Samstag, 28. März 2009

„Ceci n’est pas une inflation“ oder: Eine Inflation gibt es nicht!

"Ceci n'est pas une inflation" mögen sich die Fed-Verantwortlichen, zuerst mit Alan Greenspan und dann mit Ben Bernanke an der Spitze, angesichts des Immobilienbooms gedacht haben. Und wenn ich dann noch behaupte "Eine Inflation gibt es nicht", klingt das zunächst sogar wie eine Bestätigung.


An Gedankenspielen zur Beurteilung mutmaßlicher Auswirkungen der aktuellen Geldpolitik, insbesondere der Fed, aber in Kürze wohl auch der EZB (vgl. Handelsblatt vom 27.03.09, "Ankauf von Unternehmensanleihen. EZB schwenkt auf Fed-Linie ein" und Kommentar von Frank Wiebe vom 26.03.09, "Geldpolitik. EZB: Der Mut zur Wahrheit"), bzw. überhaupt an theoretischen Modellen zur möglichen Funktion von Geldpolitik bei der Bekämpfung der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise, beiße ich mir gegenwärtig die Zähne aus. [Hier das Fed-Kommuniqué vom 18.03.09. Das enthält schon interessante Sätze:
"Moreover, the [Open Market] Committee sees some risk that inflation could persist for a time below rates that best foster economic growth and price stability in the longer term." - Der Ausschuss für die Offenmarktpolitik fürchtet also eine zu geringe Inflation! Das müssen die nur den Ölscheichs, Putin in Russland oder Hugo Chavez in Venezuela erzählen: die werden den USA liebend gern zu mehr Inflation verhelfen!
"... anticipates that economic conditions are likely to warrant exceptionally low levels of the federal funds rate for an extended period" - das 'glaubwürdige Inflationsversprechen' (s. u.) in Fedsprech formuliert.
"The Federal Reserve has launched the Term Asset-Backed Securities Loan Facility to facilitate the extension of credit to households and small businesses and anticipates that the range of eligible collateral for this facility is likely to be expanded to include other financial assets." Damit die schon Überschuldeten sich fleißig weiter verschulden.
Eine Pressemitteilung vom 19.3.09 informiert darüber, welche weiteren "Sicherheiten" die US-Notenbank nunmehr beleiht und dass das noch lange nicht das Ende der Fahnenstange ist: "On February 10, 2009, the Board announced that it is prepared to undertake a significant expansion of the TALF. Today's announcement marks the first step in that expansion; a number of other asset classes are under review".]

Instinktiv (weil ich nicht an einen Exorzismus des Teufels mittels Beelzebub glaube?) halte ich die derzeit eingeschlagenen Wege für gefährlich und könnte einfach in den (momentan noch etwas leisen, aber doch schon deutlich vernehmbaren) Chor der Schlagwort-Kritiker und Bedenkenträger einstimmen. Da ich jedoch mein Unbehagen (noch?) nicht mit einem befriedigenden und detaillierten Modell untermauern kann, beschränke ich mich zunächst auf einige vorwiegend allgemeine Überlegungen zum Themenkreis Inflation / Inflationierung bzw. "Reflationierung".


Wenn Sie angesichts meiner Überschrift meinen "der spinnt wohl", haben Sie den Satz falsch betont und dadurch etwas gelesen, was ich nicht gesagt habe (oder jedenfalls nicht sagen wollte): "Es gibt keine Inflation". Zugegeben: diese Lesart drängt sich nach dem üblichen Sprachgebrauch auf. Jedoch weiche ich manchmal von Sprachkonventionen ab, um Nachdenklichkeit zu provozieren, z. B. in meinem Blott "Eine Natur gibt es nicht. …". Ähnlich wie ich dort darauf aufmerksam machen will, dass wir mit dem Begriff "Natur" im Diskurs sehr unterschiedliche Ausschnitte aus "der" (allumfassenden) Natur bezeichnen, soll der vorliegende Titel gelesen werden als: "EINE Inflation gibt es nicht." Sondern eben verschiedene ‚Inflationen', mit unterschiedlichen Ursachen und unterschiedlichen Auswirkungen. Zumindest kennen wir zwei Inflationsarten: die geldmengengetriebene Inflation und die güterknappheitsgetriebene Inflation.


Die monetaristischen Geld-Magier verschleiern mit ihrer Monetarismus-Theorie bzw. Quantitätstheorie die realwirtschaftlichen Hintergründe von Inflationen; sie sind ihnen gleichgültig. Für sie ist Inflation immer eine geldmengengetriebene Erscheinung. Eine solche Betrachtungsweise kann man nicht im normalen Sinn als falsch bezeichnen; abstrakt lässt sie sich durchaus begründen (s. u.). Sie ist jedoch zu globalisierend, weil sie im Wesentlichen mit lediglich -2- Größen arbeitet: Der Geldmenge und dem Preisniveau (allenfalls noch der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes). Das könnte für die Menschheit verhängnisvoll werden. Wenn wir den "veil of ignorance" ein wenig lüften stellen wir nämlich fest, dass es "das" Preisniveau nicht gibt.


Man kann sich eine Inflation vorstellen, die ökonomisch völlig folgenlos bleibt. Ich nenne sie mal "Indexinflation"*. In der Realität gibt es keine solche, doch will ich sie als Idealfall präsentieren, damit wir die wirklichen Inflationen vielleicht besser verstehen. Vor allem aber auch deshalb, weil ich bei manchen zeitgenössischen "Inflationisten" den Eindruck habe, dass sie sich unterschwellig unter einer Inflation genau das vorstellen: eine Art Aufblasen eines leider deflationierten Luftballons, die lediglich die Proportionen ändert, ohne aber größeren Schaden anzurichten.
[Erg. 18.02.2010: Noch aussagekräftiger ist vielleicht von "Schleuseninflation". So nämlich stellen sich die Inflationisten eine kleine Inflationiererei, ingenieursmäßig durch die Notenbanken konstruiert, offenbar vor: Als ein gemächliches, kaum wahrnehmbares Hochschaukel des Preisniveaus. Wie das (dosierbar) einströmende Wasser den Schiffsleib gleichmäßig und sanft auf eine höheres Ebene schaukelt, so denken sie sich konstruierte Inflation. In Wirklichkeit wird es dagegen fürchterlich ruckeln und rumpeln, weil bei einer Inflation natürlich nicht alles im Gleichmaß und mit kontrollierbarer Geschwindigkeit ansteigt.]

Eine Indexinflation läge vor, wenn zu bestimmten Zeitpunkten alle Preise, Schulden, Kontenstände usw. um einen bestimmten Wert erhöht würden. Konkret kann man sich das so denken, dass zu bestimmten Zeitpunkten alles Bargeld umgetauscht wird und man z. B. für einen Euro 1,10 Euro bekommt. Gleichzeitig werden aber auch sämtliche anderen ‚Gelddaten' in gleicher Weise angehoben: Kontenstände (Haben wie Soll), Mieten und alle anderen laufenden Zahlungen, kurz: alle Geldbeziehungen werden entsprechend angepasst. Dann kostet der Becher Kaffee heute halt 1,10 statt gestern 1,- €, aber ich verdiene heute auch 11,- € die Stunde statt gestern 10,- € - und meine 50- € im Portemonnaie sind heute 55,- Euro wert. Die Geldmenge hat sich nominal vermehrt, wirtschaftlich ändert sich jedoch nichts; es gibt auch keine Anreize für eine Änderung des ökonomischen Verhaltens, z. B. heute schnell noch etwas zu kaufen, bevor morgen alles teurer wird: auch mein Geld wird morgen ja entsprechend mehr wert sein.

Diese Art von Inflation schadet niemandem; sie nützt aber auch keinem.

Gibt es überhaupt nützliche Inflation? Ich denke ja, und viele andere denken das ebenfalls; allerdings sehen die häufig andere Aspekte als positiv an, deren Nutzen ich bezweifle. Eine maßvolle Inflation halte ich schon deshalb für gut, weil m. E. auf diese Weise der Zinsgewinn der Kapitalbesitzer teilweise wieder verschwindet. Sofern das zutrifft, würde Inflation (insbesondere dann, wenn sie den Realzins übertrifft), die durch den Zinsmechanismus herbeigeführte Kapitalkonzentration abschwächen.

In der aktuellen Diskussion stehen allerdings zwei andere Aspekte im Vordergrund, nämlich künstliche Inflationierung der Wirtschaft durch die Geldpolitik der Notenbanken:

1) zur Vermeidung einer Deflation und/oder

2) zur Senkung der Verschuldung (z. B. Staatsschuld) in realen Preisen bzw. zur Reflationierung von Asset Preisen (Immobilien!) zwecks Wiederanpassung der Nominalwerte an die nominalen Kredite (Hypotheken).



