Januar einen vermutlich bezaubernden "Winterzauber" im Kurpark; dazu hier eine Bildergalerie auf der Homepage.]
          

Reichenhaller Hallenbad beschlossen        RP5

Rupertigau-Nachrichten    Axel Heise 23.01.2007
Am 16.01.2007 war dem Reichenhaller Stadtrat erstmals der Vorschlag zum Neubau eines Mehrzweckbades, in Verbindung mit einer Erweiterung der Rupertus-Therme, unterbreitet worden. Die Kosten waren seinerzeit mit 14 Mio. € beziffert worden, explodierten dann aber innerhalb von nur einem halben Jahr auf ca. 24 Mio. Euro. (Der Betrag bezieht sich auf den Ausbau der RupertusTherme und den Neubau eines Sport- und Spaßbades insgesamt.) Aus den hier ausgewerteten Medienberichten vermag ich nicht zu erkennen, wie es zu einer derartig atemberaubenden Steigerung kam. Nur eine Rutsche (welche die SPD dann weglassen wollte – s. RP9) kann ja wohl kaum so viel kosten. Man fragt sich, ob da etwa auch Tribünen für die von den Schwimmsportlern geforderte Wettkampffähigkeit eingeplant wurden (was logisch zwingend erscheint, wenn denn diese 18.000 Seelen Kleinstadt glaubt, sich ein Wettkampfbad leisten zu können oder zu müssen.). Zuletzt wurden die geschätzten Kosten auf 20 Mio. reduziert (oder schöngerechnet – und bei der Ausführung explodieren sie dann wieder?). Beiläufig erfährt man später etwas über ein geplantes Außenbecken (unter Stadt21 in der Stellungnahme der Bürgerinitiative und nach dem Bürgerentscheid in dem zaghaften Vorschlag der Stadt, dieses zu streichen (vgl. in RTGBL25). Eine solche Streichung würde allerdings den Entlastungseffekt für die Therme vermutlich weitgehend zunichte machen.
Jedoch erfahren wir im folgenden Bericht auch einiges über die finanziellen Jongleurtricks aller Beteiligten (wie sie in der Politik wohl unvermeidlich sind): Stadt, Land, Kurbetrieb und die Gemeinde Bayrisch Gmain soll auch ein –bei letzerer sehr kleines- Scherflein beisteuern.
Zugleich liefert der Leiter des Thermenbetriebes hier –freilich vage- Information über die gleichzeitige Trennung und Verbindung von Vielzweckbad und Therme. Wie das allerdings im Detail funktionieren soll, ist mir schleierhaft. Ob die Bürger von Bad Reichenhall darüber genauere Informationen bekommen haben (z. B. in ihrer Heimatzeitung), weiß ich leider nicht. Ebenfalls ist für mich nicht deutlich geworden, auf welche Weise der Anbau eines Sport- und Familienbades an die Therme diese entlasten soll oder könnte.
Nachfolgend die im Zusammenhang mit meiner Betrachtung interessierenden Passagen des Zeitungsberichts:
"Fünf-Bahnen-Becken an der Rupertustherme - Moderate Preise für Sportler

Sportschwimmer in Bad Reichenhall sollen in drei Jahren wieder ihre Bahnen ziehen können. Für etwa 14 Millionen Euro entsteht an der Rupertustherme eine Schwimmhalle. Oberbürgermeister Herbert Lackner (CSU): «Wir haben den Verhandlungsspielraum ausgereizt und ein sehr gutes Ergebnis erreicht. Man darf es ja fast nicht laut sagen, dass wir mit Beteiligung des Freistaates ein Hallenbad bauen

Seit dem Einsturz der Eishalle müssen die Reichenhaller Schwimmer in Freilassing oder Berchtesgaden ihre Bahnen schwimmen. Nur im Sommer gibt es das beheizte Freibad Marzoll und den Thumsee. Staatssekretär im Finanzministerium Franz Meyer [sagte] «Von einer Konzentration der Bad Reichenhaller Badeeinrichtungen verspreche ich mir nicht nur erhebliche Synergieeffekte im laufenden Betrieb, sondern vor alle eine enorme Aufwertung der Rupertustherme insgesamt.» So begründet Franz Meyer das Engagement des Freistaates, der sich mit 6,3 Millionen Euro an der städtischen Schwimmhalle beteiligt. Die Stadt muss insgesamt 7,31 Millionen Euro bezahlen, die Gemeinde Bayerisch Gmain soll sich mit 390.000 am neuen Schwimmerbecken beteiligen. … Allerdings sieht FWG-Sprecher Gerhard Fuchs einen Pferdefuß: «Mir wäre es lieber gewesen, wenn der Neubau der Bades nicht mit den Anteilsverschiebungen bei der Kur GmbH verbunden worden wäre.» Voraussetzung der großzügigen Beteiligung des Freistaates Bayern ist nämlich, dass die Stadt Bad Reichenhall ihren Anteil an der Kur GmbH erhöht. Derzeit ist die Verteilung: Der Freistaat hält 62 Prozent, die Stadt Bad Reichenhall 31 Prozent und Bayerisch Gmain sieben Prozent. In Zukunft soll der Anteil des Freistaates auf 49,5 Prozent sinken. Die Stadt stockt dafür ihren Anteil um 12,5 Prozent auf und hält in Zukunft 43,5 Prozent. Sie muss dann auch in Zukunft einen höheren Anteil am Defizit der Kur GmbH tragen. …

Der Manager der Rupertustherme, Dirk Sasse, ist mit der Lösung zufrieden: «Das steigert auf alle Fälle die Attraktivität der Therme.» Und: Sportliches Schwimmen wird auch weiterhin zu moderaten Preisen möglich sein. «Es soll so sein, dass jemand der nur seine Bahnen schwimmen möchte, nicht den normalen Thermenpreis zahlt

Ein Drehkreuz zwischen dem Thermen und dem Sportschwimmerbereich soll dies möglich machen. «Und wenn jemand nach dem Schwimmen noch in die Sauna will, kann er das gerne machen. Ebenso ist es möglich, nach der Entspannung in der Therme noch ein paar Bahnen zu schwimmen», erklärt der Badmanager."
          

Investitionen: Der Freistaat steht zum Staatsbad        RP6

Ruperti-Nachrichten    Axel Heise 09.05.2007
Finanzstaatssekretär Franz Meyer besichtigt in Bad Reichenhall die Spielbank und die Rupertustherme
"Die Kurstadt Bad Reichenhall gehört zu den fünf Glücklichen im Freistaat, die sich «Bayerisches Staatsbad» nennen dürfen. ….. Am Donnerstag kam Staatssekretär Franz Meyer und besuchte die Spielbank [Spielcasino] und die Rupertustherme. …….. Dass seine Spielbanken dem Freistaat auch ein nettes Sümmchen für den Staatshaushalt bescheren, bestätigt der Staatssekretär auf Nachfrage: «Es flossen 2006 insgesamt 72 Millionen Euro in den Staatshaushalt.» Ein hübsches Sümmchen hat der Freistaat auch in die Rupertustherme investiert. … Und Oberbürgermeister Herbert Lackner freut sich auch, denn immerhin finanziert der Freistaat das neue Sportbad an der Ruperthustherme kräftig mit. «Das ist eine ideale Symbiose, denn die Gäste fordern vor allem zwei Dinge: mehr Raum für Kinder und die Möglichkeit zum sportlichen Schwimmen. Das realisieren wir jetzt.» Dass tobende Kinder mit Wasserbomben vom Beckenrand Wellnessfreunde, die sich entspannen wollen, aus der Therme vertreiben, glaubt auch Badmanager Dirk Sasse nicht. «Nein, wir werden die Bereiche Wellness und Entspannen sowie Spaß und Sport trennen. In der neuen Therme wird jeder seinen Bereich finden.» … " Wenn die Thermengäste die Möglichkeit zum sportlichen Schwimmen fordern, kann das in der Regel ja nur bedeuten, dass sie sowohl das Thermal-Solebad wie auch das reguläre Schwimmbad benutzen wollen. Für diese Gäste müssten also beide Bäder (mit einem Kombiticket?) verbunden werden; andere, die nur den Schwimmbadeintritt zahlen, kann man über entsprechende Schleusen (Magnetchip) zweifellos aus der Therme heraushalten.
          

Investor für Sportzentrum vergrätzt?        RP7

Ruperti-Nachrichten    Axel Heise 24.07.2007
Unter der Überschrift
"GENESIS-Vorsitzender Bernhard Schmidt kritisiert Stadt – OB Herbert Lackner: «Es gibt nur Vors" [REST FEHLT] wird hier über einen Vorwurf berichtet, die Stadtverwaltung würde "einen potentiellen Investor für die Eis- und Schwimmhalle … vergrätzen."
Über den ominösen Investor (Zitat Schmidt: "Wir haben bereits seit Mitte des vergangenen Jahres einen möglichen Investor für eine Eis- und Schwimmhalle an der Hand" erfährt man später in der Debatte nichts Konkretes. Über die Reaktion der Stadt heißt es im vorliegenden Artikel: "Von einem Investor könne keine Rede sein, sagt hingegen der Bad Reichenhaller Oberbürgermeister Herbert Lackner: «Bei uns liegt lediglich ein Vorschlag. Ob dessen Umsetzung realistisch ist, das prüfen wir derzeit.»"
Der Name des Vereins GENESIS (hier dessen Homepage) ist ein Akronym für "Gesellschaft für den Neubau der Eis- und Schwimmhalle und Sportförderung". Hier gibt man sich also mit einem Schwimmbad gar nicht erst zufrieden sondern will gleich auch die Eissporthalle wieder haben. Ob das nicht ein bisschen überzogen ist für ein 18.000-Seelen-Städtchen?
Das Pikante an der Geschichte ist aber die Rolle, die der damalige (aktuell nicht mehr) Vorsitzende Bernhard Schmidt in der weiteren Debatte spielt. Wir werden ihm nämlich im Folgenden als Herausgeber des Monatsblättchens "POLIS" begegnen, in welchem er die Kommunalpolitik in Bad Reichenhall sehr kritisch begleitet. Insbesondere bemäkelt er (zu Recht!) die hohen Kosten für das geplante Mehrzweckbad; vor dem Hintergrund, dass er gleich auch noch eine Eissporthalle haben will, verliert seine Sorge um die Gemeindefinanzen leider erheblich an Glaubwürdigkeit.
          

Wird Schwimmhalle ein besseres Planschbecken?        RP8

Rupertigau-Nachrichten,    Axel Heise 17.07.2007
"TSV Bad Reichenhall befürchtet, dass nur fünf statt sechs Bahnen kommen."

Nach einem vorgeschobenen Grund (Entlastung des regulären Badebetriebes) erfahren wir das wahre Motiv des Schwimmerkampfes um die sechste Schwimmbahn:

"«Wir können mit fünf Bahnen keine Wettkämpfe austragen. Genau die sind es aber, die uns wichtige Einnahmen bescheren, damit unsere Schwimmer auf auswärtige Wettkämpfe fahren können», sagt Kern. Nach Informationen des TSV Bad Reichenhall belaufen sich die Mehrkosten einer weiteren Bahn auf 150.000 Euro."

Und schon kuscht die Politik:

"Bei der Sitzung sicherte auch Oberbürgermeister Herbert Lackner … zu, dass die Stadt für sechs Bahnen kämpfen werde: «Ein Becken mit weniger als sechs Bahnen wäre wie die Allianz-Arena mit nur einem Tor»."
Undurchsichtig ist, weshalb die Politik zunächst einen Rückzieher gemacht und lediglich mit 5 Bahnen geplant hatte. Leider erfährt man jedenfalls in den mir vorliegenden Internetquellen nichts über die wirklichen Kosten der 6. Bahn. 150.000,- Euro würden bei (damals noch) geschätzten 14 Mio. Euro Gesamtkosten den Kohl sicher nicht fett machen. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass die Kosten "für die 6. Bahn", also in Wirklichkeit für die Herstellung der Wettkampftauglichkeit des Schwimmbades, irgendwo im mehrstelligen Millionenbereich liegen und ganz wesentlich für die Kostenexplosion auf derzeit rd. 20 Mio. € verantwortlich sind. Mag sein, dass die Kosten nur für eine zusätzliche Schwimmbahn tatsächlich im unteren 100.000er-Bereich liegen. Aber wenn man Wettkämpfe veranstalten will, benötigt man ja wohl Zuschauertribünen und vielleicht weitere Einrichtungen, die bei einem Spaß- oder Familienbad sowie Schulschwimmbad verzichtbar wären?
Vereine sind eine wertvolle Bereicherung des gesellschaftlichen Lebens. Der Turn- und Sportverein 1862 (TSV) Bad Reichenhall wurde zur Durchsetzung der Sonderinteressen seiner Mitglieder allerdings für meinen Geschmack unverschämt ruppig:
«Wenn das so bleibt, dann stürmen wir mit 70 Leuten den Stadtrat
Die Politik macht Knick: OB "Herbert Lackner findet es gut, dass sich die Schwimmer für ihre sechste Bahn einsetzen" und bei der nächsten Gemeinderatssitzung wurde sie dann auch wieder eingeplant, die 6. Schwimmbahn (s. nachfolgenden Artikel). Und was sonst noch, was ein Bad für Wettkampfzwecke benötigt?? Haben die Bürger, oder auch nur die Stadträte, jemals erfahren, welche Mehrkosten auf diese Bahn (bzw. durch die Planung des Schwimmbades auch für Wettkampfzwecke) entstehen? Und wie will man die Rupertus-Therme entlasten, und ein Spaßbad für Kinder und Familien betreiben, wenn man –wie oft?- dort Wettkampfschwimmen austrägt?
[Die Sportschwimmer agieren hier natürlich als Lobby. Für die politische Wirksamkeit einer solchen gilt überall, was die US-Politologen John J. Mearsheimer und Stephen M. Walt in ihrer berühmt-berüchtigten Studie "THE ISRAEL LOBBY AND U.S. FOREIGN POLICY" so formulieren: "They [d. h. die Lobbyisten] enjoy a disproportionate amount of influence when they are committed to an issue to which the bulk of the population is indifferent. Policymakers will tend to accommodate those who care about the issue, even if their numbers are small, confident that the rest of the population will not penalise them for doing so. (Hervorhebung von mir; vgl. auch das Kapitel "Zum Wirken der Lobby" in meinem Aufsatz "IN THE MACCHIA OF SPECIAL INTERESTS – A WELL OF CLEAR-CUT ANALYSIS?"]
          

Sechs Bahnen kommen        RP9

Rupertigau-Nachrichten    Axel Heise 07.08.2007
"Die Schwimmfreunde in Bad Reichenhall haben sich durchgesetzt: Das neue Bad Reichenhaller Schwimmbad wird sechs Bahnen bekommen. Das beschlossen die Stadträte am Dienstag vergangener Woche. … brachten die FWG und die SPD Anträge ein, dass die Planung, anders als im Stadtratsbeschluss vom Januar, fünf statt sechs Bahnen [gemeint ist offenbar: "sechs statt fünf"!] umfassen soll. "Spaßbäder gibt es schon genug, unser Ziel war immer ein Sportbad", sagte Elli Reischl von der SPD."
Merkwürdig, wie wenig Interesse hier ausgerechnet die SPD an den Interessen der Familien zeigt. Während der "Oberbürgermeister Lackner … eine starke Familienkomponente [will], … kann sich Rudolf Schamberger (SPD) vorstellen, dass "wir den einen oder anderen Schnick-Schnack wie ein Rutsche weglassen, damit der Eintrittspreis niedrig bleibt." Diese Art der roten Volks-Fürsorge geht freilich an den Bedürfnissen des Volkes vorbei (s. oben RP1). Was nützt ein Hallenbad, dessen Besuch sich alle leisten können, wenn sich ihn niemand leisten will? Ob nicht eher die 6. Schwimmbahn und insbesondere die Tribünen und sonstigen Investitionen für Schwimmwettkämpfe der selten genutzte Schnickschnack für die Wenigen (organisierten Sportschwimmer) sind, während die Rutsche ein Bedürfnis für die große Zahl (von Kindern) ist? Die Rutsche kostet im übrigen sicherlich nur einen Bruchteil von dem, was zur Herstellung der Wettkampfqualifikation in ein Schwimmbad einzubauen ist.
          

POLIS 08/2007        PO10

Impressum: "Unser Ziel ist nicht Recht zu behalten, sondern Bad Reichenhall und Umgebung in Bewegung POLIS zu setzen. Magazin für Bad Reichenhall und Umgebung Waaggasse 4, 83435 Bad Reichenhall Telefon: 08651 / 69 217 POLIS@computerschmidt.de www.nachtblatt.de
Verantwortlicher Redakteur: Bernhard Schmidt. Redaktion: Bernhard Schmidt. Druck: Copy & Computer Schmidt. Auflage: 600. Erscheint in der Mitte jeden geraden Monats."     

Hier also begegnen wir Bernhardt Schmidt. Die Idee für das und seine Artikel in dem "unabhhängige[n] und überparteiliche[n] Magazin für Bad Reichenhall und Umgebung" haben mich anfangs sehr beeindruckt. Hier ist ein Mann, der uneigennützig "Ignoranz und Borniertheit in Verwaltung und Politik" bekämpft, der für eine "transparente Kommunikationskultur" eintritt (beide Zitate von S. 1), ein hübsches Zitat zur (Kommunal- und sonstigen) Politik ausgräbt ("Everybody´s Darling ist everybody´s Depp" von Franz Josef Strauß – S. 5) und einen bissigen Humor hat: "Wissenschaftler haben festgestellt, dass die Klimaerwärmung nicht durch den Ausstoß von CO2 verursacht wird ... die Ursache liegt vielmehr bei den Politikern ... die produzieren zuviel heiße Luft" (S. 8). Und der von den Politikern sparsames Wirtschaften einfordert. Er wünscht sich einen Oberbürgermeister, welcher "das Vermögen mehrt, für einen ausgeglichenen Haushalt sorgt und die Zukunft ….. sichert" (S. 5).
Bei näherem Hinsehen trübt sich das Bild; auch Schmidt entpuppt sich als jemand, der sich lediglich innerhalb gängiger Stereotype bewegt, der den (Kommunal-)Politikern Wasser predigt, aber letztlich doch erwartet, dass sie ihm und seinen Mitbürgern Wein vorsetzen. Darüber hinaus wirkt er in diesem Zusammenhang auch wie ein wenig seriöser Projektemacher, indem er ziemlich gehaltlose E-Mails mit einem hochtrabenden, aber nicht näher erläuterten Betreff "Kolosseum Reichenhall" abdruckt (S. 2/3) um zu ‚beweisen', dass ein Investor bereit wäre ein – ja, was eigentlich: ein Sportbad, Schulbad, Vielzweckbad und/oder eine Eishalle? – in Bad Reichenhall zu bauen.
Tatsächlich befindet sich das "Eisstadion" in Wernau, das Schmidt als ein Beispiel für eine erfolgreich privat betriebene Eishalle anführt, in Privatbesitz (vgl. Impressum auf der Homepage der Eissporthalle). (S. 2) Aber Wernau liegt in der Nähe von Stuttgart und damit in einem Ballungsraum; Bad Reichenhall nicht. Im übrigen wäre noch zu prüfen, ob nicht auch dort Staatsgelder reingeflossen sind oder reinfließen (Investitionskostenzuschuss, Subvention von Eintrittspreisen für Schulkinder und Sportler?).
Betreffend das Schwimmbad frage ich mich, was Schmidt mit dem Hinweis sagen will, dass die Wörishofener Therme von einem privaten Investor gebaut wurde? (s. u.) Ein Hallenbad nach seiner Vorstellung (für "Schulen und Schwimmvereine, die mit großen Zahlen aktiver Kinder Sport treiben wollen, und das bei Eintrittspreisen zwischen 0,50 und 1,00 Euro. Schwimmvereine, die kein Luxusambiente brauchen, sondern sechs Bahnen, Sprungturm, Startblöcke und Zuschauerränge [!], um u.a. Schwimmwettkämpfe durchführen zu können") ist keine Therme, und mit Eintrittsgroschen zwischen 50 Cent und einem Euro geht ein Kapitalanleger bankrott.
Wenn es um eigene Anliegen geht (nicht notwendig private Anliegen, aber Interessen von Gruppen, wie sie der Verein GENESIS e. V. nun einmal vertritt), dann sind die Sorgen um den städtischen Haushalt wie weggeblasen: da müssen selbstverständlich "Sprungturm, Startblöcke und Zuschauerränge" her, und die Kinder brauchen ja sowieso "kein Luxusambiente", sondern niedrige Eintrittspreise. Richtig: Marmorwände und anderen Luxus brauchen Kinder nicht. Eine Rutsche und andere Attraktionen sind aber kein Luxus, sondern Mindestvoraussetzungen, um die Kids in größerer Zahl als zahlende Gäste außerhalb des Schulunterrichts ins Schwimmbad zu locken. Die allermeisten Kleinen wollen nämlich genau so wenig stur ihre Bahnen schwimmen, wie die allermeisten von uns Erwachsenen. Jedenfalls hat sich in der Watzmanntherme in Berchtesgaden, die während unseres Besuchs stark von Kindern und Familien frequentiert war, nicht ein einziges der lieben Kleinen (und übrigens auch niemand von den Großen) im regulären Schwimmbecken aufgehalten. (Vgl. auch meinen Blott "Zwei (schöne) Thermalbäder (Watzmann-Therme in Berchtesgaden, Rupertus-Therme in Bad Reichenhall). Und ein Säurebad für Steuergelder.")
In vielen anderen Punkten hat Schmidt aber durchaus recht; vgl. im nachfolgenden Textauszug von S. 4 die von mir gefetteten Aussagen:
"Dieses Verhalten legt doch sehr nahe, dass es beim Anbau eines Sportbades nur darum geht, für die Sanierung bzw. Erweiterung der RupertusTherme ein Alibi zu haben. Die Therme wurde mit 34 Millionen Euro vor zwei Jahren fertiggestellt - anscheinend am Bedarf vorbei (auch zu klein ist am Bedarf vorbei!) und von einem minder qualifizierten Architekten geplant. Und das trotz, offiziell 'Optimierungsplanung' genannter, Nachbesserung. Auf Nachfrage hieß es zudem immer, die Kosten seien 'gedeckelt'. Zwei Jahre später sollen mindestens 19 weitere Millionen investiert werden in eine Zwitterlösung zwischen Sportbad und Wellnesstempel. Mit 53 Millionen Euro Baukosten und im Zweifelsfall noch mehr hätte Bad Reichenhall dann die teuerste Notlösung Deutschlands. In Bad Wörishofen zum Beispiel hat die komplette Therme gerade einmal 28 Millionen Euro gekostet. Gebaut wurde die Wörishofener Therme zudem von einem privaten Investor. In Bad Reichenhall dagegen haben die Bürger und Steuerzahler die Last zu tragen. Die Last der Baukosten, Kreditkosten und der Unterhaltskosten über die nächsten Jahre und Jahrzehnte. Dass der Freistaat Bayern ein paar Millionen Euro Zuschüsse gewährt, ist ja nett. Aber die Stadt sollte nicht in jeden Brunnen springen, bloß weil der Freistaat ein paar Goldmünzen hineingeworfen hat!"
Unverständlich und in meinen Augen arrogant ist allerdings Schmidts Polemik gegen den angeblich "minder qualifizierten Architekten", der die RuperthusTherme am Bedarf vorbei, weil zu klein, gebaut habe. Über die Größe eines Bauwerks entscheidet zunächst einmal die Bauherrin, bei der RupertusTherme also vermutlich die Kur GmbH. Und wenn dieses Thermalbad so gut besucht ist, dann spricht das ganz gewiss nicht gegen die Planer (Architekt und/oder Bauherr, wer immer die ebenso zahl- wie abwechslungsreichen Becken mit ihrem vielfältigen Geblubber geplant hat).
Ein merkwürdiges Verständnis vom Umgang mit Spenden demonstriert Schmidt bei der Diskussion um einen Spender, der angeblich 100.000,- € für eine Eissporthalle stiften will, sich aber durch die Stadt abgeschreckt fühlt, weil diese Bösen keine Eishalle bauen wollen (S.2): "Als Nahziel von GENESIS Bad Reichenhall e.V. haben wir ….. die Anschaffung einer mobilen Eisfläche für diesen Winter definiert. Die oben angesprochenen 100.000 Euro wären ein schöner Grundstock dafür gewesen." Wollte der edle Anonymus nicht eigentlich für eine Halle, und keineswegs für eine mobile Eisfläche, spenden? Und was kostet so eine Eisfläche, wenn 100.000 Euro nicht mehr als ein "schöner Grundstock" für diese Anschaffungskosten wären?
Und wieso die Dilettanten von der Stadtverwaltung nicht Hr. Bernhard Schmidt fragen, wie man eine Eissporthalle wirtschaftlich führt, weiß ich auch nicht. Denn der weiß genau, wo Defizite herkommen (S. 2): "Eventuelle finanzielle Defizite der vergangenen Jahre …. entstanden im Zweifelsfall aus einer Kombination von veralteter Technik und mangelhaftem Management."
         

