Mittwoch, 26. November 2008

Simbabwe schärfster Konkurrent für US-amerikanische Schlüsselindustrie

Nein, um Tabak geht es nicht. Wohl aber ist das, worum es hier geht, starker Tobak.

Ben S. Bernanke hatte, schon im Jahre 2002, Überlegungen darüber angestellt, auf welche Weise die amerikanische Notenbank, das Federal Reserve System, die Leute wieder zum Geldausgeben verleiten könnte, falls sie die Lust daran verlieren und die Wirtschaft deflationieren sollten. (Vgl. auch meinen Blott "Ist Ben Bernanke bescheuert ...?")

Heute ist er selbst als Nachfolger von Alan Greenspan Chairman of the Board of Governors der amerikanischen Zentralbank. Nach seiner damalige Einschätzung war das US-Finanzsystem kerngesund und ziemlich deflationssicher:
"A healthy, well capitalized banking system and smoothly functioning capital markets are an important line of defense against deflationary shocks. The Fed should and does use its regulatory and supervisory powers to ensure that the financial system will remain resilient if financial conditions change rapidly."
Indes war es mit einer klugen Ausübung der regulierenden und beaufsichtigenden Befugnisse der Fed wohl nicht so weit her; weite Teile des Finanzwesens waren unterreguliert, und das unter tatkräftiger Mitwirkung des damaligen Notenbankpräsidenten Greenspan (vgl. Artikel "Taking Hard New Look at a Greenspan Legacy" in der New York Times vom 08.10.2008).

Durch den völligen inneren (äußerlich werden die Leichen durch künstliche Beatmung am Leben gehalten) Zusammenbruch des Bankenwesens wurde aus einer Inflationsrate von 5% im Sommer diesen Jahres eine Deflation - und das nicht nur wegen des drastisch gesunkenen Ölpreises.

Das gibt Bernanke nun die Chance, seine (aufgrund seiner Studien der Weltwirtschaftskrise von 1929 ff. entwickelten) Pläne für eine Reflationierung der Wirtschaft auszuführen. Und dazu pumpt er schwindelnde Geldsummen ins Finanzsystem.
Endlose Mengen Kohle schaufelt die Zentralbank in die Heizkessel der Finanzwelt:
"The Federal Reserve is refusing to identify the recipients of almost $2 trillion of emergency loans from American taxpayers or the troubled assets the central bank is accepting as collateral" berichtet die Wirtschafts-Nachrichtenagentur Bloomberg am 10.11.2008 unter der Überschrift "Fed Defies Transparency Aim in Refusal to Disclose". Zwei Billiarden Dollar hat also die Notenbank der USA an notleidende Banken in den USA verliehen - und will noch nicht einmal verraten, welche Banken die Empfänger waren und welche "Wert"papiere sie dafür als Sicherheiten akzeptiert hat (vermutlich Schrottpapiere, die sonst kein Finanzmarktakteur anfassen würde).

Und weiter geht es: "Fed stützt Kreditmärkte mit 800 Milliarden Dollar" berichtet die Zeit Online vom 25.11.08.

Offenbar ist in den USA eine neue, und absolut krisensichere, Schlüsselindustrie entstanden: die Gelddruckerei.
Auf diesem Gebiet freilich kommt eine übermächtige Konkurrenz aus Afrika, mit der nicht einmal die amerikanische Gelddruckindustrie mithalten kann. Simbabwe hat schon im Juli 2008 einen 100-Milliarden-Dollar-Geldschein eingeführt. Die Inflationsrate lag damals bei 2,2 Millionen Prozent.

So weit ist Amerika noch nicht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Man hat den Eindruck, dass die USA hart daran arbeiten, die afrikanischen Konkurrenten in den Schatten zu stellen. "Man" heißt übrigens nicht nur ich: So titelte z. B. ein Blogger mit dem Pseudonym "Monetenguru" (bereits am 31.10.2008): "Weltwirtschaftskrise: Der Finanz-Tsunami und die neue Deflations-Saga."


Nachtrag 27.11.08:
Der von mir bereits oben als früher Prognostiker der Immobilienkrise gewürdigte amerikanische Wirtschaftswissenschaftler (und diesjährige Nobelpreisträger) Paul Krugman wittert konjunkturelles Unheil (ich auch). Doch seine Medizin ist fragwürdig (übrigens spricht auch er in seinem Eintrag die galoppierende Inflation in Zimbabwe an). Auszug aus seinem Blott "Macro policy in a liquidity trap (wonkish)" vom 15.11.08:
"Huge fiscal stimulus, to fill the hole [d. h. die Nachfragelücke der Verbraucher]. More aggressive GSE lending. Maybe a “pre-commitment” by the Fed to keep rates low for an extended period — that’s a more genteel version of my “credibly promise to be irresponsible.” And maybe large-scale purchases of risky assets.
The main thing to realize is that for the time being we really are in an alternative universe, in which nothing would be more dangerous than an attempt by policy makers to play it safe.
" [GSE = Government sponsored enterprise; mehr z. B. hier und dort; die Wikipedia lässt uns -Stand 26.12.08- zu dieser Abkürzung noch im Stich, aber dadurch habe ich wenigstens das vielsprachige "Free Dictionary" entdeckt!]
Was mich zu folgendem Kommentar veranlasst hat (der als Nr. 100 auch in seinem Blog veröffentlicht wurde):
"Remember your blog entry of may 3rd: "Oil conservation: getting over the hump"?
Yes: "We really are in an alternative universe, in which nothing would be more dangerous than an attempt by policy makers" to burn paper money so that the economy will go back to burning more oil.
Whoever promises that any central bank or any government can stimulate the economy to return to its old growth path has already found "a way to 'credibly promise to be irresponsible'.”
And when it comes to credit: from what I read (not only over here in Europe, but mostly on American websites) the USA has alreday been highly successful in "persuad(ing) its citizens to forget about the(ir) future".
Investors, alas, seem disinclined to forget about theirs.
"