Zu 1) Eine Deflation kann in verschiedener Hinsicht volkswirtschaftlichen Schaden anrichten. Sie kann die Wirtschaftssubjekte (WSe) zur Kaufzurückhaltung veranlassen; dann setzen die Händler und letztlich die Hersteller weniger ab, müssen Arbeitnehmer entlassen, die haben kein oder sehr viel weniger Geld zum Ausgeben, dadurch sinken die Umsätze weiter … : ein perfekter Teufelskreis oder circulus vitiosus. (Für eine ausführliche Darstellung der Wirkungen einer Deflation vgl. das Wikipedia-Stichwort.) Diese Gefahr ist keineswegs abstrakt; insbesondere in die amerikanische Psyche hat sie sich aus der Zeit der "Great Depression", die wir als "Weltwirtschaftskrise" kennen (heute müssten man wohl sagen: WWK I; ich zumindest habe keinen Zweifel, dass wir aktuell in einer Weltwirtschaftskrise II stecken) eingebrannt. Die einschlägigen Befürchtungen der aktuellen (ich nenne sie mal:) ‚Inflationisten' (ein berühmter Inflationist ist der US-Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Paul Krugman; vgl. z. B. seine Arbeit "THINKING ABOUT THE LIQUIDITY TRAP" aus dem Jahr 1999, auf den sich sein Blog-Eintrag "A whiff of inflationary grapeshot" vom 17.12.2008 bezieht) sind also keineswegs aus der Luft gegriffen.

Die Frage ist natürlich, auf welche Weise eine Notenbank der Wirtschaft Inflation injizieren kann, mit welchen Risiken und Nebenwirkungen. Ben Bernanke hat in seinen bekannten "Remarks by Governor Ben S. Bernanke Before the National Economists Club, Washington, D.C." u. d. T. "Deflation: Making Sure "It" Doesn't Happen Here" vom 21.11.2002 vorgeschlagen, die Steuern zu senken und das Defizit über Kredite der Notenbank an den Staat, also über (vorübergehende) Geldschöpfung, zu finanzieren (meine Hervorhebungen):

"A broad-based tax cut, for example, accommodated by a program of open-market purchases to alleviate any tendency for interest rates to increase, would almost certainly be an effective stimulant to consumption and hence to prices. Even if households decided not to increase consumption but instead re-balanced their portfolios by using their extra cash to acquire real and financial assets, the resulting increase in asset values would lower the cost of capital and improve the balance sheet positions of potential borrowers. A money-financed tax cut is essentially equivalent to Milton Friedman's famous "helicopter drop" of money." (Dazu ein Auszug aus der zugehörigen Anmerkung 18:
"A tax cut financed by money creation is the equivalent of a bond-financed tax cut plus an open-market operation in bonds by the Fed, and so arguably no explicit coordination is needed. However, a pledge by the Fed to keep the Treasury's borrowing costs low, as would be the case under my preferred alternative of fixing portions of the Treasury yield curve, might increase the willingness of the fiscal authorities to cut taxes.")

Paul Krugman hatte in seiner o. a. Arbeit aus dem Jahr 1999 von der Notenbank "a credible commitment to future inflation" gefordert, sie sollte "credibly promise to be irresponsible", also "glaubwürdig Verantwortungslosigkeit versprechen".
Ben Bernanke hat den Ratschlag beherzigt, oder sich an seine eigene Forderung nach einer Verpflichtung, der Fed, die Zinsen für Staatsanleihen auf einem niedrigen Niveau zu halten, erinnert. Jedenfalls lesen wir jetzt (meine Hervorhebung):
"Den nach aggressiven Zinssenkungen im vergangenen Jahr praktisch bedeutungslos gewordenen Leitzins beließ der für die Geldpolitik der Federal Reserve zuständige Offenmarktausschuss wie an den Finanzmärkten erwartet beim bisherigen Zielband zwischen null und 0,25 Prozent. Dort werde er auch eine längere Zeit bleiben, erklärte Bernanke."


In der Realität ist die Fed allerdings bislang vor der brutalsten Form einer Inflationierung, dem Ankauf von Staatsanleihen in großem Umfang, zurückgeschreckt. Das Risiko war den Verantwortlichen wohl doch zu hoch, dass die Sache in die Hose gehen könnte.

Zum einen ist es ja keineswegs sicher, dass die WSe Steuersenkungen tatsächlich in den Wirtschaftskreislauf zurück pumpen. Indirekt äußert auch Ben Bernanke Zweifel zumindest an einem (weitestgehenden) Rücklauf dieses Geldes direkt über den Konsum. Er kalkuliert immerhin die Möglichkeit ein, dass die Haushalte das Geld sparen (was nach seiner Vorstellung durch Kauf von Wertpapieren geschehen würde), konstruiert allerdings auch für diese Fallgestaltung einen – indirekten – wirtschaftlichen Nutzen durch eine Senkung der Zinsen. Das ist nun freilich schon sehr weit hergeholt, zumal man dafür nicht nur "potential borrowers" braucht sondern Leute bzw. Unternehmen, die tatsächlich (zusätzliche) Kredite aufnehmen.

Zum anderen muss der Staat dieses Geld irgendwann zurück zahlen. Mit dem Aufhören der Fed-Subventionierung müssten zunächst die Steuersenkungen rückgängig gemacht werden (oder der Staat müsste sie über anderweitige Schuldenaufnahme finanzieren). Außerdem müssten die Anleihen verzinst werden sowie – je nach Laufzeit – früher oder später zurück gezahlt. Dann müsste der Staat, der schließlich nicht unbegrenzt auf Pump leben kann, die Steuern erhöhen. Der schlaue Ben hat zwar auch dagegen ein Argument parat (Fußnote 18): "…. a money-financed tax cut will in fact raise spending and inflation. In brief, the reason is that people know that inflation erodes the real value of the government's debt and, therefore, that it is in the interest of the government to create some inflation. Hence they will believe the government's promise not to "take back" in future taxes the money distributed by means of the tax cut", aber diese Hypothesen über das Verhalten der WSe erscheinen wohl nicht nur mir recht gekünstelt.

Überhaupt stellt sich die Frage,ob ein wenig Deflation die Kaufneigung der WSe in nennenswertem Umfang dämpft (auf dem PC-Markt und vergleichbaren High-Tech-Verbrauchermärkten anscheinend nicht) bzw. ob umgekehrt eine Inflationserwartung im niedrigen einstelligen Prozentbereich die Kaufneigung wesentlich stimuliert. Ich habe Zweifel an beidem; das Menschenbild der Ökonomen, wonach solche Handlungsweisen automatisch zu erwarten sind, erscheint mir einigermaßen primitiv.

Es könnte aber auch passieren, dass der 'Geldabwurf per Hubschrauber' so richtig gut anschlägt. Dann Sturm brich los: eine Hyperinflation könnte sich entwickeln, südamerikanische Verhältnisse in den USA.

Schließlich ist auch noch die außenwirtschaftliche Dimension zu bedenken. Würden die Amerikaner mit ihren nagelneuen grünen Scheinen US-Autos kaufen, oder würden sie lieber japanische und deutsche Autos importieren? Letzteres würde das Handelsbilanzdefizit weiter anschwellen lassen (und keine Arbeitsplätze in den USA schaffen) und müsste, sofern nicht ausländische Notenbanken zu unbegrenztem Bunkern der Greenbacks bereit sind, den Außenwert des Dollar verfallen lassen. Eine Abwertung des Dollar (nicht unbedingt unmittelbar realwirtschaftlich induziert, sondern, wie wir ja anlässlich der o. a. Fed-Ankündigung vom 18.03.09 beobachten konnten, zunächst spekulationsgetrieben) würde ausländische Waren für die Amerikaner teurer machen, was eine weitere Inflationsquelle wäre. In ihrem Leitartikel "Der Griff zum Äußersten" vom 20.03.2009 erläutert die Financial Times Deutschland (FTD) die Vorteile, aber auch die Risiken und Nebenwirkungen der damals gerade von Ben Bernanke angekündigten Geldschöpfung via Ankauf von Staatsanleihen (meine Hervorhebung): "Eine Dollar-Abwertung trägt zwar auch dazu bei, die Realwirtschaft in den USA anzukurbeln, weil sie den Export fördert und die Einfuhren verteuert." Und fährt mit unüberhörbarer Ironie fort: "Wer die Deflationsspirale fürchtet, kann sich auch über importierte Inflation freuen." In Wirklichkeit ist importierte Inflation natürlich sehr viel unangenehmer als selbstgemachte: man muss mehr ans Ausland abdrücken, also letztlich (irgendwann geben die sich auch nicht mehr mit grünen Scheinen zufrieden) mehr Güter und/oder Dienstleistungen exportieren; das mindert den eigenen Wohlstand um so mehr, je teurer im Verhältnis die Importe sind (normaler Weise ein Problem von Entwicklungsländern, die Güter mit niedriger Wertschöpfung ausführen).
(Auch in den Exportländern wären freilich in einem gewissen Umfang Anpassungen zu erwarten, z. B. Lohnsenkungen, um das eigene Angebot zu verbilligen.)

Trotz allem hat die Fed jetzt den Ankauf von US-Staatsanleihen angekündigt, allerdings in der (im Verhältnis zu den für Ankäufe von "troubled assets" aufgewendeten Summen) relativ bescheidenen Höhe von 300 Mrd. USD. (Zu den aktuellen Ankündigungen der Fed und den mutmaßlichen Auswirkungen der geplanten Maßnahmen vgl. z. B. den Bericht "Wie "Rambo" Bernanke die USA retten will" in der FTD vom 19.03.2009 oder diesen Artikel im Handelsblatt vom gleichen Tag). Ein (hier hübsch visualisierter) ‚Geldabwurf vom Hubschrauber' ist dieser Ankauf von Staatsanleihen allerdings nicht, weil das Volk dadurch keineswegs mehr Geld in den Taschen hat. Nicht einmal via Konjunkturprogramm gelangt dieses Neugeld des US Federal Reserve Systems in die Finger der Menschen, weil die "Bailout"-Zahlungen der Regierung allein schon höher sind bzw. sein werden als die 300 Mrd. Dollar.