Mich interessieren hier nicht die Meinungen und Positionen von Hr. Schmidt als Spezialfall. Diese Widersprüchlichkeiten, diesen Mangel an Konsequenz findet man überall. Es sind eben nicht nur die Politiker, die "heiße Luft" produzieren und öffentliche Gelder verschwenden. Journalisten und Bürger sind darin mindestens ebenso talentiert.
Auf S. 2 der Tageszeitungen wird mit schöner Regelmäßigkeit die Politik zum Sparen aufgefordert, ohne Einschränkung. Auf den Folgeseiten mutiert das zur Forderung nach "intelligentem Sparen", und das ist ausnahmslos ein Tarnbegriff für "Spart (meinetwegen) woanders, aber nicht bei dem, was mich betrifft oder interessiert".
Wer die Haushalte sanieren will, muss allen vor die Schienbeine treten: Den Politikern, aber auch den Journalisten und ganz besonders natürlich den Bürgern, die endlich aus ihrer Trägheit und aus der Selbstgefälligkeit ihrer stereotypen Politikerschelte aufwachen und sich fragen müssen, ob sie nicht letztlich selbst an der Finanzmisere bzw. an ihrer hohen Abgabenbelastung Schuld sind.
          

Luxusanbau an Rupertustherme        RP11

Ruperti-Nachrichten        Axel Heise 11.09.2007
Im September 2007 kam, was kommen musste: die Verwaltung ließ die Kosten-Katze aus dem Sack:
"Stadt will rund 18 Millionen Euro investieren

Reichenhaller Wasserratten dürfen sich freuen. Im neuen Sportbereich der Rupertustherme gibt es neben den umkämpften sechs Bahnen sogar ein Strudelbecken. ……… Statt der anvisierten 14 Millionen soll das "Sport- und Familienbad" nun sogar 18 bis 19 Millionen Euro kosten. Neben den heißumkämpften sechs Bahnen sollen im neuen Wassertempel nun auch ein Strömungskanal, eine Rutsche sowie im zweiten Stock ein Ruhebereich die Badegäste erfreuen. ………. Wichtig sei es, dass sich die Therme neue Kundenkreise erschließe. "Wir decken jetzt die Familien ab, die Sportschwimmer und auch die Erholungssuchenden ab 30 aufwärts." Nur mit diesem breiten Angebot, so ist sich der Geschäftsführer der Rupertustherme sicher, lassen sich auch die Defizite aus dem Sportbereich in Grenzen halten. … Der Eintritt in die Therme soll für Erwachsene bei etwa zweieinhalb Stunden Aufenthalt 7,50 Euro betragen, Kindern sollen sechs Euro kosten. Der Freistaat Bayern wird sich an dem Bau der Therme, der ursprünglich mit 14 Millionen Euro veranschlagt war, mit sieben Millionen Euro beteiligen. Der neue Wassertempel soll 2009 fertig sein."
Die Überlegung, dass die Rupertustherme (noch) attraktiver gemacht werden soll, ist rein abstrakt nachvollziehbar; so würde das Bad auch für weitere Touristengruppen, und speziell für Familien, attraktiv. Nur kann ich mir jedenfalls aus dem, was das Internet an Informationen hergibt, keine konkrete Vorstellung darüber bilden, auf welche Weise eine "Durchlässigkeit" für die Besucher von Familienschwimmbad einerseits und Therme andererseits hergestellt werden soll. Schließlich war ja in RP5 von einem "Drehkreuz" die Rede gewesen; ich hatte mir darunter vorgestellt, dass die Besucher der Therme (mit den höheren Eintrittspreisen) auch das Spaßbad nutzen können. Der avisierte Eintrittspreis von 7,50 € für Erwachsene und 6,- € für Kinder bei zweieinhalb Stunden Aufenthalt gilt wohl nur für das Spaßbad. Denn ansonsten sind die Preise deutlich höher: von 10,- € für die Frühkarte (2 Std.) über 11,- für die Abendkarte (3 h.) und 14,- für 4 Std. geht es hoch bis auf 17,- € für die Tageskarte; für Kurgäste sind lediglich die beiden letzten Preise um jeweils 1,50 € ermäßigt. Dieser Eintrittspreis versteht sich nur für die Thermenlandschaft; Sauna kostet noch deutlich mehr. (Das sind im Vergleich zu anderen schon üppige Preise. Die Watzmann-Therme verlangt 8,30 € für 2 Std., 10,80 € für 4 Std. und 15,30 € für den ganzen Tag; dieser Preis schließt allerdings die Saunabenutzung mit ein. Kurgäste (auch solche aus Reichenhall, obwohl das auf der Webseite nicht erwähnt wird) erhalten jeweils 10% Ermäßigung. Caracalla-Therme Baden-Baden: 2 Std. 13,00 €, 3 Std. 15,00 € und 4 Std. 17,00 €; das ist üppig, schließt aber die Saunanutzung mit ein, was mir wenig behagt. Die baulich wundervolle Cassiopeia-Therme in Badenweiler verlangt lediglich 10,50 € -mit Gästekarte nur 8,50 €- und abends von 18.00 – 22.00 h lediglich noch 7,10 Euronen. Das Solymar in Bad Mergentheim mit seinem "Vollangebot" von Solebecken, Sportschwimmen und sogar Wellenbad nimmt schlappe 10,90 Euro für den ganzen Tag und 9,30 € für 2,5 Std. Die meist etwas kleineren Thermen im hiesigen Gebiet will ich gar nicht erst erwähnen; die sind noch günstiger.) Interessant ist die Preisgestaltung der RupertusTherme für Kinder: die gibt es nämlich nicht, jedenfalls nicht für solche, die allein kommen. Lediglich im Kombipack mit Erwachsenen wird es etwas günstiger. Allzu viel Luft zum Drehen an der Preisschraube hat der Schwimmtempel in Bad Reichenhall also nicht mehr (und die Reichenhaller können bei solchen Preisen heilfroh sein, wenn die "betuchten Salzburger" ihre Kassen füllen helfen). Trotzdem ist der Abstand zwischen 7,50 € geplanten Eintritt im Spaßbad und 10,- für die Frühkarte nicht extrem groß. Ich könnte mir gut vorstellen, dass viele Badegäste unzufrieden und etwas desorientiert sein werden, wenn man sie vor eine solche Alternative stellt, und mancher (vor allem manche Familie) wird sich vielleicht aus Frust und Trotz gegen beide Bäder entscheiden und gleich die Watzmann-Therme im nahen Berchtesgaden aufsuchen. Denkbar wäre, dass die Ausgabe von Kombitickets für beide Bäder geplant ist. Da deren Preis aber noch über den schon jetzt vergleichsweise hohen Eintrittspreisen liegen müssten, wären wohl nur wenige Thermengäste bereit, für ein zusätzlichen Angebot allein von Sportschwimmen, Kinderrutsche und vielleicht auch Strömungskanal noch mehr Geld hinzulegen: da müsste schon was deutlich attraktiveres her – etwa ein Wellenbad?
Auf jeden Fall glaube ich nicht, dass sich (und schon gar nicht ohne "Kannibalisierungseffekte" für die Therme*) 160.000 voll zahlende Schwimmgäste für das Spaßbad entscheiden würden (wie im städtischen Magazin "Wir! in Bad Reichenhall" in der 4. Ausgabe 10/2007 prognostiziert). Das wären bei täglichem Betrieb über 400 Besucher pro Tag: wo sollen die herkommen? Selbst wenn die Reichenhaller Familien ein solches Bad in größerem Umfang "annehmen" würden glaube ich nicht, dass viele Menschen aus dem Umland sich aufmachen würden, um in einem Bad ohne herausragende Anziehungspunkte ihren Spaß zu suchen – zum Preis von 7,50 € für Erwachsene für nur 2,5 Std. Die Kurverwaltung ist vielleicht dadurch etwas übermütig geworden, dass man die Besucherfrequenz der Therme krass unterschätzt hat; aber hier irrt sie nach meinem Dafürhalten weit in Richtung auf krasse Überschätzung ab. Was, wenn es zutrifft, einen hohen Subventionsbedarf für das relativ reizlose Spaßbad nach sich ziehen würde.  Haben die Bürger, und haben insbesondere die Stadträte alle wesentlichen Detailinformationen nicht nur über die geplante Ausstattung, sondern auch über die avisierte Preisgestaltung für evtl. Kombitickets, für die Tickets von Sportschwimmern und Schulkindern und, neben der Badausstattung ebenfalls sehr wichtig für die Akzeptanz durch die Besucher (wie andererseits auch für die Kosten), die geplante Temperatur des Badewassers? Hat die Stadt bzw. die Kurverwaltung überhaupt schon selbst eine klare Vorstellung über die anscheinend nach Art einer ‚Osmose' (teilweise Durchlässigkeit für die Besucher in der einen Richtung oder in beide Richtungen) gedachte Verbindung beider Bäder?

* Da man allerdings eine Entlastung des Thermalbades erreichen will und erwartet, müsste genau dieser sogenannte "Kannibalisierungseffekt" eintreten, d. h. einige Menschen, die sonst in die Therme gegangen wären, würden stattdessen ins Multibad gehen. Im ersten vollen Betriebsjahr (2005/2006, also nicht mit einem Kalenderjahr identisch ist), hatte die Therme rund 320.000 Besucher (s.o., RP2). Nehmen wir an, dass zukünftig 40.000 von diesen Badegästen ins Schwimmbad statt in die Therme gehen, und dass diese der Thermenkasse im Durchschnitt 10,- € Eintritt eingebracht haben. Dann würden der Therme 400.000,- € pro Jahr fehlen. Es ist dabei völlig gleichgültig, ob die Therme jetzt oder dann mit Gewinn oder Verlust arbeitet: das Geld fehlt real in der Kasse der Kur-GmbH und die Stadt muss entsprechend ihrem Anteil an dieser GmbH, der sich dann auf 43,5% belaufen würde, den Fehlbetrag mit abdecken. Der Schwimmbadbau würde also in diesem Falle im Ergebnis laufende Zusatzkosten von 200.000,- € für die Stadt nach sich ziehen – falls nicht dafür andere Besucher kommen, weil die Therme ja nun leerer geworden ist, oder weil sie ihre Kinder im Schwimmbad ‚parken' können.
 

Neuer Wirbel ums Bad        RP12

Ruperti-Nachrichten Redaktion 25.09.2007
SPD lehnt bisherige Pläne ab
"Die Reichenhaller SPD kritisiert die derzeitigen Pläne zum Neubau der Schwimmhalle an der Rupertustherme. Die Stadt verschulde sich in unverantwortlicher Weise für das falsche Bad, so die Sozialdemokraten. Nicht die jungen Reichenhaller Familien, die Rentner oder Durchschnittsverdiener werden dieses Bad regelmäßig nutzen. Stattdessen werden die Besucher wieder ähnlich wie bei der Therme zusammengesetzt sein. Also Tagesgäste aus einem weiten Umkreis, die es sich leisten können und besonders die "betuchten" Salzburger … .. Den Sozialdemokraten ist wichtig, dass das Bad für alle erschwinglich ist. Besonders Familien, die Schulkinder und die Sportschwimmer sollen sich einen regelmäßigen Besuch leisten können. Als Kern des Problems nannte Fraktionssprecherin Elli Reischl, dass sich die Stadt derzeit kein großzügiges Bad leisten könne. Sie äußerte die Befürchtung, dass es zum Schluss ein Schwimmbad werde, mit dem keiner zufrieden ist."
Diese Befürchtung erscheint allerdings sehr begründet. Die Badplanung bringt aber noch andere, regionalpolitische Probleme mit sich:
"Auch im südlichen Landkreis ist man mit der derzeitigen Planung an der Rupertustherme offenbar nicht glücklich. Das Bad träte nämlich in Konkurrenz zur Watzmanntherme. Vor einigen Jahren hingegen habe man sich geeinigt: Familienbad in Berchtesgaden, Kurbad in Bad Reichenhall."
Im übrigen gebe ich aber zu bedenken: Was billig ist, entspricht nicht unbedingt den Wünschen der potentiellen Kunden und am Ende kann ein Billigbad zum Subventionsgrab werden und damit zu einer sehr teuren ‚Lösung' – welche dennoch ausgerechnet jene breiten Massen nicht erreicht, für welche die Partei des Kleinen Mannes das Bad angeblich konzipieren möchte. Ein Hallenbad (mehr oder weniger) im alten Stil werden heutzutage wahrscheinlich viele (selbst wenn sie sich einen Eintritt in teure Thermen nicht leisten können) als Dorfbad oder Doofbad ansehen.
          

Schwimmbad: Hitziger Streit        RP13

Ruperti-Nachrichten    Axel Heise 16.10.2007
"CSU-Mehrheit stimmt für Finanzierungsplan

Auftakt zum Wahlkampf? Lange Zeit blubberte es nur rund ums Reichenhaller Schwimmbad. Jetzt krachte es im Stadtrat wegen der Finanzierung der Therme. "… Die FWG führte … auch Sachargumente ins Feld: ‚Das wird ein Bad, mit dem weder die Gäste der Rupertustherme, noch die Sportler zufrieden sind', erklärte Hötzendorfer. Nach den Recherchen von Stadtrat Fritz Grübl (FWG) wäre es möglich, ein ordentliches Sportbad für fünf Millionen zu bauen. Die SPD monierte vor allem die Finanzierung. ‚Wir können uns die 10,5 Millionen nicht leisten. Der Eintrittspreis würde in keiner Relation zur Investition stehen.' Auch Manfred Adldinger ließ …kein gutes Haar am geplanten Bad: "Rund um die Schwimmbecken ist viel zu wenig Platz, insbesondere beim Schulschwimmen und bei Schwimmwettkämpfen." Für die CSU verteidigte Stefan Kantsperger die Planung: ‚Ich wundere mich schon. Wir waren uns einig, dass wir ein Bad wollen, jetzt bekommen wir eines, mit hohen Zuschüssen der Freistaates.' Dem hätte die Opposition in den vorherigen Sitzungen des Stadtrates zugestimmt‚ … und nun machen sie alle eine Kehrtwende' … . Der Stadtrat beschloss mit der CSU-Mehrheit von elf zu neun Stimmen, den Bau [ergänze: "an"] der Rupertustherme mit einen Stadtanteil von 10,5 Millionen Euro zu unterstützen. Interessant war allerdings ein Einwurf von Fritz Grübl: ‚Vielleicht kommt ja noch ein Bürgerbegehren'."
 
         

DEBATTEN RUND UM DAS BÜRGERBEGEHREN
  

POLIS 10/2007        PO14

Bürgerbegehren Schwimmbad

"Von Anfang an wurde von Seiten der Stadt nur eine Variante … verfolgt: eine Erweiterung der RupertusTherme in Verbindung mit dem Anbau eines Sport- und Familienbades. … Dabei entstehen durch den Anbau an die Therme hohe zusätzliche Kosten …. Doch nun gibt es ein Bürgerbegehren, welches ein Schwimmbad an der alten Stelle Münchner Allee durchsetzen möchte. Die Gründe dafür …: 1.) Der Anbau an die Therme ist zu teuer, ein Schwimmbad an anderer Stelle lässt sich für ca. die Hälfte der Kosten realisieren. 2.) Die Lage bei der Therme ist schlecht für die Schulen. 3.) Der Anbau an die Therme wird Probleme mit Parkplätzen und Verkehr für die Anwohner bringen. 4.) Die geplanten Eintrittspreise sind für Familien und Sportvereine nicht zu bezahlen. … Die Therme ist … mit 36 Millionen Euro Bausumme viel zu teuer, der Kapitaldienst aus Zinsen und Tilgung kann nicht erwirtschaftet werden. Weitere geplante 19 Millionen bzw. realistische 24 Millionen Euro für die Erweiterung werden die Kosten in eine Höhe treiben, deren Kapitaldienst erst recht nicht mehr zu erwirtschaften ist. Zum Vergleich: Die Therme in Bad Wörishofen hat 25 Millionen Euro gekostet! … Die Finanzierung der Kosten soll über den Verkauf städtischen "Tafelsilbers" erfolgen. … hat … die Stadt bereits Schulden in Höhe von 12,4 Millionen Euro …. Also wäre es wesentlich sinnvoller, ein preiswertes Sportbad an alter Stelle zu bauen, zusätzlich das Tafelsilber zu verkaufen und damit die Schulden zu tilgen …!"

Schmidt hat in seiner zusammengefassten Darstellung der Gründe gegen einen Anbau des Sport- und Familienbades an die RupertusTherme einen weiteren Grund nicht aufgeführt, der nach meiner Einschätzung wahrscheinlich für viele Gegner (soweit sie nicht hauptsächlich eines der vorgenannten Motive haben) eine wesentliche Rolle spielt, der allerdings auch in der u. g. Begründung für das Bürgerbegehren (noch) nicht genannt wird: die Befürchtung der Thermenbenutzer, dass es dort durch die Einbeziehung der Familien, also speziell der Kinder, für ihren Geschmack etwas zu lebhaft werden könnte. In der ausführlicheren Begründung der Bürgerinitiative für das Bürgerbegehren, wie sie auf der Webseite der Stadt wiedergegeben ist (Stadt21), lassen die Gegner die Katze gleich an erster Stelle der Gegengründe (wohin sie in der Reihenfolge der Motive der besonders aktiven Anbau-Gegner vermutlich auch gehört) aus dem Sack: Dass nämlich für sie "ein Schul-, Sport- und Erlebnisbad nicht mit dem Erholungsanspruch eines Kur- und Wellnessbades auf engstem Raum vereinbar ist".
          

POLIS Fax-Interview: Schwimmbad u. Therme mit Badmanager Dirk Sasse

Verdienstvoll ist, dass "POLIS" kritische Fragen stellt und Zahlen ans Licht bringt:
"Frage1: Wie verteilen sich die Kosten für den geplanten Umbau der RupertusTherme auf in Kosten für das Sportbecken und Kosten für Erweiterung / Sanierung der Therme?

Antwort 1: Zunächst sei festzustellen, dass es sich bei den geplanten Investitionsmaßnahmen in der RupertusTherme um eine Erweiterung des Funktionsangebotes und nicht um eine Sanierung handelt. Die Funktionserweiterung ist zwingend notwendig, da zum einen die bestehende Kapazität an Sitz- und Liegemöglichkeiten in der RT, aufgrund der großen Nachfrage im Bereich der Thermen- Landschaft und SaunaLandschaft, nicht mehr ausreicht. Dies führt insbesondere an den Wochenenden, Feiertagen, Bay. Ferien und Schlechtwetterperioden zu langen Wartezeiten mit Einlassstop und somit zur Verärgerung der angereisten Gäste. Zum anderen stößt die Saunalandschaft mit ihrem funktionalen Angebot, einschließlich Gastronomie, an Kapazitätsgrenzen und dies fast unabhängig von den o.g. Kriterien. Die Verteilung der Investitionskosten für die geplante funktionale Erweiterungen der RT sowie für den Neubau des Sport- und Familienbades von ca. 19,0 Mill. (einschließlich der 6. Schwimmbahn) stellt sich wie folgt dar: Sport- und Familienbereich ca. 22.000 cm BRI mit ca. 13,5 Mill. Investitionssumme Erweiterung RupertusTherme mit Ruheflächen, Sauna- und Gastronomieerweiterung ca. 10.000 cm BRI mit ca. 5,5 Mill. Investitionssumme. Der Umbau des Kleinkinderbereiches zum Präventionsbereich ist eine losgelöste Investitionsmaßnahme der Kur GmbH mit einer Investitionssumme von ca. 1,4 Mill.