Nachtrag 28.11.08:
Mittlerweile habe ich die Sache noch einmal durchdacht und komme zu dem Schluss, dass Krugmans Rezept der finanziellen Verantwortungslosigkeit zwar destruktiv ist, aber gerade durch die totale Zerstörung unseres gewohnten Finanzsystems den Weg für eine wie auch immer geartete neue Form des Wirtschaftens freisprengen könnte: Eine Art von kreativer Zerstörung im Sinne Schumpeters hin zu einem ökonomischen Paradigmenwechsel. Denn wie das System sich graduell anpassen sollte, sehe ich nicht.
Jedenfalls habe ich heute einen weiteren Kommentar (Nr. 101?) nachgeschoben:
"Rethinking my comment no. 100, I might have gotten it all wrong.
Perhaps it would be beneficial to drown the economy in liquidity. Not that I have any more doubts today than yesterday that such a procedure would (or, looking at the activities of copter-Ben: will) be disruptive.
But maybe it would be desctruction Schumpeter-style, necessary for a paradigmatic change in our economic thinking and acting?
I got this idea when musing about the two world wars. At least In my opinion there has been a paradigmatic change in international relations after WW II from prewar nationalism to a new quality of international cooperation and relative non-violence (by historical standards).
While it took two world wars to achieve this, it may take 2 world depressions to come up with an economic paradigm shift.
And complete financial irresponsability might be the type of modern day Molotow-cocktail to blow up our growth fetishism before everything dries up from resource shortages.
So, while the outcome may not be what you had in mind, it could well be revolutionarily innovative.
Maybe there is a Faustian dimension in extreme reflation:
"Part of that force which would / Do evil evermore, and yet creates the good ...
." Eine Art von Kraft, "die stets das Böse will und stets das Gute schafft." (Passt nicht so ganz, den Krugman will ja willentlich nichts Böses. Vom Interessenstandpunkt einer Erhaltung unseres derzeitigem Wirtschaftssystems halte ich seine Vorschläge allerdings für "böse", aber andererseits: können wir unser herkömmliches 'kapitalistisches' System mit seinem immanenten Wachstumstrieb (oder Wachstumszwang) vor dem Hintergrund der Ressourcenerschöpfung überhaupt noch sehr viel länger aufrecht halten?
Nachtrag 29.11.08: Es ist der Kommentar 101 geworden. Ich nehme das mal ganz dreist symbolisch: "101" steht in den Vorlesungsverzeichnissen der US-Universitäten für Einführungsvorlesungen ("As suffix, such as "knitting 101", the term denotes the most basic level of introduction to a subject, from the practice in US colleges of numbering courses, starting at 101" heißt es in der Wikipedia). "Economics 101" heißen entsprechend die Vorlesungen für die Erstsemester in den Wirtschaftswissenschaften. [Unter dem Titel "Economics 101- what the global meltdown means" hat übrigens der australische Professor Steve Keen einige interessante Daten über die Finanzkrise zusammengestellt.]

Nachtrag 03.12.08:
Krugmans o. a. Blott greift auf Ideen zurück, die er bereits früher entwickelt hatte, u. a. (streng fachwissenschaftlich) in seinem Papier "THINKING ABOUT THE LIQUIDITY TRAP" aus dem Jahre 1999. Nach dessen Lektüre habe ich in seinem Blog noch den folgenden Kommentar (nach Freigabe wohl die Nr. 104) eingestellt, den ich, sowohl wegen seiner ganz allgemeinen Kritik an gewissen grobschlächtigen wirtschaftswissenschaftlichen Modellen der Motivationsstruktur der Verbraucher als auch wegen seiner Erklärung eines möglichen antizipatorischen Wirkungsmechanismus des Ölfördermaximums als Konjunkturhemmer, auch hier (etwas korrigiert) in meinem eigenen Blog 'verewigen' möchte:
"Dear Prof. Krugman,
thank you for posting a link to your 1999 paper "THINKING ABOUT THE LIQUIDITY TRAP".
While I do not know what a "Euler condition" is or a "Ricardian equivalence", I do understand that you recommend, as a remedy against recession (or only severe recession - depression?) that the central bank promises us (a certain amount of) inflation.
Isn't that exactly what Ben Bernanke has been promising in his 2002 'helicopter'-speech "Deflation: Making Sure "It" Doesn't Happen Here"?
And hasn't the Fed - in a joint effort with the the lawmakers (deregulation) - successfully accomplished this during the housing-boom?
However, the motivational structure of the consumer behind your model resembles, in my opinion, rather a cartoonist mind mapping of the male brain, with sex dominating everything, than reality.
Real life consumers don't simply have an inflation figure in their brains and for the remainder are blind as a bat. Rather, they have a lot of clearly mapped price targets on their radar.
At the beginning of the year I bought a new computer. I did this even though I was well aware of the deflationary tendencies inherent in this particular market section (actually, it is already some 25% cheaper now), because I (felt I) needed a new one.
On the other hand, I did not doubt that in general the cost of life would go up.
Homeowners did not buy just any kind of object, thinking it would be more expensive later. They (or at least many of them) bought houses expecting price hikes in that particular market. And they were right for quite a while - partly because the Fed fed, or at least did not extinguish, their inflationary desires.
Now could there be any situation where the promise of inflation would prevent, instead of foster, consumer purchases?
There sure is.
If people expect a drastic increase in gasoline prices, they would not (at least not to a large extent) buy the stuff now in order to save money later. (Some or even many might be inclined to do so, but most everybody lacks adequate storage facilities and would get in trouble with the fire department if they would stack full gas canisters in their garages.) Also, with that type of inflation-expectation consumers would not buy cars or other large items (like homes), at least not on credit. They would know that this very special kind of inflation will inflate their expenses only, not their wages. And therefore they would expect having less money left to pay future credit installments.
Consumers may not talk a lot about such motivations, but they do read about possible future oil shortages (peak oil) in the newsmedia. And even if they don't consciously pay much attention to those reports and opinions they do receive the price signals from the market, and keep them on their radar. They also know that no central bank can make a credible promise to keep commodity prices down.
So a more fine-tuned model of the consumer brain might well find an inflation-expectation that does not lead to increased consumption, and even induces people to save.
This situation has probably at least contributed to the financial crisis. At any rate it will most likely thwart any efforts of fighting it with the traditional tools of monetary and/or fiscal policy
." [Erg. 05.12.08: Dieser Kommentar wurde vom Administrator des Krugman-Blogs nicht freigegeben. Über die Gründe rätsele ich.]
Nachtrag 16.12.08: Dass Krugmann sich der Realität und der Problematik des Ölfördermaximums durchaus bewusst ist zeigt sein Artikel "The so-called oil bubble" in der International Herald Tribune vom 12.05.2008.


