Dienstag, 21. Februar 2012

Griechenland: Was niemand (?) hinterfragt: Offenbar wird das Land weiterhin von seiner eigenen Kleptokratie bestohlen!

Die Daten passen nicht, und noch nirgends habe ich einen Artikel gelesen (wenn ich einen einschlägigen übersehen habe, bitte ich um Hinweise!), wo die Diskrepanz zwischen dem Leiden der Menschen, hervorgerufen durch angebliches "Sparen" der Regierung, und den gleichwohl weiterhin auf hohem Niveau verharrenden Staatsausgaben hinterfragt wird.


In seinem Blog-Artikel "Should the Official Sector Take a Hit on its Greek Debt?" (05.02.2012) berichtet der griechische, aber in Washington lebende Blogger Nikos Tsafos ("Greek Default Watch"):
"... spending is barely down: 1.2% by one measure, but including other special items, it may even be up".
Also: Die Regierungsausgaben in 2011, verglichen mit 2010, sind praktisch nicht gesunken, wenn nicht sogar gestiegen.

Und dennoch liest man ständig Berichte über Rentenkürzungen, Gehaltskürzungen und Gehaltsrückstände - und zwar auch für Bedienstete im öffentlichen Dienst.
Die Lektüre des gestrigen Artikels "Griechenland. Im freien Fall" in der Süddeutschen Zeitung ist erschütternd. [Ebenso: Gerd Höhler in der Zeit vom 22.02.12 u. d. T. "Wenn der Rentner nicht weiterweiß"] Natürlich sind die öffentlichen Ausgaben das eine; sie sagen momentan in Griechenland nichts über den Stand der freien Wirtschaft aus. Aber, wie gesagt: in diesem Artikel (und ebenso in zahlreichen ähnlichen Berichten aus Griechenland) wird uns erzählt, wie massiv die öffentliche Hand dort spart. So lesen wir beispielsweise in dem SZ-Artikel "Griechenland-Rettung. Athen braucht nicht nur Geld, sondern auch Zeit":
"Der Schriftsteller Petros Markaris hat jüngst in einem Zeitungsbeitrag ein anschauliches Beispiel genannt: Seit das Gesundheitsministerium den Kauf von Medikamenten nicht mehr den einzelnen Staatskliniken überlässt, sondern zentral organisiert, sind die Kosten dafür um unfassbare 94 Prozent gesunken."

Nun ist es andererseits natürlich grundsätzlich nachvollziehbar, dass die wirtschaftliche Rezession die Sozialausgaben eines Staates in die Höhe treibt. Nur: in Griechenland wird Arbeitslosengeld nur für 1 Jahr gezahlt, und es hat nicht den Anschein, dass dies ein so gewaltiger Ausgabeposten wäre, dass er die Sparerfolge 'auffrisst'.
Ein anderer Weg, über den die sinkende Wirtschaftsleistung den Staatshaushalt angreifen könnte, wären Sozialbeiträge, welche von den Arbeitgeber einfach nicht mehr geleistet werden (während die Ausgaben natürlich bleiben). Dass hier der Staat einspringen muss, ist denkbar.
Aber einerseits stellt sich die Frage, ob da nicht viele Firmeninhaber als Trittbrettfahrer Zahlungen einbehalten, obwohl sie durchaus noch genügend Geld haben.
Und andererseits wäre auch hier das Verhältnis der Höhe dieser Mehrausgaben zu den Einsparungen in anderen Bereichen zu klären.

Jedenfalls: die allgemein übliche Leier: "Die griechischen Staatsausgaben steigen durch die Rezession in dem Land" reicht mir nicht aus. Ich bezweifele sehr stark, ob die rezessionsbedingten Mehrausgaben wirklich so hoch sind wie die anderweitig erzielten Einsparungen.
Vielmehr glaube ich bis zum Beweis des Gegenteils, dass da eine Menge Leute in der Staatsbürokratie und in der Privatwirtschaft die öffentlichen Gelder nach wie vor in ihre privaten Taschen leiten!

Dass darüber (soweit mir bekannt) niemand berichtet, wäre ja noch verständlich, den zweifellos tarnen die Diebe ihr Tun. Befremdlich ist dagegen, dass auch nirgends diese Fragestellung aufgeworfen wird, obwohl der Gegensatz zwischen Alltagsinformationen aus dem Land und den aggregierten griechischen Haushaltsdaten (Ausgabeposten) doch eigentlich jedem auffallen müsste, der fortlaufend die einschlägige Berichterstattung verfolgt.




ceterum censeo
Europa ja, Albtraum nein!
Euro ja, Fremdschulden nein!
Freunde ja, Kostgänger nein!

Textstand vom 23.02.2012. Gesamtübersicht der Blog-Einträge (Blotts) auf meiner Webseite http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm. Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

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