[Je nach Rechnung kommt man also auf ein Ausgabenvolumen von 19 bzw. 20,5 Mio. €]
Frage 2: Mit welchem betriebswirtschaftlichen Ergebnis hat die RupertusTherme die beiden ersten Betriebsjahre abgeschlossen?

Antwort 2: 1. Betriebsjahr 2005 Betriebstage 277 Besuche 229.862 Umsatz 3.164.669 Ebit -1.521.840 (Gewinn/Verlust vor Zinsen, Steuern) Ebitda 178.160 (Gewinn/Verlust vor Zinsen, Steuern, AfA) - operative Ertragskraft Kapitaldienst: p.a.1,6 Mill. 2.Betriebsjahr 2006 Betriebstage 356 Besuche 292.106 Umsatz 4.235.625 Ebit -1.997.880 (sanierungsbedingt) (Gewinn/Verlust vor Zinsen, Steuern) Ebitda 52.110 (sanierungsbedingt) (Gewinn/Verlust vor Zinsen, Steuern, AfA) - operative Ertragskraft Kapitaldienst: p.a.1,6 Mill."

Es ist sicher richtig dass eine Erweiterung der Therme wünschenswert wäre. Aber das sie "zwingend notwendig ist" darf man wohl mit einem Fragezeichen versehen. Zweifelsfrei ist es für den Badegast ärgerlich, wenn er an Feiertagen lange auf Einlass warten muss oder abgewiesen wird. Aber schließlich werden ja auch nicht schon deshalb neue Kirchen gebaut, weil die bestehenden an Weihnachten voll sind. Aus meiner Sicht sollte die wirtschaftliche Perspektive maßgebend sein, d. h. die Aussichten, die Kosten einer Erweiterung aus den Einnahmen zu finanzieren.
          

Defizit trotz Volllast

Schmidt erkennt an:
"… Die Therme wird gut besucht und läuft regelmäßig an der Kapazitätsgrenze, so dass Gäste abgewiesen werden müssen. Auch sehr positiv ist, dass die Rupertus- Therme im operativen Geschäft einen kleinen Gewinn erwirtschaftet. Das ist bei einem Bad / einer Therme nicht selbstverständlich." Nicht zu Unrecht befürchtet er allerdings:
"Das Problem jedoch ist, dass der operative Überschuss trotz Vollauslastung der Kapazität nicht zur Deckung des Kapitaldienstes reicht! Somit bleibt jedes Jahr ein hohes Defizit, weil die Therme zu klein und zu teuer gebaut worden ist. Dieses Problem wird man auch mit der geplanten Erweiterung nicht lösen, ganz im Gegenteil. Die Kosten für die Erweiterung werden in einer Höhe sein, für die eine komplette neue Therme gebaut werden könnte. Damit wird der Kapitaldienst (Zinsen und Tilgung) in eine Höhe steigen, die durch die zu erwartenden höheren Besucherzahlen nicht zu erwirtschaften ist."
Allerdings: wenn die Stadt, wie vom Verein GENESIS und vom POLIS-Herausgeber Bernhard Schmidt gefordert, auch noch eine Eissporthalle (früher oder später) bauen soll, kommen enorme weitere Kosten auf den Gemeindesäckel zu; eine Eishalle lässt sich noch weit weniger aus den Einnahmen refinanzieren, zumal es dann natürlich für die organisierten Sportler wieder Sondertarife geben wird.
          

(Der nachfolgende Text ist in der "POLIS" als Bilddatei abgedruckt und hier von mir in Textdatei umgewandelt:)


Bürgerbegehren "Schwimmhallenneubau"

"Mit meiner Unterschrift beantrage ich gem. Art. 18a der BayGO die Durchführung eines Bürgerentscheides zu folgender Frage:

Sind Sie dafür, dass die Stadt ein echtes Sport- und Schulschwimmbad am alten Standort erstellt und sich somit nicht an der Finanzierung des geplanten teuren Bades an der Therme beteiligt?

Begründung:

- Die Kosten von 10,56 Mio. € belässt der Stadt keine Mittel mehr zur Verfügung, ihre eigentlichen Aufgaben zu finanzieren.

- Das geplante Bad bei der Therme leidet in mehrfacher Hinsicht unter Platzmangel Für die einheimische Bevölkerung sind die Eintrittspreise viel zu hoch.

- Die Planung bringt der Therme nicht die notwendigen Verbesserungen.

- Der Standort liegt weitab von den Schulen und ist verkehrsmäßig äußerst ungünstig.

- Der Abbruch der Therapiehalle ist sinnlose Verschwendung öffentlicher Gelder.

Als Vertreter gem. Art. 18a Abs. 4 BayGO werden benannt:

Wolfgang Huber, Schlechinger Weg 6, Bad Reichenhall, Tel. 64386

Stellvertreter: Marianne Mühlbauer, Auenstr. 26, 83435 Bad Reichenhall

Elisabeth Wolf, Münchner Allee 13c, Bad Reichenhall, Tel. 78779

Stellvertreter: Christa Grübl, Grabenbachstr. 10, 83435 Bad Reichenhall"

Die Vertreter werden ermächtigt, zur Begründung der Zulässigkeit des Bürgerbegehrens Änderungen vorzunehmen, soweit diese nicht den Kern des Antrages berühren. Sollten Teile des Begehrens unzulässig sein, so gilt meine Unterschrift für die verbleibenden Teile.


[Fortsetzung regulärer POLIS-Text:]

Bernhard Schmidt stellt noch weitere Fragen in dem (gleichen oder einem weiteren?)
"POLIS Fax-Interview Schwimmbad u. Therme" [offenbar ebenfalls mit Dirk Sasse, dem Leiter des RupertusTherme]:

"1.) Wenn das Konzept der Rupertus-Therme so gut ist, wie es in den Medien immer dargestellt wird, warum weicht man dann davon ab - mit der Gefahr, es zu "verschlimmbessern"?

2.) Warum wurde die Planung des Badanbaus in nichtöffentlicher Sitzung vorgestellt?

3.) Warum wurden die Bürger bei der Planung nicht einbezogen, z.B. im Rahmen einer Bürgerversammlung?

4.) Warum werden die Bürger einfach vor vollendete Tatsachen gestellt?

5.) Wäre es für 19 Millionen Euro möglich, ein Sportbad mit Eishalle und evtl. Sporthalle zu bauen?

6.) Wie hoch ist der Anteil von Bad Reichenhall an den gesamten Baukosten der erweiterten Therme und wie hoch ist die jährliche Zinslast?

7.) Ist der Anbau eines Sportbades an die Therme Wunsch der Bürger oder der bayerischen Staatsregierung?"
          

[Die nachfolgende Antwort ist in der "POLIS" ebenfalls als Bilddatei abgedruckt und hier von mir in Textdatei umgewandelt:]

"1. Richtig ist, dass Bad Reichenhall die große Möglichkeit hat, sich weiter als Thermen-Standort zu stärken. Dies ist um so wichtiger, als unsere Konkurrenten in Bayern, Tirol und Salzburg immer mehr und größere Thermen bauen. Mit der Thermenerweiterung runden wir das Konzept ab, so dass auch sportliches Schwimmen möglich sein wird, was von vielen Thermenbesuchern schon lange gefordert wird. Außerdem wird schon lange gefordert, dass den Kindern nicht nur ein kleiner Bereich im Keller zur Verfügung steht, sondern ein eigener größerer Bereich. Verantwortlich für den Betrieb der RupertusTherme ist die Kur-GmbH, die auf die Entwicklungen des Marktes dynamisch reagiert. Die Stadt Bad Reichenhall als einer der Gesellschafter der Kur-GmbH begleitet diesen Weg im Rahmen der Zuständigkeit der Gesellschafterversammlung

2. Die Planungen des Badneubaues wurden umfangreich in drei Bürgerversammlungen vorgestellt. Ebenso erhalten alle Bad Reichenhaller Haushalte Informationen zur Thermenerweiterung in unserer neuen Stadtzeitung. (1)

3. Zum frühestmöglichen Zeitpunkt haben wir für die Bürgerinnen und Bürger fünf Nutzergespräche organisiert. Der ganzen Bandbreite der Nutzer des Sport- und Familienbades wurde die Möglichkeit gegeben, klare Vorstellungen und Wünsche zu äußern. Auch bei den Bürgerversammlungen wurde diese Möglichkeit gegeben.

4. Durch die fünf Nutzergespräche, die drei Bürgerversammlungen und die Rückmeldungen per Telefon, Brief oder auch in den Bürgersprechstunden konnte für ein hohes Maß an Bürgerbeteiligung gesorgt werden.

5. Die Stadt Bad Reichenhall wäre aus finanziellen Gründen nicht in der Lage für 19 Mio. € ein Sportbad mit Eishalle zu errichten. Der Freistaat ist nicht bereit, sich außerhalb der RupertusTherme zu engagieren. Damit stellt sich diese Frage für die Stadt nicht.

6. Die Schlussverhandlungen über die Finanzierung und damit über den Anteil der Stadt Bad Reichenhall werden noch geführt.

7. Der Stadtrat ist die Vertretung der Bad Reichenhaller Bürgerschaft. Er hat dieses Vorhaben von Anfang an mit großer Mehrheit unterstützt."
         

[Fortsetzung (regulärer) POLIS-Text:]

"Alternatives Vorgehen ... St. Wendel

Auch in St. Wendel hat man ein Sport- und Freizeitbad gebaut. Doch anders als in Bad Reichenhall hat man in St. Wendel einen Architektenwettbewerb veranstaltet …. So konnte man in St. Wendel für ca. 6 Millionen Euro ein Bad realisieren, dass … die aktuellsten und besten Lösungen enthält. Es ist somit weniger als halb so teuer wie der geplante Sportbad- Anbau an die RupertusTherme (siehe Fax- Interview Badmanager Dirk Sasse Seite 2). … so ein Wettbewerb ist auch eine gute Werbung für eine Stadt … . In Bad Reichenhall [dagegen] … macht die Verwaltung und Kur-GmbH selbstherrlich, was sie will."

Das ist eine substantiierte Kritik und es mag sein, dass auch für das Schwimmbadvorhaben in Bad Reichenhall ein Architektenwettbewerb sinnvoll gewesen wäre.
Doch ein Vergleich mit der Stadt St. Wendel ist auch in anderer Hinsicht interessant. Auf der von der Stadtverwaltung betriebenen Webseite "Wendelinuspark" erfahren wir nämlich:
"Von den fünf Millionen Euro, die das Bad verschlingen wird, muss die Stadt … [nur!] 1,5 Millionen selber aufbringen." Und man beklagt sich: "Das ist für uns eine hohe Hürde …".
Diese Stadt hat ca. 27.000 Einwohner, ca. 50% mehr als Bad Reichenhall. Trotzdem hat sie Probleme, auch nur (im Verhältnis zu den Reichenhaller Planungen:) ‚lumpige' 1,5 Mio. Euro für ein Vielzweckbad selbst aufzubringen. (Der Rest kommt vom Land, und da das Saarland am Tropf des Länderfinanzausgleichs hängt, zahlen gewissermaßen alle Bundesbürger für das Bad:)
"Realisierbar wird das fünf Millionen Euro teure Bad durch die bereits zugesagten Zuschüsse von 70 Prozent innerhalb der Förderung des Konversionsbereiches als saarlandweiter Schwerpunkt für Aktivsport und Tourismus" heißt es an anderer Stelle auf der zitierten Webseite.
Im Vergleich der Situation in St. Wendel mit dem Schwimmbadprojekt in Bad Reichenhall muss die Frage erlaubt sein, ob nicht in der Badestadt große Teile der Politik und der Bürgerschaft das Prädikat "durchgeknallt" verdient haben, wenn sie über 10 Mio. € aus dem Stadtsäckel für das Schwimmbadvorhaben frei machen wollen – und viele Bürger zusätzlich noch von einem Neubau der Eishalle träumen. Aber: Wir (Steuerzahler) haben's ja, gelle?
          

(1) Eigene Anmerkung betr. "Stadtzeitung":
Die Ausgaben der Stadtinfo "Wir" sind von der Webseite der Stadtverwaltung aus nicht auffindbar, aber hier ergoogelte ich sie nach langem Suchen denn doch. Die 2. Ausgabe 03/2007 bringt nur einen kurzen Artikel auf S. 4. Ausgabe Nr. 3 aus 07/2007 gar nichts.
Die 4. Ausgabe 10/2007 enthält in Sachen Schwimmbadbau auf S. 10 einen ausführlicheren Artikel mit -2- virtuellen Abbildungen des Bades. Die Informationen sind insoweit detailliert, als die geplanten Wasserflächen nach Kategorie und Größe beschrieben werden:
Wettkampfgerechtes Sportbecken, 25 Meter mit 6 Bahnen ........ 375 qm
Lehrschwimmbecken ................................ 136 qm
Kleinkinderbecken.................................... 47 qm
Spaßbecken innen.................................... 90 qm
Spaßbecken außen .................................. 105 qm
Landebecken Rutschen............................ 28 qm
Wasserfläche gesamt.....—...................... 781 qm
Aber aus dem Begriff "Spaßbecken" kann ich noch nicht ableiten, woran die Kinder dort ihren Spaß haben (und also in diesen Becken bleiben und nicht in die Solebecken der Therme abwandern) sollten. Nur ein wenig Wasser aus einem Brunnen in der Beckenmitte oder aus einem kleinen Wasserfall am Beckenrand laufen zu lassen (wie auf dem einen Bild zu sehen) wird dafür wohl nicht reichen. Auch nicht, dass das Außenbecken rund statt rechteckig gebaut ist. Welche Art von "Action" bieten diese Spaßbecken darüber hinaus? Das, was ich sehen kann, halte ich für zu dürftig, um eine Entzerrung von Thermenbesuchern und Spaßbadnutzern zu versprechen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass jemand dafür 6,- € bzw. 7,50 € Eintritt berappen wird. Für das Geld müsste man schon eine wirkliche Attraktion bieten, und als solche käme in meinen Augen (ergänzend zur schon vorhandenen Attraktion der Thermenbecken) einzig und allein ein Wellenbad in Betracht.
Zum kalkulierten Besuchsaufkommen erfahren wir: "Es wird damit gerechnet, dass pro Jahr ca. 160.000 Gäste das neue Bad besuchen werden. Dazu kommen noch ca. 29.800 Besucher von Schulen und Vereinen."
160.000 Vollzahler (Erwachsene und Kinder) halte ich angesichts der Konkurrenzsituation mit dem Thermalbad direkt nebendran insbesondere dann für eine kühne Kalkulation, wenn man Kannibalisierungseffekte zu Lasten der Therme ausschließt. Ich glaube, dass auch für Familien und Kinder die Therme sehr viel attraktiver ist als das "Spaßbad" in der geplanten Gestaltung (soweit erkennbar), so dass nicht wenige trotz (etwas) höherer Preise lieber das Thermenbad aufsuchen werden.
Immerhin zeigen aber diese Zahlen, dass Vereinsschwimmer und Kinder im Rahmen des Schulschwimmens eine Minderheit von nur ca. 16% des Gästeaufkommens (von insgesamt 190.000 erwarteten Schwimmern) sind. Selbst wenn man die Gesamteintritte mit nur 120.000 ansetzt, würden Vereins- und Schulschwimmer immer noch lediglich 25% ausmachen.
        

Ausgabe 12/2007 (= 5. Ausgabe, S. 2) enthält eine Information über das anstehende Bürgerbegehren, wobei insbesondere die rechtlichen Aspekte interessant sind: "Ein Bürgerentscheid wird nur wirksam, wenn das in der Gemeindeordnung festgelegte Abstimmungsquorum erreicht wird … . Ist er erfolgreich, hat er die Wirkung eines Beschlusses des Stadtrates. Er könnte innerhalb eines Jahres nur durch einen weiteren Bürgerentscheid abgeändert werden, es sei denn, dass sich die dem Bürgerentscheid zugrunde liegende Sach- und Rechtslage wesentlich geändert hat.".
Ausgabe Nr. 1/2008 (vom April 08) berichtet u. d. T. "Bürgerentscheid – Schwimmbad – Fachhochschule" über den Ausgang des Bürgerbegehrens sowie über die auf dem Gelände der alten Schwimmhalle geplante Fachhochschule für Touristik (vgl. dazu unter in RTGBL26).
 

Reizstimmung um Schwimmbad        RP15

Ruperti-Nachrichten        Redaktion 30.10.2007
"Erste Veranstaltung für Bürgerbegehren

Das Bürgerbegehren gegen das Schwimmbad an der Therme nimmt Fahrt auf. Der Andrang bei der ersten Infoveranstaltung war groß, die Stimmung aber aggressiv.

Der Pfarrsaal von St. Zeno … war brechend voll, als Initiator Wolfgang Huber … die zentrale Frage des Bürgerbegehrens präsentierte. "Sind Sie dafür, dass die Stadt ein echtes Sport- und Schulschwimmbad am alten Standort erstellt und sich somit nicht an der Finanzierung des geplanten teuren Bades an der Therme beteiligt?" Die Finanzen, der falsche Standort und die fehlerhafte Planung führte er als Hauptgründe an. Kosten von 10,65 Millionen Euro könnten nur durch den Verkauf von stadteigenen Grundstücken, durch Rückstellung von Investitionen und die Erhebung von Steuern gestemmt werden. Zudem bemängelte Huber, dass der Platz im geplanten Bad zu eng bemessen ist. Ein Standort an der Therme sei zudem verkehrstechnisch äußerst ungünstig und zerstöre einen großen Teil des benachbarten Parkgeländes. Der Geschäftsführer der Rupertus Therme, Dirk Sasse, befand sich ebenfalls auf der Versammlung … [doch wurde er] mit energischen Rufen … vom Podest vertrieben. Am Rande der Herbstversammlung des Gewerbevereins … fasste Dirk Sasse seine Argumente gegen das Bad noch einmal zusammen: ‚Es gibt kaum noch Nachfrage nach Sportbädern, die Investition geht am Markt vorbei, vor allem weil mit der Rupertustherme bereits ein erfolgreiches Produkt am Markt platziert ist.' Die Folge würde sein, dass ein reines Sportbad weniger Gäste anlockt. … Das würde bedeuten, dass die Stadt pro Jahr etwa 220.000 Euro mehr an Verlusten zu schultern hätte' … ."
          

Presseklärung der FWG zur Thermenerweiterung     FWG16 (vom 19.11.2007)
(Interessant ist hier insbesondere auch die Darstellung der Vorgeschichte der Badplanung)
          

"Thema: Erweiterung der Rupertustherme und Bürgerentscheid

In einer gemeinsamen Sitzung von Vorstand, Fraktion und Kandidaten der FWG am 13.11.2007 wurde die derzeitige Situation rund um die geplante Erweiterung der Therme diskutiert.

1. Zur Geschichte:

a) Schon seit Jahren, noch vor Einsturz der Eislaufhalle, wurde als eine mögliche Alternative zur notwendigen Sanierung der Technik in der alten Schwimmhalle an der Münchener Allee der Neubau eines Schwimmbades am Standort Therme diskutiert.

Nach dem 02.01.2006, als klar wurde, dass durch einsturzbedingte Schäden an der Schwimmhalle ein Abriss unumgänglich war, konkretisierte sich der Standort Therme als vernünftiger Kompromiss zwischen der notwendigen Erweiterung des Thermenbereichs einerseits und des allseits gehegten Wunsches für Sportler, Kinder und Jugendliche, Vereine und Bundeswehr, ein neues Sportbad zu bauen, andererseits.

b) Am 16.1.2007 wurde dem Stadtrat eine erste Beschlussvorlage nach Verhandlungen mit dem Freistaat Bayern von OB und Verwaltung präsentiert. In dieser wurde eine Erweiterung der Therme durch ein nicht näher definiertes, auf jeden Fall aber Sportbad und Sauna- und Ruhebereich vorgeschlagen. Bauherrin sollte die Kur-GmbH sein, an der der Freistaat Bayern, die Stadt Bad Reichenhall und die Gemeinde Bayerisch Gmain beteiligt sind. Von den geplanten Kosten von insgesamt 14 Mio. Euro sollte die Stadt 5,6 Mio. für das Sportbad alleine tragen, sowie 1,71 Mio. für die Thermenerweiterung, insgesamt also 7,31 Mio., den Rest wollten sich der  Freistaat mit 6,3 Mio. und die Gemeinde Bayerisch Gmain mit 0,39 Mio. als Gesellschafter teilen.