Die bisherigen Geldspritzen der Fed gingen an die Banken: über den Ankauf von vermutlich größtenteils faulen Wertpapieren (hypothekenbesicherten oder anderweitig mit Kreditforderungen an Kunden unterlegten Anleihen wie Mortgage backed Securities oder Collateral Debt Obligations). Die Banken werden dadurch in die Lage versetzt, wieder mehr Kredite auszugeben. Aber das hilft den ohnehin schon überschuldeten Verbrauchern und Hauskäufern wenig; letztlich wird damit ausgerechnet von denen erwartet, dass sie die Wirtschaft ankurbeln, indem sie sich munter weiter verschulden. Damit wäre der nächste Fed-gesponserte Crash schon vorprogrammiert: Mach's noch einmal, Ben! (Was beim ersten Mal der Alan erledigt hat: Sauerstoff in die Flammen pumpen!)


Urvater dieser ganzen Inflationstherapie, und damit kommen wir thematisch zur
Nr. 2 der Argumente für eine Inflationierung (Reflationierung) (heutzutage insbesondere bezogen auf den Immobilienmarkt), ist der US-Wirtschaftswissenschaftler Irving Fisher. Der versteht sich in seinem Aufsatz "The Debt-Deflation Theory of Great Depressions" aus dem Jahr 1933 als Wirtschafts-Arzt wenn er schreibt (S. 350 der ZSchr. Econometrica): "… great depressions are curable and preventable through reflation and stabilization". Es ist übrigens interessant, dass für Fischer das Problem einer Deflation weniger in der Kaufzurückhaltung der Konsumenten wegen der Erwartung zukünftig noch mehr sinkender Preise liegt, sondern die Deflation ausgelöst und verstärkt wird durch Schuldentilgung (debt liquidation) (Ziff. 24 + 27 seiner Studie). Auch das mindert(e) heute wie damals natürlich das Konsumpotential; aktuell scheint man allerdings mehr eine durch Preissenkungen verstärkte Konsumzurückhaltung zu befürchten.

Wie ausgeprägt bei Fisher die Parallelisierung von Wirtschaftswissenschaft und Medizin ist , verdeutlicht auch die Formulierung in Ziff. 40: "… economic science … has its therapeutics as truly as medical science". Schon von daher überrascht es, dass Fisher in einem entscheidenden Punkt von bewährten medizinischen Grundsätzen abweicht. Als ‚Erstursache' der ökonomischen Malaise diagnostiziert Fisher nämlich "over-indebtedness", also Überschuldung (der WSe und/oder Firmen). Ein Mediziner würde natürlich diesem Problem zu Leibe rücken. Fisher dagegen will die in der von ihm diagnostizierten Kausalkette zweite Ursache heilen, die Deflation. Und zwar mit ihrem Gegenteil, der Inflation bzw. Reflation.

Eine Operation am offenen Herzen der Überschuldung ist heikel, und das keineswegs nur deshalb, weil man damit den Interessen der Kapitalbesitzer ins Gehege käme. Ein partieller Schuldenerlass oder eine Schuldenübernahme durch den Staat (sowie eine in vielen US-Bundesstaaten relativ bequem mögliche Schuldenabschüttelung durch Hypothekengläubiger mittels "jingle mail" – dazu s. meinen Blott "Twingly als teuflische Versuchung: Intellektuelle Jingle Mail von mir zum Handelsblatt?") finden in der aktuellen Krise zwar faktisch bereits in einem großen Umfang statt. Das geschieht aber bislang noch in einer Weise, welche die Zurechnungen und Verantwortlichkeiten nicht grundsätzlich in Frage stellt oder mit einem Federstrich tilgt. Weiter gehende Vorschläge (z. B. des amerikanischen Historikers Niall Ferguson oder des australischen Ökonomen Steve Keen) haben erhebliche Risiken und Nebenwirkungen (vgl. entsprechend meine Kritik an Bemühungen um einen "bankruptcy cram down" zu Gunsten insolventer Hypothekenschuldner in meinem Blott "Krise ohne historisches Beispiel … ").

Entscheidend ist aber, dass Inflation (bei den Verbraucherpreisen) die Tilgung der Hypotheken für die Wohnhäuser in der Vergangenheit wohl schon erheblich erschwert hatte (Ölpreis!) und in Zukunft wieder erschweren könnte. Eine Geldpolitik, welche den Verbraucher mit der Inflationspeitsche in den Konsum treibt, entzieht ihm zugleich die Mittel zur Schuldentilgung. (Allerdings hätte ein Arbeitsplatzverlust, auf verschlungenen Wegen durch nachlassende Konsumneigung herbeigeführt, noch schlimmere Folgen.)

Eine Schwachstelle der Argumente für ein 'Wieder-Aufpumpen' der Immobilienpreise könnte in unklaren Vorstellungen darüber liegen, was Überschuldung ist. Der Begriff erscheint selbsterklärend, aber schon Fisher hatte das Bedürfnis zu einer näheren Erläuterung (Nr. 35; leider lässt sich der Text aus dem pdf-Dokument nicht kopieren, so dass ich ihn hier mühsam abtippen muss) (meine Hervorhebung):
"... I have not discussed what constitutes over-indebtedness. ... a) over-indebtedness is always relative to other items, including national welath and income and the gold supply, which last is specially important ...; and b) it is not a mere one-dimensional magnitude to be measured simply by the number of dollars owed. It must also take account of the distribution in time of the sums coming due. Debts due at once are more embarrassing than the debts due years hence ... . For practical purposes, we may roughly measure the total national debt embarrassment by taking the total sum currently due, say within the current year, including rent, taxes, interest, installments, sinking fund requirements, maturities and any other definite or rigid commitments for payment on principal".

Entscheidend ist also - und das geht häufig in der Diskussion unter, aber ebenso bereits bei der von Fisher empfohlenen Therapie - das Verhältnis von Schulden zu Einnahmen, nicht etwa das Verhältnis der Schulden zum Marktwert der Immobilien, Firmen usw.
Vor allem fehlt auch in Irving Fisher's Debt Deflation Theory (zumindest in dem o. a. Aufsatz) der unmissverständliche Hinweis, dass der Zusammenhang zwischen Deflation und Verschärfung der Schuldenlast in gesamtwirtschaftlicher Betrachtung lediglich ein mittelbarer ist und dass es letztlich allein auf die Kredittilgungsfähigkeit der Schuldner ankommt.
[Einen Überblick über Fishers Denken in Bezug auf die Weltwirtschaftskrise in den USA gibt Giovanni Pavanelli von der Universität Turin in seinem kurzen (21 S.) Papier aus dem Jahr 2001 "THE GREAT DEPRESSION IN IRVING FISHER’S THOUGHT", das in einer früheren Version erstmalig präsentiert worden war "at the Fifth Annual Conference of the European Society for the History of Economic Thought, Darmstadt, February 2001". Dieser Darstellung entnehme ich, dass Fisher zumindest eine Zeit lang auch das von Silvio Gesell propagierte Freigeld oder Schwundgeld, bei ihm "STAMP SCRIP" genannt, für ein hilfreiches Mittel gegen die wirtschaftliche Flaute gehalten hat. Hier ein englischsprachiger Text von der Fed in Cleveland zum "Stamp Scrip" allgemein; ein von Fisher darüber geschriebenes Buch ist auf dieser Webseite von der FU Berlin verfügbar.]

Man könnte diese Unterscheidung zwischen direkter und indirekter Wirkung von Deflation zwar für eine künstliche halten, wenn man sich vorstellt, dass Schulden nicht nur aus den laufenden Einnahmen, sondern ebenso durch den Erlös aus einem Verkauf der Sachwerte, aktuell also insbesondere die Wohnhäuser, getilgt werden können. Aber zum einen ist es ja nicht im Sinne der Immobilienbesitzer oder der Volkswirtschaft insgesamt, dass die Häuser herumgereicht werden wie heiße Kartoffeln. [Dieses Stichwort erinnert mich an eine sehr ausführliche Beschreibung der Probleme am Immobilienmarkt, die in -3- Teilen im Internet verfügbar ist: "Housing Hot Potato": Part I, Part II und Part III.] Zum anderen kann der Markt gesamtwirtschaftlich und auf Dauer betrachtet ein bestimmtes Preisniveau nur dann aufrecht erhalten, wenn der Gesamt-Kreditbelastung ein Gesamt-Einkommen gegenüber steht, aus dem die Tilgungsraten bedient werden können. Schließlich müssen ja auch die neuen Käufer ihre Kredite tilgen. Und ohnehin ist, was sich als "Marktpreis" darstellt, ja nur die Hochrechnung aus verhältnismäßig wenigen Transaktionen. Stehen erheblich mehr Objekte zum Verkauf, wird das Preisniveau in aller Regel sinken.
Über einen gewissen Zeitraum mag eine exzessive Kreditzufuhr dieses Erfordernis verschleiern, aber irgendwann wollen die Gläubiger Güter sehen, sich Waren oder Dienstleistungen als Gegenwert für ihre Kredite zuzüglich der Zinsen liefern lassen. Auch wenn es zeitweise anders scheinen mag, löst sich die Welt eben nicht in einem reinen Geldspiel auf; von Zeit zu Zeit fragt "der Markt" die Teilnehmer nach der realwirtschaftlichen Substanz ihres finanzwirtschaftlichen Treibens. Und diese Substanz besteht nicht aus Preisen, sondern aus der Produktion von Gütern und Dienstleistungen.
[Sehr schön dargestellt ist die Abhängigkeit der Kreditwerte von der Tilgungsfähigkeit in dem Aufsatz "Money is Also Destroyed" (Betonung auf "destroyed" als Gegensatz zur Geldschöpfung durch Kreditgewährung) eines gewissen Michael Nystrom vom 20.07.2007:
"..... The conventional wisdom is that the bank loans him [einem fiktiven Hauskäufer namens Mr. Jones] money so he can buy the house. In reality, Mr. Jones is actually borrowing the money from himself, or rather against his own future earnings.
..... the mortgage has value only because of Mr. Jones’s promise to pay back the money. As long as Mr. Jones’s promise is good, the mortgage will retain its value and the bank can sell it to another investor ... . .....
Whatever the reason, Mr. Jones and millions like him had to break their promises about paying back the loans. In the end they’ll just give their keys back to the bank and say, “Thanks, but no thanks. I can’t afford it.” .....
Until now, his debt was an asset of the fund, and was being used as collateral ... . But the moment that Mr. Jones gave up on the idea of home ownership, the value of his mortgage simply disappeared. The paper asset, which derived its value from Mr. Jones’s promise, was destroyed. .....
What about the houses, you ask? Yes, they have some value, but not nearly as much as when they were first purchased. Again, it was not the houses that had the value, it was Mr. Jones promise to pay a steady stream of high interest income over 30 years that was valuable to investors.
"
Der Aufsatz enthält auch interessante Ausführungen zum Thema Inflation, auf die ich noch zurück komme. Nystrom, übrigens auch ein Ron Paul-Anhänger wie der u. g. Mike Shedlock, hat auch eine originelle Fotodokumentation des Verfalls der Wirtschaft in Boston ins Netz gestellt.]