Nachtrag 30.11.08:
Was sind schon 1,8 Billionen Dollar? Amerika kann es besser: "U.S. Pledges Top $7.7 Trillion to Ease Frozen Credit" berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg am 24.11.2008 (meine Hervorhebungen):
"The U.S. government is prepared to provide more than $7.76 trillion on behalf of American taxpayers ... . The pledges, amounting to half the value of everything produced in the nation last year, are intended to rescue the financial system after the credit markets seized up 15 months ago.
The unprecedented pledge of funds includes $3.18 trillion already tapped by financial institutions in the biggest response to an economic emergency since the New Deal of the 1930s, according to data compiled by Bloomberg. The commitment dwarfs the plan approved by lawmakers, the Treasury Department’s $700 billion Troubled Asset Relief Program. Federal Reserve lending last week was 1,900 times the weekly average for the three years before the crisis. ... The worst financial crisis in two generations has erased $23 trillion, or 38 percent, of the value of the world’s companies and brought down three of the biggest Wall Street firms. ... The money that’s been pledged is equivalent to $24,000 for every man, woman and child in the country. It’s nine times what the U.S. has spent so far on wars in Iraq and Afghanistan ... . It could pay off more than half the country’s mortgages. ... Bloomberg has requested details of Fed lending under the U.S. Freedom of Information Act and filed a federal lawsuit against the central bank Nov. 7 seeking to force disclosure of borrower banks and their collateral.
Collateral is an asset pledged to a lender in the event a loan payment isn’t made.
“Some have asked us to reveal the names of the banks that are borrowing, how much they are borrowing, what collateral they are posting,” Bernanke said Nov. 18 to the House Financial Services Committee. “We think that’s counterproductive.” Bernanke’s Fed is responsible for $4.74 trillion of pledges, or 61 percent of the total commitment of $7.76 trillion ... .
"
(Den Hinweis auf die Bloomberg-Meldung verdanke ich einem Kommentar im Blog "Herdentrieb", Eintrag "Niemand hat Angst vor Inflation" von Dieter Wermuth vom 28.11.08.)


Nachträge vom 05.12.08
Ein Werner Heinen hegt ähnliche Befürchtungen wie ich und fragt in einem regionalen (hier: Berliner) Wirtschaftsportal "Ist Hyperinflation die Lösung für die drohende Verschuldung aus der Finanzkriese (sic!)?"

Die Webseite des Ludwig von Mises Institute hat den Artikel "Nonsense about Deflation" von Robert Higgs (12.02.08) re-publiziert. Auch Higgs fürchtet die Inflation mehr als eine Deflation. Auszug:
"Which brings us to the second question: for better or worse, does deflation actually loom at present? If it does, its occurrence will surprise me greatly, because the Fed has been creating base money as if there were no tomorrow, and if the bailouts continue, as seems likely, more of the same is virtually certain. So far, the huge spurt in base money has simply been absorbed and held by the banks in the form of (legally) excess reserves, but the likelihood that the banks will sit on $268 billion of excess reserves forever is nil. Once they feel more secure, their loans and investments will go forth in search of a higher yield than the Fed pays them (since a recent change in policy) on their reserves, and at that point the banking system's money multiplier will kick in with terrific force.
In short, given the monetary conditions now prevailing, the greater threat by far is inflation, not deflation
."


Nachtrag 10.12.2008:
Dem Eintrag "Hyperinflationäre Depression?" im Wirtschafts-Blog "Weissgarnix" (betrieben von Thomas Strobl und Frank Lübberding) vom 30. Juni 2008 verdanke ich den Hinweis auf ein Bloomberg-Interview mit Martin Hennecke, Analyst der “Tyche Group” in Hong Kong. Dankenswerter Weise (für mich; ich mag nämlich keine Video-Informationen: das dauert mir zu lange) hat Frank Lübberding den Interview-Text auch transskribiert und übersetzt (Transkript allein: hier). Schon damals sah Hennecke die USA in einer Rezension (was die offiziellen Daten seinerzeit noch nicht widerspiegelten; mittlerweile geht das National Bureau of Economic Research -NBER- aber auch offizell davon aus, dass sich das Land bereits seit Dezember 2007 in einer Rezession befindet) und warnte vor der Gefahr einer Depression:
"Nun, wenn sie sich die Daten mal ansehen, die Schuldenniveaus usw., dann werden Sie feststellen, dass die Situation schlimmer ist als 1929. Zudem ist der große Unterschied zu damals, dass heutzutage auch die Staatsfinanzen außer Kontrolle geraten sind. Es gab ja sogar einen Bericht der St. Louis FED, in dem es hieß, die USA wären unter Einrechnung aller bestehenden Zahlungsverpflichtungen bereits pleite, was einen Riesenunterschied zur Great Depression der 30er Jahre darstellt. Daher könnten wir diesmal tatsächlich eine Hyperinflation als Folge sehen, und keine Deflation wie in den USA der 30er. Also eine Situation ähnlich der in der Weimarer Republik der 30er [recte: 20er] Jahre."
"Daher glauben wir, dass es noch viel schlimmer kommen wird, vielleicht sogar schlimmer als 1929. Eben weil sich die USA in einem deutlich schlechteren Schuldenzustand befinden, als damals."