Trotz einzelner Bedenken gegen die damit verbundene Verlängerung des Gesellschaftsvertrages  und Erweiterung des städtischen Anteils an der Kur-GmbH, was im Ergebnis nach heutigen Stand eine Erhöhung des von der Stadt zu tragenden Verlustausgleiches i. H. v. etwa 400.000.- Euro jährlich bedeutet, stimmte der Stadtrat einstimmig zu. Eine Planung lag zu dem Zeitpunkt den Stadträten offiziell noch nicht vor. Dem Vernehmen nach handelte es sich damals aber um ein modernes Sportbad mit Lehrschwimmbecken, entsprechenden Umkleiden und eine großzügige Erweiterung des Sauna- und Ruhebereichs. [In einer Darstellung der Stadt -RTGBL26- erfahren wir, dass diese nach den Absprachen 12,5% (sukzessive bis 2015) vom Land Bayern übernehmen sollte. Wenn die vorstehende Angabe zutrifft, dass eine Erhöhung des Gesellschaftsanteils um 12,5% einer Steigerung der Zuschusspflicht um 400.000,- € entspricht, dann würde die Kur-GmbH ein Defizit von 3,2 Mio. € pro Jahr machen! Ich finde es ja nett, dass wir Feriengäste (hauptsächlich natürlich die Kurgäste) der Stadt und dem Land so viel wert sind, aber sind 3,2 Mio. € jährlicher Zuschuss für eine relativ kleine Stadt wie Bad Reichenhall nicht doch ein bißchen viel? Wirft man (d. h. derzeit in erster Linie die Bayerische Landesregierung) hier nicht etwas allzu sorglos mit Steuergeldern um sich? Und wie viel Geld gibt Bayern für vergleichbare Zwecke und in vergleichbarer Rechnung (Bevölkerungszahl, Zahl der Reisenden) in anderen Gegenden aus, z. B. im Bayerischen Wald?] Für alle jene, die nicht gern kopfrechnen mögen: Bei dem angestrebten städtischen Gesellschaftsanteil von 43,5% beträgt der Gesamtanteil der Stadt am Defizit der Kur-GmbH ca. 1,4 Mio. €uro. Ich vermute mal, dass dieser Zuschuss hauptsächlich das üppige Kulturangebot in Bad Reichenhall finanziert, das auch mich als Urlaubsgast erfreut. Aber als Steuerzahler muss ich (auch) diese fiskalische Fettlebe geißeln, und als Bürger(meister) in anderen Fremdenverkehrsgemeinden würde ich die Staatszuschüsse für sämtliche Staatsbäder (nicht nur in Bayern) mit ausgesprochen scheelen Augen ansehen.
c) Danach führten Verwaltung und OB Gespräche mit möglichen Nutzern, wie Vereinen, aber auch der Kur-GmbH und dem Freistaat.

d) Auf den 05.07.2007 war eine Sondersitzung des Stadtrates anberaumt, in der die Planung vorgestellt werden sollte. Diese Sitzung wurde kurzfristig abgesetzt. Ein Grund hierfür wurde nicht mitgeteilt. Inoffiziell hörte man aber, die Kosten seien auf 23 Mio. explodiert und der Freistaat habe auf Ministerebene diese Kosten nicht genehmigt. Im Vorfeld zu dieser Sitzung war eine Planung verteilt worden, in der nun erstmals von einem Familien-Spaß-Bad die Rede war. Die Planung sah nur fünf Bahnen vor, obwohl bei der Anhörung der Vereine die Notwendigkeit von sechs Bahnen für überregionale Wettkämpfe bekundet worden war. Auch sollte nach der Planung der Therapiebereich verkleinert werden.

e) Daher brachte die FWG in der regulären Stadtratssitzung vom 31.07.2007 einen Antrag ein, wonach das neue Bad sechs Bahnen haben solle, der Therapiebereich nicht in den Hintergrund treten dürfe und die Kosten 14 Mio. Euro nicht überschreiten dürften. Der erste

Teil des Antrags wurde einstimmig befürwortet, der zweite mehrheitlich, der dritte wurde mit den Stimmen der CSU und des OB abgelehnt.

f) Am 09.08.2007 wurden dem Stadtrat erstmals in einer ( nicht öffentlichen) Sitzung die bereits vor dem 05.07.2007 verteilten Planungen vorgestellt. Zu den Kosten wurde die Explosion auf 23 Mio. Euro bestätigt, jedoch sei durch Streichungen und Umschichtungen jetzt von Gesamtkosten von 19,4 Mio. Euro auszugehen, wobei die Beteiligung des Freistaates noch auszuhandeln sei. Die Planung wurde mehrheitlich, das heißt mit Gegenstimmen für gut befunden.

g) Am 09.10.2007 wurde dem Stadtrat die Finanzierung vorgestellt. Die Gesamtkosten beliefen sich nach den Schätzungen nun auf 20,55 Mio. Euro, wovon die Kur- GmbH aus ihrem Haushalt 1,4 Mio., der Freistaat 8,2 Mio. und die Stadt 10,5 Mio. tragen wollten bzw. sollten. Der Vorschlag wurde mit 11:9 Stimmen verabschiedet, die Gegenstimmen kamen ausschließlich von der FWG, der SPD und den GRÜNEN.

h) Danach formierten sich einige Bürger mit dem Ziel, einen Bürgerentscheid herbeizuführen, wonach keine Erweiterung an der Therme stattfinden, vielmehr ein neues Sportbad an der Münchener Allee gebaut werden soll. Die notwendige Anzahl von Unterschriften ist gesammelt, so dass es aller Voraussicht nach zu einem Bürgerentscheid kommen wird.

2. Stellungnahme der FWG: 

In der Sitzung vom 13.11.2007 haben die Gremien der FWG mit großer Mehrheit nachstehende Stellungnahme verabschiedet:

a) Grundsätzlich wünschenswert wären eine großzügige Erweiterung der Therme um einen Sauna- und Ruhebereich, sowie eine Möglichkeit zum sportlichen Schwimmen und zusätzlich ein Sportbad an der Münchener Allee mit Erweiterungsoption um eine Eislauffläche.

b) Dieser Wunsch ist aber finanziell nicht darstellbar.

c) Die Erweiterung der Therme wird immer eine Kompromisslösung sein, da die Interessen der verschiedenen Nutzergruppen stets gegensätzlich sein werden. Ein Spaßbad Am Standort Therme hält die FWG nicht für sinnvoll. Die verschiedenen Nutzergruppen würden sich wechselseitig noch mehr stören und behindern, als dies bei einer Erweiterung um ein Sportbad ohnehin schon der Fall sein wird. Außerdem sieht die FWG mit den zahlreichen Spaßbädern in der Gegend, so z.B. in Berchtesgaden, Ruhpolding, Inzell, Freilassing, Salzburg (geplant) hier keinen Bedarf und die große Gefahr der ( noch größeren ) Unwirtschaftlichkeit.

d) Trotzdem bekennt sich die FWG aus finanziellen Gründen zum Standort Therme. Denn in Zeiten knapper Kassen sind keine für alle Seiten optimalen Lösungen zu erreichen.

e) Der Bürgerentscheid wird daher nur im ersten Teil unterstützt, wonach die geplante Erweiterung so zu teuer und nicht sinnvoll ist.

f) Der Bürgerentscheid wird im zweiten Teil (Neubau einer Schwimmhalle an der Münchener Allee) nicht unterstützt. Denn dadurch wird das Platz- und Kapazitätsproblem der Therme nicht gelöst, so dass über kurz oder lang dennoch eine Thermenerweiterung nötig wäre, was finanziell nicht zu verantworten wäre.

g) Es ist für die FWG selbstverständliche demokratische Übung zu akzeptieren, dass ein Mitglied der Stadtratsfraktion anderer Meinung ist und diese offensiv nach außen vertritt.

3. Ratsbegehren:

Die Stadtratsfraktion der FWG wurde gebeten, einen Antrag auf  Durchführung eines so genannten Ratsbegehrens im Stadtrat mit folgenden Zielen zu beantragen:

Die Therme soll um ein Sportbad für Familien, Vereine und Thermennutzer sowie angemessen im Sauna- und Ruhebereich erweitert werden.

Es soll kein Spaßbad entstehen.

Die Kosten sind auf 14 Mio. Euro zu begrenzen.

Eine Schwimmhalle an der Münchener Alle wird nicht gebaut.

Die FWG gibt der Hoffnung Ausdruck, dass dieser vernünftige Kompromiss, der insbesondere auf der Verantwortung für den städtischen Haushalt gründet, eine Mehrheit im Stadtrat und sodann bei der Bürgerbefragung finden wird."


Harte, aber faire Diskussion ums Bad        RP17

Ruperti-Nachrichten    Axel Heise 20.11.2007
"Hunderte Reichenhaller informierten sich über den Neubau der Schwimmhalle. Die klare Ansage vom Freistaat: Wird das Bad nicht gebaut, ist der Zuschuss erst mal weg.

"Auch ein Bad an der Münchner Allee wird viel Geld kosten", sagt Oberbürgermeister Herbert Lackner … . "Wir können uns das teure Bad an der Rupertustherme nicht leisten", entgegnete Fritz Grübl. Hart … prallten … bei einer Infoveranstaltung der Kur GmbH die Meinungen aufeinander. Die Argumentation der Stadt untermauerte noch einmal der stellvertretende Kurdirektor Dirk Sasse: "Ein reines Sportbad geht am Markt vorbei. Niemand baut mehr in Deutschland so ein Bad." Das neue Bad könne auch die Nachfrage von Familien mit Kindern befriedigen: … Hingegen sagten die Vertreter des Bürgerbegehrens: "Wellness und Sportschwimmen unter einem Dach, das passt nicht zusammen." Zum ersten Mal äußerte sich das bayerische Finanzministerium, das den Anbau an der Rupertustherme mit 8,2 Millionen Euro mitfinanziert. … ‚Das [recte: der] Zuschuss für den Thermenanbau ist projektgebunden. Sollte das Bürgerbegehren durchkommen, ist das Geld erst mal weg. Wie die Neuverhandlungen ausgehen, kann ich nicht sagen'."
          

Freie für Abspecken        RP18

Ruperti-Nachrichten    Axel Heise 27.11.2007
"FWG will günstigeres Bad an der Rupertustherme

Die FWG-Fraktion will ein Ratsbegehren anstrengen, dass der Neubau des Bades auf 14 Millionen Euro abgespeckt wird, also ohne Rutschen, Familien und Kleinkinderbereich. Damit wenden sich die Freien Wähler sowohl gegen den Vorschlag der Stadt als auch die Vorschläge des Bürgerbegehrens. [Vgl. dazu oben FWG16 und nachfolgend FWG19] FWG-Stadtrat Fritz Grübl wird sich dem Vorschlag seiner Fraktionskollegen nicht anschließen. Er ist für ein Sportbad an der Münchner Allee. Spaßbad und Therme passen nicht zusammen." Die Situation habe sich durch den geplanten Bau des Spaßbades in Salzburg-Liefering noch einmal verschärft, … . Hingegen wendet sich der Gewerbeverein gegen die günstigere Lösung an der Münchner Allee: "Die einseitige Ausrichtung eines reinen ‚Sportbads für die Reichenhaller Bevölkerung' an einem anderen Standort verkennt zumal die Zusammenhänge zwischen Wirtschaft und Tourismus in Bad Reichenhall", heißt es in einer Presseerklärung."
Was bei der Planung an Kreativität (und/oder politischem Mut) fehlt, versucht man mit Fantasie bei der Mittelbeschaffung wettzumachen. Dazu erfahren wir nämlich:
"Unterdessen hat CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer bei Verteidigungsminister Franz-Josef Jung um finanzielle Unterstützung angefragt, nachdem SPD-Kollegin Bärbel Kofler damit schon abgeblitzt war. Die Antwort: Eine Finanzhilfe wird geprüft, Voraussetzung ist aber Gratisschwimmen für die Soldaten."
Zu einer Teilfinanzierung des Reichenhaller Schwimmbades aus dem bundesdeutschen Verteidigungshaushalt wird es hoffentlich nicht kommen; ich gehe mal davon aus, dass auch die Antwort des Ministeriums an Ramsauer als eine, wenn auch politisch verklausulierte, Absage anzusehen ist. Ansonsten hätte ich als deutscher Steuerzahler noch sehr viel direktere Gründe, mich über die Reichenhaller Bäderpläne zu echauffieren.
          

Antrag der FWG im Stadtrat zum Ratsbegehren     FWG19

"Antrag der FWG für die Sondersitzung vom 03.12.2007 auf Durchführung eines Ratsbegehrens

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Lackner,

hiermit bitten wir Sie höflich, für die geplante Sondersitzung vom 03.12.2007 folgenden weiteren Tagesordnungspunkt aufzunehmen:

Antrag der FWG Fraktion auf Durchführung eines Ratsbegehrens

Die FWG-Fraktion beantragt die Durchführung eines Ratsbegehrens wie folgt: Der Stadtrat möge ein Ratsbegehren gemäß § 18 a Abs. 2 Gemeindeordnung mit folgendem Inhalt beschließen: Die Stadt Bad Reichenhall beteiligt sich an einem Neubau und einer Erweiterung an der Rupertustherme nur unter folgenden Bedingungen:

Die Therme soll um ein Sportbad für Familien, Vereine und Thermennutzer sowie angemessen im Sauna- und Ruhebereich erweitert werden.

Es soll kein Spaßbad entstehen.

Die Gesamtkosten der Erweiterung und des Neubaus sind auf 14 Millionen EURO zu begrenzen.

Eine Schwimmhalle an der Münchner Allee wird nicht gebaut.

Weiterhin beantragen wir für den Fall, dass der Stadtrat die Zulässigkeit des Bürgerentscheids beschließt, die Durchführung eines Stichentscheids gemäß 18 Abs. 12 Satz 3 Gemeindeordnung mit folgender Stichfrage:

Ich bin für die städtische Beteiligung an der Erweiterung der Therme um ein Sportbad für Familien, Vereine und Thermennutzer sowie angemessen im Sauna- und Ruhebereich, ohne Spaßbad und für Kosten in Höhe von insgesamt max. 14 Millionen EURO.

Ich bin gegen die städtische Beteiligung an der Erweiterung der Therme um ein Familienspaßbad mit Erweiterung des Sauna- und Ruhebereiches für Gesamtkosten von etwa 20,5 Millionen EURO und für den Neubau einer Schwimmhalle an der Münchner Allee.

Begründung:

Grundsätzlich wünschenswert wären eine großzügige Erweiterung der Therme um einen Sauna- und Ruhebereich sowie eine Möglichkeit zum sportlichen Schwimmen und zusätzlich ein Sportbad an der Münchner Allee mit Erweiterungsoption um eine Eisfläche. Dieser Wunsch ist aber finanziell nicht darstellbar. Die Erweiterung der Therme wird immer eine Kompromisslösung sein, da die Interessen der verschiedenen Nutzergruppen stets gegensätzlich sein werden. Ein Spaßbad am Standort Therme hält die FWG nicht für sinnvoll. Die verschiedenen Nutzergruppen würden sich wechselseitig noch mehr stören und behindern als dies bei einer Erweiterung um ein Sportbad ohnehin schon der Fall sein wird. Außerdem sieht die FWG mit den zahlreichen Spaßbädern in der Gegend, so z. B. in Berchtesgaden, Ruhpolding, Inzell, Freilassing, Salzburg (geplant) hier keinen Bedarf und die große Gefahr der (noch größeren) Unwirtschaftlichkeit. Trotzdem bekennt sich die FWG aus finanziellen Gründen zum Standort Therme. Denn in Zeiten knapper Kassen sind keine für alle Seiten optimalen Lösungen zu erreichen. Ein Neubau an der Münchner Allee ist aus Sicht der FWG nicht sinnvoll. Denn dadurch wird das Platz- und Kapazitätsproblem der Therme nicht gelöst, so dass über kurz oder lang dennoch eine Thermenerweiterung nötig wäre, was finanziell nicht zu verantworten wäre. Daher sieht die FWG eine sinnvolle Lösung darin, die Therme zu erweitern wie beantragt und kein neues Schwimmbad an der Münchner Allee zu bauen. Die FWG gibt der Hoffnung Ausdruck, dass dieser vernünftige Kompromiss, der insbesondere auf der Verantwortung für den städtischen Haushalt gründet, eine Mehrheit im Stadtrat und sodann bei der Bürgerbefragung finden wird. Hinsichtlich der Fassung der Stichfrage sind wir für Änderungs- und Ergänzungsanregungen zur Formulierung dankbar.

Mit freundlichen Grüßen

Friedrich K. Hötzendorfer"
          

Bad: Bürgerentscheid am 10. Februar         RP20

Ruperti-Nachrichten    Axel Heise 04.12.2007
"Über den Bau des Schwimmbades an der Rupertustherme entscheiden die Reichenhaller Bürger am Sonntag, 10. Februar 2008. Dies beschloss der Stadtrat am Montag. … Die Fragestellung lautet nun:

Sind Sie dafür, dass die Stadt als Gesellschafter der Kur GmbH sich dafür einsetzt, dass die Beschlüsse zum Bau und Finanzierung des Schwimmbades an der Rupertustherme wieder rückgängig gemacht werden und stattdessen die Stadt ein Sport- und Schulbad am bisherigen Standort errichtet?"
Interessant ist hier die Formulierung "Sport- und Schulbad". Das bedeutet im Grunde: ein Hallenbad im klassischen Stil und schließt ein Familien- und Spaßbad aus. Damit würde aus meiner Sicht aber gerade die weitaus überwiegende Zahl potentieller Nutzer (Familien und Kinder außerhalb des Schulschwimmens) benachteiligt, wobei es sich auch noch um die Vollzahler handelt, während die sicher erheblichen Mehrkosten für Zuschauertribünen usw. für den relativ kleinen Kreis der Sportschwimmer (die einen drastisch ermäßigten Eintrittspreis zahlen werden) nicht in Frage gestellt und für die Öffentlichkeit nirgends sichtbar werden. Sportschwimmer haben offenbar (wie man oben auch an den Forderungen der SPD sehen konnte) eine schlagkräftige Lobby, die Familien nicht.
Darüber hinaus zeigt aber die Art der Fragestellung, dass die Entscheidungsfreiheit der Bürger mit derartigen Elementen einer Bürgerbeteiligung (zwangsläufig) sehr eingeschränkt ist.
Denn im Grunde stehen ja 4 sich matrixartig überschneidende Alternativen zur Debatte, die hier auf 2 ‚eingedampft' wurden.
Zwei Alternativen sind räumlicher Natur:
Anbau an der Ruperthustherme oder auf dem früheren Gelände in Bahnhofsnähe?
Zwei (oder sogar 3) weitere betreffen die Konzeption des Bades:
Schwimmbad klassischer Art oder Familien- und Spaßbad? (Wobei – als weitere Alternative - ein traditionelles Hallenbad sowohl mit als auch ohne Wettkampfeinrichtungen vorstellbar ist.)
Die Bürger haben also nur eine sehr eingeschränkte Wahl. Das ist schon rein technisch auch kaum anders möglich; es zeigt aber die Grenzen einer Bürgerbeteiligung (nicht nur bei diesem Projekt) auf.
          

Bad-Abstimmung naht        RP21

Ruperti-Nachrichten    Axel Heise 29.01.2008
"Am Sonntag, 10. Februar, haben in Bad Reichenhall die Bürger das Wort: Wohin soll das neue Hallenschwimmbad? An die Rupertustherme oder an die Münchner Allee?

… Das wichtigste Argument des Bürgerbegehrens sind die mit rund 20 Millionen Euro veranschlagten sehr hohen Investitionskosten für den Bau an der Rupertustherme. "Die Stadt muss dazu rund zehn Millionen Euro beisteuern, das Ganze soll aus dem Vermögenshaushalt, sprich mit Schulden, finanziert werden", warnt Stadtrat Fritz Grübl, der das Bürgerbegehren unterstützt. Wer keinen Investitionsstau auf Jahre will, müsse deshalb für das günstigere Bad an der Münchner Allee sein: … Das kleine Bad wäre für eine klar definierte Zielgruppe: Schüler, Bundeswehr und Vereine. "Wenn die Salzburger ein Bad bauen, dann haben wir mit der Watzmanntherme drei Spaßbäder in der Region, es droht ein ruinöser Wettbewerb", sagt Grübl. Hingegen sagt die Stadt: "Eine kleine Lösung an der Münchner Allee ist eine nicht mehr zeitgemäße Schwimmhallenkonzeption, die eine klarere Positionierung der Rupertustherme als Wohlfühlbad verhindert. Die Folge, so die Argumentation der Stadt, wäre: "Zusätzliche Fehlbeträge für den städtischen Haushalt von voraussichtlich 200.000 Euro." Die Stadt hofft hingegen mit einem Bau an der Rupertustherme, dass die Therme, die bisher vor allem von Erholungssuchenden genutzt wurde, nun auch für Familien mit Kindern attraktiver wird. Die Stadt glaubt im Unterschied zu den Befürwortern des Bürgerbegehrens nicht, dass sich Thermenlandschaft und Sportschwimmbad beißen, sondern vielmehr ergänzen."
Mit ihren Argumenten gegen eine kleine Lösung hat die Stadtverwaltung zweifellos Recht; aber um die Auswirkungen eines Anbaus an die Therme beurteilen zu können, müsste man die genaue Konzeption des Sport-, Spaß- und Familienbades kennen. Und darüber findet sich in sämtlichen Texten, die ich im Internet finden konnte, absolut nichts! Ohne diese Kenntnis ist jegliche "Bürgerbeteiligung" sinnlos. Ich frage mich, ob etwa im Reichenhaller Tagblatt mehr dazu stand, oder ob und ggf. aus welchen Gründen die Stadt- bzw. Kurverwaltung ihre Konzeptionen geheim halten wollten. Denkbar wäre z. B., dass aus der Detailkonzeption eine Mitfinanzierung des Mehrzweckbades eine teilweise Verwendung von Finanzmitteln des Landes für dieses Bad deutlich würde, oder zumindest streitig werden könnte, welche Mittel welchem Projekt zuzuordnen sind. Dann wäre die Geheimniskrämerei zwar verständlich, müsste aber für alle anderen (zumindest bayerischen) Steuerzahler ein Ärgernis sein.
 

Webseite der Stadtverwaltung: Kontra + Pro        Stadt21 (ca. Ende 2007/Anfang 2008)
          

Begründung der Bürgerinitiative für das Bürgerbegehren "Schwimmhallenneubau"

"Warum wir FÜR ein Sport- und Schulschwimmbad an der Münchner Allee sind:

Weil:

ein Schul- und Sportschwimmbad in die Nähe von Schulen und Sportanlagen gehört.

ca. 2.000 Schülerinnen und Schüler aus St. Zeno dieses Bad zu Fuß erreichen können.

der Standort Münchner Allee mit öffentlichen und privaten Verkehrsmitteln gut erreichbar ist. Die bestehende Infrastruktur erfordert keine weiteren Investitionen.

dieses Bad familienfreundlich und behindertengerecht wäre: Umkleiden, Sport-, Nichtschwimmer- und Kleinkinderbecken können auf einer Ebene angesiedelt werden.

staatliche Finanzausgleichsmittel (FAG) standortunabhängig, also auch für den Standort Münchner Allee vergeben werden.

modernste Energietechnologie sehr viel niedrigere Betriebskosten ermöglicht und von umliegenden öffentlichen Gebäuden (Sporthalle, Haus der Jugend, Schulen, Kindergarten) mitgenutzt werden könnte.

genügend Fläche für den Anbau weiterer Sportstätten (z. B. Eislaufplatz) vorhanden ist.

die Münchner Allee wieder ein attraktives Zentrum für Jugend, Sport und Familie in bevorzugter Lage bei Schulen und Hauptbahnhof werden soll.

