Mittwoch, 15. Februar 2012

FAZ-Kommentarzensur zum Artikel "Abgabe für Kinderlose? Strafe genug 14.02.2012 · Gegen die Abgabe für Kinderlose wird der „Lebensentwurf“ ins Feld geführt, der nicht bestraft werden dürfe. Kinder sind offenbar Strafe genug" von Jasper von Altenbockum (14.02.2012)

Zu dem o. a. Artikel hatte ich eine ganze Reihe von Leserkommentaren geschrieben; schließlich geht es hier um ein Thema, das ich auf meiner Webseite "Rentenreich" aus den verschiedensten Gesichtspunkten heraus untersucht habe.


Da die FAZ-Redaktion die nachfolgenden Kommentare wegzensiert hat, veröffentliche ich sie hier. Wegen der begrenzten Zeichenmenge musste ich diesen Kommentar für FAZ.net in -3- Teile aufspalten.

Neben diesen Kommentaren habe ich eine Reihe von Kommentaren zu anderen Leserkommentaren geschrieben, mit teilweise ähnlichem Inhalt. Diese wurden veröffentlicht, werden aber natürlich seltener gelesen als 'Hauptkommentare.

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Humankapitalsparrenditenachteilsausgleich (HUMKASPARENA) - Teil 1
"Disclaimer": Verfasser ist kinderlos.
Dass die (Mainstream-)Wirtschaftswissenschaft eine Dienstmagd der Kapitalinteressen ist zeigt sich auch daran, dass sie zwar (zu Recht!) den Produktionsfaktor "Humankapital" kennt, jedoch denjenigen, die die Aufzucht dieses Humankapitals großen- oder größtenteils finanzieren (Eltern), nicht in gleicher Weise einen Renditeanspruch zubilligt wie den Realkapitalsparern (grob: Geldsparern).
So konnte z. B. die abstruse Idee aufkommen, dass nur das Umlageverfahren für Kinderlose eine Beteiligung an der Kinder'investition' anderer Leute (Eltern) ist, nicht aber das Kapitaldeckungsverfahren.
In Wahrheit generiert Realkapital aber nur dann Erträge (Zinsen, Renditen), wenn genügend komplementäres Humankapital zum Betreiben der Maschinen usw. vorhanden ist.
Somit profitieren ALLE  Geld- und Sachkapitalbesitzer von (vorangegangenen) Kinder'investitionen' der Eltern. Daher wäre eine Finanzierung der Eltern aus einer Kapitalerstragssteuer sach- und gerecht.

Humankapitalsparrenditenachteilsausgleich (HUMKASPARENA) - Teil 2
Allerdings hat die Sache -2- weitere Dimensionen:
1) Überbevölkerung: ist es vom Umweltstandpunkt überhaupt sinnvoll, gegen die 'natürliche' Tendenz die 'Produktion' weiterer Kinder zu honorieren? Bis die die Alten finanzieren, verbrauchen sie erst einmal eine Menge an Umweltgütern (Rohöl z. B., oder, auch sehr kritisch, Phosphat).   SO betrachtet, hört sich die Idee "mehr Kinder für die Altersversorgung" an wie der Werbeslogan: "Spar dich reich" (indem du möglichst viel ausgibst).
2) In einem Vorkommentar schon erwähnt: Entscheidend ist ohnehin die Qualität des Humankapitals (vgl. auch Sarrazin-Debatte!). Insoweit könnte des zweckmäßiger sein, Kinderhorte/Kindergärten zu finanzieren anstatt das unselige Christ-a-soziale Elterngeld (u. a.) an die Kinderreichen (größtenteils: Einwanderer in niedrigen Bildungsschichten) rauszuwerfen.
 

Humankapitalsparrenditenachteilsausgleich (HUMKASPARENA) - Teil 3
Die Mainstream-Ökonomen (Prof. Dr. Hans-Werner Sinn usw.) glauben, dass wir fehlendes Humankapital durch Realkapital ersetzen können (theoretische Rechtfertigung für die "Riester-Rente").
Das ist falsch: der jeweilige Mix muss stimmen, entsprechend dem technologischen Stand der Zeit. Zu viel Realkapital anzusammeln, ist sogar kontraproduktiv; das müssen wir nämlich ggf. ohne adäquaten Nutzen pflegen - oder entsorgen (Straßen, Brücken ...).

Der einzig vernünftige Weg, später Geld für 'die Alten' frei zu bekommen, wäre eine "gesamtgesellschaftliche Rationalisierung": Bundesländer zusammenlegen, Kulturplunder weg, Museen weg, Denkmäler verfallen lassen, soziale Komplexität reduzieren ('Juristen in die Produktion') usw.


Ausführlicher zum Thema vgl. meine Webseite "Rentenreich".
[Der hier gesetzte Link fehlt in meinem Kommentarentwurf, da man bei FAZ.net keine Links posten darf.]


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Weitere Artikel zum Thema:



ceterum censeo
Europa ja, Albtraum nein!
Euro ja, Fremdschulden nein!
Freunde ja, Kostgänger nein!

Textstand vom 15.02.2012. Gesamtübersicht der Blog-Einträge (Blotts) auf meiner Webseite http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm.

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