Nachtrag 14.12.2008
In dem akademischen Wirtschafts-Blog "Worried about the crisis? Have some inflation!" einerseits und dem eigenen Blog des daran beteiligten Wirtschafts-Prof. Martin Klein andererseits ("P wie Passivtausch") werden konträre Positionen bzw. Sachverhalte referiert, was die US-amerikanische Finanzpolitik angeht.

Die eine ist ein Hinweis auf den Kommentar "Inflation Should Be Just Around the Corner" von Peter Boone und Simon Johnson, Post on the Wall Street Journal's Real Time Economics November 24, 2008. Als Kern der aktuellen Probleme sehen sie es offenbar an, dass
"The prices of securitized residential and commercial mortgages reached new all-time lows, and most commodity prices continued their rout. The same pattern was seen in European and Asian markets." Unstreitig ist, dass
"This downward spiral of asset prices is creating potential insolvencies on a massive scale. The natural private-sector response is to cut spending and try to repay debts."
Sie sind sich zwar nicht sicher, ob eine wirklich große Krise, wie diejenige von 1929, überhaupt wirksam bekämpft werden kann:
"Perhaps the events of 1929 produced an unstoppable whirlwind of deleveraging that no set of policy measures would truly have been able to prevent."
Aber Deflation erscheint ihnen als das schlimmste der derzeit denkbaren Szenarien:
"We can be sure that deflation will only make our situation worse. If prices actually fall around the world, the solvency problems of banks, households with mortgages, indebted corporates, and most sovereigns will continue to worsen. A falling price level would be associated with lower asset prices and reduced collateral value for loans, while the nominal liabilities would remain fixed. This would open greater holes in balance sheets and reinforce the downward spiral. Further, falling prices mean that both long and short interest rates are low—a flat yield curve. This would exacerbate the financial sector's problems as its lending becomes less profitable. It is now imperative that strong actions be taken to prevent deflation, and we should use monetary and fiscal policy to start our reinflation."
Das hört sich eigentlich logisch an; das Problem ist allerdings, dass damit eine schon verzerrte Preisstruktur z. B. auf dem US-Immobilienmarkt dauerhaft zementiert würde. Wenn ich versuche, mir die Wirkungen modellhaft vorzustellen, könnte das z. B. so aussehen:
- Amerikanische Arbeitnehmer hätten angenommen 50% in den letzten 10 Jahren mehr verdient.
- Hauspreise seien (für vergleichbare Gebäude) um 150% gestiegen.
Wer eine solche Situation festschreiben will, bescheißt die Hauskäufer indem er sie zwingt, überhöhte Preise zu zahlen. Er begünstigt z. B. die Immobilienbesitzer und für Bauland die Bodenbesitzer, bei denen (vermute ich mal) der Löwenanteil hängen geblieben ist (und natürlich die Banken, die weiterhin überhöhte Hypotheken ausleihen können).
- Eine gleich starke Inflation der Löhne werden wir mit Sicherheit nicht sehen.
- Für die Verbraucher in den USA könnte sich eine hausgemachte Inflation verschärfen durch eine importierte Inflation, sofern die anderen Währungen aufgewertet werden. Angesichts des hohen amerikanischen Handelsbilanzdefizits erscheint eine gewisse Aufwertung der Währungen jener Länder oder Währungsgebiete, mit deinen ein solches Ungleichgewicht besteht, durchaus sinnvoll. Die aktuell (vor Weihnachten 2008) erfolgte Aufwertung des Yen gegenüber dem Dollar war fällig, und auch die chinesische Währung müsste aufgewertet werden. Die Handelsbilanz zwischen Euro-Raum und den USA ist wohl ziemlich ausgeglichen (was angesichts des deutschen Exportüberschusses übrigens heißen würde, dass andere Staaten der Euro-Zone riesige Handelsbilanzdefizite gegenüber den USA haben müssen), so dass die 'Euro-Wirtschaft' durch allzu hohe Aufwertungen (Dollarstand 26.12.: ca. 1,40 €) tatsächlich ungerechtfertigt 'bestraft' würde.