Warum wir GEGEN den Neubau eines Sport-, Schul- und Erlebnisschwimmbades bei der RupertusTherme sind:

Weil:

ein Schul-, Sport- und Erlebnisbad nicht mit dem Erholungsanspruch eines Kur- und Wellnessbades auf engstem Raum vereinbar ist.

die Stadt genau wie an der Münchner Allee die Kosten für das Sportbad alleine tragen muss.
Der Zuschuss des Freistaats von 8,2 Mio. € wird ausschließlich für den Ausbau der Thermen- und Saunenlandschaft gewährt.


ein Bad an der Therme nur gebaut werden kann, wenn die Therapiehalle, Teile der Saunenlandschaft und die Trafostation abgerissen werden. Dadurch werden 150 m2 thermengerechter Wasserfläche vernichtet und Steuergelder in Millionenhöhe verschwendet.

die vorgesehene Planung die Kapazität der Therme nicht erhöht, da keine Wellness versprechenden Wasserflächen geschaffen werden.

das Bad dem Publikum durch Schul- und Vereinssport nur eingeschränkt zur Verfügung steht. Die Therme wird daher während dieser Zeiten nicht entlastet.

ca. 2.000 Schüler aus dem Schulbereich St. Zeno kostenaufwändig zum Schwimmbad trans-portiert werden müssten.

der Standort Paepkestraße kostenintensive Straßenumbauten erfordert. Es ist mit Lärm und erhöhtem Verkehrsaufkommen in der Kurzone I zu rechnen.

durch das geplante zweigeschossige Gebäude der Blick auf den Rupertuspark und die Berge und damit ein wesentlicher Vorzug unserer Therme zerstört wird.

kein Platz für die nötige thermengerechte Erweiterung der Wasserflächen im Freien bleibt.

der Markt für Erlebnisbäder durch die Watzmanntherme und das geplante, 43 Mio. € teure Spaßbad in Salzburg-Liefering gesättigt sein wird.

es kaum Synergieeffekte gibt: Ein Erlebnisbad mit Rutschen, Außenbecken und aufwändiger Technik verursacht enorme Energie-, Personal- und Wartungskosten.

die geplanten Eintrittspreise für Familien und Jugendliche unzumutbar sind.

die Münchner Allee wieder ein attraktives Zentrum für Jugend, Sport und Familie in bevorzugter Lage bei Schulen und Hauptbahnhof werden soll.

Wir wollen eine Therme als Wellness-Oase und ein funktionelles Bad an der Münchner Allee für Kinder, Sportler und Familien. Wir wollen keinen Kompromiss, der niemanden zufrieden stellt, sondern zwei zukunftssichere Einrichtungen."
Ganz beiläufig erfährt man hier etwas darüber, dass auch ein Außenbecken für die Thermenerweiterung geplant war. Das könnte man natürlich unabhängig vom Standort weglassen. Dass es sehr viele Thermenbesucher zu einem Abstecher vom Salzwasser ins Süßwasser verlocken (und damit die Therme entlasten) würde, halte ich ohnehin für ausgeschlossen, sofern es nicht außergewöhnliche Attraktionen bietet. Die kann ich allerdings nicht erkennen.


Stellungnahme der Stadt Bad Reichenhall zum Bürgerbegehren "Schwimmhallenneubau"

"Vorteile für das Schwimmbadprojekt am Standort RupertusTherme:

Dringend notwendige Ergänzung des Angebots der RupertusTherme im Bereich sportliches Schwimmen [Die Dringlichkeit bezweifele ich.]
erstmalige Schaffung eines Familien- und Kinderbereichs, auch zur Entlastung der Thermenlandschaft

Schaffung der dringend benötigten Ruheräume für die Therme

Attraktivierung der Saunalandschaft

Nutzung von erheblichen Synergien aus der Konzentration der Bäderstandorte (Betriebsführung, technische Betreuung, Personalplanung usw.)

Finanzierungsbeitrag des Staates von 8,2 Mio. € für die Erweiterung der Therme und anteilmäßig auch für die Vorteile der Therme aus dem Sport- und Familienbad[Was soll man sich darunter konkret vorstellen?]
zusätzlich kostenfreie Bereitstellung des Baugrundstückes durch den Staat (Wert ca. 1 Mio. €)

vorzeitige, unkündbare Beteiligung des Staates an der Kur-GmbH bis 2023, bei einer schrittweisen Übernahme zusätzlicher Geschäftsanteile durch die Stadt; bei Scheitern des Schwimmbadprojekts muss für die Zeit nach 2016 völlig neu verhandelt werden

das neue Präventionsbecken ersetzt künftig die 20 Jahre alte, sanierungsbedürftige Therapiehalle

verkehrsgünstige Lage für alle Nutzergruppen (Schulen von Karlstein bis Teisendorf, Bundeswehr, örtliche Vereine)

Nachteile eines Sportbades am Standort Münchner Allee:

Ein für den öffentlichen Badebetrieb geeignetes Sportbad, die verlorenen anteiligen Planungskosten für den Standort Therme und die notwendige Erweiterung der Therme führen zu einem etwa gleich hohen Finanzierungsbeitrag für die Stadt, ohne ein Angebot für Familien und Kinder zu erreichen

ein reines Sportbad ist eine nicht mehr zeitgemäße Schwimmhallenkonzeption mit wesentlich geringerer Nachfrage; die frühere Schwimmhalle als reines Sportbad hatte durchschnittlich nur noch unter 200 zahlende Besucher pro Tag einschl. der stark ermäßigten Vereinseintritte

ein reines Sportbad verursacht für die Stadt einen um voraussichtlich 200.000 € höheren Fehlbetrag pro Jahr

Wer das Bürgerbegehren unterstützt

versagt Familien und Kindern ein zeitgemäßes Badeangebot in Bad Reichenhall

vergibt die Chance einer touristischen Fortentwicklung des Staatsbades Bad Reichenhall

unterstützt eine nicht mehr zeitgemäße Schwimmhallenkonzeption an der Münchner Allee und gefährdet die klarere Positionierung der RupertusTherme als Wohlfühlbad

setzt staatliche Sonder-Fördergelder für das Projekt Thermenerweiterung von 8,2 Mio. € aufs Spiel

verzögert das Sportschwimmen für Schulen und Vereine auf unbestimmte Zeit

belastet den städtischen Haushalt dauerhaft mit zusätzlichen Fehlbeträgen von voraussichtlich 200.000 € pro Jahr."
          

Alternative Fundstelle für diese beiden Dokumente auf den Webseiten der "BGL Medien"-Gruppe: für Standpunkt der Bürgerinitiative // für Standpunkt der Stadtverwaltung


Die Argumente beider Seiten sind irgendwo nachvollziehbar, doch beschleicht einen auch das Gefühl, dass beide hier nicht alles ansprechen, was diskutiert werden müsste. Bei der Bürgerbewegung scheint es nach meinem Eindruck eher um den Schutz eigener Interessen als Thermenbenutzer (vielleicht auch als Grundstücksnachbarn) zu gehen. Auf jeden Fall gehen hier die Interessen von Familien und Kindern total den Bach runter, und die Folgen für den städtischen Haushalt scheinen auch nicht zu interessieren. Aber vielleicht täuscht der Eindruck und das Manöver der Bürgerbewegung war ein raffinierter Schachzug um dem Sportbadbau auf die lange Bank zu schieben. Damit hätte man dem Stadtsäckel sogar einen Dienst erwiesen, denn mit der vorliegenden Konzeption fürchte ich, dass auch ein Spaßbad an der Therme ein kostspieliger Defizitbetrieb wäre.
Auf Seiten der Stadt ist völlig unklar, wie die Verwaltung (bzw. die Kur-GmbH) sich eine Entlastung der RupertusTherme durch ein an diese angebautes Sport-, Spaß- und Familienbades konkret vorstellt. In simple Schwimmbecken wird kaum jemand reingehen, wenn er mit seiner Eintrittskarte auch die Therme nutzen kann. Zwar würde z. B. ich persönlich zwischendurch auch gern mal ein paar Runden in einem richtigen Schwimmbecken drehen, aber das nur, wenn ich für längere Zeit (so etwa ab drei Stunden) Thermeneintritt bezahlt hätte. Und eben auch nur für kurze Zeit; letztlich locken dann doch die sprudelnden Solebecken der Therme mehr als selbst eine evtl. Rutsche und ein evtl. Strömungskanal im Süßwasserbecken. Allerdings bin ich sicher, dass im Rahmen einer Gesamtlösung – Eintritt berechtigt zur Nutzung des Solebades ebenso wie des Spaßbades – eine Rutsche und ein Süßwasser-Strömungskanal von Familien, Kindern und auch von Gästen, die eigentlich der Therme wegen kommen, gut angenommen würde, dass dieser "Schnickschnack", wie er verschiedentlich in der Diskussion bezeichnet wurde, also wesentlich zu einer Verteilung der Badegäste auf die verschiedenen Wasserbecken beitragen würde. Wenn man aber für das Vielzweckbad einen eigenen Eintritt(spreis) anbieten will (und so ist es ja wohl), muss dieses schon eine ganze Reihe von Anreizen bieten, damit die Leute das Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergleich zum Thermalangebot als angemessen wahrnehmen und das Schwimmbad auch wirklich nutzen.
          


ABSTIMMUNGSERGEBNISSE DES BÜRGERENTSCHEIDES


Vorläufiges Ergebnis Bürgerentscheid Schwimmhallenneubau. Endergebnis 7 Stimmbezirke    Stadt23 (Webseite der Stadtverwaltung)
(Datum: nach der Abstimmung vom 10.02.2008)
          

 Ja BE          
             
  53,0 %           
 Nein BE           
             
  47,0 %             
          

Wahlbeteiligung: 39,4%
Die notwendige Mindeststimmenzahl (2.746 Stimmen) wurde erreicht.
Höchster Stimmenwert: 2.851 Stimmen (für Ja BE)
          

(Hinweis: Die –gerundeten- Zahlen für die unmittelbare Wahlbeteiligung habe ich selbst errechnet und eingefügt; dazu kommen offenbar noch Briefwahlstimmen – vgl. unten den "Stimmbezirk 1.B21")
         

            Wahlberechtigte          Wähler/-innen         Ja BE           Nein BE          
Endergebnis          13.729 [39 %]         5.411          2.851
53,0%
2.531
47,0%
          

Nr.           Stimmbezirk           Wahlberechtigte          Wähler/-innen         Ja BE           Nein BE           
1.1           Haus d. Gastes Karlstein, Thumseestr.56a
[32% Beteiligung]         
2.995           956         428
44,9%
525
55,1%
1.2           Städt. Bauhof. Hallgrafenstr. 2 a
[37 % Beteiligung]         
2.217          810           402
49,9%
403
50,1%
1.3            Grundschule, Heilingbrunnerstr. 3
[25% Beteiligung]         
2.187           554          243
44,1%
308
55,9%
1.4          Reha-Klinik, Traunfeldstr. 13
[38 % Beteiligung]         
2.306           880           543
61,7%
337
38,3%
1.5            Pfarrheim St. Zeno, Salzburger Str.29
[32 % Beteiligung]          
2.389           774          505
65,3%
268
34,7%
1.6            Grundschule Marzoll, EG rechts, Schloßberg
[38 % Beteiligung]          
1.635           617           299
48,5%
318
51,5%
1.B 21           Grundschule, Heilingbrunnerstr. 3
[Briefwähler?]  [6% d. Wahlberechtigten] 
-           820          431
53,7%
372
46,3%
          

Interessant ist, dass es nur in 3 der 6 Stimmbezirke eine Mehrheit für das Bürgerbegehren gab, und davon nur in zweien eine sehr deutliche. Die Traunfeldstraße und die Reha-Klinik liegen in der Nähe der RupertusTherme. Hier darf man wohl Anwohnerinteressen bzw. –befürchtungen als tragendes Motiv hinter der Ablehnung einer Thermenerweiterung vermuten: Verkehrsbelastung, Minderung der Grundstückswerte.
Beim Pfarrheim St. Zeno hat vielleicht gerade umgekehrt die räumliche Nähe zum alten Schwimmbadort an der Münchner Str. eine Rolle gespielt (man kann darüber spekulieren, dass es hier insbesondere die Eltern waren, die ein Interesse daran haben, dass ihre Kinder möglichst in der Nähe zum Schulschwimmen gehen können).
Auffallend ist bei der Wahlbeteiligung das Desinteresse der Bürger im Stimmbezirk "Grundschule, Heilingbrunnerstr. 3" mit nur 25% Beteiligung gegenüber 39% im Durchschnitt.
          

Unklar war für mich zunächst, wieso in der o. a. Aufstellung der Stimmbezirk "Grundschule, Heilingbrunnerstr. 3" doppelt erscheint (1.3 und am Schluss unter 1.B21) und wieso bei der zweiten Angabe die Zahl der Wahlberechtigten fehlt.
Die Summe der Wähler aus den -6- Stimmbezirken 1.1 bis 1.6 ergibt jedenfalls schon die o. a. Gesamtzahl von 13.729 Wahlberechtigten. Die Summe der Abstimmenden (5.411) ergibt sich allerdings erst unter Einschluss der Position 1.B21. Ich vermute deshalb, es handelt sich um Briefwähler, deren Stimmen in dieser Schule ausgezählt wurden.
          

Bad an die Münchner Allee        RP24

Ruperti-Nachrichten; Kathrin Thoma-Bregar 12.02.2008
"Bürger von Bad Reichenhall lehnen den Standort Rupertustherme ab

In Reichenhall wird es kein Sport- und Familienbad an der Rupertus-Therme geben. Eine knappe Mehrheit von 53 Prozent sprach sich beim Bürgerentscheid dagegen aus.

… Auch wenn die Bürgerinitiative mit knappen Mehrheiten führte, rechnete keiner im kleinen Sitzungssaal damit, dass auch das notwendige Quorum von 2.746 Ja-Stimmen erreicht wird. Initiatorin Elisabeth Wolf: "Wahrscheinlich war das Wetter zu gut." Eine halbe Stunde später lag dann das überraschende Ergebnis vor: 2.851 der Reichenhaller Bürger fordern, dass die Stadt Bad Reichenhall ein Sport- und Schulschwimmbad am alten Standort Münchner Allee und keinen Anbau an der Rupertus-Therme errichtet. "Wir sind froh, dass wir Schaden von Bad Reichenhall abhalten konnten", freut sich Elisabeth Wolf von der Bürgerinitiative. "Die Therme soll sich auf Salz und Ruhe konzentrieren". Ein Familienbereich wäre mit diesem Anspruch nicht zu vereinbaren. Das findet auch Kollege Wolfgang Huber, … .Reichenhalls Oberbürgermeister Herbert Lackner … gratulierte den Initiatoren. "Das Ergebnis haben wir zu akzeptieren", macht er klar. Nun stehe als erstes die "Rückabwicklung Standort Therme" an. Das heißt im Klartext: Auflösung der Verträge mit der Kur-GmbH und den beauftragten Planungsbüros sowie die Klärung der Übernahme von bisher angefallenen Kosten in Höhe von etwa zwei Millionen Euro. Zum Hallenneubau am alten Standort sagte Lackner nur so viel: "Die Errichtung eines Bades an der Münchener Allee steht erstmal, wie jeder andere Bau auch, unter dem Vorbehalt der Finanzierung und Planung."
Auch hier wird deutlich, worum es nach meiner Meinung den Initiatoren des Bürgerbegehrens in allererster Linie ging: nicht um die Interessen von Familien oder auch Sportlern, sondern darum, quirlige Kinder nach Möglichkeit aus der Therme heraus zu halten. (Die Stimmberechtigten, die gegen den Schwimmbadanbau an die Therme gestimmt haben, mögen allerdings ganz unterschiedliche Motive gehabt haben. Bei einigen könnte z. B. auch die Hoffnung eine Rolle gespielt haben, auf diese Weise die Option für den späteren Bau einer Eishalle offen zu halten.)
          


NEUE FAKTEN NACH DEM BÜRGERENTSCHEID: STANDORT MÜNCHNER ALLEE WIRD FÜR TOURISTIKHOCHSCHULE BENÖTIGT
 
"Chiemgau Online" [Hier das Impressum; das Blatt gehört zur ‚Mediengruppe' der Fa. ] Alois Erdl KG in 83308 Trostberg) 11.04.08    CHO25

Bürger in Reichenhall werden erneut zum Hallenbad befragt

Der Text ist nicht mehr online, stützt sich aber ohnehin offenkundig auf die anschließend wiedergegebene Stellungnahme der Stadtverwaltung Bad Reichenhall.
           

Reichenhaller Tagblatt (Nach dem 02.04.2008)        RTGBL26

Informationen zu den Folgen des Bürgerentscheids     28.03.2008/2/201
Offenbar handelt es sich hier um eine Presseinformation oder Ratsvorlage der Stadtverwaltung; der unter dem Text angeführte ‚Autor' (Franz) Rehrl ist Stadtkämmerer, also gewissermaßen der ‚Finanzminister' von Bad Reichenhall: s. unten die Meldung im Reichenhaller Tagblatt v. 19.04.08]. Da es sich um eine Presseerklärung der Stadt handelt, gebe ich sie hier in vollem Umfang wieder:
Aktuelle Situationsbeschreibung anlässlich der Stadtratssitzung vom 2. April 2008

"1. Projekt Thermenerweiterung

Nach dem Ergebnis der Verhandlungen mit dem Finanzministerium war geplant, am Standort RupertusTherme einen Erweiterungsbau zu errichten mit insbesondere folgenden Funktionen

Sport- und Familienbad

Attraktivierung der Saunalandschaft

Erweiterung der Ruhebereiche.

Standort, Planung und Finanzierung wurden durch Stadtratsbeschlüsse vom 16.1.2007, 9.8.2007 und 9.10.2007 genehmigt. Auf dieser Grundlage hat die Kur-GmbH die erforderlichen Planungsaufträge erteilt. Die Gesamtkosten wurden nach vorliegender Planung einschl. der von der Stadt geforderten 6. Schwimmbahn mit 19,172 Mio. € veranschlagt. Davon entfielen auf die Stadt für das Sport- und Familienbad einschl. 6. Bahn  8,239 Mio. € und auf die Thermenerweiterung  2,229 Mio. €, zusammen 10,468 Mio. €. [Also: das Schwimmbad – ohne Thermenerweiterung- kostet in der zuletzt geplanten Form ca. 8,2 Mio. €]
Ferner wurde vom Freistaat Bayern die kostenfreie Bereitstellung des Baugrundstücks zugesagt und es wurde Einigung erzielt über die schrittweise Übernahme von 12,5 % Gesellschaftsanteilen an der Kur-GmbH durch die Stadt bis 2015 bei gleichzeitiger unkündbarer Verlängerung des Konsortialvertrages und des Gesellschaftsvertrages bis 31.12.2023 als Vorgriff auf die für 2016 anstehenden Vertragsverhandlungen.

2. Bürgerentscheid

Die Bürger der Stadt haben am 10.2.2008 entschieden, die Stadt als Gesellschafterin der Kur-GmbH soll sich dafür einsetzen, dass die Beschlüsse zum Bau und zur Finanzierung des Schwimmbades bei der RupertusTherme wieder rückgängig gemacht werden und statt dessen die Stadt ein Sport- und Schulbad am bisherigen Standort errichtet.

3. Folgen einer Rückabwicklung

Die finanzielle Beteiligung des Freistaats Bayern als Gesellschafter der Kur-GmbH in Höhe von 8,2 Mio. € am Gesamtprojekt Thermenerweiterung ist verloren. Über den Erweiterungsbedarf nur für die Therme muss zwischen den Gesellschaftern der Kur-GmbH neu verhandelt werden. Diese reine Thermenerweiterung muss alle Prüfungsschritte durchlaufen und vom Finanzministerium und den Gremien des Landtags gebilligt werden. Damit kann ein neues Projekt – wenn überhaupt – frühestens ab dem Jahr 2011 realisiert werden. Die Anwendung des für die Stadt günstigeren alten Thermenschlüssels (Anteil Staat 75 % anstelle von 62 %) ist schon aufgrund des zeitlichen Abstands zum Neubau der RupertusTherme nicht mehr zu erreichen.

Für die bisher erbrachten Planungsleistungen sind Kosten von 1,551 Mio. € angefallen. Die Trennung Thermenerweiterung und Präventionsmaßnahme führt aufgrund der geringeren Bezugssumme und der Degressionsregelung in der HOAI zu um 110.000,-- bis 150.000,-- € höheren Planungskosten für den Präventionsbereich. Ferner haben die beauftragten Planungsbüros bei Aufgabe des Projekts im Rahmen des § 649 BGB Anspruch auf Ausgleich des entgangenen Gewinns; die Höhe kann derzeit nicht beziffert werden, die Forderungen können ohne Folgeprojekt bis zu 1,0 Mio. € betragen. Diese Planungskosten sind bei einer Rückabwicklung verloren, unabhängig aus welchem öffentlichen Haushalt sie finanziert werden. Der Freistaat Bayern will die vollen Kosten der Stadt anlasten. Das ist aus der Sicht der Stadt nicht gerechtfertigt, die Stadt wird aber in Höhe ihres Finanzierungsanteils am Gesamtprojekt eintreten müssen. Bei den bereits erbrachten Planungsleistungen und den höheren Planungskosten für die Präventionsmaßnahme liegt der städtische Anteil zwischen 0,907 und 0,929 Mio. €.

Bei einer Rückabwicklung sind auch die Verhandlungsergebnisse zum Konsortial- und Gesellschaftsvertrag hinfällig. Das Ergebnis neuer Verhandlungen ist offen. Das Finanzministerium wird ab 2016 auf Übernahme der Mehrheit der Gesellschaftsanteile durch die Kommunen bestehen, da das Quorum der Dreiviertelmehrheit für alle wichtigen Entscheidungen dem Staat als Minderheitsgesellschafter zugute kommt.

4. Schwimmhalle an der Münchner Allee

Die Initiatoren des Bürgerentscheids haben für den Standort Münchner Allee ein Sport- und Schulbad vorgeschlagen, zunächst Kosten von 4 – 5 Mio. €, später von 7,8 Mio. € genannt und im Schreiben vom 25.2.2008 die Erwartung auf ein vernünftiges und großzügiges Sport- und Familienbad zum Ausdruck gebracht.

