Sonntag, 23. September 2007

WARUM TOBEN DIE HEIDEN? oder EIN SCHIFF AUS STEIN BEI KAUB IM RHEIN

Steinerne Laura!
An jenem Tag, als ich dich erst' erblickte,
Warst du ganz klein -
Für mich ein Edelstein
Mit einer Haut aus Elfenbein.
Seit jenen Kinderzeiten zog ein namenloses Sehnen
Mich von dem Abbild hin zum Urbild dieser Schönen.

Und dennoch blieb in 26 Frankfurt-Jahren
Der Blick mir in dein Innerstes verwehrt
Gar oft sind wir an dir vorbei gefahren,
Doch nie hat mich des Fährmanns Nachen zu dir hingeführt.

Du warst, als ich zum ersten Male dich erschaute - ein Margarinefigürchen. Ach ich habe dich verloren (wie auch alle meinen anderen Margarinefigürchen), aber mein Glück ist, dass du ja noch im Grossformat rumpaddelst - und gegen einen Obolus (bzw. 2 Obolusse: der eigentliche Obulus gebührt schließlich dem Fährmann) für jedermann zugänglich bist.

Figürchen sind sächlich, aber deine geschlechtlichen Verhältnisse sind komplizierter. Für mich warst du immer feminin; in Wirklichkeit bist du jedoch als Individuum maskulin, verkürzt und in der Gruppe wiederum weiblich.
Und doch bist du keine Transe:

Du bis die Burg, du bist die Pfalz -
Du bist der Pfalzgrafenstein:
Ein steinernes Schiff, mitten im Rhein.



Bei Kaub.




Deine Atem beraubende Schönheit nimmt alle gefangen.







Fallgatter und Andreaskreuze beschützen dich.


Ein goldener Löwe wacht auf deinem Bug.








Quanto sei bello, mio castello!









Fachwerk fasziniert im Burghof.











Und viele lustige Türmchen schmücken dich im Schwimmen gegen den Strom.










Innen warten Ruhebänke auf müde Krieger.







Der westliche Wehrgang ist sogar ein veritabler Sunset-Boulevard.





A cosy corner in the castle.






Fallgatter-Führung.



Noli me tangere!



Gesiebte Luft.



Eine Truhe, wie zur ewigen Ruhe.










Von der Pfalzinsel aus baden unsere Augen zur Erholung im Anblick des Stromes.










Dann wenden wir uns wieder den Details zu und bestaunen den river resistant rock.












L'origine du monde (nicht von Gustave Courbet).






Eine einzigartige Konstellation lässt uns zu Zeugen einer 'energetic competition' werden: alkaline battery vs. "Elan vital".







Fast 200 Jahre lang blieb er unbemerkt - bis ich jetzt auf die Pfalzinsel kam und die Sensation entdeckte: ein original erhaltener Fußabdruck vom Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher!
Zweifler können sich durch ein einfaches Experiment von der Wahrheit meiner Worte überzeugen und davon, dass wir es hier nicht mit dem üblichen Fußabtritt des Teufels zu tun haben. Man hebe einfach den Mann in Kaub von seinem Sockel und stelle einen Fuß der Statue hier hinen. Sie werden sehen: es passt!
Wer zu bequem ist, die kleine Mühe für eine empirische Verifikation auf sich zu nehmen, der muss mir halt einfach glauben. Aber das tun Sie doch hoffentlich sowieso?





Diese Weiden mussten leiden ...








... und deswegen sehen wir hier eine "nature morte".







Wir fähren zurück: Addio, castello mio!
[Dich habe ich gesehen; ob ich irgendwann auch mal zur Burg Falkenstein im Harz komme, erscheint dagegen eher fraglich. Macht nix: von der hatte ich ja auch nie ein Margarinefigürchen :-)]






Und erinnern uns noch einmal daran, dass unsere Stromüberquerung sehr viel fröhlicher war als jene in der Neujahrsnacht von 1813 auf 1814 gewesen sein kann. (s.a. hier).