Den Autoren steht freilich nicht der Sinn nach Abbau der außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte; sie erhoffen einen anderen Wirkungszusammenhang, nämlich Zinssenkungen der ausländischen Notenbanken im Gleichschritt mit der Fed, um die Konjunktur weltweit anzukurbeln. Das Bemühen z. B. der EZB um Erhaltung der Preisstabilität im Euro-Raum geißeln sie als "free ride" (meine Hervorhebungen):
"Unlike fiscal policy, which encourages other countries to "free ride" on any US expansion, the attraction of US monetary expansion is that it will force a global response. When the United States expands its money supply, thus putting pressure on the dollar to weaken, Asia and the United Kingdom will quickly follow suit to prevent their currencies from strengthening.
Already, the Bank of England is rapidly reducing rates and talking down the pound. They understand that the only way out of their crisis, which is arguably worse than in the United States, is to cheapen the price of money quickly and encourage depreciation relative to trading partners. Most Asian nations continue to manage exchange-rate policy so their currencies weaken, or at least stay stable, relative to the dollar. While the eurozone will lag, its deep economic and institutional problems mean they cannot afford a strong euro. The European Central Bank must soon cut interest rates sharply and follow along.
"
Die Autoren fordern also, dass die Geldpolitik der USA der gesamten Welt eine Inflation (in welcher Höhe???) aufzwingen sollte; wer nicht bereit ist, diesen Weg einer 'Reparatur' der Weltkonjunktur (die freilich erst durch die verfehlte Geld- und sonstige Politik der USA in die Krise geraten ist!) zu beschreiten, ist in ihren Augen ein Trittbrettfahrer.
Freilich würde eine durch Gelddrucken induzierte Inflation sich nicht auf "Assets" wie Immobilien usw. begrenzen lassen [und würde diese im schlimmsten Falle sogar zuletzt treffen - was den Effekt in einem für die Finanzwirtschaft zentralen Sektor ins Leere gehen ließe!], sondern würde die gesamte Wirtschaft erfassen. Die Erdöl exportierenden Länder z. B. müssten also mehr für amerikanische Waren, wie natürlich auch, aufwertungsbedingt, für Güter aus anderen Wirtschaftsräumen, bezahlen. Entsprechend würden sie wahrscheinlich versuchen, den Rohölpreis zu steigern (wofür sie freilich schon jetzt subjektiv gute Gründe hätten. Interessante Frage: warum tun - oder schaffen? - sie das derzeit - noch? - nicht?).

Die US-Wirtschaft wie auch der Rest der Welt könnte(n) sehr schnell in eine Inflationsspirale kommen, die nicht mehr beherrschbar ist. Die Kleinen Leute würden die Zeche zahlen. Das allerdings (auf andere Weise) auch dann, wenn es durch eine Deflation zu einer Depression kommen sollte. Fällt den Ökonomen nichts anderes ein? Ich jedenfalls meine, dass die Amerikaner (zumindest deren Geldpolitiker und Wirtschaftswissenschaftler) beim Blick auf das Deflationsrisiko allzu sehr von der Erinnerung an die Große Depression beherrscht werden. Preisrückgänge wie damals wird es heute nicht geben, einfach deshalb, weil die Wirtschaft (Löhne! Gewerkschaften!) heute nicht mehr in gleicher Weise flexibel ist. Was in diesem Falle durchaus ein Vorteil sein kann.

Gar so dumm, wie ich ihn mit polemischer Überzeichnung dargestellt habe, ist Ben Bernanke natürlich nicht. Es war durchaus ernst gemeint, und keineswegs etwa rhetorischer Balsam eines Inflationisten, wenn er in seiner 'Geldhubschrauber-Rede' "Deflation: Making Sure "It" Doesn't Happen Here" zunächst lang und breit vor den Gefahren einer Inflation warnt (bevor er auf die Möglichkeiten der Fed zur Bekämpfung von Deflationen eingeht).

Wie die amerikanische Notenbank einer Inflation (oder zumindest einer Hyperinflation) vorbeugen will, erfahren wir bei Prof. Klein in seinem Blott "P wie Passivtausch" vom 10. Dezember 2008. Das Federal Reserve System will (wenn ich es richtig verstanden habe) gerade kein Geld drucken*, sondern 'schlafendes' Geld aus seiner Warteposition herauslocken, indem sie sich dieses leiht (und natürlich auch verzinst; dabei müsste sie wegen ihrer - zumindest derzeit von den Märkten wohl noch unbezweifelten - Bonität und der hohen Liquidität, also Verkaufbarkeit, derartiger Anleihen sicherlich nur sehr niedrige Anleihezinsen zahlen). Dieses geborgte Geld würde sie dann ihrerseits weiterverleihen; bei kreditwürdigen Schuldnern könnte das durchaus ein gutes Geschäft werden, denn vermutlich könnte sie ihrerseits höhere Zinsen fordern, ohne die Wirtschaft über Gebühr zu belasten und damit den Zweck der Übung zu konterkarieren.
* zu "Geld drucken": Obwohl Bernanke in seiner Rede 'gedroht' hatte: "Like gold, U.S. dollars have value only to the extent that they are strictly limited in supply. But the U.S. government has a technology, called a printing press (or, today, its electronic equivalent), that allows it to produce as many U.S. dollars as it wishes at essentially no cost. By increasing the number of U.S. dollars in circulation, or even by credibly threatening to do so, the U.S. government can also reduce the value of a dollar in terms of goods and services, which is equivalent to raising the prices in dollars of those goods and services. We conclude that, under a paper-money system, determined government can always generate higher spending and hence positive inflation."