Mit Schreiben vom 5.3.2008 haben die Initiatoren der Stadt eine Kostenschätzung ohne Pläne für ein Sportbad in solider aber einfacher Bauweise und Ausstattung an der Münchner Allee zugesandt. Danach sind geplant:

Ein Schwimmbecken 25 m mit 6 Bahnen

ein Lehrschwimmbecken 16,66 m x 8,0 m

ein Kinderbecken mit 15 m²

"anständige" Umgänge, Umkleide- und Sanitärtrakt, Eingangshalle und diverse Nebenräume.

Die Gesamtkosten werden mit 6,53 Mio. € netto beziffert. Eine Überprüfung der Kostenschätzung hat ergeben, dass die Planungskosten nur mit rd. 50 % des gültigen HOAI-Satzes eingestellt wurden und dass der Kostenkennwert pro m³ umbauter Raum mit rd. 363,-- € zu gering angesetzt ist. Wenn man dennoch nur die Gesamtkosten von 6,53 Mio. € und die auf die Stadt treffenden verlorenen Planungskosten von rd. 0,9 Mio. € ansetzt, beträgt die Differenz zur Kostenbelastung der Stadt für das Sport- und Familienbad an der Therme von 8,239 Mio. € nur rd. 0,8 Mio. €. Unter Berücksichtigung realistischer Planungskosten aufgrund der HOAI-Bindung für die Stadt und realistischer Baukosten sowie der verlorenen Planungskosten und des entgangenen Gewinns ist das einfache Sportbad an der Münchner Allee teuerer als das Sport- und Familienbad an der Therme.

Gravierender als die einmaligen Investitionskosten sind die laufenden Folgelasten. Ein Sportbad, das auch nicht annähernd das Angebot der früheren Schwimmhalle erreicht, wird nicht zu einer Steigerung der Besucherzahlen im öffentlichen Badebetrieb führen. Wenn man die Besucherzahlen der früheren Schwimmhalle des letzten Betriebsjahres und einen durchschnittlichen, bereits erhöhten Eintrittspreis von 3,-- €/Besucher zugrundelegt, können durch die Einnahmen von rd. 200.000,-- € nicht einmal die Personalkosten für den öffentlichen Badebetrieb gedeckt werden. Sollte aus diesem Grund auf einen öffentlichen Badebetrieb verzichtet und nur eine Schul- und Vereinsschwimmhalle betrieben werden, müsste, da dann kein Betrieb gewerblicher Art gegeben wäre, wegen des fehlenden Vorsteuerabzugs bei den Herstellungskosten von 7,8 Mio. € brutto ausgegangen werden. Jedenfalls steht fest, dass der Betrieb dieses einfachen Sportbades zu wesentlich höheren Betriebsverlusten für die Stadt auf Dauer führt.

Der Standort Münchner Allee mit einem einfachen Sportbad hätte im Vergleich mit der Thermenerweiterung zur Folge:

höhere finanzielle Belastung der Stadt (Neubau, verlorene Planungskosten, entgangener Gewinn)

höhere laufende Betriebsverluste bei deutlich geringerer Attraktivität

kein Familienbad

Wegfall der Synergien, z.B. Entlastung der Therme durch Familien- und Kinderbereich, Kombination Wellness und sportliches Schwimmen, Nutzung des Saunaangebots durch Sportschwimmer, Verbesserung der Ruheräume für die Saunalandschaft, wirtschaftliche Verbesserung für die Therme, gemeinsame Betriebsführung, gemeinsame Betreuung der technischen Anlagen, gemeinsame Vermarktung usw.

Verzicht auf die Öffnung des Staatsbades für neue Gästegruppen und damit auf eine zukunftsgerichtete Fortentwicklung im touristischen Bereich. [Für mich ist allerdings ein Rätsel, wie man mit einem eierlegenden Wollmilchsaubad für Schwimmer, Schüler, und Soldaten sowie Familien und Touristen ausgerechnet den Reisegästen eine besondere Attraktivität vorspiegeln will. Die sind ja nicht blöd, die Touris. Da müsste schon mehr her als bloß ein zusätzliches Schwimmbecken, das außerdem sehr häufig nicht zugänglich wäre, und einige kleinere Features für Familien, wie sie heute ohnehin jedes bessere Hallenbad bietet.]
5. Fachhochschule

Erst nach dem Bürgerentscheid vom 10.2.2008 hat sich nach dem Verhandlungsergebnis mit dem Steigenberger-Konzern und nach einer grundsätzlichen Zusage des Wissenschaftsministeriums die Errichtung einer Fachhochschule für Tourismus in Bad Reichenhall als Zweigstelle der sehr erfolgreichen privaten Fachhochschule Bad Honnef verdichtet. Aufgrund der angestrebten engen Zusammenarbeit mit der Steigenberger-Akademie und des Flächenbedarfs in der bevorzugten innerstädtischen Lage kommt als Standort der neuen Fachhochschule nur das städtische Grundstück der ehem. Eislauf- und Schwimmhalle in Betracht.

Der große Erfolg der Fachhochschule in Bad Honnef ist unter anderem auf die Konzentration aller Lehr-, Funktions- und Wohngebäude auf einem gemeinsamen, zentralen Campus zurückzuführen. Dieses Modell wird auch für Bad Reichenhall angestrebt. Für den Endausbau des Campus, ausgerichtet auf etwa 1.000 Studierende, ist die gesamte Fläche von ca. 17.500 m² erforderlich, zumal die Gedenkstätte für die Opfer des Eishallenunglücks integriert werden muss. Nur durch die Bereitstellung der gesamten Fläche ist eine städtebaulich vertretbare Lösung für die Ansiedlung der Fachhochschule gewährleistet. Die Herausnahme einer Teilfläche für ein Sportbad und die dafür notwendigen Parkplätze würde von vornherein dazu führen, dass weder für die Schwimmhalle noch für die Fachhochschule optimale Voraussetzungen geschaffen werden könnten und dass eine zukunftsorientierte Entwicklung verhindert würde. Eine platzsparende Tiefgaragenlösung unterhalb der Schwimmhalle analog der Absichten der FH-Investoren für das Campusgelände würde die Kosten für eine Schwimmhalle weiter in die Höhe treiben.

6. Zeitliche Vorgaben

Die Zusage des Finanzministeriums, einen Finanzierungsbeitrag von 8,2 Mio. € für die Thermenerweiterung zu leisten, wurde haushaltstechnisch durch Verpflichtungsermächtigungen abgesichert. Derzeit laufen die Anmeldungen für die Aufstellung des Doppelhaushalts 2009/2010 des Freistaates. Ohne einen konkreten Zeithorizont für die Realisierung der Thermenerweiterung entfällt die Grundlage für eine Veranschlagung. Die Stadt musste bereits Lösungsansätze für das weitere Vorgehen darstellen, um eine sofortige Streichung des Gesellschafterzuschusses zu verhindern.

Die Fachhochschule will den Studienbetrieb mit 60 Studierenden im Herbst 2008 zunächst in angemieteten Räumen und in Zusammenarbeit mit der Steigenberger-Akademie aufnehmen; die Ausschreibung der Studiengänge ist bereits erfolgt. Parallel dazu laufen die Verhandlungen und Planungen für den zeitnahen Neubau der Fachhochschule.

Damit steht fest, dass die Standortfrage für den Neubau einer Schwimmhalle weder auf den neuen Stadtrat noch auf die Zeit nach Ablauf der einjährigen Bindungswirkung des Bürgerentscheids verschoben werden kann.

7. Weiteres Vorgehen

Für das weitere Vorgehen bleiben nur folgende Alternativen:

Entsprechend dem Bürgerentscheid die Rückabwicklung der Beschlüsse der Kur-GmbH zur Thermenerweiterung unter Inkaufnahme der damit verbundenen Nachteile; zu einem späteren Zeitpunkt wäre dann über einen Neubau eines Sportbades an der Münchner Allee zu entscheiden

oder

Änderung des Bürgerentscheids durch einen neuen Bürgerentscheid auf der Basis eines Ratsbegehrens unter Berücksichtigung der aktuellen Entwicklung, insbesondere auch im Zusammenhang mit der Ansiedlung der Fachhochschule. Für diesen Fall wäre zu prüfen, ob aus der aktuellen Planung für die Thermenerweiterung das Außenbecken und die Röhrenrutsche gestrichen werden, um befürchteten Geräuschbelästigungen für die Gäste im Außenbereich der Therme und für die Nachbarschaft vorzubeugen."

Bad Reichenhall, 28.03.2008/2/201, Rehrl

Das Ringen um Konzeption und Standort der Therme geht also weiter!


Schlagzeile im Reichenhaller Tagblatt vom 19.04.2008:
Heimatzeitung hakte zu Unklarheiten über mögliche Verlustausgleiche nach
Stadtkämmerer Franz Rehrl: Weniger Defizit durch Bad an der Therme    RTGBL27

19. April 2008 - (ze) – "Für Unmut unter den Gegnern eines Schwimmbades an der Rupertus Therme hat die verkürzte Formel zu einem möglichen Defizit des Badbetriebes gesorgt. Die Initiatoren des Bürgerbegehrens Wolfgang Huber und Elisabeth Wolf sowie Stadtrat Fritz Grübl weisen gegenüber der Heimatzeitung darauf hin, dass der Fehlbetrag eines kommunalen Bades unabhängig von Standort von der Stadt alleine zu tragen ist. Damit haben sie im formaljuristischen Sinne Recht. Gleichzeitig wurde damit ein wichtiger Aspekt in der Standortdiskussion angesprochen, der im Vorfeld des Bürgerbegehrens für Unsicherheit gesorgt hat. Denn de facto gehen Stadtverwaltung und Mehrheit im Stadtrat von einem deutlich geringeren Defizit bei einem Standort Therme aus als bei einem allein stehenden Hallenbad zum Beispiel an der Münchner Allee. Warum das so gesehen wird, dazu hat die Heimatzeitung Stadtkämmerer Franz Rehrl befragt."
          

[Eigene Anmerkung betr. "Reichenhaller Tagblatt":

Leider (aber natürlich auch verständlicher Weise) stehen vom Reichenhaller Tagblatt (das in Freilassing als "Freilassinger Anzeiger" verkauft wird) nur einige Schlagzeilen und Einleitungen zu diesen Artikeln online. Die Zeitung gehört zur Gruppe "BGL-Medien"; BGL steht natürlich für "Berchtesgadener Land". Zur Geschichte und zum derzeitigen Umfang dieses ‚Verlagsimperiums' en miniature s. hier.)]


Nachtrag 11.0508: Die Positionen der Reichenhaller SPD zum Badeprojekt

(Hervorhebungen von mir)

In ihrem Programm zur Kommunalwahl (Stadtratswahl) am 2. März 2008 hatten die Sozialdemokraten gefordert:
"Ein Schwimmbad das sich jeder Bürger leisten kann. Die Rupertustherme ist gut besucht, aber kein Bad für alle Reichenhaller. Beim geplanten Schwimmbad wollen wir Sozialdemokraten darauf achten, dass es für alle erschwinglich ist. Familien, Schul-, Sport- und Freizeitschwimmer sollen sich einen regelmäßigen Besuch leisten können. Neben der Therme sollte aber nicht eine teure Ergänzung für die selbe Klientel mit großem Einzugsradius entstehen, sondern ein erschwingliches Bad für unsere Reichenhaller Bevölkerung. Dass die Therme viele bei der regelmäßigen Nutzung ausschließt, darf beim Schwimmbad nicht wiederholt werden." Edel sei der Mensch, und hilfreich – aber möglichst ohne ideologische Scheuklappen! Wie viele der "Ausgeschlossenen" ein Hallenbad alten Stils (worauf die SPD-Forderung hinausläuft) selbst zu günstigen Eintrittspreisen nutzen werden, kann man an den Nutzerzahlen des alten Hallenbades ablesen: unter 200 am Tag, und das einschließlich Schulkindern und Vereinen (s. Stadt21, Stellungnahme der Stadtverwaltung)!
 In ihrer Jahreshauptversammlung (am? Meldung vom 01.05.2008) fordert die SPD mehr Informationen über ein geplantes Ratsbegehren (das offenbar die Ergebnisse des Bürgerbegehrens rückgängig machen soll). Die Forderung erscheint legitim; ich frage mich allerdings, weshalb man anscheinend früher nicht mehr Informationen von der Verwaltung verlangt hat, insbesondere darüber, wie es zu der Kostenexplosion von 14 Mio. auf über 20 Mio. € kommen konnte (Planungsfehler oder Planungsänderungen/-ergänzungen? Wie hoch ist die Kostensteigerung allein auf das Allzweckbad bezogen, ohne Thermenerweiterung?). Immerhin ist es lobenswert, dass sich die SPD überhaupt auf ihrer Webseite auch zu diesem Projekt äußert; bei der CSU fand ich darüber nichts.
Eine Meldung vom 10.10.2007 wurde oben bereits teilweise nach einer Pressenotiz wiedergegeben; hier ist sie nun vollständig:
"Millionen Schulden für das falsche Bad

Hohe Schulden für das falsche Bad
Zuletzt stimmten nur noch 11 CSU Stadträte für das Projekt – 9 dagegen !
Die Reichenhaller SPD kritisiert die derzeitigen Pläne zum Neubau der Schwimmhalle an der Rupertustherme. Die Stadt verschulde sich in unverantwortlicher Weise für das falsche Bad. Nicht die jungen Reichenhaller Familien, die Rentner oder Durchschnittsverdiener werden dieses Bad regelmäßig nutzen. Stattdessen werden die Besucher wieder ähnlich wie bei der Therme zusammengesetzt sein. Also Tagesgäste aus einem weiten Umkreis, die es sich leisten können und besonders die "betuchten" Salzburger. Dagegen setzt die SPD die Forderung, ein Schwimmbad zu bauen, das sich am Bedarf der Reichenhaller Bevölkerung orientiert.
Die bestehende Therme sei gut besucht und erfolgreich, aber kein Bad für alle Reichenhaller, meinte die SPD-Sprecherin im Stadtrat, Elli Reischl. Die Forderung, das Schwimmbad jetzt anders als die Therme zu konzipieren, wollte sie nicht als Kritik am Rupertusbad verstanden wissen. Die Therme sei ja bewusst so geplant, die Attraktivität von Bad Reichenhall für die Gäste zu erhöhen. Ein höherer Eintrittspreis und ein großes Einzugsgebiet seien für eine Therme typisch.
Das jetzt geplante Schwimmbad sollte aber ein Bad für die Reichenhaller Bevölkerung werden und den örtlichen Sozialdemokraten ist wichtig, dass es für alle erschwinglich ist. Besonders Familien, die Schulkinder und die sportlichen Schwimmer sollen sich einen regelmäßigen Besuch leisten können. Als Kern des Problems nannte Elli Reischl, dass sich die Stadt derzeit eigentlich kein großzügiges Bad leisten kann. Sie äußerte die Befürchtung, dass es zum Schluss ein Schwimmbad werde, mit dem keiner zufrieden ist. Die Stadt sitze zuletzt auf hohen Schulden und das hohe jährliche Defizit beschneide die finanziellen Spielräume.
Der SPD-Stadtrat Manfred Adldinger listet die bestehenden Mängel der bisherigen Planungen auf: Es werden alle möglichen Wünsche auf zu kleinem Raum untergebracht. Für Wettkämpfe werde die sechste Bahn gebaut, aber um das Schwimmbecken herum werde so wenig Platz sein, dass Betreuer, Zuschauer oder gerade nicht aktive Wettkämpfer selbst stehend kaum Platz finden. Zum Schulschwimmen für mehrere Klassen wäre es zu eng und Staffelschwimmer könnten sich nicht einmal hintereinander anstellen. Das konzipierte Schwimmbad könnte, so Adldinger, zwar geeignet sein, die Therme zu entlasten und damit den Wünschen des Freistaates als Hauptbetreiber genügen. Aber ein Bad für die Reichenhaller werde es nicht.
In der Oktobersitzung des Stadtrates wurde über die Finanzierung dieses Projektes beraten. Von den bisher errechneten Gesamtkosten in Höhe von ca. 19 Mio. EUR, ergibt sich für die Stadt ein Finanzierungsanteil von 10,56 Mio. EUR. In der Verwaltungsvorlage wurde schon darauf hingewiesen, dass diese Summe nur unter Zurückstellung anderer Investitionen, sparsamer Haushaltsführung, über Verkaufserlöse, Einnahmeverbesserungen und der Aufnahme von Krediten finanziert werden kann. Im Klartext: Die Stadt kann sich das Bad nicht leisten und die Spielräume werden zukünftig noch enger.
Trotzdem wurde das Finanzierungskonzept von der CSU-Mehrheit im Stadtrat mit 11:9 Stimmen beschlossen.
"
Der Seitenhieb auf die "betuchten Salzburger" dürfte die Stimmung in der Stadt reflektieren, ist aber nicht sonderlich intelligent. Entweder will man ein Schwimmbad bauen, dass möglichst kostendeckend operiert, oder man will eine Investitionsruine auf die Wiese setzen, deren Einzugsbereich nicht nur an der Stadtgrenze endet, sondern die vom größten Teil selbst dieser eingeschränkten potentiellen Klientel verschmäht werden wird.
   

Eine Möglichkeit, die Schwarzen mit Zitaten aus deren eigenen Reihen abzuwatschen, lassen sich die Roten natürlich nicht entgehen. So in einer Meldung vom 27.01.2008:
"Beckstein fordert: Betreuung statt Schwimmbäder

Beckstein ermahnt die Kommunen: "Mehr Kinderbetreuung statt Schwimmbäder" (Zitat von der ConSozial in Nürnberg vom Nov. 2007).
Junge Familien und alte Menschen nicht alleine lassen
Für eine fortschrittliche Sozialpolitik in Reichenhall. Von Christina Roidl


Vor meinem beruflichen Hintergrund im Sozial- und Gesundheitswesen als Kinder-krankenschwester und Diplompflegewirtin, aber auch als junge, gut ausgebildete Frau, die gerne Beruf und Familie verbinden möchte, ist mir fortschrittliche Sozialpolitik in Bad Reichenhall ein großes Anliegen. Leider bekommen Themen wie die Versorgung alter Menschen oder die Betreuung von Kindern zwischen all den Debatten um kostenintensive Prestigeobjekte wie z.B. einem neuen Schwimmbad aber viel zu wenig Aufmerksamkeit in der Politik von Oberbürgermeister Dr. Lackner.
Dabei setzt doch sogar Ministerpräsident Beckstein und die Landes-CSU auf eine fortschrittliche Sozialpolitik. Bei einer seiner sozialpolitischen Antrittsreden auf der größten Messe des Sozialwesens ‚ConSozial' in Nürnberg, Anfang November, betonte der Ministerpräsident etwa, dass "Knappheit in der Kinderbetreuung ein Armutszeugnis für jede Kommune sei" und dass "sich junge Eltern" in dieser Angelegenheit "nicht alleine gelassen fühlen dürfen." Den Kommunalpolitikern vor Ort gab er sogar als guten Rat für den kommenden Wahlkampf mit auf den Weg, dass es jetzt nicht vordergründig um den Bau von Schwimmbädern oder Gewerbegebieten gehen dürfe, sondern dass sich die Kommunalpolitik den wichtigen Themen wie der Kinderbetreuung oder der Versorgung alter Menschen zuwenden solle
."
Die Meldung geht noch weiter, aber die SPD hütet sich davor, direkt gegen den Schwimmbadneubau als solchen Stellung zu nehmen. Kein Wunder, denn schließlich hatte sie ihn ursprünglich ja offenbar auch selbst im Stadtrat gebilligt.
  
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Stürzen wir uns nun aber selbst
MIT KOPFSPRUNG UND PHANTASIE VOLL INS MEINUNGSGETÜMMEL!


Meine Kommentare zu den vorstehend abgedruckten Auszügen von Zeitungsartikeln usw. dürften meine eigene Position bereits verdeutlicht haben. Es kann aber sicher nicht schaden, wenn ich meine Überlegungen nachfolgend noch einmal in zusammenhängender Form präsentiere und sie vor allem auch ergänze.


Als Urlauber (früher – vgl. hier und da – sowie schon bald erneut) in Bad Reichenhall habe ich natürlich auch ein unmittelbares eigenes Interesse an der dortigen Schwimmbadsituation. Obwohl ich sie im Urlaub vielleicht nur ein oder zweimal in der Woche besuche, ist die Therme für mich ein sehr wesentlicher Bestandteil im touristischen "Angebotsmix" von Bad Reichenhall. Eine Möglichkeit zum Sportschwimmen würde ich vielleicht nutzen: für ein paar Runden, und wenn ich alle Solebecken "durch" hätte (oder wenn sie zu voll wären). Wirklich wichtig ist mir ein derartiges Angebot aber nicht. Ein Wellenbad zu haben (bevorzugt natürlich mit Sole, wie im Meer, aber notfalls auch mit Süßwasser) wäre dagegen reizvoll; aber für mich auch kein "Muss".

Dass das Bad am Wochenende und an Feiertagen gelegentlich überfüllt ist, muss und kann man als Reisegast akzeptieren und einkalkulieren: als Tourist man hat ja auch an Wochentagen Zeit.

Zusammenfassend also: als Feriengast in Bad Reichenhall bin ich persönlich mit der RupertusTherme in ihrer derzeitigen Form zufrieden; einen "dringenden Bedarf" zur Erweiterung oder zum Einbau weiterer Becken sehe ich aus der Urlauber-Perspektive nicht.


Auf einer mehr gesamtgesellschaftlichen Ebene kommen natürlich noch weitere, mehr oder weniger legitime, Interessen(gruppen) ins Spiel.


Jenseits aller Partikularinteressen müsste sich eine vorausschauende Betrachtungsweise bzw. Politik allerdings auch darüber Gedanken machen, wie sich eine Thermenerweiterung und/oder der Bau eines (auf welche Zielgruppen auch immer fokussierten) ‚Süßwasser-Hallenbades' unter dem Gesichtspunkt der von mir schon länger erwarteten und sich nunmehr in Form der Ölpreise sehr real abzeichnenden ENERGIEVERKNAPPUNG darstellt.

