Freitag, 23. Januar 2009

In GOD we ROB (you blind). Opiumkrieg im Wilden Westen (bekämpfen)

Meinem Freund und Klassenkameraden verdanke ich den Hinweis auf den Spiegel-Online-Bericht "SPEKTAKEL IN LONDON. Busfahrt mit gottloser Botschaft" von Markus Becker und Carsten Volkery vom 8.1.09: " 'Es gibt wahrscheinlich keinen Gott' - 200 Busse fahren mit einer atheistischen Botschaft durch London und sorgen für Schlagzeilen."
Nun bin ich freilich kein Atheist, sondern "nur" Agnostiker, und deshalb gegenüber atheistischer Werbung relativ indifferent. Zumindest auf London bezogen (bzw. zumindest auf diesem abstrakten Niveau) erscheint sie mir eher als ein (liebenswerter) britischer Spleen.
Doch wenig später keimte in mir die Idee auf, ob man nicht diese Atheistenkampagne der gottlosen Londoner Werbebusse für die Bedürfnisse der Menschen im amerikanischen Mittelwesten adaptieren könne.

Denn es begab es sich zu derselben Zeit, dass ich Michael Naumanns Bericht "Wir waren einmal reich und schön" in der ZEIT (15.01.2009) über die Auswirkungen der Wirtschaftskrise in den USA auf das Leben der Menschen in der Kleinstadt Mexico im Bundesstaat Missouri las. Der betrifft übrigens nicht nur die Auswirkungen der aktuellen Krise: eigentlich geht es in diesem Bericht vorwiegend um die schleichende Krise der amerikanischen Ökonomie, und um die sich schon seit längerem verschlechternden Lebensbedingungen der weniger begüterten Amerikaner.
Wenn man so etwas liest, und daneben noch Berichte über 30 Millionen Menschen, die in den USA (zumindest gelegentlich) Hunger leiden müssen, sowie weitaus mehr Millionen, die sich keine Krankenbehandlungen leisten können, dann kann schon ein heiliger Zorn Besitz von einem ergreifen auf jenes gesellschaftliche Fettaugen-Dreckspack, das sozusagen in einer Kriminalitätsmetamorphose vom organisierten Verbrechen zum organisierten Finanzwesen mutiert ist.

Aber ich will unparteiisch bleiben; mein heiliger Zorn soll auch die Kleinen nicht verschonen. Warum? Darum:
"Nun suchen sie Trost im christlichen Glauben. Das Angebot ist groß. Im kleinen Mexico gibt es 30 Kirchen, im Landkreis über 80. ..... »Tröstet, tröstet mein Volk! Spricht Euer Gott!« 2008, das Jahr der nahenden Wirtschafts- und Finanzkrise, neigte sich dem Ende zu, als die Pastorin Terry Kukuk der presbyterianischen Gemeinde im vollen Kirchenschiff »Jesaja 40,1« auslegte. Sollte heißen: Die Rettung, spricht der Herr, ist nah. »Amen«, antworteten die Gläubigen ...".
Haben die ein besseres Los verdient, wenn sie sich von Konservativen und Kirchen derart einlullen lassen?

Ich meine, man sollte auch diesem Volk eine faire Chance geben. Busse verkehren dort vermutlich kaum, aber Plakattafeln wird es genug geben.

Wie wäre es, wenn wir gegen dieses dumpfe Dahindämmern eine Werbekampagne finanzieren würden:
In GOD we ROB (you blind)?
Nur eine passende Illustration müsste man dazu noch finden, die den Menschen unmissverständlich vor Augen führt, dass ihre Misere nicht (allein) ihre eigene Schuld ist, sondern dass sie Systemgefangene eines perfiden Konservativismus' sind, der nicht am größtmöglichen Glück der größten Zahl von Menschen interessiert ist, sondern als Ideologie zum Zwecke der größtmöglichen Ausräuberung einer möglichst großen Menge von Menschen funktioniert.
Und wo der Glaube an den lieben Gott dem herrengebeugten Volk dichte opiatische Rauchschwaden in die Hirnwindungen wirbelt.


Nachtrag 24.01.09:
Danke, ebenfalls an meinen Freund, für seinen Hinweis auf den Folgeartikel "Atheistische Kampagnen weiten sich aus" im Spiegel Online von gestern. [Immerhin: so viel Respekt haben diese Heiden denn doch noch, dass sie es nicht heute, am Sonntag, publizieren ;-) ]

Wenn ich indes lese, dass mit dem Text "Wahrscheinlich gibt es keinen Gott - hört auf, euch Sorgen zu machen und genießt das Leben" geworben wird (stand zwar schon im ersten Bericht, jedoch hatte ich die 2. Satzhälfte überlesen) oder in der Bilderstrecke des neuen Artikels ein T-Shirt mit der Aufschrift "No God no Guilt" sehe, kommt denn doch ein wenig Unbehagen in mir auf.

So gesehen, wären die Finanzhaie ja immer schon Atheisten gewesen, die nunmehr in ihrem Treiben sogar noch bestärkt würden.

(Andererseits: "no guilt" könnte man ebenso gut auch als einen Freibrief für jene verstehen, welche sich ggf. erheben und die Wechsler aus dem Tempel der Realwirtschaft verjagen würden. Das hätte dann wieder was. Ich fürchte freilich, dass es nicht die letztere Auslegung sein wird, welche sich am Ende durchsetzt.)



Textstand vom 25.01.2009. Auf meiner Webseite
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