Grundsätzlich skeptisch gegen eine Politik des (allzu) leichten Geldes ist Conrad Mattern, Vorstand der Conquest Investment Advisory AG und Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilians-Universität München. "Krisenpolitik. Gift statt Medizin" meint er in der ZEIT ONLINE vom 24.11.2008 (meine Hervorhebung):
"Billiges Geld und lockere Bilanzregeln sollen das Finanzwesen wieder auf die Beine bringen. Dabei haben sie den Crash verursacht. Neuer Schaden ist programmiert. .....
In der Politik hält der Aktionismus angesichts der Krise an. Der künftige US-Präsident Obama soll ein Konjunkturprogramm planen, das seinesgleichen sucht. 700 Milliarden Dollar soll es umfassen, ... Wer immer noch zweifelt, dass diese Krise Parallelen zu 1929 aufweist: Voilá, hier sind sie. Der New Deal lässt grüßen.
Zugleich hat die US-Notenbank klargemacht, dass sie die Zinsen, wenn nötig, bis auf Null senken wird. ...
An solch einem Punkt ist es höchste Zeit, sich klarzumachen, welch gefährlicher Weg da beschritten wird, um die Märkte und die Volkswirtschaften zu retten. Die Zinsen werden massiv gesenkt, Banken fusionieren, und die übrig gebliebenen Institute dürfen kreativ in ihren Bilanzen herumbasteln, um weitere Abschreibungen zu verhindern. Das erscheint seltsam bekannt.
Allgemein hat sich die Meinung durchgesetzt, dass die aktuelle Krise vom ehemaligen US-Notenbankchef Alan Greenspan stark befördert wurde. Er senkte die Zinsen von 2001 bis 2003 in einem zuvor noch nie gesehenen Ausmaß. ...
Vereinfacht kann man sagen, die Krise hat drei Ursachen: extrem niedriges Zinsniveau, zu große Banken und Bilanzierungsvorschriften, die die wirkliche Lage nicht richtig wiedergaben. Die gegenwärtigen Lösungsversuche gehen genau in die gleiche Richtung. Man senkt die Zinsen massiv, die Banken fusionieren, die Bilanzierungsvorschriften werden gelockert. ..... Die Offiziellen versuchen, ein weiteres Abrutschen der Märkte zu verhindern. Das hat seine Berechtigung und Notwendigkeit. Ob aber die Mittel, die letztlich zur Krise geführt haben, auch die richtigen sind, um aus der Krise wieder herauszukommen, bleibt fraglich.
"

Folgerung: Die weitere Entwicklung unserer gegenwärtigen Finanzkrise, Finanzmarktkrise, Wirtschaftskrise oder Weltwirtschaftskrise bleibt spannend!


Nachträge 26.12.08:

Auch Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, steht der Liquiditätszufuhr der US-Zentralbank für die Wirtschaft und Finanzwirtschaft skeptisch gegenüber; vgl. Handelsblatt-Interview vom 17.12.08 von Ralf Drescher Die Fed nährt die nächste Blase (gemeint ist: bei den Staatsanleihen). Sein Resumée:
"Ich bin immer wieder überrascht, wie einseitig die Märkte auf eine Politik des billigen Geldes setzen. Dass diese bisher wenig geholfen hat, sollte sich doch herumgesprochen haben. Auch zu der aktuellen Krise hat die Politik des billigen Geldes in der Ära von Alan Greenspan entscheidend beigetragen. Das wird leider oft vergessen."

Mehr über die als "Quantitative Easing" euphemisierte Liquiditätsaufblähung berichtet Tobias Bayer in der Financial Times Deutschland vom 01.12.2008: "Fed-Bilanz schwillt auf 2200 Milliarden".

Was die Fed derweil an der Zinsfront treibt, und wie die anderen Notenbanken der Welt darauf reagieren , erfahren wir z. B. in dem Handelsblatt-Artikel "EZB unter Zugzwang. Bernanke wirbelt Devisenmarkt durcheinander" von Norbert Häring vom 17.12.2008:
"Die Federal Reserve hatte ihren Leitzins, den Zielsatz für Tagesgeld, am Dienstag von einem Prozent auf eine Spanne von Null bis 0,25 Prozent gesenkt und angekündigt, dass er längere Zeit so niedrig bleiben werde. Außerdem hatte die US-Notenbank verstärkte Käufe von Wertpapieren angekündigt, um so die in der Wirtschaft zirkulierende Dollar-Menge zu erhöhen."
Wie die EZB nach Meinung des Autors reagieren sollte, beschreibt Häring am gleichen Tag in seinem Kommentar "Zinsentscheid. Geldpolitik: Trittbrettfahrer absteigen!":
"Trichet meinte ..., Europa beeinflusse die USA ebenso stark wie umgekehrt. Nun muss er erleben, dass es nur eine wirtschaftliche Weltmacht gibt, und die heißt USA.
Schon in der letzten Krise hat die EZB versucht, den Trittbrettfahrer zu spielen ... . Der Erfolg war ein nach oben schießender Euro und ein Einbruch der eigenen Wirtschaft, der sie dann doch zum Handeln zwang.
Wenn die Europäer sich wieder als Trittbrettfahrer gerieren wollen ..., dann schadet das zu allererst ihnen selbst. Die USA bekommen ihre Unterstützung auf jeden Fall. Wenn nicht von geldpolitischer Lockerung der EZB und europäischen Konjunkturprogrammen, dann eben ... von einem immer schwächer werdenden Dollar. Für die USA ist das zwar nur die zweitbeste Variante, für Europa aber die allerschlechteste.
"
Abgesehen davon, dass die Verantwortung zur Krisenbereinigung zunächst dort liegt, wo die Krise verursacht wurde, und jene, die keine Verantwortung für diese Situation tragen, fairer Weise nicht als Trittbrettfahrer diffamiert werden sollten, wenn sie sich fragwürdigen Lösungen verweigern: Eine Weltmacht, die ihre Währung ruiniert (ruinieren muss?), um ihre Wirtschaft zu retten, ist die längste Zeit Weltmacht gewesen. (Erst Recht werden die USA ihre Weltmachtstellung verlieren, wenn sie Konjunkturfördermittel in großem Umfang unproduktiv anlegen, nämlich in Waffensysteme, auch wenn Martin Feldstein meint "Defense Spending Would Be Great Stimulus".)

Edward Hadas von breakingviews.com erwartet im Handelsblatt vom 18.12.2008 über "Der Wert des Geldes. Nullzinspolitik: Ein Rätsel für die Märkte", dass zumindest die britische Notenbank ihre Zinsen ebenfalls nahe Null senken wird.