Schärfer als das bei Fisher und in vielen Beiträgen der aktuellen Diskussion zum Ausdruck kommt ist deshalb zu fragen, welchen Beitrag, bzw. ob überhaupt einen, die Geldpolitik zur Wiederherstellung der verlorengegangenen Balance zwischen den Marktpreisen bestimmter "Assets" und dem realwirtschaftlichen Ausstoß leisten kann.

Die aktuelle Vorstellung ist aber wohl eher, die Gläubiger über's Ohr zu hauen und die Schulden wegzuinflationieren. Einen solchen Eindruck gewinne ich jedenfalls, wenn ich z. B. bei John Makin in seinem Essay "Inflation Is Better Than Deflation" lese (meine Hervorhebung):
"The fundamental reason that a reflationary shock is needed in a postbubble period is tied to the need to reduce the real burden of debt. As bubbles inflate, households and firms assume more and more debt with interest rates fixed largely in nominal terms."
Das mag nach innen funktionieren (in Deutschland hat der Staat seine Schulden nach beiden Weltkriegen weginflationiert); nach außen ist das nicht so einfach.

Nehmen wir an, ein Hollywoodfilm kostet für den deutschen Markt 10 Mio. Dollar und 1.000 Volkswagen kosten 10 Mio. Euro. Unterstellen wir weiterhin einen Gleichstand von Dollar und Euro können wir sagen: 1 Kinofilm aus Hollywood kostet uns 1.000 Volkswagen.
Inflation in den USA würde bedeuten, dass z. B. der Kinofilm irgendwann 20 Millionen USD kostet. Das werden wir uns kaum gefallen lassen, dass wir für den Film nunmehr 2.000 VWs produzieren müssten; also müssen wir die Autos im gleichen Umfang verteuern. Ganz gewiss wird die Kalkulationsabteilung von VW nicht die Preise von Hollywoodfilmen in ihre Berechnungen eingeben. Doch ebenso gewiss werden die Kosten dafür auf irgend welchen verschlungenen Wegen mit in die Automobilpreise eingehen.
In der Grammatik der Geldwirtschaft wird der Zusammenhang über den (freien) Devisenmarkt vermittelt. Wenn die USA inflationieren, sollte der Dollarkurs fallen. Die Volkswagen werden immer noch 10 Mio. kosten, aber nur in Euro. Der Dollar sollte idealtypisch dann statt 1,- € nur noch 0,50 Euronen kosten oder umgekehrt müssten amerikanische Importeure für einen Euro dann 2 Dollar hinlegen. Somit würden die Volkswagen in den USA 20 Mio. kosten - Dollar eben. Und damit wäre das durch die Inflation der Filmpreise zerstörte "Gleichgewicht" aus der Perspektive des Gütertausches wieder hergestellt; als Tauschvorgang betrachet (und das ist letztlich die entscheidende Perspektive für beide Partner: wie viel von meiner Arbeit muss ich geben, wie viel von der Arbeit der anderen bekomme ich dafür) würde nach wie vor die Gleichung 1.000 VWs = 1 Hollywoodfilm gelten.

In der Reinform wird man ein solches "Zusammenspiel" von Devisenmarkt und Änderungen des realen Werts einer Währung kaum jemals sehen. Verzerrungen (können) kommen aus 3 Richtungen: Devisenmarkt-Interventionen der Zentralbanken; Spekulation der Marktteilnehmer und Bewegungen, die sich aus finanzwirtschaftlichen Entwicklungen ergeben. (Aktuell wird z. B. der eigentlich noch erstaunlich starke Dollarkurs damit begründet, dass amerikanische Finanzmarktakteure ihre Auslandsguthaben repatriieren, also ihre in Fremdwährungen angelegten Gelder in US-Dollar umtauschen, was natürlich den Dollarkurs stützt. Allerdings habe ich den Verdacht, dass auch ausländische Notenbanken den Dollar stützen; ein schwacher Dollar würde ja unseren Export verteuern, und es war doch immer so schön, unsere Autos über den großen Teich verschiffen - auch wenn wir dafür großenteils nur grünes Papier bekommen haben.)

Kehren wir aber zu der Frage zurück, ob bzw. inwieweit eine Inflation in den USA die hoch verschuldeten Privaten, insbesondere Hypothekenschuldner entlasten könnte. [Die Überlegungen gelten entsprechend für Großbritannien; die dortigen - ich nenne sie mal: - Schattensünder haben das Verschuldungsspiel sogar noch etwas toller betrieben als die Amerikaner, nachzulesen z. B. in dem Artikel "Why dealing with the huge debt overhang is so hard" des vielzitierten Financial Times Star-Kommentators Martin Wolf vom 27.01.09.]
Diese Zielsetzung wird in den meisten Kommentaren ohnehin nur sozusagen 'hinter vorgehaltener Hand' angesprochen, im übrigen aber regelmäßig falsch, bzw. gefährlich verküzrt, bewertet. So z. B. auch in dem o. a. Kommentar von Martin Wolf wenn er schreibt (meine Hervorhebung):
"Finally, there is inflation [als Mittel gegen die Überschuldung]. If central banks and governments are aggressive enough, they can generate inflation, which will lower the debt burden."
Wolf lehnt eine solche Inflationierung ab, aber auch seine Annahme, dass eine Inflation automatisch die Schulden senken muss, ist unzutreffend.
Um den Schuldnern zu helfen, müsste man nicht irgendeine, sondern die 'richtige Sorte' von Inflation haben.
Gesamtwirtschaftlich betrachtet können Preissteigerungen die Schuldner letztlich nur dann entlasten, wenn sie deren Einkommen schneller steigen lassen als die Kosten ihres Lebensunterhalts.
Oder anders: Nur insoweit, als sich ihre Fähigkeit zur Tilgung vergrößert, hilft Inflation den Schuldnern. Bei einer Hyperinflation wie derjenigen in Deutschland in und nach dem Ersten Weltkrieg ist das zweifellos der Fall.
Bei einer kleinen Zündelinflation, wie sie unsere zeitgenössischen Finanzmagier prozentgenau generieren zu können glauben, ist das keineswegs sicher. Mike Shedlock ("Mish") stellte in einem Eintrag auf seiner Webseite "MISH'S Global Economic Trend Analysis" vom 20.07.2007 die Frage "Can the Fed control prices?". Was immer man von Shedlocks politischer Agenda halten mag ("It's time to abolish the Fed and restore fiscal and monetary sanity. The way to make that happen is to vote for Ron Paul."): seine Darlegungen, wonach die Fed die Preise (in den USA) nicht kontrollieren, und in einer globalisierten Welt nicht einmal mehr wesentlich beeinflussen kann, erscheinen mir überzeugend. [Und dass auf seiner Webseite die Symptome der Finanzkrise bereits 2006 in einem Interview mit Paul Kasriel identifiziert wurden, spricht sicherlich nicht gegen seine ökonomische Weitsicht.]
Die Probleme mit der Inflationsmessung (Zusammensetzung des Warenkorbes, Zeitvergleich angesichts von Qualitäts- und Produktivitätsänderungen, Einbeziehung oder Auslassung der Asset Preise usw.) hatte er bereits im Februar 2006 in einem lesenswerten Eintrag "Inflation: What the heck is it?" geschildert und die Geldmengenausweitung kritisiert. Auch wenn er sich darin als ein Anhänger der im wirtschaftswissenschaftlichen Mainstream recht randständigen "Austrian Economics" (Ludwig von Mises Institute) outet, hat die Entwicklung seine Vorhersagen in erschreckender Weise bestätigt (meine Hervorhebungen):
"Changes in "Purchasing power" required to buy a basket of goods and services can not be accurately measured because of the need to continuously add new products to the basket, because the measurement of quality improvements on existing products is too subjective, and because it is impossible to pick a representative and properly weighted basket of goods, services, and assets in the first place. Furthermore, such measurements are highly prone to governmental manipulation at private citizen expense. Endless bickering over the CPI numbers every month should be proof enough of these allegations.
Measurement of equity price fluctuations poses a particularly difficult problem for those bound and determined to put the cart before the horse as well as those that think such assets belong in any sort of basket.
Price targeting by the FED is doomed to failure because a representative basket of goods and services can not be created, because prices can not properly be measured, and because price targeting puts the cart before the horse.
Expansion of money supply (typically to accommodate unfunded government spending) and expansion of credit (via GSEs, fractional reserve lending, and other unsecured debt issuance) are two of the biggest problems. Targeting the outcome (prices) can not possibly be the solution.
Ludwig von Mises describes the endgame brought on by reckless expansion of credit: "There is no means of avoiding the final collapse of a boom brought about by credit (debt) expansion. The alternative is only whether the crisis should come sooner as the result of a voluntary abandonment of further credit (debt) expansion, or later as a final and total catastrophe of the currency system involved."
The FED should have been listening to Mises all along. Instead they have put their faith in "productivity miracles", "new paradigms", and their own hubris. Those actions have accomplished nothing other than delay the eventual day of reckoning.
"