Geht man (wie ich) mit den Peak-Oil-Theoretikern davon aus, dass die Energieknappheit nicht nur dauerhaft sein, sondern sich zudem ständig und beschleunigt verschärfen wird, würde das (nicht nur für einen neu zu bauenden Badetempel, sondern auch für die bestehenden und also auch für die RupertusTherme) eine ganze Reihe von direkten und indirekten Auswirkungen haben:


1) Als Erstes kommen einem zwangsläufig die Energiekosten für den Bäderbetrieb in den Sinn: Aufheizen des Wassers, der Sauna und aller Räumlichkeiten; weiterer Energieverbrauch fällt für Massagedüsen, evtl. Rutschen, Strömungskanäle usw. und noch weit mehr für ein evtl. Wellenbad an.

Wer sich auf diese Dinge beschränkt, beweist allerdings ein beschränktes Vorstellungsvermögen. Denn auch die indirekten Auswirkungen werden massive Folgen für den Badebetrieb (insbesondere für die Kosten) haben.

2) Mindestens folgende weitere, indirekte Konsequenzen würde eine ständig wachsende Energiekrise nach sich ziehen:

a) Geringere Besucherzahl, weil das Benzin für die Leute zu teuer wird. Da fährt man dann vielleicht nur einmal statt zweimal von auswärts nach B. R. in die Therme / das Schwimmbad.

b) Verminderte Besucherzahl, weil das Leben für die Leute zu teuer wird. Ein Mangel an Energie-"Sklaven" wird sehr schnell zu einem Rückgang der Produktivität führen und damit die Lebenshaltungskosten hoch treiben. Steigende Kosten für Nahrungsmittel, jetzt nur ein Problem für die Entwicklungs- und Schwellenländer, werden wohl bald auch uns erreichen; aber nicht nur Lebensmittel werden sich verteuern, sondern alles, und zwar mit einer Inflationsrate, die weit über evtl. auszuhandelnden Lohnerhöhungen liegen wird. Da werden zunehmend mehr potentielle Badegäste auch am Eintritt sparen (müssen), an erster Stelle natürlich die Familien.

c) Sinkender Staatsanteil. Eine sich rasch in Richtung auf frühneuzeitliche oder gar vor-neuzeitliche Zustände zurück entwickelnde Population ist nicht in der Lage, einen Staatsverbrauch in der derzeitigen Höhe zu tragen. Anders gesagt: der Staat (hier konkret: die Gemeinde) kann das Badevergnügen nicht länger subventionieren.

Unsere Badefreuden werden also, sofern sich die Annahme einer sich rasch verschärfenden Energieverknappung als richtig herausstellen sollte, von allen Seiten in die Zange genommen. Unter diesem Gesichtspunkt könnte es sich deshalb sogar als ein Segen für die Stadt erweisen, wenn der Bürgerentscheid aufgrund des Bürgerbegehrens das Badeprojekt endgültig zu Fall gebracht haben sollte.


Im benachbarten Freilassing ist die Energieknappheit übrigens bereits ein Thema – wenn auch noch nicht für die breiten Massen, welche noch immer sorglos am Öl-Zapfhahn nuckeln. Ausgerechnet die vielgescholtenen Politiker sind dort schon weiter und hatten ein Naturbad geplant. Die Bevölkerung aber wollte ein beheiztes Freibad (das bereits existiert, aber sanierungsbedürftig ist). In einem Bürgerbegehren wurde die Frage "Sind Sie dafür, dass unser bisheriges Freibad erneuert wird und nicht durch ein Naturbad (Kleinbadeteich) ersetzt wird?" mit 81 Prozent der Stimmen bejaht. Richtig mollig hätten die Frei-Schwimmer ihr Freibad auch gern und kämpfen, wie bereits aus den Überschriften in dem u. g. "Dossier" zu ersehen, derzeit heftig um jedes Grad Wassertemperatur.

In diesem Falle muss ich mir nicht die Mühe machen, die Informationen zusammenzusuchen: auf der Webseite "Uweb21" ("U" steht wohl für Umwelt und 21 für unser Jahrhundert) steht, chronologisch geordnet, ein regelrechtes "Dossier" der Diskussion zur Verfügung: Zeitungsartikel, Leserbriefe usw.

Leider fehlt mir die Zeit, das alles durchzulesen [dasselbe
wird wahrscheinlich auch manche(r) sagen, der/die auf meinen Blott gestolpert ist ;-)], aber es wäre zweifellos interessant im Sinne einer Übersicht, ob bzw. in welchem Umfang das Wissen um die bevorstehenden Energieverknappung bereits im Volke verbreitet ist. (Wäre eine nützliche und erkenntnisträchtige Hausarbeit für Politologiestudenten in den Anfangssemestern!) Nur durch den gerade in der Zeit unseres Urlaubs im Reichenhaller Tagblatt (= Freilassinger Anzeiger) veröffentlichten Leserbrief eines Michael Klinger wurde ich auf diese Diskussion aufmerksam. Dessen Meinung verdient Verbreitung; daher hier, wenn auch ein wenig abseits vom Zusammenhang meiner sonstigen Argumentation, der Brief im vollen Wortlaut:

"Im Hinblick auf eine Zeit, in der die Energie immer teurer und deren Verfügbarkeit immer geringer wird, muss man die Beheizung des Freibads mit fossilen Energieträgern oder Biomasse in Frage stellen. Nicht nur befinden sich die Preise für alle Energiearten stets im Aufwärtstrend und haben sich innerhalb eines Jahres verdoppelt, sondern auch die Förderung von Öl und Gas stagniert seit vier Jahren. Wenn man eine weitere Laufzeit des Freibades von 30 Jahren vor Augen hat, ist doch die solare Beheizung ohne Zusatzheizung ein muss.
Natürliche Öle wie Raps-, Palm- oder Sojaöl können den ständig wachsenden Energiebedarf nicht decken. Der einstige Ökologische Grundgedanke wurde durch das Erneuerbare Energien-Gesetz ad absurdum geführt. So wird bei der Erzeugung von Palmöl zum Beispiel mehr Energie eingesetzt als letztendlich geerntet wird. Biomasse wie Hackschnitzel oder Holzpellets werden bei der Gebäudebeheizung in Zukunft eine immer größere Rolle spielen, so dass sie zu schade sind, im Freibad vernichtet zu werden wie an einem Lagerfeuer.
Die Forderung nach 24 bis 27 Grad Celsius Beckenwassertemperatur stößt schon jetzt bei einem Großteil der Bürger auf Unverständnis. Viele wissen heute schon nicht mehr, wie sie die ständig wachsenden Energiekosten bezahlen sollen.
So kann doch die im Leserbrief angesprochene soziale Komponente nur sinnvoll umgesetzt werden, indem man jenen zumindest ein mit 20 Grad temperiertes Wohnzimmer auch in Zukunft gewährleistet.

Wie soll denn der Energieverbrauch und somit Kohlendioxid-Ausstoß minimiert werden, wenn sich unser Energieanspruchsdenken nicht ändert? Wie sollen Klimaschutzziele umgesetzt werden, wenn keiner den ersten Schritt macht? Ökologie ist scheinbar nur dann gut, wenn sie einem selber nicht wehtut. Also warum soll man ein Freibad mit einer Zusatzheizung planen, wenn man genau weiß, dass die Energie hierfür in Zukunft nicht mehr zur Verfügung stehen wird. Wollen wir wirklich die nächsten 30 Jahre so weitermachen wie bisher?" Michael Klinger, Freilassing [Hervorhebungen von mir]
Der frühere Bademeister Willi Huber sieht die Sache mehr unter dem Gesichtspunkt der Akzeptanz, und hat insoweit natürlich auch Recht: wenn man sich schon gegen ein Naturbad und für ein Freibad entscheidet, wird man auch warmes Wasser bieten müssen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, mit welcher Wassertemperatur die Schwimmbadbecken in Bad Reichenhall befüllt werden sollen. Das ist nicht nur für die Kundenakzeptanz ein ganz entscheidender Faktor (zumal angesichts der gut geheizten Therme nebendran), sondern natürlich auch für die Kostenrechnung. Sportschwimmer sind bezüglich der Temperaturen vielleicht weniger anspruchsvoll (oder wollen es gar nicht allzu warm haben: die schwimmen sich schließlich warm), aber der ganze Rest der Plantscher – Kinder außerhalb des Schulschwimmens und Erwachsene – werden schon ziemliche Ansprüche an die Wasserwärme stellen.

Ein Hallenbad, als Sport- und Familienbad, gibt es in Freilassing (16.000 Einwohner) übrigens ebenfalls: das Badylon.


Lassen wir nun aber die energiewirtschaftlichen bzw. energiepolitischen Gesichtspunkte einmal außen vor und tun wir so, als könnte die Menschheit (und ganz speziell wir in den entwickelten Ländern) unbeschwert im bisherigen Stil weiterwirtschaften. Welche Zielgruppen könnte und welche sollte man ansprechen, und mit welchen Angeboten?


Stadt und Kurverwaltung haben ihren Vorschlag, das geplante Mehrzweckbad an die RupertusTherme anzubauen, wesentlich auch mit Marketing-Erfordernissen für die Therme begründet. Deren Attraktivität wollte man (außer durch Erweiterungen) auch durch dieses Vielzweckbad steigern.

Rutschen für Kinder und Strömungskanäle sind wichtig in einem ‚Schwimmbad für alle' und machen sicherlich das Bad für Familien noch interessanter. Die Größe dieser Nutzergruppe und der Umstand, dass diese Badegäste
vollen Eintritt bezahlen, rechtfertigt solche Investitionen auch. Im Konkurrenzkampf um Tagesgäste könnten solche Einrichtungen vielleicht eine Rolle spielen, aber auch dort werden sie nach meiner Einschätzung den ganz großen Zulauf nicht generieren. Auf gar keinen Fall werden solche Dinge aber zusätzliche Quartiergäste nach Bad Reichenhall (oder Bayrisch Gmain) locken, oder die Kundenbindung von Feriengästen stärken. Dazu ist der Anreiz einfach zu schwach; dafür müsste ein stärkerer "Kick" her.

Nach meiner Einschätzung könnte einzig und allein ein WELLENBAD eine zumindest werblich verwertbare Neuerung sein, mit der man hoffen könnte, auch Familien nach Bad Reichenhall zu locken und bestehende Kundenbeziehungen zu festigen. Dass allerdings die Übernachtungsgäste dann in Massen ins Staatsbad strömen würden, darf man immer noch bezweifeln. Für Tagesgäste aus dem Umland könnte es freilich ein Anreiz sein, dort hinzufahren (und nicht etwa in ein Konkurrenzbad, z. B. das geplante Spaßbad in Salzburg-Liefering). [Im Gegensatz zu den Reichenhallern diskutieren die Salzburger heftig
auch im Internet über ihr Projekt, wahrscheinlich auch in anderen Foren usw.
]
     

Ein Wellenbecken (das dann allerdings mit Süßwasser befüllt werden müsste) könnte auf jeden Fall auch für das Schulschwimmen genutzt werden. Ohnehin können die Kinder auch im (beheizten) Freibad Marzoll im Sommer das Schwimmen erlernen. Aber es hätte sicherlich keine wesentliche Beeinträchtigung des Thermenbetriebes zur Folge, wenn man diesen Bereich etwa an 2 Vormittagen in der Woche für das normale Publikum schließen würde.

Es sollte auch möglich sein, dass Sportschwimmer ein solches Becken für Trainingszwecke nutzen; Wettkampfveranstaltungen müssten sich die Sportsfreunde dann allerdings abschminken.

Für das Training wäre allerdings die flache "Strandzone" in einem Wellenbecken problematisch. Aber vielleicht gibt es technische Lösungen, um das temporär zu ändern (Boden absenken oder im tieferen Bereich des Beckens – das dann natürlich deutlich länger als 25 m sein müsste – eine Barriere hochfahren? Oder die Trainingsbahnen quer führen, wozu das Becken dann aber mindestens 25 m breit sein müsste). Eine weitere Schließung dieses Thermenteiles für allgemeine Nutzergruppen an zwei Nachmittagen und Abenden (also insgesamt an -2- Wochentagen) erscheint mir gleichfalls vertretbar. Natürlich müsste man in diesem Zeiten den Eintritt etwas ermäßigen, weil mit dem Wellenbad eine wesentliche Attraktion nicht verfügbar ist.

An den restlichen Tagen könnte man ihn maßvoll erhöhen, und wenn man wirklich etwas für Familien tun will (und die nicht zu bequem sind, an einem Alltag in die Therme zu gehen) könnte man z. B. montags für Kinder und Erwachsene in Begleitung von Kindern deutlich ermäßigte Eintrittspreise festsetzen (wie in den Kinos ;-).

Den Sportschwimmern wird eine solche Lösung nicht schmecken, und leider wird es niemand in Bad Reichenhall wagen, deren m. E. absolut überkandidelte "Besitzstandsansprüche" in die Schranken zu weisen: Die Politik nicht, weil es eine zwar kleine Wählergruppe ist, die aber lautstark Ärger zu machen droht. Die Medien aus dem gleichen Grunde nicht. Grundsätzlich ist der gesellschaftliche Wert und Nutzen von Vereinen und insbesondere Sportvereinen ja auch anzuerkennen und rechtfertigt eine staatliche Förderung. Wenn aber die Forderung nach Förderung auf Millionenbeträge (für Mehrkosten beim Bau) und Hunderttausende (für Subventionierung und Einnahmeausfälle im späteren Betrieb) hinausläuft, dann sind die legitimen Grenzen der Vertretung von Partikularinteressen aus dem Blickwinkel des gesamten Gemeinwesens deutlich überschritten. Das zumal dann, wenn Kommunalpolitiker weniger kostspielige Einrichtungen für das Gros der (potentiellen) Besucher, nämlich die Familien, als "Schnickschnack" bezeichnen, den man im Ergebnis hauptsächlich deshalb einsparen will, weil man für die relativ wenigen Sportschwimmer und Zuschauer ein Wettkampfbad finanzieren zu müssen glaubt.

Neben einer attraktiven (also hinreichend langen) Rutsche und einem großzügig dimensionierten weiteren Strömungskanal sowie dem Wellenbad wäre für ein Familienbad natürlich noch ein Planschbecken für die Kleinen nötig; das wird nicht die Welt kosten.


Ich selbst weilte vor vielleicht einem Vierteljahrhundert für einen Kurzurlaub in einem Ort, wo das ideal realisiert war und heute noch ist, was die Reichenhaller Stadtverwaltung und Kurverwaltung in einer allerdings eher unklaren Weise realisieren wollten: die Verbindung einer Wellnesstherme und normalen Allzweckbad. Im "Solymar" in Bad Mergentheim (22.000 EW) erfreuen folgende Wasserbecken (mit Temperaturangaben) die Schwimmgäste:

27°C im Sportbad

29°C im Wellenbad

30°C im Lehrschwimmbecken

32°C im Kinder-Wasserspielplatz

34°C im Thermal-Mineralbecken (Innenbecken und Außenbecken)

Die übliche Ausrüstung für ein Wellnessbad mit Massagedüsen usw. ist natürlich ebenfalls vorhanden; für Kinder (sowie für Erwachsene mit der Mentalität des Blogmeisters) auch eine Rutsche. Eine solche Kombination halte ich für den Idealfall.

Bei einem reinen Vergleich der Thermenbereiche würde ich allerdings der RupertusTherme den Vorzug geben: durch die Vielzahl der Becken ist sie irgendwie gemütlicher und vielleicht auch ruhiger und es gibt mehr "Blubb" fürs Geld.

Bei unserem Kurzaufenthalt in Bad Mergentheim habe ich persönlich auch das Sportbecken im Solymar gern genutzt, aber damals war ich ja auch noch um einiges jünger. Heute hält sich mein sportlicher Ehrgeiz in etwas engeren Grenzen. Bei den anderen Besuchern, alt oder (meist) jung, war nach meiner Erinnerung die Freude am sportlichen Schwimmen aber schon damals deutlich schwächer ausgeprägt: die bevorzugten ganz überwiegend das warme Mineralwasserbecken. Nur wenn "die Wellen kamen" ging natürlich der Run auf das Wellenbecken los (wobei ich mich nicht mehr erinnere, ob dieses mit Mineral- oder Süßwasser gefüllt war).

Übrigens waren damals in allen Thermal-Solebädern Hinweisschilder angebracht, dass man sich nicht länger als 15 Minuten (oder war es ½ Stunde?) im Wasser tummeln solle, um eine Schädigung des Herzens zu vermeiden. Mittlerweile beurteilt die Balneologie (deren Status als Wissenschaft bereits Heinrich Hoffmann in seiner bahnbrechenden und zeitlos gültigen Studie "Der Badeort Salzloch" analysiert hat) die herzgefährdende Wirkung des Solewassers offenbar weniger kritisch, denn in den letzten Jahren sah ich solche Schilder in keinem der Bäder mehr.
[Ich berichtige: heute, am 10.05.08, sah ich in der Spessarttherme in Bad Soden-Salmünster die Warnung erneut: im sogenannten "Sole-Intensivbecken" (37°; im Volksmund deshalb auch "Eierkocher" genannt) sollte man sich nicht länger als 15 Minuten aufhalten. Das Wellenbecken draußen war reparaturbedingt geschlossen; fairer Weise wurde der Eintrittspreis um 1,- € ermäßigt. Hervorzuheben ist bei dieser Therme auch die vorzügliche und (wenn auch etwas klein) bebilderte Detailinformation über die verschiedenen Becken im Internet. Das ist bei den Thermalbädern keineswegs selbstverständlich; beim Solymar beschränkt sich die Beschreibung weitgehend auf die o. a. Informationen, so dass man nicht einmal erfährt, mit welchem Wasser das Wellenbad gefüllt wird. Auf der Webseite der Rupertustherme dagegen sind die unterschiedlichen Becken akribisch mit Größe, Art des Wassers (z. B. auch Grad der Solekonzentration) und Temperatur aufgeführt; außerdem in pauschaler Form auch die diversen ‚Zugaben' wie "Luftsprudelliegen, Luftsprudelsitze, Massagedüsen, Schwallduschen, Bodenbrodler, Strömungskanal mit Whirlpool im Außenbecken" u. a.; dafür großes Lob!]
Die Reichenhaller Variante, in einer Art "coincidentia oppositorum" Schwimmbad und Thermalsolebad gleichzeitig zu verbinden und doch getrennt zu halten, hat schon etwas nicht mehr rational Nachvollziehbares, also gewissermaßen Transzendentales an sich. Zumindest kenne ich kein anderes Bäderpaar, das seine Gäste vor Entscheidungsprobleme stellt, welche diesen ein Gefühl von Buridans Esel geben könnten.
     

Die Sportschwimmer sind übrigens nicht die einzige Gruppe, bei welcher das subjektive Verständnis ihrer Partikularinteressen bei verständiger Abwägung mit dem ‚Gemeinwohl' nicht zu harmonisieren ist.
Auch diejenigen, welche als ältere Menschen im Wellnesstempel hauptsächlich Ruhe suchen, müssen zu vernünftigen Kompromissen mit der anderen großen Nutzergruppe, nämlich den Familien, bereit sein. Bei einer Ausstattung mit den o. a. Features – Kleinkinderbecken, Rutsche, großzügiger Strömungskanal und Wellenbad – würden sich die Familien und insbesondere die Kinder vorwiegend in diesem Bereich aufhalten. Andererseits wäre ein solches Angebot aber auch für andere Thermenbesucher interessant; insgesamt würden sich die Besucher auf alle Becken verteilen und die Kinder (die auch jetzt schon die Therme besuchen) die Alten nicht allzu sehr stören. Eine Art von ‚Gerontokratie' (oder sollte ich besser sagen: Paläontokratie?) liegt letztlich auch nicht im Interesse von uns Älteren selbst. Es ist aus dem Blickwinkel des Gemeinschaftsinteresses heraus nicht akzeptabel, wenn man Familien und Kinder aus der Therme verbannen will. Eine solche Zielsetzung will ich nicht allen unterstellen, die gegen einen Bad-Neubau an der Therme gestimmt haben, und auch nicht allen Aktivisten des Bürgerbegehrens. Aber bei einigen begründet sicherlich (auch) dieses Motiv die Gegnerschaft gegen die von der Verwaltung geplante Kombination von Wellnesstempel und Familien-Spaß-Bad. Wir Alten sollten nicht unsere Wünsche absolut setzen und zu Lasten von Familien und Kindern durchboxen. Nicht nur wir dürfen erwarten, dass die Kleinen auf uns Rücksicht nehmen, sondern auch wir müssen (und können) mit dem etwas lebhafteren Jungvolk im öffentlichen Raum leben. Man muss sie nicht gerade mit Schwimmnudeln in die Thermenbecken lassen, aber mehr oder weniger aussperren sollte man sie auch nicht.
     

Die organisierten Interessen würden, wie es in den zitierten Beiträgen ja bereits anklang, als Argument gegen ein Multibad in Kombination mit der Therme u. a. zweifellos auch ein Neid-Argument ins Feld führen: "Hier wird für die Touristen geplant / gebaut" oder "für die Österreicher" oder "für die Salzburger". Dem wäre zum einen zu entgegen, dass Geld bekanntlich nicht stinkt und die Euros aus Österreich und dem Rest der Bundesrepublik genauso helfen, die Subventionen für das Bad zu verringern und damit den städtischen Haushalt zu entlasten, wie die Eintrittsgelder der Ortsbewohner selbst. Und die hätten gleichzeitig den Vorteil der Nähe und wären sicherlich die eifrigsten und häufigsten Besucher: nicht nur als Schulkinder oder Sportschwimmer, sondern die "schweigende Mehrheit" der Familien und der anderen Stadtbewohner. Und gleichzeitig wäre es eine Investition in die touristische (einschließlich Tagestourismus) Zukunft des Bades, wodurch wiederum viele Bürger und die Stadtkasse profitieren würden.
Weiterer Vorteil eines kombinierten Thermen- und Schwimmbades wäre, dass die Konkurrenzsituation zur Watzmann-Therme in Berchtesgaden (wie übrigens auch zum Badylon in Freilassing) sich nicht in gleicher Weise verschärfen würde wie bei einem separaten Spaßbad. Wegen der enorm differierenden Eintrittspreise (s. o.) würden diejenigen, insbesondere auch Familien, die weniger Geld haben, nach Berchtesgaden fahren (müssen) (ca. 20 km). Darunter natürlich auch Reichenhaller, aber andererseits würden wohlhabende Berchtesgadener das Kombibad in Reichenhall aufsuchen. Eine solche Spreizung auf einem räumlich nicht allzu ausgedehnten Gebiet (immerhin steht ja auch noch in Freilassing –ca. 25 km- das "Badylon" zur Verfügung, mit wahrhaft familienfreundlichen Eintrittspreisen) wird nicht alle Reichenhaller beglücken, erscheint vom Gesichtspunkt der Steuerzahler der Region insgesamt aber als sinnvolle Lösung. Alternativ könnte man natürlich überlegen, die Subventionen für die Kur-GmbH (und damit vermutlich für das kulturelle Angebot in BR) drastisch herunter zu fahren. Wenn man die Mittel ernsthaft umschichten will, kann man zweifellos auch ein Familienbad massiv subventionieren.
    