"Faktisch null Prozent. Fed senkt Leitzins auf historisches Tief" informierte die FTD am 17.12.2008.

Mit äußerster Schärfe (und m. E. treffend) kritisiert "gy" in der Neuen Zürcher Zeitung vom 16.12.2008 unter der Überschrift "In alten Bahnen" die Geldpolitik des Federal Reserve Systems:
"Die Fed-Spitze erinnert an einen Systembetreuer, der seine Anlage nicht mehr richtig unter Kontrolle hat und in zunehmender Ungeduld und wachsendem Ärger immer stärkere Stromstösse durch die Leitungen schickt, auch wenn einige Drähte schon durchschmelzen. ..... die US-Geldpolitik [sendet] im Grunde das Signal aus ..., Leben und Wirtschaften sollen ähnlich weitergehen wie in den letzten Jahren. ..... Der Einwand, dass Banken, Unternehmen und Haushalte viele Mittel falsch investiert hatten und nun einige Zeit brauchen, um Fehler zu beheben und zu verdauen, hat in diesem Denkmodell wenig Platz. Diese Art von Geldpolitik hält vieles in alten Bahnen. Die Niedrigzinsen verleiten zu einem Verhalten, das man sich bei einer «normalen» Verzinsung nicht leisten könnte."

Allerdings bin auch ich der Meinung, dass unsere Geldpolitik mehr tun könnte (vgl. Blott "Guten Morgen Bundesbank! Auch schon ausgeschlafen?"), und zwar ohne eine Hyperinflation zu riskieren.

Robert E. Lucas jr., Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaft, begrüßt im Wall Street Journal vom 23.12.2008 die Zins- und Liquiditätspolitik der US-Notenbank: "Bernanke Is the Best Stimulus Right Now. A zero interest rate isn't the last weapon in the Fed arsenal."

Sehr viel kritischer war dagegen ein (anonymer) Kommentar des Wall Street Journal vom 16.12.2008 u. d. T. "Bernanke Goes All In". Auszüge (meine Hervorhebungen):
"The unhappy truth, however, is that markets have cheered previous Fed easing, only to be disappointed over time. ... the real test of policy is whether it contributes to economic growth, not whether Mr. Bernanke can dazzle the spectators with pyrotechnics. And on that score, the results of monetary policy this decade have been miserable. First, the Fed created the credit mania and housing bubble by keeping interest rates too low for too long. ... Then in autumn 2007, the Fed sent rates falling rapidly again, inspiring a second bubble, this time in commodity prices, that has only deepened the recession. ...
Now the Fed is embarking on a further monetary adventure and asking the world to believe that this time it will work. . We sincerely hope it does. ... As for the Fed, the $2.2 trillion question is whether it is willing to act fast enough to withdraw all of this excess liquidity once the economy turns up. Mr. Mishkin and ... Mr. Bernanke, insist the Fed will. But we've heard that before. ... The world's investors are saying they aren't sure they can trust Mr. Bernanke's monetary bet
."

Nicholas Gregory Mankiw, einer der "most influential economists in the world", bläst in seinem Blog-Eintrag vom 16.12.08 ins Horn der Inflationsforderer: "The Next Round of Ammunition". U. a. schreibt er:
"... the Fed needs to convince people that we are going back to the normal inflation rate of 2 to 3 percent.Let me suggest this wording for the Fed's next press release:
The Committee recognizes that moderate inflation would be desirable under the present circumstances. In particular, the overall level of prices a decade hence should be about 30 percent higher than the price level today
."
Seiner Zielsetzung:
"... even if the Fed cannot reduce nominal interest rates, it can reduce real interest rates by committing to a modest amount of inflation"
bin ich dem Grunde nach gar nicht einmal abgeneigt.
[Seinen eigenen Beitrag zur Inflation hat Mankiw bereits geleistet: sein Lehrbuch "Principles of Economics", "one of the most popular books on economics available today", kostet bei Amazon in der Hardcover-Ausgabe über 160,- Dollar. Oder soll man es als Deflationssignal werten, dass es von ursprünglich über 200,- US-Dollar reduziert wurde?]

Für das Bestreben von Bundesbankpräsident Axel Weber, negative Realzinsen möglichst zu vermeiden (s. HB-Bericht "Bundesbank-Chef warnt vor Nullzins-Politik" vom 11.12.08) habe ich nämlich ausgesprochen wenig Sympathie, weil dadurch die 'leistungslosen Einkommen' der Geldkapitalbesitzer immer mehr wachsen, was zwangsläufig letztlich zu Lasten der Arbeitseinkommen gehen muss (und diese Umverteilung hat vermutlich erheblich zur aktuellen 'Finanz'krise beigetragen). Ein negativer Realzins dagegen wäre das Äquivalent zum "Schwundgeld" oder "Freigeld", dem ich, schon wegen der Künstlichkeit des Entwertungsvorgangs (Kupons usw.), eher ablehnend gegenüber stehe, dessen Grundidee, das Geldkapital gewissermaßen 'an die Arbeit' zu zwingen, aber natürlich (immer außerhalb der ökologischen Dimension betrachtet!) gerade in einer durch Kreditknappheit induzierten wirtschaftlichen Krisensituation nicht verkehrt ist.