Entscheidend für uns ist die Überlegung, dass die Fed die Preise nicht wirklich kontrollieren kann. Insbesondere kann sie die Blase nicht dort hochpumpen, wo sie sie vielleicht gern hätte: bei den Immobilienpreisen nämlich. [Auch das wäre nur vordergründig hilfreich. Bei richtiger Betrachtung heißt 'Reflationierung' auf diesem Sektor nämlich, dass Immobilienkäufer nach wie vor inflationierte, also - im Verhältnis zu ihrem Einkommen wie im Verhältnis zu nicht durch eine übermäßige Geldmenge verzerrten Marktpreisen - überhöhte, Preise bezahlen müssten.] Es kann durchaus passieren, dass die Lebenshaltungskosten aufgrund der Gelddruckerei der US-Notenbank steigen (wie in Deutschland in der Anfangsphase des 30jährigen Krieges durch die von den "Kippern und Wippern" betriebene Münzverschlechterung).
Das Ergebnis wäre das gleiche wie die schon gesehene Inflation (insbesondere der Rohölpreise), die wahrscheinlich mit zur Finanzkrise beigetragen bzw. diese verschärft hat: die Schuldner müssen mehr für ihren Lebensunterhalt aufwenden, damit reduziert sich, trotz Inflation, ihre Tilgungsfähigkeit.
Es war halt nicht die richtige Form von Inflation.

Leztendlich ist die ganze Geldpolitik, wie sie international (EZB, Schweiz, Japan, USA, Großbritannien ...) zur Krisenbekämpfung betrieben wird, eine Fortsetzung der Geldmengenausweitung der vergangenen Jahre. Indes, wie "Dr. Housing Bubble" in dem (sehr informativen) Artikel "$5 Trillion in Housing Wealth Gone: The Impact of the Housing Bubble Bursting" schon am 05.07.2007 feststellte:
"You cannot use debt to finance your entire economy. Unfortunately, we have too much credit floating around and we are going to face a radical public policy debacle and potentially a government (read public) bailout."

Empfehlenswerte Lektüre für den vorliegenden Zusammenhang ist auch der Aufsatz "Icebergs" von John Riley, Chief Strategist, vom 3.12.2007 auf der Webseite "Cornerstone Investment Services". Auszüge:
"Did you hear about the Fed Chairman that had his head in the oven and his feet in the freezer? He told Congress, “On average, I’m comfortable.” Dead, but comfortable. This is the danger of using some averages, they don't tell the whole story and it is the methodology that the Federal Reserve is following."
Ein Arbeiten mit der Vorstellung von "der" Inflation ist dieser Methode des Arbeitens mit Durchschnitten vergleichbar.
"First, let’s look at the importation of deflation. Unlike most economists, we at Cornerstone do not view deflation from a monetary standpoint. This, we believe, is the mistake both Wall Street and the Fed are making. Instead, we look at it from a businessman’s perspective.
A businessman’s perspective on deflation is where he creates a product with the expectation of selling it for a certain price. But along comes a wave of foreign goods selling for much less. He is now forced to lower his prices to compete. It has nothing to do with the money supply. It has nothing to do with interest rates. It has nothing to do with the velocity of money. .....
The businessman ... sees a need, sees an opportunity, creates a product for that need, and sells the product for a profit. Foreign competition, even if it is only 5% of the market, can dictate the price of the product. Consumers flock to the lowest prices. Or should I say best value. Ask Detroit [also die US-Automobilindustrie]. .........
How do we import inflation? Through high commodity prices. Growing economies overseas are sucking up virtually everything from oil to copper to corn at alarming rates. And the increase in demand is not temporary. ............
But there is another inflation that the Fed can do something about and has chosen not to. The Dollar’s decline tends to bring inflation with it. But a collapse of the Dollar brings hyper-inflation. The Fed has chosen to ignore the potential of a collapse and instead has stoked the possibility by lowering interest rates. ......... It is the experiment that Mr. Greenspan embarked on where he threw money at whatever problem there was. ..... Asian currency crisis - lower rates; Russian Debt default - lower rates; Y2K - lower rates; ..... .
By the time the new century rolled around, the world was awash in Dollars. Every time the Fed lowered rates, they encouraged more debt to be piled up by domestic consumers pushing millions of new Dollars into the system and devalued the currency a little bit each time. So while Wall Street applauds the Fed lowering interest rates to help their own pocketbooks, remember, what the Fed has been doing is eroding the value of those pieces of paper with presidents on them in your pocket. ....
Bread and Circus is not the basis for a strong economy
Much of the debt was used for consumption which added nothing long term to the economy. Instead of debt used for investment into productive economic purposes, (factories, not stocks) much of the debt raised was used to finance lifestyles. To buy stuff. To have fun.
"
Tja, so war das. Und wieso sollte das jetzt plötzlich alles anders sein? Welche Blase(n) wird der aktuelle Kurs der Notenbanken weltweit, euphemistisch mit "geldpolitische Lockerung," "expansive Geldpolitik" bzw. auf Englisch "quantitative easing" genannt, haben? Da kann man wohl nur noch fragen: wie hoch wird die zukünftige Inflation sein, und wann wird die Woge anrollen? Werden wir gar eine Hyperinflation bekommen?

Momentan stellt sich diese Frage noch nicht; eher jene nach der Wirksamkeit der Geldpolitik. Denn noch wollen 'die Pferde nicht saufen': teils halten sich die Privatpersonen und insbesondere die Unternehmen mit Ausgaben zurück, teils wollen die Banken ihnen keine Kredite mehr geben. Bei den Privatpersonen wäre das angesichts des Überschuldungsniveaus, das schon weit höher ist als 1929 zu Beginn der Great Depression (für Zahlen und Graphiken vgl. z. B.den oben zitierten Artikel "Why dealing with the huge debt overhang is so hard" von Martin Wolf; man kommt - allgemein bei der Financial Times - auch ohne Anmeldung zum Volltext der Artikel wenn man - im neuen Internet Explorer 8 mit der Schnellinfo äußerst bequem - die Überschrift in Google sucht und dann anklickt).

Die andere Frage ist freilich: was wäre bzw. würde passieren, wenn die Notenbanken kein zusätzliches Geld in die Wirtschaft pumpen? Wer wollte das Risiko einer Probe auf's Gegenteil eingehen?
Das empfiehlt nicht einmal der inflationskritische Mathematiker und Wirtschaftsstatistiker Hans Wolfgang Brachinger in dem Zeit-Interview "Die Fed bereitet die nächste Blase vor" vom 3.3.2009:
" ... der Weltwirtschaft geht die Luft aus. Sie aber warnen vor einer neuen Inflationswelle. Warum?"
Brachinger: "Weil die amerikanische und die anderen Notenbanken im Moment den perfekten Boden dafür bereiten. Es ist verwunderlich, wie die Fed ganz freimütig mit allen Tabus bricht: Erst betreibt sie quantitative easing und kauft faule Papiere der Banken auf, nun will sie sogar Staatsanleihen kaufen. Diese hemmungslose Geldpolitik bedeutet nichts weiter, als dass sie Geld druckt. Jeder Ökonom weiß: Wenn die Geldmenge derart drastisch steigt, tritt irgendwann Inflation ein."
ZEIT ONLINE: "Sollen die Notenbanken in der Krise untätig sein?"
Brachinger: "Nein, aber allen sollte bewusst sein, dass die Notenbanken – vor allem die amerikanische – derzeit alles tun, damit die nächste Blase kommt."
Abgesehen davon, dass die britische Zentralbank mit dem Ankaufen von Staatsanleihen noch schneller war als die Fed: bewusst ist den Akteuren das Inflationsrisiko ganz sicher. Und, trotz meiner Kritik am Federal Reserve System und an Ben Bernanke (vgl. "Finanzkrise / Finanzmarktkrise: Ist BEN BERNANKE BESCHEUERT oder ist Burkhardt Brinkmann blöd?", "Aufräumarbeiten enthüllen Ben Bernanke's Perspective of the American Financial System as SOWERED" und "Simbabwe schärfster Konkurrent für US-amerikanische Schlüsselindustrie"), glaube ich auch nicht, dass sie die Gefahren auf die leichte Schulter nehmen, denn sonst hätte die Fed schon viel früher Staatsanleihen in großem Umfang angekauft. Was also sollte sie tun?