Richtig: in Kaub gibt es ja noch eine zweite Burg. Ein Co-Castle ist das gewissermaßen, aber keine Wasserburg, sondern eine Höhenburg. Gutenfels ist teils Ruine, aber insgesamt noch recht gut erhalten (oder restauriert).







Mit diesem Denkmal hat der Bildhauer den Moment festgehalten, wo der Trainer mit dem Spitznamen "Marschall Vorwärts" seine Mannschaft energisch anfeuert: "Ball über die linke Flanke spielen, ihr Flaschen leer, da ist doch alles frei!!!"







Schaut man sich aber die Hosenbeine des Coach an, wundert man sich: ein Bein ist sauber, das andere schmutzig: ist das nicht putzig?







Es ist nun freilich nicht an dem, dass ich nur dumme Sprüche im Kopf hätte. Meine Blicke schweifen weiter, meine Gedanken gehen tiefer, und deshalb erspähe ich in der Stadt, was noch keines Menschen Auge so sah: Fouragereste und defekte Boote von Blüchers Armee! (Fragen Sie mich jetzt aber bitte nicht, ob die von den russischen oder preußischen Truppen hier vergessen wurden!)









Was Sie nachfolgend sehen, stammt nicht aus Blüchers Zeiten, und nicht einmal aus anno "Freistaat Flaschenhals". Vielmehr sind diese Bilder mein bescheidener aber ganz persönlicher Beitrag zur Aktion "Freedom for Links".








Wir staunen: obwohl Kaub kein Badeort ist, hat Vater Rhein denen hier faszinierende Fango-Packungen spendiert.





Sollten Sie angesichts dieser Fotos die Vermutung äußern, dass ich mir in der Kasseler Documenta wohl doch nicht nur die Notausgänge angeschaut habe, würde ich Ihnen nicht widersprechen wollen.











Die Ketten sind aber nicht der Grund für das Toben der Heiden.


Und diese schöne Schönheitsklinik erst recht nicht.













Mann könnte glauben, dass diese Skulptur alten Hirsche neue Röhrkraft verheißen soll ...



... oder älteren Damen suggerieren, dass sie nach einer Behandlung in diesem Hause für kraftvolle Hirsche wieder beröhrenswert sein werden. In Wirklichkeit scheint es aber weniger um die Schönheit als vielmehr um die Beißerchen zu gehen: die "Aurelia-Klinikensind Zahnarztpraxis/-klinik, Schönheitsklinik und zahnkeramisches Labor" heißt es auf der Homepage.
Wie auch immer: Sicher scheint mir jednefalls, dass die Klinik nichts gegen Heiden hat. Vielmehr dürften dort die Mitglieder der nicht-christlichen Societas Mammonis sogar besonders gern gesehene Gäste sein.









Das endlich wäre nun der Grund für die Heiden zu toben: ein solch schönes Hotel in einer derart herrlichen Lage haben die bestimmt nicht. Sogar ich selbst habe geschwankt, ob ich mich nicht vielleicht bekehren sollte zum CVJM, einst mir als "Christlicher Verein Junger Männer" bekannt, doch belehrt mich die Wikipedia, dass heute die Männer zu "Menschen" konvertiert sind. Na gut, da brauche ich ja nicht mehr zu konvertieren.












Ob es aber eine symbiotische Beziehung zwischen der Schönheitsklinik und dem gleich daneben gelegenen Hotel junger Menschen gibt: das weiß ich nicht.















Am Abend, als wir nach Hause kamen, habe ich ich zuerst einmal in den Spiegel geschaut: ob meine Augen sich vielleicht zu Schlitzaugen zusammengezogen hätten. Das hat aber nichts mit der Schönheitsklinik zu tun. 3 Akkus leer gemacht und über 500 Fotos an einem Tag geschossen: besser können es die knipswütigen Ostasiaten auch nicht!



Textstand vom 27.09.2007. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
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