Einige Bemerkungen noch zur Repräsentation der Schwimmbad-Debatte im Internet.
Zunächst einmal könnten die Informationen besser sein. Stadt und/oder Kurverwaltung könnten ohne große Kosten detaillierte Angaben zur Badplanung ins Weltnetz einstellen, wenn sie denn ernstlich an einer bestmöglichen Information und größtmöglichen Partizipation der Bürger interessiert wären.
Diese Bürger ihrerseits hätten die Möglichkeit, das Projekt auch im Internet zu diskutieren: z. B. in Blotts wie diesem hier. Die Salzburger tun das, wie wir oben gesehen haben, mit dem Spaßbadprojekt in Salzburg-Liefering. Zum Reichenhaller Projekt fand ich keine Blog-Einträge oder Foren-Beiträge, in denen das dortige Vorhaben thematisiert würde. Das zeigt aber wohl nur, dass Deutschland wohl doch noch etwas rückständig ist in Sachen Internet-Nutzung. In den USA gäbe es in einem solchen Fall ganz sicher heiße Kontroversen im Netz.


Es ist nicht riskant vorauszusagen, dass jene, denen ich hier auf die Füße trete, als Erstes versuchen werden, das Debattenfeld als stadtinternen Claim abzustecken: Was hat der hier zu suchen, wieso steckt der seine Nase in Dinge, die ihn nichts angehen?
Auf derartige Vorwürfe erwidere ich antizipatorisch schon jetzt, dass der öffentliche Raum niemandes privater Hinterhof, sondern ein für jedermann offener Turnierplatz ist. Schließlich würde man mir ja auch keine Einmischung in fremde Angelegenheiten vorwerfen, wenn ich umgekehrt die Partikularinteressen unterstützen würde, oder wenn ich z. B. die RupertusTherme lobe. Ein Schwimmbadbau in Bad Reichenhall geht mich mindestens ebenso viel an, wie die Gewinnung von Bärengalle in China das Europaparlament oder die Robbenjagd in Kanada den deutschen Bundestag. Und mehr: als Urlaubsgast bin ich schließlich auch ein "Stakeholder" an einem möglichen Allroundbad. Aber nicht nur als Tourist bin ich betroffen. Auch wenn ich meine Steuern nicht in Bayern zahle, habe ich als deutscher Steuerbürger ein legitimes Interesse daran, die Steuerverwendung auch in Einzelfällen zu diskutieren. Hauptsächlich betrachte ich den vorliegenden Eintrag aber als eine exemplarische Fallstudie zu den Themenkreisen "Lobbyismus", "Kommunalpolitische Entscheidungseinflüsse", "Bürgerinformation", "Bürgerbeteiligung" (in dieser Hinsicht kann sie zur Warnung vor übertriebenem Vertrauen in eine Überlegenheit basisdemokratischer Entscheidungsfindung verstanden werden) usw.
     

Auf jeden Fall hoffe ich dass diejenigen von meinen Leserinnen und Lesern, welche bis hierher zum Ende durchgehalten haben, ihr Vergnügen bei der Lektüre hatten.      

        
Nachtrag 28.05.2008
Am 22.Juni müssen die Reichenhaller Bürger erneut abstimmen. Nachdem die Option für den Bau eines Sportbades in der Münchener Allee, den der Bürgerentscheid gefordert hatte, nicht mehr offen steht (weil dort eine private Tourismushochschule gebaut werden soll - s. o.), und ohnehin die Kur-GmbH und Stadtverwaltung nach wie vor einen Anbau an die RupertusTherme für sinnvoller und letztlich kostengünstiger halten, hat man Kompromisse gemacht, um die Bürger zur Zustimmung zu bewegen. Strömungskanal im Freien und Rutsche wurden in der neuen Planung gestrichen. Die Rupertinachrichten berichteten unter dem 27.05.08:
"Dieses Bad oder gar kein Bad. Reichenhaller entscheiden am 22. Juni über den Standort ihres Hallenbades
". Der einführende Absatz lautet:
"Die Stadt Bad Reichenhall macht Dampf für ihr Schwimmbad an der Rupertustherme. Stadtrat Sebastian Renoth sagt: 'Entweder dieses oder auf absehbare Zeit gar kein Bad'. "
Einen ausführlicherer Bericht (vom 24.05.08) findet sich (derzeit noch) auf der Webseite "Chiemgau Online". Titel: "Bad Reichenhall: An der Therme oder gar nicht. Am 22. Juni ist der zweite Bürgerentscheid zu Schwimmbad-Plänen innerhalb von vier Monaten".
Über die Gründe für die Planungsänderung erfahren wir in diesem Artikel:
"Die neue, abgespeckte Version des Familienbades muss jetzt ohne Außenrutsche und ohne Strömungskanal im Freien auskommen, 'das wurde von den Anrainern als störend und als Lärmquelle empfunden', so [Oberbürgermeister] Lackner."
Um die Bürger zum Urnengang zu bewegen (und natürlich zur Stimmabgabe im Sinne der Verwaltung) hat die Kur-GmbH nun sogar eine Webseite "http://www.sport-familienbad.de/" mit einigen Informationen ins Internet gestellt.
Dass die Reichenhaller Bürger zustimmen, ist wohl anzunehmen: wenn sie diese Planung nicht akzeptieren, bekommen sie vorerst gar kein Mehrzweck-Hallenbad.
Ob allerdings die Familien ein solches Bad, zumal in der nochmals abgespeckten Version annehmen, bleibt abzuwarten. Mir kommt das Familienbecken eher wie ein Alibi-Familientümpel vor. Auf jeden Fall kann die Watzmann-Therme aufatmen: Was Familien angeht, wird das Reichenhaller Hallenbad keine ernsthafte Konkurrenz sein.
Den ursprünglich geplanten Eintrittspreis (der mir auch für das frühere Angebot zu hoch erschien) wird man für solch ein Dürftigbad (aus Sicht von Kindern und Familien) wohl kaum verlangen können (bzw. nicht viele Besucher würden den bezahlen). (Die Informationen darüber, was wegfällt und was bleibt, sind zumindest für mich einigermaßen verwirrend. Die Planung der Stadt weist ja doch einen Strömungskanal aus, und sogar im Freien. Eine "Wellenrutsche" (was immer das ist) soll es auch geben.

Zum Vergleich hier ein Link zum Familienbad "Wonnemar" in Sonthofen. Dieses Schwimmbad (und eine Reihe anderer) wird (werden) offenbar von einer privaten Firma betrieben. Im Impressum lesen wir: "Oberallgäuer Bäder- und Freizeitanlagen GmbH & Co. KG. Persönlich haftende Gesellschafterin: InterSPA Holding GmbH & Co. KG. Ein Unternehmen der InterSPA-Gruppe, Stuttgart".
Ich kenne es nicht aus eigener Erfahrung, doch braucht man sich nur die Unterseiten "Wasserwelt" anzusehen um festzustellen, was ein Familienbad sein kann (und in der Konkurrenzsituation mit Berchtesgaden, Freilassing und demnächst Salzburg-Lieferung wohl auch in Reichenhall sein müsste)!
Und die Eintrittspreise? Sind für das Gebotene aus meiner Sicht mehr als fair:
Kinder 5 bis 15 Jahre zahlen für 2 Std. 7,-, 4 Std. 8,- und Tageskarte 9,-.
Erwachsene müssen naturgemäß mehr hinlegen: 9,- / 10,- und 11,- Euro für die entsprechende Aufenthaltsdauer.
Für Familien (bis zu 2 Erwachsene und 3 Kinder) ist es noch günstiger: 26,- für 4 Std. und 31,- € für den ganzen Tag; der Eintritt für jedes weitere Kind beträgt dann nur 2,50 €.
Ich bin wirklich gespannt, wie sich das neue Bad in Bad Reichenhall bei der Gästeakzeptanz entwickeln wird!


Nachträge vom 23.06.2008:
Die Bürger des Bades haben entschieden, doch leider (aus Sicht der Stadtverwaltung) entschieden sich zu wenige. Der Bayerische Rundfunk berichtet heute unter der Überschrift "Schwimmbad oder Campus - das bleibt die Frage" u. a.:
"Wenn es nach den Reichenhallern geht, soll auf dem Gelände der eingestürzten Eishalle ein Schwimmbad entstehen. Aber die Stadt konnte sich mit dem Ergebnis des entsprechenden Bürgerentscheids nicht anfreunden und ließ nochmal abstimmen. Was aus dem Areal wird, ist damit aber weiterhin nicht entschieden.
Die Bürger wissen nur, was sie nicht wollen: nämlich ein neues Sport- und Familienbad im Rahmen einer Erweiterung der Rupertustherme. Zwar stimmten beim zweiten Bürgerentscheid am Sonntag 69 Prozent der Wähler für die Thermen-Erweiterungspläne der Stadt. Da aber insgesamt nicht genügend Stimmen abgegeben wurden, ist das Begehren 'Neues Bad an der Rupertustherme' gescheitert - so wie auch bereits bei der ersten Abstimmung im Februar. An die neuerliche Entscheidung ist der Stadtrat nun für ein Jahr gebunden.
Ob aber jetzt statt eines Thermen-Anbaus tatsächlich ein neues Schwimmbad auf das Areal der eingestürzten Eishalle kommt - wie schon im ersten Bürgerentscheid gefordert - bleibt ungewiss. Laut der Stadtverwaltung fehlen jegliche Pläne für diesen Standort
." [Hervorhebung von mir]

Die Stadtverwaltung hatte im Vorfeld ein buntes 16- bzw. 15-seitiges Sonderheft der Stadtinfo "Wir! in Bad Reichenhall" verteilt, was von den Gegnern übel vermerkt wurde (Bernhard Schmidt konterte mit einer Sonderausgabe -Nr. 64- seines Magazins "Polis"). Die "Die Bürgerinitiative Schwimmhallenneubau begrüßt Sie auf ihrer Homepage!" lesen wir auf deren Webseite (Impressum: Wolfgang Huber, Schlechinger Weg 6 und Elisabeth Wolf, Münchner Allee 13 c), erfahren aber zugleich:
"Durch den Bürgerentscheid vom 22.6.2008 ist diese Homepage überflüssig geworden. Diese Seite wird daher in den nächsten Tagen gelöscht."

Doch zurück zur Stadtinfo. Die enthält u. a. einen Beitrag von Hans Hawlitschek, Erster Bürgermeister der Nachbargemeinde Bayerisch Gmain, die ja ebenfalls (wenn auch geringfügig) an der Kur-GmbH und an den Kosten beteiligt ist. Darin schreibt Hawlitschek u. a.:
"Die unerwartet hohe Frequentierung der RupertusTherme durch Familien, trotz Fehlens von kind- und familiengerechten Attraktionen und funktionalen Anlageeinrichtungen, führt natürlich zu einem hohem Geräuschpegel. Dies führt einerseits dazu, dass die Bedürfnisse der Gesundheitsgäste nach Entspannung und Erholung derzeit nicht gänzlich befriedigt werden können, da sie sich belästigt fühlen, was wiederum zu einem höheren Unzufriedenheitsgrad und damit zu dem Ergebnis der Abwanderung bzw. des Ausbleibens von Wiederholungsbuchungen führt. Auf der anderen Seite bleiben Reisebuchungen von jüngeren Gesundheitstouristen, die eine Verbindung von Familienurlaub und Gesundheitsurlaub anvisieren aus, da die o.g. funktionalen Ausstattungsvoraussetzungen für parallele kind- und familiengerechte Angebote derzeit nicht erfüllt werden können. Eine zusätzliche Erweiterung des geplanten Sportbades an der RupertusTherme um einen integrierten attraktiven Familienbereich könnte maßgeblich zur Beruhigung bzw. Optimierung des Gästestroms von gesundheits- und wellnessorientierten Gästen und Familien mit Kindern beitragen. Ferner besteht die einmalige Chance für jüngeres, touristisch-gesundheits-bewusstes Gästepotential mit Kindern Angebote im Staatsbad zu schaffen und damit die dringend notwendigen zusätzlichen Übernachtungen zu erreichen.
Zusammenfassend ist anzumerken, dass es bei einem kombinierten, dennoch nach utzergruppen getrenntem Sport- und Familienbad am Standort RupertusTherme um folgendes geht:
- nachhaltige gesundheitstouristische Standortsicherung und Nutzung neuer touristischer Chancen bei gleichzeitiger Erhöhung der Attraktivität;
- Schaffung von Angeboten für Schulen, Vereine, Schwimmer, Bundeswehr, touristische
Gäste und Familien mit Kindern;
- Befriedigung von zunehmend wechselnden Gästebedürfnissen nach esundheitsangeboten,
Entspannung, Schwimmen und Spaß mit der Familie;
- die verschiedenen Motivgruppen „Sport, Familie, Gesundheit“ werden durch die funktionale und räumliche Ordnung klar voneinander getrennt, ohne sich gegenseitig zu stören;
- die fehlenden und dringend notwendigen Liege- und Ruhemöglichkeiten können im
Zusammenhang mit der Baumaßnahme geschaffen werden;
- Nutzung der betrieblichen Synergieeffekte (Technik, Personal, Geschäftsführung etc.) ein touristisches Drei- Generationenangebot unter einem Dach.
"
Das klingt im einzelnen alles sehr vernünftig, nur habe ich ganz erhebliche Zweifel, dass sich solche großenteils in sich widersprüchlichen Zielsetzungen wirklich realisieren lassen. Aber niemand verrät uns (bzw. den Reichenhaller Bürgern), wie ein solches eierlegendes Wollmilch-Saubad eigentlich funktionieren soll. Das wäre, aus meiner Sicht jedenfalls, die weitaus interessantere Frage gewesen in dieser Debatte, die sich weitestgehend auf die Standortfrage verbissen hat. Wenn beide Bäder z. B. getrennte Kassen haben (wie es anscheinend vorgesehen ist), sind Synergieeffekte insoweit schon mal nicht gegeben.
Aber solche Fragen interessieren die Bürger anscheinend auch gar nicht.

Der o. a. Sonderausgabe von "Polis" (S. 7) verdanke ich einen Blick auf die Thermen-Situation bei den österreichischen Nachbarn von Bad Reichenhall. Bei den "Salzburger Nachrichten" erfährt man dazu:
"Die Thermen stecken in einer Krise" (20.02.2008) und
"Warnung vor ruinösem Thermen-Wettbewerb" vom gleichen Datum.
Interessant (im 1. Artikel) für die Beurteilung der Reichenhaller Pläne und Zukunftsperspektiven ist die Information:
"Den stärksten Rückgang mussten die Gesundheitsthermen mit 4,6 Prozent hinnehmen. Die Erlebnisthermen stagnierten. Einen Zuwachs gab es nur bei den Kinderthermen."
Das könnte darauf hindeuten, dass Thermen, die alle relevanten Bereiche - Familien und Gesundheit - abdecken, relativ am meisten krisenfest wären. Für Bad Reichenhall könnte das dafür sprechen, der RupertusTherme ein Wellenbad anzugliedern, wie von mir oben vorgeschlagen.
Allerdings sind solche aggregierten Daten lediglich als Ausgangspunkt für Fragestellungen und weitere Untersuchungen von Wert; konkrete Vorschläge lassen sich damit nicht unmittelbar seriös begründen. Auf jeden Fall: die österreichische Konkurrenz schläft nicht, sondern baut Thermen auf Teufel komm raus. Wie die Reichenhaller Planungen in diesem Umfeld geeignet sein sollen, die Attraktivität der RupertusTherme zu steigern, ist mir schleierhaft.


Nachtrag 04.10.08:
Unter "Bäder sind meist ein Zuschussgeschäft" in der Welt Online vom 04.10.08 berichtet Marion Meyer-Radtke: "Spaß- und Wellnesseinrichtungen sind für den Tourismus unverzichtbar. Doch die Kommunen haben oft wenig Freude daran." Sie zitiert Expertenaussagen, wonach es "derzeit rund 7600 Schwimmbäder in Deutschland ()gibt]; davon ... rund fünf Prozent Freizeitbäder unterschiedlichster Ausrichtung." [Hervorhebungen von mir] Kostendeckend sei keines; immerhin könnten einige wenigstens ihre laufenden Kosten, ohne die Kapitalkosten, einspielen.
Man sieht: die Reichenhaller stehen mit ihrer RupertusTherme relativ gut da!


Nachtrag 01.11.2008:
Wie ist die Angelegenheit ausgegangen? Unseren Herbsturlaub haben wir in diesem Jahr wieder in Bad Reichenhall verbracht; dabei erfuhr ich den Fortgang.
Es waren bereits Planungskosten bzw. wären Schadenenersatzansprüche von zusammen ca. 2,5 Mio. Euro angefallen. Die Stadt wäre bereit gewesen, davon 54% zu tragen (nach welchem Schlüssel dieser Prozentsatz errechnet wurde, weiß ich nicht; vermutlich nach dem Verhältnis Sportbad zu Thermenerweiterung). Die Mitgesellschafter (Bayrisch Gmain mit einem geringen Anteil und hauptsächlich der Freistaat Bayern) sahen jedoch überhaupt nicht ein, dass sie für Kosten aufkommen sollten, die durch eine Abstimmung der Reichenhaller Bürger ausgelöst wurden. Bad Reichenhall hätte also den Gesamtbetrag allein tragen müssen - ohne irgend einen Nutzen davon zu haben.
Das war dem Stadtrat denn doch zu viel. So berichtete das Reichenhaller Tagblatt in seiner Ausgabe vom 23.10.2008 in zwei Artikeln auf fast einer ganzen Zeitungsseite:
"Bad und Thermenerweiterung kommen doch. Mehrheit im Stadtrat hält den Preis für die Umsetzung des Bürgerbegehrens für zu hoch" und
"Tenor der Stadtratsmehrheit: '2,50 Millionen Euro sind ein zu hoher Preis' ". [Leserbriefe dazu in der Wochenendausgabe vom 25./26.10.2008]
Der Stadtrat hat also mehrheitlich beschlossen, das Bürgerbegehren nicht umzusetzen und das Sportbad doch in Verbindung mit der Rupertustherme zu errichten. Für das Bürgerbegehren bedeutet das: 'Außer Spesen nichts gewesen'.
Ob das nun wirklich das allerletzte Wort ist, bleibt abzuwarten.


Nachtrag 16.04.2010
Längere Zeit habe ich die Entwicklung nicht mehr verfolgt. Offenbar wird aber derzeit das Sportbad an der Therme angebaut: 2011 soll das neue Sport- und Familienbad fertig sein erfahren wir in einem Artikel der Salzburger Nachrichten vom 25. März 2010. Auch einige in dem Artikel genannte Kennziffern sind interessant:
"... pendeln pro Tag rund 400 Stadt-Salzburgerinnen und Salzburger in das Spa & Fitness Resort Rupertustherme. Dort bekam man 2009 trotz vieler Besucher aus der Nachbarschaft die Auswirkungen der Krise zu spüren. Im Schnitt passierten pro Tag 55 Badegäste weniger die Kassen.
... drohen seit Jahren die Energiekosten davonzulaufen. Zuletzt lagen sie um 430.000 Euro über den vor fünf Jahren berechneten Zahlen. ...
23,5 Mill. Euro werden laut Thermengeschäftsführer Dirk Sasse bis Herbst 2011 in die Erweiterung eines großzügigen Sport- und Familienbads investiert. Das soll die Besucherzahlen von derzeit 300.000 im Jahr deutlich steigern. Und auch den Grad der Kostendeckung erhöhen. Der liegt bei einem Umsatz von 5,66 Millionen Euro und Kosten von 7,24 Millionen Euro aktuell bei 82 Prozent.
... soll in absehbarer Zeit die touristische Komponente gestärkt werden. Die liegt bei 18 Prozent. Das heißt: 18 Prozent der 300.000 Gäste nächtigen auch im Kurort. Stärkung soll ein Hotel bringen. Kapazität: 200 Betten.
"
Und auch das Energieproblem findet eine vermutlich kostengünstige (Zahlen werden nicht genannt) und umweltschonende Lösung:
"Das Problem der Energiekosten löst eine Kooperation mit Südsalz. Das Soleunternehmen kühlt derzeit sauberes Heißwasser aus der Produktion auf 20 Grad ab, um es dann in die Saalach zuleiten. Künftig fließt das Heißwasser von Südsalz durch eine Fernwärmeleitung Richtung Therme. Die heizt damit den bestehenden Bereich zu 100 Prozent."


Nachtrag 04.04.2010:
Die Reichweite der "Tägs" ist leider eng begrenzt; wer unten den Täg "Thermalbaeder" anklickt, bekommt lediglich die neuesten Einträge zu sehen.
Aus diesem Grunde habe ich meine Thermen-Schilderungen (die allerdings nicht immer sehr detailliert sind, bzw. bei denen die Blotts nicht immer auf die Thermenbesuche fokussieren) in einem eigenen Blott "Thermenwelt: Thermen der Welt (well: meiner Welt, also Thermalbäder in Deutschland)" verlinkt.


Nachtrag 25.07.2010
Unter dem Titel "Direkte Demokratie. Wie Schnaps" (Einleitung: "Volksentscheide sind kein Allheilmittel: Sie zementieren entweder den Status quo oder führen zum Wahnsinn") hat der ZEIT-Herausgeber Josef Joffe in diesem Magazin am 22.07.10 einen klugen Artikel zum Thema Plebiszite publiziert, dessen Lektüre ich meinen Lesern herzlichst ans Herz legen möchte. (Wahrscheinlich wären auch die Leserkommentare - auf 24 Seiten! - mit Gewinn zu lesen: wenn man denn die Zeit dafür hätte.)

Textstand vom 10.09.2022

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