Andererseits wird verschiedentlich, und zu Recht, darauf hingewiesen, dass eine Dollarinflation den USA auf jeden Fall insoweit nützt, als sie die vom Ausland gebunkerten Dollarguthaben entwertet: für jeden Greenback welcher sich erfrecht, als reale Forderung zu ihnen zurück zu kommen, müssten die Amerikaner dann weniger Güter liefern, als es dem ursprünglichen Tauschwert dessen entsprechen würde, was sie selbst im Ausland bezogen haben.
Freilich, die Dollar-Dagoberts haben es auch nicht besser verdient. Meint sehr überzeugend der "Wirtschaftsweise" Peter Bofinger in dem Zeit-Online-Interview "China will sein Risiko abwälzen" vom 02.04.09:
"ZEIT ONLINE: Was raten sie den Chinesen?
Bofinger: Mit ihnen habe ich kein Mitleid. Wie kann man so viele Währungsreserven ansammeln, wofür? Das ist, als ob ein armes Land sich einen Geldspeicher baut, wie Dagobert Duck, anstatt sein Geld sinnvoll auszugeben. Die globalen Währungsreserven sind in den vergangenen Jahren in gigantische Höhen gestiegen. Weltweit beträgt ihre Summe sieben Billionen Dollar, die Entwicklungsländer halten mehr als fünf Billionen davon. Im März 2006 waren es erst drei Billionen.
Die Entwicklungs- und Schwellenländer sollten ihre Dollars benutzen, um Waren zu kaufen, auch in den USA. Die Chinesen sollten ihre Reserven einsetzen, um etwas für ihre Umwelt zu tun oder ihr Gesundheitssystem.
"
[So so, die Dritte Welt hat gigantische Devisenreserven gehortet - und wir schaufeln unser Geld jetzt in den Weltwährungsfonds, um der 3. Welt zu helfen: Da stimmt doch was nicht???]


Allerdings: Wechselkursänderungen können einer Währungsinflation nachlaufen, gleichlaufen oder, wenn die Märkte sie antizipieren (wie das bei den Dollars derzeit anzukündigen scheint), auch vorlaufen. Dann wären, ceteris paribus, die Inflationierer für eine Weile selbst die Geschädigten, bis ihre innere Geldentwertung den Verfall des Außenwertes ihrer Währung eingeholt hätte.

Ich bezweifle im übrigen, dass Inflation ganz allgemein ökonomisch nur insoweit negative Folgen hat (wie Brachinger anscheinend meint) als sie die Armen härter als die Reichen trifft:
ZEIT ONLINE: "Warum ist das [Inflationsspirale] so schlimm?"
Brachinger: "Eine Inflation, wie wir sie in den vergangenen Jahren gesehen haben, trifft in der Regel vor allem jene Menschen, die einen großen Teil ihres Budgets für die täglichen Bedürfnisse wie Nahrung und Energie aufwenden müssen. Ein Haushalt mit hohem Einkommen kann der Inflation kurzfristig ausweichen, weil er Anschaffungen verschieben kann. Arme Haushalte können das nicht. Inflation wirkt fast immer sozial selektiv. Sie sollte deshalb unbedingt in Grenzen gehalten werden."
Brachingers soziales Engagement (vgl. z. B. auch seinen Artikel "Diese Inflation spaltet die Gesellschaft" in der Süddeutschen Zeitung vom 11.06.2008), ist ehrenwert, aber die Inflation hat wohl auch andere negative wirtschaftliche Folgen, insbesondere eine Fehlallokation von Ressourcen.
Hervorzuheben ist aus dem Interview, dass Brachinger jenen 'Elefanten im Zimmer' beim Namen nennt, den die Allermeisten, und schon gar die geldpolitischen Varietékünstler, nicht sehen (wollen):
"Wenn die Weltwirtschaft wieder anspringt, wird die Energienachfrage wieder steigen. Die Energiepreise werden anziehen und mit ihnen das Preisniveau. Die weltweiten Energieressourcen haben sich ja nicht plötzlich über Nacht vermehrt, nur weil die globale Nachfrage zeitweilig sinkt. Wir haben es hier mit einem dauerhaften Problem zu tun, das zu einer langen Phase der Inflation führen kann, wenn die Weltwirtschaft wieder in Gang kommt."
[Links zu weiteren Veröffentlichungen von Professor Brachinger]


Unabhängig davon, ob Inflationierung aktuell ein geeignetes Mittel zur Steigerung der Wirtschaftsleistung ist oder nicht, ist schon die Zielsetzung einer ständig gesteigerten Wirtschaftsleistung als solche verfehlt. Mit einer erfolgreichen Ankurbelung laufen wir lediglich der Ressourcenerschöpfung noch ein wenig schneller ins Messer (vgl. auch meine Blotts "Finanzmarktkrise, Finanzkrise? Nein: Rohstoffkrise! Notenbanken, Geldpolitik und Konjunkturpakete sind deshalb am Ende", "Hinter dem Vorhang der Welt-Wirtschaftskrise wartet die Welt-Umweltkrise auf das Stichwort zum Auftritt" und "Konjunkturpolitik in 2. Weltwirtschaftskrise (WWK II): Ohne Konjunkturprogramme steuern wir in den Abgrund. Mit Ankurbeln steuern wir gegen die Wand").



Wird fortgesetzt - vielleicht. Ein systematisch runder Aufsatz ist es nicht geworden und wird es auch nicht mehr. So viel Zeit wie in mein "opus magnum" "Rentenreich" (mit Überlegungen zur Alternative Umlageverfahren - Kapitaldeckungsverfahren als Finanzierungsformen der Altersrente) kann ich hier nicht investieren. Aber vielleicht weiß es der oder die eine oder andere Leser(in) zu schätzen, dass mein vorliegender Einstieg doch etwas tiefer in die Thematik einsteigt als der Tagesjournalismus.

Im übrigen empfehle ich allen, die sich etwa mangelhaft über die Finanzkrise informiert fühlen sollten (und die englischsprachige Texte einigermaßen lesen können) einen Besuch der Webseite des Schweden Rolf Englund. Der hat Textauszüge (gute Idee, nicht einfach nackte Links hinzuknallen, wie manche das tun!) und Links zu den jeweiligen Quellen mit dem Volltext ins Netz gestellt, so ungefähr neuzigtausendneunhundertneuundneunzig ;-). Für ein halbes Menschenleben sollte die Lektüre ausreichen; ich habe nur wenige Texte und meist nur flüchtig gelesen - da war der Sonntag schon vorbei. Aber, Spaß beiseite: da Eglund die Texte auch thematisch gegliedert anbietet, ist seine Seite wirklich äußerst komfortabel nutzbar; sogar ein Sach- und Personenregister (leider ohne die Stichworte "Inflation" und "Deflation") bietet er an!

Und wer sich noch etwas gruseln möchte, bevor er oder sie in die Heia geht, dem sei die Lektüre (einer Zusammenfassung?) (oder auch das Anhören) eines kurzen CNBC-Gesprächs vom 17.o3.2009 mit dem bekannten Schweizer Pessimisten Marc Faber ans Herz gelegt: "Treasurys Are 'Disaster Waiting to Happen'" (sinngemäß: "US-Schatzbriefe sind eine Katastrophe in Lauerstellung") (meine Hervorhebungen):

"..... we'll go into high inflation rates one day ... . The stock market is likely to continue its bounce at least for a while, but the outlook is bleak ... . "I think we may still have a rally (in the S&P) until about the end of April and probably then a total collapse in the second half of the year sometimes, when it becomes clear that the economy is a total disaster," Faber said.
Ich fürchte, der Mann (dessen Spitznamen "Dr. Doom" auch auf den anderen berühmten Pessimisten und Prognostiker Nouriel Roubini angewendet wird) hat Recht.