Dieter Wermuth berichtet über und bewertet die Fed-Entscheidung zur Zinssenkung sehr ausführlich im ZEIT-Blog "Herdentrieb" am 18.12.2008: "Leitwährungswatch.
Zauberlehrling löst Dollarschwemme aus
"
. U. a. schreibt er dort (meine Hervorhebungen):
"Insgesamt hat der Kampf gegen die Deflation eine Dollarschwemme ausgelöst. Bernanke ähnelt dabei dem Zauberlehrling in Goethes Gedicht. Wir wissen, wie das dort endete: Die Geister, die er gerufen hatte, ließen sich nicht mehr bändigen. Während im Gedicht der Zaubermeister gerade noch rechtzeitig zurückkommt und mit dem richtigen Spruch die Katastrophe abwenden kann, habe ich meine Zweifel, ob das diesmal auch so einfach sein wird. Wenn der Dollar mit aller Kraft wertlos gemacht wird, wer will ihn dann noch haben? Die Märkte haben da offenbar auch ihre Zweifel. Es sieht so aus, als ob der Euro bald zwei Dollar kosten würde."
Informativ ist u. a. auch der Kommentar von Bernd Klehn (Nr. 11), der aus verschiedenen von ihm verlinkten Informationen schlussfolgert:
"Mich würde es nicht wundern, wenn mal wieder sämtliche Quittungen vom Ausland bezahlt werden, während der Dollar ungeschoren davon kommt."


Nachträge 24.01.09:
In den USA macht man sich durchaus Sorgen um das Vertrauen in den Dollar: " 'Es besteht das Risiko, dass das Vertrauen in den Dollar sinkt', sagte Volcker" berichtet Tobias Bayer im Stern (22.1.09, "Obama-Berater warnt vor Dollarcrash").

Dass die EZB auch nicht ohne ist, wenn es um den Ankauf von Schrottpapieren geht, erfahren wir (schon am 18.05.2008, also lange vor dem Ausbruch dessen, was jetzt allgemein als Krise verstanden wird), in dem Blott "Die EZB stellt fest, dass sie verarscht wird" von Weissgarnix.

Warum die Politik der Liquiditätszufuhr die Konjunktur in der aktuellen Situation nicht anspringen lässt (und die Rezepte von Krugman scheintern müssen bzw. Gift sind), ist u. d. T. "Neue, phantastische Abenteuer mit der Liquiditätsfalle" im Blog "Weissgarnix" vom 2.12.08 leicht fasslich erläutert.


Nachtrag 27.01.09:
Einem Hinweis im Blog "WEISSGARNIX" ("Sind wir nicht alle ein wenig 'Hyper'?") verdanke ich (letztlich) den Link zum einem Interview von "NEWSWEEK" mit dem Präsidenten der (simbabwanischen, simbabwesischen, simbabweschen?) Zentralbank, also der Notenbank von Simbabwe, Gideon Gono, vom 24.01.2009: " ‘It Can’t Be Any Worse’. The head of Zimbabwe's reserve bank explains the policies that have led to hyperinflation" by Alaina Varvaloucas and Jerry Guo | Newsweek Web Exclusive.


Nachträge 12.02.09
Die Links zu Artikeln betr. "Hyperinflation" auf der Webseite "Surfwax economic news" zeigen die Besorgnis der Menschen in den USA über die lockere Geldpolitik der Fed und die Furcht vor einer Hyperinflation.
Diese Diskussion läuft auch bereits seit einiger Zeit; vgl. z. B. den Eintrag "Fire or Ice: Are We Headed Towards Hyperinflation or Deflation?" vom 15.10.08 im "George Washington's Blog" (mit zahlreichen Links).
Noch früher in der New York Times vom 18.09.08 der Artikel "Will Government Bailouts Lead to Inflation?" von Catherine Rampell.

Der Hyperinflation in Simbabwe ist sogar ein eigenständiger Lexikoneintrag in der (englischsprachigen) Wikipedia gewidmet.


Nachtrag 05.05.2010:
Ines Zöttl kommentiert heute in der Financial Times Deutschland "Helden der Neuzeit":
"Das Horrorbeispiel Griechenland vor Augen verordnen sich viele kleine Länder rigide Sparkurse. Dabei geht die größte Gefahr von den USA aus. .....
... auch die USA haben ihre Gläubiger betuppt: so Präsident Franklin D. Roosevelt 1933 mit einem Manöver, das den Dollar und damit die Schulden massiv entwertete. .....
Wenn die Anleger realisieren, dass die USA vielleicht doch keine sichere Bank sind, werden sie höhere Risikoprämien verlangen. Damit verteuern sich die Kredite für die US-Regierung, und ihr Defizit steigt weiter. Ein Kreislauf, wie wir ihn aus den griechischen Wochen kennen. Die Schuldenstruktur der USA ist ungünstig. Am Ende stünde die Pleite - allenfalls die Chinesen könnten Amerika raushauen.
Ein unvorstellbares Szenario? Kann sein, es gibt ja für Staaten einen anderen Weg, ihre Schulden loszuwerden: Sie inflationieren sie weg. Selbst schuld, wer US-Anleihen kauft."


Vieles spricht dafür, dass auch die Europäische Zentralbank den Weg des Inflationierens gehen wird. So jedenfalls wird am 5.5.10 gemutmaßt in dem FTD-Kommentar "Das Kapital. Und die EZB wird wieder kippen".

Und was vom US-Wirtschaftsaufschwung zu halten ist, lesen wir im FTD-Kommentar vom 3.5.10 "Das Kapital. Griechenland mal 43". Alles schuldenfinanziert, und somit genau so auf tönernen Füßen stehend wie die US-Vor-Krisenwirtschaft:
"Die Keynesianer sind beglückt ob des Wachstums der US-Wirtschaft. Doch sollten sie, wenn die Verbraucher zunehmend Einkommen verprassen, die sie selbst gar nicht erwirtschaften? Kennen wir das nicht irgendwoher?"
Auch diese Schulden werden Fed und US-Regierung eines Tages weginflationieren wollen.






Textstand vom 05.05.2010. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

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