Nachfolgend einige Kollektaneen zum Thema Inflation:

Aus dem Essay "The Good, the Bad, & the Ugly" von Charles Zentay vom 22.03.2007(!) (meine Hervorhebungen):
"The Good
The good news is that the Fed can always just print more money (called the "Greenspan Put" because that's what he always did whenever things were going badly, thereby "saving" us from a recession). .... I think the subprime shake-out will spread to the rest of the real estate market. The stock market will continue to be volatile and banks will suffer enough such that the Fed will be forced to lower rates this year, possibly to 4.5%, or possibly more.
Once the market realizes the Fed will almost certainly be lowering rates, there may be a rally. ..... As I always argue with my friends who fear deflation, it's just not going to happen. ... The Fed can always just print more money. ... Deflation cannot happen.
The Ugly The ugly problem is rather the potential (and the political need) for inflation. Deflation cannot occur because the Fed can always inject more liquidity. However, inflation cannot always been contained, because the financial system as a whole has an incentive to make it happen. ..... So what's wrong with that? After all, no one likes recession.
Unfortunately the problem is ugly. ... It's called moral hazard. Since Greenspan came into office, it has become increasingly clear that the Fed will pre-empt a recession. Don't worry. If you've overborrowed, people like Greenspan and Chris Dodd will come to your rescue. The moral hazard is that the smarter people in the economy have come to understand that this rescue will happen, and so they are even more inclined to overland! ..... As so on, down the line, from the bank officer, to the mortgage broker, to the real estate investor. ... the leveraged buy-out guys figured this out a long time ago, as have the hedge funds.
Here's a simple way of looking at the complex topic I am bringing up. Say you manufacture pencils and your main cost in graphite. Let's say your job is to price the pencils, ... . If you price too high, you will not sell enough. If you price too low, you will not make enough profit. ..... Now, let's say you have ... figure[d] out in advance that the price of graphite is going down. Then, you are ahead of your competitors, and you can order more pencils to be built and lower your prices before your competitors.
If you can understand the analogy above, you can understand what is going on in the financial markets. You just have to imagine that the pencils are loans, and graphite is interest rates (the cost of loans). Because you know that the government will be forced politically to lower the cost of interest rates (graphite), you make more loans (order more pencils to be built) at lower interest rates (lower prices).
The real sinister part is that the more bankers overlend, the more the government needs to decrease interest rates. It's what's called a positive feedback loop, although there is nothing positive about it.
The real, real ugly part (and this point may be controversial to some) is that there may be no one to blame. It is unlike the Iraq War, where it is crystal clear there were a handful of players pushing for war ..... .
In the case of the financial system, everyone can argue that they are doing their job. The politician is responding to the desires of the constituency. The Fed is responding to its dual mandate of balancing inflation and growth. Banks are just trying to stay ahead of their competitors. And lenders are just behaving according to market conditions offered to them by banks. Although there are some players who are ignoring some evidence and emphasizing other points (mostly, I would say the Fed), I did want to throw out the controversial thought that there may be something more dangerous than a conspiracy going on. In other words, maybe it's you and me that are causing the problem, behaving in our roles as they've been prescribed to us. As an analogy, global warming is easy to pin on "big oil," but it's really caused by you and me driving to work in the morning. The ugliest and scariest part about this idea is that one of the hardest things in life to do is change people. I can't even get my family members and friends to change the things that are most annoying about them! How then are we going to change the behavior of hundreds of millions of people?
"
Weise Worte! Und, wenn man bedenkt dass sie bereits im März 2007 geschrieben wurden: vorausschauende!


Nachträge 02.04.09:


Auf der Webseite "risknet" ist am 30.03.2009 der lesenswerte Artikel "Inflationsszenarien analysiert. Warum die nächste Bubble in Staatsanleihen auftreten wird" von Jochen Felsenheimer erschienen. Auszug:
"Die extrem expansive globale Geldpolitik die Anfang des Jahrzehnts einsetzte und durch 9/11 und das Platzen der Tech-Bubble angeheizt wurde, hat nur sehr moderate Inflationstendenzen auf den Gütermärkten hervorgerufen. "Asset-Price-Inflation" war das entscheidende Thema der letzten Jahre, wie spätestens seit dem Platzen der Kreditblase offensichtlich wurde. Diese Tatsache ist von größter Bedeutung für die weitere Entwicklung an der Inflationsfront und spricht gegen die aktuell diskutierten Horrorszenarien. Zumindest was Güterpreisinflation anbelangt! .....
Inflationsgefahren [sollten] nicht nur auf die Gütermärkte eingegrenzt werden. Die oben genannten Maßnahmen stellen eher eine Gefahr für die Inflationierung von Vermögenswerten dar. Genau das wird das zentrale Problem sein, welches die Stabilisierungsprogramme mit sich bringen. Offensichtlich ist die erwünschte Wirkung eine Inflationierung der Vermögenswerte, um die Bilanzen der Banken zu entlasten! Es wird somit drastisch in die Marktpreisfindung eingegriffen, was sofort die Gefahr einer neuen Blase der Vermögenswerte hervorruft.
Die Fed hat durch ihre Niedrigzinspolitik im Anschluss an das Platzen der Tech-Bubble einen nicht geringen Anteil an der Entstehung der "Subprime-Krise". Die anhaltende Inflationierung erhöht folglich das Risiko einer nächsten Bubble
."

Wolfram Weimer warnt im Handelsblatt vom 03.04.2009 in der Kolumne "Weimers Woche": "Die Welt spielt Inflationsmonopoly". An Schärfe lässt sein Kommentar nichts zu wünschen übrig:
"Der G-20-Gipfel hat 1.000.000.000.000 Dollar locker gemacht. Die kommen zu den 5.000.000.000.000 Dollar obendrauf, die in den einzelnen Ländern schon als Konjunkturprogramme aufgelegt worden sind. Seit London wissen wir: Die Weltpolitik ist in die Sphäre der Fantastilliarden vorgedrungen.
Im Gestus breitbeiniger Feuerwehrleute will das Gipfelpersonal den lodernden Brand der Rezession löschen. Dabei werden gewaltige bis gigantische Geldschläuche gelegt und es steht zu befürchten, dass man wild umherspritzt. Das Schlimmste aber ist: In den Schläuchen befindet sich kein Löschwasser sondern Brennbares. Denn es wird versucht, den Schuldenbrand mit neuen Schulden zu bekämpfen.
"

Thomas Fricke schlägt sich in der Financial Times Deutschland (FTD) vom 03.04.09 "Steinbrück begeht Harakiri" auf die Seite der, sage ich mal etwas übertreibend, "Inflationisten" (damit bezeichne ich nicht Leute, die Inflation für gut halten, sondern Menschen, die meinen, dass wir das Inflationsrisiko in Kauf nehmen müssen, um nicht im Strudel einer deflationären Rezession zu versinken). Auch diese Position sollte man zur Kenntnis und ernst nehmen.


Nachträge 04.04.09

Eine vorzügliche Darstellung der Zusammenhänge zum Themenfeld Inflation - Deflation - Verschuldung - Geldpolitik bietet der Aufsatz "Follow the Money", von Graham Makohoniuk, CMA (= ?) und CFA (ich vermute mal: "Chartered Financial Analyst") zwar schon vom 22.03.2007 datierend, aber beinahe wie ein Kommentar zu den aktuellen Entwicklungen zu lesen. Daraus (meine Hervorhebung):
"Editor's note: What follows is part of an email exchange between Graham Makohoniuk and Charles Zentay on the subject of money, inflation and deflation. Graham wrote this in response to Charles's excellent recent essay, "The Good, the Bad and the Ugly" which was originally published here at bullnotbull.com. It is an extremely clear and concise analysis of money, credit, inflation and deflation."

Eine offenbar amerikanische Webseite, die der Kritik an der inflationären Geldpolitik der Fed gewidmet ist, läuft auf den hübschen Namen DollarCollapse.com.


Nachtrag 05.04.2009
Dass man die offiziellen Daten mit Vorsicht genießen muss, gilt wohl nicht nur für die USA. Dort gibt es allerding eine Webseite, welche die möglicherweise beschönigenden Zahlen der Regierung, Notenbank usw. kritisch hinterfragt: "Schattenstatistik" heißt sie bzw. im Original auf Englisch natürlich "ShadowStats".


Nachtrag 7.04.09
Zufällig stolpere ich heute wieder über einen Kommentar von mir zu dem Blog-Eintrag "Neue, phantastische Abenteuer mit der Liquiditätsfalle" von "weissgarnix" (Frank Strobl) vom 02.12.2008 (mit einer ziemlich scharfen Kritik Paul Krugmans Forderung - und Ben Bernankes Praxis - nach einem bzw. eines "quantitative easing", also der Geldmengeausweitung durch die Zentralbank) wieder, der vorzüglich in den vorliegenden Themenzusammenhang passt:

"Cangrande { 24.01.09 at 22:44 } Da schau her: ich bin also gar nicht der einzige, der Krugman kritisiert? (Und die extreme Geldmengenexpansion durch die Fed - vgl. meinen Blott Simbabwe schärfster Konkurrent für US-amerikanische Schlüsselindustrie, aber die wird auch anderswo kritisch gesehen.)
Mein nachfolgender kritischer Kommentar zu einem von seinen Einträgen wurde indes vom Administrator des Krugman-Blogs nicht freigegeben:
Dear Prof. Krugman,
thank you for posting a link to your 1999 paper “THINKING ABOUT THE LIQUIDITY TRAP”.
While I do not know what a “Euler condition” is or a “Ricardian equivalence”, I do understand that you recommend, as a remedy against recession (or only severe recession - depression?) that the central bank promises us (a certain amount of) inflation.
Isn’t that exactly what Ben Bernanke has been promising in his 2002 ‘helicopter’-speech “Deflation: Making Sure “It” Doesn’t Happen Here”?
And hasn’t the Fed - in a joint effort with the the lawmakers (deregulation) - successfully accomplished this during the housing-boom?
However, the motivational structure of the consumer behind your model resembles, in my opinion, rather a cartoonist mind mapping of the male brain, with sex dominating everything, than reality.
Real life consumers don’t simply have an inflation figure in their brains and for the remainder are blind as a bat. Rather, they have a lot of clearly mapped price targets on their radar.
At the beginning of the year I bought a new computer. I did this even though I was well aware of the deflationary tendencies inherent in this particular market section (actually, it is already some 25% cheaper now), because I (felt I) needed a new one.
On the other hand, I did not doubt that in general the cost of life would go up.
Homeowners did not buy just any kind of object, thinking it would be more expensive later. They (or at least many of them) bought houses expecting price hikes in that particular market. And they were right for quite a while - partly because the Fed fed, or at least did not extinguish, their inflationary desires.
Now could there be any situation where the promise of inflation would prevent, instead of foster, consumer purchases?
There sure is.
If people expect a drastic increase in gasoline prices, they would not (at least not to a large extent) buy the stuff now in order to save money later. (Some or even many might be inclined to do so, but most everybody lacks adequate storage facilities and would get in trouble with the fire department if they would stack full gas canisters in their garages.) Also, with that type of inflation-expectation consumers would not buy cars or other large items (like homes), at least not on credit. They would know that this very special kind of inflation will inflate their expenses only, not their wages. And therefore they would expect having less money left to pay future credit installments.
Consumers may not talk a lot about such motivations, but they do read about possible future oil shortages (peak oil) in the newsmedia. And even if they don’t consciously pay much attention to those reports and opinions they do receive the price signals from the market, and keep them on their radar. They also know that no central bank can make a credible promise to keep commodity prices down.
So a more fine-tuned model of the consumer brain might well find an inflation-expectation that does not lead to increased consumption, and even induces people to save.
This situation has probably at least contributed to the financial crisis. At any rate it will most likely thwart any efforts of fighting it with the traditional tools of monetary and/or fiscal policy.”
Peak Oil ist im Moment aus dem Bewusstsein verschwunden; aber die Annahme, man könne die Menschen mit der Zündschnur einer maßvollen Inflation zum Konsum antreiben, bleibt ebenso lächerlich wie die Gegenannahme, dass sie in Erwartung einer maßvollen Deflation zu Konsumverweigerern werden werden. (Und eine Erdrutsch-Deflation wie anno 29 ff. kann es derzeit nicht geben, weil die Kosten, wie Weissgarnix irgendwo zutreffend schrieb, heute sehr viel weniger flexibel sind.)
Da müsste man schon zur Bullwhip einer Hyperinflation greifen, und während ich dies schreibe kommt mir die Frage in den Sinn, ob es vielleicht Leute gibt, die genau das wollen?
Eine solche Hyperinflation würde die Assets der Banken, insbesondere die Immobilien, in Nullkommanichts aufwerten; das Finanzsystem stände wieder glänzend da.
Der Kleine Mann stände in der Scheiße, aber da stehen wir (bald) ja wohl so oder so
."

Nachtrag 27.05.09
Passend zu meinen o. a. Ausführungen ist der (anonyme) Kommentar "Die Banken sind bloß ein Symptom" vom 28.04.2009 (aus der Serie "Das Kapital") in der Financial Times Deutschland (FTD):
"Natürlich will kein Finanzpolitiker der Welt seinen Wählern erklären, dass sie pleite sind. Dennoch ist die Bankenkrise in Wirklichkeit eine Bankkundenkrise."
Der Autor kritisiert das "Herumdoktern" an den Krisensymptomen und bezeichnet präzise die Ursachen für die sogenannte Bankenkrise:
"Die Ursache der Krise sind nämlich nicht marode Banken, sondern marode Bankkunden. Könnten die ihre Kredite bedienen, hätten wir keine Bankenkrise. Nur sind in den USA die Schulden von Verbrauchern und Firmen allein über die vergangenen zehn Jahre um 13.586 Mrd. $ gestiegen, während das Nationaleinkommen aufs Jahr hochgerechnet lediglich um 4 475 Mrd. $ zugenommen hat. Inklusive der Staatskredite belaufen sich die Schulden der nichtfinanziellen US-Sektoren nunmehr auf 270 Prozent des Nationaleinkommens (Ähnliches gilt für andere angelsächsische Länder)."
Für meinen Geschmack etwas zu beiläufig und leider ohne Bewertung wird die Ausweitung der Bilanzsummen der Banken im Euro-Raum in den Raum gestellt; der Fokus erscheint angesichts solcher Zahlen allzu sehr auf die USA gerichtet (meine Hervorhebung):
"Ohnehin ist das US-Finanzwesen alles andere als gesund, nachdem es seine Schulden über die vergangenen zehn Jahre um 10.888 Mrd. $ ausgeweitet hat (im Euro-Raum ist die Bilanzsumme der Banken in dieser Zeit um 13.773 Mrd. Euro gestiegen, bei einem BIP-Anstieg von 2 910 Mrd. Euro). Obwohl die US-Importe um ein Drittel gefallen sind, verzeichnet Amerika immer noch ein monatliches Handelsdefizit von 26 Mrd. $. Solange es mehr investiert als spart, müssen seine Schulden aber zwangsläufig steigen - zumal die Importe im Zuge eines Aufschwungs zunehmen würden."


Nachtrag 28.05.2009
Die Wirtschafts-Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete am 19.05.2009 u. d. T. "U.S. Needs More Inflation to Speed Recovery, Say Mankiw, Rogoff" über eine ganze Menge von Wirtschafts-Professoren, die der Fed (deren Chef Ben Bernanke ohnehin schon ein überzeugter 'Reflationist' ist) dringend empfehlen, Inflation anzustreben. Einerseits um die Menschen wieder in den Kaufrausch zu treiben, andererseits um die Schulden einfach wegzuinflationieren.
Diese Intelligenzbestien, und da schließe ich Ben Bernanke nicht nur ein, sondern sehe ihn an der Spitze, haben (was die -jetzigen - 'Inflationisten' angeht: mit nur wenigen Ausnahmen, wie z. B. Paul Krugman) die Krise nicht kommen sehen und nicht vor der damaligen falschen Geldpolitik gewarnt und deshalb bei mir jegliches Vertrauen verspielt.
Die Inflationiererei könnte mir eigentlich sympathisch sein, weil sie zunächst die Geldsäcke treffen würde. Doch die werden gewiss Wege finden, ihren Teil der Lasten abzuladen - 'Atlas Shruggged' - und der kleine Mann wird nicht nur auch, sondern am Ende allein bezahlen.
Denn aus den oben von mir aufgeführten Gründen wird das Spiel mit den Inflationsprozenten nicht so ablaufen, wie sich die ökonomische Klugscheißerelite insbesondere in den USA das vorstellt.
Wenn der Harvard-Professor (und Autor eines wirtschaftswissenschaftlichen Lehrbuchs) Gregory (Greg) Mankiw dort zitiert wird mit der Forderung nach einer inflationären Geldpolitik, um die Amis wieder in die Kreditsümpfe zu jagen (meine Hervorhebung): "If Americans were convinced of the Fed’s commitment [to higher inflation], they’d buy and borrow more now", dann hat der Mann doch wohl ein Rad ab. [S. dazu jetzt auch meinen Blott "Alles Madoff oder was? Amerikanische Wirtschaftswissenschaftler (auch die US-Notenbank?) wollen (erneut) die Welt bestehlen. Jetzt durch Inflation".]
Aber ein Rad ab hat auch jeder Investor, der angesichts des glasklaren Reiseziels der US-Betrugswirtschaft Dollars überhaupt noch anfasst.


Nachtrag 04.06.09
Wolfgang Münchau, mit dem ich keineswegs durchgängig sympathisiere, hat in seinem Kommentar "We cannot inflate our way out of this crisis" in der Financial Times vom 24.05.2009 ebenfalls eine Reihe von Gründen aufgezeigt, aus denen das Inflationierungsspiel in die Hose gehen würde (bzw. aus meiner Sicht, weil ich dieses Spiel schon voll in Gang sehe: gehen wird). Unter anderem erfahren wir bei ihm:
"What I hear more and more, both from bankers and from economists, is that the only way to end our financial crisis is through inflation. Their argument is that high inflation would reduce the real level of debt, allowing indebted households and banks to deleverage faster and with less pain. ...
The advocates of such a strategy are not marginal and cranky academics. They include some of the most influential US economists....
Such a degree of fine-tuning [der Inflationsrate] does not work in practice.
The benefit [einer Inflation für die Schuldner] would be reduced, or possibly eliminated, by higher interest rates payable on loans, higher default rates and a further increase in bad debts. I would be very surprised if the balance of those factors were positive. ...
A policy to raise inflation could, if successful, trigger serious problems in the bond markets. Inflation is a transfer of wealth from creditors to debtors – essentially from China to the US. A rise in US inflation could easily lead to a pull-out of global investors from US bond markets. This would almost certainly trigger a crash in the dollar’s real effective exchange rate, which in turn would add further inflationary pressure. ...
I doubt that a 6 per cent inflation target could be simultaneously credible and sustainable. Tempting as it may be, it is a beggar-thy-neighbour policy unless replicated elsewhere and would come to be regarded as such by many countries in the world. It would produce a whole new group of losers, both inside and outside the US, with all its undesirable political, social, economic and financial implications. It would also fuel the already rampant discussions about the inevitable death of fiat money.
"
Genau so ist es, und deshalb misstraue ich den Reflationisten oder Inflationisten schon lange.


Nachträge 26.07.09

Lesern des vorliegenden Blotts möchte ich auch den sozusagen spiegelbildlichen Blott "Deflation demystified oder: Eine Deflationsursache gibt es nicht!" vom 24.07.09 ff. ans Herz legen.

Auf der Webseite "Finanzen und Finanzinformationen" hat der Administrator (in 2007) eine gute Übersicht über die verschiedenen Inflationsursachen verfasst.



Textstand vom 14.07.2014.
Gesamtübersicht der Blog-Einträge (Blotts) auf meiner Webseite http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm. Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

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